{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-11-17-01", "volume": "bmtnabi_1860-11-17_01", "ocr_sha256": "3a1da19b72b2c07292d37273282a0686f3daf2941a2b33d229b4dcb74c7d1f5c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/11/17_01/bmtnabi_1860-11-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\n„Der fliegende Holländer\" von Richard Wagner. Beurtheilungen. Geistliche Musik. Cantate für Solostimmen, Chor\nund Pianoforte von F. Hiller, Op 79. Der 96. Psalm für Männerstimmen und Orchester von E. Kronach, Op. 5. Von M. Aus Rot-\nterdam (Die deutsche Oper). Von F. W. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unt erh altungs-\nblatt (Köln, Erste Soiree für Kammermusik Elberfeld Frankfurt a. M. 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Der Stoff der\nOper ist hier, wie in Wagner's späteren Werken, der Sage\nentnommen, doch erscheint er wärmer, persönlicher be-\nhandelt, als „Tannhäuser\" und „Lobengrin\", in welchen\nWagner nicht sowohl lebendige Gestalten als vielmehr\nmaskirte „Ideen\" hingestellt hat*).\nDie Sage vom Holländer bietet in ihrer ungemeinen\nEinfachheit sehr geringe dramatische Entwicklung ein\nMangel, den Wagner so wohl erkannte, dass er das Werk\nursprünglich eine „dramatische Ballade\" nennen wollte.\n„Ich entsinne mich,\" schreibt Wagner, „noch ehe ich zu\nder eigentlichen Ausführung des „Fliegenden Holländer\"\nschritt, zuerst die Ballade der Senta im zweiten Acte ent-\nworfen und in Vers und Melodie ausgeführt zu haben; in\ndiesem Stücke legte ich unbewusst den thematischen Keim\nzu der ganzen Musik der Oper nieder; es war das verdich-\ntete Bild des ganzen Drama's, wie es vor meiner Seele\nstand.\" Aus diesem „verdichteten Bilde\" entwickelte nun\nWagner die ganze Oper ungefähr so, wie der Componist\neines Instrumentalstückes aus dem Haupt-Thema das Ganze\nheraushört und ausführt. Diese Art der Conception ist aber\nnicht dramatisch, sondern symphonistisch, indem dem\nOpern-Componisten das Bild seines Drama's sich successiv,\nals ein Werdendes, entrollen muss. Zum Glück harmonirt\nim vorliegenden Falle die eigentümliche Methode mit der\nganz speciellen Natur der Sage. Wagner hat den Stoff für\nseinen Zweck sehr verständig angelegt, Exposition, Hand-\nlung und Ausgang geschickt in die drei Acte vertheilt, de-\nren erster und letzter bedeutungsvoll correspondirende Sei-\ntenstücke bilden. Wir finden den „fliegenden Holländer\"\nin seiner dramatischen Gestaltung einheitlicher, ruhiger,\nals die folgenden grösseren Opern Wagner's. Ein poeti-\nscher Sinn, ein echt deutsches, mährengläubiges Gemüth\nwebt darin. Die Diction selbst wimmelt freilich von jenen\nholperigen Versen und lächerlich gespreizten Phrasen, die\nWagner zum schwülstigsten aller Dichter stempeln. So sagt\nSenta: „In meines Herzens höchster Reine kenn' ich des\nHerzens Hochgebot!\" worauf der Holländer „mit Erhe-\nbung\" antwortet: „Ein heil'ger Balsam meinen Wunden,\ndem Schwur, dem hohen Wort entfliesst.\" Derlei erinnert\nleise an Bacherl.\n\n*) „Der fliegende Holländer\" ist ein Schiffer, welcher einst ein\nCap bei widrigem Winde umsegeln wollte, und tollen Muthes\nschwur, in Ewigkeit nicht abzulassen. Dafür wurde er zu ewi-\ngem Umherirren auf dem Meere verdammt. Ein Engel Gottes\nzeigte ihm aber den Weg zur Rettung. Alle sieben Jahre sollte\nihm erlaubt sein, ans Land zu gehen und ein Weib zu freien,\nund wenn er eines gefunden, das ihm treu bliebe bis zum\nTode, dann sollte er erlöst sein. Noch hat er keines gefunden,\nund viele Weiber, die ihm Treue schwuren und nicht hielten,\nfielen der ewigen Verdammniss anlieim. Da landet er wieder\nan der norwegischen Küste. Hier wohnt ein alter Schiffer,\nDal and, dessen Tochter Senta in früher Jugend einem jun-\ngen Jäger, Erik, sich verlobt. Sie wird dieser Liebe inner-\nlich bald untreu. In ihrem Vaterhause hängt das Bild eines\nbleichen ScliifFs-Capitäns, des Holländers. Die Amme erzählt\nihr die Mähr, und fortan lebt Senta dem Gedanken, sie sei\ndas Weib, das durch seine Treue den Holländer zu erretten\nbestimmt sei Da tritt eines Tages jener bleiche Mann mit\nihrem Vater herein, den er durch reiche Schätze gewonnen\nund bewogen hatte, ihm die Hand der Tochter zu versprechen.\nGebannt von der Erscheinung des Holländers, gelobt sie ihm\nTreue bis in den Tod. Schnell soll die Hochzeit gefeiert wer-\nden; aber noch vorher tritt Erik an Senta heran und erin-\nnert sie an die ihm gelobte Treue. Dieses Gespräch erlauscht\nder Holländer. In heftiger Verzweiflung eilt er auf sein Schiff,\num wieder sieben Jahre rastlos die Meere zu befahren. Senta\naber stürzt sich von einem Fels ihm nach in die Fluten; so-\nfort versinkt das gespenstische Schiff, und in verklärter Gestalt\nentsteigen der Holländer und Senta dem Aleere, zum Himmel\nschwebend,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5383, "texte": "In der musicalischen Behandlung des „Holländer\"\nzeigt sich Wagner vollständig als Epigone der deutschen\n„romantischen Oper\". Wer im „Tannhäuser\" und „Lo-\nhengrin\" sich etwa noch darüber täuschen konnte, in wel-\ncher totalen Abhängigkeit von Weber und Marschner\nWagner's Erfindung steht, der wird nach dem Anhören\ndes „Holländer\" darüber wohl im Reinen sein. Von welch\nrührender Unselbstständigkeit sind diese Melodieen Wag-\nner's! Nur in der Behandlung des Orchesters finden wir\ndie grellsten Errungenschaften Meyerbeer's und Ber-\nlioz's zu dem hinzugebracht, was uns Weber und Marsch-\nner bereits besser und ursprünglicher gegeben. Auch die\nFormen seiner Vorgänger hat Wagner im „Holländer\"\nnoch beibehalten und hält sich ganz ordentlich an Arie,\nDuett, Terzett u. s. w. Sie weichen selten vom üblichen\nSchema ab, wenngleich Manches (wie die Arie des Hollän-\nders, sein Duett mit Senta) über das gebräuchliche Maass\nerstreckt ist. Wie die bestimmten musicalischen Formen,\nso respectirt Wagner im „Holländer\" auch noch die Ge-\nsetzlichkeit musicalischer Form überhaupt, d. h. er spricht\nin symmetrisch gebauten, musicalisch gedachten und da-\ndurch ohne Weiteres verständlichen Melodieen. Dadurch\nnimmt der „Holländer\" eine merkwürdige Stellung in\nWagner's Entwicklungs-Geschichte ein.\n■ ■ -\nDer „Holländer\" war allerdings dasjenige Werk, in\nwelchem Wagner zuerst eine eigentümliche Seite seines\nTalentes entwickelte. Er that dies jedoch noch auf dem\nsoliden Boden der früheren „Oper\", bequemte sich zu ab-\ngeschlossenen Formen und melodischer Erfindung. Der\n„fliegende Holländer\" darf wohl für das non plus ultra\ndessen angesehen werden, was Wagner innerhalb der al-\nten Bedingungen, was er als Melodiker, als musicalischer\nErfinder zu schaffen vermochte. Wagner selbst dürfte bald\nerkannt haben, dass dies ziemlich wenig sei. Im „Hollän-\nder\" muss es Wagner klar geworden sein, wie dürftig und\nunselbstständig seine Melodieen fliessen. Auf diesem Wege\nverharrend, konnte er eine Epoche machende Stellung nim-\nmermehr erringen, sondern im günstigsten Falle hoffen,\nzu den besseren Nachzüglern Weber's und Marschner's\ngezählt zu werden. Der mässige Erfolg des „Holländer\"\nin Deutschland hätte sich bei weiteren ähnlichen Versu-\nchen kaum erheblich gesteigert, hätten sie doch die ver-\nwandten, schnell verschollenen Tondichtungen Lindpaint-\nner's, Reissiger's, Lachner's an musicalischem Gehalt kaum\nübertroffen. Alle geistreiche Aeusserlichkeit, alle Energie\ndes dramatischen Ausdrucks bei Wagner hätte die feh-\nlende Erfindung und die musicalische Meisterschaft nicht\nersetzen können. Auf diese Bedingungen war aber der Er-\nfolg der älteren Oper gestellt.\nBei seiner unermüdlichen Selbstbeobachtung muss\nWagner nach dem „Holländer\" sich die Nothwendigkeit\ngestanden haben, jede Rivalität auf längst betretener Bahn\nzu meiden, wenn sein Name unter den Feldherren und\nnicht unter den Adjutanten genannt werden sollte. Es ist\nbekannt, wie er im „Tannhäuser\" und noch consequenter\nim „Lohengrin\" die „Oper\" verliess und sich auf dem Ge-\nbiete des „musicalischen Drama's\" ansiedelte. Die musica-\nlische Architektonik wurde zerbrochen, die „absolute Me-\nlodie\" abgedankt und bloss ein Strom durchsichtiger De-\nclamation über den farbenglühenden Mosaikboden der In-\nstrumental-Begleitung geleitet. Wagner hat sich eine künst-\nliche Originalität geschaffen und durch neue Formen ein\nTalent gerettet, das nicht reich genug war, die alten mit\nüberströmender Lebenswärme zu erfüllen.\nDiese Kunst „musicalischer Situations-Malerei\", die\nuns im „Tannhäuser\" und im „Lohengrin\" als die spe-\ncielste und hervorragendste Begabung Wagner's erschien,\nhat dieser zuerst in den Schiffsscenen des „fliegenden\nHolländer\" bewährt. Der ganze erste Act ist ein breit an-\ngelegtes, bis ins kleinste Detail sorgsam ausgemaltes See-\nstück, eine musicalische Marine, welche unwillkürlich an\nBilder von Backhuysen und van de Velde oder an\nHeine's „Nordsee-Gedichte\" erinnert. Die See in Empö-\nrung, schwerer, schwarzer Regenhimmel, ein einsames\nSchiff in einer Bucht vor Anker liegend, die Mannschaft\nmüde und schläfrig, sogar der Steuermann auf seinem Po-\nsten eingenickt. Und nun als Seitenstück das Genrebild im\ndritten Acte: Sonntagslust und festliches Treiben auf dem\nSchiffe, bunte Lampen, Mädchen, die Wein und Speisen\nan Bord bringen, Matrosen singend und tanzend. In der\nmusicalischen Behandlung dieser Seemanns-Scenen herrscht\nein wohlthuend frischer, kräftiger Realismus. Wie volks-\ntümlich klingt das Lied des Steuermannes im ersten, wie\nstraff und lustig der derbe Matrosen-Chor im dritten Acte!\nDa ist doch Freude am bunten Leben, am wirklichen Men-\nschen noch nicht die schattenhafte, trostlose Vornehm-\nheit heiliger Grals-Ritter u. dgl.\nIm Gegensatze zu den Scenen auf Daland's Schiff\nmacht hingegen das gespenstige Treiben an Bord des „flie-\ngenden Holländer\" im dritten Acte nicht die beabsichtigte\nWirkung. Für diese allerdings ungewöhnliche Aufgabe\nreichte Wagner's Kraft nicht aus. Indem er sich mit allem\nRaffinement zu überbieten strebte, erzielte er doch nur\neinen wüsten Tumult, der, einige Tacte länger ausgespon-\nnen, aus dem Abscheulichen ins Komische überschlagen\nmüsste. Bloss mit Posaunenstössen, verminderten Sept-\nAccorden und chromatischen Scalen kann man doch auf\ndie Länge keinen musicalischen Eindruck erzielen. Wagner\nkleckst hier Farbe auf Farbe, während doch eine charak-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5169, "texte": "teristische Zeichnung zu Grunde liegen müsste, wie sie\nBeethoven und Weber wahrscheinlich in die Themen\nselbst gelegt halten. Ein genialer Zug in dieser Scene ver-\ndient jedoch hervorgehoben zu werden. Auf die wieder-\nholte lärmende Ausforderung der Norweger: „Antwortet\ndoch!\" (C-dur) ertönt nach einer langen, beklemmenden\nPause bloss ein gedämpfter Cis-moll-Dreiklang aus dem\nInneren des schwarzen Schiffes. Ein schauriger Klang aus\neiner anderen Welt, ein Klang wie Moder und Ver-\nwesung.\nZu d iesen gross und breit angelegten Seestucken bil-\ndet die (riedliche Idylle des zweiten Actes ein glückliches\nGegenstück. Ein Hauch aus dem traulichen Försterhaus\nim „Freischütz\" weht anheimelnd durch die beschränkte\nHäuslichkeit dieser norwegischen Familie. Mahnt Erik\nschon durch das grüne Jägerkleid an seinen glücklicheren\nBruder Max, so ist die ahnungsvoll schwärmende Senta\nvollends eine ins Wagner'sche übersetzte (d. h. hysterisch\ngewordene) Agathe. D<fs Spinnerlied, womit der Act an-\nhebt, ist von anmuthigstem Reiz, der folgende Mädchen-\nchor („Das Schiffsvolk kommt\") voll neckischer Lebendig-\nkeit. Mit einigem Staunen vernimmt man so klare, heitere\nMelodieen aus dem Munde des Lohengrin-Dichters; es ist\ngar hübsch von einem grossen Herrn, so menschlich mit\ndem Publicum zu sprechen.\nAus Erik's sanften, melodischen Klagen spricht ein\ntreues Gemüth; wir glauben leichter an seine Liebe, als\nan die Tannhäuser's oder Lohengrin's. Daland ist ganz\nim Geiste und Ausdruck der älteren Bühnenväter gehal-\nten; der Componist gibt ihm zwar keinen einzigen bedeu-\ntenden Gedanken, aber eine merkwürdig solide musicali-\nsche Gesinnung und sogar eine kleine, verschämt colo-\nrirte Cadenz. Um das Maass unserer Frevel voll zu ma-\nchen, bekennen wir, dass auch dieser reactionäre Fischer\nuns lieber ist, als der langweilige Onkel und Biedermann\nvon der Wartburg.\nHaben wir uns an dem Matrosenleben und den idylli-\nschen Scenen im „Holländer\" aufrichtig erfreut, so fühlen\nwir uns hingegen verstimmt und enttäuscht, wo das Pa-\nthos tiefer Leidenschaftlichkeit hervortreten soll. Die ganze\nPartie des Holländers und ein grosser Theil von Senta's\nGesängen gehört hieher. Da fehlte dem Componisten\ndurchweg der echte, tiefe Herzenston, und was er uns da-\nfür bietet, ist nichts als die Ueberanstrengung rein äusser-\nlichen Ausdrucks.\nWelch hohles, lärmendes Pathos in der ersten Arie\ndes Holländers, welche gefälschte Tiefe und schliesslich\nwelch ungefälschte Trivialität in seinem grossen Duett mit\nSenta! Durch ein endloses Gesinge, das dem stolpernden\nUmhertappen eines Blinden gleicht, gelangen wir endlich\nzu einem Schluss-AIlegro von reinstem Donizetti'schem\nWasser. Ueberhaupt bietet der rein musicalische Theil des\n„Holländer\" des Gequälten, anspruchsvoll Unbedeutenden,\nja, Widerwärtigen mehr als genug. Der Musiker möge auf\nunsangbare Melodieen, banale Schluss-Phrasen, auf Modu-\nlationen wie Keulenschläge, vor Allem aber auf unabseh-\nbare Reihen von verminderten Septim-Accorden gefasst\nsein, welche in ihrer einschneidenden und doch zugleich\nganz charakterlosen Verwendbarkeit von Wagner auf das\nunbarmherzigste gehäuft werden. Trotzdem hat uns der\n„Holländer\" in seinen bescheideneren Verhältnissen, seiner\nherzlicheren Grundempfindung und seinem natürlicheren\nGesänge als Ganzes erfreulicher berührt, als „Tannhäuser\"\nund „Lohengrin\". Den blendenden Glanz ihrer berühmte-\nren Schwestern vermag zwar diese vom eigenen Vater ver-\nstossene Cordelia nirgends zu erreichen, dafür fordert sie\naber auch von uns keine so schwere, aufreibende Selbst-\nverläugnung.\nDas Hof-Operntheater hat den „Holländer\" in wür-\ndigster Weise vorgeführt. Die Schwierigkeiten der Sceni-\nrung sind bei den unzureichenden Dimensionen dieser\nBühne doppelt so gross, als in Berlin oder Dresden; dessen\nungeachtet wusste man den Schiffsscenen durch zweck-\nmässigstes Zusammenwirken der Malerei, Beleuchtung und\nMaschinerie den grössten Effect zu sichern. Von den Sän-\ngern verdient Herr Beck den ersten Preis. Er hatte den\nüberaus schwierigen Part des Holländers sich vollkommen\nangeeignet und mehr als Eine bedenkliche Stelle durch\nkräftigen Schwung des Vortrags gerettet. Auch in drama-\ntischer Hinsicht zeigte Herrn Beck's Leistung einen über-\nraschenden Fortschritt. Fräulein Krauss sang die Senta.\nWenn man die vielen und grossen Partieen überblickt,\nwelche diese junge Sängerin in kurzer Zeit neu studirt und\ndargestellt hat, so muss man ihren Fleiss und ihre musi-\ncalische Festigkeit bewundern. Leider scheint ihre Stimme\nnoch an den Folgen dieser Anstrengungen zu leiden. Ihre\nSenta war eine lobenswerthe Leistung, und würde es noch\nweit mehr sein, wenn Fräulein Krauss das Fischermädchen\nweniger krankhaft und somnambul fassen wollte. Die Dar-\nstellerin dieser Rolle hat das Pathologische so viel als mög-\nlich zu mildern. Die übrigen Mitwirkenden: Fräulein\nWeiss (Mary), die Herren W7alter (Erik), Mayerho-\nfer (Daland) und Erl (Steuermann) verdienen das wärm-\nste Lob. Die gute Hälfte des Gelingens des „fliegenden\nHolländer\" hängt von der Tüchtigkeit der Chöre und des\nOrchesters ab; sie haben sich unter der trefflichen Lei-\ntung Esser's ganz vorzüglich gehalten.\n\nEd. H.\n\nl*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "372", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3964, "texte": "Beurtheilungen.\nGeistliche Musik.\nM.\nChristnacht. Cantate von A. v. Platen, für Solo-\nstimmen und Chor mit Begleitung des Pianoforte\ncomponirt von F. Hill er. Op. 79. Winterthur,\nbei J. Rieter-Biedermann. Leipzig, bei Hofmeister.\nPreis 2% Thlr.\nDie wundersam schöne Dichtung des grossen Einsa-\nmen hätte keine bessere und treffendere musicalische In-\nterpretation finden können, als diese wahrhaft adelige und\nfromm erhebende Musik des Grössten unter denjenigen,\nwelche in der Gegenwart dem Oratorium und ähnlicher\nMusik sich zuwandten. Zwar trägt diese Composition nicht\nden Stempel des Grossartigen, es wäre dies sogar ein Feh-\nler gegen den Geist der Dichtung; aber sie gibt den süs-\nsesten Duft der Frömmigkeit und Mystik, welchen das Ge-\ndicht athmet, in einfachen und milden Farbentönen wieder.\nDabei ist die Cantate kürzer und leichter auszuführen, als\ndie grösseren Gesangwerke Hiller's, und sonach allen,\nselbst den engsten Kreisen zugänglich. Der Tonmeister hat\nsie geistvoll in sechs Abschnitte gruppirt, welche theils als\nSologesänge dem verkündenden Engel und einem Hirten,\ntheils dem Chor der Seraphim und dem Chor der Hirten\nzugetheilt sind. Die Chöre sind theils getrennte von Sopran-\nund Altstimmen (die Seraphim) und von Tenor- und Bass-\nstimmen (die Hirten), theils vereinigte, wo dann der volle\nChor vier- bis sechsstimmig behandelt ist, wie in dem\nSchlusschor: „Vergesst der Schmerzen jeden und lebt mit\nuns in Eden!\" Dieser Chor ist kunstvoll angelegt und\nmacht in seinen melodischen Wechselweisen einen schönen\nEindruck, der sich beim Dazutritt des früher schon vorge-\nkommenen Männerchors: „Preis dem Geborenen!\" zu einer\ngrossartigen Wirkung steigert. Dieser Männerchor (Nr. 5)\nvon vier Solo- und vier Chorstimmen, zwischen denen die\nSopranstimme des Engels hindurch klingt, ist ein Hym-\nnus, der durch die düsteren, unheilvollen Prophezeiungen\ndes Engels und die darauf folgende trostvolle Verheissung\nunendlichen Glückes, welches das Kind zu Bethlehem brin-\ngen werde, sich mächtig zum Lichte durchringt. Weniger\ndürfte vielleicht der Chor Nr. 3 der Dichtung entsprechen,\nda der Charakter der Situation grösseren Ernst und mehr\nTiefe erheischt; jedoch ist dieses Stück musicalisch sehr\nschön. Die Solo-Partieen anlangend, kann man kaum etwas\nReizenderes finden, als die von schwebenden Harfentönen\ngetragene Sangweise des Hirten: „Was seh' ich?\" und\nals die Aufforderung des Engels an die Seraphim. Etwas\ndramatisch und zu sehr an musicalische Leidenschaftlich-\nkeit streifend, aber schön und tief empfunden ist Nr. 4:\n„Fromme Gluth\". Im Ganzen ist die „Christnacht\" in\ndem Kranze der Tonschöpfungen Hiller's jedenfalls eine\nder duftigsten, sinnigsten Blumen.\nDer 96. Psalm für Männerstimmen und Orchester\nvon E. Kronach. Op. 5. Ciavier-Auszug. 2 Thlr.\n25 Ngr. (Ebendaselbst.)\nGesang-Vereinen ist sehr zu rathen, dieses gediegene,\nschwungvolle und wirksame Tonwerk ihrem Repertoire\neinzureihen und ernstem Studium zu unterziehen; sie wer-\nden mehr gewinnen, als durch Absingen von hundert Lie-\ndern. Nebenbei haben sie dann noch das Verdienst, die\nedelsten Zwecke der Tonkunst befördert zu haben: Ver-\nedlung des Herzens und Erweckung frommer Gefühle. Die\nComposition erbaut sich ans mehreren Sätzen, die aber,\nwie in Einem Gusse fortfliessend, nur durch das Tempo, den\nRhythmus und durch die vom Texte gebotene geistige\nAuffassung zu unterscheiden sind. Die Anlage des Ganzen,\nohne bei jeder Nummer einen förmlichen Abschluss zu\nmachen, ist jetzt Mode. Wohl liegt da die Gefahr der Er-\nmüdung sowohl der Sänger als der Zuhörer nahe; Kro-\nnach hat sie aber im Allgemeinen glücklich vermieden\ndurch den mannigfaltigsten Wechselnder Führung der\nStimmen, die bald unisono, bald alternando, bald imitato-\nrisch, bald im Chor erklingen. Vorzügliche Anerkennung\nverdient auch die Behandlung des Orchesters, das dienend\nund selbstständig auftritt, je nachdem der Zweck es erfor-\ndert. Das Ganze zeugt von Talent, Studium und Ernst\ndes Strebens."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "374", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.2.4", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "F. 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Es ist jedoch nicht zu fürchten, dass es zu\ndiesem Aeussersten kommen werde, denn die grosse Le-\nbensfrage aller nicht subventionirten Bühnen, die Theil-\nnahme des Publicums, hat hier bis jetzt eine glänzend be-\nfriedigende Antwort erhalten. Vor zwei Monaten hat die\nOper ihre Vorstellungen eröffnet, und der Zudrang wächst\nnoch von Tag zu Tag. Die erste Vorstellnng des „Fidelio*"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5509, "texte": "brachte, sagt man, 1380 Gulden auf. Achtundvierzig Stun-\nden vor der zweiten waren Parterre und Logen ausver-\nkauft. Ich füge hinzu, dass die Holländer mit den hier an-\ngesessenen Deutschen wetteifern, um den Künstlern den\nhiesigen Aufenthalt angenehm zu machen. Was hier die\nKunst übt oder liebt, das öffnet unseren Landsleuten in\nder zuvorkommendsten Weise das Haus. „Wie liebens-\nwürdig\", hörte ich von einem der Sänger sagen, „können\ndie Holländer sein, wenn sie aufthauen!\" In der Thal, sie\nthauen auf. Herr v. 8., das Haupt der Theater-Commis-\nsion, gab seinen Schutzbefohlenen eine Abend-Gesellschaft,\nin der jede Prima Donna und jeder Primo Uomo an einem\nTempel die bildliche Darstellung der Rolle vorfand, in der\ner bis jetzt am meisten geglänzt hatte. Aber nicht allein\ndie bekannten Freunde und Gönner der Musik, denen längst\nder Künstler das: 0 et praesidmm et dulce decus meum!\nzurufen konnte, zeigen ihre Gastfreundschaft; auch Rheder,\ndie bis jetzt nur mit der „Neuen Rotterdamer Zeitung\"\nin der Tasche in die Oper gegangen waren, die keine Mu-\nsik hören mochten als den Geschützdonner ihrer einlaufen-\nden Klipper, entreissen sich ihren Träumen von Palmöl\nund Elephantenzähnen, um den Grössen der deutschen\nBühne an Bord ihrer Ostindienfahrer ein Fest zu geben.\nWenn unsere Landsleute an jedem Mittwoch und Frei-\ntag vor vollem Hause singen, so fehlt es ihnen dabei nicht\nan Concurrenz. Jeden zweiten Dinstag kommt die fran-\nzösische Oper aus dem Haag herüber, die freilich nicht\nviel mehr laugt, seitdem die königliche Unterstützung so ma-\nger zufliesst, und der es geht, wie den meisten Bühnen zwei-\nten Ranges: sie hat vielleicht einen guten Tenor oder eine\nbrillante Coloratursängerin, aber sie hat kein Ganzes. Dann\nspielen hier noch alle Samstage zwei holländische Ge-\nsellschaften, welche ebenfalls die Eisenbahn aus Amster-\ndam und dem Haag herführt. Nehmen Sie dazu die hohen\nEintritts-Preise (Parterre 27% Sgr., erste Loge 1 Thlr.\n222/3 Sgr.), berücksichtigen Sie, dass die Holländer nicht\ngerade vergnügungssüchtig sind, dass die Kaufleute hier\nin Rotterdam, im Gegensatz zu der vernünftigen londoner\nPraxis der Hauptstadt, an einem Luxus von späten Comp-\ntoirstunden laboriren, so werden Sie nicht sagen können,\ndass die Triumphe der deutschen Oper so billig sind, wie\ndie Kreuzzeitung es von Garibaldi s Lorbern behauptet.\nUnd wenn Sie gesehen hätten, wie es im „Fidelio\" so un-\nheimlich voll im Parterre wurde, dass Manche sich hinaus-\nretteten, um stehend, ihrer drei und vier, den Hintergrund\njeder Loge unsicher zu machen; wenn Sie gehört hätten,\nwie athemlos gespannt diese Menge der grossen Leonoren-\nOuverture lauschte, und welch ein Beifallssturm am Schlüsse\nderselben unserem braven Capeilmeister, Herrn Scraup\naus Prag, drei Verbeugungen kostete, so würden Sie die\nHolländer weder für so unerwärmbar nüchtern, noch für\nso unempfänglich für das Schöne halten, wie sie oft ver-\nschrieen sind.\nFreilich wohl, wen die schöne Stimme der Frau\nKainz, oder das leidenschaftliche Spiel der Frau Ber-\ntram-Mayer nicht aufzuthauen vermöchte, der sollte\nnur nach Spitzbergen unter die Eisklumpen auswandern.\nFrau Kainz besitzt ein Organ von solcher Klangfarbe, dass\nin Deutschland nicht viele Sängerinnen ihr gleichkommen\ndürften. (?) Und diese Stimme ist durch den jahrelangen\nFleiss in einer strengen Schule zur grössten Gleichmässig-\nkeit ausgebildet. Dabei ist Frau Kainz eine wohlthuende\nErscheinung. Ihre ruhig heitere, etwas schalkhafte Anmuth\nbei einer vollen, blühenden Gestalt macht sie zu Rollen\nwie Susanna und Martha vorzüglich geeignet. Aber in eben\ndieser Ruhe liegt ihre Schwäche. Den Frieden dieser Züge\nregt niemals der Sturm der Leidenschaft auf. Ohne Lei-\ndenschaft aber gibt es kein Drama. Hier nun tritt Frau\nBertram-May er in ihre Rechte. Ihre Stimme, von sel-\ntenem Umfange, ist weniger wohllautend als die der Frau\nKainz, und ihr würde der freundliche Rath zu geben sein,\ndie Uebergänge ihrer Register durch fortgesetzte Uebung\nvollkommener zu verschmelzen. Ihre Alt-Töne würden\nauch dann noch kräftig sein, wenn sie zuweilen weniger\ndarauf drückte. Aber ihr bewegliches Gesicht, ihr lebhaf-\nter, mannigfaltig abgestufter Ausdruck und das Feuer\nihres Spiels machen sie zu der ersten dramatischen Sän-\ngerin unserer Bühne. Besonders gelingen ihr die leiden-\nschaftlichen Augenblicke. In Rollen wie Fidelio und Norma\nhat sie bisher am meisten geglänzt, während Susanna,\nMartha, kurz, die haute comedie in der Oper, das Gebiet\nbezeichnen, auf dem Frau Kainz unbestrittene Herrschaft\nübt, indem Frau Bertram als Soubrette zu stark aufträgt.\nDagegen müssen wir Frau Kainz bitten, sich Rollen wie\nLeonore in Stradella vollends dadurch zu erobern, dass\nsie den Ruhm Roma's begeisterter verkündet, so wie es\neiner Italiänerin und Sangerbraut ziemt. Wir können ihr\nkaum verzeihen, dass sie sich in dieser Rolle so viel um\ndas Schicksal ihres rothseidenen Schleppkleides kümmerte,\nwenn wir auch gern gestehen, dass sie nichts so gut klei-\ndet, wie diese venetianische Tracht.\nDer erste Tenor, Adolf Grimminger, vor Kurzem\nin Wien thätig, besitzt eine Stimme, über deren Vorzüge\nund Mängel adhuc sub iudice lis est. Wir beschränken\nuns auf die Hervorhebung dessen, was unbestritten scheint.\nHerr Grimminger besitzt in einigen Lagen eine ausseror-\ndentliche Kraft und Fülle des Tones, und diesem Tone\nfehlt es nicht an Schönheit und Metall. Er muss sich nur,\nnamentlich im Zusammenspiel mit Anderen, hüten, diese\nEigenschaft, die am rechten Orte gewaltige Wirkung thut,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3863, "texte": "zu missbrauchen. Höchst vortheilhaft zeichnet ihn das Stre-\nben aus, seine Rollen zu durchgründen, ihrer Redeutung\nund ihren Feinheiten gerecht zu werden. Er ist ein den-\nkender Künstler von einer Rildung, die unter seinen Stan-\ndesgenossen nicht eben gewöhnlich ist. Wo wir seine Auf-\nfassung nicht billigen konnten, auch da waren wir über-\nzeugt, dass er Gründe für dieselbe hatte. Sein Spiel aber ist\neiner gründlichen Reform zu unterwerfen. Mit Zügen aus-\ngestattet, die an sich interessiren, brauchte er z. B. als\nFlorestan das Mienenspiel nicht so stark aufzutragen. Er\nsoll der Gefangene sein und ist nur ein Schauspieler. Noch\nschlimmer steht es mit den Gesten. Bis an ihr Ende, meinte\nLessing, lernen die meisten Acteurs nicht, einfach und na-\ntürlich sein; immer agiren sie wie Mädchen von fünfzehn\nJahren. Herr Grimminger beherzigt Hamlet's Rath nicht\ngenug: „Nor do not sawthe a —Herr Grim-\nminger erlaube uns auch, ihm schliesslich zu hemerken,\ndass er viel zu oft mit der Stimme vibrirt.\nDas Spiel des Herrn Dalle Aste, des ersten Rass-\nsängers, gefällt uns besser. Seine Geberden sind sparsam,\nleicht, angemessen; er telegraphirt nie. Er ist in jeder\nRolle ein Anderer gewesen, und in jeder, wenn wir die\nRanditen-Rolle in Stradella ausnehmen, hat er mehr als\nbefriedigt, ja, als Leporello, Figaro, Plumkett Alles be-\nzaubert. Eine echte Theater-Figur: schlank, geschmeidig,\nalle Rewegungen leicht und selbst die komischen anmu-\nthig. Als Marcel hätte er im Hugenotten-Liede mehr Feuer\nhaben müssen. Grosse Tiefe zeichnet seine Bassstimme nicht\naus, aber die Klangfarbe ist schön. Herr Dalle Aste macht\ndesshalb einen so wohlthuenden Eindruck, weil er auf der\nBühne in seinem Element ist, wie der Fisch im Wasser.\nWeil es ihm aber da zu wohl wird, so liess er sich ein\npaar Mal zu Spässcn hinreissen, die eines gediegenen und\nfeinen Künstlers, wie er ist, durchaus unwürdig sind, und\ndie bei Pseudo-Frascati oder auf einem\nlevards besser gefallen haben würden, als in Mozart's\n»Don Juan\".\nIm Ganzen genommen, verdienen Reide den Namen\nKünstler. Reide haben einen hohen RegrifT von ihrer\nKunst, Reide streben ihrem Ziele eifrig nach und werden\ndabei von reichen Kräften unterstützt. Was nun aber Herr\nDalle Aste erreicht hat, scheint uns die Leistungen des\nHerrn Grimminger an vollendeter Form zu übertreffen.\nDies ist diesem, dem jüngeren Manne, kein Tadel, und\nmehr als der seichte Beifall der Menge muss es ihm gel-\nten, wenn ihm eine vorsichtig abgewogene Anerkennung\nmit Freimuth zu Theil wird. Seine Intentionen sind lobens-\nwerth, er sucht in den Kern der Charaktere einzudringen,\nwelche die dramatische Musik hinstellt, wie es einer wahr-\nhaft künstlerischen Natur ziemt. Aber ein Anderes ist con-\neipiren, ein Anderes ausführen. Auch dies gelingt ihm zu*\nweilen herrlich; wir kennen kaum etwas Mächtigeres als\nsein: „In die Freiheit!\" als Florestan. Aber es ist noch\nkein Ganzes. Eine so harmonische, künstlerisch beruhigte\nGestalt wie Dalle Aste's Figaro hat er uns bisher nicht\nvorgeführt. Er denke über sein Spiel nachl Bei seiner rei-\nchen Begabung wird er in der eigenen Brust und an gros-\nsen Mustern finden, was sein Spiel einfacher und natür-\nlicher machen kann.\nUeberzeugt, dass mit dieser Kritik keiner der Betrof-\nfenen zufrieden sein wird, und eben desshalb in der ange-\nnehmen Hoffnung, im Ganzen Niemandem zu viel und zu\nwenig gethan zu haben, schliessen wir diese Skizze, doch\nnicht, ohne die Verdienste des Chor-Directors, Herrn\nHempel, hervorgehoben zu haben, der nicht nur auf dem\nleipziger Conservatorium viel Theorie, sondern auch die\nnöthige Praxis sich angeeignet hat, um den Chor aus ziem-\nlich cruden Elementen zu anerkennenswerthen Leistungen\ndurch klugen Eifer heranzubilden. Jedenfalls bietet Herrn\nScraup das Orchester ein lohnendes Feld für seine ge-\ndiegene Thätigkeit.\nRotterdam, Anfangs November 1860.\n\nF. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "374", "page_fin": "375", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.2.5", "titre_corps": "Bweites Gesellschafts-Concert in Köln Im Gürzenich,", "titre_sommaire": "Bweites Gesellschafts-Concert in Köln Im Gürzenich,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.6", "debut_caractere": 3865, "fin_caractere_exclue": 5479, "texte": "Bweites Gesellschafts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 6. November 1860.\nDas Programm des Concertes vom 6. d. Mts. haben wir bereits\nin der vorigen Nummer (46) mitgetheilt.\nEine willkommene Eröffnung war Cherubini's Ouvertüre zur\nOper Faniska (vgl. in Nr. 43 den Aufsatz von A Schindler über\ndie Wiederaufnahme dieser Oper in Frankfurt am Main). Cherubini's\nOuvertüren haben sich fast alle auf den Concert-Programmen erhal-\nten, obgleich die Opern selbst (Lodoiska, Faniska, Medea, TV asser-\nträger, Abencerragen u. s w.) von den Theater-Repertoiren so gut\nwie verschwunden sind. Ersteres ist ein gutes Zeichen für den mehr\nals bloss relativen Werth der Compositionen, welchen denn auch\nnoch heutzutage jeder wahre Musikfreund anerkennt. Der Zuschnitt\nist fast bei allen derselbe; auf eine charakteristische, in der Regel\ndurch abgebrochene melodische Sätze höchst spannende Einleitung\nin langsamem Tempo folgt ein Allegro von regelmässiger Form, das\nsich durch lebendige Motive, hauptsächlich aber durch feine Instru-\nmentirung und wirksame Steigerung auszeichnet. Die Ausführung\nder Faniska-Ouverture durch unser Orchester entsprach der Compo-\nsition vollkommen * an eine Uebertreibung der Tempi ist bei 11.l1. Hil-\nlens Gabe, in den Geist des jedesmaligen Werkes einzudringen und\nihn entweder auf dem Ciavier selbst wiederzugeben oder durch das\nOrchester wiedergeben zu lassen, nicht zu denken. Das Abhetzen\nist stets nur Ausfluss von Mangel an Yerständniss der Composition\noder von einer musicalischen Blasirtheit, die, mag sie an noch, so"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4345, "texte": "Grosse Namen sich knüpfen, immer mehr an das Handwerk als an\ndie Kunst erinnert.\nNach der Ouvertüre wurde das Laudate Dominum für Sopran-\nSolo, Chor und Orchester von demselben Meister gegeben, ein schö-\nner Hymnus im Stile Cherubinischer Kirchen-Composition, welcher\nsich mehr an das Prächtige und Glänzende des katholischen Gottes-\ndienstes und an das rein menschliche Gefühl hält, als an das Dog-\nmatisch-Mystische und specifisch Kirchliche. Fräulein Julie Ro-\nthenberger von hier, eine Schülerin des Herrn E. Koch, sang das\nSolo recht artig; ihre Stimme zeichnet sich besonders durch eine\nrein intonirte, leicht ansprechende klare Höhe aus.\nChor und Orchester trugen ausserdem noch ein Gesangstück von\nM. Hauptmann: „Und Gottes Will1 ist dennoch gut\", vor, aus\ndem wir in der That nicht recht wissen, was wir machen sollen.\nDie musicalische Auffassung des Gedichtes, das denn doch ungeach-\ntet einiger Zeilen, die eine Art von freudig zuversichtlichem Trotz\naussprechen, immer ein religiöses Gedicht, ja, eine Art Kirchenlied\nbleibt, hat uns sehr befremdet; sie ist wenigstens wunderlich, und\nwir konnten uns auch bei wiederholtem Anhören nicht mit dieser\nComposition des hochverehrten Musikers befreunden.\nUeber G. Vieriin g's Ouvertüre zu Schillert „Maria Stuart\"\nverweisen wir auf unsere Beurtheilung derselben in Nr. 46 dieser\nBlätter. Die Ausführung war vortrefflich, was man in vollem Maasse\nauch von dem Vortrage der Sinfonie Nr. 3 in A-moll von F.\nM endelssohn sagen kann, welche das Orchester mit weit mehr\nPräcision und Feinheit spielte, als die sämmtlichen Orchesterstücke\nim ersten Concerte. Das wurde uns aber auch jetzt wieder klar,\ndass die unmittelbare Aneinanderfiigung aller Sätze einer Sinfonie\nund aller Musikstücke in Sonaten form keineswegs zu besserer Auf-\nfassung und zu verständigerem Genüsse des Werkes beiträgt; sie\nverwirrt (namentlich den Dilettanten, d. h. also die grösste Hälfte\ndes Publicums) und spannt ab und ermüdet, während die gute alte\nDrei- oder Viertheilung mit ihrer verschiedenen Bewegung und ihren\nRuhepunkten in der Natur des Menschen begründet ist.\nWas das Concert am 6. d. Mts. ganz vorzüglich anziehend\nmachte, waren die Vorträge der Frau Szarvady-Clauss aus\nParis» Seit Jahren hatte diese ausgezeichnete Clavierspielerin ihr\ndeutsches Vaterland nicht wieder besucht, da sie nach einem wie-\nderholten längeren Aufenthalte in London in Paris einen glücklichen\nHausstand und eine neue Heimat gefunden. Aber ihr Andenken war\nüberall nicht, am wenigsten bei uns hier, erloschen; wir freuten uns\nherzlich, sie wieder am Rheine zu begrüssen, und jetzt, nachdem\nwir sie gehört, sind wir stolz darauf, dass sie Köln gewählt hat,\nhier zuerst einen neuen Siegeslauf in Deutschland zu beginnen,\npenn sie hat sich zu einer vollendeten Künstlerin herangebildet und\nist eine von den seltenen Erscheinungen, die eben so sehr durch die\nliebenswürdigste Anspruchslosigkeit als durch eine . vollkommene,\nerstaunenswerte Technik, geist- und phantasievolle Auffassung und\necht künstlerischen Vortrag gediegener Musik nicht bloss eine vor-\nübergehende Bewunderung hervorrufen, sondern magisch anziehen\nund dauernd fesseln. Sie spielte das Concert für Piano und\nOrchester-in Fis-moll von F. Hill er, eine ausgezeichnet schöne\nComposition, in welcher durch die glänzende Hülle eigenthiimlicher\nPhantasie überall ein Kern echter Ciaviermusik zum Vorschein\nkommt, die den genialen Schüler HummeFs verräth. Das Concert\nist noch Manuscript und schon vor Jahren geschrieben, aber mit\ngrossem Unrecht von dem Componisten stiefväterlich vernachlässigt,\nda es vielmehr eines seiner liebsten Kinder sein müsste; wir sind\nüberzeugt, dass es nur zu erscheinen braucht, um von den Pianisten\nüberall gespielt zu werden, denn es ist ein Musikstück, nach Wel-\nchem alle gediegenen Spieler um die Wette greifen werden, da sie\ndoch nicht immer Beethoven's Es-dur- und Mendelssohn's G-moll-\nConcert und Weber's Concertstück vortragen können.\nAusserdem spielte Frau Szarvady noch einige kleinere Stücke\nvon Chopin; in allen ihren Vorträgen waltete der Zauber, den die\nGrazien nur ihren Lieblingen verleihen. Wir hoffen sie nach ihrer\nRückkehr von Leipzig, wo sie in zwei auf einander folgenden Ge-\nwandhaus-Concerten ebenfalls ungeheuren Erfolg gehabt hat, wieder\nzu hören und werden auf die Charakteristik ihres Spiels zurück-\nkommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-17_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.7", "debut_caractere": 4347, "fin_caractere_exclue": 6926, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln* Am Dinstag den 13. d. Mts. fand die erste Soiree\nfür Kammermusik im Hotel Disch Statt. Die Herren von Kö-\nnigslöw, Derckum, Grunwald und B. Breuer erfreuten die\nsehr zahlreiche Zuhörerschaft durch die treffliche Ausführung eines\nwunderlieblichen Quartetts (F-dur) von J. Haydn und des herrli-\nchen Quartetts in C-dur Nr. 9 (mit dem genialen Andante) von\nBeethoven. Ausserdem trugen Herr Capellmeister Hill er und\nvon König slow eine neue geistreiche Composition von Hiller mit\nbekannter Meisterschaft vor, eine Sonate fürPianoforte und\nVioline (Allegro moderato, Burlesca vivace, Andante quasi Adagio\ne altacca il Molto vivace).\nDer junge ungarische Violin-Virtuose Auerist hier anwesend\nund wird heute Abends in der musicalischen Gesellschaft spielen.\n** Elberfeld, 9. November. Von den hiesigen Corresponden-\nten der Musik-Zeitung scheint keiner unserem ersten Winter-Con-\ncerte beigewohnt zu haben, wie aus dem Schweigen dieses Blattes\nhervorzugehen scheint. Gestatten Sie daher, dass man diese Lücke\nausfülle, damit das Fest, womit die Reihe der Winter-Concerte in\nunserem neuen Saale eröffnet wurde, nicht ohne Nachhall in einem\nweiteren Kreise bleibe. Und ein Fest war es wirklich, denn „Elias\",\ndas prächtige Werk Mendelssohn's, wurde aufgeführt» Ein öffentli-\ncher Dank gebührt den Männern, welche die Mühe und auch die\nOpfer nicht scheuten, die Ausführung eines Werkes durchzusetzen,\nzu deren Erfolg sie sich alle der Capellmeister Schornstein\nvor Allen Glück wünschen dürfen. Chor und Orchester, Dilettan-\nten und Künstler, Alles hat seinen Theil am Gelingen, besonders\nauch die vier Haupt-Solisten. Neben Fräulein Schreck aus Bonn,\nder vortrefflichen Altistin, sang Fräulein Adeline Büchner aus\nKöln die Sopran-Partie; neben Herrn Step an, dem schon durch\nfrühere Darstellungen des Elias bekannten Sänger, hatte Herr Dr.\nRademacher aus Köln die Tenor-Partie übernommen. Einer von\ndiesen Namen, der von Fräulein Büchner, ist neu. An das Interesse\nder Neuheit knüpft sich aber noch ein anderes, glücklicher Weise\nviel selteneres: das junge Mädchen ist blindgeboren; und nicht nur\nsang sie zum ersten Male in einem Concerte, sondern hatte noch\nobenein die Partie in sehr kurzer Zeit einstudiren müssen. Durch\ndie schöne Ausführung derselben übertraf Fräulein Büchner alle Er-\nwartungen, und Frau Dr. Rademacher-Tuczek, ihre Lehrerin, darf\nstolz sein auf eine solche Schülerin. Da wir in Einzelheiten nicht\neingehen können, so erwähnen wir nur noch kurz, dass Stepan mit\nseiner kolossalen und doch wohlklingenden Stimme wie geschaffen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4513, "texte": "ist für den Elias; dass Rademacher mit seinen schön declamirten\nRecitativen ihm würdig zur Seite stand, und dass Fräulein Schreck\nsich auch hier, wie immer, als wahre, echte Künstlerin bewährte\nund durch ihre weichen, vollen Töne alle Herzen ergriff. Wären\ndoch solche Genüsse nicht so selten für uns!\nFrankfurt St. M» Das Coneert des Herrn Max W o 1 ff\nhat nicht nur einem grösseren Auditorium, sondern auch dem enge-\nren Kreise der Kunstkenner Genüge geleistet. Es wurde eröffnet mit\neinem bereits im vorigen Jahre sehr beifällig aufgenommenen Nonett\nunseres Mitbürgers und geschätzten Musiklehrers, des Herrn J. C.\nHauff. Der erste Satz hat durch Weglassung der früheren Wieder-\nholungen einzelner Stellen an Effect gewonnen, das Adagio hat durch\nseinen edeln und seelenvollen Ausdruck ergreifend gewirkt, wie die\nbeiden letzten Sätzte durch ihre frische, heitere und lebensvolle Hal-\ntung. Von Kennern wie von Musikfreunden ist dem gehaltvollen\nWerke die freundlichste Aufnahme geworden, und zweifeln wir nicht,\ndass es auch in weiteren Kreisen der Musik weit Eingang finden\nwird. Die Aufführung des genannten Nonetts durch gediegene Künst-\nlerkräfte und den Concertgeber liess nichts zu wünschen übrig.\nHerr Max Wolff hat den gewonnenen Ruf gerechtfertigt, indem er\nsich in verschiedenartigen Compositionen als ein vorzüglicher Violin-\nspieler bewährte. Wie er die Romanze für die Violine von Beetho-\nven in G-dur mit Wärme und Innigkeit vortrug, so bewältigte er\ndie bedeutenden technischen Schwierigkeiten in dem Concerte von\nMendelssohn und der Ciaccona von Bach in einer Weise, welche die\nVirtuosität auf seinem Instrumente allseitig bekundete und sich der\nbeifälligsten Aufnahme zu erfreuen hatte. Diese erreichte ihren Höhe-\npunkt beim Vortrage des „Carneval von Venedig* von Paganini und\nErnst. (Did.)\nBegeilSlilirgk 26. October. Diese Zeilen schreibe ich un-\nter dem Eindrucke zweier grösseren Tonwerke: 1) Psalm 24, 2) Die\nletzten Worte des Herrn, von L. Spohr, welche ein musicalischer\nPrivat-Verein gestern im kleinen Saale des »neuen Hauses\" vor einem\ngewählten Publicum producirte. Da ich schon im vorigen Jahre zwei\nMal Gelegenheit hatte, von diesem Vereine Ihnen das Erfreulichste\nund Löblichste zu berichten, so will ich nur den Wunsch ausspre-\nchen, es möchten die Bemühungen der Mitglieder, welche die wenige\nZeit, die ihnen Beruf und Stellung übrig lassen, so schön zur He-\nbung und Veredlung des leider mehr und mehr verfallenden Ge-\nschmackes verwenden, den einzig möglichen Dank ärnten : freudige\nAnerkennung von Seiten des Publicums und thätiges Zusammenwir-\nken aller Musikkräfte. Man klagt so oft, dass höhere Musik nicht\nzu hören sei; das Vorstehende ist Beweis, dass zu dieser Klage hier\nwenigstens kein Grund ist.\nJoachim und Frau Clara Schumann haben ihre zweite und\ndritte Soiree in Dresden mit grösstem Beifall gegeben.\nDie Stradivari-Geige, welche Spohr seit fast einem halben Jahr-\nhundert gespielt hat, soll, wie es heisst, von der Familie jetzt ver-\nkauft werden.\nNach schwedischen Blättern hat Ole Bull eine neue Kunstreise,\nzunächst nach Deutschland, angetreten.\nDurch sein grosses Coneert am 6. November im\nWörmer'schen Saale hat sich Herr Wilhelm Langhans in die\nhiesigen künstlerischen Kreise, zu denen er als geborener Hamburger\nund neuerdings auch durch seinen Aufenthalt in unserer Stadt ge-\nhört, auf die vortheilhafteste Weise eingeführt. Seine Symphonie ist\nein trefflich gearbeitetes Werk, das in jedem Zuge den künstleri-\nschen Geschmack und das gewissenhafte Studium des echten Musi-\nkers offenbart. In dem Violin-Concert eigener Composition entfaltete\nHerr Langhans vorher eine durchgebildete Virtuosität auf seinem In-\nstrumente, die sich durch eleganten Ton und gefühlvollen Vortrag\nauszeichnet. Mit Vergnügen haben wir, was die übrigen Nummern\ndes interessanten Abends betrifft, von dem Wiederauftreten der Frau\nLouise Langhans, geb. Jap ha, als Pianistin zu berichten. Die\nFertigkeit dieser Dame ist eine vollendete, und sie dient dem besten\nVerständniss der Classicität zum Dolmetscher.\nÄiiasterdstiia» In der letzten General-Versammlung der nie-\nderländischen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst wurden die\nHerren F. Coenen (Amsterdam), J. A. van Eyken (Elberfeld),\nG. Kastner (Paris) und R. Volk mann (Pesth) zu Verdienst-\nEhren-Mitgliedern ernannt und die Herren Ch. Gounod (Paris) und\nProf. 0. Jahn (Bonn) zu correspondirenden Mitgliedern.\nParis« Der Kaiser Napoleon hat dem Componisten Felicien\nDavid ein Jahrgehalt von 2100 Francs bewilligt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n„Der fliegende Holländer\" von Richard Wagner. Beurtheilungen. Geistliche Musik. Cantate für Solostimmen, Chor\nund Pianoforte von F. Hiller, Op 79. Der 96. Psalm für Männerstimmen und Orchester von E. Kronach, Op. 5. Von M. Aus Rot-\nterdam (Die deutsche Oper). Von F. W. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unt erh altungs-\nblatt (Köln, Erste Soiree für Kammermusik Elberfeld Frankfurt a. M. Regensburg Hamburg Paris).\n\n„Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner.\n\nWien, den 6. November 1860.\nRichard Wagner's „Fliegender Holländer\", aufge-\nführt im Hof-Operntheater am 2. November, hat zwanzig\nJahre nach seiner Vollendung ein äusserst erfolgreiches\nDebüt vor dem wiener Publicum bestanden. Der Stoff der\nOper ist hier, wie in Wagner's späteren Werken, der Sage\nentnommen, doch erscheint er wärmer, persönlicher be-\nhandelt, als „Tannhäuser\" und „Lobengrin\", in welchen\nWagner nicht sowohl lebendige Gestalten als vielmehr\nmaskirte „Ideen\" hingestellt hat*).\nDie Sage vom Holländer bietet in ihrer ungemeinen\nEinfachheit sehr geringe dramatische Entwicklung ein\nMangel, den Wagner so wohl erkannte, dass er das Werk\nursprünglich eine „dramatische Ballade\" nennen wollte.\n„Ich entsinne mich,\" schreibt Wagner, „noch ehe ich zu\nder eigentlichen Ausführung des „Fliegenden Holländer\"\nschritt, zuerst die Ballade der Senta im zweiten Acte ent-\nworfen und in Vers und Melodie ausgeführt zu haben; in\ndiesem Stücke legte ich unbewusst den thematischen Keim\nzu der ganzen Musik der Oper nieder; es war das verdich-\ntete Bild des ganzen Drama's, wie es vor meiner Seele\nstand.\" Aus diesem „verdichteten Bilde\" entwickelte nun\nWagner die ganze Oper ungefähr so, wie der Componist\neines Instrumentalstückes aus dem Haupt-Thema das Ganze\nheraushört und ausführt. Diese Art der Conception ist aber\nnicht dramatisch, sondern symphonistisch, indem dem\nOpern-Componisten das Bild seines Drama's sich successiv,\nals ein Werdendes, entrollen muss. Zum Glück harmonirt\nim vorliegenden Falle die eigentümliche Methode mit der\nganz speciellen Natur der Sage. Wagner hat den Stoff für\nseinen Zweck sehr verständig angelegt, Exposition, Hand-\nlung und Ausgang geschickt in die drei Acte vertheilt, de-\nren erster und letzter bedeutungsvoll correspondirende Sei-\ntenstücke bilden. Wir finden den „fliegenden Holländer\"\nin seiner dramatischen Gestaltung einheitlicher, ruhiger,\nals die folgenden grösseren Opern Wagner's. Ein poeti-\nscher Sinn, ein echt deutsches, mährengläubiges Gemüth\nwebt darin. Die Diction selbst wimmelt freilich von jenen\nholperigen Versen und lächerlich gespreizten Phrasen, die\nWagner zum schwülstigsten aller Dichter stempeln. So sagt\nSenta: „In meines Herzens höchster Reine kenn' ich des\nHerzens Hochgebot!\" worauf der Holländer „mit Erhe-\nbung\" antwortet: „Ein heil'ger Balsam meinen Wunden,\ndem Schwur, dem hohen Wort entfliesst.\" Derlei erinnert\nleise an Bacherl.\n\n*) „Der fliegende Holländer\" ist ein Schiffer, welcher einst ein\nCap bei widrigem Winde umsegeln wollte, und tollen Muthes\nschwur, in Ewigkeit nicht abzulassen. Dafür wurde er zu ewi-\ngem Umherirren auf dem Meere verdammt. Ein Engel Gottes\nzeigte ihm aber den Weg zur Rettung. Alle sieben Jahre sollte\nihm erlaubt sein, ans Land zu gehen und ein Weib zu freien,\nund wenn er eines gefunden, das ihm treu bliebe bis zum\nTode, dann sollte er erlöst sein. Noch hat er keines gefunden,\nund viele Weiber, die ihm Treue schwuren und nicht hielten,\nfielen der ewigen Verdammniss anlieim. Da landet er wieder\nan der norwegischen Küste. Hier wohnt ein alter Schiffer,\nDal and, dessen Tochter Senta in früher Jugend einem jun-\ngen Jäger, Erik, sich verlobt. Sie wird dieser Liebe inner-\nlich bald untreu. In ihrem Vaterhause hängt das Bild eines\nbleichen ScliifFs-Capitäns, des Holländers. Die Amme erzählt\nihr die Mähr, und fortan lebt Senta dem Gedanken, sie sei\ndas Weib, das durch seine Treue den Holländer zu erretten\nbestimmt sei Da tritt eines Tages jener bleiche Mann mit\nihrem Vater herein, den er durch reiche Schätze gewonnen\nund bewogen hatte, ihm die Hand der Tochter zu versprechen.\nGebannt von der Erscheinung des Holländers, gelobt sie ihm\nTreue bis in den Tod. Schnell soll die Hochzeit gefeiert wer-\nden; aber noch vorher tritt Erik an Senta heran und erin-\nnert sie an die ihm gelobte Treue. Dieses Gespräch erlauscht\nder Holländer. In heftiger Verzweiflung eilt er auf sein Schiff,\num wieder sieben Jahre rastlos die Meere zu befahren. Senta\naber stürzt sich von einem Fels ihm nach in die Fluten; so-\nfort versinkt das gespenstische Schiff, und in verklärter Gestalt\nentsteigen der Holländer und Senta dem Aleere, zum Himmel\nschwebend,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.2", "texte": "In der musicalischen Behandlung des „Holländer\"\nzeigt sich Wagner vollständig als Epigone der deutschen\n„romantischen Oper\". Wer im „Tannhäuser\" und „Lo-\nhengrin\" sich etwa noch darüber täuschen konnte, in wel-\ncher totalen Abhängigkeit von Weber und Marschner\nWagner's Erfindung steht, der wird nach dem Anhören\ndes „Holländer\" darüber wohl im Reinen sein. Von welch\nrührender Unselbstständigkeit sind diese Melodieen Wag-\nner's! Nur in der Behandlung des Orchesters finden wir\ndie grellsten Errungenschaften Meyerbeer's und Ber-\nlioz's zu dem hinzugebracht, was uns Weber und Marsch-\nner bereits besser und ursprünglicher gegeben. Auch die\nFormen seiner Vorgänger hat Wagner im „Holländer\"\nnoch beibehalten und hält sich ganz ordentlich an Arie,\nDuett, Terzett u. s. w. Sie weichen selten vom üblichen\nSchema ab, wenngleich Manches (wie die Arie des Hollän-\nders, sein Duett mit Senta) über das gebräuchliche Maass\nerstreckt ist. Wie die bestimmten musicalischen Formen,\nso respectirt Wagner im „Holländer\" auch noch die Ge-\nsetzlichkeit musicalischer Form überhaupt, d. h. er spricht\nin symmetrisch gebauten, musicalisch gedachten und da-\ndurch ohne Weiteres verständlichen Melodieen. Dadurch\nnimmt der „Holländer\" eine merkwürdige Stellung in\nWagner's Entwicklungs-Geschichte ein.\n■ ■ -\nDer „Holländer\" war allerdings dasjenige Werk, in\nwelchem Wagner zuerst eine eigentümliche Seite seines\nTalentes entwickelte. Er that dies jedoch noch auf dem\nsoliden Boden der früheren „Oper\", bequemte sich zu ab-\ngeschlossenen Formen und melodischer Erfindung. Der\n„fliegende Holländer\" darf wohl für das non plus ultra\ndessen angesehen werden, was Wagner innerhalb der al-\nten Bedingungen, was er als Melodiker, als musicalischer\nErfinder zu schaffen vermochte. Wagner selbst dürfte bald\nerkannt haben, dass dies ziemlich wenig sei. Im „Hollän-\nder\" muss es Wagner klar geworden sein, wie dürftig und\nunselbstständig seine Melodieen fliessen. Auf diesem Wege\nverharrend, konnte er eine Epoche machende Stellung nim-\nmermehr erringen, sondern im günstigsten Falle hoffen,\nzu den besseren Nachzüglern Weber's und Marschner's\ngezählt zu werden. Der mässige Erfolg des „Holländer\"\nin Deutschland hätte sich bei weiteren ähnlichen Versu-\nchen kaum erheblich gesteigert, hätten sie doch die ver-\nwandten, schnell verschollenen Tondichtungen Lindpaint-\nner's, Reissiger's, Lachner's an musicalischem Gehalt kaum\nübertroffen. Alle geistreiche Aeusserlichkeit, alle Energie\ndes dramatischen Ausdrucks bei Wagner hätte die feh-\nlende Erfindung und die musicalische Meisterschaft nicht\nersetzen können. Auf diese Bedingungen war aber der Er-\nfolg der älteren Oper gestellt.\nBei seiner unermüdlichen Selbstbeobachtung muss\nWagner nach dem „Holländer\" sich die Nothwendigkeit\ngestanden haben, jede Rivalität auf längst betretener Bahn\nzu meiden, wenn sein Name unter den Feldherren und\nnicht unter den Adjutanten genannt werden sollte. Es ist\nbekannt, wie er im „Tannhäuser\" und noch consequenter\nim „Lohengrin\" die „Oper\" verliess und sich auf dem Ge-\nbiete des „musicalischen Drama's\" ansiedelte. Die musica-\nlische Architektonik wurde zerbrochen, die „absolute Me-\nlodie\" abgedankt und bloss ein Strom durchsichtiger De-\nclamation über den farbenglühenden Mosaikboden der In-\nstrumental-Begleitung geleitet. Wagner hat sich eine künst-\nliche Originalität geschaffen und durch neue Formen ein\nTalent gerettet, das nicht reich genug war, die alten mit\nüberströmender Lebenswärme zu erfüllen.\nDiese Kunst „musicalischer Situations-Malerei\", die\nuns im „Tannhäuser\" und im „Lohengrin\" als die spe-\ncielste und hervorragendste Begabung Wagner's erschien,\nhat dieser zuerst in den Schiffsscenen des „fliegenden\nHolländer\" bewährt. Der ganze erste Act ist ein breit an-\ngelegtes, bis ins kleinste Detail sorgsam ausgemaltes See-\nstück, eine musicalische Marine, welche unwillkürlich an\nBilder von Backhuysen und van de Velde oder an\nHeine's „Nordsee-Gedichte\" erinnert. Die See in Empö-\nrung, schwerer, schwarzer Regenhimmel, ein einsames\nSchiff in einer Bucht vor Anker liegend, die Mannschaft\nmüde und schläfrig, sogar der Steuermann auf seinem Po-\nsten eingenickt. Und nun als Seitenstück das Genrebild im\ndritten Acte: Sonntagslust und festliches Treiben auf dem\nSchiffe, bunte Lampen, Mädchen, die Wein und Speisen\nan Bord bringen, Matrosen singend und tanzend. In der\nmusicalischen Behandlung dieser Seemanns-Scenen herrscht\nein wohlthuend frischer, kräftiger Realismus. Wie volks-\ntümlich klingt das Lied des Steuermannes im ersten, wie\nstraff und lustig der derbe Matrosen-Chor im dritten Acte!\nDa ist doch Freude am bunten Leben, am wirklichen Men-\nschen noch nicht die schattenhafte, trostlose Vornehm-\nheit heiliger Grals-Ritter u. dgl.\nIm Gegensatze zu den Scenen auf Daland's Schiff\nmacht hingegen das gespenstige Treiben an Bord des „flie-\ngenden Holländer\" im dritten Acte nicht die beabsichtigte\nWirkung. Für diese allerdings ungewöhnliche Aufgabe\nreichte Wagner's Kraft nicht aus. Indem er sich mit allem\nRaffinement zu überbieten strebte, erzielte er doch nur\neinen wüsten Tumult, der, einige Tacte länger ausgespon-\nnen, aus dem Abscheulichen ins Komische überschlagen\nmüsste. Bloss mit Posaunenstössen, verminderten Sept-\nAccorden und chromatischen Scalen kann man doch auf\ndie Länge keinen musicalischen Eindruck erzielen. Wagner\nkleckst hier Farbe auf Farbe, während doch eine charak-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.3", "texte": "teristische Zeichnung zu Grunde liegen müsste, wie sie\nBeethoven und Weber wahrscheinlich in die Themen\nselbst gelegt halten. Ein genialer Zug in dieser Scene ver-\ndient jedoch hervorgehoben zu werden. Auf die wieder-\nholte lärmende Ausforderung der Norweger: „Antwortet\ndoch!\" (C-dur) ertönt nach einer langen, beklemmenden\nPause bloss ein gedämpfter Cis-moll-Dreiklang aus dem\nInneren des schwarzen Schiffes. Ein schauriger Klang aus\neiner anderen Welt, ein Klang wie Moder und Ver-\nwesung.\nZu d iesen gross und breit angelegten Seestucken bil-\ndet die (riedliche Idylle des zweiten Actes ein glückliches\nGegenstück. Ein Hauch aus dem traulichen Försterhaus\nim „Freischütz\" weht anheimelnd durch die beschränkte\nHäuslichkeit dieser norwegischen Familie. Mahnt Erik\nschon durch das grüne Jägerkleid an seinen glücklicheren\nBruder Max, so ist die ahnungsvoll schwärmende Senta\nvollends eine ins Wagner'sche übersetzte (d. h. hysterisch\ngewordene) Agathe. D<fs Spinnerlied, womit der Act an-\nhebt, ist von anmuthigstem Reiz, der folgende Mädchen-\nchor („Das Schiffsvolk kommt\") voll neckischer Lebendig-\nkeit. Mit einigem Staunen vernimmt man so klare, heitere\nMelodieen aus dem Munde des Lohengrin-Dichters; es ist\ngar hübsch von einem grossen Herrn, so menschlich mit\ndem Publicum zu sprechen.\nAus Erik's sanften, melodischen Klagen spricht ein\ntreues Gemüth; wir glauben leichter an seine Liebe, als\nan die Tannhäuser's oder Lohengrin's. Daland ist ganz\nim Geiste und Ausdruck der älteren Bühnenväter gehal-\nten; der Componist gibt ihm zwar keinen einzigen bedeu-\ntenden Gedanken, aber eine merkwürdig solide musicali-\nsche Gesinnung und sogar eine kleine, verschämt colo-\nrirte Cadenz. Um das Maass unserer Frevel voll zu ma-\nchen, bekennen wir, dass auch dieser reactionäre Fischer\nuns lieber ist, als der langweilige Onkel und Biedermann\nvon der Wartburg.\nHaben wir uns an dem Matrosenleben und den idylli-\nschen Scenen im „Holländer\" aufrichtig erfreut, so fühlen\nwir uns hingegen verstimmt und enttäuscht, wo das Pa-\nthos tiefer Leidenschaftlichkeit hervortreten soll. Die ganze\nPartie des Holländers und ein grosser Theil von Senta's\nGesängen gehört hieher. Da fehlte dem Componisten\ndurchweg der echte, tiefe Herzenston, und was er uns da-\nfür bietet, ist nichts als die Ueberanstrengung rein äusser-\nlichen Ausdrucks.\nWelch hohles, lärmendes Pathos in der ersten Arie\ndes Holländers, welche gefälschte Tiefe und schliesslich\nwelch ungefälschte Trivialität in seinem grossen Duett mit\nSenta! Durch ein endloses Gesinge, das dem stolpernden\nUmhertappen eines Blinden gleicht, gelangen wir endlich\nzu einem Schluss-AIlegro von reinstem Donizetti'schem\nWasser. Ueberhaupt bietet der rein musicalische Theil des\n„Holländer\" des Gequälten, anspruchsvoll Unbedeutenden,\nja, Widerwärtigen mehr als genug. Der Musiker möge auf\nunsangbare Melodieen, banale Schluss-Phrasen, auf Modu-\nlationen wie Keulenschläge, vor Allem aber auf unabseh-\nbare Reihen von verminderten Septim-Accorden gefasst\nsein, welche in ihrer einschneidenden und doch zugleich\nganz charakterlosen Verwendbarkeit von Wagner auf das\nunbarmherzigste gehäuft werden. Trotzdem hat uns der\n„Holländer\" in seinen bescheideneren Verhältnissen, seiner\nherzlicheren Grundempfindung und seinem natürlicheren\nGesänge als Ganzes erfreulicher berührt, als „Tannhäuser\"\nund „Lohengrin\". Den blendenden Glanz ihrer berühmte-\nren Schwestern vermag zwar diese vom eigenen Vater ver-\nstossene Cordelia nirgends zu erreichen, dafür fordert sie\naber auch von uns keine so schwere, aufreibende Selbst-\nverläugnung.\nDas Hof-Operntheater hat den „Holländer\" in wür-\ndigster Weise vorgeführt. Die Schwierigkeiten der Sceni-\nrung sind bei den unzureichenden Dimensionen dieser\nBühne doppelt so gross, als in Berlin oder Dresden; dessen\nungeachtet wusste man den Schiffsscenen durch zweck-\nmässigstes Zusammenwirken der Malerei, Beleuchtung und\nMaschinerie den grössten Effect zu sichern. Von den Sän-\ngern verdient Herr Beck den ersten Preis. Er hatte den\nüberaus schwierigen Part des Holländers sich vollkommen\nangeeignet und mehr als Eine bedenkliche Stelle durch\nkräftigen Schwung des Vortrags gerettet. Auch in drama-\ntischer Hinsicht zeigte Herrn Beck's Leistung einen über-\nraschenden Fortschritt. Fräulein Krauss sang die Senta.\nWenn man die vielen und grossen Partieen überblickt,\nwelche diese junge Sängerin in kurzer Zeit neu studirt und\ndargestellt hat, so muss man ihren Fleiss und ihre musi-\ncalische Festigkeit bewundern. Leider scheint ihre Stimme\nnoch an den Folgen dieser Anstrengungen zu leiden. Ihre\nSenta war eine lobenswerthe Leistung, und würde es noch\nweit mehr sein, wenn Fräulein Krauss das Fischermädchen\nweniger krankhaft und somnambul fassen wollte. Die Dar-\nstellerin dieser Rolle hat das Pathologische so viel als mög-\nlich zu mildern. Die übrigen Mitwirkenden: Fräulein\nWeiss (Mary), die Herren W7alter (Erik), Mayerho-\nfer (Daland) und Erl (Steuermann) verdienen das wärm-\nste Lob. Die gute Hälfte des Gelingens des „fliegenden\nHolländer\" hängt von der Tüchtigkeit der Chöre und des\nOrchesters ab; sie haben sich unter der trefflichen Lei-\ntung Esser's ganz vorzüglich gehalten.\n\nEd. H.\n\nl*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.4", "texte": "Beurtheilungen.\nGeistliche Musik.\nM.\nChristnacht. Cantate von A. v. Platen, für Solo-\nstimmen und Chor mit Begleitung des Pianoforte\ncomponirt von F. Hill er. Op. 79. Winterthur,\nbei J. Rieter-Biedermann. Leipzig, bei Hofmeister.\nPreis 2% Thlr.\nDie wundersam schöne Dichtung des grossen Einsa-\nmen hätte keine bessere und treffendere musicalische In-\nterpretation finden können, als diese wahrhaft adelige und\nfromm erhebende Musik des Grössten unter denjenigen,\nwelche in der Gegenwart dem Oratorium und ähnlicher\nMusik sich zuwandten. Zwar trägt diese Composition nicht\nden Stempel des Grossartigen, es wäre dies sogar ein Feh-\nler gegen den Geist der Dichtung; aber sie gibt den süs-\nsesten Duft der Frömmigkeit und Mystik, welchen das Ge-\ndicht athmet, in einfachen und milden Farbentönen wieder.\nDabei ist die Cantate kürzer und leichter auszuführen, als\ndie grösseren Gesangwerke Hiller's, und sonach allen,\nselbst den engsten Kreisen zugänglich. Der Tonmeister hat\nsie geistvoll in sechs Abschnitte gruppirt, welche theils als\nSologesänge dem verkündenden Engel und einem Hirten,\ntheils dem Chor der Seraphim und dem Chor der Hirten\nzugetheilt sind. Die Chöre sind theils getrennte von Sopran-\nund Altstimmen (die Seraphim) und von Tenor- und Bass-\nstimmen (die Hirten), theils vereinigte, wo dann der volle\nChor vier- bis sechsstimmig behandelt ist, wie in dem\nSchlusschor: „Vergesst der Schmerzen jeden und lebt mit\nuns in Eden!\" Dieser Chor ist kunstvoll angelegt und\nmacht in seinen melodischen Wechselweisen einen schönen\nEindruck, der sich beim Dazutritt des früher schon vorge-\nkommenen Männerchors: „Preis dem Geborenen!\" zu einer\ngrossartigen Wirkung steigert. Dieser Männerchor (Nr. 5)\nvon vier Solo- und vier Chorstimmen, zwischen denen die\nSopranstimme des Engels hindurch klingt, ist ein Hym-\nnus, der durch die düsteren, unheilvollen Prophezeiungen\ndes Engels und die darauf folgende trostvolle Verheissung\nunendlichen Glückes, welches das Kind zu Bethlehem brin-\ngen werde, sich mächtig zum Lichte durchringt. Weniger\ndürfte vielleicht der Chor Nr. 3 der Dichtung entsprechen,\nda der Charakter der Situation grösseren Ernst und mehr\nTiefe erheischt; jedoch ist dieses Stück musicalisch sehr\nschön. Die Solo-Partieen anlangend, kann man kaum etwas\nReizenderes finden, als die von schwebenden Harfentönen\ngetragene Sangweise des Hirten: „Was seh' ich?\" und\nals die Aufforderung des Engels an die Seraphim. Etwas\ndramatisch und zu sehr an musicalische Leidenschaftlich-\nkeit streifend, aber schön und tief empfunden ist Nr. 4:\n„Fromme Gluth\". Im Ganzen ist die „Christnacht\" in\ndem Kranze der Tonschöpfungen Hiller's jedenfalls eine\nder duftigsten, sinnigsten Blumen.\nDer 96. Psalm für Männerstimmen und Orchester\nvon E. Kronach. Op. 5. Ciavier-Auszug. 2 Thlr.\n25 Ngr. (Ebendaselbst.)\nGesang-Vereinen ist sehr zu rathen, dieses gediegene,\nschwungvolle und wirksame Tonwerk ihrem Repertoire\neinzureihen und ernstem Studium zu unterziehen; sie wer-\nden mehr gewinnen, als durch Absingen von hundert Lie-\ndern. Nebenbei haben sie dann noch das Verdienst, die\nedelsten Zwecke der Tonkunst befördert zu haben: Ver-\nedlung des Herzens und Erweckung frommer Gefühle. Die\nComposition erbaut sich ans mehreren Sätzen, die aber,\nwie in Einem Gusse fortfliessend, nur durch das Tempo, den\nRhythmus und durch die vom Texte gebotene geistige\nAuffassung zu unterscheiden sind. Die Anlage des Ganzen,\nohne bei jeder Nummer einen förmlichen Abschluss zu\nmachen, ist jetzt Mode. Wohl liegt da die Gefahr der Er-\nmüdung sowohl der Sänger als der Zuhörer nahe; Kro-\nnach hat sie aber im Allgemeinen glücklich vermieden\ndurch den mannigfaltigsten Wechselnder Führung der\nStimmen, die bald unisono, bald alternando, bald imitato-\nrisch, bald im Chor erklingen. Vorzügliche Anerkennung\nverdient auch die Behandlung des Orchesters, das dienend\nund selbstständig auftritt, je nachdem der Zweck es erfor-\ndert. Das Ganze zeugt von Talent, Studium und Ernst\ndes Strebens.\n\nAus Rotterdam.\n\n[Die deutsche Oper.]\nDie Niederrheinische Musik-Zeitung hat bereits früher\ngemeldet, weiche tüchtige Kräfte hieher gezogen worden\nsind, um eine deutsche Oper zu gründen. Jetzt, da eine\nReihe von vielartigen Darstellungen ein Urtheil über die-\nselbe gestattet, sende ich Ihnen einen Bericht über das\nUnternehmen.\nEs kam dadurch zu Stande, dass hundert fünfzig Ac-\ntionäre 75,000 Fl. zeichneten, von denen 20 Procent so-\ngleich, der Rest nach Bedürfniss im Laufe von drei Jahren\neinforderbar gestellt wurden. Schlimmsten Falls machen\nsie sich durch einen freien Logenplatz für alle Vorstellun-\ngen bezahlt. Es ist jedoch nicht zu fürchten, dass es zu\ndiesem Aeussersten kommen werde, denn die grosse Le-\nbensfrage aller nicht subventionirten Bühnen, die Theil-\nnahme des Publicums, hat hier bis jetzt eine glänzend be-\nfriedigende Antwort erhalten. Vor zwei Monaten hat die\nOper ihre Vorstellungen eröffnet, und der Zudrang wächst\nnoch von Tag zu Tag. Die erste Vorstellnng des „Fidelio*"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.5", "texte": "brachte, sagt man, 1380 Gulden auf. Achtundvierzig Stun-\nden vor der zweiten waren Parterre und Logen ausver-\nkauft. Ich füge hinzu, dass die Holländer mit den hier an-\ngesessenen Deutschen wetteifern, um den Künstlern den\nhiesigen Aufenthalt angenehm zu machen. Was hier die\nKunst übt oder liebt, das öffnet unseren Landsleuten in\nder zuvorkommendsten Weise das Haus. „Wie liebens-\nwürdig\", hörte ich von einem der Sänger sagen, „können\ndie Holländer sein, wenn sie aufthauen!\" In der Thal, sie\nthauen auf. Herr v. 8., das Haupt der Theater-Commis-\nsion, gab seinen Schutzbefohlenen eine Abend-Gesellschaft,\nin der jede Prima Donna und jeder Primo Uomo an einem\nTempel die bildliche Darstellung der Rolle vorfand, in der\ner bis jetzt am meisten geglänzt hatte. Aber nicht allein\ndie bekannten Freunde und Gönner der Musik, denen längst\nder Künstler das: 0 et praesidmm et dulce decus meum!\nzurufen konnte, zeigen ihre Gastfreundschaft; auch Rheder,\ndie bis jetzt nur mit der „Neuen Rotterdamer Zeitung\"\nin der Tasche in die Oper gegangen waren, die keine Mu-\nsik hören mochten als den Geschützdonner ihrer einlaufen-\nden Klipper, entreissen sich ihren Träumen von Palmöl\nund Elephantenzähnen, um den Grössen der deutschen\nBühne an Bord ihrer Ostindienfahrer ein Fest zu geben.\nWenn unsere Landsleute an jedem Mittwoch und Frei-\ntag vor vollem Hause singen, so fehlt es ihnen dabei nicht\nan Concurrenz. Jeden zweiten Dinstag kommt die fran-\nzösische Oper aus dem Haag herüber, die freilich nicht\nviel mehr laugt, seitdem die königliche Unterstützung so ma-\nger zufliesst, und der es geht, wie den meisten Bühnen zwei-\nten Ranges: sie hat vielleicht einen guten Tenor oder eine\nbrillante Coloratursängerin, aber sie hat kein Ganzes. Dann\nspielen hier noch alle Samstage zwei holländische Ge-\nsellschaften, welche ebenfalls die Eisenbahn aus Amster-\ndam und dem Haag herführt. Nehmen Sie dazu die hohen\nEintritts-Preise (Parterre 27% Sgr., erste Loge 1 Thlr.\n222/3 Sgr.), berücksichtigen Sie, dass die Holländer nicht\ngerade vergnügungssüchtig sind, dass die Kaufleute hier\nin Rotterdam, im Gegensatz zu der vernünftigen londoner\nPraxis der Hauptstadt, an einem Luxus von späten Comp-\ntoirstunden laboriren, so werden Sie nicht sagen können,\ndass die Triumphe der deutschen Oper so billig sind, wie\ndie Kreuzzeitung es von Garibaldi s Lorbern behauptet.\nUnd wenn Sie gesehen hätten, wie es im „Fidelio\" so un-\nheimlich voll im Parterre wurde, dass Manche sich hinaus-\nretteten, um stehend, ihrer drei und vier, den Hintergrund\njeder Loge unsicher zu machen; wenn Sie gehört hätten,\nwie athemlos gespannt diese Menge der grossen Leonoren-\nOuverture lauschte, und welch ein Beifallssturm am Schlüsse\nderselben unserem braven Capeilmeister, Herrn Scraup\naus Prag, drei Verbeugungen kostete, so würden Sie die\nHolländer weder für so unerwärmbar nüchtern, noch für\nso unempfänglich für das Schöne halten, wie sie oft ver-\nschrieen sind.\nFreilich wohl, wen die schöne Stimme der Frau\nKainz, oder das leidenschaftliche Spiel der Frau Ber-\ntram-Mayer nicht aufzuthauen vermöchte, der sollte\nnur nach Spitzbergen unter die Eisklumpen auswandern.\nFrau Kainz besitzt ein Organ von solcher Klangfarbe, dass\nin Deutschland nicht viele Sängerinnen ihr gleichkommen\ndürften. (?) Und diese Stimme ist durch den jahrelangen\nFleiss in einer strengen Schule zur grössten Gleichmässig-\nkeit ausgebildet. Dabei ist Frau Kainz eine wohlthuende\nErscheinung. Ihre ruhig heitere, etwas schalkhafte Anmuth\nbei einer vollen, blühenden Gestalt macht sie zu Rollen\nwie Susanna und Martha vorzüglich geeignet. Aber in eben\ndieser Ruhe liegt ihre Schwäche. Den Frieden dieser Züge\nregt niemals der Sturm der Leidenschaft auf. Ohne Lei-\ndenschaft aber gibt es kein Drama. Hier nun tritt Frau\nBertram-May er in ihre Rechte. Ihre Stimme, von sel-\ntenem Umfange, ist weniger wohllautend als die der Frau\nKainz, und ihr würde der freundliche Rath zu geben sein,\ndie Uebergänge ihrer Register durch fortgesetzte Uebung\nvollkommener zu verschmelzen. Ihre Alt-Töne würden\nauch dann noch kräftig sein, wenn sie zuweilen weniger\ndarauf drückte. Aber ihr bewegliches Gesicht, ihr lebhaf-\nter, mannigfaltig abgestufter Ausdruck und das Feuer\nihres Spiels machen sie zu der ersten dramatischen Sän-\ngerin unserer Bühne. Besonders gelingen ihr die leiden-\nschaftlichen Augenblicke. In Rollen wie Fidelio und Norma\nhat sie bisher am meisten geglänzt, während Susanna,\nMartha, kurz, die haute comedie in der Oper, das Gebiet\nbezeichnen, auf dem Frau Kainz unbestrittene Herrschaft\nübt, indem Frau Bertram als Soubrette zu stark aufträgt.\nDagegen müssen wir Frau Kainz bitten, sich Rollen wie\nLeonore in Stradella vollends dadurch zu erobern, dass\nsie den Ruhm Roma's begeisterter verkündet, so wie es\neiner Italiänerin und Sangerbraut ziemt. Wir können ihr\nkaum verzeihen, dass sie sich in dieser Rolle so viel um\ndas Schicksal ihres rothseidenen Schleppkleides kümmerte,\nwenn wir auch gern gestehen, dass sie nichts so gut klei-\ndet, wie diese venetianische Tracht.\nDer erste Tenor, Adolf Grimminger, vor Kurzem\nin Wien thätig, besitzt eine Stimme, über deren Vorzüge\nund Mängel adhuc sub iudice lis est. Wir beschränken\nuns auf die Hervorhebung dessen, was unbestritten scheint.\nHerr Grimminger besitzt in einigen Lagen eine ausseror-\ndentliche Kraft und Fülle des Tones, und diesem Tone\nfehlt es nicht an Schönheit und Metall. Er muss sich nur,\nnamentlich im Zusammenspiel mit Anderen, hüten, diese\nEigenschaft, die am rechten Orte gewaltige Wirkung thut,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.6", "texte": "zu missbrauchen. Höchst vortheilhaft zeichnet ihn das Stre-\nben aus, seine Rollen zu durchgründen, ihrer Redeutung\nund ihren Feinheiten gerecht zu werden. Er ist ein den-\nkender Künstler von einer Rildung, die unter seinen Stan-\ndesgenossen nicht eben gewöhnlich ist. Wo wir seine Auf-\nfassung nicht billigen konnten, auch da waren wir über-\nzeugt, dass er Gründe für dieselbe hatte. Sein Spiel aber ist\neiner gründlichen Reform zu unterwerfen. Mit Zügen aus-\ngestattet, die an sich interessiren, brauchte er z. B. als\nFlorestan das Mienenspiel nicht so stark aufzutragen. Er\nsoll der Gefangene sein und ist nur ein Schauspieler. Noch\nschlimmer steht es mit den Gesten. Bis an ihr Ende, meinte\nLessing, lernen die meisten Acteurs nicht, einfach und na-\ntürlich sein; immer agiren sie wie Mädchen von fünfzehn\nJahren. Herr Grimminger beherzigt Hamlet's Rath nicht\ngenug: „Nor do not sawthe a —Herr Grim-\nminger erlaube uns auch, ihm schliesslich zu hemerken,\ndass er viel zu oft mit der Stimme vibrirt.\nDas Spiel des Herrn Dalle Aste, des ersten Rass-\nsängers, gefällt uns besser. Seine Geberden sind sparsam,\nleicht, angemessen; er telegraphirt nie. Er ist in jeder\nRolle ein Anderer gewesen, und in jeder, wenn wir die\nRanditen-Rolle in Stradella ausnehmen, hat er mehr als\nbefriedigt, ja, als Leporello, Figaro, Plumkett Alles be-\nzaubert. Eine echte Theater-Figur: schlank, geschmeidig,\nalle Rewegungen leicht und selbst die komischen anmu-\nthig. Als Marcel hätte er im Hugenotten-Liede mehr Feuer\nhaben müssen. Grosse Tiefe zeichnet seine Bassstimme nicht\naus, aber die Klangfarbe ist schön. Herr Dalle Aste macht\ndesshalb einen so wohlthuenden Eindruck, weil er auf der\nBühne in seinem Element ist, wie der Fisch im Wasser.\nWeil es ihm aber da zu wohl wird, so liess er sich ein\npaar Mal zu Spässcn hinreissen, die eines gediegenen und\nfeinen Künstlers, wie er ist, durchaus unwürdig sind, und\ndie bei Pseudo-Frascati oder auf einem\nlevards besser gefallen haben würden, als in Mozart's\n»Don Juan\".\nIm Ganzen genommen, verdienen Reide den Namen\nKünstler. Reide haben einen hohen RegrifT von ihrer\nKunst, Reide streben ihrem Ziele eifrig nach und werden\ndabei von reichen Kräften unterstützt. Was nun aber Herr\nDalle Aste erreicht hat, scheint uns die Leistungen des\nHerrn Grimminger an vollendeter Form zu übertreffen.\nDies ist diesem, dem jüngeren Manne, kein Tadel, und\nmehr als der seichte Beifall der Menge muss es ihm gel-\nten, wenn ihm eine vorsichtig abgewogene Anerkennung\nmit Freimuth zu Theil wird. Seine Intentionen sind lobens-\nwerth, er sucht in den Kern der Charaktere einzudringen,\nwelche die dramatische Musik hinstellt, wie es einer wahr-\nhaft künstlerischen Natur ziemt. Aber ein Anderes ist con-\neipiren, ein Anderes ausführen. Auch dies gelingt ihm zu*\nweilen herrlich; wir kennen kaum etwas Mächtigeres als\nsein: „In die Freiheit!\" als Florestan. Aber es ist noch\nkein Ganzes. Eine so harmonische, künstlerisch beruhigte\nGestalt wie Dalle Aste's Figaro hat er uns bisher nicht\nvorgeführt. Er denke über sein Spiel nachl Bei seiner rei-\nchen Begabung wird er in der eigenen Brust und an gros-\nsen Mustern finden, was sein Spiel einfacher und natür-\nlicher machen kann.\nUeberzeugt, dass mit dieser Kritik keiner der Betrof-\nfenen zufrieden sein wird, und eben desshalb in der ange-\nnehmen Hoffnung, im Ganzen Niemandem zu viel und zu\nwenig gethan zu haben, schliessen wir diese Skizze, doch\nnicht, ohne die Verdienste des Chor-Directors, Herrn\nHempel, hervorgehoben zu haben, der nicht nur auf dem\nleipziger Conservatorium viel Theorie, sondern auch die\nnöthige Praxis sich angeeignet hat, um den Chor aus ziem-\nlich cruden Elementen zu anerkennenswerthen Leistungen\ndurch klugen Eifer heranzubilden. Jedenfalls bietet Herrn\nScraup das Orchester ein lohnendes Feld für seine ge-\ndiegene Thätigkeit.\nRotterdam, Anfangs November 1860.\n\nF. W.\n\nBweites Gesellschafts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 6. November 1860.\nDas Programm des Concertes vom 6. d. Mts. haben wir bereits\nin der vorigen Nummer (46) mitgetheilt.\nEine willkommene Eröffnung war Cherubini's Ouvertüre zur\nOper Faniska (vgl. in Nr. 43 den Aufsatz von A Schindler über\ndie Wiederaufnahme dieser Oper in Frankfurt am Main). Cherubini's\nOuvertüren haben sich fast alle auf den Concert-Programmen erhal-\nten, obgleich die Opern selbst (Lodoiska, Faniska, Medea, TV asser-\nträger, Abencerragen u. s w.) von den Theater-Repertoiren so gut\nwie verschwunden sind. Ersteres ist ein gutes Zeichen für den mehr\nals bloss relativen Werth der Compositionen, welchen denn auch\nnoch heutzutage jeder wahre Musikfreund anerkennt. Der Zuschnitt\nist fast bei allen derselbe; auf eine charakteristische, in der Regel\ndurch abgebrochene melodische Sätze höchst spannende Einleitung\nin langsamem Tempo folgt ein Allegro von regelmässiger Form, das\nsich durch lebendige Motive, hauptsächlich aber durch feine Instru-\nmentirung und wirksame Steigerung auszeichnet. Die Ausführung\nder Faniska-Ouverture durch unser Orchester entsprach der Compo-\nsition vollkommen * an eine Uebertreibung der Tempi ist bei 11.l1. Hil-\nlens Gabe, in den Geist des jedesmaligen Werkes einzudringen und\nihn entweder auf dem Ciavier selbst wiederzugeben oder durch das\nOrchester wiedergeben zu lassen, nicht zu denken. Das Abhetzen\nist stets nur Ausfluss von Mangel an Yerständniss der Composition\noder von einer musicalischen Blasirtheit, die, mag sie an noch, so"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.7", "texte": "Grosse Namen sich knüpfen, immer mehr an das Handwerk als an\ndie Kunst erinnert.\nNach der Ouvertüre wurde das Laudate Dominum für Sopran-\nSolo, Chor und Orchester von demselben Meister gegeben, ein schö-\nner Hymnus im Stile Cherubinischer Kirchen-Composition, welcher\nsich mehr an das Prächtige und Glänzende des katholischen Gottes-\ndienstes und an das rein menschliche Gefühl hält, als an das Dog-\nmatisch-Mystische und specifisch Kirchliche. Fräulein Julie Ro-\nthenberger von hier, eine Schülerin des Herrn E. Koch, sang das\nSolo recht artig; ihre Stimme zeichnet sich besonders durch eine\nrein intonirte, leicht ansprechende klare Höhe aus.\nChor und Orchester trugen ausserdem noch ein Gesangstück von\nM. Hauptmann: „Und Gottes Will1 ist dennoch gut\", vor, aus\ndem wir in der That nicht recht wissen, was wir machen sollen.\nDie musicalische Auffassung des Gedichtes, das denn doch ungeach-\ntet einiger Zeilen, die eine Art von freudig zuversichtlichem Trotz\naussprechen, immer ein religiöses Gedicht, ja, eine Art Kirchenlied\nbleibt, hat uns sehr befremdet; sie ist wenigstens wunderlich, und\nwir konnten uns auch bei wiederholtem Anhören nicht mit dieser\nComposition des hochverehrten Musikers befreunden.\nUeber G. Vieriin g's Ouvertüre zu Schillert „Maria Stuart\"\nverweisen wir auf unsere Beurtheilung derselben in Nr. 46 dieser\nBlätter. Die Ausführung war vortrefflich, was man in vollem Maasse\nauch von dem Vortrage der Sinfonie Nr. 3 in A-moll von F.\nM endelssohn sagen kann, welche das Orchester mit weit mehr\nPräcision und Feinheit spielte, als die sämmtlichen Orchesterstücke\nim ersten Concerte. Das wurde uns aber auch jetzt wieder klar,\ndass die unmittelbare Aneinanderfiigung aller Sätze einer Sinfonie\nund aller Musikstücke in Sonaten form keineswegs zu besserer Auf-\nfassung und zu verständigerem Genüsse des Werkes beiträgt; sie\nverwirrt (namentlich den Dilettanten, d. h. also die grösste Hälfte\ndes Publicums) und spannt ab und ermüdet, während die gute alte\nDrei- oder Viertheilung mit ihrer verschiedenen Bewegung und ihren\nRuhepunkten in der Natur des Menschen begründet ist.\nWas das Concert am 6. d. Mts. ganz vorzüglich anziehend\nmachte, waren die Vorträge der Frau Szarvady-Clauss aus\nParis» Seit Jahren hatte diese ausgezeichnete Clavierspielerin ihr\ndeutsches Vaterland nicht wieder besucht, da sie nach einem wie-\nderholten längeren Aufenthalte in London in Paris einen glücklichen\nHausstand und eine neue Heimat gefunden. Aber ihr Andenken war\nüberall nicht, am wenigsten bei uns hier, erloschen; wir freuten uns\nherzlich, sie wieder am Rheine zu begrüssen, und jetzt, nachdem\nwir sie gehört, sind wir stolz darauf, dass sie Köln gewählt hat,\nhier zuerst einen neuen Siegeslauf in Deutschland zu beginnen,\npenn sie hat sich zu einer vollendeten Künstlerin herangebildet und\nist eine von den seltenen Erscheinungen, die eben so sehr durch die\nliebenswürdigste Anspruchslosigkeit als durch eine . vollkommene,\nerstaunenswerte Technik, geist- und phantasievolle Auffassung und\necht künstlerischen Vortrag gediegener Musik nicht bloss eine vor-\nübergehende Bewunderung hervorrufen, sondern magisch anziehen\nund dauernd fesseln. Sie spielte das Concert für Piano und\nOrchester-in Fis-moll von F. Hill er, eine ausgezeichnet schöne\nComposition, in welcher durch die glänzende Hülle eigenthiimlicher\nPhantasie überall ein Kern echter Ciaviermusik zum Vorschein\nkommt, die den genialen Schüler HummeFs verräth. Das Concert\nist noch Manuscript und schon vor Jahren geschrieben, aber mit\ngrossem Unrecht von dem Componisten stiefväterlich vernachlässigt,\nda es vielmehr eines seiner liebsten Kinder sein müsste; wir sind\nüberzeugt, dass es nur zu erscheinen braucht, um von den Pianisten\nüberall gespielt zu werden, denn es ist ein Musikstück, nach Wel-\nchem alle gediegenen Spieler um die Wette greifen werden, da sie\ndoch nicht immer Beethoven's Es-dur- und Mendelssohn's G-moll-\nConcert und Weber's Concertstück vortragen können.\nAusserdem spielte Frau Szarvady noch einige kleinere Stücke\nvon Chopin; in allen ihren Vorträgen waltete der Zauber, den die\nGrazien nur ihren Lieblingen verleihen. Wir hoffen sie nach ihrer\nRückkehr von Leipzig, wo sie in zwei auf einander folgenden Ge-\nwandhaus-Concerten ebenfalls ungeheuren Erfolg gehabt hat, wieder\nzu hören und werden auf die Charakteristik ihres Spiels zurück-\nkommen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln* Am Dinstag den 13. d. Mts. fand die erste Soiree\nfür Kammermusik im Hotel Disch Statt. Die Herren von Kö-\nnigslöw, Derckum, Grunwald und B. Breuer erfreuten die\nsehr zahlreiche Zuhörerschaft durch die treffliche Ausführung eines\nwunderlieblichen Quartetts (F-dur) von J. Haydn und des herrli-\nchen Quartetts in C-dur Nr. 9 (mit dem genialen Andante) von\nBeethoven. Ausserdem trugen Herr Capellmeister Hill er und\nvon König slow eine neue geistreiche Composition von Hiller mit\nbekannter Meisterschaft vor, eine Sonate fürPianoforte und\nVioline (Allegro moderato, Burlesca vivace, Andante quasi Adagio\ne altacca il Molto vivace).\nDer junge ungarische Violin-Virtuose Auerist hier anwesend\nund wird heute Abends in der musicalischen Gesellschaft spielen.\n** Elberfeld, 9. November. Von den hiesigen Corresponden-\nten der Musik-Zeitung scheint keiner unserem ersten Winter-Con-\ncerte beigewohnt zu haben, wie aus dem Schweigen dieses Blattes\nhervorzugehen scheint. Gestatten Sie daher, dass man diese Lücke\nausfülle, damit das Fest, womit die Reihe der Winter-Concerte in\nunserem neuen Saale eröffnet wurde, nicht ohne Nachhall in einem\nweiteren Kreise bleibe. Und ein Fest war es wirklich, denn „Elias\",\ndas prächtige Werk Mendelssohn's, wurde aufgeführt» Ein öffentli-\ncher Dank gebührt den Männern, welche die Mühe und auch die\nOpfer nicht scheuten, die Ausführung eines Werkes durchzusetzen,\nzu deren Erfolg sie sich alle der Capellmeister Schornstein\nvor Allen Glück wünschen dürfen. Chor und Orchester, Dilettan-\nten und Künstler, Alles hat seinen Theil am Gelingen, besonders\nauch die vier Haupt-Solisten. Neben Fräulein Schreck aus Bonn,\nder vortrefflichen Altistin, sang Fräulein Adeline Büchner aus\nKöln die Sopran-Partie; neben Herrn Step an, dem schon durch\nfrühere Darstellungen des Elias bekannten Sänger, hatte Herr Dr.\nRademacher aus Köln die Tenor-Partie übernommen. Einer von\ndiesen Namen, der von Fräulein Büchner, ist neu. An das Interesse\nder Neuheit knüpft sich aber noch ein anderes, glücklicher Weise\nviel selteneres: das junge Mädchen ist blindgeboren; und nicht nur\nsang sie zum ersten Male in einem Concerte, sondern hatte noch\nobenein die Partie in sehr kurzer Zeit einstudiren müssen. Durch\ndie schöne Ausführung derselben übertraf Fräulein Büchner alle Er-\nwartungen, und Frau Dr. Rademacher-Tuczek, ihre Lehrerin, darf\nstolz sein auf eine solche Schülerin. Da wir in Einzelheiten nicht\neingehen können, so erwähnen wir nur noch kurz, dass Stepan mit\nseiner kolossalen und doch wohlklingenden Stimme wie geschaffen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601117-01.1.8", "texte": "ist für den Elias; dass Rademacher mit seinen schön declamirten\nRecitativen ihm würdig zur Seite stand, und dass Fräulein Schreck\nsich auch hier, wie immer, als wahre, echte Künstlerin bewährte\nund durch ihre weichen, vollen Töne alle Herzen ergriff. Wären\ndoch solche Genüsse nicht so selten für uns!\nFrankfurt St. M» Das Coneert des Herrn Max W o 1 ff\nhat nicht nur einem grösseren Auditorium, sondern auch dem enge-\nren Kreise der Kunstkenner Genüge geleistet. Es wurde eröffnet mit\neinem bereits im vorigen Jahre sehr beifällig aufgenommenen Nonett\nunseres Mitbürgers und geschätzten Musiklehrers, des Herrn J. C.\nHauff. Der erste Satz hat durch Weglassung der früheren Wieder-\nholungen einzelner Stellen an Effect gewonnen, das Adagio hat durch\nseinen edeln und seelenvollen Ausdruck ergreifend gewirkt, wie die\nbeiden letzten Sätzte durch ihre frische, heitere und lebensvolle Hal-\ntung. Von Kennern wie von Musikfreunden ist dem gehaltvollen\nWerke die freundlichste Aufnahme geworden, und zweifeln wir nicht,\ndass es auch in weiteren Kreisen der Musik weit Eingang finden\nwird. Die Aufführung des genannten Nonetts durch gediegene Künst-\nlerkräfte und den Concertgeber liess nichts zu wünschen übrig.\nHerr Max Wolff hat den gewonnenen Ruf gerechtfertigt, indem er\nsich in verschiedenartigen Compositionen als ein vorzüglicher Violin-\nspieler bewährte. Wie er die Romanze für die Violine von Beetho-\nven in G-dur mit Wärme und Innigkeit vortrug, so bewältigte er\ndie bedeutenden technischen Schwierigkeiten in dem Concerte von\nMendelssohn und der Ciaccona von Bach in einer Weise, welche die\nVirtuosität auf seinem Instrumente allseitig bekundete und sich der\nbeifälligsten Aufnahme zu erfreuen hatte. Diese erreichte ihren Höhe-\npunkt beim Vortrage des „Carneval von Venedig* von Paganini und\nErnst. (Did.)\nBegeilSlilirgk 26. October. Diese Zeilen schreibe ich un-\nter dem Eindrucke zweier grösseren Tonwerke: 1) Psalm 24, 2) Die\nletzten Worte des Herrn, von L. Spohr, welche ein musicalischer\nPrivat-Verein gestern im kleinen Saale des »neuen Hauses\" vor einem\ngewählten Publicum producirte. Da ich schon im vorigen Jahre zwei\nMal Gelegenheit hatte, von diesem Vereine Ihnen das Erfreulichste\nund Löblichste zu berichten, so will ich nur den Wunsch ausspre-\nchen, es möchten die Bemühungen der Mitglieder, welche die wenige\nZeit, die ihnen Beruf und Stellung übrig lassen, so schön zur He-\nbung und Veredlung des leider mehr und mehr verfallenden Ge-\nschmackes verwenden, den einzig möglichen Dank ärnten : freudige\nAnerkennung von Seiten des Publicums und thätiges Zusammenwir-\nken aller Musikkräfte. Man klagt so oft, dass höhere Musik nicht\nzu hören sei; das Vorstehende ist Beweis, dass zu dieser Klage hier\nwenigstens kein Grund ist.\nJoachim und Frau Clara Schumann haben ihre zweite und\ndritte Soiree in Dresden mit grösstem Beifall gegeben.\nDie Stradivari-Geige, welche Spohr seit fast einem halben Jahr-\nhundert gespielt hat, soll, wie es heisst, von der Familie jetzt ver-\nkauft werden.\nNach schwedischen Blättern hat Ole Bull eine neue Kunstreise,\nzunächst nach Deutschland, angetreten.\nDurch sein grosses Coneert am 6. November im\nWörmer'schen Saale hat sich Herr Wilhelm Langhans in die\nhiesigen künstlerischen Kreise, zu denen er als geborener Hamburger\nund neuerdings auch durch seinen Aufenthalt in unserer Stadt ge-\nhört, auf die vortheilhafteste Weise eingeführt. Seine Symphonie ist\nein trefflich gearbeitetes Werk, das in jedem Zuge den künstleri-\nschen Geschmack und das gewissenhafte Studium des echten Musi-\nkers offenbart. In dem Violin-Concert eigener Composition entfaltete\nHerr Langhans vorher eine durchgebildete Virtuosität auf seinem In-\nstrumente, die sich durch eleganten Ton und gefühlvollen Vortrag\nauszeichnet. Mit Vergnügen haben wir, was die übrigen Nummern\ndes interessanten Abends betrifft, von dem Wiederauftreten der Frau\nLouise Langhans, geb. Jap ha, als Pianistin zu berichten. Die\nFertigkeit dieser Dame ist eine vollendete, und sie dient dem besten\nVerständniss der Classicität zum Dolmetscher.\nÄiiasterdstiia» In der letzten General-Versammlung der nie-\nderländischen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst wurden die\nHerren F. Coenen (Amsterdam), J. A. van Eyken (Elberfeld),\nG. Kastner (Paris) und R. Volk mann (Pesth) zu Verdienst-\nEhren-Mitgliedern ernannt und die Herren Ch. Gounod (Paris) und\nProf. 0. Jahn (Bonn) zu correspondirenden Mitgliedern.\nParis« Der Kaiser Napoleon hat dem Componisten Felicien\nDavid ein Jahrgehalt von 2100 Francs bewilligt."}]}