{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_sha256": "aeae0b6953a9b7597fb58e82d761b9665fc60d4d38cd30bcc089738bef6e3bf4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/10/27_01/bmtnabi_1860-10-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 431, "texte": "Inhalt.\nUeber griechische Musik. 11, Der wiener Männergesang-Verein (Sechster Jahresbericht). Der springende Bogen. Von\nS. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Breslau, Herbst-Saison Dresden,\nSpohr's „Faust\", Capellmeister Rietz Wien, Herr Desoff, Operntheater, Unbekannte Werke von J. Haydn, Gesellschafts-Concerte Pa-\nris Mailand Aufruf für Zöllners Hinterbliebene Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "348", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.2", "titre_corps": "Ueber griechische Musik.", "titre_sommaire": "Ueber griechische Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.1", "debut_caractere": 433, "fin_caractere_exclue": 3957, "texte": "Ueber griechische Musik.\nII.\n(I. s. Nr. 43.)\nDie Schrift von F. Jos. Fetis hat den Titel:\nMemoire sur l'Harmonie\nchez les Grecs et les Romains. Bruxelles, chez M.\nHayzz, irnprimeur de l'Academie royale de Bel-\ngique. 1858. 4. (120 S. mit 4 Kupfertafeln.)\nDer Hauptzweck derselben wird noch bestimmter\ndurch den Zusatz bezeichnet:\nsuivante: les Grecs et les Romains ont-ils connu l'harmonie\nsimultanee des sons? En ont-ils\nsique?\"\nDie Schrift zerfallt in zwei Theile. Im ersten (S. 1 —77)\nuntersucht der Verfasser die Stellen der griechischen und\nrömischen Schriftsteller, welche sich auf harmonischen Zu-\nsammenklang in der Musik der Alten beziehen oder durch\ndie Gelehrten darauf bezogen worden sind, und bespricht\ntheils bestätigend, theils widerlegend die Auslegungen,\nwelche diese Stellen bisher erfahren haben. Im zweiten\nTheile betrachtet er, was aus den Denkmälern der plasti-\nschen Künste und aus den musicalischen Instrumenten der\nAlten für die Frage der Harmonie zu folgern sein dürfte.\nAusser vielen in den Text gedruckten Beispielen von\ngriechischer Notenschrift und moderner Notirung enthält\ndie Tafel I. eine vollständige Uebersicht der griechischen\nTonweisen diatonischer Gattung in den verschiedenen Zeit-\nEpochen und in ihrer Umgestaltung von Pythagoras bis\nauf Alypius, dessen fünfzehn Tonweisen als bis auf die Zeit\nvon Christi Geburt gebräuchlich angenommen werden;\nferner die acht Tonarten der griechischen Kirche, die vier-\nzehn, von Glareanus auf zwölf zurückgeführten Tonarten\ndes gregorianischen Gesanges und die acht gewöhnlichen\nTonarten des Chorals.—Tafel 11. Die Stimmung der Ma-\ni\ngadis*) in dorisch-chromatischer Weise. Tafel 111. und\nIV. Abbildungen antiker Reliefs von Zither- und Flöten-\nspielern.\nWir können unseren Lesern nicht zumuthen, sich mit\nuns in die Einzelheiten der Kritik der verschiedenen Mei-\nnungen der Gelehrten über die Kenntniss der Harmonie\nder Alten zu vertiefen, die der Verfasser an die chronolo-\ngische Aufzählung der bedeutendsten Schriftsteller über\nseinen Gegenstand knüpft. Seine Entscheidung für die Mei-\nnung, dass die Alten den accordmässigen Zusammenklang\nund die Folge von dergleichen Zusammenklängen, mit\nEinem Worte: dasjenige, was unsere Musik Harmonie\nnennt, nicht angewandt haben, begründet er zuvörderst\nauf den Unterschied zwischen Kenntniss der consoniren-\nden Intervalle und Anwendung derselben bei der Com-\nposition; dann darauf, dass sämmtliche Stellen der alten\nSchriftsteller, die man auf zusammenklingende Harmonie\nhat deuten wollen, nur von der Aufeinanderfolge der In-\ntervalle, keineswegs von ihrem Zusammenklang zu verste-\nhen sind; ferner, dass man vor allen Dingen die Zeitalter\nunterscheiden muss; alsdann, dass die Griechen keinesfalls\ndie Terz und die Sexte als consonirende Intervalle be-\ntrachtet haben, und dass ohne diese Consonanzen keine\nHarmonie im Sinne der neueren Musik möglich sei; end-\nlich, dass der einzige Zusammenklang, den die Alten an-\ngewandt, die „Magadisation\", d.i. die Octaven-Verbin-\ndung, gewesen sei, mit Ausnahme einer Folge von Quar-\nten (myxolydisch und dorisch) oder von Quinten (hyper-\nphrygisch und dorisch), die als Neuerung um die Zeit des\nAugustus angewandt worden sein möge**)—eine unseren\n\n*) Ein Saiten-Instrument von 20 Saiten in zwei Octaven im Um-\nfang vom kleinen bis zum zweigestrichenen e.\n**) Auf diese Weise erklärt Fetis die vielbesprochene Stelle im\nHoraz (Epode IX.):\nSonanfe mixtum iibiis carmen lyro,\nHac Dorium, Ulis barbarum\nwonach die Lyra „dorisch\", die Tibien „barbarisch\" zusam-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5176, "texte": "Ohren unerträgliche Folge, die aber noch ins Mittelalter\nhinein spukte, wie man aus Hucbald's (840—930 nach\nChristi Geburt) Schriften sieht, dem, wie seinen Zeitgenos-\nsen, die Quarten- und Quintenfolge noch die allein ange-\nnehme war.\nDiese Behauptungen sind nun zwar keineswegs neu,\nnamentlich in Deutschland nicht, was auch schon aus den\nStellen, die Fetis aus den in unserem ersten Artikel ge-\nnannten deutschen Schriftstellern selbst anführt, hervor-\ngeht; allein sie sind durch eingehende Erörterung und im\nzweiten Theile der Schrift besonders auch durch die Rück-\nsichtnahme auf die Instrumente der Alten anschaulich ge-\nmacht. Die ausführlichste Widerlegung wird einer Ab-\nhandlung des Franzosen Vincent zu Theil, die in Deutsch-\nland wenig oder gar nicht bekannt ist. Sie steht als:\ntice sur trois Manuscrits grecs relatifs ä la musique und,\nFragments de quelques Manuscrits in dem zweiten Theile\ndes XVI. Bandes der Notices\nde la Bibliotheque du Roi. Par In 4to.\nDie Annahme von Fetis, dass im Abendlande eine\nAusartung (oder, wie man glaubte, eine Erweiterung) der\nHarmonie um die Zeit des Augustus entstanden sei, indem\nman neben der Octaven-Verbindung auch eine Quarten-\noder Quintenreihe erfand, und dass diese aus dem Verfall\ndes römischen Kaiserreiches in die Musik des ersten Jahr-\ntausends nach Christi Geburt herübergezogen worden sei,\nwird durch das Beispiel einer so genannten Diaphonie aus\ndem oben erwähnten Hucbald bestätigt, die Gerbert feh-\nlerhaft abgedruckt, Fetis aber aus einem Manuscripte\ndes XI. Jahrhunderts auf der königlichen Bibliothek zu\nBrüssel folgender Maassen hergestellt hat (S. 110):\nmen gespielt hätten (barbarisch, d. i. phrygisch, lydisch\nu. s. w.). Dass dies auch nur eine rMagadisationtt, d. h. eine\nblosse Fortschreitung zweier Tonleitern in einem bestimmten\nIntervall, keineswegs aber eine Harmoniefolge in unserem Sinne\ngewesen, ist vollkommen richtig Ob aber überhaupt der\nDichter, dem es bei seiner Frage an den vornehmen Gast-\nfreund: „Wann werden wir bei dir zur Siegsfeier wieder al-\nten Wein trinken und Tafelmusik hören?* wahrlich nicht\nauf theoretisch-genaue musicalische Ausdrücke ankommen konnte,\ndurch das Wort mixtum einen wirklichen concentus, Zusam-\nmenklang, habe bezeichnen wollen, das dürfte noch die Frage\nsein. „Lasst uns trinken bei Geigen und Flöten in A- und Cis-\ndur durch einander!* würde vielleicht nach Jahrtausenden\nauch merkwürdige Auslegungen erfahren, wenn man daraus auf\nunser Ton-System und unsere Harmonie schliessen wollte.\nDie Leser ersehen zugleich aus diesem Beispiele, was\n„Magadisation\" ist; wir haben hier in den beiden Mittel-\nstim men eine Magadisation in der Quarte; in der ersten\nund zweiten, und eben so in der dritten und vierten eine\ndergleichen in der Quinte; endlich eine Magadisation in\nder Octave in der ersten und dritten und in der zweiten\nund vierten Stimme.\nMan sehe sich dieses Pröbchen vorweltlicher Tonkunst\nan denn wahrlich, die wahre Welt der Musik tauchte\nerst am Ende des vierzehnten Jahrhunderts aus dem bis-\nherigen Chaos der Töne hervor und versuche dann zu\nbegreifen, wie es möglich gewesen, dass das menschliche\nOhr sich an eine solche Art von Harmonie gewöhnt, ja,\nsie sogar angenehm empfunden habe! Es ist dies ein Pro-\nblem, dessen physiologisch-pathologisch-musicalische Lö-\nsung ein unerreichbares Ziel sein dürfte.\nAus der Conclusion des Memoires geben wir noch\neinige beachtenswerthe Stellen.\n„Das ist also\", sagt Fetis darin nach Anführung des\nBeispiels aus Ilucbald, „die Erbschaft, welche das classi-\nsche Alterthum der neueren Zeit in Bezug auf Harmonie\nhinterlassen hat, d. h. die vollkommenste Negation des Ge-\nfühls für die harmonischen Tonverhältnisse! Wenn man\n-\nübrigens die Aermlichkeit der musicalischen Ton-Werk-\nzeuge der pelasgisch-hellenischen und tyrrhenisch-latini-\nschen Stämme, jene elenden Zithern und Leiern mit sieben\nSaiten, ohne Hals und Griffbrett, jene Flöten (oboen- oder\nclarinettenähnliche Tibien) mit einem, allenfalls zwei, höch-\nstens drei Löchern, auch nur mit der Mannigfaltigkeit der\nInstrumente bei den Indiern, selbst bei den Assyriern und\nAegyptiern (?), vergleicht, so muss man einsehen, dass das\nfür andere Künste so hochbegabte Volk der Griechen ver-\nhältuissmässig am schlechtesten mit Natur-Anlagen für die\nTonkunst bedacht worden ist.\n„Trotz aller Analysen und Beweisführungen wird man\nindess immer wieder die Behauptung wiederholen, es sei\nunglaublich, dass die Griechen, ein geistig so vorzüglich\norganisirtes Volk, die Meister in der Philosophie und Be-\nredsamkeit, in der Poesie und den plastischen Künsten, die\nTonkunst eine Reihe von Jahrhunderten lang getrieben\nhätten, ohne darin Fortschritte zu machen und das Prin-\neip der Harmonie zu entdecken, welches barbarische Völ-\nker aufzufinden verstanden haben!\n„Dieser Satz ist aber viel zu absolut aufgestellt. Die\nGriechen sind keineswegs in der Musik auf ihrem ursprüng-\nlichen Standpunkte stehen geblieben, im Gegentheil, es wird\nihnen immer der Ruhm bleiben, der Tonkunst ihre Haupt-\nGrundlage durch die Erfindung des diatonischen Ton-Sy-\nstems gegeben zu haben. Aber auch darüber haben sie\nes nie zu einer vollständigen Uebereinstimmung gebracht;"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5365, "texte": "um so wichtiger ist bei Beurteilung ihrer Systeme das\nAuseinanderhalten der verschiedenen Zeit-Epochen.\n„Was mich betrifft,\" —schlicsst Fetis seine Abhand-\nlung— „so erkläre ich, dass mir das Studium der musica-\nlischen Schriften der Alten, die auf uns gekommen sind,\nschon lange die Ueberzeugung gegeben hat, dass das, was\nsie Musik nennen, gar keine Aehnlichkeit mit der Musik\nder neueren Zeit hat. Alle griechischen Abhandlungen über\nMusik sind rein technisch; die eigentliche Tonkunst er-\nscheint darin weder in ihrer praktischen Form noch in\nihrer Aesthetik, und die Widersprüche in der Theorie zei-\ngen sich überall. Die Systeme, auf welche die Feststellung\nund Eintheiiung der Tonarten begründet sind, verändern\nsich von einer Epoche zur anderen; es ist eben so wenig\neine ständige Bestimmtheit in den wissenschaftlichen Ent-\nwicklungen der Verhältnisse der Intervalle und in ihrer\nVertheilung in Tetrachorde vorhanden. Ueberall treten uns\nveränderliche und oft unter den Schriftstellern selbst strei-\ntige Grundsätze entgegen.\n„Freilich sprechen die Griechen von wunderbaren\nWirkungen der Musik, namentlich in den ältesten Zeiten,\nwo sie noch sehr unvollkommen in ihrem Ton-Svstem\n%)\nwar; allein die Indier erzählen ähnliche Anekdoten von\nden ausserordentlichen Wirkungen ihrer Musik, und eben\nso die Araber. Man braucht auch gar nicht bis ins Al-\nterthum zurück zu gehen, um die tiefen Eindrücke und\nAufregungen thatsächlich festzustellen, welche gewisse\nNational-Melodieen bei den meisten Völkern hervorbrin-\ngen, da diese Melodieen in der Regel mit geschichtlichen\nEreignissen, mit Erinnerungen an Heimat und Rinderjahre\noder mit Leidenschaften des Hasses oder der Liebe enge\no\nverbunden sind. Vorzüglich bei Völkern, welche die Natur\nmit reichen geistigen Gaben bedacht hatte, mit Phantasie\nund Gefühl, wie die Indier und die Griechen, mussten\njene Wirkungen leicht erfolgen. Ich bin aber fest über-\nzeugt, dass, wie alle ähnlichen bei anderen Völkern, auch\nbei den Griechen dergleichen Eindrücke nur durch Volks-\nMelodieen gemacht wurden. Als Volks-Melodieen rnuss man\ndie Gesänge betrachten, die in verschiedenen Tonweisen\nund Rhythmen für verschiedene Zwecke und verschiedene\n>i\nGelegenheiten bestimmt waren, z.B. für religiöse Ceremo-\nnien, charakteristische Tänze, kriegerische Anlässe u. s. w.,\nwobei dann die Poesie des Textes, die religiöse Stimmung,\ndie Vaterlands- und Freiheitsliebe in Verbindung mit der\nMelodie Wirkungen erzeugten, die man der Musik allein\nzuschrieb.\n„Bis zu der Epoche, wo die Musik sich in der neue-\nren Zeit als wirkliche Kunst durch Vereinigung aller ihrer\nElemente, als Melodie, Harmonie, Rhythmus, Modulation,\nTempo-Bestimmung, Klangmittel u. s. w., ausbildete, hat\nes auf der Welt keine andere Musik als den Volksgesanü\n1 •\ngegeben. Dieser Gesang hat allerdings bei gewissen Völ-\nkern eine ganz eigentümliche Schönheit und Form der\nMelodie, allein er steht dennoch ausserhalb der Bedingun-\no\ngen, welche die aus ihm entwickelte Musik zur wirklichen\nKunst machen. Die Musik der Griechen, Römer und Etrus-\nker konnte nur Volksgesang sein; hätten sie mehr als\nüberlieferte herkömmliche Melodieen, hätten sie geschrie-\nbene, combinirte musicalische Compositionen gehabt, so\nwürden diese gewiss eben so gut bis auf uns gekommen\nsein, wie die Werke ihrer Dichter, Redner, Geschichtschrei-\nber und Philosophen.\n„Das scheint mir ohne Widerrede fest zu stehen,\ndass die Alten weder einen Begriff von Accorden als noth-\nwendigen Bestandteilen der Musik, noch Gefühl und Sinn\nfür den harmonischen Zusammenklang derselben gehabt\nhaben.\"\nSchliesslich wollen wir nur noch bemerken, dass die\nVorliebe und der blinde Respect der Philologen und Alter-\nthumsforscher vor jeder Aeusserung eines alten Schrift-\nstellers gar zu oft die Verwirrung der Begriffe über musi-\ncaiische Dinge, die sich bei den griechischen Autoren fin-\ndet, übersehen haben. Nur Fortlage zertheilt in seinem\nBuche („Das musicalische System der Griechen in seiner\nUrgestalt\") unerbittlich den Nimbus, der die Köpfe jener\nalten Schriftsteller umgibt, und sagt geradezu, dass die\nWidersprüche derselben ihre grosse Unwissenheit offen-\nbaren, wie wenn z. B. Aristoxenus und sein Ausschreiber\nPlutarch fast in Einem Athemzuge sagen, dass das enhar-\nmonische Svstem älter ist, als das diatonische, das diato-\n«J\nnische aber das älteste von allen! Und dennoch, fährt er\nfort, haben solche und ähnliche Widersprüche bis jetzt die\nForscher nach Wahrheit nicht zur Verzweiflung und zum\nAufgeben eines Gebietes gebracht, auf welchem Irrthum\nund Unverstand herrschen.\nWir wollen von solchen Widersprüchen nur noch ein\nauffallendes Beispiel anfuhren. Es betrifft das Instrument\nMagadis, wovon das Wort d.i. in der\nOctave begleiten (vielleicht auch in der Quarte oder Quinte,\nwie wir oben gesehen). In einem Fragment des Anakreon\nbei Alhenäus heisst es: „Ich singe zur lydischen Magade\n(uayüdrjv mit zwanzig Saiten.\" Aber in einem\nFragment des lon von Chios bei demselben Athenäus wird\ndie Magadis eine „lydische Flöte\" genannt, und Athenäus\ncitirt dafür auch den Grammatiker Aristarch, bemerkt,\naber auch, dass Aristoxenus und noch vier andere Schrift-\nsteller über die Flöten keine Flöte Magadis kennen, führt\naber kurz darauf an, dass Tryphon sagt: „Allein die\nFlöte, die man Magodos nennt.\" Ja, der Grammatiker\nDidymus bezeichnet die Magadis (ebenfalls bei Athenäus)\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 589, "texte": "als eine „Zitherflöte\", was wahrscheinlich heissen soll,\ndass sie zur Zither gespielt wurde, oder umgekehrt. Dann\nwird wieder behauptet, die vielsaitigen Instrumente wären\nerst sehr spät bekannt geworden. Noch ärger meint Posi-\ndonius, Anakreon hätte mit den „zwanzig Saiten\" die drei\nTonweisen, die lydische, phrygische und dorische, gemeint,\nderen jede sieben Saiten erfordere, von denen er eine,\nder runden Zahl zwanzig wegen, nicht angegeben habe!\nUeber solchen Wirrwarr muss jeder Kritiker die Ge-\nduld verlieren. Und verliert er sie nicht, was wird dadurch\nfür die Tonkunst gewonnen?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "348", "page_fin": "349", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.3", "titre_corps": "Der wiener Männergesang-Verein.", "titre_sommaire": "Der wiener Männergesang-Verein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.4", "debut_caractere": 591, "fin_caractere_exclue": 4869, "texte": "Der wiener Männergesang-Verein.\nAus dem sechsten Jahresberichte des wiener\nMännergesang-Vereins (für das Jahr vom 7. October\n1859 bis 5. October 1860) von Dr. H. von Billing, d. Z.\nSchriftführer, heben wir hervor:\nAm 2. December 1859 richtete Herr Bürgermeister\nDr. Frhr. von Seiller an den Verein die Aufforderung, der\nEnthüllungsfeier des von der Stadt-Commune dem Tonmei-\nster Mozart gesetzten Monumentes durch seine Mitwirkung\neine musicalische Weihe zu verleihen.\nIn Folge dieser Einladung fand sich der Verein am\n5. December, an einem schönen, hellen Wintertage, Nach-\nmittags 2 Uhr, auf dem St.-Marxer-Kirchhofe ein und\nreihte sich um das verhüllte Standbild, das sich über Mo-\nzart's muthmaasslicher Grabstätte erhob. Mitglieder des\nHof-Operntheaters, Repräsentanten der verschiedensten Mu-\nsik- und sonstigen Kunst-Corporationen, eine grosse Menge\nZuhörer hatten sich eingefunden, um dem lange vernach-\nlässigten Andenken des grössten österreichischen Tondich-\nters jetzt Rechnung zu tragen und damit eine heilige Pflicht\nzu erfüllen.\nDer Männergesang-Verein begann die Feierlichkeit mit\ndem Vortrage von MozartY „Abendlied\". Der Bürgermei-\nster sprach sodann die Inaugurations-Rede, bei deren\nSchlussworten: „Enthülle dich, trauernde Muse!\" die ver-\nbergende Leinwand-llülle fiel und das Standbild, die trau-\nernde Muse der Tonkunst, auf die aufgehäuften Partituren\nMozart'scher Werke gestützt, in der Hand das halb auf-\ngerollte Requiem, von der Sonne hell und goldig ange-\nstrahlt, ernst auf die Cmherstehenden niederblickte. Beim\nFallen der Hülle erscholl Herbeck's kräftiger „Festgesang\"\nund bildete zugleich den Schluss der Feierlichkeit.\nDem ersten Vereins-Concerte am 18. December\nv. J. im grossen Redoutensaale wohnten Ihre Majestäten\nder Kaiser und die Kaiserin bei, erschienen gleich beim\nBeginne des Concertes und verweilten bis nahe zum Schlüsse,\nLiessen sich die Mitglieder der Direction vorstellen und be-\nzeigten Höchstihr Wohlgefallen an den Leistungen des\nVereins.\nAm 23. December v. J. ernannte der Verein einstim-\nmig und mit lautem Zurufe E. M. Arndt zu seinem ein-\nundneunzigsten Geburtstage (26. December) zum Ehren-\nMitgliede.—Der Beschluss des Vereins, für Arndt's Denk-\nmal ein Concert zu geben, stiess auf Schwierigkeiten von\naussen her, die zu beseitigen nicht in der Macht des Ver-\neins lag. (!)\nDer erste Versuch einer Carnevals-Liedertafel in Mas-\nken— für Wien neu glückte vollkommen. Es waren an\n200 Sänger und an 300 Gäste zugegen, wovon 300\nmannigfach costumirt. Ein Schwank: „Le Carnaval c'est\nla paix\", Scene zwischen einer Augsburgerin, einem\npreussischen Kreuzritter und einer Kölnerin, war\nhöchst ergötzlich.\nDie Sängerfahrt nach Graz und die dort gegebenen\nProductionen am 8. und 9. September d. J. brachten 2175\nGulden Reinertrag zu vaterländischen und wohlthätigen\nZwecken.\nAm 17. September d. J. erhielt der Verein einen\nprachtvollen Ehren-Pocal durch Beschluss des Gemeinde-\nrat hes von Wien (Hört! hört!) mit folgender Inschrift:\n„Die Stadt Wien widmet dem wiener Männergesang-\nVereine diesen Ehrenbecher als Zeichen der Anerkennung.\"\nDas Begleitschreiben hebt hervor, dass die Stadt, „an de-\nren Festlichkeiten der Verein sich wiederholt und stets mit\ndem glänzendsten Erfolge betheiligte\", die Gelegenheit\nergreife, ihren Dank auszudrücken.\nEine kirchliche Feier—Messe von „Dr. Ritter Franz\nvon Liszt\" (sie) —nicht gerechnet, ist der Verein in eilf\nöffentlichen Productionen (3 Concerten, 3 Lieder-\ntafeln und 5 Fest-Productionen), dann in zwei Serenaden,\nalso im Ganzen dreizehn Mal, vor das Publicum getre-\nten. Darunter ein Mal (beim Schiller-Fackelzuge) in Ver-\nbindung mit den drei anderen Gesang-Vereinen von Wien,\nein Mal (bei der feierlichen Enthüllung des Erzherzog-\nKarl-Monumentes) unter Mitwirkung des akademischen\nGesang-Vereins und zwei Mal in Gemeinschaft mit dem\ngratzer Männergesang-Vereine.\nVon den Chören waren 29 neu, darunter von dem\nChormeister Herrn Herbeck Fest-Chor (Doppelchor)\nzur Enthüllung des Mozart-Denkmals; Fest-Can täte mit\nHarmonie-Begleitung zur Enthüllung des Denkmals des\nErzherzogs Karl; „Gruss an Steiermark\", in Graz ge-\nsungen.\nDie Zahl der ausübenden Mitglieder hob sich\nvon 222, dem nachgewiesenen Stande des Vereins vom 30.\nSeptember 1859, auf 247 Sänger. Das Namens-Verzeich-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1807, "texte": "niss weis't 54 erste Tenöre (im Vorjahre 40), 60 zweite\nTenöre (im Vorjahre 61), 68 erste Bässe (gegen 64) und\n65 zweite Bässe (gegen 57) nach.\nDer Verein erfreut sich daher neuerdings eines beim\ngleichzeitigen Bestehen von vier anderen Männerchor-Ver-\neinen in Wien an Bedeutsamkeit gewinnenden Zuwachses\nvon 25 Stimmkräften.\nDie Zahl der beitragenden Mitglieder erlitt einen\nin den trüben Zeitverhältnissen nur zu leicht erklärlichen\nRückgang von 402 auf 355.\nUnter dem Vereins-Material nimmt das Archiv\nden ersten Platz ein. Der Katalog zeigt einen Zuwachs\nvon 27 Cumulativ-Nummern, und somit ist der Effectiv-\nstand des Archivs 730 Nummern mit über 2080 einzel-\nnen Gesangstücken.\nDie Anschaffungen bilden in diesem Jahre den bedeu-\ntenden Ausgabe-Posten von 848 Gld. 17 Kr. und recht-\nfertigen wohl ohne weiteren Commentar die im Laufe des\nWinters beschlossenen Einschränkungen hinsichtlich des\nEntlehnens der Musicalien.\nAusser der den Chormeistern zugestandenen Remune-\nration und der jährlichen Beihülfe an die Witwe eines\nfrüh geschiedenen verdienstvollen Tondichters hat der Ver-\nein 25 Stück Ducaten als Ehren-Honorar für erstaufge-\nführte Original-Compositionen zuerkannt.\nSo weit Zahlen sprechen können, erweisen sie eine\nsteigende Tendenz der Thätigkeit des Vereins, so wie sei-\nnes Bestandes.\nWas jedoch nicht zahlenweise nachweisbar ist, aber je-\ndem, der im Vereine mitgelebt und mitgewirkt hat, zur\nfreudigen Ueberzeugung wurde, das ist die unverkennbare\nFestigung und Einigung der inneren Vereins-Verhältnisse,\nder sichtliche Aufschwung des geselligen Lebens und der\nLust und Liebe für den Verein, und darin, viel mehr als\nin allen materiellen Mitteln, liegt die Garantie, dass der\nVerein, im Innern fest und markig, selbst die heftigsten\nStürme der Aussenwelt ungebeugt überdauern könne."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "349", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.4", "titre_corps": "Der springende Bogen.", "titre_sommaire": "Der springende Bogen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.5", "debut_caractere": 1809, "fin_caractere_exclue": 4849, "texte": "Der springende Bogen.\nWährend verschiedene Violinspieler unserer Tage bei\nkurz abzustossenden Noten den Bogen meist springen las-\nsen und diese geschmacklose Manier für eine Erfindung\nder neuesten Zeit und eine Bereicherung der Streicharten\nhalten, erfahren wir aus dem ersten Hefte von Spohr's\nSelbstbiographie, dass diese Manier schon im vorigen\nJahrhundert im Gebrauche war und so ziemlich mit der\ndamaligen Mode der Reifröcke zusammenfällt. Auf Seite\n46 des bezeichneten Heftes nämlich spricht der Verfasser\nvon dem Zusammenspielen mit dem irrsinnigen Geiger\nlietz im Jahre 1803 zu St. Petersburg in nachstehenden\nWorten: „Tietz spielte die zweite Stimme meines Duetts,\ndie nicht leicht ist, ohne allen Anstoss und recht sauber\nund trug auch die Gesangstellen mit Geschmack und Ge-\nfühl vor. Weniger wollten mir seine Passagen gefallen,\ndie er nach alter Weise mit springendem Bogen\nspielte.\"\nSeite 48 darauf erwähnt Spohr des Geigers Fodor\nund sagt: „Auch sein Spiel wollte mir nicht behagen. Er\nspielte zwar rein und ziemlich fertig, aber ohne Wärme\nund Geschmack. Auch liess er bei den Passagen den Bo-\ngen fortwährend springen, was bald unerträglich wird.\"\nEs ist dass seit Erstehen der belgi-\nschen Violinschule unter de Beriot die durch Rode und\nseine Genossen eingeführte Bogenstange —in Säbelform\nausgeschweift fast ganz aus dem Gebrauche gekommen,\nhingegen die alte, im vorigen Jahrhundert im Gebrauch\ngewesene horizontale, gemeinhin Sägeform benannt, wie-\nder hervorgesucht worden, mit welcher aber das langgezo-\ngene Legato in der Passage, nicht minder in der Cantilene,\nim Charakter der französischen wie auch in Spohr's Schule,\nnicht auszuführen ist. Weil die Sägeform der bald zu straf-\nfen, bald zu schlaffen Spannung wegen aller Schwungkraft\nermangelt, so wird das Hüpfen und Springen noch insbe-\nsondere erleichtert, ja, diese positive und negative Eigen-\nschaft des Bogens verleitet offenbar dazu. In Gemeinschaft\nmit der übermässig hohen Stimmung und dem eben darum\nnothwendig dünnen Saitenbezug bewirkt dieses so beschaf-\nfene, überdies noch allzu leichte Werkzeug (mit dem man\ngegenwärtig auch das Violoncell behandeln sieht) den Man-\ngel an Tonfülle, dies sogar beim Zusammenspiel im Or-\nchester, wenn nicht Massen dastehen. Aber auch im Or-\nchester fängt das Hüpfen- und Springenlassen des Bogens\nan, sich bemerkbar zu machen. Möchten doch die Herren\nDirigenten für solchen Unfug ein Ohr haben, widrigen-\nfalls die schon erkleckliche Summe von Unziemlichkeiten\nim Vortrage unfehlbar sich um ein Bedeutendes noch ver-\nmehren wird. Wer die Leistungen der aus bloss tüchtigen\nRipienisten bestehenden Orchester bis um 1830 zurück\nnoch in der Erinnerung hat, kann nicht ohne Besorgniss\nfür die Zukunft auf die dermal meist mit Virtuosen be-\nsetzten Violinparte in den ständigen Orchestern blicken.\nAllerdings waren die damaligen Orchester ausser Stande,\nz. B. die Ouvertüre zur Zauberflöte, zu Euryanthe und so\nviele andere noch in einem bis zum Wahnsinn gesteigerten\nTempo abzuhetzen, wie es die unsrigen vermögen.\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "350", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.5", "titre_corps": "Erftes Geseĺschafts-Concert in Köln Im Gürzenich,", "titre_sommaire": "Erftes Geseĺschafts-Concert in Köln Im Gürzenich,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4865, "texte": "Erftes Geseĺschafts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capelimeisters Herrn Ferd. lii 11 er.\nDinstag, 23. October 1860.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zur Oper Iphigenie in\nAulis von Gluck. 2. Concert für die Violine von Mendelssohn,\ngespielt von Concertmeister O. von Königs low. 3. Arie aus\nRossini's Donna del Lago, gesungen von Fräulein Emilie Ge-\nnast. 4. Romanze in G-clur für die Violine von Beethoven (von\nKönigslöw). 5. von Fr. Schubert, instrumentirt von\nF. Hiller (Fräulein E. Genast). 6. Te Deum von J. Haydn für\nChor und Orchester.\nZweiter Theil. Sinfonie Nr. 11. von Beethoven.\nUnsere diesmalige Winter-Concertzeit hat am Dinstag mit einem\nConcerte begonnen, dessen Programm, wie man sieht, sehr einfach\nund anspruchslos war. Dagegen lässt sich nichts sagen, da es je-\ndenfalls zweckmässige Politik der Direction ist, eine Steigerang des\nInteresses beim Publicum hervorzurufen. Diese findet schon jetzt\nStatt, da man unter den nächsten Productionen HändeFs Judas\nMaccabäus und Beethoven's Missa snlemnis in D-dur dem Verneh-\nmen nach zu erwarten hat. Und für die Trefflichkeit der Ausfüh-\nrung gab das erste Concert eine sehr wohl annehmbare und auch\nvom Publicum mit Anerkennung, wenn auch gerade nicht mit En-\nthusiasmus, aufgenommene Bürgschaft.\nDas Abonnement auf die Reihe von zwölf Concerten früher\nacht, dann neun bis zehn, im vorigen Jahre zehn und zwei ausser-\nordentliche für das Orchester, also in diesem Jahre zum ersten Male\nauf zwölf von vorn herein obligate Concerte ist reichlich genug\nausgefallen, und schon für das erste sind ausserdem einhundert und\nzehn Fremdenkarten ausgegeben worden.\nEin epochemachendes Ereignissist die Herabsetzung der\nOrchester Stimmung nach dem pariser Muster, welche zum er-\nsten Male am Dinstag in Anwendung kam. Die Concert-Gesellschaft\nhat sämmtliche Holz-Blasinstrumente neu angeschafft, und die Blech-\nInstrumente sind durch neue Einsätze in die tiefere Stimmung ge-\nbracht. Die Wirkung war unserer Ansicht nach eine ganz befriedi-\ngende; die Saiten-Instrumente haben keineswegs dadurch an Ton\nverloren, und für die Sänger ist die Aenderung eine wahre Wohlthat.\nVon den Musikstücken des Abends gewann die Ausführung der\nSinfonie alle Stimmen des Publicums und der Kritik für sich; eben\nso das Spiel des Herrn von Königslöw in dein Concerte von Men-\ndelssohn. Freilich haben wir das Mendelssohn'sche Concert schon\nsehr oft gehört und von den grössten Meistern des Violinspiels, wie\nSivori, Joachim, David u. s. w. Dennoch wusste Herr von Königs-\nlöw das Interesse des Publicums und der Kenner durch die edle,\nvon künstlerischer Ruhe getragene Vortragsweise spannend zu fes-\nseln und zu lebhaftesten Beifallsbezeigungen anzuregen ein deut-\nliches Zeugniss für den Gehalt der Composition und die Meister-\nschaft des Spielers. Der letzte Satz, den dieser mit richtigem Gefühl\nnicht im Tempo übertrieb, ging auch im Orchester sehr gut.\nUeber die Gesang-Vorträge des Fräulein Genast waren die Stim-\nmen nicht so einig5 indem ihr Vortrag der Göthe'schen Ballade von\nSchubert einen grossen, wohl den grössten Theil des Publicums ent-\nzückte, strengeren Richtern aber zu manierirt scheinen wollte. Un-\nstreitig besitzt die Sängerin ein bedeutendes Talent für den Vortrag\ndes deutschen Liedes überhaupt, und man kann viele von ihren Lei-\nstungen in diesem Genre vollendet nennen. Der Schubert'sche „Erl-\nkönig® verführt allerdings leicht zu einer Manier, die ein Gemisch\nvon Declamation und von dramatischem Vortrage ist, das für den\nGesang einer Ballade, der bei aller Nuancirung doch einen einheit-\nlichen Charakter behalten muss, rein künstlerisch genommen nicht\nganz geeignet scheint. Ziehen wir die Consequenzen aus jener Ma-\nnier, so kommen wir wieder auf Kunststücke, die auch schon da\ngewesen sind, dass Eine Person ein Duett zwischen Tenor und Bass\noder Alt und Sopran sang, nicht nur mit verschiedenen Registern,\nsondern auch mit verschiedenem, künstlich erzeugtem Timbre der\nStimme Sollte diese Veränderung des Timbres in einem und dem-\nselben Gesangstücke (nicht in verschiedenen Rollen auf der Bühne,\nwas etwas ganz Anderes ist) Grundsatz für den Vortrag werden, so\ndass, um ein Beispiel zu wählen, der Sänger der Ballade „Der Wir-\nthin Töehterlein® von Löwe einen besonderen Klang für den Erzäh-\nler, für die Wirthin und für jeden der drei Bursche in seine Stimme\nlegen müsste, so würde durch eine so handgreifliche Nachahmung\nder Wirklichkeit die Gränze zwischen Naturwahrheit und Kunst-\nwahrheit bis zum Lächerlichen überschritten werden. Um aber auf\nden Vortrag des „Erlkönig® zurück zu kommen, so lässt sich nicht\nläugnen, dass das, was Fräulein Genast in dieser Manier leistete,\nvorzüglich gelungen war. Weniger genügte sie in der Arie von Ros-\nsini den Ansprüchen, die man an Fülle und Volumen der Stimme\nund an feurigeren Vortrag bei dieser Composition macht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "352", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "W. Ree", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.6", "debut_caractere": 4867, "fin_caractere_exclue": 6666, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nDie Herbst-Saison eröffnete heuer unter glücklichen\nAuspicien. Die beiden ersten grösseren Schauspiel-Novitäten fanden\neine äusserst günstige Aufnahme. rDie Pasquillantenu von Bene-\ndix gefielen eben so wie Moser's „Eine Frau, die in Paris war\"»\nZu dem durchschlagenden Erfolge des Benedix'schen Lustspieles\ntrug ganz vorzüglich das lebendige Ensemble sämmtlicher Mitspie-\nlender bei, unter denen Herr Weilenbeck in der Rolle des Hof-\nrath Hänlein besonders hervorzuheben ist. Flotow's neugetauf-\nter „Müller von Meran\", der unter dem Namen rAlbinu vor mehre-\nren Jahren im Kärnthnerthor-Theater durchfiel, hatte bei seiner Vor-\nführung am 4. d* Mts. auf unserer Bühne das gleiche Schicksal.\nBresden* Als neu einstudirt wurde am 5. October Spohr's\n„Faust\"* gegeben, und zwar in einer vortrefflichen Ausführung unter\nLeitung des Herrn Capelimeisters Rietz. Die Besetzung war den\nKräften unseres Hoftheaters völlig entsprechend: Frau Bürde-Ney\n(Kunigunde), Frau Jauner-Krall (Röschen), Herr Mitterwurzer (Faust),\nHerr Freny (Mephisto), Herr Tichatschek (Hugo) u. s. w. Selbst\nbis auf die kleinsten Partieen hin waren sämmtliche Sänger die be-\nsten, die für derartige Rollenfächer hier vorhanden sind. Wenn ein\nnachhaltiger Erfolg für diese Oper nicht erwartet werden dürfte, so\nliegt die Schuld wohl ausschliesslich im Texte, der eine ganz ge-\nhaltlose Puppenspiel-Dichtung ist.\nHerr Capellmeister Rietz scheint endlich den Bannspruch gefun-\nden zu haben, der den Zauberring lös't, welcher die Aufführungen\nder musicalischen Messen in der katholischen Hofkirche hier gefes-\nselt hielt; denn an einem der letzten Sonntage wurde einmal eine\nandere als eine von einem königlich sächsischen Hof-Capellmeister\ncomponirte Messe während des Gottesdienstes ausgeführt, nämlich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7363, "texte": "die G-wo7-Messe von Hauptmann in Leipzig, die der Componist\nvor 25 Jahren dem letztverstorbenen Könige gewidmet hatte, die\naber nie hier aufgeführt wurde. Der Componist war mit einer Anzahl\nseiner Schüler von Leipzig zur Aufführung herübergekommen und\nsprach sich höchst lobend über die künstlerische Reproduction aus,\nwobei er nur bedauerte, dass der Säugerchor für das Verhältniss der\nKirche und der Instrumentation zu schwach sei, welcher Uebelstand\nhier schon seit Jahren bei jeder Mess-Aufführung fühlbar war.\nbliest« Die Leitung der Oper „Die Jüdin* war an Herrn De-\nsoff übergegangen, der das Ganze energisch zusammenhielt. Herr\nDesoff macht überhaupt noch den im Operntheater immer seltener\nwerdenden Eindruck einer frisch aufstrebenden Kraft. er auch\ndie Zähigkeit haben, sich weder durch die Direetions-Coterie Wirt-\nschaft, noch durch die Orchester-Cameradschaft, die Herrn Eckert\nzu Grunde gerichtet hat, abnutzen zu lassen?!\nDas Orchester-Personal des Opern-Theaters gibt am 4., 18. No-\nvember, 2. und 16. December vier philharmonische Abonnements-\nConcerte unter der Leitung des neuen Capellmeisters Desoff. Der\nerste Orchester-Director, Herr Joseph Hellmesberger, ist dem Ver-\nnehmen nach von dieser Unternehmung zurückgetreten und wird sich\nan den Aufführungen nicht betheiligen.\nIm Operntheater gehören in neuester Zeit Leistungen, die ein\nkünstlerisches Gepräge tragen, zu den Seltenheiten. Eine solche Lei-\nstung durfte man mit Recht von Ander als Tannhäuser erwarten,\nund diese Erwartung ist nicht getäuscht worden. Beiläufig bemerkt,\nhaben wir durch Ander erst die Partie des Tannhäuser in Wahrheit\nzu hören bekommen. Steg er etwa ausgenommen, der diese Rolle\neinige Male in der Josephstadt mit verdientem Erfolge gesungen,\nhatten wir bisher lauter stimm-invalide und auch sonst nicht hervor-\nragende Tannhäuser-Sänger gehört» Von Herrn Grimminger konnte\nman gar behaupten, man habe ihn gewisse Stellen singen gese-\nhen, aber nicht gehört.\nDer erste ins Auge fallende Vortheil dieser neuen Besetzung war\ndaher der Umstand, dass manche Stellen, die man bisher nur aus\nder Partitur kannte, jetzt zu tatsächlicher Geltung kamen. Herr\nAnder war kräftig bei Stimme und sang die anstrengende Partie, die\ner sehr eingehend studirt hat, mit ungeschwächter Ausdauer durch.\nJeder sangbaren Stelle ward ihr volles Recht, und schon hierin war\nder erfreuliche Unterschied mit anderen Tannhäuser-Sängern auf-\nfallend bemerkbar. Der Schwerpunkt aller Wirkung ruht indessen\nbei Wagner bekanntlich in dem potenzirten dramatischen Ausdruck,\nund auf dem Felde ist Herr Ander unbestrittener Meister. Selbst\njenes Ueberwiegen des letzteren Elementes, jenes Aufopfern der Ton-\nschönheit und der musicalischen Betonung zu Gunsten der dramati-\nschen Charakteristik, welches wir sonst geneigt sind, Herrn Ander\nals einen künstlerischen Irrthum vorzuwerfen, steht hier in vollem\nEinklang mit den Absichten des Componisten. Man kennt Herrn\nAnder, die leidenschaftliche Unmittelbarkeit seiner Ausdrucksweise,\ndas von innerer Gährung und äußerlicher Reizbarkeit oft kaum ge-\nläuterte, in den letzteren Jahren indess durch sorgfältiges Studium\ngesicherte Spiel, jenes Sich-Hingeben, man möchte sagen: Sich-An-\nklammern, an seine Aufgabe. Daher, wie so oft, auch heute diese\nergreifende Wirkung einer Reproduction, welche selbst da, wo sie\nkeine endliche Befriedigung zuriicklässt, doeh niemals die Illusion\nzerstört, dass man wirklich den dargestellten Charakter vor sich hat.\nDie wiener Deutsche Musik-Zeitung enthält folgende Notiz über\nunbekannte Werke von J. Haydn: „Bei dem allgemeinen In-\nteresse, welches die demnächst Statt findende Aufführung des lange\nZeit unbeachtet gebliebenen Oratoriums „// ritorno di Tobiau von\nJoseph Haydn erregt, glauben wir durch die Mittheilung, dass\nsich die Verlagshandlung Wessely & Büsing hier im Besitze der\nPartituren mehrerer theilweise bis jetzt unbekannt gebliebenen Werke\nvon Joseph Haydn befindet, den zahlreichen Verehrern des grossen\nMeisters einen Dienst zu erweisen. Diese Werke sind folgende:\n„Vier Arien „per la Commedia Marchese*. (3 für Sopran, 1 für Te-\nnor.) Componirt 1763 (italiänisch).\n„La Canterina (Opera Luffa), Intermezzo a 4 voci, in 2 Acten,\ncomponirt 1766 (italiänisch).\n„Lo Sp xia'e, Dramma giocoso in 3 Acten, componirt 1768 (ita-\nliänisch). Die Ouvertüre und der Anfang der ersten Arie fehlen.\n9Le Pescatrice, Oper in 3 Acten, componirt 1770 (italiänisch).\nOhne Ouvertüre, auch fehlen einige Gesangstücke.\n„L'lnfedellä delusa, Burletta in 2 Acten, componirt im September\n1773 (italiänisch).\n„L'lncontro improviso, Oper in 3 Acten, componirt 1777 (italiä-\nnisch). Im zweiten Acte defect.\n„// mondo della Lima, Dramma giocoso in 3 Acten, componirt\n1777 (italiänisch). Im zweiten Acte defect.\n„La fedeltä premiata, Dramma giocoso in 3 Acten, componirt 1779\n(italiänisch). Aufgeführt bei der Eröffnung des neuerbauten Theaters\nin Esterhaz im Jahre 1780. Das Finale des ersten Actes und der\nganze dritte Act sind verloren gegangen.\n„Madrigal. „Der Sturm-4. Tllark the wild uproar of the windsu,\ncomponirt 1792 (englisch). Dasselbe pflegt auch als Offertorium mit\ndem Texte: Domine auxiliator, aufgeführt zu werden.\n„Der „Ritter Roland\", heroisch-komische Oper in 3 Acten. Auf-\ngeführt ä grafid Orchestre auf dem grossen Pfalzbaierischen Theater\nin Mannheim (deutsch).\n„// rilomo di Tobia, Oratorium (Azione sacra) in 2 Abtheilungen\n(italiänisch mit deutscher Uebersetzung)\n„Die Copieen wurden mit Bewilligung Sr. Durchlaucht des Für-\nsten Esterhazy im Jahre 1846 auf Veranlassung des nun verstorbe-\nnen Kunsthändlers H. F. Müller von den im Eisenstädter Archiv\nvorfindlichen Originalen genommen.\"\nDas in vorstehender Anzeige erwähnte Oratorium von Jos.\nHaydn: „// ritorno di Tobia*, wurde im Jahre 1775 zum ersten\nMale in Wien zum Besten der Tonkiinstler-Witwencasse aufgeführt.\nDiese Notiz findet sich bei Gerber (Neues Lexikon der Tonkünst-\nler, Th. 11., Art. J Haydn, S. 562); zugleich wird das Oratorium\nals Manuscript bezeichnet. Gedruckt ist es auch späterhin nicht\nworden. Die jetzt bevorstehende Aufführung in Wien scheint den ita-\nliänischen Text beibehalten zu wollen. In München bereitet Gene-\nral-Musik-Director Franz Lachner eine Aufführung mit deutscher\nUebersetzung desselben vor. Da J. Haydn im Jahre 1732 geboren\nist, so wäre er bei der ersten Aufführung in Wien 43 Jahre alt ge-\nwesen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass er das Werk schon\nfrüher geschrieben, da er bereits seit 1760 Capellmeister des Für-\nsten Esterhazy war und dieser stets die Primitien der Compositionen\nHaydn's für sich in Anspruch nahm, namentlich die Kirchenstücke\nimmer zuerst in Eisenstadt, der Residenz des Fürsten, aufgeführt\nwurden.\nDie vier Gesellschafts-Concerte, deren erstes am 11.\nNovember Matt findet, bringen laut vorläufiger Anzeige : von Beet-\nhoven die />-Messe und die vierte Sinfonie; von Mozart die maureri-\nsche Trauermusik; von Schumann „Manfred\"; von Schubert sym-\nphonische Fragmente; von Catel Ouvertüre zu\nVolkmann Clavier-Concert; von Debrois van Bruyk „Requiem\" (Ge-\ndicht von Hebbel) für Solo, Chor und Orchester. lm ersten Con-\ncerte der Sing-Akademie am 15. November kommen Werke von\nJ. S. Bach, Palestrina, Lotti, Mendelssohn, Schumann („Die Talis-\nmane\" und zwei Frauenchöre) und Wilhelm Rust zur Aufführung.\nDas zweite Concert der Sing-Akademie findet am 6. Januar k J.\n\n(W. Ree )"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2833, "texte": "Statt und bringt eine Novität für Wien, nämlich den dritten Theil\nder Faust-Musik von Schumann mit Orchester.\nPaa*is, 7. October. Der hiesige deutsche Männergesang-Verein\nTeutonia, dessen Dirigent Julius Offenbach ist, hat bei dem\nConcurse zu Livry den ersten Preis in der ersten Classe der Theil\nnehmenden Vereine erhalten. Die Stücke, die er vortrug, waren eine\nOde au priniemps von L. Kreutzer und ein ungedruckter Chor:\nVA la palrie\", von Meyerbeer. Meyerbeer, Ehren-Präsident des\nVereins, hat diese Composition, die einen ausserordentlichen Erfolg\nhatte, dem Vereine gewidmet.\nDer berühmte Geiger Camillo Sivori hat hier\n17 Concerte gegeben, darunter zwei für die Armen und drei zum\nVortheil des Garibaldi'schen Unternehmens. Die letzteren haben\n15,000 Fr. eingetragen.\nAufm f.\nKarl Zöllner ist gestorben. Eine echt deutsche Künstler-\nNatur, kannte er bei grösster Pflichttreue für seinen Beruf keinen\nanderen Lebenszweck, als sein Volk mit seinen Liedern zu erfreuen\n— irdischen Besitz vergass er zu erwerben So hinterlässt er nichts\nals seine Lieder — und ' seine unversorgte Familie. Ist es nicht\nEhrenpflicht der deutschen Sänger, diese Erbschaft anzutreten, seine\nLieder fort und fort zu singen — und auch für seine leiblichen\nKinder zu sorgen?\nDie Unterzeichneten sind zu einem Ausschusse zusammengetre-\nten, um den Bestrebungen für Zöllner's Hinterlassene einen Mittel-\npunkt zu bieten, und richten an die deutschen Sänger die Bitte:\nGedenke jeder Einzelne des dahingeschiedenen Meisters, wie er kann.\nWie aber in den meisten Fällen Aufführungen von deutschen Ge-\nsang-Vereinen einen wohlthätigen Zweck im Auge haben, so möge\nauf einem der nächsten Programme solcher Aufführungen stehen:\nFür Zöllner's Slintei lassene. Seine Lieder haben dazu beigetragen,\nmanche Thräne zu trocknen, mögen sie ihre Kraft in dieser Hin-\nsicht auch bewähren, wo es die Sorge für seine Frau, seine Kinder\ngilt. Die Unterzeichneten sind bereit, eingehende Beiträge in Em-\npfang zu nehmen, nach bestem Ermessen zu verwenden und über\ndas Ergebniss seiner Zeit Bericht zu erstatten.\nAlle Mitteilungen bitten wir zu senden an Herrn Carl Voigt,\nFirma Berger & Voigt, in Leipzig, unseren derzeitigen Cassirer.\nAlle öffentlichen Blätter werden gebeten, diesem Aufrufe eine\nStelle in ihren Spalten zu gönnen.\nLeipzig, am 11. October 1860.\nE. An schütz, Advocat. Roderich Benedix, Schriftsteller.\nF. David, Concertmeister. Dufour-Feronce, General-\nConsul. Carl Geh baue r. Raymund Härtel, Stadt-\nrath (Firma Breitkopf & Härtel). Dr. Hauptmann, Mu-\nsik-Director Joh. Jac. Huth, Kaufmann. Dr. Langer,\nMusik-Director. J. Moscheies, Professor. Rieh. Mül-\nler, Musik-Director. Dr. Ruete, Hofrath und Professor.\nHugo Schar ff, Kaufmann. F. A. Schumann, Lehrer.\nC. Voigt, Kaufmann (Firma Berger & Voigt) Dr. E. H.\nWeber, Professor. T. O. Weigel, Buchhändler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-10-27-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-10-27_01#c008", "volume": "bmtnabi_1860-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "352", "page_fin": "352", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.2.7", "titre_corps": "Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.8", "debut_caractere": 2835, "fin_caractere_exclue": 4037, "texte": "Deutsche Tonhalle.\nAuf das im Juni v. J. vom Verein erlassene zwanzigste Preis-\nAusschreiben, betreffend ein vaterländisches Gedicht zur Compo-\nsition für den Männergesang, sind uns an 300 Preisbewerbun-\ngen (!) zugekommen, aus welchen wir nun, unter Beratliung geehrter\nTondichter, die Auswahl zu erwähntem Zwecke zu treffen haben\n(wenn dabei wie wir nicht zweifeln völlig entsprechend poeti-\nsche Werke sich befinden).\nDas ausgewählte Gedicht wird zugleich mit dem Preis-Ausschrei-\nben für dessen Composition und den Bewerbungs-Bedingnissen in be-\nsonderem Druck von uns ausgegeben und die Zeit für dessen Bezug\nin diesen Blättern angezeigt werden.\nOben erwähnte Bewerbungen, mit wenigen Ausnahmen in fliegen-\nden, zumeist sehr kleinen Blättern bestehend, haben wir binden\nlassen und werden sie, wie auch ihre versiegelten Beibriefe, im Ver-\neins-Archiv verwahren.\nDieses anzeigend, bemerken wir, dass etwaige Zwischen-Anfragen\noder Rückforderungen jener Werke (deren Urschriften die Herren\nVerfasser ja in Händen haben) nur auf Kosten der Betreffenden und\nzwar erst dann erledigt werden können, wenn die oben vorbehaltene\nnähere Anzeige von uns erlassen ist.\nMannheim, 9. Oetober 1860. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUeber griechische Musik. 11, Der wiener Männergesang-Verein (Sechster Jahresbericht). Der springende Bogen. Von\nS. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Breslau, Herbst-Saison Dresden,\nSpohr's „Faust\", Capellmeister Rietz Wien, Herr Desoff, Operntheater, Unbekannte Werke von J. Haydn, Gesellschafts-Concerte Pa-\nris Mailand Aufruf für Zöllners Hinterbliebene Deutsche Tonhalle).\n\nUeber griechische Musik.\nII.\n(I. s. Nr. 43.)\nDie Schrift von F. Jos. Fetis hat den Titel:\nMemoire sur l'Harmonie\nchez les Grecs et les Romains. Bruxelles, chez M.\nHayzz, irnprimeur de l'Academie royale de Bel-\ngique. 1858. 4. (120 S. mit 4 Kupfertafeln.)\nDer Hauptzweck derselben wird noch bestimmter\ndurch den Zusatz bezeichnet:\nsuivante: les Grecs et les Romains ont-ils connu l'harmonie\nsimultanee des sons? En ont-ils\nsique?\"\nDie Schrift zerfallt in zwei Theile. Im ersten (S. 1 —77)\nuntersucht der Verfasser die Stellen der griechischen und\nrömischen Schriftsteller, welche sich auf harmonischen Zu-\nsammenklang in der Musik der Alten beziehen oder durch\ndie Gelehrten darauf bezogen worden sind, und bespricht\ntheils bestätigend, theils widerlegend die Auslegungen,\nwelche diese Stellen bisher erfahren haben. Im zweiten\nTheile betrachtet er, was aus den Denkmälern der plasti-\nschen Künste und aus den musicalischen Instrumenten der\nAlten für die Frage der Harmonie zu folgern sein dürfte.\nAusser vielen in den Text gedruckten Beispielen von\ngriechischer Notenschrift und moderner Notirung enthält\ndie Tafel I. eine vollständige Uebersicht der griechischen\nTonweisen diatonischer Gattung in den verschiedenen Zeit-\nEpochen und in ihrer Umgestaltung von Pythagoras bis\nauf Alypius, dessen fünfzehn Tonweisen als bis auf die Zeit\nvon Christi Geburt gebräuchlich angenommen werden;\nferner die acht Tonarten der griechischen Kirche, die vier-\nzehn, von Glareanus auf zwölf zurückgeführten Tonarten\ndes gregorianischen Gesanges und die acht gewöhnlichen\nTonarten des Chorals.—Tafel 11. Die Stimmung der Ma-\ni\ngadis*) in dorisch-chromatischer Weise. Tafel 111. und\nIV. Abbildungen antiker Reliefs von Zither- und Flöten-\nspielern.\nWir können unseren Lesern nicht zumuthen, sich mit\nuns in die Einzelheiten der Kritik der verschiedenen Mei-\nnungen der Gelehrten über die Kenntniss der Harmonie\nder Alten zu vertiefen, die der Verfasser an die chronolo-\ngische Aufzählung der bedeutendsten Schriftsteller über\nseinen Gegenstand knüpft. Seine Entscheidung für die Mei-\nnung, dass die Alten den accordmässigen Zusammenklang\nund die Folge von dergleichen Zusammenklängen, mit\nEinem Worte: dasjenige, was unsere Musik Harmonie\nnennt, nicht angewandt haben, begründet er zuvörderst\nauf den Unterschied zwischen Kenntniss der consoniren-\nden Intervalle und Anwendung derselben bei der Com-\nposition; dann darauf, dass sämmtliche Stellen der alten\nSchriftsteller, die man auf zusammenklingende Harmonie\nhat deuten wollen, nur von der Aufeinanderfolge der In-\ntervalle, keineswegs von ihrem Zusammenklang zu verste-\nhen sind; ferner, dass man vor allen Dingen die Zeitalter\nunterscheiden muss; alsdann, dass die Griechen keinesfalls\ndie Terz und die Sexte als consonirende Intervalle be-\ntrachtet haben, und dass ohne diese Consonanzen keine\nHarmonie im Sinne der neueren Musik möglich sei; end-\nlich, dass der einzige Zusammenklang, den die Alten an-\ngewandt, die „Magadisation\", d.i. die Octaven-Verbin-\ndung, gewesen sei, mit Ausnahme einer Folge von Quar-\nten (myxolydisch und dorisch) oder von Quinten (hyper-\nphrygisch und dorisch), die als Neuerung um die Zeit des\nAugustus angewandt worden sein möge**)—eine unseren\n\n*) Ein Saiten-Instrument von 20 Saiten in zwei Octaven im Um-\nfang vom kleinen bis zum zweigestrichenen e.\n**) Auf diese Weise erklärt Fetis die vielbesprochene Stelle im\nHoraz (Epode IX.):\nSonanfe mixtum iibiis carmen lyro,\nHac Dorium, Ulis barbarum\nwonach die Lyra „dorisch\", die Tibien „barbarisch\" zusam-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.2", "texte": "Ohren unerträgliche Folge, die aber noch ins Mittelalter\nhinein spukte, wie man aus Hucbald's (840—930 nach\nChristi Geburt) Schriften sieht, dem, wie seinen Zeitgenos-\nsen, die Quarten- und Quintenfolge noch die allein ange-\nnehme war.\nDiese Behauptungen sind nun zwar keineswegs neu,\nnamentlich in Deutschland nicht, was auch schon aus den\nStellen, die Fetis aus den in unserem ersten Artikel ge-\nnannten deutschen Schriftstellern selbst anführt, hervor-\ngeht; allein sie sind durch eingehende Erörterung und im\nzweiten Theile der Schrift besonders auch durch die Rück-\nsichtnahme auf die Instrumente der Alten anschaulich ge-\nmacht. Die ausführlichste Widerlegung wird einer Ab-\nhandlung des Franzosen Vincent zu Theil, die in Deutsch-\nland wenig oder gar nicht bekannt ist. Sie steht als:\ntice sur trois Manuscrits grecs relatifs ä la musique und,\nFragments de quelques Manuscrits in dem zweiten Theile\ndes XVI. Bandes der Notices\nde la Bibliotheque du Roi. Par In 4to.\nDie Annahme von Fetis, dass im Abendlande eine\nAusartung (oder, wie man glaubte, eine Erweiterung) der\nHarmonie um die Zeit des Augustus entstanden sei, indem\nman neben der Octaven-Verbindung auch eine Quarten-\noder Quintenreihe erfand, und dass diese aus dem Verfall\ndes römischen Kaiserreiches in die Musik des ersten Jahr-\ntausends nach Christi Geburt herübergezogen worden sei,\nwird durch das Beispiel einer so genannten Diaphonie aus\ndem oben erwähnten Hucbald bestätigt, die Gerbert feh-\nlerhaft abgedruckt, Fetis aber aus einem Manuscripte\ndes XI. Jahrhunderts auf der königlichen Bibliothek zu\nBrüssel folgender Maassen hergestellt hat (S. 110):\nmen gespielt hätten (barbarisch, d. i. phrygisch, lydisch\nu. s. w.). Dass dies auch nur eine rMagadisationtt, d. h. eine\nblosse Fortschreitung zweier Tonleitern in einem bestimmten\nIntervall, keineswegs aber eine Harmoniefolge in unserem Sinne\ngewesen, ist vollkommen richtig Ob aber überhaupt der\nDichter, dem es bei seiner Frage an den vornehmen Gast-\nfreund: „Wann werden wir bei dir zur Siegsfeier wieder al-\nten Wein trinken und Tafelmusik hören?* wahrlich nicht\nauf theoretisch-genaue musicalische Ausdrücke ankommen konnte,\ndurch das Wort mixtum einen wirklichen concentus, Zusam-\nmenklang, habe bezeichnen wollen, das dürfte noch die Frage\nsein. „Lasst uns trinken bei Geigen und Flöten in A- und Cis-\ndur durch einander!* würde vielleicht nach Jahrtausenden\nauch merkwürdige Auslegungen erfahren, wenn man daraus auf\nunser Ton-System und unsere Harmonie schliessen wollte.\nDie Leser ersehen zugleich aus diesem Beispiele, was\n„Magadisation\" ist; wir haben hier in den beiden Mittel-\nstim men eine Magadisation in der Quarte; in der ersten\nund zweiten, und eben so in der dritten und vierten eine\ndergleichen in der Quinte; endlich eine Magadisation in\nder Octave in der ersten und dritten und in der zweiten\nund vierten Stimme.\nMan sehe sich dieses Pröbchen vorweltlicher Tonkunst\nan denn wahrlich, die wahre Welt der Musik tauchte\nerst am Ende des vierzehnten Jahrhunderts aus dem bis-\nherigen Chaos der Töne hervor und versuche dann zu\nbegreifen, wie es möglich gewesen, dass das menschliche\nOhr sich an eine solche Art von Harmonie gewöhnt, ja,\nsie sogar angenehm empfunden habe! Es ist dies ein Pro-\nblem, dessen physiologisch-pathologisch-musicalische Lö-\nsung ein unerreichbares Ziel sein dürfte.\nAus der Conclusion des Memoires geben wir noch\neinige beachtenswerthe Stellen.\n„Das ist also\", sagt Fetis darin nach Anführung des\nBeispiels aus Ilucbald, „die Erbschaft, welche das classi-\nsche Alterthum der neueren Zeit in Bezug auf Harmonie\nhinterlassen hat, d. h. die vollkommenste Negation des Ge-\nfühls für die harmonischen Tonverhältnisse! Wenn man\n-\nübrigens die Aermlichkeit der musicalischen Ton-Werk-\nzeuge der pelasgisch-hellenischen und tyrrhenisch-latini-\nschen Stämme, jene elenden Zithern und Leiern mit sieben\nSaiten, ohne Hals und Griffbrett, jene Flöten (oboen- oder\nclarinettenähnliche Tibien) mit einem, allenfalls zwei, höch-\nstens drei Löchern, auch nur mit der Mannigfaltigkeit der\nInstrumente bei den Indiern, selbst bei den Assyriern und\nAegyptiern (?), vergleicht, so muss man einsehen, dass das\nfür andere Künste so hochbegabte Volk der Griechen ver-\nhältuissmässig am schlechtesten mit Natur-Anlagen für die\nTonkunst bedacht worden ist.\n„Trotz aller Analysen und Beweisführungen wird man\nindess immer wieder die Behauptung wiederholen, es sei\nunglaublich, dass die Griechen, ein geistig so vorzüglich\norganisirtes Volk, die Meister in der Philosophie und Be-\nredsamkeit, in der Poesie und den plastischen Künsten, die\nTonkunst eine Reihe von Jahrhunderten lang getrieben\nhätten, ohne darin Fortschritte zu machen und das Prin-\neip der Harmonie zu entdecken, welches barbarische Völ-\nker aufzufinden verstanden haben!\n„Dieser Satz ist aber viel zu absolut aufgestellt. Die\nGriechen sind keineswegs in der Musik auf ihrem ursprüng-\nlichen Standpunkte stehen geblieben, im Gegentheil, es wird\nihnen immer der Ruhm bleiben, der Tonkunst ihre Haupt-\nGrundlage durch die Erfindung des diatonischen Ton-Sy-\nstems gegeben zu haben. Aber auch darüber haben sie\nes nie zu einer vollständigen Uebereinstimmung gebracht;"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.3", "texte": "um so wichtiger ist bei Beurteilung ihrer Systeme das\nAuseinanderhalten der verschiedenen Zeit-Epochen.\n„Was mich betrifft,\" —schlicsst Fetis seine Abhand-\nlung— „so erkläre ich, dass mir das Studium der musica-\nlischen Schriften der Alten, die auf uns gekommen sind,\nschon lange die Ueberzeugung gegeben hat, dass das, was\nsie Musik nennen, gar keine Aehnlichkeit mit der Musik\nder neueren Zeit hat. Alle griechischen Abhandlungen über\nMusik sind rein technisch; die eigentliche Tonkunst er-\nscheint darin weder in ihrer praktischen Form noch in\nihrer Aesthetik, und die Widersprüche in der Theorie zei-\ngen sich überall. Die Systeme, auf welche die Feststellung\nund Eintheiiung der Tonarten begründet sind, verändern\nsich von einer Epoche zur anderen; es ist eben so wenig\neine ständige Bestimmtheit in den wissenschaftlichen Ent-\nwicklungen der Verhältnisse der Intervalle und in ihrer\nVertheilung in Tetrachorde vorhanden. Ueberall treten uns\nveränderliche und oft unter den Schriftstellern selbst strei-\ntige Grundsätze entgegen.\n„Freilich sprechen die Griechen von wunderbaren\nWirkungen der Musik, namentlich in den ältesten Zeiten,\nwo sie noch sehr unvollkommen in ihrem Ton-Svstem\n%)\nwar; allein die Indier erzählen ähnliche Anekdoten von\nden ausserordentlichen Wirkungen ihrer Musik, und eben\nso die Araber. Man braucht auch gar nicht bis ins Al-\nterthum zurück zu gehen, um die tiefen Eindrücke und\nAufregungen thatsächlich festzustellen, welche gewisse\nNational-Melodieen bei den meisten Völkern hervorbrin-\ngen, da diese Melodieen in der Regel mit geschichtlichen\nEreignissen, mit Erinnerungen an Heimat und Rinderjahre\noder mit Leidenschaften des Hasses oder der Liebe enge\no\nverbunden sind. Vorzüglich bei Völkern, welche die Natur\nmit reichen geistigen Gaben bedacht hatte, mit Phantasie\nund Gefühl, wie die Indier und die Griechen, mussten\njene Wirkungen leicht erfolgen. Ich bin aber fest über-\nzeugt, dass, wie alle ähnlichen bei anderen Völkern, auch\nbei den Griechen dergleichen Eindrücke nur durch Volks-\nMelodieen gemacht wurden. Als Volks-Melodieen rnuss man\ndie Gesänge betrachten, die in verschiedenen Tonweisen\nund Rhythmen für verschiedene Zwecke und verschiedene\n>i\nGelegenheiten bestimmt waren, z.B. für religiöse Ceremo-\nnien, charakteristische Tänze, kriegerische Anlässe u. s. w.,\nwobei dann die Poesie des Textes, die religiöse Stimmung,\ndie Vaterlands- und Freiheitsliebe in Verbindung mit der\nMelodie Wirkungen erzeugten, die man der Musik allein\nzuschrieb.\n„Bis zu der Epoche, wo die Musik sich in der neue-\nren Zeit als wirkliche Kunst durch Vereinigung aller ihrer\nElemente, als Melodie, Harmonie, Rhythmus, Modulation,\nTempo-Bestimmung, Klangmittel u. s. w., ausbildete, hat\nes auf der Welt keine andere Musik als den Volksgesanü\n1 •\ngegeben. Dieser Gesang hat allerdings bei gewissen Völ-\nkern eine ganz eigentümliche Schönheit und Form der\nMelodie, allein er steht dennoch ausserhalb der Bedingun-\no\ngen, welche die aus ihm entwickelte Musik zur wirklichen\nKunst machen. Die Musik der Griechen, Römer und Etrus-\nker konnte nur Volksgesang sein; hätten sie mehr als\nüberlieferte herkömmliche Melodieen, hätten sie geschrie-\nbene, combinirte musicalische Compositionen gehabt, so\nwürden diese gewiss eben so gut bis auf uns gekommen\nsein, wie die Werke ihrer Dichter, Redner, Geschichtschrei-\nber und Philosophen.\n„Das scheint mir ohne Widerrede fest zu stehen,\ndass die Alten weder einen Begriff von Accorden als noth-\nwendigen Bestandteilen der Musik, noch Gefühl und Sinn\nfür den harmonischen Zusammenklang derselben gehabt\nhaben.\"\nSchliesslich wollen wir nur noch bemerken, dass die\nVorliebe und der blinde Respect der Philologen und Alter-\nthumsforscher vor jeder Aeusserung eines alten Schrift-\nstellers gar zu oft die Verwirrung der Begriffe über musi-\ncaiische Dinge, die sich bei den griechischen Autoren fin-\ndet, übersehen haben. Nur Fortlage zertheilt in seinem\nBuche („Das musicalische System der Griechen in seiner\nUrgestalt\") unerbittlich den Nimbus, der die Köpfe jener\nalten Schriftsteller umgibt, und sagt geradezu, dass die\nWidersprüche derselben ihre grosse Unwissenheit offen-\nbaren, wie wenn z. B. Aristoxenus und sein Ausschreiber\nPlutarch fast in Einem Athemzuge sagen, dass das enhar-\nmonische Svstem älter ist, als das diatonische, das diato-\n«J\nnische aber das älteste von allen! Und dennoch, fährt er\nfort, haben solche und ähnliche Widersprüche bis jetzt die\nForscher nach Wahrheit nicht zur Verzweiflung und zum\nAufgeben eines Gebietes gebracht, auf welchem Irrthum\nund Unverstand herrschen.\nWir wollen von solchen Widersprüchen nur noch ein\nauffallendes Beispiel anfuhren. Es betrifft das Instrument\nMagadis, wovon das Wort d.i. in der\nOctave begleiten (vielleicht auch in der Quarte oder Quinte,\nwie wir oben gesehen). In einem Fragment des Anakreon\nbei Alhenäus heisst es: „Ich singe zur lydischen Magade\n(uayüdrjv mit zwanzig Saiten.\" Aber in einem\nFragment des lon von Chios bei demselben Athenäus wird\ndie Magadis eine „lydische Flöte\" genannt, und Athenäus\ncitirt dafür auch den Grammatiker Aristarch, bemerkt,\naber auch, dass Aristoxenus und noch vier andere Schrift-\nsteller über die Flöten keine Flöte Magadis kennen, führt\naber kurz darauf an, dass Tryphon sagt: „Allein die\nFlöte, die man Magodos nennt.\" Ja, der Grammatiker\nDidymus bezeichnet die Magadis (ebenfalls bei Athenäus)\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.4", "texte": "als eine „Zitherflöte\", was wahrscheinlich heissen soll,\ndass sie zur Zither gespielt wurde, oder umgekehrt. Dann\nwird wieder behauptet, die vielsaitigen Instrumente wären\nerst sehr spät bekannt geworden. Noch ärger meint Posi-\ndonius, Anakreon hätte mit den „zwanzig Saiten\" die drei\nTonweisen, die lydische, phrygische und dorische, gemeint,\nderen jede sieben Saiten erfordere, von denen er eine,\nder runden Zahl zwanzig wegen, nicht angegeben habe!\nUeber solchen Wirrwarr muss jeder Kritiker die Ge-\nduld verlieren. Und verliert er sie nicht, was wird dadurch\nfür die Tonkunst gewonnen?\n\nDer wiener Männergesang-Verein.\nAus dem sechsten Jahresberichte des wiener\nMännergesang-Vereins (für das Jahr vom 7. October\n1859 bis 5. October 1860) von Dr. H. von Billing, d. Z.\nSchriftführer, heben wir hervor:\nAm 2. December 1859 richtete Herr Bürgermeister\nDr. Frhr. von Seiller an den Verein die Aufforderung, der\nEnthüllungsfeier des von der Stadt-Commune dem Tonmei-\nster Mozart gesetzten Monumentes durch seine Mitwirkung\neine musicalische Weihe zu verleihen.\nIn Folge dieser Einladung fand sich der Verein am\n5. December, an einem schönen, hellen Wintertage, Nach-\nmittags 2 Uhr, auf dem St.-Marxer-Kirchhofe ein und\nreihte sich um das verhüllte Standbild, das sich über Mo-\nzart's muthmaasslicher Grabstätte erhob. Mitglieder des\nHof-Operntheaters, Repräsentanten der verschiedensten Mu-\nsik- und sonstigen Kunst-Corporationen, eine grosse Menge\nZuhörer hatten sich eingefunden, um dem lange vernach-\nlässigten Andenken des grössten österreichischen Tondich-\nters jetzt Rechnung zu tragen und damit eine heilige Pflicht\nzu erfüllen.\nDer Männergesang-Verein begann die Feierlichkeit mit\ndem Vortrage von MozartY „Abendlied\". Der Bürgermei-\nster sprach sodann die Inaugurations-Rede, bei deren\nSchlussworten: „Enthülle dich, trauernde Muse!\" die ver-\nbergende Leinwand-llülle fiel und das Standbild, die trau-\nernde Muse der Tonkunst, auf die aufgehäuften Partituren\nMozart'scher Werke gestützt, in der Hand das halb auf-\ngerollte Requiem, von der Sonne hell und goldig ange-\nstrahlt, ernst auf die Cmherstehenden niederblickte. Beim\nFallen der Hülle erscholl Herbeck's kräftiger „Festgesang\"\nund bildete zugleich den Schluss der Feierlichkeit.\nDem ersten Vereins-Concerte am 18. December\nv. J. im grossen Redoutensaale wohnten Ihre Majestäten\nder Kaiser und die Kaiserin bei, erschienen gleich beim\nBeginne des Concertes und verweilten bis nahe zum Schlüsse,\nLiessen sich die Mitglieder der Direction vorstellen und be-\nzeigten Höchstihr Wohlgefallen an den Leistungen des\nVereins.\nAm 23. December v. J. ernannte der Verein einstim-\nmig und mit lautem Zurufe E. M. Arndt zu seinem ein-\nundneunzigsten Geburtstage (26. December) zum Ehren-\nMitgliede.—Der Beschluss des Vereins, für Arndt's Denk-\nmal ein Concert zu geben, stiess auf Schwierigkeiten von\naussen her, die zu beseitigen nicht in der Macht des Ver-\neins lag. (!)\nDer erste Versuch einer Carnevals-Liedertafel in Mas-\nken— für Wien neu glückte vollkommen. Es waren an\n200 Sänger und an 300 Gäste zugegen, wovon 300\nmannigfach costumirt. Ein Schwank: „Le Carnaval c'est\nla paix\", Scene zwischen einer Augsburgerin, einem\npreussischen Kreuzritter und einer Kölnerin, war\nhöchst ergötzlich.\nDie Sängerfahrt nach Graz und die dort gegebenen\nProductionen am 8. und 9. September d. J. brachten 2175\nGulden Reinertrag zu vaterländischen und wohlthätigen\nZwecken.\nAm 17. September d. J. erhielt der Verein einen\nprachtvollen Ehren-Pocal durch Beschluss des Gemeinde-\nrat hes von Wien (Hört! hört!) mit folgender Inschrift:\n„Die Stadt Wien widmet dem wiener Männergesang-\nVereine diesen Ehrenbecher als Zeichen der Anerkennung.\"\nDas Begleitschreiben hebt hervor, dass die Stadt, „an de-\nren Festlichkeiten der Verein sich wiederholt und stets mit\ndem glänzendsten Erfolge betheiligte\", die Gelegenheit\nergreife, ihren Dank auszudrücken.\nEine kirchliche Feier—Messe von „Dr. Ritter Franz\nvon Liszt\" (sie) —nicht gerechnet, ist der Verein in eilf\nöffentlichen Productionen (3 Concerten, 3 Lieder-\ntafeln und 5 Fest-Productionen), dann in zwei Serenaden,\nalso im Ganzen dreizehn Mal, vor das Publicum getre-\nten. Darunter ein Mal (beim Schiller-Fackelzuge) in Ver-\nbindung mit den drei anderen Gesang-Vereinen von Wien,\nein Mal (bei der feierlichen Enthüllung des Erzherzog-\nKarl-Monumentes) unter Mitwirkung des akademischen\nGesang-Vereins und zwei Mal in Gemeinschaft mit dem\ngratzer Männergesang-Vereine.\nVon den Chören waren 29 neu, darunter von dem\nChormeister Herrn Herbeck Fest-Chor (Doppelchor)\nzur Enthüllung des Mozart-Denkmals; Fest-Can täte mit\nHarmonie-Begleitung zur Enthüllung des Denkmals des\nErzherzogs Karl; „Gruss an Steiermark\", in Graz ge-\nsungen.\nDie Zahl der ausübenden Mitglieder hob sich\nvon 222, dem nachgewiesenen Stande des Vereins vom 30.\nSeptember 1859, auf 247 Sänger. Das Namens-Verzeich-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.5", "texte": "niss weis't 54 erste Tenöre (im Vorjahre 40), 60 zweite\nTenöre (im Vorjahre 61), 68 erste Bässe (gegen 64) und\n65 zweite Bässe (gegen 57) nach.\nDer Verein erfreut sich daher neuerdings eines beim\ngleichzeitigen Bestehen von vier anderen Männerchor-Ver-\neinen in Wien an Bedeutsamkeit gewinnenden Zuwachses\nvon 25 Stimmkräften.\nDie Zahl der beitragenden Mitglieder erlitt einen\nin den trüben Zeitverhältnissen nur zu leicht erklärlichen\nRückgang von 402 auf 355.\nUnter dem Vereins-Material nimmt das Archiv\nden ersten Platz ein. Der Katalog zeigt einen Zuwachs\nvon 27 Cumulativ-Nummern, und somit ist der Effectiv-\nstand des Archivs 730 Nummern mit über 2080 einzel-\nnen Gesangstücken.\nDie Anschaffungen bilden in diesem Jahre den bedeu-\ntenden Ausgabe-Posten von 848 Gld. 17 Kr. und recht-\nfertigen wohl ohne weiteren Commentar die im Laufe des\nWinters beschlossenen Einschränkungen hinsichtlich des\nEntlehnens der Musicalien.\nAusser der den Chormeistern zugestandenen Remune-\nration und der jährlichen Beihülfe an die Witwe eines\nfrüh geschiedenen verdienstvollen Tondichters hat der Ver-\nein 25 Stück Ducaten als Ehren-Honorar für erstaufge-\nführte Original-Compositionen zuerkannt.\nSo weit Zahlen sprechen können, erweisen sie eine\nsteigende Tendenz der Thätigkeit des Vereins, so wie sei-\nnes Bestandes.\nWas jedoch nicht zahlenweise nachweisbar ist, aber je-\ndem, der im Vereine mitgelebt und mitgewirkt hat, zur\nfreudigen Ueberzeugung wurde, das ist die unverkennbare\nFestigung und Einigung der inneren Vereins-Verhältnisse,\nder sichtliche Aufschwung des geselligen Lebens und der\nLust und Liebe für den Verein, und darin, viel mehr als\nin allen materiellen Mitteln, liegt die Garantie, dass der\nVerein, im Innern fest und markig, selbst die heftigsten\nStürme der Aussenwelt ungebeugt überdauern könne.\n\nDer springende Bogen.\nWährend verschiedene Violinspieler unserer Tage bei\nkurz abzustossenden Noten den Bogen meist springen las-\nsen und diese geschmacklose Manier für eine Erfindung\nder neuesten Zeit und eine Bereicherung der Streicharten\nhalten, erfahren wir aus dem ersten Hefte von Spohr's\nSelbstbiographie, dass diese Manier schon im vorigen\nJahrhundert im Gebrauche war und so ziemlich mit der\ndamaligen Mode der Reifröcke zusammenfällt. Auf Seite\n46 des bezeichneten Heftes nämlich spricht der Verfasser\nvon dem Zusammenspielen mit dem irrsinnigen Geiger\nlietz im Jahre 1803 zu St. Petersburg in nachstehenden\nWorten: „Tietz spielte die zweite Stimme meines Duetts,\ndie nicht leicht ist, ohne allen Anstoss und recht sauber\nund trug auch die Gesangstellen mit Geschmack und Ge-\nfühl vor. Weniger wollten mir seine Passagen gefallen,\ndie er nach alter Weise mit springendem Bogen\nspielte.\"\nSeite 48 darauf erwähnt Spohr des Geigers Fodor\nund sagt: „Auch sein Spiel wollte mir nicht behagen. Er\nspielte zwar rein und ziemlich fertig, aber ohne Wärme\nund Geschmack. Auch liess er bei den Passagen den Bo-\ngen fortwährend springen, was bald unerträglich wird.\"\nEs ist dass seit Erstehen der belgi-\nschen Violinschule unter de Beriot die durch Rode und\nseine Genossen eingeführte Bogenstange —in Säbelform\nausgeschweift fast ganz aus dem Gebrauche gekommen,\nhingegen die alte, im vorigen Jahrhundert im Gebrauch\ngewesene horizontale, gemeinhin Sägeform benannt, wie-\nder hervorgesucht worden, mit welcher aber das langgezo-\ngene Legato in der Passage, nicht minder in der Cantilene,\nim Charakter der französischen wie auch in Spohr's Schule,\nnicht auszuführen ist. Weil die Sägeform der bald zu straf-\nfen, bald zu schlaffen Spannung wegen aller Schwungkraft\nermangelt, so wird das Hüpfen und Springen noch insbe-\nsondere erleichtert, ja, diese positive und negative Eigen-\nschaft des Bogens verleitet offenbar dazu. In Gemeinschaft\nmit der übermässig hohen Stimmung und dem eben darum\nnothwendig dünnen Saitenbezug bewirkt dieses so beschaf-\nfene, überdies noch allzu leichte Werkzeug (mit dem man\ngegenwärtig auch das Violoncell behandeln sieht) den Man-\ngel an Tonfülle, dies sogar beim Zusammenspiel im Or-\nchester, wenn nicht Massen dastehen. Aber auch im Or-\nchester fängt das Hüpfen- und Springenlassen des Bogens\nan, sich bemerkbar zu machen. Möchten doch die Herren\nDirigenten für solchen Unfug ein Ohr haben, widrigen-\nfalls die schon erkleckliche Summe von Unziemlichkeiten\nim Vortrage unfehlbar sich um ein Bedeutendes noch ver-\nmehren wird. Wer die Leistungen der aus bloss tüchtigen\nRipienisten bestehenden Orchester bis um 1830 zurück\nnoch in der Erinnerung hat, kann nicht ohne Besorgniss\nfür die Zukunft auf die dermal meist mit Virtuosen be-\nsetzten Violinparte in den ständigen Orchestern blicken.\nAllerdings waren die damaligen Orchester ausser Stande,\nz. B. die Ouvertüre zur Zauberflöte, zu Euryanthe und so\nviele andere noch in einem bis zum Wahnsinn gesteigerten\nTempo abzuhetzen, wie es die unsrigen vermögen.\nS."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.6", "texte": "Erftes Geseĺschafts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capelimeisters Herrn Ferd. lii 11 er.\nDinstag, 23. October 1860.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zur Oper Iphigenie in\nAulis von Gluck. 2. Concert für die Violine von Mendelssohn,\ngespielt von Concertmeister O. von Königs low. 3. Arie aus\nRossini's Donna del Lago, gesungen von Fräulein Emilie Ge-\nnast. 4. Romanze in G-clur für die Violine von Beethoven (von\nKönigslöw). 5. von Fr. Schubert, instrumentirt von\nF. Hiller (Fräulein E. Genast). 6. Te Deum von J. Haydn für\nChor und Orchester.\nZweiter Theil. Sinfonie Nr. 11. von Beethoven.\nUnsere diesmalige Winter-Concertzeit hat am Dinstag mit einem\nConcerte begonnen, dessen Programm, wie man sieht, sehr einfach\nund anspruchslos war. Dagegen lässt sich nichts sagen, da es je-\ndenfalls zweckmässige Politik der Direction ist, eine Steigerang des\nInteresses beim Publicum hervorzurufen. Diese findet schon jetzt\nStatt, da man unter den nächsten Productionen HändeFs Judas\nMaccabäus und Beethoven's Missa snlemnis in D-dur dem Verneh-\nmen nach zu erwarten hat. Und für die Trefflichkeit der Ausfüh-\nrung gab das erste Concert eine sehr wohl annehmbare und auch\nvom Publicum mit Anerkennung, wenn auch gerade nicht mit En-\nthusiasmus, aufgenommene Bürgschaft.\nDas Abonnement auf die Reihe von zwölf Concerten früher\nacht, dann neun bis zehn, im vorigen Jahre zehn und zwei ausser-\nordentliche für das Orchester, also in diesem Jahre zum ersten Male\nauf zwölf von vorn herein obligate Concerte ist reichlich genug\nausgefallen, und schon für das erste sind ausserdem einhundert und\nzehn Fremdenkarten ausgegeben worden.\nEin epochemachendes Ereignissist die Herabsetzung der\nOrchester Stimmung nach dem pariser Muster, welche zum er-\nsten Male am Dinstag in Anwendung kam. Die Concert-Gesellschaft\nhat sämmtliche Holz-Blasinstrumente neu angeschafft, und die Blech-\nInstrumente sind durch neue Einsätze in die tiefere Stimmung ge-\nbracht. Die Wirkung war unserer Ansicht nach eine ganz befriedi-\ngende; die Saiten-Instrumente haben keineswegs dadurch an Ton\nverloren, und für die Sänger ist die Aenderung eine wahre Wohlthat.\nVon den Musikstücken des Abends gewann die Ausführung der\nSinfonie alle Stimmen des Publicums und der Kritik für sich; eben\nso das Spiel des Herrn von Königslöw in dein Concerte von Men-\ndelssohn. Freilich haben wir das Mendelssohn'sche Concert schon\nsehr oft gehört und von den grössten Meistern des Violinspiels, wie\nSivori, Joachim, David u. s. w. Dennoch wusste Herr von Königs-\nlöw das Interesse des Publicums und der Kenner durch die edle,\nvon künstlerischer Ruhe getragene Vortragsweise spannend zu fes-\nseln und zu lebhaftesten Beifallsbezeigungen anzuregen ein deut-\nliches Zeugniss für den Gehalt der Composition und die Meister-\nschaft des Spielers. Der letzte Satz, den dieser mit richtigem Gefühl\nnicht im Tempo übertrieb, ging auch im Orchester sehr gut.\nUeber die Gesang-Vorträge des Fräulein Genast waren die Stim-\nmen nicht so einig5 indem ihr Vortrag der Göthe'schen Ballade von\nSchubert einen grossen, wohl den grössten Theil des Publicums ent-\nzückte, strengeren Richtern aber zu manierirt scheinen wollte. Un-\nstreitig besitzt die Sängerin ein bedeutendes Talent für den Vortrag\ndes deutschen Liedes überhaupt, und man kann viele von ihren Lei-\nstungen in diesem Genre vollendet nennen. Der Schubert'sche „Erl-\nkönig® verführt allerdings leicht zu einer Manier, die ein Gemisch\nvon Declamation und von dramatischem Vortrage ist, das für den\nGesang einer Ballade, der bei aller Nuancirung doch einen einheit-\nlichen Charakter behalten muss, rein künstlerisch genommen nicht\nganz geeignet scheint. Ziehen wir die Consequenzen aus jener Ma-\nnier, so kommen wir wieder auf Kunststücke, die auch schon da\ngewesen sind, dass Eine Person ein Duett zwischen Tenor und Bass\noder Alt und Sopran sang, nicht nur mit verschiedenen Registern,\nsondern auch mit verschiedenem, künstlich erzeugtem Timbre der\nStimme Sollte diese Veränderung des Timbres in einem und dem-\nselben Gesangstücke (nicht in verschiedenen Rollen auf der Bühne,\nwas etwas ganz Anderes ist) Grundsatz für den Vortrag werden, so\ndass, um ein Beispiel zu wählen, der Sänger der Ballade „Der Wir-\nthin Töehterlein® von Löwe einen besonderen Klang für den Erzäh-\nler, für die Wirthin und für jeden der drei Bursche in seine Stimme\nlegen müsste, so würde durch eine so handgreifliche Nachahmung\nder Wirklichkeit die Gränze zwischen Naturwahrheit und Kunst-\nwahrheit bis zum Lächerlichen überschritten werden. Um aber auf\nden Vortrag des „Erlkönig® zurück zu kommen, so lässt sich nicht\nläugnen, dass das, was Fräulein Genast in dieser Manier leistete,\nvorzüglich gelungen war. Weniger genügte sie in der Arie von Ros-\nsini den Ansprüchen, die man an Fülle und Volumen der Stimme\nund an feurigeren Vortrag bei dieser Composition macht.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nDie Herbst-Saison eröffnete heuer unter glücklichen\nAuspicien. Die beiden ersten grösseren Schauspiel-Novitäten fanden\neine äusserst günstige Aufnahme. rDie Pasquillantenu von Bene-\ndix gefielen eben so wie Moser's „Eine Frau, die in Paris war\"»\nZu dem durchschlagenden Erfolge des Benedix'schen Lustspieles\ntrug ganz vorzüglich das lebendige Ensemble sämmtlicher Mitspie-\nlender bei, unter denen Herr Weilenbeck in der Rolle des Hof-\nrath Hänlein besonders hervorzuheben ist. Flotow's neugetauf-\nter „Müller von Meran\", der unter dem Namen rAlbinu vor mehre-\nren Jahren im Kärnthnerthor-Theater durchfiel, hatte bei seiner Vor-\nführung am 4. d* Mts. auf unserer Bühne das gleiche Schicksal.\nBresden* Als neu einstudirt wurde am 5. October Spohr's\n„Faust\"* gegeben, und zwar in einer vortrefflichen Ausführung unter\nLeitung des Herrn Capelimeisters Rietz. Die Besetzung war den\nKräften unseres Hoftheaters völlig entsprechend: Frau Bürde-Ney\n(Kunigunde), Frau Jauner-Krall (Röschen), Herr Mitterwurzer (Faust),\nHerr Freny (Mephisto), Herr Tichatschek (Hugo) u. s. w. Selbst\nbis auf die kleinsten Partieen hin waren sämmtliche Sänger die be-\nsten, die für derartige Rollenfächer hier vorhanden sind. Wenn ein\nnachhaltiger Erfolg für diese Oper nicht erwartet werden dürfte, so\nliegt die Schuld wohl ausschliesslich im Texte, der eine ganz ge-\nhaltlose Puppenspiel-Dichtung ist.\nHerr Capellmeister Rietz scheint endlich den Bannspruch gefun-\nden zu haben, der den Zauberring lös't, welcher die Aufführungen\nder musicalischen Messen in der katholischen Hofkirche hier gefes-\nselt hielt; denn an einem der letzten Sonntage wurde einmal eine\nandere als eine von einem königlich sächsischen Hof-Capellmeister\ncomponirte Messe während des Gottesdienstes ausgeführt, nämlich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.7", "texte": "die G-wo7-Messe von Hauptmann in Leipzig, die der Componist\nvor 25 Jahren dem letztverstorbenen Könige gewidmet hatte, die\naber nie hier aufgeführt wurde. Der Componist war mit einer Anzahl\nseiner Schüler von Leipzig zur Aufführung herübergekommen und\nsprach sich höchst lobend über die künstlerische Reproduction aus,\nwobei er nur bedauerte, dass der Säugerchor für das Verhältniss der\nKirche und der Instrumentation zu schwach sei, welcher Uebelstand\nhier schon seit Jahren bei jeder Mess-Aufführung fühlbar war.\nbliest« Die Leitung der Oper „Die Jüdin* war an Herrn De-\nsoff übergegangen, der das Ganze energisch zusammenhielt. Herr\nDesoff macht überhaupt noch den im Operntheater immer seltener\nwerdenden Eindruck einer frisch aufstrebenden Kraft. er auch\ndie Zähigkeit haben, sich weder durch die Direetions-Coterie Wirt-\nschaft, noch durch die Orchester-Cameradschaft, die Herrn Eckert\nzu Grunde gerichtet hat, abnutzen zu lassen?!\nDas Orchester-Personal des Opern-Theaters gibt am 4., 18. No-\nvember, 2. und 16. December vier philharmonische Abonnements-\nConcerte unter der Leitung des neuen Capellmeisters Desoff. Der\nerste Orchester-Director, Herr Joseph Hellmesberger, ist dem Ver-\nnehmen nach von dieser Unternehmung zurückgetreten und wird sich\nan den Aufführungen nicht betheiligen.\nIm Operntheater gehören in neuester Zeit Leistungen, die ein\nkünstlerisches Gepräge tragen, zu den Seltenheiten. Eine solche Lei-\nstung durfte man mit Recht von Ander als Tannhäuser erwarten,\nund diese Erwartung ist nicht getäuscht worden. Beiläufig bemerkt,\nhaben wir durch Ander erst die Partie des Tannhäuser in Wahrheit\nzu hören bekommen. Steg er etwa ausgenommen, der diese Rolle\neinige Male in der Josephstadt mit verdientem Erfolge gesungen,\nhatten wir bisher lauter stimm-invalide und auch sonst nicht hervor-\nragende Tannhäuser-Sänger gehört» Von Herrn Grimminger konnte\nman gar behaupten, man habe ihn gewisse Stellen singen gese-\nhen, aber nicht gehört.\nDer erste ins Auge fallende Vortheil dieser neuen Besetzung war\ndaher der Umstand, dass manche Stellen, die man bisher nur aus\nder Partitur kannte, jetzt zu tatsächlicher Geltung kamen. Herr\nAnder war kräftig bei Stimme und sang die anstrengende Partie, die\ner sehr eingehend studirt hat, mit ungeschwächter Ausdauer durch.\nJeder sangbaren Stelle ward ihr volles Recht, und schon hierin war\nder erfreuliche Unterschied mit anderen Tannhäuser-Sängern auf-\nfallend bemerkbar. Der Schwerpunkt aller Wirkung ruht indessen\nbei Wagner bekanntlich in dem potenzirten dramatischen Ausdruck,\nund auf dem Felde ist Herr Ander unbestrittener Meister. Selbst\njenes Ueberwiegen des letzteren Elementes, jenes Aufopfern der Ton-\nschönheit und der musicalischen Betonung zu Gunsten der dramati-\nschen Charakteristik, welches wir sonst geneigt sind, Herrn Ander\nals einen künstlerischen Irrthum vorzuwerfen, steht hier in vollem\nEinklang mit den Absichten des Componisten. Man kennt Herrn\nAnder, die leidenschaftliche Unmittelbarkeit seiner Ausdrucksweise,\ndas von innerer Gährung und äußerlicher Reizbarkeit oft kaum ge-\nläuterte, in den letzteren Jahren indess durch sorgfältiges Studium\ngesicherte Spiel, jenes Sich-Hingeben, man möchte sagen: Sich-An-\nklammern, an seine Aufgabe. Daher, wie so oft, auch heute diese\nergreifende Wirkung einer Reproduction, welche selbst da, wo sie\nkeine endliche Befriedigung zuriicklässt, doeh niemals die Illusion\nzerstört, dass man wirklich den dargestellten Charakter vor sich hat.\nDie wiener Deutsche Musik-Zeitung enthält folgende Notiz über\nunbekannte Werke von J. Haydn: „Bei dem allgemeinen In-\nteresse, welches die demnächst Statt findende Aufführung des lange\nZeit unbeachtet gebliebenen Oratoriums „// ritorno di Tobiau von\nJoseph Haydn erregt, glauben wir durch die Mittheilung, dass\nsich die Verlagshandlung Wessely & Büsing hier im Besitze der\nPartituren mehrerer theilweise bis jetzt unbekannt gebliebenen Werke\nvon Joseph Haydn befindet, den zahlreichen Verehrern des grossen\nMeisters einen Dienst zu erweisen. Diese Werke sind folgende:\n„Vier Arien „per la Commedia Marchese*. (3 für Sopran, 1 für Te-\nnor.) Componirt 1763 (italiänisch).\n„La Canterina (Opera Luffa), Intermezzo a 4 voci, in 2 Acten,\ncomponirt 1766 (italiänisch).\n„Lo Sp xia'e, Dramma giocoso in 3 Acten, componirt 1768 (ita-\nliänisch). Die Ouvertüre und der Anfang der ersten Arie fehlen.\n9Le Pescatrice, Oper in 3 Acten, componirt 1770 (italiänisch).\nOhne Ouvertüre, auch fehlen einige Gesangstücke.\n„L'lnfedellä delusa, Burletta in 2 Acten, componirt im September\n1773 (italiänisch).\n„L'lncontro improviso, Oper in 3 Acten, componirt 1777 (italiä-\nnisch). Im zweiten Acte defect.\n„// mondo della Lima, Dramma giocoso in 3 Acten, componirt\n1777 (italiänisch). Im zweiten Acte defect.\n„La fedeltä premiata, Dramma giocoso in 3 Acten, componirt 1779\n(italiänisch). Aufgeführt bei der Eröffnung des neuerbauten Theaters\nin Esterhaz im Jahre 1780. Das Finale des ersten Actes und der\nganze dritte Act sind verloren gegangen.\n„Madrigal. „Der Sturm-4. Tllark the wild uproar of the windsu,\ncomponirt 1792 (englisch). Dasselbe pflegt auch als Offertorium mit\ndem Texte: Domine auxiliator, aufgeführt zu werden.\n„Der „Ritter Roland\", heroisch-komische Oper in 3 Acten. Auf-\ngeführt ä grafid Orchestre auf dem grossen Pfalzbaierischen Theater\nin Mannheim (deutsch).\n„// rilomo di Tobia, Oratorium (Azione sacra) in 2 Abtheilungen\n(italiänisch mit deutscher Uebersetzung)\n„Die Copieen wurden mit Bewilligung Sr. Durchlaucht des Für-\nsten Esterhazy im Jahre 1846 auf Veranlassung des nun verstorbe-\nnen Kunsthändlers H. F. Müller von den im Eisenstädter Archiv\nvorfindlichen Originalen genommen.\"\nDas in vorstehender Anzeige erwähnte Oratorium von Jos.\nHaydn: „// ritorno di Tobia*, wurde im Jahre 1775 zum ersten\nMale in Wien zum Besten der Tonkiinstler-Witwencasse aufgeführt.\nDiese Notiz findet sich bei Gerber (Neues Lexikon der Tonkünst-\nler, Th. 11., Art. J Haydn, S. 562); zugleich wird das Oratorium\nals Manuscript bezeichnet. Gedruckt ist es auch späterhin nicht\nworden. Die jetzt bevorstehende Aufführung in Wien scheint den ita-\nliänischen Text beibehalten zu wollen. In München bereitet Gene-\nral-Musik-Director Franz Lachner eine Aufführung mit deutscher\nUebersetzung desselben vor. Da J. Haydn im Jahre 1732 geboren\nist, so wäre er bei der ersten Aufführung in Wien 43 Jahre alt ge-\nwesen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass er das Werk schon\nfrüher geschrieben, da er bereits seit 1760 Capellmeister des Für-\nsten Esterhazy war und dieser stets die Primitien der Compositionen\nHaydn's für sich in Anspruch nahm, namentlich die Kirchenstücke\nimmer zuerst in Eisenstadt, der Residenz des Fürsten, aufgeführt\nwurden.\nDie vier Gesellschafts-Concerte, deren erstes am 11.\nNovember Matt findet, bringen laut vorläufiger Anzeige : von Beet-\nhoven die />-Messe und die vierte Sinfonie; von Mozart die maureri-\nsche Trauermusik; von Schumann „Manfred\"; von Schubert sym-\nphonische Fragmente; von Catel Ouvertüre zu\nVolkmann Clavier-Concert; von Debrois van Bruyk „Requiem\" (Ge-\ndicht von Hebbel) für Solo, Chor und Orchester. lm ersten Con-\ncerte der Sing-Akademie am 15. November kommen Werke von\nJ. S. Bach, Palestrina, Lotti, Mendelssohn, Schumann („Die Talis-\nmane\" und zwei Frauenchöre) und Wilhelm Rust zur Aufführung.\nDas zweite Concert der Sing-Akademie findet am 6. Januar k J.\n\n(W. Ree )"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601027-01.1.8", "texte": "Statt und bringt eine Novität für Wien, nämlich den dritten Theil\nder Faust-Musik von Schumann mit Orchester.\nPaa*is, 7. October. Der hiesige deutsche Männergesang-Verein\nTeutonia, dessen Dirigent Julius Offenbach ist, hat bei dem\nConcurse zu Livry den ersten Preis in der ersten Classe der Theil\nnehmenden Vereine erhalten. Die Stücke, die er vortrug, waren eine\nOde au priniemps von L. Kreutzer und ein ungedruckter Chor:\nVA la palrie\", von Meyerbeer. Meyerbeer, Ehren-Präsident des\nVereins, hat diese Composition, die einen ausserordentlichen Erfolg\nhatte, dem Vereine gewidmet.\nDer berühmte Geiger Camillo Sivori hat hier\n17 Concerte gegeben, darunter zwei für die Armen und drei zum\nVortheil des Garibaldi'schen Unternehmens. Die letzteren haben\n15,000 Fr. eingetragen.\nAufm f.\nKarl Zöllner ist gestorben. Eine echt deutsche Künstler-\nNatur, kannte er bei grösster Pflichttreue für seinen Beruf keinen\nanderen Lebenszweck, als sein Volk mit seinen Liedern zu erfreuen\n— irdischen Besitz vergass er zu erwerben So hinterlässt er nichts\nals seine Lieder — und ' seine unversorgte Familie. Ist es nicht\nEhrenpflicht der deutschen Sänger, diese Erbschaft anzutreten, seine\nLieder fort und fort zu singen — und auch für seine leiblichen\nKinder zu sorgen?\nDie Unterzeichneten sind zu einem Ausschusse zusammengetre-\nten, um den Bestrebungen für Zöllner's Hinterlassene einen Mittel-\npunkt zu bieten, und richten an die deutschen Sänger die Bitte:\nGedenke jeder Einzelne des dahingeschiedenen Meisters, wie er kann.\nWie aber in den meisten Fällen Aufführungen von deutschen Ge-\nsang-Vereinen einen wohlthätigen Zweck im Auge haben, so möge\nauf einem der nächsten Programme solcher Aufführungen stehen:\nFür Zöllner's Slintei lassene. Seine Lieder haben dazu beigetragen,\nmanche Thräne zu trocknen, mögen sie ihre Kraft in dieser Hin-\nsicht auch bewähren, wo es die Sorge für seine Frau, seine Kinder\ngilt. Die Unterzeichneten sind bereit, eingehende Beiträge in Em-\npfang zu nehmen, nach bestem Ermessen zu verwenden und über\ndas Ergebniss seiner Zeit Bericht zu erstatten.\nAlle Mitteilungen bitten wir zu senden an Herrn Carl Voigt,\nFirma Berger & Voigt, in Leipzig, unseren derzeitigen Cassirer.\nAlle öffentlichen Blätter werden gebeten, diesem Aufrufe eine\nStelle in ihren Spalten zu gönnen.\nLeipzig, am 11. October 1860.\nE. An schütz, Advocat. Roderich Benedix, Schriftsteller.\nF. David, Concertmeister. Dufour-Feronce, General-\nConsul. Carl Geh baue r. Raymund Härtel, Stadt-\nrath (Firma Breitkopf & Härtel). Dr. Hauptmann, Mu-\nsik-Director Joh. Jac. Huth, Kaufmann. Dr. Langer,\nMusik-Director. J. Moscheies, Professor. Rieh. Mül-\nler, Musik-Director. Dr. Ruete, Hofrath und Professor.\nHugo Schar ff, Kaufmann. F. A. Schumann, Lehrer.\nC. Voigt, Kaufmann (Firma Berger & Voigt) Dr. E. H.\nWeber, Professor. T. O. Weigel, Buchhändler.\n\nDeutsche Tonhalle.\nAuf das im Juni v. J. vom Verein erlassene zwanzigste Preis-\nAusschreiben, betreffend ein vaterländisches Gedicht zur Compo-\nsition für den Männergesang, sind uns an 300 Preisbewerbun-\ngen (!) zugekommen, aus welchen wir nun, unter Beratliung geehrter\nTondichter, die Auswahl zu erwähntem Zwecke zu treffen haben\n(wenn dabei wie wir nicht zweifeln völlig entsprechend poeti-\nsche Werke sich befinden).\nDas ausgewählte Gedicht wird zugleich mit dem Preis-Ausschrei-\nben für dessen Composition und den Bewerbungs-Bedingnissen in be-\nsonderem Druck von uns ausgegeben und die Zeit für dessen Bezug\nin diesen Blättern angezeigt werden.\nOben erwähnte Bewerbungen, mit wenigen Ausnahmen in fliegen-\nden, zumeist sehr kleinen Blättern bestehend, haben wir binden\nlassen und werden sie, wie auch ihre versiegelten Beibriefe, im Ver-\neins-Archiv verwahren.\nDieses anzeigend, bemerken wir, dass etwaige Zwischen-Anfragen\noder Rückforderungen jener Werke (deren Urschriften die Herren\nVerfasser ja in Händen haben) nur auf Kosten der Betreffenden und\nzwar erst dann erledigt werden können, wenn die oben vorbehaltene\nnähere Anzeige von uns erlassen ist.\nMannheim, 9. Oetober 1860. Der Vorstand."}]}