{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-09-15-01", "volume": "bmtnabi_1860-09-15_01", "ocr_sha256": "7286015c3b16c6da9164edf70de3cbf45024f6ae99c1d04cbaf7b4a8a256393b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/09/15_01/bmtnabi_1860-09-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "297", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 399, "texte": "Inhalt.\nBriefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller. 11. Aus Utrecht (Musicalisches Leben). Von M. F. Beurtheilungen\n(Psalm 24. Cantate für zwei Chöre von Arey von Dommer Frühlings-Ouverture für Orchester von Georg Vierling). 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Nr. 37.)\n„Neapel, den 5. Mai 1838.\n„Ich war vorgestern mit dem Vorsatze, an Sie zu\nschreiben, aufgestanden; seit zwei Tagen hatte ich Ihnen\neine wichtige Neuigkeit mitzutheiien und wollte Sie nicht\nlänger darauf warten lassen, als ich Ihren herrlichen Brief\nerhielt. Freilich hätte er mich antreiben sollen, noch schnel-\nler wieder zu schreiben; aber im Gegentheil, er ist schuld,\ndass ich die Freude, die mir das macht, noch einen Tag\nverschoben habe. Denn seitdem ich allein bin, habe ich der\nFreuden nicht viele und trachte, diejenigen, die mir von\naussen kommen, zu verlängern. So reichte Ihr Brief hin,\nmir einen guten Tag zu bereiten, und heute sind die Au-\ngenblicke, in denen ich mit Ihnen plaudere, ein Gewinn auf\nRechnung meiner Einsamkeit. Nun also, die Neuigkeit!\n„Mein Loos ist endlich entschieden, ich kann nicht\nmehr zurück, ich bin italiänischer Opernsänger; wenigstens\nhabe ich mich als solchen engagiren lassen und muss ab-\nwarten, ob das Publicum den Stempel des Contractes für\ngültig erklärt. Ich habe mit Barbaja einen Vertrag auf\nsechs Monate abgeschlossen, vom nächsten October bis\nEnde März. Die financiellen Bedingungen sind nicht so\nglänzend, wie Merelli sie mir bot, aber die Stellung ist für\nmich weit angenehmer. Ich bin hier so gut wie Herr über\ndie Wahl meiner Rollen und meiner Opern, und habe den\nunendlichen Vortheil, mit einer neuen Oper aufzutreten,\nwelche Donizetti ausdrücklich für mich schreibt. Wenn\nich mich ganz und gar auf Donizetti verlasse, um die Be-\ntonung des italiänischen Gesanges zu lernen, so setzt er von\nseiner Seite auch wieder volles Vertrauen in meine Büh-\nnenkenntniss, und ist ganz geneigt, sich bei der Wahl des\nLibretto's nach meinen Ansichten zu richten.\n„Er fühlt die Notwendigkeit, etwas Neues zu brin-\ngen. Er hat schon einen Stoff gebilligt, den ich ihm vor-\ngeschlagen habe, und der ihm Situationen darbietet, die\ner noch nicht behandelt hat, einen Stoff, der ihm verbieten\nwird, sich gehen zu lassen, was er zuweilen gar zu leicht\nthut. Und dann strebt sein Ehrgeiz danach, für die grosse\nOper in Paris zu schreiben, und durch das Neue, was er\nItalien bietet, sich Bahn zu brechen, den Forderungen un-\nserer Bühne zu genügen. Ich hoffe ihm einen Theil des\nGuten, das er mir gethan, vergelten zu können. Er hat mir\nbereits einen Beweis seines Vertrauens gegeben. Er com-\nponirt nämlich ein Album für Paris. Zuerst bat er mich\num einige Stoffe für Balladen und Romanzen, die er ita-\nliänisch bearbeiten lassen wollte; nachher aber wünschte\ner, ich möchte sie französisch in Verse bringen. Es gelang\nmir, ich war so glücklich, gerade das zu treffen, was er\nwollte, und er machte sich an die Arbeit. Da ich aber,\nvon dem Verlangen, etwas Neues zu geben, getrieben,\nmeinen Stoff etwas ausführlicher behandelt hatte, als es\nfür solche Compositionen zu geschehen pflegt, so machte\ndies seine Arbeit schwieriger, und er musste mich täglich\nzu Rathe ziehen; ich bin eben so offen gegen ihn gewe-\nsen, wie er gegen mich, und er hat meinem Rathe fast\nblindlings gefolgt. So setze ich denn auch gute Hoffnung\nauf die Oper, die wir vorhaben; ich glaube, sein Dichter\nhat verstanden, was ich will, und übrigens bin ich wäh-\nrend seiner Arbeit immer da, um das, was mir nicht passt,\numschaffen zu lassen.\n„Donizetti selbst ist in Gedanken schon mit dem neuen\nStoffe beschäftigt und sagt zuweilen: „„Wenn es mir nur\ngelingt, den Charakter dieser Musik so zu treffen, wie Sie\nihn haben wollen! ich habe noch nichts der Art ge-\nmacht.\"\"— Ich bin glücklich darüber, dass er sich solche\nGedanken macht, und wenn ich ihn hindere, zu schnell zu\nschreiben und sich so gehen zu lassen, dass er alles, was\nihm in die Feder kommt, aufnimmt, so glaube ich ihm"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5228, "texte": "dadurch einen wahren Dienst zu leisten. So werden wir\nbeide, indem wir uns an einander reiben, gewinnen.\n„Sie können wohl denken, dass ich Neapel den gan-\nzen Sommer nicht verlassen werde; in vier Wochen er-\nwarte ich meine Familie, und wird uns die Hitze in der\nStadt zu drückend, so suchen wir frische Luft in den herr-\nlichen Umgebungen. Ich denke, diese vier Monate voll red-\nlicher Arbeit unter dem neapolitanischen Himmel, im\nSchoosse der Ruhe und des glücklichen Familienlebens,\nsollen mir recht gut thun, und wenn Gott gibt, dass meine\nKinder und meine Frau die Mühen der Reise leicht über-\nstehen und sich hier schicken, so werde ich meine neue\nLaufbahn stark und zu allem Guten aufgelegt antreten und\nhabe eine schöne Zukunft vor Augen. Diese Zukunft wird\ndann auch uns, theurer Freund, wieder zusammen führen,\nund ich theile Ihre Hoffnung, dass dieses Zusammensein\nfür uns beide erspriesslich sein wird.\n„Sind wir erst vereint, so rechne ich darauf, dass wir\nein gutes Stück Weges zusammen machen, uns einander\nunterstützen und Einem und demselben Ziele zustreben.\n„Unterdessen wollen wir den Boden von Italien gehö-\nrig bearbeiten, um allen Nutzen daraus zu ziehen, und\neinst werden wir diese Südfrüchte auf einen kräftigen nor-\ndischen Stamm pfropfen; Baum und Früchte werden da-\ndurch um so besser werden. Beeilen Sie Sich, Ihre erste\nOper zu geben, damit die zweite schon ganz fertig ist,\nwenn ich wieder nach Mailand oder sonst wohin, wo Sie\nSich aufhalten, komme. Aber ehe wir etwas Nagelneues\nbringen, müssen wir der Welt zeigen, dass wir uns auch\nin alle rein italiänischen Forderungen fügen können, damit\nman sich vollkommen überzeuge, dass unsere späteren Ver-\nsuche und Neuerungen aus wohlbegründeter Wahl ent-\nstehen und nicht aus Ohnmacht, es anders machen zu\nkönnen*).\n„Donizetti lässt Sie vielmals grüssen. Wenn Sie etwas\nBestimmtes über Ihre Oper wissen, so theilen Sie mir es\ndoch ja gleich mit.\n„Ad. Nourrit.\n„Nach den ersten Augenblicken der Freude, die Sie\nbeim Wiedersehen Ihrer trefflichen, würdigen Mutter em-\npfinden werden, sprechen Sie doch ja mit ihr von mir, sa-\ngen Sie ihr meine liebevollsten Grüsse, und wie schmerz-\nlich ich es empfinde, diesen Sommer nicht bei ihr und\nIhnen zubringen zu können. Welch ein Trost würde das\nfür meine Frau sein, die in Neapel Niemanden als mich\nhaben wird! Wir sind aber nicht Herren unserer Bahn\nim Leben, wir müssen derjenigen folgen, die sich vor uns\naufthut.\"\n„Neapel, den 6. Juli 1838.\n„Mein theurer Freund!\n„Am 10. Juni habe ich meine Frau und meine Kin-\nder nach sechsmonatlicher Trennung wieder umarmt. Sie\nkönnen denken, wie schnell mir seitdem die Zeit vergan-\ngen ist. Es ist mir, als wären sie erst gestern angekom-\nmen; seitdem ich alle die geliebten Meinigen hier habe,\ngehen die Stunden und Tage mit wahl haft erschreckender\nSchnelligkeit an mir vorüber, denn in meinem Glücke ver-\ngesse ich beinahe, wesshalb ich nach Italien gekommen\nbin, und wenn ich dann auf einmal daran denke, so er-\nschrecke ich über alles, was ich noch bis zu meinem Auf-\ntreten zu thun habe. So lange ich allein war, füllte das\nStudium meine Tage aus und war mir wichtig, weil es mir\ndie Unlust der Einsamkeit tragen half; jetzt studire ich\neben so viel, wie sonst, aber es kommt mir vor, als thäte\nich nichts, es kommt mir vor, als schliefe ich in meinem\nGlücke ein. Und ich darf doch wahrhaftig nicht einschla-\nfen, denn der September ist vor der Thür, Donizetti's Oper\nschreitet gewaltig voran, und ich habe mich noch nicht\ndicht genug mit italiänischem Firniss überzogen; wider\nmeinen Willen lassen sich französische Angewöhnungen\ndann und wann wieder von fern blicken, und ich möchte\ndoch gern, wenn ich die Bühne hier betrete, so lest in der\nitaliänischen WTeise sein, dass ich mir gar keine Gedanken\nmehr darüber zu machen brauchte. Freilich, wenn ich\ndarauf warten soll, bis mein Geist so Irei von jeder einge-\nbildeten Sorge sei, dass ich mich aller Unruhe los und le-\ndig fühle, so kann ich lange warten! Ich weiss sehr gut,\ndass ich einen unruhigen Geist habe, dass ich mich oft\ndurch eingebildete Befürchtungen beherrschen lasse, und\nich erinnere mich ganz gut, dass ich nur sehr selten mit\nmeinen Leistungen zufrieden gewesen bin, während ich\nAnderen und oft den am schwersten zu Befriedigenden ge-\nnügte. Es gibt Leute, die das Bescheidenheit nennen wür-\nden, ich nenne es aber Hochmuth; ja, es ist nur Hoch-\nmuth, wenn man nicht seinen Theil menschlicher Schwäche\nauf sich nehmen und eine Vollkommenheit träumen will,\ndie zu erreichen dem Menschen nicht gegeben ist.\n„Von allen Studien, die ein Künstler zu machen hat,\nist meiner Ansicht nach das wichtigste das Studium der\nErkenntniss seiner eigenen Mittel; er muss genau den\nPunkt kennen, wie weit er gehen kann, damit er nicht\ndurch Ankämpfen gegen die Unmöglichkeit eine Zeit ver-\nliert, die er zur Entwicklung der ihm verliehenen Kräfte\nanwenden muss. Die Aufgabe ist nicht die, ohne Mängel\nzu sein, sondern die, eine grosse hervorragende Eigen-\nschaft zu besitzen, welche die kleinen Schwächen und Un-\nvollkommenheiten verdecken kann. Aber da lasse ich mich\ngar auf Theorie ein; wenn ich nur noch ein wenig in die-\ni ,\n\n*) Wie richtig im Princip und zugleich wie prophetisch !\nDie Bedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5408, "texte": "Sem Tone fortfahre, so wird mein Brief einem Journal-\nArtikel gleichen, und ich habe zu wenig Zeit zur Unter-\nhaltung mit Ihnen, um sie so schlecht anzuwenden.\n„Sie sind also nun in Bellaggio*) bei Ihrer trefflichen\nMutter. Ich kenne das Glück eines solchen Zusammenseins\naus Erfahrung und höre mit Vergnügen, dass es Sie auf-\nmuntert, wieder an Ihre Lieblings-Arbeit**) zu gehen.\nDenn obwohl wir beide es aufs Italiänisch-Machen abse-\nhen und uns alle Mühe geben, es mit aufrichtigem Eifer\nzu thun, so bleiben wir doch nichts desto weniger unse-\nrem Glauben, unserer Liebe treu; um nichts in der Welt\nvergessen wir unsere alten Götter Gluck, Mozart, Beetho-\nven, Schubert, und ohne gegen Italien undankbar zu sein,\nvon dem wir lernen wollen, was andere Länder uns nicht\ngeben können, senden wir doch unsere Blicke über die\nAlpen hinüber und glauben, dass es was Besseres zu ma-\nchen gibt, als das, was jetzt unter Ausoniens schönem\nHimmel gemacht wird. Arbeiten Sie denn nur rüstig an\nIhrem Oratorium fort, das dadurch gewinnen kann, dass\nes in Italien geschrieben wird; wie schön wird ein ernster\ndeutscher Gedanke in verführerischer italiänischer Form\nsich ausnehmen! Lassen Sie aber doch ja nicht Ihre Oper\nbei Seite liegen; ich kann fast eben so wenig wie Sie selbst\ndie Zeit ihrer Aufführung erwarten, noch weniger die Zeit,\nwo wir zusammen arbeiten werden. Die Gelegenheit ist\ngünstig für einen jungen Maestro: Donizetti wird Italien\nLebewohl sagen; man macht ihm in Frankreich Anerbie-\ntungen, die ihm zusagen, und wahrscheinlich ist „Po-\nlyeukt\" die letzte Oper, die er für sein Vaterland\nschreibt***). Machen Sie also voran; ich habe schon ein\nhalbes Dutzend Opern-Stoffe im Kopfe, die für Sie pas-\nsen werden; wir haben nur die Wahl. Die Haupt-Auf-\ngabe für uns ist jetzt ein Erfolg, und desswegen müssen\nwir den Forderungen des Publicums, dem wir gefallen\nwollen, uns unterwerfen. Fangen wir damit an, ihm zu\ngeben, was es gern hat; vielleicht wird es dann, wenn es\nuns erst einmal aufgenommen hat, uns auch auf den neuen\nWeg folgen, den wir es führen wollen. Aber erst müssen\nwir einen Erfolg haben, einen Erfolg um jeden Preis! Und\ndennoch muss ich geslehen, dass ich trotz meines Wun-\nsches, dem Geschmack des Publicums zu genügen, mich\ndoch nicht habe enthalten können, dem Libretto, das für\nmich geschrieben wird, einen Inhalt und eine Wendung\nzu geben, welche den Leuten hier zu Lande etwas selt-\nsam vorkommen wird.\n„Dem Maestro scheint es eine Ehrensache zu sein;\ner verwendet alle mögliche Sorgfalt auf diese letzte Parti-\ntur. Er schreibt sie fast eben so sehr für Frankreich als\nfür Italien. In der That bekümmert man sich auch in Pa-\nris mehr darum, als in Neapel, und er hat schon von ver-\nschiedenen Verlegern Anträge für den Verkauf der Oper,\ndie er für mich schreibt, erhalten, ohne dass sie wissen,\nwie sie heisst. Mit dem Titel werden wir vielleicht einige\nUmstände haben, denn wir haben es mit einer sehr stren-\ngen Censur-Behörde zu thun, und da unser Held ein Hei-\nliger ist, so zwingt man uns am Ende, ihn umzutaufen;\nein Christ muss aber unser Märtyrer jedenfalls bleiben,\nmag er heissen, wie er wolle. Diese Verhältnisse machen\nes gerathen, den schönen Stoff aus wor-\nüber wir gesprochen haben, für Frankreich aufzusparen.\n„Ad. Nourrit.\"\n„Neapel, den 16. November 1838.\n„Ehe ich Ihnen alle Umstände schildere, die mich so\nlange abgehalten haben, Ihnen zu schreiben, beeile ich\nmich, Ihnen mitzutheilen, dass ich vorgestern endlich auf\ndem Theater San Carlo im Giuramento von Mercadante\naufgetreten bin und dass der Erfolg meine kühnsten Hoff-\nnungen, ja, alles, was ich vernünftiger Weise nur erwar-\nten konnte, übertreffen hat. Dieses Publicum von Neapel,\ndas für so kalt und schwer zu befriedigen gilt, ist gegen\nmich ganz aussergewöhnlich wohlwollend gewesen; schon\nnach den ersten Tacten, die ich gesungen, hat es mich\naufgemuntert, und die kleine Romanze, mit welcher Vis-\ncardo auftritt, stellte sogleich meinen Erfolg sicher. Man\nfand gleich, dass ich zu singen verstände, und was in mei-\nnem Spiel neu und fremdartig war, wurde mit rauschen-\ndem Beifall aufgenommen. Ich biji fünf Mal hervorgerufen\nworden, und die ältesten Abonnenten von San Carlo erin-\nnern sich keines ähnlichen Debüts. Ich sollte vielleicht be-\nscheidener von mir selbst sprechen, aber Ihre Freundschaft\nfür mich hat das Recht, Wahrheit zu verlangen, zumal\nwenn diese Wahrheit Ihnen Freude macht. Und dann habe\nich auch diesen Erfolg durch so manchen Verdruss er-\nkauft, dass es mir wohl gegönnt sein darf, mein Glück mit\nvoller Hingebung zu geniessen.\n„Ich habe mich gar nicht darüber verwundert, dass\nman Ihnen allerlei Dinge über mich berichtet hat, denn\nich habe wirklich Veranlassung zu allem möglichen Gerede\nüber mich gegeben; es gab einen Moment, in welchem\nich so inuthlos war, mich so unglücklich fühlte, dass ich\nvom Theater abgehen wollte und zu allen Opfern bereit\nwar, um meine Freiheit damit wieder zu erkaufen. Glück-\n[*]\n\n*) Am Comersee.\n**) Das Oratorium „Die Zerstörung von Jerusalem*.\n***) Polyeukt (Poliutto) war die Oper, die Donizetti für Nourrit\ncomponirte. Man wird weiter unten sehen, dass sie in Neapel\nnicht aufgeführt werden durfte. Im Jahre 1840 brachte Doni-\nzetti sie in Paris unter dem Titel „Les Martyrs\".auf die Bühne\nder grossen Oper, und neuerdings hat die italiänische Oper sie\nunter dem ursprünglichen Titel rPoliuttou wieder\naber ohne besonderen Erfolg."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4442, "texte": "lieber Weise hatte ich mit einem Biedermanne zu thun.\nBarbaja begriff meinen Zustand, fühlte meinen Unmuth\nund hatte Mitleid mit meiner Thorheit; er nahm meinen\nVorschlag nicht an und zwang mich, wider meinen Willen\nvernünftig zu sein.\n„Sie wissen, dassPolyeukt vor der Censur keine Gnade\nfand. Wir arbeiteten den Text um und verwandelten un-\nsere Christen in Guebern—vergebens; von religiösem Ge-\nfühl auf der Bühne wollte man nichts hören, unter wel-\ncher Gestalt es auch vorgebracht würde. Sie können Sich\ndenken, was für einen Werth ich darauf legte, in einer\nOper aufzutreten, die für mich componirt war und deren\nText ich dictirt hatte; wie schmerzlich es mir also sein\nmusste, den Halt zu verlieren, auf den ich mich verliess,\num mit Muth in die Schranken zu treten! Indess, was\nhalf's? ich musste eine andere Oper wählen. Ich bat um\ndie „Lucrezia Borgia\", zu welcher Donizetti einö Arie und\neine Schlussscene für mich hinzueomponirt hatte. Aus Vor-\nsicht machten wir aus der Schwester eines Papstes eine\nHerzogin von Mailand und nannten sie „Elisa\". Die Cen-\nsur witterte die Verkappung und schloss mir wieder den\nMund in dem Augenblicke, wo ich meine Bolle beinahe\nauswendig konnte. Donizetti bot mir darauf an, in der\nPia, die er vor anderthalb Jahr für Venedig geschrieben,\naufzutreten; allein die Tenor-Partie darin sagte mir nicht\nzu, und ich musste trotz aller Bücksichten, die ich dem\nMaestro schuldig war, den Antrag ablehnen.\n„Indessen musste ich doch auftreten! Gern hätte ich\n„Wilhelm Teil\" gehabt; aber wie sollte man die policei-\nliche Erlaubniss zur Aufführung erlangen? Der Eine rieth\nso, der Andere so, und ich verlor unter allem diesem Hin-\nlind Herschwanken dermaassen den Kopf, dass ich matt\nund müde, da mir die Freiheit der Wahl genommen war,\nam Ende trotz meines Widerwillens mich zur Pia ent-\nschloss, da dies die einzige neue Oper war, über die man\nverfügen konnte. Ich machte mich ohne Muth und Lust\nans Werk, und der Eindruck, den die Oper in den Pro-\nben machte, war auch nicht geeignet, mir Vertrauen auf\nmich selbst einzuflössen. Bechnen Sie hinzu, dass ich sechs\nMonate lang ohne Unterbrechung die eifrigsten Studien\nfür italiänischen Gesang betrieben und es wirklich so weit\ngebracht, dass ich die Natur meines Organs gänzlich\nverändert hatte. So vereinigte sich Ermüdung, Widerwil-\nlen, Abspannung, Alles, um mir jede Lust am weiteren\nEinstudiren der Rolle zu verleiden. Ich war unzufrieden\nmit meiner Stimme, unzufrieden mit meiner Rolle, unzu-\nfrieden mit der Composition; da ich aber nichts mit kal-\ntem Blute thun kann, so musste ich es bis zur leidenschaft-\nlichsten Ueberspannung treiben, um so weit zu kommen,\neine Rolle zurückzuweisen, die ich schon gelernt, schon\nprobirt hatte, und eine Rolle von Donizettii, und das vier\noder fünf Tage vor der Vorstellung. Meine Aufregung\nwar so gross, dass ich krank wurde, und ich konnte wirk-\nlich nicht singen oder hatte wenigstens nicht die Kraft,\nsingen zu wollen, so unzufrieden war ich mit allem, was\nich that.\n„Das war der Zeitpunkt, wo ich meinen Contract auf-\nlösen und lieber alle zu fordernde Entschädigung zahlen\nwollte. Glücklicher Weise ging Barbaja nicht darauf ein,\nnahm mir meine schlechte Rolle ab und liess mir Zeit,\nmich wieder zu erholen. Um mir Lust zum Singen zu ma-\nchen, machte er mir auf Wilhelm Teil Hoffnung, und da\nich nach einigen Tagen meine Stimme wiederbekam, und\nso wiederbekam, wie Sie sie kennen, so fasste ich wieder\nneuen Muth. Da die Erlaubniss zum Teil nicht ankam, so\nentschloss ich mich zum Giurameund es ist mir wohl\nbekommen, denn ich konnte keinen schöneren Erfolg wün-\nschen. Das ganze Werk hat grossen Eindruck gemacht;\nman hat in Neapel seit langer Zeit es nicht erlebt, dass\neine Oper solches Glück gemacht hat. Ich werde Ihnen\nüber alles das ausführlicher schreiben; ich habe aber seit\ngestern so viel geschrieben, dass ich meine Briefe kurz\nfassen muss. Barbaja hat mich nicht zu Athem kommen\nlassen, ich habe zwei Tage hinter einander spielen müssen.\nNach der Ermüdung durch die Proben, der Aufregung\ndes Debüts, glaubte ich kaum, Kraft dazu zu haben; doch\nhabe ich es fertig gebracht, und der Beifall war in der\nzweiten Vorstellung nicht geringer, als in der ersten.\n„Jetzt ist die Beihe an Ihnen. Lassen Sie mich oft\nwissen, was Sie machen, und ich verspreche Ihnen, Sie\nauch nicht wieder so lange auf Nachrichten von mir war-\nten zu lassen. Behalten Sie mich so lieb, wie ich Sie habe,\n„Ad. Nourrit.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "300", "page_fin": "302", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.2.3", "titre_corps": "Aus Utrecht.", "titre_sommaire": "Aus Utrecht.", "signature_source": "M. F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.4", "debut_caractere": 4444, "fin_caractere_exclue": 5182, "texte": "Aus Utrecht.\n\nErlauben Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, Ihre\nauch bei uns in Holland viel gelesene Zeitung für einen\nkleinen Raum in Anspruch zu nehmen, um Ihren Lesern\nden Bericht eines Landsmannes über das hiesige Musikle-\nben mitzutheilen. Es ist unbegreiflich, dass die sehr in-\nteressanten musicalischen Leistungen der hiesigen Concert-\nVereine fast von allen holländischen Blättern so gut wie\nignorirt werden. Wir können dies nicht dem Mangel an\nMännern in Utrecht zuschreiben, die über Musik zu schrei-\nben verständen, denn wir haben ja hier Herrn Dr. Kist,\nund Utrecht ist der einzige Ort in Holland, in welchem\neine Musik-Zeitung, die „Cäcilia\", erscheint. Es ist mög-\nlich, dass diese Heilige, wie das auch in anderen Dingen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5372, "texte": "Su geschehen pflegt, zu viel und zu weit in die Welt hinaus\nzu schauen hat, und desshalb, wenn sie zu Haus kommt,\nmüde die Augen schliesst oder wenigstens auf einen Theil\nihrer Priester und deren Leistungen etwas trübäugig her-\nabsieht, zumal wenn diese nicht das Glück haben, aus\nholländischem Boden erwachsen zu sein, sondern bloss das\ngrosse Verdienst, diesen Boden durch die sorgfältigste,\njahrelange Gultur für die Musik immer empfänglicher und\nfruchtbarer zu machen.\n.Es gibt in Holland eine Partei, welche den Ursprung\ndes jetzigen regen Musiklebens in unseren Niederlanden\nganz vergessen hat, zum Theil auch vergessen will, die das\nehrenvolle Streben der Niederländer nach Selbstständigkeit\nund Unabhängigkeit, welchem sie ihre politische und mer-\ncantilische Blüthe verdanken, in zum Theil verkehrtem,\nzum Theil übertriebenem Maasse auch auf die Kunst, na-\nmentlich die Tonkunst, überträgt, und während selbst die\neigensüchtigste Nation von der Welt, die Franzosen, jetzt\nüberall offen anerkennen, dass die Deutschen ihre Meister\nund Lehrer in der classischen Musik sind, glaubt diese\nkleine Partei dadurch ihren Patriotismus beweisen zu müs-\nsen, dass sie behauptet, die holländische Musik müsse sich\nvon der Herrschaft der deutschen emaneipiren. Die hol-\nländische Musik! Wir hegen alle Achtung vor den Ta-\nlenten, die sich in neuerer Zeit unter den Holländern als\nComponisten aufgethan und sehr Anerkennungswerthes ge-\nleistet haben; aber daraus auf eine specifisch holländische\nMusik schliessen oder gar dieselbe gegen die deutsche stel-\nlen und ausschliesslich fördern zu wollen, das ist denn\ndoch zu sonderbar und Ausfluss einer National-Eitelkeit,\ndie nur ein Lächeln erregen kann. So wenig wie holländi-\nsche Texte die Musik der Cantaten und Psalmen neuerer\nComponisten zu einer holländischen machen können, so\nwenig wie ein Elijah of Horeb den Elias von Mendelssohn\nverläugnen, geschweige denn überbieten kann, eben so\nyi-\nwenig werden die in deutscher Schule und durch deutsche\nMusterwerke gebildeten holländischen Componisten eine\nandere als deutsche Musik schreiben.\nUnd dabei dürften sie sich auch am besten stehen. Sie\nselbst sind fern von jenen überpatriotischen Träumen, und\nauch der ganze Geschmack des niederländischen Volkes ist\nentschieden für die deutsche Musik, mag sie classisch oder\nromantisch heissen, und das ist ein Segen für die Tonkunst\nin Holland. Wir älteren Leute wissen recht gut, wie es\nmit dem musicalischen Geschmacke vor fünfundzwanzig bis\ndreissig Jahren hier aussah, wie die erbärmlichste franzö-\nsische Dudelei und das gehaltloseste Tongeklingel auf In-\nstrumenten und in Gesängen, wenn es nur aus Frankreich\nkam, ganz allein populär war. Zeugniss davon ist ja noch\nbis auf den heutigen Tag die französische Oper im Haag,\nder Residenz unseres Königs, und die Unmöglichkeit einer\nsicheren Existenz einer deutschen, geschweige denn einer\nholländischen Oper!\nWenn es nun in dieser Beziehung unendlich besser\ngeworden ist, wenn es ausser Deutschland kein Land gibt,\nin welchem die deutsche Musik so verstanden und geliebt\nwird, wie in Holland, so müssen wir auch die deutschen\nKünstler, die sich unter uns niedergelassen haben und de-\nren Wirken hauptsächlich dazu beigetragen, jenen After-\ngeschmack zu vertreiben, hochhalten und nicht in Selbst-\nüberhebung vergessen wollen.\nWir haben hier in Utrecht ein sehr gutes Orchester\nvon 10 ersten und 12 zweiten Violinen, 7 Violen, 8 Vio-\nloncellen (darunter den vorzüglichen Violoncellisten Herrn\nBecker, einen Schüler von Servais) und 4 Contrabässen.\nDen so häufigen Mangel an guten Blas-Instrumenten em-\npfinden wir hier nicht; sowohl die Holz- als die Blech-In-\nstrumente sind recht gut, einige (z. B. Clarinetten) ausge-\nzeichnet. Unter der langjährigen vortrefflichen Leitung des\nHerrn Musik-Directors J. H. Kufferath ist das Orchester\nso gut eingespielt, dass alle fremden Künstler, z. B. Ser-\nvais, Laub, Wieniawski, Frau Schumann, Jaell, Brassin,\nBülow u. s. w., sich mit der grössten Anerkennung darüber\nausgesprochen haben. Auch dürfte rühmend zu erwähnen\nsein, dass dieses Orchester die Vorproben zu den Abonne-\nments-Concerten bloss aus Liebe zur Kunst und aus An-,\nhänglichkeit an den Dirigenten unentgeltlich spielt.\nDie so genannten Stadt-Concerte der Gesellschaft\nCollegiuni musicum mit dem Sinnspruche: „Antat alta si-\nlentia Musa\",ferner die Studenten-Concerte\ntua fides\"), der Singverein\ngingu) und ein Männer-Gesangverein werden von\nHerrn Kufferath geleitet; nur den letztgenannten Verein\ndirigirt neuerdings auch Herr Coenen.\nIn den fünf grossen Stadt-Concerten der letzten Saison\n(in fünf anderen bilden bloss Herren das Auditorium, wess-\nhalb die öffentlichen Concerte in Holland auch Dames-\nConcerts genannt werden, ja, der hiesige Studenten-Verein\ngibt Dames-Studenten-Concerts für den Ausländer, der\nden Sinn dieser Benennung nicht kennt, ein curioser Titel!)\nhörten wir Sinfonieen von F. Schubert, von Beethoven\nNr. VIII., 11., Mendelssohn Nr. IV.und eine neue von dem\nsehr talentvollen holländischen Componisten W. F. G. Ni-\ncolai;— in den Studenten-Concerten von Mozart Nr. VI.\nund die in D-clur,von Niels Gade Nr. I.— Ouvertüren\n9\nvon Spohr (Faust), Kossini (Teil), Wagner (Tannhäuser),\nJ. H. Kufferath (Fest-Ouverture, Manuscript), Cherubini\n(Anacrcon und Wasserträger), Weber (Jubel-Ouverture),\nVerhulst (in C-nioll), Beethoven (Op. 124 und Egmont)."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2203, "texte": "Von Oratorien wurden gegeben Reinthaler's Jephta\nund seine Tochter, Händel's Samson, Mendelssohn's Wal-\npurgisnacht.\nVon auswärtigen Künstlern hörten wir die Damen\nJenny Meyer aus Berlin, OlTermans van Hove -aus dem\nHaag, Isabella Incli von Merelli's italiänischer Oper, Leo-\nnard-Garcia aus Brüssel, Rosa de Vries van Os aus Am-\nsterdam, Anna Colin Tobisch; die Herren Jul. Stockhau-\nsen, Louis Brassin (6r-moZ/-Concert von Moscheies), Henri\nWieniawski (Concert von Viotti), P. R. Becker (zwei Phan-\ntasieen für Violoncell von Servais), H. Leonard (Violin-\nConcert eigener Composition), A. Jaell (6*-wo//-Concert von\nBeethoven), Clara Schumann ((r-wo//-Concert von Mendels-\nsohn), Francis Servais (Violoncell-Concert eigener Com-\nposition), H. von Bülow (Es-durConcert von Beethoven),\nFerd. Laub (Violin-Concert von Mendelssohn).\nEs dürfte ein ehrenvolles Zeichen für unser Publicum\nsein, dass die genannten Künstler mit den genannten Com-\npositionen ernster, grosser Gattung bei uns aufgetreten sind\nund damit enthusiastischen Beifall gewonnen haben. Wie-\nwohl sie natürlich auch kleinere Bravourstücke zugaben,\nderen Ausführung Bewunderung erregte, so haben sie sich\ndoch überzeugt, dass der Sinn für classische und überhaupt\ngediegene Musik hier vorherrscht, und dies haben wir be-\nsonders den unermüdlichen Bestrebungen und dem conse-\nquenten Eifer des Musik-Directors Kufferath zu danken,\ndessen Verdienste um die Tonkunst überhaupt schon längst\nrühmlichst bekannt und auch von unserem Könige durch\nVerleihung der niederländischen Ordens-Decoration aus-\ngezeichnet worden sind.\nSchliesslich hat eine Gesellschaft von Musikfreunden,\nan deren Spitze Herr L. H. s***** steht, auch für den\nSommer grosse Orchester-Concerte in dem Saale des präch-\ntigen Parks „Tivoli\" ins Leben gerufen, wofür das Publi-\ncum nicht genug dankbar sein kann und deren Fortsetzung\nunter so vorzüglicher Leitung allseitiger Wunsch ist. Das\nConcert am 5. Juli brachte unter Kufferaths Leitung vier\nOuvertüren (darunter auch die herrliche Leonora von Beet-\nhoven), einige Männerchöre und ein interessantes Concert-\nslück für Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott und Horn von\nLindpaintner, das vortrefflich ausgeführt wurde.\n\nM. F."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "302", "page_fin": "303", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.6", "debut_caractere": 2205, "fin_caractere_exclue": 5169, "texte": "Beurtheilungen.\n\nPsalm 24. Cantate für zwei Chöre, a capella\ncomponirt und dem Riedel'schen Gesang-Vereine\nzu Leipzig gewidmet von Arey von Dommer.\nOp. 1. Preis der Partitur und Stimmen 2 Thlr.\n10 Ngr. Leipzig, Kahnt.\nDiese Composition zerfällt in zwei Theile, deren jeder\nzwei grössere Nummern enthält. Der erste Theil beginnt\nmit einem freundlichen Satze für vier Oberstimmen in\ndur, welchen dann der gemischte einfache Chor in weiter\nHarmonielage wiederholt, nach längerer Durchführung in\ndie Dominante führt und nach kurzem Verweilen darauf\nwieder mit dem Anfangssatze schliesst. Neben einigen Här-\nten, welche leicht zu vermeiden waren und doch die Schön-\nheit nicht hoben, hätte ich gewünscht, dass der Zwischen-\nsatz in E-mollsowohl in einem anderen Rhythmus als\nTempo gesetzt wäre, da so, wie die Sache ist, sie etwas\nmatt und schwach wirkt. Die Nr. 2 stellt die Frage: Wer\nist der König der Glorie? und läuft, die Antwort gebend,\nin eine prächtige Doppelfuge für die zwei Chöre aus. An\ndem Thema habe ich ungern gesehen, dass die musicali-\nsche Phrase fällt, statt zu steigen. Nr. 3 ist ein lieblicher\nSatz; es hat der Text dazu Anlass geboten: „Der unschul-\ndigen Herzens ist, wird geh'n zum Herrn und stehen vor\nSeinem Angesichte.\" Recht verständig sind die verschiede-\nnen Tugenden durch das wechselvolle Ineinandergreifen\nbeider Chöre gezeichnet, wie denn überhaupt dieser Satz\nder klarste im ganzen Werke ist. Nr. 4 ist ein langer,\naber wirksamer Orgelpunkt, der, in einen mächtigen Cho-\nral überleitend, das von tüchtigen und ernsten Studien des\nContrapunktes Zeugniss gebende, allen Gesang-Vereinen,\ndie Höheres erstreben als blosse Unterhaltung, zur Auf-\nführung zu empfehlende Werk würdig schliesst.\nFrühlings-Ouve rture für Orchester von Georg\nVierling. (Op. ?) Leukart, Breslau.\nDie Ouvertüre ist so zart, so fröhlich, so innig, so\nherzlich, so frisch und duftend, wie der Frühling selbst;\ndie Orchester werden damit überall Ehre einlegen, wo\nsie zur Aufführung gelangt. Die tiefen Speculationen, frap-\npanten Modulationen, künstlichen Combinationen sind alle\nweggelassen, es herrscht eine so durchsichtige Klarheit in\nder Anlage und Durchführung, die selbst dem Laien iu\nder Musik das Verständniss der Composition ohne Mühe\nermöglicht. Vierling wollte offenbar zeigen, dass man, auch\nohne stets auf dem hohen Rosse zu sitzen, Schönes leisten\nkönne. Wollten recht Viele nur dieses Beispiel nachahmen,\ndie Tonwerke grösserer Art würden bald wieder lebhaf-\ntere Theilnahme finden. Warum auch immer auf so ho-\nhem Kothurn umher schreiten? Wir glauben, dass die\nMusik vorzugsweise dazu da ist, das Herz zu erfreuen, das\nGemüth zu heben. Wie wird aber das möglich sein, wenn\njeder Hörer erst ein gehäuftes Maass von Verstand, euch\nund eure Werke zu begreifen, mitbringen soll? Denke man\nan die unvergänglichen Ouvertüren, Sinfonieen u. s. w.\nHaydn's, Mozart's u. s. w. und an den Jubel, mit dem\nsie von Allen ohne Ausnahme, Kennern und Nichtkennern,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1784, "texte": "aufgenommen wurden, und vergleiche man dagegen die\nKälte und Gleichgültigkeit, die so vielfach den neuen und\nneuesten derartigen Werken entgegengesetzt wird. Was\nist die Lehre? Jene Meister bewegten sich streng inner-\nhalb der Gränzen, welche die Schönheit der Musik ange-\nwiesen hatte; heutzutage hat man fast die Idee der Schön-\nheit verloren vor lauter Untersuchungen über das, was\nschön ist. Der Alles zersetzende Geist derZeit ist auch den\nMusikern mehr oder minder in die Glieder gefahren. Ge-\nwiss nur zum Nachtheil für ihre Compositionen so gut, wie\nder Musik überhaupt! Vierling scheint dies gefühlt zu ha-\nben, als er seine Frühlings-Ouverture schrieb. Da ist nichts\nGesuchtes, nichts mühsam Gemachtes; das Werk ist offen-\nbar in einer frohen Stunde so entstanden als vollendet, es\nist aus Einem Gusse. Möglich, dass die tiefen, Alles ausklü-\ngelnden Denker, welche die Philosophie auch in die Musik\neinschwärzen wollen, üher die einfache Conception der\nOuvertüre die Nase rümpfen; was thut das? Es ist oft das\ngrösste Lob, von gewissen Leuten getadelt zu werden.\nVierling beschenke uns öfter mit solchen Gaben; wir wer-\nden ihm dankbarer sein, als jenen Heroen, deren Werke\nso ungeheuer geistreich sind, dass sie dem grösseren Theile\nder Menschen unauflösbare Rathsei bleiben. Wie weit übri-\ngens Vierling hinter den oben bezeichneten Meistern noch\nzurücksteht, was und wie viel ihm fehlt, um ihren Schö-\npfungen nur nahe zu kommen (erreicht und übertroffen\nwerden sie nicht leicht!), wird der Meister, dem es nach\nallem, was wir von ihm hörten, hoher Ernst ist mit der\nMusik, sich nicht verhehlen. Das Arrangement der Haydn'-\nschen Sinfoniecn, welches er besorgt, und das mehr Stu-\ndium voraussetzt, als man gewöhnlich glaubt, kann für ihn\nnur von grossem Nutzen sein.\n\nM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-09-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-09-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-09-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "303", "page_fin": "304", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "Gr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.7", "debut_caractere": 1786, "fin_caractere_exclue": 6661, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nGr.\nJLiaa«fieillTelS, im Grossherzogthum Hessen, 25. August. Unser\ngestern ausgegebenes Kreis-Intelligenzblatt bringt nachstehende Ver-\nfügung des Kreisamtes zur Keuntniss der Bürgermeistereien: „Es\nist zwar nicht vorgeschrieben, dass zur Bildung von Gesang-Verei-\nnen höhere Genehmigung eingeholt werden muss: doch haben wir\nin einzelnen Fällen eine solche auf besonderes Nachsuchen ertheilt\nund hiermit das Bestehen einer geschlossenen Gesellschaft anerkannt.\nHiervon ist in so fern Missbrauch gemacht worden, als darauf hin,\nnach §. 2 der Verordnung vom 10. December 1857, Seite 397 des\nRegierungsblattes von 1857, ohne Weiteres taxfreie Tänze bei wirk-\nlich oder angeblich unbezahlter Musik arrangirt wurden (oft meh-\nrere Sonntage hinter einander), und wir finden uns daher veranlasst,\ndiese Genehmigung hiermit zurückzuziehen und bei den Gesang-\nVereinen den Charakter einer geschlossenen Gesellschaft sonach\nnicht mehr anzuerkennen, wonach deren Vorstände zu bescheiden\nsind. Zur Vermeidung von Miss Verständnissen bemerken wir, dass\nwir mit unserem Erlass vom 2. d. Mts. in Nr. 31 dieses Blattes nur\ndie Öffentliche Abhaltung von Gesang-Vereinen, resp. Gesang-\nfesten, ohne vorher eingeholte Erlaubniss verbieten wollten. Der\nVornahme der gewöhnlichen Gesang-Uebungen, welche sich mit der\nvorgeschriebenen Policeistunde zu endigen haben, steht nichts ent-\ngegen. Dr. Westernacher.* (!!)\nv \\\nH ©BBI Ein Artikel in der Niederrheinischen\nMusik-Zeitung vom 11. August d. J. gibt uns zu einigen Bemerkun-\ngen Anlass. Fräul. Ingeborg-Stark und Herr Hans von Bronsart ga-\nben ihre beiden Concerte zu Schwalbach nicht veranlasst durch die\nAnkündigung eines anderen Concertgebers, sondern wie in Wahr-\nheit bezeugt werden kann auf vielfache Aufforderung der damals\nin grosser Menge in dem genannten Badeorte anwesenden Gäste aus\nPetersburg, in welcher Stadt das Künstler-Talent des Fräul. Stark\nsattsam bekannt und anerkannt ist. Von einem unwürdigen Manöver,\num einem anderen Concertgeber den Rang abzulaufen, von Reden an\nden Wirtbstafeln „über Bevorzugung durch parteiische Behörden'*4\nhaben wir, obwohl sattsam bekannt mit den damaligen Verhältnis-\nsen Schwalbachs, nichts gehört*). Die Concerte wurden ganz in\nderselben Art wie immer einige Tage zuvor angekündigt und ge-\nhörten zu den besten und besuchtesten der diesjährigen Badesaison\nzu Schwalbach; zu den besuchtesten lediglich aus dem vorerwähn-\nten Entstehungsgrunde derselben, nicht aber weil unlautere Anzie-\nhungsmittel gebraucht worden waren; zu den besten, weil das Spiel\nder beiden Künstler nicht in einem fingerfertigen „Hämmern auf\ndem Ciavier* bestand, sondern in einem geist- und gefühlvollen Vor-\ntrage einiger Musikstücke anerkannt tüchtiger Componisten. Uebri-\ngens war Fräul. Stark die Concertgeberin, nicht Herr von Bronsart;\num so unangenehmer berührte der fragliche Artikel alle diejenigen,\ndenen die anspruchslose Einfachheit und die liebenswürdige Beschei-\ndenheit des Fräul. Stark bekannt ist,\nEine musicalische Privat-Soiree in Frankfurt am Main fand\nvor einigen Wochen im kleinen Saale des „Haus Mozart* Statt, die\ndarum insbesondere interessant war, weil die neue komische Oper\nvon Adolf Goilmick darin zur Aufführung gelangte, und zwar theils\ndurch Bühnenkünstler, theils durch Dilettanten. Die Oper ist beti-\ntelt: „Der Hof des Grossherzogs*, und soll eine sehr ansprechende\nund mitunter sehr originelle Musik enthalten.\nBei Gelegenheit von Theodor Körner's Todes-\ntag (26. August) kam im hiesigen Hoftheater zum ersten Male\n„Theodor Körner0, vaterländisches Melodram in .Einem Acte von\nHeinrich Dreher, Musik mit Beibehaltung von Melodieen zu Körner's\nLiedern, Ouvertüre von Richard Genee, zur ersten Aufführung.\nIn der letzten Woche des September wird das Standbild Carl Ma-\nria von Weber1 s von liietschel enthüllt werden. Es ist in Lauch-\nhammer gegossen und wird auf dem freien Platze hinter dem Thea-\nter in der Nähe der Garten-Anlagen des Zwingerteiches errichtet.\nDer Zudrang der Besucher des Passi-\nonsspiels ist ausserordentlich. Der dreizehnten Vorstellung (am\n26. August) wohnten wieder über fünftausend Fremde bei, worunter\nMittel- und Norddeutschland, besonders Rheinpreussen und Sachsen,\nfast eben so zahlreich vertreten waren, wie unsere süddeutschen\nNachbarländer Oesterreich, Würtemberg und Baden. Unter den mün-\nchener Gästen befand sich der Minister des Innern, Herr von Neu-\nmayi\\ Die Einnahme der bisherigen Vorstellungen beläuft sich auf\netwa 27,000 Gulden, die der Gemeindecasse zu Gut kommen und\nfür öffentliche Arbeiten, Unterstützung der Armen u. dgl. verwandt\nwerden. Schon übersteigt die Frequenz dieses Jahres jene von 1850\n\n*) Dass eine Beschwerde gegen die städtische Behörde von Seiten\ndes Fräul. Stark bei der herzoglich nassauischen Regierung\nStatt gefunden hat, davon sind wir actenmässig überzeugt\nworden. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4599, "texte": "um einige Tausende. Auch der Industrie-Aufschwung dieser interes-\nsanten Künstler-Gemeinde wird durch den Zufluss der fremden Gäste\nwesentlich begünstigt.\nTOleil* Im Operntheater ist „Fra Diavolou mit Herrn Wach-\ntel als Titelhelden am 4. September neu in Scene gegangen.\nFrau Csillag ist von ihrem Urlaub zurückgekehrt und „zur Freude\nihrer zahlreichen Verehrer\", wie die traditionelle Phrase lautet, als\nLeonore im „Trovatore\" wieder aufgetreten.\nHier ist endlich wieder von einem bei der Hofoper einzuführen-\nden Pacht-System die Rede. Die wiener „Recensionen\" sagen darü-\nber: „Zwölf Jahre sind verflossen, seitdem die Oper in Administra-\ntion genommen wurde. Seitdem haben in diesen Räumen gewaltet:\nein im Jahre 1848 zusammengetretenes, vom besten Willen und reg-\nsten Eifer beseeltes Comite, der ökonomisch-rücksichtsvolle,\nängstlich bureaukratische Hol bein, der rücksichtslose, aufrichtige,\nheftige, sich überstürzende Cornet und der musicalisch gebildete,\nder Leitnng des Ganzen nicht gewachsene, von allen Einflüssen be-\nherrschte Eckert. Die Administration hat es also nur immer dahin\ngebracht, das Theater vom Regen in die Traufe zu bringen, und der\nZustand ist endlich so weit gediehen, dass man statt einer directen\nReform eine indirecte, problematische Aenderung anstrebt, nämlich\nzu dem alten Mittel der Verpachtung seine Zuflucht nimmt.\nBeethoven-Denkmal in Heiligenstadt. Es ist bekannt,\ndass Beethoven wiederholt in Heiligenstadt und Nussdorf bei Wien\nseinen Sommer-Aufenthalt genommen. Hier zwischen den Rebenhü-\ngeln, mit dem Blick auf die schönen Berge, über den breit hin flu-\ntenden Strom, schuf er mehrere seiner unsterblichen Werke. Vor al-\nlen Spazirgängen liebte er einen schattenreichen, an einem Bache\nhinführenden Weg, der Heiligenstadt mit Nussdorf und Grinzing ver-\nbindet; hier sann und schrieb er unter einer Gruppe von Nussbäu-\nmen, die noch gezeigt werden, seine Musik, welche seitdem die der\nWelt geworden ist. Die Landbevölkerung nannte und nennt noch\ndie schöne Allee am Bache den Beethoven-Gang.\nD er Verein für Verschönerung der Umgebungen von Heiligenstadt\nund Nussdorf stellte bereits vor zwei Jahren durch seinen Vorstand,\nHerrn Dr. Heidmann, den Antrag, im Beethoven-Gange dem Manne,\ndessen Namen er führt, ein ländliches Denkmal das erste in\nOesterreich zu errichten. Ein anmuthiger Halbkreis am Bache\nwurde von der Gemeinde in Heiligenstadt freudig für die Aufstellung\neines Denkmals überlassen und gleichzeitig eine Geldsammlung für\ndasselbe eingeleitet.\nEin glückliches Ereigniss trat hinzu. Meister und Ritter von\nFernkorn erbot sich, in Verehrung für den unsterblichen Compo-\nnisten ein ländliches Denkmal unentgeltlich zu liefern. Nur die ma-\nteriellen Auslagen kommen zu vergüten.\nUm zu der bereits gesammelten Summe das Fehlende noch her-\nbeizuschaffen, hatten sich die Herren Dr. A. Heidmann, L. A. Frankl\nund Hof~Capel!n\\eister Randhartinger vereinigt, ein Concert in Hei-\nligcnstadt, im Park-Salon des Herrn Kugler, Mittwoch den 12. Sep-\ntember zu veranstalten. Das Programm war folgendes:\n1. Chor: „Gottes Lob in der Natur*, von Geliert, componirt von\nBeethoven, gesungen von Mitgliedern des Männergesang-Vereins.\n2. Prolog von Ludw. Aug. Frankl, 3. Quartett von Beethoven,\nausgeführt von den Herren Hellmesberger, Durst, Dobihal und Ro-\nver. 4. Lieder von Beethoven: „Adelaide\" von Matthisson, „Neue\nLiebe, neues Leben\" von Göthe, vorgetragen von Herrn Neuthold,\nbegleitet von Herrn B. Randhartinger. 5. Züge aus dem Leben\nBeethoven's: Beethoven und der Stier. Beethoven unter den Bauern.\nVon Ludw. Aug. Frankl. 6. Sonate von Beethoven für Clavicr\nund Violine, vorgetragen von den Herren Rubinstein und Hellmes-\nberger. 7. Chor von Beethoven, gesungen von Mitgliedern des\nMännergesang-Vereins. 8. Beethoven als Sommerpartei. Vorlesung\nvon Herrn Moriz Grandjean.\nMadame Tedesco ist für den Winter wieder hier en-\ngagirt und am 9. September als Fides im Propheten aufgetreten.\nScribe's und Jakob Offenbach's Oper, welche bereits im\nThöätre de VOpira comique studirt wird, heisst rßoi Barkoufu und\nspielt in Indien,\nLondon. Kaum haben die Programme zum Musikfeste in\nWorcester angekündigt, dass Mad. Clara Novello dort zum letz-\nten Male singen werde (vgl. Nr. 33 d. Bl.), so erscheint jetzt eine\nBekanntmachung des Opern-Unternehmers Willert Brale (der seit\neinigen Jahren in den Monaten September, October und November\ndie Provinz mit den Celebritäten der geschlossenen londoner Season\nbesucht), welche eine Reihe von Concerten im Krystallpalaste zu\nSydenham verspricht, in welchen „Mad. Clara Novello vom Publi-\ncum Abschied nehmen wird.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBriefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand Hiller. 11. Aus Utrecht (Musicalisches Leben). Von M. F. Beurtheilungen\n(Psalm 24. Cantate für zwei Chöre von Arey von Dommer Frühlings-Ouverture für Orchester von Georg Vierling). Tages- und\nUn te r h altun gs blatt (Lindenfels, Verfügung Vom Mittelrheine, Rechtfertigung Frankfurt am Main Dresden Oberammer-\ngau Wien Beethoven-Denkmal Paris London).\n\nBriefe von Adolphe Nourrit an Ferdinand IIiller.\n11.\n(I s. Nr. 37.)\n„Neapel, den 5. Mai 1838.\n„Ich war vorgestern mit dem Vorsatze, an Sie zu\nschreiben, aufgestanden; seit zwei Tagen hatte ich Ihnen\neine wichtige Neuigkeit mitzutheiien und wollte Sie nicht\nlänger darauf warten lassen, als ich Ihren herrlichen Brief\nerhielt. Freilich hätte er mich antreiben sollen, noch schnel-\nler wieder zu schreiben; aber im Gegentheil, er ist schuld,\ndass ich die Freude, die mir das macht, noch einen Tag\nverschoben habe. Denn seitdem ich allein bin, habe ich der\nFreuden nicht viele und trachte, diejenigen, die mir von\naussen kommen, zu verlängern. So reichte Ihr Brief hin,\nmir einen guten Tag zu bereiten, und heute sind die Au-\ngenblicke, in denen ich mit Ihnen plaudere, ein Gewinn auf\nRechnung meiner Einsamkeit. Nun also, die Neuigkeit!\n„Mein Loos ist endlich entschieden, ich kann nicht\nmehr zurück, ich bin italiänischer Opernsänger; wenigstens\nhabe ich mich als solchen engagiren lassen und muss ab-\nwarten, ob das Publicum den Stempel des Contractes für\ngültig erklärt. Ich habe mit Barbaja einen Vertrag auf\nsechs Monate abgeschlossen, vom nächsten October bis\nEnde März. Die financiellen Bedingungen sind nicht so\nglänzend, wie Merelli sie mir bot, aber die Stellung ist für\nmich weit angenehmer. Ich bin hier so gut wie Herr über\ndie Wahl meiner Rollen und meiner Opern, und habe den\nunendlichen Vortheil, mit einer neuen Oper aufzutreten,\nwelche Donizetti ausdrücklich für mich schreibt. Wenn\nich mich ganz und gar auf Donizetti verlasse, um die Be-\ntonung des italiänischen Gesanges zu lernen, so setzt er von\nseiner Seite auch wieder volles Vertrauen in meine Büh-\nnenkenntniss, und ist ganz geneigt, sich bei der Wahl des\nLibretto's nach meinen Ansichten zu richten.\n„Er fühlt die Notwendigkeit, etwas Neues zu brin-\ngen. Er hat schon einen Stoff gebilligt, den ich ihm vor-\ngeschlagen habe, und der ihm Situationen darbietet, die\ner noch nicht behandelt hat, einen Stoff, der ihm verbieten\nwird, sich gehen zu lassen, was er zuweilen gar zu leicht\nthut. Und dann strebt sein Ehrgeiz danach, für die grosse\nOper in Paris zu schreiben, und durch das Neue, was er\nItalien bietet, sich Bahn zu brechen, den Forderungen un-\nserer Bühne zu genügen. Ich hoffe ihm einen Theil des\nGuten, das er mir gethan, vergelten zu können. Er hat mir\nbereits einen Beweis seines Vertrauens gegeben. Er com-\nponirt nämlich ein Album für Paris. Zuerst bat er mich\num einige Stoffe für Balladen und Romanzen, die er ita-\nliänisch bearbeiten lassen wollte; nachher aber wünschte\ner, ich möchte sie französisch in Verse bringen. Es gelang\nmir, ich war so glücklich, gerade das zu treffen, was er\nwollte, und er machte sich an die Arbeit. Da ich aber,\nvon dem Verlangen, etwas Neues zu geben, getrieben,\nmeinen Stoff etwas ausführlicher behandelt hatte, als es\nfür solche Compositionen zu geschehen pflegt, so machte\ndies seine Arbeit schwieriger, und er musste mich täglich\nzu Rathe ziehen; ich bin eben so offen gegen ihn gewe-\nsen, wie er gegen mich, und er hat meinem Rathe fast\nblindlings gefolgt. So setze ich denn auch gute Hoffnung\nauf die Oper, die wir vorhaben; ich glaube, sein Dichter\nhat verstanden, was ich will, und übrigens bin ich wäh-\nrend seiner Arbeit immer da, um das, was mir nicht passt,\numschaffen zu lassen.\n„Donizetti selbst ist in Gedanken schon mit dem neuen\nStoffe beschäftigt und sagt zuweilen: „„Wenn es mir nur\ngelingt, den Charakter dieser Musik so zu treffen, wie Sie\nihn haben wollen! ich habe noch nichts der Art ge-\nmacht.\"\"— Ich bin glücklich darüber, dass er sich solche\nGedanken macht, und wenn ich ihn hindere, zu schnell zu\nschreiben und sich so gehen zu lassen, dass er alles, was\nihm in die Feder kommt, aufnimmt, so glaube ich ihm"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.2", "texte": "dadurch einen wahren Dienst zu leisten. So werden wir\nbeide, indem wir uns an einander reiben, gewinnen.\n„Sie können wohl denken, dass ich Neapel den gan-\nzen Sommer nicht verlassen werde; in vier Wochen er-\nwarte ich meine Familie, und wird uns die Hitze in der\nStadt zu drückend, so suchen wir frische Luft in den herr-\nlichen Umgebungen. Ich denke, diese vier Monate voll red-\nlicher Arbeit unter dem neapolitanischen Himmel, im\nSchoosse der Ruhe und des glücklichen Familienlebens,\nsollen mir recht gut thun, und wenn Gott gibt, dass meine\nKinder und meine Frau die Mühen der Reise leicht über-\nstehen und sich hier schicken, so werde ich meine neue\nLaufbahn stark und zu allem Guten aufgelegt antreten und\nhabe eine schöne Zukunft vor Augen. Diese Zukunft wird\ndann auch uns, theurer Freund, wieder zusammen führen,\nund ich theile Ihre Hoffnung, dass dieses Zusammensein\nfür uns beide erspriesslich sein wird.\n„Sind wir erst vereint, so rechne ich darauf, dass wir\nein gutes Stück Weges zusammen machen, uns einander\nunterstützen und Einem und demselben Ziele zustreben.\n„Unterdessen wollen wir den Boden von Italien gehö-\nrig bearbeiten, um allen Nutzen daraus zu ziehen, und\neinst werden wir diese Südfrüchte auf einen kräftigen nor-\ndischen Stamm pfropfen; Baum und Früchte werden da-\ndurch um so besser werden. Beeilen Sie Sich, Ihre erste\nOper zu geben, damit die zweite schon ganz fertig ist,\nwenn ich wieder nach Mailand oder sonst wohin, wo Sie\nSich aufhalten, komme. Aber ehe wir etwas Nagelneues\nbringen, müssen wir der Welt zeigen, dass wir uns auch\nin alle rein italiänischen Forderungen fügen können, damit\nman sich vollkommen überzeuge, dass unsere späteren Ver-\nsuche und Neuerungen aus wohlbegründeter Wahl ent-\nstehen und nicht aus Ohnmacht, es anders machen zu\nkönnen*).\n„Donizetti lässt Sie vielmals grüssen. Wenn Sie etwas\nBestimmtes über Ihre Oper wissen, so theilen Sie mir es\ndoch ja gleich mit.\n„Ad. Nourrit.\n„Nach den ersten Augenblicken der Freude, die Sie\nbeim Wiedersehen Ihrer trefflichen, würdigen Mutter em-\npfinden werden, sprechen Sie doch ja mit ihr von mir, sa-\ngen Sie ihr meine liebevollsten Grüsse, und wie schmerz-\nlich ich es empfinde, diesen Sommer nicht bei ihr und\nIhnen zubringen zu können. Welch ein Trost würde das\nfür meine Frau sein, die in Neapel Niemanden als mich\nhaben wird! Wir sind aber nicht Herren unserer Bahn\nim Leben, wir müssen derjenigen folgen, die sich vor uns\naufthut.\"\n„Neapel, den 6. Juli 1838.\n„Mein theurer Freund!\n„Am 10. Juni habe ich meine Frau und meine Kin-\nder nach sechsmonatlicher Trennung wieder umarmt. Sie\nkönnen denken, wie schnell mir seitdem die Zeit vergan-\ngen ist. Es ist mir, als wären sie erst gestern angekom-\nmen; seitdem ich alle die geliebten Meinigen hier habe,\ngehen die Stunden und Tage mit wahl haft erschreckender\nSchnelligkeit an mir vorüber, denn in meinem Glücke ver-\ngesse ich beinahe, wesshalb ich nach Italien gekommen\nbin, und wenn ich dann auf einmal daran denke, so er-\nschrecke ich über alles, was ich noch bis zu meinem Auf-\ntreten zu thun habe. So lange ich allein war, füllte das\nStudium meine Tage aus und war mir wichtig, weil es mir\ndie Unlust der Einsamkeit tragen half; jetzt studire ich\neben so viel, wie sonst, aber es kommt mir vor, als thäte\nich nichts, es kommt mir vor, als schliefe ich in meinem\nGlücke ein. Und ich darf doch wahrhaftig nicht einschla-\nfen, denn der September ist vor der Thür, Donizetti's Oper\nschreitet gewaltig voran, und ich habe mich noch nicht\ndicht genug mit italiänischem Firniss überzogen; wider\nmeinen Willen lassen sich französische Angewöhnungen\ndann und wann wieder von fern blicken, und ich möchte\ndoch gern, wenn ich die Bühne hier betrete, so lest in der\nitaliänischen WTeise sein, dass ich mir gar keine Gedanken\nmehr darüber zu machen brauchte. Freilich, wenn ich\ndarauf warten soll, bis mein Geist so Irei von jeder einge-\nbildeten Sorge sei, dass ich mich aller Unruhe los und le-\ndig fühle, so kann ich lange warten! Ich weiss sehr gut,\ndass ich einen unruhigen Geist habe, dass ich mich oft\ndurch eingebildete Befürchtungen beherrschen lasse, und\nich erinnere mich ganz gut, dass ich nur sehr selten mit\nmeinen Leistungen zufrieden gewesen bin, während ich\nAnderen und oft den am schwersten zu Befriedigenden ge-\nnügte. Es gibt Leute, die das Bescheidenheit nennen wür-\nden, ich nenne es aber Hochmuth; ja, es ist nur Hoch-\nmuth, wenn man nicht seinen Theil menschlicher Schwäche\nauf sich nehmen und eine Vollkommenheit träumen will,\ndie zu erreichen dem Menschen nicht gegeben ist.\n„Von allen Studien, die ein Künstler zu machen hat,\nist meiner Ansicht nach das wichtigste das Studium der\nErkenntniss seiner eigenen Mittel; er muss genau den\nPunkt kennen, wie weit er gehen kann, damit er nicht\ndurch Ankämpfen gegen die Unmöglichkeit eine Zeit ver-\nliert, die er zur Entwicklung der ihm verliehenen Kräfte\nanwenden muss. Die Aufgabe ist nicht die, ohne Mängel\nzu sein, sondern die, eine grosse hervorragende Eigen-\nschaft zu besitzen, welche die kleinen Schwächen und Un-\nvollkommenheiten verdecken kann. Aber da lasse ich mich\ngar auf Theorie ein; wenn ich nur noch ein wenig in die-\ni ,\n\n*) Wie richtig im Princip und zugleich wie prophetisch !\nDie Bedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.3", "texte": "Sem Tone fortfahre, so wird mein Brief einem Journal-\nArtikel gleichen, und ich habe zu wenig Zeit zur Unter-\nhaltung mit Ihnen, um sie so schlecht anzuwenden.\n„Sie sind also nun in Bellaggio*) bei Ihrer trefflichen\nMutter. Ich kenne das Glück eines solchen Zusammenseins\naus Erfahrung und höre mit Vergnügen, dass es Sie auf-\nmuntert, wieder an Ihre Lieblings-Arbeit**) zu gehen.\nDenn obwohl wir beide es aufs Italiänisch-Machen abse-\nhen und uns alle Mühe geben, es mit aufrichtigem Eifer\nzu thun, so bleiben wir doch nichts desto weniger unse-\nrem Glauben, unserer Liebe treu; um nichts in der Welt\nvergessen wir unsere alten Götter Gluck, Mozart, Beetho-\nven, Schubert, und ohne gegen Italien undankbar zu sein,\nvon dem wir lernen wollen, was andere Länder uns nicht\ngeben können, senden wir doch unsere Blicke über die\nAlpen hinüber und glauben, dass es was Besseres zu ma-\nchen gibt, als das, was jetzt unter Ausoniens schönem\nHimmel gemacht wird. Arbeiten Sie denn nur rüstig an\nIhrem Oratorium fort, das dadurch gewinnen kann, dass\nes in Italien geschrieben wird; wie schön wird ein ernster\ndeutscher Gedanke in verführerischer italiänischer Form\nsich ausnehmen! Lassen Sie aber doch ja nicht Ihre Oper\nbei Seite liegen; ich kann fast eben so wenig wie Sie selbst\ndie Zeit ihrer Aufführung erwarten, noch weniger die Zeit,\nwo wir zusammen arbeiten werden. Die Gelegenheit ist\ngünstig für einen jungen Maestro: Donizetti wird Italien\nLebewohl sagen; man macht ihm in Frankreich Anerbie-\ntungen, die ihm zusagen, und wahrscheinlich ist „Po-\nlyeukt\" die letzte Oper, die er für sein Vaterland\nschreibt***). Machen Sie also voran; ich habe schon ein\nhalbes Dutzend Opern-Stoffe im Kopfe, die für Sie pas-\nsen werden; wir haben nur die Wahl. Die Haupt-Auf-\ngabe für uns ist jetzt ein Erfolg, und desswegen müssen\nwir den Forderungen des Publicums, dem wir gefallen\nwollen, uns unterwerfen. Fangen wir damit an, ihm zu\ngeben, was es gern hat; vielleicht wird es dann, wenn es\nuns erst einmal aufgenommen hat, uns auch auf den neuen\nWeg folgen, den wir es führen wollen. Aber erst müssen\nwir einen Erfolg haben, einen Erfolg um jeden Preis! Und\ndennoch muss ich geslehen, dass ich trotz meines Wun-\nsches, dem Geschmack des Publicums zu genügen, mich\ndoch nicht habe enthalten können, dem Libretto, das für\nmich geschrieben wird, einen Inhalt und eine Wendung\nzu geben, welche den Leuten hier zu Lande etwas selt-\nsam vorkommen wird.\n„Dem Maestro scheint es eine Ehrensache zu sein;\ner verwendet alle mögliche Sorgfalt auf diese letzte Parti-\ntur. Er schreibt sie fast eben so sehr für Frankreich als\nfür Italien. In der That bekümmert man sich auch in Pa-\nris mehr darum, als in Neapel, und er hat schon von ver-\nschiedenen Verlegern Anträge für den Verkauf der Oper,\ndie er für mich schreibt, erhalten, ohne dass sie wissen,\nwie sie heisst. Mit dem Titel werden wir vielleicht einige\nUmstände haben, denn wir haben es mit einer sehr stren-\ngen Censur-Behörde zu thun, und da unser Held ein Hei-\nliger ist, so zwingt man uns am Ende, ihn umzutaufen;\nein Christ muss aber unser Märtyrer jedenfalls bleiben,\nmag er heissen, wie er wolle. Diese Verhältnisse machen\nes gerathen, den schönen Stoff aus wor-\nüber wir gesprochen haben, für Frankreich aufzusparen.\n„Ad. Nourrit.\"\n„Neapel, den 16. November 1838.\n„Ehe ich Ihnen alle Umstände schildere, die mich so\nlange abgehalten haben, Ihnen zu schreiben, beeile ich\nmich, Ihnen mitzutheilen, dass ich vorgestern endlich auf\ndem Theater San Carlo im Giuramento von Mercadante\naufgetreten bin und dass der Erfolg meine kühnsten Hoff-\nnungen, ja, alles, was ich vernünftiger Weise nur erwar-\nten konnte, übertreffen hat. Dieses Publicum von Neapel,\ndas für so kalt und schwer zu befriedigen gilt, ist gegen\nmich ganz aussergewöhnlich wohlwollend gewesen; schon\nnach den ersten Tacten, die ich gesungen, hat es mich\naufgemuntert, und die kleine Romanze, mit welcher Vis-\ncardo auftritt, stellte sogleich meinen Erfolg sicher. Man\nfand gleich, dass ich zu singen verstände, und was in mei-\nnem Spiel neu und fremdartig war, wurde mit rauschen-\ndem Beifall aufgenommen. Ich biji fünf Mal hervorgerufen\nworden, und die ältesten Abonnenten von San Carlo erin-\nnern sich keines ähnlichen Debüts. Ich sollte vielleicht be-\nscheidener von mir selbst sprechen, aber Ihre Freundschaft\nfür mich hat das Recht, Wahrheit zu verlangen, zumal\nwenn diese Wahrheit Ihnen Freude macht. Und dann habe\nich auch diesen Erfolg durch so manchen Verdruss er-\nkauft, dass es mir wohl gegönnt sein darf, mein Glück mit\nvoller Hingebung zu geniessen.\n„Ich habe mich gar nicht darüber verwundert, dass\nman Ihnen allerlei Dinge über mich berichtet hat, denn\nich habe wirklich Veranlassung zu allem möglichen Gerede\nüber mich gegeben; es gab einen Moment, in welchem\nich so inuthlos war, mich so unglücklich fühlte, dass ich\nvom Theater abgehen wollte und zu allen Opfern bereit\nwar, um meine Freiheit damit wieder zu erkaufen. Glück-\n[*]\n\n*) Am Comersee.\n**) Das Oratorium „Die Zerstörung von Jerusalem*.\n***) Polyeukt (Poliutto) war die Oper, die Donizetti für Nourrit\ncomponirte. Man wird weiter unten sehen, dass sie in Neapel\nnicht aufgeführt werden durfte. Im Jahre 1840 brachte Doni-\nzetti sie in Paris unter dem Titel „Les Martyrs\".auf die Bühne\nder grossen Oper, und neuerdings hat die italiänische Oper sie\nunter dem ursprünglichen Titel rPoliuttou wieder\naber ohne besonderen Erfolg."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.4", "texte": "lieber Weise hatte ich mit einem Biedermanne zu thun.\nBarbaja begriff meinen Zustand, fühlte meinen Unmuth\nund hatte Mitleid mit meiner Thorheit; er nahm meinen\nVorschlag nicht an und zwang mich, wider meinen Willen\nvernünftig zu sein.\n„Sie wissen, dassPolyeukt vor der Censur keine Gnade\nfand. Wir arbeiteten den Text um und verwandelten un-\nsere Christen in Guebern—vergebens; von religiösem Ge-\nfühl auf der Bühne wollte man nichts hören, unter wel-\ncher Gestalt es auch vorgebracht würde. Sie können Sich\ndenken, was für einen Werth ich darauf legte, in einer\nOper aufzutreten, die für mich componirt war und deren\nText ich dictirt hatte; wie schmerzlich es mir also sein\nmusste, den Halt zu verlieren, auf den ich mich verliess,\num mit Muth in die Schranken zu treten! Indess, was\nhalf's? ich musste eine andere Oper wählen. Ich bat um\ndie „Lucrezia Borgia\", zu welcher Donizetti einö Arie und\neine Schlussscene für mich hinzueomponirt hatte. Aus Vor-\nsicht machten wir aus der Schwester eines Papstes eine\nHerzogin von Mailand und nannten sie „Elisa\". Die Cen-\nsur witterte die Verkappung und schloss mir wieder den\nMund in dem Augenblicke, wo ich meine Bolle beinahe\nauswendig konnte. Donizetti bot mir darauf an, in der\nPia, die er vor anderthalb Jahr für Venedig geschrieben,\naufzutreten; allein die Tenor-Partie darin sagte mir nicht\nzu, und ich musste trotz aller Bücksichten, die ich dem\nMaestro schuldig war, den Antrag ablehnen.\n„Indessen musste ich doch auftreten! Gern hätte ich\n„Wilhelm Teil\" gehabt; aber wie sollte man die policei-\nliche Erlaubniss zur Aufführung erlangen? Der Eine rieth\nso, der Andere so, und ich verlor unter allem diesem Hin-\nlind Herschwanken dermaassen den Kopf, dass ich matt\nund müde, da mir die Freiheit der Wahl genommen war,\nam Ende trotz meines Widerwillens mich zur Pia ent-\nschloss, da dies die einzige neue Oper war, über die man\nverfügen konnte. Ich machte mich ohne Muth und Lust\nans Werk, und der Eindruck, den die Oper in den Pro-\nben machte, war auch nicht geeignet, mir Vertrauen auf\nmich selbst einzuflössen. Bechnen Sie hinzu, dass ich sechs\nMonate lang ohne Unterbrechung die eifrigsten Studien\nfür italiänischen Gesang betrieben und es wirklich so weit\ngebracht, dass ich die Natur meines Organs gänzlich\nverändert hatte. So vereinigte sich Ermüdung, Widerwil-\nlen, Abspannung, Alles, um mir jede Lust am weiteren\nEinstudiren der Rolle zu verleiden. Ich war unzufrieden\nmit meiner Stimme, unzufrieden mit meiner Rolle, unzu-\nfrieden mit der Composition; da ich aber nichts mit kal-\ntem Blute thun kann, so musste ich es bis zur leidenschaft-\nlichsten Ueberspannung treiben, um so weit zu kommen,\neine Rolle zurückzuweisen, die ich schon gelernt, schon\nprobirt hatte, und eine Rolle von Donizettii, und das vier\noder fünf Tage vor der Vorstellung. Meine Aufregung\nwar so gross, dass ich krank wurde, und ich konnte wirk-\nlich nicht singen oder hatte wenigstens nicht die Kraft,\nsingen zu wollen, so unzufrieden war ich mit allem, was\nich that.\n„Das war der Zeitpunkt, wo ich meinen Contract auf-\nlösen und lieber alle zu fordernde Entschädigung zahlen\nwollte. Glücklicher Weise ging Barbaja nicht darauf ein,\nnahm mir meine schlechte Rolle ab und liess mir Zeit,\nmich wieder zu erholen. Um mir Lust zum Singen zu ma-\nchen, machte er mir auf Wilhelm Teil Hoffnung, und da\nich nach einigen Tagen meine Stimme wiederbekam, und\nso wiederbekam, wie Sie sie kennen, so fasste ich wieder\nneuen Muth. Da die Erlaubniss zum Teil nicht ankam, so\nentschloss ich mich zum Giurameund es ist mir wohl\nbekommen, denn ich konnte keinen schöneren Erfolg wün-\nschen. Das ganze Werk hat grossen Eindruck gemacht;\nman hat in Neapel seit langer Zeit es nicht erlebt, dass\neine Oper solches Glück gemacht hat. Ich werde Ihnen\nüber alles das ausführlicher schreiben; ich habe aber seit\ngestern so viel geschrieben, dass ich meine Briefe kurz\nfassen muss. Barbaja hat mich nicht zu Athem kommen\nlassen, ich habe zwei Tage hinter einander spielen müssen.\nNach der Ermüdung durch die Proben, der Aufregung\ndes Debüts, glaubte ich kaum, Kraft dazu zu haben; doch\nhabe ich es fertig gebracht, und der Beifall war in der\nzweiten Vorstellung nicht geringer, als in der ersten.\n„Jetzt ist die Beihe an Ihnen. Lassen Sie mich oft\nwissen, was Sie machen, und ich verspreche Ihnen, Sie\nauch nicht wieder so lange auf Nachrichten von mir war-\nten zu lassen. Behalten Sie mich so lieb, wie ich Sie habe,\n„Ad. Nourrit.\"\n\nAus Utrecht.\n\nErlauben Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, Ihre\nauch bei uns in Holland viel gelesene Zeitung für einen\nkleinen Raum in Anspruch zu nehmen, um Ihren Lesern\nden Bericht eines Landsmannes über das hiesige Musikle-\nben mitzutheilen. Es ist unbegreiflich, dass die sehr in-\nteressanten musicalischen Leistungen der hiesigen Concert-\nVereine fast von allen holländischen Blättern so gut wie\nignorirt werden. Wir können dies nicht dem Mangel an\nMännern in Utrecht zuschreiben, die über Musik zu schrei-\nben verständen, denn wir haben ja hier Herrn Dr. Kist,\nund Utrecht ist der einzige Ort in Holland, in welchem\neine Musik-Zeitung, die „Cäcilia\", erscheint. Es ist mög-\nlich, dass diese Heilige, wie das auch in anderen Dingen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.5", "texte": "Su geschehen pflegt, zu viel und zu weit in die Welt hinaus\nzu schauen hat, und desshalb, wenn sie zu Haus kommt,\nmüde die Augen schliesst oder wenigstens auf einen Theil\nihrer Priester und deren Leistungen etwas trübäugig her-\nabsieht, zumal wenn diese nicht das Glück haben, aus\nholländischem Boden erwachsen zu sein, sondern bloss das\ngrosse Verdienst, diesen Boden durch die sorgfältigste,\njahrelange Gultur für die Musik immer empfänglicher und\nfruchtbarer zu machen.\n.Es gibt in Holland eine Partei, welche den Ursprung\ndes jetzigen regen Musiklebens in unseren Niederlanden\nganz vergessen hat, zum Theil auch vergessen will, die das\nehrenvolle Streben der Niederländer nach Selbstständigkeit\nund Unabhängigkeit, welchem sie ihre politische und mer-\ncantilische Blüthe verdanken, in zum Theil verkehrtem,\nzum Theil übertriebenem Maasse auch auf die Kunst, na-\nmentlich die Tonkunst, überträgt, und während selbst die\neigensüchtigste Nation von der Welt, die Franzosen, jetzt\nüberall offen anerkennen, dass die Deutschen ihre Meister\nund Lehrer in der classischen Musik sind, glaubt diese\nkleine Partei dadurch ihren Patriotismus beweisen zu müs-\nsen, dass sie behauptet, die holländische Musik müsse sich\nvon der Herrschaft der deutschen emaneipiren. Die hol-\nländische Musik! Wir hegen alle Achtung vor den Ta-\nlenten, die sich in neuerer Zeit unter den Holländern als\nComponisten aufgethan und sehr Anerkennungswerthes ge-\nleistet haben; aber daraus auf eine specifisch holländische\nMusik schliessen oder gar dieselbe gegen die deutsche stel-\nlen und ausschliesslich fördern zu wollen, das ist denn\ndoch zu sonderbar und Ausfluss einer National-Eitelkeit,\ndie nur ein Lächeln erregen kann. So wenig wie holländi-\nsche Texte die Musik der Cantaten und Psalmen neuerer\nComponisten zu einer holländischen machen können, so\nwenig wie ein Elijah of Horeb den Elias von Mendelssohn\nverläugnen, geschweige denn überbieten kann, eben so\nyi-\nwenig werden die in deutscher Schule und durch deutsche\nMusterwerke gebildeten holländischen Componisten eine\nandere als deutsche Musik schreiben.\nUnd dabei dürften sie sich auch am besten stehen. Sie\nselbst sind fern von jenen überpatriotischen Träumen, und\nauch der ganze Geschmack des niederländischen Volkes ist\nentschieden für die deutsche Musik, mag sie classisch oder\nromantisch heissen, und das ist ein Segen für die Tonkunst\nin Holland. Wir älteren Leute wissen recht gut, wie es\nmit dem musicalischen Geschmacke vor fünfundzwanzig bis\ndreissig Jahren hier aussah, wie die erbärmlichste franzö-\nsische Dudelei und das gehaltloseste Tongeklingel auf In-\nstrumenten und in Gesängen, wenn es nur aus Frankreich\nkam, ganz allein populär war. Zeugniss davon ist ja noch\nbis auf den heutigen Tag die französische Oper im Haag,\nder Residenz unseres Königs, und die Unmöglichkeit einer\nsicheren Existenz einer deutschen, geschweige denn einer\nholländischen Oper!\nWenn es nun in dieser Beziehung unendlich besser\ngeworden ist, wenn es ausser Deutschland kein Land gibt,\nin welchem die deutsche Musik so verstanden und geliebt\nwird, wie in Holland, so müssen wir auch die deutschen\nKünstler, die sich unter uns niedergelassen haben und de-\nren Wirken hauptsächlich dazu beigetragen, jenen After-\ngeschmack zu vertreiben, hochhalten und nicht in Selbst-\nüberhebung vergessen wollen.\nWir haben hier in Utrecht ein sehr gutes Orchester\nvon 10 ersten und 12 zweiten Violinen, 7 Violen, 8 Vio-\nloncellen (darunter den vorzüglichen Violoncellisten Herrn\nBecker, einen Schüler von Servais) und 4 Contrabässen.\nDen so häufigen Mangel an guten Blas-Instrumenten em-\npfinden wir hier nicht; sowohl die Holz- als die Blech-In-\nstrumente sind recht gut, einige (z. B. Clarinetten) ausge-\nzeichnet. Unter der langjährigen vortrefflichen Leitung des\nHerrn Musik-Directors J. H. Kufferath ist das Orchester\nso gut eingespielt, dass alle fremden Künstler, z. B. Ser-\nvais, Laub, Wieniawski, Frau Schumann, Jaell, Brassin,\nBülow u. s. w., sich mit der grössten Anerkennung darüber\nausgesprochen haben. Auch dürfte rühmend zu erwähnen\nsein, dass dieses Orchester die Vorproben zu den Abonne-\nments-Concerten bloss aus Liebe zur Kunst und aus An-,\nhänglichkeit an den Dirigenten unentgeltlich spielt.\nDie so genannten Stadt-Concerte der Gesellschaft\nCollegiuni musicum mit dem Sinnspruche: „Antat alta si-\nlentia Musa\",ferner die Studenten-Concerte\ntua fides\"), der Singverein\ngingu) und ein Männer-Gesangverein werden von\nHerrn Kufferath geleitet; nur den letztgenannten Verein\ndirigirt neuerdings auch Herr Coenen.\nIn den fünf grossen Stadt-Concerten der letzten Saison\n(in fünf anderen bilden bloss Herren das Auditorium, wess-\nhalb die öffentlichen Concerte in Holland auch Dames-\nConcerts genannt werden, ja, der hiesige Studenten-Verein\ngibt Dames-Studenten-Concerts für den Ausländer, der\nden Sinn dieser Benennung nicht kennt, ein curioser Titel!)\nhörten wir Sinfonieen von F. Schubert, von Beethoven\nNr. VIII., 11., Mendelssohn Nr. IV.und eine neue von dem\nsehr talentvollen holländischen Componisten W. F. G. Ni-\ncolai;— in den Studenten-Concerten von Mozart Nr. VI.\nund die in D-clur,von Niels Gade Nr. I.— Ouvertüren\n9\nvon Spohr (Faust), Kossini (Teil), Wagner (Tannhäuser),\nJ. H. Kufferath (Fest-Ouverture, Manuscript), Cherubini\n(Anacrcon und Wasserträger), Weber (Jubel-Ouverture),\nVerhulst (in C-nioll), Beethoven (Op. 124 und Egmont)."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.6", "texte": "Von Oratorien wurden gegeben Reinthaler's Jephta\nund seine Tochter, Händel's Samson, Mendelssohn's Wal-\npurgisnacht.\nVon auswärtigen Künstlern hörten wir die Damen\nJenny Meyer aus Berlin, OlTermans van Hove -aus dem\nHaag, Isabella Incli von Merelli's italiänischer Oper, Leo-\nnard-Garcia aus Brüssel, Rosa de Vries van Os aus Am-\nsterdam, Anna Colin Tobisch; die Herren Jul. Stockhau-\nsen, Louis Brassin (6r-moZ/-Concert von Moscheies), Henri\nWieniawski (Concert von Viotti), P. R. Becker (zwei Phan-\ntasieen für Violoncell von Servais), H. Leonard (Violin-\nConcert eigener Composition), A. Jaell (6*-wo//-Concert von\nBeethoven), Clara Schumann ((r-wo//-Concert von Mendels-\nsohn), Francis Servais (Violoncell-Concert eigener Com-\nposition), H. von Bülow (Es-durConcert von Beethoven),\nFerd. Laub (Violin-Concert von Mendelssohn).\nEs dürfte ein ehrenvolles Zeichen für unser Publicum\nsein, dass die genannten Künstler mit den genannten Com-\npositionen ernster, grosser Gattung bei uns aufgetreten sind\nund damit enthusiastischen Beifall gewonnen haben. Wie-\nwohl sie natürlich auch kleinere Bravourstücke zugaben,\nderen Ausführung Bewunderung erregte, so haben sie sich\ndoch überzeugt, dass der Sinn für classische und überhaupt\ngediegene Musik hier vorherrscht, und dies haben wir be-\nsonders den unermüdlichen Bestrebungen und dem conse-\nquenten Eifer des Musik-Directors Kufferath zu danken,\ndessen Verdienste um die Tonkunst überhaupt schon längst\nrühmlichst bekannt und auch von unserem Könige durch\nVerleihung der niederländischen Ordens-Decoration aus-\ngezeichnet worden sind.\nSchliesslich hat eine Gesellschaft von Musikfreunden,\nan deren Spitze Herr L. H. s***** steht, auch für den\nSommer grosse Orchester-Concerte in dem Saale des präch-\ntigen Parks „Tivoli\" ins Leben gerufen, wofür das Publi-\ncum nicht genug dankbar sein kann und deren Fortsetzung\nunter so vorzüglicher Leitung allseitiger Wunsch ist. Das\nConcert am 5. Juli brachte unter Kufferaths Leitung vier\nOuvertüren (darunter auch die herrliche Leonora von Beet-\nhoven), einige Männerchöre und ein interessantes Concert-\nslück für Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott und Horn von\nLindpaintner, das vortrefflich ausgeführt wurde.\n\nM. F.\n\nBeurtheilungen.\n\nPsalm 24. Cantate für zwei Chöre, a capella\ncomponirt und dem Riedel'schen Gesang-Vereine\nzu Leipzig gewidmet von Arey von Dommer.\nOp. 1. Preis der Partitur und Stimmen 2 Thlr.\n10 Ngr. Leipzig, Kahnt.\nDiese Composition zerfällt in zwei Theile, deren jeder\nzwei grössere Nummern enthält. Der erste Theil beginnt\nmit einem freundlichen Satze für vier Oberstimmen in\ndur, welchen dann der gemischte einfache Chor in weiter\nHarmonielage wiederholt, nach längerer Durchführung in\ndie Dominante führt und nach kurzem Verweilen darauf\nwieder mit dem Anfangssatze schliesst. Neben einigen Här-\nten, welche leicht zu vermeiden waren und doch die Schön-\nheit nicht hoben, hätte ich gewünscht, dass der Zwischen-\nsatz in E-mollsowohl in einem anderen Rhythmus als\nTempo gesetzt wäre, da so, wie die Sache ist, sie etwas\nmatt und schwach wirkt. Die Nr. 2 stellt die Frage: Wer\nist der König der Glorie? und läuft, die Antwort gebend,\nin eine prächtige Doppelfuge für die zwei Chöre aus. An\ndem Thema habe ich ungern gesehen, dass die musicali-\nsche Phrase fällt, statt zu steigen. Nr. 3 ist ein lieblicher\nSatz; es hat der Text dazu Anlass geboten: „Der unschul-\ndigen Herzens ist, wird geh'n zum Herrn und stehen vor\nSeinem Angesichte.\" Recht verständig sind die verschiede-\nnen Tugenden durch das wechselvolle Ineinandergreifen\nbeider Chöre gezeichnet, wie denn überhaupt dieser Satz\nder klarste im ganzen Werke ist. Nr. 4 ist ein langer,\naber wirksamer Orgelpunkt, der, in einen mächtigen Cho-\nral überleitend, das von tüchtigen und ernsten Studien des\nContrapunktes Zeugniss gebende, allen Gesang-Vereinen,\ndie Höheres erstreben als blosse Unterhaltung, zur Auf-\nführung zu empfehlende Werk würdig schliesst.\nFrühlings-Ouve rture für Orchester von Georg\nVierling. (Op. ?) Leukart, Breslau.\nDie Ouvertüre ist so zart, so fröhlich, so innig, so\nherzlich, so frisch und duftend, wie der Frühling selbst;\ndie Orchester werden damit überall Ehre einlegen, wo\nsie zur Aufführung gelangt. Die tiefen Speculationen, frap-\npanten Modulationen, künstlichen Combinationen sind alle\nweggelassen, es herrscht eine so durchsichtige Klarheit in\nder Anlage und Durchführung, die selbst dem Laien iu\nder Musik das Verständniss der Composition ohne Mühe\nermöglicht. Vierling wollte offenbar zeigen, dass man, auch\nohne stets auf dem hohen Rosse zu sitzen, Schönes leisten\nkönne. Wollten recht Viele nur dieses Beispiel nachahmen,\ndie Tonwerke grösserer Art würden bald wieder lebhaf-\ntere Theilnahme finden. Warum auch immer auf so ho-\nhem Kothurn umher schreiten? Wir glauben, dass die\nMusik vorzugsweise dazu da ist, das Herz zu erfreuen, das\nGemüth zu heben. Wie wird aber das möglich sein, wenn\njeder Hörer erst ein gehäuftes Maass von Verstand, euch\nund eure Werke zu begreifen, mitbringen soll? Denke man\nan die unvergänglichen Ouvertüren, Sinfonieen u. s. w.\nHaydn's, Mozart's u. s. w. und an den Jubel, mit dem\nsie von Allen ohne Ausnahme, Kennern und Nichtkennern,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.7", "texte": "aufgenommen wurden, und vergleiche man dagegen die\nKälte und Gleichgültigkeit, die so vielfach den neuen und\nneuesten derartigen Werken entgegengesetzt wird. Was\nist die Lehre? Jene Meister bewegten sich streng inner-\nhalb der Gränzen, welche die Schönheit der Musik ange-\nwiesen hatte; heutzutage hat man fast die Idee der Schön-\nheit verloren vor lauter Untersuchungen über das, was\nschön ist. Der Alles zersetzende Geist derZeit ist auch den\nMusikern mehr oder minder in die Glieder gefahren. Ge-\nwiss nur zum Nachtheil für ihre Compositionen so gut, wie\nder Musik überhaupt! Vierling scheint dies gefühlt zu ha-\nben, als er seine Frühlings-Ouverture schrieb. Da ist nichts\nGesuchtes, nichts mühsam Gemachtes; das Werk ist offen-\nbar in einer frohen Stunde so entstanden als vollendet, es\nist aus Einem Gusse. Möglich, dass die tiefen, Alles ausklü-\ngelnden Denker, welche die Philosophie auch in die Musik\neinschwärzen wollen, üher die einfache Conception der\nOuvertüre die Nase rümpfen; was thut das? Es ist oft das\ngrösste Lob, von gewissen Leuten getadelt zu werden.\nVierling beschenke uns öfter mit solchen Gaben; wir wer-\nden ihm dankbarer sein, als jenen Heroen, deren Werke\nso ungeheuer geistreich sind, dass sie dem grösseren Theile\nder Menschen unauflösbare Rathsei bleiben. Wie weit übri-\ngens Vierling hinter den oben bezeichneten Meistern noch\nzurücksteht, was und wie viel ihm fehlt, um ihren Schö-\npfungen nur nahe zu kommen (erreicht und übertroffen\nwerden sie nicht leicht!), wird der Meister, dem es nach\nallem, was wir von ihm hörten, hoher Ernst ist mit der\nMusik, sich nicht verhehlen. Das Arrangement der Haydn'-\nschen Sinfoniecn, welches er besorgt, und das mehr Stu-\ndium voraussetzt, als man gewöhnlich glaubt, kann für ihn\nnur von grossem Nutzen sein.\n\nM.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nGr.\nJLiaa«fieillTelS, im Grossherzogthum Hessen, 25. August. Unser\ngestern ausgegebenes Kreis-Intelligenzblatt bringt nachstehende Ver-\nfügung des Kreisamtes zur Keuntniss der Bürgermeistereien: „Es\nist zwar nicht vorgeschrieben, dass zur Bildung von Gesang-Verei-\nnen höhere Genehmigung eingeholt werden muss: doch haben wir\nin einzelnen Fällen eine solche auf besonderes Nachsuchen ertheilt\nund hiermit das Bestehen einer geschlossenen Gesellschaft anerkannt.\nHiervon ist in so fern Missbrauch gemacht worden, als darauf hin,\nnach §. 2 der Verordnung vom 10. December 1857, Seite 397 des\nRegierungsblattes von 1857, ohne Weiteres taxfreie Tänze bei wirk-\nlich oder angeblich unbezahlter Musik arrangirt wurden (oft meh-\nrere Sonntage hinter einander), und wir finden uns daher veranlasst,\ndiese Genehmigung hiermit zurückzuziehen und bei den Gesang-\nVereinen den Charakter einer geschlossenen Gesellschaft sonach\nnicht mehr anzuerkennen, wonach deren Vorstände zu bescheiden\nsind. Zur Vermeidung von Miss Verständnissen bemerken wir, dass\nwir mit unserem Erlass vom 2. d. Mts. in Nr. 31 dieses Blattes nur\ndie Öffentliche Abhaltung von Gesang-Vereinen, resp. Gesang-\nfesten, ohne vorher eingeholte Erlaubniss verbieten wollten. Der\nVornahme der gewöhnlichen Gesang-Uebungen, welche sich mit der\nvorgeschriebenen Policeistunde zu endigen haben, steht nichts ent-\ngegen. Dr. Westernacher.* (!!)\nv \\\nH ©BBI Ein Artikel in der Niederrheinischen\nMusik-Zeitung vom 11. August d. J. gibt uns zu einigen Bemerkun-\ngen Anlass. Fräul. Ingeborg-Stark und Herr Hans von Bronsart ga-\nben ihre beiden Concerte zu Schwalbach nicht veranlasst durch die\nAnkündigung eines anderen Concertgebers, sondern wie in Wahr-\nheit bezeugt werden kann auf vielfache Aufforderung der damals\nin grosser Menge in dem genannten Badeorte anwesenden Gäste aus\nPetersburg, in welcher Stadt das Künstler-Talent des Fräul. Stark\nsattsam bekannt und anerkannt ist. Von einem unwürdigen Manöver,\num einem anderen Concertgeber den Rang abzulaufen, von Reden an\nden Wirtbstafeln „über Bevorzugung durch parteiische Behörden'*4\nhaben wir, obwohl sattsam bekannt mit den damaligen Verhältnis-\nsen Schwalbachs, nichts gehört*). Die Concerte wurden ganz in\nderselben Art wie immer einige Tage zuvor angekündigt und ge-\nhörten zu den besten und besuchtesten der diesjährigen Badesaison\nzu Schwalbach; zu den besuchtesten lediglich aus dem vorerwähn-\nten Entstehungsgrunde derselben, nicht aber weil unlautere Anzie-\nhungsmittel gebraucht worden waren; zu den besten, weil das Spiel\nder beiden Künstler nicht in einem fingerfertigen „Hämmern auf\ndem Ciavier* bestand, sondern in einem geist- und gefühlvollen Vor-\ntrage einiger Musikstücke anerkannt tüchtiger Componisten. Uebri-\ngens war Fräul. Stark die Concertgeberin, nicht Herr von Bronsart;\num so unangenehmer berührte der fragliche Artikel alle diejenigen,\ndenen die anspruchslose Einfachheit und die liebenswürdige Beschei-\ndenheit des Fräul. Stark bekannt ist,\nEine musicalische Privat-Soiree in Frankfurt am Main fand\nvor einigen Wochen im kleinen Saale des „Haus Mozart* Statt, die\ndarum insbesondere interessant war, weil die neue komische Oper\nvon Adolf Goilmick darin zur Aufführung gelangte, und zwar theils\ndurch Bühnenkünstler, theils durch Dilettanten. Die Oper ist beti-\ntelt: „Der Hof des Grossherzogs*, und soll eine sehr ansprechende\nund mitunter sehr originelle Musik enthalten.\nBei Gelegenheit von Theodor Körner's Todes-\ntag (26. August) kam im hiesigen Hoftheater zum ersten Male\n„Theodor Körner0, vaterländisches Melodram in .Einem Acte von\nHeinrich Dreher, Musik mit Beibehaltung von Melodieen zu Körner's\nLiedern, Ouvertüre von Richard Genee, zur ersten Aufführung.\nIn der letzten Woche des September wird das Standbild Carl Ma-\nria von Weber1 s von liietschel enthüllt werden. Es ist in Lauch-\nhammer gegossen und wird auf dem freien Platze hinter dem Thea-\nter in der Nähe der Garten-Anlagen des Zwingerteiches errichtet.\nDer Zudrang der Besucher des Passi-\nonsspiels ist ausserordentlich. Der dreizehnten Vorstellung (am\n26. August) wohnten wieder über fünftausend Fremde bei, worunter\nMittel- und Norddeutschland, besonders Rheinpreussen und Sachsen,\nfast eben so zahlreich vertreten waren, wie unsere süddeutschen\nNachbarländer Oesterreich, Würtemberg und Baden. Unter den mün-\nchener Gästen befand sich der Minister des Innern, Herr von Neu-\nmayi\\ Die Einnahme der bisherigen Vorstellungen beläuft sich auf\netwa 27,000 Gulden, die der Gemeindecasse zu Gut kommen und\nfür öffentliche Arbeiten, Unterstützung der Armen u. dgl. verwandt\nwerden. Schon übersteigt die Frequenz dieses Jahres jene von 1850\n\n*) Dass eine Beschwerde gegen die städtische Behörde von Seiten\ndes Fräul. Stark bei der herzoglich nassauischen Regierung\nStatt gefunden hat, davon sind wir actenmässig überzeugt\nworden. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600915-01.1.8", "texte": "um einige Tausende. Auch der Industrie-Aufschwung dieser interes-\nsanten Künstler-Gemeinde wird durch den Zufluss der fremden Gäste\nwesentlich begünstigt.\nTOleil* Im Operntheater ist „Fra Diavolou mit Herrn Wach-\ntel als Titelhelden am 4. September neu in Scene gegangen.\nFrau Csillag ist von ihrem Urlaub zurückgekehrt und „zur Freude\nihrer zahlreichen Verehrer\", wie die traditionelle Phrase lautet, als\nLeonore im „Trovatore\" wieder aufgetreten.\nHier ist endlich wieder von einem bei der Hofoper einzuführen-\nden Pacht-System die Rede. Die wiener „Recensionen\" sagen darü-\nber: „Zwölf Jahre sind verflossen, seitdem die Oper in Administra-\ntion genommen wurde. Seitdem haben in diesen Räumen gewaltet:\nein im Jahre 1848 zusammengetretenes, vom besten Willen und reg-\nsten Eifer beseeltes Comite, der ökonomisch-rücksichtsvolle,\nängstlich bureaukratische Hol bein, der rücksichtslose, aufrichtige,\nheftige, sich überstürzende Cornet und der musicalisch gebildete,\nder Leitnng des Ganzen nicht gewachsene, von allen Einflüssen be-\nherrschte Eckert. Die Administration hat es also nur immer dahin\ngebracht, das Theater vom Regen in die Traufe zu bringen, und der\nZustand ist endlich so weit gediehen, dass man statt einer directen\nReform eine indirecte, problematische Aenderung anstrebt, nämlich\nzu dem alten Mittel der Verpachtung seine Zuflucht nimmt.\nBeethoven-Denkmal in Heiligenstadt. Es ist bekannt,\ndass Beethoven wiederholt in Heiligenstadt und Nussdorf bei Wien\nseinen Sommer-Aufenthalt genommen. Hier zwischen den Rebenhü-\ngeln, mit dem Blick auf die schönen Berge, über den breit hin flu-\ntenden Strom, schuf er mehrere seiner unsterblichen Werke. Vor al-\nlen Spazirgängen liebte er einen schattenreichen, an einem Bache\nhinführenden Weg, der Heiligenstadt mit Nussdorf und Grinzing ver-\nbindet; hier sann und schrieb er unter einer Gruppe von Nussbäu-\nmen, die noch gezeigt werden, seine Musik, welche seitdem die der\nWelt geworden ist. Die Landbevölkerung nannte und nennt noch\ndie schöne Allee am Bache den Beethoven-Gang.\nD er Verein für Verschönerung der Umgebungen von Heiligenstadt\nund Nussdorf stellte bereits vor zwei Jahren durch seinen Vorstand,\nHerrn Dr. Heidmann, den Antrag, im Beethoven-Gange dem Manne,\ndessen Namen er führt, ein ländliches Denkmal das erste in\nOesterreich zu errichten. Ein anmuthiger Halbkreis am Bache\nwurde von der Gemeinde in Heiligenstadt freudig für die Aufstellung\neines Denkmals überlassen und gleichzeitig eine Geldsammlung für\ndasselbe eingeleitet.\nEin glückliches Ereigniss trat hinzu. Meister und Ritter von\nFernkorn erbot sich, in Verehrung für den unsterblichen Compo-\nnisten ein ländliches Denkmal unentgeltlich zu liefern. Nur die ma-\nteriellen Auslagen kommen zu vergüten.\nUm zu der bereits gesammelten Summe das Fehlende noch her-\nbeizuschaffen, hatten sich die Herren Dr. A. Heidmann, L. A. Frankl\nund Hof~Capel!n\\eister Randhartinger vereinigt, ein Concert in Hei-\nligcnstadt, im Park-Salon des Herrn Kugler, Mittwoch den 12. Sep-\ntember zu veranstalten. Das Programm war folgendes:\n1. Chor: „Gottes Lob in der Natur*, von Geliert, componirt von\nBeethoven, gesungen von Mitgliedern des Männergesang-Vereins.\n2. Prolog von Ludw. Aug. Frankl, 3. Quartett von Beethoven,\nausgeführt von den Herren Hellmesberger, Durst, Dobihal und Ro-\nver. 4. Lieder von Beethoven: „Adelaide\" von Matthisson, „Neue\nLiebe, neues Leben\" von Göthe, vorgetragen von Herrn Neuthold,\nbegleitet von Herrn B. Randhartinger. 5. Züge aus dem Leben\nBeethoven's: Beethoven und der Stier. Beethoven unter den Bauern.\nVon Ludw. Aug. Frankl. 6. Sonate von Beethoven für Clavicr\nund Violine, vorgetragen von den Herren Rubinstein und Hellmes-\nberger. 7. Chor von Beethoven, gesungen von Mitgliedern des\nMännergesang-Vereins. 8. Beethoven als Sommerpartei. Vorlesung\nvon Herrn Moriz Grandjean.\nMadame Tedesco ist für den Winter wieder hier en-\ngagirt und am 9. September als Fides im Propheten aufgetreten.\nScribe's und Jakob Offenbach's Oper, welche bereits im\nThöätre de VOpira comique studirt wird, heisst rßoi Barkoufu und\nspielt in Indien,\nLondon. Kaum haben die Programme zum Musikfeste in\nWorcester angekündigt, dass Mad. Clara Novello dort zum letz-\nten Male singen werde (vgl. Nr. 33 d. Bl.), so erscheint jetzt eine\nBekanntmachung des Opern-Unternehmers Willert Brale (der seit\neinigen Jahren in den Monaten September, October und November\ndie Provinz mit den Celebritäten der geschlossenen londoner Season\nbesucht), welche eine Reihe von Concerten im Krystallpalaste zu\nSydenham verspricht, in welchen „Mad. Clara Novello vom Publi-\ncum Abschied nehmen wird.\""}]}