{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-09-01-01", "volume": "bmtnabi_1860-09-01_01", "ocr_sha256": "afea7c0f14063b378c95a1f45ee4340a7baaedc172f918378c48fa9fc4c792d8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/09/01_01/bmtnabi_1860-09-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 431, "texte": "Inhalt.\n»v-. ,;••• • f . / I§ ■\nAus London (Die diesjährige Saison in Her Majesty's Theatre und in Coventgarden Theatre Concerte). Schluss. Von\nA. Theodor Wachtel (Biographisches). Die Vorstellung der deutschen Bühnen-Vorstände an die deutschen Fürsten und Regie-\nrungen. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Deutsche Oper in Rotterdam, Italiänisehe Opern-Gesellschaft des Herrn Merelli\nCoblenz, Concert von Fräul. Marie Cruvelli)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "285", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.2.2", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.1", "debut_caractere": 433, "fin_caractere_exclue": 4136, "texte": "Aus London.\n[Die diesjährige Saison in Her Majesty's Theatre und in Covent-\ngarden Theatre Concerte.]\n(Schluss. S. Nr. 35.)\nAls Norma riss Fräulein Titjens das ganze Publicum\nohne Ausnahme durch ihre eminente Leistung hin. Trotz-\ndem kam die Oper nicht wieder auf die Bühne, nur die\nerste Scene (Casta diva) wurde häufig eingeschaltet.\nVon Verdi wurden nur Rigoletto zwei und Ernani\nein Mal und ohne besonderen Erfolg vorgeführt.\nRossini's „Barbier\" sahen wir drei Mal mit verchie-\ndencr Besetzung. Mad. Borghi-Mamo ersäufte die Melo-\ndieen der ersten Arie der Rosine und auch des Duetts mit\nFigaro in einem erstickenden, keineswegs erquickenden\nSprudel von selbstbereitetem Tonwasser. Bei der dritten\nWiederholung trat Mad. Alboni in ihre alten Rechte, und\ndurch ihre herrliche Stimme und den edeln, nicht mit eige-\nnen Füttern überbürdeten Vortrag hörte man Rossini's\nRosine mit Genuss. Am bedeutendsten wurde die zweite\nVorstellung durch das Debüt eines ganz ausgezeichneten,\nnoch sehr jungen Doctor Bartolo, Signor Ciampi, den\nHerr Smith der Gesellschaft Merelli in Brüssel und Köln\nabspänstig gemacht hatte. Er machte ungeheures Glück,\nein Donner von Applaus erschütterte das Haus, und alle\nöffentlichen Blätter stimmten ohne Ausnahme in seinem\nLobe überein. Auch seine folgenden Leistungen in Gnec-\nco's La Prova d'un Opera Seria und vor Allem in Ci-\nmarosa's Matrimonio segreto rechtfertigten den enthu-\nsiastischen Empfang; Stimme und Gesangkunst, dazu ein\nmerkwürdiges Schauspieler-Talent sind ihm eigen, und es\nlässt sich voraussehen, dass er sehr bald der vollendetste\nBuffo der gegenwärtigen italiänischen Sängerzunft sein\nwird. Zugleich mit ihm trat Sebastiano Ronconi, ein jün-\ngerer Bruder des berühmten Ronconi, als Figaro mit\nschwachem Beifall auf.\nRossini's „Semiramis\" wurde vier Mal gegeben;\nFräul. Titjens konnte ihre Partie, die sie zum ersten Male\nsang, in Bezug auf Correctheit der Coloratur nicht ganz\nbezwingen, ersetzte jedoch durch einzelne dramatische Mo-\nmente, grossartiges Spiel und malerische Plastik das Man-\ngelnde. Der Erfolg der Oper war nicht ausserordentlich.\nDagegen zogen die sechs Vorstellungen von Meyer-\nbeer's „Hugenotten\" das Publicum stets nach dem Thea-\nter, und mit Recht, denn sie wurden sehr gut gegeben.\nFräul. Titjens übertraf als Valentine sich selbst und alles,\nwas man bisher hier in dieser Rolle gehört und gesehen\nhatte, und eine Demoiselle Michal, die Niemand kannte,\nsang die Königin so glänzend und correct, dass sie einen\ngrossen Eindruck machte. Nehmen Sie die Borghi-Mamo\nals Pagen dazu, Giuglini als Raoul, Violetti als Marcel,\nNevers und St. Bris durch Everardi und Gassier besetzt,\nso können Sie Sich eine Vorstellung von dem ausgezeich-\nneten Ensemble machen.\nDennoch trat Alles in den Hintergrund, ja, verschwand\nfast in der Erinnerung vor der Begeisterung, welche We-\nber's „Oberon\" gleich bei seiner ersten Aufführung am\n3. Juli erlebte. Neun Aufführungen, darunter zwei Bene-\nfize für den Unternehmer Herrn E. T. Smith und für\nFräul. Titjens, machten das Haus zum Brechen voll. Vom\nhöheren Standpunkte der Kritik aus, vollends vom histo-\nrischen, der jede Zurechtmachung eines älteren Meister-\nwerkes für neuere Bedürfnisse als eine Versündigung an\ndem Schöpfer desselben ansehen muss, lässt sich gegen die\nneue Gestalt, in welcher Oberon hier wieder erschienen\nist. freilich sehr viel einwenden. Und dennoch hat Bene-\n(l je t sich um Weber in so fern verdient gemacht, als\nnichts von den Musikstücken des Weber'schen „Oberon\"\ngestrichen worden ist und die Bearbeitung für die italiäni-\nschc Bühne nur in Zuthaten besteht.\nFreilich erscheinen diese mitunter sehr wunderlich.\nDie Recitative waren allerdings nothwendig, und man kann"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5230, "texte": "sie mit Fug und Recht gelungen und effectvoll nennen.\nAber die Einlagen aus Weber's Euryanthe? die neuen\nGesang-Partieen des Babekan und der Roxane? Nun, die\nAbgerissenheit und Incohärenz des ursprünglichen Libretto\nist freilich dadurch weniger auffallend geworden, und am\nEnde ist ja der Text 4es Weber'sehen Ober.on der Art,\ndass es dabei auf etwas mehr oder weniger Unsinn nicht\nankommt. Kurz, das Resultat der vereinten Bemühungen\nder Herren Smith und Benedict war sehr lohnend für\nBeide; die Saison musste auf eine ganze Woche verlän-\ngert, Mongini (Hüon), der schon abgereis't war, durch den\nTelegraphen zurück geholt werden, um dem ungestümen\nVerlangen des Volkes nachzugeben.\nDie Besetzung war folgende: Rezia Fräul. Titjens;\nFatime—Mad. Alboni; Roxane—Fräul. Vaneri; Puck\nMad. Lemaire; Hüon—Herr Mongini; Oberon Herr\nBeiart (guter Tenor); Scherasmin Herr Everardi; Babe-\nkan—Herr Gassier.\nDie erste Aufführung des Oberon bei Weber's An-\nwesenheit in London fand den 11. April 1826 Statt; der\nErfolg war bekanntlich nur ein mässiger; sicherlich\nbrachte Weber's Benefiz-Vorstellung ihm nicht ein Drittel\nder Einnahme, die jetzt Fräul. Titjens davontrug.\nHerr Gye, der Director der zweiten italiänischen Oper\nim Coventgarden-Theater, hat neben seine alte\nGarde oder neben seine Ruinen Grisi, Mario, Ronconi\nneue Zierden aus Paris und Wien nach London ver-\npflanzt, aus Paris Mad. Carvalho-Miolan und Herrn\nFaure (Bariton von der Opera comique), aus Wien Mad.\nCzillag. Beide Sängerinnen, von ganz verschiedenem Genre,\ndie Miolan mit kleiner Stimme, vollendet in Feinheit, Grazie\nund Correctheit aller denkbaren Coloraturen, die Czillag\nimponirend durch ihre prächtigen natürlichen Mittel, ver-\nliehen den Vorstellungen unläugbaren Glanz, während man\ndie Grisi und Genossenschaft doch in der That nur aus\ndankbarer Erinnerung bewundern, Einige meinten sogar:\nnur ertragen konnte. So viel ist gewiss, dass einem Frem-\nden, der diese ehemals wunderbar grosse Sängerin jefzt\nzum ersten Male hört, der immer noch enthusiastische Bei-\niall des londoner Publicums ein Räthsel sein muss.\nEröffnet wurde die Saison am 10. April mit Meyer-\nbeer's Dinorah (Miolan), welche Oper die vorjährige ge-\nschlossen hatte. Faure setzte sich durch die Partie des\nHoel, in welcher er zum ersten Male in England auftrat,\nsogleich in Gunst. Er besitzt eine schöne, wohllautende\nStimme und weiss zu singen.\nMad. Czillag erschien zuerst in Beethoven's Fidelio\nund machte durch Gesang und Darstellung einen ausser-\nordentlichen Lindruck. Das Ganze der Vorstellung konnte\nman aber nicht loben, auch erregte das Meisterwerk bei\nWeitem nicht den Enthusiasmus, mit welchem sonst das\nlondoner Publicum diese Oper stets aufgenommen hat. Die\nMarcelline war durch Fräul. Corbari sehr gut besetzt—\nein seltener Fall; Neri-Beraldi (Florestan) und Tagliafico\n(Pizarro) erhoben sich nirgends über das Gewöhnliche, und\nHerrn Zelger's Rocco iiess gar zu sehr Karl Formes ver-\nmissen, der aus dieser Rolle eine Hauptstütze des Erfolgs\nder Oper zu machen wusste. So wurde denn trotz der Be-\nwunderung des dramatischen Talentes der Mad. Czillag\nFidelio doch nur Ein Mal wiederholt.\nGrisi und Mario traten in ihren alten Partieen in der\n„Favorite\" auf; Leonora entzückte die Stammgäste, Fer-\nrando war heiser, was Niemandem etwas Neues war.\nAuber's „Fra Diavolo\" ging mit der Miolan und\ndem Tenor Gardoni in Scene. Ronconi war als Lord er-\ngötzlich; auf derartige Partieen sollte er sich aber auch\njetzt beschränken. Im Trovatore thaten Grisi und Mario\nihr Möglichstes, aber nur die Czillag (Azucena) und Gra-\nziani (Graf Luna) hielten die Vorstellung. Wenn einige\nKritiker fanden, dass Mad. Czillag in Verdi's Musik nicht\nso gross sei, als in Beethoven's, so kann sie das nur als\nein Compliment aufnehmen.\nDer „Barbier\" blieb im Ensemble und im Einzelnen\nhinter früheren Vorstellungen zurück; Mad. Miolan war\nkeine ausgezeichnete Rosine, Zeiger ein schauderhafter\nBartolo, Mario und Ronconi die Alten! Und doch sagte ein\nBlatt ersten Ranges, man könnte über die vortreffliche\nLeistung Mario's eine Broschüre schreiben!\nMozart's „Don Giovanni\", ich wollte sagen: Alary's\nVerunstaltung desselben, mit Mario als Don Juan, war eine\nverfehlte Vorstellung. Mad. Penco debutirte als Zerline;\nfür die Grisi, welche durch eine Ohnmacht ausser Gefecht\ngesetzt wurde, trat Mad. Rudersdorf als Donna Anna\nein. Der zweiten Vorstellung gab Tamberlik's Ottavio\nwenigstens ein Concert-Relief. Die Penco trat ferner als\nNinetta in Rossini's Gazza laclra, Elvira in den Puritani,\nLady in der Martha, Eurydice in Gluck's Orpheus auf.\nWenn man erfährt, dass die Hugenotten und Lucrezia\nBorgia mit Mario und Grisi in den Haupt-Partieen (Raoul\nund Valentine, Lucrezia und Gennaro) gegeben werden\nkonnten und unter Beifallssalven gegeben wurden, so wird\nman über die Gutmüthigkeit und das Uebermaass von\nWohlwollen eines Publicums erstaunen, welches statt des\ngrossen Kraftaufwandes, den der Gesang dieser Partieen\nfordert, mit der Andeutung desselben in Ton und Miene\nsich begnügt.\nWir dürfen indess nicht vergessen, dass Herr Gye in\nseinem Programm den Abonnenten „die letzten zwölf\nAbschieds-Vorstellungen\" der Madame Grisi ange-\nkündigt hatte. Man hofft jedoch jetzt, dass sich die Künst-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5233, "texte": "lerin in der nächsten Saison noch zu einem Dutzend „Le-\nbewohl-Vorstellungen\" werde bewegen lassen.\nGluck's Orfeo e Euridicewar ein Wurf, den das\nTheätre lyriquein Paris veranlasst hatte; aber es war kein\nTreffer. Die Oper liess das Publicum kalt, eben so wie die\nIphigenie auf Tauris, welche nicht lange vorher als Con-\ncert in St. James' Hall aufgeführt wurde. Wenn für Eng-\nland alte Musik wieder ausgegraben werden soll, so muss\nes aus englischem Boden geschehen; eine Oper von Hän-\ndel zum Beispiel könnte vielleicht Glück machen. Aber\nGluck? Wer ist das? ein Nachfolger von Meyerbeer?\nOrpheus (Mad. Czillag) hatte vergebens seine Euridice\n(Mad. Penco—Beide vortrefflich!) aus der Unterwelt ge-\nholt, sie kamen Beide in London nicht wieder zum Vor-\nschein.\nNach einer Ruhe von fünf Jahren erhob sich am 12.\nJuli „Der Prophet\" wieder, um aller Welt zu sagen, dass\ner nicht todt sei. Und siehe, man glaubte es ihm, worauf\ner am 4. August die Saison mit Eclat in jedem Sinne des\nWortes schloss.\nDie aufgewandte Pracht der Scenerie und Decoratio-\nnen ist kaum zu schildern, wie denn überhaupt das neue\nCoventgarden-Theater darin gegen das frühere sehr vor-\ntheilhaft absticht. Es war aber auch Zeit, dass England,\ndas Land der Maschinen, endlich auch im Opernhause eine\nMaschinerie bekam, die hinter denen in Paris, Berlin und\nWien, ja, man konnte sagen, hinter denen jedes kleinen\nHoftheaters in Deutschland, nicht zurückstand, wie das\nfrüher der Fall war. Mad. Czillag als Fides und Tamber-\nlik als Johann von Leiden machten die Prophezeiungen\nund die Selbstverherrlichung des Propheten zu Wahrhei-\nten. Tamberlik's Höhepunkt war der dritte Act, wo er die\nMeuterei niedersingt und mit dem immer noch imponi-\nrenden caus der Brust seine Begeisterung in dem Hymnus\nzum Himmel empor schleudert.\nMit den Opern-Vorstellungen schloss auch die Con-\ncertzeit in London, oder richtiger überhaupt die Zeit, in\nwelcher die vornehme und vorzugsweise kunstliebende\nWelt London bewohnt.\nDie meisten Concerte der musicalischen Vereine, so\nwie die Morgen-'und Abend-Concerte einzelner Künstler\nfanden zwischen dem 1. Mai und 1. August Statt. Es ist\nunglaublich, welch eine Masse von musicalischen Leistun-\ngen innerhalb dieser drei Monate hier vorkommen, und\nwelche Protection—denn ohne diese ist nichts zu machen\n—und welche Liebhaberei, auch Mode und hon ton dazu\ngehören, jedes Concert mit Zuhörern zu füllen. Denn mit\nder Fülle verhält es sich hier ganz anders, als in Paris, wo\nzwei Drittel der Anwesenden auf Frei-Billets kommen und\nder wirkliche Gewinn für den Concertgeber gleich Null\nist. In London sind alle Oratorien- und Orchester-Concerte,\ndessgleichen die Vereine für Kammermusik stark abonnirt,\nund die zur Mitwirkung in diesen berufenen Künstler, wie\nauch jene, die, vom Rufe und von einigen hohen Patronen\nunterstützt, auf eigene Hand Concert geben, finden immer\nnoch ihre Rechnung dabei, was in Paris längst vorbei ist.\nWie Alles in London kolossal und zahllos ist, so sind\nes auch die Musik- und Concert-Vereine.\nWenn ich die Sacred Harmonie-, die Musical-, die\nAmateur Musical-, Orchestral-, Philharmonie New Phil-\nharmonie -Societäten, die Vocal (Sing-Verein,\nDirector Benedict), die Tonic\nChoir, die Society of British Musicians, die London Or-\nchestral Association,die Bach Hullah's Concerte,\ndie Monday Populär Concerts, die English Glee and Ma-\ndrigal Union, die Choral Society, den Arion, Bobinson's\nChoir, Ella's Quartett-Verein, Dandel's Quintett Union\nnenne, so habe ich die Liste aller Vereine noch keineswegs\nerschöpft. Man sieht, Paris ist trotz seiner Kunst-Renom-\nmage nichts dagegen, denn an Oratorien- und Chor-Ver-\neine ist dort nicht zu denken, und die paar Orchester-Ge-\nsellschaften ausser der Concert-Gesellschaft des Conserva-\ntoires fristen ihr Dasein mit Mühe.\nDie Monday-Populär-Concerte,, ein neueres Institut,\nhatten sich eigentlich der andauerndsten Gunst des Publi-\ncums zu erfreuen, und zwar von Anfang November bis\nAnfang Juli. Und was hört man in diesen Concerten? Etwa\nWalzer von Strauss, Polka's von Wallerstein und Arran-\ngements aus Opern? Keineswegs, sondern gediegene Kam-\nmermusik, namentlich für das Geigen-Quartett, wiewohl\nauch Pianoforte und Gesang nicht fehlen. Ich theile einige\nProgramme mit. Z. B. Quintett von Boccherini, Sonate für\nzwei Violoncells von demselben (gespielt von Piatli und\nSchröder), Quartett in D-mollvon Cherubini (Herr Becker\naus Mannheim, der überall, wo er sich hören liess, mit\nausserordentlichem Erfolg auftrat, mit den Herren Ries,\nBla grove und Piatti), Clementi's Clavier-Sonate in C,\nOp. 34, und drei Stücke von Scarlatti (Miss Arabella\nGoddard). Dazu Gesangstücke von Paesiello, Jomelli, Sal-\nvator Rosa (den ich übrigens doch in seinen Landschaften\nlieber bewundere, als in seinen Compositionen), Salieri\nund Mozart.\nDas Concert am 24. Juni war ganz Mozart geweiht.\nEs begann mit dem Quintett in A für Clarinette und\nStr ieh-Instrumente. Darauf spielten Miss Goddard und\nHerr Becker die Sonate in F (mit den Variationen) für\nCiavier und Violine, erstere auch noch die Solo-Sonate in\nB. Zum Schluss eine ganz ausgezeichnete Ausführung des\nViolin-Quartetts in G. Die Sängerin Madame de Paez\n(eine Deutsche) trat mit entschiedenem Erfolg zum ersten\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4833, "texte": "Male in diesen Concerten auf mit den Arien aus\nTitus und Voi che sapete aus Figaro. Ein deutscher Bas-\nsist, Herr Hermanns, sang zwei Nummern der Partie\ndes Osmin in der Entführung aus dem Serail mit einer\ngewaltigen Stimme; er erregte Aufsehen und musste die\nletzte Arie wiederholen. Sims Reeves sang Deila sua pace\ndes Don Ottavio mit seiner gewöhnlichen correcten und\nkunstgerechten, aber kalten Weise.\nDas vorhergehende Concert war Beethoven gewid-\nmet, das folgende und letzte „allen grossen Meistern\", wie\ndas Programm sagte. Es war dies das siebenundzwan-\nzigste seit November und fand am 2. Juli Statt. Die\ngrossen Räume von St. James' konnten die zuströ-\nmenden Besucher kaum fassen, wie denn überhaupt die\ngeringste Zahl derselben in diesen Concerten 1500, die\ngrösste 2500 Menschen stark war. An 1600 zahlten am\nEingange ihren Shilling für den letzten Platz, während der\nHauptsaal und die Dreishillings-Galerie durch die Abon-\nnenten gefüllt war. Und zu welcher Musik drängten sich\ndiese Massen? Hier ist das Programm:\nErster Theil:\nViolin-Quartett in C-dur, Spohr.\nGesang: „Der Wanderer\", F. Schubert.\nCiavierstücke (Fuge in D-moll dabei), Scarlatti.\nLiederkreis an die ferne Geliebte, Beethoven.\nPräludium, Sarabande, Gavotte für Violoncell, Bach.\nZweiter Theil.\nViolin-Quartett in Es-dur, Mendelssohn.\nGesang: „Zuleika\" (neu), Meyerbeer.\nSuite von Ciavierstücken, Händel.\nGesangstück: „llpensier*, Haydn.\nEben so: La Gita in Gondola, Rossini.\nSonate in D-dur für zwei Claviere, Mozart.\nIst das nicht zum Erstaunen, dass solche Kammermu-\nsik Tausende von Menschen in siebenundzwanzig Concerte\nwährend acht Monate zieht?\nDie Quartettspieler waren Sainton, Goffrie, Doyle und\nPiatti. Den Flügel spielte im ersten Theil Herr Halle, im\nzweiten Miss Goddard; und um Beide in der Mozart'-\nschen Doppel-Sonate zu hören, blieb der bei Weitem grösste\nTheil der Zuhörerschaft bis zu Ende da, wie denn über-\nhaupt die Unart, vor oder während des letzten Stückes den\nSaal zu verlassen, weit weniger in diesen Concerten be-\nmerkt wird, als in denen, welche die ausschliesslich vor-\nnehme Welt besucht.\nDie Unternehmer dieser Concerte, deren Popularität\nin der jetzigen zweiten Saison derselben ungeheuer zuge-\nnommen hat, sind die Herren Chappell. Sie finden ihre\nsehr gute Rechnung dabei. Alle lobhudelnden Anpreisun-\ngen der auftretenden Künstler, überhaupt jede Art von\nPrahlerei und Humbug haben sie verschmäht, was hier\nselten, aber um so lobenswerther ist.\nUnter den Pianisten, welche nach und nach in\nmes'Hall spielten, hatte sich Ernst Lübeck eines beson-\nders glänzenden Erfolges zu erfreuen.\nFür Orchester-Concerte verdient die Privat-Unterneh-\nmung des Herrn Hullah vor allen rühmliche Erwähnung.\nIn Martin's Hall hört man grosse Werke, deren Ausfüh-\nrung nur allein von der Sacre über-\ntroffen wird. Dazu kommt, dass Herr Hullah ganz unab-\nhängig in der Wahl der vorzuführenden Werke ist, was\nbei der genannten Gesellschaft nicht der Fall, indem ein\nleitendes Comite und altes Herkommen das Ruder führen\nund den Dirigenten oft mehr, als gut ist, beschränken.\nHerr Hullah gab: ein neues Oratorium, „Johannes der\nTäufer\", von Hager in Wien; Gounod's grosse Messe,\nHändel's Judas Maccabäus und den Messias (zwei Mal),\nBeethoven's neunte Sinfonie, Rossini's Stabat Mater,\nHaydn's „Schöpfung\" und Macfarren's „Mai-Tag\".\nDe Wylde's New Philharmonie Society wird auch\nmit Freiheit geleitet. Sie hat dieses Jahr zum ersten Male\nSpohr's Sinfonie „Die Weihe der Töne\" mit grossem\nBeifall aufgeführt.\nDie Sacred Harmonie Socie begann ihre zwölf Con-\ncerte mit Spohr's „Letzte Dinge\" und Mozart's Re-\nquiem, gab ferner den Messias in der Christ- und in der\nOsterwoche, dann Samson, Judas Maccabäus, Israel in\nAegypten, das Dettinger Te Deum, Haydn's Jahreszeiten\nund die Schöpfung, Mendelssohn's Lobgesang und den\nElias zwei Mal. Ausserdem betheiligte sich die Gesellschaft\ngrossentheils an dem Mendelssohn-Feste im Krystallpalaste\nden 4. Mai.\nDie Philharmonie Society hat unter Sterndale Ben-\nnett's Direction ihre gewöhnlichen Sinfonie-Concerte mit\nErfolg fortgesetzt. Ob man entschieden dabei bleiben wird,\nkeine auswärtigen Grössen mehr zur Leitung derselben zu\nberufen, wird die Zeit lehren.\nDie Bach-Gesellschaft hat wenig von sich hören\nlassen, was nach der schönen Aufführung der Passions-\nmusik im vorigen Jahre und der Wiederholung eines Theils\nderselben bei dem Musikfeste zu Leeds zu bedauern ist.\nIm Krystallpalaste werden die regelmässigen Con-\ncerte immer noch von Herrn Manns dirigirt. Ausserdem\nhaben in dem ungeheuren Räume mehrere Concerte mit\nMassen Statt gefunden, z. B. die Aufführung des Elias am\n4. Mai durch 2500 Mitwirkende, ein Concert der Vocal\nAssociation mit 1000 Chorstimmen u. s. w. Dass für die\nKunst durch Ausführungen nach so riesigem Maassstabe\nnichts gewonnen wird, darüber sind auch die hiesigen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 998, "texte": "Künstler einig; aber die Industrie und die Speculation\nstehen sich gut dabei.\nDie Aufstellung der Liste der 105 Concertgeber in\neigener Angelegenheit werden Sie mir wohl erlassen. Es\nsind dies mit sehr wenigen Ausnahmen alles Musiker und\nSängerinnen, die hier in London wohnen und lehren.\nFremde Künstler spielen in der Regel nur in den Concer-\nten der musicalischen Gesellschaften und der Kammer-\nmusik-Vereine.\nImmer noch kann neben den beiden italiänischen Opern\nkeine andere aufkommen. Eine englische Oper in Drury-\nlane schloss schon nach acht Tagen wieder; eine französi-\nsche im Lyceum (Unternehmer Laurent) hielt sich etwas\nlänger durch OfFenbach's Operetten, konnte aber auch\nnicht bestehen.\nSo stehen hier Thatsachen neben einander, die man\nkaum begreift: 2500 Menschen, welche Quartette und\nCiavierstücke von Scarlatti, Bach, Händel mit Applaus hö-\nren und keinen Shilling für eine englische, französische\noder deutsche Oper ausgeben. Solche Contraste können\nnur in England vorkommen.\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "286", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.2.3", "titre_corps": "Theodor Wachtel.", "titre_sommaire": "Theodor Wachtel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.5", "debut_caractere": 1000, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "Theodor Wachtel.\nTheodor Wachtel ward im Jahre 1827 in Ham-\nburg geboren; seine Eltern waren damals unbemittelte\nLeute, bis späterhin der eiserne Fleiss seines in Hamburg\nals Ehrenmann allbekannten Vaters es dahin brachte, dass\nsich dieser als Fuhrmann selbst etabliren und ein so ge-\nnanntes Droschken-Geschäft anfangen konnte, welches bald\ndurch dessen Realität und allgemeine Beliebtheit ein ge-\nwisses Renommee erlangte. Theodor zählte damals 8\nJahre, war aber schwach und kränklich und konnte erst\nim 10. Jahre die Schule besuchen. Von da opferten dessen\nEltern Alles für seinen Schul-Unterricht, so dass er, mit\ndem 14. Jahre confirmirt, für jedes Comptoir zu gebrau-\nchen war; nur zur Musik zeigte er nie Lust, und das An-\nerbieten, doch Ciavierstunden zu nehmen, wies er stets\nhartnäckig ab. Jedoch hatte er viel Sinn für die Oper,\ndenn sein grösstes Vergnügen war, dieselbe zu besuchen.\nEs zeigte sich aber, wie es allemal bei Knaben der Fall\nist, viel grössere Lust zu des Vaters Pferdestall, in wel-\nchem der muntere Bursche denn seine Lieblings-Beschäf-\ntigung suchte und in müssigen Stunden und mit Erlaubniss\nseines Vaters nach Gefallen bald ritt, bald fuhr. Als er\ndann, der Schule entwachsen, eine Stelle auf einem der\nersten Comptoire Hamburgs einnehmen sollte, bat Theo-\ndor seinen Vater flehentlich, ihn in seinem Geschäfte zu\nbehalten, welche Bitte dieser mit den Worten ablehnte:\n„Sohn, du fluchst mir im Grabe, dass ich dich für eine\nsolche Sclaverei erzog!\" —jedoch auf Anrathen des Haus-\narztes, der wegen Theodor's Kränklichkeit dafür stimmte,\nihn lieber in ein Geschäft in freier Luft zu geben, willigte\ner endlich ein. Nun begann er aber auch, wie vorherge-\nsagt, die schwere Arbeit, bei welcher ihn der Vater auch\nnicht schonte; denn bekanntlich ist das Pferdeputzen des\nscharfen Staubes wegen hauptsächlich der Lunge sehr nach-\ntheilig. Unter der Leitung seines Vaters gewann er eine\ngrosse Geschicklichkeit im Reiten und Fahren; nach zwei\nJahren nannte man den schmucken Theodor den König\nder Fuhrleute, da Wagen, Pferde und Geschirr nebst resp.\nLenker ein sehr fashionables Aussehen hatten. Hiedurch\nzog er die Aufmerksamkeit aller Gentlemen auf sich, vor-\nzüglich auch die der Künstler in Hamburg und der da-\nselbst auftretenden Gäste, bei welchen er es sich zur Ehre\nanrechnete, die ersten und berühmtesten selbst kutschi-\nren zu dürfen, z. B. Tichatschek, Cornet, Erl, Roger, Dr.\nHärtinger, Staudigi, Woltereck, Dalle-Aste, Emil Devrient,\nDawison, Hendrichs, Baison, Fedor Löwe, Grunert, Dö-\nring, Ira Aldridge u. s. w.; die Directoren Schmidt, Le-\nbrun, Mühling, Maurice, Wurda; von Damen die berühmte\nJenny Lind, Johanna Wagner, Schröder-Devrient, Jenny\nNey, Lutzer, Heinefetter, Hasselt, Michalesi; von den be-\nrühmten Tänzerinnen die unübertreffliehe Fanny Eisler,\nGrahn, Cerrito, Taglioni. Genannte Künstler, deren Ruhm\nin Deutschland wie in fernen Ländern bis auf den heutigen\nTag erschallt, zu hören, zu sehen, war damals Theodor's\ngrösster Genuss, und somit fehlte er denn auch bei keiner\nVorstellung dieser berühmten Künstler und Künstlerinnen.\nEr erlebte auf diese Weise die glücklichsten Stunden und\nwar stolz darauf, wenn er die Künstler nach den unweit\nHamburg liegenden Orten Heus-Hof, Rainville, Teufels'\nbrück, Nienstedten, Blankenese u. s. w. fahren musste.\nOftmals wurde in ihm der Wunsch laut: „Hättest du solche\nStimme, solches Talent, wie Dieser oder Jener!\" Doch ihm\nschien dies eine unerreichbare Stufe, zu der er nicht be-\nrufen zu sein glaubte, um so mehr, da er, damals 17 Jahre\nalt, keine Stimme, zumal keine Tenorstimme, hatte; und\nwenn er einmal zu seinem Vergnügen auch gern wollte,\ndas Singen ging nicht, oder es kamen Contrabass-Töne\nzum Vorschein. In seinem 20. Jahre starb Theodor's Va-\nter, und er war nun die einzige Stütze seiner Mutter. Er\nmusste alle Gedanken und Schwärmereien für Kunst und\nv\nKünstler aufgeben.\nErst nachdem er das 23. Jahr erreicht hatte, wurde\ner durch Fräul. Grandjean (eine Gesanglehrerin, die das\nGlück hatte, von je her viele schöne Stimmen zu entdecken)\nauf seine plötzlich sich zeigende Tenorstimme aufmerksam\ngemacht. Auf Anrathen mehrerer Schulfreunde wollte er\neinige Quartette studiren, um als Dilettant mit jenen auf"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3947, "texte": "Lustfahrten mitsingen zu können, da es stets an hohem\nTenor fehlte. Fräul. Grandjean, der Wachtel vielen Dank\nfür diese Entdeckung, so wie für ihren gediegenen Unter-\nricht schuldete, war es, welche der hamburger Direction\nAnzeige von dem kutschirenden Tenor machte.\ntert durch dieselbe, fing er ernstliche Studien bei dieser\nLehrerin an, und durch Lust und enormen Fleiss, der ihn\nauch in seiner späteren Zeit nicht verliess, brachte er es\nin kurzer Frist dahin, dass ihn Fräul. Grandjean nach\neinem halbjährigen Unterrichte einige Piecen öffentlich in\neinem Concerte singen liess.\nEs war ein Wagestück, einen Anfänger Piecen singen\nzu lassen wie das Ständchen des Almaviva im Barbier, das\nDuo des Rodrigo und Jago aus Othello und die letzte Ro-\nmanze des Nemorino aus dem Liebestrank. Durch den\nausserordentlichen Beifall, welchen das Publicum dem hüb-\nschen Sänger spendete, angespornt, studirte er immer eifri-\nger, sang abermals in einigen Concerten, bis nach einem\nJahre ein Wendepunkt eintrat. Von einem Mitgliede des\nhamburger Stadttheaters ersucht, in seinem Benefiz zu sin-\ngen, willigte Wachtel ein und sang die Bildniss-Arie aus\nder Zauberflöte, das Duo des Nemorino und Dulcamara aus\ndem Liebestrank mit Herrn Bost, und Romanze aus der-\nselben Oper, sämmtliche Piecen in Costume, wofür er gros-\nsen Beifall und Hervorruf ärntete. Bemerkenswerth ist,\ndass Wachtel von Morgens früh bis Abends den Kutschen-\nbock bestieg, ja, selbst noch am Tage des ersten Auftrittes\nbis 5y2 Uhr fahren musste, um halb 6 Uhr ins Theater\nging und eine Viertelstunde später als Tamino costumirt\nvor den Lampen erschien.\nVielleicht ein Dutzend Mitglieder benutzten diese Ge-\nlegenheit und ersuchten ihn um seine Mitwirkung; und\njeder Einzelne erzielte eine grosse Einnahme, verschaffte\ndem jungen Künstler aber auch die Gelegenheit, sich an\ndie heissen Bretter zu gewöhnen. Wachtel verblieb noch\neinige Zeit bei seiner Lehrerin Fräul. Grandjean, während\nwelcher Zeit ihm von der hamburger Direction Engage-\nments-Anträge gemacht wurden, was aber Fräul. Grand-\njean nicht zugeben wollte; statt dessen nahm er einen An-\ntrag an das Hoftheater in Schwerin an. Die leider unge-\nnügende Beschäftigung, welche den Anfänger nur verstim-\nmen musste, und der plötzliche Schluss des dortigen Hof-\ntheaters brachten den Kunstjünger ausser Engagement. Er\nreis'te aufs Gerathewohl nach Dresden, wo er auf Verwen-\ndung des Capellmeisters Krebs Probe singen musste und\nauch engagirt wurde; doch auch hier blühten ihm keine\nRosen. Wachtel war zu sehr Anfänger, um an Meister\nTichatschek's Seite für solch ein Kunst-Institut verwandt\nwerden zu können; nach drei Monaten bat er dringend\num seine Entlassung, welche ihm durch Verwendung von\nHofrath Winkler (Th. Hell) auch zu Theil wurde. Erst\nbei Director Engelken's Unternehmung in Würzburg be-\ngann seine Künstler-Laufbahn! Director Engelken grün-\ndete durch seinen Beistand als Regisseur Wachtel's nach-\nher erlangte Beliebtheit bei dem Würzburger Publicum,\nund nach zwei Winter-Engagements, während welcher er\nsich ein ziemliches Repertoire gesammelt hatte, verliess er\ndiese Stadt, um am darmstädter grossherzoglichen Hof-\ntheater unter der Leitung des ausgezeichneten Directors\nTescher ein Engagement anzunehmen. Nach zweijähri-\ngem Aufenthalte daselbst vertauschte er seine Stellung mit\nder am Hoftheater in Hannover, wohin er unter glänzen-\nden Bedingungen und Gehalt gerufen wurde. Hier ver-\nweilte er längere Zeit, und Wachtel wäre niemals aus dem\ndortigen glänzenden Verhältnisse getreten, wenn ihn nicht\nUmstände gezwungen hätten, seine Stellung aufzugeben.\nVon Hannover ging er nach Kassel, das er nach zweijäh-\nrigem Aufenthalte verliess. Durch Gastspiele in Königs-\nberg, Breslau, Bremen, Magdeburg, Mainz, Wiesbaden,\nAachen und Hamburg erwarb sich Wachtel die allge-\nmeinste Theilnahme und Aufmunterung. In Prag, wo er\nzum ersten Male gastirte, wurde ihm der Weg nach Wien\ngebahnt. (S. Nr. 35.) (N. W. M.-Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "288", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.2.4", "titre_corps": "Die Vorstellung der deutschen Bühnen-Vorstände an die deutschen Fürsten und Regierungen.", "titre_sommaire": "Die Vorstellung der deutschen Bühnen-Vorstände an die deutschen Fürsten und Regierungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.6", "debut_caractere": 3949, "fin_caractere_exclue": 5209, "texte": "Die Vorstellung der deutschen Bühnen-Vorstände an\ndie deutschen Fürsten und Regierungen.\nEs ist in manchen Zeitungen bereits von dieser Denk-\nschrift, welche die Darlegung der Uebelstände der deut-\nschen Theater und Vorschläge zu staatlicher Abhülfe der-\nselben enthält, die Rede gewesen. Nach einer Mittheilung\ndes Herrn Eduard Devrient, Intendanten des Hofthea-\nters zu Karlsruhe, in der Kölnischen Zeitung Nr. 238,\nvom 27. August d. J. ist sie aus den Berathungen der drei\nVersammlungen der Bühnen-Vorstände in den Jahren\n1858, 1859 und 1860 hervorgegangen. Die Redaction\nwurde Herrn E. Devrient übertragen, sein Entwurf den\nVereins-Mitgliedern mitgetheilt, nachmals im Plenum zu\nDresden berathen und schliesslich von einer Commission\n(Achenbach aus Mannheim, Dingelstedt aus Weimar und\nEd. Devrient) so redigirt, wie er an die Regierungen ge-\nsandt worden und in der erwähnten Nummer der Kölni-\nschen Zeitung abgedruckt ist.\nDie Aufzählung der Uebelstände trifft den Nagel auf\nden Kopf; die Vorschläge zur Beseitigung derselben und\nHebung der Theater als öffentlicher Staats-Anstalten sind\nsehr beachtungswerth.\nWir geben den Haupt-Inhalt im Auszuge.\n„1. Die übergrosse Anzahl von Theater-Unternehmun-\ngen wird durch allzu leicht zu erlangende Concessionen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5552, "texte": "begünstigt. Die leichtsinnige Concurrenz unterwühlt die\nfinancielle Basis fast aller Privat-Unternehmungen. In Folge\nungenügender Subsistenz ist es für die meisten Provincial-\nHauptstädte, selbst für die kleineren Hofbühnen, unmög-\nlich geworden, die Dauer der Theater-Saison über sechs,\nhöchstens acht Monate auszudehnen. Die Mehrzahl der nicht\nstabilen Theater aber erweisen sich nach viel kürzerer\nDauer als lebensunfähig, lösen sich auf und werfen eine\nAnzahl darbender Mitglieder zu jeder Jahreszeit über das\nLand. Oft geschieht dies auch durch Unvermögenheit, Un-\nkenntniss und Unredlichkeit der Unternehmer, welche nichts\ndesto weniger binnen Kurzem dieselbe Operation wieder-\nholen dürfen. Diese massenhafte Entlassung von Theater-\nMitgliedern findet demnach regelmässig für die Sommer-\nmonate Statt, da nur die bestgestellten Winter-Unterneh-\nmungen sich einzelne hervorragende Talente durch Susten-\ntations-Gagen lür die nächste Saison zu erhalten vermögen.\nDa man mindestens 50 Theater-Unternehmungen zählen\nkann, welche solche Entlassungen vorzunehmen genöthigt\nsind, so steigt die Zahl der brodlosen Theater-Mitglieder:\nDarsteller, Choristen, Musiker, Maler u.s.w., mit ihren Fa-\nmilien leicht auf 6- bis 7000 Köpfe, während schon im\nWinter, aus dem Bankerott-Turnus der kleinen Unterneh-\nmungen hervorgehend, eine grosse Zahl Hülfe suchend um-\nherschweift. Diese Zustände haben ein Theater-Proletariat\nvon erschreckender Ausdehnung geschaffen; ein perenni-\nrendes Vagabundenthum und einen concessionirten Bettel.\n„2. Die Noth dieses Proletariates hat die Afterbildung\nder Sommer-Theater hervorgerufen und steht mit einer\nanderen Ausgeburt des modernen Theaterlebens: den Agen-\nturen, in genauester Wechselwirkung. Die Sommer-Thea-\nter, welche nicht einmal genügende Zuflucht für die aus-\ngesetzten Theater-Mitglieder gewähren, bewirken in Cigar-\nrenrauch und Bierdunst die tiefste Depravation der Bühnen-\nkunst: Herabwürdigung und Verderbniss des Personals,\nGeschmacksverwilderung des Publicums. Dennoch hat die\nVerwöhnung des spazirengehenden Publicums zu dieser Art\nvon Unterhaltung selbst stabile Stadt-Theater verlockt oder\ngenöthigt, solche Sommer-Theater ihren Winter-Bühnen\nzu verbinden. Ein Beweis, wie stark und verderblich der\nEinfluss der Nothstände in den unteren Bühnenschichten\nauf die oberen ist.\n„3. Von der Verlegenheit der Unternehmer wie der\nMitglieder, zum October die Theater wieder neu zu orga-\nnisiren und Stellen zu finden, nähren sich die Theater-\nAgenten, und je grösser die Noth der Betreffenden ist, je\nleibeigener sind sie dem Seelenverkauf dieser Menschen-\nmäkler geworden, welche sich, Angesichts der bürgerlichen\nGerichtsbarkeit, durch Angst und Schrecken vor ihrer Ge-\nschäfts- und Zeitungs-Gewalt, den ganzen Stand zinspflich-\ntig machen und erstaunliche Erpressungen erlauben dürfen.\nIhre Uebermacht ist durch die neuerlichen Bemühungen\ndes Bühnen-Vereins nur gebrochen, keineswegs vernichtet,\nzumal die gesetzliche Controle so unvollständig ist, dass sie\nin der dreistesten Weise umgangen wird. Alle die Bühnen,\nwelche für jeden Winter ein neues Personal zusammen-\nraffen, ein neues Bepertoire aufstellen müssen, können zu\neinem wohlverständigten Zusammenspiel niemals gelangen,\nsie sind genöthigt, auf Einzel-Speculationen einzugehen, auf\ndie Anziehungskraft fremder Talente in Gastspielen. Da-\ndurch haben sie die Unruhe, die begehrliche Speculation\nauch in den Kreis der hervorragendsten Talente getragen,\ndas Virtuosenthum genährt, das wiederum verderblich auf\ndie ersten Hofbühnen zurückwirkt. Das Personal dieser\nWinter-Bühnen hat in überstürzter Arbeit Mühe, das im-\nprovisirte Bepertoire zu erhalten, eine besonnene Thätig-\nkeit, erwogenes Studium, durchgreifender leitender Ein-\nfluss auf die heranwachsenden Talente sind nicht mehr\nmöglich. Zudem reisst jetzt der gewinnsüchtige Schwindel,\ndie überhastete Praxis die jungen, ganz unvorbereiteten\nTalente vorzeitig auf die Bühne und in die ersten Fächer,\nwodurch sie in kurzer Zeit die Anfangs glänzenden Natur-\ngaben verbrauchen, oder in falschen Bichtungen verkrüp-\npeln. So kommt es, dass diese Theater nicht mehr als\nPflanzschulen für die begünstigteren angesehen werden\nkönnen, und dass die Zukunft der Standesbefähigung mit\njedem Tage mehr gefährdet ist.\n„4. So tritt der Mangel an Fachschulen Behufs me-\nthodischer, ebenmässiger und ruhiger Vorbildung für das\nTheater mit jedem Jahre immer schreiender hervor. Der\nStaat hat allen Ständen ohne Ausnahme solche Schulen\ngegeben, auch den bildenden Künsten und der Musik; die\ndramatische Kunst allein ist von dieser allgemeinen Staats-\nwohlthat ausgeschlossen. Die Kunst, welche unter allen\nKünsten die grösste Complication von ausgebildeten Fähig-\nkeiten und Kenntnissen erfordert, der Stand, welcher vor\nallen anderen die wachsamste Sorgfalt der menschlichen\nGesellschaft hervorrufen sollte, weil er sich allein mit Dar-\nstellung des Menschen beschäftigt, wird vom Staate gleich-\ngültig der zufälligen Selbsterziehung oder der Verwilderung\nüberlassen. Und das geschieht in Deutschland, dessen Un-\nterrichtswesen für musterhaft gilt, während in Paris, St.\nPetersburg, Moskau, Warschau, Stockholm, Kopenhagen\nschon längst Theaterschulen, vom Staate errichtet, mit er-\nweislichem Erfolge bestehen. Der Privat-Unterricht, welcher\nsich in diese klaffende Lücke gedrängt hat, kann im Allge-\nmeinen eher nachtheilig als förderlich genannt werden und\nverbirgt manche unwürdige Speculation.\n„Um den hier bezeichneten verderblichen Uebeln Ab-\nhülfe zu schaffen, wären dem deutschen Theater folgende"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3653, "texte": "gesetzliche Wohlthaten zuzuwenden : A. Ausgesprochene\nstaatliche Anerkennung des Theaters als einer öffentlichen\nAnstalt zur Bildung und Veredlung. B. Unterordnung\naller Bühnen, welche nicht von den Höfen geleitet und be-\naufsichtigt werden, unter diejenige Staatsbehörde, welche\ndie anderen Kunst- und Bildungs-Anstalten zu regeln und\nzu beaufsichtigen hat. Die Theater-Unternehmungen wür-\nden also der freien Industrie entzogen und den Schul- und\nErziehungs-Anstalten ähnlich behandelt werden, bei denen\ndie Vorsteher, die Organisation und endlich die Wirksam-\nkeit der Anstalt vom Staate geprüft und geregelt, den Wün-\nschen und Interessen der betreffenden Städte oder Bezirke\nRechnung getragen und bei allen Entscheidungen sachver-\nständiges Urtheil herbeigezogen wird.— Ertheilung von\nTheater-Concessionen, grossen und kleinen, unübertragbar,\nauf mindestens drei Jahre unausgesetzter Spielzeit an Per-\nsonen, welche folgenden Bedingungen entsprechen: Bür-\ngerliche Unbescholtenheit. b.Sachverständig geprüfte ge-\nschäftliche und geistige Qualification. Cautionsleistung,\nausser der für anvertraute Inventarien und dergleichen, min-\ndestens bis zur Höhe des vierwöchentlichen Gagen-Etats.\nd. Verpflichtung zu regelmässiger Buchführung, welche die\nBehörde jeden Augenblick berechtigt, zeitweilig verpflichtet\nist, einzusehen. E.Verpflichtung zum Beitritt zum Bühnen-\nVerein./. Erlöschen der Concession bei gerichtlich ausge-\nsprochenem Bankerott. Bei Nachsuchung einer neuen Con-\ncession ist der Nachweis zu führen, dass allen früheren Ver-\npflichtungen genügt worden. Verpflichtung, nicht mehr\nals Eine Theater-Gesellschaft zu halten.— Bei erwiese-\nner Unthunlichkeit, in einer Stadt allein ein Theater-Un-\nternehmen in unausgesetzter Thätigkeit lohnend und wür-\ndig zu erhalten, würden bestimmte, reichlich nährende\nTheater-Bezirke für jede solche Unternehmung abgegränzt,\nvon einer grossen Stadt mit nahe gelegenen kleinen, oder\nvon einer genügenden Anzahl von mittleren und kleinen\nStädten zusammengesetzt. Jede Stadt, welche in einen sol-\nchen Theater-Bezirk aufgenommen sein, also ein Theater\nhaben wollte, müsste, wie das in Frankreich der Fall ist,\ndas Schauspielhaus mit näher zu bestimmendem Zubehör\nohne Miethe dazu hergeben; städtische Lasten, Armen-Ab-\ngaben u. s. w. wären abzulösen; statt der hier und da ge-\nwährten Geld-Subventionen hätte die Natural-Lieferung\nvon Heizung, Beleuchtung u. s. w. des Schauspielhauses\neinzutreten, um die zweckentsprechende Verwendung der\nSubvention zum Besten des Publicums, nicht des Unterneh-\nmers, zu sichern.— E.Da mit diesen Maassregeln die Zahl\nder Theater-Unternehmungen und der Theater-Angehöri-\ngen sich wohlthuend vermindern würde, so hätten die ent-\nwürdigenden Sommertheater gar keine Berechtigung für\nihre Existenz mehr, und wären, wie alle Unternehmungen\nauf dem Gebiete der theatralischen Vorstellung, welche di<j\nWürde der Menschen-Darstellung verletzen, ohne Weite-\nres abzuschaffen. Für den höheren Staatszweck gewiss ein\ngrosser Gewinn.— F.Gründung von Theaterschulen unter\nAuspicien des Staates, gleich den vielen Akademieen für\nbildende Künste. Nur theilweise ist die Erziehung musica-\nlischer Talente für die Oper in den, theils mit Privatmit-\nteln, theils mit Staats-Unterstützung betriebenen Musik-\nConservatorien vorgesehen. Alle diese Anstalten wirken\ndurch ihre ungenügenden Einrichtungen nur sehr Ungenü-\ngendes. Zwei bis drei sicher fundirte, wohleingerichtete und\nmit auserlesenen Lehrkräften versehene Musik- und Thea-\nterschulen in Deutschland sind nothvvendig, um der Ver-\nwilderung des künstlerischen Nachwuchses, der Verküm-\nmerung so zahlreicher Talente zu wehren.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "288", "page_fin": "288", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.8", "debut_caractere": 3655, "fin_caractere_exclue": 5774, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. In Rotterdam ist eine Gesellschaft von Kunstfreun-\nden zusammengetreten, um eine deutsche Oper daselbst zu be-\ngründen. Sie hat Herrn Capellmeister Skrup aus Prag unter sehr\nvortheilhaften Bedingungen engagirt, der bereits vor einigen Tagen\nhier durchgereis't ist, um seinen neuen Wirkungskreis anzutreten.\nAls Primadonna wird Frau Prausse aus Prag genannt, als Tenor\nHerr Grimminger, Bariton Herr Br assin, Bass Herr Karl\nF or me s.\nDie italiänische Opern-Gesellschaft des Herrn Merelli hat von\nhier aus mehrere Vorstellungen in den Nachbarstädten Düsseldorf,\nCrefeld, Bonn, Aachen gegeben. Hier im Hauptquartier derselben ha-\nben wir noch den Don Juan, Lucrezia, Norma und Ernani gehört,\nin denen Einzelnes vortrefflich war, das Ganze der Vorstellungen\naber gegen die Aufführungen der komischen Opern zurückstand.\nDem Vernehmen nach ist Herr Merelli von der General-Intendantur\nder königlichen Schauspiele zu Berlin aufgefordert, dort Vorstellun-\ngen zu geben. Er ist desshalb gegenwärtig damit beschäftigt, sein\nPersonal zu vervollständigen, was auch allerdings für Berlin nöthig\nsein dürfte. Ein zweiter Tenor, Signor Baldinelli, der als Pollione\nin der Norma und als Ernani auftrat, konnte nicht befriedigen. Eine\nbessere Acquisition wird die berühmte Altistin Trebelli sein, die\nwir gegen Mitte September in der Semiramis und den Monlecchi e\nCapuletti hören werden.\nCobleaiz* Fräul. Marie Cruvelli gab hier in voriger Woche\nein Concert, in welchem sie Arien aus Rossini's Tancred und Doni-\nzetti's Favorita, eine Romanze aus Verdi's Trovatore und zwei deut-\nsche Lieder von Schumann und F. Schubert sang Die schöne volle\nAltstimme und der treffliche Vortrag der Künstlerin, namentlich in\nden italiänischen Gesangstücken, erwarben ihr enthusiastischen Bei-\nfall. Herr Pianist Richard Kugler trug zwei Lieder ohne Worte\nvon Mendelssohn, das Schlummerlied von R. Schumann und den Ga-\nlop de Brcivotire von Ascher mit vorzüglichem Anschlag und treffli-\ncher Technik unter grossem Beifall vor. Namentlich zeigte der Vor-\ntrag der Schumann'schen Composition den gediegenen Musiker."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n»v-. ,;••• • f . / I§ ■\nAus London (Die diesjährige Saison in Her Majesty's Theatre und in Coventgarden Theatre Concerte). Schluss. Von\nA. Theodor Wachtel (Biographisches). Die Vorstellung der deutschen Bühnen-Vorstände an die deutschen Fürsten und Regie-\nrungen. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Deutsche Oper in Rotterdam, Italiänisehe Opern-Gesellschaft des Herrn Merelli\nCoblenz, Concert von Fräul. Marie Cruvelli).\n\nAus London.\n[Die diesjährige Saison in Her Majesty's Theatre und in Covent-\ngarden Theatre Concerte.]\n(Schluss. S. Nr. 35.)\nAls Norma riss Fräulein Titjens das ganze Publicum\nohne Ausnahme durch ihre eminente Leistung hin. Trotz-\ndem kam die Oper nicht wieder auf die Bühne, nur die\nerste Scene (Casta diva) wurde häufig eingeschaltet.\nVon Verdi wurden nur Rigoletto zwei und Ernani\nein Mal und ohne besonderen Erfolg vorgeführt.\nRossini's „Barbier\" sahen wir drei Mal mit verchie-\ndencr Besetzung. Mad. Borghi-Mamo ersäufte die Melo-\ndieen der ersten Arie der Rosine und auch des Duetts mit\nFigaro in einem erstickenden, keineswegs erquickenden\nSprudel von selbstbereitetem Tonwasser. Bei der dritten\nWiederholung trat Mad. Alboni in ihre alten Rechte, und\ndurch ihre herrliche Stimme und den edeln, nicht mit eige-\nnen Füttern überbürdeten Vortrag hörte man Rossini's\nRosine mit Genuss. Am bedeutendsten wurde die zweite\nVorstellung durch das Debüt eines ganz ausgezeichneten,\nnoch sehr jungen Doctor Bartolo, Signor Ciampi, den\nHerr Smith der Gesellschaft Merelli in Brüssel und Köln\nabspänstig gemacht hatte. Er machte ungeheures Glück,\nein Donner von Applaus erschütterte das Haus, und alle\nöffentlichen Blätter stimmten ohne Ausnahme in seinem\nLobe überein. Auch seine folgenden Leistungen in Gnec-\nco's La Prova d'un Opera Seria und vor Allem in Ci-\nmarosa's Matrimonio segreto rechtfertigten den enthu-\nsiastischen Empfang; Stimme und Gesangkunst, dazu ein\nmerkwürdiges Schauspieler-Talent sind ihm eigen, und es\nlässt sich voraussehen, dass er sehr bald der vollendetste\nBuffo der gegenwärtigen italiänischen Sängerzunft sein\nwird. Zugleich mit ihm trat Sebastiano Ronconi, ein jün-\ngerer Bruder des berühmten Ronconi, als Figaro mit\nschwachem Beifall auf.\nRossini's „Semiramis\" wurde vier Mal gegeben;\nFräul. Titjens konnte ihre Partie, die sie zum ersten Male\nsang, in Bezug auf Correctheit der Coloratur nicht ganz\nbezwingen, ersetzte jedoch durch einzelne dramatische Mo-\nmente, grossartiges Spiel und malerische Plastik das Man-\ngelnde. Der Erfolg der Oper war nicht ausserordentlich.\nDagegen zogen die sechs Vorstellungen von Meyer-\nbeer's „Hugenotten\" das Publicum stets nach dem Thea-\nter, und mit Recht, denn sie wurden sehr gut gegeben.\nFräul. Titjens übertraf als Valentine sich selbst und alles,\nwas man bisher hier in dieser Rolle gehört und gesehen\nhatte, und eine Demoiselle Michal, die Niemand kannte,\nsang die Königin so glänzend und correct, dass sie einen\ngrossen Eindruck machte. Nehmen Sie die Borghi-Mamo\nals Pagen dazu, Giuglini als Raoul, Violetti als Marcel,\nNevers und St. Bris durch Everardi und Gassier besetzt,\nso können Sie Sich eine Vorstellung von dem ausgezeich-\nneten Ensemble machen.\nDennoch trat Alles in den Hintergrund, ja, verschwand\nfast in der Erinnerung vor der Begeisterung, welche We-\nber's „Oberon\" gleich bei seiner ersten Aufführung am\n3. Juli erlebte. Neun Aufführungen, darunter zwei Bene-\nfize für den Unternehmer Herrn E. T. Smith und für\nFräul. Titjens, machten das Haus zum Brechen voll. Vom\nhöheren Standpunkte der Kritik aus, vollends vom histo-\nrischen, der jede Zurechtmachung eines älteren Meister-\nwerkes für neuere Bedürfnisse als eine Versündigung an\ndem Schöpfer desselben ansehen muss, lässt sich gegen die\nneue Gestalt, in welcher Oberon hier wieder erschienen\nist. freilich sehr viel einwenden. Und dennoch hat Bene-\n(l je t sich um Weber in so fern verdient gemacht, als\nnichts von den Musikstücken des Weber'schen „Oberon\"\ngestrichen worden ist und die Bearbeitung für die italiäni-\nschc Bühne nur in Zuthaten besteht.\nFreilich erscheinen diese mitunter sehr wunderlich.\nDie Recitative waren allerdings nothwendig, und man kann"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.2", "texte": "sie mit Fug und Recht gelungen und effectvoll nennen.\nAber die Einlagen aus Weber's Euryanthe? die neuen\nGesang-Partieen des Babekan und der Roxane? Nun, die\nAbgerissenheit und Incohärenz des ursprünglichen Libretto\nist freilich dadurch weniger auffallend geworden, und am\nEnde ist ja der Text 4es Weber'sehen Ober.on der Art,\ndass es dabei auf etwas mehr oder weniger Unsinn nicht\nankommt. Kurz, das Resultat der vereinten Bemühungen\nder Herren Smith und Benedict war sehr lohnend für\nBeide; die Saison musste auf eine ganze Woche verlän-\ngert, Mongini (Hüon), der schon abgereis't war, durch den\nTelegraphen zurück geholt werden, um dem ungestümen\nVerlangen des Volkes nachzugeben.\nDie Besetzung war folgende: Rezia Fräul. Titjens;\nFatime—Mad. Alboni; Roxane—Fräul. Vaneri; Puck\nMad. Lemaire; Hüon—Herr Mongini; Oberon Herr\nBeiart (guter Tenor); Scherasmin Herr Everardi; Babe-\nkan—Herr Gassier.\nDie erste Aufführung des Oberon bei Weber's An-\nwesenheit in London fand den 11. April 1826 Statt; der\nErfolg war bekanntlich nur ein mässiger; sicherlich\nbrachte Weber's Benefiz-Vorstellung ihm nicht ein Drittel\nder Einnahme, die jetzt Fräul. Titjens davontrug.\nHerr Gye, der Director der zweiten italiänischen Oper\nim Coventgarden-Theater, hat neben seine alte\nGarde oder neben seine Ruinen Grisi, Mario, Ronconi\nneue Zierden aus Paris und Wien nach London ver-\npflanzt, aus Paris Mad. Carvalho-Miolan und Herrn\nFaure (Bariton von der Opera comique), aus Wien Mad.\nCzillag. Beide Sängerinnen, von ganz verschiedenem Genre,\ndie Miolan mit kleiner Stimme, vollendet in Feinheit, Grazie\nund Correctheit aller denkbaren Coloraturen, die Czillag\nimponirend durch ihre prächtigen natürlichen Mittel, ver-\nliehen den Vorstellungen unläugbaren Glanz, während man\ndie Grisi und Genossenschaft doch in der That nur aus\ndankbarer Erinnerung bewundern, Einige meinten sogar:\nnur ertragen konnte. So viel ist gewiss, dass einem Frem-\nden, der diese ehemals wunderbar grosse Sängerin jefzt\nzum ersten Male hört, der immer noch enthusiastische Bei-\niall des londoner Publicums ein Räthsel sein muss.\nEröffnet wurde die Saison am 10. April mit Meyer-\nbeer's Dinorah (Miolan), welche Oper die vorjährige ge-\nschlossen hatte. Faure setzte sich durch die Partie des\nHoel, in welcher er zum ersten Male in England auftrat,\nsogleich in Gunst. Er besitzt eine schöne, wohllautende\nStimme und weiss zu singen.\nMad. Czillag erschien zuerst in Beethoven's Fidelio\nund machte durch Gesang und Darstellung einen ausser-\nordentlichen Lindruck. Das Ganze der Vorstellung konnte\nman aber nicht loben, auch erregte das Meisterwerk bei\nWeitem nicht den Enthusiasmus, mit welchem sonst das\nlondoner Publicum diese Oper stets aufgenommen hat. Die\nMarcelline war durch Fräul. Corbari sehr gut besetzt—\nein seltener Fall; Neri-Beraldi (Florestan) und Tagliafico\n(Pizarro) erhoben sich nirgends über das Gewöhnliche, und\nHerrn Zelger's Rocco iiess gar zu sehr Karl Formes ver-\nmissen, der aus dieser Rolle eine Hauptstütze des Erfolgs\nder Oper zu machen wusste. So wurde denn trotz der Be-\nwunderung des dramatischen Talentes der Mad. Czillag\nFidelio doch nur Ein Mal wiederholt.\nGrisi und Mario traten in ihren alten Partieen in der\n„Favorite\" auf; Leonora entzückte die Stammgäste, Fer-\nrando war heiser, was Niemandem etwas Neues war.\nAuber's „Fra Diavolo\" ging mit der Miolan und\ndem Tenor Gardoni in Scene. Ronconi war als Lord er-\ngötzlich; auf derartige Partieen sollte er sich aber auch\njetzt beschränken. Im Trovatore thaten Grisi und Mario\nihr Möglichstes, aber nur die Czillag (Azucena) und Gra-\nziani (Graf Luna) hielten die Vorstellung. Wenn einige\nKritiker fanden, dass Mad. Czillag in Verdi's Musik nicht\nso gross sei, als in Beethoven's, so kann sie das nur als\nein Compliment aufnehmen.\nDer „Barbier\" blieb im Ensemble und im Einzelnen\nhinter früheren Vorstellungen zurück; Mad. Miolan war\nkeine ausgezeichnete Rosine, Zeiger ein schauderhafter\nBartolo, Mario und Ronconi die Alten! Und doch sagte ein\nBlatt ersten Ranges, man könnte über die vortreffliche\nLeistung Mario's eine Broschüre schreiben!\nMozart's „Don Giovanni\", ich wollte sagen: Alary's\nVerunstaltung desselben, mit Mario als Don Juan, war eine\nverfehlte Vorstellung. Mad. Penco debutirte als Zerline;\nfür die Grisi, welche durch eine Ohnmacht ausser Gefecht\ngesetzt wurde, trat Mad. Rudersdorf als Donna Anna\nein. Der zweiten Vorstellung gab Tamberlik's Ottavio\nwenigstens ein Concert-Relief. Die Penco trat ferner als\nNinetta in Rossini's Gazza laclra, Elvira in den Puritani,\nLady in der Martha, Eurydice in Gluck's Orpheus auf.\nWenn man erfährt, dass die Hugenotten und Lucrezia\nBorgia mit Mario und Grisi in den Haupt-Partieen (Raoul\nund Valentine, Lucrezia und Gennaro) gegeben werden\nkonnten und unter Beifallssalven gegeben wurden, so wird\nman über die Gutmüthigkeit und das Uebermaass von\nWohlwollen eines Publicums erstaunen, welches statt des\ngrossen Kraftaufwandes, den der Gesang dieser Partieen\nfordert, mit der Andeutung desselben in Ton und Miene\nsich begnügt.\nWir dürfen indess nicht vergessen, dass Herr Gye in\nseinem Programm den Abonnenten „die letzten zwölf\nAbschieds-Vorstellungen\" der Madame Grisi ange-\nkündigt hatte. Man hofft jedoch jetzt, dass sich die Künst-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.3", "texte": "lerin in der nächsten Saison noch zu einem Dutzend „Le-\nbewohl-Vorstellungen\" werde bewegen lassen.\nGluck's Orfeo e Euridicewar ein Wurf, den das\nTheätre lyriquein Paris veranlasst hatte; aber es war kein\nTreffer. Die Oper liess das Publicum kalt, eben so wie die\nIphigenie auf Tauris, welche nicht lange vorher als Con-\ncert in St. James' Hall aufgeführt wurde. Wenn für Eng-\nland alte Musik wieder ausgegraben werden soll, so muss\nes aus englischem Boden geschehen; eine Oper von Hän-\ndel zum Beispiel könnte vielleicht Glück machen. Aber\nGluck? Wer ist das? ein Nachfolger von Meyerbeer?\nOrpheus (Mad. Czillag) hatte vergebens seine Euridice\n(Mad. Penco—Beide vortrefflich!) aus der Unterwelt ge-\nholt, sie kamen Beide in London nicht wieder zum Vor-\nschein.\nNach einer Ruhe von fünf Jahren erhob sich am 12.\nJuli „Der Prophet\" wieder, um aller Welt zu sagen, dass\ner nicht todt sei. Und siehe, man glaubte es ihm, worauf\ner am 4. August die Saison mit Eclat in jedem Sinne des\nWortes schloss.\nDie aufgewandte Pracht der Scenerie und Decoratio-\nnen ist kaum zu schildern, wie denn überhaupt das neue\nCoventgarden-Theater darin gegen das frühere sehr vor-\ntheilhaft absticht. Es war aber auch Zeit, dass England,\ndas Land der Maschinen, endlich auch im Opernhause eine\nMaschinerie bekam, die hinter denen in Paris, Berlin und\nWien, ja, man konnte sagen, hinter denen jedes kleinen\nHoftheaters in Deutschland, nicht zurückstand, wie das\nfrüher der Fall war. Mad. Czillag als Fides und Tamber-\nlik als Johann von Leiden machten die Prophezeiungen\nund die Selbstverherrlichung des Propheten zu Wahrhei-\nten. Tamberlik's Höhepunkt war der dritte Act, wo er die\nMeuterei niedersingt und mit dem immer noch imponi-\nrenden caus der Brust seine Begeisterung in dem Hymnus\nzum Himmel empor schleudert.\nMit den Opern-Vorstellungen schloss auch die Con-\ncertzeit in London, oder richtiger überhaupt die Zeit, in\nwelcher die vornehme und vorzugsweise kunstliebende\nWelt London bewohnt.\nDie meisten Concerte der musicalischen Vereine, so\nwie die Morgen-'und Abend-Concerte einzelner Künstler\nfanden zwischen dem 1. Mai und 1. August Statt. Es ist\nunglaublich, welch eine Masse von musicalischen Leistun-\ngen innerhalb dieser drei Monate hier vorkommen, und\nwelche Protection—denn ohne diese ist nichts zu machen\n—und welche Liebhaberei, auch Mode und hon ton dazu\ngehören, jedes Concert mit Zuhörern zu füllen. Denn mit\nder Fülle verhält es sich hier ganz anders, als in Paris, wo\nzwei Drittel der Anwesenden auf Frei-Billets kommen und\nder wirkliche Gewinn für den Concertgeber gleich Null\nist. In London sind alle Oratorien- und Orchester-Concerte,\ndessgleichen die Vereine für Kammermusik stark abonnirt,\nund die zur Mitwirkung in diesen berufenen Künstler, wie\nauch jene, die, vom Rufe und von einigen hohen Patronen\nunterstützt, auf eigene Hand Concert geben, finden immer\nnoch ihre Rechnung dabei, was in Paris längst vorbei ist.\nWie Alles in London kolossal und zahllos ist, so sind\nes auch die Musik- und Concert-Vereine.\nWenn ich die Sacred Harmonie-, die Musical-, die\nAmateur Musical-, Orchestral-, Philharmonie New Phil-\nharmonie -Societäten, die Vocal (Sing-Verein,\nDirector Benedict), die Tonic\nChoir, die Society of British Musicians, die London Or-\nchestral Association,die Bach Hullah's Concerte,\ndie Monday Populär Concerts, die English Glee and Ma-\ndrigal Union, die Choral Society, den Arion, Bobinson's\nChoir, Ella's Quartett-Verein, Dandel's Quintett Union\nnenne, so habe ich die Liste aller Vereine noch keineswegs\nerschöpft. Man sieht, Paris ist trotz seiner Kunst-Renom-\nmage nichts dagegen, denn an Oratorien- und Chor-Ver-\neine ist dort nicht zu denken, und die paar Orchester-Ge-\nsellschaften ausser der Concert-Gesellschaft des Conserva-\ntoires fristen ihr Dasein mit Mühe.\nDie Monday-Populär-Concerte,, ein neueres Institut,\nhatten sich eigentlich der andauerndsten Gunst des Publi-\ncums zu erfreuen, und zwar von Anfang November bis\nAnfang Juli. Und was hört man in diesen Concerten? Etwa\nWalzer von Strauss, Polka's von Wallerstein und Arran-\ngements aus Opern? Keineswegs, sondern gediegene Kam-\nmermusik, namentlich für das Geigen-Quartett, wiewohl\nauch Pianoforte und Gesang nicht fehlen. Ich theile einige\nProgramme mit. Z. B. Quintett von Boccherini, Sonate für\nzwei Violoncells von demselben (gespielt von Piatli und\nSchröder), Quartett in D-mollvon Cherubini (Herr Becker\naus Mannheim, der überall, wo er sich hören liess, mit\nausserordentlichem Erfolg auftrat, mit den Herren Ries,\nBla grove und Piatti), Clementi's Clavier-Sonate in C,\nOp. 34, und drei Stücke von Scarlatti (Miss Arabella\nGoddard). Dazu Gesangstücke von Paesiello, Jomelli, Sal-\nvator Rosa (den ich übrigens doch in seinen Landschaften\nlieber bewundere, als in seinen Compositionen), Salieri\nund Mozart.\nDas Concert am 24. Juni war ganz Mozart geweiht.\nEs begann mit dem Quintett in A für Clarinette und\nStr ieh-Instrumente. Darauf spielten Miss Goddard und\nHerr Becker die Sonate in F (mit den Variationen) für\nCiavier und Violine, erstere auch noch die Solo-Sonate in\nB. Zum Schluss eine ganz ausgezeichnete Ausführung des\nViolin-Quartetts in G. Die Sängerin Madame de Paez\n(eine Deutsche) trat mit entschiedenem Erfolg zum ersten\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.4", "texte": "Male in diesen Concerten auf mit den Arien aus\nTitus und Voi che sapete aus Figaro. Ein deutscher Bas-\nsist, Herr Hermanns, sang zwei Nummern der Partie\ndes Osmin in der Entführung aus dem Serail mit einer\ngewaltigen Stimme; er erregte Aufsehen und musste die\nletzte Arie wiederholen. Sims Reeves sang Deila sua pace\ndes Don Ottavio mit seiner gewöhnlichen correcten und\nkunstgerechten, aber kalten Weise.\nDas vorhergehende Concert war Beethoven gewid-\nmet, das folgende und letzte „allen grossen Meistern\", wie\ndas Programm sagte. Es war dies das siebenundzwan-\nzigste seit November und fand am 2. Juli Statt. Die\ngrossen Räume von St. James' konnten die zuströ-\nmenden Besucher kaum fassen, wie denn überhaupt die\ngeringste Zahl derselben in diesen Concerten 1500, die\ngrösste 2500 Menschen stark war. An 1600 zahlten am\nEingange ihren Shilling für den letzten Platz, während der\nHauptsaal und die Dreishillings-Galerie durch die Abon-\nnenten gefüllt war. Und zu welcher Musik drängten sich\ndiese Massen? Hier ist das Programm:\nErster Theil:\nViolin-Quartett in C-dur, Spohr.\nGesang: „Der Wanderer\", F. Schubert.\nCiavierstücke (Fuge in D-moll dabei), Scarlatti.\nLiederkreis an die ferne Geliebte, Beethoven.\nPräludium, Sarabande, Gavotte für Violoncell, Bach.\nZweiter Theil.\nViolin-Quartett in Es-dur, Mendelssohn.\nGesang: „Zuleika\" (neu), Meyerbeer.\nSuite von Ciavierstücken, Händel.\nGesangstück: „llpensier*, Haydn.\nEben so: La Gita in Gondola, Rossini.\nSonate in D-dur für zwei Claviere, Mozart.\nIst das nicht zum Erstaunen, dass solche Kammermu-\nsik Tausende von Menschen in siebenundzwanzig Concerte\nwährend acht Monate zieht?\nDie Quartettspieler waren Sainton, Goffrie, Doyle und\nPiatti. Den Flügel spielte im ersten Theil Herr Halle, im\nzweiten Miss Goddard; und um Beide in der Mozart'-\nschen Doppel-Sonate zu hören, blieb der bei Weitem grösste\nTheil der Zuhörerschaft bis zu Ende da, wie denn über-\nhaupt die Unart, vor oder während des letzten Stückes den\nSaal zu verlassen, weit weniger in diesen Concerten be-\nmerkt wird, als in denen, welche die ausschliesslich vor-\nnehme Welt besucht.\nDie Unternehmer dieser Concerte, deren Popularität\nin der jetzigen zweiten Saison derselben ungeheuer zuge-\nnommen hat, sind die Herren Chappell. Sie finden ihre\nsehr gute Rechnung dabei. Alle lobhudelnden Anpreisun-\ngen der auftretenden Künstler, überhaupt jede Art von\nPrahlerei und Humbug haben sie verschmäht, was hier\nselten, aber um so lobenswerther ist.\nUnter den Pianisten, welche nach und nach in\nmes'Hall spielten, hatte sich Ernst Lübeck eines beson-\nders glänzenden Erfolges zu erfreuen.\nFür Orchester-Concerte verdient die Privat-Unterneh-\nmung des Herrn Hullah vor allen rühmliche Erwähnung.\nIn Martin's Hall hört man grosse Werke, deren Ausfüh-\nrung nur allein von der Sacre über-\ntroffen wird. Dazu kommt, dass Herr Hullah ganz unab-\nhängig in der Wahl der vorzuführenden Werke ist, was\nbei der genannten Gesellschaft nicht der Fall, indem ein\nleitendes Comite und altes Herkommen das Ruder führen\nund den Dirigenten oft mehr, als gut ist, beschränken.\nHerr Hullah gab: ein neues Oratorium, „Johannes der\nTäufer\", von Hager in Wien; Gounod's grosse Messe,\nHändel's Judas Maccabäus und den Messias (zwei Mal),\nBeethoven's neunte Sinfonie, Rossini's Stabat Mater,\nHaydn's „Schöpfung\" und Macfarren's „Mai-Tag\".\nDe Wylde's New Philharmonie Society wird auch\nmit Freiheit geleitet. Sie hat dieses Jahr zum ersten Male\nSpohr's Sinfonie „Die Weihe der Töne\" mit grossem\nBeifall aufgeführt.\nDie Sacred Harmonie Socie begann ihre zwölf Con-\ncerte mit Spohr's „Letzte Dinge\" und Mozart's Re-\nquiem, gab ferner den Messias in der Christ- und in der\nOsterwoche, dann Samson, Judas Maccabäus, Israel in\nAegypten, das Dettinger Te Deum, Haydn's Jahreszeiten\nund die Schöpfung, Mendelssohn's Lobgesang und den\nElias zwei Mal. Ausserdem betheiligte sich die Gesellschaft\ngrossentheils an dem Mendelssohn-Feste im Krystallpalaste\nden 4. Mai.\nDie Philharmonie Society hat unter Sterndale Ben-\nnett's Direction ihre gewöhnlichen Sinfonie-Concerte mit\nErfolg fortgesetzt. Ob man entschieden dabei bleiben wird,\nkeine auswärtigen Grössen mehr zur Leitung derselben zu\nberufen, wird die Zeit lehren.\nDie Bach-Gesellschaft hat wenig von sich hören\nlassen, was nach der schönen Aufführung der Passions-\nmusik im vorigen Jahre und der Wiederholung eines Theils\nderselben bei dem Musikfeste zu Leeds zu bedauern ist.\nIm Krystallpalaste werden die regelmässigen Con-\ncerte immer noch von Herrn Manns dirigirt. Ausserdem\nhaben in dem ungeheuren Räume mehrere Concerte mit\nMassen Statt gefunden, z. B. die Aufführung des Elias am\n4. Mai durch 2500 Mitwirkende, ein Concert der Vocal\nAssociation mit 1000 Chorstimmen u. s. w. Dass für die\nKunst durch Ausführungen nach so riesigem Maassstabe\nnichts gewonnen wird, darüber sind auch die hiesigen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.5", "texte": "Künstler einig; aber die Industrie und die Speculation\nstehen sich gut dabei.\nDie Aufstellung der Liste der 105 Concertgeber in\neigener Angelegenheit werden Sie mir wohl erlassen. Es\nsind dies mit sehr wenigen Ausnahmen alles Musiker und\nSängerinnen, die hier in London wohnen und lehren.\nFremde Künstler spielen in der Regel nur in den Concer-\nten der musicalischen Gesellschaften und der Kammer-\nmusik-Vereine.\nImmer noch kann neben den beiden italiänischen Opern\nkeine andere aufkommen. Eine englische Oper in Drury-\nlane schloss schon nach acht Tagen wieder; eine französi-\nsche im Lyceum (Unternehmer Laurent) hielt sich etwas\nlänger durch OfFenbach's Operetten, konnte aber auch\nnicht bestehen.\nSo stehen hier Thatsachen neben einander, die man\nkaum begreift: 2500 Menschen, welche Quartette und\nCiavierstücke von Scarlatti, Bach, Händel mit Applaus hö-\nren und keinen Shilling für eine englische, französische\noder deutsche Oper ausgeben. Solche Contraste können\nnur in England vorkommen.\nA.\n\nTheodor Wachtel.\nTheodor Wachtel ward im Jahre 1827 in Ham-\nburg geboren; seine Eltern waren damals unbemittelte\nLeute, bis späterhin der eiserne Fleiss seines in Hamburg\nals Ehrenmann allbekannten Vaters es dahin brachte, dass\nsich dieser als Fuhrmann selbst etabliren und ein so ge-\nnanntes Droschken-Geschäft anfangen konnte, welches bald\ndurch dessen Realität und allgemeine Beliebtheit ein ge-\nwisses Renommee erlangte. Theodor zählte damals 8\nJahre, war aber schwach und kränklich und konnte erst\nim 10. Jahre die Schule besuchen. Von da opferten dessen\nEltern Alles für seinen Schul-Unterricht, so dass er, mit\ndem 14. Jahre confirmirt, für jedes Comptoir zu gebrau-\nchen war; nur zur Musik zeigte er nie Lust, und das An-\nerbieten, doch Ciavierstunden zu nehmen, wies er stets\nhartnäckig ab. Jedoch hatte er viel Sinn für die Oper,\ndenn sein grösstes Vergnügen war, dieselbe zu besuchen.\nEs zeigte sich aber, wie es allemal bei Knaben der Fall\nist, viel grössere Lust zu des Vaters Pferdestall, in wel-\nchem der muntere Bursche denn seine Lieblings-Beschäf-\ntigung suchte und in müssigen Stunden und mit Erlaubniss\nseines Vaters nach Gefallen bald ritt, bald fuhr. Als er\ndann, der Schule entwachsen, eine Stelle auf einem der\nersten Comptoire Hamburgs einnehmen sollte, bat Theo-\ndor seinen Vater flehentlich, ihn in seinem Geschäfte zu\nbehalten, welche Bitte dieser mit den Worten ablehnte:\n„Sohn, du fluchst mir im Grabe, dass ich dich für eine\nsolche Sclaverei erzog!\" —jedoch auf Anrathen des Haus-\narztes, der wegen Theodor's Kränklichkeit dafür stimmte,\nihn lieber in ein Geschäft in freier Luft zu geben, willigte\ner endlich ein. Nun begann er aber auch, wie vorherge-\nsagt, die schwere Arbeit, bei welcher ihn der Vater auch\nnicht schonte; denn bekanntlich ist das Pferdeputzen des\nscharfen Staubes wegen hauptsächlich der Lunge sehr nach-\ntheilig. Unter der Leitung seines Vaters gewann er eine\ngrosse Geschicklichkeit im Reiten und Fahren; nach zwei\nJahren nannte man den schmucken Theodor den König\nder Fuhrleute, da Wagen, Pferde und Geschirr nebst resp.\nLenker ein sehr fashionables Aussehen hatten. Hiedurch\nzog er die Aufmerksamkeit aller Gentlemen auf sich, vor-\nzüglich auch die der Künstler in Hamburg und der da-\nselbst auftretenden Gäste, bei welchen er es sich zur Ehre\nanrechnete, die ersten und berühmtesten selbst kutschi-\nren zu dürfen, z. B. Tichatschek, Cornet, Erl, Roger, Dr.\nHärtinger, Staudigi, Woltereck, Dalle-Aste, Emil Devrient,\nDawison, Hendrichs, Baison, Fedor Löwe, Grunert, Dö-\nring, Ira Aldridge u. s. w.; die Directoren Schmidt, Le-\nbrun, Mühling, Maurice, Wurda; von Damen die berühmte\nJenny Lind, Johanna Wagner, Schröder-Devrient, Jenny\nNey, Lutzer, Heinefetter, Hasselt, Michalesi; von den be-\nrühmten Tänzerinnen die unübertreffliehe Fanny Eisler,\nGrahn, Cerrito, Taglioni. Genannte Künstler, deren Ruhm\nin Deutschland wie in fernen Ländern bis auf den heutigen\nTag erschallt, zu hören, zu sehen, war damals Theodor's\ngrösster Genuss, und somit fehlte er denn auch bei keiner\nVorstellung dieser berühmten Künstler und Künstlerinnen.\nEr erlebte auf diese Weise die glücklichsten Stunden und\nwar stolz darauf, wenn er die Künstler nach den unweit\nHamburg liegenden Orten Heus-Hof, Rainville, Teufels'\nbrück, Nienstedten, Blankenese u. s. w. fahren musste.\nOftmals wurde in ihm der Wunsch laut: „Hättest du solche\nStimme, solches Talent, wie Dieser oder Jener!\" Doch ihm\nschien dies eine unerreichbare Stufe, zu der er nicht be-\nrufen zu sein glaubte, um so mehr, da er, damals 17 Jahre\nalt, keine Stimme, zumal keine Tenorstimme, hatte; und\nwenn er einmal zu seinem Vergnügen auch gern wollte,\ndas Singen ging nicht, oder es kamen Contrabass-Töne\nzum Vorschein. In seinem 20. Jahre starb Theodor's Va-\nter, und er war nun die einzige Stütze seiner Mutter. Er\nmusste alle Gedanken und Schwärmereien für Kunst und\nv\nKünstler aufgeben.\nErst nachdem er das 23. Jahr erreicht hatte, wurde\ner durch Fräul. Grandjean (eine Gesanglehrerin, die das\nGlück hatte, von je her viele schöne Stimmen zu entdecken)\nauf seine plötzlich sich zeigende Tenorstimme aufmerksam\ngemacht. Auf Anrathen mehrerer Schulfreunde wollte er\neinige Quartette studiren, um als Dilettant mit jenen auf"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.6", "texte": "Lustfahrten mitsingen zu können, da es stets an hohem\nTenor fehlte. Fräul. Grandjean, der Wachtel vielen Dank\nfür diese Entdeckung, so wie für ihren gediegenen Unter-\nricht schuldete, war es, welche der hamburger Direction\nAnzeige von dem kutschirenden Tenor machte.\ntert durch dieselbe, fing er ernstliche Studien bei dieser\nLehrerin an, und durch Lust und enormen Fleiss, der ihn\nauch in seiner späteren Zeit nicht verliess, brachte er es\nin kurzer Frist dahin, dass ihn Fräul. Grandjean nach\neinem halbjährigen Unterrichte einige Piecen öffentlich in\neinem Concerte singen liess.\nEs war ein Wagestück, einen Anfänger Piecen singen\nzu lassen wie das Ständchen des Almaviva im Barbier, das\nDuo des Rodrigo und Jago aus Othello und die letzte Ro-\nmanze des Nemorino aus dem Liebestrank. Durch den\nausserordentlichen Beifall, welchen das Publicum dem hüb-\nschen Sänger spendete, angespornt, studirte er immer eifri-\nger, sang abermals in einigen Concerten, bis nach einem\nJahre ein Wendepunkt eintrat. Von einem Mitgliede des\nhamburger Stadttheaters ersucht, in seinem Benefiz zu sin-\ngen, willigte Wachtel ein und sang die Bildniss-Arie aus\nder Zauberflöte, das Duo des Nemorino und Dulcamara aus\ndem Liebestrank mit Herrn Bost, und Romanze aus der-\nselben Oper, sämmtliche Piecen in Costume, wofür er gros-\nsen Beifall und Hervorruf ärntete. Bemerkenswerth ist,\ndass Wachtel von Morgens früh bis Abends den Kutschen-\nbock bestieg, ja, selbst noch am Tage des ersten Auftrittes\nbis 5y2 Uhr fahren musste, um halb 6 Uhr ins Theater\nging und eine Viertelstunde später als Tamino costumirt\nvor den Lampen erschien.\nVielleicht ein Dutzend Mitglieder benutzten diese Ge-\nlegenheit und ersuchten ihn um seine Mitwirkung; und\njeder Einzelne erzielte eine grosse Einnahme, verschaffte\ndem jungen Künstler aber auch die Gelegenheit, sich an\ndie heissen Bretter zu gewöhnen. Wachtel verblieb noch\neinige Zeit bei seiner Lehrerin Fräul. Grandjean, während\nwelcher Zeit ihm von der hamburger Direction Engage-\nments-Anträge gemacht wurden, was aber Fräul. Grand-\njean nicht zugeben wollte; statt dessen nahm er einen An-\ntrag an das Hoftheater in Schwerin an. Die leider unge-\nnügende Beschäftigung, welche den Anfänger nur verstim-\nmen musste, und der plötzliche Schluss des dortigen Hof-\ntheaters brachten den Kunstjünger ausser Engagement. Er\nreis'te aufs Gerathewohl nach Dresden, wo er auf Verwen-\ndung des Capellmeisters Krebs Probe singen musste und\nauch engagirt wurde; doch auch hier blühten ihm keine\nRosen. Wachtel war zu sehr Anfänger, um an Meister\nTichatschek's Seite für solch ein Kunst-Institut verwandt\nwerden zu können; nach drei Monaten bat er dringend\num seine Entlassung, welche ihm durch Verwendung von\nHofrath Winkler (Th. Hell) auch zu Theil wurde. Erst\nbei Director Engelken's Unternehmung in Würzburg be-\ngann seine Künstler-Laufbahn! Director Engelken grün-\ndete durch seinen Beistand als Regisseur Wachtel's nach-\nher erlangte Beliebtheit bei dem Würzburger Publicum,\nund nach zwei Winter-Engagements, während welcher er\nsich ein ziemliches Repertoire gesammelt hatte, verliess er\ndiese Stadt, um am darmstädter grossherzoglichen Hof-\ntheater unter der Leitung des ausgezeichneten Directors\nTescher ein Engagement anzunehmen. Nach zweijähri-\ngem Aufenthalte daselbst vertauschte er seine Stellung mit\nder am Hoftheater in Hannover, wohin er unter glänzen-\nden Bedingungen und Gehalt gerufen wurde. Hier ver-\nweilte er längere Zeit, und Wachtel wäre niemals aus dem\ndortigen glänzenden Verhältnisse getreten, wenn ihn nicht\nUmstände gezwungen hätten, seine Stellung aufzugeben.\nVon Hannover ging er nach Kassel, das er nach zweijäh-\nrigem Aufenthalte verliess. Durch Gastspiele in Königs-\nberg, Breslau, Bremen, Magdeburg, Mainz, Wiesbaden,\nAachen und Hamburg erwarb sich Wachtel die allge-\nmeinste Theilnahme und Aufmunterung. In Prag, wo er\nzum ersten Male gastirte, wurde ihm der Weg nach Wien\ngebahnt. (S. Nr. 35.) (N. W. M.-Z.)\n\nDie Vorstellung der deutschen Bühnen-Vorstände an\ndie deutschen Fürsten und Regierungen.\nEs ist in manchen Zeitungen bereits von dieser Denk-\nschrift, welche die Darlegung der Uebelstände der deut-\nschen Theater und Vorschläge zu staatlicher Abhülfe der-\nselben enthält, die Rede gewesen. Nach einer Mittheilung\ndes Herrn Eduard Devrient, Intendanten des Hofthea-\nters zu Karlsruhe, in der Kölnischen Zeitung Nr. 238,\nvom 27. August d. J. ist sie aus den Berathungen der drei\nVersammlungen der Bühnen-Vorstände in den Jahren\n1858, 1859 und 1860 hervorgegangen. Die Redaction\nwurde Herrn E. Devrient übertragen, sein Entwurf den\nVereins-Mitgliedern mitgetheilt, nachmals im Plenum zu\nDresden berathen und schliesslich von einer Commission\n(Achenbach aus Mannheim, Dingelstedt aus Weimar und\nEd. Devrient) so redigirt, wie er an die Regierungen ge-\nsandt worden und in der erwähnten Nummer der Kölni-\nschen Zeitung abgedruckt ist.\nDie Aufzählung der Uebelstände trifft den Nagel auf\nden Kopf; die Vorschläge zur Beseitigung derselben und\nHebung der Theater als öffentlicher Staats-Anstalten sind\nsehr beachtungswerth.\nWir geben den Haupt-Inhalt im Auszuge.\n„1. Die übergrosse Anzahl von Theater-Unternehmun-\ngen wird durch allzu leicht zu erlangende Concessionen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.7", "texte": "begünstigt. Die leichtsinnige Concurrenz unterwühlt die\nfinancielle Basis fast aller Privat-Unternehmungen. In Folge\nungenügender Subsistenz ist es für die meisten Provincial-\nHauptstädte, selbst für die kleineren Hofbühnen, unmög-\nlich geworden, die Dauer der Theater-Saison über sechs,\nhöchstens acht Monate auszudehnen. Die Mehrzahl der nicht\nstabilen Theater aber erweisen sich nach viel kürzerer\nDauer als lebensunfähig, lösen sich auf und werfen eine\nAnzahl darbender Mitglieder zu jeder Jahreszeit über das\nLand. Oft geschieht dies auch durch Unvermögenheit, Un-\nkenntniss und Unredlichkeit der Unternehmer, welche nichts\ndesto weniger binnen Kurzem dieselbe Operation wieder-\nholen dürfen. Diese massenhafte Entlassung von Theater-\nMitgliedern findet demnach regelmässig für die Sommer-\nmonate Statt, da nur die bestgestellten Winter-Unterneh-\nmungen sich einzelne hervorragende Talente durch Susten-\ntations-Gagen lür die nächste Saison zu erhalten vermögen.\nDa man mindestens 50 Theater-Unternehmungen zählen\nkann, welche solche Entlassungen vorzunehmen genöthigt\nsind, so steigt die Zahl der brodlosen Theater-Mitglieder:\nDarsteller, Choristen, Musiker, Maler u.s.w., mit ihren Fa-\nmilien leicht auf 6- bis 7000 Köpfe, während schon im\nWinter, aus dem Bankerott-Turnus der kleinen Unterneh-\nmungen hervorgehend, eine grosse Zahl Hülfe suchend um-\nherschweift. Diese Zustände haben ein Theater-Proletariat\nvon erschreckender Ausdehnung geschaffen; ein perenni-\nrendes Vagabundenthum und einen concessionirten Bettel.\n„2. Die Noth dieses Proletariates hat die Afterbildung\nder Sommer-Theater hervorgerufen und steht mit einer\nanderen Ausgeburt des modernen Theaterlebens: den Agen-\nturen, in genauester Wechselwirkung. Die Sommer-Thea-\nter, welche nicht einmal genügende Zuflucht für die aus-\ngesetzten Theater-Mitglieder gewähren, bewirken in Cigar-\nrenrauch und Bierdunst die tiefste Depravation der Bühnen-\nkunst: Herabwürdigung und Verderbniss des Personals,\nGeschmacksverwilderung des Publicums. Dennoch hat die\nVerwöhnung des spazirengehenden Publicums zu dieser Art\nvon Unterhaltung selbst stabile Stadt-Theater verlockt oder\ngenöthigt, solche Sommer-Theater ihren Winter-Bühnen\nzu verbinden. Ein Beweis, wie stark und verderblich der\nEinfluss der Nothstände in den unteren Bühnenschichten\nauf die oberen ist.\n„3. Von der Verlegenheit der Unternehmer wie der\nMitglieder, zum October die Theater wieder neu zu orga-\nnisiren und Stellen zu finden, nähren sich die Theater-\nAgenten, und je grösser die Noth der Betreffenden ist, je\nleibeigener sind sie dem Seelenverkauf dieser Menschen-\nmäkler geworden, welche sich, Angesichts der bürgerlichen\nGerichtsbarkeit, durch Angst und Schrecken vor ihrer Ge-\nschäfts- und Zeitungs-Gewalt, den ganzen Stand zinspflich-\ntig machen und erstaunliche Erpressungen erlauben dürfen.\nIhre Uebermacht ist durch die neuerlichen Bemühungen\ndes Bühnen-Vereins nur gebrochen, keineswegs vernichtet,\nzumal die gesetzliche Controle so unvollständig ist, dass sie\nin der dreistesten Weise umgangen wird. Alle die Bühnen,\nwelche für jeden Winter ein neues Personal zusammen-\nraffen, ein neues Bepertoire aufstellen müssen, können zu\neinem wohlverständigten Zusammenspiel niemals gelangen,\nsie sind genöthigt, auf Einzel-Speculationen einzugehen, auf\ndie Anziehungskraft fremder Talente in Gastspielen. Da-\ndurch haben sie die Unruhe, die begehrliche Speculation\nauch in den Kreis der hervorragendsten Talente getragen,\ndas Virtuosenthum genährt, das wiederum verderblich auf\ndie ersten Hofbühnen zurückwirkt. Das Personal dieser\nWinter-Bühnen hat in überstürzter Arbeit Mühe, das im-\nprovisirte Bepertoire zu erhalten, eine besonnene Thätig-\nkeit, erwogenes Studium, durchgreifender leitender Ein-\nfluss auf die heranwachsenden Talente sind nicht mehr\nmöglich. Zudem reisst jetzt der gewinnsüchtige Schwindel,\ndie überhastete Praxis die jungen, ganz unvorbereiteten\nTalente vorzeitig auf die Bühne und in die ersten Fächer,\nwodurch sie in kurzer Zeit die Anfangs glänzenden Natur-\ngaben verbrauchen, oder in falschen Bichtungen verkrüp-\npeln. So kommt es, dass diese Theater nicht mehr als\nPflanzschulen für die begünstigteren angesehen werden\nkönnen, und dass die Zukunft der Standesbefähigung mit\njedem Tage mehr gefährdet ist.\n„4. So tritt der Mangel an Fachschulen Behufs me-\nthodischer, ebenmässiger und ruhiger Vorbildung für das\nTheater mit jedem Jahre immer schreiender hervor. Der\nStaat hat allen Ständen ohne Ausnahme solche Schulen\ngegeben, auch den bildenden Künsten und der Musik; die\ndramatische Kunst allein ist von dieser allgemeinen Staats-\nwohlthat ausgeschlossen. Die Kunst, welche unter allen\nKünsten die grösste Complication von ausgebildeten Fähig-\nkeiten und Kenntnissen erfordert, der Stand, welcher vor\nallen anderen die wachsamste Sorgfalt der menschlichen\nGesellschaft hervorrufen sollte, weil er sich allein mit Dar-\nstellung des Menschen beschäftigt, wird vom Staate gleich-\ngültig der zufälligen Selbsterziehung oder der Verwilderung\nüberlassen. Und das geschieht in Deutschland, dessen Un-\nterrichtswesen für musterhaft gilt, während in Paris, St.\nPetersburg, Moskau, Warschau, Stockholm, Kopenhagen\nschon längst Theaterschulen, vom Staate errichtet, mit er-\nweislichem Erfolge bestehen. Der Privat-Unterricht, welcher\nsich in diese klaffende Lücke gedrängt hat, kann im Allge-\nmeinen eher nachtheilig als förderlich genannt werden und\nverbirgt manche unwürdige Speculation.\n„Um den hier bezeichneten verderblichen Uebeln Ab-\nhülfe zu schaffen, wären dem deutschen Theater folgende"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600901-01.1.8", "texte": "gesetzliche Wohlthaten zuzuwenden : A. Ausgesprochene\nstaatliche Anerkennung des Theaters als einer öffentlichen\nAnstalt zur Bildung und Veredlung. B. Unterordnung\naller Bühnen, welche nicht von den Höfen geleitet und be-\naufsichtigt werden, unter diejenige Staatsbehörde, welche\ndie anderen Kunst- und Bildungs-Anstalten zu regeln und\nzu beaufsichtigen hat. Die Theater-Unternehmungen wür-\nden also der freien Industrie entzogen und den Schul- und\nErziehungs-Anstalten ähnlich behandelt werden, bei denen\ndie Vorsteher, die Organisation und endlich die Wirksam-\nkeit der Anstalt vom Staate geprüft und geregelt, den Wün-\nschen und Interessen der betreffenden Städte oder Bezirke\nRechnung getragen und bei allen Entscheidungen sachver-\nständiges Urtheil herbeigezogen wird.— Ertheilung von\nTheater-Concessionen, grossen und kleinen, unübertragbar,\nauf mindestens drei Jahre unausgesetzter Spielzeit an Per-\nsonen, welche folgenden Bedingungen entsprechen: Bür-\ngerliche Unbescholtenheit. b.Sachverständig geprüfte ge-\nschäftliche und geistige Qualification. Cautionsleistung,\nausser der für anvertraute Inventarien und dergleichen, min-\ndestens bis zur Höhe des vierwöchentlichen Gagen-Etats.\nd. Verpflichtung zu regelmässiger Buchführung, welche die\nBehörde jeden Augenblick berechtigt, zeitweilig verpflichtet\nist, einzusehen. E.Verpflichtung zum Beitritt zum Bühnen-\nVerein./. Erlöschen der Concession bei gerichtlich ausge-\nsprochenem Bankerott. Bei Nachsuchung einer neuen Con-\ncession ist der Nachweis zu führen, dass allen früheren Ver-\npflichtungen genügt worden. Verpflichtung, nicht mehr\nals Eine Theater-Gesellschaft zu halten.— Bei erwiese-\nner Unthunlichkeit, in einer Stadt allein ein Theater-Un-\nternehmen in unausgesetzter Thätigkeit lohnend und wür-\ndig zu erhalten, würden bestimmte, reichlich nährende\nTheater-Bezirke für jede solche Unternehmung abgegränzt,\nvon einer grossen Stadt mit nahe gelegenen kleinen, oder\nvon einer genügenden Anzahl von mittleren und kleinen\nStädten zusammengesetzt. Jede Stadt, welche in einen sol-\nchen Theater-Bezirk aufgenommen sein, also ein Theater\nhaben wollte, müsste, wie das in Frankreich der Fall ist,\ndas Schauspielhaus mit näher zu bestimmendem Zubehör\nohne Miethe dazu hergeben; städtische Lasten, Armen-Ab-\ngaben u. s. w. wären abzulösen; statt der hier und da ge-\nwährten Geld-Subventionen hätte die Natural-Lieferung\nvon Heizung, Beleuchtung u. s. w. des Schauspielhauses\neinzutreten, um die zweckentsprechende Verwendung der\nSubvention zum Besten des Publicums, nicht des Unterneh-\nmers, zu sichern.— E.Da mit diesen Maassregeln die Zahl\nder Theater-Unternehmungen und der Theater-Angehöri-\ngen sich wohlthuend vermindern würde, so hätten die ent-\nwürdigenden Sommertheater gar keine Berechtigung für\nihre Existenz mehr, und wären, wie alle Unternehmungen\nauf dem Gebiete der theatralischen Vorstellung, welche di<j\nWürde der Menschen-Darstellung verletzen, ohne Weite-\nres abzuschaffen. Für den höheren Staatszweck gewiss ein\ngrosser Gewinn.— F.Gründung von Theaterschulen unter\nAuspicien des Staates, gleich den vielen Akademieen für\nbildende Künste. Nur theilweise ist die Erziehung musica-\nlischer Talente für die Oper in den, theils mit Privatmit-\nteln, theils mit Staats-Unterstützung betriebenen Musik-\nConservatorien vorgesehen. Alle diese Anstalten wirken\ndurch ihre ungenügenden Einrichtungen nur sehr Ungenü-\ngendes. Zwei bis drei sicher fundirte, wohleingerichtete und\nmit auserlesenen Lehrkräften versehene Musik- und Thea-\nterschulen in Deutschland sind nothvvendig, um der Ver-\nwilderung des künstlerischen Nachwuchses, der Verküm-\nmerung so zahlreicher Talente zu wehren.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. In Rotterdam ist eine Gesellschaft von Kunstfreun-\nden zusammengetreten, um eine deutsche Oper daselbst zu be-\ngründen. Sie hat Herrn Capellmeister Skrup aus Prag unter sehr\nvortheilhaften Bedingungen engagirt, der bereits vor einigen Tagen\nhier durchgereis't ist, um seinen neuen Wirkungskreis anzutreten.\nAls Primadonna wird Frau Prausse aus Prag genannt, als Tenor\nHerr Grimminger, Bariton Herr Br assin, Bass Herr Karl\nF or me s.\nDie italiänische Opern-Gesellschaft des Herrn Merelli hat von\nhier aus mehrere Vorstellungen in den Nachbarstädten Düsseldorf,\nCrefeld, Bonn, Aachen gegeben. Hier im Hauptquartier derselben ha-\nben wir noch den Don Juan, Lucrezia, Norma und Ernani gehört,\nin denen Einzelnes vortrefflich war, das Ganze der Vorstellungen\naber gegen die Aufführungen der komischen Opern zurückstand.\nDem Vernehmen nach ist Herr Merelli von der General-Intendantur\nder königlichen Schauspiele zu Berlin aufgefordert, dort Vorstellun-\ngen zu geben. Er ist desshalb gegenwärtig damit beschäftigt, sein\nPersonal zu vervollständigen, was auch allerdings für Berlin nöthig\nsein dürfte. Ein zweiter Tenor, Signor Baldinelli, der als Pollione\nin der Norma und als Ernani auftrat, konnte nicht befriedigen. Eine\nbessere Acquisition wird die berühmte Altistin Trebelli sein, die\nwir gegen Mitte September in der Semiramis und den Monlecchi e\nCapuletti hören werden.\nCobleaiz* Fräul. Marie Cruvelli gab hier in voriger Woche\nein Concert, in welchem sie Arien aus Rossini's Tancred und Doni-\nzetti's Favorita, eine Romanze aus Verdi's Trovatore und zwei deut-\nsche Lieder von Schumann und F. Schubert sang Die schöne volle\nAltstimme und der treffliche Vortrag der Künstlerin, namentlich in\nden italiänischen Gesangstücken, erwarben ihr enthusiastischen Bei-\nfall. Herr Pianist Richard Kugler trug zwei Lieder ohne Worte\nvon Mendelssohn, das Schlummerlied von R. Schumann und den Ga-\nlop de Brcivotire von Ascher mit vorzüglichem Anschlag und treffli-\ncher Technik unter grossem Beifall vor. Namentlich zeigte der Vor-\ntrag der Schumann'schen Composition den gediegenen Musiker."}]}