{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-08-04-01", "volume": "bmtnabi_1860-08-04_01", "ocr_sha256": "a56b0ad1be245c16ae5ce3e8846134922c308c2d64311abeffcb1f22ab7621d7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/08/04_01/bmtnabi_1860-08-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 306, "texte": "Inhalt.\nDas vierte mittelrheinische Musikfest. PresseFs neue Oper: »Die St. Johannisnacht«. Ueber den Katalog von Schü-\nmanns Werken. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Capellmeister F. Hiller Musicalische Gesellschaft Dickopf'sche\nCapelle Signora Ristori Regensburg, Ueber Kirchenmusik Wien Petersburg)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "252", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.2.2", "titre_corps": "Das vierte miţelrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das vierte miţelrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.1", "debut_caractere": 308, "fin_caractere_exclue": 3683, "texte": "Das vierte miţelrheinische Musikfest.\nIm vorigen Jahre war das vierte Musikfest des Bun-\ndes der mittelrheinischen Städte Darmstadt, Mainz, Mann-\nheim und Wiesbaden der kriegerischen Zeit wegen ausge-\nsetzt worden; im gegenwärtigen wurde es mit grossem\nGlänze an den Tagen des 21.—24. Juli in Mainz ge-\nfeiert, unter einem Zuströmen von Fremden und in einer\nfestlichen Stimmung, wie sie bei den Bewohnern der Gaue\nam Mittelrheine sich durch die allgemeine Theilnahme al-\nler Stände und die heitere Lebenslust, die ihnen eigen ist,\nweit eher als irgendwo anders erzeugt und erhält.\nDie Hauptprobe zum ersten Festtage fand Samstag\nNachmittags um 3 Uhr Statt. Es herrscht nämlich hier der\nBrauch, alle Proben und auch die Concerte an den Musik-\nfesttagen bis 6 Uhr zu beendigen, worauf man dann die\nSommerabende zu geselligen Vereinen und zum Genuss\nder Natur in den schönen Umgebungen der Festorte völlig\nfrei hat.\nDie Fruchthalle, eines der grössten Gebäude dieser\nArt in Deutschland, im Jahre 1839 von Geier erbaut,\numfasst einen inneren Baum von 157 Fuss Länge, 111\nFuss Breite und 56 Fuss Höhe (die letztere in der Mitte\nbis zur First des Daches gemessen). Dieser gewaltige Baum\nwar durch die Legung eines Fussbodens, die Einrichtung\neiner Galerie auf beiden Langseiten und auf der einen\nQuerseite, deren Mitte die grosse herrschaftliche Loge ein-\nnahm, und den Emporbau einer Stufenbühne für den Chor\nund das Orchester zu einem grossartigen Concertsaale ein-\ngerichtet.\nDen imposantesten Anblick gewährte die Orchester-\nbühne, welche fast den halben Saal einnahm und dicht\nbesetzt war. Die Verzierung derselben durch Blumen und\nblühende Sträucher in Töpfen war einfach und geschmack-\nvoll und keineswegs durch Ueberladung hinderlich.\nIn der Probe fanden und begrüssten sich eine Menge\nvon Künstlern und Dirigenten von nah und fern. Wir sa-\nhen unter Anderen die Herren Capellmeister und Musik-\nDirectoren Hill er aus Köln, Taubert und Stern aus\nBerlin, Schindeime isser und Mangold aus Darmstadt,\nKuhn aus Mannheim, D rouet aus Coburg,Lenz aus Co-\nblenz, Beiss aus Kassel, Hagen aus Wiesbaden, Giehne\naus Karlsruhe, Boch aus Heidelberg, B. Scholz aus Han-\nnover, G. Schmidt, Bühl, Aloys Schmitt und Gel-\niert aus Frankfurt a. M., Joachim aus Hannover, J.\nBaff, die Pianisten Alfred Jaell, Paur aus London,\nBrahms aus Hamburg, Ascher und Gernsheim aus\nParis, Pall at und W ü 1 finghof aus Wiesbaden, die Com-\nponisten M. Bruch aus Köln, Levy aus Saarbrücken, die\nViolonisten Ell er aus Pau an den Pyrenäen, Oechsner\naus Havre de Grace, den Sänger Stockhausen u. s. w.\nVon der Schar der Ausführenden, welche die Orche-\nsterbühne füllte, mag man sich durch folgende Tafel eine\nVorstellung machen:\nIJebersiclit «ler Stimmen«\nStädte.\n1. Darmstadt. *\na. Harm. Sängerkranz\nb. Mozart-Verein\nc. Musik-Verein\n2. Castel.\nGesang-Verein\n3« Mainz.\nci. Damen-Gesangv. und Liedertafel.\nb. Frauenlob\nc. Kirchenmusik-Verein\nd. Liederkranz\ne. Männergesang-Verein\nf. Gymnasiasten\ng. Realschüler\n4. Mannheim.\nMusik-Yerein\n5. Wiesbaden.\na. Cäcilien-Verein\nb. Männergesang-Yerein\n6. Worms*\nGesang-Verein\nSämmtliche Städte....\nSopran Alt Tenor Bass Summa\n— —\nj — — 22 13 35\n17 9fi 4.-:5\n38 24 20 26 108\n- — 13 12 25\n64 51 40 89 244\n— — 13 18 31\n21 5 16 28 70\n_ _ 14 26 40\n— — 20 37 57\n- 37 — - 37\n- 32 - — 32\n21 12 18 22 73\n42 23 19 29 113\n— — 13 17 ; 30\n14 8 10 13 45\n200 | 192 | 235 | 356 ] 983"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5215, "texte": "Man darf diese nahe an 1000 betragende Zahl der\nSänger nicht nach demselben Maassstabe auf die wirklich\nAnwesenden zurückführen, den man bei unseren nieder-\nrheinischen Musikfesten anzulegen gewohnt ist; denn bei\nder am Mittelrhein herrschenden Gastfreiheit, durch welche\nsämmtliche Sängerinnen und Sänger in Privathäusern\nfreundschaftlich aufgenommen werden, wo sie Nachtquar-\ntier und Frühstück, zu grosser Zahl aber auch vollständige\nBewirthung finden, bleibt Niemand von den Angemeldeten\nzurück, wenn nicht Unwohlsein oder plötzliche ernste Ver-\nhinderungen ihn zurückhalten.\nSo waren denn nach einer Ueberschau am ersten Con-\ncert-Abende über 900 wirklich „klingende Stimmen\",\nwie man von der Orgel sagt, in dem Sängerchor zu Mainz\nvorhanden. Dass dieses Mal auch die Stadt Worms ihr\nContingent gesandt hatte, ersieht man aus der vorstehen-\nden Uebersicht.\nDas Orchester bildeten die drei Hofcapellen von Darm-\nstadt, Mannheim und Wiesbaden und die städtische Ca-\npelle von Mainz, mit Hinzuziehung einzelner vorzüglicher\nKünstler aus anderen Städten. Unter den Violinisten be-\nfanden sich die Herren Strauss aus Frankfurt, Koning aus\nMannheim, Baldenecker aus Wiesbaden, Wipplinger aus\nKassel u. s. w. Ausgezeichnet waren die Bässe, die Blas-\ninstrumente durchweg gut; die Verdoppelung der Posau-\nnen dürfte überflüssig gewesen sein.\nSchon die Abholung der Sänger, die von Darmstadt,\nMannheim, Worms und Wiesbaden ankamen, durch\nDampfschiffe, dann die Bewillkommung im alten kurfürst-\nlichen Schlosse, die überreich und sehr geschmackvoll mit\nunzähligen Fahnen, Laubgewinden und Blumen-Ausstellun-\ngen geschmückten Strassen, in denen auch die kleinsten\nHäuser durch bekränzte Bilder oder in grossen Lettern\nprangende Namen den Meistern Händel, Gluck, Mozart,\nBeethoven u. s. w. huldigten, dabei die Menge von fröh-\nlichen Zuschauern auf den Strassen und an allen Fenstern\nbei dem Zuge aller Singvereine zusammen nach der Frucht-\nhalle, zeigten die grossarligen und vortrefflichen Fest-An-\nstalten der Stadt Mainz, und Alles bekundete eine festliche\nStimmung, wie sie in solcher mit Anstand freien und froh\ngemüthlichen Art sich so leicht nur bei den Bewohnern\ndes Mittelrheines erzeugt, die durch das bunte Treiben\nund rührige Fremdenleben in ihren Gauen auf beiden\nUfern zwischen dem Taunus und dem Donnersberg eben\nso sehr, wie durch ihren lebhaften und für heitere Lebens-\nlust empfänglichen Charakter daran gewohnt sind, sich\naus vielen Dingen ein Fest zu machen, bei welchen der\nNordländer erst prüft und überlegt, ob es auch convenienz-\nund standesmässig sei, sich daran zu ergötzen.\nDas Musikfest fand daher, von schönem Wetter aus -\nnahmsweise gegen die vorhergehenden und folgenden Tag e\nbegünstigt, hier eine überaus zahlreiche Theilnahme als\nein Volksfest, bei welchem die Muse der Tonkunst aller-\ndings den Vorsitz führte. Aber Tausende der Herbeiströ-\nmenden blieben in den Vorhallen und den reizenden Um-\ngebungen ihres Tempels und führten ein prächtiges Stück\nrheinischen Lebens auf, an dem auch diejenigen, welche\nzur Mitwirkung bei den musicalischen Aufführungen ge-\nkommen waren, so wie alle, welche die Kunst vorzugs-\nweise angezogen hatte, nach den Genüssen im Concert-\nsaale sich gern erfreuten.\nDiese allgemeine aussermusicalische Festfreude war\nbesonders auch durch die bereits erwähnte Anordnung,\nwelche die Concerte auf die Mittagszeit verlegt—das erste,\nam Sonntag den 22. Juli, fand um 11 Uhr, das zweite,\nMontag den 23., um 3 Uhr Statt—, ermöglicht und ge-\nfördert. Die Abende blieben nun alle zu Versammlungen\nim Freien, Fahrten zu Wasser und zu Lande, Bällen\nu. s. w. verfügbar und wurden reichlich dazu benutzt.\nMit den oben aufgezählten Vocal- und Instrumental-\nkräften wurden am ersten Tage Beethoven's Ouver-\ntüre in C,Op. 124, und Händel's Israel in Aegyp-\nten aufgeführt. Sämmtliche Aufführungen an beiden Ta-\ngen dirigirte Herr Friedrich Marpurg, Director der\nLiedertafel und des Damen-Gesangvereins in Mainz.\nDer Ouvertüre wurde eine sehr gute Ausführung zu\nTheil, welche die trefflichen Eigenschaften der hier ver-\neinigten Capellen sogleich in das vortheilhafteste Licht\nstellte. Nur ein Umstand trat auch hier schon hervor und\nzeigte sich später eben so bei der Sinfonie, nämlich der,\ndass der Gesammtton der Violinen bei aller Vorzüglichkeit\nder einzelnen Künstler an denselben gegen den Vollklang\nder Bässe, Violoncells und Bratschen etwas zurücktrat.\nZum Theil lag das, wie es uns von verschiedenen Stand-\npunkten des Zuhörerraumes aus schien, an den akustischen\nVerhältnissen der Halle und dem etwas tiefen Stande der\nViolinisten auf dem Orchester; anderen Theils aber wür-\nden ein paar tüchtige Anführer mit grossem, breitem Or-\nchesterstrich auf klangvollen, mit dicken Saiten bezogenen\nguten Instrumenten dieser Hauptwaffe des Musikheeres\nden Sieg gesichert haben, um welchen jetzt das schwere\nGeschütz der tieferen Instrumente das grösste Verdienst\nhatte. Die Einsätze der Bässe waren auch in dem Orato-\nrium so kraftvoll, wie man sie selten hört.\nIm „Israel in Aegypten\" machten die Vocalmassen\neine grosse, imposante Wirkung; doch bestätigte sich auch\nhier die Erfahrung, die man schon besonders bei den\nMonster-Concerten in London, so wie bei grossen Männer-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5363, "texte": "Gesangfesten in Deutschland gemacht hat, dass es eine ge-\nwisse Gränze gibt, über welche hinaus die intensive Rlang-\nwirkung eines Chors nicht mehr in gleichem Verhältnisse\nzu der extensiven Menge der Stimmen zunimmt.\nDie Leistungen des Chors in Mainz waren vorzüglich;\nbesonders zeigte der treffliche Vortrag des „jKyrie1\" von\nPalestrina (« capella) und des „Ave verum\" von Mo-\nzart am zweiten Festtage eine künstlerische Ausführung\nvon ergreifend schönem Ausdruck. Auch im Israel wurden\ndie Chöre im Allgemeinen sehr gut ausgeführt; allein man\nwird, in Uebereinstimmung mit der so eben erwähnten\nErfahrung, gestehen müssen, dass die gewaltigen Chöre,\nwie „Hagel statt Regen.\", „Er schlug alle Erstgeburt\",\n„Das hören die Völker und sind erstaunt\", endlich „Das\nBoss und den Reiter hat er in das Meer gestürzt\" —die\nschlagende, erschütternde Wirkung, die man von beinahe\ntausend Sängern erwartete, nicht machten. Und doch wa-\nren die einzelnen Stimmen trefflich besetzt, der Tenor aus-\ngezeichnet, der Bass stark, vollklingend und auch wohllau-\ntend bis auf eine gewisse Gränze nach der Tiefe zu, wo\nder Ton zu breit wurde, der Alt und der Sopran frisch\nund klangvoll und durchweg rein.\nZum Theil lag der Grund dieses Resultates auch wohl\nan den akustischen Verhältnissen des Locals, welche nicht\ngerade schlecht, aber doch auch nicht vorzüglich waren;\ndiese tausend Stimmen im Gürzenichsaale zu Röln würden\neine andere Wirkung hervorgebracht haben. Auch müssen\nwir bemerken, dass der zweite Chor gegen den ersten\nzu schwach war, was in den Doppelchören da, wo Wech-\nselgesang eintrat, besonders auffiel. Vielleicht hatten die\nDirigenten bei der Eintheilung mit dem leidigen Dilettan-\nten-Vorurtheil, das bei Chor 11. an eine zweite Classe denkt,\nzu kämpfen gehabt.\nHerr Capellmeister Friedrich Marpurg leitete das\nGanze mit Umsicht und Energie: er bewährte ein entschie-\ndenes Directions-Talent, das sich mit den Jahren bei ge-\nringerem Aufwand von äusseren Mitteln noch zu mehr\nRuhe und zu völliger Sicherheit im Festhalten des Zeit-\nmaasses entwickeln wird. Mit der Fassung der Tempi in\nHändel's Oratorium konnte man im Allgemeinen einver-\nstanden sein, nur dass fast jedes Largo, die Bezeichnung\ndes langsamsten Zeitmaasses bei Händel, zu schnell genom-\nmen wurde, wodurch der berühmte Chor: „Er sandte\ndicke Finsterniss\", in welchem auch das Piano nicht leise\nund gleichbleibend genug war, und vollends der grossar-\ntige, wundervolle Doppelchor in „Das hören die\nVölker\", gar sehr an Wirkung verloren. Dagegen fehlte\nes dem Allegro des Chors (in C-dur): „Hagel statt Regen\",\nan feuriger Bewegung. Die anderen wurden in richtigem\nMaasse, übereinstimmend mit der Tradition, die uns aus\nEngland durch Mendelssohn überbracht worden, genom-\nmen und recht wacker und präcis gesungen.\nDie Sologesänge, sowohl Recitative als Arien, sind be-\nkanntlich im Oratorium Israel nicht bedeutend. Frau D ust-\nmann-Meyer aus Wien, deren Stimme etwas angegrif-\nfen schien, zeigte sich erst am Schlüsse durch den einfach\ngrossen Yorgesang Mirjam's, nach welchem der Chor:\n„Der Herr ist König!\" einfällt, in ihrem vollen Glänze.\nAus den zwei Arien machte sie nicht viel; es ist aber auch\nnicht viel daraus zu machen. Das Duett in A-moll: „Der\nHerr ist mein Heil\", das offenbar für zwei gleiche Stim-\nmen, entweder Soprane oder Tenöre, geschrieben ist, macht\nvon Sopran und Tenor gesungen, keine Wirkung.\nFräulein Schreck aus Bonn sang die Alt-Arie in E-\ndur: „Bringe sie hinein\", das schönste Solostück im gan-\nzen Oratorium, mit bekannter Correctheit und einfach ora-\ntorischem Vortrage, dem auch grosser Applaus folgte. Auch\ndas Duett mit dem Tenor, Herrn Schnorr von Carois-\nfeld aus Dresden, wurde gut gesungen, wie denn auch\nHerr Schnorr durch den heroischen Vortrag der Arie in\nG-dur: „So dachte der Feind\", stürmischen Beifall erhielt,\nder sich nach dem kräftigen Bass-Duett in A-dur: „Der\nHerr ist der starke Held\", in welchem Herr Becker von\nMannheim mit Herrn Rindermann von München nicht\nohne Glück wetteiferte, wiederholte.\nDen Gesammt-Eind ruck der Aufführung des mo-\nnumentalen Werkes dürfen wir als einen sehr erfreulichen,\ngrossartigen und erhebenden bezeichnen und die Ausfüh-\nrung als eine würdige, dem Charakter und der Grösse des\nWerkes entsprechende, die allen Mitwirkenden wie den\nDirigenten der verschiedenen Vereine und dem Leiter des\nGanzen gar sehr zur Ehre gereicht. Eine besonders her-\nvorzuhebende Anerkennung verdient der grosse Fleiss, der\nin den einzelnen Vereinen auf die Einübung verwandt wor-\nden sein muss; denn davon gaben die festen, kräftigen Ein-\nsätze, die reine Intonation, die grosse Sicherheit und Prä-\ncision einem jeden, der da weiss, was Händel's Chöre ver-\nlangen, einen unwiderlegbaren Beweis. Die Männerstimmen\nmachten überall und besonders bei den Fugen-Einsätzen,\nunterstützt von den trefflichen Violoncells und Bässen im\nOrchester, einen imponirenden Eindruck durch Masse,\nVollklang und Sicherheit; man hörte, dass es ihnen Ernst\ngewesen sein müsse mit der Runst und mit ihrem Musik-\nfeste. Darum Ehre, dem Ehre gebührt, und nehmt euch\nein Beispiel daran!\nIhre Röniglichen Hoheiten der Grossherzog von Hes-\nsen und die Frau Grossherzogin nebst deren erlauchtem\nVater, dem Rönige Ludwig von Baiern, wohnten der Auf-\nführung von Anfang bis Ende bei. Sie waren bereits am\nSamstag den 21. nach Mainz gekommen, an welchem Tage\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4340, "texte": "auch die Kaiserin Mutter von Russland, der Prinz-Regent\nvon Preussen und andere hohe Herrschaften eingetroffen\nwaren.\nDen Sonntag-Abend beschloss von 51/2 Uhr ab eine\nder grossartigslen und heitersten Luslfahrten auf dem\nRheine, die wir je erlebt haben. Sechs prachtvoll beflaggte,\nreich bewimpelte und bekränzte Dampfschiffe, darunter\ndrei der grössten Schleppdampfer, deren jeder an 800 bis\n1000 Menschen an Bord hatte, fuhren mit ihren Sänger-\nchören und den trefflichen Musikcorps der österreichischen,\npreussischen und hessischen Regimenter, das elegante Für-\nstenschiff voran, auf welchem der Grossherzog mit seiner\nGemahlin, dem Könige von Baiern und Gefolge sich be-\nfanden, nach dem Rheingau hinunter, machten verschie-\ndene Evolutionen, die sie bald neben, bald abwechselnd\nvor und hinter einander brachten, legten in der Nähe des\nJohannisberges bei und eröffneten eine viertelstündige Ka-\nnonade, die glücklicher Weise nur durch Donner und\nDampf ein Seetreffen vorstellte, und fuhren dann unter\nimmerwährend steigenden Raketen und Leuchtkugeln nach\nMainz zurück, wo man erst nach neun Uhr wieder ankam.\nAber die Ausschiffung der Tausende von Theilnehinern\ndauerte trotz der bequemen Landungsbrücken doch bis\ngegen zehn Uhr. Man kann sich leicht vorstellen, dass\neine solche Zugabe zu einem Musikfeste eben so eigen-\ntümlich, als unerwartet und erfreulich war.\nMöge dieser Geist, der die Liebe und den Fleiss und\nden Ernst, mit denen man der Kunst huldigt, auf so ge-\nschickte und allgemein befriedigende Weise mit dem volks-\ntümlichen festlichen Leben und Treiben zu verbinden\nweiss, in dem neuen musicalischen Städtebunde am Mittel-\nrheine, der durch die Feier von 1860 die erste vierjährige\nPeriode seiner Musikfeste vollendet hat (Darmstadt 1856,\nMannheim 1857, Wiesbaden 1858 im vorigen Jahre\nfiel das Fest wegen des Krieges in Italien aus), noch recht\nlange, wo möglich, auf immer, verbleiben und nicht nur\nals eine vergängliche Blüthe der ersten Jugend des Bundes\nder Geschichte anheimfallen!\nAm zweiten Festtage brachte das Programm des Con-\ncertes: 1. Ouvertüre und eine Reihe von Scenen aus\nder Oper Alceste von Gluck; 2. ohne In-\nstrumental-Begleitung von Palestrina; 3. Ave verum\ncorpus von W. A. Mozart; 4. Sinfonie in Nr. V.\nvon Beethoven. Zweite Abtheilung: Die erste Wal-\npurgisnacht von Göthe, Musik von F. Mendelssohn-\nBar t h o 1 d y.\nWenn der Opernmusik auf grossen Musikfesten ein\nPlatz eingeräumt werden soll, so darf es natürlich nur\nsolche sein, die das wahre Gepräge der Classicität trägt\nund die man auf den Bühnen selten oder gar nicht mehr\nhört. Beides ist bei den Gluck'schen Operri und nament-\nlich bei der Alceste der Fall, die selbst in Berlin, wo die\nkönigliche Bühne lange Zeit noch die einzige Freistatt für\ndiese Meisterwerke war, seit dem Scheiden der Milder-\nHauptmann nicht mehr gegeben worden ist. Ausser diesen\nbeiden Bedingungen scheint uns aber auch eine dritte we-\nsentlich, nämlich die, dass, da man doch nicht wohl ganze\nOpern geben kann, die ausgewählten Stücke ein Ganzes\nbilden, welches den Inhalt des Drama's mit leichten Er-\ngänzungen, die das Textbuch geben müsste,im We-\nsentlichen darstellen. Ein Anfang dazu, der jedoch keines-\nwegs genügt, war hier durch die „Vorbemerkung\" im\nTextbuche gemacht. Bei allen aufgenommenen Stücken\nmüsste auch Act und Nummer der Partitur angegeben\nwerden.\nDie hier getroffene Zusammenstellung von Scenen\nbrachte den ersten Act fast ganz (die Nummern 3 7,\n12—15), also hauptsächlich die grossen Recitative und\nArien der Alceste; vom zweiten Acte die Nummern 4 9,\nwobei namentlich die Tenor-Partie des Admet berücksich-\ntigt worden. Von da fand aber ein starker Sprung auf die\nErscheinung des Apollo und den Schlusschor der Oper\nStatt, wodurch die glückliche Wendung des Ganzen ohne\nalle Motivirung eintritt. Eine noch grössere Verkürzung\n(als sie schon Statt fand) des langen recitativischen Dialogs\nzwischen Admet und Alceste dürfte für die Aufnahme we-\nnigstens der einen Arie des Hercules Raum geschafft ha-\nben, deren Inhalt einen vermittelnden Uebergang gebildet\nhaben würde.\nFrau Dustmann-Meyer sang die Recitative und\nArien der Alceste sehr schön, mit edelstem dramatischem\nAusdruck, und Herr Schnorr von Carolsfeld zeichnete\nsich im zweiten Acte besonders im Vortrage der Arien\naus, der ihm begeisterten Applaus brachte.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "254", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.2.3", "titre_corps": "Pressel's neue Oper: „Die St. Johannisnacht“", "titre_sommaire": "Pressel's neue Oper: „Die St. Johannisnacht“", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.4", "debut_caractere": 4342, "fin_caractere_exclue": 4966, "texte": "Pressel's neue Oper: „Die St. Johannisnacht“\n„Die St. Johannisnacht\", romantische Oper von Gu-\nstav Pressel, wurde zuerst am 24. und dann am 27.\nJuni in Stuttgart aufgeführt. Die Spannung auf dieses\nWerk war im Publicum keine geringe. Der Componist, der\nüberdies auch der Verfasser des Textbuches ist, gehört\neiner ziemlich bekannten würtembergischen Familie an;\ner ist im Lande geboren, erzogen und gebildet—Schwabe\nim vollen Sinne des Wortes. Die Aufführung einer älteren,\nnur hier unbekannten Oper ist etwas ziemlich Seltenes;\ndie Aufführung einer neuen, anderswo noch nicht gehör-\n\n*) Aus den Wiener Recensionen, Nr. 29."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5605, "texte": "ten Oper ist ein merkwürdiges Ereigniss; aber die Auffüh-\nrung eines neuen, noch nirgends bekannten, \\on einem\nSchwaben in Schwaben componirten Werkes, dessen Text\nebenfalls vom Componisten herrührt das ist etwas nicht\nDagewesenes. Und wie hinderlich war es bis jetzt Herrn\nPressel mit seiner Oper gegangen! Längst zur Darstellung\nangenommen, sollte die erste Aufführung im April Statt\nhaben, unter Mitwirkung aller ersten Kräfte in den grös-\nseren und kleineren Partieen. Aber im Buche des Schick-\nsals war es anders beschlossen. Auf Allerhöchsten Wunsch\nwurden vor der Pressel'schen Oper Nicolai's „Lustige Wei-\nber\" sludirt; damit ging der April vorüber und Pischek,\nder in jener die Hauptrolle singen sollte, in Urlaub. Im\nMonat Mai ging es endlich an die Proben, aber es stellte\nsich heraus, dass Mad. Marlow und Herr Sontheim,\nwelche die kleinen Partieen zu übernehmen versprochen,\nfür Anfang Juni Urlaub erhalten hatten, und da man sich\nnicht beeilte, die Oper bis dahin herauszubringen, somussle\neine andere Besetzung erfolgen. Endlich, Anfangs Juni,\nnoch ehe die halbe Stadt auf das Land geflogen, hoffte\nman die erste Aufführung zu ermöglichen; da erkrankte\nHerr Schütky, der indessen an Pischek's Stelle getreten\nwar, und es trat noch eine Verzögerung ein, in deren\nFolge das Werk denn, wie ich schon mittheilte, erst ganz\nam Ende der Saison zur Darstellung kam. Alle vorerwähn-\nten Umstände aber, statt, wie vielleicht Mancher befürchtet\nhatte, der Novität zu schaden, nützten ihr im Gegentheil\nbeim Publicum. Es war viel die Rede von der Sache; man\nfand es auffallend, dass gerade bei dem Producte eines\nLandsmannes so viele Hindernisse auftauchen, während\ndoch, wenn es sich um die Importirung fremder, oft sehr\nmittelmässiger Waare handle, alle Umstände leicht und\nschnell beseitigt würden, und wenn die Leute in einem\nfast überdies (wie hier durch die Landsmannschaft) gut\nempfohlenen Manne mit Recht oder Unrecht einen Zurück-\ngesetzten sehen, dann hat derselbe gewonnen Spiel.\nDieses musste ich Ihnen vorausschicken, um die Er-\nscheinung zu erklären, dass die „St. Johannisnacht\" einen\nfast beispiellosen Success gehabt, einen Erfolg, der selbst\ndurch den Umstand nicht beeinträchtigt wurde, dass die\nbeiden ersten Aufführungen an zwei wunderschönen Aben-\nden Statt fanden. Dabei will ich jedoch nicht in Abrede\nstellen, dass das Werk selbst so angelegt ist, um einer gün-\nstigen Aufnahme wenigstens bei uns sicher zu sein. Man\nmuss Herrn Pressel zugestehen, er kennt seine Leute. Der\nSchwabe ist leidenschaftlicher, enthusiastischer Verehrer\nvon Liedern, namentlich von solchen, die in einem gewis-\nsen elegischen, ans Sentimentale streifenden Tone gehalten\nsind. Diese Vorliebe wird durch unsere Sänger-Gesellschaf-\nten, Liederkränze und Concerte genährt, und auch die Mit-\nGlieder unserer Oper kennen dieselbe so genau, als mög-\nlich. Herr Pressel nun hat sich einen Text geschrieben,\ndessen Mittelpunkt ein Lied bildet, das die aus Liebesgram\nverstorbene Geliebte des Uaupthelden oft gesungen haben\nsoll. Dieses Lied, das bekannte „Mei Mutter mag mi net\",\nist mehrfach in Musik gesetzt worden, unter anderen auch\nvor etwa zehn Jahren von Herrn Pressel selber, und seine\nComposition desselben bildet nun das Haupt-Motiv der\nOper, ähnlich wie „die letzte Rose\" in der „Martha\". Aber\nnicht genug damit. Herr Pressel hat auch andere, früher\nvon ihm componirte Lieder in die Oper herübergenommen,\nder Melodie aber andere, der Handlung entsprechende\nWorte unterlegt, was zwar Manchem als ein etwas küh-\nnes Treiben erscheinen wird, aber das Publicum nicht\nhindert, wie toll Beifall zu klatschen. Und um den Beifall\nscheint es Herrn Pressel vor Allem zu thun gewesen zu\nsein, was wir bei einem Anfänger, der sich zunächst einen\nNamen machen will, sehr wohl begreifen. Ausser den frü-\nher vor» ihm componirten Liedern befinden sich aber auch\neinige neue in der Oper, die mit den früheren das gemein\nhaben, dass sie ausserordentlich melodiös sind und gleich\nbeim erstmaligen Anhören ins Ohr fallen. Diese Lieder\nnun sind sämmtlich echt deutsch, d. h. es herrscht in ihnen\nder Ton vor, der auf das Gemüth wirkt, und desshalb\npacken sie den Hörer, besonders den schwäbischen, dessen\nVorliebe dafür ich schon erwähnte. In so fern nun die\n„St. Johannisnacht\" reich an Liedern ist, die theils von\nEinzelnen, theils vom Chor gesungen werden, in so fern\nein deutsches Lied das Haupt-Thema bildet, und in so fern\nendlich die dem Texte zu Grunde liegende Idee eine echt\ndeutsche ist (dass nämlich getäuschte Liebe im Grabe keine\nRuhe finde, und in der Nacht von St. Johannis die Geister\nder treulos Verlassenen zurückkehren): in so fern kann man\ndie Oper der Hauptsache nach eine deutsche nennen. Das\nschliesst aber nicht aus, dass die Ouvertüre französisch\nklingt und einige Nummern (besonders ein Duett und eine\nTenor-Arie) ganz im italiänischen Stile geschrieben sind.\nAlles in Allem hat Herr Pressel gezeigt, dass er musicali-\nsche Gedanken hat, in einigen, doch nur in einigen, Num-\nmern liess er uns sogar ein dramatisches Feuer erkennen,\naber bis jetzt vermag er noch nicht, ein dramatisches\nKunstwerk zu schaffen, weil er es nicht versteht, Charak-\ntere musicalisch zu bearbeiten, und weil er von der Art\nund Weise, wie Ensemblestücke, Finales und dergleichen\ngemacht werden müssen, noch keinen Begriff zu haben\nscheint. Die „St. Johannisnacht\" hat überhaupt nur ein\nFinale, das des ersten Actes, und dieses ist matt, ohne\nFeuer und effectlos. Der zweite Act schliesst mit einem\nwirklich gelungenen Terzett, der dritte mit einem Melo-\ndram, das völlig unbefriedigt lässt und in dem Zuhörer und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2146, "texte": "Zuschauer unwillkürlich die Meinung erwecken muss, Herr\nPressel sei nicht im Stande gewesen, einen angemessenen\nmusicalischen Schluss zu schreiben, obschon der Text ihm\nalle Veranlassung gegeben und die Situation fast notwen-\ndig etwas Anderes verlangt hätte. Originel ist Herr Pressel\nnicht; Alles schon da gewesen, bis auf die häufige Anwen-\ndung des Blechs bei der Instrumentation, welche letztere\nübrigens effectvoll ist. Der Text gehört nicht zu denen, die\nvöllig unsinnig sind, er hat sogar einen poetischen Grund-\nzug; allein im Einzelnen muss man sich denn doch Man-\ncherlei gefallen lassen. So erscheint im letzten Acte der\nGeist des vom Haupthelden Oswald verlassenen Mädchens\nund befreit diesen aus dem Kerker; wenige Augenblicke\nnachher erscheint aber ein lebendes Mädchen, das ihn liebt\nund das in der Gestalt dieses Geistes ihn retten wollte. Der\nMoment, als sie den Kerker leer findet und den rechten\nund gerechten Geist leibhaftig vor ihrem Geliebten her-\nschreiten sieht, ist mehr lächerlich als ergreifend. Das Pu-\nblicum war nun aber keineswegs unserer Ansicht; es zeich-\nnete beinahe durchgängig alle Nummern mit enormem\nBeilall aus, rief Herrn Pressel mehrfach hervor, und man\nkann selbst von Gebildeten ganz unverhohlen die Behaup-\ntung hören, das sei denn doch einmal ein Werk, das Jeder\nverstehe, und aus dem man etwas mit nach Hause bringe.\nFreilich sind dies dieselben, die in der „Zauberflöte\" das\nVogelfängerlied und im „Don Juan\" den Menuett für das\nBeste halten.\nHerrn Pressel gönnen wir gern seinen Erfolg. Möge\ner nur nie vergessen, dass er denselben nicht ausschliess-\nlich dem inneren Werthe seines Werkes verdankt, sondern\nzum Theil solchen Umständen, die wir auf gleiche Stufe\nstellen mit der fast so sehr beliebten Reclame. Die Auf-\nführung war zum Theil recht lobenswerth. Chöre und Or-\nchester waren sichtlich bestrebt, ihrerseits zum Erfolg bei-\nzutragen, und die Intendanz hat jedenfalls an dieser Oper,\nfür deren äussere Ausstattung sie keinen Groschen ausge-\ngeben, einen besseren Fang gemacht, als an mancher an-\nderen, für deren Inscenirung Tausende recht eigentlich\nzum Fenster hinausgeworfen werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.2.4", "titre_corps": "Ueber den Katalog von Schumann's Werken.", "titre_sommaire": "Ueber den Katalog von Schumann's Werken.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.6", "debut_caractere": 2148, "fin_caractere_exclue": 5242, "texte": "Ueber den Katalog von Schumann's Werken.\nAn dem „Thematischen Verzeichnisse sämmt-\nlicher in Druck erschienener Werke Robert Schu-\nmann's\", Leipzig, bei J. Schubert & Comp., Preis 3\nThlr. (!), vermisst Dr. Ed. H.(anslik) in Nr. 28 der Deut-\nschen Musik-Zeitung in Wien zuerst, dass es nicht ganz\nvollständig ist. „Die in Wien wiederholt aufgeführten\nChöre: Die Nonne, Das Schifflein, Der Gänsebube, Der\nSchmied u. A., fehlen. Die erste Eigenschaft jedes Kata-\nlogs ist aber Vollständigkeit. Dieser Vollständigkeit zu Liebe\nhätte der Verleger ohne Weiteres die Herausgabe des\ngesammten Nachlasses abwarten oder wenigstens ein ge-\nnaues Verzeichniss desselben sich verschaffen sollen.\n„Ferner vermisst man schmerzlich bei den Vocal-Com-\npositionen die Namen der Dichter. Die Verlagshandlung\nhat hierin leider den Mendelssohn-Katalog sich zum Vor-\nbilde genommen, welcher ausser den Dichternamen über-\ndies noch die Dedicationen unterdrückt. Bei Componisten,\nwelche ihren poetischen Honig mit so wählerischer Ein-\nsicht sammelten, wie Mendelssohn und Schumann,\nist diese Kenntniss von Belang. Die Dichternamen gehören\nzur Charakteristik jedes grossen Lieder-Componisten. Am\nallerwenigsten durften sie bei ganzen Lieder-Cyklen des-\nselben Dichters fehlen. Es ist unverzeihlich, wenn ein Ka-\ntalog so hervorragende und durch die Persönlichkeit des\nPoeten so schlagend charakterisirte Liedergruppen wie den\nEichendorff'sehen Liederkreis, Op. 39, oder den Hei-\nne'sehen (Op. 24) einfach als „ „Liederkreis'\"' anführt,\nbei dem Cyklus „ „Frauenliebe und Leben\"\" den Namen\nChamisso's, bei dem „ „Minnespiel\"\" jenen Rückert's\nverschweigt. Ja, diese Abneigung gegen alle Dichter ver-\nleitet die Verlagshandlung mitunter zu offenbaren Fälschun-\ngen der Titel. So heisst z. B. Scbumann's 35. Werk\nkeineswegs „ „Liederreihe\"\", wie der Katalog fabelt, son-\ndern „ „Zwölf Gedichte von Justinus Kerner\"\". Was\nder Katalog schlechtweg als „„12 Lieder\"\" verzeichnet\n(Op. 37), führt in Wirklichkeit den Titel: „ „Zwölf Ge-\ndichte aus Rückert's Liebesfrühling von Robert und\nClara Schumann\"\". Schumann hat keine Novellen\nOp. 21 geschrieben, wie der Katalog meint, sondern „ „No-\nveletten\"\". Von Druckfehlern wie das wiederholte „„He-\ntarte\"\", statt Astarte u. dgl., wollen wir kein Aufhebens\nmachen, so leicht sie bei einiger Sorgfalt zu vermeiden\nwaren.\n„Zu einem unschätzbaren historischen Documenle\nwürde ein solcher Katalog, wenn jedem Werke zugleich\ndie Jahreszahl des Erscheinens beigefügt wäre. Auf den\nNotenheften selbst dürfte diese Einführung so lange ein\nfrommer Wunsch bleiben, als die Rücksicht auf Mode und\ni\nSpeculation dem wissenschaftlichen Interesse vorangeht;\nallein ein Gesammt-Katalog sollte wohl durch diesen leicht\nherzustellenden Nachweis geziert und vervollständigt sein*).\nVon einer Publication, welche (bei übrigens geringer in-\nnerer Schwierigkeit) so viel Fleiss und Müsse erheischt,\nwie ein Themen-Katalog, erwartet man mit Recht etwas\n\n*) Seit Jahren auch von uns hei den Anzeigen der Kataloge von\nBeethoven, F Schubert, F. Mendelssohn u. s. w. beantragt,\naber vergebens! Die Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4093, "texte": "Tadelloses, ganz abgesehen von dem hohen Preise, wel-\ncher dem Käufer überdies ein materielles Recht zu solcher\nErwartung gibt.\"\nUeber das Verhältniss Schumann's zur Programm-Mu-\nsik äussert sich Ed. H. am Schlüsse des Aufsalzes sehr\nrichtig: „Der poetischen Anregung, die ihm etwa von aus-\nsen kommt, öffnet Schumann sich willig, allein nie verfällt\ner der Thorheit, den Gegenstand dieser Anregung zum\nProgramm zu erheben. „„Man irrt gewiss,\"\" schreibt\ner selbst, „ „wenn man glaubt, die Componisten legten sich\nFeder und Papier in der elenden Absicht zurecht, Dies\noder Jenes auszudrücken, zu schildern, zu malen*);\ndoch schlage man zufällige Eindrücke und Einflüsse von\naussen nicht zu gering an.\"\" „„Ein nicht gutes Zeichen\nfür die Musik bleibt es immer, wenn sie einer Ueber-\nschrift bedarf; sie ist dann gewiss nicht der inneren\nTiefe entquollen, sondern erst durch irgend eine andere\nVermittlung angeregt. Dass unsere Kunst gar Vieles aus-\ndrücken, selbst den Gang einer Begebenheit in ihrer\nWeise verfolgen könne, wer wird es läugnen? Die aber,\nwelche die Wirkung und den Werth ihrer so entstande-\nnen Gebilde prüfen wollen, haben eine leichte Probe, sie\nbrauchen nur die Ueber Schriften wegzustreichen.\"\"\nMan mache mit Schumann'schen Stücken, z. B. mit den\nPhantasiestücken oder den Waldscenen diese Probe, und\nes wird ohne den Titel jedenfalls ein in sich einheitliches,\nohne Weiteres verständliches, musicalisch schönes Tonstück\nbleiben. Das Gegenstück hierzu, Instrumental-Compositio-\nnen „neudeutscher\" Factur, denen mit ihrem Titel und\nProgramm jeder Schein logischen Zusammenhanges ge-\nnommen ist, brauchen wir den Lesern einer Musik-Zeitung\nnicht erst namhaft zu machen. Auch ist nicht zu vergessen,\ndass Schumann zwar Ueberschriften über kleineren\nStücken anwandte (denn solche lassen der Phantasie des\nHörers noch immer ziemliche Freiheit), allein niemals ein\nförmliches Programm, welches das Verhalten des Hörers\nSatz für Satz, wenn nicht gar Tact für Tact mit sclavi-\nscher Engherzigkeit vorzeichnet. Von dieser Seite also wer-\nden die Zukunftsmusiker niemals ein Recht ableiten kön-\nnen, Schumann's Namen auf ihr Banner zu setzen. Ein\nCoincidenzpunkt, in welchem Schumann mit der Zukunfts-\nmusik, speciel mit Richard Wagner, zusammentrifft, ist\nallerdings vorhanden, allein er liegt unseres Erachtens ganz\nwo anders, nämlich in der Oper Genovefa. In diesem\nmit grösster Hingebung gearbeiteten Werke legte Schu-\nmann das Hauptgewicht mit einer oft peinlichen Absicht-\nlichkeit auf den dramatischen Ausdruck. Die einzel-\nnen Nummern begeben sich ihrer Abgeschlossenheit und\nfliessen unmittelbar in einander über; die üblichen festen\nFormen sind (mit Ausnahme einiger Lieder und Chöre)\nvermieden, so dass jeder Act beinahe wie Ein grosses Fi-\nnale sich darstellt. Da Schumann sich Jahre lang mit die-\nser Oper trug, ist es schwer zu sagen, in wie fern vielleicht\nR. Wagner's Beispiel darauf Einfluss hatte; immerhin kann\nder „Tannhäuser\", dessen Aufführung in Dresden 1844\nund 1845 Schumann beiwohnte, einen bestärkenden Ein-\nfluss auf die in Schumann schon schlummernde Idee geübt\nhaben. Diese (unglückselige) Idee von der Entfernung des\nRecitativs und der Auflösung der compacten Musikformen\nin gleichmässig fortspinnende Arioso's hatte Schumann be-\nkanntlich schon in seiner „Peri\" (1843—44) freilich mit\nungleich musicalischerem Sinne ausgeführt. Immerhin er-\nscheint durch die Uebertragung dieses Stils auf die Bühne\n„Genovefa\" als dasjenige Werk Schumann's, welches den\nZukunftsmusikern ein scheinbares Recht gibt, diesen Mei-\nster zu den Ihrigen zu zählen, was bekanntlich mit grossem\nEifer versucht wird. Der Musiker braucht indess nur ein\nbeliebiges Stück aus der „Genovefa\" zu lesen, um zu er-\nkennen, wie hoch der musicalische Theil dieser Oper über\nder Musik Richard Wagner's steht.\"\n\n*) So allgemein, wie Schumann dieses ausspricht, können wir ihm\nnicht beipflichten. Es gibt leider Componisten, die wirklich so\nverfahren und sich sogar darauf etwas zu Gut thun Dass ihre\nAbsicht alsdann eine „elende\" ist, damit sind wir vollkommen\neinverstanden. Die Redaction,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.7", "debut_caractere": 4095, "fin_caractere_exclue": 5678, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Capellmeister F. Hiller wird auf wiederholte Einla-\ndung des Comite's des niederländischen Musikfestes der\nMaatschappij tot Beeordering der Too(den 9.—11. August) nach\nArnheim gehen, um dort die Aufführung seiner „Lorelei\" zu\ndirigiren.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesell-\nschaft borten wir zwei recht interessante symphonische Bearbei-\ntungen zweier Sonaten für Ciavier und Violine von Beethoven\n(Op. 30, Nr. 3, G-dtir,in Druck erschienen bei Heinrichshofen in\nMagdeburg, Preis in Stimmen 3 Thlr. 10 Sgr. und Op. 12, Nr.\n3, Es-dur, Manuscript) von Hubert Eies, die mit grossem Bei-\nfall aufgenommen wurden. Lässt man das Princip solcher Bearbei-\ntungen einmal gelten, das freilich vor dem strengen Richterstuhle\nder Kunst kaum bestehen dürfte, so sind diese Uebertragungen von\nH Ries von ähnlichen Arbeiten, die wir kennen gelernt haben, die\nbesten; sie sind mit grosser Geschicklichkeit und Orchesterkenntniss\ngemacht und bieten oft ganz überraschende Wirkungen dar. Die\nSchlusssätze dürften sich in der Sinfoniefassung am besten ausneh-\nmen Im Ganzen geben wir der Bearbeitung der den\nVorzug; die Es-dur-Sonate hat namentlich in ihrem ersten Satze\ndoch einen zu entschiedenen Solo-Charakter für beide Instrumente.\nIn dem Freitags-Concert der Dick opf sehen Capelle unter Di-\nrectum des Herrn Peters wurde eine Ouvertüre von Schin-\ndelmeisser über Silcher's Melodie zu Heines „Lorelei gespielt,\nwelohe, ohne grosse Ansprüche zu machen, ein recht artiges Gele-\ngenheitsstück ist und den Instrumental-Vereinen, da die Ausführung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3748, "texte": "nicht schwer ist und keine grosse Orchesterbesetzung erfordert, will»\nkommen sein wird.\nSignora Ristori hat hier zwei Vorstellungen gegeben, die Me-\ndea und die Maria Stuart. Die grosse Künstlerin hat das kleine\nPublicum, das im Theater anwesend war, entzückt und begeistert,\nund die Erfahrung mitgenommen, die wir längst gemacht haben, dass\nder bei Weitem grösste Theil der Bevölkerung von Köln keinen\nSinn für das recitirende Drama als Kunstwerk hat. Und für die\nOper? Ei nun: die treffliche italiänische Operngesell-\nschaft des Herrn Merelli hat nach ihrer Rückkehr von Frank-\nfurt am Main wieder drei Vorstellungen gegeben: den Barbier von\nSevilla, Die heimliche Ehe von Cimarosa, Don Pasquale\nvon Donizetti, wird aber Sonntag den 5. August mit Lucrezia\nBorgia schliessen. Trotz der vortrefflichen Leistungen der einzel-\nnen Künstler, der Damen Lorini-Mariani, Vietti und Isabella\nlncli, der Herren Galvani, dessen Vortrag der Serenade für\nTenor in Don Pasquale allein alle Welt entzücken muss, Squar-\ncia (Bariton) und Mazetti (Bass-Buffo), und des ausgezeichneten\nZusammenspiels aller, trotz des allgemeinen Beifalls bei Musikern\nund Dilettanten war das kleine, aber sehr hübsche Theater in*der\nSchildergasse doch niemals auch nur halb besetzt! Und Köln\nwill ein Theater bauen, das 1800—2000 Zuschauer fassen soll!!\nFür wen??\nllegensl)Ul% im Juli. Ueber Kirchenmusik. Da über\ndie Beschlüsse des Provincial-Conciliums zu Wien im Jahre\n1858, die sich auf Kirchenmusik beziehen, seither viel Irrthiimliches\nund Ungehöriges in den öffentlichen Blättern verbreitet worden ist,\nso folgt hier der Inhalt derselben aus den jetzt veröffentlichten Acta\net Decretci des Concils. Hier heisst es S. 121 in dem Capitel De\ncantu ecclesiai tico et Musica nach einer aus der biblischen Geschichte\ndes alten Testaments geschöpften Beweisführung für den Gebrauch\ndes Gesanges und der Musik beim Gottesdienste und ihre Herüber-\nziehung in die heilige Liturgie der Kirche unter Anderem: „ Vocum\nmodulatio et organorum (d. h. die Musik der Stimmen und Instru-\nmente) sollen bewirken, dass der Sinn für die heiligen Worte hö-\nher sich schwinge, dass sie tiefer und inniger auf Herz und Seele\neinwirken. Alles Weltliche und Theatralische, das mehr zur Er-\nweckung und Nährung sinnlicher Leidenschaften als der heiligen\nLiebe diene, solle ausgeschlossen bleiben. Eben so dürfe der Gesang\nbei den heiligen Geheimnissen nicht zu einem profanen Schauspiel\ndienen. Da die Laien nicht gut vom Chor entfernt werden können,\nsollen doch solche fern gehalten bleiben, deren Kuf irgendwie be-\nfleckt ist. Schulen zur Heranbildung von kirchlichen Sängern, wenn\nsie rile geordnet sind, befördern sehr die Zierde des göttlichen Cul-\ntus; daher sollen sie, wenigstens an Kathedralkirchen, wo sie auch\nschon sind, vergrössert, wo sie fehlen, eingerichtet werden.\"\n\"Wi©Ä. Der als Componist bekannte Musicalienhändler in Graz,\nKarl Evers, erhielt für die Widmung seines Werkes „Chansons\nd'amour* von dem Sultan das Officierskreuz des Meilschidie-Ordens,\nwelches ihm durch die k. k Österr. Internunciatur zugeschickt wurde.\nIPe!ea*sl39SLFg. In den kaiserlichen Theatern werden sämmt-\nliche Orchester nach der neuen französischen Normal-Stimmgabel\neingerichtet. Am 1. September tritt diese neue Einrichtung ins Le-\nben, und General Lwoff erhielt vom Kaiser die Summe von 4-%000\nFrcs. zur Vertheilung an die Musiker behufs Anschaffung jener In-\nstrumente, welche die neue Maassregel erfordert. Das Theater der\nGrossherzogin Marie, ehemals Thedtre du iirque, ist nunmehr fast\nvollendet. Dem Vernehmen nach soll es zunächst für die Aufführung\n„russischer Opern\" bestimmt sein. „Der Gefangene im Kaukasus\",\ndas Erstlingswerk des Garde-Officiers Kui, soll die Eröffnungs-\nVorstellung bilden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas vierte mittelrheinische Musikfest. PresseFs neue Oper: »Die St. Johannisnacht«. Ueber den Katalog von Schü-\nmanns Werken. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Capellmeister F. Hiller Musicalische Gesellschaft Dickopf'sche\nCapelle Signora Ristori Regensburg, Ueber Kirchenmusik Wien Petersburg).\n\nDas vierte miţelrheinische Musikfest.\nIm vorigen Jahre war das vierte Musikfest des Bun-\ndes der mittelrheinischen Städte Darmstadt, Mainz, Mann-\nheim und Wiesbaden der kriegerischen Zeit wegen ausge-\nsetzt worden; im gegenwärtigen wurde es mit grossem\nGlänze an den Tagen des 21.—24. Juli in Mainz ge-\nfeiert, unter einem Zuströmen von Fremden und in einer\nfestlichen Stimmung, wie sie bei den Bewohnern der Gaue\nam Mittelrheine sich durch die allgemeine Theilnahme al-\nler Stände und die heitere Lebenslust, die ihnen eigen ist,\nweit eher als irgendwo anders erzeugt und erhält.\nDie Hauptprobe zum ersten Festtage fand Samstag\nNachmittags um 3 Uhr Statt. Es herrscht nämlich hier der\nBrauch, alle Proben und auch die Concerte an den Musik-\nfesttagen bis 6 Uhr zu beendigen, worauf man dann die\nSommerabende zu geselligen Vereinen und zum Genuss\nder Natur in den schönen Umgebungen der Festorte völlig\nfrei hat.\nDie Fruchthalle, eines der grössten Gebäude dieser\nArt in Deutschland, im Jahre 1839 von Geier erbaut,\numfasst einen inneren Baum von 157 Fuss Länge, 111\nFuss Breite und 56 Fuss Höhe (die letztere in der Mitte\nbis zur First des Daches gemessen). Dieser gewaltige Baum\nwar durch die Legung eines Fussbodens, die Einrichtung\neiner Galerie auf beiden Langseiten und auf der einen\nQuerseite, deren Mitte die grosse herrschaftliche Loge ein-\nnahm, und den Emporbau einer Stufenbühne für den Chor\nund das Orchester zu einem grossartigen Concertsaale ein-\ngerichtet.\nDen imposantesten Anblick gewährte die Orchester-\nbühne, welche fast den halben Saal einnahm und dicht\nbesetzt war. Die Verzierung derselben durch Blumen und\nblühende Sträucher in Töpfen war einfach und geschmack-\nvoll und keineswegs durch Ueberladung hinderlich.\nIn der Probe fanden und begrüssten sich eine Menge\nvon Künstlern und Dirigenten von nah und fern. Wir sa-\nhen unter Anderen die Herren Capellmeister und Musik-\nDirectoren Hill er aus Köln, Taubert und Stern aus\nBerlin, Schindeime isser und Mangold aus Darmstadt,\nKuhn aus Mannheim, D rouet aus Coburg,Lenz aus Co-\nblenz, Beiss aus Kassel, Hagen aus Wiesbaden, Giehne\naus Karlsruhe, Boch aus Heidelberg, B. Scholz aus Han-\nnover, G. Schmidt, Bühl, Aloys Schmitt und Gel-\niert aus Frankfurt a. M., Joachim aus Hannover, J.\nBaff, die Pianisten Alfred Jaell, Paur aus London,\nBrahms aus Hamburg, Ascher und Gernsheim aus\nParis, Pall at und W ü 1 finghof aus Wiesbaden, die Com-\nponisten M. Bruch aus Köln, Levy aus Saarbrücken, die\nViolonisten Ell er aus Pau an den Pyrenäen, Oechsner\naus Havre de Grace, den Sänger Stockhausen u. s. w.\nVon der Schar der Ausführenden, welche die Orche-\nsterbühne füllte, mag man sich durch folgende Tafel eine\nVorstellung machen:\nIJebersiclit «ler Stimmen«\nStädte.\n1. Darmstadt. *\na. Harm. Sängerkranz\nb. Mozart-Verein\nc. Musik-Verein\n2. Castel.\nGesang-Verein\n3« Mainz.\nci. Damen-Gesangv. und Liedertafel.\nb. Frauenlob\nc. Kirchenmusik-Verein\nd. Liederkranz\ne. Männergesang-Verein\nf. Gymnasiasten\ng. Realschüler\n4. Mannheim.\nMusik-Yerein\n5. Wiesbaden.\na. Cäcilien-Verein\nb. Männergesang-Yerein\n6. Worms*\nGesang-Verein\nSämmtliche Städte....\nSopran Alt Tenor Bass Summa\n— —\nj — — 22 13 35\n17 9fi 4.-:5\n38 24 20 26 108\n- — 13 12 25\n64 51 40 89 244\n— — 13 18 31\n21 5 16 28 70\n_ _ 14 26 40\n— — 20 37 57\n- 37 — - 37\n- 32 - — 32\n21 12 18 22 73\n42 23 19 29 113\n— — 13 17 ; 30\n14 8 10 13 45\n200 | 192 | 235 | 356 ] 983"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.2", "texte": "Man darf diese nahe an 1000 betragende Zahl der\nSänger nicht nach demselben Maassstabe auf die wirklich\nAnwesenden zurückführen, den man bei unseren nieder-\nrheinischen Musikfesten anzulegen gewohnt ist; denn bei\nder am Mittelrhein herrschenden Gastfreiheit, durch welche\nsämmtliche Sängerinnen und Sänger in Privathäusern\nfreundschaftlich aufgenommen werden, wo sie Nachtquar-\ntier und Frühstück, zu grosser Zahl aber auch vollständige\nBewirthung finden, bleibt Niemand von den Angemeldeten\nzurück, wenn nicht Unwohlsein oder plötzliche ernste Ver-\nhinderungen ihn zurückhalten.\nSo waren denn nach einer Ueberschau am ersten Con-\ncert-Abende über 900 wirklich „klingende Stimmen\",\nwie man von der Orgel sagt, in dem Sängerchor zu Mainz\nvorhanden. Dass dieses Mal auch die Stadt Worms ihr\nContingent gesandt hatte, ersieht man aus der vorstehen-\nden Uebersicht.\nDas Orchester bildeten die drei Hofcapellen von Darm-\nstadt, Mannheim und Wiesbaden und die städtische Ca-\npelle von Mainz, mit Hinzuziehung einzelner vorzüglicher\nKünstler aus anderen Städten. Unter den Violinisten be-\nfanden sich die Herren Strauss aus Frankfurt, Koning aus\nMannheim, Baldenecker aus Wiesbaden, Wipplinger aus\nKassel u. s. w. Ausgezeichnet waren die Bässe, die Blas-\ninstrumente durchweg gut; die Verdoppelung der Posau-\nnen dürfte überflüssig gewesen sein.\nSchon die Abholung der Sänger, die von Darmstadt,\nMannheim, Worms und Wiesbaden ankamen, durch\nDampfschiffe, dann die Bewillkommung im alten kurfürst-\nlichen Schlosse, die überreich und sehr geschmackvoll mit\nunzähligen Fahnen, Laubgewinden und Blumen-Ausstellun-\ngen geschmückten Strassen, in denen auch die kleinsten\nHäuser durch bekränzte Bilder oder in grossen Lettern\nprangende Namen den Meistern Händel, Gluck, Mozart,\nBeethoven u. s. w. huldigten, dabei die Menge von fröh-\nlichen Zuschauern auf den Strassen und an allen Fenstern\nbei dem Zuge aller Singvereine zusammen nach der Frucht-\nhalle, zeigten die grossarligen und vortrefflichen Fest-An-\nstalten der Stadt Mainz, und Alles bekundete eine festliche\nStimmung, wie sie in solcher mit Anstand freien und froh\ngemüthlichen Art sich so leicht nur bei den Bewohnern\ndes Mittelrheines erzeugt, die durch das bunte Treiben\nund rührige Fremdenleben in ihren Gauen auf beiden\nUfern zwischen dem Taunus und dem Donnersberg eben\nso sehr, wie durch ihren lebhaften und für heitere Lebens-\nlust empfänglichen Charakter daran gewohnt sind, sich\naus vielen Dingen ein Fest zu machen, bei welchen der\nNordländer erst prüft und überlegt, ob es auch convenienz-\nund standesmässig sei, sich daran zu ergötzen.\nDas Musikfest fand daher, von schönem Wetter aus -\nnahmsweise gegen die vorhergehenden und folgenden Tag e\nbegünstigt, hier eine überaus zahlreiche Theilnahme als\nein Volksfest, bei welchem die Muse der Tonkunst aller-\ndings den Vorsitz führte. Aber Tausende der Herbeiströ-\nmenden blieben in den Vorhallen und den reizenden Um-\ngebungen ihres Tempels und führten ein prächtiges Stück\nrheinischen Lebens auf, an dem auch diejenigen, welche\nzur Mitwirkung bei den musicalischen Aufführungen ge-\nkommen waren, so wie alle, welche die Kunst vorzugs-\nweise angezogen hatte, nach den Genüssen im Concert-\nsaale sich gern erfreuten.\nDiese allgemeine aussermusicalische Festfreude war\nbesonders auch durch die bereits erwähnte Anordnung,\nwelche die Concerte auf die Mittagszeit verlegt—das erste,\nam Sonntag den 22. Juli, fand um 11 Uhr, das zweite,\nMontag den 23., um 3 Uhr Statt—, ermöglicht und ge-\nfördert. Die Abende blieben nun alle zu Versammlungen\nim Freien, Fahrten zu Wasser und zu Lande, Bällen\nu. s. w. verfügbar und wurden reichlich dazu benutzt.\nMit den oben aufgezählten Vocal- und Instrumental-\nkräften wurden am ersten Tage Beethoven's Ouver-\ntüre in C,Op. 124, und Händel's Israel in Aegyp-\nten aufgeführt. Sämmtliche Aufführungen an beiden Ta-\ngen dirigirte Herr Friedrich Marpurg, Director der\nLiedertafel und des Damen-Gesangvereins in Mainz.\nDer Ouvertüre wurde eine sehr gute Ausführung zu\nTheil, welche die trefflichen Eigenschaften der hier ver-\neinigten Capellen sogleich in das vortheilhafteste Licht\nstellte. Nur ein Umstand trat auch hier schon hervor und\nzeigte sich später eben so bei der Sinfonie, nämlich der,\ndass der Gesammtton der Violinen bei aller Vorzüglichkeit\nder einzelnen Künstler an denselben gegen den Vollklang\nder Bässe, Violoncells und Bratschen etwas zurücktrat.\nZum Theil lag das, wie es uns von verschiedenen Stand-\npunkten des Zuhörerraumes aus schien, an den akustischen\nVerhältnissen der Halle und dem etwas tiefen Stande der\nViolinisten auf dem Orchester; anderen Theils aber wür-\nden ein paar tüchtige Anführer mit grossem, breitem Or-\nchesterstrich auf klangvollen, mit dicken Saiten bezogenen\nguten Instrumenten dieser Hauptwaffe des Musikheeres\nden Sieg gesichert haben, um welchen jetzt das schwere\nGeschütz der tieferen Instrumente das grösste Verdienst\nhatte. Die Einsätze der Bässe waren auch in dem Orato-\nrium so kraftvoll, wie man sie selten hört.\nIm „Israel in Aegypten\" machten die Vocalmassen\neine grosse, imposante Wirkung; doch bestätigte sich auch\nhier die Erfahrung, die man schon besonders bei den\nMonster-Concerten in London, so wie bei grossen Männer-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.3", "texte": "Gesangfesten in Deutschland gemacht hat, dass es eine ge-\nwisse Gränze gibt, über welche hinaus die intensive Rlang-\nwirkung eines Chors nicht mehr in gleichem Verhältnisse\nzu der extensiven Menge der Stimmen zunimmt.\nDie Leistungen des Chors in Mainz waren vorzüglich;\nbesonders zeigte der treffliche Vortrag des „jKyrie1\" von\nPalestrina (« capella) und des „Ave verum\" von Mo-\nzart am zweiten Festtage eine künstlerische Ausführung\nvon ergreifend schönem Ausdruck. Auch im Israel wurden\ndie Chöre im Allgemeinen sehr gut ausgeführt; allein man\nwird, in Uebereinstimmung mit der so eben erwähnten\nErfahrung, gestehen müssen, dass die gewaltigen Chöre,\nwie „Hagel statt Regen.\", „Er schlug alle Erstgeburt\",\n„Das hören die Völker und sind erstaunt\", endlich „Das\nBoss und den Reiter hat er in das Meer gestürzt\" —die\nschlagende, erschütternde Wirkung, die man von beinahe\ntausend Sängern erwartete, nicht machten. Und doch wa-\nren die einzelnen Stimmen trefflich besetzt, der Tenor aus-\ngezeichnet, der Bass stark, vollklingend und auch wohllau-\ntend bis auf eine gewisse Gränze nach der Tiefe zu, wo\nder Ton zu breit wurde, der Alt und der Sopran frisch\nund klangvoll und durchweg rein.\nZum Theil lag der Grund dieses Resultates auch wohl\nan den akustischen Verhältnissen des Locals, welche nicht\ngerade schlecht, aber doch auch nicht vorzüglich waren;\ndiese tausend Stimmen im Gürzenichsaale zu Röln würden\neine andere Wirkung hervorgebracht haben. Auch müssen\nwir bemerken, dass der zweite Chor gegen den ersten\nzu schwach war, was in den Doppelchören da, wo Wech-\nselgesang eintrat, besonders auffiel. Vielleicht hatten die\nDirigenten bei der Eintheilung mit dem leidigen Dilettan-\nten-Vorurtheil, das bei Chor 11. an eine zweite Classe denkt,\nzu kämpfen gehabt.\nHerr Capellmeister Friedrich Marpurg leitete das\nGanze mit Umsicht und Energie: er bewährte ein entschie-\ndenes Directions-Talent, das sich mit den Jahren bei ge-\nringerem Aufwand von äusseren Mitteln noch zu mehr\nRuhe und zu völliger Sicherheit im Festhalten des Zeit-\nmaasses entwickeln wird. Mit der Fassung der Tempi in\nHändel's Oratorium konnte man im Allgemeinen einver-\nstanden sein, nur dass fast jedes Largo, die Bezeichnung\ndes langsamsten Zeitmaasses bei Händel, zu schnell genom-\nmen wurde, wodurch der berühmte Chor: „Er sandte\ndicke Finsterniss\", in welchem auch das Piano nicht leise\nund gleichbleibend genug war, und vollends der grossar-\ntige, wundervolle Doppelchor in „Das hören die\nVölker\", gar sehr an Wirkung verloren. Dagegen fehlte\nes dem Allegro des Chors (in C-dur): „Hagel statt Regen\",\nan feuriger Bewegung. Die anderen wurden in richtigem\nMaasse, übereinstimmend mit der Tradition, die uns aus\nEngland durch Mendelssohn überbracht worden, genom-\nmen und recht wacker und präcis gesungen.\nDie Sologesänge, sowohl Recitative als Arien, sind be-\nkanntlich im Oratorium Israel nicht bedeutend. Frau D ust-\nmann-Meyer aus Wien, deren Stimme etwas angegrif-\nfen schien, zeigte sich erst am Schlüsse durch den einfach\ngrossen Yorgesang Mirjam's, nach welchem der Chor:\n„Der Herr ist König!\" einfällt, in ihrem vollen Glänze.\nAus den zwei Arien machte sie nicht viel; es ist aber auch\nnicht viel daraus zu machen. Das Duett in A-moll: „Der\nHerr ist mein Heil\", das offenbar für zwei gleiche Stim-\nmen, entweder Soprane oder Tenöre, geschrieben ist, macht\nvon Sopran und Tenor gesungen, keine Wirkung.\nFräulein Schreck aus Bonn sang die Alt-Arie in E-\ndur: „Bringe sie hinein\", das schönste Solostück im gan-\nzen Oratorium, mit bekannter Correctheit und einfach ora-\ntorischem Vortrage, dem auch grosser Applaus folgte. Auch\ndas Duett mit dem Tenor, Herrn Schnorr von Carois-\nfeld aus Dresden, wurde gut gesungen, wie denn auch\nHerr Schnorr durch den heroischen Vortrag der Arie in\nG-dur: „So dachte der Feind\", stürmischen Beifall erhielt,\nder sich nach dem kräftigen Bass-Duett in A-dur: „Der\nHerr ist der starke Held\", in welchem Herr Becker von\nMannheim mit Herrn Rindermann von München nicht\nohne Glück wetteiferte, wiederholte.\nDen Gesammt-Eind ruck der Aufführung des mo-\nnumentalen Werkes dürfen wir als einen sehr erfreulichen,\ngrossartigen und erhebenden bezeichnen und die Ausfüh-\nrung als eine würdige, dem Charakter und der Grösse des\nWerkes entsprechende, die allen Mitwirkenden wie den\nDirigenten der verschiedenen Vereine und dem Leiter des\nGanzen gar sehr zur Ehre gereicht. Eine besonders her-\nvorzuhebende Anerkennung verdient der grosse Fleiss, der\nin den einzelnen Vereinen auf die Einübung verwandt wor-\nden sein muss; denn davon gaben die festen, kräftigen Ein-\nsätze, die reine Intonation, die grosse Sicherheit und Prä-\ncision einem jeden, der da weiss, was Händel's Chöre ver-\nlangen, einen unwiderlegbaren Beweis. Die Männerstimmen\nmachten überall und besonders bei den Fugen-Einsätzen,\nunterstützt von den trefflichen Violoncells und Bässen im\nOrchester, einen imponirenden Eindruck durch Masse,\nVollklang und Sicherheit; man hörte, dass es ihnen Ernst\ngewesen sein müsse mit der Runst und mit ihrem Musik-\nfeste. Darum Ehre, dem Ehre gebührt, und nehmt euch\nein Beispiel daran!\nIhre Röniglichen Hoheiten der Grossherzog von Hes-\nsen und die Frau Grossherzogin nebst deren erlauchtem\nVater, dem Rönige Ludwig von Baiern, wohnten der Auf-\nführung von Anfang bis Ende bei. Sie waren bereits am\nSamstag den 21. nach Mainz gekommen, an welchem Tage\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.4", "texte": "auch die Kaiserin Mutter von Russland, der Prinz-Regent\nvon Preussen und andere hohe Herrschaften eingetroffen\nwaren.\nDen Sonntag-Abend beschloss von 51/2 Uhr ab eine\nder grossartigslen und heitersten Luslfahrten auf dem\nRheine, die wir je erlebt haben. Sechs prachtvoll beflaggte,\nreich bewimpelte und bekränzte Dampfschiffe, darunter\ndrei der grössten Schleppdampfer, deren jeder an 800 bis\n1000 Menschen an Bord hatte, fuhren mit ihren Sänger-\nchören und den trefflichen Musikcorps der österreichischen,\npreussischen und hessischen Regimenter, das elegante Für-\nstenschiff voran, auf welchem der Grossherzog mit seiner\nGemahlin, dem Könige von Baiern und Gefolge sich be-\nfanden, nach dem Rheingau hinunter, machten verschie-\ndene Evolutionen, die sie bald neben, bald abwechselnd\nvor und hinter einander brachten, legten in der Nähe des\nJohannisberges bei und eröffneten eine viertelstündige Ka-\nnonade, die glücklicher Weise nur durch Donner und\nDampf ein Seetreffen vorstellte, und fuhren dann unter\nimmerwährend steigenden Raketen und Leuchtkugeln nach\nMainz zurück, wo man erst nach neun Uhr wieder ankam.\nAber die Ausschiffung der Tausende von Theilnehinern\ndauerte trotz der bequemen Landungsbrücken doch bis\ngegen zehn Uhr. Man kann sich leicht vorstellen, dass\neine solche Zugabe zu einem Musikfeste eben so eigen-\ntümlich, als unerwartet und erfreulich war.\nMöge dieser Geist, der die Liebe und den Fleiss und\nden Ernst, mit denen man der Kunst huldigt, auf so ge-\nschickte und allgemein befriedigende Weise mit dem volks-\ntümlichen festlichen Leben und Treiben zu verbinden\nweiss, in dem neuen musicalischen Städtebunde am Mittel-\nrheine, der durch die Feier von 1860 die erste vierjährige\nPeriode seiner Musikfeste vollendet hat (Darmstadt 1856,\nMannheim 1857, Wiesbaden 1858 im vorigen Jahre\nfiel das Fest wegen des Krieges in Italien aus), noch recht\nlange, wo möglich, auf immer, verbleiben und nicht nur\nals eine vergängliche Blüthe der ersten Jugend des Bundes\nder Geschichte anheimfallen!\nAm zweiten Festtage brachte das Programm des Con-\ncertes: 1. Ouvertüre und eine Reihe von Scenen aus\nder Oper Alceste von Gluck; 2. ohne In-\nstrumental-Begleitung von Palestrina; 3. Ave verum\ncorpus von W. A. Mozart; 4. Sinfonie in Nr. V.\nvon Beethoven. Zweite Abtheilung: Die erste Wal-\npurgisnacht von Göthe, Musik von F. Mendelssohn-\nBar t h o 1 d y.\nWenn der Opernmusik auf grossen Musikfesten ein\nPlatz eingeräumt werden soll, so darf es natürlich nur\nsolche sein, die das wahre Gepräge der Classicität trägt\nund die man auf den Bühnen selten oder gar nicht mehr\nhört. Beides ist bei den Gluck'schen Operri und nament-\nlich bei der Alceste der Fall, die selbst in Berlin, wo die\nkönigliche Bühne lange Zeit noch die einzige Freistatt für\ndiese Meisterwerke war, seit dem Scheiden der Milder-\nHauptmann nicht mehr gegeben worden ist. Ausser diesen\nbeiden Bedingungen scheint uns aber auch eine dritte we-\nsentlich, nämlich die, dass, da man doch nicht wohl ganze\nOpern geben kann, die ausgewählten Stücke ein Ganzes\nbilden, welches den Inhalt des Drama's mit leichten Er-\ngänzungen, die das Textbuch geben müsste,im We-\nsentlichen darstellen. Ein Anfang dazu, der jedoch keines-\nwegs genügt, war hier durch die „Vorbemerkung\" im\nTextbuche gemacht. Bei allen aufgenommenen Stücken\nmüsste auch Act und Nummer der Partitur angegeben\nwerden.\nDie hier getroffene Zusammenstellung von Scenen\nbrachte den ersten Act fast ganz (die Nummern 3 7,\n12—15), also hauptsächlich die grossen Recitative und\nArien der Alceste; vom zweiten Acte die Nummern 4 9,\nwobei namentlich die Tenor-Partie des Admet berücksich-\ntigt worden. Von da fand aber ein starker Sprung auf die\nErscheinung des Apollo und den Schlusschor der Oper\nStatt, wodurch die glückliche Wendung des Ganzen ohne\nalle Motivirung eintritt. Eine noch grössere Verkürzung\n(als sie schon Statt fand) des langen recitativischen Dialogs\nzwischen Admet und Alceste dürfte für die Aufnahme we-\nnigstens der einen Arie des Hercules Raum geschafft ha-\nben, deren Inhalt einen vermittelnden Uebergang gebildet\nhaben würde.\nFrau Dustmann-Meyer sang die Recitative und\nArien der Alceste sehr schön, mit edelstem dramatischem\nAusdruck, und Herr Schnorr von Carolsfeld zeichnete\nsich im zweiten Acte besonders im Vortrage der Arien\naus, der ihm begeisterten Applaus brachte.\n(Schluss folgt.)\n\nPressel's neue Oper: „Die St. Johannisnacht“\n„Die St. Johannisnacht\", romantische Oper von Gu-\nstav Pressel, wurde zuerst am 24. und dann am 27.\nJuni in Stuttgart aufgeführt. Die Spannung auf dieses\nWerk war im Publicum keine geringe. Der Componist, der\nüberdies auch der Verfasser des Textbuches ist, gehört\neiner ziemlich bekannten würtembergischen Familie an;\ner ist im Lande geboren, erzogen und gebildet—Schwabe\nim vollen Sinne des Wortes. Die Aufführung einer älteren,\nnur hier unbekannten Oper ist etwas ziemlich Seltenes;\ndie Aufführung einer neuen, anderswo noch nicht gehör-\n\n*) Aus den Wiener Recensionen, Nr. 29."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.5", "texte": "ten Oper ist ein merkwürdiges Ereigniss; aber die Auffüh-\nrung eines neuen, noch nirgends bekannten, \\on einem\nSchwaben in Schwaben componirten Werkes, dessen Text\nebenfalls vom Componisten herrührt das ist etwas nicht\nDagewesenes. Und wie hinderlich war es bis jetzt Herrn\nPressel mit seiner Oper gegangen! Längst zur Darstellung\nangenommen, sollte die erste Aufführung im April Statt\nhaben, unter Mitwirkung aller ersten Kräfte in den grös-\nseren und kleineren Partieen. Aber im Buche des Schick-\nsals war es anders beschlossen. Auf Allerhöchsten Wunsch\nwurden vor der Pressel'schen Oper Nicolai's „Lustige Wei-\nber\" sludirt; damit ging der April vorüber und Pischek,\nder in jener die Hauptrolle singen sollte, in Urlaub. Im\nMonat Mai ging es endlich an die Proben, aber es stellte\nsich heraus, dass Mad. Marlow und Herr Sontheim,\nwelche die kleinen Partieen zu übernehmen versprochen,\nfür Anfang Juni Urlaub erhalten hatten, und da man sich\nnicht beeilte, die Oper bis dahin herauszubringen, somussle\neine andere Besetzung erfolgen. Endlich, Anfangs Juni,\nnoch ehe die halbe Stadt auf das Land geflogen, hoffte\nman die erste Aufführung zu ermöglichen; da erkrankte\nHerr Schütky, der indessen an Pischek's Stelle getreten\nwar, und es trat noch eine Verzögerung ein, in deren\nFolge das Werk denn, wie ich schon mittheilte, erst ganz\nam Ende der Saison zur Darstellung kam. Alle vorerwähn-\nten Umstände aber, statt, wie vielleicht Mancher befürchtet\nhatte, der Novität zu schaden, nützten ihr im Gegentheil\nbeim Publicum. Es war viel die Rede von der Sache; man\nfand es auffallend, dass gerade bei dem Producte eines\nLandsmannes so viele Hindernisse auftauchen, während\ndoch, wenn es sich um die Importirung fremder, oft sehr\nmittelmässiger Waare handle, alle Umstände leicht und\nschnell beseitigt würden, und wenn die Leute in einem\nfast überdies (wie hier durch die Landsmannschaft) gut\nempfohlenen Manne mit Recht oder Unrecht einen Zurück-\ngesetzten sehen, dann hat derselbe gewonnen Spiel.\nDieses musste ich Ihnen vorausschicken, um die Er-\nscheinung zu erklären, dass die „St. Johannisnacht\" einen\nfast beispiellosen Success gehabt, einen Erfolg, der selbst\ndurch den Umstand nicht beeinträchtigt wurde, dass die\nbeiden ersten Aufführungen an zwei wunderschönen Aben-\nden Statt fanden. Dabei will ich jedoch nicht in Abrede\nstellen, dass das Werk selbst so angelegt ist, um einer gün-\nstigen Aufnahme wenigstens bei uns sicher zu sein. Man\nmuss Herrn Pressel zugestehen, er kennt seine Leute. Der\nSchwabe ist leidenschaftlicher, enthusiastischer Verehrer\nvon Liedern, namentlich von solchen, die in einem gewis-\nsen elegischen, ans Sentimentale streifenden Tone gehalten\nsind. Diese Vorliebe wird durch unsere Sänger-Gesellschaf-\nten, Liederkränze und Concerte genährt, und auch die Mit-\nGlieder unserer Oper kennen dieselbe so genau, als mög-\nlich. Herr Pressel nun hat sich einen Text geschrieben,\ndessen Mittelpunkt ein Lied bildet, das die aus Liebesgram\nverstorbene Geliebte des Uaupthelden oft gesungen haben\nsoll. Dieses Lied, das bekannte „Mei Mutter mag mi net\",\nist mehrfach in Musik gesetzt worden, unter anderen auch\nvor etwa zehn Jahren von Herrn Pressel selber, und seine\nComposition desselben bildet nun das Haupt-Motiv der\nOper, ähnlich wie „die letzte Rose\" in der „Martha\". Aber\nnicht genug damit. Herr Pressel hat auch andere, früher\nvon ihm componirte Lieder in die Oper herübergenommen,\nder Melodie aber andere, der Handlung entsprechende\nWorte unterlegt, was zwar Manchem als ein etwas küh-\nnes Treiben erscheinen wird, aber das Publicum nicht\nhindert, wie toll Beifall zu klatschen. Und um den Beifall\nscheint es Herrn Pressel vor Allem zu thun gewesen zu\nsein, was wir bei einem Anfänger, der sich zunächst einen\nNamen machen will, sehr wohl begreifen. Ausser den frü-\nher vor» ihm componirten Liedern befinden sich aber auch\neinige neue in der Oper, die mit den früheren das gemein\nhaben, dass sie ausserordentlich melodiös sind und gleich\nbeim erstmaligen Anhören ins Ohr fallen. Diese Lieder\nnun sind sämmtlich echt deutsch, d. h. es herrscht in ihnen\nder Ton vor, der auf das Gemüth wirkt, und desshalb\npacken sie den Hörer, besonders den schwäbischen, dessen\nVorliebe dafür ich schon erwähnte. In so fern nun die\n„St. Johannisnacht\" reich an Liedern ist, die theils von\nEinzelnen, theils vom Chor gesungen werden, in so fern\nein deutsches Lied das Haupt-Thema bildet, und in so fern\nendlich die dem Texte zu Grunde liegende Idee eine echt\ndeutsche ist (dass nämlich getäuschte Liebe im Grabe keine\nRuhe finde, und in der Nacht von St. Johannis die Geister\nder treulos Verlassenen zurückkehren): in so fern kann man\ndie Oper der Hauptsache nach eine deutsche nennen. Das\nschliesst aber nicht aus, dass die Ouvertüre französisch\nklingt und einige Nummern (besonders ein Duett und eine\nTenor-Arie) ganz im italiänischen Stile geschrieben sind.\nAlles in Allem hat Herr Pressel gezeigt, dass er musicali-\nsche Gedanken hat, in einigen, doch nur in einigen, Num-\nmern liess er uns sogar ein dramatisches Feuer erkennen,\naber bis jetzt vermag er noch nicht, ein dramatisches\nKunstwerk zu schaffen, weil er es nicht versteht, Charak-\ntere musicalisch zu bearbeiten, und weil er von der Art\nund Weise, wie Ensemblestücke, Finales und dergleichen\ngemacht werden müssen, noch keinen Begriff zu haben\nscheint. Die „St. Johannisnacht\" hat überhaupt nur ein\nFinale, das des ersten Actes, und dieses ist matt, ohne\nFeuer und effectlos. Der zweite Act schliesst mit einem\nwirklich gelungenen Terzett, der dritte mit einem Melo-\ndram, das völlig unbefriedigt lässt und in dem Zuhörer und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.6", "texte": "Zuschauer unwillkürlich die Meinung erwecken muss, Herr\nPressel sei nicht im Stande gewesen, einen angemessenen\nmusicalischen Schluss zu schreiben, obschon der Text ihm\nalle Veranlassung gegeben und die Situation fast notwen-\ndig etwas Anderes verlangt hätte. Originel ist Herr Pressel\nnicht; Alles schon da gewesen, bis auf die häufige Anwen-\ndung des Blechs bei der Instrumentation, welche letztere\nübrigens effectvoll ist. Der Text gehört nicht zu denen, die\nvöllig unsinnig sind, er hat sogar einen poetischen Grund-\nzug; allein im Einzelnen muss man sich denn doch Man-\ncherlei gefallen lassen. So erscheint im letzten Acte der\nGeist des vom Haupthelden Oswald verlassenen Mädchens\nund befreit diesen aus dem Kerker; wenige Augenblicke\nnachher erscheint aber ein lebendes Mädchen, das ihn liebt\nund das in der Gestalt dieses Geistes ihn retten wollte. Der\nMoment, als sie den Kerker leer findet und den rechten\nund gerechten Geist leibhaftig vor ihrem Geliebten her-\nschreiten sieht, ist mehr lächerlich als ergreifend. Das Pu-\nblicum war nun aber keineswegs unserer Ansicht; es zeich-\nnete beinahe durchgängig alle Nummern mit enormem\nBeilall aus, rief Herrn Pressel mehrfach hervor, und man\nkann selbst von Gebildeten ganz unverhohlen die Behaup-\ntung hören, das sei denn doch einmal ein Werk, das Jeder\nverstehe, und aus dem man etwas mit nach Hause bringe.\nFreilich sind dies dieselben, die in der „Zauberflöte\" das\nVogelfängerlied und im „Don Juan\" den Menuett für das\nBeste halten.\nHerrn Pressel gönnen wir gern seinen Erfolg. Möge\ner nur nie vergessen, dass er denselben nicht ausschliess-\nlich dem inneren Werthe seines Werkes verdankt, sondern\nzum Theil solchen Umständen, die wir auf gleiche Stufe\nstellen mit der fast so sehr beliebten Reclame. Die Auf-\nführung war zum Theil recht lobenswerth. Chöre und Or-\nchester waren sichtlich bestrebt, ihrerseits zum Erfolg bei-\nzutragen, und die Intendanz hat jedenfalls an dieser Oper,\nfür deren äussere Ausstattung sie keinen Groschen ausge-\ngeben, einen besseren Fang gemacht, als an mancher an-\nderen, für deren Inscenirung Tausende recht eigentlich\nzum Fenster hinausgeworfen werden.\n\nUeber den Katalog von Schumann's Werken.\nAn dem „Thematischen Verzeichnisse sämmt-\nlicher in Druck erschienener Werke Robert Schu-\nmann's\", Leipzig, bei J. Schubert & Comp., Preis 3\nThlr. (!), vermisst Dr. Ed. H.(anslik) in Nr. 28 der Deut-\nschen Musik-Zeitung in Wien zuerst, dass es nicht ganz\nvollständig ist. „Die in Wien wiederholt aufgeführten\nChöre: Die Nonne, Das Schifflein, Der Gänsebube, Der\nSchmied u. A., fehlen. Die erste Eigenschaft jedes Kata-\nlogs ist aber Vollständigkeit. Dieser Vollständigkeit zu Liebe\nhätte der Verleger ohne Weiteres die Herausgabe des\ngesammten Nachlasses abwarten oder wenigstens ein ge-\nnaues Verzeichniss desselben sich verschaffen sollen.\n„Ferner vermisst man schmerzlich bei den Vocal-Com-\npositionen die Namen der Dichter. Die Verlagshandlung\nhat hierin leider den Mendelssohn-Katalog sich zum Vor-\nbilde genommen, welcher ausser den Dichternamen über-\ndies noch die Dedicationen unterdrückt. Bei Componisten,\nwelche ihren poetischen Honig mit so wählerischer Ein-\nsicht sammelten, wie Mendelssohn und Schumann,\nist diese Kenntniss von Belang. Die Dichternamen gehören\nzur Charakteristik jedes grossen Lieder-Componisten. Am\nallerwenigsten durften sie bei ganzen Lieder-Cyklen des-\nselben Dichters fehlen. Es ist unverzeihlich, wenn ein Ka-\ntalog so hervorragende und durch die Persönlichkeit des\nPoeten so schlagend charakterisirte Liedergruppen wie den\nEichendorff'sehen Liederkreis, Op. 39, oder den Hei-\nne'sehen (Op. 24) einfach als „ „Liederkreis'\"' anführt,\nbei dem Cyklus „ „Frauenliebe und Leben\"\" den Namen\nChamisso's, bei dem „ „Minnespiel\"\" jenen Rückert's\nverschweigt. Ja, diese Abneigung gegen alle Dichter ver-\nleitet die Verlagshandlung mitunter zu offenbaren Fälschun-\ngen der Titel. So heisst z. B. Scbumann's 35. Werk\nkeineswegs „ „Liederreihe\"\", wie der Katalog fabelt, son-\ndern „ „Zwölf Gedichte von Justinus Kerner\"\". Was\nder Katalog schlechtweg als „„12 Lieder\"\" verzeichnet\n(Op. 37), führt in Wirklichkeit den Titel: „ „Zwölf Ge-\ndichte aus Rückert's Liebesfrühling von Robert und\nClara Schumann\"\". Schumann hat keine Novellen\nOp. 21 geschrieben, wie der Katalog meint, sondern „ „No-\nveletten\"\". Von Druckfehlern wie das wiederholte „„He-\ntarte\"\", statt Astarte u. dgl., wollen wir kein Aufhebens\nmachen, so leicht sie bei einiger Sorgfalt zu vermeiden\nwaren.\n„Zu einem unschätzbaren historischen Documenle\nwürde ein solcher Katalog, wenn jedem Werke zugleich\ndie Jahreszahl des Erscheinens beigefügt wäre. Auf den\nNotenheften selbst dürfte diese Einführung so lange ein\nfrommer Wunsch bleiben, als die Rücksicht auf Mode und\ni\nSpeculation dem wissenschaftlichen Interesse vorangeht;\nallein ein Gesammt-Katalog sollte wohl durch diesen leicht\nherzustellenden Nachweis geziert und vervollständigt sein*).\nVon einer Publication, welche (bei übrigens geringer in-\nnerer Schwierigkeit) so viel Fleiss und Müsse erheischt,\nwie ein Themen-Katalog, erwartet man mit Recht etwas\n\n*) Seit Jahren auch von uns hei den Anzeigen der Kataloge von\nBeethoven, F Schubert, F. Mendelssohn u. s. w. beantragt,\naber vergebens! Die Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.7", "texte": "Tadelloses, ganz abgesehen von dem hohen Preise, wel-\ncher dem Käufer überdies ein materielles Recht zu solcher\nErwartung gibt.\"\nUeber das Verhältniss Schumann's zur Programm-Mu-\nsik äussert sich Ed. H. am Schlüsse des Aufsalzes sehr\nrichtig: „Der poetischen Anregung, die ihm etwa von aus-\nsen kommt, öffnet Schumann sich willig, allein nie verfällt\ner der Thorheit, den Gegenstand dieser Anregung zum\nProgramm zu erheben. „„Man irrt gewiss,\"\" schreibt\ner selbst, „ „wenn man glaubt, die Componisten legten sich\nFeder und Papier in der elenden Absicht zurecht, Dies\noder Jenes auszudrücken, zu schildern, zu malen*);\ndoch schlage man zufällige Eindrücke und Einflüsse von\naussen nicht zu gering an.\"\" „„Ein nicht gutes Zeichen\nfür die Musik bleibt es immer, wenn sie einer Ueber-\nschrift bedarf; sie ist dann gewiss nicht der inneren\nTiefe entquollen, sondern erst durch irgend eine andere\nVermittlung angeregt. Dass unsere Kunst gar Vieles aus-\ndrücken, selbst den Gang einer Begebenheit in ihrer\nWeise verfolgen könne, wer wird es läugnen? Die aber,\nwelche die Wirkung und den Werth ihrer so entstande-\nnen Gebilde prüfen wollen, haben eine leichte Probe, sie\nbrauchen nur die Ueber Schriften wegzustreichen.\"\"\nMan mache mit Schumann'schen Stücken, z. B. mit den\nPhantasiestücken oder den Waldscenen diese Probe, und\nes wird ohne den Titel jedenfalls ein in sich einheitliches,\nohne Weiteres verständliches, musicalisch schönes Tonstück\nbleiben. Das Gegenstück hierzu, Instrumental-Compositio-\nnen „neudeutscher\" Factur, denen mit ihrem Titel und\nProgramm jeder Schein logischen Zusammenhanges ge-\nnommen ist, brauchen wir den Lesern einer Musik-Zeitung\nnicht erst namhaft zu machen. Auch ist nicht zu vergessen,\ndass Schumann zwar Ueberschriften über kleineren\nStücken anwandte (denn solche lassen der Phantasie des\nHörers noch immer ziemliche Freiheit), allein niemals ein\nförmliches Programm, welches das Verhalten des Hörers\nSatz für Satz, wenn nicht gar Tact für Tact mit sclavi-\nscher Engherzigkeit vorzeichnet. Von dieser Seite also wer-\nden die Zukunftsmusiker niemals ein Recht ableiten kön-\nnen, Schumann's Namen auf ihr Banner zu setzen. Ein\nCoincidenzpunkt, in welchem Schumann mit der Zukunfts-\nmusik, speciel mit Richard Wagner, zusammentrifft, ist\nallerdings vorhanden, allein er liegt unseres Erachtens ganz\nwo anders, nämlich in der Oper Genovefa. In diesem\nmit grösster Hingebung gearbeiteten Werke legte Schu-\nmann das Hauptgewicht mit einer oft peinlichen Absicht-\nlichkeit auf den dramatischen Ausdruck. Die einzel-\nnen Nummern begeben sich ihrer Abgeschlossenheit und\nfliessen unmittelbar in einander über; die üblichen festen\nFormen sind (mit Ausnahme einiger Lieder und Chöre)\nvermieden, so dass jeder Act beinahe wie Ein grosses Fi-\nnale sich darstellt. Da Schumann sich Jahre lang mit die-\nser Oper trug, ist es schwer zu sagen, in wie fern vielleicht\nR. Wagner's Beispiel darauf Einfluss hatte; immerhin kann\nder „Tannhäuser\", dessen Aufführung in Dresden 1844\nund 1845 Schumann beiwohnte, einen bestärkenden Ein-\nfluss auf die in Schumann schon schlummernde Idee geübt\nhaben. Diese (unglückselige) Idee von der Entfernung des\nRecitativs und der Auflösung der compacten Musikformen\nin gleichmässig fortspinnende Arioso's hatte Schumann be-\nkanntlich schon in seiner „Peri\" (1843—44) freilich mit\nungleich musicalischerem Sinne ausgeführt. Immerhin er-\nscheint durch die Uebertragung dieses Stils auf die Bühne\n„Genovefa\" als dasjenige Werk Schumann's, welches den\nZukunftsmusikern ein scheinbares Recht gibt, diesen Mei-\nster zu den Ihrigen zu zählen, was bekanntlich mit grossem\nEifer versucht wird. Der Musiker braucht indess nur ein\nbeliebiges Stück aus der „Genovefa\" zu lesen, um zu er-\nkennen, wie hoch der musicalische Theil dieser Oper über\nder Musik Richard Wagner's steht.\"\n\n*) So allgemein, wie Schumann dieses ausspricht, können wir ihm\nnicht beipflichten. Es gibt leider Componisten, die wirklich so\nverfahren und sich sogar darauf etwas zu Gut thun Dass ihre\nAbsicht alsdann eine „elende\" ist, damit sind wir vollkommen\neinverstanden. Die Redaction,\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Capellmeister F. Hiller wird auf wiederholte Einla-\ndung des Comite's des niederländischen Musikfestes der\nMaatschappij tot Beeordering der Too(den 9.—11. August) nach\nArnheim gehen, um dort die Aufführung seiner „Lorelei\" zu\ndirigiren.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesell-\nschaft borten wir zwei recht interessante symphonische Bearbei-\ntungen zweier Sonaten für Ciavier und Violine von Beethoven\n(Op. 30, Nr. 3, G-dtir,in Druck erschienen bei Heinrichshofen in\nMagdeburg, Preis in Stimmen 3 Thlr. 10 Sgr. und Op. 12, Nr.\n3, Es-dur, Manuscript) von Hubert Eies, die mit grossem Bei-\nfall aufgenommen wurden. Lässt man das Princip solcher Bearbei-\ntungen einmal gelten, das freilich vor dem strengen Richterstuhle\nder Kunst kaum bestehen dürfte, so sind diese Uebertragungen von\nH Ries von ähnlichen Arbeiten, die wir kennen gelernt haben, die\nbesten; sie sind mit grosser Geschicklichkeit und Orchesterkenntniss\ngemacht und bieten oft ganz überraschende Wirkungen dar. Die\nSchlusssätze dürften sich in der Sinfoniefassung am besten ausneh-\nmen Im Ganzen geben wir der Bearbeitung der den\nVorzug; die Es-dur-Sonate hat namentlich in ihrem ersten Satze\ndoch einen zu entschiedenen Solo-Charakter für beide Instrumente.\nIn dem Freitags-Concert der Dick opf sehen Capelle unter Di-\nrectum des Herrn Peters wurde eine Ouvertüre von Schin-\ndelmeisser über Silcher's Melodie zu Heines „Lorelei gespielt,\nwelohe, ohne grosse Ansprüche zu machen, ein recht artiges Gele-\ngenheitsstück ist und den Instrumental-Vereinen, da die Ausführung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600804-01.1.8", "texte": "nicht schwer ist und keine grosse Orchesterbesetzung erfordert, will»\nkommen sein wird.\nSignora Ristori hat hier zwei Vorstellungen gegeben, die Me-\ndea und die Maria Stuart. Die grosse Künstlerin hat das kleine\nPublicum, das im Theater anwesend war, entzückt und begeistert,\nund die Erfahrung mitgenommen, die wir längst gemacht haben, dass\nder bei Weitem grösste Theil der Bevölkerung von Köln keinen\nSinn für das recitirende Drama als Kunstwerk hat. Und für die\nOper? Ei nun: die treffliche italiänische Operngesell-\nschaft des Herrn Merelli hat nach ihrer Rückkehr von Frank-\nfurt am Main wieder drei Vorstellungen gegeben: den Barbier von\nSevilla, Die heimliche Ehe von Cimarosa, Don Pasquale\nvon Donizetti, wird aber Sonntag den 5. August mit Lucrezia\nBorgia schliessen. Trotz der vortrefflichen Leistungen der einzel-\nnen Künstler, der Damen Lorini-Mariani, Vietti und Isabella\nlncli, der Herren Galvani, dessen Vortrag der Serenade für\nTenor in Don Pasquale allein alle Welt entzücken muss, Squar-\ncia (Bariton) und Mazetti (Bass-Buffo), und des ausgezeichneten\nZusammenspiels aller, trotz des allgemeinen Beifalls bei Musikern\nund Dilettanten war das kleine, aber sehr hübsche Theater in*der\nSchildergasse doch niemals auch nur halb besetzt! Und Köln\nwill ein Theater bauen, das 1800—2000 Zuschauer fassen soll!!\nFür wen??\nllegensl)Ul% im Juli. Ueber Kirchenmusik. Da über\ndie Beschlüsse des Provincial-Conciliums zu Wien im Jahre\n1858, die sich auf Kirchenmusik beziehen, seither viel Irrthiimliches\nund Ungehöriges in den öffentlichen Blättern verbreitet worden ist,\nso folgt hier der Inhalt derselben aus den jetzt veröffentlichten Acta\net Decretci des Concils. Hier heisst es S. 121 in dem Capitel De\ncantu ecclesiai tico et Musica nach einer aus der biblischen Geschichte\ndes alten Testaments geschöpften Beweisführung für den Gebrauch\ndes Gesanges und der Musik beim Gottesdienste und ihre Herüber-\nziehung in die heilige Liturgie der Kirche unter Anderem: „ Vocum\nmodulatio et organorum (d. h. die Musik der Stimmen und Instru-\nmente) sollen bewirken, dass der Sinn für die heiligen Worte hö-\nher sich schwinge, dass sie tiefer und inniger auf Herz und Seele\neinwirken. Alles Weltliche und Theatralische, das mehr zur Er-\nweckung und Nährung sinnlicher Leidenschaften als der heiligen\nLiebe diene, solle ausgeschlossen bleiben. Eben so dürfe der Gesang\nbei den heiligen Geheimnissen nicht zu einem profanen Schauspiel\ndienen. Da die Laien nicht gut vom Chor entfernt werden können,\nsollen doch solche fern gehalten bleiben, deren Kuf irgendwie be-\nfleckt ist. Schulen zur Heranbildung von kirchlichen Sängern, wenn\nsie rile geordnet sind, befördern sehr die Zierde des göttlichen Cul-\ntus; daher sollen sie, wenigstens an Kathedralkirchen, wo sie auch\nschon sind, vergrössert, wo sie fehlen, eingerichtet werden.\"\n\"Wi©Ä. Der als Componist bekannte Musicalienhändler in Graz,\nKarl Evers, erhielt für die Widmung seines Werkes „Chansons\nd'amour* von dem Sultan das Officierskreuz des Meilschidie-Ordens,\nwelches ihm durch die k. k Österr. Internunciatur zugeschickt wurde.\nIPe!ea*sl39SLFg. In den kaiserlichen Theatern werden sämmt-\nliche Orchester nach der neuen französischen Normal-Stimmgabel\neingerichtet. Am 1. September tritt diese neue Einrichtung ins Le-\nben, und General Lwoff erhielt vom Kaiser die Summe von 4-%000\nFrcs. zur Vertheilung an die Musiker behufs Anschaffung jener In-\nstrumente, welche die neue Maassregel erfordert. Das Theater der\nGrossherzogin Marie, ehemals Thedtre du iirque, ist nunmehr fast\nvollendet. Dem Vernehmen nach soll es zunächst für die Aufführung\n„russischer Opern\" bestimmt sein. „Der Gefangene im Kaukasus\",\ndas Erstlingswerk des Garde-Officiers Kui, soll die Eröffnungs-\nVorstellung bilden."}]}