{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-07-28-01", "volume": "bmtnabi_1860-07-28_01", "ocr_sha256": "2e503b053fa06b03abccb0f0839da603cb2749b1fe22b97e227c7e1e2ceb9748", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/07/28_01/bmtnabi_1860-07-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 444, "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Königliche Oper Geh. Hofrath Teichmann f Die Sommertheater OfFenbach's „Orpheus\"\nUeber komische Musik Stern's Gesang-Verein Sing-Akademie und Bach-Verein Neue Compositienen). Von G. E. Ausflug eines\nfranzösischen musicalischen Kritikers von Paris nach dem Rheine (Scbluss). Noch ein neues Werk von Gluck. Beethoven und Wil-\nhelmine Schröder-Devrient. 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Nur wenige Lücken\ndürften nachzuweisen sein, und zu ihnen gehörten aller-\ndings Marschner's Opern, die von je her, vielleicht durch\nSpontini's Einfluss, nur vorübergehenden Zugang zu uns\ngefunden hatten. Wir können uns um so mehr der Hoff-\nnung hingeben, dass man es nun auch mit anderen Schö-\npfungen von Marschner versuchen und ein altes Unrecht\ngut machen werde, als der Erfolg des Templers trotz der\nungünstigen Jahreszeit ein sehr günstiger war.\nDer musicaiische Genius Marschner's hat sich in ande-\nren Werken, namentlich im Vampyr und in Hans Heiling,\neigentümlicher und selbstständiger entfaltet, als gerade im\nTempler, der—wenigstens im Vergleich mit den grossen\nZeitgenossen Marschner's, mit Spohr, Weber, Meyerbeer,\nMendelssohn mehr ein gefälliges, als ein bedeutendes\nTalent verräth. Wollten wir den kunstgeschichtlichen\nStandpunkt geltend machen, von dem aus man eigentlich\nnur von denjenigen Compositionen Notiz zu nehmen hat,\ndie irgend eine neue Seite der musicalischen Idee zur Er-\nscheinung bringen, so würde es uns schwer sein, für\nMarschner's Templer eine Stelle zu finden; denn weder in\nden liedartigen Sätzen, noch in den grossen dramatischen\nScenen tritt etwas ganz Besonderes, diesem Componisten\nallein Angehöriges hervor; der Vorzug der Musik besteht\nin der Gewandtheit und Abgeschlossenheit der Form, in\nder einzelne Nummern allerdings abgerechnet—unge-\nsuchten Wahrheit des Ausdrucks. Der Fall kann eintreten,\ndass ein den künstlerischen Sinn wohlthuend berührendes\nWerk, weil der Eigentümlichkeit entbehrend, für die\nKunstgeschichte ohne Bedeutung ist, während ein in vielen\nBeziehungen verfehltes wir erinnern nur an Wagner's\nLohengrin—durch die Neuheit des Versuches immer von\nsich reden machen wird.\nDas Leben macht indess andere Ansprüche, als der\nprüfende Verstand des wissenschaftlichen Forschers. Das\ngrosse Publicum ist weit entfernt von der kritischen Be-\ntrachtungsweise der heute nicht seltenen grübelnden Mu-\nsiker, die sich nur für dasjenige interessiren, was auch im\nEinzelnen betrachtet irgend eine Eigentümlichkeit im\nRhythmus, in der harmonischen Structur verräth, und auf\ndie geschmackvolle, sachgemässe Verwendung des vorhan-\ndenen und naheliegenden musicalischen Materials geringe-\nren Werth legen—ein Standpunkt, von dem aus eines der\nbezauberndsten Lieder, Mozart's Veilchen, als ziemlich un-\nbedeutend erscheinen könnte —; das Publicum hält in der\nKunst das eigentlich Entscheidende, den Maassstab des\nSchönen, viel sicherer fest, als diejenigen Musiker es thun,\ndie sich bemühen, Originalität um jeden Preis zu forciren;\nund es erfreut sich jedes Kunstwerkes, das ihm eben die-\nsen Eindruck macht, wenn nicht der Mangel der Eigen-\ntümlichkeit sich allzu äusserlich, in dem Entlehnen frem-\nder Melodieen, ankündigt.\nSo konnte es denn nicht fehlen, dass der Templer\nüberwiegend einen erquickenden Eindruck machte. Man\nfreute sich der ansprechenden Melodieen, des bunten Wech-\nsels charakteristischer Personen und Situationen, der ab-\ngerundeten Ensemblesätze, und es lässt sich mit Sicherheit\nerwarten, dass die Oper während des nächsten Winters\nnicht vom Repertoire verschwinden wird. In der Auffüh-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5520, "texte": "rung verdient Frau Köster den Preis. Wenige Sängerin-\nnen dürften gleich ihr der hochliegenden und eben so sehr\nden zartesten Duft wie die äusserste Kraft des Organs in An-\nspruch nehmenden Partie gewachsen sein. Neben ihr errang\nHerr Woworsky (Ivanhoe) den grössten Erfolg; seine\nStimme ist freier und voller geworden, und die männlich\nkühne Art, mit der er den schwungvollen Hymnus auf Bi-\nchard Löwenherz vortrug, brachte ihm eine in den Räu-\nmen des königlichen Opernhauses fast unerhörte Auszeich-\nnung, einen Da-Capo-Ruf, ein. Die Herren Bost (Bruder\nTuck) und Wolf (Narr) waren, namentlich der Erstere,\nihren Aufgaben durchaus gewachsen. Ungenügend war\nnur die allerdings sehr schwierige Partie des Templers be-\nsetzt. Herr Betz, der dieselbe gab, ist ein talentvoller An-\nfänger, aber eben ein Anfänger, der noch viel zu wenig\nvon der technisch richtigen Behandlung der Stimme, von\neinem festen Ansatz des Tones und einer edlen Aussprache\nder Vocale versteht, als dass von geistiger Durchdringung\ndie Rede sein könnte.\nZwei schnell vorübergehende Gastspiele an der könig-\nlichen Oper können mit ein paar Worten abgemacht wer-\nden. Fräul. Langlois aus Pesth genügte in der kleinen\nRolle des Pagen in den Hugenotten so wenig, dass von\neiner Fortsetzung des Gastspiels keine Rede mehr war.\nDas Fach der Opern-Soubretten ist also noch immer nicht\nneu besetzt. Herr v. Bukowics aus Wien, dessen recht\nangenehm klingende, aber nicht sonderlich metallreiche\nStimme weder ein rechter Bariton noch ein rechter Tenor\nist, sang den Czaar nicht ohne Beifall, den sein gefühl-\nvoller und gebildeter Vortrag auch verdiente.\nEin neues Engagement ist mit Fräul. Lucin aus Prag\ngeschlossen, von deren Gesangs-Talent das Günstigste be-\nrichtet wird. Dagegen haben wir in diesen Tagen einen\nempfindlichen Verlust zu beklagen gehabt. In der Stunde,\nin der ich diese Zeilen schreibe, findet das Begräbniss des\nGeheimen Hofrathes Teich mann Statt, der in der Ver-\nwaltung der Bühne dem General-Intendanten der Nächste\nwar. Er hielt die Traditionen der classischen Zeit fest, der\ner durch seinen fein gebildeten Geschmack wie durch seine\nVergangenheit er stand schon unter dem Grafen Brühl\nin einem einflussreichen Verhältnisse zur königlichen Bühne\nangehörte. Das äusserliche Virtuosenthum der heutigen\nZeit, die damit zusammenhangende Zerfahrenheit, die Rich-\ntung auf das Materielle, die unaufhörliche Anwendung\näusserster Kraftmittel in Gesang und Orchester behagten\nihm wenig. Er hatte bessere Zeiten erlebt, und so konnte\nihn der heutige Zustand der Kunst nicht sehr befriedigen.\nBei dem wenig zum Aufenthalt im Freien einladenden\nSommer war es vielleicht diesmal nicht nothwendig, die\nköniglichen Schauspielhäuser zu schliessen; bei dem Man-\ngel fast jeder anderen Zerstreuung wendet sich daher das\nPublicum den Sommerlheatern zu, die von Jahr zu Jahr\nzahlreicher und glänzender aufschiessen. Wallner's Thea-\nter und Kroll's Local, das Victoria- und das Fried-\nrich -Wilhelmstädtische Theater, der kleineren Büh-\nnen gar nicht zu gedenken, streiten sich um den Vorrang,\nund wie es scheint, macht keines dieser Institute schlechte\nGeschäfte. Von den Opern-Gesellschaften in Kroll's Local\nund in der Friedrich-Wilhelmstadt berichte ich Ihnen nicht,\nda sie zu geringe künstlerische Bedeutung haben; nur\nEine Vorstellung, die des „Orpheus in der Unterwelt\", von\nOpfenbach, die an der Friedrich-Wilhelmstädtischen Bühne\nStatt fand, ragt über das Gewöhnliche empor.\nDass der „Orpheus\" von Offen bach in der kur-\nzen Zeit von etwa fünf Wochen bereits mehr als zwanzig\nVorstellungen erlebt hat, kann den Berlinern nur zur Ehre\ngereichen. Zwar will das noch nichts sagen, wenn man\nsich erinnert, dass unsere Volkspossen: „Einer von uns're\nLeut\", „Die Maschinenbauer von Berlin\" und andere ähn-\nliche, oft mehr als hundert Mal gegeben werden. Indess\nzeigt es doch immer, dass das grössere Publicum bei uns\nden Witz auch noch dann versteht, wenn er in einer etwas\ngewählteren, der Poesie näher liegenden Form auftritt.\nDies ist im Orpheus durchaus der Fall. Denn wenn sich\nauch nicht die pariser Frivolität, die dem Texte zu Grunde\nliegt, vertheidigen lässt, so muss man doch zugeben, dass\nsie hier, wo sie als Fastnachtsscherz auftritt, viel unschäd-\nlicher ist, als in den feinen Conversations-Lustspielen, den\nsentimentalen Dramen und den lüsternen Romanen, die\nsich von Frankreich aus über Deutschland verbreiten; und\n♦\njedenfalls wird man anerkennen müssen, dass sich sowohl\nin der Entwicklung der Handlung als in der Zeichnung\nder Personen und dem Dialog ein glänzendes komisches\nTalent offenbart, reich, kühn und mit einem gesunden Sinne\nfür die realistische Seite des Lebens, ein Talent, dem nur\nein in seinem innersten Grunde eben so fühlendes Herz\nV *\nzur Seite stehen müsste, um wahrhafte Kunstwerke hervor-\nzubringen. Sollte indess Dieser und Jener sich über die\nSchattenseiten des Textes nicht hinwegsetzen können, so\nwird die Musik ihn mit Manchem versöhnen. Schon das\nblosse Hinzutreten der Musik würde mildernd, beruhigend\nwirken; um so mehr ist dies der Fall, da sich an dem\nComponisten OfFenbach ein ganz hervorragendes Talent\nzeigt. Die ihm zugefallene Aufgabe war nicht nur nicht\nleicht, sondern gewisser Maassen neu. Er sollte travesti-\nrende Musik schreiben, eine Gattung, von der es bis jetzt\nnur wenige Beispiele gibt, und von der man fast zweifeln\nkönnte, ob sie überhaupt möglich sei. Aesthetiker haben\nmitunter sogar die Möglichkeit komischer Musik bestritten;\nund wenn auch die entschieden komische Wirkung man-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5537, "texte": "eher Instrumenlalsätze, von Havdn und Beethoven z. 8.,\nsie eines Besseren belehren müsste, so lässt sich doch nicht\nläugnen, dass in der komischen Gesangmusik von Komik\nolt nichts mehr übrig bleiben würde, wenn man den Text\nfortliesse, und dass in Poesie und Malerei die Quellen des\nKomischen weit offener zu Tage liegen, als in Harmonie\nund Bhythmus. Worin es nun liegt, dass die Musik den-\nnoch des Komischen fähig ist, wollen wir nicht weiter er-\nörtern, uns mit der Thatsache begnügend; nur auf einen\nUnterschied der komischen von der travestirenden Musik\nmöchten wir hinweisen. Wenn Bartolo auf seine Bosine,\nOsmin auf Belmonte und Pedrillo zürnt, wenn Leporello\n(in dem Septett) vor Furcht schaudernd um Gnade fleht,\nwenn Papageno verliebt ist, so ist das wirklicher Zorn,\nfcurcht, Liebe. Alle diese Personen befinden sich in dem\nZustande einer gemüthlichen Aufregung, und nur die Art,\nwie sich dieselbe äussert, ist komisch. Wenn dagegen Pluto\nim Orpheus als Schäfer auftritt und ein idyllisches Lied\nsingt, wenn Jupiter in der Verkleidung einer Fliege um\nEuridice wirbt, und Beide sich zu einem zärtlichen Summ-\nDuett vereinen, so liegen eigentlich keine wirklichen Em-\npfindungen mehr zu Grunde, sondern die Empfindung\nselbst wird Gegenstand des Spottes. Wenn es nun wahr\nist, was die Aesthetiker behaupten und was der natürliche\nSinn des Volkes gern zuzugeben pflegt, dass die Empfin-\ndung selbst der wahre Inhalt aller Musik sei, so scheint\nes, als ob diese travestirende Art der Komödie der Musik\nallen Grund und Boden nehmen müsse, da sie, weil eine\nNegation der Empfindung überhaupt, auch eine Negation\nder Musik überhaupt ist. Die Existenz von Offenbach's\nMusik würde nur dann das Gegentheil beweisen, wenn es\nsich zeigen liesse, dass sie genau eben so travestirend sei,\nals der Text. Dies ist aber, glaube ich, nicht der Fall. Zwar\ntreten hier und da Züge hervor, z. B. wenn ein und das-\nselbe musicalische Motiv sich unendlich oft wiederholt, oder\nwenn ein Motiv in Bezug auf den Ausdruck auffallend ge-\nsteigert wird, die von dem Bestreben, travestirende Musik\nzu schreiben, Zeugniss ablegen; viele Musikstücke enthal-\nten aber gar nichts dergleichen; und auch dort, wo sich\ndie erwähnten Züge finden, ist nicht genug der Tact zu\nrühmen, mit dem Offenbach das Problem gelös't hat, einen\nleisen Schein des Travestirenden zu verbreiten und doch\nnoch eine gefällige, originelle Musik zu schreiben, die\ndurchweg melodiös, fliessend, ausdrucksvoll und ausserdem\nhöchst geschmackvoll instrumentirt ist. Selbst die dem\nCouplet-Stil sich nähernden Stücke, z. B. das Spottlied auf\nJupiter, die Tänze, z. B. die Götter-Polka, zeigen Ge-\nschmack und Feinheit; noch viel mehr treten diese Eigen-\nschaften in den grösseren Ensembles, der Introduction (der\nSchlaf der Götter) und dem Finale des zweiten Actes (der\nAufbruch der olympischen Götter nach der Unterwelt),\ndem Summ-Duett, hervor. In der Instrumentation freuen\nwir uns, wieder einem Musiker begegnet zu sein, der nicht\ndurch blosse Massen-Anhäufung, sondern durch geschickte\nBenutzung wechselnder Klangfarben zu wirken sucht, und\ndem die Leichtigkeit und Durchsichtigkeit des Instrumen-\ntalgewebes auch etwas werth ist. Was wir oben andeu-\ntend sagten, dass die Musik zum Orpheus mildernd wirke,\nkönnen wir jetzt mit bestimmterem Sinne wiederholen;\ndenn indem sie nicht aufhört, wirkliche Musik zu sein,\nlässt sie die vollständige Empfindungslosigkeit, die der Grund-\nzug des Textes ist, nicht ganz aufkommen, sie gewährt uns\nwenigstens die Illusion der Empfindung.—Die Aufführung\nwar, wenn auch vom künstlerischen Standpunkte aus man-\ngelhaft, doch frisch und lebendig; recht beifallswürdig wa-\nren namentlich die Damen Limbach (Euridice) und\nKrantz (Cupido) und die Herren Tiedtler (Pluto), Hell-\nmuth (Jupiter) und Winkelmann (Orpheus).\nVon den Concerten, die am Schlüsse der Saison\nStatt fanden, ist namentlich die Aufführung von Schu-\nmann's „Das Paradies und die Peri\" durch den\nStern'sehen Gesang-Verein hervorzuheben. Es war dieses\nOratorium bisher nur ein Mal in Berlin, vor etwa zehn\nJahren und unter Schumann's eigener Leitung, zur Auf-\nführung gelangt. Damals war Schumann hier wenig be-\nkannt und beliebt, während sich in den letzten Jahren so-\nwohl seine Lieder als seine Instrumental-Compositionen\nviele Freunde erworben haben. Dennoch war, trotz der\ni *\nvorzüglichen Ausführung von Seiten der Chöre und des\nOrchesters—auch die Soli waren durch die Damen Wip-\npern und de Ahne und die Herren Otto und Fricke\nebenfalls in hervorragender Weise vertreten auch dies-\nmal die Aufnahme keine unbedingt günstige. Gesunde Na-\nturen werden nie vollständig das Widerstreben gegen die\nschwächliche, sentimentale Poesie des Gedichtes aufgeben\nkönnen, und die Musik leidet theils unter eben dieser Mo-\nnotonie der zu Grunde liegenden Stimmung, theils unter\nder formellen Anordnung, die das Ganze in Folge des\nWegfallens eigentlicher Recitative erhielt. Man würde aber\nsehr ungerecht sein, wenn man gegen die unendlich gros-\nsen Schönheiten des Werkes, das wir in Bezug auf den\nReichthum musicalischer Ideen und die ungesuchte Natür-\nlichkeit der Erfindung zu den besten Schumann's zählen\nmüssen, unempfindlich sein wollte. Man kann eine gewisse\nKränklichkeit der darin herrschenden Empfindungsweise\nzugeben und doch zugleich sich von dem süssen Zauber\nderselben angezogen bekennen. Es ist eine zarte, gebrech-\nliche Schöpfung—ein Wesen, mehr dem Aether, als der\nErde verwandt, aber in dieser Befangenheit doch von\nhöchstem, einschmeichelndem Reize. Wir würden ein Pu~\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4285, "texte": "Llicum, das diesem Werke und denen verwandter Art vor\nMendelssohn's viel objektiveren und geistig bedeutenderen\nOratorien, oder gar vor Händel's Riesenwerken den Vor-\nzug gäbe, als ein verweichlichtes, charakterloses bezeich-\nnen müssen; aber sich ganz und gar davon abzuwenden,\nkönnen wir auch nicht lür recht halten. Wir hoffen da-\nher, dass häufigere Aufführungen das Werk dem berliner\nPublicum näher bringen werden.\nDer Stern'sche Gesang-Verein veranstaltete ausserdem\nnoch eine Aufführung des „Messias\" (die dritte in die-\nsem Winter), die durch die Mitwirkung der Frau Bürde-\nNey einen besonderen Glanz erhielt. Der silberhelle Klang\nihrer Stimme, die einfache Gediegenheit ihres Vortrages\ngewährten einen hohen Genuss. Wirkliche Kenner Hän-\ndel's können eine überschwängliche Innigkeit des Aus-\ndrucks, die dieser Sängerin allerdings fehlt, nicht verlangen.\nDie Sing-Akademie führte Bachs Matthäus-Pas-\nsion und der unter Vierling's Leitung stehende Bach-\nVerein die Johannis-Passion auf. Wenn die letztere im\nAllgemeinen auch nicht als ein der ersteren ebenbürtiges\nWerk gilt - eine Ansicht, die sich übrigens aus vielen\nGründen bestreiten lässt —, so ist dies doch kein Grund,\nsie ganz zurückzusetzen, da sie eine grosse Anzahl von\nStücken enthält, die man doch nun einmal zu den höchsten\nWunderwerken der Kunst zählen muss. Wir nennen nur\nden Anfangs- und den Schluss-Chor, die Choräle: „0 grosse\nLieb'\" und „0 Herr, lass Dein lieb Engelein\", und die\nAlt-Arie: „Es ist vollbracht.\" Ich habe die Erfahrung ge-\nmacht, dass, je genauer man beide Werke kennt, die Ent-\nscheidung, welchem der Vorzug zu geben sei, um so schwie-\nrigerwird. Bach ist überhaupt nicht leicht zugänglich, man\nwird mit ihm erst durch genauere Bekanntschaft vertraut.\nWas Wunder, dass einem jedes seiner Werke, das man\nhäufiger gehört hat, lieber ist, als ein eben erst zur Kennt-\nniss gelangendes?\nVon anderen musicalischen Aufführungen nenne ich\nIhnen noch die wichtigsten. Ein Herr Leidgebel, der\nschon seit einer Reihe von Jahren in Berlin lebt, veran-\nstaltete eine Aufführung eigener Instrumental- und Gesang-\nCompositionen, die nicht von hervorragender Erfindung und\ngrossem Schwung der Phantasie, aber von achtungswer-\nthern Streben und Können Zeugniss gaben. Einen eigen-\ntümlichen Versuch hat Herr Leidgebel mit der Compo-\nsition des Göthe'schen Gedichtes „Und frische Nahrung\"\ngemacht. Dasselbe ist für Männerstimmen (Chor und Solo)\nmit Begleitung des Claviers gesetzt, in drei Sätzen, die um\nso mehr den drei Sätzen der Sonate entsprechen, als das\nClavier eine sehr seibstständige Bedeutung neben den Sing-\nstimmen hat, und als auch in den einzelnen Sätzen sich\neine sonatenartige Anlage erkennen lässt. Seit Beethoven's\nneunter Sinfonie hat man verschiedene Versuche gemacht,\nden Gesang mit der Instrumental-Musik in neuer, eigen-\ntümlicher Weise zu verbinden. Die meisten derselben ha-\nben etwas Zwitterhaftes, Amphibienartiges und können\nhöchstens die Anerkennung in Anspruch nehmen, dass ihr\nUrheber in die Classe der denkenden Musiker gehöre. Die\nmit richtigem Instinct begabten sind uns aber lieber. Wir\nkönnen uns nicht denken, dass ein Musiker von natürlichem\nTacte das Göthe'sche Gedicht in dieser Weise componirt\nhaben würde. Die Worte werden viel zu sehr wiederholt\nund durch lange Ritornelle aus einander gerissen; die\nThemen, weil sie sowohl gesang- als claviermässig sein\nsollen, sind weder das Eine noch das Andere; vom Stand-\npunkte des Gedichtes aus betrachtet, entbehrt die Compo-\nsition der natürlichen Frische und des seelenvollen Aus-\ndrucks; als rein musicalisches Kunstwerk ist sie nicht ar-\nchitektonisch genug. Von Dr. Papperitz in Leipzig\nhörten wir in einem der Dom-Chor-Concerte ein ausge-\nzeichnetes Salve Regina,eine sehr gut ausgeführte, von\nder tiefsten harmonischen Kenntniss und dem feinsten Ge-\nfühl für Wohlklang und natürliche Stimmenführung zeu-\ngende und den classischen mit dem modernen Stil sehr\nglücklich vereinende Composilion ein Werk, das allein\nhinreicht, um seinem Urheber einen vorzüglichen Ruf in\nder deutschen Musikwelt zu gründen. Eine ähnliche Com-\nposition von Wilhelm Rust in Berlin (ein\ndie in knapperen Formen gleichfalls ein bedeutendes tech-\nnisches Geschick verräth, brachte der Gesang-Verein des\nHerrn Mantius zur Aufführung.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "244", "page_fin": "246", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.2.3", "titre_corps": "Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers von Paris nach dem Rheine.", "titre_sommaire": "Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers von Paris nach dem Rheine.", "signature_source": "Dr. Brandstäter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.4", "debut_caractere": 4287, "fin_caractere_exclue": 5215, "texte": "Ausflug eines französischen musicalischen Kritikers\nvon Paris nach dem Rheine.\n\n(Scliluss. S. Nr. 30)\nDas grösste musicalische Vergnügen in Mainz empfand\nder Verfasser beim Anhören der Militärmusik eines\nösterreichischen Regiments, bei welchem er die Wahl der\nStücke, die Tüchtigkeit des Ensembles und die Feinheit in\nAusführung des Einzelnen nebst der Trefflichkeit der In-\nstrumente lobte. „Ach!\" ruft er aus, „wieweit sind in\nParis selbst die bevorzugtesten Garde-Regimenter davon\nentfernt, eine so wohlklingende, köstliche und geübte Mu-\nsiktruppe zu haben! Die plumpen kupfernen Instrumente\nvon Adolf Sax, welche die Sache machen sollen, klingen\nhohl oder unrein, und in der Geschichte der französischen\nInstrumental-Musik unseres Jahrhunderts muss man ihren\nverderblichen Einfluss auf die Zusammensetzung unserer\nOrchester und unserer Militär-Musiker tadelnd hervorhe-\nben.\" Wie es in Deutschland nach der Versicherung des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5376, "texte": "Verfassers, der Madame Slael und anderer Franzosen\n„überall\" Musik gibt, so liess sich auch an der Gasthaus-\nTafel während der unschmackhaften deutschen Gerichte\nein bescheidenes Trio von Streich-Instrumenten vernehmen,\nwelches Einiges aus Verdi'schen Opern vortrug, die man\nam Rheine gern hört. [??] Auf des Verfassers Wunsch,\nauch etwas von Wagner zu hören, erwiderten die Leute,\ndas sei nicht so (eicht und hier zu Lande auch wenig be-\nliebt; sie spielten gleichwohl etwas der Art, das weder\nAnfang, noch Mitte, noch Ende hatte, und zogen dann\nlachend ab.\nDie herrliche Rheinreise mit dem Dampfboote von\nMainz nach Köln zeigte ihm ausser unsäglichen Schönhei-\nten der Landschaft und gesegneten Weinbergen auch\nPunkte historischer Erinnerungen, namentlich an die früh\ngefallenen, so hoffnungsreichen Revolutions-Generale Mar-\nceau und Hoche, die er glücklich preis't, für Frankreich\ngestorben zu sein und den 18. Brumaire nicht erlebt zu\nhaben. In Bonn besuchte er das Geburtshaus Beethoven's,\ndes grössten Symphonikers, „eines epischen Genius, den\nman ohne Lästerung mit Homer oder mindestens mit\nShakespeare vergleichen kann.\" Erst nach vielem Suchen\nland er das unansehnliche Häuschen in der Rheingasse,\njetzt von einem Weinhändler benutzt, mit kaum noch le-\nserlicher Aufschrift. „Die eherne Bildsäule Beethoven's an\nder Kathedrale ist eben so steif und hasslich, wie alle aus\nder neueren Schule, die ich in den Rheinlanden sah. Der\nerhabene Musiker steht, in einen grossen Mantel gehüllt,\nin einer Schauspieler-Stellung da, die den geheimnissvollen,\nvon selbst erscheinenden und flüchtigen Augenblick der\nBegeisterung darstellen soll, und Herr Liszt mit seinen Can-\ntaten führte 1845 das grosse Wort bei der ruhmreichen\nKundgebung zu Ehren des Musikers, der in der Sympho-\nnie, so wie Göthe im Faust, Germaniens poetisch-philoso-\nphischen Genius verkündet hat.\"\nVon der sauberen, gelehrten, fröhlichen und wohlge-\nnährten Stadt \"Bonn zog der Verfasser über den Rhein ins\nSiebengebirge zu einem Gastfreunde, wo gegen Abend\nauf einem grossen Fahrzeuge eine Rheinfahrt in ziemlich\nzahlreicher Gesellschalt unternommen wurde. Selbstgefällig\nschwebte der Mond über jenen erinnerungsvollen Ruinen\nund Schlössern, die ihren Riesenschatten auf das Wasser\ndes grossen Stromes herabwerfen, dessen fruchtbare Ufer\nso viele Eroberer kommen und verschwinden sahen. In\neinem Augenblicke des Schweigens und sanfter Schwermut!)\nbegann aus dem Kreise der zischelnden und lispelnden\nMädchen hinten im Schiffe eine liebliche Stimme Schubert's\nBarcarole zu singen:\nAch, es entschwindet mit thauigem Fliigel\nMir auf den wiegenden Wellen die Zeit!\nN\nAls nun das Mädchen an die reizende Modulation kam, wo\nes aus Des-mott in A-dur übergeht: „Ach, bei dir, wie\nso lieblich der Traum\", und die schöne Hausfrau mit ihrer\nzarten Palmengestalt und ihren blonden Haaren lautlos\ndazu nickte, diese Nacht hat auf den französischen Gast\neinen unauslöschlichen Eindruck gemacht.\nIn Köln, wo er zunächst den Dom besuchte, traf er\n„in den schmutzigen, hässlichen Strassen\" glücklicher\nWeise Ferdinand Hiller, der ihn einlud, nach Crefelcl\nzum Musik feste zu kommen, und ihn telegraphisch an\ndie Herren Schramm und L. Bischoff' empfahl. Nachdem\ner deren herzliche Gastfreundschaft, Verstand und ausge-\nsuchte Höflichkeit zu erkennen Gelegenheit gefunden hatte,\nging es durch die mit Fahnen geschmückten Strassen voller\nMenschen, unter denen besonders die Scharen der jungen\nSängerinnen Aufmerksamkeit erregten, zum hübschen, neu-\ngebauten Concert-Locale. Unter Leitung des städtischen\nCapellmeisters Wolf führten 400 Personen (92 So-\nprane, 62 Alte, 56 Tenöre, 110 Bässe und 84 Instrumen-\ntisten) zunächst Haydn's „Jahreszeiten\" auf. Nicht nur die\nSoli waren trefflich besetzt, sondern namentlich zeigten\nauch die Chöre eine Sicherheit, Einheit und Nuancirung,\nwovon das pariser Conservatorium keine Ahnung hat. Es\nwaren nur Sänger aus Liebhaberei, Frauen und Jungfrauen\naus den verschiedensten Ständen, Töchter von Millionärs\nohne Stolz und Anmaassung neben einfachen Bürgermäd-\nchen, der Hauptzahl nach aus Crefeld, und mehrere auch\naus Köln, Düsseldorf, Aachen u. s. w. „Ach, wie weit\nsind wir doch von solchen Sitten in Frankreich entfernt,\nbesonders in den Provincialstädten, in denen die Eitelkeit\neine so verderbliche Rolle spielt und das Leben vergiftet!\nEin köstlicher Anblick war es, diese 1500 Personen bei-\nsammen zu sehen, von denen ein Theil ein Werk des Ge-\nnius mit heiliger Ehrfurcht zur Ausführung brachte und\ndie Anderen mit Theilnahme zuhörten. Nach dem Con-\ncerte dauerte das fröhliche Beisammensein Aller bis 2 Uhr\nMorgens, und ich kann Hiller nicht genug danken, dass er\nmir ein so lebhaftes und reines Vergnügen verschafft hat,\nwie ich es nur irgend bei meinem schnellen Ausfluge längs\nden Ufern des Rheines genossen habe.\"\nDer Verfasser fügt noch Folgendes hinzu: „Ehe ich\ndiese bevölkerten und reichen Städte verlasse, will ich noch\nein Wort von dem Geiste ihrer Bevölkerung sagen. Wenn\nVictor Hugo meint, dass das ganze Rheinufer uns Fran-\nzosen liebt, ja, so zu sagen erwartet, so mochte das viel-\nleicht 1839 seine Richtigkeit haben, aber gewiss nicht\n1858. Zu Mainz, Köln, Coblenz, Bonn sprach ich gebil-\ndete Leute verschiedener Parteien; sie alle waren im Gan-\nzen zufrieden (ä peu pres contents) mit der gemässigten,\nsparsamen und sehr erleuchteten preussischen Regierung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 819, "texte": "Alle diese Städte haben keine Lust, ihr freies städtisches\nLeben (leur grande liierte munfür das vermeint-\nliche Glück des Anschlusses an die grosse französische Ein-\nheit hinzugeben. Uebrigens hoffen sie, auch die Keime der\nrepräsentativen Regierungsform, die allmählich bei der\nNation sich festgesetzt haben, sich entwickeln zu sehen, und\nerwarten manche Verbesserung, wenn der Prinz von Preus-\nsen die oberste Leitung des Staates haben wird. Sein\nSohn, eben mit einer Tochter der Königin von England\nvermählt, ist gleich den Prinzen des Hauses Orleans mitten\nunter dem Volke erzogen worden, das er dereinst beherr-\nschen soll. Alles dieses bildet einen Kranz von Hoffnungen,\nwelche die rheinischen Städte an die preussische Regie-\nrung und an die grosse deutsche Familie festknüpfen.\"\nDanzig.\n\nProf. Dr. Brandstäter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "246", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.2.4", "titre_corps": "Noch ein neues Werk von Gluck.", "titre_sommaire": "Noch ein neues Werk von Gluck.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.6", "debut_caractere": 821, "fin_caractere_exclue": 4408, "texte": "Noch ein neues Werk von Gluck.\nIm September 1754 wurde zu Schlosshof, der Resi-\ndenz des Prinzen Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburg-\nhausen, kaiserlichen Feldmarschails, dem Kaiser Franz I.\nein Fest gegeben, bei welchem Le Cinesi (Die Chinesin-\nnen), ein Gelegenheitsstück von Metastasio, mit Musik von\nGluck am 21. aufgeführt wurde.\nGluck's Biograph, Ant. Schmid, kannte die Partitur\nnicht; ihre Auffindung auf der Bibliothek zu Berlin in\nder Pölchau'sehen Sammlung verdanken wir wiederum\nHerrn 0. Lindner (vgl. Nr. 26 d. Bl.). Die Aufgabe des\nComponisten war hauptsächlich, die drei Stile: den tragi-\nschen, pastoralen und komischen, wiederzugeben.\n„Ausser den trockenen Recitativen, die übrigens ein-\nzelne interessante Züge enthalten, besteht das Werk aus\nfolgenden Stücken:\n„ 1. Ouvertüre. D-dur,V4. Andante, 4/4. Alle-\ngro, D-dur, %. Der erste und dritte Satz mit Oboen und\nHörnern.\n,2. (Lisinga, Alt.) Obligates Recitativ. Aria: „Pren-\ndili\", H-moll, 4/4. Mit Hörnern. (Tragisch.)\n„3. (Silango, Tenor.) Aria:\nmi\" , A-dur,3/4. (Pastorale.)\n„4.(Sivene, Sopran.) Aria: 4/4.\n(Pastorale.)\n,5. (Tangia, Alt.) Aria: „Ad un riso, ad uri occhiata\",\nD-dur,Mit Flöte und Hörnern. Der Mittelsatz D-moll,\n3/s. (Komisch: ein eingebildeter Stutzer.)\n„6. Schlussgesang der vier Personen des Stückes: „ Voli\nilpiede in lieti giri\", D-dur,3/4. Mit Oboen und Hörnern.\n„Am unbedeutendsten sind verhältnissmässig das breit\nangelegte, jedoch ansprechende Schluss-Quartett (6) und\ndie Arie des Silango (3), welche vorzugsweise auf den Sän-\nger berechnet ist. Bedeutender in der Charakteristik\nzeigt sich die Arie der Sivene (4), die trotz ihrer Colora-\nturen das „Non vogliodeliraD durch eine mehrfach wie-\nderkehrende chromatische Wendung der Begleitung zu er-\ngötzlichem Ausdruck bringt. Reich an komischem Pa-\nthos, welches durch nachahmende Klänge der Hörner un-\ngemein gewinnt, erscheint Tangia's Stutzer-Arie (5); ein\nMeisterstück dramatischen Ausdrucks aber ist die tra-\ngische Arie der Lisinga. Diese Arie steht den späteren ver-\nwandten in der iphigenia in Aulis u. s. w. ebenbürtig zur\nSeite, und ist auch desswegen bemerkenswert!), weil sie\nkeinen Dacapo-Satz hat. Hiedurch erleidet die Bemerkung\nSchmid's S. 87 zur ersten Arie der von Gluck acht Jahre\nspäter, 1762, in Musik gesetzten Oper:\nClelia: „ „ Das Minore und da Capo fehlen natürlicher Weise\ndieser und den folgenden Arien noch keineswegs\"\" —eine\nerhebliche Einschränkung.\"\nVon der Decoration, die im chinesischen Geschmack\nund transparent war, erzählt Dittersdorf, damals Solo-\nViolinist beim Prinzen, in seiner Selbstbiographie (S. 71):\n„Lackirer, Bildhauer und Vergolder hatten sie reich-\nlich mit allem dem, was ihre Kunst vermochte, ausgestat-\ntet. Aber was der Decoration den grössten Glanz gab, wa-\nren prismatische gläserne Stäbe, die in böhmischen\nGlashütten geschliffen worden waren und, genau in einan-\nder gepasst, in die leer gelassenen Flecke gesetzt wurden,\ndie sonst buntfarbig mit Oel getränkt werden. Es ist un-\nbeschreiblich, welchen prächtigen, höchst überraschenden\nAnblick diese von unzähligen Lichtern erleuchteten Pris-\nmen, die schon im blossen Lichte und Sonnenschein eine\ngrosse Wirkung thun, auf das Auge hervorbrachten. Man\nstelle sich den Spiegelglanz der azurfarben lackirten Fel-\nder, den Schimmer des vergoldeten Laubwerkes und end-\nlich die regenbogenartigen Farben, die so viele Hundert\nPrismata mannigfaltig, gleich Brillanten vom ersten Wasser,\nspielten, vor, und die stärkste Einbildungskraft wird hinter\ndiesem Zauber zurückbleiben müssen. Und nun die gött-\nliche Musik von Gluck!\" u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "247", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.2.5", "titre_corps": "Beethoven und Wilhelmine Schröder-Devrient", "titre_sommaire": "Beethoven und Wilhelmine Schröder-Devrient", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.6", "debut_caractere": 4410, "fin_caractere_exclue": 4805, "texte": "Beethoven und Wilhelmine Schröder-Devrient\nIn Dresden, wohin Wilhelmine Schröder im Sommer\n1822 mit ihrer berühmten Mutter ging, erregte ihre Schön-\nheit wie ihr Talent allgemeine Bewunderung; aber das,\nwas sie zur grössten Sängerin aller Zeiten machen sollte,\nder unwiderstehliche Zauber, die Gewalt ihres Genius\n*).\n\n*) Aus „Erinnerungen an Wilhelmine Sehröder-Devrient von Clara\nvon Gliimer\"."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5407, "texte": "offenbarte sich zum ersten Maie, als sie, nach Wien zu-\nrückgekehrt, den Fidelio sang.\nDie Oper war seit einiger Zeit zurückgelegt, weil es\nan einer Darstellerin für die Hauptrolle fehlte. Im Novem-\nber 1822 sollte sie zur Namenstags-Feier der Kaiserin\nzum ersten Male wieder gegeben werden, und der sieben-\nzehnjährigen Wilhelmine wurde die schwere Rolle des\nFidelio übertragen*).\nAls es Beethoven erfuhr, soll er sich sehr unzufrieden\ndarüber ausgesprochen haben, dass diese erhabene Gestalt\n„einem solchen Kinde\" anvertraut wäre. Aber es war ein-\nmal bestimmt; Sophie Schröder studirte der Tochter die\nschwere Partie so gut als möglich ein, und die Proben\nnahmen, ihren Fortgang.\nBeethoven hatte sich es ausbedungen, die Oper selbst\nzu dirigiren, und in der Generalprobe führte er den Tact-\nstock. Wilhelmine halte ihn nie zuvor gesehen; ihr wurde\nbang ums Herz, als sie den Meister, dessdf? Ohr schon\ndamals allen irdischen Tönen verschlossen war, heftig\ngesticulirend, mit wirrem Haar, verstörten Mienen und un-\nheimlich leuchtenden Augen da stehen sah. Sollte piano\ngespielt werden, so kroch er fast unter das Notenpult, beim\nForte sprang er auf und stiess die seltsamsten Töne aus.\nOrchester und Sänger geriethen in Verwirrung, und nach\nSchluss der Probe musste der Capellmeister Umlauf dem\nComponisten die peinliche Mittheilung machen, dass es un-\nmöglich wäre, ihm die Leitung seiner Oper zu überlassen**).\nSo sass er denn am Abende der Aufführung im Or-\nchester hinter dem Capellmeister, und hatte sich so tief in\nseinen Mantel gehüllt, dass nur die glühenden Augen dar-\naus hervorleuchteten. Wilhelmine fürchtete sich vor diesen\nAugen; es war ihr unaussprechlich bang zu Mutbe. Aber\nkaum hatte sie die ersten Worte gesprochen, als sie sich\nvon wunderbarer Kraft durchströmt fühite. Beethoven,\ndas ganze Publicum verschwand vor ihren Blicken; alles\nZusammengetragene, Einstudirte fiel von ihr ab. Sie selbst\nwar Leonore, sie durchlebte, durchlitt Scene auf Scene.\nBis zum Auftritt im Kerker blieb sie von dieser Illu-\nsion erfüllt—aber hier erlahmte ihre Kraft. Die Grösse\nihrer Aufgabe, die sie erst diesen Abend während des Spiels\nerkannt hatte, stieg riesenhaft vor ihr auf. Sie wusste jetzt,\ndass ihre Mittel für das, was sie in dem nächsten Momente\ndarstellen sollte, nicht ausreichten. Die steigende Angst\ndrückte sich in ihrer Haltung, ihren Mienen, ihren Bewe-\ngungen aus—aber das alles war der Situation so ganz an-\ngemessen, dass es auf das Publicum die erschütterndste\nWirkung übte. Ueber der Versammlung lag jene athem-\nlose Stille, die eben so mächtig auf den darstellenden\nKünstler wirkt, wie laute Beifallszeichen.\nLeonore rafft sich auf; sie wirft sich zwischen den\nGatten und den Dolch des Mörders. Der gefürchtete Au-\ngenblick ist da die Instrumente schweigen, aber derMuth\nder Verzweillung ist über sie gekommen; hell und rein,\nmehr schreiend als singend, stösst sie das herzzerreissende:\n„Tödt' erst sein Weib!\" hervor. Noch einmal will Pizarro\nsie zurückschleudern; da reisst sie das Terzerol aus dem\nBusen und hält es dem Mörder entgegen. Er weicht zu-\nrück— sie bleibt unbeweglich mit blitzenden Augen in ih-\nrer drohenden Stellung. Aber jetzt erschallt die Trompe-\nte, die das Ende ihrer Qual, die Ankunft des Retters ver-\nkündigt, und nun wich auch die Spannung, die sie so\nlange aufrecht hielt. Kaum vermochte sie noch, mit vor-\ngestrecktem Terzerol den Verbrecher dem Ausgange zu-\nzutreiben, dann entsank ihr die Waffe—sie war lodesmatt\nvon der ungeheuren Anstrengung, ihre Kniee wankten, sie\nlehnte sich zurück, ihre Hände griffen krampfhaft nach\ndem Haupte, und unwillkürlich entrang sich ihrer Brust\njener berühmte, unmusicalische Schrei, den spätere Dar-\nsteller des Fidelio aufs unglücklichste nachgeahmt haben.\nBei Wilhelminen war es wirklich ein Aufschrei der von\nTodesangst befreiten Seele, ein Laut, der Mark und Bein\nerschütternd in die Herzen der Hörer drang. Erst als Leo-\nnore auf Florestan's Klage: „Mein Weib, was hast du um\nmich geduldet!\" mit dem halb weinend, halb jubelnd her-\nvorgestossenen: „Nichts, nichts, nichts!\" in die Arme\ndes Gatten fiel, wich der Zauberbann, der jedes Herz ge-\nfangen hielt. Ein Beifallssturm, der nicht enden wollte,\nbrach los—die Künstlerin hatte ihren Fidelio gefunden,\nund so viel und ernstlich sie später noch daran gearbeitet\nhat, in den Grundzügen ist er derselbe geblieben.\nAuch Beethoven hatte seine Leonore in ihr erkannt.\nDen Ton ihrer Stimme zu hören, war ihm freilich versagt,\naber die Seele ihres Gesanges offenbarte sich ihm in jeder\nMiene des von Geist durchleuchteten Gesichtes, in dem\nglühenden Leben der ganzen Erscheinung. Nach der\nVorstellung ging er zu ihr, seine sonst so finsteren Augen\nlächelten ihr zu, er klopfte sie auf die Wange, dankte ihr\nfür den Fidelio und versprach, eine neue Oper für sie zu\ncomponiren ein Versprechen, das leider nicht erfüllt wer-\nden sollte. Wilhelmine kam nie wieder mit dem Meister\nzusammen, aber unter allen Huldigungen, die der berühm-\nten Frau später zu Theil wurden, blieben die Worte der\nAnerkennung, die ihr Beethoven gesagt hatte, die liebste\nErinnerung.\n\n*) Ihre erste Rolle war die Aricia in Racine's Phädra; sie war\ndamals fünfzehn Jahre alt. Die erste Gesangrolle die Pamina\nim Jahre 1821. Die Red actio n.\n**) Ob Beethoven im Jahre 1822 noch einmal, und vollends in\ndem Operntheater, zu dirigiren versucht habe, dürfte zu be-\nzweifeln sein. Die Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-07-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-07-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6444, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nNachdem der Riedersehe Verein im Laufe dieses\nJahres durch zwei Aufführungen der Beethoven'schen Missa solemnis\nnach der Seite des Gewaltigsten und Complicirten bereits bewiesen\nhatte, dass er keine Schwierigkeiten mehr kenne, zeigte uns die\nSoiree am Sonntag den 8. Juli in der Thomaskirche, dass über der\nPflege des Ausgedehnten und vor allen Dingen durch grosse Massen\nWirkenden auch der a-capella-Gessaag älterer Meister keineswegs\nverloren hat; wir müssen im Gegentheil betonen, dass gerade diese\nAufführung in einer Präcision und einem weihevollen Schwünge vor\nsich ging, wie uns von keiner anderen aus früherer Zeit erinnerlich\nist. Die gedrängt besetzte Kirche zeigte dabei erneut aufs deutlich-\nste den segensreichen Einfluss, den das Institut auf die Bevölkerung\nauszuüben vermag, und eine grosse Anzahl von Fremden gleichzei-\ntig, dass auch nach aussen hin die Bekanntschaft stetig wächst.\nMöchte auch fernerhin der Besuch fremder Künstler und Kunst-\nfreunde immer mehr zunehmen; die hohe Vortrefflichkeit der Ausfüh-\nrung wird eine etwaige Mühe der Fahrt reichlich lohnen. Eröff-\nnet wurde das Programm durch Allegri's Miserere, von zwei Chören\nauf gegenüberliegenden Räumen der Kirche gesungen. Die diesma-\nlige Aufführung übertraf die vorige noch weit an Sicherheit der Ein-\nsätze, an edler Klangfärbung und Ruhe des Vortrags. Das folgende\n/\nCrucifixus von Lotti mit seinen aufsteigenden Chormassen, dem kunst-\nvollen achtstimmigen Satze, war ein Meisterstück sicheren und zu-\ngleich fein nuancirten Vortrages. Frau Dr. Reclam trug nun die\nArie „Quis est homou aus dem Slabat maier von Michele Mortellari\nvor mit grossem Ausdruck, eine wenig bekannte, gefällige Compo-\nsition dieses Schülers Piccini's. Es folgten : »Ein' feste Burg ist un-\nser Gott', dreistimmig von Matthäus le Maistre, wo der Canlus fir-\nmus wohl etwas entschiedener hätte hervortreten können; rA Dien\nma voix j'ay hauss6eu, ein altfranzösisches, schlicht ergreifendes\nPsalmlied, Harmonie von Claudin le Jeune, und das „Vater unser\"\nvon H. Schütz für fünf Solostimmen mit Chor, in dem sich nament-\nlich die Herren Scharfe und Egli rühmlich hervorthaten. Den Schluss\nbildete der fünfstimmige Choral: r,lch lag in tiefer Todesnacht\" von\nJohannes Eccard in gelungenster Ausführung.\nDresdevi* Im Saale der Dreissig'schen Sing-Akademie wurde\nvor einem gewählteren Auditorium, das grösstenteils aus Musikern\nund Kunstliebhabern bestand, eine Operette in einem Acte von Ar-\nnim Früh, betitelt: „Nachtigall und Savoyarde;;, am Ciavier vor-\ngetragen. Die Musik hat allgemein angesprochen, da die Motive ge-\nfällig und melodiös sind und das Ganze leicht und doch mit Sorg-\nfalt behandelt ist, Frau Sophie Förster, welche aus Gefälligkeit\ndie Hauptpartie übernommen hatte, sang dieselbe mit innigem Aus-\ndruck und Geschmack, in der bekannten wohlthuenden Correctheit\nihrer Tonbildung. Dem Vernehmen nach wird diese Operette auf\nhiesiger Hofbühne zur Aufführung kommen. L. N., geb. K.\nWien. Bei dem Concurse, den Bau eines neuen Hof-Opernhau-\nses in Wien betreffend, steht in- und ausländischen Architekten die\nBetheiligung frei. Der Bau wird auf dem Platze zwischen dem Kärnth-\nnerthore und der künftigen Ringstrasse geführt werden. Die Bau-\nstelle, ein Rechteck, hat eine Länge von 57 und eine Breite von 50\nwiener Klaftern. Der Situationsplan, die Profile des Baugrundes und\ndas Bau-Programm, an dessen Bestimmungen sich genau zu halten\nist, können von den Concurrenten beim k. k. Oberst-Hofmeister-Amte\nbehoben werden. Vorerst handelt es sich nur um Entwürfe, aus\ndenen entnommen werden kann, durch welche Raumeintheilung der\nConcurrent das Bau-Programm zu erfüllen gedächte. Diese Entwürfe\nsind bis längstens 10. Januar 1861 bei dem k. k. Oberst-Hofmeister-\nAmte einzureichen. Sie sind mit einer Devise zu bezeichnen u. s. w.\nDer Ueberbringer erhält eine auf die Devise lautende Empfangs-Be-\nstätigung. Die eingelangten Entwürfe werden durch zehn Tage öf-\nfentlich ausgestellt und sodann einer Priifungs-Commission vorge-\nlegt, welche wenigstens drei, nach Umständen auch mehrere Ent-\nwürfe als die vorzüglichsten zur Honorirung auswählt. Das Hono-\nrar beträgt Eintausend Verein st haier für jeden der gewähl-\nten Entwürfe. Die Devisen der gewählten Entwürfe werden durch\ndie Wiener Zeitung veröffentlicht. Jene Concurrenten, deren Ent-\nwürfe zur Honorirung ausgewählt wurden, sind verpflichtet, nach-\nträglich die Detail pläne zu liefern. Der Termin dieser Lieferung\nwird bekannt gegeben werden. Erst die durch diese Detailpläne er-\ngänzten Entwürfe werden die eigentlichen Projecte bilden. Die\nPreise der drei als die besten anerkannten Projecte bestehen in\nden Beträgen von dreitausend, zweitausend und eintau-\nsend Vereinsthalern.\nDas Opern-Theater wurde am 15. Juli mit einer Vorstellung des\nLohengrin wieder eröffnet, die im Ganzen eine leidliche heissen\nkonnte, wenn man davon absehen will,, dass von den Darstellern der\nHauptrollen eigentlich keiner seine Stelle so ausfüllte, wie man es\nwünschen möchte, und wie es früher zum grösseren Theile der Fall\nwar. Nur die k. Preussische Hof-Opernsängerin Frau Harries-\nWippern, welche als Elsa ihr Gastspiel begann, kam ihrer Vor-\ngängerin noch am nächsten. Wir bemerken nur noch, dass diese\nVorstellung siö& vor Allem durch einen trostlosen Mangel an Besuch\nauszeichnete,\n15. Juli. Am 8. Juli wohnte Ferdinand Hiller aus\nKöln einer durch die Mozarteums-Capelle in Salzburg aufgeführten\nMesse bei; künftigen Sonntag wird in der Domkirche zum ersten\nMale eine neue Messe von Veit in Prag zur Aufführung gelangen.\nDer ausgezeichnete Caricaturen-Zeichner und Bildhauer\nDau tan hat neuerdings zwei Chargen Rossini's und Meyerbeer's\ngeliefert. Rossini ist an einer Schüssel mit Maccaroni dargestellt,\nden Kopf geneigt, eine Lyra im Arm. Er scheint halb eingeschlafen\nzu sein, aber nach dem Lächeln, das seine Lippen umspielt, zu\nschliessen, merkt man, dass der Meister nur wachend träumt, und\ndass sein Erwachen das eines Löwen sein könnte. Der Verfasser\ndes „Robert\" sitzt vor einer Orgel, einen Bleistift in der Hand, und\nscheint Noten mit seinen Kinnbacken zu zermalmen. Man sieht, dass\ner die grössten Anstrengungen macht, um seiner widerspenstigen Ein-\nbildungskraft die Begeisterung zu entlocken. Um die Charge zu ver-\nvollständigen, hat Dautan hinter dem Rücken des Meisters, und zwar\netwas tief am unteren Ende desselben, eine Partitur angebracht mit\ndem Titel: »Die Africanerin\"."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Königliche Oper Geh. Hofrath Teichmann f Die Sommertheater OfFenbach's „Orpheus\"\nUeber komische Musik Stern's Gesang-Verein Sing-Akademie und Bach-Verein Neue Compositienen). Von G. E. Ausflug eines\nfranzösischen musicalischen Kritikers von Paris nach dem Rheine (Scbluss). Noch ein neues Werk von Gluck. Beethoven und Wil-\nhelmine Schröder-Devrient. Tages- und Unterhaltungsblatt (Leipzig Dresden Wien Salzburg Paris).\n\nBerliner Briefe.\n\n[Künigliche Oper: Mar sehne r's „Templer\" Gäste. Geh. Hofrath\nTeichmann f. Die Sommertheater. Offenbach's „Orpheus\".\nUeber komische Musik. Stern's Gesang-Verein, Schü-\nmanns „Paradies und Periu, „Messias*. Sing-Akademie und\nBach-Verein. Compositionen von Leidgebel,\nDi\\ Papperitz, Wilh. Kust.]\nDen 19. Juli 1860.\nDie königliche Buhne, die jetzt seit einigen Wochen\nihre Sommer-Ferien hält, brachte noch kurz vor dem\nSchlüsse der Saison Marschner's „Templer und Jüdin\".\nSo viel man auch an der Hofbühne auszusetzen haben\nmag, ein Vorzug bleibt ihr unbestritten: der eines sorgfäl-\ntig gewählten, umfassenden Repertoires. Nur wenige Lücken\ndürften nachzuweisen sein, und zu ihnen gehörten aller-\ndings Marschner's Opern, die von je her, vielleicht durch\nSpontini's Einfluss, nur vorübergehenden Zugang zu uns\ngefunden hatten. Wir können uns um so mehr der Hoff-\nnung hingeben, dass man es nun auch mit anderen Schö-\npfungen von Marschner versuchen und ein altes Unrecht\ngut machen werde, als der Erfolg des Templers trotz der\nungünstigen Jahreszeit ein sehr günstiger war.\nDer musicaiische Genius Marschner's hat sich in ande-\nren Werken, namentlich im Vampyr und in Hans Heiling,\neigentümlicher und selbstständiger entfaltet, als gerade im\nTempler, der—wenigstens im Vergleich mit den grossen\nZeitgenossen Marschner's, mit Spohr, Weber, Meyerbeer,\nMendelssohn mehr ein gefälliges, als ein bedeutendes\nTalent verräth. Wollten wir den kunstgeschichtlichen\nStandpunkt geltend machen, von dem aus man eigentlich\nnur von denjenigen Compositionen Notiz zu nehmen hat,\ndie irgend eine neue Seite der musicalischen Idee zur Er-\nscheinung bringen, so würde es uns schwer sein, für\nMarschner's Templer eine Stelle zu finden; denn weder in\nden liedartigen Sätzen, noch in den grossen dramatischen\nScenen tritt etwas ganz Besonderes, diesem Componisten\nallein Angehöriges hervor; der Vorzug der Musik besteht\nin der Gewandtheit und Abgeschlossenheit der Form, in\nder einzelne Nummern allerdings abgerechnet—unge-\nsuchten Wahrheit des Ausdrucks. Der Fall kann eintreten,\ndass ein den künstlerischen Sinn wohlthuend berührendes\nWerk, weil der Eigentümlichkeit entbehrend, für die\nKunstgeschichte ohne Bedeutung ist, während ein in vielen\nBeziehungen verfehltes wir erinnern nur an Wagner's\nLohengrin—durch die Neuheit des Versuches immer von\nsich reden machen wird.\nDas Leben macht indess andere Ansprüche, als der\nprüfende Verstand des wissenschaftlichen Forschers. Das\ngrosse Publicum ist weit entfernt von der kritischen Be-\ntrachtungsweise der heute nicht seltenen grübelnden Mu-\nsiker, die sich nur für dasjenige interessiren, was auch im\nEinzelnen betrachtet irgend eine Eigentümlichkeit im\nRhythmus, in der harmonischen Structur verräth, und auf\ndie geschmackvolle, sachgemässe Verwendung des vorhan-\ndenen und naheliegenden musicalischen Materials geringe-\nren Werth legen—ein Standpunkt, von dem aus eines der\nbezauberndsten Lieder, Mozart's Veilchen, als ziemlich un-\nbedeutend erscheinen könnte —; das Publicum hält in der\nKunst das eigentlich Entscheidende, den Maassstab des\nSchönen, viel sicherer fest, als diejenigen Musiker es thun,\ndie sich bemühen, Originalität um jeden Preis zu forciren;\nund es erfreut sich jedes Kunstwerkes, das ihm eben die-\nsen Eindruck macht, wenn nicht der Mangel der Eigen-\ntümlichkeit sich allzu äusserlich, in dem Entlehnen frem-\nder Melodieen, ankündigt.\nSo konnte es denn nicht fehlen, dass der Templer\nüberwiegend einen erquickenden Eindruck machte. Man\nfreute sich der ansprechenden Melodieen, des bunten Wech-\nsels charakteristischer Personen und Situationen, der ab-\ngerundeten Ensemblesätze, und es lässt sich mit Sicherheit\nerwarten, dass die Oper während des nächsten Winters\nnicht vom Repertoire verschwinden wird. In der Auffüh-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.2", "texte": "rung verdient Frau Köster den Preis. Wenige Sängerin-\nnen dürften gleich ihr der hochliegenden und eben so sehr\nden zartesten Duft wie die äusserste Kraft des Organs in An-\nspruch nehmenden Partie gewachsen sein. Neben ihr errang\nHerr Woworsky (Ivanhoe) den grössten Erfolg; seine\nStimme ist freier und voller geworden, und die männlich\nkühne Art, mit der er den schwungvollen Hymnus auf Bi-\nchard Löwenherz vortrug, brachte ihm eine in den Räu-\nmen des königlichen Opernhauses fast unerhörte Auszeich-\nnung, einen Da-Capo-Ruf, ein. Die Herren Bost (Bruder\nTuck) und Wolf (Narr) waren, namentlich der Erstere,\nihren Aufgaben durchaus gewachsen. Ungenügend war\nnur die allerdings sehr schwierige Partie des Templers be-\nsetzt. Herr Betz, der dieselbe gab, ist ein talentvoller An-\nfänger, aber eben ein Anfänger, der noch viel zu wenig\nvon der technisch richtigen Behandlung der Stimme, von\neinem festen Ansatz des Tones und einer edlen Aussprache\nder Vocale versteht, als dass von geistiger Durchdringung\ndie Rede sein könnte.\nZwei schnell vorübergehende Gastspiele an der könig-\nlichen Oper können mit ein paar Worten abgemacht wer-\nden. Fräul. Langlois aus Pesth genügte in der kleinen\nRolle des Pagen in den Hugenotten so wenig, dass von\neiner Fortsetzung des Gastspiels keine Rede mehr war.\nDas Fach der Opern-Soubretten ist also noch immer nicht\nneu besetzt. Herr v. Bukowics aus Wien, dessen recht\nangenehm klingende, aber nicht sonderlich metallreiche\nStimme weder ein rechter Bariton noch ein rechter Tenor\nist, sang den Czaar nicht ohne Beifall, den sein gefühl-\nvoller und gebildeter Vortrag auch verdiente.\nEin neues Engagement ist mit Fräul. Lucin aus Prag\ngeschlossen, von deren Gesangs-Talent das Günstigste be-\nrichtet wird. Dagegen haben wir in diesen Tagen einen\nempfindlichen Verlust zu beklagen gehabt. In der Stunde,\nin der ich diese Zeilen schreibe, findet das Begräbniss des\nGeheimen Hofrathes Teich mann Statt, der in der Ver-\nwaltung der Bühne dem General-Intendanten der Nächste\nwar. Er hielt die Traditionen der classischen Zeit fest, der\ner durch seinen fein gebildeten Geschmack wie durch seine\nVergangenheit er stand schon unter dem Grafen Brühl\nin einem einflussreichen Verhältnisse zur königlichen Bühne\nangehörte. Das äusserliche Virtuosenthum der heutigen\nZeit, die damit zusammenhangende Zerfahrenheit, die Rich-\ntung auf das Materielle, die unaufhörliche Anwendung\näusserster Kraftmittel in Gesang und Orchester behagten\nihm wenig. Er hatte bessere Zeiten erlebt, und so konnte\nihn der heutige Zustand der Kunst nicht sehr befriedigen.\nBei dem wenig zum Aufenthalt im Freien einladenden\nSommer war es vielleicht diesmal nicht nothwendig, die\nköniglichen Schauspielhäuser zu schliessen; bei dem Man-\ngel fast jeder anderen Zerstreuung wendet sich daher das\nPublicum den Sommerlheatern zu, die von Jahr zu Jahr\nzahlreicher und glänzender aufschiessen. Wallner's Thea-\nter und Kroll's Local, das Victoria- und das Fried-\nrich -Wilhelmstädtische Theater, der kleineren Büh-\nnen gar nicht zu gedenken, streiten sich um den Vorrang,\nund wie es scheint, macht keines dieser Institute schlechte\nGeschäfte. Von den Opern-Gesellschaften in Kroll's Local\nund in der Friedrich-Wilhelmstadt berichte ich Ihnen nicht,\nda sie zu geringe künstlerische Bedeutung haben; nur\nEine Vorstellung, die des „Orpheus in der Unterwelt\", von\nOpfenbach, die an der Friedrich-Wilhelmstädtischen Bühne\nStatt fand, ragt über das Gewöhnliche empor.\nDass der „Orpheus\" von Offen bach in der kur-\nzen Zeit von etwa fünf Wochen bereits mehr als zwanzig\nVorstellungen erlebt hat, kann den Berlinern nur zur Ehre\ngereichen. Zwar will das noch nichts sagen, wenn man\nsich erinnert, dass unsere Volkspossen: „Einer von uns're\nLeut\", „Die Maschinenbauer von Berlin\" und andere ähn-\nliche, oft mehr als hundert Mal gegeben werden. Indess\nzeigt es doch immer, dass das grössere Publicum bei uns\nden Witz auch noch dann versteht, wenn er in einer etwas\ngewählteren, der Poesie näher liegenden Form auftritt.\nDies ist im Orpheus durchaus der Fall. Denn wenn sich\nauch nicht die pariser Frivolität, die dem Texte zu Grunde\nliegt, vertheidigen lässt, so muss man doch zugeben, dass\nsie hier, wo sie als Fastnachtsscherz auftritt, viel unschäd-\nlicher ist, als in den feinen Conversations-Lustspielen, den\nsentimentalen Dramen und den lüsternen Romanen, die\nsich von Frankreich aus über Deutschland verbreiten; und\n♦\njedenfalls wird man anerkennen müssen, dass sich sowohl\nin der Entwicklung der Handlung als in der Zeichnung\nder Personen und dem Dialog ein glänzendes komisches\nTalent offenbart, reich, kühn und mit einem gesunden Sinne\nfür die realistische Seite des Lebens, ein Talent, dem nur\nein in seinem innersten Grunde eben so fühlendes Herz\nV *\nzur Seite stehen müsste, um wahrhafte Kunstwerke hervor-\nzubringen. Sollte indess Dieser und Jener sich über die\nSchattenseiten des Textes nicht hinwegsetzen können, so\nwird die Musik ihn mit Manchem versöhnen. Schon das\nblosse Hinzutreten der Musik würde mildernd, beruhigend\nwirken; um so mehr ist dies der Fall, da sich an dem\nComponisten OfFenbach ein ganz hervorragendes Talent\nzeigt. Die ihm zugefallene Aufgabe war nicht nur nicht\nleicht, sondern gewisser Maassen neu. Er sollte travesti-\nrende Musik schreiben, eine Gattung, von der es bis jetzt\nnur wenige Beispiele gibt, und von der man fast zweifeln\nkönnte, ob sie überhaupt möglich sei. Aesthetiker haben\nmitunter sogar die Möglichkeit komischer Musik bestritten;\nund wenn auch die entschieden komische Wirkung man-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.3", "texte": "eher Instrumenlalsätze, von Havdn und Beethoven z. 8.,\nsie eines Besseren belehren müsste, so lässt sich doch nicht\nläugnen, dass in der komischen Gesangmusik von Komik\nolt nichts mehr übrig bleiben würde, wenn man den Text\nfortliesse, und dass in Poesie und Malerei die Quellen des\nKomischen weit offener zu Tage liegen, als in Harmonie\nund Bhythmus. Worin es nun liegt, dass die Musik den-\nnoch des Komischen fähig ist, wollen wir nicht weiter er-\nörtern, uns mit der Thatsache begnügend; nur auf einen\nUnterschied der komischen von der travestirenden Musik\nmöchten wir hinweisen. Wenn Bartolo auf seine Bosine,\nOsmin auf Belmonte und Pedrillo zürnt, wenn Leporello\n(in dem Septett) vor Furcht schaudernd um Gnade fleht,\nwenn Papageno verliebt ist, so ist das wirklicher Zorn,\nfcurcht, Liebe. Alle diese Personen befinden sich in dem\nZustande einer gemüthlichen Aufregung, und nur die Art,\nwie sich dieselbe äussert, ist komisch. Wenn dagegen Pluto\nim Orpheus als Schäfer auftritt und ein idyllisches Lied\nsingt, wenn Jupiter in der Verkleidung einer Fliege um\nEuridice wirbt, und Beide sich zu einem zärtlichen Summ-\nDuett vereinen, so liegen eigentlich keine wirklichen Em-\npfindungen mehr zu Grunde, sondern die Empfindung\nselbst wird Gegenstand des Spottes. Wenn es nun wahr\nist, was die Aesthetiker behaupten und was der natürliche\nSinn des Volkes gern zuzugeben pflegt, dass die Empfin-\ndung selbst der wahre Inhalt aller Musik sei, so scheint\nes, als ob diese travestirende Art der Komödie der Musik\nallen Grund und Boden nehmen müsse, da sie, weil eine\nNegation der Empfindung überhaupt, auch eine Negation\nder Musik überhaupt ist. Die Existenz von Offenbach's\nMusik würde nur dann das Gegentheil beweisen, wenn es\nsich zeigen liesse, dass sie genau eben so travestirend sei,\nals der Text. Dies ist aber, glaube ich, nicht der Fall. Zwar\ntreten hier und da Züge hervor, z. B. wenn ein und das-\nselbe musicalische Motiv sich unendlich oft wiederholt, oder\nwenn ein Motiv in Bezug auf den Ausdruck auffallend ge-\nsteigert wird, die von dem Bestreben, travestirende Musik\nzu schreiben, Zeugniss ablegen; viele Musikstücke enthal-\nten aber gar nichts dergleichen; und auch dort, wo sich\ndie erwähnten Züge finden, ist nicht genug der Tact zu\nrühmen, mit dem Offenbach das Problem gelös't hat, einen\nleisen Schein des Travestirenden zu verbreiten und doch\nnoch eine gefällige, originelle Musik zu schreiben, die\ndurchweg melodiös, fliessend, ausdrucksvoll und ausserdem\nhöchst geschmackvoll instrumentirt ist. Selbst die dem\nCouplet-Stil sich nähernden Stücke, z. B. das Spottlied auf\nJupiter, die Tänze, z. B. die Götter-Polka, zeigen Ge-\nschmack und Feinheit; noch viel mehr treten diese Eigen-\nschaften in den grösseren Ensembles, der Introduction (der\nSchlaf der Götter) und dem Finale des zweiten Actes (der\nAufbruch der olympischen Götter nach der Unterwelt),\ndem Summ-Duett, hervor. In der Instrumentation freuen\nwir uns, wieder einem Musiker begegnet zu sein, der nicht\ndurch blosse Massen-Anhäufung, sondern durch geschickte\nBenutzung wechselnder Klangfarben zu wirken sucht, und\ndem die Leichtigkeit und Durchsichtigkeit des Instrumen-\ntalgewebes auch etwas werth ist. Was wir oben andeu-\ntend sagten, dass die Musik zum Orpheus mildernd wirke,\nkönnen wir jetzt mit bestimmterem Sinne wiederholen;\ndenn indem sie nicht aufhört, wirkliche Musik zu sein,\nlässt sie die vollständige Empfindungslosigkeit, die der Grund-\nzug des Textes ist, nicht ganz aufkommen, sie gewährt uns\nwenigstens die Illusion der Empfindung.—Die Aufführung\nwar, wenn auch vom künstlerischen Standpunkte aus man-\ngelhaft, doch frisch und lebendig; recht beifallswürdig wa-\nren namentlich die Damen Limbach (Euridice) und\nKrantz (Cupido) und die Herren Tiedtler (Pluto), Hell-\nmuth (Jupiter) und Winkelmann (Orpheus).\nVon den Concerten, die am Schlüsse der Saison\nStatt fanden, ist namentlich die Aufführung von Schu-\nmann's „Das Paradies und die Peri\" durch den\nStern'sehen Gesang-Verein hervorzuheben. Es war dieses\nOratorium bisher nur ein Mal in Berlin, vor etwa zehn\nJahren und unter Schumann's eigener Leitung, zur Auf-\nführung gelangt. Damals war Schumann hier wenig be-\nkannt und beliebt, während sich in den letzten Jahren so-\nwohl seine Lieder als seine Instrumental-Compositionen\nviele Freunde erworben haben. Dennoch war, trotz der\ni *\nvorzüglichen Ausführung von Seiten der Chöre und des\nOrchesters—auch die Soli waren durch die Damen Wip-\npern und de Ahne und die Herren Otto und Fricke\nebenfalls in hervorragender Weise vertreten auch dies-\nmal die Aufnahme keine unbedingt günstige. Gesunde Na-\nturen werden nie vollständig das Widerstreben gegen die\nschwächliche, sentimentale Poesie des Gedichtes aufgeben\nkönnen, und die Musik leidet theils unter eben dieser Mo-\nnotonie der zu Grunde liegenden Stimmung, theils unter\nder formellen Anordnung, die das Ganze in Folge des\nWegfallens eigentlicher Recitative erhielt. Man würde aber\nsehr ungerecht sein, wenn man gegen die unendlich gros-\nsen Schönheiten des Werkes, das wir in Bezug auf den\nReichthum musicalischer Ideen und die ungesuchte Natür-\nlichkeit der Erfindung zu den besten Schumann's zählen\nmüssen, unempfindlich sein wollte. Man kann eine gewisse\nKränklichkeit der darin herrschenden Empfindungsweise\nzugeben und doch zugleich sich von dem süssen Zauber\nderselben angezogen bekennen. Es ist eine zarte, gebrech-\nliche Schöpfung—ein Wesen, mehr dem Aether, als der\nErde verwandt, aber in dieser Befangenheit doch von\nhöchstem, einschmeichelndem Reize. Wir würden ein Pu~\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.4", "texte": "Llicum, das diesem Werke und denen verwandter Art vor\nMendelssohn's viel objektiveren und geistig bedeutenderen\nOratorien, oder gar vor Händel's Riesenwerken den Vor-\nzug gäbe, als ein verweichlichtes, charakterloses bezeich-\nnen müssen; aber sich ganz und gar davon abzuwenden,\nkönnen wir auch nicht lür recht halten. Wir hoffen da-\nher, dass häufigere Aufführungen das Werk dem berliner\nPublicum näher bringen werden.\nDer Stern'sche Gesang-Verein veranstaltete ausserdem\nnoch eine Aufführung des „Messias\" (die dritte in die-\nsem Winter), die durch die Mitwirkung der Frau Bürde-\nNey einen besonderen Glanz erhielt. Der silberhelle Klang\nihrer Stimme, die einfache Gediegenheit ihres Vortrages\ngewährten einen hohen Genuss. Wirkliche Kenner Hän-\ndel's können eine überschwängliche Innigkeit des Aus-\ndrucks, die dieser Sängerin allerdings fehlt, nicht verlangen.\nDie Sing-Akademie führte Bachs Matthäus-Pas-\nsion und der unter Vierling's Leitung stehende Bach-\nVerein die Johannis-Passion auf. Wenn die letztere im\nAllgemeinen auch nicht als ein der ersteren ebenbürtiges\nWerk gilt - eine Ansicht, die sich übrigens aus vielen\nGründen bestreiten lässt —, so ist dies doch kein Grund,\nsie ganz zurückzusetzen, da sie eine grosse Anzahl von\nStücken enthält, die man doch nun einmal zu den höchsten\nWunderwerken der Kunst zählen muss. Wir nennen nur\nden Anfangs- und den Schluss-Chor, die Choräle: „0 grosse\nLieb'\" und „0 Herr, lass Dein lieb Engelein\", und die\nAlt-Arie: „Es ist vollbracht.\" Ich habe die Erfahrung ge-\nmacht, dass, je genauer man beide Werke kennt, die Ent-\nscheidung, welchem der Vorzug zu geben sei, um so schwie-\nrigerwird. Bach ist überhaupt nicht leicht zugänglich, man\nwird mit ihm erst durch genauere Bekanntschaft vertraut.\nWas Wunder, dass einem jedes seiner Werke, das man\nhäufiger gehört hat, lieber ist, als ein eben erst zur Kennt-\nniss gelangendes?\nVon anderen musicalischen Aufführungen nenne ich\nIhnen noch die wichtigsten. Ein Herr Leidgebel, der\nschon seit einer Reihe von Jahren in Berlin lebt, veran-\nstaltete eine Aufführung eigener Instrumental- und Gesang-\nCompositionen, die nicht von hervorragender Erfindung und\ngrossem Schwung der Phantasie, aber von achtungswer-\nthern Streben und Können Zeugniss gaben. Einen eigen-\ntümlichen Versuch hat Herr Leidgebel mit der Compo-\nsition des Göthe'schen Gedichtes „Und frische Nahrung\"\ngemacht. Dasselbe ist für Männerstimmen (Chor und Solo)\nmit Begleitung des Claviers gesetzt, in drei Sätzen, die um\nso mehr den drei Sätzen der Sonate entsprechen, als das\nClavier eine sehr seibstständige Bedeutung neben den Sing-\nstimmen hat, und als auch in den einzelnen Sätzen sich\neine sonatenartige Anlage erkennen lässt. Seit Beethoven's\nneunter Sinfonie hat man verschiedene Versuche gemacht,\nden Gesang mit der Instrumental-Musik in neuer, eigen-\ntümlicher Weise zu verbinden. Die meisten derselben ha-\nben etwas Zwitterhaftes, Amphibienartiges und können\nhöchstens die Anerkennung in Anspruch nehmen, dass ihr\nUrheber in die Classe der denkenden Musiker gehöre. Die\nmit richtigem Instinct begabten sind uns aber lieber. Wir\nkönnen uns nicht denken, dass ein Musiker von natürlichem\nTacte das Göthe'sche Gedicht in dieser Weise componirt\nhaben würde. Die Worte werden viel zu sehr wiederholt\nund durch lange Ritornelle aus einander gerissen; die\nThemen, weil sie sowohl gesang- als claviermässig sein\nsollen, sind weder das Eine noch das Andere; vom Stand-\npunkte des Gedichtes aus betrachtet, entbehrt die Compo-\nsition der natürlichen Frische und des seelenvollen Aus-\ndrucks; als rein musicalisches Kunstwerk ist sie nicht ar-\nchitektonisch genug. Von Dr. Papperitz in Leipzig\nhörten wir in einem der Dom-Chor-Concerte ein ausge-\nzeichnetes Salve Regina,eine sehr gut ausgeführte, von\nder tiefsten harmonischen Kenntniss und dem feinsten Ge-\nfühl für Wohlklang und natürliche Stimmenführung zeu-\ngende und den classischen mit dem modernen Stil sehr\nglücklich vereinende Composilion ein Werk, das allein\nhinreicht, um seinem Urheber einen vorzüglichen Ruf in\nder deutschen Musikwelt zu gründen. Eine ähnliche Com-\nposition von Wilhelm Rust in Berlin (ein\ndie in knapperen Formen gleichfalls ein bedeutendes tech-\nnisches Geschick verräth, brachte der Gesang-Verein des\nHerrn Mantius zur Aufführung.\n\nG. E.\n\nAusflug eines französischen musicalischen Kritikers\nvon Paris nach dem Rheine.\n\n(Scliluss. S. Nr. 30)\nDas grösste musicalische Vergnügen in Mainz empfand\nder Verfasser beim Anhören der Militärmusik eines\nösterreichischen Regiments, bei welchem er die Wahl der\nStücke, die Tüchtigkeit des Ensembles und die Feinheit in\nAusführung des Einzelnen nebst der Trefflichkeit der In-\nstrumente lobte. „Ach!\" ruft er aus, „wieweit sind in\nParis selbst die bevorzugtesten Garde-Regimenter davon\nentfernt, eine so wohlklingende, köstliche und geübte Mu-\nsiktruppe zu haben! Die plumpen kupfernen Instrumente\nvon Adolf Sax, welche die Sache machen sollen, klingen\nhohl oder unrein, und in der Geschichte der französischen\nInstrumental-Musik unseres Jahrhunderts muss man ihren\nverderblichen Einfluss auf die Zusammensetzung unserer\nOrchester und unserer Militär-Musiker tadelnd hervorhe-\nben.\" Wie es in Deutschland nach der Versicherung des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.5", "texte": "Verfassers, der Madame Slael und anderer Franzosen\n„überall\" Musik gibt, so liess sich auch an der Gasthaus-\nTafel während der unschmackhaften deutschen Gerichte\nein bescheidenes Trio von Streich-Instrumenten vernehmen,\nwelches Einiges aus Verdi'schen Opern vortrug, die man\nam Rheine gern hört. [??] Auf des Verfassers Wunsch,\nauch etwas von Wagner zu hören, erwiderten die Leute,\ndas sei nicht so (eicht und hier zu Lande auch wenig be-\nliebt; sie spielten gleichwohl etwas der Art, das weder\nAnfang, noch Mitte, noch Ende hatte, und zogen dann\nlachend ab.\nDie herrliche Rheinreise mit dem Dampfboote von\nMainz nach Köln zeigte ihm ausser unsäglichen Schönhei-\nten der Landschaft und gesegneten Weinbergen auch\nPunkte historischer Erinnerungen, namentlich an die früh\ngefallenen, so hoffnungsreichen Revolutions-Generale Mar-\nceau und Hoche, die er glücklich preis't, für Frankreich\ngestorben zu sein und den 18. Brumaire nicht erlebt zu\nhaben. In Bonn besuchte er das Geburtshaus Beethoven's,\ndes grössten Symphonikers, „eines epischen Genius, den\nman ohne Lästerung mit Homer oder mindestens mit\nShakespeare vergleichen kann.\" Erst nach vielem Suchen\nland er das unansehnliche Häuschen in der Rheingasse,\njetzt von einem Weinhändler benutzt, mit kaum noch le-\nserlicher Aufschrift. „Die eherne Bildsäule Beethoven's an\nder Kathedrale ist eben so steif und hasslich, wie alle aus\nder neueren Schule, die ich in den Rheinlanden sah. Der\nerhabene Musiker steht, in einen grossen Mantel gehüllt,\nin einer Schauspieler-Stellung da, die den geheimnissvollen,\nvon selbst erscheinenden und flüchtigen Augenblick der\nBegeisterung darstellen soll, und Herr Liszt mit seinen Can-\ntaten führte 1845 das grosse Wort bei der ruhmreichen\nKundgebung zu Ehren des Musikers, der in der Sympho-\nnie, so wie Göthe im Faust, Germaniens poetisch-philoso-\nphischen Genius verkündet hat.\"\nVon der sauberen, gelehrten, fröhlichen und wohlge-\nnährten Stadt \"Bonn zog der Verfasser über den Rhein ins\nSiebengebirge zu einem Gastfreunde, wo gegen Abend\nauf einem grossen Fahrzeuge eine Rheinfahrt in ziemlich\nzahlreicher Gesellschalt unternommen wurde. Selbstgefällig\nschwebte der Mond über jenen erinnerungsvollen Ruinen\nund Schlössern, die ihren Riesenschatten auf das Wasser\ndes grossen Stromes herabwerfen, dessen fruchtbare Ufer\nso viele Eroberer kommen und verschwinden sahen. In\neinem Augenblicke des Schweigens und sanfter Schwermut!)\nbegann aus dem Kreise der zischelnden und lispelnden\nMädchen hinten im Schiffe eine liebliche Stimme Schubert's\nBarcarole zu singen:\nAch, es entschwindet mit thauigem Fliigel\nMir auf den wiegenden Wellen die Zeit!\nN\nAls nun das Mädchen an die reizende Modulation kam, wo\nes aus Des-mott in A-dur übergeht: „Ach, bei dir, wie\nso lieblich der Traum\", und die schöne Hausfrau mit ihrer\nzarten Palmengestalt und ihren blonden Haaren lautlos\ndazu nickte, diese Nacht hat auf den französischen Gast\neinen unauslöschlichen Eindruck gemacht.\nIn Köln, wo er zunächst den Dom besuchte, traf er\n„in den schmutzigen, hässlichen Strassen\" glücklicher\nWeise Ferdinand Hiller, der ihn einlud, nach Crefelcl\nzum Musik feste zu kommen, und ihn telegraphisch an\ndie Herren Schramm und L. Bischoff' empfahl. Nachdem\ner deren herzliche Gastfreundschaft, Verstand und ausge-\nsuchte Höflichkeit zu erkennen Gelegenheit gefunden hatte,\nging es durch die mit Fahnen geschmückten Strassen voller\nMenschen, unter denen besonders die Scharen der jungen\nSängerinnen Aufmerksamkeit erregten, zum hübschen, neu-\ngebauten Concert-Locale. Unter Leitung des städtischen\nCapellmeisters Wolf führten 400 Personen (92 So-\nprane, 62 Alte, 56 Tenöre, 110 Bässe und 84 Instrumen-\ntisten) zunächst Haydn's „Jahreszeiten\" auf. Nicht nur die\nSoli waren trefflich besetzt, sondern namentlich zeigten\nauch die Chöre eine Sicherheit, Einheit und Nuancirung,\nwovon das pariser Conservatorium keine Ahnung hat. Es\nwaren nur Sänger aus Liebhaberei, Frauen und Jungfrauen\naus den verschiedensten Ständen, Töchter von Millionärs\nohne Stolz und Anmaassung neben einfachen Bürgermäd-\nchen, der Hauptzahl nach aus Crefeld, und mehrere auch\naus Köln, Düsseldorf, Aachen u. s. w. „Ach, wie weit\nsind wir doch von solchen Sitten in Frankreich entfernt,\nbesonders in den Provincialstädten, in denen die Eitelkeit\neine so verderbliche Rolle spielt und das Leben vergiftet!\nEin köstlicher Anblick war es, diese 1500 Personen bei-\nsammen zu sehen, von denen ein Theil ein Werk des Ge-\nnius mit heiliger Ehrfurcht zur Ausführung brachte und\ndie Anderen mit Theilnahme zuhörten. Nach dem Con-\ncerte dauerte das fröhliche Beisammensein Aller bis 2 Uhr\nMorgens, und ich kann Hiller nicht genug danken, dass er\nmir ein so lebhaftes und reines Vergnügen verschafft hat,\nwie ich es nur irgend bei meinem schnellen Ausfluge längs\nden Ufern des Rheines genossen habe.\"\nDer Verfasser fügt noch Folgendes hinzu: „Ehe ich\ndiese bevölkerten und reichen Städte verlasse, will ich noch\nein Wort von dem Geiste ihrer Bevölkerung sagen. Wenn\nVictor Hugo meint, dass das ganze Rheinufer uns Fran-\nzosen liebt, ja, so zu sagen erwartet, so mochte das viel-\nleicht 1839 seine Richtigkeit haben, aber gewiss nicht\n1858. Zu Mainz, Köln, Coblenz, Bonn sprach ich gebil-\ndete Leute verschiedener Parteien; sie alle waren im Gan-\nzen zufrieden (ä peu pres contents) mit der gemässigten,\nsparsamen und sehr erleuchteten preussischen Regierung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.6", "texte": "Alle diese Städte haben keine Lust, ihr freies städtisches\nLeben (leur grande liierte munfür das vermeint-\nliche Glück des Anschlusses an die grosse französische Ein-\nheit hinzugeben. Uebrigens hoffen sie, auch die Keime der\nrepräsentativen Regierungsform, die allmählich bei der\nNation sich festgesetzt haben, sich entwickeln zu sehen, und\nerwarten manche Verbesserung, wenn der Prinz von Preus-\nsen die oberste Leitung des Staates haben wird. Sein\nSohn, eben mit einer Tochter der Königin von England\nvermählt, ist gleich den Prinzen des Hauses Orleans mitten\nunter dem Volke erzogen worden, das er dereinst beherr-\nschen soll. Alles dieses bildet einen Kranz von Hoffnungen,\nwelche die rheinischen Städte an die preussische Regie-\nrung und an die grosse deutsche Familie festknüpfen.\"\nDanzig.\n\nProf. Dr. Brandstäter.\n\nNoch ein neues Werk von Gluck.\nIm September 1754 wurde zu Schlosshof, der Resi-\ndenz des Prinzen Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburg-\nhausen, kaiserlichen Feldmarschails, dem Kaiser Franz I.\nein Fest gegeben, bei welchem Le Cinesi (Die Chinesin-\nnen), ein Gelegenheitsstück von Metastasio, mit Musik von\nGluck am 21. aufgeführt wurde.\nGluck's Biograph, Ant. Schmid, kannte die Partitur\nnicht; ihre Auffindung auf der Bibliothek zu Berlin in\nder Pölchau'sehen Sammlung verdanken wir wiederum\nHerrn 0. Lindner (vgl. Nr. 26 d. Bl.). Die Aufgabe des\nComponisten war hauptsächlich, die drei Stile: den tragi-\nschen, pastoralen und komischen, wiederzugeben.\n„Ausser den trockenen Recitativen, die übrigens ein-\nzelne interessante Züge enthalten, besteht das Werk aus\nfolgenden Stücken:\n„ 1. Ouvertüre. D-dur,V4. Andante, 4/4. Alle-\ngro, D-dur, %. Der erste und dritte Satz mit Oboen und\nHörnern.\n,2. (Lisinga, Alt.) Obligates Recitativ. Aria: „Pren-\ndili\", H-moll, 4/4. Mit Hörnern. (Tragisch.)\n„3. (Silango, Tenor.) Aria:\nmi\" , A-dur,3/4. (Pastorale.)\n„4.(Sivene, Sopran.) Aria: 4/4.\n(Pastorale.)\n,5. (Tangia, Alt.) Aria: „Ad un riso, ad uri occhiata\",\nD-dur,Mit Flöte und Hörnern. Der Mittelsatz D-moll,\n3/s. (Komisch: ein eingebildeter Stutzer.)\n„6. Schlussgesang der vier Personen des Stückes: „ Voli\nilpiede in lieti giri\", D-dur,3/4. Mit Oboen und Hörnern.\n„Am unbedeutendsten sind verhältnissmässig das breit\nangelegte, jedoch ansprechende Schluss-Quartett (6) und\ndie Arie des Silango (3), welche vorzugsweise auf den Sän-\nger berechnet ist. Bedeutender in der Charakteristik\nzeigt sich die Arie der Sivene (4), die trotz ihrer Colora-\nturen das „Non vogliodeliraD durch eine mehrfach wie-\nderkehrende chromatische Wendung der Begleitung zu er-\ngötzlichem Ausdruck bringt. Reich an komischem Pa-\nthos, welches durch nachahmende Klänge der Hörner un-\ngemein gewinnt, erscheint Tangia's Stutzer-Arie (5); ein\nMeisterstück dramatischen Ausdrucks aber ist die tra-\ngische Arie der Lisinga. Diese Arie steht den späteren ver-\nwandten in der iphigenia in Aulis u. s. w. ebenbürtig zur\nSeite, und ist auch desswegen bemerkenswert!), weil sie\nkeinen Dacapo-Satz hat. Hiedurch erleidet die Bemerkung\nSchmid's S. 87 zur ersten Arie der von Gluck acht Jahre\nspäter, 1762, in Musik gesetzten Oper:\nClelia: „ „ Das Minore und da Capo fehlen natürlicher Weise\ndieser und den folgenden Arien noch keineswegs\"\" —eine\nerhebliche Einschränkung.\"\nVon der Decoration, die im chinesischen Geschmack\nund transparent war, erzählt Dittersdorf, damals Solo-\nViolinist beim Prinzen, in seiner Selbstbiographie (S. 71):\n„Lackirer, Bildhauer und Vergolder hatten sie reich-\nlich mit allem dem, was ihre Kunst vermochte, ausgestat-\ntet. Aber was der Decoration den grössten Glanz gab, wa-\nren prismatische gläserne Stäbe, die in böhmischen\nGlashütten geschliffen worden waren und, genau in einan-\nder gepasst, in die leer gelassenen Flecke gesetzt wurden,\ndie sonst buntfarbig mit Oel getränkt werden. Es ist un-\nbeschreiblich, welchen prächtigen, höchst überraschenden\nAnblick diese von unzähligen Lichtern erleuchteten Pris-\nmen, die schon im blossen Lichte und Sonnenschein eine\ngrosse Wirkung thun, auf das Auge hervorbrachten. Man\nstelle sich den Spiegelglanz der azurfarben lackirten Fel-\nder, den Schimmer des vergoldeten Laubwerkes und end-\nlich die regenbogenartigen Farben, die so viele Hundert\nPrismata mannigfaltig, gleich Brillanten vom ersten Wasser,\nspielten, vor, und die stärkste Einbildungskraft wird hinter\ndiesem Zauber zurückbleiben müssen. Und nun die gött-\nliche Musik von Gluck!\" u. s. w.\n\nBeethoven und Wilhelmine Schröder-Devrient\nIn Dresden, wohin Wilhelmine Schröder im Sommer\n1822 mit ihrer berühmten Mutter ging, erregte ihre Schön-\nheit wie ihr Talent allgemeine Bewunderung; aber das,\nwas sie zur grössten Sängerin aller Zeiten machen sollte,\nder unwiderstehliche Zauber, die Gewalt ihres Genius\n*).\n\n*) Aus „Erinnerungen an Wilhelmine Sehröder-Devrient von Clara\nvon Gliimer\"."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.7", "texte": "offenbarte sich zum ersten Maie, als sie, nach Wien zu-\nrückgekehrt, den Fidelio sang.\nDie Oper war seit einiger Zeit zurückgelegt, weil es\nan einer Darstellerin für die Hauptrolle fehlte. Im Novem-\nber 1822 sollte sie zur Namenstags-Feier der Kaiserin\nzum ersten Male wieder gegeben werden, und der sieben-\nzehnjährigen Wilhelmine wurde die schwere Rolle des\nFidelio übertragen*).\nAls es Beethoven erfuhr, soll er sich sehr unzufrieden\ndarüber ausgesprochen haben, dass diese erhabene Gestalt\n„einem solchen Kinde\" anvertraut wäre. Aber es war ein-\nmal bestimmt; Sophie Schröder studirte der Tochter die\nschwere Partie so gut als möglich ein, und die Proben\nnahmen, ihren Fortgang.\nBeethoven hatte sich es ausbedungen, die Oper selbst\nzu dirigiren, und in der Generalprobe führte er den Tact-\nstock. Wilhelmine halte ihn nie zuvor gesehen; ihr wurde\nbang ums Herz, als sie den Meister, dessdf? Ohr schon\ndamals allen irdischen Tönen verschlossen war, heftig\ngesticulirend, mit wirrem Haar, verstörten Mienen und un-\nheimlich leuchtenden Augen da stehen sah. Sollte piano\ngespielt werden, so kroch er fast unter das Notenpult, beim\nForte sprang er auf und stiess die seltsamsten Töne aus.\nOrchester und Sänger geriethen in Verwirrung, und nach\nSchluss der Probe musste der Capellmeister Umlauf dem\nComponisten die peinliche Mittheilung machen, dass es un-\nmöglich wäre, ihm die Leitung seiner Oper zu überlassen**).\nSo sass er denn am Abende der Aufführung im Or-\nchester hinter dem Capellmeister, und hatte sich so tief in\nseinen Mantel gehüllt, dass nur die glühenden Augen dar-\naus hervorleuchteten. Wilhelmine fürchtete sich vor diesen\nAugen; es war ihr unaussprechlich bang zu Mutbe. Aber\nkaum hatte sie die ersten Worte gesprochen, als sie sich\nvon wunderbarer Kraft durchströmt fühite. Beethoven,\ndas ganze Publicum verschwand vor ihren Blicken; alles\nZusammengetragene, Einstudirte fiel von ihr ab. Sie selbst\nwar Leonore, sie durchlebte, durchlitt Scene auf Scene.\nBis zum Auftritt im Kerker blieb sie von dieser Illu-\nsion erfüllt—aber hier erlahmte ihre Kraft. Die Grösse\nihrer Aufgabe, die sie erst diesen Abend während des Spiels\nerkannt hatte, stieg riesenhaft vor ihr auf. Sie wusste jetzt,\ndass ihre Mittel für das, was sie in dem nächsten Momente\ndarstellen sollte, nicht ausreichten. Die steigende Angst\ndrückte sich in ihrer Haltung, ihren Mienen, ihren Bewe-\ngungen aus—aber das alles war der Situation so ganz an-\ngemessen, dass es auf das Publicum die erschütterndste\nWirkung übte. Ueber der Versammlung lag jene athem-\nlose Stille, die eben so mächtig auf den darstellenden\nKünstler wirkt, wie laute Beifallszeichen.\nLeonore rafft sich auf; sie wirft sich zwischen den\nGatten und den Dolch des Mörders. Der gefürchtete Au-\ngenblick ist da die Instrumente schweigen, aber derMuth\nder Verzweillung ist über sie gekommen; hell und rein,\nmehr schreiend als singend, stösst sie das herzzerreissende:\n„Tödt' erst sein Weib!\" hervor. Noch einmal will Pizarro\nsie zurückschleudern; da reisst sie das Terzerol aus dem\nBusen und hält es dem Mörder entgegen. Er weicht zu-\nrück— sie bleibt unbeweglich mit blitzenden Augen in ih-\nrer drohenden Stellung. Aber jetzt erschallt die Trompe-\nte, die das Ende ihrer Qual, die Ankunft des Retters ver-\nkündigt, und nun wich auch die Spannung, die sie so\nlange aufrecht hielt. Kaum vermochte sie noch, mit vor-\ngestrecktem Terzerol den Verbrecher dem Ausgange zu-\nzutreiben, dann entsank ihr die Waffe—sie war lodesmatt\nvon der ungeheuren Anstrengung, ihre Kniee wankten, sie\nlehnte sich zurück, ihre Hände griffen krampfhaft nach\ndem Haupte, und unwillkürlich entrang sich ihrer Brust\njener berühmte, unmusicalische Schrei, den spätere Dar-\nsteller des Fidelio aufs unglücklichste nachgeahmt haben.\nBei Wilhelminen war es wirklich ein Aufschrei der von\nTodesangst befreiten Seele, ein Laut, der Mark und Bein\nerschütternd in die Herzen der Hörer drang. Erst als Leo-\nnore auf Florestan's Klage: „Mein Weib, was hast du um\nmich geduldet!\" mit dem halb weinend, halb jubelnd her-\nvorgestossenen: „Nichts, nichts, nichts!\" in die Arme\ndes Gatten fiel, wich der Zauberbann, der jedes Herz ge-\nfangen hielt. Ein Beifallssturm, der nicht enden wollte,\nbrach los—die Künstlerin hatte ihren Fidelio gefunden,\nund so viel und ernstlich sie später noch daran gearbeitet\nhat, in den Grundzügen ist er derselbe geblieben.\nAuch Beethoven hatte seine Leonore in ihr erkannt.\nDen Ton ihrer Stimme zu hören, war ihm freilich versagt,\naber die Seele ihres Gesanges offenbarte sich ihm in jeder\nMiene des von Geist durchleuchteten Gesichtes, in dem\nglühenden Leben der ganzen Erscheinung. Nach der\nVorstellung ging er zu ihr, seine sonst so finsteren Augen\nlächelten ihr zu, er klopfte sie auf die Wange, dankte ihr\nfür den Fidelio und versprach, eine neue Oper für sie zu\ncomponiren ein Versprechen, das leider nicht erfüllt wer-\nden sollte. Wilhelmine kam nie wieder mit dem Meister\nzusammen, aber unter allen Huldigungen, die der berühm-\nten Frau später zu Theil wurden, blieben die Worte der\nAnerkennung, die ihr Beethoven gesagt hatte, die liebste\nErinnerung.\n\n*) Ihre erste Rolle war die Aricia in Racine's Phädra; sie war\ndamals fünfzehn Jahre alt. Die erste Gesangrolle die Pamina\nim Jahre 1821. Die Red actio n.\n**) Ob Beethoven im Jahre 1822 noch einmal, und vollends in\ndem Operntheater, zu dirigiren versucht habe, dürfte zu be-\nzweifeln sein. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600728-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nNachdem der Riedersehe Verein im Laufe dieses\nJahres durch zwei Aufführungen der Beethoven'schen Missa solemnis\nnach der Seite des Gewaltigsten und Complicirten bereits bewiesen\nhatte, dass er keine Schwierigkeiten mehr kenne, zeigte uns die\nSoiree am Sonntag den 8. Juli in der Thomaskirche, dass über der\nPflege des Ausgedehnten und vor allen Dingen durch grosse Massen\nWirkenden auch der a-capella-Gessaag älterer Meister keineswegs\nverloren hat; wir müssen im Gegentheil betonen, dass gerade diese\nAufführung in einer Präcision und einem weihevollen Schwünge vor\nsich ging, wie uns von keiner anderen aus früherer Zeit erinnerlich\nist. Die gedrängt besetzte Kirche zeigte dabei erneut aufs deutlich-\nste den segensreichen Einfluss, den das Institut auf die Bevölkerung\nauszuüben vermag, und eine grosse Anzahl von Fremden gleichzei-\ntig, dass auch nach aussen hin die Bekanntschaft stetig wächst.\nMöchte auch fernerhin der Besuch fremder Künstler und Kunst-\nfreunde immer mehr zunehmen; die hohe Vortrefflichkeit der Ausfüh-\nrung wird eine etwaige Mühe der Fahrt reichlich lohnen. Eröff-\nnet wurde das Programm durch Allegri's Miserere, von zwei Chören\nauf gegenüberliegenden Räumen der Kirche gesungen. Die diesma-\nlige Aufführung übertraf die vorige noch weit an Sicherheit der Ein-\nsätze, an edler Klangfärbung und Ruhe des Vortrags. Das folgende\n/\nCrucifixus von Lotti mit seinen aufsteigenden Chormassen, dem kunst-\nvollen achtstimmigen Satze, war ein Meisterstück sicheren und zu-\ngleich fein nuancirten Vortrages. Frau Dr. Reclam trug nun die\nArie „Quis est homou aus dem Slabat maier von Michele Mortellari\nvor mit grossem Ausdruck, eine wenig bekannte, gefällige Compo-\nsition dieses Schülers Piccini's. Es folgten : »Ein' feste Burg ist un-\nser Gott', dreistimmig von Matthäus le Maistre, wo der Canlus fir-\nmus wohl etwas entschiedener hätte hervortreten können; rA Dien\nma voix j'ay hauss6eu, ein altfranzösisches, schlicht ergreifendes\nPsalmlied, Harmonie von Claudin le Jeune, und das „Vater unser\"\nvon H. Schütz für fünf Solostimmen mit Chor, in dem sich nament-\nlich die Herren Scharfe und Egli rühmlich hervorthaten. Den Schluss\nbildete der fünfstimmige Choral: r,lch lag in tiefer Todesnacht\" von\nJohannes Eccard in gelungenster Ausführung.\nDresdevi* Im Saale der Dreissig'schen Sing-Akademie wurde\nvor einem gewählteren Auditorium, das grösstenteils aus Musikern\nund Kunstliebhabern bestand, eine Operette in einem Acte von Ar-\nnim Früh, betitelt: „Nachtigall und Savoyarde;;, am Ciavier vor-\ngetragen. Die Musik hat allgemein angesprochen, da die Motive ge-\nfällig und melodiös sind und das Ganze leicht und doch mit Sorg-\nfalt behandelt ist, Frau Sophie Förster, welche aus Gefälligkeit\ndie Hauptpartie übernommen hatte, sang dieselbe mit innigem Aus-\ndruck und Geschmack, in der bekannten wohlthuenden Correctheit\nihrer Tonbildung. Dem Vernehmen nach wird diese Operette auf\nhiesiger Hofbühne zur Aufführung kommen. L. N., geb. K.\nWien. Bei dem Concurse, den Bau eines neuen Hof-Opernhau-\nses in Wien betreffend, steht in- und ausländischen Architekten die\nBetheiligung frei. Der Bau wird auf dem Platze zwischen dem Kärnth-\nnerthore und der künftigen Ringstrasse geführt werden. Die Bau-\nstelle, ein Rechteck, hat eine Länge von 57 und eine Breite von 50\nwiener Klaftern. Der Situationsplan, die Profile des Baugrundes und\ndas Bau-Programm, an dessen Bestimmungen sich genau zu halten\nist, können von den Concurrenten beim k. k. Oberst-Hofmeister-Amte\nbehoben werden. Vorerst handelt es sich nur um Entwürfe, aus\ndenen entnommen werden kann, durch welche Raumeintheilung der\nConcurrent das Bau-Programm zu erfüllen gedächte. Diese Entwürfe\nsind bis längstens 10. Januar 1861 bei dem k. k. Oberst-Hofmeister-\nAmte einzureichen. Sie sind mit einer Devise zu bezeichnen u. s. w.\nDer Ueberbringer erhält eine auf die Devise lautende Empfangs-Be-\nstätigung. Die eingelangten Entwürfe werden durch zehn Tage öf-\nfentlich ausgestellt und sodann einer Priifungs-Commission vorge-\nlegt, welche wenigstens drei, nach Umständen auch mehrere Ent-\nwürfe als die vorzüglichsten zur Honorirung auswählt. Das Hono-\nrar beträgt Eintausend Verein st haier für jeden der gewähl-\nten Entwürfe. Die Devisen der gewählten Entwürfe werden durch\ndie Wiener Zeitung veröffentlicht. Jene Concurrenten, deren Ent-\nwürfe zur Honorirung ausgewählt wurden, sind verpflichtet, nach-\nträglich die Detail pläne zu liefern. Der Termin dieser Lieferung\nwird bekannt gegeben werden. Erst die durch diese Detailpläne er-\ngänzten Entwürfe werden die eigentlichen Projecte bilden. Die\nPreise der drei als die besten anerkannten Projecte bestehen in\nden Beträgen von dreitausend, zweitausend und eintau-\nsend Vereinsthalern.\nDas Opern-Theater wurde am 15. Juli mit einer Vorstellung des\nLohengrin wieder eröffnet, die im Ganzen eine leidliche heissen\nkonnte, wenn man davon absehen will,, dass von den Darstellern der\nHauptrollen eigentlich keiner seine Stelle so ausfüllte, wie man es\nwünschen möchte, und wie es früher zum grösseren Theile der Fall\nwar. Nur die k. Preussische Hof-Opernsängerin Frau Harries-\nWippern, welche als Elsa ihr Gastspiel begann, kam ihrer Vor-\ngängerin noch am nächsten. Wir bemerken nur noch, dass diese\nVorstellung siö& vor Allem durch einen trostlosen Mangel an Besuch\nauszeichnete,\n15. Juli. Am 8. Juli wohnte Ferdinand Hiller aus\nKöln einer durch die Mozarteums-Capelle in Salzburg aufgeführten\nMesse bei; künftigen Sonntag wird in der Domkirche zum ersten\nMale eine neue Messe von Veit in Prag zur Aufführung gelangen.\nDer ausgezeichnete Caricaturen-Zeichner und Bildhauer\nDau tan hat neuerdings zwei Chargen Rossini's und Meyerbeer's\ngeliefert. Rossini ist an einer Schüssel mit Maccaroni dargestellt,\nden Kopf geneigt, eine Lyra im Arm. Er scheint halb eingeschlafen\nzu sein, aber nach dem Lächeln, das seine Lippen umspielt, zu\nschliessen, merkt man, dass der Meister nur wachend träumt, und\ndass sein Erwachen das eines Löwen sein könnte. Der Verfasser\ndes „Robert\" sitzt vor einer Orgel, einen Bleistift in der Hand, und\nscheint Noten mit seinen Kinnbacken zu zermalmen. Man sieht, dass\ner die grössten Anstrengungen macht, um seiner widerspenstigen Ein-\nbildungskraft die Begeisterung zu entlocken. Um die Charge zu ver-\nvollständigen, hat Dautan hinter dem Rücken des Meisters, und zwar\netwas tief am unteren Ende desselben, eine Partitur angebracht mit\ndem Titel: »Die Africanerin\"."}]}