{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_sha256": "01cffc3754257dc04a61eca4c8bda5a4982fd53a80996b8831dfde3267de5cf2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/07/21_01/bmtnabi_1860-07-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 401, "texte": "Inhalt.\nDas königliche Musik-Institut in Würzburg. Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers von Paris nach dem\nRheine. Aphorismen. Von V. Kurze Anzeigen (Musicalische Briefe von einem Wohlbekannten Theodor Krausse. Zwei instructive\nSonaten für das Pianoforte). Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz Wiesbaden Frankfurt am Main Leipzig Berlin\nBreslau Prag Wien Arnheim Namur Paris Stockholm)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "235", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.2.2", "titre_corps": "Das königliche Musik-Institut zu Würzburg.", "titre_sommaire": "Das königliche Musik-Institut zu Würzburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.1", "debut_caractere": 403, "fin_caractere_exclue": 4215, "texte": "Das königliche Musik-Institut zu Würzburg.\nEs ist dieses eine Bildungs-Anstalt für Unterfranken\nund Aschaffenburg im Königreiche Baiern, durch welche\ndie musicalische Cultur im genannten Kreise verbreitet und\ndadurch unmittelbar auf die Bildung des Volkes eingewirkt\nwerden soll, besonders durch Erhebung der Gottesdienst-\nFeier, so wie der öffentlichen Feste überhaupt. Es ist da-\nher eine ihrer wichtigsten Aufgaben, auf die Verbes-\nserung des Kirchengesanges und der Kirchen-\nmusik überhaupt zu wirken; eine nicht minder wich-\ntige ist die der musicalischen Bildung im engeren\nSinne durch den zweckmässigen Vortrag der grossen Mei-\nsterwerke der Instrumental- und Vocal-Musik alter und\nneuer Zeit. Um den ersteren Zweck zu erreichen, ist man\nbemüht, echt kirchliche Tonwerke in ihrer wahren Gestalt\nmit jener Weihe zur Aufführung zu bringen, die ihr Cha-\nrakter erheischt; vom einfachen Psalm angefangen bis zum\nOratorium werden alle Arten kirchlicher und religiöser\nTonwerke producirt. Hinsichtlich des weiteren Zweckes\ngeht das Bestreben der Anstalt dahin, die Schüler mit den\nMeisterwerken aller Zeiten vertraut zu machen, und mit\nder gradativen Fortbildung der mechanischen Fertigkeit\nauch den ästhetischen und künstlerischen Geschmack für\ndas wahre Schöne und Gute zu fördern, so wie damit\nzugleich eine deutliche Anschauung von der musicalisch-\ngeschichtlichen Entwicklung zu verbinden.\nDieses geschieht auf eine rationelle und zweckmässige\nWeise. Sowohl in der Vocal- als in der Instrumental-Mu-\nsik wird von dem Einfachen, Leichtverständlichen ange-\nfangen und nach und nach zu dem Schwereren fortge-\nschritten. Durch diese Methode und den dabei eingehalte-\nnen Lehrgang steigert sich die Bildung in unvermerkten\nStufen bis zu jenem Grade, welcher die Schüler befähigt,\nauch Werke der grössten Meister gehörig auszuführen.\nDabei wird immerhin nebst der technischen Vervolikomm-\nnung auf die geistige und gemüthliche Ausbildung beson-\ndere Rücksicht genommen, und die Schüler werden ange-\nleitet, nicht nur jede Stelle in ihrem eigentümlichen Cha-\nrakter wahr und seelenvoll auszuführen, sondern ihre\neigenen Gefühle werden dadurch auch möglichst veredelt\nund gekräftigt. Auch die Pflege des Instrumental-Solo-Vor-\ntrages und des Quartettspiels—Kammermusik—wird nicht\naus den Augen gelassen und von Seiten der Lehrer so wie\nder Schüler bethätigt.\nWas die Schüler oder eigentlichen Theilnehmer dieses\nMusik-Instituts betrifft, so theilen sich dieselben in folgende\nClassen: a) die Studirenden der Universität, b) die Schüler\ndes Gymnasiums und der Lateinschule, c) die Gandidaten\ndes Schullehrer-Seminars und ausgezeichnete musicali-\nsche Talente; dann ist noch e)eine weibliche Gesangschule\ndamit verbunden.\nDer Gesammt-Unterricht zerfällt in die beiden Abthei-\nlungen: Gesang- und Instrumental-Musik nebst den\ndazu gehörigen Ensemble-Uebungen. Der Gesang-\nUnterricht theilt sich wieder in die weibliche Singschule\nfür Solo- und Chorgesang, der getrennt von dem übrigen\nUnterrichte gegeben wird, und in den Gesang-Unterricht\nder übrigen Schüler Knaben- und Männerstimmen\nund beträgt wöchentlich 33 Stunden. Der Unterricht in\nder Instrumental-Musik erstreckt sich auf das Erlernen und\nBehandeln sämmtlicher Orchester-Instrumente, als: Violine,\nViola, Violoncell, Contrabass, Flöte, Oboe, Clarinette, Fa-\ngott, Horn, Trompete, Posaune und Pauken—auch theil-\nweise aufClavier-Unterricht für die besseren Gesang-Schü-\nlerinnen—und umfasst wöchentlich 97 Stunden. Die En-\nsemble-Uebungen für Gesang- und Orchester-Musik sind\nMittwochs und Samstags, Nachmittags von 4 bis 6 Uhr,\nim grossen Saale des Instituts, wobei am letztgenannten\nTage dem musikliebenden Publicum freier Eintritt gestat-\ntet ist. In diesen öffentlichen Uebungen werden nun theil-\nweise grössere Orchesterwerke, bestehend in den anerkannt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5296, "texte": "besten classischen Sinfonieen und Ouvertüren äl-\nterer und neuer Meister, einstudirt und aufgeführt, ande-\nrenteils Kirchen-Tonstücke, wie Messen, Vespern,\nRequiem, Te Deum, Antiphonen u. s. vv., so wie Chöre\nund Gesänge mit und ohne Begleitung, kirchlichen und\nweltlichen Inhalts, bis zum Oratorium hinauf; ausserdem\nnoch Concerte für verschiedene Instrumente, und Quar-\ntette, Quintette u. s. w.\nDas Orchester besteht nebst den Herren Lehrern der\nAnstalt, welche die Hauptstimmen vertreten und Alle So-\nlisten sind, meistens aus den Candidaten des Schullehrer-\nSeminars, mehreren Studirenden der Universität und des\nGymnasiums, so wie noch aus den eigentlichen Musikschü-\nlern, und zählt circa 90 Mitwirkende. Das numerische Ver-\nhältniss der Stimmen zu einander ist folgendes: 20 erste\nund eben so viele zweite Violinen, 12 Violen, 8 Violon-\ncelle, 1 Contrabässe, 3 Flöten, 2 Oboen, 3 Clarinetten, 4\nFagotte, 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen und Pauken.\nDie Zahl der Sänger im gemischten Chor beträgt ebenfalls\nüber 30 per Part, im Ganzen mehr als 120 der kräftig-\nsten Stimmen.\nFür alle Theile des Gesammt-Unterrichts und der\nEnsemble-Uebungen der gegen 400 Schüler zählenden\nMusik-Lehranstalt sind nebst dem Vorstande noch 11 Leh-\nrer thätig. Das ganze Institut wird aus Staatsmitteln unter-\nhalten, und es ist aller Unterricht für die Theilnehmer\nunentgeltlich.\nDie Anstalt besitzt eine Bibliothek und ein sehr gros-\nses Musicalien-Archiv, welches die vorzüglichsten Werke\nenthält, z. B. Messen, Vespern, Requiem, Gradualien, Of-\nfertorien, Psalmen, Antiphonen, Motetten, Hymnen, Chöre\nu. s. w. von der ältesten bis auf die neue Zeit; ferner Arien,\nDuetten u. s. w. für alle Stimmen und Vocal-Piecen aller\nArt; Cantaten und Oratorien; sämmtliche Tonwerke von\nJ. Haydn, Mozart, Beethoven, C. M. von Weber, Händel,\nBach, Clementi u. s. w.; alle Sinfonieen und Ouvertüren\nder besten Meister; eben so eine grosse Anzahl der vor-\ntrefflichsten Schulen, Etüden und Concerte für alle Instru-\nmente; dann Duetten, Terzetten, Quartetten u. s. w. für\nsolche; Ciavierwerke u. a. m. An Instrumenten über 80\nViolinen und in gleichem Verhältnisse Violen, Violoncelle,\nContrabässe, Holz- und Blech-Blas-Instrumente, Piano-\nforte's u. s. w.\nDas ganze Musik-Institut leitet, überwacht und ver-\nwaltet der von dem Könige ernannte Vorstand, zur Zeit\nDirector Johann Georg Bratsch. Die Lehrer desselben\nsind gegenwärtig: a) für den Gesang die Herren: Benz\nund Rausch; b) für die Instrumente die Herren: Wirth,\nRöder, Eulenhaupt, Koob, Roth, Kimmler, Jä-\nger, Seitz und ein Lehrer fürs Pianoforte.\nDas Local, namentlich der grosse Saal, in welchem\ndie grösseren Musik-Aufführungen und Concerte Statt fin-\nden, ist sehr akustisch gebaut, durch neun grosse Fenster\nerhellt und gewährt einen Raum für ein Auditorium von\n700 und für das Orchester von 250 Individuen. Es war\nfrüher der Capitelsaal für das hohe Domstift und ist mit\nden Wappen sämmtlicher Dom-Präbendirten von 1566\nbis 1802 verziert. Neben dem grossen Saale befindet sich\nder kleine, in welchem theils Unterrichtsstunden gegeben,\nanderentheils kleinere Proben gehalten werden; in den\ndort angebrachten Schränken sind die Musicalien und In-\nstrumente aufbewahrt. Ausserdem sind in der anstossen-\nden Wohnung des Directors noch drei Lehrzimmer für\nden Einzel-Unterricht im Gesänge und in den Instrumen-\nten. Für die Instandhaltung der Localitäten u. s. W.ist ein\neigener Diener vorhanden.\nGegründet wurde das königliche Musik-Institut zu\nWürzburg im Jahre 1804, unter der damaligen kurfürst-\nlich baierischen Regierung, bei der Organisation der At-\ntribute der dortigen Universität, und war ursprünglich bloss\nzur musicalischen Bildung der Studirenden an der Hoch-\nschule bestimmt. Als Lehrer der Tonkunst ward zugleich\nHerr Joseph Fröhlich angestellt. Bei der im folgenden\nJahre 1805 erfolgten Reform des Gymnasiums wurden\nauch die Schüler dieser Anstalt dem musicalischen Unter-\nrichte beigesellt. Unter der Regierung des darauf folgen-\nden Grossherzogs erweiterte sich im Jahre 1811 durch\nBeiziehung der Candidaten des Schullehrer-Seminars und\nausgezeichneter musicalischer Subjecte das bisher nur auf\ndie Bildung der Studirenden beschränkte Institut zu einem\nallgemeinen Conservatorium der Musik für das Grossher-\nzogthum Würzburg und hatte nicht nur die Pflege der\nKunst im höheren Sinne, sondern auch das Einführen des\nGeistes dieser in das Volksleben zur Aufgabe. Unter der\nköniglich baierischen Regierung wurde im Jahre 1820\ndas Institut noch mit einer weiblichen Gesangschule ver-\nmehrt und erhielt durch die Allerhöchste Protection Sr.\nMajestät des Königs mit der Erweiterung seines Wirkens\nauch eine Vermehrung seiner Hülfsmittel.\nDiese immer grössere Ausdehnung und der umfassen-\ndere Wirkungskreis des k. Musik-Instituts ist namentlich\ndas Verdienst des nunmehrigen k. Hofrathes und quiescir-\nten Universitäts-Professors Dr. Joseph Fröhlich, dem\nseit seiner Entstehung die Leitung des Ganzen und die des\nEinzelnen anvertraut war. Als Vorstand hat er es bis im\nJahre 1858 wo er diese Stelle niederlegte energisch\ngeleitet und jene glänzenden Erfolge bewirkt, durch welche\nes längst den ungeteilten Beifall der Kunstfreunde und\nsein Gründer die billigsten Ansprüche auf lohnende Dank-\nbarkeit errungen hat. Im Laufe dieser langen Zeit (über"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2047, "texte": "fünfzig Jahre) ist unter seiner umsichtigen Leitung sehr\nviel Ehrenwerthes und Vorzügliches geleistet worden. Tau-\nsende von Schülern haben ihre musicalische Bildung in die-\nser Lehranstalt gewonnen, da sie eine Pflanzschule für\nganz Unterfranken geworden. Durch einzelne ausgezeich-\nnete Talente ist ihr Ruf weit über die Gränzen des enge-\nren Vaterlandes gedrungen; denn so mancher tüchtige\nSchüler gereichte früher und später dem Orchester einer\ngrossen Stadt oder einer Hofcapelle zur Zierde. Grosse,\ninteressante Concerte bei Anwesenheit hoher Personen oder\nfür besondere edle Zwecke wurden von ihm gegeben; die\nherrlichsten Werke aller Musikgattungen von den gefeiert-\nsten Meistern der Tonkunst wurden unter seiner Leitung\nzu verschiedenen Gelegenheiten mit ausserordentlichem\nFleisse einstudirt und in vollendeter Weise aufgeführt. Als\nein tiefdenkender, vielseitig und ästhetisch gebildeter Mu-\nsiker, als Componist so wie als einer der kenntnissreich-\nsten und gerechtesten Kunstkritiker ist Fröhlich hinläng-\nlich bekannt, davon zeugen die vielen interessanten Recen-\nsionen und musicalischen Artikel in der Allg. Musik-Zei-\ntung wie auch in der „Cäcilia\", nicht minder seine um-\nfassende grosse Musikschule.\nAls Nachfolger Fröhlich's wurde dessen Schüler Herr\nJohann Georg Bratsch, bisheriger Lehrer und Diri-\ngent der Anstalt, von Sr. Majestät dem Könige zum Vor-\nstande des Musik-Instituts ernannt. Derselbe fährt nun fort,\ndiese nützliche und wohlthätige Lehranstalt in dem Geiste\nseines Vorfahrs zu leiten, und wurden unter ihm nebst\nmehreren älteren bereits auch einige neuere grössere Ton-\nwerke zur Aufführung gebracht.\nAus dieser gedrängten Darlegung der bestehenden Ver-\nhältnisse, wie auch des obersten Zweckes aller Wirksam-\nkeit für Kirche und Concertsaal, ergibt es sich, dass diese\nWürzburger Anstalt ein Conservatorium—ein Erhaltungs-\nInstitut des wahrhaft Guten und Schönen im Reiche der\nTonkunst in grossartigem Maassstabe genannt werden\nmuss, dem in Deutschland wohl nur das zu Prag noch\ngleichgestellt werden dürfte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "235", "page_fin": "237", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.2.3", "titre_corps": "Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers von Paris nach dein Rheine", "titre_sommaire": "Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers von Paris nach dein Rheine", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.3", "debut_caractere": 2049, "fin_caractere_exclue": 5434, "texte": "Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers\nvon Paris nach dein Rheine\n„Auf Paris lastet die Gluth der Hundstage, die Thea-\nter sind todt, Alles geht auf Reisen; selbst manche alte\nCompositionen suchen in den Badeörtern ihr Dasein zu\nverjüngen. Ich will nach Baden gehen und mich überzeu-\ngen, ob man dort wohl bessere Musik macht, als in Paris.\"\nGesagt, gethan. Der Kritiker vertraut sich einem\nSchnellzuge an und eilt nach dem Elsass, wo die niedrigen\nKarren mit kleinen Pferden, die blonden Zöpfe der Bauern-\nmädchen, die bauschigen Hemden und die breiten Hüte\nihn erinnern, dass Ludwig XIV. die Provinz zwar erobern,\naber nicht französisch machen konnte. „Die Natur ist stär-\nker, als die Eroberer; mögen sie Jahrhunderte lang Nord\nund Süd unter das gleiche Joch zwingen, die Nationalitä-\nten behalten ihren unvertilgbaren Charakter.\" Der Elsass\nist nun 200 Jahre an Frankreichs Geschick gekettet; er\nbeklagt sich nicht darüber, aber seine Sitten, seine Neigun-\ngen, seine Geschmacksrichtung sind nach wie vor deutsch.\nMan spricht dort so wenig Französisch, wie möglich, und\nauf meine erste Frage an einen Bewohner Strassburgs er-\nhielt ich die Antwort: „Ich verstehe Sie nicht, mein Herr.\"\nMehr noch als diese Freisinnigkeit erregt es unser frohes\nErstaunen, dass der Reisende in Strassburg, während er\nsich kaum um das Münster und das Andenken an Rouget\nde l'lsle, den Componisten der Marseillaise, bekümmert,\nsich lebhaft zu einer Pilgerfahrt nach Sesenheim hingezo-\ngen fühlt, um dort das Andenken an Göthe's Friderike zu\nfeiern und die aus „Dichtung und Wahrheit\" bekannte\nSteinbank mit dem Baume, das klare Bächlein und den\nJasminbusch voll Erinnerungen seliger Jugendliebe zu be-\nsuchen.\nSobald der Verfasser über den Rhein gelangt ist, fühlt\ner sich von der Schönheit des Landes angenehm berührt,\nunangenehm aber von der unerträglichen Langsamkeit und\nSchwerfälligkeit der Bewohner, „bei denen die Geduld\neine theologische Tugend ist\", und ausserdem von den un-\nermüdlichen Anforderungen an die Börse des Reisenden.\nDas herrliche Baden-Baden macht einen moralisch ver-\nstimmenden Eindruck auf ihn ; seine Bevölkerung, nament-\nlich die aus Frankreich hingekommene, vertritt nicht Frank-\nreichs Civilisation, Kunst und Literatur, sondern die ele-\ngante Corruption, das leere Geräusch und die Nichtigkei-\nten, um welche sich ein Theil der pariser Gesellschaft dreht.\nUeber die schlechte Musik dort sind mit Recht die Lands-\nleute eines Haydn, Mozart, Beethoven, Weber, Mendels-\nsohn gegen die Unternehmer aufgebracht. Am Ende der\nPromenade liess in einem Kiosk die Militärmusik eines ba-\n\n*).\n\n* )Im Auszuge aus dem 111. Bande von Crilique et litterature mu-\nsicale par jR, Scudo, Paris, 1859, nach dem Aufsatze: La\nmusique dans las villes rh&nanes (p. 503—541), mitgetheilt. Un-\nsere Leser kennen Herrn Scudo aus den Besprechungen der\nfrüheren Bände unter demselben Titel, welche bekanntlich die\nSammlung seiner musicalischen Artikel in der Revue des deux\nMondes enthalten, und aus anderen Aufsätzen von ihm und\nüber ihn in der Niederrheinischen Musik-Zeitung. Der Ausflug,\nvon dem hier berichtet wird, fand zwar schon im Sommer 1858\nStatt, wesshalb auch in dem Artikel des geehrten Herrn Ein-\nsenders noch einige Verkürzungen nöthig wurden, enthält aber\ndoch viel Interessantes, was mehr die Sache, um die es sich\nhandelt, als die Zeit betrifft. Die Red actio n,\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5360, "texte": "dischen Garde-Regiments sich vernehmen; es war eine ab-\nscheuliche Katzenmusik [une affreme cacophonie) mit plat-\ntem Abschlüsse, und der Kritiker vermuthete daher, es\n%\nmüsse wohl—Wagner'sche Musik sein. Uebrigens will er\nvorsichtiger Weise nach diesem Lohengrin-Chor, für Mi-\nlitär-Musik arrangirt, bei Leibe nicht das Talent des Com-\nponisten beurtheilen. Leider konnte er von Wagner's Musik\nin den rheinischen Städten nichts zu hören bekommen *).\nDie berühmten musicalischen Klosterfrauen zu Lich-\ntenthal konnte der Reisende auch nicht hören; dafür ent-\nzückte ihn in der Stiftskirche zu Baden bei der Frühmesse\nein Choralgesang von edlem Charakter, welchen mit ge-\nwissen Unterbrechungen durch die Orgel 2—300 Schul-\nkinder sicher und rein sangen\ntion et une precision admirables Eine An-\nzeige aus Karlsruhe wegen der Aufführung von Gluck's\nIphigenie in Tauris lockte ihn zu diesem seltenen Genüsse\nhin, da man in Paris zur Aufführung Gluck'scher Opern\nkeine Zeit mehr zu haben scheint. Leider wurde er ge-\ntäuscht und eilte weiter nach Heidelberg, denn „nicht dazu\nhatte er sich in die Tortur deutscher Betten begeben, um\nstatt jener Gluck'schen Oper den Bomeo, eines der schwäch-\nsten Werke des guten, lieblichen Bellini, zu hören.\" Das\nheidelberger Schloss erinnert auch ihn an Ludwig's XIV.\nschändliche Politik und an die Barbarei seines Ministers\nLouvois und seiner Generale. Er fügt auch hier wieder mit\nkosmopolitischem Freimuthe hinzu: „Es ist traurig, aber\nwahr: man kann in Deutschland, Italien, Spanien und fast\nauf dem ganzen Festlande Europa's keinen Schritt thun,\nohne die unheilvollen Spuren von Durchzügen französischer\nHeere zu finden.\"\nEr schwärmt in dem Anblicke der köstlichen Gegend,\nund hier, gegenüber dem rebenbepflanzten Heiligenberge,\nmöchte er wohl Beethoven's Pastoral-Symphonie, die Ou-\nvertüre zum Freischütz, die Einleitung zum Oberon oder\nden Sommer aus den Jahreszeiten des Vaters und Schö-\npfers der Instrumental-Musik hören.\nIn dem Hause eines angesehenen Dilettanten, wo man\nschon um 1 Uhr zu Mittag ass, „als ob die französische\nRevolution nicht die Runde durch die Welt gemacht hätte\",\nwurde Musik gemacht. Ein vierstimmiger Gesang mit\nFrauenstimmen von Johann Eccard, Organist zu Königs-\nberg und zu Berlin im siebenzehnten Jahrhundert, gab\ndurch seine treffliche Ausführung eine vortheilhafte Idee\nvon der musicalischen Befähigung der Deutschen. Immer\nauf T annhäuser oder Lohengrin hoffend, ging der Reisende\nnach Mannheim, der hübschen, aber zum Verzweifeln regel-\nmässigen Stadt, deren Theater noch aus der Zeit Schiller's,\nIffland's und Mozart's einen gewissen Huf hat. Lessing's\n„Minna von Barnhelm\" schien ihm in der Intrigue schwach\nund in der Sentimentalität zu stark; aber warum hat auch\nLessing das französische Theater so bitter getadelt und hier\ndiesen Riccaut de la Marliniere auf die Bühne gebracht,\nder die Franzosen in wenig schmeichelhafter Gestalt vor-\nführt?—In demselben Theater entdeckte unser Reisender\neine Erscheinung, die er sonst für unmöglich gehalten\nhätte, nämlich, dass das Orchester ohne einen bemerkba-\nren Dirigenten mit vollkommener Präcision, wie man sie\nkaum in Paris findet, Symphonie-Sätze vortrug, während\ndoch in Frankreich selbst ein Kneipen-Orchester eine Art\nvon Dictator nöthig zu haben glaubt, der, mit einem Bo-\ngen in der Hand, vor aller Welt dasteht und sich durch\nseine wunderlichen Gesticulationen zum Narren macht.\n„Die Deutschen sind doch zu gleicher Zeit bescheidener\nund unabhängiger.\"\nIn Darmstadt erinnert der Verfasser an den 1830 ge-\nstorbenen Grossherzog Ludwig, der das Theater dieser\nübrigens stillen und etwas trübseligen Stadt durch seine\npersönliche Einwirkung so sehr hob, dass auf allen Stras-\nsen von Frankfurt, Mainz, Mannheim u. s. w. ganze Züge\nvon Equipagen zu den bedeutenderen Vorstellungen dort-\nhin eilten und das darmstädter Theater ein Sammelpunkt\nder feingebildeten Welt auf weite Strecken hin wurde.\nBrachvogel's „Narziss\" vermied der Verfasser, da er\nwohl ähnliche Eindrücke, wie vom Stücke Lessing's, davon\nfürchtete. Er eilte nach Frankfurt, wo er zunächst mit\nVerwunderung Göthe's Geburtshaus in enger, unansehn-\nlicher Strasse findet und dann auch die Heimatstätte der\nRothschild besucht. Don Pasquale in deutscher Sprache\nim Theater! Das zog ihn dorthin. Er fand das Haus schön\nbis auf die Erleuchtung, wie überall am Rheine, und die\nVorstellung nicht übel, das Orchester zu kräftig und nicht\ngenug nuancirend. „Ueberhaupt begleitet in Deutschland\ndas Orchester den Gesang mit einer Präcision im Tacte,\nwelche die Singstimme behindert und sie zu einem blossen\nInstrumente macht.\" [??] Er kommt zur Statue Göthe's,\neinem mittelmässigen Werke von anmaassendem Styl, wel-\nches ihm zu beweisen scheint, dass die Deutschen in der\nBildnerei es nie weit bringen werden, weil es ihnen an na-\ntürlicher Anmuth und Einfachheit dazu fehle (!). Herum-\nziehende Musicanten spielten dort „herrliche Walzer zum\nEntzücken mit einer Sicherheit, einer Reinheit und einem\nSchwünge, welche der Verfasser nicht genug bewundern\nkonnte.\" Und als sie nun gar einen hübschen, ausdrucks-\nvollen Chor dreistimmig wacker sangen und dann schnell\nmit den Instrumenten die Echo's ausführten, warf der ganz\nbezauberte Zuhörer ihrem Chef eine Handvoll Kreuzer in\nden Hut.\n\n*) Jetzt hat er sie aber in Paris gehört! Vergl. Nr. 12 dieses\nJahrgangs. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1627, "texte": "Als er nach Mainz kam, gab man im Theater den\nFreischütz mit neuer Decoration der Wolfsschlucht, wie\nder Zettel anzeigte, und da Wagner's Musik, als des letz-\nten Repräsentanten der Romantik, nirgends zu haben war,\nso nahm der Verfasser statt deren gern jenes Meisterwerk\nan, welches der romantischen Musik Deutschlands zuerst\nden Eingang in Frankreich gebahnt hat. Uebrigens ver-\nsicherte er, Weber würde vor Schmerz noch mehrere Jahre\nfrüher gestorben sein, wenn er geahnt hätte, dass seine\nSchüler [??] ihn zum Deckmantel nehmen würden für alle\ndie Thorheiten, die sie jetzt begehen. Im Freischütz fand\ner die beiden weiblichen Rollen ganz hübsch besetzt, die\nanderen mittelmässig, Chor und Orchester sehr gut\nund das Publicum intelligent, wie überall in\nDeutschland. „Wenn man von Paris kommt, wo Alles\ndarauf eingerichtet ist, die Wahrheit und die Meinung der\nanständigen Leute zu ersticken, um sie zu zwingen, das zu\nbewundern, was hässlich ist, und jämmerlichen Erzeugnis-\nsen Reifall zu geben unter der Gewaltherrschaft einer Schar\nbezahlter Klatscher, die ihr schmutziges Gewerbe unter den\nAugen der Policei treiben, und wenn man sich dann 24\nStunden später in einem Theater des guten, friedlichen\nDeutschlands befindet, dann athmet man gleichsam auf\nund fühlt sich von einer drückenden Last befreit. Hier ist\ndie Meinung des Publicums eine Wahrheit; es klatscht\nselbst, vom Parterre bis zu den obersten Rängen, so dass\ndabei die verschiedenen Stufen der Refriedigung sehr deut-\nlich hervortreten. Ist es unzufrieden, so schweigt es und\nkränkt niemals einen armen Künstler durch demüthigen-\nden Lärm.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "237", "page_fin": "237", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.2.4", "titre_corps": "Aphorismen.", "titre_sommaire": "Aphorismen.", "signature_source": "V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.5", "debut_caractere": 1629, "fin_caractere_exclue": 4914, "texte": "Aphorismen.\nV.\nWir haben in mancherlei Kunstgattungen erhebliche\ntechnische Fortschritte gemacht, ich erinnere nur an die\nPhotographieen nach der Natur und an die Stereoskope.\nWie selten entschlüpft aber bei ihren Producten dem\nReschauer ein wahrhafter Ausruf der Rewunderung, auch\nwenn er steht vor den besten Blättern der ersteren oder\nvor den frappantesten Stereoskopen, wo die Natur, bis in\ndie kleinsten Details belauscht, die absolute nackte Wahr-\nheit unserem Auge im Abbilde darbietet. Es ist uns aber\nimmer, als ob etwas fehle, was man nicht sagen kann.\nWir haben dadurch manche Falte des Isis-Schleiers\ngehoben von dem Antlitze der Mutter Natur, und doch füh-\nlen wir uns unbehaglich. Woher kommt das?\nRichard Wagner hat uns zeigen wollen, wie wahrhaft\ndramatische Musik aussehen soll; unbedingteste Wahrheit\nist sein Streben: die Musik soll photographiren.\nDie reinste, nackteste Wahrheit bietet uns allerdings\ndie Photographie, die reinste Perspective die Stereoskopie.\nNiemand jedoch hat bis jetzt diesen secundären Hülfskün-\nsten den ersten Platz in der Malerei eingeräumt, so sehr\nsie sich auch vordrängen auf Kosten der schaffenden\nKunst. Das directe Menschenwerk, dem Geiste vermittelt\ndurch den lebendigen Geist, behält dennoch den Preis. Ein\nPortrait eines Van Dyk wird stets das beste Portrait des\nbesten Photographen unendlich übertreffen.\nMan beklagt sich über die Musik, dass sie unvollkom-\nmen in der Naturreinheit, dass sie nur temperirt sei, dass\nvielleicht noch lange nicht ein rein akustisches Instrument\noder ein System gefunden werde, das uns die reine Musik\nin ihrer eigensten Natur wiedergeben könne.\nVielleicht gelingt es der Zukunft, einen derartigen pho-\ntographisch-akustischen Apparat zu construiren, oder die\nbisher bloss lallende Aeolsharfe so zum Sprechen zu brin-\ngen, dass jenes Ideal der reinen Stimmung, deren Mangel\nunsere nur zwölftön ige Musik angeblich so unvollkom-\nmen lässt, endlich zur Wahrheit werde!\nDieses Ideal unserer Musik, wenn es je erreicht wer-\nden könnte,—ob es uns wohl eben so verstimmt und un-\nbegeistert lassen wird, wie wir uns den so reinen Detail-\nzeichnungen der Photographie gegenüber befinden?\nUnsere Phantasie will selbstthälig mitarbeiten, lieber er-\ngänzen, als unthätig, ein ohnmächtiges Kind oder ein ge-\nfesselter Riese, sich ruhig verhalten. Die erzwungene Ruhe\nverdriesst sie. Daher auch der alte Grundsatz in der Kunst:\n„der Phantasie des Geniessenden noch etwas übrig zu\nlassen.\"\nDesshalb ist alle zu weit getriebene Intention vom\nUebel; es wird damit der Phantasie ins Handwerk ge-\npfuscht, sie wird mit der Nase darauf gestossen, als ob sie\nein Kind sei, dem der reflectirende Verstand auf die Reine\nhelfen müsse.\nSo wenig sonach die Photographie die Kunst der Ma-\nlerei wird verdrängen können oder wollen, eben so wenig\nwird das beste akustische Instrument unsere Temperatur,\neine Errungenschaft desMenschengeistes,ersetzen\nkönnen. Sie wird nach wie vor ihr Recht behaupten.\nEben so wird es sich mit den Vorzügen des rein Mu-\nsicalisch-Schönen, mit den Kunstwerken der absoluten\nMusik den Producten der relativen oder objectiven Musik\ngegenüber verhalten. Die blosse Portrait-Aehnlichkeit macht\nso wenig ein Gemälde, als die täuschendste Nachahmung\nvon Rüdengebell und Peitschenknall eine Jagdmusik."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "238", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.2.5", "titre_corps": "Kurze Anzeigen.", "titre_sommaire": "Kurze Anzeigen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1337, "texte": "Kurze Anzeigen.\nMusicalische Briefe von einem Wohlbekann-\nten. Zweite, verbesserte Auflage. Leipzig, bei\nBaumgärtner. 1860. 283 S. 8. Preis 1 Thlr.\nRichtiger würde diese zweite Auflage in Einem Bande\nals zweiter Abdruck bezeichnet worden sein, denn „Ver-\nbesserungen\" haben wir nirgends gefunden, nicht einmal\ndas Präsens in dem Abschnitt über Schumann, der unter-\ndessen gestorben, ist überall in das Präteritum verwandelt\nworden, indem der Schluss, wie früher, heisst: „an dieser\nArt des Fleisses scheint es Schumann zu fehlen.\" Das\nEinzige, was umgearbeitet worden, ist der einundvierzigste\nBrief über Richard Wagner; er ist aber auch in der\nneuen Gestalt eben so oberflächlich und ungenügend, wie\ner in der früheren war. Uebrigens ist der neue Druck\nhübsch und wohlfeil.\nTheodor Krausse. Zwei instructive Sonaten für\ndas Pianoforte. Zweite Folge. Nr. I. Op. 84.\nNr. 11. Op. 85. Winterthur, bei J. Rieter-Bieder-\nmann. Zu 27y2 Ngr. jede Nummer.\nDiese Sonaten, Nr. I. in A-moll, Nr. 11. in D-dur,\nwerden Lehrern, die auf Einübung guter Musik als Vor-\nschule zu Mozart's, Clementi's und Beethoven's Sonaten\nhalten, eben so wie die erste Folge derselben Op. 75\nin G,Op. 76 in F— sehr willkommen sein. Sie halten,\nwas der Titel verspricht, sie sind wirklich „instructiv\"\nund dabei auch durch ihren musicalischen Inhalt em-\npfehlungswerth."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-21_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "240", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.6", "debut_caractere": 1339, "fin_caractere_exclue": 5996, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer Pianist A. Jaell befindet sich seit Kurzem hier.\nMehrere andere Künstler von Ruf, welche dem Musikfeste beiwoh-\nnen, werden erwartet.\nWiesbaden; 7. Juli. Gestern brachte die Merelli'sche italiä-\nnische Operngesellschaft, welche mit so grossem Erfolg in Frankfurt\neine Reihe von Vorstellungen gegeben hat, Rossinis „Barbier\" zur\nAufführung. Der Tenorist Niemann ist mit seiner Gattin nach Inter-\nlaken gereis't. In der zweiten Hälfte des August kehren Beide hie-\nher zurück, da Niemann bis dahin auf sechs Gastrollen engagirt\nworden ist.\nDer Violinist Jean Becker von Mannheim, welcher in Paris\nund London Aufsehen erregte, ist nach Deutschland zurückgekehrt.\nFrailkflirt a» M., 12. Juli. Seit dem 25. Juni gab die ita-\nliänisehe Operngesellschaft des Herrn Merelli zehn Darstellungen.\nEs kamen zur Aufführung: „Don Pasquale\" (2 Mal) von Donizetti,\n„Barbier von Sevilla* (2 Mal) von Rossini, „Troubadour\" von Verdi,\n„Liebestrank\" von Donizetti, »Norma* von Bellini, „Die heimliche\nEhe\" von Cimarosa und „Semiramis\" von Rossini, Die letztere Oper,\n„Semiramis\", ist gestern Abends bei vollem Hause gegeben worden\nund ist zur Wiederholung für morgen Abends bereits angekündigt.\nDer Cellist Grütz m ach er jun. Verlässt uns, um\nden Platz eines ersten Cellisten am städtischen Orchester in Zürich\nzu übernehmen.\nMarschner's treffliche Oper „Der Templer und die Jü-\ndin\" wurde nach langjähriger Ruhe bei grossem Zuspruche des Pu-\nblicums wieder aufgeführt. Frau Köster feierte als Rebecca neue\nTriumphe, Herr Worowsky (Ivanhoe) theilte den Beifall mit ihr.\nIm Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater wurde Dittersdorfs echt\ndeutsche Oper „Doctor und Apotheker\" zur Aufführung gebracht,\nund zwar mit recht gutem JErfolge. Kroll's Oper brachte »Das Nacht-\nlager von Granada\",\nDas zweite märkische Gesangfest wurde am 24. und\n25. v. Mts. zu Luckenwalde gefeiert. Dreissig Sänger-Vereine\naus Berlin, Potsdam und den anderen märkischen Städten nahmen\ndaran Theil, und die Menge der Zuhörer und Festgenossen von al-\nlen Seiten her war ungeheuer. Dirigent war Herr Musik-Director\nRudolf Tschirch. Am 24. Nachmittags wurde das Fest musica-\nlisch eröffnet, nachdem schon seit Vormittag das Hin- und Herwo-\ngen von Tausenden den Festplatz im Freien (den früheren Turnplatz)\nbelebt hatte. Achthundert deutsche Männer hatten auf der Sänger -\nTribnne Platz genommen; Alles lauscht; da hebt sich der Tactstock\ndes Dirigenten, und wie aus Einer Kehle unisono fragen 800 Kehlen\nmit Ernst Moriz Arndt: „Was ist des Deutschen Vaterland?\" Nicht\nenden wollende Bravo's folgten dem Gesänge; sie waren der deut-\nlichste Beweis, dass Dichter wie Componist, Dirigent wie Sänger\nhier in vollkommenem Einverständnisse gewirkt. Abwechselnd folg-\nten nun Ensemble-Gesänge, dann auch wieder Einzel-Gesänge der\nTheil nehmenden dreissig Männer-Gesangvereine. Heiteres Leben\ndurchströmte Sänger und Zuhörer. Der Abend hatte sich hernieder-\ngesenkt; der dritte Theil des Programms wurde mit dem schönen\nGöthe'schen Liede: „Unter allen Wipfeln ist Ruh'!* dem Kuhlau\neine so schöne Melodie anzupassen gewusst, eingeleitet. Der Gesang\nwar beendet. Spontini's Borussia hatte zum Schlüsse ihm den Stem-\npel eines preussisch-deutschen Volksfestes gegeben. Unter Sang und\nKlang begab man -sich in die festlich beleuchtete Stadt und von\ndort nach dem Bahnhofe. Hochs auf die freundliche Stadt Lucken-\nwalde, auf die Sänger, auf das deutsche Volk wechselten unter ein-\nander, und während bereits drei Extrazüge die grosse Menge von\nTheilnehmern, welche das Fest früher verlassen, zurückgeführt hat-\nten, nahm um 11 Uhr ein noch grösserer Zug den Rest der Theil-\nnehmer, welcher nicht für den zweiten Tag in Luckenwalde verblei-\nben wollte, auf und beförderte dieselben nach Berlin zurück.\nSuum cuique. In dem Festberichte, welcher im Elberfelder\nKreisblatte Nr* 49 über das Lehrer-Gesangfest zu Simmern\nabgedruckt ist, heisst es: »Der evangelische Lehrer-Verein ist bei\nder Jubelfeier der dreihundertjährigen Einführung der Reformation\nauf dem Hunsrücken am IG. Juli 18-57 zu Simmern gestiftet wor-\nden. \" Wer aber den ersten Anstoss dazu gegeben, wer ihn that-\nsächlich ins Leben gerufen hat, davon schweigt die Geschichte.\nAller Anfang ist aber schwer, sagt ein wahres Sprüchwort, fort-\nsetzen ist dagegen leicht. Die Auswahl der Gesangstücke wird\ngerühmt, es wird aber nicht gesagt, wer das Programm aufgestellt\nhat. Nun, es ist derselbe Mann, „der's zum Gehen brachte, als\nes nicht gehen wollte\", wie Herr Lehrer Brück aus Thal Kleinich\nan der Mosel im vorigen Jahre in Trarbach sich ausdrückte; es ist\nder frühere Musiklehrer am königlichen Schullehrer-Seminar in Neu-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6439, "texte": "wied, Musik-Director Herr Gustav Flügel, wie der Königlichen\nRegierung zu Coblenz recht wohl bekannt ist.\nDie am 30. Juni als Stiftungsfeier in der Aula\nLeopoldina veranstaltete Aufführung der Sing-Akademie brachte aus-\nser dem Credo der Bach'schen H-moll-Messe ein neues Werk des\nDirigenten, Herrn Karl Reinecke, der jetzt nach einjähriger Thätig-\nkeit Breslau wieder verlässt, um die Leitung der leipziger Gewand-\nhaus-Concerte zu übernehmen Das hier zuerst gegebene Opus heisst\n„Belsazar\" und behandelt denselben alttestamentarischen Stoff, der\ndem gleichnamigen Händel'schen Oratorium und der Balladen-Com-\nposition Schumann's zu Grunde liegt. Der Form nach gehört Rei-\nnecke's Werk unter die Rubrik des kleinen weltlichen Oratoriums,\nder Cantate. Am gelungensten und effectvollsten erscheint die Be-\nhandlung der Chöre und mahnt an das erfolgreiche Studium der\nalten Meister. Den Einzelgesängen dagegen fehlt es an frischer Ur-\nsprünglichkeit und individuellem Leben. Lie Aufführung von Seiten\nder Sing-Akademie war eine im Ganzen recht lobenswerthe.\nsPra&*. Die Bedingungen, welche Herr Franz Skraup an die\nAnnahme seines Engagements als Capellmeister bei der Oper in\nRotterdam und Amsterdam für die Saison vom September 1860 bis\nMai 1861 geknüpft hat, sind wie die „Bohemia\" meldet von\ndem Comite der beiden Theater sämmtlich erfüllt, und somit ver-\nlässt Herr Skraup Prag, welches mit ihm seine erste Dirigenten-\nkraft verliert.\nWieia. Für den Bau eines neuen Hof-Opernhauses veröffentlicht\ndie Wiener Zeitung vom 10. d. Mts. eine Concurs-Ausschreibung.\nDas Hof-Operntheater stellt uns für die am 16. d. Mts. begon-\nnene neue Saison diesmal fünf neue Opern in Aussicht, nämlich:\nWagner's „Fliegenden Holländer\", Meyerbeer's „Dinorah\", Rubin-\nsteinTs vieractige grosse Oper „Die Kinder der Haide\", Doppler's\n„Wanda\" und Thomas Löwe's „Alma\". Ueberdies soll das Reper-\ntoire durch ein Gluck'sches Werk und einige ältere französische ly-\nrische Opern bereichert werden. Die Nicht-Einhaltung ähnlicher\ndurch geschäftige Federn verbreiteter Programme dürfte dem Publi-\ncum und der Kritik wohl den besten Maassstab geben für das wirk-\nlich zu Erwartende.\nFrau Csillag, welche ihr Gastspiel in London wegen Stimm-\nlosigkeit unterbrechen musste, ist bei der hiesigen Direction um Ver-\nlängerung ihres Urlaubs zum Behufe einer Badecur eingekommen,\nwelcher ihr auch bis Ende September bewilligt worden ist.\nDie königlich preussische Hof-Opernsängerin Frau Harries-\nWippern ist hier eingetroffen, um einen Cyklus von, wie man\nhört, nur sechs Gastrollen zu geben. Sie bringt einen so trefflichen\nRuf mit, dass man alle Ursache hat, diesem Gastspiel mit Spannung\nentgegen zu sehen.\nDas VII. allgemeine Musikfest der niederländischen Ge-\nsellschaft zur Beförderung der Tonkunst findet zu Arn-\nheim Donnerstag den 9., Freitag den 10. und Samstag den\n11. August Statt. Das Programm lautet:\nDonnerstag (Abends): Preis-Sinfonie in E> Op. 46, von Joh. J. H.\nVerhülst (im Jahre 1846 durch die Gesellschaffe gekrönt); Samson,\nOratorium von G. F. Händel.\nFreitag (Abends): Ouvertüre und einleitender Chor zu Vondel's\nTrauerspiel „Lucifer\", Op. 40, von J. A. van Eyken, unter Direction\ndes Componisten (im Jahre 1852 durch die Gesellschaft höchst eh-\nrenvoll erwähnt unter Zuerkennung einer Prämie); Loreley, Op. 70,\nvon Ferdinand Hiller,* Elia op Horeb, Gedicht von N. Beets, Musik\nvon F. Conen, unter Direction des Componisten (im Jahre 1857 durch\ndie Gesellschaft höchst ehrenvoll erwähnt unter Zuerkennung einer\nPrämie). Zweite Abtheilung: Lobgesang, Sinfonie-Cantate, Op. 52,\nvon F. Mendelssohn-Bartholdy.\nSamstag (Morgens): Künstler-Concert, in welchem unter Ande-\nrem Psalm 84, holländische Worte von Dr. J. P. Heije, Musik von\nJob. J. H. Verhülst, und eine Sinfonie von L. van Beethoven auf-\ngeführt werden wird.\nDirigent des Ganzen: Joh. J. H. Verhülst.\nSolisten: Frau S. Offermanns van Hove aus dem Haag,\nSopran; Frau A. C. T. Cuyper-Alberdingk Thym aus Roer-\nmond, Alt (Dilettantin); Herr Karl Schneider aus Wiesbaden.\nTenor; Herr Ed. Sabbath aus Berlin, Bass.\nIn Namur wird am 21. und 22. Juli eine „Grande fete musi-\ncaleu unter Leitung des Herrn Hanssens Statt finden, wobei 500\nInstrumentalisten und Sänger sich betheiligen und die Soli theils\nvon Mitgliedern des k, Theaters in Brüssel, theils von auswärtigen\nKünstlern ausgeführt werden. Die Haupt-Aufführung bilden Haydn's\n„Jahreszeiten\".\nJPtiris« Roger ist von seiner Kunstreise in das südliche Frank-\nreich wieder zurück und hat bereits mehrere Male in Gastrollen auf\ndem Theater de VOpera comique, der Wiege seines Ruhmes, mit un-\ngeheurem Beifall gesungen. „Die weisse Dame\" macht durch ihn\nvon Neuem Furore. Nach Vollendung dieses Gastspiels geht Roger\nnach Baden-Baden,\nDie Sängerin Emmy Lagrua ist in Paris angekommen, wo sie\nsich sechs Wochen aufhalten wird, um dann wieder nach Peters-\nburg zurück zu gehen, wo sie auf zwei Jahre eines der glänzend-\nsten Engagements erhalten hat, die je da gewesen sind.\nMadame Miolan-Carvalho ist von der Intendantur der könig-\nlichen Schauspiele in Berlin für den September zu zwölf Gastrollen\neingeladen worden.\nRossini's „Semiramis\" ist mit französischem Texte von\nam 9. Juli auf dem Theater der grossen Oper mit glänzender\nAusstattung und Decorationspracht (Bilder nach den Ruinen von\nNinive) aufgeführt worden. Zwei Schwestern aus Venedig, Carlotta\n(Sopran) und Barbara (Alt) Marchisio traten darin auf als Se-\nmiramis und Arsaces; schöne Stimmen und gute Sängerinnen, aber\nweder durch Figur noch Schönheit der Gesichtszüge imponirend.\nDer Spanier Soriano Nuertes hat eine »Geschichte der\nspanischen Musik seit Ankunft der Phönicier (!) bis zum Jahre\n1850\" in französischer Sprache geschrieben, deren letzte Lieferung\njetzt in Paris erschienen ist.\nStOCltlaolm. Von Musikern und Musikfreunden wurde ein\nProbe-Concert zur Errichtung von Abonnements-Concerten dahier\narrangirt, das vor einem eingeladenen Publicum Statt fand und\ngrosse Sensation erregte. Das Programm bestand aus der Ouvertüre\n„Meeresstille und glückliche Fahrtu von Mendelssohn, der „Frühlings-\nbotschaft\" von Gade, der von Beethoven und dem\nC-moW-Requiem von Cherubini.\n(Eingesandt.)\nZar Broschüre : Kein General bass mehr!\nDer Verfasser obiger Broschüre hätte besser gethan, wenn er\ngleich Anfangs die drei Momente aufgestellt und mehr entwickelt\nhätte: Einheit, Solidarität, absolutes Intervall. Diese\ndrei bedingen einander, so wie der Dreiklang z. B. auch eine Drei-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1012, "texte": "heit ist, ruhend auf der Einheit. Diese drei Momente sind hinrei-\nchend, den ganzen Generalbass in der Harmonielehre zu ersetzen.\nEinst werden wir vom Generalbass sprechen, wie wir es von den\n„Neumen\" thun; nur historischen Werth werden einst die „beziffer-\nten Bässe\" bieten.\nObwohl meine Broschüre zunächst an Fachmusiker, an die mu-\nsicalische Kritik appellirt, so darf ich mich leider erst einer Dreiheit\nvon kritischen Stimmen rühmen. Obschon nur zwei einig im Lobe,\nsind alle drei einig im Stillschweigen über die beregte Dreiheit, die,\nruhend auf der Einheit, uns erlösen soll von den nichts beweisenden\nZahlen des Generalbasses.\nIch rechnete auf allseitigere Empfänglichkeit für eine „theoretisch-\npraktische\" Idee, und bedaure nur, das Ganze nicht bequemer ge-\nmacht zu haben durch deutlicheres Auseinandersetzen dieser bereg-\nten drei neuen Momente. Mein Lehrbuch, das diesen Mängeln ab-\nhilft, wird demnächst erscheinen unter dem Titel: »Die Einheit\nin der Tonwelt.a\nWien, im Juli 1860.\nDer Verfasser."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas königliche Musik-Institut in Würzburg. Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers von Paris nach dem\nRheine. Aphorismen. Von V. Kurze Anzeigen (Musicalische Briefe von einem Wohlbekannten Theodor Krausse. Zwei instructive\nSonaten für das Pianoforte). Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz Wiesbaden Frankfurt am Main Leipzig Berlin\nBreslau Prag Wien Arnheim Namur Paris Stockholm).\n\nDas königliche Musik-Institut zu Würzburg.\nEs ist dieses eine Bildungs-Anstalt für Unterfranken\nund Aschaffenburg im Königreiche Baiern, durch welche\ndie musicalische Cultur im genannten Kreise verbreitet und\ndadurch unmittelbar auf die Bildung des Volkes eingewirkt\nwerden soll, besonders durch Erhebung der Gottesdienst-\nFeier, so wie der öffentlichen Feste überhaupt. Es ist da-\nher eine ihrer wichtigsten Aufgaben, auf die Verbes-\nserung des Kirchengesanges und der Kirchen-\nmusik überhaupt zu wirken; eine nicht minder wich-\ntige ist die der musicalischen Bildung im engeren\nSinne durch den zweckmässigen Vortrag der grossen Mei-\nsterwerke der Instrumental- und Vocal-Musik alter und\nneuer Zeit. Um den ersteren Zweck zu erreichen, ist man\nbemüht, echt kirchliche Tonwerke in ihrer wahren Gestalt\nmit jener Weihe zur Aufführung zu bringen, die ihr Cha-\nrakter erheischt; vom einfachen Psalm angefangen bis zum\nOratorium werden alle Arten kirchlicher und religiöser\nTonwerke producirt. Hinsichtlich des weiteren Zweckes\ngeht das Bestreben der Anstalt dahin, die Schüler mit den\nMeisterwerken aller Zeiten vertraut zu machen, und mit\nder gradativen Fortbildung der mechanischen Fertigkeit\nauch den ästhetischen und künstlerischen Geschmack für\ndas wahre Schöne und Gute zu fördern, so wie damit\nzugleich eine deutliche Anschauung von der musicalisch-\ngeschichtlichen Entwicklung zu verbinden.\nDieses geschieht auf eine rationelle und zweckmässige\nWeise. Sowohl in der Vocal- als in der Instrumental-Mu-\nsik wird von dem Einfachen, Leichtverständlichen ange-\nfangen und nach und nach zu dem Schwereren fortge-\nschritten. Durch diese Methode und den dabei eingehalte-\nnen Lehrgang steigert sich die Bildung in unvermerkten\nStufen bis zu jenem Grade, welcher die Schüler befähigt,\nauch Werke der grössten Meister gehörig auszuführen.\nDabei wird immerhin nebst der technischen Vervolikomm-\nnung auf die geistige und gemüthliche Ausbildung beson-\ndere Rücksicht genommen, und die Schüler werden ange-\nleitet, nicht nur jede Stelle in ihrem eigentümlichen Cha-\nrakter wahr und seelenvoll auszuführen, sondern ihre\neigenen Gefühle werden dadurch auch möglichst veredelt\nund gekräftigt. Auch die Pflege des Instrumental-Solo-Vor-\ntrages und des Quartettspiels—Kammermusik—wird nicht\naus den Augen gelassen und von Seiten der Lehrer so wie\nder Schüler bethätigt.\nWas die Schüler oder eigentlichen Theilnehmer dieses\nMusik-Instituts betrifft, so theilen sich dieselben in folgende\nClassen: a) die Studirenden der Universität, b) die Schüler\ndes Gymnasiums und der Lateinschule, c) die Gandidaten\ndes Schullehrer-Seminars und ausgezeichnete musicali-\nsche Talente; dann ist noch e)eine weibliche Gesangschule\ndamit verbunden.\nDer Gesammt-Unterricht zerfällt in die beiden Abthei-\nlungen: Gesang- und Instrumental-Musik nebst den\ndazu gehörigen Ensemble-Uebungen. Der Gesang-\nUnterricht theilt sich wieder in die weibliche Singschule\nfür Solo- und Chorgesang, der getrennt von dem übrigen\nUnterrichte gegeben wird, und in den Gesang-Unterricht\nder übrigen Schüler Knaben- und Männerstimmen\nund beträgt wöchentlich 33 Stunden. Der Unterricht in\nder Instrumental-Musik erstreckt sich auf das Erlernen und\nBehandeln sämmtlicher Orchester-Instrumente, als: Violine,\nViola, Violoncell, Contrabass, Flöte, Oboe, Clarinette, Fa-\ngott, Horn, Trompete, Posaune und Pauken—auch theil-\nweise aufClavier-Unterricht für die besseren Gesang-Schü-\nlerinnen—und umfasst wöchentlich 97 Stunden. Die En-\nsemble-Uebungen für Gesang- und Orchester-Musik sind\nMittwochs und Samstags, Nachmittags von 4 bis 6 Uhr,\nim grossen Saale des Instituts, wobei am letztgenannten\nTage dem musikliebenden Publicum freier Eintritt gestat-\ntet ist. In diesen öffentlichen Uebungen werden nun theil-\nweise grössere Orchesterwerke, bestehend in den anerkannt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.2", "texte": "besten classischen Sinfonieen und Ouvertüren äl-\nterer und neuer Meister, einstudirt und aufgeführt, ande-\nrenteils Kirchen-Tonstücke, wie Messen, Vespern,\nRequiem, Te Deum, Antiphonen u. s. vv., so wie Chöre\nund Gesänge mit und ohne Begleitung, kirchlichen und\nweltlichen Inhalts, bis zum Oratorium hinauf; ausserdem\nnoch Concerte für verschiedene Instrumente, und Quar-\ntette, Quintette u. s. w.\nDas Orchester besteht nebst den Herren Lehrern der\nAnstalt, welche die Hauptstimmen vertreten und Alle So-\nlisten sind, meistens aus den Candidaten des Schullehrer-\nSeminars, mehreren Studirenden der Universität und des\nGymnasiums, so wie noch aus den eigentlichen Musikschü-\nlern, und zählt circa 90 Mitwirkende. Das numerische Ver-\nhältniss der Stimmen zu einander ist folgendes: 20 erste\nund eben so viele zweite Violinen, 12 Violen, 8 Violon-\ncelle, 1 Contrabässe, 3 Flöten, 2 Oboen, 3 Clarinetten, 4\nFagotte, 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen und Pauken.\nDie Zahl der Sänger im gemischten Chor beträgt ebenfalls\nüber 30 per Part, im Ganzen mehr als 120 der kräftig-\nsten Stimmen.\nFür alle Theile des Gesammt-Unterrichts und der\nEnsemble-Uebungen der gegen 400 Schüler zählenden\nMusik-Lehranstalt sind nebst dem Vorstande noch 11 Leh-\nrer thätig. Das ganze Institut wird aus Staatsmitteln unter-\nhalten, und es ist aller Unterricht für die Theilnehmer\nunentgeltlich.\nDie Anstalt besitzt eine Bibliothek und ein sehr gros-\nses Musicalien-Archiv, welches die vorzüglichsten Werke\nenthält, z. B. Messen, Vespern, Requiem, Gradualien, Of-\nfertorien, Psalmen, Antiphonen, Motetten, Hymnen, Chöre\nu. s. w. von der ältesten bis auf die neue Zeit; ferner Arien,\nDuetten u. s. w. für alle Stimmen und Vocal-Piecen aller\nArt; Cantaten und Oratorien; sämmtliche Tonwerke von\nJ. Haydn, Mozart, Beethoven, C. M. von Weber, Händel,\nBach, Clementi u. s. w.; alle Sinfonieen und Ouvertüren\nder besten Meister; eben so eine grosse Anzahl der vor-\ntrefflichsten Schulen, Etüden und Concerte für alle Instru-\nmente; dann Duetten, Terzetten, Quartetten u. s. w. für\nsolche; Ciavierwerke u. a. m. An Instrumenten über 80\nViolinen und in gleichem Verhältnisse Violen, Violoncelle,\nContrabässe, Holz- und Blech-Blas-Instrumente, Piano-\nforte's u. s. w.\nDas ganze Musik-Institut leitet, überwacht und ver-\nwaltet der von dem Könige ernannte Vorstand, zur Zeit\nDirector Johann Georg Bratsch. Die Lehrer desselben\nsind gegenwärtig: a) für den Gesang die Herren: Benz\nund Rausch; b) für die Instrumente die Herren: Wirth,\nRöder, Eulenhaupt, Koob, Roth, Kimmler, Jä-\nger, Seitz und ein Lehrer fürs Pianoforte.\nDas Local, namentlich der grosse Saal, in welchem\ndie grösseren Musik-Aufführungen und Concerte Statt fin-\nden, ist sehr akustisch gebaut, durch neun grosse Fenster\nerhellt und gewährt einen Raum für ein Auditorium von\n700 und für das Orchester von 250 Individuen. Es war\nfrüher der Capitelsaal für das hohe Domstift und ist mit\nden Wappen sämmtlicher Dom-Präbendirten von 1566\nbis 1802 verziert. Neben dem grossen Saale befindet sich\nder kleine, in welchem theils Unterrichtsstunden gegeben,\nanderentheils kleinere Proben gehalten werden; in den\ndort angebrachten Schränken sind die Musicalien und In-\nstrumente aufbewahrt. Ausserdem sind in der anstossen-\nden Wohnung des Directors noch drei Lehrzimmer für\nden Einzel-Unterricht im Gesänge und in den Instrumen-\nten. Für die Instandhaltung der Localitäten u. s. W.ist ein\neigener Diener vorhanden.\nGegründet wurde das königliche Musik-Institut zu\nWürzburg im Jahre 1804, unter der damaligen kurfürst-\nlich baierischen Regierung, bei der Organisation der At-\ntribute der dortigen Universität, und war ursprünglich bloss\nzur musicalischen Bildung der Studirenden an der Hoch-\nschule bestimmt. Als Lehrer der Tonkunst ward zugleich\nHerr Joseph Fröhlich angestellt. Bei der im folgenden\nJahre 1805 erfolgten Reform des Gymnasiums wurden\nauch die Schüler dieser Anstalt dem musicalischen Unter-\nrichte beigesellt. Unter der Regierung des darauf folgen-\nden Grossherzogs erweiterte sich im Jahre 1811 durch\nBeiziehung der Candidaten des Schullehrer-Seminars und\nausgezeichneter musicalischer Subjecte das bisher nur auf\ndie Bildung der Studirenden beschränkte Institut zu einem\nallgemeinen Conservatorium der Musik für das Grossher-\nzogthum Würzburg und hatte nicht nur die Pflege der\nKunst im höheren Sinne, sondern auch das Einführen des\nGeistes dieser in das Volksleben zur Aufgabe. Unter der\nköniglich baierischen Regierung wurde im Jahre 1820\ndas Institut noch mit einer weiblichen Gesangschule ver-\nmehrt und erhielt durch die Allerhöchste Protection Sr.\nMajestät des Königs mit der Erweiterung seines Wirkens\nauch eine Vermehrung seiner Hülfsmittel.\nDiese immer grössere Ausdehnung und der umfassen-\ndere Wirkungskreis des k. Musik-Instituts ist namentlich\ndas Verdienst des nunmehrigen k. Hofrathes und quiescir-\nten Universitäts-Professors Dr. Joseph Fröhlich, dem\nseit seiner Entstehung die Leitung des Ganzen und die des\nEinzelnen anvertraut war. Als Vorstand hat er es bis im\nJahre 1858 wo er diese Stelle niederlegte energisch\ngeleitet und jene glänzenden Erfolge bewirkt, durch welche\nes längst den ungeteilten Beifall der Kunstfreunde und\nsein Gründer die billigsten Ansprüche auf lohnende Dank-\nbarkeit errungen hat. Im Laufe dieser langen Zeit (über"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.3", "texte": "fünfzig Jahre) ist unter seiner umsichtigen Leitung sehr\nviel Ehrenwerthes und Vorzügliches geleistet worden. Tau-\nsende von Schülern haben ihre musicalische Bildung in die-\nser Lehranstalt gewonnen, da sie eine Pflanzschule für\nganz Unterfranken geworden. Durch einzelne ausgezeich-\nnete Talente ist ihr Ruf weit über die Gränzen des enge-\nren Vaterlandes gedrungen; denn so mancher tüchtige\nSchüler gereichte früher und später dem Orchester einer\ngrossen Stadt oder einer Hofcapelle zur Zierde. Grosse,\ninteressante Concerte bei Anwesenheit hoher Personen oder\nfür besondere edle Zwecke wurden von ihm gegeben; die\nherrlichsten Werke aller Musikgattungen von den gefeiert-\nsten Meistern der Tonkunst wurden unter seiner Leitung\nzu verschiedenen Gelegenheiten mit ausserordentlichem\nFleisse einstudirt und in vollendeter Weise aufgeführt. Als\nein tiefdenkender, vielseitig und ästhetisch gebildeter Mu-\nsiker, als Componist so wie als einer der kenntnissreich-\nsten und gerechtesten Kunstkritiker ist Fröhlich hinläng-\nlich bekannt, davon zeugen die vielen interessanten Recen-\nsionen und musicalischen Artikel in der Allg. Musik-Zei-\ntung wie auch in der „Cäcilia\", nicht minder seine um-\nfassende grosse Musikschule.\nAls Nachfolger Fröhlich's wurde dessen Schüler Herr\nJohann Georg Bratsch, bisheriger Lehrer und Diri-\ngent der Anstalt, von Sr. Majestät dem Könige zum Vor-\nstande des Musik-Instituts ernannt. Derselbe fährt nun fort,\ndiese nützliche und wohlthätige Lehranstalt in dem Geiste\nseines Vorfahrs zu leiten, und wurden unter ihm nebst\nmehreren älteren bereits auch einige neuere grössere Ton-\nwerke zur Aufführung gebracht.\nAus dieser gedrängten Darlegung der bestehenden Ver-\nhältnisse, wie auch des obersten Zweckes aller Wirksam-\nkeit für Kirche und Concertsaal, ergibt es sich, dass diese\nWürzburger Anstalt ein Conservatorium—ein Erhaltungs-\nInstitut des wahrhaft Guten und Schönen im Reiche der\nTonkunst in grossartigem Maassstabe genannt werden\nmuss, dem in Deutschland wohl nur das zu Prag noch\ngleichgestellt werden dürfte.\n\nAusflug eines französischen musicalischen Kritikers\nvon Paris nach dein Rheine\n„Auf Paris lastet die Gluth der Hundstage, die Thea-\nter sind todt, Alles geht auf Reisen; selbst manche alte\nCompositionen suchen in den Badeörtern ihr Dasein zu\nverjüngen. Ich will nach Baden gehen und mich überzeu-\ngen, ob man dort wohl bessere Musik macht, als in Paris.\"\nGesagt, gethan. Der Kritiker vertraut sich einem\nSchnellzuge an und eilt nach dem Elsass, wo die niedrigen\nKarren mit kleinen Pferden, die blonden Zöpfe der Bauern-\nmädchen, die bauschigen Hemden und die breiten Hüte\nihn erinnern, dass Ludwig XIV. die Provinz zwar erobern,\naber nicht französisch machen konnte. „Die Natur ist stär-\nker, als die Eroberer; mögen sie Jahrhunderte lang Nord\nund Süd unter das gleiche Joch zwingen, die Nationalitä-\nten behalten ihren unvertilgbaren Charakter.\" Der Elsass\nist nun 200 Jahre an Frankreichs Geschick gekettet; er\nbeklagt sich nicht darüber, aber seine Sitten, seine Neigun-\ngen, seine Geschmacksrichtung sind nach wie vor deutsch.\nMan spricht dort so wenig Französisch, wie möglich, und\nauf meine erste Frage an einen Bewohner Strassburgs er-\nhielt ich die Antwort: „Ich verstehe Sie nicht, mein Herr.\"\nMehr noch als diese Freisinnigkeit erregt es unser frohes\nErstaunen, dass der Reisende in Strassburg, während er\nsich kaum um das Münster und das Andenken an Rouget\nde l'lsle, den Componisten der Marseillaise, bekümmert,\nsich lebhaft zu einer Pilgerfahrt nach Sesenheim hingezo-\ngen fühlt, um dort das Andenken an Göthe's Friderike zu\nfeiern und die aus „Dichtung und Wahrheit\" bekannte\nSteinbank mit dem Baume, das klare Bächlein und den\nJasminbusch voll Erinnerungen seliger Jugendliebe zu be-\nsuchen.\nSobald der Verfasser über den Rhein gelangt ist, fühlt\ner sich von der Schönheit des Landes angenehm berührt,\nunangenehm aber von der unerträglichen Langsamkeit und\nSchwerfälligkeit der Bewohner, „bei denen die Geduld\neine theologische Tugend ist\", und ausserdem von den un-\nermüdlichen Anforderungen an die Börse des Reisenden.\nDas herrliche Baden-Baden macht einen moralisch ver-\nstimmenden Eindruck auf ihn ; seine Bevölkerung, nament-\nlich die aus Frankreich hingekommene, vertritt nicht Frank-\nreichs Civilisation, Kunst und Literatur, sondern die ele-\ngante Corruption, das leere Geräusch und die Nichtigkei-\nten, um welche sich ein Theil der pariser Gesellschaft dreht.\nUeber die schlechte Musik dort sind mit Recht die Lands-\nleute eines Haydn, Mozart, Beethoven, Weber, Mendels-\nsohn gegen die Unternehmer aufgebracht. Am Ende der\nPromenade liess in einem Kiosk die Militärmusik eines ba-\n\n*).\n\n* )Im Auszuge aus dem 111. Bande von Crilique et litterature mu-\nsicale par jR, Scudo, Paris, 1859, nach dem Aufsatze: La\nmusique dans las villes rh&nanes (p. 503—541), mitgetheilt. Un-\nsere Leser kennen Herrn Scudo aus den Besprechungen der\nfrüheren Bände unter demselben Titel, welche bekanntlich die\nSammlung seiner musicalischen Artikel in der Revue des deux\nMondes enthalten, und aus anderen Aufsätzen von ihm und\nüber ihn in der Niederrheinischen Musik-Zeitung. Der Ausflug,\nvon dem hier berichtet wird, fand zwar schon im Sommer 1858\nStatt, wesshalb auch in dem Artikel des geehrten Herrn Ein-\nsenders noch einige Verkürzungen nöthig wurden, enthält aber\ndoch viel Interessantes, was mehr die Sache, um die es sich\nhandelt, als die Zeit betrifft. Die Red actio n,\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.4", "texte": "dischen Garde-Regiments sich vernehmen; es war eine ab-\nscheuliche Katzenmusik [une affreme cacophonie) mit plat-\ntem Abschlüsse, und der Kritiker vermuthete daher, es\n%\nmüsse wohl—Wagner'sche Musik sein. Uebrigens will er\nvorsichtiger Weise nach diesem Lohengrin-Chor, für Mi-\nlitär-Musik arrangirt, bei Leibe nicht das Talent des Com-\nponisten beurtheilen. Leider konnte er von Wagner's Musik\nin den rheinischen Städten nichts zu hören bekommen *).\nDie berühmten musicalischen Klosterfrauen zu Lich-\ntenthal konnte der Reisende auch nicht hören; dafür ent-\nzückte ihn in der Stiftskirche zu Baden bei der Frühmesse\nein Choralgesang von edlem Charakter, welchen mit ge-\nwissen Unterbrechungen durch die Orgel 2—300 Schul-\nkinder sicher und rein sangen\ntion et une precision admirables Eine An-\nzeige aus Karlsruhe wegen der Aufführung von Gluck's\nIphigenie in Tauris lockte ihn zu diesem seltenen Genüsse\nhin, da man in Paris zur Aufführung Gluck'scher Opern\nkeine Zeit mehr zu haben scheint. Leider wurde er ge-\ntäuscht und eilte weiter nach Heidelberg, denn „nicht dazu\nhatte er sich in die Tortur deutscher Betten begeben, um\nstatt jener Gluck'schen Oper den Bomeo, eines der schwäch-\nsten Werke des guten, lieblichen Bellini, zu hören.\" Das\nheidelberger Schloss erinnert auch ihn an Ludwig's XIV.\nschändliche Politik und an die Barbarei seines Ministers\nLouvois und seiner Generale. Er fügt auch hier wieder mit\nkosmopolitischem Freimuthe hinzu: „Es ist traurig, aber\nwahr: man kann in Deutschland, Italien, Spanien und fast\nauf dem ganzen Festlande Europa's keinen Schritt thun,\nohne die unheilvollen Spuren von Durchzügen französischer\nHeere zu finden.\"\nEr schwärmt in dem Anblicke der köstlichen Gegend,\nund hier, gegenüber dem rebenbepflanzten Heiligenberge,\nmöchte er wohl Beethoven's Pastoral-Symphonie, die Ou-\nvertüre zum Freischütz, die Einleitung zum Oberon oder\nden Sommer aus den Jahreszeiten des Vaters und Schö-\npfers der Instrumental-Musik hören.\nIn dem Hause eines angesehenen Dilettanten, wo man\nschon um 1 Uhr zu Mittag ass, „als ob die französische\nRevolution nicht die Runde durch die Welt gemacht hätte\",\nwurde Musik gemacht. Ein vierstimmiger Gesang mit\nFrauenstimmen von Johann Eccard, Organist zu Königs-\nberg und zu Berlin im siebenzehnten Jahrhundert, gab\ndurch seine treffliche Ausführung eine vortheilhafte Idee\nvon der musicalischen Befähigung der Deutschen. Immer\nauf T annhäuser oder Lohengrin hoffend, ging der Reisende\nnach Mannheim, der hübschen, aber zum Verzweifeln regel-\nmässigen Stadt, deren Theater noch aus der Zeit Schiller's,\nIffland's und Mozart's einen gewissen Huf hat. Lessing's\n„Minna von Barnhelm\" schien ihm in der Intrigue schwach\nund in der Sentimentalität zu stark; aber warum hat auch\nLessing das französische Theater so bitter getadelt und hier\ndiesen Riccaut de la Marliniere auf die Bühne gebracht,\nder die Franzosen in wenig schmeichelhafter Gestalt vor-\nführt?—In demselben Theater entdeckte unser Reisender\neine Erscheinung, die er sonst für unmöglich gehalten\nhätte, nämlich, dass das Orchester ohne einen bemerkba-\nren Dirigenten mit vollkommener Präcision, wie man sie\nkaum in Paris findet, Symphonie-Sätze vortrug, während\ndoch in Frankreich selbst ein Kneipen-Orchester eine Art\nvon Dictator nöthig zu haben glaubt, der, mit einem Bo-\ngen in der Hand, vor aller Welt dasteht und sich durch\nseine wunderlichen Gesticulationen zum Narren macht.\n„Die Deutschen sind doch zu gleicher Zeit bescheidener\nund unabhängiger.\"\nIn Darmstadt erinnert der Verfasser an den 1830 ge-\nstorbenen Grossherzog Ludwig, der das Theater dieser\nübrigens stillen und etwas trübseligen Stadt durch seine\npersönliche Einwirkung so sehr hob, dass auf allen Stras-\nsen von Frankfurt, Mainz, Mannheim u. s. w. ganze Züge\nvon Equipagen zu den bedeutenderen Vorstellungen dort-\nhin eilten und das darmstädter Theater ein Sammelpunkt\nder feingebildeten Welt auf weite Strecken hin wurde.\nBrachvogel's „Narziss\" vermied der Verfasser, da er\nwohl ähnliche Eindrücke, wie vom Stücke Lessing's, davon\nfürchtete. Er eilte nach Frankfurt, wo er zunächst mit\nVerwunderung Göthe's Geburtshaus in enger, unansehn-\nlicher Strasse findet und dann auch die Heimatstätte der\nRothschild besucht. Don Pasquale in deutscher Sprache\nim Theater! Das zog ihn dorthin. Er fand das Haus schön\nbis auf die Erleuchtung, wie überall am Rheine, und die\nVorstellung nicht übel, das Orchester zu kräftig und nicht\ngenug nuancirend. „Ueberhaupt begleitet in Deutschland\ndas Orchester den Gesang mit einer Präcision im Tacte,\nwelche die Singstimme behindert und sie zu einem blossen\nInstrumente macht.\" [??] Er kommt zur Statue Göthe's,\neinem mittelmässigen Werke von anmaassendem Styl, wel-\nches ihm zu beweisen scheint, dass die Deutschen in der\nBildnerei es nie weit bringen werden, weil es ihnen an na-\ntürlicher Anmuth und Einfachheit dazu fehle (!). Herum-\nziehende Musicanten spielten dort „herrliche Walzer zum\nEntzücken mit einer Sicherheit, einer Reinheit und einem\nSchwünge, welche der Verfasser nicht genug bewundern\nkonnte.\" Und als sie nun gar einen hübschen, ausdrucks-\nvollen Chor dreistimmig wacker sangen und dann schnell\nmit den Instrumenten die Echo's ausführten, warf der ganz\nbezauberte Zuhörer ihrem Chef eine Handvoll Kreuzer in\nden Hut.\n\n*) Jetzt hat er sie aber in Paris gehört! Vergl. Nr. 12 dieses\nJahrgangs. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.5", "texte": "Als er nach Mainz kam, gab man im Theater den\nFreischütz mit neuer Decoration der Wolfsschlucht, wie\nder Zettel anzeigte, und da Wagner's Musik, als des letz-\nten Repräsentanten der Romantik, nirgends zu haben war,\nso nahm der Verfasser statt deren gern jenes Meisterwerk\nan, welches der romantischen Musik Deutschlands zuerst\nden Eingang in Frankreich gebahnt hat. Uebrigens ver-\nsicherte er, Weber würde vor Schmerz noch mehrere Jahre\nfrüher gestorben sein, wenn er geahnt hätte, dass seine\nSchüler [??] ihn zum Deckmantel nehmen würden für alle\ndie Thorheiten, die sie jetzt begehen. Im Freischütz fand\ner die beiden weiblichen Rollen ganz hübsch besetzt, die\nanderen mittelmässig, Chor und Orchester sehr gut\nund das Publicum intelligent, wie überall in\nDeutschland. „Wenn man von Paris kommt, wo Alles\ndarauf eingerichtet ist, die Wahrheit und die Meinung der\nanständigen Leute zu ersticken, um sie zu zwingen, das zu\nbewundern, was hässlich ist, und jämmerlichen Erzeugnis-\nsen Reifall zu geben unter der Gewaltherrschaft einer Schar\nbezahlter Klatscher, die ihr schmutziges Gewerbe unter den\nAugen der Policei treiben, und wenn man sich dann 24\nStunden später in einem Theater des guten, friedlichen\nDeutschlands befindet, dann athmet man gleichsam auf\nund fühlt sich von einer drückenden Last befreit. Hier ist\ndie Meinung des Publicums eine Wahrheit; es klatscht\nselbst, vom Parterre bis zu den obersten Rängen, so dass\ndabei die verschiedenen Stufen der Refriedigung sehr deut-\nlich hervortreten. Ist es unzufrieden, so schweigt es und\nkränkt niemals einen armen Künstler durch demüthigen-\nden Lärm.\"\n(Schluss folgt.)\n\nAphorismen.\nV.\nWir haben in mancherlei Kunstgattungen erhebliche\ntechnische Fortschritte gemacht, ich erinnere nur an die\nPhotographieen nach der Natur und an die Stereoskope.\nWie selten entschlüpft aber bei ihren Producten dem\nReschauer ein wahrhafter Ausruf der Rewunderung, auch\nwenn er steht vor den besten Blättern der ersteren oder\nvor den frappantesten Stereoskopen, wo die Natur, bis in\ndie kleinsten Details belauscht, die absolute nackte Wahr-\nheit unserem Auge im Abbilde darbietet. Es ist uns aber\nimmer, als ob etwas fehle, was man nicht sagen kann.\nWir haben dadurch manche Falte des Isis-Schleiers\ngehoben von dem Antlitze der Mutter Natur, und doch füh-\nlen wir uns unbehaglich. Woher kommt das?\nRichard Wagner hat uns zeigen wollen, wie wahrhaft\ndramatische Musik aussehen soll; unbedingteste Wahrheit\nist sein Streben: die Musik soll photographiren.\nDie reinste, nackteste Wahrheit bietet uns allerdings\ndie Photographie, die reinste Perspective die Stereoskopie.\nNiemand jedoch hat bis jetzt diesen secundären Hülfskün-\nsten den ersten Platz in der Malerei eingeräumt, so sehr\nsie sich auch vordrängen auf Kosten der schaffenden\nKunst. Das directe Menschenwerk, dem Geiste vermittelt\ndurch den lebendigen Geist, behält dennoch den Preis. Ein\nPortrait eines Van Dyk wird stets das beste Portrait des\nbesten Photographen unendlich übertreffen.\nMan beklagt sich über die Musik, dass sie unvollkom-\nmen in der Naturreinheit, dass sie nur temperirt sei, dass\nvielleicht noch lange nicht ein rein akustisches Instrument\noder ein System gefunden werde, das uns die reine Musik\nin ihrer eigensten Natur wiedergeben könne.\nVielleicht gelingt es der Zukunft, einen derartigen pho-\ntographisch-akustischen Apparat zu construiren, oder die\nbisher bloss lallende Aeolsharfe so zum Sprechen zu brin-\ngen, dass jenes Ideal der reinen Stimmung, deren Mangel\nunsere nur zwölftön ige Musik angeblich so unvollkom-\nmen lässt, endlich zur Wahrheit werde!\nDieses Ideal unserer Musik, wenn es je erreicht wer-\nden könnte,—ob es uns wohl eben so verstimmt und un-\nbegeistert lassen wird, wie wir uns den so reinen Detail-\nzeichnungen der Photographie gegenüber befinden?\nUnsere Phantasie will selbstthälig mitarbeiten, lieber er-\ngänzen, als unthätig, ein ohnmächtiges Kind oder ein ge-\nfesselter Riese, sich ruhig verhalten. Die erzwungene Ruhe\nverdriesst sie. Daher auch der alte Grundsatz in der Kunst:\n„der Phantasie des Geniessenden noch etwas übrig zu\nlassen.\"\nDesshalb ist alle zu weit getriebene Intention vom\nUebel; es wird damit der Phantasie ins Handwerk ge-\npfuscht, sie wird mit der Nase darauf gestossen, als ob sie\nein Kind sei, dem der reflectirende Verstand auf die Reine\nhelfen müsse.\nSo wenig sonach die Photographie die Kunst der Ma-\nlerei wird verdrängen können oder wollen, eben so wenig\nwird das beste akustische Instrument unsere Temperatur,\neine Errungenschaft desMenschengeistes,ersetzen\nkönnen. Sie wird nach wie vor ihr Recht behaupten.\nEben so wird es sich mit den Vorzügen des rein Mu-\nsicalisch-Schönen, mit den Kunstwerken der absoluten\nMusik den Producten der relativen oder objectiven Musik\ngegenüber verhalten. Die blosse Portrait-Aehnlichkeit macht\nso wenig ein Gemälde, als die täuschendste Nachahmung\nvon Rüdengebell und Peitschenknall eine Jagdmusik."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.6", "texte": "Kurze Anzeigen.\nMusicalische Briefe von einem Wohlbekann-\nten. Zweite, verbesserte Auflage. Leipzig, bei\nBaumgärtner. 1860. 283 S. 8. Preis 1 Thlr.\nRichtiger würde diese zweite Auflage in Einem Bande\nals zweiter Abdruck bezeichnet worden sein, denn „Ver-\nbesserungen\" haben wir nirgends gefunden, nicht einmal\ndas Präsens in dem Abschnitt über Schumann, der unter-\ndessen gestorben, ist überall in das Präteritum verwandelt\nworden, indem der Schluss, wie früher, heisst: „an dieser\nArt des Fleisses scheint es Schumann zu fehlen.\" Das\nEinzige, was umgearbeitet worden, ist der einundvierzigste\nBrief über Richard Wagner; er ist aber auch in der\nneuen Gestalt eben so oberflächlich und ungenügend, wie\ner in der früheren war. Uebrigens ist der neue Druck\nhübsch und wohlfeil.\nTheodor Krausse. Zwei instructive Sonaten für\ndas Pianoforte. Zweite Folge. Nr. I. Op. 84.\nNr. 11. Op. 85. Winterthur, bei J. Rieter-Bieder-\nmann. Zu 27y2 Ngr. jede Nummer.\nDiese Sonaten, Nr. I. in A-moll, Nr. 11. in D-dur,\nwerden Lehrern, die auf Einübung guter Musik als Vor-\nschule zu Mozart's, Clementi's und Beethoven's Sonaten\nhalten, eben so wie die erste Folge derselben Op. 75\nin G,Op. 76 in F— sehr willkommen sein. Sie halten,\nwas der Titel verspricht, sie sind wirklich „instructiv\"\nund dabei auch durch ihren musicalischen Inhalt em-\npfehlungswerth.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer Pianist A. Jaell befindet sich seit Kurzem hier.\nMehrere andere Künstler von Ruf, welche dem Musikfeste beiwoh-\nnen, werden erwartet.\nWiesbaden; 7. Juli. Gestern brachte die Merelli'sche italiä-\nnische Operngesellschaft, welche mit so grossem Erfolg in Frankfurt\neine Reihe von Vorstellungen gegeben hat, Rossinis „Barbier\" zur\nAufführung. Der Tenorist Niemann ist mit seiner Gattin nach Inter-\nlaken gereis't. In der zweiten Hälfte des August kehren Beide hie-\nher zurück, da Niemann bis dahin auf sechs Gastrollen engagirt\nworden ist.\nDer Violinist Jean Becker von Mannheim, welcher in Paris\nund London Aufsehen erregte, ist nach Deutschland zurückgekehrt.\nFrailkflirt a» M., 12. Juli. Seit dem 25. Juni gab die ita-\nliänisehe Operngesellschaft des Herrn Merelli zehn Darstellungen.\nEs kamen zur Aufführung: „Don Pasquale\" (2 Mal) von Donizetti,\n„Barbier von Sevilla* (2 Mal) von Rossini, „Troubadour\" von Verdi,\n„Liebestrank\" von Donizetti, »Norma* von Bellini, „Die heimliche\nEhe\" von Cimarosa und „Semiramis\" von Rossini, Die letztere Oper,\n„Semiramis\", ist gestern Abends bei vollem Hause gegeben worden\nund ist zur Wiederholung für morgen Abends bereits angekündigt.\nDer Cellist Grütz m ach er jun. Verlässt uns, um\nden Platz eines ersten Cellisten am städtischen Orchester in Zürich\nzu übernehmen.\nMarschner's treffliche Oper „Der Templer und die Jü-\ndin\" wurde nach langjähriger Ruhe bei grossem Zuspruche des Pu-\nblicums wieder aufgeführt. Frau Köster feierte als Rebecca neue\nTriumphe, Herr Worowsky (Ivanhoe) theilte den Beifall mit ihr.\nIm Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater wurde Dittersdorfs echt\ndeutsche Oper „Doctor und Apotheker\" zur Aufführung gebracht,\nund zwar mit recht gutem JErfolge. Kroll's Oper brachte »Das Nacht-\nlager von Granada\",\nDas zweite märkische Gesangfest wurde am 24. und\n25. v. Mts. zu Luckenwalde gefeiert. Dreissig Sänger-Vereine\naus Berlin, Potsdam und den anderen märkischen Städten nahmen\ndaran Theil, und die Menge der Zuhörer und Festgenossen von al-\nlen Seiten her war ungeheuer. Dirigent war Herr Musik-Director\nRudolf Tschirch. Am 24. Nachmittags wurde das Fest musica-\nlisch eröffnet, nachdem schon seit Vormittag das Hin- und Herwo-\ngen von Tausenden den Festplatz im Freien (den früheren Turnplatz)\nbelebt hatte. Achthundert deutsche Männer hatten auf der Sänger -\nTribnne Platz genommen; Alles lauscht; da hebt sich der Tactstock\ndes Dirigenten, und wie aus Einer Kehle unisono fragen 800 Kehlen\nmit Ernst Moriz Arndt: „Was ist des Deutschen Vaterland?\" Nicht\nenden wollende Bravo's folgten dem Gesänge; sie waren der deut-\nlichste Beweis, dass Dichter wie Componist, Dirigent wie Sänger\nhier in vollkommenem Einverständnisse gewirkt. Abwechselnd folg-\nten nun Ensemble-Gesänge, dann auch wieder Einzel-Gesänge der\nTheil nehmenden dreissig Männer-Gesangvereine. Heiteres Leben\ndurchströmte Sänger und Zuhörer. Der Abend hatte sich hernieder-\ngesenkt; der dritte Theil des Programms wurde mit dem schönen\nGöthe'schen Liede: „Unter allen Wipfeln ist Ruh'!* dem Kuhlau\neine so schöne Melodie anzupassen gewusst, eingeleitet. Der Gesang\nwar beendet. Spontini's Borussia hatte zum Schlüsse ihm den Stem-\npel eines preussisch-deutschen Volksfestes gegeben. Unter Sang und\nKlang begab man -sich in die festlich beleuchtete Stadt und von\ndort nach dem Bahnhofe. Hochs auf die freundliche Stadt Lucken-\nwalde, auf die Sänger, auf das deutsche Volk wechselten unter ein-\nander, und während bereits drei Extrazüge die grosse Menge von\nTheilnehmern, welche das Fest früher verlassen, zurückgeführt hat-\nten, nahm um 11 Uhr ein noch grösserer Zug den Rest der Theil-\nnehmer, welcher nicht für den zweiten Tag in Luckenwalde verblei-\nben wollte, auf und beförderte dieselben nach Berlin zurück.\nSuum cuique. In dem Festberichte, welcher im Elberfelder\nKreisblatte Nr* 49 über das Lehrer-Gesangfest zu Simmern\nabgedruckt ist, heisst es: »Der evangelische Lehrer-Verein ist bei\nder Jubelfeier der dreihundertjährigen Einführung der Reformation\nauf dem Hunsrücken am IG. Juli 18-57 zu Simmern gestiftet wor-\nden. \" Wer aber den ersten Anstoss dazu gegeben, wer ihn that-\nsächlich ins Leben gerufen hat, davon schweigt die Geschichte.\nAller Anfang ist aber schwer, sagt ein wahres Sprüchwort, fort-\nsetzen ist dagegen leicht. Die Auswahl der Gesangstücke wird\ngerühmt, es wird aber nicht gesagt, wer das Programm aufgestellt\nhat. Nun, es ist derselbe Mann, „der's zum Gehen brachte, als\nes nicht gehen wollte\", wie Herr Lehrer Brück aus Thal Kleinich\nan der Mosel im vorigen Jahre in Trarbach sich ausdrückte; es ist\nder frühere Musiklehrer am königlichen Schullehrer-Seminar in Neu-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.7", "texte": "wied, Musik-Director Herr Gustav Flügel, wie der Königlichen\nRegierung zu Coblenz recht wohl bekannt ist.\nDie am 30. Juni als Stiftungsfeier in der Aula\nLeopoldina veranstaltete Aufführung der Sing-Akademie brachte aus-\nser dem Credo der Bach'schen H-moll-Messe ein neues Werk des\nDirigenten, Herrn Karl Reinecke, der jetzt nach einjähriger Thätig-\nkeit Breslau wieder verlässt, um die Leitung der leipziger Gewand-\nhaus-Concerte zu übernehmen Das hier zuerst gegebene Opus heisst\n„Belsazar\" und behandelt denselben alttestamentarischen Stoff, der\ndem gleichnamigen Händel'schen Oratorium und der Balladen-Com-\nposition Schumann's zu Grunde liegt. Der Form nach gehört Rei-\nnecke's Werk unter die Rubrik des kleinen weltlichen Oratoriums,\nder Cantate. Am gelungensten und effectvollsten erscheint die Be-\nhandlung der Chöre und mahnt an das erfolgreiche Studium der\nalten Meister. Den Einzelgesängen dagegen fehlt es an frischer Ur-\nsprünglichkeit und individuellem Leben. Lie Aufführung von Seiten\nder Sing-Akademie war eine im Ganzen recht lobenswerthe.\nsPra&*. Die Bedingungen, welche Herr Franz Skraup an die\nAnnahme seines Engagements als Capellmeister bei der Oper in\nRotterdam und Amsterdam für die Saison vom September 1860 bis\nMai 1861 geknüpft hat, sind wie die „Bohemia\" meldet von\ndem Comite der beiden Theater sämmtlich erfüllt, und somit ver-\nlässt Herr Skraup Prag, welches mit ihm seine erste Dirigenten-\nkraft verliert.\nWieia. Für den Bau eines neuen Hof-Opernhauses veröffentlicht\ndie Wiener Zeitung vom 10. d. Mts. eine Concurs-Ausschreibung.\nDas Hof-Operntheater stellt uns für die am 16. d. Mts. begon-\nnene neue Saison diesmal fünf neue Opern in Aussicht, nämlich:\nWagner's „Fliegenden Holländer\", Meyerbeer's „Dinorah\", Rubin-\nsteinTs vieractige grosse Oper „Die Kinder der Haide\", Doppler's\n„Wanda\" und Thomas Löwe's „Alma\". Ueberdies soll das Reper-\ntoire durch ein Gluck'sches Werk und einige ältere französische ly-\nrische Opern bereichert werden. Die Nicht-Einhaltung ähnlicher\ndurch geschäftige Federn verbreiteter Programme dürfte dem Publi-\ncum und der Kritik wohl den besten Maassstab geben für das wirk-\nlich zu Erwartende.\nFrau Csillag, welche ihr Gastspiel in London wegen Stimm-\nlosigkeit unterbrechen musste, ist bei der hiesigen Direction um Ver-\nlängerung ihres Urlaubs zum Behufe einer Badecur eingekommen,\nwelcher ihr auch bis Ende September bewilligt worden ist.\nDie königlich preussische Hof-Opernsängerin Frau Harries-\nWippern ist hier eingetroffen, um einen Cyklus von, wie man\nhört, nur sechs Gastrollen zu geben. Sie bringt einen so trefflichen\nRuf mit, dass man alle Ursache hat, diesem Gastspiel mit Spannung\nentgegen zu sehen.\nDas VII. allgemeine Musikfest der niederländischen Ge-\nsellschaft zur Beförderung der Tonkunst findet zu Arn-\nheim Donnerstag den 9., Freitag den 10. und Samstag den\n11. August Statt. Das Programm lautet:\nDonnerstag (Abends): Preis-Sinfonie in E> Op. 46, von Joh. J. H.\nVerhülst (im Jahre 1846 durch die Gesellschaffe gekrönt); Samson,\nOratorium von G. F. Händel.\nFreitag (Abends): Ouvertüre und einleitender Chor zu Vondel's\nTrauerspiel „Lucifer\", Op. 40, von J. A. van Eyken, unter Direction\ndes Componisten (im Jahre 1852 durch die Gesellschaft höchst eh-\nrenvoll erwähnt unter Zuerkennung einer Prämie); Loreley, Op. 70,\nvon Ferdinand Hiller,* Elia op Horeb, Gedicht von N. Beets, Musik\nvon F. Conen, unter Direction des Componisten (im Jahre 1857 durch\ndie Gesellschaft höchst ehrenvoll erwähnt unter Zuerkennung einer\nPrämie). Zweite Abtheilung: Lobgesang, Sinfonie-Cantate, Op. 52,\nvon F. Mendelssohn-Bartholdy.\nSamstag (Morgens): Künstler-Concert, in welchem unter Ande-\nrem Psalm 84, holländische Worte von Dr. J. P. Heije, Musik von\nJob. J. H. Verhülst, und eine Sinfonie von L. van Beethoven auf-\ngeführt werden wird.\nDirigent des Ganzen: Joh. J. H. Verhülst.\nSolisten: Frau S. Offermanns van Hove aus dem Haag,\nSopran; Frau A. C. T. Cuyper-Alberdingk Thym aus Roer-\nmond, Alt (Dilettantin); Herr Karl Schneider aus Wiesbaden.\nTenor; Herr Ed. Sabbath aus Berlin, Bass.\nIn Namur wird am 21. und 22. Juli eine „Grande fete musi-\ncaleu unter Leitung des Herrn Hanssens Statt finden, wobei 500\nInstrumentalisten und Sänger sich betheiligen und die Soli theils\nvon Mitgliedern des k, Theaters in Brüssel, theils von auswärtigen\nKünstlern ausgeführt werden. Die Haupt-Aufführung bilden Haydn's\n„Jahreszeiten\".\nJPtiris« Roger ist von seiner Kunstreise in das südliche Frank-\nreich wieder zurück und hat bereits mehrere Male in Gastrollen auf\ndem Theater de VOpera comique, der Wiege seines Ruhmes, mit un-\ngeheurem Beifall gesungen. „Die weisse Dame\" macht durch ihn\nvon Neuem Furore. Nach Vollendung dieses Gastspiels geht Roger\nnach Baden-Baden,\nDie Sängerin Emmy Lagrua ist in Paris angekommen, wo sie\nsich sechs Wochen aufhalten wird, um dann wieder nach Peters-\nburg zurück zu gehen, wo sie auf zwei Jahre eines der glänzend-\nsten Engagements erhalten hat, die je da gewesen sind.\nMadame Miolan-Carvalho ist von der Intendantur der könig-\nlichen Schauspiele in Berlin für den September zu zwölf Gastrollen\neingeladen worden.\nRossini's „Semiramis\" ist mit französischem Texte von\nam 9. Juli auf dem Theater der grossen Oper mit glänzender\nAusstattung und Decorationspracht (Bilder nach den Ruinen von\nNinive) aufgeführt worden. Zwei Schwestern aus Venedig, Carlotta\n(Sopran) und Barbara (Alt) Marchisio traten darin auf als Se-\nmiramis und Arsaces; schöne Stimmen und gute Sängerinnen, aber\nweder durch Figur noch Schönheit der Gesichtszüge imponirend.\nDer Spanier Soriano Nuertes hat eine »Geschichte der\nspanischen Musik seit Ankunft der Phönicier (!) bis zum Jahre\n1850\" in französischer Sprache geschrieben, deren letzte Lieferung\njetzt in Paris erschienen ist.\nStOCltlaolm. Von Musikern und Musikfreunden wurde ein\nProbe-Concert zur Errichtung von Abonnements-Concerten dahier\narrangirt, das vor einem eingeladenen Publicum Statt fand und\ngrosse Sensation erregte. Das Programm bestand aus der Ouvertüre\n„Meeresstille und glückliche Fahrtu von Mendelssohn, der „Frühlings-\nbotschaft\" von Gade, der von Beethoven und dem\nC-moW-Requiem von Cherubini.\n(Eingesandt.)\nZar Broschüre : Kein General bass mehr!\nDer Verfasser obiger Broschüre hätte besser gethan, wenn er\ngleich Anfangs die drei Momente aufgestellt und mehr entwickelt\nhätte: Einheit, Solidarität, absolutes Intervall. Diese\ndrei bedingen einander, so wie der Dreiklang z. B. auch eine Drei-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600721-01.1.8", "texte": "heit ist, ruhend auf der Einheit. Diese drei Momente sind hinrei-\nchend, den ganzen Generalbass in der Harmonielehre zu ersetzen.\nEinst werden wir vom Generalbass sprechen, wie wir es von den\n„Neumen\" thun; nur historischen Werth werden einst die „beziffer-\nten Bässe\" bieten.\nObwohl meine Broschüre zunächst an Fachmusiker, an die mu-\nsicalische Kritik appellirt, so darf ich mich leider erst einer Dreiheit\nvon kritischen Stimmen rühmen. Obschon nur zwei einig im Lobe,\nsind alle drei einig im Stillschweigen über die beregte Dreiheit, die,\nruhend auf der Einheit, uns erlösen soll von den nichts beweisenden\nZahlen des Generalbasses.\nIch rechnete auf allseitigere Empfänglichkeit für eine „theoretisch-\npraktische\" Idee, und bedaure nur, das Ganze nicht bequemer ge-\nmacht zu haben durch deutlicheres Auseinandersetzen dieser bereg-\nten drei neuen Momente. Mein Lehrbuch, das diesen Mängeln ab-\nhilft, wird demnächst erscheinen unter dem Titel: »Die Einheit\nin der Tonwelt.a\nWien, im Juli 1860.\nDer Verfasser."}]}