{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-11-10-01", "volume": "bmtnabi_1860-11-10_01", "ocr_sha256": "5d7746441a8dcaff2c8ceae6a954c5bd153ca3d53d30227c33e461be0e584b6f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/11/10_01/bmtnabi_1860-11-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 484, "texte": "Inhalt.\nSpohr und Beethoven. Beurtheilungen. Symphonie Nr. 1 von Anton Rubinstein, Op 40 —G. Vierling, Ouver-\nture zu Maria Stuart. Op. 14 E. Hallberger's Classiker-Ausgabe. Zweites Gesellschafts-Coneert in Köln im Gürzenich. Tages-\nund Un ter h al tun gs bl all (Frankfurt a. M , Museums-Concerte, Abonnements-Coneerte Augsburg, Fräul. A.Brenken - Eilfter Jah-\nresbericht des schwäbischen Sängerbundes London - 13. Jahresbericht des Gesang-Vereins Deutscher Liederkranz in New-York)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "364", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.2.2", "titre_corps": "Spohr und Beethoven.", "titre_sommaire": "Spohr und Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.1", "debut_caractere": 486, "fin_caractere_exclue": 4310, "texte": "Spohr und Beethoven.\nMan hat viel von Spohr's Egoismus und Selbstüber-\nschätzung geredet und damit schroffe und herbe Urtheile\nvon ihm über lebende und todte Musiker in Zusammen-\nhang gebracht, die nur zu häufig ohne alle weitere Prü-\nfung der Quellen, aus denen sie stammen, wieder erzählt\nworden sind. So wie z. B. einzelne ihm entfallene Worte\nin einem Briefe an einen vertrauten Freund noch neuer-\nlich dahin ausgebeutet wurden, als seien ihm Händel und\nBach „unausstehlich\" gewesen, wogegen ihn die Mitglie-\nder des kasseler Cäcilien-Vereins gerechtfertigt haben (Nr.\n14-des laufenden Jahrgangs dieser Blätter), so hat man\nauch oft Gerüchte verbreitet über seine Antipathie gegen\nBeethoven, über seine Geringschätzung aller Beethoven'-\nschen Compositionen u. s. w.\nV iele Blätter haben dergleichen Nachreden verbreitet,\nund keines scheint sich darum zu kümmern, von den jetzt\nin Spohr's Selbstbiographie offen vorliegenden Beweisen\nvom Gegentheil Kenntniss zu nehmen und zu geben.\nLief doch auch hier am Rheine und weiter im deut-\nschen Lande die Anekdote bei den Musikern um, Spohr\nhabe bei dem Beethoven-Feste zu Bonn im Jahre 1845\nmit einer gewissen Aff'ectation bei der ersten Probe der\ngrossen Messe in D erklärt, „er kenne das Werk nicht.\"\nDas hört man noch heute hier und da erzählen, trotz-\ndem dass in der „actenmässigen Darstellung\" jenes Festes\nvon Prof. H. K. Breidenstein (Bonn, 1 846, bei Habicht)\nim Anhang 11. zu lesen ist: „Spohr nahm nun nach be-\nwilligtem Urlaub unsere Einladung zur Direction an, äus-\nserte jedoch seine Besorgniss, dass die beiden grossen\nWerke—die Missa solemnisund die neunte Sinfonie—in\nden wenigen Proben u. s. w. nicht so würden eingeübt\nwerden können, wie es die Werke selbst und die\nWürde des Tages erheischten. Ihm selbst sei die Messe,\neine frühere flüchtige Durchsicht abgerechnet, noch unbe-\nkannt; er werde sich jedoch baldigst die Partitur verschaf-\nfen und sich damit vertraut machen.\" Breiden-\nstein setzt hinzu: „Und wie er das gethan, hat der Erfolg\ngelehrt.\" —ln der That war damals Alles von der ausge-\nzeichneten Aufführung vollkommen befriedigt.\nDass Spohr nicht nur ein grosser Verehrer Beetho-\nven's, sondern auch ein begeisterter Verehrer seiner Com-\npositionen, namentlich der Quartette und Sinfonieen, ge-\nwesen, geht aus sehr vielen Stellen seiner Selbstbiographie\nhervor. Folgende sind auch für das musicalische Leipzig\nvon 1804 charakteristisch.\n„Für mein Concert in Leipzig hatte ich viele Schwie-\nrigkeiten zu überwinden. Auch kränkte es mich, dass die\nreichen Handelsherren, an die ich empfohlen war, noch\nnichts von meinen Kunstleistungen zu wissen schienen und\nmich zwar höflich, aber kalt empfingen. Ich wünschte da-\nher sehnlichst, einmal zu einer Musik-Partie eingeladen zu\nwerden, um mich bemerklich machen zu können. Dieser\nWunsch wurde erfüllt; ich erhielt eine Einladung zu einer\nAbend-Gesellschaft mit der Bitte, etwas vorzutragen. Ich\nwählte dazu eines der schönsten der sechs neuen Quartette\nvon Beethoven, durch dessen Vortrag ich in Braunschweig\nschon oft meine Zuhörer entzückt hatte. Aber schon nach\nwenigen Tacten merkte ich, dass meine Begleiter mit die-\nser Musik noch unbekannt und daher unfähig waren, in\nden Geist derselben einzudringen. Verstimmte mich dies\nnun schon, so steigerte sich mein Unmuth doch noch weit\nmehr, als ich bemerkte, dass die Gesellschaft meinem Spiele\nbald keine Aufmerksamkeit mehr schenkte.'Denn es ent-\nspann sich nach und nach eine Conversation, die bald all-\ngemein so laut wurde, dass sie die Musik fast übertönte.\nIch sprang daher mitten im Spiele, noch ehe der erste Satz\nbeendet war, auf und eilte, ohne ein Wort zu sagen, zu\nmeinem Kasten, um meine Geige einzuschliessen. Dies er-\nregte grosse Sensation in der Gesellschaft, und der Herr\nvom Hause näherte sich mir mit fragender Miene. Ich trat"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5363, "texte": "ihm entgegen und sagte laut, dass es von der Gesellschaft\ngehört werden konnte: „„Ich war bisher gewohnt, dass\nman meinem Spiele mit Aufmerksamkeit zuhörte. Da das\nhier nicht geschah, so glaubte ich der Gesellschaft gefällig\nzu sein, indem ich aufhörte.\"\" Der Hausherr wusste nicht,\nwas er antworten sollte, und zog sich verlegen zurück. Als\nich nun aber, nachdem ich mich zuvor bei den Musikern\nwegen meines brüsken Aul hörens entschuldigt hatte, Miene\nmachte, die Gesellschaft zu verlassen, kehrte der Wirlh\nzurück und sagte freundlich: „ „Wenn Sie Sich entschlies-\nsen könnten, der Gesellschaft etwas Anderes vorzutragen,\nwas ihrem Geschmack und Fassungs-Vermögen angemes-\nsener wäre, so würden Sie ein sehr aufmerksames und\ndankbares Auditorium haben.\"\" Mir, dem längst klar ge-\nworden war, dass ich das Vorgefallene durch meinen Miss-\ngriff in der Wahl der Musik für eine solche Gesellschaft\nselbst verschuldet hatte, war froh, wieder einlenken zu\nkönnen. Ich nahm daher willfährig die Geige von Neuem\nund spielte das Quartett in von Rode, welches die\nMusiker kannten und daher auch gut accompagnirten. Es\nherrschte nun eine lautlose Stille, und die Theilnahme an\nmeinem Spiele steigerte sich mit jedem Satze. Nach Been-\ndigung des Quartetts wurde mir so viel Schmeichelhaftes\nüber mein Spiel gesagt, dass ich dadurch veranlasst wurde,\nnun auch noch mein Paradepferd vorzureiten, die G-dur-\nVariationen von Rode. Mit diesen setzte ich die Gesell-\nschaft dermaassen in Entzücken, dass ich der Gegenstand\nder schmeichelhaftesten Aufmerksamkeit für den Best des\nAbends wurde.\n„in meinem Concerte war die Elite der leipziger Mu-\nsikfreunde und ein sehr empfängliches Publicum. Es ge-\nlang mir nun auch, mein Auditorium so zu enthusiasmiren,\ndass ich nach Beendigung des Concertes stürmisch aufge-\nfordert wurde, ein zweites zu geben. Dieses fand acht Tage\nspäter Statt und war eines der besuchtesten, die je ein\nfremder Künstler in Leipzig gegeben hat. In der Zwischen-\nzeit wurde ich häufig zu Quartett-Partieen eingeladen, bei\nwelchen ich dann meine Lieblinge, die sechs ersten\nBeethoven'schen.Quartette, nachdem ich sie vorher\nmit den Begleitern eingeübt hatte, vorzugsweise zu Gehör\nbrachte. Ich war der Erste, der sie in Leipzig spielte, und\nes gelang mir, sie durch meine Vortragsweise zu\nvoller Anerkennung zu bringen. Bei diesen Quar-\ntett-Partieen lernte ich auch zuerst den Bedacteur der mu-\nsicalischen Zeitung, Hofralh Bochlitz, kennen und blieb\nseitdem mit ihm in der freundschaftlichsten Verbindung\nbis zu seinem Tode.\"\nRochlitz schrieb unter Anderem über Spohr:\n„—und seine Einsicht in den Geist der verschieden-\nsten Compositionen und seine Kunst, jede in diesem ihrem\nGeiste darzustellen, das macht ihn zum wahren Künstler.\nDiesen letzten Vorzug haben wir noch an keinem Violi-\nnisten in dem Maasse bewundert, wie an Herrn Spohr,\nund zwar vornehmlich bei seinem Quartettspiel\"\nnach Obigem also hauptsächlich bei seinem Vortrage der\nBeethoven'schen Quartette.\nIn Hamburg spielte Spohr (1809) bei Andreas Rom-\nberg (der, wenn er seine eigenen Quartette spielte, nie-\nmals die Pfeife dabei ausgehen liess) ebenfalls Quartetie\nvon Mozart und Beethoven, und erregte auch dort durch\ndie Vortragsweise, die sich dem jedesmaligen Charakter\nder Composition anschmiegte, grosse Sensation.\nBei dem ersten Musikfeste des Cantors Bischoff in\nFrankenhausen am 20. und 21. Juni 1810 dirigirte Spohr\nund bestimmte zum Schluss des Programms die erste Sin-\nfonie von Beethoven.\nüass er nicht bloss die sechs ersten Violin-Quartette\nBeethoven's mit besonderer Liebe spielte, sondern auch\ndie späteren nicht aber die letzten —, ist mir aus eige-\nner Anhörung und aus den Erzählungen seiner Schüler\nbekannt. Das aber steht freilich fest, und Spohr hat es\nauch nie verhehlt, dass er die Werke Beethoven's aus des-\nsen letzten Lebensjahren nicht liebte. Er spricht sich\ndarüber, wie überhaupt über sein Verhältniss zu Beetho-\nven in Wien, wo Spohr von 1813 —lßls Capellmeister\nam Palffy'sehen Theater war, folgender Maassen aus:\n„Nach meiner Ankunft in Wien suchte ich Beethoven\nsogleich auf, fand ihn aber nicht und liess desshalb meine\nKarte zurück. Ich hoffte nun, ihn in irgend einer der mu-\nsicalischen Gesellschaften zu finden, zu denen ich häufig\neingeladen wurde, erfuhr aber bald, Beethoven habe sich,\nseitdem seine Taubheit so zugenommen, dass er Musik\nnicht mehr deutlich und im Zusammenhange hören könne,\nvon allen Musik-Partieen zurückgezogen und sei überhaupt\nsehr menschenscheu geworden. Ich versuchte es daher\nnochmals mit einem Besuche, doch wieder vergebens. End-\nlich traf ich ihn ganz unerwartet in dem Speisehause, wo-\nhin ich jeden Mittag mit meiner Frau zu gehen pflegte.\nIch hatte nun schon Concert gegeben und zwei Mal mein\nOratorium aufgeführt. Die wiener Blätter hatten günstig\ndarüber berichtet. Beethoven wusste daher von mir, als\nich mich ihm vorstellte, und begrüsste mich ungewöhnlich\nfreundlich. Wir setzten uns zusammen an einen Tisch, und\nBeethoven wurde sehr gesprächig, was die Tisch-Gesell-\nschaft sehr verwunderte, da er gewöhnlich düster und wort-\nkarg vor sich hinstarrte. Es war aber eine saure Arbeit,\nsich ihm verständlich zu machen, da man so laut schreien\nmusste, dass es im dritten Zimmer gehört werden konnte.\nBeethoven kam nun öfter in dieses Speisehaus und besuchte\nmich auch in meiner Wohnung. So wurden wir bald gute"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "Bekannte. Beethoven war ein wenig derb, um nicht zu\nsagen: roh; doch 'blickte ein ehrliches Auge unter den\nbuschigen Augenbrauen hervor. Nach meiner Rückkehr\nvon Gotha traf ich ihn dann und wann im Theater an der\nWien, dicht hinter dem Orchester, wo ihm der Graf Palffy\neinen Freiplatz gegeben. Nach der Oper begleitete er mich\ngewöhnlich nach meinem Hause und verbrachte den Rest\ndes Abends bei mir. Dann konnte er auch gegen Do rette\nund die Kinder sehr freundlich sein. Von Musik sprach er\nhöchst selten. Geschah es, dann waren seine Urtheile sehr\nstreng und so entschieden, als könne gar kein Widerspruch\ndagegen Statt finden. Für die Arbeiten Anderer nahm er\nnicht das mindeste Interesse; ich hatte desshalb auch nicht\nden Muth, ihm die meinigen zu zeigen. Sein Lieblingsge-\nspräch in jener Zeit war eine scharfe Kritik der beiden\nTheater-Verwaltungen des Fürsten Lobkowitz und des\nGrafen Palffy. Auf Letzteren schimpfte er oft schon über-\nlaut, wenn wir noch innerhalb seines Theaters waren, so\ndass es nicht nur das ausströmende Publicum, sondern\nauch der Graf selbst in seinem Bureau hören konnte. Dies\nsetzte mich sehr in Verlegenheit, und ich war nur immer\nbemüht, das Gespräch auf andere Gegenstände zu lenken.\n„Das schroffe, selbst abstossende Benehmen Beetho-\nven's in jener Zeit rührte theils von seiner Taubheit her,\ndie er noch nicht mit Ergebung zu tragen gelernt hatte,\ntheils war es Folge seiner zerrütteten Vermögens-Verhält-\nnisse. Er war kein guter Wirth und hatte noch das Un-\nglück, von seiner Umgebung bestohlen zu werden. So\nfehlte es oft am Nöthigsten. In der ersten Zeit unserer Be-\nkanntschaft fragte ich ihn einmal, nachdem er mehrere\nTage nicht ins Speisehaus gekommen war: „„Sie waren\ndoch nicht krank?\"\" „ „Mein Stiefel war's, und da ich\nnur das Eine Paar besitze, so hatte ich Hausarrest!\"\" war\ndie Antwort.\n„Aus dieser drückenden Lage wurde er aber nach\neiniger Zeit durch die Bemühungen seiner Freunde heraus-\ngerissen. Die Sache verhielt sich so:\n„Beethoven's „Fidelio\", der 1804 (oder 1805) un-\nter ungünstigen Verhältnissen, während der Besetzung\nWiens durch die Franzosen, einen sehr geringen Erfolg\ngehabt hatte, wurde jetzt von den Regisseuren des Kärnth-\nnerthor-Theaters wieder hervorgesucht und zu ihrem Be-\nnefiz in Scene gesetzt. Beethoven hatte sich bewegen las-\nsen, nachträglich dazu eine neue Ouvertüre (die in ein\nLied für den Kerkermeister und die grosse Arie für Fi-\ndelio (mit den obligaten Hörnern) zu schreiben, so wie\nauch einige Abänderungen vorzunehmen. In dieser neuen\nGestalt machte nun die Oper grosses Glück und erlebte\neine lange Reihe zahlreich besuchter Aufführungen. Der\nComponist wurde am ersten Abende mehrere Male heraus-\ngerufen und war nun wieder der Gegenstand allgemeiner\nAufmerksamkeit. Diesen günstigen Augenblick benutzten\nseine Freunde, um für ihn ein Concert im grossen Redou-\nten-Saale zu veranstalten, in welchem die neuesten Com-\npositionen Beethoven's zur Aufführung kommen sollten.\nAlles, was geigen, blasen und singen konnte, wurde zur\nMitwirkung eingeladen, und es fehlte von den bedeutende-\nren Künstlern Wiens auch nicht Einer., Ich und mein Or-\nchester hatten uns natürlich auch angeschlossen, und ich\nsah Beethoven zum ersten Male dirigiren. Obgleich mir\nschon viel davon erzählt war, so überraschte es mich doch\nin hohem Grade. Beethoven hatte sich angewöhnt, dem\nOrchester die Ausdruckszeichen durch allerlei sonderbare\nKörperbewegungen anzudeuten. So oft ein Sforzando vor-\nkam, riss er beide Arme, die er vorher auf der Brust\nkreuzte, mit Vehemenz aus einander. Bei dem Piano bückte\ner sich nieder, und um so tiefer, je schwächer er es wollte.\nTrat dann ein Crescendo ein, so richtete er sich nach und\nnach wieder auf und sprang beim Eintritte des Forte hoch\nin die Höhe. Auch schrie er manchmal, um das noch\nzu verstärken, mit hinein, ohne es zu wissen.\n„Das von seinen Freunden veranstaltete Concert hatte\nden glänzendsten Erfolg. Die neuen Compositionen Beet-\nhoven's gefielen ausserordentlich, besonders die Symphonie\nin A-dur (die siebente); der wundervolle zweite Satz wurde\nda Capo verlangt; er machte auch auf mich einen\ntiefen, nachhaltigen Eindruck. Die Ausführung\nwar eine ganz meisterhafte, trotz der unsicheren und da-\nbei oft lächerlichen Direction Beethoven's.\n„Dass der arme, taube Meister di seiner Musik\nnicht mehr hören konnte, sah man ganz deutlich. Beson-\nders auffallend war es aber bei einer Stelle im zweiten\nTheile des ersten Allegroder Symphonie. Es folgen sich\nda zwei Halte gleich nach einander, von denen der zweite\npianissimo ist. Diesen hatte Beethoven wahrscheinlich über-\nsehen, denn er fing schon wieder an zu tactiren, als das\nOrchester noch nicht einmal diesen zweiten Halt eingesetzt\nhatte. Er war' daher, ohne es zu wissen, dem Orchester\nbereits zehn bis zwölf Tacte vorausgeeilt, als dieses nun\nauch, und zwar pianissimo, begann. Beethoven, um dieses\nnach seiner Weise anzudeuten, hatte sich ganz unter dem\nPulte verkrochen. Bei dem nun folgenden wurde\ner wieder sichtbar, hob sich immer mehr und sprang hoch\nin die Höhe, als der Moment eintrat, wo seiner Rechnung\nnach das Fort 2 beginnen musste. Da dieses ausblieb, sah\ner sich erschrocken um, starrte das Orchester verwundert\nan, dass es noch immer pianissimo spielte, und fand sich\nerst wieder zurecht, als das längst erwartete Forte endlich\neintrat und ihm hörbar wurde.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2949, "texte": "„Glücklicher Weise fiel diese komische Scene nicht\nbei der Aufführung vor, sonst würde das Publicum sicher\nwieder gelacht haben.\n„Da der Saal überfüllt und der Beifall enthusiastisch\nwar, so veranstalteten die Freunde Beethoven's eine Wie-\nderholung des Concertes, welche eine fast gleich grosse\nEinnahme abwarf. Für die nächste Zeit war daher Beet-\nhoven seiner Geld-Verlegenheit enthoben; doch soll sie aus\ngleichen Ursachen noch einige Male vor seinem Tode wie-\ndergekehrt sein.\n„Bis zu diesem Zeitpunkte war eine Abnahme der\nBeethoven'schen Schöpfungskraft nicht zu bemerken. Da\ner aber von nun an, bei immer zunehmender Taubheit,\ngar keine Musik mehr hören konnte, so musste dies not-\nwendig lähmend auf seine Phantasie zurückwirken. Sein\nstetes Streben, originel zu sein und neue Bahnen zu bre-\nchen, konnte nicht mehr, wie früher, durch das Ohr vor\nIrrwegen bewahrt werden. War es daher zu verwundern,\ndass seine Arbeiten immer barocker, unzusammenhangen-\ncler und unverständlicher wurden? Zwar gibt es Leute,\ndie sich einbilden, sie zu verstehen, und in ihrer Freude\ndarüber sie weit über seine früheren Meisterwerke erhe-\n' , V\nben. Ich gehöre aber nicht dazu und gestehe frei, dass ich\nden letzten Arbeiten Beethoven's nie habe Geschmack ab-\ngewinnen können. Ja, schon die viel bewunderte neunte\nSymphonie muss ich zu diesen rechnen, deren drei erste\nSätze mir, trotz einzelner Genie-Blitze, schlechter vorkom-\nmen, als sämmtliche der acht früheren Symphonieen, deren\nvierter Satz mir aber so monströs und geschmacklos und\nin seiner Aulfassung der Schiller'schen Ode so trivial er-\nscheint, dass ich immer noch nicht begreifen kann, wie\nihn ein Genius wie der Beethoven'sche niederschreiben\nkonnte. Ich finde darin einen neuen Beleg zu dem, was\nich schon in Wien bemerkte, dass es Beethoven an ästhe-\ntischer Bildung und an Schönheitssinn fehle.\"(?!)\n„Da Beethoven zu der Zeit, wo ich seine Bekannt-\nschaft machte, bereits aufgehört hatte, sowohl öffentlich\nals in Privat-Gesellschaf'ten zu spielen, so habe ich nur ein\neinziges Mal Gelegenheit gefunden, ihn zu hören, als ich\nzufällig zu der Probe eines neuen Trio (.D-dur, 3/4-Tact)\nin Beethoven's Wohnung kam. Ein Genuss war es nicht;\n■denn erstlich stimmte das Pianoforte sehr sehlecht, was\nBeethoven wenig kümmerte, da er ohnehin nichts davon\nhörte, und zweitens war von der früher so bewunderten\nVirtuosität des Künstlers in Folge seiner Taubheit fast gar\nnichts übrig geblieben. Im Forte schlug der arme Taube\nso daraul, dass die Saiten klirrten, und im Piano spielte\ner wieder so zart, dass ganze Tongruppen ausblieben, so\ndass man das Verständniss verlor, wenn man nicht zugleich\nin die Ciavierstimme blicken konnte. Ueber ein so hartes\nGeschick fühlte ich mich von tiefer Wehmuth ergriffen.\nIst es schon für Jedermann ein grosses Unglück, taub zu\nsein, wie soll es ein Musiker ertragen, ohne zu verzweifeln?\nBeethoven's fast fortwährender Trübsinn War mir nun kein\nRäthsel mehr.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "366", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.4", "debut_caractere": 2951, "fin_caractere_exclue": 5171, "texte": "Beurtheilungen.\nSymphonie Nr. 1., F-clur,für Orchester componirt\nund dem Hof-Capellmeister Dr. Bietz gewidmet\nvon Anton Rubinstein. Op. 40. Partitur 4%\nThlr. Vierhändig. Clavier-Auszug 2 Thlr. 9 Sgr.\nLeipzig, Kahnt.\nDen Inhalt dieses Werkes zu skizziren, unterlasse ich.\nAbgesehen davon, dass ein derartiges Thun stets mehr\nSache der Phantasie ist, vermag ja selbst die tiefsinnigste\nAnalyse nicht halbweg in die Intentionen des Componisten\neinzudringen. Die kunstgerechte Schöpfung des echten\nGenie's entsteht zumeist so unwillkürlich und wächst so\nganz aus dem Herzen heraus, dass selbst der Verfasser\nnicht immer über die geheimnissvolle Art des Werdens\nund Gewordenseins genügenden Aufschluss geben kann.\nEs genüge die Andeutung, dass man hier den Ausdruck\neines von edlen und erhabenen Gefühlen gehobenen Ge-\nmüthes vor s>ch habe. Das Vorhandensein solcher Gefühle\nverräth dichterische Anlage, das Bedürfniss aber, dieselben\nin Tönen auszusprechen, charakterisirt den Musiker aus\nBeruf. Bubinstein ist Dichter und Componist, Eines wäre\nnur halb ohne das Andere. Nun zum Werke selbst! Die\nSymphonie bewegt sich in der üblichen Form der Vier-\ntheiligkeit, jedoch mit freier Aneinanderordnung der ein-\nzelnen Bestandtheiie. Das so genannte Scherzo geht dem\nsonstigen Andante voraus; in den einzelnen Piecen sind\nselbst wieder vorübergehende Anklänge einer ganz ande-\nren Stimmung verwebt. Ich kann das nicht tadeln, da der\nGrund-Charakter nicht verwischt, vielmehr dadurch in kla-\nreres Licht gestellt wird. Zudem verläuft sich selten eine\nGemüthsstimmung, sei sie froh oder schmerzlich, so ganz\nregelmässig, dass nicht hier und da eine Störung, gerade\ndadurch aber wieder eine Steigerung eintritt; die Scala\ndes menschlichen Gefühls ist ja so unermesslich, wie die\nIntervalle in der Musik. Wird daher vom Componisten die\nrechte Gränze nicht überschritten, so kann sein Werk nie\nverlieren. Rubinstein hat mit psychologischem Feingefühl\ngeschaffen; gleichwohl ist zu wünschen, er möge sich nicht\nzu kühn der Gefahr der Maasslosigkeit und Vagheit, die\nnirgends so gross ist, als hier, Preis geben. Auf den Hörer\nmacht ein zu oft durch Wechsel des Tempo's oder der\nTactart zerrissenes Stück nur zu leicht den Eindruck von"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5064, "texte": "etwas Halbem, Unvollkommenem, nicht Fertigem, Unsi-\ncherem; das aber ist stets vom Uebel. In der vorliegenden\nSymphonie ist auch die althergebrachte Zerschneidung in\nzwei 1 heile und somit deren Wiederholung weggeblieben;\nauch das ist nur zu loben. Ich wenigstens hegreife beim\nbesten Willen nicht, wie und dass ein Tonstück durch\ndiese zweimalige Wiederkauung eines einzelnen Theiles,\nder in seinen Grundzügen ohnehin ein Mal, wenn nicht\nöfter, wiederkehrt, gewinnen kann; ich bin vielleicht ein\nrecht erbärmlicher Mann, dass ich das meine und zu sagen\nwage; aber ich habe es nie über mich vermocht, denselben\nTheil einer Symphonie u. s. w. zwei Mal nach einander zu\n'\nspielen. Etwas Anderes war es freilich, wo ich ein Werk\nstudirte; aber gemessen und studiren ist zweierlei. Ich höre\nfreilich einen schönen Gedanken gern lieber drei Mal als\nein Mal; aber in grösseren W'erken verlange ich, dass\ndiese Y\\ iederholung eine geistreiche Wiedergabe durch\ndie tausendfältigen Geheimmittel der Tonkunst sei. In Ru-\nbinstein's Tonschöpfung vermisse ich das nur einige Mal;\nim grössten Ganzen ist das Thema mit der vollendetsten\nGeschicklichkeit eines in allen Formen gewandten Künst-\nlers verarbeitet. Doch das alles lässt kalt, wenn im Thema\nnicht frisches Leben pulsirt; ein schlecht erfundenes Sujet,\nund wäre es noch so meisterhaft durchgearbeitet, bleibt\ndoch nur ein Rechen-Exempel, dem man die schwere Mühe\ndes Gemachtseins anschaut. Abgesehen von ein paar min-\nder originellen Anklängen im Scherzo und Schluss-Allegro,\nsind in dem vorliegenden Opus die Themata sämmtlich\nnicht nur interessant, lebensfähig, frisch, neu, sondern auch\nsehr schön. Auch hat Rubinstein eine Klippe grösstentheils\ngut umschifft, an der viele, die für Orchester schreiben,\nscheitern; er hat nicht vergessen, dass selbst die schönste\nMelod ie lür ein Lied, wenn sie in der Symphonie auftritt,\nein Armuths-Zeugniss ist; in der Symphonie darf nicht\nEine Stimme vorherrschen, sie ist oder soll sein die vollen-\ndetste Harmonie aller Instrumente. Ein paar zu schwülstige,\nWeltschmerz athmende und desshalb unklare und minder\nschöne Passagen sind wohl mit untergelaufen, doch nimmt\nman sie bei dem Reichthum des Schönen, das die Sym-\nphonie in allen ihren Theilen bietet, gern mit in den Kauf.\nM.\nG. Vierling, Ouvertüre zu Schiller's Trauerspiel\n„Maria Stuart\". Op. 14. Berlin, bei Schlesinger.\nPartitur 1 % Thlr.\nEs wird bald kein einiger Maassen bedeutendes Drama\nmehr geben, zu welchem die musicalische Literatur unse-\nres Jahrhunderts nicht eine, zuweilen mehrere Ouvertüren\ngeliefert hätte. Im Grunde müssen wir denjenigen neueren\nComponisten Recht geben, welche die besondere Be-\nstimmung ihrer dramatischen Ouvertüren für ein gewisses\nBühnenstück aufgegeben und den allgemeineren Titel\n„I rauerspiel'' - oder „Lustspiel-Ouverture1- vorgezogen ha-\nben wenn denn einmal die frühere Benennung „Con-\ncert-Oaverture\" keinen Cours mehr haben soll.\nAn und für sich lässt sich gegen die Sache selbst\nnichts einwenden; es kann allerdings eine Aufgabe der\nMusik sein, durch einen symphonischen Satz auf den In-\nhalt eines Drama's vorzubereiten, den Zuhörer in die Stim-\nmung zu versetzen, mit welcher dasselbe aufgefasst werden\nmuss, und das Charakteristische des Musikstückes aus dem\nvorherrschenden Charakter der Hauptpersonen, der Hand-\nlung, der Katastrophe des Drama's zu schöpfen. Die Ouver-\ntüre einer Oper hat ja ganz denselben Vorwurf, und in\nder guten alten Zeit wurde er auch von allen grossen Mei-\nstern, Gluck und Mozart an der Spitze, in diesem Sinne\nausgeführt, bis Weber schon gewisser Maassen stofflicher,\nhandgreiflicher in den Inhalt des Drama's einführte, aber\nfreilich mit dem grossen Genie, welches jene glänzenden\nMosaik-Arbeiten schuf, die neuerdings auf der einen Seite\nin Potpourri-Ouverturen, auf der anderen in verzerrte Un-\ngeheuerlichkeiten ausgeartet sind.\nDen Uebergang von den Opern-Ouverturen zu den\nSchauspiel-Ouverturen bildet Beethoven's grosse Ouver-\ntüre zur Leonore. Er selbst hat dann in den symphonischen\nSätzen zu Coriolan und zu Egmont Muster von Drama-\nOuverturen aufgestellt, die gerade den Beweis liefern, dass\ndiese Art von Programm-Musik nur dem grössten Genie\ngelingen kann, denn keine von allen Arbeiten späterer\nComponisten auch Mendelssohn's Ouvertüre zum Som-\nmernachtstraum nicht ausgenommen reicht auch nur ent-\nfernt an die Vollendung dieser Werke. Warum nicht?\nWeil sie in vollendeter musicalischer Form und mit schö-\npferischer musicalischer Phantasie die Idee des drama-\ntischen Dichters auffassen und in Tönen wiedergeben, nicht\naber sich an einzelne Momente der dramatischen Hand-\nlung anklammern und durch die Malerei derselben ihre\nAufgabe zu lösen wähnen. Es ist ganz verkehrt, wenn, wie\nman oft gehört, vielleicht auch gelesen hat, der letzte Tact\nder Violinen:\nin dem Allegro, 3/4-Tact, der Egmonl-Ouverture als eine\nMalerei des Kopfabschneidens bezeichnet wird! Wäre das\nder Sinn dieser Figur, so wäre dem armen Egmont schon\nzwölf Mal im Laufe der Ouvertüre der Kopf abgeschnitten\nworden, und die acht Tact e pia kurz vorher:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4467, "texte": "bedeuten dann wahrscheinlich das Welzen des Henker-\nschwertes !\nBringen wir das Gesagte in Beziehung mit Vierling's\nOuvertüre, so lässt sich Manches davon zu Gunsten des\nComponisten auf dieses Werk anwenden; bei prüfender\nEinsicht in den Stoff des Trauerspiels „Maria Stuart\"\ndürfte sich jedoch herausstellen, dass die Aufgabe, zu die-\nsem Drama eine speciel charakteristische Ouvertüre zu\nschreiben, eine der schwierigsten, wo nicht geradezu un-\nmöglich zu lösen ist. W'ährend z. B. bei Göthe's Egmont\ndas Martyrertbnm für die Freiheit dem Tondichter in kla-\nrem Lichte als leitender Gedanke vorschwebt, bei Coriolan\nder schroffe Trotz, gebeugt durch die Empfindungen der\nLiebe, die musicalischen Motive schon in sich trägt, ist der\nGegensatz zweier Weltanschauungen, die, einander wider-\nstreitend, als Katholicismus und Protestantismus in Schil-\nler's „Maria Stuart\" auftreten, keineswegs geeignet, eine\nmusicalische Idee zu erzeugen, die zu einem charakteristi-\nschen Musikstücke den Hauptton hergeben könnte. Dazu\nkommt, dass Schiller diesen Gegensatz bei den Individuen,\ndie dessen Träger im Stücke sind, mit besonderer Vorliebe\nfür Maria ausgeprägt hat, auf deren Seite die ganze Phan-\ntasie des Dichters und seine meisterhafte Schöpfungs- und\nDarstellungs-Kraft ist, um mit dem bezauberndsten Far-\nbenreichthum die Idee, dass durch ein unverschuldetes\nLeiden eine anderweitige Schuld hier sogar die Schuld\neines Mordes gebüsst werden könne, zu verklären. Nun\nfragen wir aber: Wie soll die Musik im Stande sein, diese\nIdee, oder vielmehr diese Lehre, auch nur annähernd aus-\nzudrücken? Und versuchte sie es—denn in der That kann\ndie königliche Büsserin nur im Wiederschein dieses Dog-\nma's unser Mitleid erregen —, so würde sie zu den Mit-\nteln greifen müssen, die Wagner bei der musicalischen\nAndeutung des Mysteriums vom heiligen Gral angewandt\nhat, und mit diesen Mitteln kann man keine Ouvertüre zu\nStande bringen.\nAbgesehen davon hat uns Vierling ein sehr wirkungs-\nvolles Orchesterwerk ernster Gattung gegeben, das auch\neinen gewissen dramatischen Charakter trägt und mithin\nim Allgemeinen der Intention des Componisten entspricht.\nDabei tritt die gediegene Richtung, die Vierling in allen\nseinen Sachen bekundet, auch hier durch reine, klare Ar-\nbeit in harmonischer Beziehung, durch Ebenmaass in der\nformellen Gestaltung und durch Vermeidung jeder Unge-\nheuerlichkeit zu Gunsten einer pathologischen Wirkung\nauf das Nerven-System recht erfreulich zu Tage.\nVon des thätigen Verlegers E. Hall berger in Stutt-\ngart Ausgabe der Classiker Clementi, Haydn, Mo-\nzart und Beethoven in ihren Werken für das Piano-\nforte allein, mit Bezeichnung des Zeitmaasses und Finger-\nsatzes von J. Moscheies, deren erste Lieferungen im\nJahre 1858 erschienen (vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, VI.\nJahrg., 1858, Nr. 35), sind jetzt dreissig Lieferun-\ngen vorhanden. Sie enthalten:\nL. van Beethoven, 15 Lieferungen (die Sonaten\nvon Op. 2 bis Op. 28 einschliesslich).\nW. A. Mozart, 6 Lieferungen (Phantasie und So-\nnate in C-mott;die Sonaten in\nC-dur, A-dur).\nJos. Haydn, 4 Lieferungen (die Sonaten in\nCis-rnoU, E-moll, B-dur).\nMuzio Clementi, 5 Lieferungen (die Sonaten in\nC-dur, G-dur, C-dur, B-dur, Es-dur).\nDiese Hefte liefern den Beweis einer schnellen Voran-\nschreitung des Unternehmens, wobei durchaus keine An-\nnahme der Sorgfalt und Eleganz der Ausgabe zu bemer-\nken ist. Bei der grossen Billigkeit derselben - Subscrip-\ntions-Preis 1 Sgr. für den Musikbogen für die ganze\nSammlung und 1 % Sgr. für einzelne Hefte ist es dem\nVerleger nicht zu verdenken, dass er die Lieferungen nur\ngegen baare Zahlung abgibt.\nDem Plane nach werden von Beethoven's Sonaten noch\n17, von Mozart's noch 13, von Haydn's noch 14, von Cle-\nmenti's noch 13 Lieferungen erscheinen. L.\nDas zweite Gesellschafts-Concert im Gürzenich am\nDinstag den 6. November brachte folgendes Programm:\nErster Theil. 1. Ouvertüre von Cherubini zur Oper Faniska.\n2. Laudale Dominum, für Sopran-Solo, Chor und Orchester von\nCherubini (das Solo gesungen von Fräulein Julie Rothenber-\nger). 3. Concert für das Pianoforte in Fis-moll von F Hill er, ge-\nspielt von Frau Wilhelmine Szarvady-Clauss. 4. „Und\nGottes Will' ist dennoch gut\", Chor mit Orchester von M.\nHauptmann. 5. Etüde in Cis-moll und Impromptu (aus dem Nach-\nlass) für Pianoforte von Chopin. 6. Ouvertüre zu Maria Stuart\nvon G. Vierling\nZweiter Theil. Sinfonie in A-moll, von F. Mendelssohn-\nBar t h o 1 dy.\n(Den Bericht darüber in der nächsten Nummer )"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "368", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.6", "debut_caractere": 4469, "fin_caractere_exclue": 5468, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nITritßßSkfiflrl a. M. Das Museum bat trotz des Mangels eines\nrecht geeigneten Concertsaales seine gewöhnlichen zehn Concerte an-\ngekündigt, gewiss zur Freude seiner Abonnenten. Dem neuen Direc-\ntor des Cäcilien-Vereins, Herrn Müller, ist die Leitung übertragen.\nDer Philharmonische Verein veranstaltet mehrere Abonnements-\nConcerte unter Leitung seines jetzigen Directors, Herrn Henkel.\nAuch von diesem Institute ist Gutes zu erwarten. Cäcilien- und\nRiehl'scher Gesang-Verein überbieten sich in ihren ausgegebenen\nProgrammen fast an Schönem. Ersterer wird in vier Concerten brin-\ngen: „Judas Maccabäus*1 von Händel, zwei Cantaten von Bach, zwei\nMisericordias Domini von Durante und Mozart, Crucijlxus von Lotti\nund Ave Maria von Mendelssohn, Bach's grosse Messe, eine Vocal-\nMesse von Hauptmann und den 95. Psalm von Mendelssohn; Letz-\nterer: »Belsazar' von Händel, 2V<w nobis Domine von Mendelssohn,\nDaciclde penitenle von Mozart, Cantate von Bach und eine Messe von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7986, "texte": "Haydn. Herr Concertmeister Straus kündigt eine Auswahl gedie-\ngener Meisterwerke für seine sechs Quartett-Soireen an.\nBei der letzten Aufführung der „Martha\" von\nFlotow waren es insbesondere Fräulein Auguste Brenken (Lady\nHarriet) und Herr Rosner (Plumket), welche die glänzendsten Er-\nfolge errangen. Fräulein Brenken sang Alles mit grosser Reinheit\nund warmem Gefühle. Der Schmelz ihres Tones spricht die Sehn-\nsucht des Herzens aus; besonders aber beherrscht die Sängerin die\nklangvolle Höhe, unbeschadet der Schönheit und Fülle des Tones\nmit grosser Kraft und Sicherheit. Sie und Herr Rosner wurden durch\nstürmischen Applaus ausgezeichnet und am Schlüsse gerufen.\nDie „Stumme von Portier (den 25. October) war im Ganzen keine\nso gut abgerundete Vorstellung, als die der rMartha\\ Die Säulen\ndes Ganztn waren Herr Jehle (Masaniello), ein Tenor von grossen\nFähigkeiten und kräftiger Stimme, und Fräulein Brenken (Elvira).\nDiese junge Sängerin besitzt eine von jenen immer seltener werden-\nden Stimmen, welche die Töne der hohen Sopran-Region ohne alle\nSchärfe und doch mit Kraft und unwandelbar sicherer Intonation\nanschlagen. Ausdruck und Spiel haben seit ihrem ersten Erscheinen\nbei uns ausserordentlich gewonnen.\nAus dem eilften Jahresbericht (November 1859 bis November\n1860) des schwäbischen Sängerbundes theilen wir Folgen-\ndes mit: Der Verein besteht aus 293 Mitgliedern. Aus der Zahl\nunserer Ehren-Mitglieder hat seit unserer letzten Jahres-Versamm-\nlung der Tod drei Männer abberufen: G. A. Zumsteeg, f den\n24. l'ecember 1859, Ernst Moriz Arndt, f den 29. Januar 1860,\nund Friedrich Silcher, f den 20. August 1860. Ernst Moriz\nArndt hat noch kurz vor seinem Tode uns mit einem schon früher\nim Schwäbischen Mercur veröffentlichten Schreiben an „seine lieben\nSchwaben\" erfreut. Sein Name wird unvergesslich bleiben, so lange\ndeutsche Herzen schlagen und deutsche Lieder klingen. Zum-\nsteeg, einer der Stifter des Stuttgarter Liederkranzes, einer der\nthätigsten Beförderer der schwäbischen Liederfeste seit ihrer Grün-\ndung im Jahre 1827, der warme Freund des Gesangeswesens, ist\nauch dem schwäbischen Sängerbunde eine der mächtigsten Stützen\ngewesen. Er erfasste mit Liebe den Gedanken der Gründung unse-\nres Bundes, wie er im Jahre 1849 angeregt wurde, und war dem\njungen Institute, dessen Ausschuss er von Anfang an zehn Jahre\nlang angehörte, durch seine Einsicht und reiche Erfahrung, wie\ndurch seine iu allen Kreisen unserer Sängerwelt geachtete und ge-\nliebte Persönlichkeit von grösstem Nutzen. Auch Friedrich\nSilcher gehörte dem schwäbischen Sängerbunde als Ehren-Mitglied\nund als Mitglied des weiteren Ausschusses an. Es bedarf Angesichts\nseines irischen Grabes nicht vieler Worte, um an das zu erinnern,\nwas Silcher wie kein Anderer der Sache des volksthümlichen Ge-\nsanges gewesen. In Einem steht er unerreicht unter den Grössen der\nTonkunst vor uns: als der Meister des Volksliedes. Es wrar eine\neigene Begabung, die ihn im Auffinden, Sammeln und Setzen, ja,\nnoch mehr im eigenen Schaffen der Volksweise erfüllte. Wie hat er\nes verstanden, die schönsten Melodieen dem Volksmunde, namentlich\nden Kreisen der ländlichen Jugend, abzulauschen! Wie hat er mit\nsinnigem Tacte aus dem Keichthum der von überall her ihm zuströ-\nmenden Schätze das echt Volksthümliche von eitlen Nachbildungen\nund sentimentalem Geklingel auszuscheiden und den deutschen Sän-\ngern den edeln Kern in der reinsten Schale, in seinen einfach Volks-\nmassigen Bearbeitungen zu bieten gewusst! Und keinem Tonschöpfer\nwar es wie ihm beschiedtm, selbst die echte Volksweise zu schaf-\nfen, die vielfach, ohne dass es das singende Volk je erfahren, zum\nvollkommensten Volks-Eigenthum geworden ist. Weisen wie „Mor-\ngen muss ich weg von hier*, „E bissele Lieb und e bissele Treu\",\n„Das Klosterfräulein\", „Aennchen von Tharau\", „Zu Strasburg auf\nder Schanz\", das einzig schöne „Ich weiss nicht, was soll es bedeu-\nten44 und andere gehören zu den unverwelklichen Bliithen deutschen\nVolksgesanges und werden Silcher's, ihres Meisters, Namen unsterb-\nlich machen Die künftige Feier des allgemeinen Liederfestes\nwird von jetzt an nur alle zwei Jahre Statt finden. Das im Jahre\n1859 wegen der damaligen politischen Verhältnisse ausgefallene all-\ngemeine Liederfest wurde an Pfingsten d. J. zu Biber ach gefeiert.\nDas durchaus gelungene Fest war vom wärmsten patriotischen Geiste\ngetragen und bildete, gleich anderen Erscheinungen im deutschen\nöffentlichen Leben, ein erfreuliches Merkzeichen des wieder erwa-\nchenden, das deutsche Volk erfüllenden nationalen Sinnes. Auch zu\ndem erstmals veranstalteten pfälzischen Sänger feste in Kai-\nserslautern hatte der Ausschuss eine freundliche Einladung er-\nhalten und war dabei durch Dr. Faisst vertreten, welcher zur Lei-\ntung der gemeinschaftlichen Chöre berufen worden war. Der die all-\ngemeine Erwartung übertreffende Erfolg der Gesammt-Aufführuno-,\nbei welcher sich 36 Vereine mit 900—1000 Sängern betheiligten,'\nso wie die wackeren Leistungen in der Mehrzahl der damit verbun-\ndenen Einzel-Chorgesänge, die frische Begeisterung, welche sich\nüberall bei Sängern und Nichtsängern aussprach, der warme vater-\nländische Sinn, der dieses Fest auf der linken Seite des Rheines,\nder Gränze so nahe, aufs tiefste durchdrang und aufs unzweideu-\ntigste sich kund gab, alles das berechtigt uns, den benachbarten\nBruderstamm, unter welchem schon länger einzelne Glieder in freund-\nlichster Beziehung zu unserem Bunde stehen, zu einem so vielver-\nsprechenden Anfange in der Sammlung seiner Gesangeskräfte von\nHerzen zu beglückwünschen. Von der Liedersammlung des schwä-\nbischen Sängerbundes ist im abgelaufenen Jahre, nachdem der erste\nBand mit 137 Liedern abgeschlossen worden war, eine neue Liefe-\nrung noch nicht erschienen, während mit neuen Auflagen und Ste-\nreotypiren der früheren Lieferungen fortgefahren wurde. Auf frü-\nheren General-Versammlungen wurden mehrfach die Mängel darge-\nlegt, unter denen unsere allgemeinen Liederfeste bezüglich der Ord-\nnung der Gesammt-Aufführung leiden. Es wurde anerkannt, dass im\nGanzen unter den Sängern zu wenig Disciplin herrsche, dass die\neinzelnen Vereine oder die Sänger derselben, was die Unterordnung\nunter das Ganze, die Uebernahme der etwa notwendigen Unbequem-\nlichkeiten betrifft, allzu wenig Hingebung an den Tag legen. Es ist\nbis jetzt den öfter geltend gemachten Wünschen und Klagen in die-\nser Richtung nicht gelungen, die Uebelstände zu beseitigen u. s w.\nDer Ausschuss wird daher der General-Versammlung den Entwurf\neiner Ordnung für die Theilnahme an den Gesammt-Chören bei den\nallgemeinen Liederfesten des schwäbischen Sängerbundes vorlegen\nund zur Annahme empfehlen. Unser Cassenbericht für 1860 er-\ngibt einen baaren Bestand von 638 Fl. 21 Kr. Der Ausschuss des\nschwäbischen Sängerbundes: Conrector Dr. Karl Pf äff. Dr. Otto\nElben. Professor Dr. J. Faisst. Raur. W. Wiedemann,\nliOSiöl©n. Die Eröffnung der englischen und italiänischen Oper\nim königlichen Opernhause unter Herrn Smith's Leitung ist gesche-\nhen. Die erste englische Oper war Jlobirt Hood-, Musik von Herrn\nMacfarren. Die für die englische Oper gewonnenen Künstler sind:\nMad. Lemmens-Sherrington, Mad. Lemaire, die Herren Santley, Par-\nkinson, Sims-Reeves. Für die italiänische Oper sind engagirt: Fräu-\nlein Titjens, die Herren Giuglini, Vialetti, Soldi, Mercuriaii u. s. f.\nDie erste zur Aufführung gekommene Oper war „// Trovatore*. Es\nist dies zum ersten Male, daes auf einer englischen Opernbühne zwei\nbestimmte Reihen von Opern in verschiedenen Sprachen gegeben\nwerden. Das zweite und letzte Abschieds-Concert der Mad. Clara\nNovello im Cryslal Palace war von nahebei 5000 Personen be-\nsucht. Händel's rMessias*4 wurde ausgeführt. Der Gesang der Mad.\nNovello war vorzüglicher, als je, der Beifall enthusiastisch.\nWir erhalten so eben den dreizehnten Jahresbericht des Ge-\nsang-Vereins „Deutscher Liederkranz\" in New-York. Dieser\nVerein ist am 9. Februar 1847 gestiftet und hat am 24. März d. J.\nCorporationsrechte vom Staate New-York erworben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3765, "texte": "Er zählt 547 Mitglieder, wovon aber nur 90 als active zu be-\nzeichnen sind. Damen sind ausserordentliche active Mitglieder. Ein-\ntrittsgeld 5 Dollars, jährlicher Beitrag 6D. „Eine einmalige Zah-\nlung von 50 D. entbindet von aller weiteren Beitragszahlung u\nGesangproben finden mindestens zwei Mal wöchentlich, Abends\num 8 Uhr, Statt. „Wer bei einer Aufführung oder bei einem Drit-\ntheil der während eines Monats gehaltenen Proben fehlt, kann durch\nBeschluss des Musik-Directors und der Stimmführer aus der Liste\nder Sänger und Sängerinnen gestrichen werden.® Die Anordnung\nvon zehn Stimmführern (für Tenor I. und 11., Bass I. und 11. je 2,\nfür Sopran 1, für Alt I aber stets Herren, keine Damen) scheint\npraktisch und nachahmungswerth. Der Verein wird sich jetzt ein\neigenes Local bauen und beabsichtigt, auf Subscription vier öffent-\nliche Concerte und in ihnen zwei Oratorien zu geben.\nWas nun die musicalischen Leistungen betrifft, so ist zu\nberichten, dass in den Proben die folgenden grösseren Musikstücke\neingeübt worden sind :\nWalpurgisnacht von Mendelssohn, Jahreszeiten von Haydn, Elias\nvon Mendelssohn, Chor der Geister über den Wassern von Schubert,\nFestgesang an die Künstler von Mendelssohn, Saul von Hill er.\nAusserdem sind mit vollem Chor, resp. Männerchor allein, eine\nAnzahl grösserer und kleinerer Lieder gelernt und früher einstudirte\nMusikstücke wiederholt worden.\nGesang-Proben haben in jeder Woche drei Statt gefunden, Dins-\ntag für Männerchor und Donnerstag und Sonntag für vollen Chor»\nNur während der Sommermonate wurden die Sonntags-Proben aus-\ngesetzt\nDirigent des Vereins ist Herr Agricol Paur. Er hat aus eige-\nnem Antriebe und lediglich im Interesse des „Liederkranzes\"4 Anfangs\nAugust v. J. eine Gesangschule für Damen eröffnet. In dieser Schule\nhat er bis Anfang November 2 Mal wöchentlich Unterricht ertheilt,\nwährend der letzten zwei Monate wöchentlich 1 Mal. Jede Dame,\ndie von irgend einem Mitgliede des Vereins dazu empfohlen wird,\ndas Alter von 15 Jahren erreicht hat und sich verpflichtet, die Ge-\nsangschule fleissig zu besuchen, so wie den „Liederkranz\" in seinen\nmusicalischen Productionen zu unterstützen, erhält freien Unterricht.\nDer volle Chor des Vereins, die Vereinigung der Frauen- und\nMännerstimmen, ist das, was ihm seinen Namen gemacht hat; er ist\ndes „Liederkranzes\" Schwerpunkt, seine Kraft. Mit ihm ist es dem\nVereine möglich gewesen, vor die Oeffentlichkeit tretend, sich An-\nerkennung zu verschaffen. Die Concerte, in welchen der „Liederkranz®\naufgetreten, haben die Tüchtigkeit seines vollen Chors in glänzen-\ndem Lichte gezeigt. Am 19. Febr. 1859 Betheiligung an einem Con-\ncerte in der Academy of Music für den Fonds des deutschen Hospi-\ntals. Der Verein trug die Walpurgisnacht vor. Am 24. April Con-\ncert in den City Assembly Rooms* Der Männerchor trug den Chor\nder Geister über den Wassern vor, der volle Chor den Pilgerchor\naus Tannhäuser und die Walpurgisnacht. Am 9. Nov. Concerte in\nden Cüy Assembly liooms zur Schiller-Feier. Der Verein sang bei\nbis dabin unerreichter numerischer Stärke die Chöre der neunten\nSymphonie von Beethoven. Am 11. Nov. Vortrag von Mendelssohn's\n„Festgesang an die Künstler*4 bei der Festfeier.\nAusserdem veranstaltet der „Liederkranz'' Vergnügungen,\nz. B. Maskenbälle, Sommernachtsfeste, Weihnachts- und Sylvester-\nFeier u. s. w.\nDer Cassenbericht weis't eine Gesammt.Ausgabe von 2736 D. 39\nC., einen Cassenbestand von 103 D. 36 C. und Ausstände im Be-\ntrage von 742 D. 85 C. nach.\nDer Berichterstatter, Herr Ernst Steiger, schliesst mit fol-\ngenden Worten: „Meine Herren! Betrachten wir allesammt den Ver-\nein berufen, eine bescheidene, aber ehrenvolle Kolle in der Geschichte\ndeutscher Kunst, deutscher Cultur und Sitte in diesem unserem\nneuen Vaterlande zu spielen!\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nSpohr und Beethoven. Beurtheilungen. Symphonie Nr. 1 von Anton Rubinstein, Op 40 —G. Vierling, Ouver-\nture zu Maria Stuart. Op. 14 E. Hallberger's Classiker-Ausgabe. Zweites Gesellschafts-Coneert in Köln im Gürzenich. Tages-\nund Un ter h al tun gs bl all (Frankfurt a. M , Museums-Concerte, Abonnements-Coneerte Augsburg, Fräul. A.Brenken - Eilfter Jah-\nresbericht des schwäbischen Sängerbundes London - 13. Jahresbericht des Gesang-Vereins Deutscher Liederkranz in New-York).\n\nSpohr und Beethoven.\nMan hat viel von Spohr's Egoismus und Selbstüber-\nschätzung geredet und damit schroffe und herbe Urtheile\nvon ihm über lebende und todte Musiker in Zusammen-\nhang gebracht, die nur zu häufig ohne alle weitere Prü-\nfung der Quellen, aus denen sie stammen, wieder erzählt\nworden sind. So wie z. B. einzelne ihm entfallene Worte\nin einem Briefe an einen vertrauten Freund noch neuer-\nlich dahin ausgebeutet wurden, als seien ihm Händel und\nBach „unausstehlich\" gewesen, wogegen ihn die Mitglie-\nder des kasseler Cäcilien-Vereins gerechtfertigt haben (Nr.\n14-des laufenden Jahrgangs dieser Blätter), so hat man\nauch oft Gerüchte verbreitet über seine Antipathie gegen\nBeethoven, über seine Geringschätzung aller Beethoven'-\nschen Compositionen u. s. w.\nV iele Blätter haben dergleichen Nachreden verbreitet,\nund keines scheint sich darum zu kümmern, von den jetzt\nin Spohr's Selbstbiographie offen vorliegenden Beweisen\nvom Gegentheil Kenntniss zu nehmen und zu geben.\nLief doch auch hier am Rheine und weiter im deut-\nschen Lande die Anekdote bei den Musikern um, Spohr\nhabe bei dem Beethoven-Feste zu Bonn im Jahre 1845\nmit einer gewissen Aff'ectation bei der ersten Probe der\ngrossen Messe in D erklärt, „er kenne das Werk nicht.\"\nDas hört man noch heute hier und da erzählen, trotz-\ndem dass in der „actenmässigen Darstellung\" jenes Festes\nvon Prof. H. K. Breidenstein (Bonn, 1 846, bei Habicht)\nim Anhang 11. zu lesen ist: „Spohr nahm nun nach be-\nwilligtem Urlaub unsere Einladung zur Direction an, äus-\nserte jedoch seine Besorgniss, dass die beiden grossen\nWerke—die Missa solemnisund die neunte Sinfonie—in\nden wenigen Proben u. s. w. nicht so würden eingeübt\nwerden können, wie es die Werke selbst und die\nWürde des Tages erheischten. Ihm selbst sei die Messe,\neine frühere flüchtige Durchsicht abgerechnet, noch unbe-\nkannt; er werde sich jedoch baldigst die Partitur verschaf-\nfen und sich damit vertraut machen.\" Breiden-\nstein setzt hinzu: „Und wie er das gethan, hat der Erfolg\ngelehrt.\" —ln der That war damals Alles von der ausge-\nzeichneten Aufführung vollkommen befriedigt.\nDass Spohr nicht nur ein grosser Verehrer Beetho-\nven's, sondern auch ein begeisterter Verehrer seiner Com-\npositionen, namentlich der Quartette und Sinfonieen, ge-\nwesen, geht aus sehr vielen Stellen seiner Selbstbiographie\nhervor. Folgende sind auch für das musicalische Leipzig\nvon 1804 charakteristisch.\n„Für mein Concert in Leipzig hatte ich viele Schwie-\nrigkeiten zu überwinden. Auch kränkte es mich, dass die\nreichen Handelsherren, an die ich empfohlen war, noch\nnichts von meinen Kunstleistungen zu wissen schienen und\nmich zwar höflich, aber kalt empfingen. Ich wünschte da-\nher sehnlichst, einmal zu einer Musik-Partie eingeladen zu\nwerden, um mich bemerklich machen zu können. Dieser\nWunsch wurde erfüllt; ich erhielt eine Einladung zu einer\nAbend-Gesellschaft mit der Bitte, etwas vorzutragen. Ich\nwählte dazu eines der schönsten der sechs neuen Quartette\nvon Beethoven, durch dessen Vortrag ich in Braunschweig\nschon oft meine Zuhörer entzückt hatte. Aber schon nach\nwenigen Tacten merkte ich, dass meine Begleiter mit die-\nser Musik noch unbekannt und daher unfähig waren, in\nden Geist derselben einzudringen. Verstimmte mich dies\nnun schon, so steigerte sich mein Unmuth doch noch weit\nmehr, als ich bemerkte, dass die Gesellschaft meinem Spiele\nbald keine Aufmerksamkeit mehr schenkte.'Denn es ent-\nspann sich nach und nach eine Conversation, die bald all-\ngemein so laut wurde, dass sie die Musik fast übertönte.\nIch sprang daher mitten im Spiele, noch ehe der erste Satz\nbeendet war, auf und eilte, ohne ein Wort zu sagen, zu\nmeinem Kasten, um meine Geige einzuschliessen. Dies er-\nregte grosse Sensation in der Gesellschaft, und der Herr\nvom Hause näherte sich mir mit fragender Miene. Ich trat"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.2", "texte": "ihm entgegen und sagte laut, dass es von der Gesellschaft\ngehört werden konnte: „„Ich war bisher gewohnt, dass\nman meinem Spiele mit Aufmerksamkeit zuhörte. Da das\nhier nicht geschah, so glaubte ich der Gesellschaft gefällig\nzu sein, indem ich aufhörte.\"\" Der Hausherr wusste nicht,\nwas er antworten sollte, und zog sich verlegen zurück. Als\nich nun aber, nachdem ich mich zuvor bei den Musikern\nwegen meines brüsken Aul hörens entschuldigt hatte, Miene\nmachte, die Gesellschaft zu verlassen, kehrte der Wirlh\nzurück und sagte freundlich: „ „Wenn Sie Sich entschlies-\nsen könnten, der Gesellschaft etwas Anderes vorzutragen,\nwas ihrem Geschmack und Fassungs-Vermögen angemes-\nsener wäre, so würden Sie ein sehr aufmerksames und\ndankbares Auditorium haben.\"\" Mir, dem längst klar ge-\nworden war, dass ich das Vorgefallene durch meinen Miss-\ngriff in der Wahl der Musik für eine solche Gesellschaft\nselbst verschuldet hatte, war froh, wieder einlenken zu\nkönnen. Ich nahm daher willfährig die Geige von Neuem\nund spielte das Quartett in von Rode, welches die\nMusiker kannten und daher auch gut accompagnirten. Es\nherrschte nun eine lautlose Stille, und die Theilnahme an\nmeinem Spiele steigerte sich mit jedem Satze. Nach Been-\ndigung des Quartetts wurde mir so viel Schmeichelhaftes\nüber mein Spiel gesagt, dass ich dadurch veranlasst wurde,\nnun auch noch mein Paradepferd vorzureiten, die G-dur-\nVariationen von Rode. Mit diesen setzte ich die Gesell-\nschaft dermaassen in Entzücken, dass ich der Gegenstand\nder schmeichelhaftesten Aufmerksamkeit für den Best des\nAbends wurde.\n„in meinem Concerte war die Elite der leipziger Mu-\nsikfreunde und ein sehr empfängliches Publicum. Es ge-\nlang mir nun auch, mein Auditorium so zu enthusiasmiren,\ndass ich nach Beendigung des Concertes stürmisch aufge-\nfordert wurde, ein zweites zu geben. Dieses fand acht Tage\nspäter Statt und war eines der besuchtesten, die je ein\nfremder Künstler in Leipzig gegeben hat. In der Zwischen-\nzeit wurde ich häufig zu Quartett-Partieen eingeladen, bei\nwelchen ich dann meine Lieblinge, die sechs ersten\nBeethoven'schen.Quartette, nachdem ich sie vorher\nmit den Begleitern eingeübt hatte, vorzugsweise zu Gehör\nbrachte. Ich war der Erste, der sie in Leipzig spielte, und\nes gelang mir, sie durch meine Vortragsweise zu\nvoller Anerkennung zu bringen. Bei diesen Quar-\ntett-Partieen lernte ich auch zuerst den Bedacteur der mu-\nsicalischen Zeitung, Hofralh Bochlitz, kennen und blieb\nseitdem mit ihm in der freundschaftlichsten Verbindung\nbis zu seinem Tode.\"\nRochlitz schrieb unter Anderem über Spohr:\n„—und seine Einsicht in den Geist der verschieden-\nsten Compositionen und seine Kunst, jede in diesem ihrem\nGeiste darzustellen, das macht ihn zum wahren Künstler.\nDiesen letzten Vorzug haben wir noch an keinem Violi-\nnisten in dem Maasse bewundert, wie an Herrn Spohr,\nund zwar vornehmlich bei seinem Quartettspiel\"\nnach Obigem also hauptsächlich bei seinem Vortrage der\nBeethoven'schen Quartette.\nIn Hamburg spielte Spohr (1809) bei Andreas Rom-\nberg (der, wenn er seine eigenen Quartette spielte, nie-\nmals die Pfeife dabei ausgehen liess) ebenfalls Quartetie\nvon Mozart und Beethoven, und erregte auch dort durch\ndie Vortragsweise, die sich dem jedesmaligen Charakter\nder Composition anschmiegte, grosse Sensation.\nBei dem ersten Musikfeste des Cantors Bischoff in\nFrankenhausen am 20. und 21. Juni 1810 dirigirte Spohr\nund bestimmte zum Schluss des Programms die erste Sin-\nfonie von Beethoven.\nüass er nicht bloss die sechs ersten Violin-Quartette\nBeethoven's mit besonderer Liebe spielte, sondern auch\ndie späteren nicht aber die letzten —, ist mir aus eige-\nner Anhörung und aus den Erzählungen seiner Schüler\nbekannt. Das aber steht freilich fest, und Spohr hat es\nauch nie verhehlt, dass er die Werke Beethoven's aus des-\nsen letzten Lebensjahren nicht liebte. Er spricht sich\ndarüber, wie überhaupt über sein Verhältniss zu Beetho-\nven in Wien, wo Spohr von 1813 —lßls Capellmeister\nam Palffy'sehen Theater war, folgender Maassen aus:\n„Nach meiner Ankunft in Wien suchte ich Beethoven\nsogleich auf, fand ihn aber nicht und liess desshalb meine\nKarte zurück. Ich hoffte nun, ihn in irgend einer der mu-\nsicalischen Gesellschaften zu finden, zu denen ich häufig\neingeladen wurde, erfuhr aber bald, Beethoven habe sich,\nseitdem seine Taubheit so zugenommen, dass er Musik\nnicht mehr deutlich und im Zusammenhange hören könne,\nvon allen Musik-Partieen zurückgezogen und sei überhaupt\nsehr menschenscheu geworden. Ich versuchte es daher\nnochmals mit einem Besuche, doch wieder vergebens. End-\nlich traf ich ihn ganz unerwartet in dem Speisehause, wo-\nhin ich jeden Mittag mit meiner Frau zu gehen pflegte.\nIch hatte nun schon Concert gegeben und zwei Mal mein\nOratorium aufgeführt. Die wiener Blätter hatten günstig\ndarüber berichtet. Beethoven wusste daher von mir, als\nich mich ihm vorstellte, und begrüsste mich ungewöhnlich\nfreundlich. Wir setzten uns zusammen an einen Tisch, und\nBeethoven wurde sehr gesprächig, was die Tisch-Gesell-\nschaft sehr verwunderte, da er gewöhnlich düster und wort-\nkarg vor sich hinstarrte. Es war aber eine saure Arbeit,\nsich ihm verständlich zu machen, da man so laut schreien\nmusste, dass es im dritten Zimmer gehört werden konnte.\nBeethoven kam nun öfter in dieses Speisehaus und besuchte\nmich auch in meiner Wohnung. So wurden wir bald gute"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.3", "texte": "Bekannte. Beethoven war ein wenig derb, um nicht zu\nsagen: roh; doch 'blickte ein ehrliches Auge unter den\nbuschigen Augenbrauen hervor. Nach meiner Rückkehr\nvon Gotha traf ich ihn dann und wann im Theater an der\nWien, dicht hinter dem Orchester, wo ihm der Graf Palffy\neinen Freiplatz gegeben. Nach der Oper begleitete er mich\ngewöhnlich nach meinem Hause und verbrachte den Rest\ndes Abends bei mir. Dann konnte er auch gegen Do rette\nund die Kinder sehr freundlich sein. Von Musik sprach er\nhöchst selten. Geschah es, dann waren seine Urtheile sehr\nstreng und so entschieden, als könne gar kein Widerspruch\ndagegen Statt finden. Für die Arbeiten Anderer nahm er\nnicht das mindeste Interesse; ich hatte desshalb auch nicht\nden Muth, ihm die meinigen zu zeigen. Sein Lieblingsge-\nspräch in jener Zeit war eine scharfe Kritik der beiden\nTheater-Verwaltungen des Fürsten Lobkowitz und des\nGrafen Palffy. Auf Letzteren schimpfte er oft schon über-\nlaut, wenn wir noch innerhalb seines Theaters waren, so\ndass es nicht nur das ausströmende Publicum, sondern\nauch der Graf selbst in seinem Bureau hören konnte. Dies\nsetzte mich sehr in Verlegenheit, und ich war nur immer\nbemüht, das Gespräch auf andere Gegenstände zu lenken.\n„Das schroffe, selbst abstossende Benehmen Beetho-\nven's in jener Zeit rührte theils von seiner Taubheit her,\ndie er noch nicht mit Ergebung zu tragen gelernt hatte,\ntheils war es Folge seiner zerrütteten Vermögens-Verhält-\nnisse. Er war kein guter Wirth und hatte noch das Un-\nglück, von seiner Umgebung bestohlen zu werden. So\nfehlte es oft am Nöthigsten. In der ersten Zeit unserer Be-\nkanntschaft fragte ich ihn einmal, nachdem er mehrere\nTage nicht ins Speisehaus gekommen war: „„Sie waren\ndoch nicht krank?\"\" „ „Mein Stiefel war's, und da ich\nnur das Eine Paar besitze, so hatte ich Hausarrest!\"\" war\ndie Antwort.\n„Aus dieser drückenden Lage wurde er aber nach\neiniger Zeit durch die Bemühungen seiner Freunde heraus-\ngerissen. Die Sache verhielt sich so:\n„Beethoven's „Fidelio\", der 1804 (oder 1805) un-\nter ungünstigen Verhältnissen, während der Besetzung\nWiens durch die Franzosen, einen sehr geringen Erfolg\ngehabt hatte, wurde jetzt von den Regisseuren des Kärnth-\nnerthor-Theaters wieder hervorgesucht und zu ihrem Be-\nnefiz in Scene gesetzt. Beethoven hatte sich bewegen las-\nsen, nachträglich dazu eine neue Ouvertüre (die in ein\nLied für den Kerkermeister und die grosse Arie für Fi-\ndelio (mit den obligaten Hörnern) zu schreiben, so wie\nauch einige Abänderungen vorzunehmen. In dieser neuen\nGestalt machte nun die Oper grosses Glück und erlebte\neine lange Reihe zahlreich besuchter Aufführungen. Der\nComponist wurde am ersten Abende mehrere Male heraus-\ngerufen und war nun wieder der Gegenstand allgemeiner\nAufmerksamkeit. Diesen günstigen Augenblick benutzten\nseine Freunde, um für ihn ein Concert im grossen Redou-\nten-Saale zu veranstalten, in welchem die neuesten Com-\npositionen Beethoven's zur Aufführung kommen sollten.\nAlles, was geigen, blasen und singen konnte, wurde zur\nMitwirkung eingeladen, und es fehlte von den bedeutende-\nren Künstlern Wiens auch nicht Einer., Ich und mein Or-\nchester hatten uns natürlich auch angeschlossen, und ich\nsah Beethoven zum ersten Male dirigiren. Obgleich mir\nschon viel davon erzählt war, so überraschte es mich doch\nin hohem Grade. Beethoven hatte sich angewöhnt, dem\nOrchester die Ausdruckszeichen durch allerlei sonderbare\nKörperbewegungen anzudeuten. So oft ein Sforzando vor-\nkam, riss er beide Arme, die er vorher auf der Brust\nkreuzte, mit Vehemenz aus einander. Bei dem Piano bückte\ner sich nieder, und um so tiefer, je schwächer er es wollte.\nTrat dann ein Crescendo ein, so richtete er sich nach und\nnach wieder auf und sprang beim Eintritte des Forte hoch\nin die Höhe. Auch schrie er manchmal, um das noch\nzu verstärken, mit hinein, ohne es zu wissen.\n„Das von seinen Freunden veranstaltete Concert hatte\nden glänzendsten Erfolg. Die neuen Compositionen Beet-\nhoven's gefielen ausserordentlich, besonders die Symphonie\nin A-dur (die siebente); der wundervolle zweite Satz wurde\nda Capo verlangt; er machte auch auf mich einen\ntiefen, nachhaltigen Eindruck. Die Ausführung\nwar eine ganz meisterhafte, trotz der unsicheren und da-\nbei oft lächerlichen Direction Beethoven's.\n„Dass der arme, taube Meister di seiner Musik\nnicht mehr hören konnte, sah man ganz deutlich. Beson-\nders auffallend war es aber bei einer Stelle im zweiten\nTheile des ersten Allegroder Symphonie. Es folgen sich\nda zwei Halte gleich nach einander, von denen der zweite\npianissimo ist. Diesen hatte Beethoven wahrscheinlich über-\nsehen, denn er fing schon wieder an zu tactiren, als das\nOrchester noch nicht einmal diesen zweiten Halt eingesetzt\nhatte. Er war' daher, ohne es zu wissen, dem Orchester\nbereits zehn bis zwölf Tacte vorausgeeilt, als dieses nun\nauch, und zwar pianissimo, begann. Beethoven, um dieses\nnach seiner Weise anzudeuten, hatte sich ganz unter dem\nPulte verkrochen. Bei dem nun folgenden wurde\ner wieder sichtbar, hob sich immer mehr und sprang hoch\nin die Höhe, als der Moment eintrat, wo seiner Rechnung\nnach das Fort 2 beginnen musste. Da dieses ausblieb, sah\ner sich erschrocken um, starrte das Orchester verwundert\nan, dass es noch immer pianissimo spielte, und fand sich\nerst wieder zurecht, als das längst erwartete Forte endlich\neintrat und ihm hörbar wurde.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.4", "texte": "„Glücklicher Weise fiel diese komische Scene nicht\nbei der Aufführung vor, sonst würde das Publicum sicher\nwieder gelacht haben.\n„Da der Saal überfüllt und der Beifall enthusiastisch\nwar, so veranstalteten die Freunde Beethoven's eine Wie-\nderholung des Concertes, welche eine fast gleich grosse\nEinnahme abwarf. Für die nächste Zeit war daher Beet-\nhoven seiner Geld-Verlegenheit enthoben; doch soll sie aus\ngleichen Ursachen noch einige Male vor seinem Tode wie-\ndergekehrt sein.\n„Bis zu diesem Zeitpunkte war eine Abnahme der\nBeethoven'schen Schöpfungskraft nicht zu bemerken. Da\ner aber von nun an, bei immer zunehmender Taubheit,\ngar keine Musik mehr hören konnte, so musste dies not-\nwendig lähmend auf seine Phantasie zurückwirken. Sein\nstetes Streben, originel zu sein und neue Bahnen zu bre-\nchen, konnte nicht mehr, wie früher, durch das Ohr vor\nIrrwegen bewahrt werden. War es daher zu verwundern,\ndass seine Arbeiten immer barocker, unzusammenhangen-\ncler und unverständlicher wurden? Zwar gibt es Leute,\ndie sich einbilden, sie zu verstehen, und in ihrer Freude\ndarüber sie weit über seine früheren Meisterwerke erhe-\n' , V\nben. Ich gehöre aber nicht dazu und gestehe frei, dass ich\nden letzten Arbeiten Beethoven's nie habe Geschmack ab-\ngewinnen können. Ja, schon die viel bewunderte neunte\nSymphonie muss ich zu diesen rechnen, deren drei erste\nSätze mir, trotz einzelner Genie-Blitze, schlechter vorkom-\nmen, als sämmtliche der acht früheren Symphonieen, deren\nvierter Satz mir aber so monströs und geschmacklos und\nin seiner Aulfassung der Schiller'schen Ode so trivial er-\nscheint, dass ich immer noch nicht begreifen kann, wie\nihn ein Genius wie der Beethoven'sche niederschreiben\nkonnte. Ich finde darin einen neuen Beleg zu dem, was\nich schon in Wien bemerkte, dass es Beethoven an ästhe-\ntischer Bildung und an Schönheitssinn fehle.\"(?!)\n„Da Beethoven zu der Zeit, wo ich seine Bekannt-\nschaft machte, bereits aufgehört hatte, sowohl öffentlich\nals in Privat-Gesellschaf'ten zu spielen, so habe ich nur ein\neinziges Mal Gelegenheit gefunden, ihn zu hören, als ich\nzufällig zu der Probe eines neuen Trio (.D-dur, 3/4-Tact)\nin Beethoven's Wohnung kam. Ein Genuss war es nicht;\n■denn erstlich stimmte das Pianoforte sehr sehlecht, was\nBeethoven wenig kümmerte, da er ohnehin nichts davon\nhörte, und zweitens war von der früher so bewunderten\nVirtuosität des Künstlers in Folge seiner Taubheit fast gar\nnichts übrig geblieben. Im Forte schlug der arme Taube\nso daraul, dass die Saiten klirrten, und im Piano spielte\ner wieder so zart, dass ganze Tongruppen ausblieben, so\ndass man das Verständniss verlor, wenn man nicht zugleich\nin die Ciavierstimme blicken konnte. Ueber ein so hartes\nGeschick fühlte ich mich von tiefer Wehmuth ergriffen.\nIst es schon für Jedermann ein grosses Unglück, taub zu\nsein, wie soll es ein Musiker ertragen, ohne zu verzweifeln?\nBeethoven's fast fortwährender Trübsinn War mir nun kein\nRäthsel mehr.\"\n\nBeurtheilungen.\nSymphonie Nr. 1., F-clur,für Orchester componirt\nund dem Hof-Capellmeister Dr. Bietz gewidmet\nvon Anton Rubinstein. Op. 40. Partitur 4%\nThlr. Vierhändig. Clavier-Auszug 2 Thlr. 9 Sgr.\nLeipzig, Kahnt.\nDen Inhalt dieses Werkes zu skizziren, unterlasse ich.\nAbgesehen davon, dass ein derartiges Thun stets mehr\nSache der Phantasie ist, vermag ja selbst die tiefsinnigste\nAnalyse nicht halbweg in die Intentionen des Componisten\neinzudringen. Die kunstgerechte Schöpfung des echten\nGenie's entsteht zumeist so unwillkürlich und wächst so\nganz aus dem Herzen heraus, dass selbst der Verfasser\nnicht immer über die geheimnissvolle Art des Werdens\nund Gewordenseins genügenden Aufschluss geben kann.\nEs genüge die Andeutung, dass man hier den Ausdruck\neines von edlen und erhabenen Gefühlen gehobenen Ge-\nmüthes vor s>ch habe. Das Vorhandensein solcher Gefühle\nverräth dichterische Anlage, das Bedürfniss aber, dieselben\nin Tönen auszusprechen, charakterisirt den Musiker aus\nBeruf. Bubinstein ist Dichter und Componist, Eines wäre\nnur halb ohne das Andere. Nun zum Werke selbst! Die\nSymphonie bewegt sich in der üblichen Form der Vier-\ntheiligkeit, jedoch mit freier Aneinanderordnung der ein-\nzelnen Bestandtheiie. Das so genannte Scherzo geht dem\nsonstigen Andante voraus; in den einzelnen Piecen sind\nselbst wieder vorübergehende Anklänge einer ganz ande-\nren Stimmung verwebt. Ich kann das nicht tadeln, da der\nGrund-Charakter nicht verwischt, vielmehr dadurch in kla-\nreres Licht gestellt wird. Zudem verläuft sich selten eine\nGemüthsstimmung, sei sie froh oder schmerzlich, so ganz\nregelmässig, dass nicht hier und da eine Störung, gerade\ndadurch aber wieder eine Steigerung eintritt; die Scala\ndes menschlichen Gefühls ist ja so unermesslich, wie die\nIntervalle in der Musik. Wird daher vom Componisten die\nrechte Gränze nicht überschritten, so kann sein Werk nie\nverlieren. Rubinstein hat mit psychologischem Feingefühl\ngeschaffen; gleichwohl ist zu wünschen, er möge sich nicht\nzu kühn der Gefahr der Maasslosigkeit und Vagheit, die\nnirgends so gross ist, als hier, Preis geben. Auf den Hörer\nmacht ein zu oft durch Wechsel des Tempo's oder der\nTactart zerrissenes Stück nur zu leicht den Eindruck von"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.5", "texte": "etwas Halbem, Unvollkommenem, nicht Fertigem, Unsi-\ncherem; das aber ist stets vom Uebel. In der vorliegenden\nSymphonie ist auch die althergebrachte Zerschneidung in\nzwei 1 heile und somit deren Wiederholung weggeblieben;\nauch das ist nur zu loben. Ich wenigstens hegreife beim\nbesten Willen nicht, wie und dass ein Tonstück durch\ndiese zweimalige Wiederkauung eines einzelnen Theiles,\nder in seinen Grundzügen ohnehin ein Mal, wenn nicht\nöfter, wiederkehrt, gewinnen kann; ich bin vielleicht ein\nrecht erbärmlicher Mann, dass ich das meine und zu sagen\nwage; aber ich habe es nie über mich vermocht, denselben\nTheil einer Symphonie u. s. w. zwei Mal nach einander zu\n'\nspielen. Etwas Anderes war es freilich, wo ich ein Werk\nstudirte; aber gemessen und studiren ist zweierlei. Ich höre\nfreilich einen schönen Gedanken gern lieber drei Mal als\nein Mal; aber in grösseren W'erken verlange ich, dass\ndiese Y\\ iederholung eine geistreiche Wiedergabe durch\ndie tausendfältigen Geheimmittel der Tonkunst sei. In Ru-\nbinstein's Tonschöpfung vermisse ich das nur einige Mal;\nim grössten Ganzen ist das Thema mit der vollendetsten\nGeschicklichkeit eines in allen Formen gewandten Künst-\nlers verarbeitet. Doch das alles lässt kalt, wenn im Thema\nnicht frisches Leben pulsirt; ein schlecht erfundenes Sujet,\nund wäre es noch so meisterhaft durchgearbeitet, bleibt\ndoch nur ein Rechen-Exempel, dem man die schwere Mühe\ndes Gemachtseins anschaut. Abgesehen von ein paar min-\nder originellen Anklängen im Scherzo und Schluss-Allegro,\nsind in dem vorliegenden Opus die Themata sämmtlich\nnicht nur interessant, lebensfähig, frisch, neu, sondern auch\nsehr schön. Auch hat Rubinstein eine Klippe grösstentheils\ngut umschifft, an der viele, die für Orchester schreiben,\nscheitern; er hat nicht vergessen, dass selbst die schönste\nMelod ie lür ein Lied, wenn sie in der Symphonie auftritt,\nein Armuths-Zeugniss ist; in der Symphonie darf nicht\nEine Stimme vorherrschen, sie ist oder soll sein die vollen-\ndetste Harmonie aller Instrumente. Ein paar zu schwülstige,\nWeltschmerz athmende und desshalb unklare und minder\nschöne Passagen sind wohl mit untergelaufen, doch nimmt\nman sie bei dem Reichthum des Schönen, das die Sym-\nphonie in allen ihren Theilen bietet, gern mit in den Kauf.\nM.\nG. Vierling, Ouvertüre zu Schiller's Trauerspiel\n„Maria Stuart\". Op. 14. Berlin, bei Schlesinger.\nPartitur 1 % Thlr.\nEs wird bald kein einiger Maassen bedeutendes Drama\nmehr geben, zu welchem die musicalische Literatur unse-\nres Jahrhunderts nicht eine, zuweilen mehrere Ouvertüren\ngeliefert hätte. Im Grunde müssen wir denjenigen neueren\nComponisten Recht geben, welche die besondere Be-\nstimmung ihrer dramatischen Ouvertüren für ein gewisses\nBühnenstück aufgegeben und den allgemeineren Titel\n„I rauerspiel'' - oder „Lustspiel-Ouverture1- vorgezogen ha-\nben wenn denn einmal die frühere Benennung „Con-\ncert-Oaverture\" keinen Cours mehr haben soll.\nAn und für sich lässt sich gegen die Sache selbst\nnichts einwenden; es kann allerdings eine Aufgabe der\nMusik sein, durch einen symphonischen Satz auf den In-\nhalt eines Drama's vorzubereiten, den Zuhörer in die Stim-\nmung zu versetzen, mit welcher dasselbe aufgefasst werden\nmuss, und das Charakteristische des Musikstückes aus dem\nvorherrschenden Charakter der Hauptpersonen, der Hand-\nlung, der Katastrophe des Drama's zu schöpfen. Die Ouver-\ntüre einer Oper hat ja ganz denselben Vorwurf, und in\nder guten alten Zeit wurde er auch von allen grossen Mei-\nstern, Gluck und Mozart an der Spitze, in diesem Sinne\nausgeführt, bis Weber schon gewisser Maassen stofflicher,\nhandgreiflicher in den Inhalt des Drama's einführte, aber\nfreilich mit dem grossen Genie, welches jene glänzenden\nMosaik-Arbeiten schuf, die neuerdings auf der einen Seite\nin Potpourri-Ouverturen, auf der anderen in verzerrte Un-\ngeheuerlichkeiten ausgeartet sind.\nDen Uebergang von den Opern-Ouverturen zu den\nSchauspiel-Ouverturen bildet Beethoven's grosse Ouver-\ntüre zur Leonore. Er selbst hat dann in den symphonischen\nSätzen zu Coriolan und zu Egmont Muster von Drama-\nOuverturen aufgestellt, die gerade den Beweis liefern, dass\ndiese Art von Programm-Musik nur dem grössten Genie\ngelingen kann, denn keine von allen Arbeiten späterer\nComponisten auch Mendelssohn's Ouvertüre zum Som-\nmernachtstraum nicht ausgenommen reicht auch nur ent-\nfernt an die Vollendung dieser Werke. Warum nicht?\nWeil sie in vollendeter musicalischer Form und mit schö-\npferischer musicalischer Phantasie die Idee des drama-\ntischen Dichters auffassen und in Tönen wiedergeben, nicht\naber sich an einzelne Momente der dramatischen Hand-\nlung anklammern und durch die Malerei derselben ihre\nAufgabe zu lösen wähnen. Es ist ganz verkehrt, wenn, wie\nman oft gehört, vielleicht auch gelesen hat, der letzte Tact\nder Violinen:\nin dem Allegro, 3/4-Tact, der Egmonl-Ouverture als eine\nMalerei des Kopfabschneidens bezeichnet wird! Wäre das\nder Sinn dieser Figur, so wäre dem armen Egmont schon\nzwölf Mal im Laufe der Ouvertüre der Kopf abgeschnitten\nworden, und die acht Tact e pia kurz vorher:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.6", "texte": "bedeuten dann wahrscheinlich das Welzen des Henker-\nschwertes !\nBringen wir das Gesagte in Beziehung mit Vierling's\nOuvertüre, so lässt sich Manches davon zu Gunsten des\nComponisten auf dieses Werk anwenden; bei prüfender\nEinsicht in den Stoff des Trauerspiels „Maria Stuart\"\ndürfte sich jedoch herausstellen, dass die Aufgabe, zu die-\nsem Drama eine speciel charakteristische Ouvertüre zu\nschreiben, eine der schwierigsten, wo nicht geradezu un-\nmöglich zu lösen ist. W'ährend z. B. bei Göthe's Egmont\ndas Martyrertbnm für die Freiheit dem Tondichter in kla-\nrem Lichte als leitender Gedanke vorschwebt, bei Coriolan\nder schroffe Trotz, gebeugt durch die Empfindungen der\nLiebe, die musicalischen Motive schon in sich trägt, ist der\nGegensatz zweier Weltanschauungen, die, einander wider-\nstreitend, als Katholicismus und Protestantismus in Schil-\nler's „Maria Stuart\" auftreten, keineswegs geeignet, eine\nmusicalische Idee zu erzeugen, die zu einem charakteristi-\nschen Musikstücke den Hauptton hergeben könnte. Dazu\nkommt, dass Schiller diesen Gegensatz bei den Individuen,\ndie dessen Träger im Stücke sind, mit besonderer Vorliebe\nfür Maria ausgeprägt hat, auf deren Seite die ganze Phan-\ntasie des Dichters und seine meisterhafte Schöpfungs- und\nDarstellungs-Kraft ist, um mit dem bezauberndsten Far-\nbenreichthum die Idee, dass durch ein unverschuldetes\nLeiden eine anderweitige Schuld hier sogar die Schuld\neines Mordes gebüsst werden könne, zu verklären. Nun\nfragen wir aber: Wie soll die Musik im Stande sein, diese\nIdee, oder vielmehr diese Lehre, auch nur annähernd aus-\nzudrücken? Und versuchte sie es—denn in der That kann\ndie königliche Büsserin nur im Wiederschein dieses Dog-\nma's unser Mitleid erregen —, so würde sie zu den Mit-\nteln greifen müssen, die Wagner bei der musicalischen\nAndeutung des Mysteriums vom heiligen Gral angewandt\nhat, und mit diesen Mitteln kann man keine Ouvertüre zu\nStande bringen.\nAbgesehen davon hat uns Vierling ein sehr wirkungs-\nvolles Orchesterwerk ernster Gattung gegeben, das auch\neinen gewissen dramatischen Charakter trägt und mithin\nim Allgemeinen der Intention des Componisten entspricht.\nDabei tritt die gediegene Richtung, die Vierling in allen\nseinen Sachen bekundet, auch hier durch reine, klare Ar-\nbeit in harmonischer Beziehung, durch Ebenmaass in der\nformellen Gestaltung und durch Vermeidung jeder Unge-\nheuerlichkeit zu Gunsten einer pathologischen Wirkung\nauf das Nerven-System recht erfreulich zu Tage.\nVon des thätigen Verlegers E. Hall berger in Stutt-\ngart Ausgabe der Classiker Clementi, Haydn, Mo-\nzart und Beethoven in ihren Werken für das Piano-\nforte allein, mit Bezeichnung des Zeitmaasses und Finger-\nsatzes von J. Moscheies, deren erste Lieferungen im\nJahre 1858 erschienen (vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, VI.\nJahrg., 1858, Nr. 35), sind jetzt dreissig Lieferun-\ngen vorhanden. Sie enthalten:\nL. van Beethoven, 15 Lieferungen (die Sonaten\nvon Op. 2 bis Op. 28 einschliesslich).\nW. A. Mozart, 6 Lieferungen (Phantasie und So-\nnate in C-mott;die Sonaten in\nC-dur, A-dur).\nJos. Haydn, 4 Lieferungen (die Sonaten in\nCis-rnoU, E-moll, B-dur).\nMuzio Clementi, 5 Lieferungen (die Sonaten in\nC-dur, G-dur, C-dur, B-dur, Es-dur).\nDiese Hefte liefern den Beweis einer schnellen Voran-\nschreitung des Unternehmens, wobei durchaus keine An-\nnahme der Sorgfalt und Eleganz der Ausgabe zu bemer-\nken ist. Bei der grossen Billigkeit derselben - Subscrip-\ntions-Preis 1 Sgr. für den Musikbogen für die ganze\nSammlung und 1 % Sgr. für einzelne Hefte ist es dem\nVerleger nicht zu verdenken, dass er die Lieferungen nur\ngegen baare Zahlung abgibt.\nDem Plane nach werden von Beethoven's Sonaten noch\n17, von Mozart's noch 13, von Haydn's noch 14, von Cle-\nmenti's noch 13 Lieferungen erscheinen. L.\nDas zweite Gesellschafts-Concert im Gürzenich am\nDinstag den 6. November brachte folgendes Programm:\nErster Theil. 1. Ouvertüre von Cherubini zur Oper Faniska.\n2. Laudale Dominum, für Sopran-Solo, Chor und Orchester von\nCherubini (das Solo gesungen von Fräulein Julie Rothenber-\nger). 3. Concert für das Pianoforte in Fis-moll von F Hill er, ge-\nspielt von Frau Wilhelmine Szarvady-Clauss. 4. „Und\nGottes Will' ist dennoch gut\", Chor mit Orchester von M.\nHauptmann. 5. Etüde in Cis-moll und Impromptu (aus dem Nach-\nlass) für Pianoforte von Chopin. 6. Ouvertüre zu Maria Stuart\nvon G. Vierling\nZweiter Theil. Sinfonie in A-moll, von F. Mendelssohn-\nBar t h o 1 dy.\n(Den Bericht darüber in der nächsten Nummer )\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nITritßßSkfiflrl a. M. Das Museum bat trotz des Mangels eines\nrecht geeigneten Concertsaales seine gewöhnlichen zehn Concerte an-\ngekündigt, gewiss zur Freude seiner Abonnenten. Dem neuen Direc-\ntor des Cäcilien-Vereins, Herrn Müller, ist die Leitung übertragen.\nDer Philharmonische Verein veranstaltet mehrere Abonnements-\nConcerte unter Leitung seines jetzigen Directors, Herrn Henkel.\nAuch von diesem Institute ist Gutes zu erwarten. Cäcilien- und\nRiehl'scher Gesang-Verein überbieten sich in ihren ausgegebenen\nProgrammen fast an Schönem. Ersterer wird in vier Concerten brin-\ngen: „Judas Maccabäus*1 von Händel, zwei Cantaten von Bach, zwei\nMisericordias Domini von Durante und Mozart, Crucijlxus von Lotti\nund Ave Maria von Mendelssohn, Bach's grosse Messe, eine Vocal-\nMesse von Hauptmann und den 95. Psalm von Mendelssohn; Letz-\nterer: »Belsazar' von Händel, 2V<w nobis Domine von Mendelssohn,\nDaciclde penitenle von Mozart, Cantate von Bach und eine Messe von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.7", "texte": "Haydn. Herr Concertmeister Straus kündigt eine Auswahl gedie-\ngener Meisterwerke für seine sechs Quartett-Soireen an.\nBei der letzten Aufführung der „Martha\" von\nFlotow waren es insbesondere Fräulein Auguste Brenken (Lady\nHarriet) und Herr Rosner (Plumket), welche die glänzendsten Er-\nfolge errangen. Fräulein Brenken sang Alles mit grosser Reinheit\nund warmem Gefühle. Der Schmelz ihres Tones spricht die Sehn-\nsucht des Herzens aus; besonders aber beherrscht die Sängerin die\nklangvolle Höhe, unbeschadet der Schönheit und Fülle des Tones\nmit grosser Kraft und Sicherheit. Sie und Herr Rosner wurden durch\nstürmischen Applaus ausgezeichnet und am Schlüsse gerufen.\nDie „Stumme von Portier (den 25. October) war im Ganzen keine\nso gut abgerundete Vorstellung, als die der rMartha\\ Die Säulen\ndes Ganztn waren Herr Jehle (Masaniello), ein Tenor von grossen\nFähigkeiten und kräftiger Stimme, und Fräulein Brenken (Elvira).\nDiese junge Sängerin besitzt eine von jenen immer seltener werden-\nden Stimmen, welche die Töne der hohen Sopran-Region ohne alle\nSchärfe und doch mit Kraft und unwandelbar sicherer Intonation\nanschlagen. Ausdruck und Spiel haben seit ihrem ersten Erscheinen\nbei uns ausserordentlich gewonnen.\nAus dem eilften Jahresbericht (November 1859 bis November\n1860) des schwäbischen Sängerbundes theilen wir Folgen-\ndes mit: Der Verein besteht aus 293 Mitgliedern. Aus der Zahl\nunserer Ehren-Mitglieder hat seit unserer letzten Jahres-Versamm-\nlung der Tod drei Männer abberufen: G. A. Zumsteeg, f den\n24. l'ecember 1859, Ernst Moriz Arndt, f den 29. Januar 1860,\nund Friedrich Silcher, f den 20. August 1860. Ernst Moriz\nArndt hat noch kurz vor seinem Tode uns mit einem schon früher\nim Schwäbischen Mercur veröffentlichten Schreiben an „seine lieben\nSchwaben\" erfreut. Sein Name wird unvergesslich bleiben, so lange\ndeutsche Herzen schlagen und deutsche Lieder klingen. Zum-\nsteeg, einer der Stifter des Stuttgarter Liederkranzes, einer der\nthätigsten Beförderer der schwäbischen Liederfeste seit ihrer Grün-\ndung im Jahre 1827, der warme Freund des Gesangeswesens, ist\nauch dem schwäbischen Sängerbunde eine der mächtigsten Stützen\ngewesen. Er erfasste mit Liebe den Gedanken der Gründung unse-\nres Bundes, wie er im Jahre 1849 angeregt wurde, und war dem\njungen Institute, dessen Ausschuss er von Anfang an zehn Jahre\nlang angehörte, durch seine Einsicht und reiche Erfahrung, wie\ndurch seine iu allen Kreisen unserer Sängerwelt geachtete und ge-\nliebte Persönlichkeit von grösstem Nutzen. Auch Friedrich\nSilcher gehörte dem schwäbischen Sängerbunde als Ehren-Mitglied\nund als Mitglied des weiteren Ausschusses an. Es bedarf Angesichts\nseines irischen Grabes nicht vieler Worte, um an das zu erinnern,\nwas Silcher wie kein Anderer der Sache des volksthümlichen Ge-\nsanges gewesen. In Einem steht er unerreicht unter den Grössen der\nTonkunst vor uns: als der Meister des Volksliedes. Es wrar eine\neigene Begabung, die ihn im Auffinden, Sammeln und Setzen, ja,\nnoch mehr im eigenen Schaffen der Volksweise erfüllte. Wie hat er\nes verstanden, die schönsten Melodieen dem Volksmunde, namentlich\nden Kreisen der ländlichen Jugend, abzulauschen! Wie hat er mit\nsinnigem Tacte aus dem Keichthum der von überall her ihm zuströ-\nmenden Schätze das echt Volksthümliche von eitlen Nachbildungen\nund sentimentalem Geklingel auszuscheiden und den deutschen Sän-\ngern den edeln Kern in der reinsten Schale, in seinen einfach Volks-\nmassigen Bearbeitungen zu bieten gewusst! Und keinem Tonschöpfer\nwar es wie ihm beschiedtm, selbst die echte Volksweise zu schaf-\nfen, die vielfach, ohne dass es das singende Volk je erfahren, zum\nvollkommensten Volks-Eigenthum geworden ist. Weisen wie „Mor-\ngen muss ich weg von hier*, „E bissele Lieb und e bissele Treu\",\n„Das Klosterfräulein\", „Aennchen von Tharau\", „Zu Strasburg auf\nder Schanz\", das einzig schöne „Ich weiss nicht, was soll es bedeu-\nten44 und andere gehören zu den unverwelklichen Bliithen deutschen\nVolksgesanges und werden Silcher's, ihres Meisters, Namen unsterb-\nlich machen Die künftige Feier des allgemeinen Liederfestes\nwird von jetzt an nur alle zwei Jahre Statt finden. Das im Jahre\n1859 wegen der damaligen politischen Verhältnisse ausgefallene all-\ngemeine Liederfest wurde an Pfingsten d. J. zu Biber ach gefeiert.\nDas durchaus gelungene Fest war vom wärmsten patriotischen Geiste\ngetragen und bildete, gleich anderen Erscheinungen im deutschen\nöffentlichen Leben, ein erfreuliches Merkzeichen des wieder erwa-\nchenden, das deutsche Volk erfüllenden nationalen Sinnes. Auch zu\ndem erstmals veranstalteten pfälzischen Sänger feste in Kai-\nserslautern hatte der Ausschuss eine freundliche Einladung er-\nhalten und war dabei durch Dr. Faisst vertreten, welcher zur Lei-\ntung der gemeinschaftlichen Chöre berufen worden war. Der die all-\ngemeine Erwartung übertreffende Erfolg der Gesammt-Aufführuno-,\nbei welcher sich 36 Vereine mit 900—1000 Sängern betheiligten,'\nso wie die wackeren Leistungen in der Mehrzahl der damit verbun-\ndenen Einzel-Chorgesänge, die frische Begeisterung, welche sich\nüberall bei Sängern und Nichtsängern aussprach, der warme vater-\nländische Sinn, der dieses Fest auf der linken Seite des Rheines,\nder Gränze so nahe, aufs tiefste durchdrang und aufs unzweideu-\ntigste sich kund gab, alles das berechtigt uns, den benachbarten\nBruderstamm, unter welchem schon länger einzelne Glieder in freund-\nlichster Beziehung zu unserem Bunde stehen, zu einem so vielver-\nsprechenden Anfange in der Sammlung seiner Gesangeskräfte von\nHerzen zu beglückwünschen. Von der Liedersammlung des schwä-\nbischen Sängerbundes ist im abgelaufenen Jahre, nachdem der erste\nBand mit 137 Liedern abgeschlossen worden war, eine neue Liefe-\nrung noch nicht erschienen, während mit neuen Auflagen und Ste-\nreotypiren der früheren Lieferungen fortgefahren wurde. Auf frü-\nheren General-Versammlungen wurden mehrfach die Mängel darge-\nlegt, unter denen unsere allgemeinen Liederfeste bezüglich der Ord-\nnung der Gesammt-Aufführung leiden. Es wurde anerkannt, dass im\nGanzen unter den Sängern zu wenig Disciplin herrsche, dass die\neinzelnen Vereine oder die Sänger derselben, was die Unterordnung\nunter das Ganze, die Uebernahme der etwa notwendigen Unbequem-\nlichkeiten betrifft, allzu wenig Hingebung an den Tag legen. Es ist\nbis jetzt den öfter geltend gemachten Wünschen und Klagen in die-\nser Richtung nicht gelungen, die Uebelstände zu beseitigen u. s w.\nDer Ausschuss wird daher der General-Versammlung den Entwurf\neiner Ordnung für die Theilnahme an den Gesammt-Chören bei den\nallgemeinen Liederfesten des schwäbischen Sängerbundes vorlegen\nund zur Annahme empfehlen. Unser Cassenbericht für 1860 er-\ngibt einen baaren Bestand von 638 Fl. 21 Kr. Der Ausschuss des\nschwäbischen Sängerbundes: Conrector Dr. Karl Pf äff. Dr. Otto\nElben. Professor Dr. J. Faisst. Raur. W. Wiedemann,\nliOSiöl©n. Die Eröffnung der englischen und italiänischen Oper\nim königlichen Opernhause unter Herrn Smith's Leitung ist gesche-\nhen. Die erste englische Oper war Jlobirt Hood-, Musik von Herrn\nMacfarren. Die für die englische Oper gewonnenen Künstler sind:\nMad. Lemmens-Sherrington, Mad. Lemaire, die Herren Santley, Par-\nkinson, Sims-Reeves. Für die italiänische Oper sind engagirt: Fräu-\nlein Titjens, die Herren Giuglini, Vialetti, Soldi, Mercuriaii u. s. f.\nDie erste zur Aufführung gekommene Oper war „// Trovatore*. Es\nist dies zum ersten Male, daes auf einer englischen Opernbühne zwei\nbestimmte Reihen von Opern in verschiedenen Sprachen gegeben\nwerden. Das zweite und letzte Abschieds-Concert der Mad. Clara\nNovello im Cryslal Palace war von nahebei 5000 Personen be-\nsucht. Händel's rMessias*4 wurde ausgeführt. Der Gesang der Mad.\nNovello war vorzüglicher, als je, der Beifall enthusiastisch.\nWir erhalten so eben den dreizehnten Jahresbericht des Ge-\nsang-Vereins „Deutscher Liederkranz\" in New-York. Dieser\nVerein ist am 9. Februar 1847 gestiftet und hat am 24. März d. J.\nCorporationsrechte vom Staate New-York erworben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601110-01.1.8", "texte": "Er zählt 547 Mitglieder, wovon aber nur 90 als active zu be-\nzeichnen sind. Damen sind ausserordentliche active Mitglieder. Ein-\ntrittsgeld 5 Dollars, jährlicher Beitrag 6D. „Eine einmalige Zah-\nlung von 50 D. entbindet von aller weiteren Beitragszahlung u\nGesangproben finden mindestens zwei Mal wöchentlich, Abends\num 8 Uhr, Statt. „Wer bei einer Aufführung oder bei einem Drit-\ntheil der während eines Monats gehaltenen Proben fehlt, kann durch\nBeschluss des Musik-Directors und der Stimmführer aus der Liste\nder Sänger und Sängerinnen gestrichen werden.® Die Anordnung\nvon zehn Stimmführern (für Tenor I. und 11., Bass I. und 11. je 2,\nfür Sopran 1, für Alt I aber stets Herren, keine Damen) scheint\npraktisch und nachahmungswerth. Der Verein wird sich jetzt ein\neigenes Local bauen und beabsichtigt, auf Subscription vier öffent-\nliche Concerte und in ihnen zwei Oratorien zu geben.\nWas nun die musicalischen Leistungen betrifft, so ist zu\nberichten, dass in den Proben die folgenden grösseren Musikstücke\neingeübt worden sind :\nWalpurgisnacht von Mendelssohn, Jahreszeiten von Haydn, Elias\nvon Mendelssohn, Chor der Geister über den Wassern von Schubert,\nFestgesang an die Künstler von Mendelssohn, Saul von Hill er.\nAusserdem sind mit vollem Chor, resp. Männerchor allein, eine\nAnzahl grösserer und kleinerer Lieder gelernt und früher einstudirte\nMusikstücke wiederholt worden.\nGesang-Proben haben in jeder Woche drei Statt gefunden, Dins-\ntag für Männerchor und Donnerstag und Sonntag für vollen Chor»\nNur während der Sommermonate wurden die Sonntags-Proben aus-\ngesetzt\nDirigent des Vereins ist Herr Agricol Paur. Er hat aus eige-\nnem Antriebe und lediglich im Interesse des „Liederkranzes\"4 Anfangs\nAugust v. J. eine Gesangschule für Damen eröffnet. In dieser Schule\nhat er bis Anfang November 2 Mal wöchentlich Unterricht ertheilt,\nwährend der letzten zwei Monate wöchentlich 1 Mal. Jede Dame,\ndie von irgend einem Mitgliede des Vereins dazu empfohlen wird,\ndas Alter von 15 Jahren erreicht hat und sich verpflichtet, die Ge-\nsangschule fleissig zu besuchen, so wie den „Liederkranz\" in seinen\nmusicalischen Productionen zu unterstützen, erhält freien Unterricht.\nDer volle Chor des Vereins, die Vereinigung der Frauen- und\nMännerstimmen, ist das, was ihm seinen Namen gemacht hat; er ist\ndes „Liederkranzes\" Schwerpunkt, seine Kraft. Mit ihm ist es dem\nVereine möglich gewesen, vor die Oeffentlichkeit tretend, sich An-\nerkennung zu verschaffen. Die Concerte, in welchen der „Liederkranz®\naufgetreten, haben die Tüchtigkeit seines vollen Chors in glänzen-\ndem Lichte gezeigt. Am 19. Febr. 1859 Betheiligung an einem Con-\ncerte in der Academy of Music für den Fonds des deutschen Hospi-\ntals. Der Verein trug die Walpurgisnacht vor. Am 24. April Con-\ncert in den City Assembly Rooms* Der Männerchor trug den Chor\nder Geister über den Wassern vor, der volle Chor den Pilgerchor\naus Tannhäuser und die Walpurgisnacht. Am 9. Nov. Concerte in\nden Cüy Assembly liooms zur Schiller-Feier. Der Verein sang bei\nbis dabin unerreichter numerischer Stärke die Chöre der neunten\nSymphonie von Beethoven. Am 11. Nov. Vortrag von Mendelssohn's\n„Festgesang an die Künstler*4 bei der Festfeier.\nAusserdem veranstaltet der „Liederkranz'' Vergnügungen,\nz. B. Maskenbälle, Sommernachtsfeste, Weihnachts- und Sylvester-\nFeier u. s. w.\nDer Cassenbericht weis't eine Gesammt.Ausgabe von 2736 D. 39\nC., einen Cassenbestand von 103 D. 36 C. und Ausstände im Be-\ntrage von 742 D. 85 C. nach.\nDer Berichterstatter, Herr Ernst Steiger, schliesst mit fol-\ngenden Worten: „Meine Herren! Betrachten wir allesammt den Ver-\nein berufen, eine bescheidene, aber ehrenvolle Kolle in der Geschichte\ndeutscher Kunst, deutscher Cultur und Sitte in diesem unserem\nneuen Vaterlande zu spielen!\""}]}