{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-11-03-01", "volume": "bmtnabi_1860-11-03_01", "ocr_sha256": "94945545c26bf7c8b7778910a3599aeade24d341b36d6a6d716211a0cd0b7d32", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/11/03_01/bmtnabi_1860-11-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-11-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 436, "texte": "Inhalt.\nL, Spohr's erster Ausflug. Nach Louis Spohr's Selbstbiographie. Herzog Friedrich von Tyrol. Oper in drei Acten von\nE. Ille, Musik von M. Nagiller. Tages- und Unterh altungsblatt (Köln, Gesellschafts-Concerte Barmen, I. Abonnements-Con-\ncert Iserlohn, Symphonie-Concerte Frankfurt a. M., Mozart-Stiftung Hamburg, Theater-Director Cornet Breslau, Winter-Saison\nSchulpforta, Gesang-Verein Amsterdam Paris Neapel Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-03_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-11-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "357", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.2.2", "titre_corps": "L. 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Ludwig verlebte dort\nseine Kinderjahre, kam dann eine Zeit lang zum Gross-\nvater, der Prediger in Wollershausen im Hildesheimischen\nwar, und bald darauf nach Braunschweig.\nIn Braunschweig musste er sich sehr schmal behelfen,\nhatte mehrere Freitische bei früheren Bekannten seines\nVaters und genoss den Unterricht vom Kammermusicus\nKu n:sch, nachher vom Concertmeister Maucourt auf der\nVioline und vom Organisten Härtung in der Harmonie\nund im Contrapunkte.\n„Durch den Unterricht des Herrn Maucourt\" —er-\nzählt er selbst „wurde ich immer mehr zu einem für\nmeine Jahre ausgezeichneten Solospieler ausgebildet, und\nnach etwa einem Jahre, als es dem Vater beim Heran-\nwachsen der übrigen Kinder nicht mehr möglich war, die\nKosten für den theuren Aufenthalt in Braunschweig zu\nerschwingen, hielt er mich für weit genug fortgeschritten,\num nun als reisender Künstler mein Glück in der Welt\nversuchen zu können. Er beschioss daher, mich zuerst\nnach Hamburg zu schicken, wohin er mir Empfehlungen\nan frühere Bekannte mitgeben konnte.\n„Gewohnt, dem Vater in Allem zu gehorchen, und\ngern geneigt, mich bereits für ein grosses Licht zu halten,\nhatte ich dagegen nichts einzuwenden. Erscheint es nun\nhöchst abenteuerlich, einen Knaben von vierzehn Jahren,\nsich selbst überlassen, auf gut Glück in die Welt zu\nschicken, so findet dies seine Erklärung in dem Charakter\nund den Schicksalen des Vaters. Dieser, im höchsten Grade\nkühn und unternehmend, hatte sich im sechszehnten Jahre\nauch schon emaneipirt. Um einer Schulstrafe zu entgehen,\nwar er von der Schule zu Hildesheim entflohen, hatte sich\nauf höchst kümmerliche Weise in Hamburg Anfangs als\nSprachlehrer, später durch Unterrichtertheilen an der Bü-\nsching'schen Handelsschule ernährt, dann mehrere Univer-\nsitäten besucht, sich immer ohne alle Unterstützung von\nHaus, bei grossen Entbehrungen, durch Unternehmungs-\ngeist und angestrengte Thätigkeit durchgeschlagen und\nendlich nach einer höchst abenteuerlich verlebten Jugend\nzum praktischen Arzte in Braunschweig emporgeschwun-\ngen. Er fand es nun sehr natürlich, dass sich der Sohn\nauf gleiche Weise versuchen müsse, obgleich die Mutter\nbedenklich den Kopf schüttelte. Dürftig mit Reisegeld, aber\nmit vielen guten Lehren versehen, wurde ich auf der Post\nnach Hamburg spedirt. Noch ganz voll von dem lebhalten\nEindruck, den die wogende Handelsstadt und die zum er-\nsten Male gesehenen Seeschiffe auf mich gemacht hatten,\nging ich wohlgemuth und voller Hoffnungen zum Professor\nBüsching, an den mich der Vater adressirt hatte. Aber\nwie bald sollten diese vernichtet werden! Der Professor,\nnachdem er den Brief mit immer wachsendem Erstaunen\ngelesen hatte, rief aus: „„Ihr Vater ist doch immer noch\nder Alte! Welche Tollheit, einen Knaben so auf gut Glück\nin die AVeit zu senden!\"\" Dann setzte er mir aus einander,\ndass, um ein Concert in Hamburg zu Stande zu bringen,\nman bereits einen berühmten Namen oder wenigstens die\nMittel besitzen müsse, die bedeutenden Concert-Unkosten\ntragen zu können; dass aber im Sommer, wo alle reichen\nLeute auf ihren Landsitzen wohnten, ein solches Unterneh-\nmen vollends ganz unausführbar sei. Durch diese Erklä-\nrung wie vernichtet, wusste ich keine Sylbe zu erwidern\nund konnte kaum die Thränen zurückhalten. Ich empfahl\nmich stumm und rannte, ohne an die Abgabe der ande-\nren Empfehlungsbriefe zu denken, voller Verzweiflung\nnach Hause. Hier meine Lage überdenkend, erschreckte\n\n*) Nach Louis Spohr's S elb st bi ogr ap-hi e» Kassel und Göt-\ntingen, bei G. H. Wigand. 1860."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5377, "texte": "mich die Gewissheit, dass meine Baaischaft kaum noch\nfür ein paar Tage ausreichen werde, dermaassen, dass ich\nmich in Gedanken schon in den Klauen der Seelenverkäu-\nfer sah, von denen mir der Vater ein warnendes Bild ent-\nworfen halle. Ich entschloss mich daher kurz, packte meine\nGeige und meine Sachen wieder in den Koffer, schickte\ndiesen, mit einer Adresse nach Braunschweig versehen,\nauf die Post, bezahlte meine Rechnung und wanderte mit\ndem kleinen Reste meiner Baarschaft in der Tasche, der\nallenfalls für die Zehrung ausreichen konnte, zu Fuss nach\nBraunschweig zurück.\n„Einige Meilen von der Stadt kam mit ruhigerer\nUeberlegung zwar bald die Reue dieser Uebereilung, doch\nnun zu spät, sonst wäre ich wohl umgekehrt. Ich sagte mir,\ndass es thöricht gewesen sei, nicht wenigstens erst die\nübrigen Briefe abzugeben. Sie konnten mir ja vielleicht die\nBekanntschaft eines Musikkenners verschaffen, der mein\nTalent zu würdigen und doch noch Rath zu einem Con-\ncerte zu schaffen gewusst hätte. Dazu kam der beschä-\nmende Gedanke, dass der Vater, der selbst so unterneh-\nmend gewesen, mich kindisch, muthlos, unüberlegt schelten\nwürde. So in tiefster Seele betrübt, wanderte ich weiter\nund sann unaufhörlich darüber nach, wie ich mir die Be-\nschämung ersparen könnte, so ganz unverrichteter Sache\nin das elterliche Haus zurückzukehren.\n„Endlich kam mir der Einfall, mich an den Herzog\nvon Braunschweig zu wenden und diesen um die Mittel zu\nweiterer Ausbildung anzugehen. Ich wusste, dass der Her-\nzog früher selbst Violine gespielt hatte, und hoffte daher,\ndass dieser mein Talent erkennen werde. Hat er dich nur\nerst eines deiner Concerte spielen hören, dachte ich, so ist\ndein Glück gemacht. Mit neu belebtem Muthe schritt ich\nnun weiter und legte in heiterster Stimmung den Rest des\nWeges zurück.\n„Kaum in Braunschweig angelangt, entwarf ich eine\nBittschrift an den Herzog, worin ich ihm meine ganze Lage\ndarlegte und schliesslich um Unterstützung zu weiterer\nAusbildung oder um eine Anstellung in der Capelle bat.\nDa mir bekannt war, dass der Herzog jeden Morgen im\nSchlossgarten spaziren zu gehen pflegte, so suchte ich ihn,\nmit meinem Gesuch in der Tasche, dort auf und war so\nglücklich, dass er mir das Papier abnahm. Nachdem er es\nflüchtig überlesen und über Eltern und bisherige Lehrer\nFragen gestellt hatte, die ich furchtlos beantwortete, er-\nkundigte er sich auch, wer die Bittschrift entworfen habe.\n„ „Nun, wer anders, als ich? Dazu brauche ich keinen An-\nderen!\" \" antwortete ich, fast beleidigt über den Zweifel\nan meiner Geschicklichkeit. Der Herzog lächelte und sagte:\n„ „Nun, komm morgen um eilf Uhr aufs Schloss, dann\nwollen wir weiter über dein Gesuch reden.\"\" Wer war\nglücklicher, als ich! Piäcis eilf Uhr stand ich vor dem\nKammerdiener und verlangte, beim Herzog angemeldet zu\nwerden. „ „Wer ist Er?\"\" fuhr mich dieser ziemlich un-\nfreundlich an. „ „Ich bin kein Er. Der Herzog hat mich\nhieher bestellt, und Er hat mich anzumelden!\"\" antwor-\ntete ich ganz entrüstet. Der Kammerdiener ging, mich zu\nmelden, und bevor sich meine Aufregung gelegt hatte,\nwurde ich eingeführt. Mein erstes Wort zum Herzog war\ndaher auch: „ „Durchlaucht! Ihr Kammerdiener nennt mich\nEr; das muss ich mir ernstlich verbitten!\"\" Der Herzog\nlachte laut und sagte: „ „Nun, beruhige dich nur, er wird's\nnicht wieder thun!\"\" Nachdem er mich dann noch über\nManches befragt hatte, worüber ich die unbefangensten\nAntworten erlheilte, sagte er: „ „Ich habe mich bei deinem\nbisherigen Lehrer Maucourt nach deinen Fähigkeiten er-\nkundigt und bin nun begierig, dich eine deiner Compo-\nsitionen spielen zu hören; dies kann im nächsten Concerte\nbei der Herzogin geschehen. Ich werde es dem Capellmei-\nster Schwaneberger sagen lassen.\"\"\n„Ueberglücklich verliess ich das Schloss, eilte nach\nHause und bereitete mich auf das sorgfältigste zum Con-\ncerte vor.\n„Diese Hof-Concerte bei der Herzogin fanden in jeder\nWoche ein Mal Statt und waren der Hofcapelle im höch-\nsten Grade zuwider, da nach damaliger Sitte während der\nMusik Karten gespielt wurde. Um dabei nicht gestört zu\nwerden, hatte die Herzogin befohlen, dass das Orchester\nimmer piano spiele. Der Capellmeister liess daher Trom-\npeten und Pauken weg und hielt streng darauf, dass nie\nein Forte zur Kraft kam. Da dies in Symphonieen, so leise\nauch die Capelle spielte, nicht immer ganz zu vermeiden\nwar, so liess die Herzogin auch noch einen dicken Teppich\ndem Orchester unterbreiten, um den Schall zu dämpfen.\nNun hörte man das „„ich spiele, ich passe\"\" u. s. w. al-\nlerdings lauter, als die Musik.\n„An dem Abende, wo ich dort zum ersten Male spielte,\nwaren aber Spieltische und Teppich verschwunden; die\nCapelle, unterrichtet, dass der Herzog anwesend sein werde,\nhatte sich gehörig vorbereitet, und die Musik ging vor-\ntrefflich. Da ich damals noch ohne alle Befangenheit auf-\ntrat und wohl wusste, dass von dem heutigen Erfolg mein\nganzes künftiges Geschick abhängig sei, spielte ich mit wah-\nrer Begeisterung, und musste wohl die Erwartungen des\nHerzogs übertroffen haben, denn dieser rief mir schon wäh-\nrend des Spiels wiederholt Bravo zu. Nach Beendigung des-\nselben kam er zu mir, klopfte mich auf die Schulter und\nsagte: „„Das Talent ist da, ich werde für dich sorgen.\nKomm morgen zu mir.\"\" Ueberselig eilte ich nach Hause,\nmeldete sogleich den Eltern mein Glück und konnte lange\nvor Freude und Aufregung nicht einschlafen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5367, "texte": "„Am anderen Morgen sagte der Herzog zu mir: „ „Es\nist eine Stelle in der Capelle erledigt, die werde ich dir\ngeben. Sei (leissig und führe dich gut auf. Bist du nach\neinigen Jahren tüchtig fortgeschritten, so werde ic'i dich\nauch zu irgend einem grossen Meister senden; denn hier\nfehlt es dir an einem grossen Vorbilde.\"\" Diese letzte\nAeusserung setzte mich in Erstaunen, denn ich hatte bis\njetzt das Spiel meines Lehrers Maucourt für das Höchste\ngehalten, was zu erreichen sei.\n„So wurde ich mit Beginn meines fünfzehnten Lebens-\njahres als Kammermusicus angestellt. Das Rcscript, welches\nspäter ausgefertigt wurde, ist vom 2. August 1799 datirt.\nObgleich das Gehalt nur 100 Thaler betrug, so reichte es\ndoch bei grosser Sparsamkeit und mit Hülfe kleiner Neben-\nverdienste aus, und ich bedurfte von nun an keiner weite-\nren Unterstützung von Hause. Ja, ich war so glücklich,\nden Eltern die Erziehung der anderen Kinder dadurch er-\nleichtern zu können, dass ich meinen acht Jahre jüngeren\nBruder Ferdinand, der Neigung und Talent für Musik\nzeigte, zu mir nahm und ihn zum Künstler bildete.\n„Von nun an war der junge Kammermusicus in gros-\nser Thätigkeit. Seine Berufsgeschäfte bestanden in dem\nMitwirken bei den Hofconcerten und im Hoflheater, für\nwelches seit Kurzem eine französische Sänger- und Schau-\nspieler-Gesellschaft angenommen war. Ich lernte daher die\nfranzösisch-dramatische Musik früher kennen, als die deut-\nsche, was auf meine Geschmacksrichtung und damaligen\nCompositionen nicht ohne Einfluss blieb. Endlich, als für\ndie Zeit der beiden Messen auch eine deutsche Opern-Ge-\nsellschaft aus Magdeburg verschrieben wurde, ging mir\ndie Herrlichkeit der Mozart'sehen Opernmusik auf, und\nnun war für meine ganze Lebenszeit Mozart mein Idol und\nVorbild. Ich erinnere mich noch deutlich der Wonne-\nschauer und des träumerischen Entzückens, mit welchem\nich zum ersten Male „Zauberflöte\" und „Don Juan\" hörte,\nund wie ich nun nicht ruhte, bis ich die Partituren ge-\nliehen bekam, und dann halbe Nächte darüber brütete.\n„Aber auch bei allen anderen Musik-Partieen der Stadt\nfehlte ich nicht; namentlich gehörte ich allen Quartett-\nCirkeln an. In einem derselben, der von zwei Sängern der\nfranzösischen Oper, die Violine spielten, errichtet war,\nlernte ich auch die ersten Quartette von Beethoven ken-\nnen und schwärmte von nun an nicht weniger für sie, als\nbisher für die Hajdn'schen und Mozart'schen.\"\nEs kam nun darauf an, für Spohr einen berühmten\nLehrer zu finden. Viotti, der als Weinhändler sich in\nLondon niedergelassen, antwortete, er beschäftige sich nur\nnoch wenig mit Musik, und lehnte ab. Ferdinand Eck\nin Paris hatte eine reiche Gräfin aus München geheirathet\nund dadurch die Lust am Unterrichtgeben verloren, schlug\naber seinen jüngeren Bruder Franz Eck vor. Mit diesem\nschickte der Herzog den jungen Spohr auf ein Jahr nach\nPetersburg.\nDie Reise begann den 24. April 1802 und ging über\nHamburg, wo Spohr am 30. April die erste Stunde von\nEck bekam, die seine Vorstellung von der bereits erlang-\nten Virtuosität gar sehr herabdrückte. Bei seiner Anlage\nund dem ganz ausserordentlichen Fleiss im Studiren brachte\ner es indess dahin, dass er schon im Mai ein Concert sei-\nnem Lehrer zu Dank spielte.\nEin längerer Aufenthalt in Strelitz in Mecklenburg\nwar durch den fortgesetzten Unterricht sehr bildend für\nSpohr; auch schrieb er hier sein erstes Violin-Concert (spä-\nter als Op. 1 bei Breitkopf & Härtel gedruckt) und die\ndrei Violin-Duette, Op. 3 (bei Kühne! in Leipzig). Ende\nSeptember ging die Reise über Stettin, Danzig, Königs-\nberg, Mitau, Riga und Narwa nach Petersburg, wo man\nam 22. December ankam*).\nDer Aufenthalt in der nordischen Kaiserstadt währte\nbis zum 2. Juni (21. Mai) 1803. Der Bericht darüber\nbildet einen der anziehendsten Abschnitte des ersten Hef-\ntes der Biographie (S. 42 63). Ueber einige damals\ndort anwesende Künstler finden sich z. B. folgende\nmerkungen:\n„Clementi, ein Mann in den besten Jahren, von\näusserst froher Laune und einnehmendem Wesen, unter-\nhielt sich gern mit mir auf Französisch, was ich bei der vielen\nUebung in Petersburg bald ziemlich geläufig sprach, und\nlud mich nach Tische oft ein, mit ihm Billard zu spielen.\nAbends begleitete ich ihn einige Male in seine grosse Pia-\nnoforte-Niederlage, wo Field oft Stunden lang spielen\nmusste, um die Instrumente den Käufern im vorteilhafte-\nsten Lichte vorzuführen. Das Tagebuch spricht mit gros-\nser Befriedigung von der vollendeten Technik und dem\n„ „schwärmerisch-melancholischen Vortrage\"\" des jungen\nKünstlers. Noch bewahre ich in der Erinnerung ein Bild\nvon dem blassen, hoch aufgeschossenen Jüngling, den ich\nspäter nie wieder sah. Wenn Field, der aus seinen Klei-\ndern herausgewachsen war, sich vor dem Piano nieder-\nsetzte, die langen Arme nach der Tastatur ausstreckte, so\ndass sich die Aermel fast bis zum Ellbogen zurückzogen,\ndann bekam die ganze Figur etwas höchst Englisch-Lin-\nkisches; sobald aber sein seelenvolles Spiel begann, wurde\nAlles vergessen, und man war nur Ohr. Leider konnte\nich dem jungen Manne, der ausser seiner Muttersprache\nkeine andere sprach, meine Rührung und Dankbarkeit nur\n[*]\n\n*) Die Biographie erzählt interessante Zwischenfälle, sowohl in\nBezug auf das damalige müheTolle Reisen im Norden, als auf\nMusik. Seite 31 ist ein arger Druckfehler, indem statt Brade,\nals Componist der Ariadne auf Naxos, Ben da zu lesen ist."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5363, "texte": "durch einen stummen Händedruck zu erkennen geben.\nMan erzählte sich schon damals manche Anekdote von\ndem auffallenden Geize des reichen Clementi, der in spä-\nteren Jahren, wo ich in London wieder mit ihm zusam-\nmentraf, noch bedeutend zugenommen halte. So hiess es\nallgemein, Field werde von seinem Lehrer sehr kurz ge-\nhalten und müsse das Glück, dessen Unterricht zu gemes-\nsen, durch viele Entbehrungen erkaufen. Von der echt\nitaliänischen Sparsamkeit Clemenli's erlebte ich selbst ein\nPröbchen; denn eines Tages fand ich Lehrer und Schüler\nmit zurückgestreiften Hemdärmeln am Waschkübel beschäf-\ntigt, ihre Strümpfe und sonstige Wäsche zu reinigen. Sie\nliessen sich nicht stören, und Clementi rieth mir, es eben\nso zu machen, da die Wäsche in Petersburg nicht nur\nsehr Iheuer sei, sondern auch bei der dort üblichen Wasch-\nMethode sehr leide.\n„Auch Tietz, den berühmten irrsinnigen Violinspie-\nler, sah und hörte ich. Wir fanden einen Mann von etwa\nvierzig Jahren, von blühender Gesichtsfarbe und angeneh-\nmem Aeusserem. Man sah ihm die Geistesverwirrung durch-\naus nicht an. Um so mehr waren wir überrascht, als er\nan jeden von uns die Frage richtete: „„Mein allergnädig-\nster Monarch, wie befindest du dich?\"\" Er erzählte uns\ndann ein Langes und Breites, worin sehr wenig Menschen-\nverstand war, beklagte sich bilter über einen boshaften\nZauberer, der, eifersüchtig auf sein Violinspiel, ihm den\nMittelfinger der linken Hand so behext habe, dass er nicht\nmehr geigen könne, sprach aber doch zuletzt die Hoff-\nnung aus, dass es ihm noch gelingen werde, den Zauber\nzu besiegen, u. s. w. Beim Abschiede fiel er vor Herrn\nEck auf die Khiee, küsste ihm, ehe dieser es verhindern\nkonnte, die Hand und sagte: „„Mein allergnädigster Mo-\nnarch, fussfällig nuss ich dich und deine Kunst verehren!\"\"\n„Vier Monate später, zu Anfang Mai 1803, war auf\neinmal ganz Petersburg voll von der Neuigkeit, dass Tielz,\nden die Küssen in ihrem blinden Patriotismus für den er-\nsten Geiger aller Zeiten hielten und der wegen seiner\nNarrheit seit sechs Monaten nicht mehr gespielt hatte,\nplötzlich wieder angefangen habe. Tietz war zu einer Mu-\nsik-Partie beim Senator Teplow eingeladen, halte aber\ntrotz aller Bitten nicht spielen wollen, so dass Herr Teplow\nvoller Verdruss das Orchester fortschickte und ausrief:\n„„So will ich auch nie wieder Musik hören!\"\" Dies machte\nso tiefen Eindruck auf Tietz, dass er sagte: „„Allergnä-\ndigster Monarch, lass dein Orchester wiederkommen, so\nwill ich eine Symphonie mitspielen.\"\" Dies geschah, und\nals er erst im Zuge war, spielte er auch Quartette bis\nzwei Uhr Nachts. Dies gab mir Hoffnung, ihn ebenfalls zu\nhören, und ich eilte desshalb am 2. Mai (20. April) zu\nihm. Es waren viele Musikfreunde dort versammelt, die\nihn mit Bitten bestürmten, zu spielen; diesmal aber verge-\nbens. Er war nicht zu bewegen, und ich hörte später, es\nsei jemand in der Gesellschaft gewesen, den er nicht habe\nleiden können.\n„Am 18. Mai nahm ich mein neues Duett und meine\nVioline und ging wieder zu Herrn Tietz, den ich jetzt allein\ntraf. Es kostete nicht viel Ueberredung, ihn zum Spielen\ndes Duells zu bewegen; doch wollte er nicht die erste\nStimme übernehmen. Wir hatten kaum geendet, als Herr\nHirschfeld, Hornist der kaiserlichen Capelle, und noch\nandere, mir unbekannte Leute kamen. Herr Tietz bat mich\nalso, das Duett zu wiederholen, und es schien nicht nur\nihm, sondern auch den Anderen sehr zu gefallen. Nun\nlegte Herr Tietz ein Quartett von Haydn auf und verlangte,\nich solle die erste Violine übernehmen. Er selbst setzte\nsich zum Violoncell. Da mir das Quartelt bekannt war,\nso weigerte ich mich nicht. Es wurde recht gut executirt,\nund Herr Tietz so wie die übrigen Anwesenden überhäuf-\nten mich mit Lobsprüchen. Tietz spielte die zweite Stimme\nmeines Duetts, die nicht leicht ist, ohne allen Anstoss und\nrecht sauber, und trug auch die Gesangstellen mit Ge-\nschmack und Gefühl vor. Weniger wollten mir seine Pas-\nsagen gefallen, die er nach alter Weise mit springen-\ndem Bogen spielte. (Vgl. Nr. 44.)\n„Am 23. Mai trafen wir Tietz in dem wöchentlichen\nAbend-Concerte des Senators Teplow. Er legte ein Con-\ncert eigener Composition auf, dessen erstes Allegro und\nRondo er zwei Mal spielte, vermuthlich weil ihm sein\nSpiel beim ersten Male nicht genügte. Da er seit seiner\nNarrheit nie mehr übte, so ist es begreiflich, dass es ihm\nan technischer Sicherheit fehlte. Auch gelangen ihm die\nschweren Stellen beim zweiten Male auffallend besser. In\nallen drei Sätzen brachte er nach alter Weise Cadenzen\nan, und zwar improvisirte, die an sich sehr hübsch, beim\nzweiten Male aber ganz verschieden lauteten.\"\n„Ist nun auch Tietz\", schliesst die Tagebuchs-Bemer-\nkung, „kein grosser Geiger, noch weniger der grösste aller\nZeiten, wie seine Verehrer behaupten, so ist er doch UJl-\nbezweifelt ein musicalisches Genie, wie auch seine Compo-\nsitionen hinlänglich beweisen.\" «\nUeber die berühmte russische Hornmusik schreibt\nSpohr:\n„Während der Fastenzeit, in der die griechische\nKirche keine Theater-Vorstellungen duldet, gab die Hof-\ntheater-Intendanz wöchentlich zwei grosse Concerte im\nSteiner-Theater, in welchen sämmtliche Virtuosen der kai-\nserlichen Capelle, zu denen Herr Eck nun auch gezählt\nwurde, auftraten, ©ie vorzüglichsten, die ich dort zu hö-\nren Gelegenheit fand, waren die Geiger Hart mann,\nJerchow und Remi, der Violoncellist Delphino, der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1540, "texte": "Hautboist Scherwenka und der Waldhornist Hirsch-\nleld. Das Orchester bestand beim ersten Concerte aus\nsechsunddreissig Violinen, zwanzig Bässen und doppelt be-\nsetzter Harmonie. Ausser dieser waren zur Unterstützung\nder Chöre noch vierzig Hornisten der kaiserlichen Capelle\nda, von denen ein jeder nur einen Ton zu blasen hatte.\nSie dienten als Orgel und gaben dem Chorgesange, dessen\nTöne ihnen zugetheilt waren, grosse Festigkeit und Kraft.\nIn einigen kleinen Soli's waren sie von hinreissender Wir-\nkung. Vorn vor dem Orchester standen die Hofsänger,\nMänner und Knaben, etwa fünfzig an der Zahl, alle in\nrother, mit Gold besetzter Uniform. Nach dem ersten Theile\ndes Oratoriums von Sarti spielte Bern i ein Violin-Concert\nvon Alday u. s. \\v.*).\n„Zwischen dem ersten und zweiten Theile eines zwei-\nten Concertes wurde von den kaiserlichen Hornisten eine\nOuvertüre von Gluck executirt, und zwar mit einer Ge-\nschwindigkeit und Genauigkeit, die für Saiten-Instrumente\nschon schwer gewesen wäre, wie viel mehr für die Hor-\nnisten, deren jeder nur einen Ton bläs't. Es üst kaum\nglaublich, dass sie die schnellsten Passagen mit grosser\nDeutlichkeit hervorbrachten, und ich würde es auch nicht\nlür möglich halten, wenn ich es nicht mit eigenen Ohren\ngehört hätte. Doch machte begreiflicher Weise das Adagio\nder Ouvertüre grösseren Effect, als das x\\llegro; denn es\nbleibt immer eine Unnatur, mit diesen lebendigen Orgel-\npleifen so schnelle Passagen einzuüben, und man kann\nnicht umhin, an die Prügel zu denken, die es dabei gesetzt\nhaben mag.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-11-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "358", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.2.3", "titre_corps": "Herzog Friedrich von Tyrol.", "titre_sommaire": "Herzog Friedrich von Tyrol.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.5", "debut_caractere": 1542, "fin_caractere_exclue": 5096, "texte": "Herzog Friedrich von Tyrol.\nOper in drei Acten von E. Ille, Musik von M. Nagiller\nMit d ieser Oper wurde am 14. October die Winter-\nzeit des Theaters zu Wiesbaden eröffnet.\nDer Stoff des Gedichtes ist aus der vaterländischen\nGeschichte genommen. Herzog Friedrich IV. von Oester-\nreich-Tyrol hielt auf dem Concilium zu Constanz (1415)\ndem Papste Johann XXlil. das gegebene Versprechen si-\ncheren Geleits und begünstigte dessen Flucht. Desshalb\nwurde er in die Acht erklärt. Von allen seinen Lehnsleu-\nten verlassen, irrte er in Tyrol umher und lebte eine Zeit\nlang verborgen auf dem Hofner Bauernhofe im wilden\nöetzthale. Nur der Ritter von Müllinen war ihm treu ge-\nblieben; er regte die Liebe des Volkes zu seinem Fürsten\nzur That auf, so dass Friedrich seine Gegner, namentlich\ndie trotzigen Slarkenberger, schlug und seinen Thron wie-\nder einnahm.\nDie erste Scene des ersten Actes führt uns den Herzog\nFriedrich erschöpft von der Wanderung vor. Er spricht\nseinen Schmerz, so verlassen und elend sein Land wieder-\nzusehen, und seine Sehnsucht nach der Bückkehr des\nFreundes aus. Er entschläft auf einem Steine. Die Nebel\nzertheilen sich, man sieht im Hintergrunde den Rofner\nHof. Die Tochter des Bauers, Benedicta, tritt heraus, be-\ngrüsst den Morgen und entdeckt den Schlafenden. Er er-\nwacht und bricht in Klagen über sein Geschick aus; Bene-\ndicta, die in ihm nur einen unglücklichen Wanderersieht,\nspricht ihm Muth zu und erzählt ihm die Sage von den\n„seligen Frauen\", die den frommen Wanderer über die\nGletscher leiten. Ein Hornruf aus den Bergen verkündet\nden Freund; Friedrich eilt ihm entgegen. Buzzo, der\nRofner Bauer, mit seinem Hofgesinde nähern sich den bei-\nden kriegerischen Gestalten, Müllinen erzählt ihnen das\ntraurige Loos des gefangenen Herzogs, ihre Theilnahme\nwird rege, und Buzzo bietet den beiden Unbekannten eine\nFreistatt in seinem Hause an. Abendglocke, Ave Maria\n(Benedicta und Chor), Alpenglühen—Actschluss.\nDer zweite Act spielt auf einem freien Platze vor\nLandeck. Kirchweihfest. Ulrich von Starkenberg (mit ihm\nist seine Tochter Lidwina und Ritter Oswald, der ihr hul-\ndigt) bewirthet die Bauern, um sie für sich zu gewinnen.\nDer Schultheiss trinkt auf Herzog Friedrich's Wohl, Ulrich\nbezwingt seinen Unmuth nicht, Streit zwischen den Bittern\nund Bauern, den Lidwina schlichtet. Man beruhigt sich\nund hört eine Arie derselben an; dann ziehen Alle unter\n*\nden Klängen eines „National-Schützen-Marsches\" zum\nScheibenschiessen fort.\nBuzzo erscheint mit dem verkleideten Herzoge und\nseinem Freunde, die er dem mit einem Theile des Volkes\nzurückgebliebenen Schultheissen als Sänger vorstellt. Fried-\nrich singt die Bomanze vom Bichard Löwenherz und sei-\nnem treuen Blonde!, und entdeckt sich; das Volk jauchzt\nihm zu. Müllinen feuert ihren Muth zum Kampfe für ihren\nFürsten an. Ulrich von Starkenberg kehrt zurück; ergrimmt\nzückt er den Dolch auf den Herzog Benedicta wirft sich\nzwischen sie, Ulrich wird entwaffnet und abgeführt. Lid-\nwina und Oswald bleiben; man erkennt freilich keinen\nanderen Grund dafür, als dass sie zu dem folgenden Sep-\nlett zwei Stimmen ausfüllen müssen. Der Act schliesst mit\neiner feurigen Aufforderung Müllinen's (Tenor) zum Kampfe\nfür den angestammten Fürsten; der Chor des Volkes stimmt\ndarin ein.\nDer dritte Act führt uns in den Burghof der Starken-\nberg'schen Feste Schönna bei Meran. Die Vertheidiger\nrüsten sich und „ziehen zu den Vorwerken hinaus\". Lid-\n\n*) Eemi gewann Spohr so lieb, dass er an dessen Geburtstage\nseine Geige, einen vortrefflichen Guarneri, mit der Geige Spohr's\ntauschte."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4550, "texte": "wina spricht ihren stolzen Muth und ihr Vertrauen auf\ndie nahende Hülfe des Vaters (der also seiner Haft ent-\nkommen sein muss) und des Ohms aus. Oswald bringt die\nschlimme Kunde, dass von deren Heranziehen keine Spur\nsichtbar, und räth zum Frieden. Lidwina:\n„Wohlan! Was einstens Judith sann,\nAls zu befrei'n das theure Vaterland\nSie mit dem Stahl bewehrt die schwache Hand\nIns Feindeslager zieh'n\nDas wird dem guten Oswald (wie uns auch) denn doch\nzu arg; er sagt ihr den Dienst auf, „mit Schauder und\nGrau'n lässt sie Chriemhildens schrecklich Bild ihn schau'n !\"\nGlücklicher Weise bringt Müllinen Friedens-Anträge\nvom \"Herzog Friedrich, aber Lidwina verschmäht sie, und\nes dauert etwas lange, bis sie durch die Nachricht, dass\nihr Vater im Kampfe geblieben, geknickt wird. Sie beauf-\ntragt Oswald, die Burg zu übergeben, und nachdem Alle\nabgezogen, erklärt sie in einer Arie ihren Entschluss, zu\nsterben,\n„Weil ihr Haus erliegt\nIm stolz vermessenen Streit\nMit einer neuen Zeit.\" (!)\nZum Finale zieht Herzog Friedrich in die Burg ein,\nwobei denn Buzzo und Benedicta (welche die letzte Strophe\ndes Liedes „von den seligen Frauen\" aus dem erstep Acte\nwiederholt) nicht fehlen.\nObwohl die grossen Schwächen des Textbuches als\ndramatischen Kunstwerkes in die Augen springen na-\nmentlich können die weiblichen Figuren nicht interessiren,\nda die tendentiöse Vorstellung einer sichtbaren Vorsehung\nin Benedicta bloss zu einem ganz unmotivirten Theatercoup\nbenutzt wird, wobei die Lebensrettung, weil Benedicta von\ndem Dolche des Ulrich nicht getroffen wird, inmitten von\nhundert Männern fast lächerlich wird, und da vollends die\nPersonificirung des Legitimitäts-Princips in Lidwina eben\nso historisch unrichtig als dramatisch falsch ist und deii\nZuschauer ganz kait lassen muss, zumal ihr Bitter Oswald\nvon Anfang bis zu Ende eine traurige Figur spielt also\ntrotz dieser Schwächen enthält das Buch doch einige gut\nangelegte, für die Composition günstige Situationen. Des\nLieder- oder Balladen-Gesanges ist aber auch zu viel vor-\nhanden; freilich, weil das Drama sich ohne Einflechtung\neiner Liebe, die irgend eine Theilnahme erregen könnte,\nentwickelt, so dachte der Dichter wahrscheinlich das feh-\nlende lyrische Element durch die Bomanzen u. s. w. zu\nersetzen.\nDie Musik wird uns aber als sehr schön und der ech-\nten deutschen Schule entsprossen geschildert. „Der Com-\nponist tritt auf gelungene Weise in die Fussstapfen We-\nbe r's und Marschner's und offenbart in vielen Nummern\nauch ein höchst ansprechendes melodisches Talent. Wenn\nso manches schlechte Machwerk aus Italien sich in Deutsch-\nland einbürgern konnte, so wäre es endlich einmal Zeit,\ndiese unlauteren, oft unsauberen Quellen zu verstopfen\nund dem schlechten, verdorbenen Geschmacke einen Damm\nentgegen zu setzen durch Auszeichnung deutscher Kunst-\nwerke. Nagiller's Oper ist reich an wirklichen musicali-\nschen Schönheiten. Einfach, stets wahr und warm, ist sie\nimmer der edle, schöne Ausdruck der Situation. Die In-\nstrumentation ist feine Arbeit, charakteristisch im höch-\nsten, glücklichsten Grade, fliessend, niemals gesucht und\npikant ä laMeyerbeer, Verdi u. s. w. In den Becitativen,\nArien und Chören überall dieselbe Meisterhand eines hoch-\nbegabten Künstlers. Hören Sie diese Musik, und Sie wer-\nden Sich beeilen, sie für würdig zu erklären, neben We-\nber'schen Opern zu stehen. Das Publicum nahm Nagiller's\nOper mit Wärme und grossem Beifalle auf. Herr Nagiller\nwurde nach dem zweiten und dritten Acte mit den Haupt-\ndarstellern (Herren Simon Herzog, Auerbach Mülli-\nnen) gerufen. Herr Nagiller, welcher sich seit einiger Zeit\nhier aufhält, wird noch länger hier verweilen. Der Com-\nponist ist 1817 am 14. October in Tyrol geboren; sein\nGeburtstag ist für ihn dieses Mal zu einem besonders schö-\nnen Festtage geworden.\n„Die Oper kann angelegentlichst allen deutschen Büh-\nnen empfohlen werden. Die Aufführung beansprucht keine\nungewöhnlichen Mittel.\n„Der Componist hat dem Vernehmen nach noch eine\nzweite (komische) Oper, mehrere Kirchenmusikstücke und\nSinfonieen geschrieben. Er verweilte von 1842 bis 1848\nin Paris. Es ist sehr erfreulich und stellt Herrn Nagiller\nein ehrenvolles Zeugniss aus, dass er sich dort seine edle\nBichtung in der Musik bewahrt hat. Persönlich ist mir bis\njetzt der Componist nicht bekannt, auch kann ich Ihnen\nüber seine Antecedentien nichts weiter als die eben gege-\nbene Notiz melden.\"\nEs soll uns freuen, wenn dieses nach dem ersten Ein-\ndruck der Oper mit grosser Wärme niedergeschriebene\nUrtheil durch die ferneren Aufführungen bestätigt wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-03_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-11-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "358", "page_fin": "360", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.6", "debut_caractere": 4552, "fin_caractere_exclue": 5119, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nRollt« Die für die diesjährige Saison angekündigten zwölf\nConcerte finden an folgenden Tagen Statt: 23. October, 6* und\n20. November, 4. nnd 18. December 1860, 8« und 22. Januar, 5.\nund 19. Februar, 5., 12. und 24. März 1861.\nsSai*meil« Am Samstag den 6. October hatten wir unser er-\nstes Abonnements-Concert unter Leitung unseres Musik-Di-\nrectors Herrn Anton Kr ans e. Wir müssen uns wahrscheinlich bis\nzum Februar noch mit dem bisherigen Locale behelfen, alsdann aber\nwerden wir den neuen Concertsaal und die für denselben bestimmte"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7694, "texte": "Orgel einweihen können. Das diesmalige Programm brachte: T. ].\nSinfonie (:militaire) in U-dur von J. Haydn. 2. Ave verum von Mo-\nzart. 3. Clavier-Concert in C-moll von Beethoven (von Herrn\nKrause mit künstlerischer Auffassung und vorzüglicher Technik\nvorgetragen).\nVolkssagen, Musik von Niels W. Gade die im Ganzen gut\nausgeführt wurde. Der Singverein hat an Frische der Stimmen ge-\nwonnen und auch in der technischen Tüchtigkeit offenbare Fort-\nschritte gemacht. Fräulein Jenny Niethen (Altistin) aus Köln\närntete allgemeinen Beifall, und auch Fräulein Hermine Mann\nsang die Sopran-Partie mit Anerkennung von Seiten des Publicums.\nIS©E#2©J2111. 24. October. Wie im vorigen Jahre, veranstaltet\nHerr Musik Director Loos auch in dieser Saison einige grosse Sym-\nphonie Concerte in der Gesellschaft Harmonie. Das erste diesjährige\nwar am 21. d. Mts. und hatte sich des grössten steigenden Beifalles\nzu erfreuen. Ein Orchester von 36 Mitgliedern, gebildet aus tüchti-\ngen Musikern von Elberfeld, Dortmund und hier, war vereinigt und\nf ihrte unter Leitung des Herrn Loos Haydn's Sinfonie militaire in\nG-dur und Beethoven's achte Sinfonie ganz trefflich aus. Zwischen\ndiesen den Anfang und das Ende des Concertes bildenden Werken\nhörten wir einige kleinere Solo-Vorträge und Mozart's Ave verum\ncorpus, letzteres a capella sehr gut vom Gesang-Vereine vorgetragen.\nDann spielte Herr Loos noch Beethovens Es-dur-Concert für Piano-\nforte und Orchester und riss durch den energischen, kraftvollen und\nphantasiereichen Vortrag des wunderbar schönen Werkes Alles zu\nenthusiastischem Beifall hin. Das Orchester begleitete unter Leitung\ndes Herrn Kraussoldt ausgezeichnet. Es war gewiss für Herrn Loos\neine nicht geringe Aufgabe, am Nachmittage bis 5 Uhr eine Gene-\nralprobe zu halten und bald darauf am Abende die grossen Werke\nzu leiten und noch selbst das Concert von Beethoven zu spielen.\nEs gehörte eine ungewöhnliche und freudige Energie und Ausdauer\ndazu, welche Herr Loos bis zum letzten Augenblicke behielt.\nEin junger, vielversprechender, erst dreizehn Jahre alter Violinist,\nPeiniger aus Elberfeld, war zum Vergnügen mitgekommen und\nspielte ein brillantes Solo sehr brav; er studirt noch auf dem pari-\nser Conservatorium.\n22. October. Zur Prüfung der von den\nBewerbern um das Stipendium der Mozart-Stiftung eingeliefer-\nten Arbeiten waren erwählt die Herren: Hof-Capellmeister Dr. Ju-\nlias Rietz in Dresden, Musik-Director Dr. Aloys Schmitt in\nFrankfurt a. M., Hof-Capellmeister Wilhelm Taubert in Berlin\nNach dem übereinstimmenden Inhalt der von diesen Herren erstatte-\nten Gutachten und in Gemässheit des §. ö2 der Statuten ist durch\neinhelligen Bescbluss des Verwaltungs-Ausschusses vom 20. October\nd. J. der Mitbewerber Ernst Deurer von Giessen zum Stipen-\ndiaten der Stiftung ernannt und demselben der Bezug des Stipen-\ndiums im Betrage von jährlich vierhundert Gulden zuerkannt wor-\nden. ]jer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung: Dr. Pon-\nfick, Piäsident. Dr. A. Giar, Secretär.\nUeber den jüngst gestorbenen Theater-Direetor\nJul. Cornet schreibt der hamburger „Freischütz\" in einem Nach-\nrufe: „Cornet begann seine theatralische Carriere in Wien auf dem\nTheater der Vorstadt. Damals sang er zur Guitarre „Die Flasche\",\nein österreichisch-patriotisches Lied mit dem Refrain: Mein Kaiser\ntrank daraus! Seine schöne Tenorstimme und ein warmfarbiger Vor-\ntrag, von seiner musicalischen und wissenschaftlichen Bildung gere-\ngelt, machte einen ausserordentlich günstigen Eindruck. Man sah\nhier ein Talent vor sich, das mit einem unbedeutenden Gesangstücke\nden unzweifelhaften Beruf lür die Bühne documentirte. Diese Mei-\nnung, sogleich bei seinem ersten Erscheinen rege geworden, hat er\nspäter auf das glänzendste gerechtfertigt. Als er nach Hamburg\nkam, stand er bereits auf einer hohen Stufe seiner Kunst. Als Mit-\ntelpunkt aller damals neuen französischen Opern verhalf er diesen\nzu einem ungeheuren Success. Sein Feuer ergriff sympathetisch die\nmit ihm Spielenden. Dazu kam, dass seine talentvolle Gattin ihn mit\nhöchst gelungener Ausführung der weiblichen Spielrollen unterstützte.\nSo sahen wir: „Die Stumme\", rDie Braut\", »Der Maurer und der\nSchlosser\", „Zampa\" u. s. w. mit einem Leben dargestellt, wie es\njetzt an einem Ganzen sich niemals bemerkbar macht. Als Director\nging es ihm wie allen hamburger Directoren er wurde erdrückt\ndurch Lasten und Schwierigkeiten. Die glänzende Stellung eines\nHof-Opern-Directors in Wien verlor er wegen Privat-Ereignisse, zu\nwelchen ihn seine Heftigkeit hingerissen hatte. Aehnliches mag auch\nin Berlin der Fall gewesen sein. Er war nicht geeignet, eine Kunst-\nlerschar mit Ruhe zu leiten, wohl aber, derselben in praktischer\nHinsicht als ein Muster vorzuleuchten. Die deutsche Bühne verliert\nan Cornet ein Talent, dem sein Ehrenplatz in der Theater-Geschichte,\nnamentlich der hamburgischen, gesichert bleibt. Cornet hinterlässt\neine Gattin, die hiesige rühmlichst bekannte Gesanglehrerin, und\nmehrere Söhne und Töchter, die aber alle bereits selbstständig sind.\n28. October. Die musicalische Winter-Saison eröff-\nnete die hiesige Theater-Capelle wieder in würdiger Art, und stellte\nsich schon in den ersten drei Abonnements-Concerten eine sorgfäl-\ntige Auswahl classischer Tonwerke, wie die Sinfonieen von Haydn\nin Es-dur und von Spohr in C-moll u. s. w., imgleichen die Ouver-\ntüren zu Anakreon von Cherubini und zu Faust von Lindpaintuer\nbeweisen, heraus, zu deren meisterhafter Ausführung die umsichtige\nund gewandte Leitung des Musik-Direetors Hesse das Ihrige bei-\ntrug. Eben so sind die Capellen unter der Führung der Musik-Di-\nrectoren M. Schön und A. Bilse bestrebt, interessante Programme\nzu bieten, so dass ein gegenseitiger Wetteifer sich fortdauernd erhält.\nAuch für classische Kammermusik und Gesang ist ein Soireen-\nCyklus von Dr. Damrosch (als trefflicher Geiger rühmlichst be-\nkannt) begonnen worden, und sind bereits in der ersten Soiree in\nden producirten Streich-Quartetten von Haydn in B-dur und von\nBeethoven in C-dur anerkennenswerthe Leistungen hervorgetreten,\nso wie nicht minder der seelenvolle Gesang von Frau Dr. Dam-\nrosch in einer Arie aus Figaro's Hochzeit von Mozart und in Lie-\ndern von Franz, Schumann und Damrosch rühmend hervor-\nzuheben ist. Ueber die Aufführungen der Sing-Akademie, deren\nneuer Director Seh äffer so eben erst seine Wirksamkeit begonnen,\nspäterhin.\nDer seit längerer Zeit in Pforta bestehende,\nvon dem Musik-Director Seiffcrt geleitete Gesang-Verein veran-\nstaltete auch im Laufe dieses Jahres mehrere Aufführungen, wovon\ndie eine im Monat Juni Statt fand und wobei besonders Felix Men-\ndelssohns geistvolle Composition „Loreley\" sympathisch auf die Zu-\nhörer wirkte. Den zweiten Tbeil des Concertes bildete Tschirch's\n„Eine Nacht auf dem Meere\", wobei sich, wie bei dem erstgenann-\nten Tonwerke, der Sängerchor der Portenser betheiligte, und die\nsorgsam vorbereitete Aufführung des Ganzen sich die lebhafte Aner-\nkennung der zahlreichen Versammlung erwarb. Der gedachte por-\ntenser Chor bewerkstelligte vor Eintritt der grösseren Ferien auch\neine Sängerfahrt nach einer die Höhen des Saalthaies bekränzenden\nBurgruine, und zogen die kräftig erschallenden Lieder von Weber,\nKreutzer, Mendelssohn, Silcher, Otto u. s. w. viele Zuhörer herbei;\nauch wurde ein im Volkstone von C. Seiffert componirtes Chor-\nlied : „Sonntags am Rhein\" (Op. 16 bei Rieter-Biedermann in Win-\nterthur), beitällig aufgenommen. Ferner gab der Göthe'sche Geburts-\ntag, der 28. August, Anlass zu einem Fest-Acte, welchen der Ober-\nPräsident der Provinz Sachsen, Herr v. Witzleben, und der Regie-\nrungs- und Schulrath Heiland mit ihrer Gegenwart beehrten. Dem\nGegenstande der Feier entsprechend, wurde auf Vorschlag des Pro-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4569, "texte": "fessors Koberstein Göthe's „Faust® gelesen und dazwischen die\nRadziwilFschen Chöre gesungen, zugleich aber auch die Gelegenheit\nbenutzt, eine Sammlung von Beiträgen zum Göthe-Denkmal zu ver-\nanstalten.\nAmsterdam, 24. October. Die Gesellschaft für Be-\nförderung der Tonkunst hat in ihrer gestrigen Sitzung den\nliterarischen Concurs erledigt, welchen sie vor etwa achtzehn Mona-\nten ausgeschrieben hatte. Die Preis-Aufgabe bestand in histori-\nschen Notizen als Beiträge zur Musikgeschichte der Nie-\nderlande während des sechszehnten Jahrhunderts und war insbe-\nsondere an das Ausland gerichtet, wesshalb die Arbeiten auch in\ndrei verschiedenen Sprachen eingereicht werden konnten. Das Er-\ngebnissist für Deutschland höchst ehrenvoll, denn nur deutsche\nBewerber haben Preise erlangt, und zwar:\n.1) Herr 0. Kade in Dresden für eine Monographie über Mat-\nthäus le Maistre.\n2) Herr Dr. Arnold in Elberfeld für eine Abhandlung über\nRhythmik und Tonalität der altniederländischen Volksweisen.\n3) Herr E. Pasqud in Darmstadt für eine Monographie über\nAdrian Petit.\nSeltsamer Weise gründet sich diese Reihenfolge nicht auf die\nWürdigkeit, sondern bloss auf den Umfang der betreffenden Arbei-\nten. Schliesst man dagegen von der Höhe der bewilligten Prämien,\nunter Berücksichtigung des Umfanges der Manuscripte, auf die in-\nnere Gediegenheit, so erscheint die Preisschrift des Herrn Dr. Ar-\nnold als die bei Weitem bevorzugteste, da sie verhältnissmässig am\nglänzendsten honorirt wurde.\nWährend die grosse Oper die Aufführung des Tann-\nhäuser so emsig vorbereitet, bereiten sich in dem unermüdlichen\nThedtre hjrique grosse Dinge vor Es handelte sich nämlich dort um\nnichts weniger, als um die Darstellung der B e rl i o z' sehen Oper\nrLes Troyens*. Der Text zu dieser Oper ist der Aeneide entnommen\nund von dem Componisten selbst verfasst. Dieselbe beginnt in Troja,\nwo Priamus, Aeneas, Coroebus, Andromache, Cassandra auftreten,\nund endet in Carthago am Hofe der Dido, Die Mise en scene wird\nder Direction dadurch erleichtert, dass ein grossmüthiger Mäcen der-\nselben eine Summe von fünfzigtausend Francs zur Verfügung ge-\nstellt hat; wie die Gazetie Resne musicale berichtet.\nFranz Schubert's ~Erlkönig\" ist so eben, instrumentirt von\nH. Berlioz, in Partitur und Stimmen hier bei Legouix (Boulevard\nPoissonniere 27) erschienen. In Baden-Baden hat Roger's Vortrag\nmit dieser Orchestration von Berlioz grossen Eindruck gemacht\n[Roger's Vortrag dieser Ballade kennen wir allerdings als ganz aus-\ngezeichnet; auf Berlioz's Bearbeitung sind wir neugierig, trauen ihm\naber kaum das Maasshalten zu, welches dergleichen Arbeiten ver-\nlangen, und welches Hiller in seinen Instrumentirungen des „Gret-\nchen am Spinnrad\", der „Nonneu und des so schön be-\nwährt hat.] #\nNach der italiänischen Musik-Zeitung 11 Pirata vom 21. October\nhat die Censur in Neapel die Aufführung der Stummen von\nPortici verboten wahrscheinlich des Schlusses wegen, aber\nimmerhin merkwürdig.\nRoger wird nach seinem Gastspiel in Hamburg, wo er eben\nso wie früher Furore macht, in Berlin erwartet.\nIm Teatro del Fondo wurde eine neue Oper von Pe-\ntrella, „11 follello di Gresiju, gegeben. Da im zweiten Acte Garibaldi\nin das Theater kam und ihm fortgesetzte Zeichen begeisterter Hul-\ndigung zu Theil wurden, so konnte man nicht erkennen, was ihm,\nwas der Musik galt und wie somit die letztere aufgenommen wurde.\ne u t s c St e Tonhalle.\nFür die auf diesseitiges Preis-Ausschreiben vom Februar v. J.\neingekommenen 17 Sonaten für Violoncell und Ciavier hatten die\nHerren F. Lachner in München, F. Messer in Frankfurt am Main\nund J. Moscheies in Leipzig die Wahl als Preisrichter gütigst an-\ngenommen, und das uns nun vorliegende Ergebniss ihrer Beurthei-\nlung dieser Werke ist folgendes:\nDer Preis wurde durch Stimmenmehrheit der Herren Preisrichter\ndem Herrn Organisten H. Stiehl in Petersburg zuerkannt. Das\nWerk des Herrn Compositeurs V. E. Beker in Würzburg erhielt\ndurch drei und das des Herrn Musik-Directors C. Hering in Ber-\nlin durch zwei Stimmen besondere Belobung; dessgleichen je durch\neine Stimme die Preisbewerbungen der Herren Julius Egghard\nin Wien, T. Elze, Musiklehrer und Organist in Laibach, E. Guth,\nMusiklehrer hier, Otto Kitzler, Capellmeister in Linz und H.\nTriest, Musik-Direetor in Stettin, für seine beiden Bewerbungen.\nDiejenigen der übrigen acht Herren Preisbewerber, welche ihre\nWerke zurückbegehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an\nuns ergehen lassen und zwar in den nächsten sechs Monaten, da\nwir für die Werke nicht länger haften können.\nMannheim, 13. October 1860.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nL, Spohr's erster Ausflug. Nach Louis Spohr's Selbstbiographie. Herzog Friedrich von Tyrol. Oper in drei Acten von\nE. Ille, Musik von M. Nagiller. Tages- und Unterh altungsblatt (Köln, Gesellschafts-Concerte Barmen, I. Abonnements-Con-\ncert Iserlohn, Symphonie-Concerte Frankfurt a. M., Mozart-Stiftung Hamburg, Theater-Director Cornet Breslau, Winter-Saison\nSchulpforta, Gesang-Verein Amsterdam Paris Neapel Deutsche Tonhalle).\n\nL. Spohr’s erster Ausflug\n*).\nL. Spohr wurde am 5. April 1784 in Braun-\nschweig geboren, nicht in Seesen, wie man häufig ange-\ngeben findet. Dorthin, nach Seesen, wurde sein Vater,\nDr. K arl Heinrich Spohr, zwei Jahre nach Ludwig s Ge-\nburt, als Land-Physicus versetzt. Ludwig verlebte dort\nseine Kinderjahre, kam dann eine Zeit lang zum Gross-\nvater, der Prediger in Wollershausen im Hildesheimischen\nwar, und bald darauf nach Braunschweig.\nIn Braunschweig musste er sich sehr schmal behelfen,\nhatte mehrere Freitische bei früheren Bekannten seines\nVaters und genoss den Unterricht vom Kammermusicus\nKu n:sch, nachher vom Concertmeister Maucourt auf der\nVioline und vom Organisten Härtung in der Harmonie\nund im Contrapunkte.\n„Durch den Unterricht des Herrn Maucourt\" —er-\nzählt er selbst „wurde ich immer mehr zu einem für\nmeine Jahre ausgezeichneten Solospieler ausgebildet, und\nnach etwa einem Jahre, als es dem Vater beim Heran-\nwachsen der übrigen Kinder nicht mehr möglich war, die\nKosten für den theuren Aufenthalt in Braunschweig zu\nerschwingen, hielt er mich für weit genug fortgeschritten,\num nun als reisender Künstler mein Glück in der Welt\nversuchen zu können. Er beschioss daher, mich zuerst\nnach Hamburg zu schicken, wohin er mir Empfehlungen\nan frühere Bekannte mitgeben konnte.\n„Gewohnt, dem Vater in Allem zu gehorchen, und\ngern geneigt, mich bereits für ein grosses Licht zu halten,\nhatte ich dagegen nichts einzuwenden. Erscheint es nun\nhöchst abenteuerlich, einen Knaben von vierzehn Jahren,\nsich selbst überlassen, auf gut Glück in die Welt zu\nschicken, so findet dies seine Erklärung in dem Charakter\nund den Schicksalen des Vaters. Dieser, im höchsten Grade\nkühn und unternehmend, hatte sich im sechszehnten Jahre\nauch schon emaneipirt. Um einer Schulstrafe zu entgehen,\nwar er von der Schule zu Hildesheim entflohen, hatte sich\nauf höchst kümmerliche Weise in Hamburg Anfangs als\nSprachlehrer, später durch Unterrichtertheilen an der Bü-\nsching'schen Handelsschule ernährt, dann mehrere Univer-\nsitäten besucht, sich immer ohne alle Unterstützung von\nHaus, bei grossen Entbehrungen, durch Unternehmungs-\ngeist und angestrengte Thätigkeit durchgeschlagen und\nendlich nach einer höchst abenteuerlich verlebten Jugend\nzum praktischen Arzte in Braunschweig emporgeschwun-\ngen. Er fand es nun sehr natürlich, dass sich der Sohn\nauf gleiche Weise versuchen müsse, obgleich die Mutter\nbedenklich den Kopf schüttelte. Dürftig mit Reisegeld, aber\nmit vielen guten Lehren versehen, wurde ich auf der Post\nnach Hamburg spedirt. Noch ganz voll von dem lebhalten\nEindruck, den die wogende Handelsstadt und die zum er-\nsten Male gesehenen Seeschiffe auf mich gemacht hatten,\nging ich wohlgemuth und voller Hoffnungen zum Professor\nBüsching, an den mich der Vater adressirt hatte. Aber\nwie bald sollten diese vernichtet werden! Der Professor,\nnachdem er den Brief mit immer wachsendem Erstaunen\ngelesen hatte, rief aus: „„Ihr Vater ist doch immer noch\nder Alte! Welche Tollheit, einen Knaben so auf gut Glück\nin die AVeit zu senden!\"\" Dann setzte er mir aus einander,\ndass, um ein Concert in Hamburg zu Stande zu bringen,\nman bereits einen berühmten Namen oder wenigstens die\nMittel besitzen müsse, die bedeutenden Concert-Unkosten\ntragen zu können; dass aber im Sommer, wo alle reichen\nLeute auf ihren Landsitzen wohnten, ein solches Unterneh-\nmen vollends ganz unausführbar sei. Durch diese Erklä-\nrung wie vernichtet, wusste ich keine Sylbe zu erwidern\nund konnte kaum die Thränen zurückhalten. Ich empfahl\nmich stumm und rannte, ohne an die Abgabe der ande-\nren Empfehlungsbriefe zu denken, voller Verzweiflung\nnach Hause. Hier meine Lage überdenkend, erschreckte\n\n*) Nach Louis Spohr's S elb st bi ogr ap-hi e» Kassel und Göt-\ntingen, bei G. H. Wigand. 1860."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.2", "texte": "mich die Gewissheit, dass meine Baaischaft kaum noch\nfür ein paar Tage ausreichen werde, dermaassen, dass ich\nmich in Gedanken schon in den Klauen der Seelenverkäu-\nfer sah, von denen mir der Vater ein warnendes Bild ent-\nworfen halle. Ich entschloss mich daher kurz, packte meine\nGeige und meine Sachen wieder in den Koffer, schickte\ndiesen, mit einer Adresse nach Braunschweig versehen,\nauf die Post, bezahlte meine Rechnung und wanderte mit\ndem kleinen Reste meiner Baarschaft in der Tasche, der\nallenfalls für die Zehrung ausreichen konnte, zu Fuss nach\nBraunschweig zurück.\n„Einige Meilen von der Stadt kam mit ruhigerer\nUeberlegung zwar bald die Reue dieser Uebereilung, doch\nnun zu spät, sonst wäre ich wohl umgekehrt. Ich sagte mir,\ndass es thöricht gewesen sei, nicht wenigstens erst die\nübrigen Briefe abzugeben. Sie konnten mir ja vielleicht die\nBekanntschaft eines Musikkenners verschaffen, der mein\nTalent zu würdigen und doch noch Rath zu einem Con-\ncerte zu schaffen gewusst hätte. Dazu kam der beschä-\nmende Gedanke, dass der Vater, der selbst so unterneh-\nmend gewesen, mich kindisch, muthlos, unüberlegt schelten\nwürde. So in tiefster Seele betrübt, wanderte ich weiter\nund sann unaufhörlich darüber nach, wie ich mir die Be-\nschämung ersparen könnte, so ganz unverrichteter Sache\nin das elterliche Haus zurückzukehren.\n„Endlich kam mir der Einfall, mich an den Herzog\nvon Braunschweig zu wenden und diesen um die Mittel zu\nweiterer Ausbildung anzugehen. Ich wusste, dass der Her-\nzog früher selbst Violine gespielt hatte, und hoffte daher,\ndass dieser mein Talent erkennen werde. Hat er dich nur\nerst eines deiner Concerte spielen hören, dachte ich, so ist\ndein Glück gemacht. Mit neu belebtem Muthe schritt ich\nnun weiter und legte in heiterster Stimmung den Rest des\nWeges zurück.\n„Kaum in Braunschweig angelangt, entwarf ich eine\nBittschrift an den Herzog, worin ich ihm meine ganze Lage\ndarlegte und schliesslich um Unterstützung zu weiterer\nAusbildung oder um eine Anstellung in der Capelle bat.\nDa mir bekannt war, dass der Herzog jeden Morgen im\nSchlossgarten spaziren zu gehen pflegte, so suchte ich ihn,\nmit meinem Gesuch in der Tasche, dort auf und war so\nglücklich, dass er mir das Papier abnahm. Nachdem er es\nflüchtig überlesen und über Eltern und bisherige Lehrer\nFragen gestellt hatte, die ich furchtlos beantwortete, er-\nkundigte er sich auch, wer die Bittschrift entworfen habe.\n„ „Nun, wer anders, als ich? Dazu brauche ich keinen An-\nderen!\" \" antwortete ich, fast beleidigt über den Zweifel\nan meiner Geschicklichkeit. Der Herzog lächelte und sagte:\n„ „Nun, komm morgen um eilf Uhr aufs Schloss, dann\nwollen wir weiter über dein Gesuch reden.\"\" Wer war\nglücklicher, als ich! Piäcis eilf Uhr stand ich vor dem\nKammerdiener und verlangte, beim Herzog angemeldet zu\nwerden. „ „Wer ist Er?\"\" fuhr mich dieser ziemlich un-\nfreundlich an. „ „Ich bin kein Er. Der Herzog hat mich\nhieher bestellt, und Er hat mich anzumelden!\"\" antwor-\ntete ich ganz entrüstet. Der Kammerdiener ging, mich zu\nmelden, und bevor sich meine Aufregung gelegt hatte,\nwurde ich eingeführt. Mein erstes Wort zum Herzog war\ndaher auch: „ „Durchlaucht! Ihr Kammerdiener nennt mich\nEr; das muss ich mir ernstlich verbitten!\"\" Der Herzog\nlachte laut und sagte: „ „Nun, beruhige dich nur, er wird's\nnicht wieder thun!\"\" Nachdem er mich dann noch über\nManches befragt hatte, worüber ich die unbefangensten\nAntworten erlheilte, sagte er: „ „Ich habe mich bei deinem\nbisherigen Lehrer Maucourt nach deinen Fähigkeiten er-\nkundigt und bin nun begierig, dich eine deiner Compo-\nsitionen spielen zu hören; dies kann im nächsten Concerte\nbei der Herzogin geschehen. Ich werde es dem Capellmei-\nster Schwaneberger sagen lassen.\"\"\n„Ueberglücklich verliess ich das Schloss, eilte nach\nHause und bereitete mich auf das sorgfältigste zum Con-\ncerte vor.\n„Diese Hof-Concerte bei der Herzogin fanden in jeder\nWoche ein Mal Statt und waren der Hofcapelle im höch-\nsten Grade zuwider, da nach damaliger Sitte während der\nMusik Karten gespielt wurde. Um dabei nicht gestört zu\nwerden, hatte die Herzogin befohlen, dass das Orchester\nimmer piano spiele. Der Capellmeister liess daher Trom-\npeten und Pauken weg und hielt streng darauf, dass nie\nein Forte zur Kraft kam. Da dies in Symphonieen, so leise\nauch die Capelle spielte, nicht immer ganz zu vermeiden\nwar, so liess die Herzogin auch noch einen dicken Teppich\ndem Orchester unterbreiten, um den Schall zu dämpfen.\nNun hörte man das „„ich spiele, ich passe\"\" u. s. w. al-\nlerdings lauter, als die Musik.\n„An dem Abende, wo ich dort zum ersten Male spielte,\nwaren aber Spieltische und Teppich verschwunden; die\nCapelle, unterrichtet, dass der Herzog anwesend sein werde,\nhatte sich gehörig vorbereitet, und die Musik ging vor-\ntrefflich. Da ich damals noch ohne alle Befangenheit auf-\ntrat und wohl wusste, dass von dem heutigen Erfolg mein\nganzes künftiges Geschick abhängig sei, spielte ich mit wah-\nrer Begeisterung, und musste wohl die Erwartungen des\nHerzogs übertroffen haben, denn dieser rief mir schon wäh-\nrend des Spiels wiederholt Bravo zu. Nach Beendigung des-\nselben kam er zu mir, klopfte mich auf die Schulter und\nsagte: „„Das Talent ist da, ich werde für dich sorgen.\nKomm morgen zu mir.\"\" Ueberselig eilte ich nach Hause,\nmeldete sogleich den Eltern mein Glück und konnte lange\nvor Freude und Aufregung nicht einschlafen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.3", "texte": "„Am anderen Morgen sagte der Herzog zu mir: „ „Es\nist eine Stelle in der Capelle erledigt, die werde ich dir\ngeben. Sei (leissig und führe dich gut auf. Bist du nach\neinigen Jahren tüchtig fortgeschritten, so werde ic'i dich\nauch zu irgend einem grossen Meister senden; denn hier\nfehlt es dir an einem grossen Vorbilde.\"\" Diese letzte\nAeusserung setzte mich in Erstaunen, denn ich hatte bis\njetzt das Spiel meines Lehrers Maucourt für das Höchste\ngehalten, was zu erreichen sei.\n„So wurde ich mit Beginn meines fünfzehnten Lebens-\njahres als Kammermusicus angestellt. Das Rcscript, welches\nspäter ausgefertigt wurde, ist vom 2. August 1799 datirt.\nObgleich das Gehalt nur 100 Thaler betrug, so reichte es\ndoch bei grosser Sparsamkeit und mit Hülfe kleiner Neben-\nverdienste aus, und ich bedurfte von nun an keiner weite-\nren Unterstützung von Hause. Ja, ich war so glücklich,\nden Eltern die Erziehung der anderen Kinder dadurch er-\nleichtern zu können, dass ich meinen acht Jahre jüngeren\nBruder Ferdinand, der Neigung und Talent für Musik\nzeigte, zu mir nahm und ihn zum Künstler bildete.\n„Von nun an war der junge Kammermusicus in gros-\nser Thätigkeit. Seine Berufsgeschäfte bestanden in dem\nMitwirken bei den Hofconcerten und im Hoflheater, für\nwelches seit Kurzem eine französische Sänger- und Schau-\nspieler-Gesellschaft angenommen war. Ich lernte daher die\nfranzösisch-dramatische Musik früher kennen, als die deut-\nsche, was auf meine Geschmacksrichtung und damaligen\nCompositionen nicht ohne Einfluss blieb. Endlich, als für\ndie Zeit der beiden Messen auch eine deutsche Opern-Ge-\nsellschaft aus Magdeburg verschrieben wurde, ging mir\ndie Herrlichkeit der Mozart'sehen Opernmusik auf, und\nnun war für meine ganze Lebenszeit Mozart mein Idol und\nVorbild. Ich erinnere mich noch deutlich der Wonne-\nschauer und des träumerischen Entzückens, mit welchem\nich zum ersten Male „Zauberflöte\" und „Don Juan\" hörte,\nund wie ich nun nicht ruhte, bis ich die Partituren ge-\nliehen bekam, und dann halbe Nächte darüber brütete.\n„Aber auch bei allen anderen Musik-Partieen der Stadt\nfehlte ich nicht; namentlich gehörte ich allen Quartett-\nCirkeln an. In einem derselben, der von zwei Sängern der\nfranzösischen Oper, die Violine spielten, errichtet war,\nlernte ich auch die ersten Quartette von Beethoven ken-\nnen und schwärmte von nun an nicht weniger für sie, als\nbisher für die Hajdn'schen und Mozart'schen.\"\nEs kam nun darauf an, für Spohr einen berühmten\nLehrer zu finden. Viotti, der als Weinhändler sich in\nLondon niedergelassen, antwortete, er beschäftige sich nur\nnoch wenig mit Musik, und lehnte ab. Ferdinand Eck\nin Paris hatte eine reiche Gräfin aus München geheirathet\nund dadurch die Lust am Unterrichtgeben verloren, schlug\naber seinen jüngeren Bruder Franz Eck vor. Mit diesem\nschickte der Herzog den jungen Spohr auf ein Jahr nach\nPetersburg.\nDie Reise begann den 24. April 1802 und ging über\nHamburg, wo Spohr am 30. April die erste Stunde von\nEck bekam, die seine Vorstellung von der bereits erlang-\nten Virtuosität gar sehr herabdrückte. Bei seiner Anlage\nund dem ganz ausserordentlichen Fleiss im Studiren brachte\ner es indess dahin, dass er schon im Mai ein Concert sei-\nnem Lehrer zu Dank spielte.\nEin längerer Aufenthalt in Strelitz in Mecklenburg\nwar durch den fortgesetzten Unterricht sehr bildend für\nSpohr; auch schrieb er hier sein erstes Violin-Concert (spä-\nter als Op. 1 bei Breitkopf & Härtel gedruckt) und die\ndrei Violin-Duette, Op. 3 (bei Kühne! in Leipzig). Ende\nSeptember ging die Reise über Stettin, Danzig, Königs-\nberg, Mitau, Riga und Narwa nach Petersburg, wo man\nam 22. December ankam*).\nDer Aufenthalt in der nordischen Kaiserstadt währte\nbis zum 2. Juni (21. Mai) 1803. Der Bericht darüber\nbildet einen der anziehendsten Abschnitte des ersten Hef-\ntes der Biographie (S. 42 63). Ueber einige damals\ndort anwesende Künstler finden sich z. B. folgende\nmerkungen:\n„Clementi, ein Mann in den besten Jahren, von\näusserst froher Laune und einnehmendem Wesen, unter-\nhielt sich gern mit mir auf Französisch, was ich bei der vielen\nUebung in Petersburg bald ziemlich geläufig sprach, und\nlud mich nach Tische oft ein, mit ihm Billard zu spielen.\nAbends begleitete ich ihn einige Male in seine grosse Pia-\nnoforte-Niederlage, wo Field oft Stunden lang spielen\nmusste, um die Instrumente den Käufern im vorteilhafte-\nsten Lichte vorzuführen. Das Tagebuch spricht mit gros-\nser Befriedigung von der vollendeten Technik und dem\n„ „schwärmerisch-melancholischen Vortrage\"\" des jungen\nKünstlers. Noch bewahre ich in der Erinnerung ein Bild\nvon dem blassen, hoch aufgeschossenen Jüngling, den ich\nspäter nie wieder sah. Wenn Field, der aus seinen Klei-\ndern herausgewachsen war, sich vor dem Piano nieder-\nsetzte, die langen Arme nach der Tastatur ausstreckte, so\ndass sich die Aermel fast bis zum Ellbogen zurückzogen,\ndann bekam die ganze Figur etwas höchst Englisch-Lin-\nkisches; sobald aber sein seelenvolles Spiel begann, wurde\nAlles vergessen, und man war nur Ohr. Leider konnte\nich dem jungen Manne, der ausser seiner Muttersprache\nkeine andere sprach, meine Rührung und Dankbarkeit nur\n[*]\n\n*) Die Biographie erzählt interessante Zwischenfälle, sowohl in\nBezug auf das damalige müheTolle Reisen im Norden, als auf\nMusik. Seite 31 ist ein arger Druckfehler, indem statt Brade,\nals Componist der Ariadne auf Naxos, Ben da zu lesen ist."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.4", "texte": "durch einen stummen Händedruck zu erkennen geben.\nMan erzählte sich schon damals manche Anekdote von\ndem auffallenden Geize des reichen Clementi, der in spä-\nteren Jahren, wo ich in London wieder mit ihm zusam-\nmentraf, noch bedeutend zugenommen halte. So hiess es\nallgemein, Field werde von seinem Lehrer sehr kurz ge-\nhalten und müsse das Glück, dessen Unterricht zu gemes-\nsen, durch viele Entbehrungen erkaufen. Von der echt\nitaliänischen Sparsamkeit Clemenli's erlebte ich selbst ein\nPröbchen; denn eines Tages fand ich Lehrer und Schüler\nmit zurückgestreiften Hemdärmeln am Waschkübel beschäf-\ntigt, ihre Strümpfe und sonstige Wäsche zu reinigen. Sie\nliessen sich nicht stören, und Clementi rieth mir, es eben\nso zu machen, da die Wäsche in Petersburg nicht nur\nsehr Iheuer sei, sondern auch bei der dort üblichen Wasch-\nMethode sehr leide.\n„Auch Tietz, den berühmten irrsinnigen Violinspie-\nler, sah und hörte ich. Wir fanden einen Mann von etwa\nvierzig Jahren, von blühender Gesichtsfarbe und angeneh-\nmem Aeusserem. Man sah ihm die Geistesverwirrung durch-\naus nicht an. Um so mehr waren wir überrascht, als er\nan jeden von uns die Frage richtete: „„Mein allergnädig-\nster Monarch, wie befindest du dich?\"\" Er erzählte uns\ndann ein Langes und Breites, worin sehr wenig Menschen-\nverstand war, beklagte sich bilter über einen boshaften\nZauberer, der, eifersüchtig auf sein Violinspiel, ihm den\nMittelfinger der linken Hand so behext habe, dass er nicht\nmehr geigen könne, sprach aber doch zuletzt die Hoff-\nnung aus, dass es ihm noch gelingen werde, den Zauber\nzu besiegen, u. s. w. Beim Abschiede fiel er vor Herrn\nEck auf die Khiee, küsste ihm, ehe dieser es verhindern\nkonnte, die Hand und sagte: „„Mein allergnädigster Mo-\nnarch, fussfällig nuss ich dich und deine Kunst verehren!\"\"\n„Vier Monate später, zu Anfang Mai 1803, war auf\neinmal ganz Petersburg voll von der Neuigkeit, dass Tielz,\nden die Küssen in ihrem blinden Patriotismus für den er-\nsten Geiger aller Zeiten hielten und der wegen seiner\nNarrheit seit sechs Monaten nicht mehr gespielt hatte,\nplötzlich wieder angefangen habe. Tietz war zu einer Mu-\nsik-Partie beim Senator Teplow eingeladen, halte aber\ntrotz aller Bitten nicht spielen wollen, so dass Herr Teplow\nvoller Verdruss das Orchester fortschickte und ausrief:\n„„So will ich auch nie wieder Musik hören!\"\" Dies machte\nso tiefen Eindruck auf Tietz, dass er sagte: „„Allergnä-\ndigster Monarch, lass dein Orchester wiederkommen, so\nwill ich eine Symphonie mitspielen.\"\" Dies geschah, und\nals er erst im Zuge war, spielte er auch Quartette bis\nzwei Uhr Nachts. Dies gab mir Hoffnung, ihn ebenfalls zu\nhören, und ich eilte desshalb am 2. Mai (20. April) zu\nihm. Es waren viele Musikfreunde dort versammelt, die\nihn mit Bitten bestürmten, zu spielen; diesmal aber verge-\nbens. Er war nicht zu bewegen, und ich hörte später, es\nsei jemand in der Gesellschaft gewesen, den er nicht habe\nleiden können.\n„Am 18. Mai nahm ich mein neues Duett und meine\nVioline und ging wieder zu Herrn Tietz, den ich jetzt allein\ntraf. Es kostete nicht viel Ueberredung, ihn zum Spielen\ndes Duells zu bewegen; doch wollte er nicht die erste\nStimme übernehmen. Wir hatten kaum geendet, als Herr\nHirschfeld, Hornist der kaiserlichen Capelle, und noch\nandere, mir unbekannte Leute kamen. Herr Tietz bat mich\nalso, das Duett zu wiederholen, und es schien nicht nur\nihm, sondern auch den Anderen sehr zu gefallen. Nun\nlegte Herr Tietz ein Quartett von Haydn auf und verlangte,\nich solle die erste Violine übernehmen. Er selbst setzte\nsich zum Violoncell. Da mir das Quartelt bekannt war,\nso weigerte ich mich nicht. Es wurde recht gut executirt,\nund Herr Tietz so wie die übrigen Anwesenden überhäuf-\nten mich mit Lobsprüchen. Tietz spielte die zweite Stimme\nmeines Duetts, die nicht leicht ist, ohne allen Anstoss und\nrecht sauber, und trug auch die Gesangstellen mit Ge-\nschmack und Gefühl vor. Weniger wollten mir seine Pas-\nsagen gefallen, die er nach alter Weise mit springen-\ndem Bogen spielte. (Vgl. Nr. 44.)\n„Am 23. Mai trafen wir Tietz in dem wöchentlichen\nAbend-Concerte des Senators Teplow. Er legte ein Con-\ncert eigener Composition auf, dessen erstes Allegro und\nRondo er zwei Mal spielte, vermuthlich weil ihm sein\nSpiel beim ersten Male nicht genügte. Da er seit seiner\nNarrheit nie mehr übte, so ist es begreiflich, dass es ihm\nan technischer Sicherheit fehlte. Auch gelangen ihm die\nschweren Stellen beim zweiten Male auffallend besser. In\nallen drei Sätzen brachte er nach alter Weise Cadenzen\nan, und zwar improvisirte, die an sich sehr hübsch, beim\nzweiten Male aber ganz verschieden lauteten.\"\n„Ist nun auch Tietz\", schliesst die Tagebuchs-Bemer-\nkung, „kein grosser Geiger, noch weniger der grösste aller\nZeiten, wie seine Verehrer behaupten, so ist er doch UJl-\nbezweifelt ein musicalisches Genie, wie auch seine Compo-\nsitionen hinlänglich beweisen.\" «\nUeber die berühmte russische Hornmusik schreibt\nSpohr:\n„Während der Fastenzeit, in der die griechische\nKirche keine Theater-Vorstellungen duldet, gab die Hof-\ntheater-Intendanz wöchentlich zwei grosse Concerte im\nSteiner-Theater, in welchen sämmtliche Virtuosen der kai-\nserlichen Capelle, zu denen Herr Eck nun auch gezählt\nwurde, auftraten, ©ie vorzüglichsten, die ich dort zu hö-\nren Gelegenheit fand, waren die Geiger Hart mann,\nJerchow und Remi, der Violoncellist Delphino, der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.5", "texte": "Hautboist Scherwenka und der Waldhornist Hirsch-\nleld. Das Orchester bestand beim ersten Concerte aus\nsechsunddreissig Violinen, zwanzig Bässen und doppelt be-\nsetzter Harmonie. Ausser dieser waren zur Unterstützung\nder Chöre noch vierzig Hornisten der kaiserlichen Capelle\nda, von denen ein jeder nur einen Ton zu blasen hatte.\nSie dienten als Orgel und gaben dem Chorgesange, dessen\nTöne ihnen zugetheilt waren, grosse Festigkeit und Kraft.\nIn einigen kleinen Soli's waren sie von hinreissender Wir-\nkung. Vorn vor dem Orchester standen die Hofsänger,\nMänner und Knaben, etwa fünfzig an der Zahl, alle in\nrother, mit Gold besetzter Uniform. Nach dem ersten Theile\ndes Oratoriums von Sarti spielte Bern i ein Violin-Concert\nvon Alday u. s. \\v.*).\n„Zwischen dem ersten und zweiten Theile eines zwei-\nten Concertes wurde von den kaiserlichen Hornisten eine\nOuvertüre von Gluck executirt, und zwar mit einer Ge-\nschwindigkeit und Genauigkeit, die für Saiten-Instrumente\nschon schwer gewesen wäre, wie viel mehr für die Hor-\nnisten, deren jeder nur einen Ton bläs't. Es üst kaum\nglaublich, dass sie die schnellsten Passagen mit grosser\nDeutlichkeit hervorbrachten, und ich würde es auch nicht\nlür möglich halten, wenn ich es nicht mit eigenen Ohren\ngehört hätte. Doch machte begreiflicher Weise das Adagio\nder Ouvertüre grösseren Effect, als das x\\llegro; denn es\nbleibt immer eine Unnatur, mit diesen lebendigen Orgel-\npleifen so schnelle Passagen einzuüben, und man kann\nnicht umhin, an die Prügel zu denken, die es dabei gesetzt\nhaben mag.\"\n\nHerzog Friedrich von Tyrol.\nOper in drei Acten von E. Ille, Musik von M. Nagiller\nMit d ieser Oper wurde am 14. October die Winter-\nzeit des Theaters zu Wiesbaden eröffnet.\nDer Stoff des Gedichtes ist aus der vaterländischen\nGeschichte genommen. Herzog Friedrich IV. von Oester-\nreich-Tyrol hielt auf dem Concilium zu Constanz (1415)\ndem Papste Johann XXlil. das gegebene Versprechen si-\ncheren Geleits und begünstigte dessen Flucht. Desshalb\nwurde er in die Acht erklärt. Von allen seinen Lehnsleu-\nten verlassen, irrte er in Tyrol umher und lebte eine Zeit\nlang verborgen auf dem Hofner Bauernhofe im wilden\nöetzthale. Nur der Ritter von Müllinen war ihm treu ge-\nblieben; er regte die Liebe des Volkes zu seinem Fürsten\nzur That auf, so dass Friedrich seine Gegner, namentlich\ndie trotzigen Slarkenberger, schlug und seinen Thron wie-\nder einnahm.\nDie erste Scene des ersten Actes führt uns den Herzog\nFriedrich erschöpft von der Wanderung vor. Er spricht\nseinen Schmerz, so verlassen und elend sein Land wieder-\nzusehen, und seine Sehnsucht nach der Bückkehr des\nFreundes aus. Er entschläft auf einem Steine. Die Nebel\nzertheilen sich, man sieht im Hintergrunde den Rofner\nHof. Die Tochter des Bauers, Benedicta, tritt heraus, be-\ngrüsst den Morgen und entdeckt den Schlafenden. Er er-\nwacht und bricht in Klagen über sein Geschick aus; Bene-\ndicta, die in ihm nur einen unglücklichen Wanderersieht,\nspricht ihm Muth zu und erzählt ihm die Sage von den\n„seligen Frauen\", die den frommen Wanderer über die\nGletscher leiten. Ein Hornruf aus den Bergen verkündet\nden Freund; Friedrich eilt ihm entgegen. Buzzo, der\nRofner Bauer, mit seinem Hofgesinde nähern sich den bei-\nden kriegerischen Gestalten, Müllinen erzählt ihnen das\ntraurige Loos des gefangenen Herzogs, ihre Theilnahme\nwird rege, und Buzzo bietet den beiden Unbekannten eine\nFreistatt in seinem Hause an. Abendglocke, Ave Maria\n(Benedicta und Chor), Alpenglühen—Actschluss.\nDer zweite Act spielt auf einem freien Platze vor\nLandeck. Kirchweihfest. Ulrich von Starkenberg (mit ihm\nist seine Tochter Lidwina und Ritter Oswald, der ihr hul-\ndigt) bewirthet die Bauern, um sie für sich zu gewinnen.\nDer Schultheiss trinkt auf Herzog Friedrich's Wohl, Ulrich\nbezwingt seinen Unmuth nicht, Streit zwischen den Bittern\nund Bauern, den Lidwina schlichtet. Man beruhigt sich\nund hört eine Arie derselben an; dann ziehen Alle unter\n*\nden Klängen eines „National-Schützen-Marsches\" zum\nScheibenschiessen fort.\nBuzzo erscheint mit dem verkleideten Herzoge und\nseinem Freunde, die er dem mit einem Theile des Volkes\nzurückgebliebenen Schultheissen als Sänger vorstellt. Fried-\nrich singt die Bomanze vom Bichard Löwenherz und sei-\nnem treuen Blonde!, und entdeckt sich; das Volk jauchzt\nihm zu. Müllinen feuert ihren Muth zum Kampfe für ihren\nFürsten an. Ulrich von Starkenberg kehrt zurück; ergrimmt\nzückt er den Dolch auf den Herzog Benedicta wirft sich\nzwischen sie, Ulrich wird entwaffnet und abgeführt. Lid-\nwina und Oswald bleiben; man erkennt freilich keinen\nanderen Grund dafür, als dass sie zu dem folgenden Sep-\nlett zwei Stimmen ausfüllen müssen. Der Act schliesst mit\neiner feurigen Aufforderung Müllinen's (Tenor) zum Kampfe\nfür den angestammten Fürsten; der Chor des Volkes stimmt\ndarin ein.\nDer dritte Act führt uns in den Burghof der Starken-\nberg'schen Feste Schönna bei Meran. Die Vertheidiger\nrüsten sich und „ziehen zu den Vorwerken hinaus\". Lid-\n\n*) Eemi gewann Spohr so lieb, dass er an dessen Geburtstage\nseine Geige, einen vortrefflichen Guarneri, mit der Geige Spohr's\ntauschte."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.6", "texte": "wina spricht ihren stolzen Muth und ihr Vertrauen auf\ndie nahende Hülfe des Vaters (der also seiner Haft ent-\nkommen sein muss) und des Ohms aus. Oswald bringt die\nschlimme Kunde, dass von deren Heranziehen keine Spur\nsichtbar, und räth zum Frieden. Lidwina:\n„Wohlan! Was einstens Judith sann,\nAls zu befrei'n das theure Vaterland\nSie mit dem Stahl bewehrt die schwache Hand\nIns Feindeslager zieh'n\nDas wird dem guten Oswald (wie uns auch) denn doch\nzu arg; er sagt ihr den Dienst auf, „mit Schauder und\nGrau'n lässt sie Chriemhildens schrecklich Bild ihn schau'n !\"\nGlücklicher Weise bringt Müllinen Friedens-Anträge\nvom \"Herzog Friedrich, aber Lidwina verschmäht sie, und\nes dauert etwas lange, bis sie durch die Nachricht, dass\nihr Vater im Kampfe geblieben, geknickt wird. Sie beauf-\ntragt Oswald, die Burg zu übergeben, und nachdem Alle\nabgezogen, erklärt sie in einer Arie ihren Entschluss, zu\nsterben,\n„Weil ihr Haus erliegt\nIm stolz vermessenen Streit\nMit einer neuen Zeit.\" (!)\nZum Finale zieht Herzog Friedrich in die Burg ein,\nwobei denn Buzzo und Benedicta (welche die letzte Strophe\ndes Liedes „von den seligen Frauen\" aus dem erstep Acte\nwiederholt) nicht fehlen.\nObwohl die grossen Schwächen des Textbuches als\ndramatischen Kunstwerkes in die Augen springen na-\nmentlich können die weiblichen Figuren nicht interessiren,\nda die tendentiöse Vorstellung einer sichtbaren Vorsehung\nin Benedicta bloss zu einem ganz unmotivirten Theatercoup\nbenutzt wird, wobei die Lebensrettung, weil Benedicta von\ndem Dolche des Ulrich nicht getroffen wird, inmitten von\nhundert Männern fast lächerlich wird, und da vollends die\nPersonificirung des Legitimitäts-Princips in Lidwina eben\nso historisch unrichtig als dramatisch falsch ist und deii\nZuschauer ganz kait lassen muss, zumal ihr Bitter Oswald\nvon Anfang bis zu Ende eine traurige Figur spielt also\ntrotz dieser Schwächen enthält das Buch doch einige gut\nangelegte, für die Composition günstige Situationen. Des\nLieder- oder Balladen-Gesanges ist aber auch zu viel vor-\nhanden; freilich, weil das Drama sich ohne Einflechtung\neiner Liebe, die irgend eine Theilnahme erregen könnte,\nentwickelt, so dachte der Dichter wahrscheinlich das feh-\nlende lyrische Element durch die Bomanzen u. s. w. zu\nersetzen.\nDie Musik wird uns aber als sehr schön und der ech-\nten deutschen Schule entsprossen geschildert. „Der Com-\nponist tritt auf gelungene Weise in die Fussstapfen We-\nbe r's und Marschner's und offenbart in vielen Nummern\nauch ein höchst ansprechendes melodisches Talent. Wenn\nso manches schlechte Machwerk aus Italien sich in Deutsch-\nland einbürgern konnte, so wäre es endlich einmal Zeit,\ndiese unlauteren, oft unsauberen Quellen zu verstopfen\nund dem schlechten, verdorbenen Geschmacke einen Damm\nentgegen zu setzen durch Auszeichnung deutscher Kunst-\nwerke. Nagiller's Oper ist reich an wirklichen musicali-\nschen Schönheiten. Einfach, stets wahr und warm, ist sie\nimmer der edle, schöne Ausdruck der Situation. Die In-\nstrumentation ist feine Arbeit, charakteristisch im höch-\nsten, glücklichsten Grade, fliessend, niemals gesucht und\npikant ä laMeyerbeer, Verdi u. s. w. In den Becitativen,\nArien und Chören überall dieselbe Meisterhand eines hoch-\nbegabten Künstlers. Hören Sie diese Musik, und Sie wer-\nden Sich beeilen, sie für würdig zu erklären, neben We-\nber'schen Opern zu stehen. Das Publicum nahm Nagiller's\nOper mit Wärme und grossem Beifalle auf. Herr Nagiller\nwurde nach dem zweiten und dritten Acte mit den Haupt-\ndarstellern (Herren Simon Herzog, Auerbach Mülli-\nnen) gerufen. Herr Nagiller, welcher sich seit einiger Zeit\nhier aufhält, wird noch länger hier verweilen. Der Com-\nponist ist 1817 am 14. October in Tyrol geboren; sein\nGeburtstag ist für ihn dieses Mal zu einem besonders schö-\nnen Festtage geworden.\n„Die Oper kann angelegentlichst allen deutschen Büh-\nnen empfohlen werden. Die Aufführung beansprucht keine\nungewöhnlichen Mittel.\n„Der Componist hat dem Vernehmen nach noch eine\nzweite (komische) Oper, mehrere Kirchenmusikstücke und\nSinfonieen geschrieben. Er verweilte von 1842 bis 1848\nin Paris. Es ist sehr erfreulich und stellt Herrn Nagiller\nein ehrenvolles Zeugniss aus, dass er sich dort seine edle\nBichtung in der Musik bewahrt hat. Persönlich ist mir bis\njetzt der Componist nicht bekannt, auch kann ich Ihnen\nüber seine Antecedentien nichts weiter als die eben gege-\nbene Notiz melden.\"\nEs soll uns freuen, wenn dieses nach dem ersten Ein-\ndruck der Oper mit grosser Wärme niedergeschriebene\nUrtheil durch die ferneren Aufführungen bestätigt wird.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nRollt« Die für die diesjährige Saison angekündigten zwölf\nConcerte finden an folgenden Tagen Statt: 23. October, 6* und\n20. November, 4. nnd 18. December 1860, 8« und 22. Januar, 5.\nund 19. Februar, 5., 12. und 24. März 1861.\nsSai*meil« Am Samstag den 6. October hatten wir unser er-\nstes Abonnements-Concert unter Leitung unseres Musik-Di-\nrectors Herrn Anton Kr ans e. Wir müssen uns wahrscheinlich bis\nzum Februar noch mit dem bisherigen Locale behelfen, alsdann aber\nwerden wir den neuen Concertsaal und die für denselben bestimmte"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.7", "texte": "Orgel einweihen können. Das diesmalige Programm brachte: T. ].\nSinfonie (:militaire) in U-dur von J. Haydn. 2. Ave verum von Mo-\nzart. 3. Clavier-Concert in C-moll von Beethoven (von Herrn\nKrause mit künstlerischer Auffassung und vorzüglicher Technik\nvorgetragen).\nVolkssagen, Musik von Niels W. Gade die im Ganzen gut\nausgeführt wurde. Der Singverein hat an Frische der Stimmen ge-\nwonnen und auch in der technischen Tüchtigkeit offenbare Fort-\nschritte gemacht. Fräulein Jenny Niethen (Altistin) aus Köln\närntete allgemeinen Beifall, und auch Fräulein Hermine Mann\nsang die Sopran-Partie mit Anerkennung von Seiten des Publicums.\nIS©E#2©J2111. 24. October. Wie im vorigen Jahre, veranstaltet\nHerr Musik Director Loos auch in dieser Saison einige grosse Sym-\nphonie Concerte in der Gesellschaft Harmonie. Das erste diesjährige\nwar am 21. d. Mts. und hatte sich des grössten steigenden Beifalles\nzu erfreuen. Ein Orchester von 36 Mitgliedern, gebildet aus tüchti-\ngen Musikern von Elberfeld, Dortmund und hier, war vereinigt und\nf ihrte unter Leitung des Herrn Loos Haydn's Sinfonie militaire in\nG-dur und Beethoven's achte Sinfonie ganz trefflich aus. Zwischen\ndiesen den Anfang und das Ende des Concertes bildenden Werken\nhörten wir einige kleinere Solo-Vorträge und Mozart's Ave verum\ncorpus, letzteres a capella sehr gut vom Gesang-Vereine vorgetragen.\nDann spielte Herr Loos noch Beethovens Es-dur-Concert für Piano-\nforte und Orchester und riss durch den energischen, kraftvollen und\nphantasiereichen Vortrag des wunderbar schönen Werkes Alles zu\nenthusiastischem Beifall hin. Das Orchester begleitete unter Leitung\ndes Herrn Kraussoldt ausgezeichnet. Es war gewiss für Herrn Loos\neine nicht geringe Aufgabe, am Nachmittage bis 5 Uhr eine Gene-\nralprobe zu halten und bald darauf am Abende die grossen Werke\nzu leiten und noch selbst das Concert von Beethoven zu spielen.\nEs gehörte eine ungewöhnliche und freudige Energie und Ausdauer\ndazu, welche Herr Loos bis zum letzten Augenblicke behielt.\nEin junger, vielversprechender, erst dreizehn Jahre alter Violinist,\nPeiniger aus Elberfeld, war zum Vergnügen mitgekommen und\nspielte ein brillantes Solo sehr brav; er studirt noch auf dem pari-\nser Conservatorium.\n22. October. Zur Prüfung der von den\nBewerbern um das Stipendium der Mozart-Stiftung eingeliefer-\nten Arbeiten waren erwählt die Herren: Hof-Capellmeister Dr. Ju-\nlias Rietz in Dresden, Musik-Director Dr. Aloys Schmitt in\nFrankfurt a. M., Hof-Capellmeister Wilhelm Taubert in Berlin\nNach dem übereinstimmenden Inhalt der von diesen Herren erstatte-\nten Gutachten und in Gemässheit des §. ö2 der Statuten ist durch\neinhelligen Bescbluss des Verwaltungs-Ausschusses vom 20. October\nd. J. der Mitbewerber Ernst Deurer von Giessen zum Stipen-\ndiaten der Stiftung ernannt und demselben der Bezug des Stipen-\ndiums im Betrage von jährlich vierhundert Gulden zuerkannt wor-\nden. ]jer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung: Dr. Pon-\nfick, Piäsident. Dr. A. Giar, Secretär.\nUeber den jüngst gestorbenen Theater-Direetor\nJul. Cornet schreibt der hamburger „Freischütz\" in einem Nach-\nrufe: „Cornet begann seine theatralische Carriere in Wien auf dem\nTheater der Vorstadt. Damals sang er zur Guitarre „Die Flasche\",\nein österreichisch-patriotisches Lied mit dem Refrain: Mein Kaiser\ntrank daraus! Seine schöne Tenorstimme und ein warmfarbiger Vor-\ntrag, von seiner musicalischen und wissenschaftlichen Bildung gere-\ngelt, machte einen ausserordentlich günstigen Eindruck. Man sah\nhier ein Talent vor sich, das mit einem unbedeutenden Gesangstücke\nden unzweifelhaften Beruf lür die Bühne documentirte. Diese Mei-\nnung, sogleich bei seinem ersten Erscheinen rege geworden, hat er\nspäter auf das glänzendste gerechtfertigt. Als er nach Hamburg\nkam, stand er bereits auf einer hohen Stufe seiner Kunst. Als Mit-\ntelpunkt aller damals neuen französischen Opern verhalf er diesen\nzu einem ungeheuren Success. Sein Feuer ergriff sympathetisch die\nmit ihm Spielenden. Dazu kam, dass seine talentvolle Gattin ihn mit\nhöchst gelungener Ausführung der weiblichen Spielrollen unterstützte.\nSo sahen wir: „Die Stumme\", rDie Braut\", »Der Maurer und der\nSchlosser\", „Zampa\" u. s. w. mit einem Leben dargestellt, wie es\njetzt an einem Ganzen sich niemals bemerkbar macht. Als Director\nging es ihm wie allen hamburger Directoren er wurde erdrückt\ndurch Lasten und Schwierigkeiten. Die glänzende Stellung eines\nHof-Opern-Directors in Wien verlor er wegen Privat-Ereignisse, zu\nwelchen ihn seine Heftigkeit hingerissen hatte. Aehnliches mag auch\nin Berlin der Fall gewesen sein. Er war nicht geeignet, eine Kunst-\nlerschar mit Ruhe zu leiten, wohl aber, derselben in praktischer\nHinsicht als ein Muster vorzuleuchten. Die deutsche Bühne verliert\nan Cornet ein Talent, dem sein Ehrenplatz in der Theater-Geschichte,\nnamentlich der hamburgischen, gesichert bleibt. Cornet hinterlässt\neine Gattin, die hiesige rühmlichst bekannte Gesanglehrerin, und\nmehrere Söhne und Töchter, die aber alle bereits selbstständig sind.\n28. October. Die musicalische Winter-Saison eröff-\nnete die hiesige Theater-Capelle wieder in würdiger Art, und stellte\nsich schon in den ersten drei Abonnements-Concerten eine sorgfäl-\ntige Auswahl classischer Tonwerke, wie die Sinfonieen von Haydn\nin Es-dur und von Spohr in C-moll u. s. w., imgleichen die Ouver-\ntüren zu Anakreon von Cherubini und zu Faust von Lindpaintuer\nbeweisen, heraus, zu deren meisterhafter Ausführung die umsichtige\nund gewandte Leitung des Musik-Direetors Hesse das Ihrige bei-\ntrug. Eben so sind die Capellen unter der Führung der Musik-Di-\nrectoren M. Schön und A. Bilse bestrebt, interessante Programme\nzu bieten, so dass ein gegenseitiger Wetteifer sich fortdauernd erhält.\nAuch für classische Kammermusik und Gesang ist ein Soireen-\nCyklus von Dr. Damrosch (als trefflicher Geiger rühmlichst be-\nkannt) begonnen worden, und sind bereits in der ersten Soiree in\nden producirten Streich-Quartetten von Haydn in B-dur und von\nBeethoven in C-dur anerkennenswerthe Leistungen hervorgetreten,\nso wie nicht minder der seelenvolle Gesang von Frau Dr. Dam-\nrosch in einer Arie aus Figaro's Hochzeit von Mozart und in Lie-\ndern von Franz, Schumann und Damrosch rühmend hervor-\nzuheben ist. Ueber die Aufführungen der Sing-Akademie, deren\nneuer Director Seh äffer so eben erst seine Wirksamkeit begonnen,\nspäterhin.\nDer seit längerer Zeit in Pforta bestehende,\nvon dem Musik-Director Seiffcrt geleitete Gesang-Verein veran-\nstaltete auch im Laufe dieses Jahres mehrere Aufführungen, wovon\ndie eine im Monat Juni Statt fand und wobei besonders Felix Men-\ndelssohns geistvolle Composition „Loreley\" sympathisch auf die Zu-\nhörer wirkte. Den zweiten Tbeil des Concertes bildete Tschirch's\n„Eine Nacht auf dem Meere\", wobei sich, wie bei dem erstgenann-\nten Tonwerke, der Sängerchor der Portenser betheiligte, und die\nsorgsam vorbereitete Aufführung des Ganzen sich die lebhafte Aner-\nkennung der zahlreichen Versammlung erwarb. Der gedachte por-\ntenser Chor bewerkstelligte vor Eintritt der grösseren Ferien auch\neine Sängerfahrt nach einer die Höhen des Saalthaies bekränzenden\nBurgruine, und zogen die kräftig erschallenden Lieder von Weber,\nKreutzer, Mendelssohn, Silcher, Otto u. s. w. viele Zuhörer herbei;\nauch wurde ein im Volkstone von C. Seiffert componirtes Chor-\nlied : „Sonntags am Rhein\" (Op. 16 bei Rieter-Biedermann in Win-\nterthur), beitällig aufgenommen. Ferner gab der Göthe'sche Geburts-\ntag, der 28. August, Anlass zu einem Fest-Acte, welchen der Ober-\nPräsident der Provinz Sachsen, Herr v. Witzleben, und der Regie-\nrungs- und Schulrath Heiland mit ihrer Gegenwart beehrten. Dem\nGegenstande der Feier entsprechend, wurde auf Vorschlag des Pro-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601103-01.1.8", "texte": "fessors Koberstein Göthe's „Faust® gelesen und dazwischen die\nRadziwilFschen Chöre gesungen, zugleich aber auch die Gelegenheit\nbenutzt, eine Sammlung von Beiträgen zum Göthe-Denkmal zu ver-\nanstalten.\nAmsterdam, 24. October. Die Gesellschaft für Be-\nförderung der Tonkunst hat in ihrer gestrigen Sitzung den\nliterarischen Concurs erledigt, welchen sie vor etwa achtzehn Mona-\nten ausgeschrieben hatte. Die Preis-Aufgabe bestand in histori-\nschen Notizen als Beiträge zur Musikgeschichte der Nie-\nderlande während des sechszehnten Jahrhunderts und war insbe-\nsondere an das Ausland gerichtet, wesshalb die Arbeiten auch in\ndrei verschiedenen Sprachen eingereicht werden konnten. Das Er-\ngebnissist für Deutschland höchst ehrenvoll, denn nur deutsche\nBewerber haben Preise erlangt, und zwar:\n.1) Herr 0. Kade in Dresden für eine Monographie über Mat-\nthäus le Maistre.\n2) Herr Dr. Arnold in Elberfeld für eine Abhandlung über\nRhythmik und Tonalität der altniederländischen Volksweisen.\n3) Herr E. Pasqud in Darmstadt für eine Monographie über\nAdrian Petit.\nSeltsamer Weise gründet sich diese Reihenfolge nicht auf die\nWürdigkeit, sondern bloss auf den Umfang der betreffenden Arbei-\nten. Schliesst man dagegen von der Höhe der bewilligten Prämien,\nunter Berücksichtigung des Umfanges der Manuscripte, auf die in-\nnere Gediegenheit, so erscheint die Preisschrift des Herrn Dr. Ar-\nnold als die bei Weitem bevorzugteste, da sie verhältnissmässig am\nglänzendsten honorirt wurde.\nWährend die grosse Oper die Aufführung des Tann-\nhäuser so emsig vorbereitet, bereiten sich in dem unermüdlichen\nThedtre hjrique grosse Dinge vor Es handelte sich nämlich dort um\nnichts weniger, als um die Darstellung der B e rl i o z' sehen Oper\nrLes Troyens*. Der Text zu dieser Oper ist der Aeneide entnommen\nund von dem Componisten selbst verfasst. Dieselbe beginnt in Troja,\nwo Priamus, Aeneas, Coroebus, Andromache, Cassandra auftreten,\nund endet in Carthago am Hofe der Dido, Die Mise en scene wird\nder Direction dadurch erleichtert, dass ein grossmüthiger Mäcen der-\nselben eine Summe von fünfzigtausend Francs zur Verfügung ge-\nstellt hat; wie die Gazetie Resne musicale berichtet.\nFranz Schubert's ~Erlkönig\" ist so eben, instrumentirt von\nH. Berlioz, in Partitur und Stimmen hier bei Legouix (Boulevard\nPoissonniere 27) erschienen. In Baden-Baden hat Roger's Vortrag\nmit dieser Orchestration von Berlioz grossen Eindruck gemacht\n[Roger's Vortrag dieser Ballade kennen wir allerdings als ganz aus-\ngezeichnet; auf Berlioz's Bearbeitung sind wir neugierig, trauen ihm\naber kaum das Maasshalten zu, welches dergleichen Arbeiten ver-\nlangen, und welches Hiller in seinen Instrumentirungen des „Gret-\nchen am Spinnrad\", der „Nonneu und des so schön be-\nwährt hat.] #\nNach der italiänischen Musik-Zeitung 11 Pirata vom 21. October\nhat die Censur in Neapel die Aufführung der Stummen von\nPortici verboten wahrscheinlich des Schlusses wegen, aber\nimmerhin merkwürdig.\nRoger wird nach seinem Gastspiel in Hamburg, wo er eben\nso wie früher Furore macht, in Berlin erwartet.\nIm Teatro del Fondo wurde eine neue Oper von Pe-\ntrella, „11 follello di Gresiju, gegeben. Da im zweiten Acte Garibaldi\nin das Theater kam und ihm fortgesetzte Zeichen begeisterter Hul-\ndigung zu Theil wurden, so konnte man nicht erkennen, was ihm,\nwas der Musik galt und wie somit die letztere aufgenommen wurde.\ne u t s c St e Tonhalle.\nFür die auf diesseitiges Preis-Ausschreiben vom Februar v. J.\neingekommenen 17 Sonaten für Violoncell und Ciavier hatten die\nHerren F. Lachner in München, F. Messer in Frankfurt am Main\nund J. Moscheies in Leipzig die Wahl als Preisrichter gütigst an-\ngenommen, und das uns nun vorliegende Ergebniss ihrer Beurthei-\nlung dieser Werke ist folgendes:\nDer Preis wurde durch Stimmenmehrheit der Herren Preisrichter\ndem Herrn Organisten H. Stiehl in Petersburg zuerkannt. Das\nWerk des Herrn Compositeurs V. E. Beker in Würzburg erhielt\ndurch drei und das des Herrn Musik-Directors C. Hering in Ber-\nlin durch zwei Stimmen besondere Belobung; dessgleichen je durch\neine Stimme die Preisbewerbungen der Herren Julius Egghard\nin Wien, T. Elze, Musiklehrer und Organist in Laibach, E. Guth,\nMusiklehrer hier, Otto Kitzler, Capellmeister in Linz und H.\nTriest, Musik-Direetor in Stettin, für seine beiden Bewerbungen.\nDiejenigen der übrigen acht Herren Preisbewerber, welche ihre\nWerke zurückbegehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an\nuns ergehen lassen und zwar in den nächsten sechs Monaten, da\nwir für die Werke nicht länger haften können.\nMannheim, 13. October 1860.\nDer Vorstand."}]}