{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_sha256": "09fb4d7a5ba613c8a4a34181b00fe91559e05fc67f7836acbf5b4426635d6aba", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/08/11_01/bmtnabi_1860-08-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 449, "texte": "Inhalt.\nDas vierte mittelrheinische Musikfest (V. Sinfonie von Beethoven Mendelssohn's Walpurgisnacht). Sehluss. Von L. B.\nZur musicalischen Temperatur. Von V. Musikfest in Worcester. Curiosa aus Handelns Partitur von „Israel in Aegypten14.\nMusicalische Freibeuterei. 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Es machte dem Publicum eben so\nwie den Sängern Ehre, dass es diese Gesänge da capo ver-\nlangte; wir glauben und hörten von Vielen, dass man da-\nmit beide Stücke meinte, es wurde indess nur das\nwiederholt, obwohl der Vortrag des Kyrie in Bezug auf\nzarte Nuancirung und Piano den Preis verdiente.\nHierauf wurde Beethoven's fünfte Sinfonie in\nC-moll mit den vortrefflichen Orchesterkräften in ihren drei\nletzten Sätzen präcis, grossartig und schwungvoll ausge-\nführt, und erregte am Schlüsse einen so anhaltenden Bei-\nfallssturm, wie kein anderes Musikstück an beiden Fest-\ntagen. Auch wir stimmten mit Freuden in den allgemei-\nnen Applaus ein, da uns die richtigen Tempi und die treff-\nliche Ausführung des Andante, Scherzo und Finale, in de-\nnen einige Stellen (z. B. das Trio des Scherzo mit den die-\nses Mal nicht dumpf, sondern sehr deutlich, barsch und\nvernehmlich grollenden und rollenden Bässen, die einzel-\nnen Trioien-Figuren der Saiten-Instrumente im Finale\nu. s. w.) so vorzüglich herauskamen, wie wir sie kaum\nnoch gehört hatten Paris nicht ausgenommen, wo bei\ngleicher Deutlichkeit der Bässe dieselbe Kraft nicht vor-\nhanden ist, die hier entwickelt wurde —, da uns, sagen\nwir, diese Ausführung der drei letzten Sätze für das leider\nmaasslos überhetzte Herabspielen des ersten Satzes, des\noriginellsten und genialsten der ganzen Sinfonie, entschä-\ndigte.\nEs ist uns rein unbegreiflich, dass es möglich ist, das\nTempo dieses Satzes so unverantwortlich zu vergreifen,\nwie es leider noch oft geschieht! Ein solches Presto lässt,\nabgesehen von der dabei gar nicht zu vermeidenden tech-\nnischen Mangelhaftigkeit der Ausführung, keine Spur von\nder tiefen, dämonisch-tragischen Intention drs Tondichters\naufkommen.' Wir sind nicht gesonnen, hier zu wiederho-\nlen, was wir schon so oft über den Vortrag der C-tnoll-\nSinfonie, und namentlich des ersten Allegro, gesagt ha-\nben, am ausführlichsten in Nr. 43 dieser Zeitung vom\nJahre 1857 —: es wäre doch nur Danaiden-Arbeit!\nDenn wir haben die bedauerliche Erfahrung gemacht, dass\nsehr viele von denjenigen, die durch ihre Stellung am mei-\nsten aufgefordert, ja, verpflichtet wären, dergleichen Ana-\nlysen über technischen und geistigen Vortrag unserer be-\nrühmtesten Tonwerke zu beachten, mit der Partitur in der\nHand zu studiren und sie entweder zu widerlegen oder zu\nbefolgen, dass diese dergleichen Aufsätze gerade am we-\nnigsten lesen.\nDer Egoismus und der Eigendünkel, was freilich ein\nnoch zu bescheidenes Wort für ist, haben in\nneuerer Zeit bei den Tonkünstlern dermaassen überhand\ngenommen, dass nicht nur von Autorität und deren Be-\nachtung keine Rede mehr ist, sondern dass Keiner sich\nmehr belehren oder von Anderen eines Besseren überzeu-\ngen lassen will; das hält er für eine Schande! und\nden alten Philosophen, der da sagte, „sein grösstes Wissen\nsei das, dass er nichts wisse\", erklärt er für einen Schwach-\nkopf ohne Charakter. 0, die Geschichte unserer Tage hat\ndavon bei Virtuosen und Dirigenten merkwürdige Beispiele\naufzuweisen! Nur ein Pröbchen. Ein Künstler, der auf\ndem Wege zur Berühmtheit ist, hatte den wohlbegründe-\nten Bath eines älteren Kenners über den Vortrag irgend\neines Musikstückes, ich glaube, es war ein Violin-Quartett,\nbefolgt, und als ihm der letztere darüber sein Compliment\nmachte, erwiderte er: „Glauben Sie ja nicht, dass ich das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4468, "texte": "Ihretwegen gethan habe: ein Künstler muss selbst wissen,\nwas er zu thun hat!\"\nWir sind weit entfernt, Herrn Marpurg in die Kate-\ngorie solcher Egoisten zu setzen; wir sagen nur, dass ihm\nalle früheren Besprechungen über die C-wo/Z-Sinfonie\nwahrscheinlich unbekannt geblieben sind, sonst hätte er\nsicher das Tempo des ersten Allegro anders genommen\nund die Tactpause S. 36 der Partitur (Breitkopf & Här-\ntel) und die zwei Tacte im Scherzo S. 108 weggelas-\nsen. So aber hörten wir diese wieder, als wäre nie etwas\ndarüber geschrieben und sie nicht bereits längst urkund-\nlich und rhythmisch als unmöglich erwiesen (vgl. Rhein.\nMusik-Zeitung, 1852, Nr. 46). Zu den Belegen für die\nNothwendigkeit eines gemässigten Zeitmaasses des ersten\nSatzes, welche in dem oben erwähnten Aufsatze (1857,\nNr. 43) bereits gegeben sind, führen wir hier nur noch\ndie Melodie der Oboe an, welche nach der Durchführung\nim zweiten Theile bei der Wiederaufnahme des Thema's\nzu diesem selbstständig hinzutritt:\nWen diese seelenvolle Melodie allein mit ihrem Schmer-\nzensschrei, der sich in der Ädagio-Cadenz in Wehmulh\nverhaucht, nicht auf den Weg zum wahren Tempo des\nganzen Satzes führt, dem ist eigentlich nicht zu helfen.\nAber freilich, man hört in der Regel nichts weiter von die-\nser Melodie, als die Fermate, weil die Saiten-Instrumente\nsie übertönen, zumal wenn sie, wie man oft hört, aus eige-\nner Begeisterung (?) das Crescendo schon zwei Tacte frü-\nher, als es sein soll, anfangen!\nWas das rein Technische betrifft, abgesehen von dem\ncharakteristischen Vortrage, so wird mir vielleicht entgeg-\nnet, dass jeder Orchesterspieler in unseren Tagen keine\nSchwierigkeiten in diesem Satze finde. Ich frage dagegen\njeden urtheilsfähigen Zuhörer und die ausführenden Vio-\nlinisten selbst, ob bei einem solchen Tempo, wie es genom-\nmen wurde, die drei Achtel des Haupt-Motivs so deta-\nchirt herausgebracht worden sind, wie es sein muss, ob\nsich dieselben so von der halben (oder überhaupt ersten\nNote) des folgenden Tactes abgesetzt haben, wie es sein\nmuss, ob der von Beethoven beabsichtigte wirkungsvolle\nContrast (S. 17 10 der Partitur) zwischen drei und zwei\nAchteln:\nzu hören gewesen, endlich ob sie die Figur:\nund so weiter so gespielt haben, wie sie bezeichnet ist\nvon der Hast zu schweigen, mit welcher die Hörner ihre\ndrei Achtel überstürzen mussten, während bei der grossen\nFermate (nach der Durchführung) die Trompeten und dio\nPauken nur schmetterten und wirbelten, ohne die gewal-\ntige Wirkung der deutlich abgesetzten Noten:\nhören zu lassen.\nWir sagen dies alles wahrlich nicht, um zu kritisiren\nund zu mäkeln, sondern um der Ehrfurcht willen, die man\nBeethoven bei jeder Note und bei jeder Intention schuldig\nist. Es liegt im Wesen der Sache, dass überall, wo sich\ndas Gewöhnliche des Erhabenen bemächtigt, dieses in die\nSphäre von jenem herabgezogen wird; darum werden Auf-\nführungen von Meisterwerken in Garten-Concerten und auf\nParadeplätzen die Tonkunst eben so wenig fördern, wie\nCopieen die Malerei und gebrannte Thonfiguren die Sculp-\ntur. Dem Eindringen der dadurch hervorgerufenen Nach-\nlässigkeiten und Fehler entgegen zu wirken, ist heilige\nPflicht der Künstler, zumal bei Aufführungen an Musik-\nfesten, von denen aus eine zahlreiche Menge das Falsche\nwie das Richtige weiter trägt.\nDie zweite Abtheilung brachte „Die erste Wal-\npurgisnacht\" von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nSo oft wir dieses Werk hören, bedauern wir jedes\nMal, dass Mendelssohn die romantische Richtung in der\nMusik verlassen hat, um sich der kirchlichen fast ausschliess-\nlich zu widmen. So hoch wir seine Oratorien und Psalmen\nschätzen und sie täglich höher schätzen lernen, so glauben\nwir doch, dass seine Natur ihn eigentlich zum Bomantiker\nbestimmt hatte, wie das seine Ouvertüre und Musik zum\nSommernachtstraum, die anderen Ouvertüren, namentlich\ndie Hebriden, das Clavier-Quartett, das G-moll-Concert,\ndie J.-mo//-Sinfonie offenbaren. Hält man von seiner Vocal-\nmusik die Walpurgisnacht, eine grosse Anzahl seiner Lie-\nder und das Finale aus der Lorelei zusammen, so wird\nman kaum zweifeln können, dass er, wenn er an dieser\nBichturig festgehalten oder sie neben der anderen mit der-\nselben Liebe gepflegt hätte, mit C. M. von Weber und\nHeinrich Marschner eine Zierde der echt deutschen, volks-\ntümlichen Oper geworden sein würde.\nDie „Walpurgisnacht\" ist uns desshalb als ein Werk\nvoll jugendlicher Phantasie, das einer begabten Künstler-\nnatur in ursprünglicher Frische entquollen, gar lieb und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4661, "texte": "theuer. Obwohl sie erst 1844 und als Opus 60 erschien\n(zum ersten Male aus dem Manuscript am 2. Febr. 1843\nin Leipzig aufgeführt), so schrieb sie Mendelssohn doch\nschon 1831 in seinem zweiundzwanzigsten Jahre, in den\nFrühlingsmonaten des italischen Himmels während seines\nAufenthaltes in Bom. Um unsere obige Behauptung zu\nrechtfertigen, braucht man nur auf die Musik zur ersten\nScene, von da an, wo die Ouvertüre den „Uebergang zum\nFrühling\" andeutet, bis zum Schlusschor derselben: „Hin-\nauf nach oben! So wird das Herz erhoben!\" zu verweisen.\nDie milden Lüfte wehen uns an, das Leben der Natur er-\nwacht, die Stimme eines Jünglings und der Chor der Jung-\nfrauen geben den Gefühlen Ausdruck, welche schon die\neinzelnen melodischen Bufe der Hörner und Clarinetten\nverkündeten; aber in der Brust des jungen Druiden bricht\nauch ein neues Seelenleben auf, die Begeisterung für den\nalten Glauben, der zusammengewachsen ist mit der Liebe\nzu Vaterland und Freiheit und mit dem Hass gegen die\nEroberer. Seine glühende Aufforderung erklingt, im Sym-\nbol der „Flamme\" das Opfer des „reinen Herzens\" dem\nGott, den sein Volk begreift, zu bringen, und im Ausbruch\neiner lange unterdrückten, von Gewalthabern niedergehal-\ntenen Freude erhebt sich das Volk zur That: „Hinauf!\nHinauf!\" —Welch eine Introduction zu einer romantisch-\nheroischen Oper, deren Handlung in die Zeit der Kämpfe\nzwischen den Franken und Sachsen fiele!\nDie Ausführung des Werkes zeigte als eine in Chor\nO D /\nund Orchester sehr gelungene zum Schlüsse des Festes\ndie vorzüglichen musicalischen Kräfte des Vereins noch\neinmal in vollem Lichte. Die beiden Haupt-Solo-Partieen\nsaneen die Herren Schnorr und Stock hausen; letzte-\no\nrer, aus dem Bade Kreuznach als Zuhörer anwesend, trat\naus Gefälligkeit an die Stelle des Herrn Kind er mann,\nwelcher heiser geworden war. Da diese Aenderung erst\nwährend der Pause zwischen den beiden Abiheilungen des\nConcertes- eintrat, so musste sie allerdings dem Publicum\nangezeigt werden. Dies hätte aber vor der Ouvertüre ge-\nschehen müssen, nicht nach derselben, wo, da sie unmit-\ntelbar in Nr. 1 übergeht, durch die Bekanntmachung eine\narg prosaische und höchst unästhetische Unterbrechung\ndes Musikstückes veranlasst wurde. Uebrigens reichte\nStockhausen's Stimme, seinen Vortrag der Partie des Prie-\nsters in allen Ehren, für den grossen Baum nicht aus. Das\nTenor-Solo führte Herr Schnorr, der überhaupt in heroi-\nschen Partieen ausgezeichnet ist, wozu ihn sein mächtiges\nOrgan besonders befähigt, vorzüglich gut aus.\nDas zahlreiche Publicum bekundete am Schluss durch\nlangen Applaus seine Befriedigung über das ganze Pest.\nHerrn Capellmeister Marpurg wurden Hochs und Be-\nkränzungen zu Theil, und Se. K. Hoheit der Grossherzog\nvon Hessen hatte ihn durch Verleihung der grossen golde-\nnen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.\nIn dem Begleitschreiben äussert der Minister Freiherr von\nDalwigk sich schliesslich, „dass Se. Königliche Hoheit um\nso freudigeren Antheil an dem Feste genommen, je mehr\nAllerhöchstsie überzeugt sind, dass das vierte mittelrheini-\nsche Musikfest ein Denkmal bleiben wird für den altbe-\nrühmten Kunstsinn und den feinen Geschmack der Stadt\nMainz und ihrer wackeren Bewohner.\"\nDer musicalische Theil des Festes war mit dem Ende\ndes zweiten Concertes Montag Abends beendet. Eine Menge\nder Festgenossen benutzte den schönen Abend zu einer\nFahrt nach Wiesbaden, sah sich dort das Feuerwerk\nan, das am Vorabende des Geburtstages des Herzogs von\nNassau abgebrannt wurde, und kehrte zum Balle zurück,\nder in der schnell zum Tanzsaale umgeschaffenen Frucht-\nhalle bis an den Morgen dauerte.\nEin drittes Concert, in welchem die künstlerische Vir-\ntuosität vertreten wäre, findet bei den mittelrheinischen\nMusikfesten nicht Statt. Dagegen war der Dinstag in Mainz\nnoch ganz dem volksthümlich heiteren Treiben bestimmt,\ndas zu einer Eisenbahnfahrt nach Budenheim und dem\nLeniaberge (mit herrlicher Aussicht über den Bhein hin)\nund vollends am Abende auf der glänzend beleuchteten\n„neuen Anlage\" Tausende von Menschen versammelte.\nDie Gesammtkosten des Festes sollen sich auf 28,000\nFl. belaufen haben, zu denen, was rühmenswerth zu er-\nwähnen, die Stadtcasse 4000 Fl. beigetragen und Privat-\nleute einen etwaigen Verlust mit 8000 Fl. durch Unter-\nzeichnung gedeckt hatten. Der Besuch war aber so zahl-\nreich, dass diese Bürgschaft wohl nicht in Anspruch ge-\nnommen zu werden brauchte.\nJedenfalls hat Mainz sich in glänzender Weise um das\nFest verdient gemacht, und die Thätigkeit und Umsicht des\nleitenden Comite's, an dessen Spitze Herr Franz Schott\nstand, hat sich den aufrichtigsten Dank aller Kunst- und\nFestgenossen erworben.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-11_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "259", "page_fin": "261", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.2.3", "titre_corps": "Zur musicalischen Temperatur.", "titre_sommaire": "Zur musicalischen Temperatur.", "signature_source": "V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.3", "debut_caractere": 4663, "fin_caractere_exclue": 5122, "texte": "Zur musicalischen Temperatur.\n\nIn neuester Zeit spielt die Temperatur-Frage wieder\neine Rolle. Es wird ohne Weiteres der Stab über ein Sy-\nstem gebrochen, das sich beikommen lässt, die Temperatur\nals etwas Wesentliches zu betrachten.\nSo äussert sich die „Deutsche Musik-Zeitung\" in ihrer\nKritik*) über die gekrönte Preisschrift von C. F. Weitz-\nmann folgender Maassen: „Das Zwölfton-System, nach\n\n*) Der wir im Ganzen vollkommen beistimmen.\nDie Eedaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5039, "texte": "welchem eis und des, eis und f als identisch betrachtet\nwerden, ist ein irriges. Ein System lässt sich nur auf das\ninnere Wesen einer Sache gründen, das ist aber in der\nMusik nimmermehr die Temperatur, welche nur ein\näusserer Nothbehelf genannt werden kann, um die Unvoll-\nkommenheit der Musik-Instrumente weniger fühlbar zu\nmachen, ein Nothbehelf, dessen Möglichkeit glücklicher\noder unglücklicher Weise durch die Stumpfheit des mensch-\nlichen Gehörsinnes gegeben ist. Die wahre und ideale Be-\nschaffenheit der Musik kennt keine Temperatur, hier\nherrscht Reinheit.—Unreinheit ist nur dort gültig, wo sie\nhingehört, wo die Natur sie hinstellt, nicht, wo der Mensch\nsie macht.\" „Dass aber die Theorie die Unwahrheit\noder Unvollkommenheit zur Basis nehmen müsse, heisst so\nviel, als die Sünde zur Grundlage der Moral machen.\"\nAn einem anderen Orte spricht der Kritiker Folgendes:\n„Kann man auch kein unbedingter Gegner der Enharmo-\nnik sein, eben weil die Meister auf Grundlage des im Ge-\nbrauch festgestellten temperirten Systems sehr viel Geist-\nreiches aus ihr herausgebildet haben, so ist der Missbrauch\ndoch verwerflich\" u. s. w.\nWenn wir recht verstehen, so handelt es sich in die-\nsem Streite nicht sowohl um das leidige Fait accompli der\nTemperatur und deren theoretische Zulässigkeit, als viel-\nmehr um deren Missbraueh. Es ist ein Streit der Praxis,\nder sich hinüberspielt auf das Feld der Theorie. Denn was\nHerr S. B. sonst sagt, unterschreiben wir gern, nämlich:\n„Der Missbrauch sei verwerflich und am allerschädlichsten\nden Producten selber. Was fortwährend reizen und packen\nwill, reizt und packt gar nicht. Was fortwährend geistreich\nsein will, wird zuletzt läppisch, und was überklug ist, wird\nnicht verstanden und geht aus Mangel an Theilnahme den\nWeg alles Fleisches.\"\nSo wahr dies alles und so wenig neu zugleich, so\nsollte Herr S. B. doch den alten Spruch kennen:\nnon tolht usum*). Ein Raphael und ein Stümper in der\nMalerei bedienen sich doch des nämlichen Materials; noch\nNiemandem aber ist es eingefallen, der Malerei den Vor-\nwurf zu machen, dass sie ihren Pwnsel nicht taucht in die\ntarben-llarmonie des Urlichts, dass sie sich mit armseli-\ngen Surrogaten behelfen muss. So bleibt sich das Ton-\nmaterial auch gleich, wer immer es braucht, ob ein Mo-\nzart oder der ärgste Stümper; warum also gelegentlich\neines Streites über den „richtigen Gebrauch\" dieses Ton-\nmaterials Steine werfen auf die Theorie der Enharmonik\nüberhaupt? warum also die Frage aufwerfen aus einem\n„Missbrauch derselben\", ob sie überhaupt zu Recht be-\nstehen, oder ob sie bloss geduldet werden dürfe?\nHat unsere Musik gewonnen oder verloren durch die\nEnharmonik? Ist diese Errungenschaft nur eine Pseudo-\nErrungenschaft, so schaffe man sie ab; ist sie aber ein\nGewinn, Warum undankbar stets darauf schmähen? Wir\nsehen, wie weit wir kommen durch unsere absolute reine\nAkustik; sie ist unpraktisch; wesshalb also schwärmen für\ndas absolut Unerreichbare? Die absolute Idealität bleibt\netwas Unerreichbares in unserer Zeillichkeit; wie all unser\nWissen nur Stückwerk, so klebt auch unserem Können\ndieser Makel der Unvollkommenheit an.\nWer hätte bis jetzt ein absolut reines Orchester ge-\nhört? welches Tonstück ist je metronomisch richtig zu Ende\ngespielt worden? Ein ganzes Regiment vermag nicht rhyth-\nmisch präcis im Tacte zu marschiren, so wie das Echo\neinen Ton sicher um eine Schwebung tiefer zurückwirft.\nAlle diese olfenbaren Mängel streiten eben so gut gegen\ndie Idealität unserer Musik, und es ist die Frage, ob nicht\ndie Enharmonik es ist, die durch ihre Begränzung der\nmusicalisch unfassbaren Idealität unseres Ton-\nSystems unsere Musik erst praktisch gemacht hat.\nUnser Ohr hat das Bestreben, jeden Leiteton etwas\nschärfer zu markiren; nun aber kann jeder unserer zwölf\nTöne in diesen Fall kommen. Beispiel die beiden Töne\nh und f.\nIm Beispiel a. bildet hdiesen Leiteton; im ersten Falle\nbilden die beiden Töne den Tritonus $4, im zwei-\nten Falle die beiden Töne die so genannte falsche T,—in\nbeiden Fallen ist h der Leiteton.\nUnter b.ist jetzt / dieser Leiteton, wie unter c. und\nd.; unter b.ist der Orthographie nicht Rechnung getragen,\nwie unter c. und d. Das Ciavier kennt, wie wir wissen,\ntrotz der verschiedenen Orthographie diesen leisen Unter-\nschied nicht. Unser Gefühl substituirt trotz der Enharmo-\nnik dieser beiden Töne diese mangelnde Schwebung; der\nUnterschied ist in der Thal ein wesentlicher, es ist nämlich\nbald f,bald hLeiteton, wir sehen nur zweierlei Schritte.\nZugegeben, die leise Schwebung in beiden Fällen liesse die\nbeiden Töne fund hals verschieden erscheinen, wie wis-\nsen wir den Unterschied hinzustellen zwischen und\nWir sind a tempo in fis oder ges. Hätte ein Violinist den\n\n*) Hier thut der Herr Verfasser Herrn S. B. Unrecht, denn die-\nser sagt ja S. 243 ausdrücklich: „Wer die wirkliche Berechti-\ngung der Enharmonik kennen lernen will, der studire die im-\nmer wieder jugendlich wirkenden Werke der Meister; er sehe,\nwann und wo sie von diesem äussersten Mittel Gebrauch ge.\nmacht haben.1* Die Bedaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2047, "texte": "Unterschied heider Töne noch so gewissenhaft markirt, so\nweiss er am Ende nicht, ob er in ist oder in\nEr müsste sonach jeden der beiden Töne drei Mal\nverschieden nehmen: ein Mal als Leiteton scharf, dann\nals ces herabschwebend für b und als Ii für ais; eben so\n/ herabschwebend für e,dann aber scharf als Leiteion für\nges, aber auch als eis für fiWelcher Violinist könnte\ndiese sechsfache ideelle Verschiedenheit dieser zwei enhar-\nmonisch temperirten Töne zu Gehör bringen? Ja, selbst\nfür die Violine ist eine durchgehende ideelle Reinheit\npriori schon eine Unmöglichkeit. Müssen wir nicht vielmehr\nder Temperatur verpflichtet sein, dass sie uns für je drei\nTöne nur Einen gegeben?\nEs ist die grosse Frage, ob nicht die Temperatur viel-\nmehr, durch das Ohr des Menschen geleitet, schon als un-\nabweisbare Notwendigkeit in der Musik liegt. Es dürfte\nnicht Stumpfheit zu nennen sein, als vielmehr Feinheit, da\nsich herausgestellt, dass ein wesentlicher Unterschied zwi-\nschen fis und ges in dem obigen Falle nicht sein könne.\nDer wesentliche Unterschied liegt nur darin, dass in den\nbeiden Fällen entweder h oder f als Leiteton markirt er-\nscheint, somit durch diese Anschauung in der Wirklichkeit\nauch nur ein zweifacher Schritt möglich ist, ob er auch,\nwie im letzten Falle, dreifach (ein Mal unorthographisch,\nzwei Mal orthographisch) geschrieben werden kann. Wir\nhaben in diesen Beispielen dem Leiteton die Zahl 7 gege-\nben, dem zufolge müsste auch der andere Ton jedesmal\ndie Zahl 4 erhalten, eine Anschauungsweise, die vielleicht\nMancher nicht theilt.\nIst denn aber der Unterschied einer chromatisch ver-\nschiedenartig zu schreibenden Scala ein wesentlicher? Ist\nein wirklicher Unterschied, ob ich schreibe wie bei a.\noder wie bei b.?\nMozart schreibt in einem seiner Quartette wie bei a., und\nwäre es am Ende nicht correcter, diesen Passus wie bei\nb. zu schreiben? Was ist also die Moral davon? Beides\nist gleich richtig, somit es = dis, f eis; und was melo-\ndisch gleich, dürfte auch harmonisch gleich erachtet wer-\nden: somit fis = ges.\n\nV."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-11_01#c010", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "261", "page_fin": "262", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.2.4", "titre_corps": "Musikfest in Worcester.", "titre_sommaire": "Musikfest in Worcester.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.5", "debut_caractere": 2049, "fin_caractere_exclue": 4265, "texte": "Musikfest in Worcester.\nDass in England Alles ins Kolossale geht, ist bekannt;\neben so, dass man bei englischen Musikfesten und grossen\nConcerten von den massenhaften Programmen erdrückt\nwird. Dennoch ist die Ueberfüllung noch nie zu einer sol-\nchen musicalischen Sündflut gestiegen, wie in diesem Jahre,\nund die folgende Skizze des Musikfestes, das im September\nzu Worcester Statt finden wird, wird Erstaunen erregen.\nDie vier Tage desselben, vom 11. —l4. September,\nwerden folgende Aufführungen bringen:\nDinstag den 11. September, Morgens: Orato-\nrien-Concert. „Die Schöpfung\" von Haydn, erster Theil.\nF. Mendelssohn's „Paulus\", erster Theil. Pause von 20\nMinuten. „Paulus\", zweiter Theil. Im Ganzen über sieben-\nzig Nummern.\nDinstag, Abends: Gemischtes Concert. „Die Mai-\nKÖnigin\", Cantate von W. Sterndale-Bennett; Ouver-\ntüre zum Teil von Rossini; Phantasie für die Violine\nüber Yerdi'sche Thema's von Blagrove, und zehn Ge-\nsangstücke, Soli und Ensembles, von Hiller, Macfar-\nren, Gluck [Che farö senza Euridice) und unmittelbar\ndarauf Meyerbeer (Schattentanz und Gesang der Dino-\nrah!), Mozart, Donizetti und Verdi.\nMittwoch den 12. September, Morgens. Ora-\ntorien: „Die letzten Dinge\" von L. Spohr.—ln der zwei-\nten Abtheilung: Auswahl aus Händel's „Judas Macca-\nbäus\" (24 Nummern). Zusammen 53 Nummern.\nMittwoch, Abends: Gemischtes Concert. Ouvertüre\nzum „Beherrscher der Geister\" von Weber; Sinfonie Nr.\n2 in D von Beethoven; „Erlkönigs Tochter\" von Gade\nund dreizehn Gesangstücke von Weber, Elliot, Mel-\nlon, Rossini, Mozart, Balfe, Benedict, Flotow,\nAuber.\nDonnerstag den 13. September, Morgens:\nOratorium „Elias\" von F. Mendelssohn.\nDonnerstag, Abends: Gemischtes Concert. Ouver-\ntüre und Auswahl aus der „Lurline\", Cantate von Wal-\nlace; Violin-Concert von Mendelssohn, gespielt von\nMr. Sainton, und dreizehn Gesangstücke von Rossini,\nHändel, Mozart, H. Oakley, Meyerbeer\ntoi que j'aime,Mad. Novello), Paer, Donizetti, Hat-\nton, Arnold, Moore, Verdi; zum Schlüsse:\nihe Queen.\nFreitag den 14. September, Morgens: Der\n„Messias\" von Händel.\nEs werden also vier grosse Oratorien: „Paulus\", „Die\nletzten Dinge\", „Elias\", „Messias\", vollständig, ausserdem\nvon der „Schöpfung\" sechszehn, vom „Judas Maccabäus\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2740, "texte": "vierundzwanzig Nummern binnen vier Tagen gegeben!\nDazwischen noch drei Concerte mit einem Durcheinander\nvon Cantaten und Virtuosen-Solostücken!\nDes Spasses wegen haben wir auf den zwei Program-\nmen, deren jedes eine Länge von zwei Fuss rheinl. hat,\nund die des Porto's wegen auf feinstem Seidenpapier ge-\ndruckt versandt werden, die sämmllichen Stücke gezählt:\nes ergibt sich, dass ein englischer Musikfreund von echtem\nSchrot und Korn an diesen viertehalb Tagen 271 Num-\nmern Musik hören kann!!\nZu gleicher Zeit wird ihm die Auswahl der Gesang-\nCelebritäten von London vorgeführt. Merkwürdiger Weise\nsind dies aber seit einem Jahrzehend stets dieselben; aus-\nser der Italiänerin Mademoiselle Parepa finden wir auf\nden ellenlangen Programmen keinen neuen Namen. Das\nWorcester Journal kündigt an, dass Madame Clara\nvello zum letzten Male bei diesem Feste auftreten, der\nOeffentlichkeit entsagen und von jetzt an den Namen ihres\nMannes führen wird. Sie wird die Sopran-Partie im ersten\nTheile der „Schöpfung\", im ersten Theile des „Paulus\"\nund am Abende die „Mai-Königin\" und ein Duett von\nVerdi singen; im „Judas\" zwei Nummern, Abends die\ngrosse Scene aus Oberon und ein Rondo von Benedict; im\n„Elias\" die ganze Partie, auch im Oclett, Quartett und\nTerzett, Abends die Arie aus Robert und zwei Volkslie-\nder; endlich die Arien im „Messias\". Ein schöner Ab-\nschied von den öffentlichen Kunstleistungen und zugleich\nein Beweis von wunderbarer Ausdauer und noch immer\nvorhaltender Kraft der Stimme für mehr als zwanzig Num-\nmern. Und ihre erste Kunstreise durch Deutschland fiel in\ndas Jahr 1834!\nAusser ihr werden die Damen Rudersdorf, Weiss,\nSainton-Dolby und Parepa als Solosängerinnen auf-\ntreten und die Herren Sims Reeves, Belletti, Weiss,\nMontem Smith als Solosänger. Nimmt man hinzu, dass\ndie englischen Dilettanten seit länger als zehn Jahren stets\ndieselben Solisten und seit mehr als zwanzig Jahren fast\nstets dieselben Oratorien die Händel'schen bekanntlich\nseit einem Jahrhundert hören, so begreift man kaum,\nwie diese Riesen-Musikfeste, abgesehen von den hohen\nEintrittspreisen, noch ein so zahlreiches Publicum anzie-\nhen, dass die ungeheuren Kosten derselben denn man\nlässt ausser den Solisten in der Regel auch wenigstens\ndie Hälfte des Orchesters aus London kommen gedeckt\nwerden. Dass von ernstlichen Proben bei täglich zwei\nConcerten nicht die Rede sein kann, leuchtet ein; die\nOratorien werden gar nicht probirt; die Möglichkeit einer\ngelungenen Ausführung ist nur durch die langjährige Wie-\nderholung derselben erklärbar.\nNun, wer Lust hat, reise nach Worcester! Wenn er\neinen starken Magen mitbringt, so kann er, wie die Eng-\nländer der betreffenden Musikfest-Rayons, ein Jahr lang\nvon den genossenen Musikstücken zehren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-11_01#c011", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "262", "page_fin": "263", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.2.5", "titre_corps": "Curiosa aus Händel’s Partitur von „Israel in Aegypten“.", "titre_sommaire": "Curiosa aus Händel’s Partitur von „Israel in Aegypten“.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.6", "debut_caractere": 2742, "fin_caractere_exclue": 4851, "texte": "Curiosa aus Händel’s Partitur von „Israel in\nAegypten“.\nBei Gelegenheit der Aufführung von Händel's „Israel\nin Aegypten\" auf dem mainzer Musikfeste nahm ich die\nPartitur-Ausgabe, welche Mendelssohn im Jahre 1844\nfür die Standard Edition der Handel Society in London\nbesorgt hat, zur Hand.\nDiese Ausgabe ist nach der Handschrift Händel's aul\nder königlichen Bibliothek gemacht, welche, nach Mendels-\nsohn's Aeusserung in der Vorrede, trotz der grossen Eile,\nmit der Händel seine Werke zu schreiben pflegte, correc-\nter und genauer ist, als die gedruckten Ausgaben.\nVon dieser Eile Händel's bringt Mendelssohn mehrere\nBeispiele aus der genannten Original-Partitur bei. Das in-\nteressanteste von allen ist folgendes:\nIn dem grossen Chor: The people shall hear („Das\nhören die Völker\", in E-moll), halte Händel zuerst die\nWorte: „All the inhabitants\nübersehen, und die Partitur schliesst an den 23. Tact so-\ngleich den (gegenwärtig) 57. Tact an: „by the greatness\nof thy Arm11, .Die herrlichen dreiunddreissig Tacte,-die\ndazwischen liegen, sind später auf vier besondere Blätter ge-\nschrieben, auf welche bei Tact 23 durch ein N.8., das\nin der Mitte der Seite steht, verwiesen ist.\nDie Anzeigen über die Eintheilung des Oratoriums in\nzwei Theile sind ungenau, und Händel scheint Anfangs\neine andere, als die jetzt angenommene Ordnung, befolgt\nzu haben. Auf der ersten Seite der Partitur steht nämlich:\nPart No. 2 of Exodusund unter dem Chor, der gegen-\nwärtig den ersten Theil schliesst, steht:\n2da d'Exodus October 20— Ueber\ndem Chor: „Moses und die Kinder Israels\", der jetzt den\nzweiten Theil beginnt, steht geschrieben: Moses song,\nExodus, Chap. 15., Introitus—und deutsch: „Angefan-\ngen Oct. 1. 1738.\" Unter der letzten Seite: „Fine\n11. 1738; den 1. November völlig geendiget.\"\nDiese Dinge müssen den Händel-Enthusiasten, die für\ndie hohe innere poetische Einheit jedes Werkes des Mei-\nsters schwärmen und deren Verletzung durch etwaige Aus-\nlassungen als Frevel brandmarken, grosse Verlegenheit be-\nreiten. Zur Verzweiflung wird es sie aber bringen, wenn\nsie ferner in Mendelssohn's Vorrede Folgendes lesen:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 900, "texte": "„Es ist interessant, zu erwähnen, dass Händel in die-\nser Partitur mit Bleistift Namen über jede Nummer ge-\nschrieben hat, welche offenbar die der Sänger sind. So\nschrieb er über die Arie Their land Irought forth frogs\n—jetzt Nr. 5 Mr. Savage;über die Arie\nblow(Nr. 29)—S. Frances;über das Duelt\nmercy (Nr. 32)—Mr. Bird au. s. w.\nu. s. w. Nach dem Chor But as for liis people (Nr. 10)\nsteht mit Bleistift: „Throngh'the Land\" Sr. Frances Nr.\n1.; nach dem Chor (Nr. 14) But the waters: No. 2. „An-\ngelic Splendour\" S. Frances; nach dem Chor (Nr. 24)\nThy right hand o Lord steht: No. 3. Cor fedele ex 9,\nS. Francesina; nach dem Duett (Nr. 32): No. 4, la\nSperanza, la costanza, 8. Fi ances. Geht daraus\nnicht hervor, dass bereits zu Händel's Zeit diese lange\nReihe von Chören durch beliebte Sologesänge unterbro-\nchen wurde, und dass die Prima Donna das Cor fedele\nin „Israel in Aegypten\" hineinbrachte?\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-11_01#c012", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "263", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.2.6", "titre_corps": "Eingesandt.", "titre_sommaire": "Eingesandt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.7", "debut_caractere": 902, "fin_caractere_exclue": 1195, "texte": "Eingesandt.\nMusicalische Freibeuterei.\nDa mir die Op. 1 —lBl des Herrn Popp nicht bekannt geworden\n(Uns auch nicht. D. Red.), so kann ich nicht beurtheilen, ob solche\nauf dieselbe Manier entstanden sind, wie Op. 182.\nBernhard Friedel\n(früher W. Paul),\nKunst- und Musicalienhandlung in Dresden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-11-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-11_01#c015", "volume": "bmtnabi_1860-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "264", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.7", "debut_caractere": 1197, "fin_caractere_exclue": 3900, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEine Concerthatz in den Taunus bädern. Auf meiner\nSpazirreise durch den Rheingau und den Tannus habe ich einige\nBeiträge zur Charakteristik von Virtuosen gesammelt, von denen ich\nIhnen vorläufig Einen mittheilen will, der pikant genug ist.\nEin Pianist wir wollen ihn X. nennen hatte vor, in\nSchwalbach ein Concert zu geben, wie er schon öfter mit gros-\nsem Beifall dort gethan Desshalb erhielt er von dem Bürgermeister\noder Amtmann die Zusage, dass in kurzem Zwischenraum vor sei-\nnem Concerte keinem anderen Bewerber der Vorrang gegeben wer-\nden solle. Der Tag wurde dem gemäss bestimmt.\nNun lebten aber bis dahin in stiller Abgeschiedenheit zu Schwal-\nbach Fräul. Ingeborg-Stark und Herr Hans von Bronsart.\nerstere eine Ciavieristin aus Petersburg, letzterer bekanntlich, wie\nHans von Bülow, ein Schüler von Liszt. Die Ankündigung des Con-\ncertes von X. Entriss sie dem idyllischen Leben; sie „entschlossen\nsich auf dringende Aufforderung-*, selbst ein Concert zu geben, und\nHerr Hans v. B. suchte den Vorrang vor X., d. h. der Zeit nach,\nsogar durch eine Beschwerde über den Amtmann bei der nassaui-\nschen Regierung zu ertrotzen wahrscheinlich ebenfalls auf drin-\ngende Afforderung. Die Regierung war so kühn, ihn ab- und an den\nAmtmann zurück zu weisen. Nun wurden die Waffen und Pfeile,\ndie Basilio im Barbier von Sevilla besingt, gewetzt und gespitzt, und\nin allen Reunionen und an der Gasttafel war von Unterdrückung\nder Kunst, Bevorzugung durch Behörden u. s. w. weit-\nhin hallend die Rede. Nachdem das Terrain mürbe gemacht, wurde\nder letzte Hebel angesetzt, den Stein des Anstosses, wo nicht aus\ndem Wege zu räumen, doch schlau zu umgehen. Soll ich, so dachte\nHerr Hans v. 8., mein Concert nicht vor dem des verhassten Ne-\nbenbuhlers geben, so gebe ich es gleich Tags darauf!\nGedacht, gethan. Als Concertgeber Nr. 1 in aller Seelenruhe\nund Sicherheit nach Schwalbach kommt, erblickt er mit Entsetzen\nan allen Ecken und Bäumen die grossen Anschlagzettel der Con-\ncertgeber Nummer 2 und 3. Zugleich hatte das Künstlerpaar den\nMann, der die Beiträge für die Armen einholt, gewonnen; er trug\nin seiner schwarzen Mappe ihre Subseriptionsliste herum der\nForm wegen, denn man hatte ja nur den dringendsten Bitten nach-\ngegeben! und diese industrielle Speculation war wohl berechnet,\ndenn der gute Mann war berechtigt, von Hotel zu Hotel, von Zim-\nmer zu Zimmer zu gehen. Kurz, das ganze Manöver glückte. Und\num welchen Preis „Räuber und Mörder\" ? sagt Schiller. Nummer\n1 hatte es auf 24 30, Nummer 2 und 3 auf höchstens 60 Billets\ngebracht!\nSoll ich Ihnen nun noch nach Anhörung der beiden letzten Con-\ncertgeber-Nummern meine Ansicht aussprechen, so geht diese dahin,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4631, "texte": "Dass Herr Hans von Bronsart ein tüchtiger Clavierschläger ist, Fräul.\nIngeborg zwar ebenfalls hämmert, aber doch auch noch fähig ist,\neine Gesangstelle fein und natürlich vorzutragen.\nIm Ganzen aber wage ich auch nach dieser neuen Erfahrung\nzu behaupten, dass die wahre Art, das Ciavier zu spielen, so wie\nsie von J. B. Cramer, Clementi, Dussek, Kalkbrenner und Mosclieles\ngelehrt worden, anfängt, verloren zu gehen!! Man haut mit Hebung\nder ganzen Hand auf Eine Taste. Die Fingerkraft genügt nicht mehr,\num einen schönen Einzelton zu erzielen: ohne rapideste Schlagfer-\ntigkeit in sechs Octaven und Accorden geht's nicht mehr! Um zu\ngefallen, muss man vor Allem imponiren und der wahren Kunst des\nClavierspiels einen derben Faustschlag ins Gesicht thun!!\n——————————————- /\nISei'lin« Der Staats-Anzeiger veröffentlicht den Jahres-Bericht\nder hiesigen königlichen Bibliothek. Unter den Bereicherungen, wel-\nche der Bibliothek neben den aus dem regelmässigen Fonds dersel-\nben bestrittenen Ankäufen im vergangenen Jahre zu Theil geworden\nsind, nehmen zwei Sammlungen die erste Stelle ein: die durch den\nGeneral W. von Scharnhorst mit grösster Sorgfalt gebildete Karten-\nsammlung von ungefähr 36,000 Nummern und die durch ausseror-\ndentliche Bewilligung des Kaufpreises erworbene musicalische Biblio-\nthek des verstorbenen Professors am Conservatorium zu Wien, Jo-\nseph Fischhof, an 3978 Nummern, welche hier nicht vorhanden\nwaren; sie haben die hiesige königliche Sammlung auf eine kaum\nzu erwartende Weise ergänzt und um ganze Abtheilungen vervoll-\nständigt.\nSjelpxig. Der Verlag von Breitkopf und Härtel kündigt eine\nneue Ausgabe von Otto Jahn's allgemein geschätztem, trefflichem\nWerke „W. A. Mozart8 in 26 Lieferungen zu einem halben Thaler\nan. Diese unveränderte Ausgabe in Lieferungen, von welchen alle\nvierzehn Tage eine ausgegeben werden soll, so dass das ganze Werk\nbinnen Jahresfrist erlangt werden kann, soll weniger Bemittelten\ndie Gelegenheit verschaffen, sich dieses Werk, das in Folge seines\nUmfanges einen höheren Preis hat, anzuschaffen. Die erste Lieferung\nliegt in allen wolilassortirten Buchhandlungen zur Einsicht vor.\nDie Neue Wiener Musik-Zeitung von F. Glöggl veröffentlicht\nfolgende „Warnung für Lithographen. Von mehreren Musik-\nVerlegern dazu aufgefordert, warnen wir die Herren Lithographen,\nfür Liedertafeln die Vervielfältigung der Stimmen der Männerchöre\nzu veranlassen. Die Verleger werden das Eigenthumsrecht ihrer Ver-\nlags-Artikel bei abermals vorkommenden derlei Fällen auf das\nstrengste nach den bestehenden Gesetzen zu wahren wissen. Wenn\ndie Vereine es bequem nndcn, ihren Bedarf an Stimmen zu verviel-\nfältigen, und glauben, weil sie diese Vervielfältigung nur zu ihrem\neigenen Bedarf benutzen, nichts Gesetzwidriges zu unternehmen,\nso ist dieser Irrthum verzeihlich; allein der Lithograph soll es wis-\nsen, dass ein solches Verfahren unter allen Umständen als Nachdruck\nbehandelt wird, daher auch die Verleger ihr Recht nicht gegen die\nVereine, sondern gegen die Lithographen geltend machen werden.*1\n// / I\nMerkwürdiges Ehrengeschenk. Man war überrascht, als\nvor mehreren Jahren die Ungarn Franz Liszt einen Säbel schenk-\nten; jetzt hat Emma Lagraa nach ihrer letzten Vorstellung der\nNorma in Pesth einen Dolch erhalten. Die Klinge ist von Silber;\nder vergoldete Griff, mit Edelsteinen verziert, hat die Inschrift: Alla\nSignorina Lagrua la gioventü di Pesth. 1860.\nIn Florenz hat sich auf Anregung des Professors Ferd. Morini,\ndes Herzogs von San demente, Marchese Azzelino u. A. ein Verein\nzur Errichtung eines Monumentes für Cherubini gebildet. Maria\nLuigi Carlo Cherubini wurde den 8. Sept. 1760 zu Florenz geboren.\nXjOiicloit. Im königlichen Opernhanse ist Weber's „Oberon®,\nder mit Spannung erwartet wurde, in Scene gegangen. Herr Jul.\nBenedict, der Leiter der Oper, der ein Freund Weber's war, hat\nRecitative hinzucomponirt und die Oper durch Einlagen aus „Eu-\nryanthe\" auffrischen zu müssen geglaubt, was ein unglücklicher Ge-\ndanke war. Die Ausführung war nach dem Referate der „Musical\nWorld1 theilweise ausgezeichnet; besonders thaten Fräul. Titjens,\nMad. Alboni (Fatime) und Herr Beiart (Oberon) sich hervor. Mad.\nAlboni musste die Arie nA lonely Arabe Maidu wiederholen. Herr\nMongini (Hüon) war sehr befangen; er schien durch seinen Helm\neben so sehr als durch Weber's Noten genirt zu sein. Herr Everardi\nsang und spielte den Scherasmin ausgezeichnet, und Herr Gassier\nals Prinz Babekan, Fräul. Vänneri als Rosliana und Mad. Lemaire\nals Puck behaupteten sich ehrenvoll. Das Orchester leistete Bewun-\nderungswürdiges, und die Ouvertüre wurde stürmisch zur Wieder-\nholung verlangt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas vierte mittelrheinische Musikfest (V. Sinfonie von Beethoven Mendelssohn's Walpurgisnacht). Sehluss. Von L. B.\nZur musicalischen Temperatur. Von V. Musikfest in Worcester. Curiosa aus Handelns Partitur von „Israel in Aegypten14.\nMusicalische Freibeuterei. Tages- und Unterh altungsblatt (Berlin, Königliche Bibliothek Leipzig Wien, Warnung für\nLithographen Merkwürdiges Ehrengeschenk Florenz, Cherubini-Denkmal London, Weber's „Oberon\").\n\nDas vierte mittelrheinische Musikfest.\n\n[V. Sinfonie von Beethoven Mendelssohn's Walpurgisnacht.]\n(Sehluss. S. Nr. 32.)\nNach der Alceste folgten die kirchlichen Gesangstücke:\nein Kyrie von Palest rina (a und das\nrum von Mozart, über deren schönen, ausdrucksvollen\nVortrag wir uns schon oben (S. 251) ausgesprochen ha-\nben. Die Wirkung war um so überraschender, als beide\nStücke, von einem kleinen Chor gesungen, in der Regel\nmehr Eindruck machen. Es machte dem Publicum eben so\nwie den Sängern Ehre, dass es diese Gesänge da capo ver-\nlangte; wir glauben und hörten von Vielen, dass man da-\nmit beide Stücke meinte, es wurde indess nur das\nwiederholt, obwohl der Vortrag des Kyrie in Bezug auf\nzarte Nuancirung und Piano den Preis verdiente.\nHierauf wurde Beethoven's fünfte Sinfonie in\nC-moll mit den vortrefflichen Orchesterkräften in ihren drei\nletzten Sätzen präcis, grossartig und schwungvoll ausge-\nführt, und erregte am Schlüsse einen so anhaltenden Bei-\nfallssturm, wie kein anderes Musikstück an beiden Fest-\ntagen. Auch wir stimmten mit Freuden in den allgemei-\nnen Applaus ein, da uns die richtigen Tempi und die treff-\nliche Ausführung des Andante, Scherzo und Finale, in de-\nnen einige Stellen (z. B. das Trio des Scherzo mit den die-\nses Mal nicht dumpf, sondern sehr deutlich, barsch und\nvernehmlich grollenden und rollenden Bässen, die einzel-\nnen Trioien-Figuren der Saiten-Instrumente im Finale\nu. s. w.) so vorzüglich herauskamen, wie wir sie kaum\nnoch gehört hatten Paris nicht ausgenommen, wo bei\ngleicher Deutlichkeit der Bässe dieselbe Kraft nicht vor-\nhanden ist, die hier entwickelt wurde —, da uns, sagen\nwir, diese Ausführung der drei letzten Sätze für das leider\nmaasslos überhetzte Herabspielen des ersten Satzes, des\noriginellsten und genialsten der ganzen Sinfonie, entschä-\ndigte.\nEs ist uns rein unbegreiflich, dass es möglich ist, das\nTempo dieses Satzes so unverantwortlich zu vergreifen,\nwie es leider noch oft geschieht! Ein solches Presto lässt,\nabgesehen von der dabei gar nicht zu vermeidenden tech-\nnischen Mangelhaftigkeit der Ausführung, keine Spur von\nder tiefen, dämonisch-tragischen Intention drs Tondichters\naufkommen.' Wir sind nicht gesonnen, hier zu wiederho-\nlen, was wir schon so oft über den Vortrag der C-tnoll-\nSinfonie, und namentlich des ersten Allegro, gesagt ha-\nben, am ausführlichsten in Nr. 43 dieser Zeitung vom\nJahre 1857 —: es wäre doch nur Danaiden-Arbeit!\nDenn wir haben die bedauerliche Erfahrung gemacht, dass\nsehr viele von denjenigen, die durch ihre Stellung am mei-\nsten aufgefordert, ja, verpflichtet wären, dergleichen Ana-\nlysen über technischen und geistigen Vortrag unserer be-\nrühmtesten Tonwerke zu beachten, mit der Partitur in der\nHand zu studiren und sie entweder zu widerlegen oder zu\nbefolgen, dass diese dergleichen Aufsätze gerade am we-\nnigsten lesen.\nDer Egoismus und der Eigendünkel, was freilich ein\nnoch zu bescheidenes Wort für ist, haben in\nneuerer Zeit bei den Tonkünstlern dermaassen überhand\ngenommen, dass nicht nur von Autorität und deren Be-\nachtung keine Rede mehr ist, sondern dass Keiner sich\nmehr belehren oder von Anderen eines Besseren überzeu-\ngen lassen will; das hält er für eine Schande! und\nden alten Philosophen, der da sagte, „sein grösstes Wissen\nsei das, dass er nichts wisse\", erklärt er für einen Schwach-\nkopf ohne Charakter. 0, die Geschichte unserer Tage hat\ndavon bei Virtuosen und Dirigenten merkwürdige Beispiele\naufzuweisen! Nur ein Pröbchen. Ein Künstler, der auf\ndem Wege zur Berühmtheit ist, hatte den wohlbegründe-\nten Bath eines älteren Kenners über den Vortrag irgend\neines Musikstückes, ich glaube, es war ein Violin-Quartett,\nbefolgt, und als ihm der letztere darüber sein Compliment\nmachte, erwiderte er: „Glauben Sie ja nicht, dass ich das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.2", "texte": "Ihretwegen gethan habe: ein Künstler muss selbst wissen,\nwas er zu thun hat!\"\nWir sind weit entfernt, Herrn Marpurg in die Kate-\ngorie solcher Egoisten zu setzen; wir sagen nur, dass ihm\nalle früheren Besprechungen über die C-wo/Z-Sinfonie\nwahrscheinlich unbekannt geblieben sind, sonst hätte er\nsicher das Tempo des ersten Allegro anders genommen\nund die Tactpause S. 36 der Partitur (Breitkopf & Här-\ntel) und die zwei Tacte im Scherzo S. 108 weggelas-\nsen. So aber hörten wir diese wieder, als wäre nie etwas\ndarüber geschrieben und sie nicht bereits längst urkund-\nlich und rhythmisch als unmöglich erwiesen (vgl. Rhein.\nMusik-Zeitung, 1852, Nr. 46). Zu den Belegen für die\nNothwendigkeit eines gemässigten Zeitmaasses des ersten\nSatzes, welche in dem oben erwähnten Aufsatze (1857,\nNr. 43) bereits gegeben sind, führen wir hier nur noch\ndie Melodie der Oboe an, welche nach der Durchführung\nim zweiten Theile bei der Wiederaufnahme des Thema's\nzu diesem selbstständig hinzutritt:\nWen diese seelenvolle Melodie allein mit ihrem Schmer-\nzensschrei, der sich in der Ädagio-Cadenz in Wehmulh\nverhaucht, nicht auf den Weg zum wahren Tempo des\nganzen Satzes führt, dem ist eigentlich nicht zu helfen.\nAber freilich, man hört in der Regel nichts weiter von die-\nser Melodie, als die Fermate, weil die Saiten-Instrumente\nsie übertönen, zumal wenn sie, wie man oft hört, aus eige-\nner Begeisterung (?) das Crescendo schon zwei Tacte frü-\nher, als es sein soll, anfangen!\nWas das rein Technische betrifft, abgesehen von dem\ncharakteristischen Vortrage, so wird mir vielleicht entgeg-\nnet, dass jeder Orchesterspieler in unseren Tagen keine\nSchwierigkeiten in diesem Satze finde. Ich frage dagegen\njeden urtheilsfähigen Zuhörer und die ausführenden Vio-\nlinisten selbst, ob bei einem solchen Tempo, wie es genom-\nmen wurde, die drei Achtel des Haupt-Motivs so deta-\nchirt herausgebracht worden sind, wie es sein muss, ob\nsich dieselben so von der halben (oder überhaupt ersten\nNote) des folgenden Tactes abgesetzt haben, wie es sein\nmuss, ob der von Beethoven beabsichtigte wirkungsvolle\nContrast (S. 17 10 der Partitur) zwischen drei und zwei\nAchteln:\nzu hören gewesen, endlich ob sie die Figur:\nund so weiter so gespielt haben, wie sie bezeichnet ist\nvon der Hast zu schweigen, mit welcher die Hörner ihre\ndrei Achtel überstürzen mussten, während bei der grossen\nFermate (nach der Durchführung) die Trompeten und dio\nPauken nur schmetterten und wirbelten, ohne die gewal-\ntige Wirkung der deutlich abgesetzten Noten:\nhören zu lassen.\nWir sagen dies alles wahrlich nicht, um zu kritisiren\nund zu mäkeln, sondern um der Ehrfurcht willen, die man\nBeethoven bei jeder Note und bei jeder Intention schuldig\nist. Es liegt im Wesen der Sache, dass überall, wo sich\ndas Gewöhnliche des Erhabenen bemächtigt, dieses in die\nSphäre von jenem herabgezogen wird; darum werden Auf-\nführungen von Meisterwerken in Garten-Concerten und auf\nParadeplätzen die Tonkunst eben so wenig fördern, wie\nCopieen die Malerei und gebrannte Thonfiguren die Sculp-\ntur. Dem Eindringen der dadurch hervorgerufenen Nach-\nlässigkeiten und Fehler entgegen zu wirken, ist heilige\nPflicht der Künstler, zumal bei Aufführungen an Musik-\nfesten, von denen aus eine zahlreiche Menge das Falsche\nwie das Richtige weiter trägt.\nDie zweite Abtheilung brachte „Die erste Wal-\npurgisnacht\" von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nSo oft wir dieses Werk hören, bedauern wir jedes\nMal, dass Mendelssohn die romantische Richtung in der\nMusik verlassen hat, um sich der kirchlichen fast ausschliess-\nlich zu widmen. So hoch wir seine Oratorien und Psalmen\nschätzen und sie täglich höher schätzen lernen, so glauben\nwir doch, dass seine Natur ihn eigentlich zum Bomantiker\nbestimmt hatte, wie das seine Ouvertüre und Musik zum\nSommernachtstraum, die anderen Ouvertüren, namentlich\ndie Hebriden, das Clavier-Quartett, das G-moll-Concert,\ndie J.-mo//-Sinfonie offenbaren. Hält man von seiner Vocal-\nmusik die Walpurgisnacht, eine grosse Anzahl seiner Lie-\nder und das Finale aus der Lorelei zusammen, so wird\nman kaum zweifeln können, dass er, wenn er an dieser\nBichturig festgehalten oder sie neben der anderen mit der-\nselben Liebe gepflegt hätte, mit C. M. von Weber und\nHeinrich Marschner eine Zierde der echt deutschen, volks-\ntümlichen Oper geworden sein würde.\nDie „Walpurgisnacht\" ist uns desshalb als ein Werk\nvoll jugendlicher Phantasie, das einer begabten Künstler-\nnatur in ursprünglicher Frische entquollen, gar lieb und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.3", "texte": "theuer. Obwohl sie erst 1844 und als Opus 60 erschien\n(zum ersten Male aus dem Manuscript am 2. Febr. 1843\nin Leipzig aufgeführt), so schrieb sie Mendelssohn doch\nschon 1831 in seinem zweiundzwanzigsten Jahre, in den\nFrühlingsmonaten des italischen Himmels während seines\nAufenthaltes in Bom. Um unsere obige Behauptung zu\nrechtfertigen, braucht man nur auf die Musik zur ersten\nScene, von da an, wo die Ouvertüre den „Uebergang zum\nFrühling\" andeutet, bis zum Schlusschor derselben: „Hin-\nauf nach oben! So wird das Herz erhoben!\" zu verweisen.\nDie milden Lüfte wehen uns an, das Leben der Natur er-\nwacht, die Stimme eines Jünglings und der Chor der Jung-\nfrauen geben den Gefühlen Ausdruck, welche schon die\neinzelnen melodischen Bufe der Hörner und Clarinetten\nverkündeten; aber in der Brust des jungen Druiden bricht\nauch ein neues Seelenleben auf, die Begeisterung für den\nalten Glauben, der zusammengewachsen ist mit der Liebe\nzu Vaterland und Freiheit und mit dem Hass gegen die\nEroberer. Seine glühende Aufforderung erklingt, im Sym-\nbol der „Flamme\" das Opfer des „reinen Herzens\" dem\nGott, den sein Volk begreift, zu bringen, und im Ausbruch\neiner lange unterdrückten, von Gewalthabern niedergehal-\ntenen Freude erhebt sich das Volk zur That: „Hinauf!\nHinauf!\" —Welch eine Introduction zu einer romantisch-\nheroischen Oper, deren Handlung in die Zeit der Kämpfe\nzwischen den Franken und Sachsen fiele!\nDie Ausführung des Werkes zeigte als eine in Chor\nO D /\nund Orchester sehr gelungene zum Schlüsse des Festes\ndie vorzüglichen musicalischen Kräfte des Vereins noch\neinmal in vollem Lichte. Die beiden Haupt-Solo-Partieen\nsaneen die Herren Schnorr und Stock hausen; letzte-\no\nrer, aus dem Bade Kreuznach als Zuhörer anwesend, trat\naus Gefälligkeit an die Stelle des Herrn Kind er mann,\nwelcher heiser geworden war. Da diese Aenderung erst\nwährend der Pause zwischen den beiden Abiheilungen des\nConcertes- eintrat, so musste sie allerdings dem Publicum\nangezeigt werden. Dies hätte aber vor der Ouvertüre ge-\nschehen müssen, nicht nach derselben, wo, da sie unmit-\ntelbar in Nr. 1 übergeht, durch die Bekanntmachung eine\narg prosaische und höchst unästhetische Unterbrechung\ndes Musikstückes veranlasst wurde. Uebrigens reichte\nStockhausen's Stimme, seinen Vortrag der Partie des Prie-\nsters in allen Ehren, für den grossen Baum nicht aus. Das\nTenor-Solo führte Herr Schnorr, der überhaupt in heroi-\nschen Partieen ausgezeichnet ist, wozu ihn sein mächtiges\nOrgan besonders befähigt, vorzüglich gut aus.\nDas zahlreiche Publicum bekundete am Schluss durch\nlangen Applaus seine Befriedigung über das ganze Pest.\nHerrn Capellmeister Marpurg wurden Hochs und Be-\nkränzungen zu Theil, und Se. K. Hoheit der Grossherzog\nvon Hessen hatte ihn durch Verleihung der grossen golde-\nnen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.\nIn dem Begleitschreiben äussert der Minister Freiherr von\nDalwigk sich schliesslich, „dass Se. Königliche Hoheit um\nso freudigeren Antheil an dem Feste genommen, je mehr\nAllerhöchstsie überzeugt sind, dass das vierte mittelrheini-\nsche Musikfest ein Denkmal bleiben wird für den altbe-\nrühmten Kunstsinn und den feinen Geschmack der Stadt\nMainz und ihrer wackeren Bewohner.\"\nDer musicalische Theil des Festes war mit dem Ende\ndes zweiten Concertes Montag Abends beendet. Eine Menge\nder Festgenossen benutzte den schönen Abend zu einer\nFahrt nach Wiesbaden, sah sich dort das Feuerwerk\nan, das am Vorabende des Geburtstages des Herzogs von\nNassau abgebrannt wurde, und kehrte zum Balle zurück,\nder in der schnell zum Tanzsaale umgeschaffenen Frucht-\nhalle bis an den Morgen dauerte.\nEin drittes Concert, in welchem die künstlerische Vir-\ntuosität vertreten wäre, findet bei den mittelrheinischen\nMusikfesten nicht Statt. Dagegen war der Dinstag in Mainz\nnoch ganz dem volksthümlich heiteren Treiben bestimmt,\ndas zu einer Eisenbahnfahrt nach Budenheim und dem\nLeniaberge (mit herrlicher Aussicht über den Bhein hin)\nund vollends am Abende auf der glänzend beleuchteten\n„neuen Anlage\" Tausende von Menschen versammelte.\nDie Gesammtkosten des Festes sollen sich auf 28,000\nFl. belaufen haben, zu denen, was rühmenswerth zu er-\nwähnen, die Stadtcasse 4000 Fl. beigetragen und Privat-\nleute einen etwaigen Verlust mit 8000 Fl. durch Unter-\nzeichnung gedeckt hatten. Der Besuch war aber so zahl-\nreich, dass diese Bürgschaft wohl nicht in Anspruch ge-\nnommen zu werden brauchte.\nJedenfalls hat Mainz sich in glänzender Weise um das\nFest verdient gemacht, und die Thätigkeit und Umsicht des\nleitenden Comite's, an dessen Spitze Herr Franz Schott\nstand, hat sich den aufrichtigsten Dank aller Kunst- und\nFestgenossen erworben.\n\nL. B.\n\nZur musicalischen Temperatur.\n\nIn neuester Zeit spielt die Temperatur-Frage wieder\neine Rolle. Es wird ohne Weiteres der Stab über ein Sy-\nstem gebrochen, das sich beikommen lässt, die Temperatur\nals etwas Wesentliches zu betrachten.\nSo äussert sich die „Deutsche Musik-Zeitung\" in ihrer\nKritik*) über die gekrönte Preisschrift von C. F. Weitz-\nmann folgender Maassen: „Das Zwölfton-System, nach\n\n*) Der wir im Ganzen vollkommen beistimmen.\nDie Eedaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.4", "texte": "welchem eis und des, eis und f als identisch betrachtet\nwerden, ist ein irriges. Ein System lässt sich nur auf das\ninnere Wesen einer Sache gründen, das ist aber in der\nMusik nimmermehr die Temperatur, welche nur ein\näusserer Nothbehelf genannt werden kann, um die Unvoll-\nkommenheit der Musik-Instrumente weniger fühlbar zu\nmachen, ein Nothbehelf, dessen Möglichkeit glücklicher\noder unglücklicher Weise durch die Stumpfheit des mensch-\nlichen Gehörsinnes gegeben ist. Die wahre und ideale Be-\nschaffenheit der Musik kennt keine Temperatur, hier\nherrscht Reinheit.—Unreinheit ist nur dort gültig, wo sie\nhingehört, wo die Natur sie hinstellt, nicht, wo der Mensch\nsie macht.\" „Dass aber die Theorie die Unwahrheit\noder Unvollkommenheit zur Basis nehmen müsse, heisst so\nviel, als die Sünde zur Grundlage der Moral machen.\"\nAn einem anderen Orte spricht der Kritiker Folgendes:\n„Kann man auch kein unbedingter Gegner der Enharmo-\nnik sein, eben weil die Meister auf Grundlage des im Ge-\nbrauch festgestellten temperirten Systems sehr viel Geist-\nreiches aus ihr herausgebildet haben, so ist der Missbrauch\ndoch verwerflich\" u. s. w.\nWenn wir recht verstehen, so handelt es sich in die-\nsem Streite nicht sowohl um das leidige Fait accompli der\nTemperatur und deren theoretische Zulässigkeit, als viel-\nmehr um deren Missbraueh. Es ist ein Streit der Praxis,\nder sich hinüberspielt auf das Feld der Theorie. Denn was\nHerr S. B. sonst sagt, unterschreiben wir gern, nämlich:\n„Der Missbrauch sei verwerflich und am allerschädlichsten\nden Producten selber. Was fortwährend reizen und packen\nwill, reizt und packt gar nicht. Was fortwährend geistreich\nsein will, wird zuletzt läppisch, und was überklug ist, wird\nnicht verstanden und geht aus Mangel an Theilnahme den\nWeg alles Fleisches.\"\nSo wahr dies alles und so wenig neu zugleich, so\nsollte Herr S. B. doch den alten Spruch kennen:\nnon tolht usum*). Ein Raphael und ein Stümper in der\nMalerei bedienen sich doch des nämlichen Materials; noch\nNiemandem aber ist es eingefallen, der Malerei den Vor-\nwurf zu machen, dass sie ihren Pwnsel nicht taucht in die\ntarben-llarmonie des Urlichts, dass sie sich mit armseli-\ngen Surrogaten behelfen muss. So bleibt sich das Ton-\nmaterial auch gleich, wer immer es braucht, ob ein Mo-\nzart oder der ärgste Stümper; warum also gelegentlich\neines Streites über den „richtigen Gebrauch\" dieses Ton-\nmaterials Steine werfen auf die Theorie der Enharmonik\nüberhaupt? warum also die Frage aufwerfen aus einem\n„Missbrauch derselben\", ob sie überhaupt zu Recht be-\nstehen, oder ob sie bloss geduldet werden dürfe?\nHat unsere Musik gewonnen oder verloren durch die\nEnharmonik? Ist diese Errungenschaft nur eine Pseudo-\nErrungenschaft, so schaffe man sie ab; ist sie aber ein\nGewinn, Warum undankbar stets darauf schmähen? Wir\nsehen, wie weit wir kommen durch unsere absolute reine\nAkustik; sie ist unpraktisch; wesshalb also schwärmen für\ndas absolut Unerreichbare? Die absolute Idealität bleibt\netwas Unerreichbares in unserer Zeillichkeit; wie all unser\nWissen nur Stückwerk, so klebt auch unserem Können\ndieser Makel der Unvollkommenheit an.\nWer hätte bis jetzt ein absolut reines Orchester ge-\nhört? welches Tonstück ist je metronomisch richtig zu Ende\ngespielt worden? Ein ganzes Regiment vermag nicht rhyth-\nmisch präcis im Tacte zu marschiren, so wie das Echo\neinen Ton sicher um eine Schwebung tiefer zurückwirft.\nAlle diese olfenbaren Mängel streiten eben so gut gegen\ndie Idealität unserer Musik, und es ist die Frage, ob nicht\ndie Enharmonik es ist, die durch ihre Begränzung der\nmusicalisch unfassbaren Idealität unseres Ton-\nSystems unsere Musik erst praktisch gemacht hat.\nUnser Ohr hat das Bestreben, jeden Leiteton etwas\nschärfer zu markiren; nun aber kann jeder unserer zwölf\nTöne in diesen Fall kommen. Beispiel die beiden Töne\nh und f.\nIm Beispiel a. bildet hdiesen Leiteton; im ersten Falle\nbilden die beiden Töne den Tritonus $4, im zwei-\nten Falle die beiden Töne die so genannte falsche T,—in\nbeiden Fallen ist h der Leiteton.\nUnter b.ist jetzt / dieser Leiteton, wie unter c. und\nd.; unter b.ist der Orthographie nicht Rechnung getragen,\nwie unter c. und d. Das Ciavier kennt, wie wir wissen,\ntrotz der verschiedenen Orthographie diesen leisen Unter-\nschied nicht. Unser Gefühl substituirt trotz der Enharmo-\nnik dieser beiden Töne diese mangelnde Schwebung; der\nUnterschied ist in der Thal ein wesentlicher, es ist nämlich\nbald f,bald hLeiteton, wir sehen nur zweierlei Schritte.\nZugegeben, die leise Schwebung in beiden Fällen liesse die\nbeiden Töne fund hals verschieden erscheinen, wie wis-\nsen wir den Unterschied hinzustellen zwischen und\nWir sind a tempo in fis oder ges. Hätte ein Violinist den\n\n*) Hier thut der Herr Verfasser Herrn S. B. Unrecht, denn die-\nser sagt ja S. 243 ausdrücklich: „Wer die wirkliche Berechti-\ngung der Enharmonik kennen lernen will, der studire die im-\nmer wieder jugendlich wirkenden Werke der Meister; er sehe,\nwann und wo sie von diesem äussersten Mittel Gebrauch ge.\nmacht haben.1* Die Bedaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.5", "texte": "Unterschied heider Töne noch so gewissenhaft markirt, so\nweiss er am Ende nicht, ob er in ist oder in\nEr müsste sonach jeden der beiden Töne drei Mal\nverschieden nehmen: ein Mal als Leiteton scharf, dann\nals ces herabschwebend für b und als Ii für ais; eben so\n/ herabschwebend für e,dann aber scharf als Leiteion für\nges, aber auch als eis für fiWelcher Violinist könnte\ndiese sechsfache ideelle Verschiedenheit dieser zwei enhar-\nmonisch temperirten Töne zu Gehör bringen? Ja, selbst\nfür die Violine ist eine durchgehende ideelle Reinheit\npriori schon eine Unmöglichkeit. Müssen wir nicht vielmehr\nder Temperatur verpflichtet sein, dass sie uns für je drei\nTöne nur Einen gegeben?\nEs ist die grosse Frage, ob nicht die Temperatur viel-\nmehr, durch das Ohr des Menschen geleitet, schon als un-\nabweisbare Notwendigkeit in der Musik liegt. Es dürfte\nnicht Stumpfheit zu nennen sein, als vielmehr Feinheit, da\nsich herausgestellt, dass ein wesentlicher Unterschied zwi-\nschen fis und ges in dem obigen Falle nicht sein könne.\nDer wesentliche Unterschied liegt nur darin, dass in den\nbeiden Fällen entweder h oder f als Leiteton markirt er-\nscheint, somit durch diese Anschauung in der Wirklichkeit\nauch nur ein zweifacher Schritt möglich ist, ob er auch,\nwie im letzten Falle, dreifach (ein Mal unorthographisch,\nzwei Mal orthographisch) geschrieben werden kann. Wir\nhaben in diesen Beispielen dem Leiteton die Zahl 7 gege-\nben, dem zufolge müsste auch der andere Ton jedesmal\ndie Zahl 4 erhalten, eine Anschauungsweise, die vielleicht\nMancher nicht theilt.\nIst denn aber der Unterschied einer chromatisch ver-\nschiedenartig zu schreibenden Scala ein wesentlicher? Ist\nein wirklicher Unterschied, ob ich schreibe wie bei a.\noder wie bei b.?\nMozart schreibt in einem seiner Quartette wie bei a., und\nwäre es am Ende nicht correcter, diesen Passus wie bei\nb. zu schreiben? Was ist also die Moral davon? Beides\nist gleich richtig, somit es = dis, f eis; und was melo-\ndisch gleich, dürfte auch harmonisch gleich erachtet wer-\nden: somit fis = ges.\n\nV.\n\nMusikfest in Worcester.\nDass in England Alles ins Kolossale geht, ist bekannt;\neben so, dass man bei englischen Musikfesten und grossen\nConcerten von den massenhaften Programmen erdrückt\nwird. Dennoch ist die Ueberfüllung noch nie zu einer sol-\nchen musicalischen Sündflut gestiegen, wie in diesem Jahre,\nund die folgende Skizze des Musikfestes, das im September\nzu Worcester Statt finden wird, wird Erstaunen erregen.\nDie vier Tage desselben, vom 11. —l4. September,\nwerden folgende Aufführungen bringen:\nDinstag den 11. September, Morgens: Orato-\nrien-Concert. „Die Schöpfung\" von Haydn, erster Theil.\nF. Mendelssohn's „Paulus\", erster Theil. Pause von 20\nMinuten. „Paulus\", zweiter Theil. Im Ganzen über sieben-\nzig Nummern.\nDinstag, Abends: Gemischtes Concert. „Die Mai-\nKÖnigin\", Cantate von W. Sterndale-Bennett; Ouver-\ntüre zum Teil von Rossini; Phantasie für die Violine\nüber Yerdi'sche Thema's von Blagrove, und zehn Ge-\nsangstücke, Soli und Ensembles, von Hiller, Macfar-\nren, Gluck [Che farö senza Euridice) und unmittelbar\ndarauf Meyerbeer (Schattentanz und Gesang der Dino-\nrah!), Mozart, Donizetti und Verdi.\nMittwoch den 12. September, Morgens. Ora-\ntorien: „Die letzten Dinge\" von L. Spohr.—ln der zwei-\nten Abtheilung: Auswahl aus Händel's „Judas Macca-\nbäus\" (24 Nummern). Zusammen 53 Nummern.\nMittwoch, Abends: Gemischtes Concert. Ouvertüre\nzum „Beherrscher der Geister\" von Weber; Sinfonie Nr.\n2 in D von Beethoven; „Erlkönigs Tochter\" von Gade\nund dreizehn Gesangstücke von Weber, Elliot, Mel-\nlon, Rossini, Mozart, Balfe, Benedict, Flotow,\nAuber.\nDonnerstag den 13. September, Morgens:\nOratorium „Elias\" von F. Mendelssohn.\nDonnerstag, Abends: Gemischtes Concert. Ouver-\ntüre und Auswahl aus der „Lurline\", Cantate von Wal-\nlace; Violin-Concert von Mendelssohn, gespielt von\nMr. Sainton, und dreizehn Gesangstücke von Rossini,\nHändel, Mozart, H. Oakley, Meyerbeer\ntoi que j'aime,Mad. Novello), Paer, Donizetti, Hat-\nton, Arnold, Moore, Verdi; zum Schlüsse:\nihe Queen.\nFreitag den 14. September, Morgens: Der\n„Messias\" von Händel.\nEs werden also vier grosse Oratorien: „Paulus\", „Die\nletzten Dinge\", „Elias\", „Messias\", vollständig, ausserdem\nvon der „Schöpfung\" sechszehn, vom „Judas Maccabäus\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.6", "texte": "vierundzwanzig Nummern binnen vier Tagen gegeben!\nDazwischen noch drei Concerte mit einem Durcheinander\nvon Cantaten und Virtuosen-Solostücken!\nDes Spasses wegen haben wir auf den zwei Program-\nmen, deren jedes eine Länge von zwei Fuss rheinl. hat,\nund die des Porto's wegen auf feinstem Seidenpapier ge-\ndruckt versandt werden, die sämmllichen Stücke gezählt:\nes ergibt sich, dass ein englischer Musikfreund von echtem\nSchrot und Korn an diesen viertehalb Tagen 271 Num-\nmern Musik hören kann!!\nZu gleicher Zeit wird ihm die Auswahl der Gesang-\nCelebritäten von London vorgeführt. Merkwürdiger Weise\nsind dies aber seit einem Jahrzehend stets dieselben; aus-\nser der Italiänerin Mademoiselle Parepa finden wir auf\nden ellenlangen Programmen keinen neuen Namen. Das\nWorcester Journal kündigt an, dass Madame Clara\nvello zum letzten Male bei diesem Feste auftreten, der\nOeffentlichkeit entsagen und von jetzt an den Namen ihres\nMannes führen wird. Sie wird die Sopran-Partie im ersten\nTheile der „Schöpfung\", im ersten Theile des „Paulus\"\nund am Abende die „Mai-Königin\" und ein Duett von\nVerdi singen; im „Judas\" zwei Nummern, Abends die\ngrosse Scene aus Oberon und ein Rondo von Benedict; im\n„Elias\" die ganze Partie, auch im Oclett, Quartett und\nTerzett, Abends die Arie aus Robert und zwei Volkslie-\nder; endlich die Arien im „Messias\". Ein schöner Ab-\nschied von den öffentlichen Kunstleistungen und zugleich\nein Beweis von wunderbarer Ausdauer und noch immer\nvorhaltender Kraft der Stimme für mehr als zwanzig Num-\nmern. Und ihre erste Kunstreise durch Deutschland fiel in\ndas Jahr 1834!\nAusser ihr werden die Damen Rudersdorf, Weiss,\nSainton-Dolby und Parepa als Solosängerinnen auf-\ntreten und die Herren Sims Reeves, Belletti, Weiss,\nMontem Smith als Solosänger. Nimmt man hinzu, dass\ndie englischen Dilettanten seit länger als zehn Jahren stets\ndieselben Solisten und seit mehr als zwanzig Jahren fast\nstets dieselben Oratorien die Händel'schen bekanntlich\nseit einem Jahrhundert hören, so begreift man kaum,\nwie diese Riesen-Musikfeste, abgesehen von den hohen\nEintrittspreisen, noch ein so zahlreiches Publicum anzie-\nhen, dass die ungeheuren Kosten derselben denn man\nlässt ausser den Solisten in der Regel auch wenigstens\ndie Hälfte des Orchesters aus London kommen gedeckt\nwerden. Dass von ernstlichen Proben bei täglich zwei\nConcerten nicht die Rede sein kann, leuchtet ein; die\nOratorien werden gar nicht probirt; die Möglichkeit einer\ngelungenen Ausführung ist nur durch die langjährige Wie-\nderholung derselben erklärbar.\nNun, wer Lust hat, reise nach Worcester! Wenn er\neinen starken Magen mitbringt, so kann er, wie die Eng-\nländer der betreffenden Musikfest-Rayons, ein Jahr lang\nvon den genossenen Musikstücken zehren.\n\nCuriosa aus Händel’s Partitur von „Israel in\nAegypten“.\nBei Gelegenheit der Aufführung von Händel's „Israel\nin Aegypten\" auf dem mainzer Musikfeste nahm ich die\nPartitur-Ausgabe, welche Mendelssohn im Jahre 1844\nfür die Standard Edition der Handel Society in London\nbesorgt hat, zur Hand.\nDiese Ausgabe ist nach der Handschrift Händel's aul\nder königlichen Bibliothek gemacht, welche, nach Mendels-\nsohn's Aeusserung in der Vorrede, trotz der grossen Eile,\nmit der Händel seine Werke zu schreiben pflegte, correc-\nter und genauer ist, als die gedruckten Ausgaben.\nVon dieser Eile Händel's bringt Mendelssohn mehrere\nBeispiele aus der genannten Original-Partitur bei. Das in-\nteressanteste von allen ist folgendes:\nIn dem grossen Chor: The people shall hear („Das\nhören die Völker\", in E-moll), halte Händel zuerst die\nWorte: „All the inhabitants\nübersehen, und die Partitur schliesst an den 23. Tact so-\ngleich den (gegenwärtig) 57. Tact an: „by the greatness\nof thy Arm11, .Die herrlichen dreiunddreissig Tacte,-die\ndazwischen liegen, sind später auf vier besondere Blätter ge-\nschrieben, auf welche bei Tact 23 durch ein N.8., das\nin der Mitte der Seite steht, verwiesen ist.\nDie Anzeigen über die Eintheilung des Oratoriums in\nzwei Theile sind ungenau, und Händel scheint Anfangs\neine andere, als die jetzt angenommene Ordnung, befolgt\nzu haben. Auf der ersten Seite der Partitur steht nämlich:\nPart No. 2 of Exodusund unter dem Chor, der gegen-\nwärtig den ersten Theil schliesst, steht:\n2da d'Exodus October 20— Ueber\ndem Chor: „Moses und die Kinder Israels\", der jetzt den\nzweiten Theil beginnt, steht geschrieben: Moses song,\nExodus, Chap. 15., Introitus—und deutsch: „Angefan-\ngen Oct. 1. 1738.\" Unter der letzten Seite: „Fine\n11. 1738; den 1. November völlig geendiget.\"\nDiese Dinge müssen den Händel-Enthusiasten, die für\ndie hohe innere poetische Einheit jedes Werkes des Mei-\nsters schwärmen und deren Verletzung durch etwaige Aus-\nlassungen als Frevel brandmarken, grosse Verlegenheit be-\nreiten. Zur Verzweiflung wird es sie aber bringen, wenn\nsie ferner in Mendelssohn's Vorrede Folgendes lesen:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.7", "texte": "„Es ist interessant, zu erwähnen, dass Händel in die-\nser Partitur mit Bleistift Namen über jede Nummer ge-\nschrieben hat, welche offenbar die der Sänger sind. So\nschrieb er über die Arie Their land Irought forth frogs\n—jetzt Nr. 5 Mr. Savage;über die Arie\nblow(Nr. 29)—S. Frances;über das Duelt\nmercy (Nr. 32)—Mr. Bird au. s. w.\nu. s. w. Nach dem Chor But as for liis people (Nr. 10)\nsteht mit Bleistift: „Throngh'the Land\" Sr. Frances Nr.\n1.; nach dem Chor (Nr. 14) But the waters: No. 2. „An-\ngelic Splendour\" S. Frances; nach dem Chor (Nr. 24)\nThy right hand o Lord steht: No. 3. Cor fedele ex 9,\nS. Francesina; nach dem Duett (Nr. 32): No. 4, la\nSperanza, la costanza, 8. Fi ances. Geht daraus\nnicht hervor, dass bereits zu Händel's Zeit diese lange\nReihe von Chören durch beliebte Sologesänge unterbro-\nchen wurde, und dass die Prima Donna das Cor fedele\nin „Israel in Aegypten\" hineinbrachte?\"\n\nEingesandt.\nMusicalische Freibeuterei.\nDa mir die Op. 1 —lBl des Herrn Popp nicht bekannt geworden\n(Uns auch nicht. D. Red.), so kann ich nicht beurtheilen, ob solche\nauf dieselbe Manier entstanden sind, wie Op. 182.\nBernhard Friedel\n(früher W. Paul),\nKunst- und Musicalienhandlung in Dresden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEine Concerthatz in den Taunus bädern. Auf meiner\nSpazirreise durch den Rheingau und den Tannus habe ich einige\nBeiträge zur Charakteristik von Virtuosen gesammelt, von denen ich\nIhnen vorläufig Einen mittheilen will, der pikant genug ist.\nEin Pianist wir wollen ihn X. nennen hatte vor, in\nSchwalbach ein Concert zu geben, wie er schon öfter mit gros-\nsem Beifall dort gethan Desshalb erhielt er von dem Bürgermeister\noder Amtmann die Zusage, dass in kurzem Zwischenraum vor sei-\nnem Concerte keinem anderen Bewerber der Vorrang gegeben wer-\nden solle. Der Tag wurde dem gemäss bestimmt.\nNun lebten aber bis dahin in stiller Abgeschiedenheit zu Schwal-\nbach Fräul. Ingeborg-Stark und Herr Hans von Bronsart.\nerstere eine Ciavieristin aus Petersburg, letzterer bekanntlich, wie\nHans von Bülow, ein Schüler von Liszt. Die Ankündigung des Con-\ncertes von X. Entriss sie dem idyllischen Leben; sie „entschlossen\nsich auf dringende Aufforderung-*, selbst ein Concert zu geben, und\nHerr Hans v. B. suchte den Vorrang vor X., d. h. der Zeit nach,\nsogar durch eine Beschwerde über den Amtmann bei der nassaui-\nschen Regierung zu ertrotzen wahrscheinlich ebenfalls auf drin-\ngende Afforderung. Die Regierung war so kühn, ihn ab- und an den\nAmtmann zurück zu weisen. Nun wurden die Waffen und Pfeile,\ndie Basilio im Barbier von Sevilla besingt, gewetzt und gespitzt, und\nin allen Reunionen und an der Gasttafel war von Unterdrückung\nder Kunst, Bevorzugung durch Behörden u. s. w. weit-\nhin hallend die Rede. Nachdem das Terrain mürbe gemacht, wurde\nder letzte Hebel angesetzt, den Stein des Anstosses, wo nicht aus\ndem Wege zu räumen, doch schlau zu umgehen. Soll ich, so dachte\nHerr Hans v. 8., mein Concert nicht vor dem des verhassten Ne-\nbenbuhlers geben, so gebe ich es gleich Tags darauf!\nGedacht, gethan. Als Concertgeber Nr. 1 in aller Seelenruhe\nund Sicherheit nach Schwalbach kommt, erblickt er mit Entsetzen\nan allen Ecken und Bäumen die grossen Anschlagzettel der Con-\ncertgeber Nummer 2 und 3. Zugleich hatte das Künstlerpaar den\nMann, der die Beiträge für die Armen einholt, gewonnen; er trug\nin seiner schwarzen Mappe ihre Subseriptionsliste herum der\nForm wegen, denn man hatte ja nur den dringendsten Bitten nach-\ngegeben! und diese industrielle Speculation war wohl berechnet,\ndenn der gute Mann war berechtigt, von Hotel zu Hotel, von Zim-\nmer zu Zimmer zu gehen. Kurz, das ganze Manöver glückte. Und\num welchen Preis „Räuber und Mörder\" ? sagt Schiller. Nummer\n1 hatte es auf 24 30, Nummer 2 und 3 auf höchstens 60 Billets\ngebracht!\nSoll ich Ihnen nun noch nach Anhörung der beiden letzten Con-\ncertgeber-Nummern meine Ansicht aussprechen, so geht diese dahin,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600811-01.1.8", "texte": "Dass Herr Hans von Bronsart ein tüchtiger Clavierschläger ist, Fräul.\nIngeborg zwar ebenfalls hämmert, aber doch auch noch fähig ist,\neine Gesangstelle fein und natürlich vorzutragen.\nIm Ganzen aber wage ich auch nach dieser neuen Erfahrung\nzu behaupten, dass die wahre Art, das Ciavier zu spielen, so wie\nsie von J. B. Cramer, Clementi, Dussek, Kalkbrenner und Mosclieles\ngelehrt worden, anfängt, verloren zu gehen!! Man haut mit Hebung\nder ganzen Hand auf Eine Taste. Die Fingerkraft genügt nicht mehr,\num einen schönen Einzelton zu erzielen: ohne rapideste Schlagfer-\ntigkeit in sechs Octaven und Accorden geht's nicht mehr! Um zu\ngefallen, muss man vor Allem imponiren und der wahren Kunst des\nClavierspiels einen derben Faustschlag ins Gesicht thun!!\n——————————————- /\nISei'lin« Der Staats-Anzeiger veröffentlicht den Jahres-Bericht\nder hiesigen königlichen Bibliothek. Unter den Bereicherungen, wel-\nche der Bibliothek neben den aus dem regelmässigen Fonds dersel-\nben bestrittenen Ankäufen im vergangenen Jahre zu Theil geworden\nsind, nehmen zwei Sammlungen die erste Stelle ein: die durch den\nGeneral W. von Scharnhorst mit grösster Sorgfalt gebildete Karten-\nsammlung von ungefähr 36,000 Nummern und die durch ausseror-\ndentliche Bewilligung des Kaufpreises erworbene musicalische Biblio-\nthek des verstorbenen Professors am Conservatorium zu Wien, Jo-\nseph Fischhof, an 3978 Nummern, welche hier nicht vorhanden\nwaren; sie haben die hiesige königliche Sammlung auf eine kaum\nzu erwartende Weise ergänzt und um ganze Abtheilungen vervoll-\nständigt.\nSjelpxig. Der Verlag von Breitkopf und Härtel kündigt eine\nneue Ausgabe von Otto Jahn's allgemein geschätztem, trefflichem\nWerke „W. A. Mozart8 in 26 Lieferungen zu einem halben Thaler\nan. Diese unveränderte Ausgabe in Lieferungen, von welchen alle\nvierzehn Tage eine ausgegeben werden soll, so dass das ganze Werk\nbinnen Jahresfrist erlangt werden kann, soll weniger Bemittelten\ndie Gelegenheit verschaffen, sich dieses Werk, das in Folge seines\nUmfanges einen höheren Preis hat, anzuschaffen. Die erste Lieferung\nliegt in allen wolilassortirten Buchhandlungen zur Einsicht vor.\nDie Neue Wiener Musik-Zeitung von F. Glöggl veröffentlicht\nfolgende „Warnung für Lithographen. Von mehreren Musik-\nVerlegern dazu aufgefordert, warnen wir die Herren Lithographen,\nfür Liedertafeln die Vervielfältigung der Stimmen der Männerchöre\nzu veranlassen. Die Verleger werden das Eigenthumsrecht ihrer Ver-\nlags-Artikel bei abermals vorkommenden derlei Fällen auf das\nstrengste nach den bestehenden Gesetzen zu wahren wissen. Wenn\ndie Vereine es bequem nndcn, ihren Bedarf an Stimmen zu verviel-\nfältigen, und glauben, weil sie diese Vervielfältigung nur zu ihrem\neigenen Bedarf benutzen, nichts Gesetzwidriges zu unternehmen,\nso ist dieser Irrthum verzeihlich; allein der Lithograph soll es wis-\nsen, dass ein solches Verfahren unter allen Umständen als Nachdruck\nbehandelt wird, daher auch die Verleger ihr Recht nicht gegen die\nVereine, sondern gegen die Lithographen geltend machen werden.*1\n// / I\nMerkwürdiges Ehrengeschenk. Man war überrascht, als\nvor mehreren Jahren die Ungarn Franz Liszt einen Säbel schenk-\nten; jetzt hat Emma Lagraa nach ihrer letzten Vorstellung der\nNorma in Pesth einen Dolch erhalten. Die Klinge ist von Silber;\nder vergoldete Griff, mit Edelsteinen verziert, hat die Inschrift: Alla\nSignorina Lagrua la gioventü di Pesth. 1860.\nIn Florenz hat sich auf Anregung des Professors Ferd. Morini,\ndes Herzogs von San demente, Marchese Azzelino u. A. ein Verein\nzur Errichtung eines Monumentes für Cherubini gebildet. Maria\nLuigi Carlo Cherubini wurde den 8. Sept. 1760 zu Florenz geboren.\nXjOiicloit. Im königlichen Opernhanse ist Weber's „Oberon®,\nder mit Spannung erwartet wurde, in Scene gegangen. Herr Jul.\nBenedict, der Leiter der Oper, der ein Freund Weber's war, hat\nRecitative hinzucomponirt und die Oper durch Einlagen aus „Eu-\nryanthe\" auffrischen zu müssen geglaubt, was ein unglücklicher Ge-\ndanke war. Die Ausführung war nach dem Referate der „Musical\nWorld1 theilweise ausgezeichnet; besonders thaten Fräul. Titjens,\nMad. Alboni (Fatime) und Herr Beiart (Oberon) sich hervor. Mad.\nAlboni musste die Arie nA lonely Arabe Maidu wiederholen. Herr\nMongini (Hüon) war sehr befangen; er schien durch seinen Helm\neben so sehr als durch Weber's Noten genirt zu sein. Herr Everardi\nsang und spielte den Scherasmin ausgezeichnet, und Herr Gassier\nals Prinz Babekan, Fräul. Vänneri als Rosliana und Mad. Lemaire\nals Puck behaupteten sich ehrenvoll. Das Orchester leistete Bewun-\nderungswürdiges, und die Ouvertüre wurde stürmisch zur Wieder-\nholung verlangt."}]}