{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_sha256": "16ef9656b0cc74062ac4df62de833700168ad7ffc36ad00e1c1186659778df69", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/09/08_01/bmtnabi_1860-09-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 403, "texte": "Inhalt.\nBriefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller. H. LitolfFs grosses Concert in Wiesbaden. Von G. B. Musicalische\nZustände in Brüssel. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Fräul. Pollack, Die bevorstehende Winter-Saison Musik-Di-\nrector Stern Frankfurt am Main, Museums-Concerte Aus Thüringen Stuttgart, Theater-Jahr, Herr Rauscher München\nWürzburg Chemnitz J. Haydn's Neffe Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "292", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.2.2", "titre_corps": "Briefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Briefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.1", "debut_caractere": 405, "fin_caractere_exclue": 4083, "texte": "Briefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller.\n\nDie Briefe, die Adolphe Nourrit in den letzten Jahren\nseines Lebens an Hiller schrieb, sind der reinste Abdruck\nder geheimsten Begungen und der inneren Kämpfe, die das\nHerz des grossen Künstlers bewegten und am Ende bra-\nchen, der Erguss einer edeln Seele, die sich an der Flamme\ndes Ehrgeizes und der Leidenschaft für die Kunst nach\nund nach verzehrt und dem vertrautesten Freunde ohne\nallen Bückhalt sich offen darlegt.\nZu vollem Verständniss derselben theilen wir (nach\ndem trefflichen Aufsatze von F. Halevy:\nrit\", in der Revue contemporaine,Mai und Juni 1860)\nEiniges über die Hauptmomente in Nourrit's Leben mit.\nAdolphe Nourrit war den 3. März 1802 zu Mont-\npellier geboren. Sein Vater, Louis Nourrit, damals erst 22\nJahre alt, hatte eine schöne Tenorstimme, ging nach Pa-\nris, trat in das Conservatorium, Mehul begünstigte, Garat\nunterrichtete ihn, und im Jahre 1805 trat er als Binald\nin Gluck's Armide auf. Er blieb bei der grossen Oper;\nohne eigentliche Leidenschaft für die Kunst, handelte er\nnebenbei mit Juwelen, worauf er sich gut verstand. Sein\nZiel war ein ruhiges Leben und eine gesicherte Existenz.\nDen Sohn gab er auf das Gymnasium Sainte-Barbe und\nthat ihn nachher bei einem Handlungshause in die Lehre.\nAdolphe wurde ein guter Buchhalter und bekam, eben\nsiebenzehn Jahre alt geworden, eine Stelle bei einer Le-\nbensversicherungs-Gesellschaft. Er gewann die höchste Zu-\nfriedenheit seiner Vorgesetzten durch Verstand und Fleiss,\nschöne Handschrift in Buchstaben und Zahlen, Sicherheit\nim Rechnen; sein Vater war glücklich darüber, und er\nselbst ganz zufrieden mit seiner Laufbahn.\nDa entfaltete sich mit Einem Male nach der Vollen-\ndung des Stimmwechsels in ihm der bisher ganz verbor-\ngen gebliebene Reim einer höchst wohllautenden, reizvol-\nlen und doch kräftigen, zum Bariton neigenden Tenor-\nstimme, und mit ihr erwachte der bis dahin schlummernde\ninnere Trieb zur Kunst. Garat pflegte beide, beruhigte den\nVater über den Entschluss des jungen Kaufmannes, sich\nder Musik zu widmen, und am 1. September 1821 trat\nAdolphe Nourrit in Gluck's Iphigenie als Pylades mit einem\nErfolg auf, der für seine Laufbahn entscheidend war.\nZunächst theilte er sich mit seinem Vater in das Ge-\nbiet der Tenor-Partieen, bald aber wurde der Name Nour-\nrit hochberühmt, und man dachte dabei nur noch an\nAdolphe. Im Jahre 1826 den 9. October, bei der ersten\nAufführung von Rossini's „Belagerung von Korinth\", san-\ngen Vater und Sohn zusammen, jener den Cleomenes, die-\nser den Neocles. Hierauf zog sich der Vater Nourrit zu-\nrück, lebte auf dem Lande bei Paris, genoss aber nicht\nlange der ersehnten Ruhe. Er starb noch jung im Jahre\n1831.\nJedermann weiss, wie glänzend Adolphe Nourrit's\nLaufbahn an der grossen Oper zu Paris wurde. Er\nherrschte in ihr unangefochten als erster dramatischer Sän-\nger ohne Nebenbuhler. Seine Leistungen als Masaniello,\nGraf Ory, Arnold im Teil, Robert, Eleazar, Baoul waren\nbewundernswerth; in allen hatte er sein schöpferisches Ta-\nlent bewiesen. Weniger bekannt ist, dass Nourrit auch der\nAutor von zwei Ballets war: La Sylphide für die Taglioni\nund La Tempete(nur zum Theil nach Shakespeare) für\nFanny Elsler (den 15. September 1834).\nDie letzte Rolle, die Nourrit im grossen Operntheater\nschuf, war „Stradella\" in der Oper gleichen Namens von\nNiedermeyer (den 3. März 1837), deren Stoff aus der be-\nkannten Anekdote geschöpft ist, nach welcher bei dem\nherrlichen Gesänge Stradella's den gedungenen Mördern\ndie Dolche aus der Hand sinken. Diese Hauptscene findet\nbei Niedermeyer in der Kirche Statt. Allein Nourrit hatte\nschon lange vorher sich zum Bruche mit der pariser Oper\nentschlossen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5224, "texte": "Er schrieb darüber an Hiller den 26. October 1836*):\n„Mein theurer Freund!\n„Zuerst meinen Dank für Ihren lieben Brief; ich hatte\nvon Ihrem Unwohlsein gehört und wartete mit Ungeduld\nauf die Nachricht von Ihrer Wiederherstellung. Nun sind\nSie ja wieder ganz im Stande und im Begriff, einen ange-\nnehmen Winter im Kreise Ihrer Familie zu verleben, Herz\nund Geist befriedigt, unter Beschäftigungen, die Ihnen be-\nhagen, und Verhältnissen, die Sie glücklich machen. Ich\nbin darüber erfreut, obwohl ich Sie sehr ungern misse;\naber man muss seine Freunde um ihrer selbst willen lie-\nben und ihr Glück so auffassen, wie sie selbst.\n„Ich habe Ihnen Vieles mitzutheilen, Vieles, worüber\nSie Sich wundern werden; aber wir wollen der Reihe nach\nbeginnen, zumal da ich den Anfang mit einer erfreulichen\nNachricht machen kann.\n„Meine Frau ist glücklich mit einem Mädchen nieder-\ngekommen, das munter und wohl ist; es sind jetzt zwölf\nTage her, und Mutter und Kind befinden sich vortrefflich.\nViele Leute haben ein saures Gesicht gemacht bei der\nNachricht von der Ankunft eines fünften kleinen Mädchens!\nWir aber empfangen mit Freuden, was Gott uns gibt, und\nsagen ihm Dank. Möge die Kleine ihren Schwestern glei-\nchen, möge sie ihrer Mutter würdig sein, dann sind wir\nsicher, dass es ein gutes Weib mehr auf der Welt gibt.\nDas ist eine Aussicht darauf, dass unsere Kindeskinder\nbesser als wir werden. Hallelujah!\n„Nun aber • was ich Ihnen jetzt zu sagen habe, ist\nwichtig und ernster Natur, und wird Sie vielleicht peinlich\nberühren. Allein ich darf Sie im Voraus beruhigen; alles,\nwas Sie hören werden, ist nur aus Rücksicht für meine\nRuhe, für mein Glück und vor Allem für meine Familie\ngeschehen.\n„Ich verlasse die Oper und ziehe mich vom Theater\nzurück. Hören Sie, was mich dazu vermocht hat.\n'* • '\n„Die Direction der grossen Oper hat Duprez engagirt,\nder seit einigen Jahren die erste Stelle unter den Teno-\nristen in Italien einnimmt. Duprez konnte sich natürlich\nnicht mit dem zweiten Platze in Paris begnügen; meine\nStellung hat also geändert werden müssen, um ihm die\nseinige zu bereiten. Ich habe Anfangs dazu willig und gern\ndie Hand geboten, und glaubte in der That, aus einem\nWetteifer, der mich zu neuem Fortschritt anspornen würde,\nGewinn für meine Kunst ziehen zu können. Aber nur zu\nbald merkte ich die IJnruhe der Meinigen, die Besorgnisse\nmeiner Freunde, und um meine Ruhe war es gethan! Auch\nhabe ich mich überzeugen können, dass ich dieser Rulle\nbedarf, um den Forderungen meiner Kunst zu genügen,\ndass jede Sorge oder Befürchtung mir unheilvoll wird,\nund, mit Einem Worte: dass ich kein Mann des Wett-\nkampfes bin.\n„Nachdem ich reillich über meine neue Lage nach-\ngedacht, habe ich eingesehen, dass meine Zukunft meiner\nVergangenheit nicht gleichen werde; dass ich, da die er-\nsten Bedingungen, die meine Entwicklung begünstigten,\nnicht mehr vorhanden sind, nicht voraussehen könne, welche\nPrüfungen ich als Mensch und Künstler noch zu bestehen\nhaben möchte. Da ich nicht mehr als der Erste sein kann,\nso ist es klar, dass ich nichts bei einem Wettkampfe ge-\nwinnen kann, bei dem mein Gegner nichts zu verlieren\nhat. Ausserdem wissen Sie ja, dass es stets mein Vorsatz\ngewesen, mich früh zurückzuziehen, und früh genug, um\nmich anderen Beschäftigungen zu widmen. Ich habe sechs\nKinder, und so lange ich lebe, will ich arbeiten.\n„Ich weiss sehr wohl, dass ich nirgend eine so glän-\nzende Laufbahn finden werde, vollends eine so einträg-\nliche, als meine bisherige; aber nach vier bis fünf Jahren\nmuss ich sie ja doch aufgeben, und thue ich es jetzt, so\ngewinne ich vier Jahre für meine Zukunft.\n„Meine Verpflichtung gegen die Opern-Direction hört\nmit dem März auf, ich gebe meine Abschieds-Vorstellung,\nnehme meine Pension, zu der ich durch sechszehn Dienst-\njahre berechtigt bin, und schliesse mit einer Kunstreise\ndurch die Departements, die mir in zwölf bis achtzehn Mo-\nnaten mehr einbringen wird, als ich in vier Jahren bei der\nOper ersparen kann.\n„Alsdann krieche ich in mein Schneckenhaus, singe\nSchubert, Hiller und alle meine lieben deutschen Meister\nzu meinem Vergnügen und widme mich Studien, die von\nje her das Ziel meines Slrebens gewesen sind. Ich weiss\nfreilich noch nicht ganz genau, unter welcher Form die\nFrucht meiner Arbeit sich zeigen wird, aber wenn ich ein-\nmal weiss, was ich wissen will, wenn ich mir einen grös-\nseren persönlichen Werth gegeben habe, so ist es unmög-\nlich, dass ich meine Fähigkeiten nicht zum Wohle meiner\nFamilie geltend machen sollte.\n„Ich versichere Sie aber im Voraus, dass ich mich nur\nmit der Kunst beschäftigen werde. Wie Sie nun auch mei-\nnen Entschluss beurtheilcn mögen, seien Sie überzeugt,\ndass ich keinen unüberlegten Streich mache; ich habe alle\nmeine Freunde zu Rathe gezogen und mich erst nach An-\nhörung eines Familienrathes entschieden.\n„Ich kann Ihnen sagen, dass jetzt, nachdem dieser\nEntschluss unwiderruflich feststeht, die Ruhe wieder in\nmein Haus eingekehrt ist; meine Mutter ist glücklicher,\nmeine Frau ruhiger, und meine Schwester ist mir vor\n\n*) Wir theilen diesen und die folgenden Briefe in getreuer Ueber-\nSetzung ganz mit, weil auch ihre kleinen Einzelheiten einen\nBeitrag zur Charakteristik des Menschen und Künstlers geben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5179, "texte": "Freude um den Hals gefallen, als sie meine Entscheidung\nvernahm. ,\n„Ich habe nie nach grossem Vermögen getrachtet; da\nich aber für fünf Töchter zu sorgen habe, so will ich mei-\nnen Rücktritt vom Theater doch so ehrenvoll und Achtung\ngebietend als möglich vor der Welt hinstellen. Desshalb\nist meine jetzige Stellung ganz vorzüglich günstig für mich.\nAlle, die mich lieb haben, billigen mein Vorhaben; nur\nIhre Zustimmung fehlt mir noch. Ich hoffe, Sie lassen mich\nnicht lange darauf warten, und erlauben mir, im Voraus\ndarauf zu rechnen.\n„Leben Sie wohl, lieber Freund! Wenn meine Gründe\nSie nicht überzeugen, so beeilen Sie Sich nicht mit der\nAntwort; denn ich weiss gewiss, dass Sie am Ende doch\nmeine Ansicht theilen werden.\n„Von Herzen der Ihrige.\n„Ad. Nourrit.\"\nEs war allerdings so, wie Nourrit schreibt. Duprez\nkam mit dem Glänze eines ungeheuren Rufes aus Italien\nnach Paris; er hatte nach langen Studien dort das erreicht,\nwas ihm bis dahin fehlte, und worin er nachmals ausge-\nzeichnet war, die volle Kraft des Tones. Dabei hatte er\nvor Nourrit die gründlichste musicalische Bildung von Ju-\ngend auf voraus und war jetzt ein vollendeter Sänger.\nDonizetti hatte für ihn den Edgardo in der Lucia ge-\nschrieben.\nNourrit's Stimme hatte allerdings bereits ein wenig ge-\nlitten; schon 1830 hatte er sie in den Revolutionstagen\nöffentlich und auf der Bühne zu sehr angestrengt, und jetzt\nwirkte seine innere Aufregung auch nicht vortheilhaft auf\ndie Ausübung seiner Kunst. Schlimmer als dies war aber,\ndass diese Aufregung seinen Geist verdüsterte, ihn miss-\ntrauisch gegen Andere und ungerecht gegen sich selbst\nmachte. Bei einer seiner letzten Vorstellungen des Masa-\nniello bemerkte er Duprez, von dessen Rückkehr nach Pa-\nris (er war nach Abschliessung des Contractes noch einmal\nnach Italien gereis't) er noch nichts wusste, in einer Loge\nmit dem Director der Oper. Auf der Stelle bildete er sich\nein, Beide seien gekommen, um seine Leistung zu kritisi-\nren. Kaum vermochte er vor innerer Aufregung den ersten\nAct auszuspielen; in den folgenden musste Lafond seine\nStelle vertreten.\nNach dem Entschlüsse, den er kurz nach diesem Auf-\ntritte fasste, wurde er in der That, wie er schreibt, ruhi-\nger, sang im Marz den Stradella vortrefflich und bereitete\nmit sorgfältigem Eifer seine Abschieds-Vorstellung vor.\nSie fand am 1. April 1837 Statt. Er trat darin zu-\nnächst im zweiten Acte der Armide auf. Das Haus war\nüberfüllt, das Publicum ermüdete nicht in stürmischen\nKundgebungen zu seinen Gunsten von Anfang bis zu Ende.\nEr begann seine Kunstreise durch Belgien und Frank-\nreich. Der Erfolg, den er überall hatte, verführte ihn; die\nVorsätze, zu einer anderen Wirksamkeit überzugehen, wur-\nden vergessen, der Dämon des Theaters fasste ihn wieder\nund riss ihn mit sich fort; er beschloss, nach Italien zu\ngehen und im Theater San Carlo den zu ersetzen, der ihn\nan der Oper in Paris ersetzt hatte.\nIn Marseille befiel ihn bei einer Vorstellung eine plötz-\nliche Heiserkeit im dritten Acte der Oper; bleich und mit\nder Miene der Verzweiflung verliess er die Scene. Zwei\nseiner vertrautesten Freunde eilten auf die Bühne und fan-\nden ihn in einer Stimmung, die an Wahnsinn gränzte. Er\nerkannte sie nicht. Mit Mühe brachten sie ihn auf einen\nLehnstuhl, wo er matt und hewusstlos zusammenbrach.\nAm anderen Morgen besuchte ihn einer von ihnen. „Wie\ngeht es Ihnen, lieber Nourrit?\" —Sehr schlecht; ich habe\nnicht geschlafen und viel geweint; noch in diesem Augen-\nblicke raffte ich alle moralische Kraft zusammen, um mich\ngegen böse Gedanken zu waffnen. Das Leben wird mir\nunerträglich, aber ich kenne meine Pflichten—ich habe liebe\nFreunde, ein Weib und Kinder, die ich liebe und für die\nich mich erhalten muss und ich glaube an ein ewiges\nLeben. Mit solchen Gedanken kann man schon Herr über\nsich selbst werden. Aber ich fürchte für meinen Verstand\n—verliere ich ihn nur einen Augenblick, so ist es um mich\ngeschehen. Diese Nacht habe ich hier auf diesem Stuhle\nGott um Muth und Kraft gebeten und in diesem heiligen\nBuche gelesen. —Es war die Schrift: „Von der Nachah-\nmung Christi\".\nEr wurde in Folge dieses Anfalles ernstlich krank und\nmusste nach Paris zurückgehen. Im Kreise seiner Familie\nfand er seine Gesundheit Wieder und beschäftigte sich am\nConservatorium. Aber er hifelt nicht dabei aus; sein Plan,\nnach Italien zu gehen, war zur fixen Idee geworden, sein\nUnstern zog ihn fort.\nIm Frühjahr 1838 reis'te er ab, verweilte einige Zeit\nin Mailand, wo er öfter bei Rossini die gewählteste Gesell-\nschaft durch seinen Gesang entzückte, und ging über Ve-\nnedig, Florenz und Rom nach Neapel.\nEr schrieb an Hiller den 7. April 1838:'\n„Hoffentlich, mein theurer Freund, haben Sie, seitdem\nwir uns in Venedig Lebewohl gesagt, einige Mal an mich\ngedacht; wo nicht, so sind Sie ein Undankbarer, denn ich\nhabe oft, sehr oft an Sie gedacht. Ich habe mich mit Freu-\nden immer wieder an die schöne Woche erinnert, die wir\nzusammen in Venedig zugebracht haben, und wie wohl-\nthuend Ihre Anwesenheit auf mich wirkte.\n„Ich schreibe Ihnen erst jetzt, weil ich den Abschluss\nder Angelegenheit, die Rossini für mich vor meiner Ab-\nreise aus Mailand in die Hand genommen hatte, erst ab-\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4575, "texte": "warten wollte. Wir haben uns nicht mit dem Director der\nScala verständigen können; über die Geldsachen wurden\nwir leicht einig (Sie wissen, dass es mir nicht darum haupt-\nsächlich zu thun war), aber es kann mir für mein erstes\nAuftreten nicht die Bürgschaft geben, die ich verlange,\nund dann würde auch die Anwesenheit Donzelli's, der für\ndie Herbst- und die Carnevals-Saison engagirt ist, meine\nStellung schwierig machen. Merelli muss einen\nsfogato*) haben, und das ist meine Sache nicht. Ich habe\nalso Rossini für seine Bemühungen gedankt und mit der\nmailänder Direction abgebrochen. Ich bin übrigens auch in\nanderer Beziehung nicht unzufrieden, dass aus diesem En-\ngagement nichts geworden ist. Zur Zeit der Krönung des\nKaisers als König in Mailand wird alle Welt sich mehr\nmit den öffentlichen Festen und Feierlichkeiten als mit der\nMusik und dem Theater beschäftigen, und Sie wissen, wie\nwichtig für mich der Eindruck meines ersten Auftretens\nin Italien ist. Ich bin desshalb nicht weniger entschlossen,\nmein£ italiänische Laufbahn zu verfolgen; im Gegentheil,\njeder Schritt weiter in diesem Lande hier nimmt mich mehr\ndafür ein, und ich habe mehr Lust als je, mich hier nie-\nderzulassen und danach zu streben, den Rang, den ich in\nFrankreich hatte, hier wieder zu erobern. Die Aufgabe ist\nnicht leicht, aber eben desshalb reizt sie mich.\n„Wenn man sich nicht damit begnügt, die Sachen halb\nzu thun, so stösst man auf mehr als Eine Klippe, die man\nnicht geahnt hatte, und Ein Hinderniss, das man überwun-\nden, zeigt uns oft nur erst ein anderes, das man mit neuer\nKraft-Anstrengung zu besiegen hat.\n„Es wäre aber nicht der Mühe werth gewesen, die\nglänzende Stellung, die ich hatte, aufzugeben, die Heimat\nzu verlassen, die Anstrengungen einer langen Reise nicht\nzu achten, den Kummer der Trennung, der Entfernung zu\nertragen, wenn so grosse Opfer nur für etwas leicht zu\nErreichendes gebracht werden sollten. Nein, meiner Treu!\nwas ich will, ist schwer, und desshalb eben will ich es. In\nvierzehn Tagen legt man nicht fünfzehnjährige Gewohn-\nheiten ab, verändert man nicht seine Natur, macht man\nsich nicht aus einem Franzosen zum Italiäner. Und das\nmuss ich doch durchsetzen, und daran arbeite ich von Mor-\ngen bis Abend mit Muth und Freude. Es macht mich um\nachtzehn Jahre jünger, dass ich meine Laufbahn wieder\nvon vorn anfangen, ja, neue Gesang- und Stimm-Studien\nmachen muss; anstatt mir Ueberwindung zu kosten, macht\ndiese Studentenschaft mir Vergnügen. Ich scheue es nicht,\nmich recht klein zu machen, um grösser zu werden; ich\nbücke mich und setze mich auf den Sprung, um so hoch\nwie möglich empor zu kommen. Neapel passt mir ausser-\nordentlich, um mir den italiänischen Accent anzueignen und\nmich in die italiänische Art und Weise zu schicken; und\ndann ist auch, wenn ich noch lange von den Meinigen ge-\ntrennt bleiben muss, Neapel der Ort, der mich am\nsamsten zerstreuen kann, ohne in Anschlag zu bringen,\ndass die hiesige Luft kranke Sänger heilt und folglich den\ngesunden sehr zuträglich sein muss. Ausserdem kommt man\nmir hier sehr freundlich entgegen; Barbaja will durchaus,\ndass ich in Wilhelm Teil auftrete, und ich selbst warte nur,\num mich loszulassen, darauf, dass ich genug italiänisch ge-\nsungen habe, um nicht mehr französich singen zu können,\nund das ist kein Witz, den ich da mache; beide Manieren,\nbeide Methoden sind so durchaus verschieden, dass man\nnach meiner Ueberzeugung nicht im Stande sein dürfte,\nsich beider ohne Weiteres nach Willkür zu bedienen. Do-\nnizetti unterstützt mich mit seinem Talente und mit dem\nEiniluss, den ihm seine Stellung verleiht. Seine Rathschläge\nsind vortrefflich, und ich fühle schon, wie wohlthätig sie\nmir sind; er behandelt mich mit Freundschaft und als Künst-\nler, macht mir keine Complimente und lässt mir keinen\nFehler durchgehen; ich singe alle Tage bei ihm, er corri-\ngirt mich bei jeder Wendung, die an das Französische er-\ninnert, bei jedem Laut, der nicht mit den Gesetzen der\nitaliänischen Betonung übereinstimmt, und Dank seiner\nFreimüthigkeit und seinem Talente als Gesanglehrer wird\nman, hoffe ich, in ein paar Monaten mich nicht mehr wie-\ndererkennen. Ich bin nicht damit zufrieden, wenn sie sagen:\nFür einen Franzosen singt er gut italiänisch; - sie sollen\nsagen: Man sollte ihn für einen Italiäner halten. Das sind\nstarke Prätentionen, nicht wahr?\n„Adieu, bester Freund! Gedenken Sie meiner und\nschreiben Sie mir, wie weit Sie mit Ihrer Oper sind. Ich\nbleibe den Sommer über in Neapel; meine Adresse u. s. w.\n\n*) Was wir in Deutschland einen »lyrischen\" Tenor zu nennen\npflegen. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.4", "debut_caractere": 5313, "fin_caractere_exclue": 5327, "texte": "„Ad. Nourrit.“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "294", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.2.3", "titre_corps": "H. Litolff’s grosses Concert in Wiesbaden.", "titre_sommaire": "H. Litolff’s grosses Concert in Wiesbaden.", "signature_source": "G. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.4", "debut_caractere": 4577, "fin_caractere_exclue": 5311, "texte": "H. Litolff’s grosses Concert in Wiesbaden.\n\nDas in allen Zeitungen von Paris bis Frankfurt und\nvon Basel bis Amsterdam durch Anzeigen, ausserdem im\nUmkreise Wiesbadens von zehn Meilen durch riesige An-\nschlagzettel verkündete Concert fand am 24. August Statt.\nDas charakteristische Programm lautet:\n„Cursaal. Festival. Grosses Concert mit Solis, Chor und\nOrchester von 130 Mitwirkenden, gegeben von H. Litolff,\nunter Mitwirkung des Fräul. Emilie Schmidt aus Darm-\nstadt, der Frau von Sievers aus Paris, der Herren Karl\nFormes und Karl Schneider und des Herrn Auer, Vio-\nlinisten aus Wien. I. Abtheilung. (Unter Direction des\nHerrn Capellmeisters Hagen.) 1. Ouvertüre zu Oberon.\n2. Chor aus der Zauberflöte. 3. 4me Concerto-sympkonique"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5379, "texte": "pour Piano et Orchestre,vorgetragen vom Componisten H.\nLitolff. 4. Arie aus Titus (in B), gesungen von Fräulein\nEmilie Schmidt. 5. Andante\nsymphmique (National hollandais) pour Piano et Orchestre,\nvorgetragen vom Componisten H. Litolff. 11. Abtheilung.\n(Unter Direction des Herrn Henry Litolff.) 1.\nRobespierre, Ouvertüre dramatique von H. Litolff. 2. Arie\n„0 Isis und Osiris\", gesungen von Herrn Karl Formes.\n3. Trauermarsch und Rondo des Concerto's für Violine\n(Eroica) (?), vorgetragen von Herrn Auer, componirt von\nH. Litolff. 4. Solo für Orgel und Orchester, vorgetragen\nvon der Componistin L. de Sievers. Zum ersten Male in\nDeutschland: 5. Fragmente aus der Oper Rodrigo von To-\nledo von H. Litolff.\nDie Unternehmung des Concertes ist auf Anregung\nLitolff's von der Administration des Curhauses u. s. w. aus-\ngegangen. Diese soll 36,000 Francs darauf verwandt ha-\nben, wovon 900 Gulden allein für Zettel und Anzeigen\nausgegeben sind.\nDie Oberon-Ouverture wurde vom Theater-Orchester\nunter Capellmeister Hagen's Leitung fein und schwungvoll\nausgeführt; auch der Theater-Chor sang den Priester-Chor\naus der Zauberflöte recht brav. Litolff's viertes Sinfonie-\nConcert in drei Sätzen: AUegro con fuoco, Andante religioso\nund Scherzo, war der in Tönen verkörperte Weltschmerz\nin drei Variationen. Da die Arie aus Titus wegblieb (s. un-\nten), so folgte unmittelbar auf das diabolische Scherzo das\nAndante und Finale des dritten Sinfonie-Concertes, in wel-\nches das holländische Nationallied verwebt ist. Das war dem\nPublicum, das in der zweiten Abtheilnng noch drei Mal\ndu Litolffi hören musste, doch etwas viel zugemuthet!\nIn die Robespierre-Ouverture, ursprünglich zu Griepen-\nkerl's Trauerspiel geschrieben, jetzt aber als Robespierre\nselbst angekündigt, weil das pomphafter klingt, ist die Mar-\nseillaise mit mächtiger Instrumentation effectvoll verflochten.\nDer Trauermarsch, auf den ein in Tanz-Rhythmen\ndurchgeführtes Rondo folgte beide aus einem Violin-\nConcert von Litolff—, frappirte durch rhapsodische Kürze\nund eine in ungarischerWeise dazwischen spielende Violin-\nFigur. Herr Auer, ein junger Violin-Virtuose aus Wien,\ntrug die Solo-Partie mit reinem Tone, mit Keckheit und\nAplomb vor.\nDas Orgel-Solo mit Orchester war ein Potpourri aus\nden gangbarsten Opern; die Behandlung des Instrumentes\n[Orgue expressifvon Alexandre Pfere & Fils in Paris) durch\nFrau von Sievers war eine meisterliche.\nDie Fragmente aus der Oper „Rodrigo von Toledo\"\n(Scene, gesungen von Fräul. Schmidt, und Finale des IV.\nActes) machten als Composition und durch die verunglückte\nAusführung ein vollständiges Fiasco.\nEin hiesiges Blatt spricht sich über das ganze Concert\nunter Anderem folgender Maassen aus:\n„Ueber den Gesanges-Leistungen der Solisten waltete\nleider ein sehr betrübendes Verhängniss: die bedeutendsten\nderselben, Fräul. Schmidt und Herr Formes, waren heiser\ngeworden. Erstere musste desshalb die B-dur-kx'w aus\n„Titus\" weglassen und konnte nur mit wahrhaft bedauer-\nlicher Anstrengung ihre Partie in den beiden Opern-Bruch-\nstücken zu Ende bringen. Letzterer war desshalb nicht im\nStande gewesen, die Orchester-Proben mitzumachen, worun-\nter begreiflicher Weise die Aufführung an Präcision und\nAusdruck nicht gewinnen konnte. Die Zuhörer, von der\nVeranlassung nicht in Kenntniss gesetzt, mussten mit dem\nungünstigen Erfolge natürlicher Weise unzufrieden sein,\nwelche Unzufriedenheit sich in dem Opern-Finale, als im\nQuartett Alles aus den Fugen zu gehen drohte, was nur\ndurch die Tüchtigkeit der übrigen Solosänger, des Chors\nund Orchesters verhindert wurde, dadurch deutlich aus-\nsprach, dass ein Theil des Publicums sich zu entfernen an-\nfing. Das konnte man verhindern, wenn man die schuldige\nRücksicht gegen Publicum und Künstler beobachtet und die\nschriftliche oder mündliche Anzeige von dem Unwohlsein\ngemacht hätte. War man das nicht vor Allem dem Fräul.\nSchmidt schuldig, die zum ersten Male vor dem hiesigen\nPublicum auftrat und das ausserordentliche Opfer brachte,\nmit einer nach dem Ausspruche des Arztes heftigen Hals-\nentzündung zu singen, um nur keine Störung zu machen?\nDurch diese unbegreifliche Versäumniss hat man verursacht,\ndass die ganze Unternehmung, so grossartig angelegt und\nbis zu diesem Punkte auch von aussergewöhnlichem Erfolge\nbegleitet, in ungenügender Weise zu Ende ging.\n„Es war von grossem Interesse, sowohl für das Publi-\ncum wie für den Musiker, Litolff als Componisten und Vir-\ntuosen kennen gelernt zu haben. Dem Publicum, worunter\nman die Summe aller jener versteht, die aus irgend einem\nGrunde, sei es auch nur aus Neugierde oder gar Langer-\nweile, ein Concert besuchen, imponirt er durch die geniale\nExcentricität seiner Lebensgeschichte, seiner Erscheinung\nund Gebarung und seiner Leistungen. Den Musiker, wohl\nzu unterscheiden vom Musicanten, interessirt er als eine\nkünstlerische Individualität, die sich nicht damit begnügt,\nals Componist auf der allgemeinen Heerstrasse der Gewöhn-\nlichkeit einher zu gehen, sondern sich mit mehr oder min-\nderem Glück seine eigenen Bahnen zu brechen sucht. Wir\nbetonen das Suchen desshalb, da es das Finden nicht\nimmer zur Folge hat. Das Stürmisch-Drängende, Leiden-\nschaftlich-Bewegte ist sein Element. Da wirken Aeusserli-\nches und Innerliches zu einem zündenden Ganzen zusam-\nmen, da ist er am originellsten, da packt und reisst er hin.\nDesshalb steht auch seine , „dramatische\"\" Ouvertüre zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1203, "texte": "Griepenkerl's Trauerspiel „Maxim. Robespierre\" obenan.\nSie gehört zur Gattung der malenden, beschreibenden Mu-\nsik, die ohne irgend eine andeutende Erläuterung oder Be-\nziehung nicht verstanden werden könnte. Dies ist hier durch\ndie Ueberschrift ermöglicht. Das Werk wurde sehr gut\nausgeführt und erhielt stürmischen Beifall. Auch in den\nübrigen seiner Compositionen, in dem vierten Sinfonie-Con-\ncerte, dem Andante und Finale des dritten und dem Trauer-\nmarsch und Rondo des Violin-Concertes, sind die Stellen\nam bedeutendsten, die oben erwähnter Richtung entspre-\nchen. In den ruhigeren und Gesang-Stellen, wovon beson-\nders das Andante religiosound der Trauermarsch zu nen-\nnen, wie in dem melodischen Satze überhaupt, offenbart\nsich, so schön auch einzelne unter ihnen sind, eine gewisse\nGleichförmigkeit in der Erfindung, die sich sogar bis auf\nwiederholte Anwendung derselben Passagenform in meh-\nreren Stücken—man erinnere sich der Sprünge in der rech-\nten Hand der Clavier-Compositionen—ausdehnt, und trat\nein Benutzen älterer Muster manchmal so zu Tage, dass\nes bei einem so durchaus modernen Geiste wie LitolfF ver-\nwundern muss. Seine Instrumentation ist interessant und\nwirkungsvoll.\"\n\nG. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "295", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.2.4", "titre_corps": "Musicalische Zustände in Brüssel.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in Brüssel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.6", "debut_caractere": 1205, "fin_caractere_exclue": 5231, "texte": "Musicalische Zustände in Brüssel.\nBrüssel hat ein Conservatoire der Musik, eine könig-\nliche Oper, eine Menge von trefflichen Künstlern auf allen\nHaupt-Instrumenten, ein Pianoforte fast in jedem Hause—\nund dennoch kein Musikleben, das mit demjenigen in deut-\nschen Städten von kleinerem Range zu vergleichen wäre.\nDie Kirchenmusik ist im Allgemeinen hier und in Bel-\ngien überhaupt schlecht organisirt; es fehlt am Gelde, um\netwas darin zu leisten, das nur einiger Maassen künstleri-\nschen Werth hätte. An guten Elementen dazu fehlt es\nnicht, zumal fördern die neuen Orgelwerke aus der Werk-\nstatt von Merklin-Schütze und Comp, die Sache auf erfreu-\nliche Weise; aber von der Seite her, wo man die grösste\nBegünstigung der Kirchenmusik erwarten sollte, geschieht\ngar nichts dafür.\nUnsere Theater haben gute und schlechte Perioden\ngehabt. Das königliche Theater hatte in diesem Jahre\neinige gute Mitglieder, aber die Monotonie seines Reper-\ntoires stösst ab. Das Repertoire bleibt seit Jahren stets das-\nselbe, obwohl das Publicum längst daran genug hat. Da es\nsich nach dem hiesigen Geschmacke nur durch Opern er-\nneuern kann, die in Paris gefallen haben, so liegt die\nSchwierigkeit der Erneuerung erstens daran, dass in Paris\nselbst wenig Neues vorkommt, das Werth hat, untj zwei-\nens darin, dass das durchschlagende Neue grosse Mittel\nder Ausführung und entsetzliche Kosten der Inscenesetzung\nerfordert. In Paris kann die grosse Oper freilich die wech-\nselnde Bevölkerung von einigen Hunderttausend Fremden\nmit ihren alten Spektakel-Opern füttern; hier aber ist es\nstets Ein und dasselbe Publicum, welches sein Geld nach\ndem Theater trägt, und dieses Publicum will denn auch\ndafür dann und wann etwas Neues sehen.\nMeyerbeer's Pardon de Pbermel war der einzige\nglückliche Fund für die Direction in diesem Theaterjahre.\nGrosse Anziehungskraft übte die Sängerin Fräulein Bou-\nlard, die man in Paris nicht zu schätzen wusste. Sie hat\nsich hier vortrefflich gemacht, wie denn das wahre Talent,\nwenn es von Uebung und Beifall unterstützt wird, bald zu\nkünstlerischer Reife gedeiht.\nBei solcher Lage der Dinge war die italiänische Oper\nvon Merelli den Musikfreunden sehr willkommen. Er\nspielte in dem Tlteätre du Cirqd. h. in einem schmutzi-\ngen, aber für den Klang der Musik vortheilhaften Hause.\nEr hatte dort ein schauderhaftes Orchester und einen lä-\ncherlich zusammengesetzten Chor, die beide seinen tüch-\ntigen, nur oft etwas zu massiv tactirenden Musik-Director\nOrsini zur Verzweiflung gebracht haben würden, wenn\ndies bei einem Capellmeister einer wandernden italieni-\nschen Oper, der in allen Sätteln fest sitzt, und dem Alles\nschon vorgekommen ist, überhaupt möglich wäre. Trotz\ndieser Hindernisse und Mängel erinnerten doch einige Vor-\nstellungen, z. B. Don Pasquale mit seiner allerliebsten Mu-\nsik von Donizetti, durch die Leistungen der einzelnen\nKünstler und durch die südliche Wärme und Lebendigkeit\ndes Zusammenspiels an die gute Zeit des italiänischen Ge-\nsanges und gewährten einen wirklichen Genuss.\nRichard Wagner hat durch die Wiederholung sei-\nner pariser Concerte auch hier Aufsehen gemacht, was\nbei der oben erwähnten Uebersättigung unseres Publicums\nfür dramatische Musik durch ewiges Einerlei nicht aus-\nbleiben konnte. Es war eine Zeit lang in allen Localblät-\ntern, in allen Kaffeehäusern und an anderen öffentlichen\nOrten von nichts Anderem die Rede. Der grösste Theil\nder hiesigen Musikfreunde überlässt die Entscheidung über\nden wirklichen Werth dieser Musik der Zukunft, obschon\nman überzeugt ist, dass es ihrem Autor gar sehr darum\nzu thun ist, sie in der Gegenwart zur Geltung zu bringen.\nDie gute Orchester-Musik hört man hier nur in den\nConcerten des Conservatoires unter Fetis' Leitung. Das\nOrchester hat in dem letzten Jahre noch bedeutende Fort-\nschritte gemacht.\nFetis beschränkt sich übrigens nicht bloss auf die clas-\nsischen Meisterwerke, er verschliesst auch den Erzeugnis-\nsen der Zeitgenossen die Pforten so wenig, dass er sogar\nnoch nicht gedruckte Ouvertüren oder Sinfonieen auffüh-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1485, "texte": "Ren lässt. Dass er in der Wahl derselben stets glücklich\nsei, dürfte man schwerlich behaupten. In der letzten Con-\ncertreihe hörten wir eine Ouvertüre zu Shakespeare's Mac-\nbeth von de Hartog, einem holländischen Componisten,\nder in Paris lebt und zu seinem Vergnügen auch wohl\nzu seiner Freunde Vergnügen componirt und bereits\nmehrere Werke herausgegeben hat. Es ist um diese cha-\nrakteristischen Tragödien-Ouverturen immer eine eigene\nSache; die einzigen Muster der Gattung, Beethoven's Co-\nriolan- und Egmont-Ouverture, stehen zu gross da, als\ndass ein blosses Talent sie erreichen könnte; und was ha-\nben wir denn Anderes jetzt unter den Componisten, als\nTalente, höchstens Talente?\nEin solches zu sein, darauf kann auch Herr Meynne\nAnspruch machen, einer der frühesten Schüler von Fetis,\nder jetzt erst, freilich etwas spät, mit einer Sinfonie her-\nvorgetreten, die nicht gedruckt ist. Sie erhielt Beifall, der\nebenfalls, und vielleicht mit mehr Recht, einer Sinfonie\nvon Samuel zu Theil wurde, welche viel Originelles hat.\nBemerkenswerth war eine Aufführung des Finale des\nzweiten Actes von Figaro's Hochzeit in dem letzten Con-\nservatoire-Concerte, durch welche Fetis, ärgerlich über die\nVerunstaltung des herrlichen Stückes in dem Theätre ly-\nrique zu Paris, den wahren Eindruck desselben, wenn die\nMusik so gegeben wird, wie Mozart sie geschrieben, dem\nbrüsseler, d. h. dem klein-pariser, Publicum zum Bewusst-\nsein bringen wollte, was ihm denn auch vollkommen ge-\nlungen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "296", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.7", "debut_caractere": 1487, "fin_caractere_exclue": 6678, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerlill. Am 27. August trat die königliche Opernsängerin\nFräul. Pollack zum ersten Male nach ihrem Gastspiel in Kopen-\nhagen hier als Susanna in „Figaro's Hochzeit* wieder auf. Bekannt-\nlieh hatte man ihr den Vorwurf des Mangels an Vaterlandsliebe ge-\nmacht, weil sie zur Jahresfeier der Unterjochung Schleswigs gesun-\ngen habe. Die General-Intendantur hatte desshalb durch einen An-\nschlag in den inneren Räumen des Opernhauses das Publicum be-\nnachrichtigt, dass die Sängerin an der ihr zur Last gelegten unpa-\ntriotischen und tactlosen Handlung schuldlos sei, und es unterblieb\nin Folge dessen die von Vielen beabsichtigte Demonstration.\nIn Berlin haben 17 Gesang-Vereine sich zu einem „Märkischen\nCentral-Sängerbunde*4 unter R. Tschirch vereinigt, dessen Zweck es\nist, durch jährliche Gesangfeste, Verbreitung guter Musicalien und\neine Vereins-Zeitung die Ausbildung des Männergesanges zu be-\nfördern.\nDie bevorstehende Winter-Saison verspricht, was die k. Hofbühne\nbetrifft, eine höchst interessante zu werden; wir müssen der Ver-\nwaltung derselben zu grossem Danke und gerechter Anerkennung\nuns verpflichtet fühlen, dass diese bei dem gänzlichen Mangel hervor-\nragender Talente in Deutschland, die Anziehung und Interesse für\nunser Publicum haben könnten, uns mit den Celebritäten des Aus-\nlandes bekannt zu machen bemüht ist; so wird Mad. Miolan-Car-\nvalho, eine der bedeutendsten Gesangs-Koryphäen der Gegenwart, im\nnächsten Monat hier zu Gastrollen auftreten und andere nicht min-\nder hervorragende Erscheinungen dieser folgen. [Unserer Ansicht nach\nist es nichts weniger als dankenswerth, wenn die ersten Bühnen\nDeutschlands dem Nothbehelf der Provincialtheater, durch Gäste\ndas Publicum zu reizen, auch zu fröhnen beginnen. Wenn eine\nBühne wie die berliner Hofbühne nicht mehr im Stande ist, eine Oper\nund ein Schauspiel herzustellen, durch deren vollendetes Ganzes\ndas Publicum angezogen wird, dann müssen wir freilich alle Hoff-\nnung auf Besserung der Theater-Zustände aufgeben.]\nMusik-Director Stern in Berlin hat den Titel „Königlicher\nProfessor\" erhalten.\nfFftill&foii't; a. Ml* Der Vorstand der Museums-Concerte hat\nin Ermangelung eines geeigneteren Saales zur Abhaltung der Win-\nter-Concerte den „Harmonie-Saalu auf der Bockenheimer-Gasse ge-\nmiethet. Somit tritt bis zu gänzlicher Herstellung des neuen Saal-\nbaues keine Pause ein, und auch das Theater-Orchester wird die\naus den Museums-Concerten ihm zustehenden Emolumente fort be-\nziehen, was recht erfreulich zu nennen. Zum Dirigenten für kom-\nmenden Winter ist dieser Tage durch Stimmenmehrheit Herr Musik-\nDirector Müller gewählt worden. Bei dem Umstände, dass es sich\num Beantwortung der Frage gehandelt, ob Herrn Müller oder dem\nMitbewerber Herrn Rühl die Leitung zu übergeben sei, konnte nur\nfür ersteren entschieden werden, weil letzterer bei aller bewährten\nTüchtigkeit für Gesang werke in Leitung von Instrumentalmusik noch\nkeine Routine sich zu verschaffen Gelegenheit gefunden hat, die je-\ndoch bei den in jenem Institute obwaltenden Verhältnissen schon in\ngehörigem Grade mitgebracht werden muss. Ein Anfänger würde da\nnicht bestehen können, indem das ganze Programm in einer einzigen\nProbe abgespielt werden muss. Die intelligenten Besucher dieser\nConcerte werden sich gewiss freuen, wenn Herr Müller eine richtige\nAuffassung der classischen Instrumentalwerke bekundet.\nHerr Capellmeister Schmidt ist vielleicht darum nicht in die\nWahl zur Leitung jener Concerte gekommen, weil er die Stellung\nam Theater bald verlassen dürfte. Ueber seinen Nachfolger verlautet\nnoch nichts.\nDer Philharmonische Verein hat nun Herrn Henkel definitiv zu\nseinem Dirigenten erwählt»\nAns Tliiirliigeit, 16. August. Das in letzter Zeit wieder\noft genannte Lied „Partant j)our la Syrie* ist bekanntlich von der\nKönigin Hortense in Musik gesetzt. Weniger bekannt dürfte aber\nsein, dass die Instrumentation dieser Tondichtung von einem Künst-\nler herrührt, der noch jetzt, hochbetagt, aber rüstig, in Deutschland\nlebt. Der herzogliche Capellmeister L. Drouet in Gotha nämlich\nein naher Verwandter jenes Postmeisters zu St. Menehould, der den\nfliehenden König Ludwig XVI. erkannte und verhaften liess war\nin seiner Jugend Mitglied der musicalischen Capelle am Hofe des\nKönigs von Holland und einige Zeit hindurch musicalischer Instruc-\ntor des Prinzen Ludwig, des jetzigen Kaisers der Franzosen, und im\nAuftrage der Königin Hortense instrumentirte er das seitdem welt-\nbekannt gewordene Lied. Der Kaiser Napoleon hat sich noch in\nneuerer Zeit seines ehemaligen Lehrers erinnert und Herrn Capell-\nmeister Drouet vor einigen Jahren eine werthvolle goldene Dose mit\nBrillanten nach Gotha geschickt.\nstlitfga<l*t« Im verflossenen Theaterjahre vom September v. J.\nbis 30. Juni 1860 kamen an Opern zur Aufführung: von Meyerbeer:\nDinorah 4 Mal, Hugenotten 2 Mal, Robert 2 Mal. Prophet und\nNordstern je 1 Mal; von Rossini: Barbier 4 Mal, Teil und Othello\nje 2 Mal; Verdi: Troubadour 4 Mal, Rigoletto und Hernani je 2\nMal; Mozart: Figaro'« Hochzeit 3 Mal, Don Juan und Zauberflöte\nje 2 Mal; Donizetti: Lucia und Lucrezia Borgia je 2 Mal, Beiisar\n1 Mal; Flotow: Martha 3 Mal, Stradella 2 Mal; Weber: Freischütz"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4944, "texte": "4 Mal; Bellini: Norma und Montecchi je 2 Mal; Kreutzer: Nacht-\nlager in Granada 3 Mal; Hatevy: Königin von Cypern 2 Mal, Jüdin\n1 Mal; Nicolai: Die lustigen Weiber 3 Mal; Auber: Die Stumme 2\nMal; Beethoven: Fidelio 2 Mal; Boieldieu: Weisse Frau 2 Mal;\nAdam: Postillon 2 Mal; Joseph 2 Mal; Pressel: Die St Jo-\nhannisnacht 2 Mal; Abert: Anna von Landskron 1 Mal; Cherubini:\nWasserträger 1 Mal; Offenbach: Verlobung bei der Laterne 1 Mal.\nMithin waren Gluck, Spohr, Marschner, Lachner, Lindpaintner,\nLortzing, Wagner, Spontini gar nicht, Verdi auffallend stark, Auber\nschwach vertreten. Neu waren: Dinorah, Die lustigen Weiber von\nWindsor, Die St. Johannisnacht, Die Verlobung bei der Laterne;\nneu einstudirt: Verdi's Hernani.\nStuttgart» Der verdienstvolle Tenorist, Hofsänger Rauscher,\nhat sich von der Bühne als darstellendes Mitglied zurückgezogen,\nwird aber an derselben fortwährend als Vorstand der Theater-Ge-\nsangschule wirken.\nDas „Deutsche Theater-Archiv®, das offizielle Organ des deut-\nschen Bühnen-Cartell-Vereins, klagt den Tenoristen Wachtel eines\nder auffallendsten und rücksichtslosesten Vertragsbrüche gegen die\nkasseler Hofbühne an, deren Verwaltung bereits Verwahrungen nach\nWien erlassen und einen Antrag bei dem Präsidium des Vereins auf\nRechtshülfe eingegeben habe. Allerdings dürfte die Sache Aufsehen\nerregen und entschiedenes Handeln fordern, indem der Bühnen-Car-\ntell, der nach jahrelangen Bemühungen endlich einen Rechtszustand\nzwischen den Directionen und den Künstlern herbeigeführt hat, da-\ndurch völlig wieder in Frage gestellt wird.\nMusik-Director Jul. Schäffer von Schwerin wurde zum Di-\nrector des akademischen Vereins und der Sing-Akademie von Bres-\nlau ernannt.\nFür das Gewandhaus-Orchester in Leipzig wurde Herr Davi-\ndoff aus Moskau an Grützmacher's Stelle als Violoncellist engagirt.\n]?£iiiiclteaft» Bei der Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich\nwurde als Fest-Oper Weber's „Oberon\" in prachtvoller Ausstat-\ntung gegeben. Vorher ging ein Monodrama, von Hermann Schmid\ngedichtet, von Frau Strassmann gesprochen, welches die Bedentung\ndes Ereignisses der Eisenbahn-Verbindung zwischen Wien und Mün-\nchen feierte. Die patriotischen Kundgebungen unterbrachen den Vor-\ntrag an vielen Stellen, und der Schluss, ein Heil auf die Eintracht\nder Fürsten und Völker von Deutschland, erregte stürmischen Jubel.\nDas Schluss-Tableau der Stephansthurm von Wien mit den Frauen-\nthürmen von München von einem Regenbogen überspannt war\nsehr schön gemalt, schien uns aber doch für eine Kunststadt wie\nMünchen eine etwas zu handgreifliche Allegorie.\nZum Schlüsse des Sommer-Semesters wurde in Würz bürg am\n3. August von dem königlichen Musik-Institut „Christi Himmel-\nfahrtI', Oratorium in zwei Abtheilungen von Sigmund Ritter von Neu-\nkomm, zur öffentlichen Aufführung gebracht. Die Tonwerke Neu-\nkomm's sind alle einer ernsten Richtung zugethan und gründlich\ngearbeitet. Zu diesem Oratorium, das der letzten Lebens-Periode des\ngrossen, unsterblichen Meisters angehört, ist der Text aus Klopstock's\n„Messias\" vom Tonsetzer genommen worden. Den meisten Nummern\ngehen Instrumental-Einleitungen voraus, die mitunter sehr schwierig\nauszuführen sind, aber vom Orchester correet, schwungvoll und mit\nSicherheit executirt wurden. Eben so wurden die Chöre mit Präci-\nsion, Nuancirung und geistvoller Auffassung gesungen. Die ganze\nAufführung von Seiten der Zöglinge des königlichen Musik-Instituts\nund seiner Herren Lehrer, unter der energischen Leitung des Vor-\nstandes Herrn Directors Bratsch, war eine sehr gelungene und\neffectreiche, namentlich in den Ensemblesätzen mit dem stark be-\nsetzten Orchester. Von der lobenswerthen Thätigkeit des Instituts\ngeben in jeder Woche die öffentlichen Proben, so wie die zahlreichen\nKirchenmusik-Aufführungen rühmliches Zeugniss, wie es z. B. vor\nKurzem mit dem grossartigen Requiem aus D-moll von Cherubini\nbei dem Trauer-Gottesdienste für den verlebten Dom-Capitular Hum-\nmel in der Neumünsterkirche der Fall war.\nChemnitz» Am 2. August fand hier unter der Leitung des\nMusik-Directors Schneider die Aufführung des Oratoriums rJephta\nund seine Tochter\" von Reinthaler Statt. Die Partie des Jephta\nhatte der Kammersänger Herr Föppel aus Dessau übernommen, der\nmit sonorer, edler Stimme bei feinem Vortrage seine Aufgabe treff-\nlich ausführte. Die übrigen Soli wurden in recht wackerer Weise\nvon Mitgliedern der Sing-Akademie hier vertreten, welche letzteren\nauch zusammen mit den Kirchen-Sängerchören die Chorsätze aus-\nführten.\nJoseph Haydn's Neffe wurde vor Kurzem zu Grabe getragen\nEr war der Brudersohn des berühmten Tonmeisters und lebte in stil-\nler Abgeschiedenheit in Oedenburg in Ungarn, wo er ein eigenes\nHaus und Gärtchen besass. Letzteres pflegte er mit vieler Sorgfalt,\ner lebte unter den Blumen, die ihn auch bei seinem Sterben umga-\nben. Er hinterlässt einen Sohn, welcher derzeit als Oekonomie-Ver-\nwalter auf einer der fürstlich Esterhazy'schen Herrschaften ange-\nstellt ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "296", "page_fin": "296", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.2.6", "titre_corps": "Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.8", "debut_caractere": 4946, "fin_caractere_exclue": 5613, "texte": "Deutsche Tonhalle.\nDie auf das neunzehnte Preis-Ausschreiben des Vereins vom\nFebruar d. J. rechtzeitig uns eingeschickten 27 Trio's für Ciavier,\nVioline und Violoncell haben wir bereits einem der erwählten Herren\nPreisrichter wegen der Preis-Zuerkennung übersandt, und werden\nwir, sobald von sämmtlichen die Beurtheilung erfolgt ist, das Er-\ngebniss anzuzeigen nicht säumen.\nDasjenige wegen der noch vorliegenden 17 Sonaten für Cello uud\nCiavier glauben wir recht bald veröffentlichen zu können.\nWegen der aufgerufenen Gedichte für den Männergesang läuft die\nEinsendungszeit noch bis zum Ende des nächsten Septembermonats.\nMannheim, den 10. August 1860.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBriefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller. H. LitolfFs grosses Concert in Wiesbaden. Von G. B. Musicalische\nZustände in Brüssel. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Fräul. Pollack, Die bevorstehende Winter-Saison Musik-Di-\nrector Stern Frankfurt am Main, Museums-Concerte Aus Thüringen Stuttgart, Theater-Jahr, Herr Rauscher München\nWürzburg Chemnitz J. Haydn's Neffe Deutsche Tonhalle).\n\nBriefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller.\n\nDie Briefe, die Adolphe Nourrit in den letzten Jahren\nseines Lebens an Hiller schrieb, sind der reinste Abdruck\nder geheimsten Begungen und der inneren Kämpfe, die das\nHerz des grossen Künstlers bewegten und am Ende bra-\nchen, der Erguss einer edeln Seele, die sich an der Flamme\ndes Ehrgeizes und der Leidenschaft für die Kunst nach\nund nach verzehrt und dem vertrautesten Freunde ohne\nallen Bückhalt sich offen darlegt.\nZu vollem Verständniss derselben theilen wir (nach\ndem trefflichen Aufsatze von F. Halevy:\nrit\", in der Revue contemporaine,Mai und Juni 1860)\nEiniges über die Hauptmomente in Nourrit's Leben mit.\nAdolphe Nourrit war den 3. März 1802 zu Mont-\npellier geboren. Sein Vater, Louis Nourrit, damals erst 22\nJahre alt, hatte eine schöne Tenorstimme, ging nach Pa-\nris, trat in das Conservatorium, Mehul begünstigte, Garat\nunterrichtete ihn, und im Jahre 1805 trat er als Binald\nin Gluck's Armide auf. Er blieb bei der grossen Oper;\nohne eigentliche Leidenschaft für die Kunst, handelte er\nnebenbei mit Juwelen, worauf er sich gut verstand. Sein\nZiel war ein ruhiges Leben und eine gesicherte Existenz.\nDen Sohn gab er auf das Gymnasium Sainte-Barbe und\nthat ihn nachher bei einem Handlungshause in die Lehre.\nAdolphe wurde ein guter Buchhalter und bekam, eben\nsiebenzehn Jahre alt geworden, eine Stelle bei einer Le-\nbensversicherungs-Gesellschaft. Er gewann die höchste Zu-\nfriedenheit seiner Vorgesetzten durch Verstand und Fleiss,\nschöne Handschrift in Buchstaben und Zahlen, Sicherheit\nim Rechnen; sein Vater war glücklich darüber, und er\nselbst ganz zufrieden mit seiner Laufbahn.\nDa entfaltete sich mit Einem Male nach der Vollen-\ndung des Stimmwechsels in ihm der bisher ganz verbor-\ngen gebliebene Reim einer höchst wohllautenden, reizvol-\nlen und doch kräftigen, zum Bariton neigenden Tenor-\nstimme, und mit ihr erwachte der bis dahin schlummernde\ninnere Trieb zur Kunst. Garat pflegte beide, beruhigte den\nVater über den Entschluss des jungen Kaufmannes, sich\nder Musik zu widmen, und am 1. September 1821 trat\nAdolphe Nourrit in Gluck's Iphigenie als Pylades mit einem\nErfolg auf, der für seine Laufbahn entscheidend war.\nZunächst theilte er sich mit seinem Vater in das Ge-\nbiet der Tenor-Partieen, bald aber wurde der Name Nour-\nrit hochberühmt, und man dachte dabei nur noch an\nAdolphe. Im Jahre 1826 den 9. October, bei der ersten\nAufführung von Rossini's „Belagerung von Korinth\", san-\ngen Vater und Sohn zusammen, jener den Cleomenes, die-\nser den Neocles. Hierauf zog sich der Vater Nourrit zu-\nrück, lebte auf dem Lande bei Paris, genoss aber nicht\nlange der ersehnten Ruhe. Er starb noch jung im Jahre\n1831.\nJedermann weiss, wie glänzend Adolphe Nourrit's\nLaufbahn an der grossen Oper zu Paris wurde. Er\nherrschte in ihr unangefochten als erster dramatischer Sän-\nger ohne Nebenbuhler. Seine Leistungen als Masaniello,\nGraf Ory, Arnold im Teil, Robert, Eleazar, Baoul waren\nbewundernswerth; in allen hatte er sein schöpferisches Ta-\nlent bewiesen. Weniger bekannt ist, dass Nourrit auch der\nAutor von zwei Ballets war: La Sylphide für die Taglioni\nund La Tempete(nur zum Theil nach Shakespeare) für\nFanny Elsler (den 15. September 1834).\nDie letzte Rolle, die Nourrit im grossen Operntheater\nschuf, war „Stradella\" in der Oper gleichen Namens von\nNiedermeyer (den 3. März 1837), deren Stoff aus der be-\nkannten Anekdote geschöpft ist, nach welcher bei dem\nherrlichen Gesänge Stradella's den gedungenen Mördern\ndie Dolche aus der Hand sinken. Diese Hauptscene findet\nbei Niedermeyer in der Kirche Statt. Allein Nourrit hatte\nschon lange vorher sich zum Bruche mit der pariser Oper\nentschlossen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.2", "texte": "Er schrieb darüber an Hiller den 26. October 1836*):\n„Mein theurer Freund!\n„Zuerst meinen Dank für Ihren lieben Brief; ich hatte\nvon Ihrem Unwohlsein gehört und wartete mit Ungeduld\nauf die Nachricht von Ihrer Wiederherstellung. Nun sind\nSie ja wieder ganz im Stande und im Begriff, einen ange-\nnehmen Winter im Kreise Ihrer Familie zu verleben, Herz\nund Geist befriedigt, unter Beschäftigungen, die Ihnen be-\nhagen, und Verhältnissen, die Sie glücklich machen. Ich\nbin darüber erfreut, obwohl ich Sie sehr ungern misse;\naber man muss seine Freunde um ihrer selbst willen lie-\nben und ihr Glück so auffassen, wie sie selbst.\n„Ich habe Ihnen Vieles mitzutheilen, Vieles, worüber\nSie Sich wundern werden; aber wir wollen der Reihe nach\nbeginnen, zumal da ich den Anfang mit einer erfreulichen\nNachricht machen kann.\n„Meine Frau ist glücklich mit einem Mädchen nieder-\ngekommen, das munter und wohl ist; es sind jetzt zwölf\nTage her, und Mutter und Kind befinden sich vortrefflich.\nViele Leute haben ein saures Gesicht gemacht bei der\nNachricht von der Ankunft eines fünften kleinen Mädchens!\nWir aber empfangen mit Freuden, was Gott uns gibt, und\nsagen ihm Dank. Möge die Kleine ihren Schwestern glei-\nchen, möge sie ihrer Mutter würdig sein, dann sind wir\nsicher, dass es ein gutes Weib mehr auf der Welt gibt.\nDas ist eine Aussicht darauf, dass unsere Kindeskinder\nbesser als wir werden. Hallelujah!\n„Nun aber • was ich Ihnen jetzt zu sagen habe, ist\nwichtig und ernster Natur, und wird Sie vielleicht peinlich\nberühren. Allein ich darf Sie im Voraus beruhigen; alles,\nwas Sie hören werden, ist nur aus Rücksicht für meine\nRuhe, für mein Glück und vor Allem für meine Familie\ngeschehen.\n„Ich verlasse die Oper und ziehe mich vom Theater\nzurück. Hören Sie, was mich dazu vermocht hat.\n'* • '\n„Die Direction der grossen Oper hat Duprez engagirt,\nder seit einigen Jahren die erste Stelle unter den Teno-\nristen in Italien einnimmt. Duprez konnte sich natürlich\nnicht mit dem zweiten Platze in Paris begnügen; meine\nStellung hat also geändert werden müssen, um ihm die\nseinige zu bereiten. Ich habe Anfangs dazu willig und gern\ndie Hand geboten, und glaubte in der That, aus einem\nWetteifer, der mich zu neuem Fortschritt anspornen würde,\nGewinn für meine Kunst ziehen zu können. Aber nur zu\nbald merkte ich die IJnruhe der Meinigen, die Besorgnisse\nmeiner Freunde, und um meine Ruhe war es gethan! Auch\nhabe ich mich überzeugen können, dass ich dieser Rulle\nbedarf, um den Forderungen meiner Kunst zu genügen,\ndass jede Sorge oder Befürchtung mir unheilvoll wird,\nund, mit Einem Worte: dass ich kein Mann des Wett-\nkampfes bin.\n„Nachdem ich reillich über meine neue Lage nach-\ngedacht, habe ich eingesehen, dass meine Zukunft meiner\nVergangenheit nicht gleichen werde; dass ich, da die er-\nsten Bedingungen, die meine Entwicklung begünstigten,\nnicht mehr vorhanden sind, nicht voraussehen könne, welche\nPrüfungen ich als Mensch und Künstler noch zu bestehen\nhaben möchte. Da ich nicht mehr als der Erste sein kann,\nso ist es klar, dass ich nichts bei einem Wettkampfe ge-\nwinnen kann, bei dem mein Gegner nichts zu verlieren\nhat. Ausserdem wissen Sie ja, dass es stets mein Vorsatz\ngewesen, mich früh zurückzuziehen, und früh genug, um\nmich anderen Beschäftigungen zu widmen. Ich habe sechs\nKinder, und so lange ich lebe, will ich arbeiten.\n„Ich weiss sehr wohl, dass ich nirgend eine so glän-\nzende Laufbahn finden werde, vollends eine so einträg-\nliche, als meine bisherige; aber nach vier bis fünf Jahren\nmuss ich sie ja doch aufgeben, und thue ich es jetzt, so\ngewinne ich vier Jahre für meine Zukunft.\n„Meine Verpflichtung gegen die Opern-Direction hört\nmit dem März auf, ich gebe meine Abschieds-Vorstellung,\nnehme meine Pension, zu der ich durch sechszehn Dienst-\njahre berechtigt bin, und schliesse mit einer Kunstreise\ndurch die Departements, die mir in zwölf bis achtzehn Mo-\nnaten mehr einbringen wird, als ich in vier Jahren bei der\nOper ersparen kann.\n„Alsdann krieche ich in mein Schneckenhaus, singe\nSchubert, Hiller und alle meine lieben deutschen Meister\nzu meinem Vergnügen und widme mich Studien, die von\nje her das Ziel meines Slrebens gewesen sind. Ich weiss\nfreilich noch nicht ganz genau, unter welcher Form die\nFrucht meiner Arbeit sich zeigen wird, aber wenn ich ein-\nmal weiss, was ich wissen will, wenn ich mir einen grös-\nseren persönlichen Werth gegeben habe, so ist es unmög-\nlich, dass ich meine Fähigkeiten nicht zum Wohle meiner\nFamilie geltend machen sollte.\n„Ich versichere Sie aber im Voraus, dass ich mich nur\nmit der Kunst beschäftigen werde. Wie Sie nun auch mei-\nnen Entschluss beurtheilcn mögen, seien Sie überzeugt,\ndass ich keinen unüberlegten Streich mache; ich habe alle\nmeine Freunde zu Rathe gezogen und mich erst nach An-\nhörung eines Familienrathes entschieden.\n„Ich kann Ihnen sagen, dass jetzt, nachdem dieser\nEntschluss unwiderruflich feststeht, die Ruhe wieder in\nmein Haus eingekehrt ist; meine Mutter ist glücklicher,\nmeine Frau ruhiger, und meine Schwester ist mir vor\n\n*) Wir theilen diesen und die folgenden Briefe in getreuer Ueber-\nSetzung ganz mit, weil auch ihre kleinen Einzelheiten einen\nBeitrag zur Charakteristik des Menschen und Künstlers geben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.3", "texte": "Freude um den Hals gefallen, als sie meine Entscheidung\nvernahm. ,\n„Ich habe nie nach grossem Vermögen getrachtet; da\nich aber für fünf Töchter zu sorgen habe, so will ich mei-\nnen Rücktritt vom Theater doch so ehrenvoll und Achtung\ngebietend als möglich vor der Welt hinstellen. Desshalb\nist meine jetzige Stellung ganz vorzüglich günstig für mich.\nAlle, die mich lieb haben, billigen mein Vorhaben; nur\nIhre Zustimmung fehlt mir noch. Ich hoffe, Sie lassen mich\nnicht lange darauf warten, und erlauben mir, im Voraus\ndarauf zu rechnen.\n„Leben Sie wohl, lieber Freund! Wenn meine Gründe\nSie nicht überzeugen, so beeilen Sie Sich nicht mit der\nAntwort; denn ich weiss gewiss, dass Sie am Ende doch\nmeine Ansicht theilen werden.\n„Von Herzen der Ihrige.\n„Ad. Nourrit.\"\nEs war allerdings so, wie Nourrit schreibt. Duprez\nkam mit dem Glänze eines ungeheuren Rufes aus Italien\nnach Paris; er hatte nach langen Studien dort das erreicht,\nwas ihm bis dahin fehlte, und worin er nachmals ausge-\nzeichnet war, die volle Kraft des Tones. Dabei hatte er\nvor Nourrit die gründlichste musicalische Bildung von Ju-\ngend auf voraus und war jetzt ein vollendeter Sänger.\nDonizetti hatte für ihn den Edgardo in der Lucia ge-\nschrieben.\nNourrit's Stimme hatte allerdings bereits ein wenig ge-\nlitten; schon 1830 hatte er sie in den Revolutionstagen\nöffentlich und auf der Bühne zu sehr angestrengt, und jetzt\nwirkte seine innere Aufregung auch nicht vortheilhaft auf\ndie Ausübung seiner Kunst. Schlimmer als dies war aber,\ndass diese Aufregung seinen Geist verdüsterte, ihn miss-\ntrauisch gegen Andere und ungerecht gegen sich selbst\nmachte. Bei einer seiner letzten Vorstellungen des Masa-\nniello bemerkte er Duprez, von dessen Rückkehr nach Pa-\nris (er war nach Abschliessung des Contractes noch einmal\nnach Italien gereis't) er noch nichts wusste, in einer Loge\nmit dem Director der Oper. Auf der Stelle bildete er sich\nein, Beide seien gekommen, um seine Leistung zu kritisi-\nren. Kaum vermochte er vor innerer Aufregung den ersten\nAct auszuspielen; in den folgenden musste Lafond seine\nStelle vertreten.\nNach dem Entschlüsse, den er kurz nach diesem Auf-\ntritte fasste, wurde er in der That, wie er schreibt, ruhi-\nger, sang im Marz den Stradella vortrefflich und bereitete\nmit sorgfältigem Eifer seine Abschieds-Vorstellung vor.\nSie fand am 1. April 1837 Statt. Er trat darin zu-\nnächst im zweiten Acte der Armide auf. Das Haus war\nüberfüllt, das Publicum ermüdete nicht in stürmischen\nKundgebungen zu seinen Gunsten von Anfang bis zu Ende.\nEr begann seine Kunstreise durch Belgien und Frank-\nreich. Der Erfolg, den er überall hatte, verführte ihn; die\nVorsätze, zu einer anderen Wirksamkeit überzugehen, wur-\nden vergessen, der Dämon des Theaters fasste ihn wieder\nund riss ihn mit sich fort; er beschloss, nach Italien zu\ngehen und im Theater San Carlo den zu ersetzen, der ihn\nan der Oper in Paris ersetzt hatte.\nIn Marseille befiel ihn bei einer Vorstellung eine plötz-\nliche Heiserkeit im dritten Acte der Oper; bleich und mit\nder Miene der Verzweiflung verliess er die Scene. Zwei\nseiner vertrautesten Freunde eilten auf die Bühne und fan-\nden ihn in einer Stimmung, die an Wahnsinn gränzte. Er\nerkannte sie nicht. Mit Mühe brachten sie ihn auf einen\nLehnstuhl, wo er matt und hewusstlos zusammenbrach.\nAm anderen Morgen besuchte ihn einer von ihnen. „Wie\ngeht es Ihnen, lieber Nourrit?\" —Sehr schlecht; ich habe\nnicht geschlafen und viel geweint; noch in diesem Augen-\nblicke raffte ich alle moralische Kraft zusammen, um mich\ngegen böse Gedanken zu waffnen. Das Leben wird mir\nunerträglich, aber ich kenne meine Pflichten—ich habe liebe\nFreunde, ein Weib und Kinder, die ich liebe und für die\nich mich erhalten muss und ich glaube an ein ewiges\nLeben. Mit solchen Gedanken kann man schon Herr über\nsich selbst werden. Aber ich fürchte für meinen Verstand\n—verliere ich ihn nur einen Augenblick, so ist es um mich\ngeschehen. Diese Nacht habe ich hier auf diesem Stuhle\nGott um Muth und Kraft gebeten und in diesem heiligen\nBuche gelesen. —Es war die Schrift: „Von der Nachah-\nmung Christi\".\nEr wurde in Folge dieses Anfalles ernstlich krank und\nmusste nach Paris zurückgehen. Im Kreise seiner Familie\nfand er seine Gesundheit Wieder und beschäftigte sich am\nConservatorium. Aber er hifelt nicht dabei aus; sein Plan,\nnach Italien zu gehen, war zur fixen Idee geworden, sein\nUnstern zog ihn fort.\nIm Frühjahr 1838 reis'te er ab, verweilte einige Zeit\nin Mailand, wo er öfter bei Rossini die gewählteste Gesell-\nschaft durch seinen Gesang entzückte, und ging über Ve-\nnedig, Florenz und Rom nach Neapel.\nEr schrieb an Hiller den 7. April 1838:'\n„Hoffentlich, mein theurer Freund, haben Sie, seitdem\nwir uns in Venedig Lebewohl gesagt, einige Mal an mich\ngedacht; wo nicht, so sind Sie ein Undankbarer, denn ich\nhabe oft, sehr oft an Sie gedacht. Ich habe mich mit Freu-\nden immer wieder an die schöne Woche erinnert, die wir\nzusammen in Venedig zugebracht haben, und wie wohl-\nthuend Ihre Anwesenheit auf mich wirkte.\n„Ich schreibe Ihnen erst jetzt, weil ich den Abschluss\nder Angelegenheit, die Rossini für mich vor meiner Ab-\nreise aus Mailand in die Hand genommen hatte, erst ab-\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.4", "texte": "warten wollte. Wir haben uns nicht mit dem Director der\nScala verständigen können; über die Geldsachen wurden\nwir leicht einig (Sie wissen, dass es mir nicht darum haupt-\nsächlich zu thun war), aber es kann mir für mein erstes\nAuftreten nicht die Bürgschaft geben, die ich verlange,\nund dann würde auch die Anwesenheit Donzelli's, der für\ndie Herbst- und die Carnevals-Saison engagirt ist, meine\nStellung schwierig machen. Merelli muss einen\nsfogato*) haben, und das ist meine Sache nicht. Ich habe\nalso Rossini für seine Bemühungen gedankt und mit der\nmailänder Direction abgebrochen. Ich bin übrigens auch in\nanderer Beziehung nicht unzufrieden, dass aus diesem En-\ngagement nichts geworden ist. Zur Zeit der Krönung des\nKaisers als König in Mailand wird alle Welt sich mehr\nmit den öffentlichen Festen und Feierlichkeiten als mit der\nMusik und dem Theater beschäftigen, und Sie wissen, wie\nwichtig für mich der Eindruck meines ersten Auftretens\nin Italien ist. Ich bin desshalb nicht weniger entschlossen,\nmein£ italiänische Laufbahn zu verfolgen; im Gegentheil,\njeder Schritt weiter in diesem Lande hier nimmt mich mehr\ndafür ein, und ich habe mehr Lust als je, mich hier nie-\nderzulassen und danach zu streben, den Rang, den ich in\nFrankreich hatte, hier wieder zu erobern. Die Aufgabe ist\nnicht leicht, aber eben desshalb reizt sie mich.\n„Wenn man sich nicht damit begnügt, die Sachen halb\nzu thun, so stösst man auf mehr als Eine Klippe, die man\nnicht geahnt hatte, und Ein Hinderniss, das man überwun-\nden, zeigt uns oft nur erst ein anderes, das man mit neuer\nKraft-Anstrengung zu besiegen hat.\n„Es wäre aber nicht der Mühe werth gewesen, die\nglänzende Stellung, die ich hatte, aufzugeben, die Heimat\nzu verlassen, die Anstrengungen einer langen Reise nicht\nzu achten, den Kummer der Trennung, der Entfernung zu\nertragen, wenn so grosse Opfer nur für etwas leicht zu\nErreichendes gebracht werden sollten. Nein, meiner Treu!\nwas ich will, ist schwer, und desshalb eben will ich es. In\nvierzehn Tagen legt man nicht fünfzehnjährige Gewohn-\nheiten ab, verändert man nicht seine Natur, macht man\nsich nicht aus einem Franzosen zum Italiäner. Und das\nmuss ich doch durchsetzen, und daran arbeite ich von Mor-\ngen bis Abend mit Muth und Freude. Es macht mich um\nachtzehn Jahre jünger, dass ich meine Laufbahn wieder\nvon vorn anfangen, ja, neue Gesang- und Stimm-Studien\nmachen muss; anstatt mir Ueberwindung zu kosten, macht\ndiese Studentenschaft mir Vergnügen. Ich scheue es nicht,\nmich recht klein zu machen, um grösser zu werden; ich\nbücke mich und setze mich auf den Sprung, um so hoch\nwie möglich empor zu kommen. Neapel passt mir ausser-\nordentlich, um mir den italiänischen Accent anzueignen und\nmich in die italiänische Art und Weise zu schicken; und\ndann ist auch, wenn ich noch lange von den Meinigen ge-\ntrennt bleiben muss, Neapel der Ort, der mich am\nsamsten zerstreuen kann, ohne in Anschlag zu bringen,\ndass die hiesige Luft kranke Sänger heilt und folglich den\ngesunden sehr zuträglich sein muss. Ausserdem kommt man\nmir hier sehr freundlich entgegen; Barbaja will durchaus,\ndass ich in Wilhelm Teil auftrete, und ich selbst warte nur,\num mich loszulassen, darauf, dass ich genug italiänisch ge-\nsungen habe, um nicht mehr französich singen zu können,\nund das ist kein Witz, den ich da mache; beide Manieren,\nbeide Methoden sind so durchaus verschieden, dass man\nnach meiner Ueberzeugung nicht im Stande sein dürfte,\nsich beider ohne Weiteres nach Willkür zu bedienen. Do-\nnizetti unterstützt mich mit seinem Talente und mit dem\nEiniluss, den ihm seine Stellung verleiht. Seine Rathschläge\nsind vortrefflich, und ich fühle schon, wie wohlthätig sie\nmir sind; er behandelt mich mit Freundschaft und als Künst-\nler, macht mir keine Complimente und lässt mir keinen\nFehler durchgehen; ich singe alle Tage bei ihm, er corri-\ngirt mich bei jeder Wendung, die an das Französische er-\ninnert, bei jedem Laut, der nicht mit den Gesetzen der\nitaliänischen Betonung übereinstimmt, und Dank seiner\nFreimüthigkeit und seinem Talente als Gesanglehrer wird\nman, hoffe ich, in ein paar Monaten mich nicht mehr wie-\ndererkennen. Ich bin nicht damit zufrieden, wenn sie sagen:\nFür einen Franzosen singt er gut italiänisch; - sie sollen\nsagen: Man sollte ihn für einen Italiäner halten. Das sind\nstarke Prätentionen, nicht wahr?\n„Adieu, bester Freund! Gedenken Sie meiner und\nschreiben Sie mir, wie weit Sie mit Ihrer Oper sind. Ich\nbleibe den Sommer über in Neapel; meine Adresse u. s. w.\n\n*) Was wir in Deutschland einen »lyrischen\" Tenor zu nennen\npflegen. Die Kedaction.\n\nH. Litolff’s grosses Concert in Wiesbaden.\n\nDas in allen Zeitungen von Paris bis Frankfurt und\nvon Basel bis Amsterdam durch Anzeigen, ausserdem im\nUmkreise Wiesbadens von zehn Meilen durch riesige An-\nschlagzettel verkündete Concert fand am 24. August Statt.\nDas charakteristische Programm lautet:\n„Cursaal. Festival. Grosses Concert mit Solis, Chor und\nOrchester von 130 Mitwirkenden, gegeben von H. Litolff,\nunter Mitwirkung des Fräul. Emilie Schmidt aus Darm-\nstadt, der Frau von Sievers aus Paris, der Herren Karl\nFormes und Karl Schneider und des Herrn Auer, Vio-\nlinisten aus Wien. I. Abtheilung. (Unter Direction des\nHerrn Capellmeisters Hagen.) 1. Ouvertüre zu Oberon.\n2. Chor aus der Zauberflöte. 3. 4me Concerto-sympkonique\n\n„Ad. Nourrit.“"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.5", "texte": "pour Piano et Orchestre,vorgetragen vom Componisten H.\nLitolff. 4. Arie aus Titus (in B), gesungen von Fräulein\nEmilie Schmidt. 5. Andante\nsymphmique (National hollandais) pour Piano et Orchestre,\nvorgetragen vom Componisten H. Litolff. 11. Abtheilung.\n(Unter Direction des Herrn Henry Litolff.) 1.\nRobespierre, Ouvertüre dramatique von H. Litolff. 2. Arie\n„0 Isis und Osiris\", gesungen von Herrn Karl Formes.\n3. Trauermarsch und Rondo des Concerto's für Violine\n(Eroica) (?), vorgetragen von Herrn Auer, componirt von\nH. Litolff. 4. Solo für Orgel und Orchester, vorgetragen\nvon der Componistin L. de Sievers. Zum ersten Male in\nDeutschland: 5. Fragmente aus der Oper Rodrigo von To-\nledo von H. Litolff.\nDie Unternehmung des Concertes ist auf Anregung\nLitolff's von der Administration des Curhauses u. s. w. aus-\ngegangen. Diese soll 36,000 Francs darauf verwandt ha-\nben, wovon 900 Gulden allein für Zettel und Anzeigen\nausgegeben sind.\nDie Oberon-Ouverture wurde vom Theater-Orchester\nunter Capellmeister Hagen's Leitung fein und schwungvoll\nausgeführt; auch der Theater-Chor sang den Priester-Chor\naus der Zauberflöte recht brav. Litolff's viertes Sinfonie-\nConcert in drei Sätzen: AUegro con fuoco, Andante religioso\nund Scherzo, war der in Tönen verkörperte Weltschmerz\nin drei Variationen. Da die Arie aus Titus wegblieb (s. un-\nten), so folgte unmittelbar auf das diabolische Scherzo das\nAndante und Finale des dritten Sinfonie-Concertes, in wel-\nches das holländische Nationallied verwebt ist. Das war dem\nPublicum, das in der zweiten Abtheilnng noch drei Mal\ndu Litolffi hören musste, doch etwas viel zugemuthet!\nIn die Robespierre-Ouverture, ursprünglich zu Griepen-\nkerl's Trauerspiel geschrieben, jetzt aber als Robespierre\nselbst angekündigt, weil das pomphafter klingt, ist die Mar-\nseillaise mit mächtiger Instrumentation effectvoll verflochten.\nDer Trauermarsch, auf den ein in Tanz-Rhythmen\ndurchgeführtes Rondo folgte beide aus einem Violin-\nConcert von Litolff—, frappirte durch rhapsodische Kürze\nund eine in ungarischerWeise dazwischen spielende Violin-\nFigur. Herr Auer, ein junger Violin-Virtuose aus Wien,\ntrug die Solo-Partie mit reinem Tone, mit Keckheit und\nAplomb vor.\nDas Orgel-Solo mit Orchester war ein Potpourri aus\nden gangbarsten Opern; die Behandlung des Instrumentes\n[Orgue expressifvon Alexandre Pfere & Fils in Paris) durch\nFrau von Sievers war eine meisterliche.\nDie Fragmente aus der Oper „Rodrigo von Toledo\"\n(Scene, gesungen von Fräul. Schmidt, und Finale des IV.\nActes) machten als Composition und durch die verunglückte\nAusführung ein vollständiges Fiasco.\nEin hiesiges Blatt spricht sich über das ganze Concert\nunter Anderem folgender Maassen aus:\n„Ueber den Gesanges-Leistungen der Solisten waltete\nleider ein sehr betrübendes Verhängniss: die bedeutendsten\nderselben, Fräul. Schmidt und Herr Formes, waren heiser\ngeworden. Erstere musste desshalb die B-dur-kx'w aus\n„Titus\" weglassen und konnte nur mit wahrhaft bedauer-\nlicher Anstrengung ihre Partie in den beiden Opern-Bruch-\nstücken zu Ende bringen. Letzterer war desshalb nicht im\nStande gewesen, die Orchester-Proben mitzumachen, worun-\nter begreiflicher Weise die Aufführung an Präcision und\nAusdruck nicht gewinnen konnte. Die Zuhörer, von der\nVeranlassung nicht in Kenntniss gesetzt, mussten mit dem\nungünstigen Erfolge natürlicher Weise unzufrieden sein,\nwelche Unzufriedenheit sich in dem Opern-Finale, als im\nQuartett Alles aus den Fugen zu gehen drohte, was nur\ndurch die Tüchtigkeit der übrigen Solosänger, des Chors\nund Orchesters verhindert wurde, dadurch deutlich aus-\nsprach, dass ein Theil des Publicums sich zu entfernen an-\nfing. Das konnte man verhindern, wenn man die schuldige\nRücksicht gegen Publicum und Künstler beobachtet und die\nschriftliche oder mündliche Anzeige von dem Unwohlsein\ngemacht hätte. War man das nicht vor Allem dem Fräul.\nSchmidt schuldig, die zum ersten Male vor dem hiesigen\nPublicum auftrat und das ausserordentliche Opfer brachte,\nmit einer nach dem Ausspruche des Arztes heftigen Hals-\nentzündung zu singen, um nur keine Störung zu machen?\nDurch diese unbegreifliche Versäumniss hat man verursacht,\ndass die ganze Unternehmung, so grossartig angelegt und\nbis zu diesem Punkte auch von aussergewöhnlichem Erfolge\nbegleitet, in ungenügender Weise zu Ende ging.\n„Es war von grossem Interesse, sowohl für das Publi-\ncum wie für den Musiker, Litolff als Componisten und Vir-\ntuosen kennen gelernt zu haben. Dem Publicum, worunter\nman die Summe aller jener versteht, die aus irgend einem\nGrunde, sei es auch nur aus Neugierde oder gar Langer-\nweile, ein Concert besuchen, imponirt er durch die geniale\nExcentricität seiner Lebensgeschichte, seiner Erscheinung\nund Gebarung und seiner Leistungen. Den Musiker, wohl\nzu unterscheiden vom Musicanten, interessirt er als eine\nkünstlerische Individualität, die sich nicht damit begnügt,\nals Componist auf der allgemeinen Heerstrasse der Gewöhn-\nlichkeit einher zu gehen, sondern sich mit mehr oder min-\nderem Glück seine eigenen Bahnen zu brechen sucht. Wir\nbetonen das Suchen desshalb, da es das Finden nicht\nimmer zur Folge hat. Das Stürmisch-Drängende, Leiden-\nschaftlich-Bewegte ist sein Element. Da wirken Aeusserli-\nches und Innerliches zu einem zündenden Ganzen zusam-\nmen, da ist er am originellsten, da packt und reisst er hin.\nDesshalb steht auch seine , „dramatische\"\" Ouvertüre zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.6", "texte": "Griepenkerl's Trauerspiel „Maxim. Robespierre\" obenan.\nSie gehört zur Gattung der malenden, beschreibenden Mu-\nsik, die ohne irgend eine andeutende Erläuterung oder Be-\nziehung nicht verstanden werden könnte. Dies ist hier durch\ndie Ueberschrift ermöglicht. Das Werk wurde sehr gut\nausgeführt und erhielt stürmischen Beifall. Auch in den\nübrigen seiner Compositionen, in dem vierten Sinfonie-Con-\ncerte, dem Andante und Finale des dritten und dem Trauer-\nmarsch und Rondo des Violin-Concertes, sind die Stellen\nam bedeutendsten, die oben erwähnter Richtung entspre-\nchen. In den ruhigeren und Gesang-Stellen, wovon beson-\nders das Andante religiosound der Trauermarsch zu nen-\nnen, wie in dem melodischen Satze überhaupt, offenbart\nsich, so schön auch einzelne unter ihnen sind, eine gewisse\nGleichförmigkeit in der Erfindung, die sich sogar bis auf\nwiederholte Anwendung derselben Passagenform in meh-\nreren Stücken—man erinnere sich der Sprünge in der rech-\nten Hand der Clavier-Compositionen—ausdehnt, und trat\nein Benutzen älterer Muster manchmal so zu Tage, dass\nes bei einem so durchaus modernen Geiste wie LitolfF ver-\nwundern muss. Seine Instrumentation ist interessant und\nwirkungsvoll.\"\n\nG. B.\n\nMusicalische Zustände in Brüssel.\nBrüssel hat ein Conservatoire der Musik, eine könig-\nliche Oper, eine Menge von trefflichen Künstlern auf allen\nHaupt-Instrumenten, ein Pianoforte fast in jedem Hause—\nund dennoch kein Musikleben, das mit demjenigen in deut-\nschen Städten von kleinerem Range zu vergleichen wäre.\nDie Kirchenmusik ist im Allgemeinen hier und in Bel-\ngien überhaupt schlecht organisirt; es fehlt am Gelde, um\netwas darin zu leisten, das nur einiger Maassen künstleri-\nschen Werth hätte. An guten Elementen dazu fehlt es\nnicht, zumal fördern die neuen Orgelwerke aus der Werk-\nstatt von Merklin-Schütze und Comp, die Sache auf erfreu-\nliche Weise; aber von der Seite her, wo man die grösste\nBegünstigung der Kirchenmusik erwarten sollte, geschieht\ngar nichts dafür.\nUnsere Theater haben gute und schlechte Perioden\ngehabt. Das königliche Theater hatte in diesem Jahre\neinige gute Mitglieder, aber die Monotonie seines Reper-\ntoires stösst ab. Das Repertoire bleibt seit Jahren stets das-\nselbe, obwohl das Publicum längst daran genug hat. Da es\nsich nach dem hiesigen Geschmacke nur durch Opern er-\nneuern kann, die in Paris gefallen haben, so liegt die\nSchwierigkeit der Erneuerung erstens daran, dass in Paris\nselbst wenig Neues vorkommt, das Werth hat, untj zwei-\nens darin, dass das durchschlagende Neue grosse Mittel\nder Ausführung und entsetzliche Kosten der Inscenesetzung\nerfordert. In Paris kann die grosse Oper freilich die wech-\nselnde Bevölkerung von einigen Hunderttausend Fremden\nmit ihren alten Spektakel-Opern füttern; hier aber ist es\nstets Ein und dasselbe Publicum, welches sein Geld nach\ndem Theater trägt, und dieses Publicum will denn auch\ndafür dann und wann etwas Neues sehen.\nMeyerbeer's Pardon de Pbermel war der einzige\nglückliche Fund für die Direction in diesem Theaterjahre.\nGrosse Anziehungskraft übte die Sängerin Fräulein Bou-\nlard, die man in Paris nicht zu schätzen wusste. Sie hat\nsich hier vortrefflich gemacht, wie denn das wahre Talent,\nwenn es von Uebung und Beifall unterstützt wird, bald zu\nkünstlerischer Reife gedeiht.\nBei solcher Lage der Dinge war die italiänische Oper\nvon Merelli den Musikfreunden sehr willkommen. Er\nspielte in dem Tlteätre du Cirqd. h. in einem schmutzi-\ngen, aber für den Klang der Musik vortheilhaften Hause.\nEr hatte dort ein schauderhaftes Orchester und einen lä-\ncherlich zusammengesetzten Chor, die beide seinen tüch-\ntigen, nur oft etwas zu massiv tactirenden Musik-Director\nOrsini zur Verzweiflung gebracht haben würden, wenn\ndies bei einem Capellmeister einer wandernden italieni-\nschen Oper, der in allen Sätteln fest sitzt, und dem Alles\nschon vorgekommen ist, überhaupt möglich wäre. Trotz\ndieser Hindernisse und Mängel erinnerten doch einige Vor-\nstellungen, z. B. Don Pasquale mit seiner allerliebsten Mu-\nsik von Donizetti, durch die Leistungen der einzelnen\nKünstler und durch die südliche Wärme und Lebendigkeit\ndes Zusammenspiels an die gute Zeit des italiänischen Ge-\nsanges und gewährten einen wirklichen Genuss.\nRichard Wagner hat durch die Wiederholung sei-\nner pariser Concerte auch hier Aufsehen gemacht, was\nbei der oben erwähnten Uebersättigung unseres Publicums\nfür dramatische Musik durch ewiges Einerlei nicht aus-\nbleiben konnte. Es war eine Zeit lang in allen Localblät-\ntern, in allen Kaffeehäusern und an anderen öffentlichen\nOrten von nichts Anderem die Rede. Der grösste Theil\nder hiesigen Musikfreunde überlässt die Entscheidung über\nden wirklichen Werth dieser Musik der Zukunft, obschon\nman überzeugt ist, dass es ihrem Autor gar sehr darum\nzu thun ist, sie in der Gegenwart zur Geltung zu bringen.\nDie gute Orchester-Musik hört man hier nur in den\nConcerten des Conservatoires unter Fetis' Leitung. Das\nOrchester hat in dem letzten Jahre noch bedeutende Fort-\nschritte gemacht.\nFetis beschränkt sich übrigens nicht bloss auf die clas-\nsischen Meisterwerke, er verschliesst auch den Erzeugnis-\nsen der Zeitgenossen die Pforten so wenig, dass er sogar\nnoch nicht gedruckte Ouvertüren oder Sinfonieen auffüh-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.7", "texte": "Ren lässt. Dass er in der Wahl derselben stets glücklich\nsei, dürfte man schwerlich behaupten. In der letzten Con-\ncertreihe hörten wir eine Ouvertüre zu Shakespeare's Mac-\nbeth von de Hartog, einem holländischen Componisten,\nder in Paris lebt und zu seinem Vergnügen auch wohl\nzu seiner Freunde Vergnügen componirt und bereits\nmehrere Werke herausgegeben hat. Es ist um diese cha-\nrakteristischen Tragödien-Ouverturen immer eine eigene\nSache; die einzigen Muster der Gattung, Beethoven's Co-\nriolan- und Egmont-Ouverture, stehen zu gross da, als\ndass ein blosses Talent sie erreichen könnte; und was ha-\nben wir denn Anderes jetzt unter den Componisten, als\nTalente, höchstens Talente?\nEin solches zu sein, darauf kann auch Herr Meynne\nAnspruch machen, einer der frühesten Schüler von Fetis,\nder jetzt erst, freilich etwas spät, mit einer Sinfonie her-\nvorgetreten, die nicht gedruckt ist. Sie erhielt Beifall, der\nebenfalls, und vielleicht mit mehr Recht, einer Sinfonie\nvon Samuel zu Theil wurde, welche viel Originelles hat.\nBemerkenswerth war eine Aufführung des Finale des\nzweiten Actes von Figaro's Hochzeit in dem letzten Con-\nservatoire-Concerte, durch welche Fetis, ärgerlich über die\nVerunstaltung des herrlichen Stückes in dem Theätre ly-\nrique zu Paris, den wahren Eindruck desselben, wenn die\nMusik so gegeben wird, wie Mozart sie geschrieben, dem\nbrüsseler, d. h. dem klein-pariser, Publicum zum Bewusst-\nsein bringen wollte, was ihm denn auch vollkommen ge-\nlungen ist.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerlill. Am 27. August trat die königliche Opernsängerin\nFräul. Pollack zum ersten Male nach ihrem Gastspiel in Kopen-\nhagen hier als Susanna in „Figaro's Hochzeit* wieder auf. Bekannt-\nlieh hatte man ihr den Vorwurf des Mangels an Vaterlandsliebe ge-\nmacht, weil sie zur Jahresfeier der Unterjochung Schleswigs gesun-\ngen habe. Die General-Intendantur hatte desshalb durch einen An-\nschlag in den inneren Räumen des Opernhauses das Publicum be-\nnachrichtigt, dass die Sängerin an der ihr zur Last gelegten unpa-\ntriotischen und tactlosen Handlung schuldlos sei, und es unterblieb\nin Folge dessen die von Vielen beabsichtigte Demonstration.\nIn Berlin haben 17 Gesang-Vereine sich zu einem „Märkischen\nCentral-Sängerbunde*4 unter R. Tschirch vereinigt, dessen Zweck es\nist, durch jährliche Gesangfeste, Verbreitung guter Musicalien und\neine Vereins-Zeitung die Ausbildung des Männergesanges zu be-\nfördern.\nDie bevorstehende Winter-Saison verspricht, was die k. Hofbühne\nbetrifft, eine höchst interessante zu werden; wir müssen der Ver-\nwaltung derselben zu grossem Danke und gerechter Anerkennung\nuns verpflichtet fühlen, dass diese bei dem gänzlichen Mangel hervor-\nragender Talente in Deutschland, die Anziehung und Interesse für\nunser Publicum haben könnten, uns mit den Celebritäten des Aus-\nlandes bekannt zu machen bemüht ist; so wird Mad. Miolan-Car-\nvalho, eine der bedeutendsten Gesangs-Koryphäen der Gegenwart, im\nnächsten Monat hier zu Gastrollen auftreten und andere nicht min-\nder hervorragende Erscheinungen dieser folgen. [Unserer Ansicht nach\nist es nichts weniger als dankenswerth, wenn die ersten Bühnen\nDeutschlands dem Nothbehelf der Provincialtheater, durch Gäste\ndas Publicum zu reizen, auch zu fröhnen beginnen. Wenn eine\nBühne wie die berliner Hofbühne nicht mehr im Stande ist, eine Oper\nund ein Schauspiel herzustellen, durch deren vollendetes Ganzes\ndas Publicum angezogen wird, dann müssen wir freilich alle Hoff-\nnung auf Besserung der Theater-Zustände aufgeben.]\nMusik-Director Stern in Berlin hat den Titel „Königlicher\nProfessor\" erhalten.\nfFftill&foii't; a. Ml* Der Vorstand der Museums-Concerte hat\nin Ermangelung eines geeigneteren Saales zur Abhaltung der Win-\nter-Concerte den „Harmonie-Saalu auf der Bockenheimer-Gasse ge-\nmiethet. Somit tritt bis zu gänzlicher Herstellung des neuen Saal-\nbaues keine Pause ein, und auch das Theater-Orchester wird die\naus den Museums-Concerten ihm zustehenden Emolumente fort be-\nziehen, was recht erfreulich zu nennen. Zum Dirigenten für kom-\nmenden Winter ist dieser Tage durch Stimmenmehrheit Herr Musik-\nDirector Müller gewählt worden. Bei dem Umstände, dass es sich\num Beantwortung der Frage gehandelt, ob Herrn Müller oder dem\nMitbewerber Herrn Rühl die Leitung zu übergeben sei, konnte nur\nfür ersteren entschieden werden, weil letzterer bei aller bewährten\nTüchtigkeit für Gesang werke in Leitung von Instrumentalmusik noch\nkeine Routine sich zu verschaffen Gelegenheit gefunden hat, die je-\ndoch bei den in jenem Institute obwaltenden Verhältnissen schon in\ngehörigem Grade mitgebracht werden muss. Ein Anfänger würde da\nnicht bestehen können, indem das ganze Programm in einer einzigen\nProbe abgespielt werden muss. Die intelligenten Besucher dieser\nConcerte werden sich gewiss freuen, wenn Herr Müller eine richtige\nAuffassung der classischen Instrumentalwerke bekundet.\nHerr Capellmeister Schmidt ist vielleicht darum nicht in die\nWahl zur Leitung jener Concerte gekommen, weil er die Stellung\nam Theater bald verlassen dürfte. Ueber seinen Nachfolger verlautet\nnoch nichts.\nDer Philharmonische Verein hat nun Herrn Henkel definitiv zu\nseinem Dirigenten erwählt»\nAns Tliiirliigeit, 16. August. Das in letzter Zeit wieder\noft genannte Lied „Partant j)our la Syrie* ist bekanntlich von der\nKönigin Hortense in Musik gesetzt. Weniger bekannt dürfte aber\nsein, dass die Instrumentation dieser Tondichtung von einem Künst-\nler herrührt, der noch jetzt, hochbetagt, aber rüstig, in Deutschland\nlebt. Der herzogliche Capellmeister L. Drouet in Gotha nämlich\nein naher Verwandter jenes Postmeisters zu St. Menehould, der den\nfliehenden König Ludwig XVI. erkannte und verhaften liess war\nin seiner Jugend Mitglied der musicalischen Capelle am Hofe des\nKönigs von Holland und einige Zeit hindurch musicalischer Instruc-\ntor des Prinzen Ludwig, des jetzigen Kaisers der Franzosen, und im\nAuftrage der Königin Hortense instrumentirte er das seitdem welt-\nbekannt gewordene Lied. Der Kaiser Napoleon hat sich noch in\nneuerer Zeit seines ehemaligen Lehrers erinnert und Herrn Capell-\nmeister Drouet vor einigen Jahren eine werthvolle goldene Dose mit\nBrillanten nach Gotha geschickt.\nstlitfga<l*t« Im verflossenen Theaterjahre vom September v. J.\nbis 30. Juni 1860 kamen an Opern zur Aufführung: von Meyerbeer:\nDinorah 4 Mal, Hugenotten 2 Mal, Robert 2 Mal. Prophet und\nNordstern je 1 Mal; von Rossini: Barbier 4 Mal, Teil und Othello\nje 2 Mal; Verdi: Troubadour 4 Mal, Rigoletto und Hernani je 2\nMal; Mozart: Figaro'« Hochzeit 3 Mal, Don Juan und Zauberflöte\nje 2 Mal; Donizetti: Lucia und Lucrezia Borgia je 2 Mal, Beiisar\n1 Mal; Flotow: Martha 3 Mal, Stradella 2 Mal; Weber: Freischütz"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600908-01.1.8", "texte": "4 Mal; Bellini: Norma und Montecchi je 2 Mal; Kreutzer: Nacht-\nlager in Granada 3 Mal; Hatevy: Königin von Cypern 2 Mal, Jüdin\n1 Mal; Nicolai: Die lustigen Weiber 3 Mal; Auber: Die Stumme 2\nMal; Beethoven: Fidelio 2 Mal; Boieldieu: Weisse Frau 2 Mal;\nAdam: Postillon 2 Mal; Joseph 2 Mal; Pressel: Die St Jo-\nhannisnacht 2 Mal; Abert: Anna von Landskron 1 Mal; Cherubini:\nWasserträger 1 Mal; Offenbach: Verlobung bei der Laterne 1 Mal.\nMithin waren Gluck, Spohr, Marschner, Lachner, Lindpaintner,\nLortzing, Wagner, Spontini gar nicht, Verdi auffallend stark, Auber\nschwach vertreten. Neu waren: Dinorah, Die lustigen Weiber von\nWindsor, Die St. Johannisnacht, Die Verlobung bei der Laterne;\nneu einstudirt: Verdi's Hernani.\nStuttgart» Der verdienstvolle Tenorist, Hofsänger Rauscher,\nhat sich von der Bühne als darstellendes Mitglied zurückgezogen,\nwird aber an derselben fortwährend als Vorstand der Theater-Ge-\nsangschule wirken.\nDas „Deutsche Theater-Archiv®, das offizielle Organ des deut-\nschen Bühnen-Cartell-Vereins, klagt den Tenoristen Wachtel eines\nder auffallendsten und rücksichtslosesten Vertragsbrüche gegen die\nkasseler Hofbühne an, deren Verwaltung bereits Verwahrungen nach\nWien erlassen und einen Antrag bei dem Präsidium des Vereins auf\nRechtshülfe eingegeben habe. Allerdings dürfte die Sache Aufsehen\nerregen und entschiedenes Handeln fordern, indem der Bühnen-Car-\ntell, der nach jahrelangen Bemühungen endlich einen Rechtszustand\nzwischen den Directionen und den Künstlern herbeigeführt hat, da-\ndurch völlig wieder in Frage gestellt wird.\nMusik-Director Jul. Schäffer von Schwerin wurde zum Di-\nrector des akademischen Vereins und der Sing-Akademie von Bres-\nlau ernannt.\nFür das Gewandhaus-Orchester in Leipzig wurde Herr Davi-\ndoff aus Moskau an Grützmacher's Stelle als Violoncellist engagirt.\n]?£iiiiclteaft» Bei der Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich\nwurde als Fest-Oper Weber's „Oberon\" in prachtvoller Ausstat-\ntung gegeben. Vorher ging ein Monodrama, von Hermann Schmid\ngedichtet, von Frau Strassmann gesprochen, welches die Bedentung\ndes Ereignisses der Eisenbahn-Verbindung zwischen Wien und Mün-\nchen feierte. Die patriotischen Kundgebungen unterbrachen den Vor-\ntrag an vielen Stellen, und der Schluss, ein Heil auf die Eintracht\nder Fürsten und Völker von Deutschland, erregte stürmischen Jubel.\nDas Schluss-Tableau der Stephansthurm von Wien mit den Frauen-\nthürmen von München von einem Regenbogen überspannt war\nsehr schön gemalt, schien uns aber doch für eine Kunststadt wie\nMünchen eine etwas zu handgreifliche Allegorie.\nZum Schlüsse des Sommer-Semesters wurde in Würz bürg am\n3. August von dem königlichen Musik-Institut „Christi Himmel-\nfahrtI', Oratorium in zwei Abtheilungen von Sigmund Ritter von Neu-\nkomm, zur öffentlichen Aufführung gebracht. Die Tonwerke Neu-\nkomm's sind alle einer ernsten Richtung zugethan und gründlich\ngearbeitet. Zu diesem Oratorium, das der letzten Lebens-Periode des\ngrossen, unsterblichen Meisters angehört, ist der Text aus Klopstock's\n„Messias\" vom Tonsetzer genommen worden. Den meisten Nummern\ngehen Instrumental-Einleitungen voraus, die mitunter sehr schwierig\nauszuführen sind, aber vom Orchester correet, schwungvoll und mit\nSicherheit executirt wurden. Eben so wurden die Chöre mit Präci-\nsion, Nuancirung und geistvoller Auffassung gesungen. Die ganze\nAufführung von Seiten der Zöglinge des königlichen Musik-Instituts\nund seiner Herren Lehrer, unter der energischen Leitung des Vor-\nstandes Herrn Directors Bratsch, war eine sehr gelungene und\neffectreiche, namentlich in den Ensemblesätzen mit dem stark be-\nsetzten Orchester. Von der lobenswerthen Thätigkeit des Instituts\ngeben in jeder Woche die öffentlichen Proben, so wie die zahlreichen\nKirchenmusik-Aufführungen rühmliches Zeugniss, wie es z. B. vor\nKurzem mit dem grossartigen Requiem aus D-moll von Cherubini\nbei dem Trauer-Gottesdienste für den verlebten Dom-Capitular Hum-\nmel in der Neumünsterkirche der Fall war.\nChemnitz» Am 2. August fand hier unter der Leitung des\nMusik-Directors Schneider die Aufführung des Oratoriums rJephta\nund seine Tochter\" von Reinthaler Statt. Die Partie des Jephta\nhatte der Kammersänger Herr Föppel aus Dessau übernommen, der\nmit sonorer, edler Stimme bei feinem Vortrage seine Aufgabe treff-\nlich ausführte. Die übrigen Soli wurden in recht wackerer Weise\nvon Mitgliedern der Sing-Akademie hier vertreten, welche letzteren\nauch zusammen mit den Kirchen-Sängerchören die Chorsätze aus-\nführten.\nJoseph Haydn's Neffe wurde vor Kurzem zu Grabe getragen\nEr war der Brudersohn des berühmten Tonmeisters und lebte in stil-\nler Abgeschiedenheit in Oedenburg in Ungarn, wo er ein eigenes\nHaus und Gärtchen besass. Letzteres pflegte er mit vieler Sorgfalt,\ner lebte unter den Blumen, die ihn auch bei seinem Sterben umga-\nben. Er hinterlässt einen Sohn, welcher derzeit als Oekonomie-Ver-\nwalter auf einer der fürstlich Esterhazy'schen Herrschaften ange-\nstellt ist.\n\nDeutsche Tonhalle.\nDie auf das neunzehnte Preis-Ausschreiben des Vereins vom\nFebruar d. J. rechtzeitig uns eingeschickten 27 Trio's für Ciavier,\nVioline und Violoncell haben wir bereits einem der erwählten Herren\nPreisrichter wegen der Preis-Zuerkennung übersandt, und werden\nwir, sobald von sämmtlichen die Beurtheilung erfolgt ist, das Er-\ngebniss anzuzeigen nicht säumen.\nDasjenige wegen der noch vorliegenden 17 Sonaten für Cello uud\nCiavier glauben wir recht bald veröffentlichen zu können.\nWegen der aufgerufenen Gedichte für den Männergesang läuft die\nEinsendungszeit noch bis zum Ende des nächsten Septembermonats.\nMannheim, den 10. August 1860.\nDer Vorstand."}]}