{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-12-08-01", "volume": "bmtnabi_1860-12-08_01", "ocr_sha256": "05ade7cd1e7222c178ca123b4d00901ebb31bba6df20a060d6f985d5b64171a9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/12/08_01/bmtnabi_1860-12-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 409, "texte": "Inhalt.\nBeethoven's Missa solemnis. Aufgeführt im dritten Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Fortsetzung. Beur-\ntheilungen. Evangelisches Choralbuch von H. Lohmeyer. Aus Aachen (Winter-Concerte). Von N. Aus Münster (Cäcilien-Concert).\nVon ***: Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. 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November.\n(Fortsetzung. S. Nr. 48 und 49.)\nZu der Benennung Missa solemnis hat Beelhoven zwar\nVeranlassung gegeben, indem er das Werk in dem Einla-\ndungsschreiben an die Höfe*) (wie auch in dem oben mit-\ngetheilten Briefe an Cherubini) „eine grosse, solenne\nMesse\" nennt; allein als Tilel enthält die Ausgabe der\nPartitur jene Ueberschrift nicht, die sich erst als\nsolennette\" auf dem Clavier-Auszuge von Ch. G. Rink\n(. Mayence etc., chez les fils de findet.\nDie Partitur-Ausgabe hat folgenden Tilel: Missa\ncomposita et serenissimo\nmino RU DO LPHO JO A\net Archiduci Austriae S. R. E. Tit. s. Petri in monte\naureo Cardinali et Archiepiscopo\nsima cum veneratione dedicata\nhoven. Op. 123. Ex stantibus\nex taberna musieis B. Schott filiorum. Paris chez l. f. de\nB. Schott. Anvers, chez A. 5c1827. In gr. Fol. 299\nSeiten.\nBemerkenswerth ist darauf die Angabe des Jahres\nder Erscheinung. Möchte doch dieses Beispiel von allen\nMusik-Verlegern hei allen Werken nachgeahmt worden\nsein! Man muss geradezu fragen: Wann werden die Mu-\nsik-Verleger eben so ehrlich werden, wie die Verlags-\nBuchhändler? Wann werden sie so viel Sinn für die Ge-\nschichte der Musik und die Geschichte der Entwicklung\neines Künstler-Genie's zeigen, dass sie nicht absichtlich die\nEntstehungszeit der von ihnen gedruckten Werke ver-\nschweigen und die Forschungen der Kunsthistoriker da-\ndurch unsäglich erschweren?\nBeethoven's Ausspruch, die Messe könne auch als\nOratorium, mithin im Concertsaale, benutzt werden, ist\nfreilich zum Theil wohl durch den Hauptzweck der Ueber-\nsendungen, Geld zu verdienen, veranlasst, indem er recht\ngut wusste, dass die protestantischen Höfe sie in der Kirche\nnicht brauchen konnten; anderenteils aber liegt doch auch\neine gewisse Selbsterkenntniss in dieser Aeusserung. Diese\naber auf die Unkirchlichkeit des Stils, auf das Unge-\neignete der ganzen musicalischen Behandlung des Textes\nzu beziehen, dazu sind wir wahrlich keineswegs berech-\ntigt; die Lebendigmachung des heiligen Wortes durch die\nMusik hat Beethoven sicherlich für seinen höchsten Zweck\ngehalten und ihn als vollkommen gelungen anerkannt.\nSonst hätte er nicht über das und das „Mit\nAndacht\" gesetzt und nicht über die Partitur geschrieben:\n„Vom Herzen kam es!\" Nicht auf das Innere, nur auf\ndas Aeussere dürfen wir jene Selbstkritik beziehen, auf die\nLänge des Werkes und auf die Schwierigkeit der Ausfüh-\nrung durch die gewöhnlichen Kirchen-Chöre und Kirchen-\nCapellen. Diese Rücksichten mussten es ihm wünschens-\nwerth machen, sein Werk als Oratorium in den Concert-\nsaal zu bringen, da er wohl fühlte, dass dessen Dimensio-\nnen und Ausführungs-Bedingungen nur unter sehr selte-\nnen Verhältnissen es beim wirklichen Gottesdienste würden\nzur Anwendung kommen lassen. Aber ausgeschlossen\n\n*) Den Text dieses Schreibens druckt Schindler nicht ab; er\nhat ihn jedoch früher Herrn Professor Heimsoeth in Bonn\nim Original mitgetheilt, der eine Lithographie desselben einem\nkleinen Schriftchen beigefügt hat, welches als anspruchslose\nFestgabe zum Beethoven-Feste in Bonn im Jahre 1845 er-\nschien und recht sinnig den Inhalt der Messe erläutert. Das\nSchreiben ist vom 23. Januar 1823. Die Hauptstelle dessel-\nben lautet:\n„Der Unterzeichnete hegt den Wunsob, sein neuestes\nWerk, das er für das gelungenste seiner Geistes-\nProducte hält, dem .... Hofe von .... einzusenden. Das-\nselbe ist eine grosse solenne Messe für 4 Solostimmen mit Chö-\nren und vollständigem grossen Orchester in Partitur, welche\nauch als grosses Oratorium gebraucht werden kann.®"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5342, "texte": "davon wollte er es gewiss nicht wissen, und wir können\nuns hier in Köln im Angesichte des über alle Erwartung\nschnell seiner Vollendung entgegen steigenden Domes nichts\nErhabeneres denken, als, nachdem die Zwischenwand, die\njetzt noch das Chor von der vorderen Kirche trennt, ge-\nfallen sein wird, eine Ausführung jenes monumentalen\nWerkes der Tonkunst zur feierlichen Einweihung des\ngrossartigsten Monumentes der Baukunst.\nUnd haben wir nicht ein Recht, beide Werke mit ein-\nander zu vergleichen? Und sollte der Vergleich nicht auch\ndie Kirchlichsten zu Gunsten Beethoven's umstimmen, zu\nrichtigerer Würdigung des musicalischen Kunstwerkes\ndurch das architektonische führen? Sind es die Einzelhei-\nten der kunstvollen Ausführung des Baues, welche den\nerhebenden, überwältigenden Eindruck auf den Beschauer\nmachen, der in den Dom tritt, oder ist es der gewaltige\nGeist, der sich in dem Ganzen offenbart, die Idee des Er-\nhabenen, des Göttlichen, deren Verwirklichung durch den\nhimmelan strebenden Riesenbau die Seele ergreift und sie\ninit Ehrfurcht und Andacht, wie mit Bewunderung und\nStaunen erfüllt? Stört etwa die bunte Farbenpracht der\nFenster, oder die Gemälde der auf Goldgrund schweben-\nden Engel, oder die goldenen Capitäle der Säulen die\nGefühle der Andacht und Gottesverehrung? Ist der innere\nDrang, der zum Gebete treibt, nur dann gottgefällig, wenn\nder Mensch in einer ärmlichen Capelle vor einem hölzer-\nnen Kreuze auf die Kniee sinkt, oder auch dann, wenn er\nin den hochragenden Säulenhallen, die das Gewölbe einer\nKathedrale tragen, sich vor der prächtigen Monstranz\nbeugt? Man beantworte sich diese Fragen und wende\ndie Antworten auf die Musik an, auf den erweiterten und\nvervollkommneten Ausbau ihrer Formen, auf die Farben-\npracht ihrer Töne und Ton-Werkzeuge, auf die Stufen-\nleiter, auf welcher sie vom Choralgesange an bis zu einer\nMesse von Bach, Haydn, Mozart, Cherubini, Beethoven\nemporgestiegen ist.\nOder soll etwa das Alter der Künste für ihre kirch-\nliche Würdigkeit entscheiden? Soll die Tonkunst desshalb,\nweil sie erst im vorigen und im gegenwärtigen Jahrhun-\ndert ihre Sonnenhöhe erreicht hat, der Baukunst, der\nSculptur, der Malerei für die Kirche nicht ebenbürtig sein,\nweil diese früher auf ihrem Höhepunkte angelangt sind?\nSollen wir desshalb beim gregorianischen Choral und bei\nden Compositionen aus der Zeit der Kindheit der Musik\nverbleiben und die grossen Baumeister und Maler der Ton-\nkunst, die Michel Angelo's, Raphael's u. s. w. der Musik,\nverschmähen und verbannen, weil sie nicht schon vor Jahr-\nhunderten da waren? Freilich ist Beethoven's Stil in sei-\nner grossen Messe ein anderer, als der von Palestrina oder\nOrlandus Lassus, ja, selbst als der von Mozart und Che-\nrubini; allein warum soll denn seinem hervorragenden\nGenie verwehrt sein, sich für die Kirchenmusik eben so\neinen eigenen, ernsten und grossen Stil zu schaffen denn\ndass er ernst und gross sei, wird doch Niemand läugnen\nwollen! —, als für die Sonate, die Sinfonie, das Quartett?\nWenn dann aber die Messe in wegen ihrer\ngrossen Ausdehnung und der erforderlichen aussergewöhn-\nlichen Vocal- und Instrumentalkräfte nur in seltenen Fäl-\nlen beim Gottesdienste wird angewandt werden können,\nso wird Beethoven's Wink und Wunsch, sie als Orato-\nrium im Concerlsaale aufzuführen, mehr Berücksichtigung\nverdienen, als ihm bisher zu Theil geworden.\nWo noch das Vorurtheil waltet, nach welchem man\nsich scheut, den lateinischen Text der Messe im Concertc\nzu singen, dürfte es freilich geralheri scheinen, der Musik\neinen deutschen Test unterzulegen; allein die misslunge-\nnen Versuche ähnlicher Art warnen davor. Namentlich\nhat Fr. Rochlitz auf eine Weise, die bei der musicalischen\nBildung des verdienten Mannes geradezu unbegreiflich ist,\ndem grossen Beethoven durch die Unterlegung eines an\nund für sich nicht Übeln Hymnen-Textes unter dessen\nC-Är-Messe schreiendes Unrecht angethan, indem er die\nauffallendsten Wid ersprüche zwischen der Münk und den\nWorten ihm andichtet. So fällt z. ß. „Weltenherrscher,\nAllgewaltiger\" mit dem sanften Kyrie eleison, „unnenn-\nbar ist Deine Macht\" mit diminuendo al pianissimo und\n„wir stammeln mit Kindeslallen\" mit crescendo al fortis-\nsimo zusammen! Zu den hinsterbenden Tönen des\net sepultus estheisst es: „Dann fühl* ich, dass seines Ge-\nschlechts wir sind!\" und das\nProphetas mit der Trompeten-Inlrade besingt „(die Weis-\nheit) die ge hei m n iss vo 11 durch das Dasein uns ge-\nleitet!\"*) *\nWir hallen dafür, dass, wenn die Intentionen des\nComponisten in ihrer vollen Wahrheit auch bei dem deut-\nschen Texte erscheinen sollen, dieser sich dem lateinischen\nso wörtlich wie möglich mit steter gewissenhaftester Be-\nrücksichtigung der Musik anschliessen müsse. E.; entstände\nalsdann allerdings eine Art von Oratorium, eine geistliche\nMusik auf kirchlichen Text.\nWir haben bereits im Jahrgange 1850 —lB5l in\nNr. 22 (den 30. November 1850) der Rheinischen Mu-\nsik-Zeitung (bei M. Schloss) einen solchen deutschen Text\ngegeben, der auf alle, besonders aber auf Beethoven's\nbeide Messen passt. Auch wo im Conc.ert der lateinische\nText (was natürlich immer am besten ist) gesungen wird,\n\n*) Auch aus dem Text zu Beethoven's: „Der glorreiche\nAugenblick\", einer Gelegenheits-Cantate beim Congress zu\nWien im Jahre 1814-, hat Rochlitz durch einen ähnlichen Miss-\ngriff einen „Preis der Tonkunst® gemacht l"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 755, "texte": "sollte man im Programm eine Interlinear-Uebersetzung,\num das Verständniss der Musik für Jedermann zu erleich-\ntern, abdrucken lassen. Z. B.:\nLau - da-mm te, be -ne - di-cimus te, ad -o - ra-\nDich preisen wir und dich segenen wir, tief im Staub\nmus te, glo-rifica-mus te!\nvor Dir! Halleluja dem Herrn! Dankopfer bringen wir\ntibi, propter magnam gb - ri-\ndar ob der grossen Herrlichkeit Deiner!\nHier wird der Aufschwung des die Ruhe\ndes Benedicimus,die tiefen Töne auf der kraft-\nvolle Einsatz jeder Stimme auf das u. s. w.,\ndie Beelhoven in seine Musik gelegt, auch durch die deut-\nschen Worte verständlich und sangbar. Eben so die sanfte\nMilde in:\nBe-nedic-tus qui ve-nit in no-mi -ne Domini!\nSei gesegnet! Du kämest im Namen des E-wigen!\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "395", "page_fin": "396", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.3", "debut_caractere": 757, "fin_caractere_exclue": 2642, "texte": "Beurtheilungen.\n\nEvangelisches Choralbuch von H. Lohmeyer,\nRector in Schildesche. Bielefeld, Velhagen & Kla-\nsing, 1861.\nHerr Rector Lohmeyer sagt in dem Vorworte zu sei-\nnem Choralbuche: „Rink's Harmonie ist immer angenehm\nund lieblich, aber oft zu süss und weich: sie ermangelt\nnicht selten der kirchlichen Würde und Kraft; Ritter hat\nviele auffallende Modulationen und künstliche Accorden-\nfolgen, die dem einfachen, würdigen Kirchenstile nicht ent-\nsprechen; sie mögen einem verwöhnten Ohr zusagen, kön-\nnen aber einem einfachen, nicht musicalisch durchgebilde-\nten oder an echte kirchliche Musik gewöhnten Christen-\nmenschen nimmer zur Erbauung dienen: sie stören viel-\nmehr dieselbe. Die Harmonie der aiten Meister des sechs-\nzehnten und siebenzehnten Jahrhunderts ist für unseren\nGeschmack gar zu herbe.\" Er (Herr Lohmeyer) sucht\ndaher zwischen Altem und Neuem zu vermitteln.\nDer Choral „Gott des Himmels und der Erden\"\n(bei ihm in A-dur warum?) möge zeigen, wie Herr\nLohmeyer vermittelt hat.\nDieser Aussatz leidet an einer erschrecklichen Monotonie.\nVon Stimmenführung kann eigentlich keine Rede sein,\nda sie nicht von der Stelle kommen; so im Alt vier Mal\nd hinter einander zu dreien Malen (beiläufig sei bemerkt,\ndass din derselben Stimme 19 Mal vorkommt); die Inter-\nvalle bewegen sich nur in Secunden-Schritten. Der Te-\nnor hält einen ähnlichen Gänsemarsch inne, und der Bass\nmacht seine Schlüsse, wie folgt:\ng d G. Vor dem Abschlussist noch der gleichzeitige\nQuinten-Fortschritt zwischen Alt und Tenor zu bemerken.\nIn dieser Manier sind sämmtliche Choräle ausgesetzt.\nWer vermag da irgend ein kirchliches Element\nherauszufinden ?\nUm zu beweisen, dass der Lohmever'sche Aussatz\nein dilettantischer ist, mag hier zur Veranschaulichung\nder Sämann'sche Aussatz desselben Chorals folgen:\nStimmführungen wie die folgenden, ohne Noth an-\ngewandt, sind ebenfalls schülerhaft:\n\nI*3"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 648, "texte": "bei unmittelbarem Anschluss (NB. „streng im Tact\"\nzu spielen); dergleichen Steilen kommen gar nicht selten\nvor, und von verdeckten Quinten und Octaven wimmelt\nder Lohmeyer'sche Aussatz. Diese ganz subjective Ma-\nnier ist kein Vermitteln, sondern ein ganz unentschiedenes\nHinken auf beiden Seiten, was „im Kämmerlein\" gestattet\nsein mag, nicht aber zu kirchlichem Gebrauche. 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IV. in Wenn diese Sin-\nfonie auch in ihren letzten Sätzen nicht den grossartigen\nSchwung und die majestätische Kraft anderer symphoni-\nscher Stücke des grossen Meisters offenbart, so hat sie doch\nüberall reizende Schönheiten anderer Art, und die ergrei-\nfende Einleitung zum ersten Satze gehört sicher mit zu\ndem Vollkommensten, was Beethoven geschrieben hat. Die\nVocal-Partie bestand aus Hilier's schöner Elegie aufßy-\nron's Worte: „0, weint um sie!\" welche den vortheilhaf-\nten Fehler hat, dass sie zu kurz ist, und aus dem Finale\naus Beethoven's Musik zu den Ruinen von Athen. Herr\nFleischhauer zeigte durch den edeln Vortrag des Vio-\nlin-Concertes Nr. VI. von Spohr seine volle Berechtigung\nzum Concertmeister-Amte in unserem Orchester.\nIm zweiten Concerte ergötzten wir uns an der\nlieblichen Pastorale „Acis und Galatea\" mit Musik von\nHändel, deren Text durch die mannigfachen Regungen\nvon Freude und Schmerz, Unruhe und Befriedigung, Glück\nund Unglück, die er schildert, dem Meister in Tönen rei-\nchen Stoff lieferte. Wenn man etwas daran tadeln wollte,\nso wäre es die allzu lange ununterbrochene Reihe von\nArien im ersten Theile; wenn der Chor des heiteren Völk-\nchens auch ein Wort mitspräche zwischen den feurigen\nLiebeserklärungen der schönen Nymphe und des artigen\nSchäfers, so würde das den Zuhörern eine angenehme Ab-\nwechslung bereiten. Die Ausführung war vollkommen,\nworüber Ihnen Ihre talentvolle und bescheidene Sängerin\nFräulein Genast Zeugniss ablegen kann, welche in der\nPartie der Galatea, von der man beinahe sagen sollte,\nsie wäre für sie geschrieben, prächtigen Erfolg halte, wo-\nbei die Herren Göbbels, Acken und S. sie vortrefflich\nunterstützten.— Die erste Abtheilung des Concertes füllte\nMozart's Sinfonie in B-dur Nr. XI.\nZeichnete sich das Programm des zweiten Concertes\ndurch Einheit aus, so bot das dritte dafür eine grosse\nMannigfaltigkeit dar, zu deren Erfolg vorzüglich das Auf-\ntreten der eminenten Pianistin Frau Szarvady-Clauss\nauf glänzende Weise beitrug. Dieser liebenswürdigen, gra-\nziösen Künstlerin, deren ausgezeichnete Vorzüge Sie bereits\nauch in diesen Blättern und in der Kölnischen Zeitung\ncharakterisirt haben, wurde eine enthusiastische Ovation\nvon Seiten des Publicums und des Orchesters zu Theil, so-\nwohl nach dem Vortrage eines Concertes von F. Hiller\nin Fis-moll, als vollends nach den Stücken von Chopin,\ndessen Compositionen ihre Lieblinge zu sein scheinen, da\nsie auch nach dem Hervorruf noch ein 'Salonstück von ihm\nzugab.\nMozart's Laudate Dominum und Gade's „Früh-\nlingsbotschaft\" , eine Composition von reizender Durchsich-\ntigkeit, gaben unserem Sängerchor Gelegenheit, seine Vor-\nzüge geltend zu machen. Wenn wir in Beziehung auf die\nAusführung der Freischütz-Ouverture sparsam mit\nLob sind, in welcher namentlich die Hörner einige Töne\nhören liessen, die dem Samiel selbst bange machen konn-\nten, so können wir kaum rühmlich genug von unserem\nOrchester und dessen geschicktem Leiter sprechen, wenn\nwir uns an die vortreffliche Ausführung der Sinfonie Nr.\n11. in C-dur von Schumann erinnern, welche der mei-\nsterhaften Compositior» vollkommen würdig war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-08-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-08_01#c010", "volume": "bmtnabi_1860-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "398", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.2.5", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5328, "texte": "Aus Münster.\nDie alte Sitte, nach welcher der hiesige Musik-Verein\njährlich am 22. November, dem Cäcilien-Tage, ein Ora-\ntorium zur Aufführung brachte, wurde, wie ich Ihnen in\nmeinem letzten Berichte, Nr. 24 der Niederrheinischen\nMusik-Zeitung, mittheilte, im vorigen Jahre unterbrochen.\nDie Wiederherstellung derselben bei der Wiederkehr des\ndiesjährigen, der heiligen Sängerin gewidmeten Tages\nkonnte nur freudig begrüsst werden. Die festliche Erwar-\ntung wurde dadurch gesteigert, dass an die Stelle des bis-\nherigen Dirigenten des Vereins, des nach Frankfurt a. M.\nberufenen Musik-Direstors Karl Müller der Musik-Di-\nrector J. O. Grimm aus Göttingen getreten war, welcher\nmit der Leitung der Fest-Aufführung seine neue Wirk-\nsamkeit im hiesigen Musik-Vereine begann.\nZur Aufführung kam Haydn's „Schöpfung\". Die\nWahl dieses Meisterwerkes wird sich stets und überall der\nZustimmung aller derer erfreuen, die für classische Musik\nein sich hingebendes Ohr und Herz haben. Sie fand auch\nhier, obwohl in früheren Jahren mannigfach getroffen,\nwiederum allgemeinsten Beifall. Und in der That, wer\nvermag alle die Schönheiten dieses ewig frischen Werkes\nzu zählen, welche in dem treffenden Ausdrucke der Reci-\ntative, in den reizenden Melodieen seiner Arien und En-\nsemble-Stücke, in dem Schwünge und der Pracht der\nChöre, in den wunderbaren Effecten der Orchester-Partie\nenthalten sind! Es erfüllt dabei stets von Neuem mit Be-\nwunderung, wenn man den begränzten Inhalt des der\nComposition zum Grunde liegenden Gedichtes, welcher\nsich, die lyrisch-dramatische Partie des Adam und der Eva\nim dritten Theiie abgerechnet, für die Einzel-Stimmen auf\ndie Darstellung und Betrachtung des Schöpfungswerkes,\nfür den Chor auf das Lob des Schöpfers beschränkt, mit\ndem grossartigen Beichthum der musicalischen Erfindung\nvergleicht, welcher in jeder Nummer dieses unvergleichli-\nchen Werkes niedergelegt ist. Von sä amtlichen Chören,\nacht an der Zahl, hat jeder nur denselben poetischen In-\nhalt: „Des Schöpfers Lob\", und mit welcher Mannigfal-\ntigkeit des musicalischen Ausdrucks sind alle einzelnen be-\nhandelt! Gewiss, so wenig ein Apoll von Belvedere und\neine mediceische Venus aufhören werden, Schönheits-Ur-\nbilder plastischer Kunst zu sein, eben so wenig wird Haydn's\n„Schöpfung\" trotz aller Zukunft veralten.\nAn der Aufführung betheiligten sich ein Chor von\n135 Vereins-Mitgliedern und ein Orchester von 20 Violi-\nnen, 6 Violen, 7 Cello's, 4 Contrabässen, 16 Bläsern und\n1 Pauker. Der erstere zeichnete sich durch schönen Klang\nder Stimmen und in allen Chören durch präcises, festes\nEinsetzen aus. Den zarten sowohl als den kräftigen Bewe-\ngungen war überall die Sangeslust und das Erfülltsein von\nder Schönheit dieser Chöre anzuhören. Das Orchester ent-\nfaltete in der Begleitung der Recitative fast durchgängig\neine vortreffliche Zartheit und Präcision, bei den Chören\nüberall Kraft und Sicherheit. Besondere Erwähnung ver-\ndienen in der Begleitung der betreffenden Solo-Partieen\nder schöne, weiche und zarte Ton der ersten Flöte und\ndes ersten Horns. Von den Solisten sang Fräulein J. Ro-\nthenberger aus Köln die Sopran-Partie des Gabriel und\nder Eva. Fräulein Rothenberger besitzt eine klare, wohl-\ntönende, besonders in der Höhe sehr ansprechende Stimrhe\nund eine sehr gute Ausbildung. Ihre Intonation ist sehr\nrein, die Aussprache deutlich und schön und der Vortrag\nvoll Leben und Seele. Von feiner Auffassung zeugte insbe-\nsondere der ruhige und gehaltene Vortrag der Parlieen\ndes Gabriel im ersten und zweiten Theiie im Gegensatze\nzu dem dramatisch belebten Vortrage der Partie der Eva\nim dritten Theiie. Herr R. Otto, Domsänger aus Ber-\nlin, sang die Partie des Uriel. Herr Otto ist ein hervorra-\ngender Oratorien-Sänger. Er verbindet mit einem sehr\nschönen, weichen Tone, der vom leisesten Piano bis zur\nhöchsten Stärke in gleicher Reinheit und Schönheit aufs\nleichteste anspricht, einen vollendeten Vortrag, in welchem\nsich mit der klarsten, edelsten Aussprache seelenvoller Aus-\ndruck, frei von aller Sentimentalität, verbindet. Die Arie\n„Mit Würd' und Hoheit angethan\" wurde von ihm hin-\nreissend schön vorgetragen. In der ersten Strophe fanden\ndie würdevollste Einfachheit und Ruhe, in der zweiten gei-\nstige Erregtheit, in der dritten die lieblichste Zartheit den\nentsprechendsten Ausdruck. Diesen bedeutenden Sänger\nzu hören, war ein grossartiger Genuss. Die Bass-Partie\ndes Raphael trug Herr Hof-Opernsänger J. Schott aus\nHannover vor. Derselbe besitzt eine kolossale Stimme. Die\ngrosse Bewegtheit und das dramatische Leben, welche von\nihm in den Ausdruck gelegt wurden, waren wohl dem\nCharakter seiner Partie nicht ganz entsprechend. Der\n(Zwr-Schluss der D-moll-\\v\\e, des ersten Theiles von „Leise\nrauschend gleitet fort\" an wurde jedoch sehr schön vorge-\ntragen.— Herr Karl Leesemann, ein hiesiger Dilettant,\nsang die Partie des Adam mit angenehmer, reiner Stimme\nund gutem Vortrage.\nIn der Leitung des Ganzen bewährte sich Herr Mu-\nsik-Director Grimm als ein tüchtiger Dirigent. Die Tempi\nwurden in angemessenster Art, in keiner Weise übertrie-\nben, genommen, alle feinen Nuancirungen des herrlichen\nWerkes kamen sauber und rein zu Gehör, und lebendige\nFrische und seelenvoller Schwung durchzog das Ganze.\nUeber die VortrefFlichkeit der Aufführung herrscht nur\nEine Stimme; auch erging sich das zahlreiche, sonst zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 402, "texte": "Applausen nur sehr seilen hinzureissende Auditorium in\nden reichsten Beifallsbezeigungen.\nDieser Anfang der neuen Periode unseres musicali-\nschen Lebens unter der Leitung des Herrn Grimm stellt\nden Erfolgen des neuen Dirigenten das günstigste Progno-\nstikon. Möge auch die Einstimmigkeit, mit der er hieher\nberufen, und die Freundlichkeit, mit der er empfangen\nwurde, ihm selbst dafür eine Gewähr sein,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-08-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-08_01#c011", "volume": "bmtnabi_1860-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "398", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.2.6", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in köht im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in köht im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Händel (Fräul, Ge-\nnast). 6. ftlorceau romcintique für Violine und Orchester von H.\nHolmes, vorgetragen vom Componisten. 7. „Zigeunerleben* von\nE. Geibel, componirt von Kob. Schumann. 8. Larghetto für zwei\nViolinen aus dem Duett Nr. X. von L. Spohr (A. und H. Hol-\nmes). 9. Ouvertüre zu Leonore von L van Beethoven.\nEtwas bunt; indess nach dem ausschliesslichen Programm des\nletzten Concertes (Beethoven's Messe in D und Sinfonie in C-moll)\nfür die hohe Musik-Aristokratie musste man auch einmal wieder in\ngemischte Gesellschaft geführt werden. Es klingt vielleicht sonder-\nbar, wenn wir die Meinung aussprechen, dass die Localität zum\nErfolg der Concertmusik beitrage, ja, ihn mit bedinge, und doch ist\nes wahr. In einem so kolossalen und prachtvollen Saale wie der\nGürzenichsaal kam uns, mit Ausnahme der Ouvertüre von Beetho-\nven, alles Andere wie recht artige Salonmusik vor, von der Gade'-\nschen Sinfonie bis zu Schumann's „Zigeunerleben® und Spohr's Lar-\nghetto. Dieses Larghetto trugen die Gebrüder Holmes ganz vor-\ntrefflich vor, und es erwarb ihnen mit Recht den lebhaftesten Ap-\nplaus und Hervorruf. Ihre übrigen Leistungen überschritten nicht\ndas Maass eines guten Vioünspiels, wie man es heutzutage häufig\nhört, und am Ende in der nächsten Nähe noch besser hat, nament-\nlich wräs Ton und breiten Stil betrifft. Die Composition des jünge-\nren Herrn Holmes, ein kurzer Satz, eine Art Capriccio, dessen Cha-\nrakter mit der Benennung romcintique sehr wenig übereinstimmt, ist\nals Salonstück nicht übel, sprach jedoch nicht allgemein an.\nBeim Anhören von Mendelssohn's Hymne (? Es ist keine Spur\neines Hymnus in dem Gedichte, das die Bitte und Klage einer von\nFeinden bedrängten Jungfrau Zion? enthält) fällt einem auch\ndas luterdum dormilcit Homerus ein ; nur die Composition der letzten\nStrophe und der Schluss erinnern an die besseren Werke des Mei-\nsters. Fräulein Genast sang diesen letzten Theil recht gut, wäh-\nrend zu dem Ausdruck der leidenschaftlicheren Gefühle Kraft und\nSchwung der Stimme fehlte. Dagegen befand sie sich bei dem Vor-\ntrage der lieblichen Arie der Galatea aus Händel's Schäferspiel\n(1720 zu Cannons bei London auf englischen Text des Dichters Gay\ngeschrieben) ganz in ihrem Genre und ärntete lebhaften Beifall.\nDie Orchestersachen wurden alle recht gut ausgeführt, namentlich\ndie grosse Leonoren-Ouverture, ein Paradestück unseres Orchesters.\nAuch die niedliche Sinfonie von Gade wurde sehr hübsch gespielt,\nund Schumann's „Zigeunerleben® gefiel mit Recht ganz ausserordent-\nlich. Die Concert-Ouverture von C. Joseph Brambach erhielt\neinen Succes d'estime, den sie durch Fluss der Arbeit, harmonische\nKlarheit und gewandte Formenbeherrschung vollkommen verdiente."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-08-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-08_01#c012", "volume": "bmtnabi_1860-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "400", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.6", "debut_caractere": 3702, "fin_caractere_exclue": 6516, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSSoaiti« Das zweite Abonnements-Concert unter Lei-\ntung des städtischen Musik-Direetors Herrn Alb. Dietrich brachte\nam 28. November Cherubini's Ouvertüre zum Wasserträger und\nMendelssohn's Sinfonie Nr. 111. in A-moll, beide in gelungener,\nerstere in vorzüglich gelungener Ausführung. Fräulein F. Schreck\nsang eine Arie mit Chor: „In süsser Harmonie vereint'4 (Daniel =\nAlt) aus Händel's Oratorium Saul mit klangvoller Stimme und\ngutem Ausdruck; die Composition wenigstens so vereinzelt ge-\nhört hat uns nicht so angesprochen, wie wir erwarteten. Der\nGlanzpunkt des Abends war der Vortrag des Violin-Concertes von\nBeethoven und einer Phantasie von Spohr für die Violine über\nMotive aus Jessonda durch Herrn Concertmeister August Köm-\npel aus Hannover. Herr Kömpel bewährte vollkommen den grossen\nRuf, den er durch sein grossartiges breites Spiel, dessen Fundament\ndie Schule seines Meisters Spohr ist, bereits in Deutschland, so wie\nin den Weltstädten Paris und London sich erworben hat. Bei der\nOrchesterbegleitung des Concertes von Beethoven wurde zuweilen\nein Zurückhalten und Schleppen bemerkt, welches bei der Beglei-\ntung eines Solospielers am wenigsten an seiner Stelle ist.\nCoMeaiz. Das .Musik-Institut unter Leitung des könig-\nlichen Musik-Directors Herrn Lenz veranstaltete am 30. November\nsein zweites Abonnements-Concert Eröffnet wurde es durch\ndie Sinfonie Nr. VII. in A-dur von Beethoven und beschlossen\ndurch die Ouvertüre zur Euryanthe von C. M. von Weber. Beide\nOrchesterwerke wurden recht gut ausgeführt. Herr Concertmeister\nMaximilian Wolff aus Frankfurt a. M. trug das Adagio und\nRondo aus Vieuxtemps' E-dur-Concert, eine Romanze in G-dur\nfür Violine von Beethoven und Paganini' s (oder Ernst's ?) Car-\nneval von Venedig vor und ärntete besonders durch die zwei letzten\nStücke grossen Applaus und Hervorruf. Für Gesang hörten wir den\nVortrag der Bass-Arie: rHerr, sei mir gnädig!8 aus Mendels-\nsohn's „Paulus® und zwei neue Compositionen von M. H. Hau-\nser für Chor und Orchester: „Frühlingslied* von Fr. Reinick und\n„Schneeglöckchen\" von Fr. Riickert, welche sehr ansprachen.\n££ei*iin. Bei der Menge der Theaterabende muss man sich\nglücklich schätzen, den ersten oder zweiten Theil eines der Statt\nfindenden Concerte anhören zu können. Leiden sie in diesem Jahre\ndoch auch mehr denn je unter der ringsum herandrängenden Con-\ncurrenz. Wenn es wahr ist, dass an der Gründung eines zehnten\nTheaters auf dem Köpnicker Felde gearbeitet wird, so würden wir\ngleich rathen, die Sing-Akademie oder das Schauspielhaus mit sei-\nnem renommirten Concertsaale auf den Abbruch zu verkaufen und\ndie Baumaterialien so bald als möglich auf den neuen Kunstschau-\nplatz hinaus zu fahren. Zum Glück stehen beide Bauwerke noch,\nund in ersterem gab Herr Wilhelm Langhaßs am Freitag ein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7770, "texte": "Concert mit Ausschluss der Oeffentlichkeit, d. h. der bezahlenden\nZuhörer. Herr Langhans ist ein Hamburger und hat seine gründ-\nlichen Studien auf dem Conservatorium £u Leipzig gemacht* Als\ndem Kinde - einer eingefleischten Handelsstadt mag es ihm nicht\nleicht geworden sein, dem Comptoir zu entwischen und in den Con-\ncertsaal zu gelangen, und doch bedarf die Kunst so nothwendig der\nLeute, die sie nicht des Brodes wegen zu treibeu brauchen. Der\nConcertgeber bewies gleich durch seine erste Leistung, einen von\nihm componirten und ausgeführten Concertsatz, dass er wohl gethan\nhabe, das Zahlbrett mit dem Griffbrett, das Schreibpult mit dem\nNotenpult zu vertauschen. Er ist ein tüchtiger Geiger von gründli-\ncher Schule und trug seine nicht zu ihrem Nachtheil an die Schreib-\nart Felix Mendelssohn's erinnernde, fein instrumentirte Arbeit mit\nFertigkeit und Geschmack vor. Die Liebig'sche Capelle und Fräulein\nBertha Walseck aus Köln unterstützten ihn, jene mit gewohnter\nSicherheit, diese mit einer ihrem wohllautenden Organe nicht förder-\nlichen Befangenheit in einer Arie aus Mozart's Figaro. Die über-\nwiegend aus einem kunstgebildeten, eingeladenen Publicum beste-\nhende Versammlung folgte den Vorträgen mit Antheil und lautem\nBeifall. («E. K o s s a k.)\n• /\nUnser erstes Vereins-Concert fand am 23 No-\nvember im grossen Saale des Curhauses Statt. Der Cäcilien-Verein\nbrachte in Verbindung mit dem Theater-Orchester unter Hagen's\nLeitung Mendelssohn's „Paulus* das vollständige Oratorium\nzu Gehör. Die Aufführung war im Ganzen eine gute und im All-\ngemeinen zufriedenstellende, wenn auch nicht in allen Theilen cor-\nrecte. Die Tempi schienen mit wenigen Ausnahmen ein wenig zu\nschnell genommen. Ein Dirigent der Oper sollte nur mit grosser\nRuhe an die Leitung von Oratorien-Musik gehen. Die Orchester\nnehmen es mit den Schwierigkeiten derselben ebenfalls nicht genau\ngenug; sie spielen eben Alles aufs glatteste herunter. Punktirte No-\nten wie °^er J. J* wurden meist J\"j oder J J gespielt und\ngesungen. Unter den Solo-Partieen war der Tenor mit Herrn Schnei-\nder am genügendsten besetzt. Das Orchester erlaubte ihm indess\nsehr ungern und selten so viel Freiheit, um „singen\" zu können.\nHerr Simon, unser geschätzter Baritonist, sang den „Bass*. Die\nPartie wurde nicht sehr correct von ihm gesungen ; überall blickte\nUnsicherheit durch. Fräulein Bork, eine hier neu engagirte Sän-\ngerin an Stelle der zum Bedauern vieler Opernfreunde von hier\nnach Breslau abgegangenen Fräulein Zirndorfer hat eine geringe\nund zu sehr gepresste, unsichere Höhe, ist noch ungewöhnlich starke\nAnfängerin und entledigte sich ihrer Sopran-Partie im „Paulus* auch\nnur unter dem steten Einflüsse dieser Tliatsachen, Fräulein Schön-\nchen hatte den Alt übernommen. Ton, Ansatz und Sicherheit qua-\nlificiren sie zu dergleichen kleinen musicalischen Leistungen hin-\nreichend.\nAm 12 November eröffneten die Herren Balde neck er,\nScholle, Wagner und G r imm ihren alljährlichen Cyklus von\nSoireen für Kammermusik. Die erste Soiree brachte den Freunden\ndieser Musikgattung ein Quartett von Haydn (G~diw), ein anderes\nvon Mozart (F-där) und von Op. 18 das in C-moll von Beethoven.\nMan kann den Herren Veranstaltern das unbestrittene Zeugniss ge-\nben, dass ihr einheitliches, durchdachtes Spiel unserer Meisterwerke\nin diesem Genre ein ernstes Studium derselben voraussetzen lässt.\nDer Besuch der Quartette nimmt mit jedem Winter zu» W. W.\nVerflossenen Samstag waren die Vertreter der\nvier zum mittel rheinischen Musikverbande gehörigen Städte\n(Darmstadt, Mainz, Mannheim und Wiesbaden) in Mainz versammelt,\num, da der Turnus zu Ende ist, über Fortbestand dieser Feste, die\nArt ihrer künftigen Abhaltung, beziehungsweise Durchsicht der\nSatzungen, sich zu berathen. Darmstadt, als diejenige Stadt, in wel-\ncher das nächste Fest Statt zu finden hätte, erklärte sich ausser\nStande, im nächsten Jahre ein solches Fest bei sieh abzuhalten, da\nihr die frühere Räumlichkeit nicht mehr zu Gebote stehe, die zwei-\nfelhafte politische Weltlage auch eine Verlegung auf 1862 wün-\nschenswerth erscheinen lasse. Mannheim unterstützte diesen Antrag,\neben so Wiesbaden, wonach- also der Beschluss gefasst wurde, im\nJahre 1861 kein solches Musikfest abzuhalten. Die Frage, ob über-\nhaupt nur alle zwei Jahre ein solches Fest abzuhalten wäre, wurde\nbis auf die Besprechung im nächsten Sommer vertagt. Voraussicht-\nlich wird dies aber wohl zum Beschlüsse erhoben werden, da bei\njährlichen Festen die einzelnen Städte zu häufig an die Reihe kä-\nmen. Es hat sich (nach der Bad. Lz ) gezeigt, dass diese Feste stets\nzwischen 13—15,000 FL Kosten verursachen, den einzelnen Städten\ngrosse Opfer auferlegen und stets mit einem Ausfalle von einigen\nTausend Gulden schliessen. Angesichts dieses wird wohl eine Ver-\neinfachung derselben in Antrag gebracht werden, die auch sehr\nzweckdienlich wäre und namentlich auch einen Zudrang von so ge-\nnannten activen Theilnehmern verhinderte, die mehr des Vergnügens\nhalber als des musicalischen Mitwirkens wegen beitraten. Em fer-\nnerer Umstand, der zu berücksichtigen wäre, ist der, dass die ein-\nzelnen Vereine durch alljährlich wiederkehrende Feste zu sehr von\nihrem eigentlichen Zwecke abgezogen werden, indem der Winter\nmeistens dazu benutzt werden muss, um die zum Feste bestimmten\nTonstücke einzustudiren, Stücke, die sehr häufig nicht für die ge-\nringeren Kräfte vieler Vereine passen. Ein zweijähriger Turnus wird\neinem solchen Missstande wohl am besten abhelfen.\nAnf. November. Wie seit vielen Jahren, ging auch\nder Tag des Reformationsfestes (4. Nov.) mit Abhaltung eines Con-\ncertes im Saale der goldenen Traube zu Ende, und war der Veran-\nstalter desselben unser talentvoller Karl Kammerlander, dessen\nanerkennenswerthe Bestrebungen schon aus dem Programm zu er-\nkennen sind, welches nur zwei Piecen an seiner Stirn trug; die erste\nwar Beethovcn's Z>-J«r-Sinfonie, welche unter Kammerlander's\nLeitung von einem ansehnlich besetzten Orchester eben so kraftvoll\nals fein nuancirt durchgeführt, auf die Zuhörerschaft einen erheben-\nden Eindruck zu machen nicht verfehlt hat. Die zweite Piece war\neine vom Concertgeber componirte und zum ersten Male aufgeführte\nCan täte, , Ein SommertagGedicht von Hertie, welche pracht-\nvolle Chöre und äusserst anmuthige ein- und mehrstimmige Sologe-\nsänge enthält. Die Soli wurden von den Fräulein Brenken und\nWiir s t und von den Herren Lenk, Vogelsb erger und Bosch\ntrefflich vorgetragen, und wirkte der aus mehr als 200 Individuen\nbestehende Chor mit wahrhaft imponirender Gewalt und Präcision.\n(Allg. Ztg)\nIsWlest. Das erste Gesellsehafts-Concert brachte Schumann1 s\n„Manfred® zum zweiten Male, und zwar im Ganzen in vorzüglicher\nWeise. Wir müssen dies um so entschiedener anerkennen, als Herr\nDirector Herbeck aus verschiedenartigen Elementen ein neues Or-\nchester zusammengesetzt hatte und die Schwierigkeiten der Schu-\nmann'schen Musik keine geringen sind. Auch dey freilich wenig be-\nschäftigte Chor hielt sich wacker, und die Soli waren mit Ausnahme\nder weiblichen Stimmen gut besetzt. Was nun die Wirkung des\n-Manfred\" betrifft, so wurden selbstverständlich die Ouvertüre, die\ni\nErscheinung der Alpen-Fee, der Chor der Geister Ariman's und eini-\nges Andere mit vielem Beifall aufgenommen. Anderes, wie die mei-\nsten Vocalsachen, konnte keinen Eindruck machen, ja, wir möchten\ndiese Stücke selbst als verfehlt bezeichnen und können sie weder\nschön noch charakteristisch finden. lm Ganzen glauben wir der\nMeinung Tieler Musikfreunde Ausdruck zu geben, wenn wir sagen,\ndas» ein Concert, in welchem die eine Hälfte mit Declamation, die\nandere mit Musik ausgefüllt ist, von welcher letzteren aber der\ngrössere Theil nur aphoristisches oder melodramatisches Gepräge\nträgt, keinen yollkommenen Eindruck zurücklassen kann. Wir selbst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2147, "texte": "hätten, obwohl das Concert nahezu zwei Stunden dauerte, gern noch\neine Sinfonie gehört, um einen rein musicalischen Eindruck mit fort-\nzunehmen. Mögen Andere in dem Hereinziehen von Declamation\n(die hier freilich unentbehrlich) eine Bereicherung und willkom-\nmene Abwechslung finden, wir, vom musicalischen Gesichtspunkte\nausgehend, können darin nur eine Beeinträchtigung erblicken,\ndie selbst durch einen so vortrefflichen Vortrag wie der des Herrn\nLewinsky, der das verbindende Gedicht von Kürnberger\nsprach, nicht unfühlbar gemacht wird. Wenn unsere Empfindung\nrichtig ist und somit auch in weiteren Kreisen zum Durchbruch\nkommen wird, so dürfte der ..Manfred-', trotz seiner theilweise herr-\nlichen Musik, als eine Concert ausfüllende Nummer sich nicht lange\nerhalten, und die Forderung entschiedener hervortreten, dass der\nText gekürzt, eine Anzahl musicalisch gar zu geringfügiger, mehr\nfür die wirkliche (freilich kaum ausführbare) Darstellung des By-\nron1 sehen Manfred berechneter Nummern weggelassen und datür\nnoch eine Sinfonie ins Programm genommen werden sollte. Damit\nwürde das wahrhaft Schöne in dieser Schumann'schen Musik dem\nPublicum sicherer erhalten bleiben, als durch die jetzt beliebte Art\nder Aufführung. (D. Musik-Ztg.)\nIn Betreff des Widerspruches, der sich früher durch die entge-\ngengesetzten Mittheilungen ergab, dass die Fisch h o f' sehe Biblio-\nthek an die königliche Bibliothek in Berlin verkauft sein sollte,\nwährend von einer leipziger Buchhandlung die öffentliche Versteige-\nrung derselben angekündigt wurde, können wir jetzt aus bester\nQuelle mittheilen, dass es mit dem Ankaufe durch jene Hof-Biblio-\nthek seine Richtigkeit hat und die Versteigerung nur die von der-\nselben hintangegebenen Doubletten betrifft.\nIn der ersten diesjährigen Novitäten-Soiree bei dem Musicalien-\nhändler Herrn C. Haslinger soll eine Suite für Pianoforte allein\nvon W. Bargiel, welche demnächst im obigen Verlage erscheinen\nwird, am meisten angesprochen haben.\nDie Faust-Ouverture von ß. Wagner, in Leipzig dem Gewand-\nhaus-Publicum vor Kurzem vorgeführt, vermochte keinen grösseren\nErfolg zu erringen als bei früheren Aufführungen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBeethoven's Missa solemnis. Aufgeführt im dritten Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Fortsetzung. Beur-\ntheilungen. Evangelisches Choralbuch von H. Lohmeyer. Aus Aachen (Winter-Concerte). Von N. Aus Münster (Cäcilien-Concert).\nVon ***: Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Bonn, Concert Coblenz,\nConcert Berlin Wiesbaden Karlsruhe Augsburg Wien).\n\nBeethoven’s Missa solemnis.\nAufgefübrt im dritten Gesellschafts-Concerte im\nGürzenich, Dinstag den 20. November.\n(Fortsetzung. S. Nr. 48 und 49.)\nZu der Benennung Missa solemnis hat Beelhoven zwar\nVeranlassung gegeben, indem er das Werk in dem Einla-\ndungsschreiben an die Höfe*) (wie auch in dem oben mit-\ngetheilten Briefe an Cherubini) „eine grosse, solenne\nMesse\" nennt; allein als Tilel enthält die Ausgabe der\nPartitur jene Ueberschrift nicht, die sich erst als\nsolennette\" auf dem Clavier-Auszuge von Ch. G. Rink\n(. Mayence etc., chez les fils de findet.\nDie Partitur-Ausgabe hat folgenden Tilel: Missa\ncomposita et serenissimo\nmino RU DO LPHO JO A\net Archiduci Austriae S. R. E. Tit. s. Petri in monte\naureo Cardinali et Archiepiscopo\nsima cum veneratione dedicata\nhoven. Op. 123. Ex stantibus\nex taberna musieis B. Schott filiorum. Paris chez l. f. de\nB. Schott. Anvers, chez A. 5c1827. In gr. Fol. 299\nSeiten.\nBemerkenswerth ist darauf die Angabe des Jahres\nder Erscheinung. Möchte doch dieses Beispiel von allen\nMusik-Verlegern hei allen Werken nachgeahmt worden\nsein! Man muss geradezu fragen: Wann werden die Mu-\nsik-Verleger eben so ehrlich werden, wie die Verlags-\nBuchhändler? Wann werden sie so viel Sinn für die Ge-\nschichte der Musik und die Geschichte der Entwicklung\neines Künstler-Genie's zeigen, dass sie nicht absichtlich die\nEntstehungszeit der von ihnen gedruckten Werke ver-\nschweigen und die Forschungen der Kunsthistoriker da-\ndurch unsäglich erschweren?\nBeethoven's Ausspruch, die Messe könne auch als\nOratorium, mithin im Concertsaale, benutzt werden, ist\nfreilich zum Theil wohl durch den Hauptzweck der Ueber-\nsendungen, Geld zu verdienen, veranlasst, indem er recht\ngut wusste, dass die protestantischen Höfe sie in der Kirche\nnicht brauchen konnten; anderenteils aber liegt doch auch\neine gewisse Selbsterkenntniss in dieser Aeusserung. Diese\naber auf die Unkirchlichkeit des Stils, auf das Unge-\neignete der ganzen musicalischen Behandlung des Textes\nzu beziehen, dazu sind wir wahrlich keineswegs berech-\ntigt; die Lebendigmachung des heiligen Wortes durch die\nMusik hat Beethoven sicherlich für seinen höchsten Zweck\ngehalten und ihn als vollkommen gelungen anerkannt.\nSonst hätte er nicht über das und das „Mit\nAndacht\" gesetzt und nicht über die Partitur geschrieben:\n„Vom Herzen kam es!\" Nicht auf das Innere, nur auf\ndas Aeussere dürfen wir jene Selbstkritik beziehen, auf die\nLänge des Werkes und auf die Schwierigkeit der Ausfüh-\nrung durch die gewöhnlichen Kirchen-Chöre und Kirchen-\nCapellen. Diese Rücksichten mussten es ihm wünschens-\nwerth machen, sein Werk als Oratorium in den Concert-\nsaal zu bringen, da er wohl fühlte, dass dessen Dimensio-\nnen und Ausführungs-Bedingungen nur unter sehr selte-\nnen Verhältnissen es beim wirklichen Gottesdienste würden\nzur Anwendung kommen lassen. Aber ausgeschlossen\n\n*) Den Text dieses Schreibens druckt Schindler nicht ab; er\nhat ihn jedoch früher Herrn Professor Heimsoeth in Bonn\nim Original mitgetheilt, der eine Lithographie desselben einem\nkleinen Schriftchen beigefügt hat, welches als anspruchslose\nFestgabe zum Beethoven-Feste in Bonn im Jahre 1845 er-\nschien und recht sinnig den Inhalt der Messe erläutert. Das\nSchreiben ist vom 23. Januar 1823. Die Hauptstelle dessel-\nben lautet:\n„Der Unterzeichnete hegt den Wunsob, sein neuestes\nWerk, das er für das gelungenste seiner Geistes-\nProducte hält, dem .... Hofe von .... einzusenden. Das-\nselbe ist eine grosse solenne Messe für 4 Solostimmen mit Chö-\nren und vollständigem grossen Orchester in Partitur, welche\nauch als grosses Oratorium gebraucht werden kann.®"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.2", "texte": "davon wollte er es gewiss nicht wissen, und wir können\nuns hier in Köln im Angesichte des über alle Erwartung\nschnell seiner Vollendung entgegen steigenden Domes nichts\nErhabeneres denken, als, nachdem die Zwischenwand, die\njetzt noch das Chor von der vorderen Kirche trennt, ge-\nfallen sein wird, eine Ausführung jenes monumentalen\nWerkes der Tonkunst zur feierlichen Einweihung des\ngrossartigsten Monumentes der Baukunst.\nUnd haben wir nicht ein Recht, beide Werke mit ein-\nander zu vergleichen? Und sollte der Vergleich nicht auch\ndie Kirchlichsten zu Gunsten Beethoven's umstimmen, zu\nrichtigerer Würdigung des musicalischen Kunstwerkes\ndurch das architektonische führen? Sind es die Einzelhei-\nten der kunstvollen Ausführung des Baues, welche den\nerhebenden, überwältigenden Eindruck auf den Beschauer\nmachen, der in den Dom tritt, oder ist es der gewaltige\nGeist, der sich in dem Ganzen offenbart, die Idee des Er-\nhabenen, des Göttlichen, deren Verwirklichung durch den\nhimmelan strebenden Riesenbau die Seele ergreift und sie\ninit Ehrfurcht und Andacht, wie mit Bewunderung und\nStaunen erfüllt? Stört etwa die bunte Farbenpracht der\nFenster, oder die Gemälde der auf Goldgrund schweben-\nden Engel, oder die goldenen Capitäle der Säulen die\nGefühle der Andacht und Gottesverehrung? Ist der innere\nDrang, der zum Gebete treibt, nur dann gottgefällig, wenn\nder Mensch in einer ärmlichen Capelle vor einem hölzer-\nnen Kreuze auf die Kniee sinkt, oder auch dann, wenn er\nin den hochragenden Säulenhallen, die das Gewölbe einer\nKathedrale tragen, sich vor der prächtigen Monstranz\nbeugt? Man beantworte sich diese Fragen und wende\ndie Antworten auf die Musik an, auf den erweiterten und\nvervollkommneten Ausbau ihrer Formen, auf die Farben-\npracht ihrer Töne und Ton-Werkzeuge, auf die Stufen-\nleiter, auf welcher sie vom Choralgesange an bis zu einer\nMesse von Bach, Haydn, Mozart, Cherubini, Beethoven\nemporgestiegen ist.\nOder soll etwa das Alter der Künste für ihre kirch-\nliche Würdigkeit entscheiden? Soll die Tonkunst desshalb,\nweil sie erst im vorigen und im gegenwärtigen Jahrhun-\ndert ihre Sonnenhöhe erreicht hat, der Baukunst, der\nSculptur, der Malerei für die Kirche nicht ebenbürtig sein,\nweil diese früher auf ihrem Höhepunkte angelangt sind?\nSollen wir desshalb beim gregorianischen Choral und bei\nden Compositionen aus der Zeit der Kindheit der Musik\nverbleiben und die grossen Baumeister und Maler der Ton-\nkunst, die Michel Angelo's, Raphael's u. s. w. der Musik,\nverschmähen und verbannen, weil sie nicht schon vor Jahr-\nhunderten da waren? Freilich ist Beethoven's Stil in sei-\nner grossen Messe ein anderer, als der von Palestrina oder\nOrlandus Lassus, ja, selbst als der von Mozart und Che-\nrubini; allein warum soll denn seinem hervorragenden\nGenie verwehrt sein, sich für die Kirchenmusik eben so\neinen eigenen, ernsten und grossen Stil zu schaffen denn\ndass er ernst und gross sei, wird doch Niemand läugnen\nwollen! —, als für die Sonate, die Sinfonie, das Quartett?\nWenn dann aber die Messe in wegen ihrer\ngrossen Ausdehnung und der erforderlichen aussergewöhn-\nlichen Vocal- und Instrumentalkräfte nur in seltenen Fäl-\nlen beim Gottesdienste wird angewandt werden können,\nso wird Beethoven's Wink und Wunsch, sie als Orato-\nrium im Concerlsaale aufzuführen, mehr Berücksichtigung\nverdienen, als ihm bisher zu Theil geworden.\nWo noch das Vorurtheil waltet, nach welchem man\nsich scheut, den lateinischen Text der Messe im Concertc\nzu singen, dürfte es freilich geralheri scheinen, der Musik\neinen deutschen Test unterzulegen; allein die misslunge-\nnen Versuche ähnlicher Art warnen davor. Namentlich\nhat Fr. Rochlitz auf eine Weise, die bei der musicalischen\nBildung des verdienten Mannes geradezu unbegreiflich ist,\ndem grossen Beethoven durch die Unterlegung eines an\nund für sich nicht Übeln Hymnen-Textes unter dessen\nC-Är-Messe schreiendes Unrecht angethan, indem er die\nauffallendsten Wid ersprüche zwischen der Münk und den\nWorten ihm andichtet. So fällt z. ß. „Weltenherrscher,\nAllgewaltiger\" mit dem sanften Kyrie eleison, „unnenn-\nbar ist Deine Macht\" mit diminuendo al pianissimo und\n„wir stammeln mit Kindeslallen\" mit crescendo al fortis-\nsimo zusammen! Zu den hinsterbenden Tönen des\net sepultus estheisst es: „Dann fühl* ich, dass seines Ge-\nschlechts wir sind!\" und das\nProphetas mit der Trompeten-Inlrade besingt „(die Weis-\nheit) die ge hei m n iss vo 11 durch das Dasein uns ge-\nleitet!\"*) *\nWir hallen dafür, dass, wenn die Intentionen des\nComponisten in ihrer vollen Wahrheit auch bei dem deut-\nschen Texte erscheinen sollen, dieser sich dem lateinischen\nso wörtlich wie möglich mit steter gewissenhaftester Be-\nrücksichtigung der Musik anschliessen müsse. E.; entstände\nalsdann allerdings eine Art von Oratorium, eine geistliche\nMusik auf kirchlichen Text.\nWir haben bereits im Jahrgange 1850 —lB5l in\nNr. 22 (den 30. November 1850) der Rheinischen Mu-\nsik-Zeitung (bei M. Schloss) einen solchen deutschen Text\ngegeben, der auf alle, besonders aber auf Beethoven's\nbeide Messen passt. Auch wo im Conc.ert der lateinische\nText (was natürlich immer am besten ist) gesungen wird,\n\n*) Auch aus dem Text zu Beethoven's: „Der glorreiche\nAugenblick\", einer Gelegenheits-Cantate beim Congress zu\nWien im Jahre 1814-, hat Rochlitz durch einen ähnlichen Miss-\ngriff einen „Preis der Tonkunst® gemacht l"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.3", "texte": "sollte man im Programm eine Interlinear-Uebersetzung,\num das Verständniss der Musik für Jedermann zu erleich-\ntern, abdrucken lassen. Z. B.:\nLau - da-mm te, be -ne - di-cimus te, ad -o - ra-\nDich preisen wir und dich segenen wir, tief im Staub\nmus te, glo-rifica-mus te!\nvor Dir! Halleluja dem Herrn! Dankopfer bringen wir\ntibi, propter magnam gb - ri-\ndar ob der grossen Herrlichkeit Deiner!\nHier wird der Aufschwung des die Ruhe\ndes Benedicimus,die tiefen Töne auf der kraft-\nvolle Einsatz jeder Stimme auf das u. s. w.,\ndie Beelhoven in seine Musik gelegt, auch durch die deut-\nschen Worte verständlich und sangbar. Eben so die sanfte\nMilde in:\nBe-nedic-tus qui ve-nit in no-mi -ne Domini!\nSei gesegnet! Du kämest im Namen des E-wigen!\n(Schluss folgt.)\n\nBeurtheilungen.\n\nEvangelisches Choralbuch von H. Lohmeyer,\nRector in Schildesche. Bielefeld, Velhagen & Kla-\nsing, 1861.\nHerr Rector Lohmeyer sagt in dem Vorworte zu sei-\nnem Choralbuche: „Rink's Harmonie ist immer angenehm\nund lieblich, aber oft zu süss und weich: sie ermangelt\nnicht selten der kirchlichen Würde und Kraft; Ritter hat\nviele auffallende Modulationen und künstliche Accorden-\nfolgen, die dem einfachen, würdigen Kirchenstile nicht ent-\nsprechen; sie mögen einem verwöhnten Ohr zusagen, kön-\nnen aber einem einfachen, nicht musicalisch durchgebilde-\nten oder an echte kirchliche Musik gewöhnten Christen-\nmenschen nimmer zur Erbauung dienen: sie stören viel-\nmehr dieselbe. Die Harmonie der aiten Meister des sechs-\nzehnten und siebenzehnten Jahrhunderts ist für unseren\nGeschmack gar zu herbe.\" Er (Herr Lohmeyer) sucht\ndaher zwischen Altem und Neuem zu vermitteln.\nDer Choral „Gott des Himmels und der Erden\"\n(bei ihm in A-dur warum?) möge zeigen, wie Herr\nLohmeyer vermittelt hat.\nDieser Aussatz leidet an einer erschrecklichen Monotonie.\nVon Stimmenführung kann eigentlich keine Rede sein,\nda sie nicht von der Stelle kommen; so im Alt vier Mal\nd hinter einander zu dreien Malen (beiläufig sei bemerkt,\ndass din derselben Stimme 19 Mal vorkommt); die Inter-\nvalle bewegen sich nur in Secunden-Schritten. Der Te-\nnor hält einen ähnlichen Gänsemarsch inne, und der Bass\nmacht seine Schlüsse, wie folgt:\ng d G. Vor dem Abschlussist noch der gleichzeitige\nQuinten-Fortschritt zwischen Alt und Tenor zu bemerken.\nIn dieser Manier sind sämmtliche Choräle ausgesetzt.\nWer vermag da irgend ein kirchliches Element\nherauszufinden ?\nUm zu beweisen, dass der Lohmever'sche Aussatz\nein dilettantischer ist, mag hier zur Veranschaulichung\nder Sämann'sche Aussatz desselben Chorals folgen:\nStimmführungen wie die folgenden, ohne Noth an-\ngewandt, sind ebenfalls schülerhaft:\n\nI*3"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.4", "texte": "bei unmittelbarem Anschluss (NB. „streng im Tact\"\nzu spielen); dergleichen Steilen kommen gar nicht selten\nvor, und von verdeckten Quinten und Octaven wimmelt\nder Lohmeyer'sche Aussatz. Diese ganz subjective Ma-\nnier ist kein Vermitteln, sondern ein ganz unentschiedenes\nHinken auf beiden Seiten, was „im Kämmerlein\" gestattet\nsein mag, nicht aber zu kirchlichem Gebrauche. Die\nMaxime, Verwechslungen möglichst zu vermeiden, macht\nden Satz oft unbeholfen, statt kräftig.\nBei Licht besehen, hätte Herr Lohmeyer den musica-\nlischen Theil seiner Arbeit besser für sich und seine\nFreunde behalten, da bereits viel Besseres wirklich vor-\nbanden ist.\n\nF.\n\nAus Aachen.\nN.\nIch bin mit meinen Berichten über unsere Winter-\nConcerte in Rückstand geblieben, aber nicht aus Armuth\nan Stoff; denn wenn ich auch jetzt mich nur auf einfache\nNennung von Künstlernamen und Titeln der Compositio-\nnen beschränke, so lässt sich doch daraus schon der reiche\nGenuss ermessen, den die bis jetzt Slatt gefundenen drei\nConcerte uns gebracht haben, zumal da der Eifer unseres\ntalentvollen Dirigenten Wüllner von dem Sängerchor\nund dem Orchester aufs glücklichste unterstützt wird und\nder Erfolg im Allgemeinen das Unternehmen gekrönt hat.\nDas erste Concert begann mit Mendelssohn's\nherrlicher Sommernachtstraunr-Ouverture und schloss mit\nBeethoven's Sinfonie Nr. IV. in Wenn diese Sin-\nfonie auch in ihren letzten Sätzen nicht den grossartigen\nSchwung und die majestätische Kraft anderer symphoni-\nscher Stücke des grossen Meisters offenbart, so hat sie doch\nüberall reizende Schönheiten anderer Art, und die ergrei-\nfende Einleitung zum ersten Satze gehört sicher mit zu\ndem Vollkommensten, was Beethoven geschrieben hat. Die\nVocal-Partie bestand aus Hilier's schöner Elegie aufßy-\nron's Worte: „0, weint um sie!\" welche den vortheilhaf-\nten Fehler hat, dass sie zu kurz ist, und aus dem Finale\naus Beethoven's Musik zu den Ruinen von Athen. Herr\nFleischhauer zeigte durch den edeln Vortrag des Vio-\nlin-Concertes Nr. VI. von Spohr seine volle Berechtigung\nzum Concertmeister-Amte in unserem Orchester.\nIm zweiten Concerte ergötzten wir uns an der\nlieblichen Pastorale „Acis und Galatea\" mit Musik von\nHändel, deren Text durch die mannigfachen Regungen\nvon Freude und Schmerz, Unruhe und Befriedigung, Glück\nund Unglück, die er schildert, dem Meister in Tönen rei-\nchen Stoff lieferte. Wenn man etwas daran tadeln wollte,\nso wäre es die allzu lange ununterbrochene Reihe von\nArien im ersten Theile; wenn der Chor des heiteren Völk-\nchens auch ein Wort mitspräche zwischen den feurigen\nLiebeserklärungen der schönen Nymphe und des artigen\nSchäfers, so würde das den Zuhörern eine angenehme Ab-\nwechslung bereiten. Die Ausführung war vollkommen,\nworüber Ihnen Ihre talentvolle und bescheidene Sängerin\nFräulein Genast Zeugniss ablegen kann, welche in der\nPartie der Galatea, von der man beinahe sagen sollte,\nsie wäre für sie geschrieben, prächtigen Erfolg halte, wo-\nbei die Herren Göbbels, Acken und S. sie vortrefflich\nunterstützten.— Die erste Abtheilung des Concertes füllte\nMozart's Sinfonie in B-dur Nr. XI.\nZeichnete sich das Programm des zweiten Concertes\ndurch Einheit aus, so bot das dritte dafür eine grosse\nMannigfaltigkeit dar, zu deren Erfolg vorzüglich das Auf-\ntreten der eminenten Pianistin Frau Szarvady-Clauss\nauf glänzende Weise beitrug. Dieser liebenswürdigen, gra-\nziösen Künstlerin, deren ausgezeichnete Vorzüge Sie bereits\nauch in diesen Blättern und in der Kölnischen Zeitung\ncharakterisirt haben, wurde eine enthusiastische Ovation\nvon Seiten des Publicums und des Orchesters zu Theil, so-\nwohl nach dem Vortrage eines Concertes von F. Hiller\nin Fis-moll, als vollends nach den Stücken von Chopin,\ndessen Compositionen ihre Lieblinge zu sein scheinen, da\nsie auch nach dem Hervorruf noch ein 'Salonstück von ihm\nzugab.\nMozart's Laudate Dominum und Gade's „Früh-\nlingsbotschaft\" , eine Composition von reizender Durchsich-\ntigkeit, gaben unserem Sängerchor Gelegenheit, seine Vor-\nzüge geltend zu machen. Wenn wir in Beziehung auf die\nAusführung der Freischütz-Ouverture sparsam mit\nLob sind, in welcher namentlich die Hörner einige Töne\nhören liessen, die dem Samiel selbst bange machen konn-\nten, so können wir kaum rühmlich genug von unserem\nOrchester und dessen geschicktem Leiter sprechen, wenn\nwir uns an die vortreffliche Ausführung der Sinfonie Nr.\n11. in C-dur von Schumann erinnern, welche der mei-\nsterhaften Compositior» vollkommen würdig war."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.5", "texte": "Aus Münster.\nDie alte Sitte, nach welcher der hiesige Musik-Verein\njährlich am 22. November, dem Cäcilien-Tage, ein Ora-\ntorium zur Aufführung brachte, wurde, wie ich Ihnen in\nmeinem letzten Berichte, Nr. 24 der Niederrheinischen\nMusik-Zeitung, mittheilte, im vorigen Jahre unterbrochen.\nDie Wiederherstellung derselben bei der Wiederkehr des\ndiesjährigen, der heiligen Sängerin gewidmeten Tages\nkonnte nur freudig begrüsst werden. Die festliche Erwar-\ntung wurde dadurch gesteigert, dass an die Stelle des bis-\nherigen Dirigenten des Vereins, des nach Frankfurt a. M.\nberufenen Musik-Direstors Karl Müller der Musik-Di-\nrector J. O. Grimm aus Göttingen getreten war, welcher\nmit der Leitung der Fest-Aufführung seine neue Wirk-\nsamkeit im hiesigen Musik-Vereine begann.\nZur Aufführung kam Haydn's „Schöpfung\". Die\nWahl dieses Meisterwerkes wird sich stets und überall der\nZustimmung aller derer erfreuen, die für classische Musik\nein sich hingebendes Ohr und Herz haben. Sie fand auch\nhier, obwohl in früheren Jahren mannigfach getroffen,\nwiederum allgemeinsten Beifall. Und in der That, wer\nvermag alle die Schönheiten dieses ewig frischen Werkes\nzu zählen, welche in dem treffenden Ausdrucke der Reci-\ntative, in den reizenden Melodieen seiner Arien und En-\nsemble-Stücke, in dem Schwünge und der Pracht der\nChöre, in den wunderbaren Effecten der Orchester-Partie\nenthalten sind! Es erfüllt dabei stets von Neuem mit Be-\nwunderung, wenn man den begränzten Inhalt des der\nComposition zum Grunde liegenden Gedichtes, welcher\nsich, die lyrisch-dramatische Partie des Adam und der Eva\nim dritten Theiie abgerechnet, für die Einzel-Stimmen auf\ndie Darstellung und Betrachtung des Schöpfungswerkes,\nfür den Chor auf das Lob des Schöpfers beschränkt, mit\ndem grossartigen Beichthum der musicalischen Erfindung\nvergleicht, welcher in jeder Nummer dieses unvergleichli-\nchen Werkes niedergelegt ist. Von sä amtlichen Chören,\nacht an der Zahl, hat jeder nur denselben poetischen In-\nhalt: „Des Schöpfers Lob\", und mit welcher Mannigfal-\ntigkeit des musicalischen Ausdrucks sind alle einzelnen be-\nhandelt! Gewiss, so wenig ein Apoll von Belvedere und\neine mediceische Venus aufhören werden, Schönheits-Ur-\nbilder plastischer Kunst zu sein, eben so wenig wird Haydn's\n„Schöpfung\" trotz aller Zukunft veralten.\nAn der Aufführung betheiligten sich ein Chor von\n135 Vereins-Mitgliedern und ein Orchester von 20 Violi-\nnen, 6 Violen, 7 Cello's, 4 Contrabässen, 16 Bläsern und\n1 Pauker. Der erstere zeichnete sich durch schönen Klang\nder Stimmen und in allen Chören durch präcises, festes\nEinsetzen aus. Den zarten sowohl als den kräftigen Bewe-\ngungen war überall die Sangeslust und das Erfülltsein von\nder Schönheit dieser Chöre anzuhören. Das Orchester ent-\nfaltete in der Begleitung der Recitative fast durchgängig\neine vortreffliche Zartheit und Präcision, bei den Chören\nüberall Kraft und Sicherheit. Besondere Erwähnung ver-\ndienen in der Begleitung der betreffenden Solo-Partieen\nder schöne, weiche und zarte Ton der ersten Flöte und\ndes ersten Horns. Von den Solisten sang Fräulein J. Ro-\nthenberger aus Köln die Sopran-Partie des Gabriel und\nder Eva. Fräulein Rothenberger besitzt eine klare, wohl-\ntönende, besonders in der Höhe sehr ansprechende Stimrhe\nund eine sehr gute Ausbildung. Ihre Intonation ist sehr\nrein, die Aussprache deutlich und schön und der Vortrag\nvoll Leben und Seele. Von feiner Auffassung zeugte insbe-\nsondere der ruhige und gehaltene Vortrag der Parlieen\ndes Gabriel im ersten und zweiten Theiie im Gegensatze\nzu dem dramatisch belebten Vortrage der Partie der Eva\nim dritten Theiie. Herr R. Otto, Domsänger aus Ber-\nlin, sang die Partie des Uriel. Herr Otto ist ein hervorra-\ngender Oratorien-Sänger. Er verbindet mit einem sehr\nschönen, weichen Tone, der vom leisesten Piano bis zur\nhöchsten Stärke in gleicher Reinheit und Schönheit aufs\nleichteste anspricht, einen vollendeten Vortrag, in welchem\nsich mit der klarsten, edelsten Aussprache seelenvoller Aus-\ndruck, frei von aller Sentimentalität, verbindet. Die Arie\n„Mit Würd' und Hoheit angethan\" wurde von ihm hin-\nreissend schön vorgetragen. In der ersten Strophe fanden\ndie würdevollste Einfachheit und Ruhe, in der zweiten gei-\nstige Erregtheit, in der dritten die lieblichste Zartheit den\nentsprechendsten Ausdruck. Diesen bedeutenden Sänger\nzu hören, war ein grossartiger Genuss. Die Bass-Partie\ndes Raphael trug Herr Hof-Opernsänger J. Schott aus\nHannover vor. Derselbe besitzt eine kolossale Stimme. Die\ngrosse Bewegtheit und das dramatische Leben, welche von\nihm in den Ausdruck gelegt wurden, waren wohl dem\nCharakter seiner Partie nicht ganz entsprechend. Der\n(Zwr-Schluss der D-moll-\\v\\e, des ersten Theiles von „Leise\nrauschend gleitet fort\" an wurde jedoch sehr schön vorge-\ntragen.— Herr Karl Leesemann, ein hiesiger Dilettant,\nsang die Partie des Adam mit angenehmer, reiner Stimme\nund gutem Vortrage.\nIn der Leitung des Ganzen bewährte sich Herr Mu-\nsik-Director Grimm als ein tüchtiger Dirigent. Die Tempi\nwurden in angemessenster Art, in keiner Weise übertrie-\nben, genommen, alle feinen Nuancirungen des herrlichen\nWerkes kamen sauber und rein zu Gehör, und lebendige\nFrische und seelenvoller Schwung durchzog das Ganze.\nUeber die VortrefFlichkeit der Aufführung herrscht nur\nEine Stimme; auch erging sich das zahlreiche, sonst zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.6", "texte": "Applausen nur sehr seilen hinzureissende Auditorium in\nden reichsten Beifallsbezeigungen.\nDieser Anfang der neuen Periode unseres musicali-\nschen Lebens unter der Leitung des Herrn Grimm stellt\nden Erfolgen des neuen Dirigenten das günstigste Progno-\nstikon. Möge auch die Einstimmigkeit, mit der er hieher\nberufen, und die Freundlichkeit, mit der er empfangen\nwurde, ihm selbst dafür eine Gewähr sein,\n\nViertes Gesellschafts-Concert in köht\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 4. December 1860.\nProgramm. Erster Theil. 1. Sinfonie Nr. IV. in B-dnr von\nNiels W. Gade. 2. Hymne für Sopran-Solo mit Chor und Or-\nchester von F. Mendels sohn-Bartholdy (Solo: Fräul. Emil.\nGenast). 3. Concertante in A-dur für zwei Violinen von L. Spohr\n(die Herren Gebrüder Alfred und Henry Holmes aus London).\nZweiter Theil. 4. Concert-Ouverture von C. Jos. Bram-\nbach (zum ersten Male). 5. Arie: „Das Täubchen klagt® (as when\nthe dove) aus „Acis und Galatea® von G. F. Händel (Fräul, Ge-\nnast). 6. ftlorceau romcintique für Violine und Orchester von H.\nHolmes, vorgetragen vom Componisten. 7. „Zigeunerleben* von\nE. Geibel, componirt von Kob. Schumann. 8. Larghetto für zwei\nViolinen aus dem Duett Nr. X. von L. Spohr (A. und H. Hol-\nmes). 9. Ouvertüre zu Leonore von L van Beethoven.\nEtwas bunt; indess nach dem ausschliesslichen Programm des\nletzten Concertes (Beethoven's Messe in D und Sinfonie in C-moll)\nfür die hohe Musik-Aristokratie musste man auch einmal wieder in\ngemischte Gesellschaft geführt werden. Es klingt vielleicht sonder-\nbar, wenn wir die Meinung aussprechen, dass die Localität zum\nErfolg der Concertmusik beitrage, ja, ihn mit bedinge, und doch ist\nes wahr. In einem so kolossalen und prachtvollen Saale wie der\nGürzenichsaal kam uns, mit Ausnahme der Ouvertüre von Beetho-\nven, alles Andere wie recht artige Salonmusik vor, von der Gade'-\nschen Sinfonie bis zu Schumann's „Zigeunerleben® und Spohr's Lar-\nghetto. Dieses Larghetto trugen die Gebrüder Holmes ganz vor-\ntrefflich vor, und es erwarb ihnen mit Recht den lebhaftesten Ap-\nplaus und Hervorruf. Ihre übrigen Leistungen überschritten nicht\ndas Maass eines guten Vioünspiels, wie man es heutzutage häufig\nhört, und am Ende in der nächsten Nähe noch besser hat, nament-\nlich wräs Ton und breiten Stil betrifft. Die Composition des jünge-\nren Herrn Holmes, ein kurzer Satz, eine Art Capriccio, dessen Cha-\nrakter mit der Benennung romcintique sehr wenig übereinstimmt, ist\nals Salonstück nicht übel, sprach jedoch nicht allgemein an.\nBeim Anhören von Mendelssohn's Hymne (? Es ist keine Spur\neines Hymnus in dem Gedichte, das die Bitte und Klage einer von\nFeinden bedrängten Jungfrau Zion? enthält) fällt einem auch\ndas luterdum dormilcit Homerus ein ; nur die Composition der letzten\nStrophe und der Schluss erinnern an die besseren Werke des Mei-\nsters. Fräulein Genast sang diesen letzten Theil recht gut, wäh-\nrend zu dem Ausdruck der leidenschaftlicheren Gefühle Kraft und\nSchwung der Stimme fehlte. Dagegen befand sie sich bei dem Vor-\ntrage der lieblichen Arie der Galatea aus Händel's Schäferspiel\n(1720 zu Cannons bei London auf englischen Text des Dichters Gay\ngeschrieben) ganz in ihrem Genre und ärntete lebhaften Beifall.\nDie Orchestersachen wurden alle recht gut ausgeführt, namentlich\ndie grosse Leonoren-Ouverture, ein Paradestück unseres Orchesters.\nAuch die niedliche Sinfonie von Gade wurde sehr hübsch gespielt,\nund Schumann's „Zigeunerleben® gefiel mit Recht ganz ausserordent-\nlich. Die Concert-Ouverture von C. Joseph Brambach erhielt\neinen Succes d'estime, den sie durch Fluss der Arbeit, harmonische\nKlarheit und gewandte Formenbeherrschung vollkommen verdiente.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSSoaiti« Das zweite Abonnements-Concert unter Lei-\ntung des städtischen Musik-Direetors Herrn Alb. Dietrich brachte\nam 28. November Cherubini's Ouvertüre zum Wasserträger und\nMendelssohn's Sinfonie Nr. 111. in A-moll, beide in gelungener,\nerstere in vorzüglich gelungener Ausführung. Fräulein F. Schreck\nsang eine Arie mit Chor: „In süsser Harmonie vereint'4 (Daniel =\nAlt) aus Händel's Oratorium Saul mit klangvoller Stimme und\ngutem Ausdruck; die Composition wenigstens so vereinzelt ge-\nhört hat uns nicht so angesprochen, wie wir erwarteten. Der\nGlanzpunkt des Abends war der Vortrag des Violin-Concertes von\nBeethoven und einer Phantasie von Spohr für die Violine über\nMotive aus Jessonda durch Herrn Concertmeister August Köm-\npel aus Hannover. Herr Kömpel bewährte vollkommen den grossen\nRuf, den er durch sein grossartiges breites Spiel, dessen Fundament\ndie Schule seines Meisters Spohr ist, bereits in Deutschland, so wie\nin den Weltstädten Paris und London sich erworben hat. Bei der\nOrchesterbegleitung des Concertes von Beethoven wurde zuweilen\nein Zurückhalten und Schleppen bemerkt, welches bei der Beglei-\ntung eines Solospielers am wenigsten an seiner Stelle ist.\nCoMeaiz. Das .Musik-Institut unter Leitung des könig-\nlichen Musik-Directors Herrn Lenz veranstaltete am 30. November\nsein zweites Abonnements-Concert Eröffnet wurde es durch\ndie Sinfonie Nr. VII. in A-dur von Beethoven und beschlossen\ndurch die Ouvertüre zur Euryanthe von C. M. von Weber. Beide\nOrchesterwerke wurden recht gut ausgeführt. Herr Concertmeister\nMaximilian Wolff aus Frankfurt a. M. trug das Adagio und\nRondo aus Vieuxtemps' E-dur-Concert, eine Romanze in G-dur\nfür Violine von Beethoven und Paganini' s (oder Ernst's ?) Car-\nneval von Venedig vor und ärntete besonders durch die zwei letzten\nStücke grossen Applaus und Hervorruf. Für Gesang hörten wir den\nVortrag der Bass-Arie: rHerr, sei mir gnädig!8 aus Mendels-\nsohn's „Paulus® und zwei neue Compositionen von M. H. Hau-\nser für Chor und Orchester: „Frühlingslied* von Fr. Reinick und\n„Schneeglöckchen\" von Fr. Riickert, welche sehr ansprachen.\n££ei*iin. Bei der Menge der Theaterabende muss man sich\nglücklich schätzen, den ersten oder zweiten Theil eines der Statt\nfindenden Concerte anhören zu können. Leiden sie in diesem Jahre\ndoch auch mehr denn je unter der ringsum herandrängenden Con-\ncurrenz. Wenn es wahr ist, dass an der Gründung eines zehnten\nTheaters auf dem Köpnicker Felde gearbeitet wird, so würden wir\ngleich rathen, die Sing-Akademie oder das Schauspielhaus mit sei-\nnem renommirten Concertsaale auf den Abbruch zu verkaufen und\ndie Baumaterialien so bald als möglich auf den neuen Kunstschau-\nplatz hinaus zu fahren. Zum Glück stehen beide Bauwerke noch,\nund in ersterem gab Herr Wilhelm Langhaßs am Freitag ein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.7", "texte": "Concert mit Ausschluss der Oeffentlichkeit, d. h. der bezahlenden\nZuhörer. Herr Langhans ist ein Hamburger und hat seine gründ-\nlichen Studien auf dem Conservatorium £u Leipzig gemacht* Als\ndem Kinde - einer eingefleischten Handelsstadt mag es ihm nicht\nleicht geworden sein, dem Comptoir zu entwischen und in den Con-\ncertsaal zu gelangen, und doch bedarf die Kunst so nothwendig der\nLeute, die sie nicht des Brodes wegen zu treibeu brauchen. Der\nConcertgeber bewies gleich durch seine erste Leistung, einen von\nihm componirten und ausgeführten Concertsatz, dass er wohl gethan\nhabe, das Zahlbrett mit dem Griffbrett, das Schreibpult mit dem\nNotenpult zu vertauschen. Er ist ein tüchtiger Geiger von gründli-\ncher Schule und trug seine nicht zu ihrem Nachtheil an die Schreib-\nart Felix Mendelssohn's erinnernde, fein instrumentirte Arbeit mit\nFertigkeit und Geschmack vor. Die Liebig'sche Capelle und Fräulein\nBertha Walseck aus Köln unterstützten ihn, jene mit gewohnter\nSicherheit, diese mit einer ihrem wohllautenden Organe nicht förder-\nlichen Befangenheit in einer Arie aus Mozart's Figaro. Die über-\nwiegend aus einem kunstgebildeten, eingeladenen Publicum beste-\nhende Versammlung folgte den Vorträgen mit Antheil und lautem\nBeifall. («E. K o s s a k.)\n• /\nUnser erstes Vereins-Concert fand am 23 No-\nvember im grossen Saale des Curhauses Statt. Der Cäcilien-Verein\nbrachte in Verbindung mit dem Theater-Orchester unter Hagen's\nLeitung Mendelssohn's „Paulus* das vollständige Oratorium\nzu Gehör. Die Aufführung war im Ganzen eine gute und im All-\ngemeinen zufriedenstellende, wenn auch nicht in allen Theilen cor-\nrecte. Die Tempi schienen mit wenigen Ausnahmen ein wenig zu\nschnell genommen. Ein Dirigent der Oper sollte nur mit grosser\nRuhe an die Leitung von Oratorien-Musik gehen. Die Orchester\nnehmen es mit den Schwierigkeiten derselben ebenfalls nicht genau\ngenug; sie spielen eben Alles aufs glatteste herunter. Punktirte No-\nten wie °^er J. J* wurden meist J\"j oder J J gespielt und\ngesungen. Unter den Solo-Partieen war der Tenor mit Herrn Schnei-\nder am genügendsten besetzt. Das Orchester erlaubte ihm indess\nsehr ungern und selten so viel Freiheit, um „singen\" zu können.\nHerr Simon, unser geschätzter Baritonist, sang den „Bass*. Die\nPartie wurde nicht sehr correct von ihm gesungen ; überall blickte\nUnsicherheit durch. Fräulein Bork, eine hier neu engagirte Sän-\ngerin an Stelle der zum Bedauern vieler Opernfreunde von hier\nnach Breslau abgegangenen Fräulein Zirndorfer hat eine geringe\nund zu sehr gepresste, unsichere Höhe, ist noch ungewöhnlich starke\nAnfängerin und entledigte sich ihrer Sopran-Partie im „Paulus* auch\nnur unter dem steten Einflüsse dieser Tliatsachen, Fräulein Schön-\nchen hatte den Alt übernommen. Ton, Ansatz und Sicherheit qua-\nlificiren sie zu dergleichen kleinen musicalischen Leistungen hin-\nreichend.\nAm 12 November eröffneten die Herren Balde neck er,\nScholle, Wagner und G r imm ihren alljährlichen Cyklus von\nSoireen für Kammermusik. Die erste Soiree brachte den Freunden\ndieser Musikgattung ein Quartett von Haydn (G~diw), ein anderes\nvon Mozart (F-där) und von Op. 18 das in C-moll von Beethoven.\nMan kann den Herren Veranstaltern das unbestrittene Zeugniss ge-\nben, dass ihr einheitliches, durchdachtes Spiel unserer Meisterwerke\nin diesem Genre ein ernstes Studium derselben voraussetzen lässt.\nDer Besuch der Quartette nimmt mit jedem Winter zu» W. W.\nVerflossenen Samstag waren die Vertreter der\nvier zum mittel rheinischen Musikverbande gehörigen Städte\n(Darmstadt, Mainz, Mannheim und Wiesbaden) in Mainz versammelt,\num, da der Turnus zu Ende ist, über Fortbestand dieser Feste, die\nArt ihrer künftigen Abhaltung, beziehungsweise Durchsicht der\nSatzungen, sich zu berathen. Darmstadt, als diejenige Stadt, in wel-\ncher das nächste Fest Statt zu finden hätte, erklärte sich ausser\nStande, im nächsten Jahre ein solches Fest bei sieh abzuhalten, da\nihr die frühere Räumlichkeit nicht mehr zu Gebote stehe, die zwei-\nfelhafte politische Weltlage auch eine Verlegung auf 1862 wün-\nschenswerth erscheinen lasse. Mannheim unterstützte diesen Antrag,\neben so Wiesbaden, wonach- also der Beschluss gefasst wurde, im\nJahre 1861 kein solches Musikfest abzuhalten. Die Frage, ob über-\nhaupt nur alle zwei Jahre ein solches Fest abzuhalten wäre, wurde\nbis auf die Besprechung im nächsten Sommer vertagt. Voraussicht-\nlich wird dies aber wohl zum Beschlüsse erhoben werden, da bei\njährlichen Festen die einzelnen Städte zu häufig an die Reihe kä-\nmen. Es hat sich (nach der Bad. Lz ) gezeigt, dass diese Feste stets\nzwischen 13—15,000 FL Kosten verursachen, den einzelnen Städten\ngrosse Opfer auferlegen und stets mit einem Ausfalle von einigen\nTausend Gulden schliessen. Angesichts dieses wird wohl eine Ver-\neinfachung derselben in Antrag gebracht werden, die auch sehr\nzweckdienlich wäre und namentlich auch einen Zudrang von so ge-\nnannten activen Theilnehmern verhinderte, die mehr des Vergnügens\nhalber als des musicalischen Mitwirkens wegen beitraten. Em fer-\nnerer Umstand, der zu berücksichtigen wäre, ist der, dass die ein-\nzelnen Vereine durch alljährlich wiederkehrende Feste zu sehr von\nihrem eigentlichen Zwecke abgezogen werden, indem der Winter\nmeistens dazu benutzt werden muss, um die zum Feste bestimmten\nTonstücke einzustudiren, Stücke, die sehr häufig nicht für die ge-\nringeren Kräfte vieler Vereine passen. Ein zweijähriger Turnus wird\neinem solchen Missstande wohl am besten abhelfen.\nAnf. November. Wie seit vielen Jahren, ging auch\nder Tag des Reformationsfestes (4. Nov.) mit Abhaltung eines Con-\ncertes im Saale der goldenen Traube zu Ende, und war der Veran-\nstalter desselben unser talentvoller Karl Kammerlander, dessen\nanerkennenswerthe Bestrebungen schon aus dem Programm zu er-\nkennen sind, welches nur zwei Piecen an seiner Stirn trug; die erste\nwar Beethovcn's Z>-J«r-Sinfonie, welche unter Kammerlander's\nLeitung von einem ansehnlich besetzten Orchester eben so kraftvoll\nals fein nuancirt durchgeführt, auf die Zuhörerschaft einen erheben-\nden Eindruck zu machen nicht verfehlt hat. Die zweite Piece war\neine vom Concertgeber componirte und zum ersten Male aufgeführte\nCan täte, , Ein SommertagGedicht von Hertie, welche pracht-\nvolle Chöre und äusserst anmuthige ein- und mehrstimmige Sologe-\nsänge enthält. Die Soli wurden von den Fräulein Brenken und\nWiir s t und von den Herren Lenk, Vogelsb erger und Bosch\ntrefflich vorgetragen, und wirkte der aus mehr als 200 Individuen\nbestehende Chor mit wahrhaft imponirender Gewalt und Präcision.\n(Allg. Ztg)\nIsWlest. Das erste Gesellsehafts-Concert brachte Schumann1 s\n„Manfred® zum zweiten Male, und zwar im Ganzen in vorzüglicher\nWeise. Wir müssen dies um so entschiedener anerkennen, als Herr\nDirector Herbeck aus verschiedenartigen Elementen ein neues Or-\nchester zusammengesetzt hatte und die Schwierigkeiten der Schu-\nmann'schen Musik keine geringen sind. Auch dey freilich wenig be-\nschäftigte Chor hielt sich wacker, und die Soli waren mit Ausnahme\nder weiblichen Stimmen gut besetzt. Was nun die Wirkung des\n-Manfred\" betrifft, so wurden selbstverständlich die Ouvertüre, die\ni\nErscheinung der Alpen-Fee, der Chor der Geister Ariman's und eini-\nges Andere mit vielem Beifall aufgenommen. Anderes, wie die mei-\nsten Vocalsachen, konnte keinen Eindruck machen, ja, wir möchten\ndiese Stücke selbst als verfehlt bezeichnen und können sie weder\nschön noch charakteristisch finden. lm Ganzen glauben wir der\nMeinung Tieler Musikfreunde Ausdruck zu geben, wenn wir sagen,\ndas» ein Concert, in welchem die eine Hälfte mit Declamation, die\nandere mit Musik ausgefüllt ist, von welcher letzteren aber der\ngrössere Theil nur aphoristisches oder melodramatisches Gepräge\nträgt, keinen yollkommenen Eindruck zurücklassen kann. Wir selbst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601208-01.1.8", "texte": "hätten, obwohl das Concert nahezu zwei Stunden dauerte, gern noch\neine Sinfonie gehört, um einen rein musicalischen Eindruck mit fort-\nzunehmen. Mögen Andere in dem Hereinziehen von Declamation\n(die hier freilich unentbehrlich) eine Bereicherung und willkom-\nmene Abwechslung finden, wir, vom musicalischen Gesichtspunkte\nausgehend, können darin nur eine Beeinträchtigung erblicken,\ndie selbst durch einen so vortrefflichen Vortrag wie der des Herrn\nLewinsky, der das verbindende Gedicht von Kürnberger\nsprach, nicht unfühlbar gemacht wird. Wenn unsere Empfindung\nrichtig ist und somit auch in weiteren Kreisen zum Durchbruch\nkommen wird, so dürfte der ..Manfred-', trotz seiner theilweise herr-\nlichen Musik, als eine Concert ausfüllende Nummer sich nicht lange\nerhalten, und die Forderung entschiedener hervortreten, dass der\nText gekürzt, eine Anzahl musicalisch gar zu geringfügiger, mehr\nfür die wirkliche (freilich kaum ausführbare) Darstellung des By-\nron1 sehen Manfred berechneter Nummern weggelassen und datür\nnoch eine Sinfonie ins Programm genommen werden sollte. Damit\nwürde das wahrhaft Schöne in dieser Schumann'schen Musik dem\nPublicum sicherer erhalten bleiben, als durch die jetzt beliebte Art\nder Aufführung. (D. Musik-Ztg.)\nIn Betreff des Widerspruches, der sich früher durch die entge-\ngengesetzten Mittheilungen ergab, dass die Fisch h o f' sehe Biblio-\nthek an die königliche Bibliothek in Berlin verkauft sein sollte,\nwährend von einer leipziger Buchhandlung die öffentliche Versteige-\nrung derselben angekündigt wurde, können wir jetzt aus bester\nQuelle mittheilen, dass es mit dem Ankaufe durch jene Hof-Biblio-\nthek seine Richtigkeit hat und die Versteigerung nur die von der-\nselben hintangegebenen Doubletten betrifft.\nIn der ersten diesjährigen Novitäten-Soiree bei dem Musicalien-\nhändler Herrn C. Haslinger soll eine Suite für Pianoforte allein\nvon W. Bargiel, welche demnächst im obigen Verlage erscheinen\nwird, am meisten angesprochen haben.\nDie Faust-Ouverture von ß. Wagner, in Leipzig dem Gewand-\nhaus-Publicum vor Kurzem vorgeführt, vermochte keinen grösseren\nErfolg zu erringen als bei früheren Aufführungen."}]}