{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_sha256": "8a66b77430568fe450a0e9e217e919bbff1e7a18af87555751166b04da30500e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/11/24_01/bmtnabi_1860-11-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "377", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 410, "texte": "Inhalt.\nEine neue Uebersetzung des Textes zu Mozart's Don Juan, Von L. B. Aus Dresden (Nachträgliches über Weber's\nDenkmal). Von Louise Nitzsche, geb. Kindscher. Ueber Zwischenspiele im Choral. Von Gustav Flügel. —Beethoven's Missa\nsolemnis. Aufgeführt im dritten Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Leopold\nAuer Wien, Karl Binder Paris, Theater Weber's Freischütz)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "381", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.2.2", "titre_corps": "Eine neue Uebersetzung des Textes zu Mozart's Don Juan.", "titre_sommaire": "Eine neue Uebersetzung des Textes zu Mozart's Don Juan.", "signature_source": "L. 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Hoffmann (trotz seiner\nphantastischen, keineswegs richtig begründeten Auslegung),\nH. G. Hotho (Vorstudien für Leben und Kunst, Stuttgart,\n1835), P. Scudo u. A. und zuletzt durch O. Jahn (Mo-\nzart, IV., S. 327 u. ff.) zu allgemeiner Anerkennung ge-\nkommen.\nUm so mehr hat man in der neueren Zeit den Mangel\neiner guten deutschen Bearbeitung des italiänischen Ur-\ntextes gefühlt. 0. Jahn sagt darüber (Bd. IV., S. 362):\n„Abgesehen von den Zusätzen der possenhaften komischen\nScenen ist in allen gangbaren Bearbeitungen des gesun-\ngenen Textes nicht nur der leichte und heitere, oft tref-\nfende und nicht selten graziöse Charakter der italiänischen\nVerse verfehlt, der volle und reiche Klang der Worte ver-\nkümmert, sondern selbst der Sinn entstellt und der\nSituation wie der Musik Widersprechendes den\nSängern in den Mund gelegt.\"\nDer in den letzten Worten ausgesprochene Tadel ist\nder gewichtigste; denn in der That sind die Uebersetzun-\ngen an sehr vielen Stellen so beschaffen, dass sie der Mu-\nsik einen wahren Schimpf anthun, und wer Mozart's cha-\nrakteristische Musik nach dem herkömmlichen deutschen\nTexte beurtheilte, müsste ihn, ausserdem dass die Bedeu-\ntung der meisten Feinheiten und der genialen kleinen Ma-\nlereien ganz verwischt wird, oft geradezu für unverständig\nund alles ästhetischen Sinnes bar halten. Einige Beispiele\nsollen weiter unten zum Beweise folgen.\nDass Rochlitzens Uebersetzung, die der hei B reit köpf*\ngedruckten Partitur und vielen Ciavier-Auszügen unterge-\nlegt ist, zu ihrer Zeit ihr Verdienst hatte, haben wir früher\nin diesen Blättern anerkannt, und auch Jahn äussert, dass\nfie sich vor den anderen vorteilhaft auszeichnete, aber\ndennoch von keinem der oben gerügten Mängel freizuspre-\nchen sei, womit wir vollkommen übereinstimmen.\n-Ueber neuere Bestrebungen in Bezug auf denselben\nGegenstand bemerkt er S. 362:\n„Rügler, der die schwachen Seiten der früheren\nUebersetzungen und die Erfordernisse einer guten einsich-\ntig bespricht, zeigt durch die von ihm mitgetheilten eige-\nnen Versuche, wie schwer die Lösung der Aufgabe sei\n(Argo, 1854, S. 353 u. ff.).\n„Die neueste Bearbeitung von W. Viol (Breslau,\n1858) zeigt zwar in mancher Hinsicht einen erfreulichen\nFortschritt, entspricht aber auch noch keineswegs allen\nAnforderungen.\"\nA. von Wolzogen spricht sich in den wiener Re-\ncensionen, 1859, Nr. 28, in dem Aufsatze. „Die Bettung\ndes classischen Repertoires\", ebenfalls dahin aus, dass\ndie trivialen Texte unserer classischen Opern einer längst\nersehnten einsichtsvollen Revision zu unterwerfen seien.\n„Für den Don Juan, der bis jetzt auf dem deutschen Thea-\nter von allen Opern am schlechtesten weggekommen, ist\neine solche Textsäuberung neuerdings wieder von Dr.\nViol in Breslau mit vielem Fleiss versucht worden, und\nwenn der rechte Ton in dieser Arbeit noch nicht überall\ngetroffen sein dürfte, so ist doch der Geist, der den Ver-\nfasser geleitet hat, ganz derjenige, wie wir ihn zu solch\nwahrhaft verdienstlichem Geschäfte*) erheischen. Möchten\n\n*) Man siebt aus den Ausdrücken : „verdienstlich\" und „Geschäft*,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5141, "texte": "nur immer mehr ernste Kunstfreunde sich auf dieses bis-\nher so arg verwahrlos'te Feld werfen\" u. s. w.\nIn seinem Schriftchen: „Ueber die scenische Darstel-\nlung des Don Giovanni\" u. s. w. (Breslau, 1860), äussert\nderselbe Verfasser: „Doch lässt auch Viol's Bearbeitung\nnoch Manches zu wünschen übrig, indem sie einestbeils\nden Sinn des italiänischen Originals noch nicht völlig durch-\ndringt und öfters ohne Noth verändert, anderentheils ge-\nsanglich nicht ganz genügt und auch die letzte Feile an\nder Form des poetischen Ausdrucks manchmal vermissen\nlässt.\"—Als beweisende Beispiele führt von Wolzogen S.\n71 u. ff. eine Reihe von Stellen an, die sich noch sehr ver-\nlängern liesse.\nIn unserer Zeitschrift liessen wir schon in Nr. 50 vom\n11. December 1858 zwei Proben einer neuen Ueber-\nsetzung (Don Juan's Finch' h und den Schluss\ndes Finales des ersten Actes) abdrucken. Es scheint, dass\nsie sowohl Herrn Prof. 0. Jahn als Herrn von Wolzogen\nunbekannt geblieben sind. Jetzt ist die ganze Bearbeitung\nin einem neuen Clavier-Auszuge erschienen:\nDon Juan, Oper in zwei Acten von Da Ponte\nund W. A. Mozart. Clavier-Auszug mit dem\nitaliänischen Original-Texte und neuer Ueber-\ntragung ins Deutsche von Prof. L. Bise ho ff.\nBonn, bei N. Simrock. Kl. Fol. Preis 10 Fr. netto.\nIch hielt es für nölhig, dem Clavier-Auszug folgendes\nVorwort Vordrucken zu lassen:\n„Der Versuch einer neuen deutschen Uebersetzung des\nDon Juan von Da Ponte zu Mozart's Musik bedarf wohl\nkaum einer Rechtfertigung.\n„Die leitenden Grundsätze dabei waren:\n„1. Treue, poetische gegen l)a Ponte, musicalische\ngegen Mozart. Hauptziel :• Vereinigung beider.\n„2. Fluss und Sangbarkeit der Sprache. Zu-\nsammenfallen des sprachlichen und musicalischen Accents,\nfortwährende Berücksichtigung des Sängers, hauptsächlich\ndurch die Anwendung der Vocale a und c auf hohe oder\nsonst bedeutende Noten.\n„3. Beibehaltung der metrischen Form und des\nReims, zwar in freier Behandlung, doch so, dass sie nur\nda aufgegeben werden, wo sie mit dem Grundsätze Nr. 1\nin Widerstreit kamen.\n„Das beste Mittel, dem neuen Texte Eingang zu ver-\nschaffen, schien mir die Herausgabe eines neuen Ciavier-\nAuszugs, wozu die Verlagshandlung sehr bereitwillig die\nHand bot. Dadurch sind die Herren Theater-Capellmeister\nund Regisseurs der Mühe überhoben, den neuen Text un-\nterzulegen, und brauchen nur die Partieen ausschreiben\nzu lassen. Allen Kunstfreunden aber wird die Möglichkeit\ngeboten, Mozart's Musik nach den wirklichen Intentionen\ndes Meisters zu würdigen.\n„In den Clavier-Auszug ist aus neueren Hülfsmitteln\n(0. Jahn u. s. w.) aufgenommen, was als wirkliohe Berich-\ntigung oder Vervollständigung erschien.\n„Möge die Liebe und Mühe, die ich dem Versuche\nder Lösung \"einer sehr schwierigen Aufgabe gewidmet habe,\nwohlwollende Anerkennung finden und einiger Maassen\ndazu beitragen, das grösste Meisterwerk der dramatischen\nMusik auf den deutschen Bühnen in würdiger Gestalt her-\nzustellen*).\n„Köln, im September 1860.\n„Prof. L. Bischoff.\"\nIn d iesem Clavier-Auszug liegt nun einem jeden, der\nsich für die wahre Gestalt von Mozart's Don Juan interes-\nsirt, dem Musiker, dem Dilettanten und dem Sprachken-\nner, auf die anschaulichste Weise alles vor, was zu einer\n•genauen Beurtheilung des Geleisteten, wie sie der Verfas-\nser wünscht, nothwendig ist. Die Musiknote des Gesanges,\ndas italienische, das deutsche Wort diese drei Haupt-\nFactoren der charakteristischen Wirkung der Composition\nstehen unter einander. Ich erlaube mir nur, die in dem\nVorworte kurz angegebenen Grundsätze, denen ich streng\ngefolgt bin, noch etwas ausführlicher zu erläutern.\nEs kann keine Frage sein, dass bei einer Uebersetzung\naus einer fremden Sprache das erste Erforderniss. das rich-\ntige Verständniss des Originals ist. Den richtigen Sinn des\nTextes wiederzugeben, war also auch hier das erste Ziel.\nLeider hat das Publicum gar keine Ahnung davon, wie\narg derselbe bisher entstellt worden ist!\nGleich zu Anfang ist in der ersten Phrase Don Juan's\ndas, worauf die ganze Handlung des ersten Actes beruht:\n„Chi son io, tu non saprai!u („Wer ich sei, erfährst du\nnicht!\") in keinem deutschen Texte zu lesen. Sein nobles\nBenehmen gegen den Gouverneur:\npugnar tecoJ („Unwürdig war' es, mit dir zu fechten!\")\n\nwie sehr auch die nobelsten Kunstfreunde und Aesthetiker\nnoch in einer gewissen Geringschätzung der Opern-Text-Ver-\nfasser und Text-Bearbeiter befangen sind. Wir haben immer\ngeglaubt, dass Gries, Streckfuss und andere Uebersetzer\nitalienischer Poesie, ohne dichterische Anlagen das „Geschäft\"\nder Uebersetzung keineswegs übernommen, geschweige denn\ngut ausgeführt haben würden. Warum soll denn nun die poeti-\nsche Uebersetzung eines Operngedichtes, bei welcher noch die\nneue unendliche Schwierigkeit der Anschmiegung der Ueber-\ntragung an die gegebene Musik hinzukommt, nur als ein Ge-\nschäft betrachtet werden?\n*) „Für die Biihnen-Directionen, welche die Oper mit den Reci-\ntativen geben wollen, sind Abschriften der Uebersetzung der\nKecitative vom Verfasser zu beziehen. Wenigstens wäre zu\nwünschen, dass diese Uebersetzung des Original-Textes der\nKecitative auch da benutzt würde, wo man den Dialog vor-\nzieht.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4545, "texte": "V\nist in Hohn verwandelt, wenn man ihn sagen lässt: „Wie,\ngrauer Alter! noch so verwegen?\" oder auch: „Nein!\nüberlegen bin ich dir, Alter!\" (Viol) und nun gar:\nAttendi, se vuoi morir! mit: „Bald soll dir dein Trotz ver-\ngeh'n!\" (Rochlitz und Viol) wiedergegeben.\nIm Recitativ von Nr. 2 (Duett, D-moll) ruft Ottavio\nden Dienern zu: „Eilt zu Hülfe!\" und zugleich : „Verlasst\nsie nicht!\"-r-wesshalb denn auch in der Regel die armen\nLeute nicht wissen, was sie thun sollen. Nachher lassen\nRochlitz und Viol ihn „bei seiner Ehre\" schwören, anstatt\n„bei Deinen Augen\" (agli occhi iuoi) welche Stelle ich\nbesonders desshalb anführe, weil sie zeigt, dass ich den\nText nicht habe verbessern oder verschönern wollen, son-\ndern nur treu wiedergeben.\n(„Woget auf und ab mein Herz\"), worauf Mozart die\nschöne malende Achtelfigur geschrieben hat, wird bei Roch-\nlitz zu: „sonst unterliegt unser gebeugtes Herz\", bei Viol:\n„Die Centnerlast der Leiden beuget das schwache Herz!\"\nAls in Nr. 3 Don Juan Elvira erkennt, ruft im darauf\nfolgenden Recitativ Leporello aus: 0 bella! Donna Elvira!\nDas heisst aber nicht: „0 schönste Donna Elvira!\" (Viol)\nsondern: „O köstlich!\" so viel als: „Das ist eine schöne\nGeschichte!\" was natürlich Leporello wie alles Folgende\nbei Seite spricht.— Gehen wir nun zu Nr. 4 (Leporello's\nArie) über, so hat Rochlitz bei dieser Nummer einen wah-\nren Frevel an Mozart begangen, am tollsten, wo er\nstanza mit „dispuliren\" und mit „kritisiren\"\nvertauscht! Aber auch Kugler (dessen Uebersetzung Viol\naufgenommen) gibt eben diese Stelle sprachlich und musi-\ncalisch ganz falsch wieder: „Bei den Braunen ist der Schim-\nmer Schwarzer Augen sein Behagen.\" Dergleichen Feh-\nler, wobei die sprachliche Phrase zum totalen Gegentheil\nder musicalischen wird, wie hier (zwischen „Schimmer\"\nund „schwarzer Augen\"), sind bei allen zu wenig musi-\ncalischen Uebersetzern sehr häufig. Die Bedeutung der\nprächtigen Steigerung bis zur Fermate auf hin (auf die\nWorte: e la grande maestoso)und die köstliche Spielerei\nauf das folgende: la piccina gehen auf\nwidrige Weise verloren durch Rochlitz',s: „Und dann Jede\nPreis zu geben, Uas ist sein verdammtes Leben!!\" und\nKugler's: „Grosse sind ihm angemessen (darauf die Fer-\nmate!), Ohn' die Kleinen zu vergessen.\" Von der schalk-\nhaften, ja, boshaften Anspielung in Leporello's Schluss-\nworten : pur che porti la gonel\nhat keine Uebersetzung auch nur eine Ahnung. Bei die-\nsem Schlüsse musste man das halb schlaue, halb vertrau-\nliche Auge von Lablache-Leporello sehen! Und wie köst-\nlich hat Mozart diese Ironie componirt, erst durch die ab-\ngebrochenen Noten mit Pausen: Voi - - sapete - - quel -\nche - fä,und dann durch den aufsteigenden Dreiklang,\nmit welchem sich Don Juan s Doppelgänger von gemeine-\nrem Stoff empfiehlt.\nIch bin bei dieser Arie ins Einzelne gegangen, um allen,\ndie sich nicht in ähnlichen Arbeiten versucht haben, an\nEinem Beispiele zu zeigen, welche doppelte und dreifache\nRücksichten ein gewissenhafter Bearbeiter der Texte\nzu Mozart's Opern (denn bei Rossini, Bellini u. s. w. geht\nes freilich leichter!) zu nehmen und welche Schwierigkei-\nten er zu überwinden hat. Weit entfernt von dem Wahne,\netwas ganz Genügendes geleistet zu haben, gebe ich den\nneuen Text zu der zweiten Hälfte der Arie und theile die\nmelodischen Phrasen durch Striche ab, als Probe des Stre-\nbens, mit welchem die ganze Arbeit gemacht ist.\nNella Hondaj egli ha |\nAn der Blonden lobt er gerne\nDi bdarla | la gentilezza, |\nBlauer Augen milde Sterne;\nNella bruna j la costanza, \\\nAn der Braunen, dass sie standhaft,\nNella bianca \\ la dolcezza. \\\nAn der Blassen sanfte Zartheit.\nVuol d'inverno la grossetta\nSelbst die Schlanken und die Breiten\nVuol d'estati la magrotta.|\nWählt er nach den Jahreszeiten.\nE la grande | maestosa, [\nIst die Grosse majestätisch,\nLa pieeina (: la piccina:) e ognor vezzosa.\nIst die Kleine (:ja, die Kleine:) reizend poetisch.\nDelle vecchie \\ fä conquista, j\nIns Register ] einzuschalten,\nPel piacer| di porle in |\nNimmt zum Scherz er auch die Alten.\nSua passion predoniinante |\nDoch am feurigsten erglühte\nE la giovin principiante. j\nStets er für die Jugendblüthe.\nNon si picea, se sia ricca,\nReich und arm und schön und hässlich,\nSi sia brutta, se sia bella, j\nRoth von Wangen oder blässlich,\nSe sia ricca, brutta, se sia bella: ]\nJede, jede, jed' ist ihm willkommen:\nPur che porti la gonella, j\nTrägt sie nur ein Faltcnkleid,\nVoi | sapete| quel| ch\nNun—so wissen—Sie—Bescheid!\nDie Arbeiten meiner Vorgänger auf dieselbe Weise,\nwie bei diesen vier Nummern geschehen, durchzugehen,\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4350, "texte": "würde gar zu viel Raum fordern. Zum Vergleich mit ihnen\nnur noch ein paar Proben.\nQuartett Nr. 10.\nElvira, Glaube, o Arme, glaube nicht,\nWas ruchlos er bejaht;\nMich schon verrieth der Bösewicht,\nDein wartet auch Verrath.\nAnna. Ott. Himmel! sieh, welch ein edles Bild,\nVoll milder Majestät ;\nWie aus dem Aug' die Thräne quillt,\nWie sie um Mitleid fleht!\nDon Juan. Das arme gute Mädchen!\nSie ist nicht recht bei Sinnen\nO Freunde, geht von hinnen u. s. w. u. s. w.\nElvira. Deine Hoffnung ist vergebens,\nIch verachte klugen Rath*):\nMag denn alle Welt erfahren\nMeine Schmach und deine That!\nIn dem grossen Recitativ der Donna Anna (Nr. 11)\nsind die ominösen Worte des Ottavio: „Himmel! doch\nweiter!\" in: „Schrecklich! Vollende!\" und in seiner\nBuchbinder-Arie ist der „Einband der Freundschaft\"\nnach dem Italiänischen wörtlich in: „Aus ihrem Frieden\niiiesset der meine\", verwandelt worden. In Don Juan's\nsprudelnder B-dur-kne gibt Viol zu der genialen Wen-\ndung der Melodie, welche ins erste Motiv zurückführt,\nstatt der Worte: »Ed io fratt\nquesta e quettavö amoreggiar\", unbegreillicher Weise\nFolgendes:\n„Heimlich ins Stübchen\nLock1 ich mein Liebchen,\nDann im Gedränge\nFlusch, husch, herbei!'\ndas doch zu der Musik wie die Faust aufs Auge passt!\nDa ist denn das plumpe „-Trotz Weh' und Ach ins Schlaf-\ngemach\" von Rochlitz wenigstens musicalisch richtiger.\nJetzt heisst es:\nIch unterdessen,\nNicht zu vergessen!\nLehre bei Seite\nManche, was Liebe,\nWas Liebe sei.\nDor» Juan's Intrada im Finale des ersten Actes lautet:\nAuf! erheitert euch beim Feste!\nAlle seid ihr meine Gäste!\nFroher Sfrm und Wein der beste,\nDas soll heut die Losung sein!\nJetzt zum Tanz im hellen Saale,\nDann zum reich besetzten Mahle,\nWo- die schäumenden Poeale\nHerz und Sinne bass erfreu'n!\nDoch ich muss abbrechen, um noch einiges Andere\nüber die neue Ausgabe zu bemerken.\nEine der heikeligsten Stellen für den Uebersetzer ist\nder Eintritt des Comthurs im letzten Finale. Die Schwie-\nrigkeit liegt darin, dass in „Don Giovanni\" der An-\nrede, mit welcher der Geist beginnt—der Eigenname drei-\nsvlbig ist, während „Juan\" wie „Johann\" zweisylbig ist.\nBei Bochlitz: „Nun, Don Juan!\" ist das „Nun\" ein Schu-\nsterlleck und die Accentuation von Juan _) für uns Deut-\nsche eben so anstössig, als „Johann\". Andere haben:\n„Hör', o Don Juan!\" wobei das „Hör'\" beinahe noch är-\nger ist, als „nun\". Viol's: „Jetzo bin ich, wie du gebe-\nten, zu dem Gastmahl hier eingetreten!\" richtet sich selbst\nund ist eine der am auffallendsten misslungenen Stellen\nseiner Uebersetzung. Dass der Namens-Aufruf nicht weg-\nfallen darf, ist einleuchtend. Ich bin desshalb dem Italieni-\nschen und der Musik wörtlich gefolgt:\nWer sich an der Pause nach „Du\" stösst, der wird sich\nberuhigen, wenn der Sänger das auf „du\" etwa noch ein\nAchtel lang in den folgenden Tact hineintönen lässt. Für\ndas gewaltige „Pentiti/\" schien mir „Beuge dich!\" tref-\nfender als das triviale „Bess're dich!\"\nAuf die Sangbarkeit ist in so hohem Grade Rück-\nsicht genommen, dass wohl mit Recht behauptet werden\ndarf, dass alle bisherigen Bearbeiter keine Vorstellung von\neiner derartigen Sorgfalt gehabt haben. Man sehe z. B.\nim Duett Nr. 2 „Rache\" „auf und ab\" auf das hohe\n(j und a;„ach\" „strafe\" „Verrath\" in Nr. 3;\n„bange—schlagen—Sehnen heisse— Hass\" in Nr. 4;\nin der Arie der Anna Nr. 12: „Schande\" „war\"\n„ach!\" „Vater\" „Wohlan! Rache verlang' ich!\"\n„es mahne dich Alles\"; der Schluss von Don Juan's Arie:\n„Ha, mein Register wird ohne Frage morgen am Tage\nreicher an Zahl!\" Im ersten Finale: Anna (S. 92):\n„Gefahren seh' ich schweben\"; in der Preghiera: „zur\nThat mein wagend Herz!\"; Elvira: „räche, gerechter\nHimmel, verrath'ner Liebe Schmerz\"; Zerline: „Dein Ver-\nrath ist offenbar\" „Alles ist nun klar\" „Frevel ohne\nZahl\" „Der herabgesandte Strahl\" (S. 112). Im Sextett\nbesonders am Schlüsse: „bringt Verrath—eine nesie Fre-\nveilhat\"; im Duett vor der Statue auf Leporello's nach\ndem „Ja\" des Comthurs: „Starr sind meine Glieder\";\nendlich den ganzen Gesang des Comthurs.\nEs lässt sich (vielleicht!) erwarten, dass die Wider-\nspänstigkeit der Sänger, neue Texte zu lernen, durch die\nEinsicht in die bequemere Sangbarkeit gebrochen werde.\n\n*) Viol: HofT es nimmer, du Verräther!\nDen Verstand hab' ich verloren u. s. w.\nDas wäre freilich dem Treulosen sehr willkommen, wenn\nsie das selbst sagte, was er die Anderen glauben machen will."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2806, "texte": "Der. Heim halte ich bei einem Operngedichte, also\nauch bei einer Übersetzung desselben, für nothwendig;\neine gewisse Vollendung der Form, die man jetzt überall\nals genie-hemmend (!) gar zu gern abwirft, fordert jedes\nKunstwerk, also auch das Operngedicht, wenn es auf die-\nsen Namen Anspruch machen will. Der Reim ist mit den\nromanischen und germanischen Sprachen so verwachsen,\ndass er bei allem Lyrischen wesentlich ist; das Volkstüm-\nliche des Gleichklangs kann dem Volke durch eine metri-\nsche I'orin allein nicht ersetzt werden, fast eben so wenig,\nwie in der Musik die Melodie durch die declamatorische\nl'salmodie. Wenn Mozart selbst gegen die Reime eifert\n(0. Jahn, 111., S. 86), so meint er, wie er ja auch aus-\ndrücklich sagt, die „elenden\" Reime, diejenigen, die\n„des Reimens wegen\" gemacht werden und „dem Com-\nponisten seine ganze Idee verderben\". Ich habe jedoch,\nauch hierin dem Originale Da Ponte's folgend, den Reim\nmit Freiheit behandelt, und an manchen Stellen, wie im\nVorwort schon erwähnt, ihn höheren Rücksichten geopfert.\nNichtssagende oder gar den Sinn entstellende, so wie wi-\nderhaarige und pedantische Reime wird man, wie ich\nglaube, nicht finden. Spielereien, wie die von Kugler bei\nViol: „Winter\" und „darauf sinnt er\", „breit ist\" und\n„Kleid ist\", „Honig\" und „lohn' ich\", sind so anti-musi-\ncalisch wie möglich.\nWie weit es mir nun gelungen sei, bei so binden-\nden Fesseln, dem Tone, der Stimmung, der Farbe des\nAusdrucks, welche das Italienische hat und welche die je-\ndesmalige Situation erfordert, nahe zu kommen, tnuss ich\nder Reurtheilung der Kenner und der Kunstfreunde an-\nheimstellen.\nAn den Bühnen-Directionen wird es jetzt liegen,\nob sich der hergebrachte ungenaue, häufig ganz falsche,\nmeist sehr prosaische, oft unwürdige Text zu der gött-\nlichen Musik Mozart's auf den deutschen Theatern verewi-\ngen soll oder nicht. Ich habe das Meinige für Mozart\ngethan und wenigstens einen Anfang zum Bessern gemacht.\nDer Clavier-Auszug enthält alles, was Mozart für\nden Don Juan ursprünglich und nachträglich geschrieben\nhat; die Arien Masetto's „ I/o capito\", Ottavio's „Dalla\nsua paceu ,das vollständige Finale des zweiten Actes in\nD-dur stehen an ihren Stellen. Nur das komische Duett\nin C-durzwischen Zerline und Leporello\nmanine\" ist im Anhang geblieben und mag auch, wie\nbisher, von der Bühne verbannt bleiben. Aufgenommen\nsind die Berichtigungen, die 0. Jahn aus der Partitur aus-\ngezogen; allein das b im dreizehnten Tacte des Allegro's\nder Ouvertüre, so wie die vier Tacte im letzten Finale\n\\nA torto divütate\" u. s. w.) zu streichen, habe ich nach\nwohl erwogener Sache unterlassen. Im dreizehnten und\nvierzehnten Tacte des Andante'« der Ouverlure findet man\nhier auch zum ersten Male in den Clavier-Auszug die cha-\nrakteristische Bratschen-Figur aufgenommen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.2.3", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "Louise Nitzsche", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.5", "debut_caractere": 2808, "fin_caractere_exclue": 5125, "texte": "Aus Dresden.\n\n[Nachträgliches über Weber's Denkmal.]\nAm 11. October d. J. wurde die Statue C. M. von\nWeber's im Beisein höchster und hoher Herrschaften und\nvor einem zahlreich versammelten Publicum feierlich ent-\nhüllt. Das Arrangement zur Festlichkeit war ein sehr wür-\ndiges, obwohl in seiner Totalwirkung etwas beeinträchtigt\ndurch consequentes Begenwetter. Trotzdem zeigte sich all-\ngemeine Theilnahme und Enthusiasmus, namentlich auch\nan den beiden Fest-Vorstellungen im Theater: „Oberon\"\nund „Pretiosa\", welche, von den besten Kräften unter-\nstützt, glänzend in Scene gingen. Ein längst gehegter\nWunsch ist nun also erfüllt: den grossen Meister, dessen\nName unsterblich geworden ist und dessen verdienstvolle\nIhätigkeit im Besonderen der dresdener Oper gewidmet\nwar, hier in einem Denkmal verewigt zu sehen. Die Statue\nselbst wurde im Jahre 1858 von unserem berühmten Pro-\nfessor Bietschel modellirt und 1859 in dem grällich\nFinsiedel'schen Hüttenwerke zu Lauchhammer gegossen;\nsie ist acht rheinische Fuss hoch; eben so hoch ist das\nPostament aus polirtem meissener Granit. Obwohl der\nStandort der Statue nicht vor der eigentlichen Fronte des\n1 heatergebäudes ermöglicht werden konnte, ist er dennoch,\nwie zu erwarten war, in unmittelbare Nähe desselben ver-\nsetzt worden. Die Oper war ja das Haupt-Element, die\nKrone der Weber'schen Tondichtungen. Auch die präch-\ntigen Opern-Prologe, Ouvertüren genannt, so wie herr-\nliche Lieder und charakteristische Compositionen für Solo-\nInstrumente schmücken das unvergessliche Andenken sei-\nner Kunst. In der Sinfonie und Quartettmusik fand der\nMeister nicht seine eigentliche Sphäre, obwohl er auch\ndafür interessante Studien hinterlassen. Die Sinfonie verhält\nsich zur Oper, wie Epos zum Drama; sie verlangt logi-\nsches Fortspinnen der Motive, so zu sagen thematische Be-\nredsamkeit und Beschaulichkeit. Weber's Kunst-Naturel\nneigt aber weit mehr zum Ausstreuen und Aufleuchten\nder Gedanken, als zum ausführlichen Besprechen dersel-\nben; er schiesst Effecte ab, wie sicher treffende Pfeile.\nSeine Meisterschaft zeigt sich nicht bloss in Gefühlsmalerei,\nsondern auch in Charakterzeichnung, und besonders\nsind es diese Eigenschaften, in weichen sein dramatisches\nGenie wurzelt und worin er Mozart am nächsten gekom-\nmen ist. Niemand hat es nach diesen Beiden wieder so"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2536, "texte": "verstanden, neben der grössten Deutlichkeit in Schilderung\nvon Gefühlen und Situationen wirkliche musicalische\nCharaktere darzustellen (Sarastro oder der Mohr, Agathe\noder Aennchen würden z. ß. für einen Blinden lediglich\nund frappant an der Musik zu erkennen und zu unterschei-\nden sein). Eine der Haupt-Eigenthümlichkeiten Weber's\nliegt aber in dem Colorit, welches er zuerst selbstständig\ngebraucht und wodurch er die eigentliche Romantik für\ndie Musik ausdrücken und heraufführen konnte. Diese Ro-\nmantik, sich äussernd durch Klangfarbe in der Instrumen-\ntation oder durch Reiz der Harmonie, findet sich zwar\nschon bei den leuchtenden, unsterblichen Vorgängern, aber\nnoch nicht in dem Grade ausgedrückt und noch nicht so\nindividuel angewandt. Diese Romantik ist das\ndie holde Dämmerstunde, worin Heldengestalten aus der\nVergangenheit, Gebilde aus der Ferne uns nahe treten;\neine Vermählung der Einbildungskraft mit der Natur, wo\ndie Phantasie den Schein der Wirklichkeit annimmt. We-\nber's Romantik ist dieselbe ursprüngliche, gesunde, wie\nz. B. Uhland sie in seinen Dichtungen hat, schwungvoll\nund blühend, nicht weltschmerzlich und zerrissen, wie sie\njetzt in den Gebilden der Neuzeit nur noch dem Namen\nnach umherspukt. Ganz wesentlich war für Weber hierin\ngewiss die Wahl seiner Operntexte; da diese entschieden\nromantisch waren, so hat sich seine Eigenthümlichkeit\nhieran noch vollständig entwickelt und genährt. Es ist\nüberhaupt interessant, zu beobachten, wie neue Kunstrich-\ntungen in der Poesie sich alsbald auch über die Musik\nausbreiten, etwa in demselben Verhältnisse, wie dem auf-\ngehenden Sonnenlichte die Sonnenwärme nachfolgt. Die\nDichtkunst bereitet die Tonkunst gewisser Maassen vor;\nund für die romantische Richtung war Weber auserkoren,\nsie in das Reich der Töne zu übertragen. Was er hierin\ngezaubert, ist allbekannt und wird in ewiger Jugend blühen.\nDie meisten seiner Compositionen durchweht eine wahre\nWaldesfrische, ein köstlicher, gesunder Hauch in Melo-\ndieenschwung und Harmonieenreiz, der nie aufhören wird,\nzu befriedigen und zu entzücken.\nMax Maria von Weber, der einzige noch lebende Sohn\ndes Verewigten, gehört den höheren Staatsbeamten in\nSachsen an und führt eine überaus gewandte, poetische\nFeder. Die Schilderungen seiner Reisen z. ß., mit wissen-\nschaftlichen und besonders technisch begründeten Beobach-\ntungen versehen, sind dabei so originel, malend und bril-\nlant geschrieben, dass man hierin deutlich und mit Freu-\nden die angeerbte Künstlernatur erkennt.\n\nLouise Nitzsche, geb. Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "383", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.2.4", "titre_corps": "Ueber Zwischenspiele im Choral.", "titre_sommaire": "Ueber Zwischenspiele im Choral.", "signature_source": "Gustav Flügel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.6", "debut_caractere": 2538, "fin_caractere_exclue": 5015, "texte": "Ueber Zwischenspiele im Choral.\n\nIn dem Vorworte zu H. Lohmeyer's evangelischem\nChoralbuche heisst es in einer Anmerkung: „Unter den\nOrganisten ist gegenwärtig der Grundsalz ziemlich verbrei-\ntet, dass man sich hinsichtlich der Zwischenspiele nach\ndem Texte des Liedes zu richten habe, und z. B. dann\ndie Zwischenspiele weglassen müsse, wenn zwei Verszeilen\ndem Sinne nach genau verbunden seien, sonst aber nicht.\nAuch der Königliche 3lusik-Director und Schloss-Organist\nG. Flügel in Stettin hat diesem Grundsatze, wenn auch\nunter gewissen Einschränkungen, neuerdings das Wort ge-\nredet. Dieser Grundsatz widerstreitet aber der Tactmäs-\nsigkeit des Chorals und muss schon um desswillen, abge-\nsehen von anderen Gründen, verworfen werden.\" Hieraul\nhabe ich Folgendes zu erwidern:\nIn meinem Aufsätze: „Was kann der Organist zur\nHebung des Gottesdienstes thun?\" habe ich gesagt:\n„Die Beachtung des Liedtextes ist von vielen Or-\nganisten sehr vernachlässigt worden und wird noch ver-\nnachlässigt, in so fern man im Liedtexte Zusammen-\ngehöriges ohne Grund trennt. (Man denke an den Miss-\nbrauch der Zwischenspiele.) Auf diesen Punkt ist mit um\nso grösserem Nachdruck aufmerksam zu machen, da ge-\nrade hierin mit die Ursache zu suchen sein dürfte, wess-\nhalb in manchen Gemeinden ein so schläfriger, schleppen-\nder Gesang anzutreffen ist, der auch der freudigsten Weise\nHemmschuhe anlegt und eine sonst in allen Theilen ge-\nhobene Feslfeier gerade in dem wichtigen Tbeile des Ge-\nmeindegesanges beeinträchtigen muss.\n„Es liegt in der Natur der Sache, dass man unausge-\nsetzt dem Liedtexte nachgeht und bei Versen, wo der Sinn\nnoch nicht ausgesprochen ist, keine Art von Zwischenspiel\nmacht, sondern sofort die nächste Choralzeile anreiht. (Dass\nes im Tacle geschehen muss, versteht sich von selbst. Der\nTact eines Gemeindegesanges wird übrigens nicht\nnach dem Tactstocke gemessen.)\n„Wo hingegen natürliche Ruhepunkte eintreten (wenn\nmit dem Schlüsse einer Choralzeile auch der Textsinn mit\ndem Verse abschliesst), ist eben so nöthig, dass der Orga-\nnist die Zeit des Ruhepunktes möglichst einfach in\nder Weise ausfüllt, dass der Melodie-Ton als Oberstimme\nbeibehalten wird, einmal, weil der Orgelton keinen\nregelmässig wiederkehrenden Stillstand ver-\nträgt, und dann, weil die Gemeinde Zeit zum\nAthemholen haben muss. Am Schlüsse jeder Strophe\nist ein Zwischenspiel von ausreichender Dauer erfor-\nderlich, damit die Gemeinde Zeit gewinnt, die nächste\nStrophe bequem zu überblicken.\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2083, "texte": "Dass diese meine Ansicht, die ich Niemandem nach-\ngesprochen habe, unter den Organisten gegenwärtig als\nGrundsatz ziemlich verbreitet sein soll, ist mir ganz\netwas Neues.\nDie Tactinässigkeit des Chorals wird durch dieses Vcr-\niahren keineswegs unterbrochen, eben so wenig als in-\nnerhalb einer Choralzeile zwei oder drei Durchgangs-\nnoten in den Mittelstimmen die Tactmässigkeit aulheben;\nvielmehr kann sie durch jene Ruhepunkte, die auch\nHerr Lohmever hin und wieder anbringt, unterbrochen\n*J o\nwerden, weil ihre Dauer ganz der Willkür der Orga-\nnisten anheimgestellt bleibt. Im günstigsten Falle wird ein\nmusicalischer Organist den Schluss-Accord einer Choral-\nzeile tactmässig aushalten, und dieser stets wiederkehrende\nStillstand widerstreitet der Natur der Orgel, wie jeder\nOrganist weiss.\nWenn ierner Herr Lohmeyer in einer gegenüberste-\nhenden Anmerkung sagt: „Sis kann z. B. Jemand ein fer-\ntiger Orgelspieler, ja, ein Componist schwieriger Orgei-\nslücke sein, ohne etwas von wahrhaft kirchlicher Musik\nzu verstehen\", so ist das allerdings eben so möglich, als\ndass ein Rector auch etwas von Musik verstehen kann,\nwas freilich oft schlimmer ist, als gar nichts. So viel steht\naber fest, dass ein würdiger Organist, der nothwendig\nein durchgebildeter Musiker sein muss, nicht gedacht wer-\nden kann, ohne nicht etwas, sondern recht viel von\nwahrhaft kirchlicher Musik zu verstehen.\n-Von dem musicalischen Geschmacke des Herrn Loh-\nmeyer gibt folgende Stelle seines Vorwortes jedem musi-\ncalischen Menschen einen Begriff: „Am zweckmässigsten\ndürfte es sein, die Tasten während der Pause (im Choral,\nals ob es nur eine Pause gäbe!) nach und nach von\noben an loszulassen, so dass zuletzt unmittelbar vor dem\nEintritt des nächsten Accordes nur der Bass forttönt, oder\nauch umgekehrt, von unten nach oben, mit Fest-\nhaltung des Melodie-Tones.\" Wie sinnreich!\nMan denke sich derartige Arpeggien durch acht\nStrophen, von denen jede doch mindestens vier Choral-\nzeilen enthält, fortgesetzt:—ob das „wahrhaft kirch-\nliche Musik\" zu nennen ist!\nStettin, im November 1860.\n\nGustav Flügel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-24_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "383", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.2.5", "titre_corps": "Beethovens Missa solemnis.", "titre_sommaire": "Beethovens Missa solemnis.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.7", "debut_caractere": 2085, "fin_caractere_exclue": 4386, "texte": "Beethovens Missa solemnis.\nAufgeführt im dritten G-esellschafts-Concerte im\nGürzenich, Dinstag den 20. November.\nJe seltener die grosse Messe in von Beethoven\nzur Aufführung gelangt, weil sie grosse Massen von Ge-\nsang- und Orchesterkräften und eine aussergewöhnliche\nBefähigung und Tüchtigkeit derselben verlangt, desto mehr\nist jede Aufführung des gewaltigen Werkes eine Thal,\nwelche der Kunstgeschichte angehört.\nDesshalh war denn auch der Abend des 20. Novem-\nber ein wahrer testtag, zu dem Künstler und Kunstfreunde\nvon nah und fern in so grosser Anzahl herbeikamen, dass\nan zwei Tausend Personen den Saal und die Galerieen\nfüllten, um Zeugen zu sein, wie das erhabenste Tonge-\nbilde des Meisters einmal wieder aus der Gruft der Par-\ntitur ins Leben stieg, um ihn zu verherrlichen, der es aus\nder Tiefe seiner Seele hervorrief und alle Schätze der\nKunstwissenschaft darüber ausschüttete.\nJa, aus der Tiefe seiner Seele! Schrieb er doch selbst\nmit eigener Hand über die erste Seite der Partitur in un-\ngeheurem Folio-Format, die jetzt auf der Bibliothek zu\nBerlin als kostbare Reliquie verwahrt wird: „Vom Her-\nzen kam es, zum Herzen möge es gehen!\" —Aber\nfreilich, ein Herz wie Beethoven's schlägt anders als das\nanderer Menschen, eine Seele wie die seinige trägt der\nGlaube auf anderen Schwingen zu Gott empor, als wie sie\nMillionen von Menschen gegeben und zur Gewohnheit ge-\nworden. In dieser Schöpfung des Genius verschwindet\nalles Kleine und in den Banden des Irdischen Befangene:\nnicht die stille Ergebung eines vereinsamten Herzens Hellt\nhier um Trost und bekennt in Zerknirschung die Schuld:\nnein, die ganze Menschheit stürzt nieder auf die Kniee\nund schreit auf in der Angst des Herzens: „Herr, er-\nbarme dich unser!\" Die ganze Menschheit erhebt sich bei\nder Verkündigung des ewigen Heils und jubelt ihr Gloria\nin excelsis Deoempor zum Himmel den ungemessenen\nWiederhall fasst kein Tempel, von Menschenhand gebaut,\ndie ganze Schöpfung Gottes ist ihr Dom!\nUnd gegen eine solche Verherrlichung des Glaubens\ndurch die Kunst will man eifern? Soll die Kunst mit der\nReligion Hand in Hand gehen, so muss sie frei walten\ndürfen, so darf ihre Schöpferin, die Phantasie, nicht in\nBande geschlagen werden. Man kann die Kunst nicht stück-\nweise haben; entweder ganz oder gar nicht.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-11-24-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-11-24_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "384", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.7", "debut_caractere": 4388, "fin_caractere_exclue": 5022, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEOLN. Der junge Violinist Leopold Auer aus Ungarn hat\nin der letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft\nSpohr's Gesangscene und Bazzini's Dause des Lutins mit ganz ent-\nschiedenem und aussergewöhnlichem Erfolg vorgetragen. Ausserdem\nhat er in mehreren Privatkreisen Compositionen von Beethoven,\nVieuxtemps, Leonard u. s. w. gespielt und überall den lebhaftesten\nBeifall geärntet, den sein sehr hervorragendes Virtuosen-Talent auch\nvollkommen verdient. Er wird am Montag den 26. d. Mts. im Hotel\nDisch eine Soiree geben, deren Besuch wir den Freunden des Vio-\nlinspiels angelegentlich empfehlen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2441, "texte": "*Wien« Karl Binder, dessen Leichenbegängniss am 7. No-\nvember unter zahlreicher Begleitung Statt fand, wurde in Wien den\n29. November 1816 geboren, widmete sich frühzeitig der Musik und\nwar einer der würdigsten Schüler des berühmten Ritter Ignaz v.\nSeyfried. Seit 1840 fungirte er an verschiedenen Bühnen unserer\nResidenz als Capellmeister, wo er sich als fleissiger und gewandter\nOpern-Dirigent bewährte und bedeutendes Compositions-Talent, ins-\nbesondere für das heitere Genre der Volksbühne, an den Tag legte,\nso dass viele seiner Lieder völlig volksthümlich wurden. Die Anzahl\nseiner Compositionen ist eine bedeutende, und namentlich die Ouver-\ntüren Und Lieder verrathen ein ernstes Streben. Aber auch im pa-\nrodistisehen Genre lieferte er Treffliches; wir erinnern nur an die\nTannhäuser-Parodie. Die Verdienste, die er sich um die Instrumen-\ntirung der Offenbaeh'schen Operetten erwarb, sind gebührend aner-\n♦ kannt worden.\nIPavis. In die Proben der Oper „König Barkuf* von Scribe\nund Jakob Offenbach war durch die Unpässlichkeit der Sänge-\nrin Mad. Ugalde eine Unterbrechung gekommen. Jetzt ist die Rolle\ndieser Dame dem Fräulein Saint-Urbain, einer jugendlichen\nKünstlerin, die zuerst an der italiänischen Oper mit grossem Beifall\nauftrat, übergeben, und die Oper wird Ende dieses Monats in Seene\ngehen.\nAn demselben Theater der Opdra comique haben die Proben einer\nanderen neuen Oper von den beiden Veteranen Scribe und Auber\nbegonnen.\nIm Thedtre lyrique kam Gluck's »Orpheus* am 5. d. Mts. zum\nersten Male in dieser Saison wieder auf die Bühne; aber Madame\nViardot überliess sich Uebertreibungen in Gesang und Spiel, die\njedem Verehrer derselben peinlich und nur durch den Mangel an\nphysischer Kraft, den ein Unwohlsein veranlasst haben mochte, zu\nerklären waren. Mademoiselle Girard sang den Amor schön, ein-\nfach und natürlich, sie überlud die Musik Gluck's mit keinen Ver-\nzierungen von eigener Erfindung.\nDie Einnahme der pariser Theater betrug im Monat Oetober\n1,573,365 Fr. (in den kaiserlichen 453,344 Fr., in den anderen ,475\nFr ), über 200,000 Fr mehr, als im vorigen Jahre.\nDer Text zu Weber's Freischütz ist zehn Mal übersetzt: ins\nFranzösische von Castil Blaze und von Emilien Pacini, ins Italieni-\nsche von Rossi, ins Englische von Cornwall Carry, ins Holländische\nvon ?, ins Dänische von Oehlenschläger, ins Schwedische von Tegner,\nins Russische von Satow, ins Böhmische von Stipanech, ins Polni-\nsche von Bogulawski."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEine neue Uebersetzung des Textes zu Mozart's Don Juan, Von L. B. Aus Dresden (Nachträgliches über Weber's\nDenkmal). Von Louise Nitzsche, geb. Kindscher. Ueber Zwischenspiele im Choral. Von Gustav Flügel. —Beethoven's Missa\nsolemnis. Aufgeführt im dritten Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Leopold\nAuer Wien, Karl Binder Paris, Theater Weber's Freischütz)\n\nEine neue Uebersetzung des Textes zu Mozart's\nDon Juan.\n\nNachdem sich, bekanntlich schon von Gluck angeregt,\ndie Ansicht Bahn gebrochen, die Oper als ein musicalisches\nDrama zu betrachten, hat man den Blick ausser auf die\nComposition, die in der guten alten italiänischen Zeit allein\nbeachtet wurde, auch auf das Gedicht gewandt, und lässt\nden Verfassern des Textbuches Gerechtigkeit widerfahren.\nDies ist denn auch bei Da Ponte, dem Dichter des Don\nJuan, der Fall gewesen, und trotz manchem, was man in\nseinem Buche anders wünschte, ist sein grosses Verdienst\num Mozart's unsterbliche Kunstschöpfung zunächst durch\nUlibischeff, dann durch C. T. A. Hoffmann (trotz seiner\nphantastischen, keineswegs richtig begründeten Auslegung),\nH. G. Hotho (Vorstudien für Leben und Kunst, Stuttgart,\n1835), P. Scudo u. A. und zuletzt durch O. Jahn (Mo-\nzart, IV., S. 327 u. ff.) zu allgemeiner Anerkennung ge-\nkommen.\nUm so mehr hat man in der neueren Zeit den Mangel\neiner guten deutschen Bearbeitung des italiänischen Ur-\ntextes gefühlt. 0. Jahn sagt darüber (Bd. IV., S. 362):\n„Abgesehen von den Zusätzen der possenhaften komischen\nScenen ist in allen gangbaren Bearbeitungen des gesun-\ngenen Textes nicht nur der leichte und heitere, oft tref-\nfende und nicht selten graziöse Charakter der italiänischen\nVerse verfehlt, der volle und reiche Klang der Worte ver-\nkümmert, sondern selbst der Sinn entstellt und der\nSituation wie der Musik Widersprechendes den\nSängern in den Mund gelegt.\"\nDer in den letzten Worten ausgesprochene Tadel ist\nder gewichtigste; denn in der That sind die Uebersetzun-\ngen an sehr vielen Stellen so beschaffen, dass sie der Mu-\nsik einen wahren Schimpf anthun, und wer Mozart's cha-\nrakteristische Musik nach dem herkömmlichen deutschen\nTexte beurtheilte, müsste ihn, ausserdem dass die Bedeu-\ntung der meisten Feinheiten und der genialen kleinen Ma-\nlereien ganz verwischt wird, oft geradezu für unverständig\nund alles ästhetischen Sinnes bar halten. Einige Beispiele\nsollen weiter unten zum Beweise folgen.\nDass Rochlitzens Uebersetzung, die der hei B reit köpf*\ngedruckten Partitur und vielen Ciavier-Auszügen unterge-\nlegt ist, zu ihrer Zeit ihr Verdienst hatte, haben wir früher\nin diesen Blättern anerkannt, und auch Jahn äussert, dass\nfie sich vor den anderen vorteilhaft auszeichnete, aber\ndennoch von keinem der oben gerügten Mängel freizuspre-\nchen sei, womit wir vollkommen übereinstimmen.\n-Ueber neuere Bestrebungen in Bezug auf denselben\nGegenstand bemerkt er S. 362:\n„Rügler, der die schwachen Seiten der früheren\nUebersetzungen und die Erfordernisse einer guten einsich-\ntig bespricht, zeigt durch die von ihm mitgetheilten eige-\nnen Versuche, wie schwer die Lösung der Aufgabe sei\n(Argo, 1854, S. 353 u. ff.).\n„Die neueste Bearbeitung von W. Viol (Breslau,\n1858) zeigt zwar in mancher Hinsicht einen erfreulichen\nFortschritt, entspricht aber auch noch keineswegs allen\nAnforderungen.\"\nA. von Wolzogen spricht sich in den wiener Re-\ncensionen, 1859, Nr. 28, in dem Aufsatze. „Die Bettung\ndes classischen Repertoires\", ebenfalls dahin aus, dass\ndie trivialen Texte unserer classischen Opern einer längst\nersehnten einsichtsvollen Revision zu unterwerfen seien.\n„Für den Don Juan, der bis jetzt auf dem deutschen Thea-\nter von allen Opern am schlechtesten weggekommen, ist\neine solche Textsäuberung neuerdings wieder von Dr.\nViol in Breslau mit vielem Fleiss versucht worden, und\nwenn der rechte Ton in dieser Arbeit noch nicht überall\ngetroffen sein dürfte, so ist doch der Geist, der den Ver-\nfasser geleitet hat, ganz derjenige, wie wir ihn zu solch\nwahrhaft verdienstlichem Geschäfte*) erheischen. Möchten\n\n*) Man siebt aus den Ausdrücken : „verdienstlich\" und „Geschäft*,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.2", "texte": "nur immer mehr ernste Kunstfreunde sich auf dieses bis-\nher so arg verwahrlos'te Feld werfen\" u. s. w.\nIn seinem Schriftchen: „Ueber die scenische Darstel-\nlung des Don Giovanni\" u. s. w. (Breslau, 1860), äussert\nderselbe Verfasser: „Doch lässt auch Viol's Bearbeitung\nnoch Manches zu wünschen übrig, indem sie einestbeils\nden Sinn des italiänischen Originals noch nicht völlig durch-\ndringt und öfters ohne Noth verändert, anderentheils ge-\nsanglich nicht ganz genügt und auch die letzte Feile an\nder Form des poetischen Ausdrucks manchmal vermissen\nlässt.\"—Als beweisende Beispiele führt von Wolzogen S.\n71 u. ff. eine Reihe von Stellen an, die sich noch sehr ver-\nlängern liesse.\nIn unserer Zeitschrift liessen wir schon in Nr. 50 vom\n11. December 1858 zwei Proben einer neuen Ueber-\nsetzung (Don Juan's Finch' h und den Schluss\ndes Finales des ersten Actes) abdrucken. Es scheint, dass\nsie sowohl Herrn Prof. 0. Jahn als Herrn von Wolzogen\nunbekannt geblieben sind. Jetzt ist die ganze Bearbeitung\nin einem neuen Clavier-Auszuge erschienen:\nDon Juan, Oper in zwei Acten von Da Ponte\nund W. A. Mozart. Clavier-Auszug mit dem\nitaliänischen Original-Texte und neuer Ueber-\ntragung ins Deutsche von Prof. L. Bise ho ff.\nBonn, bei N. Simrock. Kl. Fol. Preis 10 Fr. netto.\nIch hielt es für nölhig, dem Clavier-Auszug folgendes\nVorwort Vordrucken zu lassen:\n„Der Versuch einer neuen deutschen Uebersetzung des\nDon Juan von Da Ponte zu Mozart's Musik bedarf wohl\nkaum einer Rechtfertigung.\n„Die leitenden Grundsätze dabei waren:\n„1. Treue, poetische gegen l)a Ponte, musicalische\ngegen Mozart. Hauptziel :• Vereinigung beider.\n„2. Fluss und Sangbarkeit der Sprache. Zu-\nsammenfallen des sprachlichen und musicalischen Accents,\nfortwährende Berücksichtigung des Sängers, hauptsächlich\ndurch die Anwendung der Vocale a und c auf hohe oder\nsonst bedeutende Noten.\n„3. Beibehaltung der metrischen Form und des\nReims, zwar in freier Behandlung, doch so, dass sie nur\nda aufgegeben werden, wo sie mit dem Grundsätze Nr. 1\nin Widerstreit kamen.\n„Das beste Mittel, dem neuen Texte Eingang zu ver-\nschaffen, schien mir die Herausgabe eines neuen Ciavier-\nAuszugs, wozu die Verlagshandlung sehr bereitwillig die\nHand bot. Dadurch sind die Herren Theater-Capellmeister\nund Regisseurs der Mühe überhoben, den neuen Text un-\nterzulegen, und brauchen nur die Partieen ausschreiben\nzu lassen. Allen Kunstfreunden aber wird die Möglichkeit\ngeboten, Mozart's Musik nach den wirklichen Intentionen\ndes Meisters zu würdigen.\n„In den Clavier-Auszug ist aus neueren Hülfsmitteln\n(0. Jahn u. s. w.) aufgenommen, was als wirkliohe Berich-\ntigung oder Vervollständigung erschien.\n„Möge die Liebe und Mühe, die ich dem Versuche\nder Lösung \"einer sehr schwierigen Aufgabe gewidmet habe,\nwohlwollende Anerkennung finden und einiger Maassen\ndazu beitragen, das grösste Meisterwerk der dramatischen\nMusik auf den deutschen Bühnen in würdiger Gestalt her-\nzustellen*).\n„Köln, im September 1860.\n„Prof. L. Bischoff.\"\nIn d iesem Clavier-Auszug liegt nun einem jeden, der\nsich für die wahre Gestalt von Mozart's Don Juan interes-\nsirt, dem Musiker, dem Dilettanten und dem Sprachken-\nner, auf die anschaulichste Weise alles vor, was zu einer\n•genauen Beurtheilung des Geleisteten, wie sie der Verfas-\nser wünscht, nothwendig ist. Die Musiknote des Gesanges,\ndas italienische, das deutsche Wort diese drei Haupt-\nFactoren der charakteristischen Wirkung der Composition\nstehen unter einander. Ich erlaube mir nur, die in dem\nVorworte kurz angegebenen Grundsätze, denen ich streng\ngefolgt bin, noch etwas ausführlicher zu erläutern.\nEs kann keine Frage sein, dass bei einer Uebersetzung\naus einer fremden Sprache das erste Erforderniss. das rich-\ntige Verständniss des Originals ist. Den richtigen Sinn des\nTextes wiederzugeben, war also auch hier das erste Ziel.\nLeider hat das Publicum gar keine Ahnung davon, wie\narg derselbe bisher entstellt worden ist!\nGleich zu Anfang ist in der ersten Phrase Don Juan's\ndas, worauf die ganze Handlung des ersten Actes beruht:\n„Chi son io, tu non saprai!u („Wer ich sei, erfährst du\nnicht!\") in keinem deutschen Texte zu lesen. Sein nobles\nBenehmen gegen den Gouverneur:\npugnar tecoJ („Unwürdig war' es, mit dir zu fechten!\")\n\nwie sehr auch die nobelsten Kunstfreunde und Aesthetiker\nnoch in einer gewissen Geringschätzung der Opern-Text-Ver-\nfasser und Text-Bearbeiter befangen sind. Wir haben immer\ngeglaubt, dass Gries, Streckfuss und andere Uebersetzer\nitalienischer Poesie, ohne dichterische Anlagen das „Geschäft\"\nder Uebersetzung keineswegs übernommen, geschweige denn\ngut ausgeführt haben würden. Warum soll denn nun die poeti-\nsche Uebersetzung eines Operngedichtes, bei welcher noch die\nneue unendliche Schwierigkeit der Anschmiegung der Ueber-\ntragung an die gegebene Musik hinzukommt, nur als ein Ge-\nschäft betrachtet werden?\n*) „Für die Biihnen-Directionen, welche die Oper mit den Reci-\ntativen geben wollen, sind Abschriften der Uebersetzung der\nKecitative vom Verfasser zu beziehen. Wenigstens wäre zu\nwünschen, dass diese Uebersetzung des Original-Textes der\nKecitative auch da benutzt würde, wo man den Dialog vor-\nzieht.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.3", "texte": "V\nist in Hohn verwandelt, wenn man ihn sagen lässt: „Wie,\ngrauer Alter! noch so verwegen?\" oder auch: „Nein!\nüberlegen bin ich dir, Alter!\" (Viol) und nun gar:\nAttendi, se vuoi morir! mit: „Bald soll dir dein Trotz ver-\ngeh'n!\" (Rochlitz und Viol) wiedergegeben.\nIm Recitativ von Nr. 2 (Duett, D-moll) ruft Ottavio\nden Dienern zu: „Eilt zu Hülfe!\" und zugleich : „Verlasst\nsie nicht!\"-r-wesshalb denn auch in der Regel die armen\nLeute nicht wissen, was sie thun sollen. Nachher lassen\nRochlitz und Viol ihn „bei seiner Ehre\" schwören, anstatt\n„bei Deinen Augen\" (agli occhi iuoi) welche Stelle ich\nbesonders desshalb anführe, weil sie zeigt, dass ich den\nText nicht habe verbessern oder verschönern wollen, son-\ndern nur treu wiedergeben.\n(„Woget auf und ab mein Herz\"), worauf Mozart die\nschöne malende Achtelfigur geschrieben hat, wird bei Roch-\nlitz zu: „sonst unterliegt unser gebeugtes Herz\", bei Viol:\n„Die Centnerlast der Leiden beuget das schwache Herz!\"\nAls in Nr. 3 Don Juan Elvira erkennt, ruft im darauf\nfolgenden Recitativ Leporello aus: 0 bella! Donna Elvira!\nDas heisst aber nicht: „0 schönste Donna Elvira!\" (Viol)\nsondern: „O köstlich!\" so viel als: „Das ist eine schöne\nGeschichte!\" was natürlich Leporello wie alles Folgende\nbei Seite spricht.— Gehen wir nun zu Nr. 4 (Leporello's\nArie) über, so hat Rochlitz bei dieser Nummer einen wah-\nren Frevel an Mozart begangen, am tollsten, wo er\nstanza mit „dispuliren\" und mit „kritisiren\"\nvertauscht! Aber auch Kugler (dessen Uebersetzung Viol\naufgenommen) gibt eben diese Stelle sprachlich und musi-\ncalisch ganz falsch wieder: „Bei den Braunen ist der Schim-\nmer Schwarzer Augen sein Behagen.\" Dergleichen Feh-\nler, wobei die sprachliche Phrase zum totalen Gegentheil\nder musicalischen wird, wie hier (zwischen „Schimmer\"\nund „schwarzer Augen\"), sind bei allen zu wenig musi-\ncalischen Uebersetzern sehr häufig. Die Bedeutung der\nprächtigen Steigerung bis zur Fermate auf hin (auf die\nWorte: e la grande maestoso)und die köstliche Spielerei\nauf das folgende: la piccina gehen auf\nwidrige Weise verloren durch Rochlitz',s: „Und dann Jede\nPreis zu geben, Uas ist sein verdammtes Leben!!\" und\nKugler's: „Grosse sind ihm angemessen (darauf die Fer-\nmate!), Ohn' die Kleinen zu vergessen.\" Von der schalk-\nhaften, ja, boshaften Anspielung in Leporello's Schluss-\nworten : pur che porti la gonel\nhat keine Uebersetzung auch nur eine Ahnung. Bei die-\nsem Schlüsse musste man das halb schlaue, halb vertrau-\nliche Auge von Lablache-Leporello sehen! Und wie köst-\nlich hat Mozart diese Ironie componirt, erst durch die ab-\ngebrochenen Noten mit Pausen: Voi - - sapete - - quel -\nche - fä,und dann durch den aufsteigenden Dreiklang,\nmit welchem sich Don Juan s Doppelgänger von gemeine-\nrem Stoff empfiehlt.\nIch bin bei dieser Arie ins Einzelne gegangen, um allen,\ndie sich nicht in ähnlichen Arbeiten versucht haben, an\nEinem Beispiele zu zeigen, welche doppelte und dreifache\nRücksichten ein gewissenhafter Bearbeiter der Texte\nzu Mozart's Opern (denn bei Rossini, Bellini u. s. w. geht\nes freilich leichter!) zu nehmen und welche Schwierigkei-\nten er zu überwinden hat. Weit entfernt von dem Wahne,\netwas ganz Genügendes geleistet zu haben, gebe ich den\nneuen Text zu der zweiten Hälfte der Arie und theile die\nmelodischen Phrasen durch Striche ab, als Probe des Stre-\nbens, mit welchem die ganze Arbeit gemacht ist.\nNella Hondaj egli ha |\nAn der Blonden lobt er gerne\nDi bdarla | la gentilezza, |\nBlauer Augen milde Sterne;\nNella bruna j la costanza, \\\nAn der Braunen, dass sie standhaft,\nNella bianca \\ la dolcezza. \\\nAn der Blassen sanfte Zartheit.\nVuol d'inverno la grossetta\nSelbst die Schlanken und die Breiten\nVuol d'estati la magrotta.|\nWählt er nach den Jahreszeiten.\nE la grande | maestosa, [\nIst die Grosse majestätisch,\nLa pieeina (: la piccina:) e ognor vezzosa.\nIst die Kleine (:ja, die Kleine:) reizend poetisch.\nDelle vecchie \\ fä conquista, j\nIns Register ] einzuschalten,\nPel piacer| di porle in |\nNimmt zum Scherz er auch die Alten.\nSua passion predoniinante |\nDoch am feurigsten erglühte\nE la giovin principiante. j\nStets er für die Jugendblüthe.\nNon si picea, se sia ricca,\nReich und arm und schön und hässlich,\nSi sia brutta, se sia bella, j\nRoth von Wangen oder blässlich,\nSe sia ricca, brutta, se sia bella: ]\nJede, jede, jed' ist ihm willkommen:\nPur che porti la gonella, j\nTrägt sie nur ein Faltcnkleid,\nVoi | sapete| quel| ch\nNun—so wissen—Sie—Bescheid!\nDie Arbeiten meiner Vorgänger auf dieselbe Weise,\nwie bei diesen vier Nummern geschehen, durchzugehen,\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.4", "texte": "würde gar zu viel Raum fordern. Zum Vergleich mit ihnen\nnur noch ein paar Proben.\nQuartett Nr. 10.\nElvira, Glaube, o Arme, glaube nicht,\nWas ruchlos er bejaht;\nMich schon verrieth der Bösewicht,\nDein wartet auch Verrath.\nAnna. Ott. Himmel! sieh, welch ein edles Bild,\nVoll milder Majestät ;\nWie aus dem Aug' die Thräne quillt,\nWie sie um Mitleid fleht!\nDon Juan. Das arme gute Mädchen!\nSie ist nicht recht bei Sinnen\nO Freunde, geht von hinnen u. s. w. u. s. w.\nElvira. Deine Hoffnung ist vergebens,\nIch verachte klugen Rath*):\nMag denn alle Welt erfahren\nMeine Schmach und deine That!\nIn dem grossen Recitativ der Donna Anna (Nr. 11)\nsind die ominösen Worte des Ottavio: „Himmel! doch\nweiter!\" in: „Schrecklich! Vollende!\" und in seiner\nBuchbinder-Arie ist der „Einband der Freundschaft\"\nnach dem Italiänischen wörtlich in: „Aus ihrem Frieden\niiiesset der meine\", verwandelt worden. In Don Juan's\nsprudelnder B-dur-kne gibt Viol zu der genialen Wen-\ndung der Melodie, welche ins erste Motiv zurückführt,\nstatt der Worte: »Ed io fratt\nquesta e quettavö amoreggiar\", unbegreillicher Weise\nFolgendes:\n„Heimlich ins Stübchen\nLock1 ich mein Liebchen,\nDann im Gedränge\nFlusch, husch, herbei!'\ndas doch zu der Musik wie die Faust aufs Auge passt!\nDa ist denn das plumpe „-Trotz Weh' und Ach ins Schlaf-\ngemach\" von Rochlitz wenigstens musicalisch richtiger.\nJetzt heisst es:\nIch unterdessen,\nNicht zu vergessen!\nLehre bei Seite\nManche, was Liebe,\nWas Liebe sei.\nDor» Juan's Intrada im Finale des ersten Actes lautet:\nAuf! erheitert euch beim Feste!\nAlle seid ihr meine Gäste!\nFroher Sfrm und Wein der beste,\nDas soll heut die Losung sein!\nJetzt zum Tanz im hellen Saale,\nDann zum reich besetzten Mahle,\nWo- die schäumenden Poeale\nHerz und Sinne bass erfreu'n!\nDoch ich muss abbrechen, um noch einiges Andere\nüber die neue Ausgabe zu bemerken.\nEine der heikeligsten Stellen für den Uebersetzer ist\nder Eintritt des Comthurs im letzten Finale. Die Schwie-\nrigkeit liegt darin, dass in „Don Giovanni\" der An-\nrede, mit welcher der Geist beginnt—der Eigenname drei-\nsvlbig ist, während „Juan\" wie „Johann\" zweisylbig ist.\nBei Bochlitz: „Nun, Don Juan!\" ist das „Nun\" ein Schu-\nsterlleck und die Accentuation von Juan _) für uns Deut-\nsche eben so anstössig, als „Johann\". Andere haben:\n„Hör', o Don Juan!\" wobei das „Hör'\" beinahe noch är-\nger ist, als „nun\". Viol's: „Jetzo bin ich, wie du gebe-\nten, zu dem Gastmahl hier eingetreten!\" richtet sich selbst\nund ist eine der am auffallendsten misslungenen Stellen\nseiner Uebersetzung. Dass der Namens-Aufruf nicht weg-\nfallen darf, ist einleuchtend. Ich bin desshalb dem Italieni-\nschen und der Musik wörtlich gefolgt:\nWer sich an der Pause nach „Du\" stösst, der wird sich\nberuhigen, wenn der Sänger das auf „du\" etwa noch ein\nAchtel lang in den folgenden Tact hineintönen lässt. Für\ndas gewaltige „Pentiti/\" schien mir „Beuge dich!\" tref-\nfender als das triviale „Bess're dich!\"\nAuf die Sangbarkeit ist in so hohem Grade Rück-\nsicht genommen, dass wohl mit Recht behauptet werden\ndarf, dass alle bisherigen Bearbeiter keine Vorstellung von\neiner derartigen Sorgfalt gehabt haben. Man sehe z. B.\nim Duett Nr. 2 „Rache\" „auf und ab\" auf das hohe\n(j und a;„ach\" „strafe\" „Verrath\" in Nr. 3;\n„bange—schlagen—Sehnen heisse— Hass\" in Nr. 4;\nin der Arie der Anna Nr. 12: „Schande\" „war\"\n„ach!\" „Vater\" „Wohlan! Rache verlang' ich!\"\n„es mahne dich Alles\"; der Schluss von Don Juan's Arie:\n„Ha, mein Register wird ohne Frage morgen am Tage\nreicher an Zahl!\" Im ersten Finale: Anna (S. 92):\n„Gefahren seh' ich schweben\"; in der Preghiera: „zur\nThat mein wagend Herz!\"; Elvira: „räche, gerechter\nHimmel, verrath'ner Liebe Schmerz\"; Zerline: „Dein Ver-\nrath ist offenbar\" „Alles ist nun klar\" „Frevel ohne\nZahl\" „Der herabgesandte Strahl\" (S. 112). Im Sextett\nbesonders am Schlüsse: „bringt Verrath—eine nesie Fre-\nveilhat\"; im Duett vor der Statue auf Leporello's nach\ndem „Ja\" des Comthurs: „Starr sind meine Glieder\";\nendlich den ganzen Gesang des Comthurs.\nEs lässt sich (vielleicht!) erwarten, dass die Wider-\nspänstigkeit der Sänger, neue Texte zu lernen, durch die\nEinsicht in die bequemere Sangbarkeit gebrochen werde.\n\n*) Viol: HofT es nimmer, du Verräther!\nDen Verstand hab' ich verloren u. s. w.\nDas wäre freilich dem Treulosen sehr willkommen, wenn\nsie das selbst sagte, was er die Anderen glauben machen will."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.5", "texte": "Der. Heim halte ich bei einem Operngedichte, also\nauch bei einer Übersetzung desselben, für nothwendig;\neine gewisse Vollendung der Form, die man jetzt überall\nals genie-hemmend (!) gar zu gern abwirft, fordert jedes\nKunstwerk, also auch das Operngedicht, wenn es auf die-\nsen Namen Anspruch machen will. Der Reim ist mit den\nromanischen und germanischen Sprachen so verwachsen,\ndass er bei allem Lyrischen wesentlich ist; das Volkstüm-\nliche des Gleichklangs kann dem Volke durch eine metri-\nsche I'orin allein nicht ersetzt werden, fast eben so wenig,\nwie in der Musik die Melodie durch die declamatorische\nl'salmodie. Wenn Mozart selbst gegen die Reime eifert\n(0. Jahn, 111., S. 86), so meint er, wie er ja auch aus-\ndrücklich sagt, die „elenden\" Reime, diejenigen, die\n„des Reimens wegen\" gemacht werden und „dem Com-\nponisten seine ganze Idee verderben\". Ich habe jedoch,\nauch hierin dem Originale Da Ponte's folgend, den Reim\nmit Freiheit behandelt, und an manchen Stellen, wie im\nVorwort schon erwähnt, ihn höheren Rücksichten geopfert.\nNichtssagende oder gar den Sinn entstellende, so wie wi-\nderhaarige und pedantische Reime wird man, wie ich\nglaube, nicht finden. Spielereien, wie die von Kugler bei\nViol: „Winter\" und „darauf sinnt er\", „breit ist\" und\n„Kleid ist\", „Honig\" und „lohn' ich\", sind so anti-musi-\ncalisch wie möglich.\nWie weit es mir nun gelungen sei, bei so binden-\nden Fesseln, dem Tone, der Stimmung, der Farbe des\nAusdrucks, welche das Italienische hat und welche die je-\ndesmalige Situation erfordert, nahe zu kommen, tnuss ich\nder Reurtheilung der Kenner und der Kunstfreunde an-\nheimstellen.\nAn den Bühnen-Directionen wird es jetzt liegen,\nob sich der hergebrachte ungenaue, häufig ganz falsche,\nmeist sehr prosaische, oft unwürdige Text zu der gött-\nlichen Musik Mozart's auf den deutschen Theatern verewi-\ngen soll oder nicht. Ich habe das Meinige für Mozart\ngethan und wenigstens einen Anfang zum Bessern gemacht.\nDer Clavier-Auszug enthält alles, was Mozart für\nden Don Juan ursprünglich und nachträglich geschrieben\nhat; die Arien Masetto's „ I/o capito\", Ottavio's „Dalla\nsua paceu ,das vollständige Finale des zweiten Actes in\nD-dur stehen an ihren Stellen. Nur das komische Duett\nin C-durzwischen Zerline und Leporello\nmanine\" ist im Anhang geblieben und mag auch, wie\nbisher, von der Bühne verbannt bleiben. Aufgenommen\nsind die Berichtigungen, die 0. Jahn aus der Partitur aus-\ngezogen; allein das b im dreizehnten Tacte des Allegro's\nder Ouvertüre, so wie die vier Tacte im letzten Finale\n\\nA torto divütate\" u. s. w.) zu streichen, habe ich nach\nwohl erwogener Sache unterlassen. Im dreizehnten und\nvierzehnten Tacte des Andante'« der Ouverlure findet man\nhier auch zum ersten Male in den Clavier-Auszug die cha-\nrakteristische Bratschen-Figur aufgenommen.\n\nL. B.\n\nAus Dresden.\n\n[Nachträgliches über Weber's Denkmal.]\nAm 11. October d. J. wurde die Statue C. M. von\nWeber's im Beisein höchster und hoher Herrschaften und\nvor einem zahlreich versammelten Publicum feierlich ent-\nhüllt. Das Arrangement zur Festlichkeit war ein sehr wür-\ndiges, obwohl in seiner Totalwirkung etwas beeinträchtigt\ndurch consequentes Begenwetter. Trotzdem zeigte sich all-\ngemeine Theilnahme und Enthusiasmus, namentlich auch\nan den beiden Fest-Vorstellungen im Theater: „Oberon\"\nund „Pretiosa\", welche, von den besten Kräften unter-\nstützt, glänzend in Scene gingen. Ein längst gehegter\nWunsch ist nun also erfüllt: den grossen Meister, dessen\nName unsterblich geworden ist und dessen verdienstvolle\nIhätigkeit im Besonderen der dresdener Oper gewidmet\nwar, hier in einem Denkmal verewigt zu sehen. Die Statue\nselbst wurde im Jahre 1858 von unserem berühmten Pro-\nfessor Bietschel modellirt und 1859 in dem grällich\nFinsiedel'schen Hüttenwerke zu Lauchhammer gegossen;\nsie ist acht rheinische Fuss hoch; eben so hoch ist das\nPostament aus polirtem meissener Granit. Obwohl der\nStandort der Statue nicht vor der eigentlichen Fronte des\n1 heatergebäudes ermöglicht werden konnte, ist er dennoch,\nwie zu erwarten war, in unmittelbare Nähe desselben ver-\nsetzt worden. Die Oper war ja das Haupt-Element, die\nKrone der Weber'schen Tondichtungen. Auch die präch-\ntigen Opern-Prologe, Ouvertüren genannt, so wie herr-\nliche Lieder und charakteristische Compositionen für Solo-\nInstrumente schmücken das unvergessliche Andenken sei-\nner Kunst. In der Sinfonie und Quartettmusik fand der\nMeister nicht seine eigentliche Sphäre, obwohl er auch\ndafür interessante Studien hinterlassen. Die Sinfonie verhält\nsich zur Oper, wie Epos zum Drama; sie verlangt logi-\nsches Fortspinnen der Motive, so zu sagen thematische Be-\nredsamkeit und Beschaulichkeit. Weber's Kunst-Naturel\nneigt aber weit mehr zum Ausstreuen und Aufleuchten\nder Gedanken, als zum ausführlichen Besprechen dersel-\nben; er schiesst Effecte ab, wie sicher treffende Pfeile.\nSeine Meisterschaft zeigt sich nicht bloss in Gefühlsmalerei,\nsondern auch in Charakterzeichnung, und besonders\nsind es diese Eigenschaften, in weichen sein dramatisches\nGenie wurzelt und worin er Mozart am nächsten gekom-\nmen ist. Niemand hat es nach diesen Beiden wieder so"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.6", "texte": "verstanden, neben der grössten Deutlichkeit in Schilderung\nvon Gefühlen und Situationen wirkliche musicalische\nCharaktere darzustellen (Sarastro oder der Mohr, Agathe\noder Aennchen würden z. ß. für einen Blinden lediglich\nund frappant an der Musik zu erkennen und zu unterschei-\nden sein). Eine der Haupt-Eigenthümlichkeiten Weber's\nliegt aber in dem Colorit, welches er zuerst selbstständig\ngebraucht und wodurch er die eigentliche Romantik für\ndie Musik ausdrücken und heraufführen konnte. Diese Ro-\nmantik, sich äussernd durch Klangfarbe in der Instrumen-\ntation oder durch Reiz der Harmonie, findet sich zwar\nschon bei den leuchtenden, unsterblichen Vorgängern, aber\nnoch nicht in dem Grade ausgedrückt und noch nicht so\nindividuel angewandt. Diese Romantik ist das\ndie holde Dämmerstunde, worin Heldengestalten aus der\nVergangenheit, Gebilde aus der Ferne uns nahe treten;\neine Vermählung der Einbildungskraft mit der Natur, wo\ndie Phantasie den Schein der Wirklichkeit annimmt. We-\nber's Romantik ist dieselbe ursprüngliche, gesunde, wie\nz. B. Uhland sie in seinen Dichtungen hat, schwungvoll\nund blühend, nicht weltschmerzlich und zerrissen, wie sie\njetzt in den Gebilden der Neuzeit nur noch dem Namen\nnach umherspukt. Ganz wesentlich war für Weber hierin\ngewiss die Wahl seiner Operntexte; da diese entschieden\nromantisch waren, so hat sich seine Eigenthümlichkeit\nhieran noch vollständig entwickelt und genährt. Es ist\nüberhaupt interessant, zu beobachten, wie neue Kunstrich-\ntungen in der Poesie sich alsbald auch über die Musik\nausbreiten, etwa in demselben Verhältnisse, wie dem auf-\ngehenden Sonnenlichte die Sonnenwärme nachfolgt. Die\nDichtkunst bereitet die Tonkunst gewisser Maassen vor;\nund für die romantische Richtung war Weber auserkoren,\nsie in das Reich der Töne zu übertragen. Was er hierin\ngezaubert, ist allbekannt und wird in ewiger Jugend blühen.\nDie meisten seiner Compositionen durchweht eine wahre\nWaldesfrische, ein köstlicher, gesunder Hauch in Melo-\ndieenschwung und Harmonieenreiz, der nie aufhören wird,\nzu befriedigen und zu entzücken.\nMax Maria von Weber, der einzige noch lebende Sohn\ndes Verewigten, gehört den höheren Staatsbeamten in\nSachsen an und führt eine überaus gewandte, poetische\nFeder. Die Schilderungen seiner Reisen z. ß., mit wissen-\nschaftlichen und besonders technisch begründeten Beobach-\ntungen versehen, sind dabei so originel, malend und bril-\nlant geschrieben, dass man hierin deutlich und mit Freu-\nden die angeerbte Künstlernatur erkennt.\n\nLouise Nitzsche, geb. Kindscher.\n\nUeber Zwischenspiele im Choral.\n\nIn dem Vorworte zu H. Lohmeyer's evangelischem\nChoralbuche heisst es in einer Anmerkung: „Unter den\nOrganisten ist gegenwärtig der Grundsalz ziemlich verbrei-\ntet, dass man sich hinsichtlich der Zwischenspiele nach\ndem Texte des Liedes zu richten habe, und z. B. dann\ndie Zwischenspiele weglassen müsse, wenn zwei Verszeilen\ndem Sinne nach genau verbunden seien, sonst aber nicht.\nAuch der Königliche 3lusik-Director und Schloss-Organist\nG. Flügel in Stettin hat diesem Grundsatze, wenn auch\nunter gewissen Einschränkungen, neuerdings das Wort ge-\nredet. Dieser Grundsatz widerstreitet aber der Tactmäs-\nsigkeit des Chorals und muss schon um desswillen, abge-\nsehen von anderen Gründen, verworfen werden.\" Hieraul\nhabe ich Folgendes zu erwidern:\nIn meinem Aufsätze: „Was kann der Organist zur\nHebung des Gottesdienstes thun?\" habe ich gesagt:\n„Die Beachtung des Liedtextes ist von vielen Or-\nganisten sehr vernachlässigt worden und wird noch ver-\nnachlässigt, in so fern man im Liedtexte Zusammen-\ngehöriges ohne Grund trennt. (Man denke an den Miss-\nbrauch der Zwischenspiele.) Auf diesen Punkt ist mit um\nso grösserem Nachdruck aufmerksam zu machen, da ge-\nrade hierin mit die Ursache zu suchen sein dürfte, wess-\nhalb in manchen Gemeinden ein so schläfriger, schleppen-\nder Gesang anzutreffen ist, der auch der freudigsten Weise\nHemmschuhe anlegt und eine sonst in allen Theilen ge-\nhobene Feslfeier gerade in dem wichtigen Tbeile des Ge-\nmeindegesanges beeinträchtigen muss.\n„Es liegt in der Natur der Sache, dass man unausge-\nsetzt dem Liedtexte nachgeht und bei Versen, wo der Sinn\nnoch nicht ausgesprochen ist, keine Art von Zwischenspiel\nmacht, sondern sofort die nächste Choralzeile anreiht. (Dass\nes im Tacle geschehen muss, versteht sich von selbst. Der\nTact eines Gemeindegesanges wird übrigens nicht\nnach dem Tactstocke gemessen.)\n„Wo hingegen natürliche Ruhepunkte eintreten (wenn\nmit dem Schlüsse einer Choralzeile auch der Textsinn mit\ndem Verse abschliesst), ist eben so nöthig, dass der Orga-\nnist die Zeit des Ruhepunktes möglichst einfach in\nder Weise ausfüllt, dass der Melodie-Ton als Oberstimme\nbeibehalten wird, einmal, weil der Orgelton keinen\nregelmässig wiederkehrenden Stillstand ver-\nträgt, und dann, weil die Gemeinde Zeit zum\nAthemholen haben muss. Am Schlüsse jeder Strophe\nist ein Zwischenspiel von ausreichender Dauer erfor-\nderlich, damit die Gemeinde Zeit gewinnt, die nächste\nStrophe bequem zu überblicken.\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.7", "texte": "Dass diese meine Ansicht, die ich Niemandem nach-\ngesprochen habe, unter den Organisten gegenwärtig als\nGrundsatz ziemlich verbreitet sein soll, ist mir ganz\netwas Neues.\nDie Tactinässigkeit des Chorals wird durch dieses Vcr-\niahren keineswegs unterbrochen, eben so wenig als in-\nnerhalb einer Choralzeile zwei oder drei Durchgangs-\nnoten in den Mittelstimmen die Tactmässigkeit aulheben;\nvielmehr kann sie durch jene Ruhepunkte, die auch\nHerr Lohmever hin und wieder anbringt, unterbrochen\n*J o\nwerden, weil ihre Dauer ganz der Willkür der Orga-\nnisten anheimgestellt bleibt. Im günstigsten Falle wird ein\nmusicalischer Organist den Schluss-Accord einer Choral-\nzeile tactmässig aushalten, und dieser stets wiederkehrende\nStillstand widerstreitet der Natur der Orgel, wie jeder\nOrganist weiss.\nWenn ierner Herr Lohmeyer in einer gegenüberste-\nhenden Anmerkung sagt: „Sis kann z. B. Jemand ein fer-\ntiger Orgelspieler, ja, ein Componist schwieriger Orgei-\nslücke sein, ohne etwas von wahrhaft kirchlicher Musik\nzu verstehen\", so ist das allerdings eben so möglich, als\ndass ein Rector auch etwas von Musik verstehen kann,\nwas freilich oft schlimmer ist, als gar nichts. So viel steht\naber fest, dass ein würdiger Organist, der nothwendig\nein durchgebildeter Musiker sein muss, nicht gedacht wer-\nden kann, ohne nicht etwas, sondern recht viel von\nwahrhaft kirchlicher Musik zu verstehen.\n-Von dem musicalischen Geschmacke des Herrn Loh-\nmeyer gibt folgende Stelle seines Vorwortes jedem musi-\ncalischen Menschen einen Begriff: „Am zweckmässigsten\ndürfte es sein, die Tasten während der Pause (im Choral,\nals ob es nur eine Pause gäbe!) nach und nach von\noben an loszulassen, so dass zuletzt unmittelbar vor dem\nEintritt des nächsten Accordes nur der Bass forttönt, oder\nauch umgekehrt, von unten nach oben, mit Fest-\nhaltung des Melodie-Tones.\" Wie sinnreich!\nMan denke sich derartige Arpeggien durch acht\nStrophen, von denen jede doch mindestens vier Choral-\nzeilen enthält, fortgesetzt:—ob das „wahrhaft kirch-\nliche Musik\" zu nennen ist!\nStettin, im November 1860.\n\nGustav Flügel.\n\nBeethovens Missa solemnis.\nAufgeführt im dritten G-esellschafts-Concerte im\nGürzenich, Dinstag den 20. November.\nJe seltener die grosse Messe in von Beethoven\nzur Aufführung gelangt, weil sie grosse Massen von Ge-\nsang- und Orchesterkräften und eine aussergewöhnliche\nBefähigung und Tüchtigkeit derselben verlangt, desto mehr\nist jede Aufführung des gewaltigen Werkes eine Thal,\nwelche der Kunstgeschichte angehört.\nDesshalh war denn auch der Abend des 20. Novem-\nber ein wahrer testtag, zu dem Künstler und Kunstfreunde\nvon nah und fern in so grosser Anzahl herbeikamen, dass\nan zwei Tausend Personen den Saal und die Galerieen\nfüllten, um Zeugen zu sein, wie das erhabenste Tonge-\nbilde des Meisters einmal wieder aus der Gruft der Par-\ntitur ins Leben stieg, um ihn zu verherrlichen, der es aus\nder Tiefe seiner Seele hervorrief und alle Schätze der\nKunstwissenschaft darüber ausschüttete.\nJa, aus der Tiefe seiner Seele! Schrieb er doch selbst\nmit eigener Hand über die erste Seite der Partitur in un-\ngeheurem Folio-Format, die jetzt auf der Bibliothek zu\nBerlin als kostbare Reliquie verwahrt wird: „Vom Her-\nzen kam es, zum Herzen möge es gehen!\" —Aber\nfreilich, ein Herz wie Beethoven's schlägt anders als das\nanderer Menschen, eine Seele wie die seinige trägt der\nGlaube auf anderen Schwingen zu Gott empor, als wie sie\nMillionen von Menschen gegeben und zur Gewohnheit ge-\nworden. In dieser Schöpfung des Genius verschwindet\nalles Kleine und in den Banden des Irdischen Befangene:\nnicht die stille Ergebung eines vereinsamten Herzens Hellt\nhier um Trost und bekennt in Zerknirschung die Schuld:\nnein, die ganze Menschheit stürzt nieder auf die Kniee\nund schreit auf in der Angst des Herzens: „Herr, er-\nbarme dich unser!\" Die ganze Menschheit erhebt sich bei\nder Verkündigung des ewigen Heils und jubelt ihr Gloria\nin excelsis Deoempor zum Himmel den ungemessenen\nWiederhall fasst kein Tempel, von Menschenhand gebaut,\ndie ganze Schöpfung Gottes ist ihr Dom!\nUnd gegen eine solche Verherrlichung des Glaubens\ndurch die Kunst will man eifern? Soll die Kunst mit der\nReligion Hand in Hand gehen, so muss sie frei walten\ndürfen, so darf ihre Schöpferin, die Phantasie, nicht in\nBande geschlagen werden. Man kann die Kunst nicht stück-\nweise haben; entweder ganz oder gar nicht.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEOLN. Der junge Violinist Leopold Auer aus Ungarn hat\nin der letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft\nSpohr's Gesangscene und Bazzini's Dause des Lutins mit ganz ent-\nschiedenem und aussergewöhnlichem Erfolg vorgetragen. Ausserdem\nhat er in mehreren Privatkreisen Compositionen von Beethoven,\nVieuxtemps, Leonard u. s. w. gespielt und überall den lebhaftesten\nBeifall geärntet, den sein sehr hervorragendes Virtuosen-Talent auch\nvollkommen verdient. Er wird am Montag den 26. d. Mts. im Hotel\nDisch eine Soiree geben, deren Besuch wir den Freunden des Vio-\nlinspiels angelegentlich empfehlen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601124-01.1.8", "texte": "*Wien« Karl Binder, dessen Leichenbegängniss am 7. No-\nvember unter zahlreicher Begleitung Statt fand, wurde in Wien den\n29. November 1816 geboren, widmete sich frühzeitig der Musik und\nwar einer der würdigsten Schüler des berühmten Ritter Ignaz v.\nSeyfried. Seit 1840 fungirte er an verschiedenen Bühnen unserer\nResidenz als Capellmeister, wo er sich als fleissiger und gewandter\nOpern-Dirigent bewährte und bedeutendes Compositions-Talent, ins-\nbesondere für das heitere Genre der Volksbühne, an den Tag legte,\nso dass viele seiner Lieder völlig volksthümlich wurden. Die Anzahl\nseiner Compositionen ist eine bedeutende, und namentlich die Ouver-\ntüren Und Lieder verrathen ein ernstes Streben. Aber auch im pa-\nrodistisehen Genre lieferte er Treffliches; wir erinnern nur an die\nTannhäuser-Parodie. Die Verdienste, die er sich um die Instrumen-\ntirung der Offenbaeh'schen Operetten erwarb, sind gebührend aner-\n♦ kannt worden.\nIPavis. In die Proben der Oper „König Barkuf* von Scribe\nund Jakob Offenbach war durch die Unpässlichkeit der Sänge-\nrin Mad. Ugalde eine Unterbrechung gekommen. Jetzt ist die Rolle\ndieser Dame dem Fräulein Saint-Urbain, einer jugendlichen\nKünstlerin, die zuerst an der italiänischen Oper mit grossem Beifall\nauftrat, übergeben, und die Oper wird Ende dieses Monats in Seene\ngehen.\nAn demselben Theater der Opdra comique haben die Proben einer\nanderen neuen Oper von den beiden Veteranen Scribe und Auber\nbegonnen.\nIm Thedtre lyrique kam Gluck's »Orpheus* am 5. d. Mts. zum\nersten Male in dieser Saison wieder auf die Bühne; aber Madame\nViardot überliess sich Uebertreibungen in Gesang und Spiel, die\njedem Verehrer derselben peinlich und nur durch den Mangel an\nphysischer Kraft, den ein Unwohlsein veranlasst haben mochte, zu\nerklären waren. Mademoiselle Girard sang den Amor schön, ein-\nfach und natürlich, sie überlud die Musik Gluck's mit keinen Ver-\nzierungen von eigener Erfindung.\nDie Einnahme der pariser Theater betrug im Monat Oetober\n1,573,365 Fr. (in den kaiserlichen 453,344 Fr., in den anderen ,475\nFr ), über 200,000 Fr mehr, als im vorigen Jahre.\nDer Text zu Weber's Freischütz ist zehn Mal übersetzt: ins\nFranzösische von Castil Blaze und von Emilien Pacini, ins Italieni-\nsche von Rossi, ins Englische von Cornwall Carry, ins Holländische\nvon ?, ins Dänische von Oehlenschläger, ins Schwedische von Tegner,\nins Russische von Satow, ins Böhmische von Stipanech, ins Polni-\nsche von Bogulawski."}]}