{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_sha256": "f4c560be40de96e2b2b5e67e76d7c354d78089ebe3699f7b76bb374ad6a7bff3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/07/07_01/bmtnabi_1860-07-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "217", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 412, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Die Operntheater. Die italienische Oper Grosse Oper Komische Oper Theälre hjrique Of-\nfenbach's Buuffes). Drittes Jahresfest des mittelrheinischen evangelischen Lehrer-Gesang-Vereins. Das Aargauische Musikfest in Zo-\nfingen. Aus Würzburg (Das königliche Musik-Institut). Tages- und UnterhaltungsbJatt (Andernach, Sängerfest Frank-\nfurt a. M., Musik-Director-Wahl Berlin Schwerin München)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "220", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.1", "debut_caractere": 414, "fin_caractere_exclue": 4417, "texte": "Pariser Briefe.\n[Die Operntheater. Die italiänische Oper*. Margherita la\nMendicante von G. Braga. Grosse Oper: Pierre de Medicis\nvom Fürsten Poniatowski. Komische Oper: Le Roman\nd*Elvire von Ambr. Thomas; Le Chdteau Trompelte von Gevaert;\nRita, aus dem Nachlass von Donizetti; L'Habit de Milord von P.\nLagarde. Tkedtre lyriqne: Ma lante dort von EL Caspers;\nVhüemon et Bands von C. Gounod; Git Blas von T, Semet; Les\nValets de Gascorjne von Dufresne; Les Rosieres von Herold;\nMailre Palma von Fräulein Eivay. Offenbach's Botiffes.]\nWenn ich den gegenwärtigen Bericht mit den Italiä-\nnern beginne, so geschieht das nicht desswegen, weil sie,\ndie Nation auf der Halbinsel, in Aller Munde sind, sondern\nweil sie, die Opern-Gesellschart in Paris, die erste Neuig-\nkeit in diesem Jahre auf die Bühne gebracht haben. Mein\naufrichtiger Wunsch ist aber, dass die Nation einen besse-\nren Erfolg mit ihrem Entwicklungs-Drama habe, als die\n„Bettlerin\" auf den Brettern gehabt hat.\nSignor Braga ist ein guter Violoncellspieler, hat zwei\noder drei Opern auf die Bühne gebracht und sich dadurch\nfür befähigt gehalten, eine vierte für Paris zu schreiben.\nUm dem neuesten theatralischen Kunstgeschmacke seiner\nNation zu genügen, liess er sich von einem Landsmanne\nein schauderhaftes französisches Melodrama auf Italiänisch\nzurecht machen und schrieb dazu eine Musik, d. h. nahm\naus Donizetti und Verdi u. s. w., was ihm gefiel, und fügte\neinige Sätze eigener Mache hinzu, von denen zwei oder\ndrei gegen die Trivialität der übrigen zwar vortheilhaft ab-\nstachen, allein doch keineswegs des Beifalls und gar des\nDacapo-Rufes würdig waren, den man organisirt hatte. Der\nStoff dieser Margherita la Mendkanle ist unter aller Kri-\ntik; er würde auch eine bessere Musik zu Grabe tragen.\nGanz anders zog die Freunde der älteren italiänischen\nMusik die Wiederaufnahme von Cimarosa's Matrimonio\nsegreio an, die gerade den Abend vor Richard Wagner's\nerstem Concerte in demselben Theater Statt fand! D.e\nköstliche, siebenzig Jahre alte Oper war seit fünfzehn Jah-\nRen nicht gegeben; Lablache hatte in ihr vorzugsweise als\nGeronimo geglänzt, den jetzt Zucchini mit verdientem Bei-\nfalle gab. Die drei Sängerinnen Penco, Alboni und Dottini\nwaren vortrefflich, doch stand die letztere gegen die bei-\nden ersteren zurück. Die Oper gefiel sehr und bewies, dass\ndie Vergangenheit viel Zukunft hat.\nAls ein Ereigniss war Roger's Auftreten auf der ita-\nliänischen Bühne zu betrachten, zumal da es das erste in\neiner wirklichen Rolle war, da er bisher nach seinem Un-\nglücksfalle nur in Concerten gesungen hatte. Er sang den\nEdgardo in der Lucia und wurde mit stürmischem Applaus\nempfangen und bei seinen Leistungen wiederholt damit\nüberschüttet. Ich fand in ihm fast dieselbe Stimme wieder,\nwie früher, und ganz denselben trefflichen Sänger; durch\nsein Spiel im zweiten Acte gewann die Rolle ausserordent-\nlich. Der künstliche Arm bewährte sich vollkommen. Nach\ndem Schlüsse der Saison ist Roger nach dem südlichen\nFrankreich gereis't, wo er auf allen bedeutenderen Büh-\nnen Triumphe feiert.\nIm März kam Tamberlik und schlug allerdings mit\nseinem immer noch kräftigen hohen Brust-(7 bei allen\nStimm-Enthusiasten die Erinnerungen an Roger todt, wäh-\nrend die Vernünftigen diesen als Sänger weit über Tam-\nberlik stellten. Tamberlik's Zugrolle war Rossini's Othello;\nim Trovatore machte er nicht so viel. Dass Signora Bo rgh i-\nM a in o die Desdemona sang, die keineswegs in ihrer Stimrn-\nRegion liegt, war kein Vortheil für die Vorstellung; den-\nnoch wurde sie öfter wiederholt. Ein ausgezeichnetes Ta-\nlent und herrlicher Sopran ist Maria Battu, eine jugend-\nliche Sängerin, die der italiänischen Oper sehr noth thut,\nda diese seit Jahren nur Antiken vorführt.\nGegen Ende der Saison brachte man Meverbeer's\n£3 «J\nCrociato in Egitto wieder auf die Scene! Nun, bei der Ar-\nmuth und der Schwäche der gegenwärtigen Production der\nitaliänischen Maestri wollen wir gerade die Wiederaufnahme\neiner Oper Meyerbeer's aus dem Jahre 18*24 (erste Vor-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5228, "texte": "Stellung den 26. December auf dem Theater\nin Venedig) nicht verdammen, jedoch keineswegs der Com-\nposition den Werth und vollends „die historische Bedeu-\ntung\" beilegen, die ihr die guten Freunde Meyerbeer's—\nund er hat deren ja so viele!—bei dieser Gelegenheit an-\ndichten. Freilich winden sie sich selbst dabei ganz possir-\nlich im Kreise, z. B.: „Vom Crbis zu\nwar nur Ein Schritt, der durch verschiedene Umstände,\ndie wir nicht weiter aufzählen wollen, verzögert wurde;\naber es war ein Biesenschritt.\" (!!) Uebrigens ist die\nOper für die jetzige Aufführung nicht bloss in drei, statt\nin zwei Acte getheilt, sondern furchtbar beschnitten und\ndurch einander geworfen worden, wodurch die Handlung\nunverständlich, ja, am Schlüsse unsinnig geworden. Man\nist damit auf unverantwortliche W eise umgesprungen, wo-\nbei Meyerbeer selbst übrigens nicht betheiligt ist.\nDie g rosse Oper hat nur Eine Neuigkeit gebracht:\nPierre de Medicis,Oper in vier Acten und sieben Tableaux,\nText von St. Georges und Emilien Paci ni, Musik von\ndem Fürsten J. Poniatowski. Sie wurde am 9. März\nzum ersten Male gegeben und halte den Erfolg, den fürst-\nliche Compositionen zu haben pflegen. Was aber nicht bei\nallen der Fall ist, die Oper ist bis jetzt, Ende Juni, etwa\n15 —l6 Mal wiederholt worden und hat das Haus ge-\nfüllt. Zu loben ist an ihr, dass bei allerdings glänzender\nAusstattung in Costümen und Scenerie und sehr schönen\nDecorationen sie doch keineswegs zu den blossen Specta-\nkel-Opern gehört, in denen das Gepränge Alles und die\nMusik nur Zugabe ist.\nDer Stoff der Handlung ist eben nicht neu; feindliche\nBrüder, Pietro und Giuliano de' Medici, durch die Liebe zu\nLaura Salviati, Nichte des Gross-Inquisitors, entzweit, spie-\nlen die Hauptrolle.\nDer Oheim sagt die Hand der Nichte dem regierenden\nPietro zu; sie aber liebt den Bruder. Der Hass kommt zu\nAusbruch und Kampf; der verwundete Pietro geht in sich,\nman weiss nicht recht, warum, und lässt sich, um zwei\nGlückliche zu machen, nach der Kirche eines Klosters füh-\nren: zu spät, Laura hat bereits den Schleier genommen\nund das Gelübde gethan.\nDie Musik hat im Ganzen viel Melodisches und An-\nsprechendes und erhebt sich zuweilen zu dramatischer\nHöhe, besonders im Finale des zweiten Actes, aus dem der\nSatz, in welchem die Brüder ihrer Wuth düstere Worte\nund Töne leihen und Laura voll banger Ahnung das Un-\nheil voraussieht, wiederholt werden musste. Der Contrast\ndieser Situation der Hauptpersonen mit dem Feste, das im\nGarten des Palastes als italiänische Nacht mit glänzender\nIllumination gefeiert wird, trägt zu der Wirkung bedeu-\ntend bei. Dagegen ist das Ballet\nworin die Ferraris tanzt, zu lang, trägt aber trotzdem viel\nzum Besuche des Hauses bei. Den italiänischen Ursprung\nverläugnet freilich die Musik nirgends, auch fehlt es nicht\nan Verdi'sehen Anklängen, namentlich im dritten Acte,\nwo Giuliano die Gesänge der Nonnen aus dem Kloster hin-\nter der Scene hört, wie im Trovatore der Graf das Mise-\nrere. Aber auch die besseren Eigenschaften der älteren\nitaliänischen Musik finden sich, Klarheit und melodischer\nFluss.\nSonst ist von der kaiserlichen Oper nichts Bedeuten-\ndes zu berichten, ausser dass am 20. Juni die Vorstellung\nvon Rossini's Graf Ory und des Ballets La Sylphide zum\nersten Male in der durch das Gesetz bestimmten herab-\ngesetzten Normalstimmung des Orchesters gegeben\nwurde. Der Erfolg bewies, dass bei den offenbaren Vor-\ntheilen für die Sänger die Instrumentalmusik durchaus\nnicht an Glanz verlor. Soll übrigens dadurch wirklich Ent-\nschiedenes geleistet werden, so muss die unbedeutende Er-\nniedrigung nur als der erste Schritt zum Besseren betrach-\ntet werden. Indess wollen wir froh sein, dass wenigstens\ndem unsinnigen Steigen der Stimmung ein Ziel gesetzt\nund dass mit dem Herabdrücken doch ein Anfang gemacht\nworden ist.\nDas Theater de l'Opeia comique brachte am 4. Fe-\nbruar eine bedeutende Neuigkeit: Le Roman d'Elvire, in\ndrei Acten von Alex. Dumas und de Leuven, Musik\nvon Ambr. Thomas.\nDieses neueste Werk des begabten Componisten hat\nzwei unbestreitbare Vorzüge. Erstens ist es einmal wieder\neine wirkliche komische Oper, nicht ein melodramatisches\nBührspiel und Spectakelstück mit obligater Maschinerie,\nDecorations-Luxus, Wasserfällen u. s. w., und zweitens\nhält sich die Musik ebenfalls in den Schranken der Gattung,\nin denen auch jetzt noch, wie z. B. das Finale des zweiten\nActes zeigt, mit Talent ausgeführte und dramatisch ent-\nwickelte Musik sehr wohl ihren Platz findet, wenn der\nrechte Mann darüber kommt.\nDer Titel der Oper hat mit der eigentlichen Handlung\nnur in so fern zu thun, als die Marquise von Villa-Bianca\ndem Ritter Gennaro, dem vor den Thüren ihres Palastes\ndie Sbirren auflauern, um ihn in den Schuldthurm zu füh-\nren, auf seine Bitte um eine Zufluchtsstätte für die Nacht\naus dem Boman Elvira die Antwort vorlies't, welche Elvira\neinem Paladin auf dieselbe Bitte gibt: „Ich kann bei Nacht\nin meinem Schlosse nur meinen Gatten aufnehmen.\"\nWas ist zu thun? Die Marquiseist sechszig Jahre alt, und\nGennaro ist in eine „Sirene\" verliebt, die ihren Namen,\nwas die Verführungskünste betrifft, mit Recht trägt.\nDennoch entschliesst er sich auf den Rath der Zigeunerin\nLilla zur Heirath, in der Hoffnung, dass die Millionen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "der Marquise ihm die Gunst der Sirene leicht erobern\nwerden.\nAber, o weh! er kann nicht aus dem Schlosse; seine\nGemahlin hält ihn gefangen. Doch Lilla weiss Rath; sie\nverspricht, der Gebieterin einen Schlaftrunk zu geben, nach\ndessen Wirkung er ihr die Schlüssel zum Schlossthor ent-\nwenden könne. Sie vergreift sich in dem Fläschchen, und,\no Wunder! der Trank macht die Marquise urplötzlich um\nvierzig Jahre jünger. Gennaro ist entzückt und verliebt sich\nsterblich in seine junge, schöne Gattin. Sie aber hat durch\ndie zauberische Verwandlung das Gedächtniss verloren und\nwill von ihm nichts wissen. Zum Uebermaass des Unglücks\nerscheint der Podesta, fragt nach der verschwundenen al-\nten Marquise und verhaftet den Gennaro, als des Mordes\nverdächtig.\nEs gibt nur Ein Mittel zum Beweise seiner Unschuld,\ndie Rückverwandlung der geliebten zwanzigjährigen Mar-\nquise in die sechszigjährige. Lilla ist dazu bereit und braut\nden Trank; aber in dem Augenblicke, wo jene sich bere-\nden lässt, ihn zu trinken, hält Gennaro selbst sie zurück\nund will lieber selbst das Opfer sein, als so viel Reiz und\nJugend vertilgen zu lassen. Dennoch trinkt die Marquise\nmit verhülltem Gesicht, dann schlägt sie plötzlich den\nSchleier zurück und sinkt mit unveränderter Jugendschön-\nheit dem Erstaunten in die Arme.\n'\nMan erräth, dass Alies ein Spiel war, zwischen ihr\nund Lilla abgekartet, um Gennaro, den sie liebt, und der\nsie um der Sirene willen verlassen hatte, wieder in ihr\nNetz zu ziehen und seine Liebe auf die Probe zu stellen.\nFreilich muss man sich in die Zeit Ludwig's XIII. versetzen,\num über den starken Köhlerglauben Gennaro's hinweg zu\nkommen; allein das Ganze ist mit so allerliebsten Details\ngewürzt und liefert so trefflich komische Situationen und\nImbroglio's für die musicalische Behandlung, dass man sich\ndem Amalgama von Wirklichkeit und Märchenhaftigkeit\nunter dem günstigen Eindruck der Musik ohne kritische\nReflexion hingibt.\nOb sich die Oper eben so wie der „Kadi\" und der\n„Sommernachtstraum\" desselben Componisten auf dem\nRepertoire halten wird, kann man freilich noch nicht wis-\nsen; allein bis jetzt macht sie immer noch volle Häuser,\nund der zweite Act wenigstens übertrifft offenbar alles, was\nThomas bisher geschrieben hat, und ein Verdienst des\nGanzen ist, wie ich schon oben bemerkt habe, die Enthal-\ntung von Uebertreibungen und Ausführungen der Schreib-\nart, die nicht für die komische Oper passen. Auch der\nerste Act bringt einige sehr ansprechende Stücke, beson-\nders zwei Duette, das erste zwischen Lilla und der Mar-\nquise, das zweite zwischen dieser und Gennaro, in welches\ndie Vorlesung aus dem Roman Elvira geschickt verwebt\nist. Der dritte Act fällt gegen den zweiten ab; ein Bolero\nder Marquiseist gewöhnliche Canarienvogelpfeiferei, die\nnun einmal nicht fehlen darf; ein Terzett und die Romanze\nGennaro's, als er die Rückverwandiung nicht zulässt: Ah!\nce serait un crime! sind die besten Stücke darin.\nAm hervorragendsten in der Ausführung ist der Te-\nnor Montaubry, der alle Ansprüche von Tag zu Tag\nmehr befriedigt. Die Damen-Rollen sind beide recht dank-\nbar; die Demoisellen Monrose (Marquise) und Lemer-\ncier (Lilla) singen und spielen sie recht gut. Das Orchester\nder komischen Oper ist unter Tilmant's Direction vor-\ntrefflich.\nEine zweite Neuigkeit, Le Chdteau Trompette, in drei\nActen von Cormon und Mich. Carre, Musik von Ge-\nvaert, brachte der 23. April.\nAuch dieser Titel zeigt, wie der vorige, dass es Mode\nwird, durch den Titel auch nicht das Geringste vom Inhalt des\nStückes zu verrathen, sondern nur die Neugierde durch ein\nauffallendes Aushängeschild zu spannen. Dieses Mal ist das\nim doppelten Sinne der Fall; denn Le Chäteau Trompette,\nin der Geschichte einZwing-Uri gegen die Stadt Bordeaux,\nist hier nichts als das Schild eines Wrirthshauses in Bor-\ndeaux, wo Jeder für sein Geld, also auch der Marschall\nRichelieu unter Ludwig XV., galante Soupers geben konnte.\nDie Handlung beruht auf Mystification des obwohl alten,\naber doch von allen Ehemännern noch gefürchteten Mar-\nschalls, der in dem Stück eine in jeder Hinsicht schlechte\nRolle spielt, wogegen Lise, eine allerliebste Grisette, die\nschlaue Braut eines jungen, sehr unbedeutenden Bordo-\nlesen, eine desto dankbarere hat. Sie ist es nämlich, welche\nunter der Maske einer berühmten Schönheit, die der Her-\nzog von Richelieu entführen lässt, ihn bei der Nase herum-\nführt, wozu Madame Cabel ihre ganze Soubretten-Coquet-\nterie und Lerchen-Coloratur zum Entzücken ihrer Vereh-\nrer bis zum Ueberdruss der soliden Kunstfreunde aufwen-\ndet. Das Motiv, das den Bräutigam bewegt, die immerhin\ngefährliche Komödie zuzugeben, ist das Verlangen, das\nPortrait seiner Mutter, welches der Herzog in der Galerie\nseiner Opfer besitzt, die er auf allen seinen Reisen mit\nherumführt (!), dieser compromittirenden Lage zu entziehen,\nd. h. zu stehlen!! Und Lise bringt das Kunststück fertig.\nDie Oper könnte also auch heissen: „Moralisches Diebsge-\nlüste\". Echt französisch!\nGevaert, bekanntlich ein Belgier von Geburt, ist ein\ntüchtiger und talentvoller Musiker, allein das Schreiben für\ndie Bühne in Paris, diese heisshungrige stete Kläfferin\nnach neuem, frischem Futter, hat ihn auch schon dahin\ngebracht, sich selbst mehr als sonst durch die Finger zu\nsehen und einerseits gute Intentionen, die sich glücklich\nankündigen, nachlässig durchzuführen, andererseits bei der\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4094, "texte": "Aufnahme von Motiven nicht sehr wählerisch zu sein, und\ndiese dann mehr mit Geschicklichkeit und Formgewandt-\nheit, als mit Geist und Talent zu behandeln. Indess enthält\ndie Oper gefällige und auch einige durchschlagende Stücke\nund hält sich neben dem Rom noch auf dem\nRepertoire.\nZuletzt hat dasselbe Theater noch zwei einactige\nOperetten gebracht, eine Gattung, die auch bei den gros-\nsen Theatern wieder mehr Eingang findet, seitdem sie in\nden Banfes Parisiens so viel Anziehungskraft bewährt.\nDie erste (am 7. Mai): Rita ou le Mari battu, Text\nvon Gust. Vaez, hat dadurch ein besonderes Interesse,\ndass die Partitur aus dem Nachlass von Donizetti her-\nrührt. Die Echtheit und dass Donizetti die Musik auf den\nfranzösischen Text geschrieben hat, ist durch eine Unter-\nsuchungs-Commission festgestellt, zu deren fünf Mitgliedern\nunter Anderen Düprez und Dietsch gehören. Es ist also\nnicht von einem Pasticcio aus Donizetti'schen Fetzen die\nRede, wie neulich bei der so genannten Rossini'schen Oper\nUn acciclente curioso,sondern von einer „fertigen, voll-\nständig instrumentirten, von Donizetti's Hand geschriebenen\nPartitur\", wie dasZeugniss der Commission sich ausdrückt.\nEs ist eine Buffo-Operette, amüsant genug, obwohl\noft im Stoffe da gewesen. Ein Matrose, Gasparo, der seine\nFrau bald nach der Hochzeit geprügelt hat und in See\ngegangen ist, kommt zurück, findet sie verheirathet mit\nPeppe, den sie prügelt. Gasparo hat aber in America eine\nandere Braut; leider hat Rita seinen Ehe-Contract noch\nin Händen. Die Männer spielen alla um die Frau,\nGasparo gewinnt, d. h. er verliert, denn er muss die Frau\nwieder annehmen. Er schmeichelt ihr den Contract ab,\nzerreisst ihn, macht sich aus dem Staube und gibt Peppe\nden Rath, wenn ihn die Frau prügeln wolle, das Zuvor-\nkommen zu spielen.\nDer Componist des Don Pasqualeist in der That nicht\nzu verkennen. Die Musik hat Frische und Eleganz derMe-\nlodieen, ist geschickt geformt, voll munterer Komik in ita-\nliänischer Farbe. Das Erkennungs-Duett zwischen Gasparo\nund Rita, das Duett beim ei, ein Lied\nPeppe's, der kreuzfidel ist, seine Frau los zu seih, das\nSchmeicbel-Duett Gasparo's mit Rita und das Schluss-Ter-\nzett, Alles hört sich hübsch an und unterhält.\nAuffallend bleibt freilich, dass diese Partitur erst drei-\nzehn Jahre nach Donizetti's Tode zum Vorschein kommt.\nDie hiesige „Theater-Zeitung\" setzt indess die Hemmnisse\naus einander, welche die längst projectirte Aufführung in\ndem dreifachen Wechsel der Direction des Theaters der\nkomischen Oper gefunden habe.\nDie zweite Operette (am 16. Mai) heisst\nMilord, Text von Sauvage und Leris, Musik von Paul\nLagarde. Der Componist ist ein Dilettant, der die Müsse-\nstunden, die ihm seine Geschäfte an der Börse übrig las-\nsen, der Musik widmet. Dagegen wäre nichts zu sagen,\nwenn nur die Dilettanten, von denen Paris wimmelt, das\nComponiren liessen! In Deutschland machen sie sich höch-\nstens an Lieder oder kleine Ciavierstücke; hier, wo das\nArriver ä la sc'ene lyriquedas Losungswort der hundert\nComponisten von Fach und von Beruf ist, bringen die Di-\nlettanten, Fürsten, Banquiers und Mäkler gleich ganze\nOpern auf den Markt, und da sie mehr Mittel haben, als\ndie Musiker, die Hindernisse zu beseitigen und ihre Sachen\ngeltend zu machen, so „arriviren\" sie, während die mit-\ntellosen Componisten Jahre lang zum Warten verurtheilt\nsind und oft darüber hinsterben. Ich habe den Act des\nHerrn Lagarde nicht gesehen, höre aber, dass ein gewisser\nErfolg der ersten Aufführung einer Scene zu verdanken\ngewesen, in welcher ein Barbier, den man als Officier des\nPrinzen Eduard festnehmen will, sich erbietet, einen Lord\nzu rasiren, sich aber aus Furcht dabei sehr ungeschickt\nbenimmt u. s. w. In der Ouvertüre fiel eine Melodie aus\neinem bekannten Walzer von Strauss auf, und ein behag-\nliches Trinklied wurde da capoverlangt. Man muss wissen,\ndass dies jetzt Mode ist; wenn keine einzige Nummer bis\nverlangt wird, so ist die Oper durchgefallen. Ob sie aber\nwirklichen Erfolg gehabt, wenn einmal bis gerufen wor-\nden? 0 nein! Das „bisser\" ist nur eine neue Form der\nClaque.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "220", "page_fin": "221", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.2.3", "titre_corps": "Drittes Jahresfest des miţelrheinischen evangelisches Lehrer-Gesangvereins.", "titre_sommaire": "Drittes Jahresfest des miţelrheinischen evangelisches Lehrer-Gesangvereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.4", "debut_caractere": 4096, "fin_caractere_exclue": 5063, "texte": "Drittes Jahresfest des miţelrheinischen evangelisches\nLehrer-Gesangvereins.\nDieser Verein feierte am 31. Mai <]. J. sein drittes\nJahresfest in Simmern, demselben Orte, wo er bei Gele-\ngenheit der Zusammenkunft vieler Lehrer zur dreihundert-\njährigen Reformationsfeier im Juli 1857 in Aussicht ge-\nnommen und später durch den Musik-Director Flügel ins\nLeben gerufen wurde, so dass 1858 das erste Lehrer-\nGesangfest unter Flügel's Direction in St. Goar und 1859\ndas zweite, stellvertretend unter Leitung des Herrn Lehrers\nFetz aus Dierdorf (Musik-Director Flügel war inzwischen\nnach Stettin versetzt) in Trarbach Statt fand. Bei dem\ndiesjährigen Lehrer-Gesangfeste wirkten etwa 90 Lehrer\nmit, nämlich nur die, welche der Generalprobe beigewohnt\nhatten.\nVon der Nahe waren nur „sehr wenige\" Lehrer er-\nschienen, der Hunsrücken hatte das grösste Contingent ge-\nstellt. Das Fest war von ausnahmsweise schönem Wetter\nbegleitet und kann, einige Disharmonieen in den General-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3537, "texte": "Versammlungen abgerechnet, als gelungen bezeichnet\nwerden.\nEs kamen in der Kirche Compositionen von Antonio\nLotti, L. Spohr, Schnabel, E. Richter, Rebling und G.\nFlügel zur Aufführung.\nZu wünschen wäre gewesen, dass man für Stimmung\nder Orgel vorher Sorge getragen hätte.\nVon den Männergesängen, die am Vormittag in der\nKirche zur Aufführung kamen, sprachen besonders an:\nder Krummacher'sche Psalm; „Herr, unser Gott, wie gross\nbist Du!\" von Schnabel; „Wahrlich, all unsre Qualen\"\nvon Ant. Lotti; „Selig sind die Todten\" von L.Spohr und\n„Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen\" von E. Richter.\nDas Solo-Quartett „In seiner Hand ist, was die Erde brin-\nget\" wurde von den Herren Lehrern Dilg, Beck, Mül-\nler und Prass aus Neuwied gut vorgetragen. „Gnädig\nund barmherzig ist der Herr\", Doppelchor von E. Richter,\nund desselben Choral-Motelto: „Ich weiss, dass mein Er-\nlöser lebt\", hätten besser gehen können. Die Lehrer haben\nsonst mit grosser Begeisterung gesungen, und die Gesang-\nPiecen gingen im Ganzen sehr gut.\nDie Kirche war sehr besucht und wäre wohl noch\nbesuchter gewesen, wenn nicht in dem benachbarten Kirch-\nberg Markt und in Simmern Fruchtmarkt gewesen wäre.\nDie Orgel-Vorträge anlangend, so ist der des Herrn\nLehrers Fetz aus Dierdorf, welcher den ersten Satz aus\nder Töpfer'scnen D-moll-Sonalespielte, zuerst zu nennen;\nferner die wackeren Vorträge der Herren Lehrer Stauer\naus Bell, Wild aus Wienau, die beide Compositionen von\nRink spielten, und Stauer aus Kirchberg.\nDie festfeiernden Lehrer und viele Geistliche, etwa\n£\n120 Personen, vereinigten sich zu einem gemeinschaftli-\nchen Mittagessen im Hunsrücker Hof. Die Ehrengäste aus\nCoblenz waren leider abgehalten, dem Feste beizuwohnen.\nDie Toaste galten Sr. Majestät dem Könige und dem\nPrinz-Regenten, der Stadt Simmern, dem Lehrer-Gesang-\nvereine, der vorgesetzten Behörde, dem Musik-Director\nFlügel in Stettin und Herrn Lehrer Fetz in Dierdorf.\nGegen 4 Uhr Nachmittags begab man sich in Rott-\nmann's Garten, wo sich ein Publicum in Masse eingefun-\nden hatte, um die weltlichen Gesänge auszuführen. Es\nwurden Lieder von B. Klein, Fr. Kuhlau, C. Kreutzer,\nF. Glück, Mendelssohn, Fischer, Stuntz und C. Wilhelm\nund ausserdem schöne Volkslieder gesungen.\nNach 7 Uhr Abends kehrte man wieder in den Huns-\nrücker Hof zurück, um noch eine zweite Generai-Versamm-\nlung abzuhalten.\nFür 1861 ist Sobernheim an der Nahe als Festort\nfestgestellt. Herr Fetz wurde mit Ausnahme von sechs\nStimmen wieder zum Dirigenten gewählt, Herr Lehrer\nBungeroth in Sobernheim als dessen Stellvertreter. Die\nHerren Lehrer Drescher und Prass in Neuwied bleiben im\nVorstande. Die Festgenossen blieben bis weit über die\nBürgerglocke hinaus beisammen, dem Vortrage der Ge-\ndichte in hunsrücker Mundart des wackeren Bürgermeisters\nRottmann aus Simmern mit gespannter Aufmerksamkeit\nlauschend; z. B. aus dem Schiller-Feste:\nrVum Annleis (Anne Liese) reisst sich stolz der Pehrer (Peter),\nEr muss zum Militair ennaus.\nZu Potsdam bei der Gard', do stehr er,\nUnd steiht da als Recrut viel aus.\nNo drei Jobr kummt der Pehrer wierer\nUnd seiht das Annleis vor sich steh'n.w U. s. w.\nAusserdem liess der simmern'sche Lehrer-Gesangverein\nunter Leitung des Herrn Schönburg seine Weisen erschal-\nlen und sang recht wacker. Im Ganzen bedauerte man,\nsich schon „so früh\" trennen zu müssen. Wir können\naber diesen Bericht nicht schliessen, ohne Herrn Lehrer\nAckermann zu Simmern, der die Vorbereitungen zum\nFeste freundlich übernommen hatte, im Namen aller Fest-\ngenossen noch einen besonderen Dank auszusprechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "221", "page_fin": "223", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.2.4", "titre_corps": "Das Aargauische Musikfest in Zofingen, den 21. und 22. Juni 1860.", "titre_sommaire": "Das Aargauische Musikfest in Zofingen, den 21. und 22. 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Die Or-\ngel hat einen schönen Ton. Die Künstler spielten ausge-\nzeichnet, theils im strengen, theils im freieren Stil.\nSchon in den Proben, welche den ersten Tag (d. 21.)\nfüllten, hatte man Freude an den wohl eingeübten Solo-\nund Chorgesängen. Und Hiller's Orchester-Begleitung ist\nso reich, ja, so überreich und auch in den sonst mehr\nzurücktretenden Instrumenten so erfüllt von mannigfachem\nZierath, dass mir oft war, als spiele ich eine Sinfonie mit.\nDie zofinger Freunde hatten uns einen heiteren Feierabend\nim Römerbad bereitet; aber strömender Hegen verhinderte\nden Genuss des Abends in der Gesellschaft im Freien und\nin der sonst so schönen Gegend. Desto traulicher waren\nnoch die Stunden bei dem Abendessen im Schützenhause,\nwelches mit Blumen reich und geschmackvoll geziert war."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5422, "texte": "Das Fest am 22. eröffnete früh am Morgen auf den\nHauptplätzen der Stadt ein Posaunenchor; es blies rein\nund mit Ausdruck die ewig schönen Choräle: „Wachet\nauf!\" und „Wie schön leucht't uns der Morgenstern.\"\nDann mahnte auch die Morgenglocke: „Wach' auf, mein\nIlerz!\" Die Sonnenwende des 22. Juni konnte nicht schö-\nner begrüsst werden, als mit diesen beiden Morgensternen\nechter Kirchenmusik, und siehe, der gestern noch so strö-\nmende Himmel fing an, sich aufzuheitern. Wir konnten\nnoch einen Spazirgang um die Stadt herum und in der\nlieblichen Umgegend machen.\nDen Hauptpunkt bildete die Aufführung des Orato-\nriums „Saul\" von Hiller. Die Ausführung dieses in vielen\nBeziehungen schwierigen Werkes machte der zofinger Mu-\nsik-Gesellschaft so wie allen Mitwirkenden alle Ehre. Es\nwar ein heroisches Unternehmen von Zofingen, ein solches\nWerk zu wählen; aber es hat seine Aufgabe wacker ge-\nlös't und sein musicalisches Principat im Aargau von Neuem\nbewiesen. Der Dirigent, Herr Petzold, bewies auch da\nwieder seine bekannte Meisterschaft. Sein sicheres, ruhiges\nAuftreten, verbunden mit der gründlichen, tiefen Auffas-\nsung des Werkes, musste Allen, auch denen, die dasselbe\nzum ersten Male spielten, Zutrauen und Sicherheit einflös-\nsen. Wir glauben, dass diesem „Saul\" seine grosse Zu-\nkunft nicht fehlen wird. Es ist ein geniales, edles Werk,\ndas denen der alten Meister darf an die Seite gestellt wer-\nden. Eine schöne Sonne, welche die moderne musicalische\nRichtung überstrahlt und viele Fixsterne und Kometen mit\nihren langen Schweifen in Schatten stellt!\nDie Besetzung des Orchesters und Chors zählte an 300\nMitwirkende, worunter 14 Contrabässe und 60 Violinen.\nDie Orgel, deren Stimme Hiller eigens für diese Auffüh-\nrung hinzugeschrieben, machte an den betreffenden Stel-\nlen eine gewaltige Wirkung. Besonders gut vorgetra-\ngen wurden die Chöre; unter ihnen sprachen vorzugsweise\nan der erste: „Saul hat tausend geschlagen\"; ferner die\nso lieblichen: „Der Herr hat seine Seele vom Tode erret-\ntet\", und: „0, wie schön, wenn in Eintracht Herrscher\nwohnen!\" dann die mächtigen: „Die Stimme des Herrn\ngeht mit Macht\" (Psalm 29), und: „Wehe, wehe., finstere\nKunde\", und andere. Noch gelungener dünkten Vielen\ndie Solo-Gesänge, die auch ohne Ausnahme gut vorgetra-\ngen wurden.\nWohl am besten dargestellt ist Samuel's Charakter,\nvon Herrn Nationalrath R in gier von Lenzburg mit immer\nnoch starkem Bass und tiefem Gefühl gesungen; den Sau!\nsang der klangreiche Bariton Herr Geilinger-Bieder-\nmann von Winterthur mit Sicherheit und ausdauernder,\nphysischer Kraft; eben so vorzüglich Herr Dr. E. Munzin-\nger von Ölten mit weicher und süsser Tenorstimme den\nvon Hiller etwas sentimental gehaltenen David; sehr brav\ndie untergeordneten Rollen, den Jonathan der Tenorist Herr\nEglinger von Basel und den Boten der kräftige Bariton\nHerr Wieland von Aarau. Die schwere Partie der Mi-\nchal sang mit heller, klangreicher und ausreichender So-\npranstimme Fräulein Rosa Suter von Zofingen, und die\nZauberin von Endor nicht minder gut Fräulein Mathilde\nSiegfried von Zofingen mit umfangreicher, kräftiger Alt-\nstimme. Von diesen Sologesängen rührten besonders: Da-\nvid's Lied: „Mir sind nicht Ruhm und Glanz beschieden\";\nin Samuel's Gerichtsspruch: „Er winkt, und von den hun-\ndert Erdenreichen weht hin ein Häuflein Asche nur\", wo\nauch die Begleitung eine sehr lebendige und ergreifende\nDarstellung ist; in Saul's Gesang „Lasst von Verfolgung\"\nbesonders die Stelle: „Süsser Friede fiel auf meine Wim-\nper\"; Michal's Gesänge: „Esschwand von uns das Trauern\"\nund „O du, den meine Seele liebet\", und so noch manche\nandere Einzelheit, die Recitative und den Gesang des Mit-\nleids der Zauberin nicht ausgenommen. Da, wo David\nsingt, lässt Hiller die Harfe eintreten; sie wurde meisterhaft\ngespielt von der Gattin des anwesenden Herrn C. Reiter,\nMusik-Directors von Basel. Diese Harfentöne waren gol-\ndene Arabesken in dem grossen Pracht- und Prunkgewebe.\nDas Gelingen der Aufführung war in jeder Hinsicht\nerfreulich. Denn es zeugt offenbar von einem besseren\nSinne, der edlere Geistesgenüsse sucht, dass auch in einem\nCanton, der nicht die Kunstmittel einer grösseren Haupt-\nstadt besitzt, und in einer kleineren Stadt wie Zofingen und\nin den anderen aargauischen Städten so viel Kunstliebe vor-\nhanden ist, dass die vereinten Kräfte Meisterwerke, die zu\nden grössten gehören, und zwar meist ziemlich gelungen,\naufführen können. Das verdankt Zofingen dem unermüd-\nlichen Eifeu und der Geschicklichkeit des Musik-Directors\nPetzold, der seit Jahren Sänger und Instrumentalisten\nherangebildet hat, und der allein das dortige Musikwesen\nleitet. Der Mangel einer solchen einheitlichen Leitung hin-\ndert oft an anderen Orten das Gedeihen des musicalischen\nLebens. Dazu kommt noch die Unterstützung, welche die\nKunst durch die städtischen Behörden findet; und auch die\nbekannte ungemeine Gastfreundschaft der Zofinger hilft\nzum Gelingen eines solchen Musikfestes.\nNach dem Concerte beschloss ein Festessen im Schützen-\nhause und danach in dem oberen Saale ein Ball den schö-\nnen Tag.—Am Morgen des 23. Juni wurde noch Beetho-\nven's C-mo/Z-Sinfonie mit ungewöhnlichen Kräften aufge-\nführt, von gegen 130 Instrumentalisten, und wir hatten an\ndem herrlichen Werke des Meisters einen seltenen Genuss.\nIn schweizerdeutschen Reimen brachte am Fest-Abend-\nessen ein Musikfreund einen Toast auf die Sängerinnen aus,\nin welchem es unter Anderem hiess:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 821, "texte": "De Männerchor in Ehre!\nMer wünsche n ihm au Glück;\nMög allwil fin er singe\nUnd nüt (nichts) als Meisterstück.\nMer aber, ir Sängerinne\nUnd Sänger, gend de Pris\nDer ältste Musikordnig,\nSi stammt usem Paredis.\nDer Adam het und d Eva\nNit gsunge en Männerchor,\nWos Nachtigalle-Solo\nHet klunge n irem Ohr,\nDo händ si grad mit Duette\nTgstimmt; das het denn im Wald\n50 herrlich tönt zäntume;\n51 händ nit ufgliört sobald.\nJetzt händ si gjubelt selbander\nUnd wieder elei; der Bach\nUnd d Luft händ si begleitet\nMit Wise mannigfach.\nDerzue händ d Lerche und d Amsle\nD Chör gsunge um und um;\nUnd das ist gsi uf Erde\nDas erst Oratorium.\nSgelt drum de Sängerinne!\nDer Michal und dem Zug,\nWo mit ere n ist zöge,\nEn userlesne Flug;\nS soll au der Harfnerin gelte,\nSie ist nit die letzt derbi,\nUnd s Hexli au von Endor\nSöll nit yergesse si!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "224", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.2.5", "titre_corps": "Aus Würzburg.", "titre_sommaire": "Aus Würzburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.7", "debut_caractere": 823, "fin_caractere_exclue": 4684, "texte": "Aus Würzburg.\nMit dem Beginne des Sommer-Semesters wurden in\nder schon länger bestehenden Weise an jedem Samstage\ndie öffentlichen Musik-Proben im königlichen Musik-In-\nstitute*) fortgesetzt, wobei I. an Sinfonieen nebst drei\nwiederholten von Mozart und Beethoven neu zur Auffüh-\nrung kamen: a) von Jos. Haydn aus D, %, b) Beet-\nhoven's Nr. 4in B, c)dessen Pastoral-Sinfonie in und\nd) von Herrn Capellmeister Wilh. Beul in g aus D (Ma-\nnuscript). 11. Die Ouvertüren waren ebenfalls theils wie-\nderholte von Mozart, Cherubini, Weber und Winter, theils\nhier neu, von Beethoven zu Coriolan und von Spon-\ntini zur Vestalin. 111. Von Werken anderer Art kamen\nvor: acht Männerchöre, dann das Streich-Quartett Nr. 4\nin Es von Mozart. Nebst diesen wurden noch producirt die\nMusikstücke zum Maifeste der k. Studien-Anstalten und für\ndie kirchlichen Feste, z. B. der ersten heiligen Commu-\nnion, Pfingsten u. 's. w., die nöthigen Messen, Vespern,\nAntiphonen u. s. w.\nBesonders interessant war die am 9. Juni in Anwesen-\nheit des Componisten Statt gehabte erstmalige Aufführung\neiner noch neuen Sinfonie aus D, Op. 126, von dem in\nseiner Vaterstadt Darmstadt in Pension lebenden k. k. öster-\nreichischen Herrn Hof-Capellmeister W. Beuling. Dieses\ngrossartige Werk konnte mit Becht zwischen die Werke\nunserer Classiker eingeschaltet werden, indem es bei be-\ndeutungsvollen, interessanten, gut und klar verbundenen\nund ausgearbeiteten Hauptsätzen ein schönes Ebenmaass\nund eine treffliche Instrumentirung bekundet und dabei\ncharakteristisch gut durchgeführt ist. So viel nach einma-\nligem Hören klar werden konnte, möchte das Ganze der\nErscheinung und dem Wirken eines grossen, würdigen,\nedlen Charakters in seinen verschiedenen Lebens-Verhält-\nnissen zu vergleichen sein, der, im Allgemeinen ernst, feier-\nlich, würdevoll und erhaben sich darstellend, in den ent-\nsprechenden Momenten aber auch tiefe Gemüthlichkeit und\nInnigkeit zeigt, so wie dem regen Leben und der Freude\nsich hingibt.\nDie Einleitung, ein vom Streich-Quartett angestimm-\ntes, von den Bläsern theilweise beantwortetes, gemüthliches\nAndantino, D-dur,3/3, das in seiner zweiten Häfte in ein\nvon den Streich-Instrumenten in lebhaften Figuren ausge-\nführtes und vom übrigen Orchester mit vollen, kräftigen\nAccorden begleitetes Moll ausweicht, führt nach diesem\nberuhigt und wie von den Seufzern einzelner Blas-Instru-\nmente unterbrochen in das erste Allegro, ein, welches\nvon den Saiten-Instrumenten mit einem interessanten, aus-\ndrucksvollen, wohlgegliederten Thema in milder Weise be-\ngonnen wird, das später mit Kraft vom ganzen Orchester\naufgegriffen und in mannigfachen Verschlingungen zu einem\ngrossartigen Tongemälde verarbeitet und meisterhaft durch-\ngeführt ist. Das Andante, B, %, beginnt mit einem wei-\nchen, milden Gesänge für vier Celli und Contrabass, der\nvon den Blas-Instrumenten mit zarter Begleitung der Streich-\nInstrumente reproducirt wird, sich durch öfter eingeschal-\ntete, theils kräftig, theils mild auftretende Triolen-Figuren\nzu grösserer Lebhaftigkeit erhebt und nach mannigfacher\nDurchführung in grösster Innigkeit gleichsam erlischt.\nLebhaft und sprühend von Geistesfunken, ganz in Beetho-\nven'scher Weise, ist das Scherzo in gearbeitet, des-\nsen von den Blas-Instrumenten ausgeführtes Trio in\ndie edelste Herzlichkeit und Gemüthlichkeit athmet. Das\nFinale, D-dur, 2/4, entwickelt Kraft und reges Leben, wird\nvon einem Andante maestoso, ,2/8, an den Ernst des Le-\nbens mahnend, unterbrochen, dieses aber wieder von der\nleichtbeschwingten Freude, der Grundstimmung des Mo-\nmentes, überflügelt und verdrängt, und so eilt das Ganze\n\n*). Wir werden über dasselbe und die musicalischen Zustände in\nder Universitätsstadt Würz bürg nächstens einen ausführli-\nchen Artikel bringen. Das dortige Orchester zählt 44 Violinen,\n12 Bratschen, 10 Violoncelle und 10 Contrabässe.,\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 633, "texte": "in immer grösserer Steigerung an Kraft und Lebendigkeit,\ndurch Triolen-Bewegung und verschneliertes Tempo be-\nwirkt, dem jubelnden, des Sieges über die gefundenen Hin-\ndernisse sich freuenden Schlüsse zu. Die Ausführung unter\nLeitung des Herrn Directors Bratsch war eine so treff-\nliche, dass sie jeden, der die Kräfte des Instituts kennt,\nzum Staunen hinreissen musste und den reichlich gespen-\ndeten Beifall des zahlreichen Publicuins, worunter unsere\nanerkannt grössten Kenner, wohl verdiente, so wie sich\nauch der Componist selbst mit den Worten ausgesprochen\nhat, dass er an der Aulführung nicht das Mindeste auszu-\nsetzen habe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "224", "page_fin": "224", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.8", "debut_caractere": 635, "fin_caractere_exclue": 3851, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm Sonntag den 8* Juli findet in Andernach ein Sänger -\nfest und Gesang-Wettstreit Statt, veranstaltet von dem dor-\ntigen Gesangvereine. Sechs Vereine aus Städten erster Classe und\neinundzwanzig aus Städten und Flecken zweiter Classe (an 6UO\nSänger) werden concurriren, zuvor aber drei Chöre gemeinschaftlich\nsingen. Preisrichter sind die Herren Prof. Breidenstein, die Musik-\nDirectoren Lenz aus Coblenz und Wilhelm aus Crefeld, Herr Dr.\nWeil aus Neuwied, Pfarrer Dommermuth aus Leutesdorf und Herr\nDötsch, Dirigent des Lehrer-Gesangvereins in Andernach. Der Fest-\nzug beginnt um 3 Uhr Nachmittags, das Concert um 4 Uhr.\nIFfi'naaliFurt 2. Juli. Heute Abends wurde in ausser-\nordentlicher General-Versammlung des hiesigen Cäcilien-Vereins an\ndie Stelle seines verstorbenen Directors Franz Messer mit 100 Stim-\nmen gegen 11 Herr Musik-Director Karl Müller von Münster er-\nwählt, Der Vorstand hatte ausser ihm noch Herrn Director Robert\nRadeke von Berlin vorgeschlagen. Jeder von Beiden hatte eine Ver-\neinsprobe geleitet. Etwas über die Hälfte der stimmfähigen Mitglie-\nder betheiligte sich bei der Wahlhandlung. Möge Herr Müller, ge-\ntragen durch das Vertrauen der Mitglieder, den Verein dem hohen\nZiele immer näher führen, das der unvergessliche Schelble mit pro-\nphetischem Blicke mitten in einer musicalisch noch sehr dumpfen\nZeit erkannt und mit Riesenkraft verfolgt, und dem ihn sein Schüler\nund Nachfolger, der geniale Director Messer, schon so nahe ge-\nbracht hat. nn.\nSo eben wird von der Buchhandlung des Herrn Star-\ngar dt in Berlin das Verzeichniss einer werthvollen Sammlung von\nmusicalischen und hymnologischen Werken herausgegeben. Es ent-\nhält zum Theil den Nachlass des verstorbenen Professors Dehn,\nauch einige ältere, sehr werthvolle theoretische Werke von Dres-\nler, Forkel, Gerbert, Lassus, Lippius, Marpurg, Ma-\ntheson, Prätorius und Anderen. Unter den Handschriften sind\nbemerkenswerth : ein sehr schöner Brief von Beethoven, eine Com-\nposition, Original-Handechrift von Graun, drei Symphonieen von\nMozart, Original-Handschriften, die im Stich noch nicht erschienen\nsind. Das Verzeichniss enthält über GOO Nummern.\n§©l&weä°S2t. Am '2O. und 21. Mai fand hier das erste mecklen-\nburgische Musik fest Statt. Im ersten Concerte wurden Mozart's Sin-\nfonie in C mit Fuge und Händel'-, Samson, im zweiten Weber's\nOuvertüre zur Euryanthe, Wagners zum Tannhäuser, Beethoven's\nSinfonie in C-moll und Mendelssohn's Walpurgisnacht nebst mehre-\nren Gesang- und Vioiin-Piecen aufgeführt. Ausserdem fand am 22.\neine Matinee für Kammermusik Statt.\nMftttclfteil« Gluck's Iphigenie in Aulis wurde am 31. Mai auf\nder Hofbühne vor einem dichtgedrängten Hause mit ganz ausser-\nordentlichem Erfolg gegeben. Die Sänger sahen sich nicht nur fast\nnach jeder einzelnen Nummer durch den wärmsten und lautesten\nBeifall belohnt, sondern wurden auch oft bei offener Scene dort\neine seltene Erscheinung und nach jedem Actschlusse gerufen.\nNach dem grossartigen und mächtigen Schlusschor der Oper brach\ndas Publicum in einen langen, begeisterten Jubel aus, in welchem\nes die säinmtlichen Darsteller zwei Mal und zuletzt Franz Lachner,\nden hochverdienten Meister des Tages, stürmisch hervorrief."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Die Operntheater. Die italienische Oper Grosse Oper Komische Oper Theälre hjrique Of-\nfenbach's Buuffes). Drittes Jahresfest des mittelrheinischen evangelischen Lehrer-Gesang-Vereins. Das Aargauische Musikfest in Zo-\nfingen. Aus Würzburg (Das königliche Musik-Institut). Tages- und UnterhaltungsbJatt (Andernach, Sängerfest Frank-\nfurt a. M., Musik-Director-Wahl Berlin Schwerin München).\n\nPariser Briefe.\n[Die Operntheater. Die italiänische Oper*. Margherita la\nMendicante von G. Braga. Grosse Oper: Pierre de Medicis\nvom Fürsten Poniatowski. Komische Oper: Le Roman\nd*Elvire von Ambr. Thomas; Le Chdteau Trompelte von Gevaert;\nRita, aus dem Nachlass von Donizetti; L'Habit de Milord von P.\nLagarde. Tkedtre lyriqne: Ma lante dort von EL Caspers;\nVhüemon et Bands von C. Gounod; Git Blas von T, Semet; Les\nValets de Gascorjne von Dufresne; Les Rosieres von Herold;\nMailre Palma von Fräulein Eivay. Offenbach's Botiffes.]\nWenn ich den gegenwärtigen Bericht mit den Italiä-\nnern beginne, so geschieht das nicht desswegen, weil sie,\ndie Nation auf der Halbinsel, in Aller Munde sind, sondern\nweil sie, die Opern-Gesellschart in Paris, die erste Neuig-\nkeit in diesem Jahre auf die Bühne gebracht haben. Mein\naufrichtiger Wunsch ist aber, dass die Nation einen besse-\nren Erfolg mit ihrem Entwicklungs-Drama habe, als die\n„Bettlerin\" auf den Brettern gehabt hat.\nSignor Braga ist ein guter Violoncellspieler, hat zwei\noder drei Opern auf die Bühne gebracht und sich dadurch\nfür befähigt gehalten, eine vierte für Paris zu schreiben.\nUm dem neuesten theatralischen Kunstgeschmacke seiner\nNation zu genügen, liess er sich von einem Landsmanne\nein schauderhaftes französisches Melodrama auf Italiänisch\nzurecht machen und schrieb dazu eine Musik, d. h. nahm\naus Donizetti und Verdi u. s. w., was ihm gefiel, und fügte\neinige Sätze eigener Mache hinzu, von denen zwei oder\ndrei gegen die Trivialität der übrigen zwar vortheilhaft ab-\nstachen, allein doch keineswegs des Beifalls und gar des\nDacapo-Rufes würdig waren, den man organisirt hatte. Der\nStoff dieser Margherita la Mendkanle ist unter aller Kri-\ntik; er würde auch eine bessere Musik zu Grabe tragen.\nGanz anders zog die Freunde der älteren italiänischen\nMusik die Wiederaufnahme von Cimarosa's Matrimonio\nsegreio an, die gerade den Abend vor Richard Wagner's\nerstem Concerte in demselben Theater Statt fand! D.e\nköstliche, siebenzig Jahre alte Oper war seit fünfzehn Jah-\nRen nicht gegeben; Lablache hatte in ihr vorzugsweise als\nGeronimo geglänzt, den jetzt Zucchini mit verdientem Bei-\nfalle gab. Die drei Sängerinnen Penco, Alboni und Dottini\nwaren vortrefflich, doch stand die letztere gegen die bei-\nden ersteren zurück. Die Oper gefiel sehr und bewies, dass\ndie Vergangenheit viel Zukunft hat.\nAls ein Ereigniss war Roger's Auftreten auf der ita-\nliänischen Bühne zu betrachten, zumal da es das erste in\neiner wirklichen Rolle war, da er bisher nach seinem Un-\nglücksfalle nur in Concerten gesungen hatte. Er sang den\nEdgardo in der Lucia und wurde mit stürmischem Applaus\nempfangen und bei seinen Leistungen wiederholt damit\nüberschüttet. Ich fand in ihm fast dieselbe Stimme wieder,\nwie früher, und ganz denselben trefflichen Sänger; durch\nsein Spiel im zweiten Acte gewann die Rolle ausserordent-\nlich. Der künstliche Arm bewährte sich vollkommen. Nach\ndem Schlüsse der Saison ist Roger nach dem südlichen\nFrankreich gereis't, wo er auf allen bedeutenderen Büh-\nnen Triumphe feiert.\nIm März kam Tamberlik und schlug allerdings mit\nseinem immer noch kräftigen hohen Brust-(7 bei allen\nStimm-Enthusiasten die Erinnerungen an Roger todt, wäh-\nrend die Vernünftigen diesen als Sänger weit über Tam-\nberlik stellten. Tamberlik's Zugrolle war Rossini's Othello;\nim Trovatore machte er nicht so viel. Dass Signora Bo rgh i-\nM a in o die Desdemona sang, die keineswegs in ihrer Stimrn-\nRegion liegt, war kein Vortheil für die Vorstellung; den-\nnoch wurde sie öfter wiederholt. Ein ausgezeichnetes Ta-\nlent und herrlicher Sopran ist Maria Battu, eine jugend-\nliche Sängerin, die der italiänischen Oper sehr noth thut,\nda diese seit Jahren nur Antiken vorführt.\nGegen Ende der Saison brachte man Meverbeer's\n£3 «J\nCrociato in Egitto wieder auf die Scene! Nun, bei der Ar-\nmuth und der Schwäche der gegenwärtigen Production der\nitaliänischen Maestri wollen wir gerade die Wiederaufnahme\neiner Oper Meyerbeer's aus dem Jahre 18*24 (erste Vor-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.2", "texte": "Stellung den 26. December auf dem Theater\nin Venedig) nicht verdammen, jedoch keineswegs der Com-\nposition den Werth und vollends „die historische Bedeu-\ntung\" beilegen, die ihr die guten Freunde Meyerbeer's—\nund er hat deren ja so viele!—bei dieser Gelegenheit an-\ndichten. Freilich winden sie sich selbst dabei ganz possir-\nlich im Kreise, z. B.: „Vom Crbis zu\nwar nur Ein Schritt, der durch verschiedene Umstände,\ndie wir nicht weiter aufzählen wollen, verzögert wurde;\naber es war ein Biesenschritt.\" (!!) Uebrigens ist die\nOper für die jetzige Aufführung nicht bloss in drei, statt\nin zwei Acte getheilt, sondern furchtbar beschnitten und\ndurch einander geworfen worden, wodurch die Handlung\nunverständlich, ja, am Schlüsse unsinnig geworden. Man\nist damit auf unverantwortliche W eise umgesprungen, wo-\nbei Meyerbeer selbst übrigens nicht betheiligt ist.\nDie g rosse Oper hat nur Eine Neuigkeit gebracht:\nPierre de Medicis,Oper in vier Acten und sieben Tableaux,\nText von St. Georges und Emilien Paci ni, Musik von\ndem Fürsten J. Poniatowski. Sie wurde am 9. März\nzum ersten Male gegeben und halte den Erfolg, den fürst-\nliche Compositionen zu haben pflegen. Was aber nicht bei\nallen der Fall ist, die Oper ist bis jetzt, Ende Juni, etwa\n15 —l6 Mal wiederholt worden und hat das Haus ge-\nfüllt. Zu loben ist an ihr, dass bei allerdings glänzender\nAusstattung in Costümen und Scenerie und sehr schönen\nDecorationen sie doch keineswegs zu den blossen Specta-\nkel-Opern gehört, in denen das Gepränge Alles und die\nMusik nur Zugabe ist.\nDer Stoff der Handlung ist eben nicht neu; feindliche\nBrüder, Pietro und Giuliano de' Medici, durch die Liebe zu\nLaura Salviati, Nichte des Gross-Inquisitors, entzweit, spie-\nlen die Hauptrolle.\nDer Oheim sagt die Hand der Nichte dem regierenden\nPietro zu; sie aber liebt den Bruder. Der Hass kommt zu\nAusbruch und Kampf; der verwundete Pietro geht in sich,\nman weiss nicht recht, warum, und lässt sich, um zwei\nGlückliche zu machen, nach der Kirche eines Klosters füh-\nren: zu spät, Laura hat bereits den Schleier genommen\nund das Gelübde gethan.\nDie Musik hat im Ganzen viel Melodisches und An-\nsprechendes und erhebt sich zuweilen zu dramatischer\nHöhe, besonders im Finale des zweiten Actes, aus dem der\nSatz, in welchem die Brüder ihrer Wuth düstere Worte\nund Töne leihen und Laura voll banger Ahnung das Un-\nheil voraussieht, wiederholt werden musste. Der Contrast\ndieser Situation der Hauptpersonen mit dem Feste, das im\nGarten des Palastes als italiänische Nacht mit glänzender\nIllumination gefeiert wird, trägt zu der Wirkung bedeu-\ntend bei. Dagegen ist das Ballet\nworin die Ferraris tanzt, zu lang, trägt aber trotzdem viel\nzum Besuche des Hauses bei. Den italiänischen Ursprung\nverläugnet freilich die Musik nirgends, auch fehlt es nicht\nan Verdi'sehen Anklängen, namentlich im dritten Acte,\nwo Giuliano die Gesänge der Nonnen aus dem Kloster hin-\nter der Scene hört, wie im Trovatore der Graf das Mise-\nrere. Aber auch die besseren Eigenschaften der älteren\nitaliänischen Musik finden sich, Klarheit und melodischer\nFluss.\nSonst ist von der kaiserlichen Oper nichts Bedeuten-\ndes zu berichten, ausser dass am 20. Juni die Vorstellung\nvon Rossini's Graf Ory und des Ballets La Sylphide zum\nersten Male in der durch das Gesetz bestimmten herab-\ngesetzten Normalstimmung des Orchesters gegeben\nwurde. Der Erfolg bewies, dass bei den offenbaren Vor-\ntheilen für die Sänger die Instrumentalmusik durchaus\nnicht an Glanz verlor. Soll übrigens dadurch wirklich Ent-\nschiedenes geleistet werden, so muss die unbedeutende Er-\nniedrigung nur als der erste Schritt zum Besseren betrach-\ntet werden. Indess wollen wir froh sein, dass wenigstens\ndem unsinnigen Steigen der Stimmung ein Ziel gesetzt\nund dass mit dem Herabdrücken doch ein Anfang gemacht\nworden ist.\nDas Theater de l'Opeia comique brachte am 4. Fe-\nbruar eine bedeutende Neuigkeit: Le Roman d'Elvire, in\ndrei Acten von Alex. Dumas und de Leuven, Musik\nvon Ambr. Thomas.\nDieses neueste Werk des begabten Componisten hat\nzwei unbestreitbare Vorzüge. Erstens ist es einmal wieder\neine wirkliche komische Oper, nicht ein melodramatisches\nBührspiel und Spectakelstück mit obligater Maschinerie,\nDecorations-Luxus, Wasserfällen u. s. w., und zweitens\nhält sich die Musik ebenfalls in den Schranken der Gattung,\nin denen auch jetzt noch, wie z. B. das Finale des zweiten\nActes zeigt, mit Talent ausgeführte und dramatisch ent-\nwickelte Musik sehr wohl ihren Platz findet, wenn der\nrechte Mann darüber kommt.\nDer Titel der Oper hat mit der eigentlichen Handlung\nnur in so fern zu thun, als die Marquise von Villa-Bianca\ndem Ritter Gennaro, dem vor den Thüren ihres Palastes\ndie Sbirren auflauern, um ihn in den Schuldthurm zu füh-\nren, auf seine Bitte um eine Zufluchtsstätte für die Nacht\naus dem Boman Elvira die Antwort vorlies't, welche Elvira\neinem Paladin auf dieselbe Bitte gibt: „Ich kann bei Nacht\nin meinem Schlosse nur meinen Gatten aufnehmen.\"\nWas ist zu thun? Die Marquiseist sechszig Jahre alt, und\nGennaro ist in eine „Sirene\" verliebt, die ihren Namen,\nwas die Verführungskünste betrifft, mit Recht trägt.\nDennoch entschliesst er sich auf den Rath der Zigeunerin\nLilla zur Heirath, in der Hoffnung, dass die Millionen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.3", "texte": "der Marquise ihm die Gunst der Sirene leicht erobern\nwerden.\nAber, o weh! er kann nicht aus dem Schlosse; seine\nGemahlin hält ihn gefangen. Doch Lilla weiss Rath; sie\nverspricht, der Gebieterin einen Schlaftrunk zu geben, nach\ndessen Wirkung er ihr die Schlüssel zum Schlossthor ent-\nwenden könne. Sie vergreift sich in dem Fläschchen, und,\no Wunder! der Trank macht die Marquise urplötzlich um\nvierzig Jahre jünger. Gennaro ist entzückt und verliebt sich\nsterblich in seine junge, schöne Gattin. Sie aber hat durch\ndie zauberische Verwandlung das Gedächtniss verloren und\nwill von ihm nichts wissen. Zum Uebermaass des Unglücks\nerscheint der Podesta, fragt nach der verschwundenen al-\nten Marquise und verhaftet den Gennaro, als des Mordes\nverdächtig.\nEs gibt nur Ein Mittel zum Beweise seiner Unschuld,\ndie Rückverwandlung der geliebten zwanzigjährigen Mar-\nquise in die sechszigjährige. Lilla ist dazu bereit und braut\nden Trank; aber in dem Augenblicke, wo jene sich bere-\nden lässt, ihn zu trinken, hält Gennaro selbst sie zurück\nund will lieber selbst das Opfer sein, als so viel Reiz und\nJugend vertilgen zu lassen. Dennoch trinkt die Marquise\nmit verhülltem Gesicht, dann schlägt sie plötzlich den\nSchleier zurück und sinkt mit unveränderter Jugendschön-\nheit dem Erstaunten in die Arme.\n'\nMan erräth, dass Alies ein Spiel war, zwischen ihr\nund Lilla abgekartet, um Gennaro, den sie liebt, und der\nsie um der Sirene willen verlassen hatte, wieder in ihr\nNetz zu ziehen und seine Liebe auf die Probe zu stellen.\nFreilich muss man sich in die Zeit Ludwig's XIII. versetzen,\num über den starken Köhlerglauben Gennaro's hinweg zu\nkommen; allein das Ganze ist mit so allerliebsten Details\ngewürzt und liefert so trefflich komische Situationen und\nImbroglio's für die musicalische Behandlung, dass man sich\ndem Amalgama von Wirklichkeit und Märchenhaftigkeit\nunter dem günstigen Eindruck der Musik ohne kritische\nReflexion hingibt.\nOb sich die Oper eben so wie der „Kadi\" und der\n„Sommernachtstraum\" desselben Componisten auf dem\nRepertoire halten wird, kann man freilich noch nicht wis-\nsen; allein bis jetzt macht sie immer noch volle Häuser,\nund der zweite Act wenigstens übertrifft offenbar alles, was\nThomas bisher geschrieben hat, und ein Verdienst des\nGanzen ist, wie ich schon oben bemerkt habe, die Enthal-\ntung von Uebertreibungen und Ausführungen der Schreib-\nart, die nicht für die komische Oper passen. Auch der\nerste Act bringt einige sehr ansprechende Stücke, beson-\nders zwei Duette, das erste zwischen Lilla und der Mar-\nquise, das zweite zwischen dieser und Gennaro, in welches\ndie Vorlesung aus dem Roman Elvira geschickt verwebt\nist. Der dritte Act fällt gegen den zweiten ab; ein Bolero\nder Marquiseist gewöhnliche Canarienvogelpfeiferei, die\nnun einmal nicht fehlen darf; ein Terzett und die Romanze\nGennaro's, als er die Rückverwandiung nicht zulässt: Ah!\nce serait un crime! sind die besten Stücke darin.\nAm hervorragendsten in der Ausführung ist der Te-\nnor Montaubry, der alle Ansprüche von Tag zu Tag\nmehr befriedigt. Die Damen-Rollen sind beide recht dank-\nbar; die Demoisellen Monrose (Marquise) und Lemer-\ncier (Lilla) singen und spielen sie recht gut. Das Orchester\nder komischen Oper ist unter Tilmant's Direction vor-\ntrefflich.\nEine zweite Neuigkeit, Le Chdteau Trompette, in drei\nActen von Cormon und Mich. Carre, Musik von Ge-\nvaert, brachte der 23. April.\nAuch dieser Titel zeigt, wie der vorige, dass es Mode\nwird, durch den Titel auch nicht das Geringste vom Inhalt des\nStückes zu verrathen, sondern nur die Neugierde durch ein\nauffallendes Aushängeschild zu spannen. Dieses Mal ist das\nim doppelten Sinne der Fall; denn Le Chäteau Trompette,\nin der Geschichte einZwing-Uri gegen die Stadt Bordeaux,\nist hier nichts als das Schild eines Wrirthshauses in Bor-\ndeaux, wo Jeder für sein Geld, also auch der Marschall\nRichelieu unter Ludwig XV., galante Soupers geben konnte.\nDie Handlung beruht auf Mystification des obwohl alten,\naber doch von allen Ehemännern noch gefürchteten Mar-\nschalls, der in dem Stück eine in jeder Hinsicht schlechte\nRolle spielt, wogegen Lise, eine allerliebste Grisette, die\nschlaue Braut eines jungen, sehr unbedeutenden Bordo-\nlesen, eine desto dankbarere hat. Sie ist es nämlich, welche\nunter der Maske einer berühmten Schönheit, die der Her-\nzog von Richelieu entführen lässt, ihn bei der Nase herum-\nführt, wozu Madame Cabel ihre ganze Soubretten-Coquet-\nterie und Lerchen-Coloratur zum Entzücken ihrer Vereh-\nrer bis zum Ueberdruss der soliden Kunstfreunde aufwen-\ndet. Das Motiv, das den Bräutigam bewegt, die immerhin\ngefährliche Komödie zuzugeben, ist das Verlangen, das\nPortrait seiner Mutter, welches der Herzog in der Galerie\nseiner Opfer besitzt, die er auf allen seinen Reisen mit\nherumführt (!), dieser compromittirenden Lage zu entziehen,\nd. h. zu stehlen!! Und Lise bringt das Kunststück fertig.\nDie Oper könnte also auch heissen: „Moralisches Diebsge-\nlüste\". Echt französisch!\nGevaert, bekanntlich ein Belgier von Geburt, ist ein\ntüchtiger und talentvoller Musiker, allein das Schreiben für\ndie Bühne in Paris, diese heisshungrige stete Kläfferin\nnach neuem, frischem Futter, hat ihn auch schon dahin\ngebracht, sich selbst mehr als sonst durch die Finger zu\nsehen und einerseits gute Intentionen, die sich glücklich\nankündigen, nachlässig durchzuführen, andererseits bei der\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.4", "texte": "Aufnahme von Motiven nicht sehr wählerisch zu sein, und\ndiese dann mehr mit Geschicklichkeit und Formgewandt-\nheit, als mit Geist und Talent zu behandeln. Indess enthält\ndie Oper gefällige und auch einige durchschlagende Stücke\nund hält sich neben dem Rom noch auf dem\nRepertoire.\nZuletzt hat dasselbe Theater noch zwei einactige\nOperetten gebracht, eine Gattung, die auch bei den gros-\nsen Theatern wieder mehr Eingang findet, seitdem sie in\nden Banfes Parisiens so viel Anziehungskraft bewährt.\nDie erste (am 7. Mai): Rita ou le Mari battu, Text\nvon Gust. Vaez, hat dadurch ein besonderes Interesse,\ndass die Partitur aus dem Nachlass von Donizetti her-\nrührt. Die Echtheit und dass Donizetti die Musik auf den\nfranzösischen Text geschrieben hat, ist durch eine Unter-\nsuchungs-Commission festgestellt, zu deren fünf Mitgliedern\nunter Anderen Düprez und Dietsch gehören. Es ist also\nnicht von einem Pasticcio aus Donizetti'schen Fetzen die\nRede, wie neulich bei der so genannten Rossini'schen Oper\nUn acciclente curioso,sondern von einer „fertigen, voll-\nständig instrumentirten, von Donizetti's Hand geschriebenen\nPartitur\", wie dasZeugniss der Commission sich ausdrückt.\nEs ist eine Buffo-Operette, amüsant genug, obwohl\noft im Stoffe da gewesen. Ein Matrose, Gasparo, der seine\nFrau bald nach der Hochzeit geprügelt hat und in See\ngegangen ist, kommt zurück, findet sie verheirathet mit\nPeppe, den sie prügelt. Gasparo hat aber in America eine\nandere Braut; leider hat Rita seinen Ehe-Contract noch\nin Händen. Die Männer spielen alla um die Frau,\nGasparo gewinnt, d. h. er verliert, denn er muss die Frau\nwieder annehmen. Er schmeichelt ihr den Contract ab,\nzerreisst ihn, macht sich aus dem Staube und gibt Peppe\nden Rath, wenn ihn die Frau prügeln wolle, das Zuvor-\nkommen zu spielen.\nDer Componist des Don Pasqualeist in der That nicht\nzu verkennen. Die Musik hat Frische und Eleganz derMe-\nlodieen, ist geschickt geformt, voll munterer Komik in ita-\nliänischer Farbe. Das Erkennungs-Duett zwischen Gasparo\nund Rita, das Duett beim ei, ein Lied\nPeppe's, der kreuzfidel ist, seine Frau los zu seih, das\nSchmeicbel-Duett Gasparo's mit Rita und das Schluss-Ter-\nzett, Alles hört sich hübsch an und unterhält.\nAuffallend bleibt freilich, dass diese Partitur erst drei-\nzehn Jahre nach Donizetti's Tode zum Vorschein kommt.\nDie hiesige „Theater-Zeitung\" setzt indess die Hemmnisse\naus einander, welche die längst projectirte Aufführung in\ndem dreifachen Wechsel der Direction des Theaters der\nkomischen Oper gefunden habe.\nDie zweite Operette (am 16. Mai) heisst\nMilord, Text von Sauvage und Leris, Musik von Paul\nLagarde. Der Componist ist ein Dilettant, der die Müsse-\nstunden, die ihm seine Geschäfte an der Börse übrig las-\nsen, der Musik widmet. Dagegen wäre nichts zu sagen,\nwenn nur die Dilettanten, von denen Paris wimmelt, das\nComponiren liessen! In Deutschland machen sie sich höch-\nstens an Lieder oder kleine Ciavierstücke; hier, wo das\nArriver ä la sc'ene lyriquedas Losungswort der hundert\nComponisten von Fach und von Beruf ist, bringen die Di-\nlettanten, Fürsten, Banquiers und Mäkler gleich ganze\nOpern auf den Markt, und da sie mehr Mittel haben, als\ndie Musiker, die Hindernisse zu beseitigen und ihre Sachen\ngeltend zu machen, so „arriviren\" sie, während die mit-\ntellosen Componisten Jahre lang zum Warten verurtheilt\nsind und oft darüber hinsterben. Ich habe den Act des\nHerrn Lagarde nicht gesehen, höre aber, dass ein gewisser\nErfolg der ersten Aufführung einer Scene zu verdanken\ngewesen, in welcher ein Barbier, den man als Officier des\nPrinzen Eduard festnehmen will, sich erbietet, einen Lord\nzu rasiren, sich aber aus Furcht dabei sehr ungeschickt\nbenimmt u. s. w. In der Ouvertüre fiel eine Melodie aus\neinem bekannten Walzer von Strauss auf, und ein behag-\nliches Trinklied wurde da capoverlangt. Man muss wissen,\ndass dies jetzt Mode ist; wenn keine einzige Nummer bis\nverlangt wird, so ist die Oper durchgefallen. Ob sie aber\nwirklichen Erfolg gehabt, wenn einmal bis gerufen wor-\nden? 0 nein! Das „bisser\" ist nur eine neue Form der\nClaque.\n(Schluss folgt.)\n\nDrittes Jahresfest des miţelrheinischen evangelisches\nLehrer-Gesangvereins.\nDieser Verein feierte am 31. Mai <]. J. sein drittes\nJahresfest in Simmern, demselben Orte, wo er bei Gele-\ngenheit der Zusammenkunft vieler Lehrer zur dreihundert-\njährigen Reformationsfeier im Juli 1857 in Aussicht ge-\nnommen und später durch den Musik-Director Flügel ins\nLeben gerufen wurde, so dass 1858 das erste Lehrer-\nGesangfest unter Flügel's Direction in St. Goar und 1859\ndas zweite, stellvertretend unter Leitung des Herrn Lehrers\nFetz aus Dierdorf (Musik-Director Flügel war inzwischen\nnach Stettin versetzt) in Trarbach Statt fand. Bei dem\ndiesjährigen Lehrer-Gesangfeste wirkten etwa 90 Lehrer\nmit, nämlich nur die, welche der Generalprobe beigewohnt\nhatten.\nVon der Nahe waren nur „sehr wenige\" Lehrer er-\nschienen, der Hunsrücken hatte das grösste Contingent ge-\nstellt. Das Fest war von ausnahmsweise schönem Wetter\nbegleitet und kann, einige Disharmonieen in den General-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.5", "texte": "Versammlungen abgerechnet, als gelungen bezeichnet\nwerden.\nEs kamen in der Kirche Compositionen von Antonio\nLotti, L. Spohr, Schnabel, E. Richter, Rebling und G.\nFlügel zur Aufführung.\nZu wünschen wäre gewesen, dass man für Stimmung\nder Orgel vorher Sorge getragen hätte.\nVon den Männergesängen, die am Vormittag in der\nKirche zur Aufführung kamen, sprachen besonders an:\nder Krummacher'sche Psalm; „Herr, unser Gott, wie gross\nbist Du!\" von Schnabel; „Wahrlich, all unsre Qualen\"\nvon Ant. Lotti; „Selig sind die Todten\" von L.Spohr und\n„Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen\" von E. Richter.\nDas Solo-Quartett „In seiner Hand ist, was die Erde brin-\nget\" wurde von den Herren Lehrern Dilg, Beck, Mül-\nler und Prass aus Neuwied gut vorgetragen. „Gnädig\nund barmherzig ist der Herr\", Doppelchor von E. Richter,\nund desselben Choral-Motelto: „Ich weiss, dass mein Er-\nlöser lebt\", hätten besser gehen können. Die Lehrer haben\nsonst mit grosser Begeisterung gesungen, und die Gesang-\nPiecen gingen im Ganzen sehr gut.\nDie Kirche war sehr besucht und wäre wohl noch\nbesuchter gewesen, wenn nicht in dem benachbarten Kirch-\nberg Markt und in Simmern Fruchtmarkt gewesen wäre.\nDie Orgel-Vorträge anlangend, so ist der des Herrn\nLehrers Fetz aus Dierdorf, welcher den ersten Satz aus\nder Töpfer'scnen D-moll-Sonalespielte, zuerst zu nennen;\nferner die wackeren Vorträge der Herren Lehrer Stauer\naus Bell, Wild aus Wienau, die beide Compositionen von\nRink spielten, und Stauer aus Kirchberg.\nDie festfeiernden Lehrer und viele Geistliche, etwa\n£\n120 Personen, vereinigten sich zu einem gemeinschaftli-\nchen Mittagessen im Hunsrücker Hof. Die Ehrengäste aus\nCoblenz waren leider abgehalten, dem Feste beizuwohnen.\nDie Toaste galten Sr. Majestät dem Könige und dem\nPrinz-Regenten, der Stadt Simmern, dem Lehrer-Gesang-\nvereine, der vorgesetzten Behörde, dem Musik-Director\nFlügel in Stettin und Herrn Lehrer Fetz in Dierdorf.\nGegen 4 Uhr Nachmittags begab man sich in Rott-\nmann's Garten, wo sich ein Publicum in Masse eingefun-\nden hatte, um die weltlichen Gesänge auszuführen. Es\nwurden Lieder von B. Klein, Fr. Kuhlau, C. Kreutzer,\nF. Glück, Mendelssohn, Fischer, Stuntz und C. Wilhelm\nund ausserdem schöne Volkslieder gesungen.\nNach 7 Uhr Abends kehrte man wieder in den Huns-\nrücker Hof zurück, um noch eine zweite Generai-Versamm-\nlung abzuhalten.\nFür 1861 ist Sobernheim an der Nahe als Festort\nfestgestellt. Herr Fetz wurde mit Ausnahme von sechs\nStimmen wieder zum Dirigenten gewählt, Herr Lehrer\nBungeroth in Sobernheim als dessen Stellvertreter. Die\nHerren Lehrer Drescher und Prass in Neuwied bleiben im\nVorstande. Die Festgenossen blieben bis weit über die\nBürgerglocke hinaus beisammen, dem Vortrage der Ge-\ndichte in hunsrücker Mundart des wackeren Bürgermeisters\nRottmann aus Simmern mit gespannter Aufmerksamkeit\nlauschend; z. B. aus dem Schiller-Feste:\nrVum Annleis (Anne Liese) reisst sich stolz der Pehrer (Peter),\nEr muss zum Militair ennaus.\nZu Potsdam bei der Gard', do stehr er,\nUnd steiht da als Recrut viel aus.\nNo drei Jobr kummt der Pehrer wierer\nUnd seiht das Annleis vor sich steh'n.w U. s. w.\nAusserdem liess der simmern'sche Lehrer-Gesangverein\nunter Leitung des Herrn Schönburg seine Weisen erschal-\nlen und sang recht wacker. Im Ganzen bedauerte man,\nsich schon „so früh\" trennen zu müssen. Wir können\naber diesen Bericht nicht schliessen, ohne Herrn Lehrer\nAckermann zu Simmern, der die Vorbereitungen zum\nFeste freundlich übernommen hatte, im Namen aller Fest-\ngenossen noch einen besonderen Dank auszusprechen.\n\nDas Aargauische Musikfest in Zofingen,\nden 21. und 22. Juni 1860.\nSeit Jahren gewährte Zofingen den Musikfreunden Ge-\nlegenheit, grössere Musikwerke zu hören und bei ihrer\nAufführung mitzuwirken. Die dortige Musik-Gesellschalt\nführte mit Herbeiziehung der im Aargau zerstreuten In-\nstrumental- und Gesangkräfte 1850 Mendelssohn's „Elias\"\nauf, später Schneider's „Weltgericht\", Klein's „David\",\nHaydn's „Schöpfung\" und 1858 Händel's „Samson\"; die-\nses Jahr Hiller's „Saul\".\nAm Vorabende des Festes (den 20. Juni) wurde zur\nBewilikommung der Gäste ein Orgel-Concert in der Kirche\nvon den Herren Petzold und Jucker gegeben. Die Or-\ngel hat einen schönen Ton. Die Künstler spielten ausge-\nzeichnet, theils im strengen, theils im freieren Stil.\nSchon in den Proben, welche den ersten Tag (d. 21.)\nfüllten, hatte man Freude an den wohl eingeübten Solo-\nund Chorgesängen. Und Hiller's Orchester-Begleitung ist\nso reich, ja, so überreich und auch in den sonst mehr\nzurücktretenden Instrumenten so erfüllt von mannigfachem\nZierath, dass mir oft war, als spiele ich eine Sinfonie mit.\nDie zofinger Freunde hatten uns einen heiteren Feierabend\nim Römerbad bereitet; aber strömender Hegen verhinderte\nden Genuss des Abends in der Gesellschaft im Freien und\nin der sonst so schönen Gegend. Desto traulicher waren\nnoch die Stunden bei dem Abendessen im Schützenhause,\nwelches mit Blumen reich und geschmackvoll geziert war."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.6", "texte": "Das Fest am 22. eröffnete früh am Morgen auf den\nHauptplätzen der Stadt ein Posaunenchor; es blies rein\nund mit Ausdruck die ewig schönen Choräle: „Wachet\nauf!\" und „Wie schön leucht't uns der Morgenstern.\"\nDann mahnte auch die Morgenglocke: „Wach' auf, mein\nIlerz!\" Die Sonnenwende des 22. Juni konnte nicht schö-\nner begrüsst werden, als mit diesen beiden Morgensternen\nechter Kirchenmusik, und siehe, der gestern noch so strö-\nmende Himmel fing an, sich aufzuheitern. Wir konnten\nnoch einen Spazirgang um die Stadt herum und in der\nlieblichen Umgegend machen.\nDen Hauptpunkt bildete die Aufführung des Orato-\nriums „Saul\" von Hiller. Die Ausführung dieses in vielen\nBeziehungen schwierigen Werkes machte der zofinger Mu-\nsik-Gesellschaft so wie allen Mitwirkenden alle Ehre. Es\nwar ein heroisches Unternehmen von Zofingen, ein solches\nWerk zu wählen; aber es hat seine Aufgabe wacker ge-\nlös't und sein musicalisches Principat im Aargau von Neuem\nbewiesen. Der Dirigent, Herr Petzold, bewies auch da\nwieder seine bekannte Meisterschaft. Sein sicheres, ruhiges\nAuftreten, verbunden mit der gründlichen, tiefen Auffas-\nsung des Werkes, musste Allen, auch denen, die dasselbe\nzum ersten Male spielten, Zutrauen und Sicherheit einflös-\nsen. Wir glauben, dass diesem „Saul\" seine grosse Zu-\nkunft nicht fehlen wird. Es ist ein geniales, edles Werk,\ndas denen der alten Meister darf an die Seite gestellt wer-\nden. Eine schöne Sonne, welche die moderne musicalische\nRichtung überstrahlt und viele Fixsterne und Kometen mit\nihren langen Schweifen in Schatten stellt!\nDie Besetzung des Orchesters und Chors zählte an 300\nMitwirkende, worunter 14 Contrabässe und 60 Violinen.\nDie Orgel, deren Stimme Hiller eigens für diese Auffüh-\nrung hinzugeschrieben, machte an den betreffenden Stel-\nlen eine gewaltige Wirkung. Besonders gut vorgetra-\ngen wurden die Chöre; unter ihnen sprachen vorzugsweise\nan der erste: „Saul hat tausend geschlagen\"; ferner die\nso lieblichen: „Der Herr hat seine Seele vom Tode erret-\ntet\", und: „0, wie schön, wenn in Eintracht Herrscher\nwohnen!\" dann die mächtigen: „Die Stimme des Herrn\ngeht mit Macht\" (Psalm 29), und: „Wehe, wehe., finstere\nKunde\", und andere. Noch gelungener dünkten Vielen\ndie Solo-Gesänge, die auch ohne Ausnahme gut vorgetra-\ngen wurden.\nWohl am besten dargestellt ist Samuel's Charakter,\nvon Herrn Nationalrath R in gier von Lenzburg mit immer\nnoch starkem Bass und tiefem Gefühl gesungen; den Sau!\nsang der klangreiche Bariton Herr Geilinger-Bieder-\nmann von Winterthur mit Sicherheit und ausdauernder,\nphysischer Kraft; eben so vorzüglich Herr Dr. E. Munzin-\nger von Ölten mit weicher und süsser Tenorstimme den\nvon Hiller etwas sentimental gehaltenen David; sehr brav\ndie untergeordneten Rollen, den Jonathan der Tenorist Herr\nEglinger von Basel und den Boten der kräftige Bariton\nHerr Wieland von Aarau. Die schwere Partie der Mi-\nchal sang mit heller, klangreicher und ausreichender So-\npranstimme Fräulein Rosa Suter von Zofingen, und die\nZauberin von Endor nicht minder gut Fräulein Mathilde\nSiegfried von Zofingen mit umfangreicher, kräftiger Alt-\nstimme. Von diesen Sologesängen rührten besonders: Da-\nvid's Lied: „Mir sind nicht Ruhm und Glanz beschieden\";\nin Samuel's Gerichtsspruch: „Er winkt, und von den hun-\ndert Erdenreichen weht hin ein Häuflein Asche nur\", wo\nauch die Begleitung eine sehr lebendige und ergreifende\nDarstellung ist; in Saul's Gesang „Lasst von Verfolgung\"\nbesonders die Stelle: „Süsser Friede fiel auf meine Wim-\nper\"; Michal's Gesänge: „Esschwand von uns das Trauern\"\nund „O du, den meine Seele liebet\", und so noch manche\nandere Einzelheit, die Recitative und den Gesang des Mit-\nleids der Zauberin nicht ausgenommen. Da, wo David\nsingt, lässt Hiller die Harfe eintreten; sie wurde meisterhaft\ngespielt von der Gattin des anwesenden Herrn C. Reiter,\nMusik-Directors von Basel. Diese Harfentöne waren gol-\ndene Arabesken in dem grossen Pracht- und Prunkgewebe.\nDas Gelingen der Aufführung war in jeder Hinsicht\nerfreulich. Denn es zeugt offenbar von einem besseren\nSinne, der edlere Geistesgenüsse sucht, dass auch in einem\nCanton, der nicht die Kunstmittel einer grösseren Haupt-\nstadt besitzt, und in einer kleineren Stadt wie Zofingen und\nin den anderen aargauischen Städten so viel Kunstliebe vor-\nhanden ist, dass die vereinten Kräfte Meisterwerke, die zu\nden grössten gehören, und zwar meist ziemlich gelungen,\naufführen können. Das verdankt Zofingen dem unermüd-\nlichen Eifeu und der Geschicklichkeit des Musik-Directors\nPetzold, der seit Jahren Sänger und Instrumentalisten\nherangebildet hat, und der allein das dortige Musikwesen\nleitet. Der Mangel einer solchen einheitlichen Leitung hin-\ndert oft an anderen Orten das Gedeihen des musicalischen\nLebens. Dazu kommt noch die Unterstützung, welche die\nKunst durch die städtischen Behörden findet; und auch die\nbekannte ungemeine Gastfreundschaft der Zofinger hilft\nzum Gelingen eines solchen Musikfestes.\nNach dem Concerte beschloss ein Festessen im Schützen-\nhause und danach in dem oberen Saale ein Ball den schö-\nnen Tag.—Am Morgen des 23. Juni wurde noch Beetho-\nven's C-mo/Z-Sinfonie mit ungewöhnlichen Kräften aufge-\nführt, von gegen 130 Instrumentalisten, und wir hatten an\ndem herrlichen Werke des Meisters einen seltenen Genuss.\nIn schweizerdeutschen Reimen brachte am Fest-Abend-\nessen ein Musikfreund einen Toast auf die Sängerinnen aus,\nin welchem es unter Anderem hiess:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.7", "texte": "De Männerchor in Ehre!\nMer wünsche n ihm au Glück;\nMög allwil fin er singe\nUnd nüt (nichts) als Meisterstück.\nMer aber, ir Sängerinne\nUnd Sänger, gend de Pris\nDer ältste Musikordnig,\nSi stammt usem Paredis.\nDer Adam het und d Eva\nNit gsunge en Männerchor,\nWos Nachtigalle-Solo\nHet klunge n irem Ohr,\nDo händ si grad mit Duette\nTgstimmt; das het denn im Wald\n50 herrlich tönt zäntume;\n51 händ nit ufgliört sobald.\nJetzt händ si gjubelt selbander\nUnd wieder elei; der Bach\nUnd d Luft händ si begleitet\nMit Wise mannigfach.\nDerzue händ d Lerche und d Amsle\nD Chör gsunge um und um;\nUnd das ist gsi uf Erde\nDas erst Oratorium.\nSgelt drum de Sängerinne!\nDer Michal und dem Zug,\nWo mit ere n ist zöge,\nEn userlesne Flug;\nS soll au der Harfnerin gelte,\nSie ist nit die letzt derbi,\nUnd s Hexli au von Endor\nSöll nit yergesse si!\n\nAus Würzburg.\nMit dem Beginne des Sommer-Semesters wurden in\nder schon länger bestehenden Weise an jedem Samstage\ndie öffentlichen Musik-Proben im königlichen Musik-In-\nstitute*) fortgesetzt, wobei I. an Sinfonieen nebst drei\nwiederholten von Mozart und Beethoven neu zur Auffüh-\nrung kamen: a) von Jos. Haydn aus D, %, b) Beet-\nhoven's Nr. 4in B, c)dessen Pastoral-Sinfonie in und\nd) von Herrn Capellmeister Wilh. Beul in g aus D (Ma-\nnuscript). 11. Die Ouvertüren waren ebenfalls theils wie-\nderholte von Mozart, Cherubini, Weber und Winter, theils\nhier neu, von Beethoven zu Coriolan und von Spon-\ntini zur Vestalin. 111. Von Werken anderer Art kamen\nvor: acht Männerchöre, dann das Streich-Quartett Nr. 4\nin Es von Mozart. Nebst diesen wurden noch producirt die\nMusikstücke zum Maifeste der k. Studien-Anstalten und für\ndie kirchlichen Feste, z. B. der ersten heiligen Commu-\nnion, Pfingsten u. 's. w., die nöthigen Messen, Vespern,\nAntiphonen u. s. w.\nBesonders interessant war die am 9. Juni in Anwesen-\nheit des Componisten Statt gehabte erstmalige Aufführung\neiner noch neuen Sinfonie aus D, Op. 126, von dem in\nseiner Vaterstadt Darmstadt in Pension lebenden k. k. öster-\nreichischen Herrn Hof-Capellmeister W. Beuling. Dieses\ngrossartige Werk konnte mit Becht zwischen die Werke\nunserer Classiker eingeschaltet werden, indem es bei be-\ndeutungsvollen, interessanten, gut und klar verbundenen\nund ausgearbeiteten Hauptsätzen ein schönes Ebenmaass\nund eine treffliche Instrumentirung bekundet und dabei\ncharakteristisch gut durchgeführt ist. So viel nach einma-\nligem Hören klar werden konnte, möchte das Ganze der\nErscheinung und dem Wirken eines grossen, würdigen,\nedlen Charakters in seinen verschiedenen Lebens-Verhält-\nnissen zu vergleichen sein, der, im Allgemeinen ernst, feier-\nlich, würdevoll und erhaben sich darstellend, in den ent-\nsprechenden Momenten aber auch tiefe Gemüthlichkeit und\nInnigkeit zeigt, so wie dem regen Leben und der Freude\nsich hingibt.\nDie Einleitung, ein vom Streich-Quartett angestimm-\ntes, von den Bläsern theilweise beantwortetes, gemüthliches\nAndantino, D-dur,3/3, das in seiner zweiten Häfte in ein\nvon den Streich-Instrumenten in lebhaften Figuren ausge-\nführtes und vom übrigen Orchester mit vollen, kräftigen\nAccorden begleitetes Moll ausweicht, führt nach diesem\nberuhigt und wie von den Seufzern einzelner Blas-Instru-\nmente unterbrochen in das erste Allegro, ein, welches\nvon den Saiten-Instrumenten mit einem interessanten, aus-\ndrucksvollen, wohlgegliederten Thema in milder Weise be-\ngonnen wird, das später mit Kraft vom ganzen Orchester\naufgegriffen und in mannigfachen Verschlingungen zu einem\ngrossartigen Tongemälde verarbeitet und meisterhaft durch-\ngeführt ist. Das Andante, B, %, beginnt mit einem wei-\nchen, milden Gesänge für vier Celli und Contrabass, der\nvon den Blas-Instrumenten mit zarter Begleitung der Streich-\nInstrumente reproducirt wird, sich durch öfter eingeschal-\ntete, theils kräftig, theils mild auftretende Triolen-Figuren\nzu grösserer Lebhaftigkeit erhebt und nach mannigfacher\nDurchführung in grösster Innigkeit gleichsam erlischt.\nLebhaft und sprühend von Geistesfunken, ganz in Beetho-\nven'scher Weise, ist das Scherzo in gearbeitet, des-\nsen von den Blas-Instrumenten ausgeführtes Trio in\ndie edelste Herzlichkeit und Gemüthlichkeit athmet. Das\nFinale, D-dur, 2/4, entwickelt Kraft und reges Leben, wird\nvon einem Andante maestoso, ,2/8, an den Ernst des Le-\nbens mahnend, unterbrochen, dieses aber wieder von der\nleichtbeschwingten Freude, der Grundstimmung des Mo-\nmentes, überflügelt und verdrängt, und so eilt das Ganze\n\n*). Wir werden über dasselbe und die musicalischen Zustände in\nder Universitätsstadt Würz bürg nächstens einen ausführli-\nchen Artikel bringen. Das dortige Orchester zählt 44 Violinen,\n12 Bratschen, 10 Violoncelle und 10 Contrabässe.,\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600707-01.1.8", "texte": "in immer grösserer Steigerung an Kraft und Lebendigkeit,\ndurch Triolen-Bewegung und verschneliertes Tempo be-\nwirkt, dem jubelnden, des Sieges über die gefundenen Hin-\ndernisse sich freuenden Schlüsse zu. Die Ausführung unter\nLeitung des Herrn Directors Bratsch war eine so treff-\nliche, dass sie jeden, der die Kräfte des Instituts kennt,\nzum Staunen hinreissen musste und den reichlich gespen-\ndeten Beifall des zahlreichen Publicuins, worunter unsere\nanerkannt grössten Kenner, wohl verdiente, so wie sich\nauch der Componist selbst mit den Worten ausgesprochen\nhat, dass er an der Aulführung nicht das Mindeste auszu-\nsetzen habe.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm Sonntag den 8* Juli findet in Andernach ein Sänger -\nfest und Gesang-Wettstreit Statt, veranstaltet von dem dor-\ntigen Gesangvereine. Sechs Vereine aus Städten erster Classe und\neinundzwanzig aus Städten und Flecken zweiter Classe (an 6UO\nSänger) werden concurriren, zuvor aber drei Chöre gemeinschaftlich\nsingen. Preisrichter sind die Herren Prof. Breidenstein, die Musik-\nDirectoren Lenz aus Coblenz und Wilhelm aus Crefeld, Herr Dr.\nWeil aus Neuwied, Pfarrer Dommermuth aus Leutesdorf und Herr\nDötsch, Dirigent des Lehrer-Gesangvereins in Andernach. Der Fest-\nzug beginnt um 3 Uhr Nachmittags, das Concert um 4 Uhr.\nIFfi'naaliFurt 2. Juli. Heute Abends wurde in ausser-\nordentlicher General-Versammlung des hiesigen Cäcilien-Vereins an\ndie Stelle seines verstorbenen Directors Franz Messer mit 100 Stim-\nmen gegen 11 Herr Musik-Director Karl Müller von Münster er-\nwählt, Der Vorstand hatte ausser ihm noch Herrn Director Robert\nRadeke von Berlin vorgeschlagen. Jeder von Beiden hatte eine Ver-\neinsprobe geleitet. Etwas über die Hälfte der stimmfähigen Mitglie-\nder betheiligte sich bei der Wahlhandlung. Möge Herr Müller, ge-\ntragen durch das Vertrauen der Mitglieder, den Verein dem hohen\nZiele immer näher führen, das der unvergessliche Schelble mit pro-\nphetischem Blicke mitten in einer musicalisch noch sehr dumpfen\nZeit erkannt und mit Riesenkraft verfolgt, und dem ihn sein Schüler\nund Nachfolger, der geniale Director Messer, schon so nahe ge-\nbracht hat. nn.\nSo eben wird von der Buchhandlung des Herrn Star-\ngar dt in Berlin das Verzeichniss einer werthvollen Sammlung von\nmusicalischen und hymnologischen Werken herausgegeben. Es ent-\nhält zum Theil den Nachlass des verstorbenen Professors Dehn,\nauch einige ältere, sehr werthvolle theoretische Werke von Dres-\nler, Forkel, Gerbert, Lassus, Lippius, Marpurg, Ma-\ntheson, Prätorius und Anderen. Unter den Handschriften sind\nbemerkenswerth : ein sehr schöner Brief von Beethoven, eine Com-\nposition, Original-Handechrift von Graun, drei Symphonieen von\nMozart, Original-Handschriften, die im Stich noch nicht erschienen\nsind. Das Verzeichniss enthält über GOO Nummern.\n§©l&weä°S2t. Am '2O. und 21. Mai fand hier das erste mecklen-\nburgische Musik fest Statt. Im ersten Concerte wurden Mozart's Sin-\nfonie in C mit Fuge und Händel'-, Samson, im zweiten Weber's\nOuvertüre zur Euryanthe, Wagners zum Tannhäuser, Beethoven's\nSinfonie in C-moll und Mendelssohn's Walpurgisnacht nebst mehre-\nren Gesang- und Vioiin-Piecen aufgeführt. Ausserdem fand am 22.\neine Matinee für Kammermusik Statt.\nMftttclfteil« Gluck's Iphigenie in Aulis wurde am 31. Mai auf\nder Hofbühne vor einem dichtgedrängten Hause mit ganz ausser-\nordentlichem Erfolg gegeben. Die Sänger sahen sich nicht nur fast\nnach jeder einzelnen Nummer durch den wärmsten und lautesten\nBeifall belohnt, sondern wurden auch oft bei offener Scene dort\neine seltene Erscheinung und nach jedem Actschlusse gerufen.\nNach dem grossartigen und mächtigen Schlusschor der Oper brach\ndas Publicum in einen langen, begeisterten Jubel aus, in welchem\nes die säinmtlichen Darsteller zwei Mal und zuletzt Franz Lachner,\nden hochverdienten Meister des Tages, stürmisch hervorrief."}]}