{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-08-18-01", "volume": "bmtnabi_1860-08-18_01", "ocr_sha256": "51580d00b9952607e1144141289e6313b643a692d5c0cb96fbfb2f3256caba15", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/08/18_01/bmtnabi_1860-08-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "265", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 432, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Concertmusik Kammermusik Fremde Künstler). Von B. P. Eine Zimmer-Orgel mit neuem\nTriebwerk, von Walker und Comp, in Ludwigsburg erbaut. Von Eb. Kuhn. Beurtheilungen: Winfried und die heilige Eiche bei\nGeismar. Oratorium. Musik von D. H. Engel. Von Dr. M. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Prof. Derffel, Herr Waller-\nstein, Hiller's „Lorelei\" Hannover Leipzig Frankfurt a. M. 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Die Erwartung, die von manchen\nSeiten, besonders von den Componisten, gehegt wurde, dass\ndie Zahl derselben vermehrt oder neben den gewöhnlichen\nzehn eine neue Reihe eröffnet werden würde, ist nicht er-\nfüllt worden.\nWer die Geschichte der Vereine zu Orchester-Con-\ncerten in Paris kennt, der weiss, dass zwischen den beiden\näussersten Enden, dem Conservatoire und Musard, keine\nneue Gesellschaft ein Publicum gefunden und ihr Leben\nüber ein paar Jahre hinaus gefristet hat. Auch der\njetzt vorhandene Verein des jeu\ntoire, der mehr vom Glück und von der Mode und von der\nKritik begünstigt worden ist, als frühere ähnliche, dürfte\nes noch nicht weiter gebracht haben, als dass er mit\nseinem Dirigenten steht und fällt. Man kann es daher der\nDirection der Concert-Gesellschaft nicht verargen, wenn\nsie in richtiger Kenntniss des pariser Publicums nicht an\nden Grundpfeilern rüttelt, auf denen ihr Institut beruht.\nBerechtigter scheinen die Wünsche für Ausdehnung\ndes Repertoires; allein auch diese gehen zu weit. Es würde\ndem Institut an Würde und Ansehen und bald auch an\nEinnahme Eintrag thun, wenn es irgend einer modernen\nRichtung der Musik, die sich nicht an die classische an-\nschliesst, Thür und Thor öffnen wollte. Der Tag, an wel-\nchem das Conservatoire-Orchester Wagner's Tannhäuser-\nOuverture aufführte, würde allerdings eine neue Aera be-\nginnen, nach der aber die Anstalt nicht lange zählen würde.\nBei den Wünschen der hiesigen Componisten handelt es\nsich freilich nicht um Wagner, wohl aber um Schumann;\nim Grunde jedoch gilt ihnen auch dieser nur als Name, als\nSchild, hinter welchem sie mit ihrem eigenen Geschütz\naufmarschiren möchten was man ihnen am Ende auch\nnicht verdenken kann.\nIm Ganzen hat sich doch das Repertoire in den zwei\nletzten Jahren bereichert und vervollkommnet, wenn frei-\nlich auch einzelne üble Gewohnheiten, wie Quartettsätze,\nvon vierzig Geigern gespielt, abgerissene Gesänge aus alten\nund neuen Opern, unbedeutende Instrumental-Solostücke\nund dgl., noch immer darauf figuriren. Im vorigen Jahre\nwurden von Beethoven alle Sinfonieen (die VII. und die\nPastorale jede zwei Mal) mit Ausnahme der 111., VIII. und\nIX. gemacht; von Haydn nur Eine in von Mo-\nzart in 0 Nr. IV. und Nr. VIII. und in G-moll. Ausser-\ndem aber zierten Haydn's „Schöpfung\" (ein Mal vollstän-\ndig, ein zweites Mal der erste Theil), Beethoven's Musik\nzu „Egmont\" mit verbindendem Text, Mendelssohn's Mu-\nsik zum Sommernachtstraum, dessen achtstimmiger Psalm,\nFinale's aus „Euryanthe\" von Weber und „Moses\" von\nRossini die Programme.\nDie diesjährige Reihe brachte von Beethoven die\nSinfonieen 1., 11., V. (2 Mal), VII., VIII., IX. und die Mu-\nsik zu den „Ruinen von Athen\" (2 Mal); von Haydn zwei\nSinfonieen und die „Jahreszeiten\" vollständig; von Mo-\nzart nichts als drei Sätze aus dem und einige\nNummern aus „Idomeneo\"; von Bach eine achtstimmige\nMotette; von Mendelssohn die iL-mofö-Sinfonie (2 Mal)\nund wieder den achtstimmigen Psalm; von Fei. David\neine Sinfonie in Es.\nDie zweite Concert-Gesellschaft unter Pasdeloup's\nDirection besteht wirklich schon im achten Jahre,—eine\nLebensdauer, auf welche es weder Berlioz noch Seghers,\nobwohl sehr tüchtige Musiker und Dirigenten, mit ihren\nVereinen bringen konnten. Sie hält sich vorzüglich dadurch,\ndass sie in ihren Programmen wenigstens zur Hälfte den-\nselben Grundsätzen huldigt, wie die erste Gesellschaft,, auch\nsogar deren beliebte Kunststücke, namentlich das Gesammt-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5409, "texte": "spiel von Quartettsätzen, nachmacht. Daneben aber bietet\nsie ihren Abonnenten auch den Reiz des Neuen durch Zu-\nlassung der Werke von Componisten der Gegenwart und\ndurch Einführung bedeutender fremder Künstler als Con-\ncertspieler. Durch letzteres Mittel hat sie bis jetzt mehr\nbefriedigt, als durch ersteres.\nSie gibt ihre Concerte im Ilerz'schen Saale und eröff-\nnete sie dieses Jahr im Januar mit einer Sinfonie des Flö-\ntisten Demersseman, die durch Einfachheit und sicht-\nbare Nachbildung des Haydn'schen Stils theilweise gefiel,\nwiewohl der erste Satz eigentlich mehr eine Ouvertüre mit\neinem Flöten-Solo ist, als ein sinfonischer Satz. Auch das\nFinale bringt eine Violoncell-Melodie, die mehr wie eine\nBitte um Gehör und Gunst aussieht, als dass sie geeignet\nwäre, das Finale einer Sinfonie zu beherrschen. Ferner\nbrachte das erste Concert Weber's Oberon-Ouverture,\nBeethoven's C-mo//-Sinfonie („Ah! ah!\" —also gewisser\nMaassen als Schadloshaltung für die eingeschmuggelte\nNeuigkeit!) und zwei Männerchöre von Mendelssohn und\nHossini.\nIm zweiten Concerte bewies eine Ouvertüre von La-\ncombe, dass man es Niemandem verdenken kann, wena,\ner lieber Weber's und Beethoven's Ouvertüren hört. J.\nDupuis, der junge, treffliche belgische Violinspieler, der\nvon Lüttich hieher übergesiedelt hat, wagte es, den Pari-\nsern Beethoven's grosses Violin-Concert vorzuführen!\nEs gelang ihm freilich nicht, die Antipathie des hiesigen\nPublicums gegen so ausgeführte, sinfonistisch geschriebene\nConcerte gänzlich zu besiegen, allein seine Auffassung und\nsein Vortrag erwarben ihm den vollsten Beifall der Renner\nund Kunstfreunde. Zum Schlüsse wurde Mendelssohn's\nvierte Sinfonie gemacht.\nIm dritten Concerte wurde Mozart's Ouvertüre zur\nZauberflöte recht fein, nur etwas zu schnell ausgeführt.\nLouis Brassin spielte das G-moll-Concert von Mendels-\nsohn mit grossem Erfolg, der sich, wie ich schon früher\nberichtet habe, in den drei von ihm gegebenen Concerten\nzu einer Höhe steigerte, auf welche nur wenige Künstler\naus dem hiesigen Strudel, in welchem es von Pianisten so\nwie in Schiller's „Taucher\" von gräulichen Fischen wim-\nmelt, empor gehoben werden. Eine Sinfonie von Haydn\nin G-dur und Meyerbeer's Ouvertüre und zwei Zwi-\nschenacte zu „Struensee\" wurden gut gespielt. Meyerbeer's\nMusik zu der Tragödie seines Bruder's hat allerdings einen\nCharakter von Bedeutung, allein das wirklich unverschämte\nLob, das die hiesigen Blätter über sie herschütten, treibt\neinem ehrlichen Musiker doch das Blut in die Wangen.\nIm nächsten Concerte waren die i?-c?wr-Sinfonie von\nSchumann und ein Violin-Concert von Spohr ein paar\nsehr seltene Früchte für Paris. Die Sinfonie hatte einen\nSucces d'estime, den das Publicum durch einige sehr ei-\nfrige, ja, sogar verdriessliche Beifallsstürmer nicht steigern\nliess, aber auch jene Chauvinisten nicht hinderte. Dagegen\nriss Herr Kömpel, dem die Niederrheinische Musik-Zei-\ntung vor zwei Jahren zuerst eine hervorragende Stellung\nin der Kunstwelt vorhergesagt hat, Alles zu enthusiasti-\nschem Beifall hin. Es offenbarte sich einmal wieder recht\nklar, wie die grosse deutsche Schule des Violinspiels doch\nalle Hexereien der anderen in Schatten stellt und auf der\nStelle vergessen macht. Auch die hiesige Kritik wagte die-\nses Mal nicht, die gewöhnliche Phrase von der Sanctioni-\nrung des Ruhmes fremder Künstler durch den pariser Ge-\nrichtshof in Geschmackssachen auszusprechen. Sie resu-\nmirte sich darauf, dass unter Kömpel's Händen die Violine\nsich als wahrhafte Königin der Instrumente bewähre, dass\nder „eminente Künstler alle Eigenschaften besitze, welche\nden Virtuosen ersten Ranges, in der schönsten und rein-\nsten Schule gebildet, ausmachen. Er bringt uns jene Breite\ndes Tones, jene Reinheit der Intonation, jene Zartheit des\nnuancirten Vortrags wieder, die man nicht immer bei den\nneueren Violinisten findet, welche sich durch Paganini auf\neine gefährliche Bahn haben fortreissen lassen. Bei Herrn\nKömpel entäussert sich die Violine nie ihrer Natur, aber\nherrscht dafür mit desto mehr Macht und Majestät.\"\nNeben diesen ausländischen Gewächsen waren Haydn's\n„Gott erhalte Franz, den Kaiser\", von allem, was strei-\nchen konnte, ausgeführt, und die Ouvertüre du jeune Henri\nwieder Concessionen an das Repertoire der Conservatoire-\nConcerte.\nDer ausserordentliche Erfolg des deutschen Geigers\nnöthigte gewisser Maassen die Concert-Gesellschaft des\nConservatoires, Herrn Kömpel einzuladen, auch bei ihr zu\nspielen, wo sich dann derselbe Triumph wiederholte.\nDie letzten Concerte des Vereins von Pasdeloup brach-\nten die Sinfonie in Es von Gounod, die bereits öfter mit\nBeifall gehört worden, neben der C-cfer-Sinfonie von Beet-\nhoven, ferner eine zweite Sinfonie von Saint-Saens,\neinem hiesigen Componisten, der schon vor einigen Jahren\nin den Concerten der Sie. Cecile seine erste zur Auffüh-\nrung brachte. Saint-Saens ist einer der tüchtigsten unter\nden jüngeren Musikern, was Streben und Wissen anbe-\nlangt, aber die melodische Erfindung und der harmonische\nFluss gehen in dieser seiner neuesten Arbeit in gesuchten\nFiguren und weniger klaren Combinationen unter. Er\nscheint die neueren deutschen Meister mehr zum Muster\nzu nehmen, als die älteren. Die Chöre zu Racine's „Atha-\nlia\" von J. Cohen, eine gute Composition, zum ersten\nMale im Concertsaale aufgeführt, früher jedoch oft bei\nden Aufführungen des Drama's im ge-\nhört, bis es dem literarischen Publicum dieser Bühne zu"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5321, "texte": "anspannend, d. h. langweilig, wurde, neben der Poesie\nauch noch Musik zu verarbeiten, machten einen recht be-\nfriedigenden Eindruck. Als Zwischengerichte wurden der\nElfenchor aus Oberon, der Bacchantenchor aus Philemon\nund Baucis von Gounod, ein Stückchen Introduction aus\nder Belagerung von Korinth u. s. w. aufgetischt.\nMan sieht, dass bei einem lobenswerthen Streben die\nzweite Gesellschaft es doch nicht wagt, in Bezug auf die\nZusammenstellung der Programme ganz mit der alten\nMode zu brechen und eine neue Bahn einzuschlagen. In-\ndess schreitet sie doch, wenn auch behutsam, darin vor.\nDass sie auch gegen äusseren ungünstigen Einfluss wirk-\nlich auf der Hut sein muss, hat das unerwartete Verbot\nbewiesen, das ihr untersagte, am Charfreitage ein Extra-\nConcert zu geben, wie es seit Jahren, schon von der Zeit\nder Concerts spirituelsher, die alte Gesellschaft thut. Diese\nscheint sehr eifersüchtig auf ihr Vorrecht zu sein und im\nKaiserreiche der Freiheit und des Friedens den erwähn-\nten Ministerialbefehl veranlasst zu haben.\nDas Gebiet der Kammermusik wird in Paris all-\njährlich mehr angebaut oder ausgebeutet, wie man will;\ndenn da sich die Mode auch darauf erstreckt hat, indem\nes zum guten Tone gehört, Quartettmusik-Cirkel zu besu-\nchen, so finden diese wenigstens die abonnirten auch\nihre Rechnung dabei. Man hört fast ausschliesslich deut-\nsche Musik in allen, und die Redeweise: „Albus entendre\nla musique allemandeu, bezieht man ohne Weiteres auf\nden Besuch der Vereine für Kammermusik.\nParis hat deren jetzt sieben bis acht stehende; nimmt\nman die Matineen und Soireen dazu, die von einzelnen\nKünstlern, fremden und einheimischen, gegeben werden,\nso gibt es Wochen, in denen man zwanzig Stück derglei-\nchen zählt. Im Monat werden sie nach Dutzenden gerechnet.\nVon den stehenden Vereinen behauptet sich der älteste\nvon Alard und Franchomme noch immer; sein Pianist,\ndenn ohne Ciaviermusik geht es nicht mehr, ist Plante.\nEinen zweiten, der wohl Ansprüche auf den ersten\nRang machen kann, haben bekanntlich Maurin (Violinist)\nund Chevillard (Violoncellist) seit Jahren gebildet; er\nhat durch den Zutritt des ausgezeichneten Bratschisten Vi-\nguier gewonnen. Die zweite Violine spielt fortwährend,\nwie seit Beginn, der tüchtige und originelle Sabattier.\nDie hauptsächlichsten Productionen in diesem Cirkel sind\nnoch immer, der ursprünglichen Bestimmung gemäss, die\ngrossen Quartette von Beethoven. Das Ciavier vertritt Ma-\ndame Tardieu; doch hörte ich auch in einer der letzten\nSitzungen eine recht talentvolle junge Pianistin, Made-\nmoiselle Caroline Levy. Diesen Cirkel besucht ein ziem-\nlich zahlreiches Publicum, das seine eigene Physiognomie\nhat. Es applaudirt viel und versteht wahrscheinlich auch\nsehr viel, das heisst, es bringt zum grössten Theile sein\nUrtheil und seinen Enthusiasmus schon ganz fertig mit in\nden Saal. Es besteht vorzugsweise aus sehr gebildeten\nLeuten, Literaten, Dichtern, Malern, Architekten, kurz,\nKünstlern und Gelehrten aller Art, die jedoch in allen an-\nderen Dingen besser zu Hause sind, als in der Musik. Den\nBeweis davon liefert ihre achselzuckende Langeweile bei\nMozart, ihr zur Schau getragenes Bedauern, dass dieser\ngute Mann nicht über Anmuth und Lieblichkeit hinausge-\nkommen, folglich ohne Kraft, Schwung und Leidenschaft\nsei (!), und dann neben der Bewunderung Beethoven's\ndie Verherrlichung Richard Wagner's! Von dieser ist aber\nauch Maurin selbst unbegreiflicher Weise nicht frei. Wie\nist es möglich, nach einem so andauernden Studium, wie\nes Maurin den Werken Beethoven's gewidmet hat, auch\nnur eine halbe Seite eines Wagner'schen Musikstückes\nernstlich zu bewundern?\nEiner regen Theilnahme erfreut sich der Verein, den\nArmingaud seit einigen Jahren mit Leon Jacquard,\nLalo und Lepret Pianistin Madame Massart— ge-\nbildet hat.\nMadame Claus-Szarvady gibt jeden Winter nur\ndrei Soireen, die ein gewähltes und verständiges Publicum\nhaben, das jedoch die treffliche, durchweg noble, von aller\nAffectation freie Künstlerin lieber in Sachen von Chopin\nund\" Beethoven, als in den Compositionen von Schumann\nhört, deren Einführung sie sich neuerdings besonders zur\nAufgabe gemacht zu haben scheint. Das schöne Quintett,\nmit den Quartettgenossen von Armingaud vortrefflich aus-\ngeführt, machte jedoch auf die grössere Hälfte der Zuhö-\nrer Eindruck, eigentlich aber doch nur auf die Deutschen.\nLebouc und Paulin nennen ihre Cirkel\nmusique chssique,also vorzugsweise classisch, was sie aber\nkeineswegs sind, man müsste denn alles Alte und Wieder-\nausgegrabene classisch nennen wollen, z. B. ein Duett aus\n„der schönen Müllerin\", ein Lied vonGuedron (17. Jahrh.)\nu. s. w. Hummel's Septett (Clavier-Partie Madame Matt-\nmann) und Bach's Solostücke für die Violine (erster Gei-\nger im Quartett: Herr Her man) lassen wir uns gefallen,\naber Herr Paulin wählt wahrlich nicht immer classische\nMusik für seine Gesangs-Vorträge, welche überhaupt eine\nGattung in die Kammermusik hineintragen, welche nicht\ndahin gehört.\nIn A. Gouffe's Salons hört man stets gute Musik,\nneben den deutschen Meistern auch häufiger als in ande-\nren Kreisen die Quintette von Onslow. Zuweilen gibt auch\nGouffe ein Solo auf dem Contrabass, auf dem er einer der\nersten Virtuosen ist, zum Besten.\nEin in diesem Winter neu erstandener Quartett-Ver-\nein hat einen Schüler Girard's, Lamoureux, als ersten\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5398, "texte": "Geiger an der Spitze, und zu Genossen lauter junge, aber\ntalentvolle Leute, wie er selbst einer ist.\nAls Quartett-Componisten zeichnen sich der oben\nschon erwähnte Camille Saint-Saens und Adolphe\nBlanc vor den übrigen aus. Letzterer hat mehr Eingang\ngefunden als ersterer, der ein tüchtiger Musiker ist, aber\nbis jetzt wenigstens noch nicht von der melodischen Muse\nbevorzugt scheint.\nIm Ganzen genommen wirken diese Vereine für Kam-\nmermusik viel Gutes. Mitten unter dem musicalischen Ge-\nwirr des Tages, den Keclamen der Parteien und der öf-\nfentlichen Blätter, den immer mehr zerfallenden Leistungen\nder dramatischen und der Kirchen-Musik, dem Hohlen der\nHunkernden und fütternden Virtuoserei sind sie es doch\nhauptsächlich, die den Geschmack für das reine Musica-\nlisch-Schöne noch erhalten und nähren und doch auch in\nvieler Menschen Gemüth wecken, wenn diese auch Anfangs\nnur der Mode oder der persönlichen Begünstigung der Mit-\nwirkenden wegen sie besuchen. Die Macht des Beispiels\nund die Ueberredungskraft der Musterwerke ist wirksamer\nals die eifrigsten Predigten der Aesthetiker, und da die\nVereins-Directoren niemals gegen Künstler mit freien En-\ntreen geizig sind, so wird doch mancher Keim des Guten\nin die Brust junger, talentvoller Musiker gelegt und man-\nches Bild wahrer Schönheit ihnen vorgeführt, wodurch\nsie vor der Buhlerei mit allem Geschminkten bewahrt\nwerden.\nAuch findet man von den Franzosen selbst schon die-\nselbe Ansicht ausgesprochen, dass nämlich „der gute Ge-\nschmack jener grossen und schönen deutschen Musik be-\ndarf, um sich von gewissen Einflüssen zu erholen und da-\ngegen zu stärken, die er zuweilen über sich ergehen lassen\nmuss. In den Kammermusik-Soireen ist man wenigstens\nsicher, nicht um Zeit und Genuss betrogen zu werden; hat\nman Tags vorher seinen Abend verloren, hat ein Instru-\nmentalist mehr mechanische Kunststücke als Stil und Vor-\ntrag gezeigt, oder ein Sänger uns bewiesen, dass man eine\nhübsche Stimme besitzen und nichts gelernt haben könne,\nso kehrt man um so lieber zu den Quartett-Vereinen zu-\nrück.\" (Gaz. mm., Nr. 15.)\nAuch über das Ciavierspiel beginnen die Ansichten\nsich sehr zu läutern. Seit Liszt und Thalberg heisst es\nan einer anderen Stelle desselben Blattes haben sich die\njüngeren Clavierspieler auf zwei entgegengesetzte Bahnen\nhinreissen lassen. Auf einer Seite stehen die classischen Er-\ninnerungen, die gediegenen früheren Schulen, nach denen\nsich Chopin eine besondere und eigentümliche Stellung\nschuf; auf der anderen das Pianoforte unserer Zeit: die\nneuen Eroberungen, die Schwierigkeiten, die Klangfülle\nund Klangkraft, kurz, ein Instrument, welches herrschen\nwill und darüber die Musik vergisst, für welche es ge-\nschaffen ist und deren gehorsamer Unterthan, wenn auch\nnoch so reich und vermögend geworden, es bleiben müsste.\nWird man endlich immer mehr zu den ursprünglichen\nfruchtbaren Quellen zurückkehren? oder werden wirkliche\nGenie's die Verschmelzung des alten und des neuen Piano-\nforte vollbringen? Wer kann das wissen? Aber das weiss\nman jetzt schon mit Gewissheit, dass man heute die gründe\nlichste Langeweile bei den Kraftstücken der Pianisten em-\npfindet, welche die Menge noch gestern leidenschaftlich in\nden Himmel hob. Statt pomphafter Effecte ohne Sinn und\nInhalt will man schöne Töne, den Wiederhall schöner Ge-\ndanken. Man verbannt und ächtet keineswegs das Schwie-\nrige, das kunstvoll Verwickelte, da es verschiedene Wege\nzum Schönen gibt; aber man will angenehm berührt oder\nergriffen, angeregt, entzückt sein, man will begeistert, nicht\nin Erstaunen gesetzt oder gekratzt und gerädert werden.\nDas sind wirklich leuchtende Streifen im Osten eines\nneuen Tages für Paris! Wenn ihr Licht nur so intensiv\nwird, dass es durch den Dunst dringt!\nIndessen hat ein Theil der Kritik die fremden Künst-\nler, welche in dieser Saison Paris besucht haben, doch\nschon nach diesen Grundsätzen beurtheilt. Der ganz ausser-\nordentliche Erfolg von KömpePs Violinspiel erklärt sich\nhauptsächlich durch das Bedürfniss eines reinen musicali-\nschen Genusses und durch die Sehnsucht danach, die theils\nbei den Musikern und ernsten Kunstfreunden aus wirkli-\ncher Umkehr zum Guten, theils bei der Menge der Dilet-\ntanten aus Uebersättigung und Ueberdruss entsprungen ist.\nJean Becker aus Mannheim hat durch sein Violin-\nspiel, dem er ein eigenthümliches, man möchte sagen: ita-\nliänisches, Colorit zu geben versteht, das auf einem Verein\nvon Leidenschaft, Phantasie und plötzlichem Glanz im Vor-\ntrag beruht, den Kennern in denjenigen Vorträgen am mei-\nsten gefallen, in denen Ton und Ausdruck vorherrschten.\nDie Menge hat er durch seine Paganinität hingerissen, die\nwir ihm allerdings auch hoch anrechnen, da sie eine grosse\nund kühne Virtuosität offenbart, aber doch nicht als den\nGipfel seiner Kunst bezeichnen, vielmehr vor ausschliess-\nlicher Hingabe an dieselbe den vortrefflich begabten jun-\ngen Künstler warnen möchten.\nAus der Flut der Clavierspieler erhoben sich Hans\nvonßülow, Louis Brassin und Alfred Jaell weit\nüber die Oberfläche empor, und es war erfreulich, wie\nauch hier wieder die deutschen Künstler den Sieg davon\ntrugen. Ueber ihre Erfolge in Paris ist in diesen Blättern\nschon berichtet worden*). UeJaer H. von Bülow hat sich\nauch hier das Urtheil festgestellt, dass er sich am grössten\nim Vortrage der Sachen von Liszt zeigt; hier ist er eigen-\n\n*) Vgl. Nr. 10 vom 3. Miirz und Nr. 19 vom 5. Mai 1860."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2781, "texte": "thümlich und voll Charakter, ja, selbst eine gewisse schroffe\nArt, sich zu geben, ä s'imposer,wie die Franzosen von\nihm sehr richtig sagten, kommt ihm bei diesen Krafltouren\nzu Statten. Er hat seine drei Concerte immer allein gege-\nben, wie früher sein Lehrer und Schwiegervater Liszt. Er\nbegann das erste mit Beethoven's kolossaler\nOp. 106 —in Paris! Das h iess in der That:\nDer Vortrag derselben war meisterhaft, hat aber die Son-\nderbarkeit und monotone Dürre des lugirten Finale's selbst\nbei den deutschen, geschweige denn bei den pariser Zu-\nhörern nicht in blühende Gärten oder tiefschaltige Wal-\ndung verzaubern können. Ueber die Zusammenstellung der\nExtreme, z. B. Liszt und J. S. Bach, eine Lieblingsmode\nder neuesten Schule, zuckt man auch hier jetzt die Achseln.\nIn seinem zweiten Concerte spielte er unter Anderem auch\nvier Stücke von R. Wagner, von Liszt übertragen; an\nKraft, Klangfülle, Schwung und orchestralem Vortrage\nkonnte man wohl kaum etwas Erstaunenswerteres hören,\ndoch machte nur der Einzugsmarsch aus dem Tannhäuser\nauch durch die Composition grossen Eindruck und musste\nwiederholt werden.\nEin anderer Schüler von Liszt, Herr Jacques Baur,\nist mit Bülow nicht zu vergleichen. Er bezwingt allerdings\nauch die gewaltigen Schwierigkeiten in den Uebertragun-\ngen Liszt's (z. B. aus dem Propheten), aber es fehlt der\nkünstlerische, geniale Schwung, der diesen Stücken allein\nein Interesse verleihen kann.\nZwei slawische Pianisten, Joseph Wieniawski und\nFräulein Ingeborg-Stark aus Russland, kamen etwas\nspät an die Reihe und hatten desshalb mit der Abspannung\nund Müdigkeit des Concert-Publicums und mit der Mai-\nsonne zu kämpfen. Wieniawski gab im Saale Herz ein\nConcert mit Orchester, in welchem er ein grosses Clavier-\nConcert in G-moll von seiner Composition spielte. Auch\nliess er eine Ouvertüre von seiner Composition aufführen,\nletztere auffallend nach Weber gemodelt. Das Concert\nhalte ich für eine sehr tüchtige Composition. Sein Spiel\nhat mich ebenfalls angezogen, wed es mehr Clavierspiel\nals Tastenpaukerei war. Man wirft ihm Mangel an Kraft\nvor; besteht denn die Schönheit des Vortrags nur darin?\nFräulein Ingeborg-Stark hat in einigen Soireen mit\nBeifall gespielt, sogar Fugen von Bach; aber wer kann\nhier Alles hören? Man sagte mir, sie sei talentvoll und da-\nbei jung und schön: Grund genug für die Protection aller\nhier wohnenden Russen und anderer Dilettanten von Fach!\nSeit dem Mai thront Musard wieder in den\nEhjsees; in seinem glänzenden Feengarten waren am Tage\nder Eröffnung wohl an vier Tausend Menschen versam-\nmelt, und zwar von der besten Gesellschaft. Er lässt\nstreng darüber wachen, dass sich die Monde interlope\nein jetziger Kunstausdruck: die Contrebande-Gesellschaft\nnicht „einschmuggelt\". Sein Orchester ist vortrefflich.\nß. p."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "269", "page_fin": "270", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.2.3", "titre_corps": "Eine Zimmer-Orgel mit neuem Triebwerk, von Walker und Comp, in Ludwigsburg erbaut.", "titre_sommaire": "Eine Zimmer-Orgel mit neuem Triebwerk, von Walker und Comp, in Ludwigsburg erbaut.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.5", "debut_caractere": 2783, "fin_caractere_exclue": 5033, "texte": "Eine Zimmer-Orgel mit neuem Triebwerk,\nvon Walker und Comp, in Ludwigsburg erbaut.\nAls vor fünf Jahren Herr Walker die hiesige Syna-\ngogen-Orgel aufstellte, fand ich zum ersten Male Gelegen-\nheit, dessen Arbeiten genau kennen zu lernen und mich\nmit dem Orgel-Bauwesen so recht nach allen Seiten hin\nbekannt zu machen.\nDamit reifte der Entschluss, mir durch Walker ein\nkleines Orgelwerk für das Zimmer erbauen zu lassen. Die\nBestellung wurde gemacht, Walker ging auf meine Wün-\nsche und Vorschläge ein, und von nun an beschäftigte\nmich das zu erbauende Orgelwerk oft und viel. Plötzlich\ndurchzuckte mich der Gedanke, ob es nicht möglich wäre,\nfür ein kleines Werk den Wind durch eine Maschine zu\nbeschaffen. Ich theilte diesen Gedanken Walker mit, und\nnach kurzer Zeit lagen Zeichnung und Kosten-Ueberschlag\nzur Ausführung einer solchen Maschine vor. Der Beharr-\nlichkeit und dem Scharfsinne Walker's ist es gelungen,\nmeine Wünsche zu verwirklichen. Die Maschine ist nun in\nThätigkeit zu meiner Freude und zum Staunen Anderer.\nDas ganze Orgelwerkchen zerfällt somit in zwei Haupt-Be-\nstandtheile: das Triebwerk und das eigentliche Orgelwerk.\nI. Das Triebwerk.\nDas Triebwerk ist eine äusserst einfache Maschine,\nwelche durch ein 10 Centner schweres Gewicht auf ähn-\nliche Weise wie eine Thurmuhr in Bewegung gesetzt wird.\nDieses Gewicht wird auf sieben Rollen durch ein vierzehn-\nfaches Seil ganz leicht in etwa drei Minuten aufgezogen.\nBeim Abwickeln der Maschine setzt dieselbe eine Welle\nin Bewegung, wodurch drei Schöpf-Ventile mit in Thätig-\nkeit gesetzt werden, die in regelmässiger Abwechslung\neinen so gleichmässigen Wind schöpfen, wie solcher kaum\nauf andere Weise beschafft werden kann.\nHiedurchist es möglich, dass das Orgelwerk mit eini-\ngen zarten Stimmen gegen eine halbe Stunde gespielt wc#1\nden kann ohne weitere Beihülfe. Jeden Augenblick kann\ndie Maschine in Thätigkeit gesetzt oder auch ihr Fortgang\neingestellt werden. Ihre raschere oder langsamere Thätig-\nkeit richtet sich ganz nach dem nöthigen Verbrauche des\nWindes.\nDie ganze Höhe des Trieb- und Orgelwerkes zusam-\nmen beträgt nur zehn Fuss; in einem höheren Locale\nkönnte mit Leichtigkeit eine Abänderung dahin getroffen\nwerden, dass das Ablaufen der aufgezogenen Maschine we-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3128, "texte": "nigstens auf die Dauer einer Stunde dem Orgelwerke den\nnöthigen Wind schöpft. Der ausserordentliche Vortheil,\njeden Augenblick ein solches Instrument nach Herzenslust\nohne alle weitere Beihülfe benutzen zu können, lässt gern\ndie kleine und leichte Arbeit, die das Aufziehen der Ma-\nschine erfordert, vergessen.\nSoll die Maschine nicht benutzt werden, so kann ihre\nVerbindung mit dem Orgelwerk ausgelöst und können so-\ndann die Schöpfer durch einen Tritt in Thätigkeit gesetzt\nwerden. Uebrigens hangen Maschine und Orgelwerk so\ninnig und sinnig zusammen, dass sie wirklich ein vollende-\ntes Ganzes ausmachen.\n11. Das Orgelwerk.\nDas Orgelwerk ist nach folgender Disposition erbaut:\nErstes Manual.\n1. Gedeckt 8 Fuss.\n2. Aeoline 8 Fuss, die untere Octave von Holz, die\nFortsetzung von Zinn.\nZweites Manual.\n3. Dolce 8 Fuss, untere Octave von Holz, die Fort-\nsetzung von Zinn.\n4. Harmonica 8 Fuss, mit Crescendo und Decres-\ncendo durch Pedaltritt.\n5. Flöte 4 Fuss.\n5 ' Pedal.\n6. Violon 16 Fuss offen.\nNebenzüge.\n7. Calcant, welcher das Triebwerk in Gang setzt.\n8. Eoppelung des 11. Manuals zum I. Manual.\n9. Koppelung der beiden Manuale zum Pedal.\n10. Ein besonderer Zug, der das Triebwerk vom Orgel-\nwerk abschliesst, wenn dasselbe nicht benutzt wer-\nden soll.\nDas ganze Werk mit Triebwerk hat eine Höhe von\nzehn Fuss, eine Tiefe von fünf Fuss und eine Breite von\nsieben Fuss. Das Gehäuse ist von Mahagoni und in äusserst\nfreundlicher, geschmackvoller Form so ausgeführt, dass\ndas ganze Werk förmlich geschlossen und vor jedem Staub-\nzutritt geschützt ist. Das Material sämmtlicher Orgeltheile\nistuntadelhaft, so wie die Arbeit selbst überall den rech-\nten Meister erkennen lässt.\nWas den Ton-Charakter der einzelnen Stimmen be-\ntrifft, so ist derselbe durchweg zart, edel, ja, wunderbar\nschön. Besonders zeichnen sich aus Dolce und Aeoline; ihr\nTon ist sanftstreichend, tief in die Seele dringend, während\nGedeckt und Flöte dazu beitragen, dem ganzen Werke die\nseinem Umfange und seiner Bestimmung entsprechende\nFrische und Tonfülle zu geben.\nVon überaus wohlthätiger und überraschender Wir-\nkung ist die Harmonica, die mittels eines Pedaltrittes vom\nleisesten Hauch des Tones anschwellend bis zur ganzen\nTonstärke und eben so abnehmend gebraucht werden kann.\nDadurch ist es möglich, der Ton-Schwingung sämmtlicher\nRegister ein Crescendo und Dmitzutheilen.\nDie Vereinigung sämmtlicher Stimmen gibt einen vol-\nlen, frischen, kräftigen Orgelton, der so recht geeignet ist,\nder Träger der heiligsten Empfindungen zu sein. Eine sel-\ntene Mannigfaltigkeit der Tonfarbenmischnng wird noch\ndadurch möglich, dass sowohl die Manual- als Pedal-Kop-\npelung ungehindert während des Spiels geschehen kann.\nFreunde des Orgelbaues und des Orgelspiels, die sieb\nvon der Vortrefflichkeit des in aller Kürze hier geschilder-\nten Orgelwerkes und überhaupt von der Meisterarbeit\nWalker's überzeugen wollen, lade ich zum Besuche bei\nmir ein, mit der Versicherung, dass ich zu dienen stets\nbereit sein werde.\nEine ausführlichere Mittheilung habe ich der „Urania\"\nzugedacht.\nMeinen Freunden den besten Gruss.\nMannheim, im August 1860.\nEb. Kuhn, Organist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "270", "page_fin": "272", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.6", "debut_caractere": 3130, "fin_caractere_exclue": 4478, "texte": "Beurtheilungen.\nWinfried und die heilige Eiche bei Geismar. Ora-\ntorium. Text von W. Osterwald, Musik von\nD. H. Engel. Op. 20. Ciavier-Auszug. Preis 4\nThlr. Partitur und Orchesterslimmen sind in cor-\nrecter Abschrift durch die Verlagshandlung zu be-\nziehen. Bei Eahnt in Leipzig. Sr. K. Höh. dem Prin-\nzen Georg von Preussen ehrfurchtsvoll zugeeignet.\nNur höchst selten neigt sich ein Componist neuester\nZeit dem Oratorium zu; in der Thät haben wir nur sehr\nwenige derartige Tonschöpfungen zu verzeichnen. Hiller's\nSaul, Reinthaler's Jephta, Mangold's Abraham sind durch\nden Druck und grössere Aufführungen bekannt, während\nWauer's Märtyrer u. A. noch Manuscripte und nur enge-\nren Ereisen zugänglich sind. Je seltener aber derartige\nWerke werden, desto mehr ist die musicalische Eritik ver-\npflichtet, auf die bestehenden aufmerksam zu machen. Ich\nwill diese Verbindlichkeit erfüllen an dem oben erwähn-\nten, der Aufmerksamkeit jedes Musikers von Fach oder\naus Liebe, besonders aber der grösseren Musik-Vereine,\nhöchst würdigen Werke. Der Inhalt dieses Werkes ist fol-\ngender: Unweit der heiligen Eiche bei Geismar in Ober-\nhessen, die nach ihrem Glauben für die Wohnung der\nvornehmsten Gottheit gehalten und hochverehrt wird, ste-\nhen, von ihren Priestern geleitet, die heidnischen Deutschen\nund erwarten die Ankunft des christlichen Angelsachsen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5495, "texte": "Winfried (Bonifacius), der sie aufgefordert hat, durch ein\nGottesgericht die Macht ihres Gottes Wodan zu prüfen,\nund zum Christenthume überzutreten, wenn es ihm gelin-\ngen würde, die Eiche zu fällen, ohne von Wodan vernich-\ntet zu werden. Die Gesänge der Heiden (in der altdeut-\nschen Form der Alliteration gehalten) sind voll wilder Zu-\nversicht auf die Macht ihres Gottes und erwarten, dass\nWodan das Meinwerk (die Frevelthat) des frechen Gastes\nrächen werde. Da erschallt aus der Ferne der Gesang der\nheranziehenden Christen (im Gegensatz zu den Heiden-\nchören in der Form des gereimten kirchlichen Chorals ge-\nhalten), die in Demuth zu Gott um Gnade liehen. In den\nTrotz der Heiden-Chöre mischen sich einzelne bange Ah-\nnungen. Die Christen erscheinen, Winfried bringt den Hei-\nden den Gruss Gottes und schreitet mit hochgehobener Axt\nvoll sicheren Gottvertrauens an die Eiche. Entsetzen er-\ngreift die Heiden, als der Schreckensschlag erschallt, ohne\ndass Wodan den erwarteten Blitz sendet, und sie glauben\nin ihrer Verzweiflung, dass mit dem heiligen Baume ihres\nGottes, der ihnen der Welt- und Lebensbaum ist, Himmel\nund Erde zusammenstürzen werden, und dass der gefürch-\ntete Tag des Weltunterganges nahe, um Menschen und\nGötter in Finsterniss zu hüllen. (Götterdämmerung.) (?)\nDa bringt ihnen Winfried den Trost des Evangeliums, und\nals er ihnen die Gnade des lebendigen Gottes versprochen\nhat, wagen sie, in den Choral der Christen mit einzustim-\nmen, und beide Chöre verbinden sich zu einem einigen\nSchluss-Psalm zur Ehre Gottes.\nDie Dichtung ist nach Anlage und Form sehr gut und\nvoll der spannendsten musicalischen Momente; dass sie von\nder Geschichte abweicht, welche den heiligen Bonifacius\nunter den Streichen der erbitterten Heiden fallen lässt\nsammt seinen Genossen im heiligen Missionswerke, soll\nnicht in Betracht gezogen werden*).\nNach einer sehr ernsten, vielleicht zu langen und zu sehr\nin den tiefen Tönen sich bewegenden Einleitung (Celli,\ndarin., Corni, Pos.) besingen die Heidenpriester im bun-\nten, aber geistvoll angelegten Wechseigesange die Grösse\nihres Gottes Wodan. Dies Stück ist sehr charakteristisch;\ndas Rauschen der heiligen Wipfel, vom leisesten Säuseln\nbis zum stürmischsten Brausen, ist sehr gut ausgedrückt\nund durch die Instrumentation gehoben. Das Singen der\nheidnischen Priester tönt wie der letzte Verzweiflungs-\nschrei, ja, es klingt ein satanisches Wüthen hindurch,\nes ist die letzte Anstrengung, ihre Macht und ihr Ansehen\nzu retten. Das Volk singt Anfangs ruhiger, sogar andäch-\ntig; aber allmählich wirkt der fanatische Eifer, bis sie end-\nlich alle zusammen stürmen und toben in rasendster Lei-\ndenschaft. Jetzt erklingt hehr und heilig der Gesang der\nChristen; es liegt zwischen beiden Gesangchören der ganze\nungeheure Contrast, der zwischen dem Christenthum und\ndem Heidenthum besteht. Ohnmächtig, trotz allem Aufwand\nvon Kraft und Leidenschaft, verschwindet gegen diese süs-\nsen Harmonieen das Aufgebot der Heiden zum Wider-\nstande, ja, es klingt sogar die Ungewissheit des Sieges\nund die Ahnung grauser Niederlage vernehmlich hindurch.\nWarnend naht sich noch überdies die mahnende Stimme\neines heidnischen Weibes, deren einschneidende, nur zu\ntiel gefühlte Worte sie vergebens zu entkräften suchen.\nDiese Nummer (4) ist ganz schön. Unterdessen haben sich\ndie beiden Parteien zur Entscheidung der Sache geordnet;\nWinfried begrüsst in der Nr. 6 die Männer und Frauen;\nseine süssen Töne dringen an das Herz; darauf rüstet er\nsich zum Schlage. Die Composition dieses Theiles der Worte\nist voll von edler Kraft, aber frei von sündiger Leiden-\nschaft. Rathlos haben die Heiden zugesehen, nur bisweilen\nängstlich aufschreiend; in Nr. 7 ermuntern die heidnischen\nPriesterinnen die Priester und das Volk zum wirklichen\nund gewaltthätigen Widerstande gegen Winfried's Vorha-\nben; dieses Stück ist von psychologischer Feinheit. In Nr.\n8 endlich entfesseln sich alle Leidenschaften der Heiden,\ndoch ist ihr Thun leeres, ohnmächtiges Rufen um Hülfe,\nmusicalisch jedoch äusserst wirksam, zudem besonders gut\ninstrumentirt. Die Arie Winlried's, welche jetzt folgt, ath-\nmet ganz den hohen Frieden des Glaubens an Christus.\nGut ist ausgedrückt das Zweifeln und Schwanken der\nHeiden, namentlich in dem Arioso des Priesters (Nr. 13);\nman glaubt in der Begleitung das Zittern und Klopfen des\nfürchtenden Herzens zu hören. Endlich aber ist es Win-\nfried gelungen, die Heiden von der Macht und Barmher-\nzigkeit des Christengottes zu überzeugen, und es lös't sich\njetzt Alles in Jubel und Jauchzen auf. In der That athmet\nder Schlusschor ein solches Frohlocken, dass man sich un-\nwiderstehlich hingerissen fühlt.\nDer Stil nähert sich im Ganzen sehr dem Men-\ndelssohn'schen; wir begegnen nicht selten Wendungen,\nCadenzen und manchen Eigenthümlichkeiten jenes Mei-\nsters, doch immer so, dass man in Engel einen geistvollen,\nideenreichen Schüler wird anerkennen müssen. Die For-\nmen sind zwar eben nicht neu, aber durchweg edel, maass-\nvoll und ungezwungen. Was sich bisher bewährt hat und\ndurch den Vorgang anerkannter Meister sanetionirt ist,\nwird beibehalten. Frisch und frei waltet Engel im Reiche\nder Töne und schwingt sich empor, wie es eben nur dem\ngelingen kann, der, mächtig der contrapunktischen Kunst,\nauch Geist und Ingenium genug besitzt, um Tonweisen zu\n\n:*} Bonifacius fand erst dreissig Jalire später seinen Tod unter\nden Heiden von Westfriesland (755). Die Zerstörung der heili-\ngen Eiche bei Geismar fällt in das Jahr 724 oder 725.\nDie Kedaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 378, "texte": "schaffen, welche Künstler wie Laien gleichmässig befriedi-\ngen. Was die Charakteristik der handelnden Personen an-\nlangt, so scheint uns freilich der Componist hinter seinen\nVorbildern noch zurückzubleiben. Selbstverständlich liegt\nder Schwerpunkt des Werkes in dem vocalen Theile, in-\ndessen hilft auch der instrumentale den einzelnen Inten-\ntionen ihre Geltung erobern.\nDr. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-08-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-08-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.8", "debut_caractere": 380, "fin_caractere_exclue": 4611, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nRollt« Herr Professor Derffel aus London war einige Tage\nzum Besuche bei seinen Verwandten hier und hat uns im Privat-\nkreise durch den meisterhaften Vortrag seiner originellen Clavier-\nCompositionen einen grossen Genuss bereitet.\nDer berühmte Tanz-Componist, Herr Wallerstein aus Dres-\nden, hielt sich auf seiner Rückkehr aus der Schweiz und Italien\neinige Tage hier auf.\nFerdinand Hiller's „Lorelei\"*, die Haupt-Partie vortrefflich\ngesungen von Frau Offermann-Hove, hat auf dem Musikfeste\nzu Arn heim in Holland einen beispiellosen Enthusiasmus erregt.\nHannover. Herr Nie mann erhielt nach Vorlegung seines\nContractes mit der grossen Oper in Paris einen einjährigen Urlaub,\nmit der einzigen Verpflichtung, an den Geburtstagen des Königs\nund der Königin und bei sonstigen feierlichen Gelegenheiten, wenn\nes gewünscht wird, mitzuwirken. Herr Niemann hat vom Director\nder grossen Oper in Paris einen einjährigen Contract gegen eine\nGage von 72,000 Frcs. (ungefähr 19,000 Thlr.) erhalten. Er tritt\nsein Engagement in Paris am 1. September an.\nZu Ehren des allbekannten Lieder-Componisten Musik-Directors\nKarl Zöllner fand in Leipzig ein Monster-Concert, veranstaltet\nvon allen hiesigen Männer-Gesangvereinen (500 Mann) unter Zu-\ndrang und grossem Beifall Statt. Die Hymne für Männerchor (Ge-\ndicht von Müller [von der Werra], componirt von Ernst 11., Herzog\nvon Sachsen-Coburg-Gotha) wurde unter grossem Jubel da capo ver-\nlangt. Man beabsichtigt, Zöllner, der abwesend ist, mit dem Ertrag\ndes Concertes ein längst verdientes Ehrengeschenk zu machen.\n»• III« Das Gastspiel des Tenoristen Niemann,\nwelcher den „Tannhäuser\"1, den „Propheten* und den Max im „Frei-\nschützu mit gleichem Erfolge sang, dann die Vorstellungen der ita-\nliänischen Operngesellschaft des Herrn Merelli und endlich das\nausgezeichnete Clavierspiel des mecklenburgischen Hof-C.-M. Herrn\nAloys Sch mitt brachten ein musicalisches Leben in unsere Stadt,\ndem selbst die schöne Sommerzeit keinen Abbruch zu thun ver-\nmochte.\n'Wien* 4. Aug. In der letzten Vorstellung des „Freischütz0\nnahm Frau Harries-Wippern aus Berlin früher, als beab-\nsichtigt mit der Rolle der Agathe Abschied von uns. Sie hinter-\nlässt bei allen Gebildeten, und am meisten mit dieser ihrer letzten\nLeistung, das Andenken einer zwar nicht mit grossen Mitteln aus-\ngestatteten und in ihrer technischen Gesangsbildung nicht makello-\nsen, aber fein empfindenden Künstlerin, die zugleich eine nur zu\nseltene Erscheinung als Darstellerin sich durch lebendige Indivi-\ndualisirung, Geist und Grazie auszeichnete und durch die Liebens-\nwürdigkeit und den Adel der persönlichen Repräsentation erfreute.\n(D. M.-Z.)\nUm den Bedürfnissen der Zeit Rechnung zu tragen, hat man in\nDresden nun endlich auch Verdi's „Trovatore* einstudirt. Das\nWerk wurde am 26. Juli mit Beifall aufgenommen.\nDer „Trovatore\" berechnet, dass es gegenwärtig ungefähr 1730\nitaliänische Sänger und Sängerinnen und 1670 Tänzer und Tänzerin-\nnen gibt. Unter ihnen befinden sich 410 Primedonne, 330 Tenöre,\n280 Baritone, 160 Bassisten, 50 Buffi, SCO Sänger für Nebenrollen;\nferner 180 erste Tänzerinnen di rango francese, 110 erste Tänzer,\n220 erste Tänzerinnen di rango italiano, 150 Mimen, 970 Tänzer\nund Tänzerinnen di mezzo caratlere, 40 Balletmeister.\nDer bekannte Cellist Georg Hausmann ist am 10. Juli in\nEdinburg, wo er als Musik-Director funetionirte, gestorben.\nStockholm« Frau Jenny Lind-Goldsehmidt ist hier\nam 17. Juni an Bord des Dampfers Swea mit ihrem Gatten und\nihren zwei Kindern angelangt, in der Absicht, den Sommer auf einer\nVilla in der hiesigen Umgebung zuzubringen. Eine grosse Anzahl\nihrer Bewunderer hat ihr einen enthusiastischen Empfang bereitet.\nIn Riga hat die erste Versammlung der Mitglieder des Theater-\nComite's in Betreff der Erbauung des neuen Theaters Statt gefunden.\nIn vier Wochen wird der Grundstein gelegt werden und der Gross-\nfürst-Thronfolger zu dieser Feierlichkeit nach Riga kommen. [Eine\nähnliche Feierlichkeit wird auch in Köln Statt finden, sobald der\nPlatz für den fraglichen Grundstein gefunden sein wird. Die Livlän-\nder überstürzen sich : vier Wochen nach der ersten Comite-Versamm-\nlung schon den Bau zu beginnen! Nein, da überlegen wir doch\nlänger.]"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Concertmusik Kammermusik Fremde Künstler). Von B. P. Eine Zimmer-Orgel mit neuem\nTriebwerk, von Walker und Comp, in Ludwigsburg erbaut. Von Eb. Kuhn. Beurtheilungen: Winfried und die heilige Eiche bei\nGeismar. Oratorium. Musik von D. H. Engel. Von Dr. M. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Prof. Derffel, Herr Waller-\nstein, Hiller's „Lorelei\" Hannover Leipzig Frankfurt a. M. Dresden Wien Stockholm Riga).\n\nPariser Briefe.\n[Concertmusik Kammermusik Fremde Künstler.]\nDie Concerte der Societe des Concerts im Conserva-\nloire haben auch unter Tilmant's Leitung ihren alten\nRuhm, aber auch ihre alten Einrichtungen und ihr altes\nRepertoire behauptet. Die Erwartung, die von manchen\nSeiten, besonders von den Componisten, gehegt wurde, dass\ndie Zahl derselben vermehrt oder neben den gewöhnlichen\nzehn eine neue Reihe eröffnet werden würde, ist nicht er-\nfüllt worden.\nWer die Geschichte der Vereine zu Orchester-Con-\ncerten in Paris kennt, der weiss, dass zwischen den beiden\näussersten Enden, dem Conservatoire und Musard, keine\nneue Gesellschaft ein Publicum gefunden und ihr Leben\nüber ein paar Jahre hinaus gefristet hat. Auch der\njetzt vorhandene Verein des jeu\ntoire, der mehr vom Glück und von der Mode und von der\nKritik begünstigt worden ist, als frühere ähnliche, dürfte\nes noch nicht weiter gebracht haben, als dass er mit\nseinem Dirigenten steht und fällt. Man kann es daher der\nDirection der Concert-Gesellschaft nicht verargen, wenn\nsie in richtiger Kenntniss des pariser Publicums nicht an\nden Grundpfeilern rüttelt, auf denen ihr Institut beruht.\nBerechtigter scheinen die Wünsche für Ausdehnung\ndes Repertoires; allein auch diese gehen zu weit. Es würde\ndem Institut an Würde und Ansehen und bald auch an\nEinnahme Eintrag thun, wenn es irgend einer modernen\nRichtung der Musik, die sich nicht an die classische an-\nschliesst, Thür und Thor öffnen wollte. Der Tag, an wel-\nchem das Conservatoire-Orchester Wagner's Tannhäuser-\nOuverture aufführte, würde allerdings eine neue Aera be-\nginnen, nach der aber die Anstalt nicht lange zählen würde.\nBei den Wünschen der hiesigen Componisten handelt es\nsich freilich nicht um Wagner, wohl aber um Schumann;\nim Grunde jedoch gilt ihnen auch dieser nur als Name, als\nSchild, hinter welchem sie mit ihrem eigenen Geschütz\naufmarschiren möchten was man ihnen am Ende auch\nnicht verdenken kann.\nIm Ganzen hat sich doch das Repertoire in den zwei\nletzten Jahren bereichert und vervollkommnet, wenn frei-\nlich auch einzelne üble Gewohnheiten, wie Quartettsätze,\nvon vierzig Geigern gespielt, abgerissene Gesänge aus alten\nund neuen Opern, unbedeutende Instrumental-Solostücke\nund dgl., noch immer darauf figuriren. Im vorigen Jahre\nwurden von Beethoven alle Sinfonieen (die VII. und die\nPastorale jede zwei Mal) mit Ausnahme der 111., VIII. und\nIX. gemacht; von Haydn nur Eine in von Mo-\nzart in 0 Nr. IV. und Nr. VIII. und in G-moll. Ausser-\ndem aber zierten Haydn's „Schöpfung\" (ein Mal vollstän-\ndig, ein zweites Mal der erste Theil), Beethoven's Musik\nzu „Egmont\" mit verbindendem Text, Mendelssohn's Mu-\nsik zum Sommernachtstraum, dessen achtstimmiger Psalm,\nFinale's aus „Euryanthe\" von Weber und „Moses\" von\nRossini die Programme.\nDie diesjährige Reihe brachte von Beethoven die\nSinfonieen 1., 11., V. (2 Mal), VII., VIII., IX. und die Mu-\nsik zu den „Ruinen von Athen\" (2 Mal); von Haydn zwei\nSinfonieen und die „Jahreszeiten\" vollständig; von Mo-\nzart nichts als drei Sätze aus dem und einige\nNummern aus „Idomeneo\"; von Bach eine achtstimmige\nMotette; von Mendelssohn die iL-mofö-Sinfonie (2 Mal)\nund wieder den achtstimmigen Psalm; von Fei. David\neine Sinfonie in Es.\nDie zweite Concert-Gesellschaft unter Pasdeloup's\nDirection besteht wirklich schon im achten Jahre,—eine\nLebensdauer, auf welche es weder Berlioz noch Seghers,\nobwohl sehr tüchtige Musiker und Dirigenten, mit ihren\nVereinen bringen konnten. Sie hält sich vorzüglich dadurch,\ndass sie in ihren Programmen wenigstens zur Hälfte den-\nselben Grundsätzen huldigt, wie die erste Gesellschaft,, auch\nsogar deren beliebte Kunststücke, namentlich das Gesammt-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.2", "texte": "spiel von Quartettsätzen, nachmacht. Daneben aber bietet\nsie ihren Abonnenten auch den Reiz des Neuen durch Zu-\nlassung der Werke von Componisten der Gegenwart und\ndurch Einführung bedeutender fremder Künstler als Con-\ncertspieler. Durch letzteres Mittel hat sie bis jetzt mehr\nbefriedigt, als durch ersteres.\nSie gibt ihre Concerte im Ilerz'schen Saale und eröff-\nnete sie dieses Jahr im Januar mit einer Sinfonie des Flö-\ntisten Demersseman, die durch Einfachheit und sicht-\nbare Nachbildung des Haydn'schen Stils theilweise gefiel,\nwiewohl der erste Satz eigentlich mehr eine Ouvertüre mit\neinem Flöten-Solo ist, als ein sinfonischer Satz. Auch das\nFinale bringt eine Violoncell-Melodie, die mehr wie eine\nBitte um Gehör und Gunst aussieht, als dass sie geeignet\nwäre, das Finale einer Sinfonie zu beherrschen. Ferner\nbrachte das erste Concert Weber's Oberon-Ouverture,\nBeethoven's C-mo//-Sinfonie („Ah! ah!\" —also gewisser\nMaassen als Schadloshaltung für die eingeschmuggelte\nNeuigkeit!) und zwei Männerchöre von Mendelssohn und\nHossini.\nIm zweiten Concerte bewies eine Ouvertüre von La-\ncombe, dass man es Niemandem verdenken kann, wena,\ner lieber Weber's und Beethoven's Ouvertüren hört. J.\nDupuis, der junge, treffliche belgische Violinspieler, der\nvon Lüttich hieher übergesiedelt hat, wagte es, den Pari-\nsern Beethoven's grosses Violin-Concert vorzuführen!\nEs gelang ihm freilich nicht, die Antipathie des hiesigen\nPublicums gegen so ausgeführte, sinfonistisch geschriebene\nConcerte gänzlich zu besiegen, allein seine Auffassung und\nsein Vortrag erwarben ihm den vollsten Beifall der Renner\nund Kunstfreunde. Zum Schlüsse wurde Mendelssohn's\nvierte Sinfonie gemacht.\nIm dritten Concerte wurde Mozart's Ouvertüre zur\nZauberflöte recht fein, nur etwas zu schnell ausgeführt.\nLouis Brassin spielte das G-moll-Concert von Mendels-\nsohn mit grossem Erfolg, der sich, wie ich schon früher\nberichtet habe, in den drei von ihm gegebenen Concerten\nzu einer Höhe steigerte, auf welche nur wenige Künstler\naus dem hiesigen Strudel, in welchem es von Pianisten so\nwie in Schiller's „Taucher\" von gräulichen Fischen wim-\nmelt, empor gehoben werden. Eine Sinfonie von Haydn\nin G-dur und Meyerbeer's Ouvertüre und zwei Zwi-\nschenacte zu „Struensee\" wurden gut gespielt. Meyerbeer's\nMusik zu der Tragödie seines Bruder's hat allerdings einen\nCharakter von Bedeutung, allein das wirklich unverschämte\nLob, das die hiesigen Blätter über sie herschütten, treibt\neinem ehrlichen Musiker doch das Blut in die Wangen.\nIm nächsten Concerte waren die i?-c?wr-Sinfonie von\nSchumann und ein Violin-Concert von Spohr ein paar\nsehr seltene Früchte für Paris. Die Sinfonie hatte einen\nSucces d'estime, den das Publicum durch einige sehr ei-\nfrige, ja, sogar verdriessliche Beifallsstürmer nicht steigern\nliess, aber auch jene Chauvinisten nicht hinderte. Dagegen\nriss Herr Kömpel, dem die Niederrheinische Musik-Zei-\ntung vor zwei Jahren zuerst eine hervorragende Stellung\nin der Kunstwelt vorhergesagt hat, Alles zu enthusiasti-\nschem Beifall hin. Es offenbarte sich einmal wieder recht\nklar, wie die grosse deutsche Schule des Violinspiels doch\nalle Hexereien der anderen in Schatten stellt und auf der\nStelle vergessen macht. Auch die hiesige Kritik wagte die-\nses Mal nicht, die gewöhnliche Phrase von der Sanctioni-\nrung des Ruhmes fremder Künstler durch den pariser Ge-\nrichtshof in Geschmackssachen auszusprechen. Sie resu-\nmirte sich darauf, dass unter Kömpel's Händen die Violine\nsich als wahrhafte Königin der Instrumente bewähre, dass\nder „eminente Künstler alle Eigenschaften besitze, welche\nden Virtuosen ersten Ranges, in der schönsten und rein-\nsten Schule gebildet, ausmachen. Er bringt uns jene Breite\ndes Tones, jene Reinheit der Intonation, jene Zartheit des\nnuancirten Vortrags wieder, die man nicht immer bei den\nneueren Violinisten findet, welche sich durch Paganini auf\neine gefährliche Bahn haben fortreissen lassen. Bei Herrn\nKömpel entäussert sich die Violine nie ihrer Natur, aber\nherrscht dafür mit desto mehr Macht und Majestät.\"\nNeben diesen ausländischen Gewächsen waren Haydn's\n„Gott erhalte Franz, den Kaiser\", von allem, was strei-\nchen konnte, ausgeführt, und die Ouvertüre du jeune Henri\nwieder Concessionen an das Repertoire der Conservatoire-\nConcerte.\nDer ausserordentliche Erfolg des deutschen Geigers\nnöthigte gewisser Maassen die Concert-Gesellschaft des\nConservatoires, Herrn Kömpel einzuladen, auch bei ihr zu\nspielen, wo sich dann derselbe Triumph wiederholte.\nDie letzten Concerte des Vereins von Pasdeloup brach-\nten die Sinfonie in Es von Gounod, die bereits öfter mit\nBeifall gehört worden, neben der C-cfer-Sinfonie von Beet-\nhoven, ferner eine zweite Sinfonie von Saint-Saens,\neinem hiesigen Componisten, der schon vor einigen Jahren\nin den Concerten der Sie. Cecile seine erste zur Auffüh-\nrung brachte. Saint-Saens ist einer der tüchtigsten unter\nden jüngeren Musikern, was Streben und Wissen anbe-\nlangt, aber die melodische Erfindung und der harmonische\nFluss gehen in dieser seiner neuesten Arbeit in gesuchten\nFiguren und weniger klaren Combinationen unter. Er\nscheint die neueren deutschen Meister mehr zum Muster\nzu nehmen, als die älteren. Die Chöre zu Racine's „Atha-\nlia\" von J. Cohen, eine gute Composition, zum ersten\nMale im Concertsaale aufgeführt, früher jedoch oft bei\nden Aufführungen des Drama's im ge-\nhört, bis es dem literarischen Publicum dieser Bühne zu"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.3", "texte": "anspannend, d. h. langweilig, wurde, neben der Poesie\nauch noch Musik zu verarbeiten, machten einen recht be-\nfriedigenden Eindruck. Als Zwischengerichte wurden der\nElfenchor aus Oberon, der Bacchantenchor aus Philemon\nund Baucis von Gounod, ein Stückchen Introduction aus\nder Belagerung von Korinth u. s. w. aufgetischt.\nMan sieht, dass bei einem lobenswerthen Streben die\nzweite Gesellschaft es doch nicht wagt, in Bezug auf die\nZusammenstellung der Programme ganz mit der alten\nMode zu brechen und eine neue Bahn einzuschlagen. In-\ndess schreitet sie doch, wenn auch behutsam, darin vor.\nDass sie auch gegen äusseren ungünstigen Einfluss wirk-\nlich auf der Hut sein muss, hat das unerwartete Verbot\nbewiesen, das ihr untersagte, am Charfreitage ein Extra-\nConcert zu geben, wie es seit Jahren, schon von der Zeit\nder Concerts spirituelsher, die alte Gesellschaft thut. Diese\nscheint sehr eifersüchtig auf ihr Vorrecht zu sein und im\nKaiserreiche der Freiheit und des Friedens den erwähn-\nten Ministerialbefehl veranlasst zu haben.\nDas Gebiet der Kammermusik wird in Paris all-\njährlich mehr angebaut oder ausgebeutet, wie man will;\ndenn da sich die Mode auch darauf erstreckt hat, indem\nes zum guten Tone gehört, Quartettmusik-Cirkel zu besu-\nchen, so finden diese wenigstens die abonnirten auch\nihre Rechnung dabei. Man hört fast ausschliesslich deut-\nsche Musik in allen, und die Redeweise: „Albus entendre\nla musique allemandeu, bezieht man ohne Weiteres auf\nden Besuch der Vereine für Kammermusik.\nParis hat deren jetzt sieben bis acht stehende; nimmt\nman die Matineen und Soireen dazu, die von einzelnen\nKünstlern, fremden und einheimischen, gegeben werden,\nso gibt es Wochen, in denen man zwanzig Stück derglei-\nchen zählt. Im Monat werden sie nach Dutzenden gerechnet.\nVon den stehenden Vereinen behauptet sich der älteste\nvon Alard und Franchomme noch immer; sein Pianist,\ndenn ohne Ciaviermusik geht es nicht mehr, ist Plante.\nEinen zweiten, der wohl Ansprüche auf den ersten\nRang machen kann, haben bekanntlich Maurin (Violinist)\nund Chevillard (Violoncellist) seit Jahren gebildet; er\nhat durch den Zutritt des ausgezeichneten Bratschisten Vi-\nguier gewonnen. Die zweite Violine spielt fortwährend,\nwie seit Beginn, der tüchtige und originelle Sabattier.\nDie hauptsächlichsten Productionen in diesem Cirkel sind\nnoch immer, der ursprünglichen Bestimmung gemäss, die\ngrossen Quartette von Beethoven. Das Ciavier vertritt Ma-\ndame Tardieu; doch hörte ich auch in einer der letzten\nSitzungen eine recht talentvolle junge Pianistin, Made-\nmoiselle Caroline Levy. Diesen Cirkel besucht ein ziem-\nlich zahlreiches Publicum, das seine eigene Physiognomie\nhat. Es applaudirt viel und versteht wahrscheinlich auch\nsehr viel, das heisst, es bringt zum grössten Theile sein\nUrtheil und seinen Enthusiasmus schon ganz fertig mit in\nden Saal. Es besteht vorzugsweise aus sehr gebildeten\nLeuten, Literaten, Dichtern, Malern, Architekten, kurz,\nKünstlern und Gelehrten aller Art, die jedoch in allen an-\nderen Dingen besser zu Hause sind, als in der Musik. Den\nBeweis davon liefert ihre achselzuckende Langeweile bei\nMozart, ihr zur Schau getragenes Bedauern, dass dieser\ngute Mann nicht über Anmuth und Lieblichkeit hinausge-\nkommen, folglich ohne Kraft, Schwung und Leidenschaft\nsei (!), und dann neben der Bewunderung Beethoven's\ndie Verherrlichung Richard Wagner's! Von dieser ist aber\nauch Maurin selbst unbegreiflicher Weise nicht frei. Wie\nist es möglich, nach einem so andauernden Studium, wie\nes Maurin den Werken Beethoven's gewidmet hat, auch\nnur eine halbe Seite eines Wagner'schen Musikstückes\nernstlich zu bewundern?\nEiner regen Theilnahme erfreut sich der Verein, den\nArmingaud seit einigen Jahren mit Leon Jacquard,\nLalo und Lepret Pianistin Madame Massart— ge-\nbildet hat.\nMadame Claus-Szarvady gibt jeden Winter nur\ndrei Soireen, die ein gewähltes und verständiges Publicum\nhaben, das jedoch die treffliche, durchweg noble, von aller\nAffectation freie Künstlerin lieber in Sachen von Chopin\nund\" Beethoven, als in den Compositionen von Schumann\nhört, deren Einführung sie sich neuerdings besonders zur\nAufgabe gemacht zu haben scheint. Das schöne Quintett,\nmit den Quartettgenossen von Armingaud vortrefflich aus-\ngeführt, machte jedoch auf die grössere Hälfte der Zuhö-\nrer Eindruck, eigentlich aber doch nur auf die Deutschen.\nLebouc und Paulin nennen ihre Cirkel\nmusique chssique,also vorzugsweise classisch, was sie aber\nkeineswegs sind, man müsste denn alles Alte und Wieder-\nausgegrabene classisch nennen wollen, z. B. ein Duett aus\n„der schönen Müllerin\", ein Lied vonGuedron (17. Jahrh.)\nu. s. w. Hummel's Septett (Clavier-Partie Madame Matt-\nmann) und Bach's Solostücke für die Violine (erster Gei-\nger im Quartett: Herr Her man) lassen wir uns gefallen,\naber Herr Paulin wählt wahrlich nicht immer classische\nMusik für seine Gesangs-Vorträge, welche überhaupt eine\nGattung in die Kammermusik hineintragen, welche nicht\ndahin gehört.\nIn A. Gouffe's Salons hört man stets gute Musik,\nneben den deutschen Meistern auch häufiger als in ande-\nren Kreisen die Quintette von Onslow. Zuweilen gibt auch\nGouffe ein Solo auf dem Contrabass, auf dem er einer der\nersten Virtuosen ist, zum Besten.\nEin in diesem Winter neu erstandener Quartett-Ver-\nein hat einen Schüler Girard's, Lamoureux, als ersten\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.4", "texte": "Geiger an der Spitze, und zu Genossen lauter junge, aber\ntalentvolle Leute, wie er selbst einer ist.\nAls Quartett-Componisten zeichnen sich der oben\nschon erwähnte Camille Saint-Saens und Adolphe\nBlanc vor den übrigen aus. Letzterer hat mehr Eingang\ngefunden als ersterer, der ein tüchtiger Musiker ist, aber\nbis jetzt wenigstens noch nicht von der melodischen Muse\nbevorzugt scheint.\nIm Ganzen genommen wirken diese Vereine für Kam-\nmermusik viel Gutes. Mitten unter dem musicalischen Ge-\nwirr des Tages, den Keclamen der Parteien und der öf-\nfentlichen Blätter, den immer mehr zerfallenden Leistungen\nder dramatischen und der Kirchen-Musik, dem Hohlen der\nHunkernden und fütternden Virtuoserei sind sie es doch\nhauptsächlich, die den Geschmack für das reine Musica-\nlisch-Schöne noch erhalten und nähren und doch auch in\nvieler Menschen Gemüth wecken, wenn diese auch Anfangs\nnur der Mode oder der persönlichen Begünstigung der Mit-\nwirkenden wegen sie besuchen. Die Macht des Beispiels\nund die Ueberredungskraft der Musterwerke ist wirksamer\nals die eifrigsten Predigten der Aesthetiker, und da die\nVereins-Directoren niemals gegen Künstler mit freien En-\ntreen geizig sind, so wird doch mancher Keim des Guten\nin die Brust junger, talentvoller Musiker gelegt und man-\nches Bild wahrer Schönheit ihnen vorgeführt, wodurch\nsie vor der Buhlerei mit allem Geschminkten bewahrt\nwerden.\nAuch findet man von den Franzosen selbst schon die-\nselbe Ansicht ausgesprochen, dass nämlich „der gute Ge-\nschmack jener grossen und schönen deutschen Musik be-\ndarf, um sich von gewissen Einflüssen zu erholen und da-\ngegen zu stärken, die er zuweilen über sich ergehen lassen\nmuss. In den Kammermusik-Soireen ist man wenigstens\nsicher, nicht um Zeit und Genuss betrogen zu werden; hat\nman Tags vorher seinen Abend verloren, hat ein Instru-\nmentalist mehr mechanische Kunststücke als Stil und Vor-\ntrag gezeigt, oder ein Sänger uns bewiesen, dass man eine\nhübsche Stimme besitzen und nichts gelernt haben könne,\nso kehrt man um so lieber zu den Quartett-Vereinen zu-\nrück.\" (Gaz. mm., Nr. 15.)\nAuch über das Ciavierspiel beginnen die Ansichten\nsich sehr zu läutern. Seit Liszt und Thalberg heisst es\nan einer anderen Stelle desselben Blattes haben sich die\njüngeren Clavierspieler auf zwei entgegengesetzte Bahnen\nhinreissen lassen. Auf einer Seite stehen die classischen Er-\ninnerungen, die gediegenen früheren Schulen, nach denen\nsich Chopin eine besondere und eigentümliche Stellung\nschuf; auf der anderen das Pianoforte unserer Zeit: die\nneuen Eroberungen, die Schwierigkeiten, die Klangfülle\nund Klangkraft, kurz, ein Instrument, welches herrschen\nwill und darüber die Musik vergisst, für welche es ge-\nschaffen ist und deren gehorsamer Unterthan, wenn auch\nnoch so reich und vermögend geworden, es bleiben müsste.\nWird man endlich immer mehr zu den ursprünglichen\nfruchtbaren Quellen zurückkehren? oder werden wirkliche\nGenie's die Verschmelzung des alten und des neuen Piano-\nforte vollbringen? Wer kann das wissen? Aber das weiss\nman jetzt schon mit Gewissheit, dass man heute die gründe\nlichste Langeweile bei den Kraftstücken der Pianisten em-\npfindet, welche die Menge noch gestern leidenschaftlich in\nden Himmel hob. Statt pomphafter Effecte ohne Sinn und\nInhalt will man schöne Töne, den Wiederhall schöner Ge-\ndanken. Man verbannt und ächtet keineswegs das Schwie-\nrige, das kunstvoll Verwickelte, da es verschiedene Wege\nzum Schönen gibt; aber man will angenehm berührt oder\nergriffen, angeregt, entzückt sein, man will begeistert, nicht\nin Erstaunen gesetzt oder gekratzt und gerädert werden.\nDas sind wirklich leuchtende Streifen im Osten eines\nneuen Tages für Paris! Wenn ihr Licht nur so intensiv\nwird, dass es durch den Dunst dringt!\nIndessen hat ein Theil der Kritik die fremden Künst-\nler, welche in dieser Saison Paris besucht haben, doch\nschon nach diesen Grundsätzen beurtheilt. Der ganz ausser-\nordentliche Erfolg von KömpePs Violinspiel erklärt sich\nhauptsächlich durch das Bedürfniss eines reinen musicali-\nschen Genusses und durch die Sehnsucht danach, die theils\nbei den Musikern und ernsten Kunstfreunden aus wirkli-\ncher Umkehr zum Guten, theils bei der Menge der Dilet-\ntanten aus Uebersättigung und Ueberdruss entsprungen ist.\nJean Becker aus Mannheim hat durch sein Violin-\nspiel, dem er ein eigenthümliches, man möchte sagen: ita-\nliänisches, Colorit zu geben versteht, das auf einem Verein\nvon Leidenschaft, Phantasie und plötzlichem Glanz im Vor-\ntrag beruht, den Kennern in denjenigen Vorträgen am mei-\nsten gefallen, in denen Ton und Ausdruck vorherrschten.\nDie Menge hat er durch seine Paganinität hingerissen, die\nwir ihm allerdings auch hoch anrechnen, da sie eine grosse\nund kühne Virtuosität offenbart, aber doch nicht als den\nGipfel seiner Kunst bezeichnen, vielmehr vor ausschliess-\nlicher Hingabe an dieselbe den vortrefflich begabten jun-\ngen Künstler warnen möchten.\nAus der Flut der Clavierspieler erhoben sich Hans\nvonßülow, Louis Brassin und Alfred Jaell weit\nüber die Oberfläche empor, und es war erfreulich, wie\nauch hier wieder die deutschen Künstler den Sieg davon\ntrugen. Ueber ihre Erfolge in Paris ist in diesen Blättern\nschon berichtet worden*). UeJaer H. von Bülow hat sich\nauch hier das Urtheil festgestellt, dass er sich am grössten\nim Vortrage der Sachen von Liszt zeigt; hier ist er eigen-\n\n*) Vgl. Nr. 10 vom 3. Miirz und Nr. 19 vom 5. Mai 1860."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.5", "texte": "thümlich und voll Charakter, ja, selbst eine gewisse schroffe\nArt, sich zu geben, ä s'imposer,wie die Franzosen von\nihm sehr richtig sagten, kommt ihm bei diesen Krafltouren\nzu Statten. Er hat seine drei Concerte immer allein gege-\nben, wie früher sein Lehrer und Schwiegervater Liszt. Er\nbegann das erste mit Beethoven's kolossaler\nOp. 106 —in Paris! Das h iess in der That:\nDer Vortrag derselben war meisterhaft, hat aber die Son-\nderbarkeit und monotone Dürre des lugirten Finale's selbst\nbei den deutschen, geschweige denn bei den pariser Zu-\nhörern nicht in blühende Gärten oder tiefschaltige Wal-\ndung verzaubern können. Ueber die Zusammenstellung der\nExtreme, z. B. Liszt und J. S. Bach, eine Lieblingsmode\nder neuesten Schule, zuckt man auch hier jetzt die Achseln.\nIn seinem zweiten Concerte spielte er unter Anderem auch\nvier Stücke von R. Wagner, von Liszt übertragen; an\nKraft, Klangfülle, Schwung und orchestralem Vortrage\nkonnte man wohl kaum etwas Erstaunenswerteres hören,\ndoch machte nur der Einzugsmarsch aus dem Tannhäuser\nauch durch die Composition grossen Eindruck und musste\nwiederholt werden.\nEin anderer Schüler von Liszt, Herr Jacques Baur,\nist mit Bülow nicht zu vergleichen. Er bezwingt allerdings\nauch die gewaltigen Schwierigkeiten in den Uebertragun-\ngen Liszt's (z. B. aus dem Propheten), aber es fehlt der\nkünstlerische, geniale Schwung, der diesen Stücken allein\nein Interesse verleihen kann.\nZwei slawische Pianisten, Joseph Wieniawski und\nFräulein Ingeborg-Stark aus Russland, kamen etwas\nspät an die Reihe und hatten desshalb mit der Abspannung\nund Müdigkeit des Concert-Publicums und mit der Mai-\nsonne zu kämpfen. Wieniawski gab im Saale Herz ein\nConcert mit Orchester, in welchem er ein grosses Clavier-\nConcert in G-moll von seiner Composition spielte. Auch\nliess er eine Ouvertüre von seiner Composition aufführen,\nletztere auffallend nach Weber gemodelt. Das Concert\nhalte ich für eine sehr tüchtige Composition. Sein Spiel\nhat mich ebenfalls angezogen, wed es mehr Clavierspiel\nals Tastenpaukerei war. Man wirft ihm Mangel an Kraft\nvor; besteht denn die Schönheit des Vortrags nur darin?\nFräulein Ingeborg-Stark hat in einigen Soireen mit\nBeifall gespielt, sogar Fugen von Bach; aber wer kann\nhier Alles hören? Man sagte mir, sie sei talentvoll und da-\nbei jung und schön: Grund genug für die Protection aller\nhier wohnenden Russen und anderer Dilettanten von Fach!\nSeit dem Mai thront Musard wieder in den\nEhjsees; in seinem glänzenden Feengarten waren am Tage\nder Eröffnung wohl an vier Tausend Menschen versam-\nmelt, und zwar von der besten Gesellschaft. Er lässt\nstreng darüber wachen, dass sich die Monde interlope\nein jetziger Kunstausdruck: die Contrebande-Gesellschaft\nnicht „einschmuggelt\". Sein Orchester ist vortrefflich.\nß. p.\n\nEine Zimmer-Orgel mit neuem Triebwerk,\nvon Walker und Comp, in Ludwigsburg erbaut.\nAls vor fünf Jahren Herr Walker die hiesige Syna-\ngogen-Orgel aufstellte, fand ich zum ersten Male Gelegen-\nheit, dessen Arbeiten genau kennen zu lernen und mich\nmit dem Orgel-Bauwesen so recht nach allen Seiten hin\nbekannt zu machen.\nDamit reifte der Entschluss, mir durch Walker ein\nkleines Orgelwerk für das Zimmer erbauen zu lassen. Die\nBestellung wurde gemacht, Walker ging auf meine Wün-\nsche und Vorschläge ein, und von nun an beschäftigte\nmich das zu erbauende Orgelwerk oft und viel. Plötzlich\ndurchzuckte mich der Gedanke, ob es nicht möglich wäre,\nfür ein kleines Werk den Wind durch eine Maschine zu\nbeschaffen. Ich theilte diesen Gedanken Walker mit, und\nnach kurzer Zeit lagen Zeichnung und Kosten-Ueberschlag\nzur Ausführung einer solchen Maschine vor. Der Beharr-\nlichkeit und dem Scharfsinne Walker's ist es gelungen,\nmeine Wünsche zu verwirklichen. Die Maschine ist nun in\nThätigkeit zu meiner Freude und zum Staunen Anderer.\nDas ganze Orgelwerkchen zerfällt somit in zwei Haupt-Be-\nstandtheile: das Triebwerk und das eigentliche Orgelwerk.\nI. Das Triebwerk.\nDas Triebwerk ist eine äusserst einfache Maschine,\nwelche durch ein 10 Centner schweres Gewicht auf ähn-\nliche Weise wie eine Thurmuhr in Bewegung gesetzt wird.\nDieses Gewicht wird auf sieben Rollen durch ein vierzehn-\nfaches Seil ganz leicht in etwa drei Minuten aufgezogen.\nBeim Abwickeln der Maschine setzt dieselbe eine Welle\nin Bewegung, wodurch drei Schöpf-Ventile mit in Thätig-\nkeit gesetzt werden, die in regelmässiger Abwechslung\neinen so gleichmässigen Wind schöpfen, wie solcher kaum\nauf andere Weise beschafft werden kann.\nHiedurchist es möglich, dass das Orgelwerk mit eini-\ngen zarten Stimmen gegen eine halbe Stunde gespielt wc#1\nden kann ohne weitere Beihülfe. Jeden Augenblick kann\ndie Maschine in Thätigkeit gesetzt oder auch ihr Fortgang\neingestellt werden. Ihre raschere oder langsamere Thätig-\nkeit richtet sich ganz nach dem nöthigen Verbrauche des\nWindes.\nDie ganze Höhe des Trieb- und Orgelwerkes zusam-\nmen beträgt nur zehn Fuss; in einem höheren Locale\nkönnte mit Leichtigkeit eine Abänderung dahin getroffen\nwerden, dass das Ablaufen der aufgezogenen Maschine we-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.6", "texte": "nigstens auf die Dauer einer Stunde dem Orgelwerke den\nnöthigen Wind schöpft. Der ausserordentliche Vortheil,\njeden Augenblick ein solches Instrument nach Herzenslust\nohne alle weitere Beihülfe benutzen zu können, lässt gern\ndie kleine und leichte Arbeit, die das Aufziehen der Ma-\nschine erfordert, vergessen.\nSoll die Maschine nicht benutzt werden, so kann ihre\nVerbindung mit dem Orgelwerk ausgelöst und können so-\ndann die Schöpfer durch einen Tritt in Thätigkeit gesetzt\nwerden. Uebrigens hangen Maschine und Orgelwerk so\ninnig und sinnig zusammen, dass sie wirklich ein vollende-\ntes Ganzes ausmachen.\n11. Das Orgelwerk.\nDas Orgelwerk ist nach folgender Disposition erbaut:\nErstes Manual.\n1. Gedeckt 8 Fuss.\n2. Aeoline 8 Fuss, die untere Octave von Holz, die\nFortsetzung von Zinn.\nZweites Manual.\n3. Dolce 8 Fuss, untere Octave von Holz, die Fort-\nsetzung von Zinn.\n4. Harmonica 8 Fuss, mit Crescendo und Decres-\ncendo durch Pedaltritt.\n5. Flöte 4 Fuss.\n5 ' Pedal.\n6. Violon 16 Fuss offen.\nNebenzüge.\n7. Calcant, welcher das Triebwerk in Gang setzt.\n8. Eoppelung des 11. Manuals zum I. Manual.\n9. Koppelung der beiden Manuale zum Pedal.\n10. Ein besonderer Zug, der das Triebwerk vom Orgel-\nwerk abschliesst, wenn dasselbe nicht benutzt wer-\nden soll.\nDas ganze Werk mit Triebwerk hat eine Höhe von\nzehn Fuss, eine Tiefe von fünf Fuss und eine Breite von\nsieben Fuss. Das Gehäuse ist von Mahagoni und in äusserst\nfreundlicher, geschmackvoller Form so ausgeführt, dass\ndas ganze Werk förmlich geschlossen und vor jedem Staub-\nzutritt geschützt ist. Das Material sämmtlicher Orgeltheile\nistuntadelhaft, so wie die Arbeit selbst überall den rech-\nten Meister erkennen lässt.\nWas den Ton-Charakter der einzelnen Stimmen be-\ntrifft, so ist derselbe durchweg zart, edel, ja, wunderbar\nschön. Besonders zeichnen sich aus Dolce und Aeoline; ihr\nTon ist sanftstreichend, tief in die Seele dringend, während\nGedeckt und Flöte dazu beitragen, dem ganzen Werke die\nseinem Umfange und seiner Bestimmung entsprechende\nFrische und Tonfülle zu geben.\nVon überaus wohlthätiger und überraschender Wir-\nkung ist die Harmonica, die mittels eines Pedaltrittes vom\nleisesten Hauch des Tones anschwellend bis zur ganzen\nTonstärke und eben so abnehmend gebraucht werden kann.\nDadurch ist es möglich, der Ton-Schwingung sämmtlicher\nRegister ein Crescendo und Dmitzutheilen.\nDie Vereinigung sämmtlicher Stimmen gibt einen vol-\nlen, frischen, kräftigen Orgelton, der so recht geeignet ist,\nder Träger der heiligsten Empfindungen zu sein. Eine sel-\ntene Mannigfaltigkeit der Tonfarbenmischnng wird noch\ndadurch möglich, dass sowohl die Manual- als Pedal-Kop-\npelung ungehindert während des Spiels geschehen kann.\nFreunde des Orgelbaues und des Orgelspiels, die sieb\nvon der Vortrefflichkeit des in aller Kürze hier geschilder-\nten Orgelwerkes und überhaupt von der Meisterarbeit\nWalker's überzeugen wollen, lade ich zum Besuche bei\nmir ein, mit der Versicherung, dass ich zu dienen stets\nbereit sein werde.\nEine ausführlichere Mittheilung habe ich der „Urania\"\nzugedacht.\nMeinen Freunden den besten Gruss.\nMannheim, im August 1860.\nEb. Kuhn, Organist.\n\nBeurtheilungen.\nWinfried und die heilige Eiche bei Geismar. Ora-\ntorium. Text von W. Osterwald, Musik von\nD. H. Engel. Op. 20. Ciavier-Auszug. Preis 4\nThlr. Partitur und Orchesterslimmen sind in cor-\nrecter Abschrift durch die Verlagshandlung zu be-\nziehen. Bei Eahnt in Leipzig. Sr. K. Höh. dem Prin-\nzen Georg von Preussen ehrfurchtsvoll zugeeignet.\nNur höchst selten neigt sich ein Componist neuester\nZeit dem Oratorium zu; in der Thät haben wir nur sehr\nwenige derartige Tonschöpfungen zu verzeichnen. Hiller's\nSaul, Reinthaler's Jephta, Mangold's Abraham sind durch\nden Druck und grössere Aufführungen bekannt, während\nWauer's Märtyrer u. A. noch Manuscripte und nur enge-\nren Ereisen zugänglich sind. Je seltener aber derartige\nWerke werden, desto mehr ist die musicalische Eritik ver-\npflichtet, auf die bestehenden aufmerksam zu machen. Ich\nwill diese Verbindlichkeit erfüllen an dem oben erwähn-\nten, der Aufmerksamkeit jedes Musikers von Fach oder\naus Liebe, besonders aber der grösseren Musik-Vereine,\nhöchst würdigen Werke. Der Inhalt dieses Werkes ist fol-\ngender: Unweit der heiligen Eiche bei Geismar in Ober-\nhessen, die nach ihrem Glauben für die Wohnung der\nvornehmsten Gottheit gehalten und hochverehrt wird, ste-\nhen, von ihren Priestern geleitet, die heidnischen Deutschen\nund erwarten die Ankunft des christlichen Angelsachsen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.7", "texte": "Winfried (Bonifacius), der sie aufgefordert hat, durch ein\nGottesgericht die Macht ihres Gottes Wodan zu prüfen,\nund zum Christenthume überzutreten, wenn es ihm gelin-\ngen würde, die Eiche zu fällen, ohne von Wodan vernich-\ntet zu werden. Die Gesänge der Heiden (in der altdeut-\nschen Form der Alliteration gehalten) sind voll wilder Zu-\nversicht auf die Macht ihres Gottes und erwarten, dass\nWodan das Meinwerk (die Frevelthat) des frechen Gastes\nrächen werde. Da erschallt aus der Ferne der Gesang der\nheranziehenden Christen (im Gegensatz zu den Heiden-\nchören in der Form des gereimten kirchlichen Chorals ge-\nhalten), die in Demuth zu Gott um Gnade liehen. In den\nTrotz der Heiden-Chöre mischen sich einzelne bange Ah-\nnungen. Die Christen erscheinen, Winfried bringt den Hei-\nden den Gruss Gottes und schreitet mit hochgehobener Axt\nvoll sicheren Gottvertrauens an die Eiche. Entsetzen er-\ngreift die Heiden, als der Schreckensschlag erschallt, ohne\ndass Wodan den erwarteten Blitz sendet, und sie glauben\nin ihrer Verzweiflung, dass mit dem heiligen Baume ihres\nGottes, der ihnen der Welt- und Lebensbaum ist, Himmel\nund Erde zusammenstürzen werden, und dass der gefürch-\ntete Tag des Weltunterganges nahe, um Menschen und\nGötter in Finsterniss zu hüllen. (Götterdämmerung.) (?)\nDa bringt ihnen Winfried den Trost des Evangeliums, und\nals er ihnen die Gnade des lebendigen Gottes versprochen\nhat, wagen sie, in den Choral der Christen mit einzustim-\nmen, und beide Chöre verbinden sich zu einem einigen\nSchluss-Psalm zur Ehre Gottes.\nDie Dichtung ist nach Anlage und Form sehr gut und\nvoll der spannendsten musicalischen Momente; dass sie von\nder Geschichte abweicht, welche den heiligen Bonifacius\nunter den Streichen der erbitterten Heiden fallen lässt\nsammt seinen Genossen im heiligen Missionswerke, soll\nnicht in Betracht gezogen werden*).\nNach einer sehr ernsten, vielleicht zu langen und zu sehr\nin den tiefen Tönen sich bewegenden Einleitung (Celli,\ndarin., Corni, Pos.) besingen die Heidenpriester im bun-\nten, aber geistvoll angelegten Wechseigesange die Grösse\nihres Gottes Wodan. Dies Stück ist sehr charakteristisch;\ndas Rauschen der heiligen Wipfel, vom leisesten Säuseln\nbis zum stürmischsten Brausen, ist sehr gut ausgedrückt\nund durch die Instrumentation gehoben. Das Singen der\nheidnischen Priester tönt wie der letzte Verzweiflungs-\nschrei, ja, es klingt ein satanisches Wüthen hindurch,\nes ist die letzte Anstrengung, ihre Macht und ihr Ansehen\nzu retten. Das Volk singt Anfangs ruhiger, sogar andäch-\ntig; aber allmählich wirkt der fanatische Eifer, bis sie end-\nlich alle zusammen stürmen und toben in rasendster Lei-\ndenschaft. Jetzt erklingt hehr und heilig der Gesang der\nChristen; es liegt zwischen beiden Gesangchören der ganze\nungeheure Contrast, der zwischen dem Christenthum und\ndem Heidenthum besteht. Ohnmächtig, trotz allem Aufwand\nvon Kraft und Leidenschaft, verschwindet gegen diese süs-\nsen Harmonieen das Aufgebot der Heiden zum Wider-\nstande, ja, es klingt sogar die Ungewissheit des Sieges\nund die Ahnung grauser Niederlage vernehmlich hindurch.\nWarnend naht sich noch überdies die mahnende Stimme\neines heidnischen Weibes, deren einschneidende, nur zu\ntiel gefühlte Worte sie vergebens zu entkräften suchen.\nDiese Nummer (4) ist ganz schön. Unterdessen haben sich\ndie beiden Parteien zur Entscheidung der Sache geordnet;\nWinfried begrüsst in der Nr. 6 die Männer und Frauen;\nseine süssen Töne dringen an das Herz; darauf rüstet er\nsich zum Schlage. Die Composition dieses Theiles der Worte\nist voll von edler Kraft, aber frei von sündiger Leiden-\nschaft. Rathlos haben die Heiden zugesehen, nur bisweilen\nängstlich aufschreiend; in Nr. 7 ermuntern die heidnischen\nPriesterinnen die Priester und das Volk zum wirklichen\nund gewaltthätigen Widerstande gegen Winfried's Vorha-\nben; dieses Stück ist von psychologischer Feinheit. In Nr.\n8 endlich entfesseln sich alle Leidenschaften der Heiden,\ndoch ist ihr Thun leeres, ohnmächtiges Rufen um Hülfe,\nmusicalisch jedoch äusserst wirksam, zudem besonders gut\ninstrumentirt. Die Arie Winlried's, welche jetzt folgt, ath-\nmet ganz den hohen Frieden des Glaubens an Christus.\nGut ist ausgedrückt das Zweifeln und Schwanken der\nHeiden, namentlich in dem Arioso des Priesters (Nr. 13);\nman glaubt in der Begleitung das Zittern und Klopfen des\nfürchtenden Herzens zu hören. Endlich aber ist es Win-\nfried gelungen, die Heiden von der Macht und Barmher-\nzigkeit des Christengottes zu überzeugen, und es lös't sich\njetzt Alles in Jubel und Jauchzen auf. In der That athmet\nder Schlusschor ein solches Frohlocken, dass man sich un-\nwiderstehlich hingerissen fühlt.\nDer Stil nähert sich im Ganzen sehr dem Men-\ndelssohn'schen; wir begegnen nicht selten Wendungen,\nCadenzen und manchen Eigenthümlichkeiten jenes Mei-\nsters, doch immer so, dass man in Engel einen geistvollen,\nideenreichen Schüler wird anerkennen müssen. Die For-\nmen sind zwar eben nicht neu, aber durchweg edel, maass-\nvoll und ungezwungen. Was sich bisher bewährt hat und\ndurch den Vorgang anerkannter Meister sanetionirt ist,\nwird beibehalten. Frisch und frei waltet Engel im Reiche\nder Töne und schwingt sich empor, wie es eben nur dem\ngelingen kann, der, mächtig der contrapunktischen Kunst,\nauch Geist und Ingenium genug besitzt, um Tonweisen zu\n\n:*} Bonifacius fand erst dreissig Jalire später seinen Tod unter\nden Heiden von Westfriesland (755). Die Zerstörung der heili-\ngen Eiche bei Geismar fällt in das Jahr 724 oder 725.\nDie Kedaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600818-01.1.8", "texte": "schaffen, welche Künstler wie Laien gleichmässig befriedi-\ngen. Was die Charakteristik der handelnden Personen an-\nlangt, so scheint uns freilich der Componist hinter seinen\nVorbildern noch zurückzubleiben. Selbstverständlich liegt\nder Schwerpunkt des Werkes in dem vocalen Theile, in-\ndessen hilft auch der instrumentale den einzelnen Inten-\ntionen ihre Geltung erobern.\nDr. M.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nRollt« Herr Professor Derffel aus London war einige Tage\nzum Besuche bei seinen Verwandten hier und hat uns im Privat-\nkreise durch den meisterhaften Vortrag seiner originellen Clavier-\nCompositionen einen grossen Genuss bereitet.\nDer berühmte Tanz-Componist, Herr Wallerstein aus Dres-\nden, hielt sich auf seiner Rückkehr aus der Schweiz und Italien\neinige Tage hier auf.\nFerdinand Hiller's „Lorelei\"*, die Haupt-Partie vortrefflich\ngesungen von Frau Offermann-Hove, hat auf dem Musikfeste\nzu Arn heim in Holland einen beispiellosen Enthusiasmus erregt.\nHannover. Herr Nie mann erhielt nach Vorlegung seines\nContractes mit der grossen Oper in Paris einen einjährigen Urlaub,\nmit der einzigen Verpflichtung, an den Geburtstagen des Königs\nund der Königin und bei sonstigen feierlichen Gelegenheiten, wenn\nes gewünscht wird, mitzuwirken. Herr Niemann hat vom Director\nder grossen Oper in Paris einen einjährigen Contract gegen eine\nGage von 72,000 Frcs. (ungefähr 19,000 Thlr.) erhalten. Er tritt\nsein Engagement in Paris am 1. September an.\nZu Ehren des allbekannten Lieder-Componisten Musik-Directors\nKarl Zöllner fand in Leipzig ein Monster-Concert, veranstaltet\nvon allen hiesigen Männer-Gesangvereinen (500 Mann) unter Zu-\ndrang und grossem Beifall Statt. Die Hymne für Männerchor (Ge-\ndicht von Müller [von der Werra], componirt von Ernst 11., Herzog\nvon Sachsen-Coburg-Gotha) wurde unter grossem Jubel da capo ver-\nlangt. Man beabsichtigt, Zöllner, der abwesend ist, mit dem Ertrag\ndes Concertes ein längst verdientes Ehrengeschenk zu machen.\n»• III« Das Gastspiel des Tenoristen Niemann,\nwelcher den „Tannhäuser\"1, den „Propheten* und den Max im „Frei-\nschützu mit gleichem Erfolge sang, dann die Vorstellungen der ita-\nliänischen Operngesellschaft des Herrn Merelli und endlich das\nausgezeichnete Clavierspiel des mecklenburgischen Hof-C.-M. Herrn\nAloys Sch mitt brachten ein musicalisches Leben in unsere Stadt,\ndem selbst die schöne Sommerzeit keinen Abbruch zu thun ver-\nmochte.\n'Wien* 4. Aug. In der letzten Vorstellung des „Freischütz0\nnahm Frau Harries-Wippern aus Berlin früher, als beab-\nsichtigt mit der Rolle der Agathe Abschied von uns. Sie hinter-\nlässt bei allen Gebildeten, und am meisten mit dieser ihrer letzten\nLeistung, das Andenken einer zwar nicht mit grossen Mitteln aus-\ngestatteten und in ihrer technischen Gesangsbildung nicht makello-\nsen, aber fein empfindenden Künstlerin, die zugleich eine nur zu\nseltene Erscheinung als Darstellerin sich durch lebendige Indivi-\ndualisirung, Geist und Grazie auszeichnete und durch die Liebens-\nwürdigkeit und den Adel der persönlichen Repräsentation erfreute.\n(D. M.-Z.)\nUm den Bedürfnissen der Zeit Rechnung zu tragen, hat man in\nDresden nun endlich auch Verdi's „Trovatore* einstudirt. Das\nWerk wurde am 26. Juli mit Beifall aufgenommen.\nDer „Trovatore\" berechnet, dass es gegenwärtig ungefähr 1730\nitaliänische Sänger und Sängerinnen und 1670 Tänzer und Tänzerin-\nnen gibt. Unter ihnen befinden sich 410 Primedonne, 330 Tenöre,\n280 Baritone, 160 Bassisten, 50 Buffi, SCO Sänger für Nebenrollen;\nferner 180 erste Tänzerinnen di rango francese, 110 erste Tänzer,\n220 erste Tänzerinnen di rango italiano, 150 Mimen, 970 Tänzer\nund Tänzerinnen di mezzo caratlere, 40 Balletmeister.\nDer bekannte Cellist Georg Hausmann ist am 10. Juli in\nEdinburg, wo er als Musik-Director funetionirte, gestorben.\nStockholm« Frau Jenny Lind-Goldsehmidt ist hier\nam 17. Juni an Bord des Dampfers Swea mit ihrem Gatten und\nihren zwei Kindern angelangt, in der Absicht, den Sommer auf einer\nVilla in der hiesigen Umgebung zuzubringen. Eine grosse Anzahl\nihrer Bewunderer hat ihr einen enthusiastischen Empfang bereitet.\nIn Riga hat die erste Versammlung der Mitglieder des Theater-\nComite's in Betreff der Erbauung des neuen Theaters Statt gefunden.\nIn vier Wochen wird der Grundstein gelegt werden und der Gross-\nfürst-Thronfolger zu dieser Feierlichkeit nach Riga kommen. [Eine\nähnliche Feierlichkeit wird auch in Köln Statt finden, sobald der\nPlatz für den fraglichen Grundstein gefunden sein wird. Die Livlän-\nder überstürzen sich : vier Wochen nach der ersten Comite-Versamm-\nlung schon den Bau zu beginnen! Nein, da überlegen wir doch\nlänger.]"}]}