{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-12-22-01", "volume": "bmtnabi_1860-12-22_01", "ocr_sha256": "8ac7637c337aafb55c138218fb1e51e46c6fa9f20ac2b9eca039fead4e7f5999", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/12/22_01/bmtnabi_1860-12-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 277, "texte": "Inhalt.\n«elkohaft r f\"nn\"';Mg a\" Cari ,MarU VOn Weber\" Zu dessen Gedächtnissfeier am 18. 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Bischoff.\nEs wälzen sich heran die dunkeln Wogen,\nWie sturmgehoben, auf der Töne Meer:\nDoch plötzlich wölbet sich ein Friedensbogen\nIn lichtem Farbenkreise drüber her.\nUnd siehe! seines milden Glanzes Strahlen,\nAls süsse Melodieen leuchten sie;\nWas auch das Herz durchtobt in wilden Qualen,\nEs lös't sich auf in sanfte Harmonie.\nUnd bei der Töne wunderbarem Rauschen\nSteh'n wir erstaunt und halten, still entzückt,\nDen leisen Athemzug gebannt, zu lauschen\nDem, was die Seel' in holdem Wahn beglückt.\nUnd fragt Ihr nach der Heimat der Gesänge?\nKennt Ihr ihn nicht, des Meisters Zauberstab?\nKein irdisches Geschenk sind diese Klänge,\nVom Himmel zog er sie zu uns herab!\nWas glänzt durch Nacht? Seht Ihr die schwarzen\nScharen?\nAuf Rossen stolz die Reiter ragen empor!\nDas Vaterland, die Freiheit uns zu wahren,\nBricht „Lützow's wilde, verwegene Jagd\"\nhervor!\n. „Das Volk steht auf\" „Du Schwert an meiner\nLinken\"\nDas wird der deutschen Jugend Brautgesang!\n»Der Sturm bricht los\" —Voran! die Waffen blinken,\nUnd Lied und Schwert, sie feiern Siegesklang."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4325, "texte": "Ob auch verrauscht die kriegerischen Töne,\nDie einst ein grosses Sängerherz erschuf,\nBegeistern werden sie Germania's Söhne,\nSo oft erschallt des Vaterlandes Ruf.\nIhm aber brachte nicht der holde Friede\nDen Lorber nur: daheim zum stillen Glück,\nDas er so oft, so tief ersehnt im Liede,\nKehrt er an treuer Liebe Brust zurück.\nDa schuf er jene lieblichen Gestalten,\nGebilde einer reichen Phantasie,\nDie ihnen mit des Genius Gewalten\nDer Töne zauberische Hülle lieh!\nWohl haben wir in manchen schönen Stunden\nDer Liebe Seligkeit, der Trennung Schmerz,\nDer Unschuld Gottverlrauen mitempfunden,\nWie Euryanthens, wie Agathens Herz.\nWem einst, von ahnungsschwerer Nacht umgeben,\nDer süsse Trost erklang, ein Sonnenblick\nDurch Wolken: „0, lass' H offnung dich beleben,\nVertraue du, vertraue dem Geschick!\"\nDer hört in seiner Seele stillen Räumen\nNoch oft im Leben jener Töne Klang,\nUnd zu den glaubensvollen Jugendträumen\nFührt' ihn zurück der himmlische Gesang.\nDoch schaut! Dort in des Waldes grünen Hallen\n„Die Thale dampfen, die Höhen glüh'n!\" Im\nChor\nHört Ihr den Klang der Hörner froh erschallen\nZum lauten Ruf: „Ihr Fürsten der Waldung\nhervor!\"\nDa hebt ein frischer Hauch zu kühnem Wagen\nDie kräft'ge Mannesbrust: es steigt der Muth,\nEr trotzt, umringt von schauerlichen Sagen,\nDem wilden Heer und einer Hölle Gluth.\nDoch jetzt! Seht Ihr's auf Blumenkelchen\nschweben?\nSich wiegen auf tiefblauer Meeresflut?\nEin neues wunderholdes Zauberleben\nIm Mondenschein auf Flur und Wellen ruht.\nEs senken sich herab an schwanken Zweigen\nAetherische Gebild' aus Därnmerluf»,\nUnd horch!—der Nacht geheimnissvolles Schweigen\nDurchwehet leiser Töne Blüthenduft.\n(Gesang: Chor der Elfen aus Nummer 2.)\nAch! unter diesen Bildern, diesen Tönen\nVergisst der Zaub'rer selber seine Macht:\nEr schlummert ein. Zum Reich des ewig Schönen\nZiehVsie empor ihn aus der Erdennacht.\nSie tragen ihn auf ihren gold'nen Schwingen\nHinauf zu Seiner wahren Heimat hin:\nUnd den erwachend Seligen umklingen\nDie himmlischen und seine Harmonie'n.\n—Wir aber flechten seine holden Lieder\nZu einem unverwelklich grünen Kranz,\nUnd senken auf sein Haupt ihn freudig nieder,\nUmstrahlet von des ew'gen Ruhmes Glanz!\nEs naht der Genius wieder, Dich zu krönen,\nDer lächelnd einst an Deiner Wiege stand;\nUnsterblich lebst Du fort in Deinen Tönen,\nUnsterblich Deinem deutschen Vaterland!\nDas Concert am 18. December, dem Geburlslage\nC. M. v. Weber's, wurde mit der Ouvertüre zum „Be-\nherrscher der Geister\" eröffnet, einem Werke aus We-\nber's Jünglingsjahren, das er zu der Zeit schrieb, als er in\nBreslau die Stelle eines Musik-Directors bekleidete (1804\nbis 1806). Sie war für die Oper „Rübezahl\" bestimmt,\nderen Text Professor Rohde dem Componisten geliefert\nhatte. Die Composition ist jedoch nicht vollendet worden;\nein Quintett daraus, das gedruckt sein soll, ist uns bis jetzt\nunbekannt geblieben. Wenn die Ouvertüre auch hinter\nden meisterhaften Arbeiten Weber's in derselben Gat'ung\nzurücksteht, so bleibt sie doch immer ein Musikstück, das\nsich weit über die Mittelmässigkeit erhebt und durch einen\ngewissen Schwung der Ideen und mit Bewusstsein gewählte\nContraste das keimende Genie verräth, das sich später so\nglorreich entfaltete.\nHiernach brachte das Programm zur Vertretung der\nBedeutung Weber's als Clavier-Componist und Ciavier-\nspieler das Concertstück mit Orchester und das\nRondo, Op. 62, beide vortrefflich vorgetragen von Herrn\nMusik-Director Eduard Franck aus Bern, unserem frü-\nheren Mitbürger, dem bei der stets lebhaften Erinnerung\nan seine Wirksamkeit am hiesigen Conservatorium und für\ndie Musik-Zustände Kölns überhaupt der lauteste und herz-\nlichste Ausdruck der Sympathieen zu Theil wurde, die er\nals Künstler und Mensch sich hier gewonnen hat. Ausser\nden Vorträgen im Concerte wollen wir noch besonders\nden hohen Genuss erwähnen, den er uns in der letzten\nSitzung der musicalischen Gesellschaft am 15. d. Mts. durch\nden Vortrag des Clavier-Concertes von J. S. Bach in\nmoll bereitete, in dessen erstes Allegro Herr Franck eine\nCadenz einlegte, welche in beiderlei Hinsicht, d. h. in stil-\nhafter Composition und meisterhafter Ausführung die höch-\nsten künstlerischen Forderungen befriedigte.\nZwischen den beiden Ciavierstücken sang Fräul. Ge-\nnast zwei Lieder von Weber: „Wenn's Kindlein süssen\nSchlummers Ruh'\", und: „Unbefangenheit\"; das letztere"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2302, "texte": "trug sie besonders reizend vor, wie es denn als Compo-\nsition auch zu den anmuthigsten Liedern der überreichen\nLiteratur dieser Gattung gehört und durch seine natürliche\nCharakteristik alle modernen Künsteleien, die ihm ähn-\nlich sein wollen, überragt.\nNach dem Clavier-Rondo folgte die Zusammenstellung\naus der Oper Oberon. Nach einer schwungvollen Aus-\nführung der Ouvertüre sprach Fräulein Amalie Rott-\nmeyer, eine jugendliche dramatische Künstlerin, Mitglied\ndes hiesigen Theaters, das obige Gedicht, in welches an\nder angegebenen Stelle der Elfenchor (Introduction Nr.\n2) aus F-dureintrat. Nach dem Schlüsse der Declamation\nwurden noch der Männerchor Nr. 8, die Arietta\n„Arabiens einsam Kind\" Nr. 10 und das Finale des\n%\nzweiten Actes, das mit dem Gesänge der Meermädchen be-\nginnt, recht schön ausgeführt; besonders zeichnete sich der\nChor durch Genauigkeit und zarten Vortrag der duftigen\nGesänge aus.\nDie zweite Abtheilung des Concertes füllte die Musik\nzu dem Schauspiel Preciosa, welche Weber selbst in\neinem Briefe an einen seiner Freunde als einen würdigen\nVorläufer zu seinem „Freischütz\" betrachtete. Die erste\nAufführung fand am 14. März des Jahres 1820 in Berlin\nStatt und erregte einen wirklichen, nicht etwa den heut-\nzutage beliebten Zeitungs-Enthusiasmus. Das Charakteristi-\nsche dieser Musik, die frische Natürlichkeit des Chorgre-\ni o\nsangs, die wunderbar schönen Melodieen der Melodramen\nund der Romanze, die reizende, mit solcher Einfachheit\nder Mittel seit Mozart nicht gehörte Instrumentirung\nalles das verfehlte auch im Concertsaale, fern von allen\nIllusionen der Bühne, noch heute seine Wirkung nicht,\nsondern entzückte und begeisterte die Zuhörerschaft, zumal\nda man auf den Theatern wohl nirgends die Chöre mit so\nfrischen, jugendlichen Stimmen besetzt hört, wie sie unsere\nhiesigen Concertkräfte bieten.\nFräulein Rottmeyer sprach die melodramatischen\nScenen mit tiefem Gefühl, das in Verbindung mit einer\nanmuthigen Erscheinung seinen Eindruck nicht verfehlen\nkonnte. Das Gedicht von C. 0. Sternau (Inkermann),\ndas die Handlung des Schauspiels in recht gelungener\nWeise darlegt und die verschiedenen Musikstücke zu\neinem Ganzen verbindet, wurde von Herrn Laddey mit\nVerständniss und mit einem durch ein klangvolles Organ\nunterstützten ausdrucksvollen Vortrage gesprochen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "411", "page_fin": "416", "image_debut": 3, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.2.3", "titre_corps": "Ludwig Rellstab.", "titre_sommaire": "Ludwig Rellstab.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.3", "debut_caractere": 2304, "fin_caractere_exclue": 5084, "texte": "Ludwig Rellstab.\nDie Stellung, welche Rellstab's Wirksamkeit in den\nweitesten Kreisen der belletristischen Literatur einnimmt,\nwird von dem in das Einzelne eingehenden Biographen\ngewürdigt werden; uns kommt es darauf an, den Einfluss\nzu beleuchten, welchen seine Thätigkeit auf die künstleri-\nschen Bildungs-Zustände Berlins ausgeübt hat. Denn mit\nihm ist ein hervorragendes geistiges Element hiesiger\nVerhältnisse erloschen, in ihm besassen wir Jahrzehende\nhindurch den Förderer aller Anregungen, aus denen sich\ndie Kunstbildung entwickelte oder läuterte, den Vertreter\ndes allgemeinen Urtheils über dieselbe. Einem Manne, der\nim Stande war, die Ansichten der Menge zu lenken und\nan sein Wort zu bannen, muss eine Kraft zu eigen gewe-\nsen sein, die sich ihrer Wirkung auf das bestimmteste be-\nwusst ist, und die um so mehr ins Gewicht fällt, als sie\nnicht willkürlich überreden\" darf, sondern das selbststän-\ndige Urtheil herausfordert.\nNächst dem Talente, das unter allen Verhältnissen sei-\nnen eigenen Weg geht, wird der Bildungsgang, den Lud-\nwig Bellstab's Leben genommen, diese seine Bedeutung\nwesentlich erklären. Die Jahre seiner Kindheit und Jugend\nwurzeln in der Zeit reicher Ideen und begeisternder That-\nkraft des deutschen Vaterlandes. Die classische Literatur\nwar eben in Fleisch und Blut der gebildeten Welt ge-\ndrungen, die Romantik trieb ihre üppigsten Blüthen; da-\nzwischen lagen im Volke die schroffen Gegensätze von\nSchmach und Erhebung alles anregende Momente, die\neiner eigenthümlichen und ausgeprägten jugendlichen Kraft\nfördernd zu Hülfe kommen mussten. Das Familienleben\nund die häuslichen Zustände, aus denen sich die ersten\nVorstellungen des Knaben herausbildeten, waren nächst-\ndem günstiger Art.\nUm die Zeit, als Ludwig Rellstab in Berlin geboren\nwurde (13. April 1799), besass sein Vater, ein Mann von\numfassender, insbesondere musicalischer Bildung, eine be-\ndeutende Buch-, Musikhandlung und Druckerei. In seinem\nHause fanden regelmässige Concerte mit vollem Orchester\nStatt, so dass der künstlerische Sinn des Sohnes an Wer-\nken von Sebastian, Emanuel und Friedemann Bach, Mo-\nzart und anderen Meistern geweckt wurde. Den Sommer\nüber hatte die Familie einen Landsitz im Thiergarten, des-\nsen damalige naturwüchsige Beschaffenheit unbehinderte\nSpielplätze darbot, dem poetischen Kindersinne aber die\nsüssesten Empfindungen entlockte. Rellstab's Mutter war\nein Vorbild edelster Weiblichkeit. Als er im Jahre 1821\neine Reise nach Weimar machte, empfahl ihn Zelter an\nGöthe „um seiner trefflichen Mutter willen, die er sehr\nlieb gehabt\". Auch die Anregungen, welche der Knabe\ndurch seine Spielgenossen, namentlich durch seinen Vetter\nWilhelm Häring (Willibald Alexis) empfing, mögen\nnicht ohne Einfluss auf die keimenden Fähigkeiten gewe-\nsen sein.\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5450, "texte": "Inzwischen gaben sich diese, wie wir aus den Selbst-\nbekenntnissen Rellstab's entnehmen, vornehmlich in der\nAnfertigung von Papp-Arbeiten, in der Beschäftigung mit\nFeuerwerkerei und Taschenspielerkünsten zu erkennen,\nund es ist ein interessantes Curiosum, dass der erste Auf-\nsatz, welchen Rellstab für die Vossische Zeitung schrieb,\neine Kritik über einen Taschenspieler war, der seine Vor-\nstellungen in der Nähe der elterlichen Wohnung im Thier-\ngarten gab. Rellstab stand damals in einem Alter von\nzwölf Jahren. Sein Vater, der als musicalischer Kritiker\nvon Zeit zu Zeit Arbeiten für die Zeitung lieferte, bestimmte\nden in seinen deutschen Sihul-Aufsätzen ziemlich ent-\nwickelten Knaben zu einem Berichte, der von dem dama-\nligen Redacteur, Professor Catel, freundlichst acceptirt\nwurde. Uebrigens sollen in der Schule die Leistungen des\njungen Schriftstellers nicht eben hervorragend gewesen\nsein, obwohl er auf dem Joachimsthafschen und dem Wer-\nder'schen Gymnasium, die er besuchte, sich berühmter\nLehrer, wie Bernhardi, Zumpt, Twesten, Lange,\nSpill ecke, zu erfreuen halte. Freilich waren jene Jahre\ndie der lebendigsten Theilnahme und Begeisterung für die\nSache des preussischen und deutschen Vaterlandes. Wenn\ndie Schüler der dritten Classe, welche schon im kampf-\nfähigen Alter standen, in ihren lateinischen Vocabeln aber\nziemlich schlecht bewandert waren, den jüngeren Genos-\nsen in glänzender Uniform gegenübertraten; wenn die Leh-\nrer, die diesen Schülern bisher nur Tadel zugewandt hat-\nten, ihnen jetzt die Hand zum Abschiede reichten und sie\nans Herz drückten, so mochte das wohl kein Mittel gewe-\nsen sein, den Geschmack der zurückbleibenden Kleinen\nam Curtius oder Julius Cäsar aufrecht zu erhalten. „Thrä-\nnen innerster Bewegung\", so erzählt Bellstab, „füllen mir\nnoch heute das Auge, wo ich mit ergrautem Haar, der\nNeige des Lebens nahe, diese Zeilen der Erinnerung nie-\nderschreibe an die schweren und doch so unvergesslich\nhohen Stunden der Jugend- und Knabenzeit!\" Dass die\ngrossen Ereignisse auf den Knaben nicht einen nur vor-\nübergehenden Eindruck machten, zeigte der bestimmteste\nEntschluss, in den Soldatenstand einzutreten. Sein Vater\ngerieth mit ihm darüber oft in heftigen Zwiespalt.\nAis indess der zweite Feldzug seinen Anfang nahm\nund der Vater inzwischen auf einem Spazirgange am\nSchlagilusse plötzlich gestorben war, konnte der sechszehn-\njährige Jüngling dem Drange seines Herzens nicht wider-\nstehen; Körner's Freiheitslieder mit Weber's kräftigen\nMelodieen schwirrten ihm im Kopfe herum; er meldete\nsich bei dem Colomb'schen Husaren-Regimente, wurde an-\ngenommen, aber nach dem ersten Dienste entlassen, weil\nsein schwaches Auge eine völlige Unbrauchbarkeit heraus-\nstellte. Seine Willenskraft war ausserordentlich, sie hatte\neinen Anflug von Eigensinn. Kr setzte bei seinem Vor-\nmunde durch, in die Kriegsschule eintreten zu dürfen, und\nes dauerte nicht lange, bis er zum Lehrer der Mathema-\ntik und Officier befördert wurde. Auf diese Weise hatte\nder strebsame Jüngling einen Anhaltspunkt für selbststän-\ndiges Wirken gewonnen, und es war ihm bei seiner rast-\nlosen, nach den verschiedensten Richtungen heraustreten-\nden Arbeitslust möglich geworden, seine Kraft zu concen-\ntriren und bestimmte Ziele ins Auge zu fassen.\nDie friedlichen Zustände des Vaterlandes, welche mehr\nund mehr ein künstlerisches Leben begründeten, weckten\noder versammelten in Berlin allerlei Geister und führten\nRellstab in dieses Treiben ein. Ludwig Berger und\nBernhard Klein bildeten den Mittelpunkt einer musica-\nlischen Neuzeit. An sie sehloss sich der Jüngling an. Lud-\nwig Devrient glänzte als Stern erster Grösse in der\ntheatralischen Welt, Zelter hehauptete den Ehrenplatz\nunter den Vertretern des ernsten und gediegenen Alten,\nE. T. A. Holfmann war ein Original auf dem Gebiete\nder Musik, Malerei, Dichtkunst und selbst der Jurispru-\ndenz, der alte Körner, Streckfuss gaben in ihrer\nWeise bedeutende Anregungen für ein literarisches Wir-\nken, Rungenhagen, W. Räch, G. Reichardt traten\ndem engeren Kreise musicalischen Wirkens nahe. So all-\nseitig begabte Männer sollten in einem gemeinsamen Ver-\neinigungspunkte das Feuer geistigen und künstlerischen\nLebens zünden und erhalten. Als ein solcher wurde von\nRellstab, Klein und Berger die jüngere Liedertafel ge-\nstiftet, deren Ehren-Mitglied zu sein Zelter kein Bedenken\ntrug. Rellstab war der Dichter des Vereins, und was so\nein freies Beisammensein ins Leben rief, erklang weit hin-\naus und übte einen bestimmenden Einfluss auf den Kunst-\nsinn der gebildeten Gesellschaft.\nMusicalische Studien, welche unterdess von Rellstab\nvernachlässigt worden, zu denen aber der strenge Vater\neinen gediegenen Grund gelegt hatte, wurden wieder auf-\ngenommen, Berger und Klein, die nicht selten mit Ver-\ngnügen den freien Phantasieen des jungen Officiers am\nCiavier lauschten, nahmen ihn in die Lehre, leiteten ihn\nzur schulgerechten Composition an, lasen mit ihm Parti-\nturen und weihten ihn in die Tiefen Beethoven'scher und\nMozart'scher Schöpfungen ein.\nSolchem ungebundenen, wenn auch ernsten Treiben\ngegenüber übte die Lehrthätigkeit an der Brigadeschule,\nneben manchen anderweitigen Unannehmlichkeiten, eine\nlähmende Gewalt. Rellstab hat von dem Soldatenstande\nstets mit der höchsten Achtung gesprochen, und er zählte\nhochgestellte Officiere zu seinen intimsten Freunden; sein\nLebensberuf wurzelte aber auf einem anderen Boden. Er\nnahm den Abschied, und da ihm nach dem Tode seiner"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5379, "texte": "Mutter ein ausreichendes Vermögen zufiel, so konnte er\nleicht die Wege finden, welche seine Talente zur Reife\nbrachten.\nDie Freunde halten die dichterischen Gaben in ihm\nlängst erkannt und geschätzt. Theils war es ihr Einfluss,\ntheils bildete sich in Reilstab selbst der Plan aus, die deut-\nsche Oper in neue Bahnen zu lenken, und zwar so, dass\ndie dichterische Grundlage derselben in das Gebiet selbst-\nständig berechtigter Kunst hineingezogen werde. Er dich-\ntete seine Op etDido, und Klein schrieb dazu die Musik.\nBerger war für den Stoff und die Behandlung, die er durch\nRellstab erfahren, begeistert; C. M. von Weber in Dres-\nden, Tieck, Jean Paul hielten die Arbeit (wir besitzen\ndarüber die brieflichen Erklärungen) in Ehren und schätz-\nten vorzugsweise danach das Talent, obwohl schon eine\nbedeutende Anzahl lyrischer Gedichte den Ruf desselben\nbegründet hatte. Die erste Aufführung der Dido fand\nzum Geburtstage des jetzigen Königs am 15. October\n1823 Statt, wurde im Jahre 1827 wieder aufgenommen\nund ging endlich 1854 noch einmal in Scene, gewann\nsich aber niemals einen entschiedenen Erfolg. Wir kom-\nmen auf seine Bühnen-Arbeiten zurück.\nInzwischen verlegte Rellstab seinen Wohnsitz nach\nFrankfurt an der Oder, um ungestört grössere Arbeiten\nübernehmen zu können. Hier entwarf er den Plan zu sei-\nnem Trauerspiel „Karl der Kühne\", das er später in\nWeimar vollendete. Dann begab er sich auf Reisen, die\ner bis zu seinem Tode fast alljährlich unternahm, einer-\nseits um im Verkehr mit hervorragenden Persönlichkeiten\noder anregenden Erscheinungen der socialen und künst-\nlerischen Welt Stoff für sein Schaffen zu gewinnen, ande-\nrerseits sich an dem Reize und der Pracht der Natur, die\ner wie ein Kind liebte, zu erheben.\nWir begleiten ihn mit Interesse nach Dresden, wo er\n1821 im Verkehr mit C. M. von Weber und Ludwig\nTieck schöne Tage künstlerischer Unterhaltung zubringt\nund namentlich an den berühmten Lese-Abenden Tieck's\neinen lebhaften Antheil nimmt; nach Baireuth, wo ihn\n' >\nJean Paul auf das herzlichste empfängt, im Kreise sei-\nner Familie, in der durch den Siebenkäs bekannt gewor-\ndenen Fantaisie und Eremitage, besonders aber in dem\nGasthäuschen der wunderlichen Frau Rollwenzel Stunden\nder anregendsten Unterhaltung und Verehrung für den\ngrossen Dichter verlebt; nach Weimar, wo er sich auf\nlängere Zeit niederlässt, in lebhaftem Verkehr mit Göthe's\nSchwiegertochter Ottilie von Göthe stellt und mehrere\nAbende in Gemeinschaft mit Zelter an den Gesellschaften\nim Göthe'schen Hause sich belheiligt, von dem grossen\nDichter vielerlei Anregungen erfährt, sich im Allgemeinen\naber von seinem vornehmen, zurückhaltenden Wesen nicht\ngefesselt fühlt, besonders wenn er an Jean Paul zurück-\ndenkt. Wir sehen ihn hier die Bekanntschaft mit Johanna\nSchopenhauer, der Mutter des berühmten Philosophen,\nmit Hummel, Riemer, Eberwein machen, wir hören\nvon einem bei Göthe interessant zugebrachten Abende,\nan welchem Zelter seinen Schüler, den zwölfjährigen Fe-\nlix Mendelssohn, dem Dichterfürsten vorführt und die-\nsen mit Staunen und Bewunderung für das grosse musi-\ncalische Talent erfüllt.\nIn Heidelberg macht Rellstab die Bekanntschaft Kreu-\nze r's und des originellen, durch seinen alt-italiänischen Ge-\nsangverein geschätzten T h i ba u t, dessen Werk von der Rein-\nheit der Tonkunst seinerZeit Aufsehen erregte. Welcker,\nMoriz Arndt, A. W. v. Schlegel, P. Hebel, Caro-\nline Pichler ziehen an unserem Auge vorüber und er-\nfahren aus der Feder Rellstab's eine Charakteristik, welche\neben so eingehend wie liebevoll das Leben und Wirken\ndieser Persönlichkeiten veranschaulicht. Am meisten fesselt\nuns indess der Verkehr mit Beethoven aus dem Jahre\n1825, dem kranken, seinem traurigen Geschicke fast er-\nliegenden Genius. Es ist nichts künstlerisch Bedeutendes,\nwas aus diesem Aufenthalte Rellstab's in Wien hervor-\ngeht: er befindet sich öfters bei Beethoven und unterhält\nsich mit ihm vermittels einer Schreibtafel; aber in Betreff\nRellstab's sind die Beethoven-Gespräche beachtenswert!),\nweil die rührende Zärtlichkeit, mit welcher der junge\nDichter behandelt wird, in seinen Reise-Mittheilungen eine\njener trefflichen Charakteristiken hervorruft, in welcher die\nübersprudelnde Empfindung und Verehrung für den ge-\nschilderten Gegenstand mit der kunstvollsten Stilform Hand\nin Hand geht.\nWenn wir bisher den Lebensgang unseres Freundes\nüberblicken und dabei der damaligen Beschaffenheit poli-\ntischer Zeitungen, der beschränkten Interessen gedenken,\nan denen der allgemeine Leserkreis haftete, so dürfte nicht\nzu verkennen sein, dass ein in solcher Weise vorgebildetes,\ngerade in seiner besten Entwicklung stehendes Talent, in\ndie Mitarbeiterschaft einer Zeitung hineingezogen, dersel-\nben eine vorwiegende Bedeutung verleihen konnte. Dazu\nkam, dass Reilstab, von den interessanten Reisen aus\nDeutschland, der Schweiz und Italien nach Berlin eben zu-\nrückgekehrt, hier einen durch Henriette Sontag erreg-\nten Kunst-Enthusiasmus antraf, der zu seinen Reise-Ein-\ndrücken in schroffem Gegensatze stand. Ein Spiegel dieser\nseiner Stimmung war das unter dem Titel „Die schöne\nHenriette\" satyrisch-keck hingeworfene Charakter-Ge-\nmälde, in dem neben der gefeierten Künstlerin des Tages\nein schriftstellerisch so fein ausgeprägtes Licht auf einzelne\nPersönlichkeiten Berlins fiel, dass der Ruf des Verfassers\nvon dem Zeitpunkte ab in der Residenz festen Fuss fasste."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5431, "texte": "Für einen Feuilletonisten war demnach das Terrain hin-\nlänglich gelockert, es bedurfte nur der Saat, aus welcher\ndie bunten Bilder der berliner Gesellschaft, aber auch der\nErnst wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens her-\nvorschoss.\nJustiz-Commissar Lessing, aus einem Zweige der\nFamilie des berühmten Dichters und Kritikers entsprossen,\nwar damals Redacteur der Vossiscben Zeitung. Er gewann\nden jungen Schriftsteller. Am 31.0ctober 1826 erschien\ndie erste Kritik Rellstab's in der Vossischen Zeitung. Sein\nTalent, künstlerische Eindrücke wiederzugeben, dem Pu-\nblicum aus der Seele herauszuschreiben, wuchs von Jahr\nzu Jahr und erreichte seinen Höhepunkt 1847, von wo\nab das politische Leben Deutschlands, ja, Europa's in ganz\nneue Phasen eintritt. Vermögens-Verluste, welche das\nRevolutionsjahr ihm bereitete, und mancherlei andere\ntrübe Einwirkungen auf sein Gemüth lähmten einiger\nMaassen die geistige Kraft; der neuen Entwicklung des\npolitischen Lebens wollte sich seine Anschauung, sein Ge-\nmüth nicht öffnen, und er gab einen bedeutenden Theil\nseiner Thätigkeit auf. Wir müssen daher zur Würdigung\nseines schriftstellerischen Verdienstes um die Zeitung den\nangegebenen Zeitraum festhalten.\nIn möglichster Unbefangenheit denn an unserem\nCharakterbilde soll die Wahrheitsliebe einen eben so gros-\nsen Antheil wie die Freundschaft haben durchwandern\nwir Rellstab's musicalische Kritiken, welche diesem Ab-\nschnitte angehören. Es stellt sich uns ein Gesammtbild\nkünstlerischer Persönlichkeiten dar, die in einem Zeiträume\nvon mehr als zwanzig Jahren an dem Kunslhimmel der\ngebildeten Welt geglänzt haben. Wir lesen zunächst Be-\nrichte über die Sontag, die Catalani, die Schechner, Sessi,\nHeinefetter, Milder; folgende Jahre machen uns mit Hum-\nmel, Fräul. v. Schätzel, Paganini, der Schröder-Devrient\nbekannt; daran scbliessen sich die Namen Mendelssohn's,\nKalkbrennens, Wild's, der Gebr. Müller, der Mad. Schech-\nner-Wagen. Von 1835 treten heute allgemeiner gekannte\nund beliebte Kunstkräfte in den Vordergrund, indem wir\ndie der königlichen Bühne längere Zeit angehörenden,\nmehr oder weniger bedeutenden Mitglieder in ihren glän-\nzendsten Leistungen kennen lernen. Die Herren Bader,\nMantius, Krause, die Damen von Fassmann, Louise Schle-\ngel (Frau Köster), Tuczeck nehmen ein naheliegendes In-\nteresse in Anspruch, während vorübergehend die Concerte\nwie das Theater durch Sterne ersten Glanzes erhellt wer-\nden. Clara Novello und Pauline Garcia, die Geschwister\nMiianollo und Jenny Lind, Vieuxtemps, Thalberg, de Be-\nriot, Liszt und andere Grössen gehören in diesen Abschnitt.\nEs fehlt auch nicht an ausführlichen Urtheilen über her-\nvorragende oder neu auftretende Kunstschöpfungen. Ein-\ngehende Berichte über Bach's Passionsmusik, den Fidelio,\nBernhard Klein's „David\", Löwe's „SiebenSchläfer\", die\nMusik Mendelssohn's zum Sommernachtstraum und andere\nlesen wir mit lebhaftem Interesse.\nRellstab's musicalische Bildung beruhte auf einem ganz\nunzweifelhaften Talente. Dieses war in technischen Din-\ngen und in der Syntax der Kunst allerdings nicht in dem\nMaasse entwickelt, dass er im Stande gewesen wäre, eine\nSinfonie oder ein Quartett zu schreiben. Dass es dessen in\nder Kritik bedürfe, wird indess nur derjenige Künstler for-\ndern, der vielleicht etwas gelernt hat, dem es aber an dem\nBesten und Nothwendigsten fehlt. Freilich darf die tech-\nnische und die theoretische Bildung des Kritikers den Pro-\nductionen nicht so fern stehen, dass sie sich nicht überall,\nselbst in der Partitur eines grösseren Kunstwerkes, zurecht\nzu finden wüsste. Man erwäge indess, dass Reilstab für\neine politische Zeitung und für Leser schrieb, welche von\nTag zu Tag in dem Zusammenhange der Ereignisse und\nErscheinungen erhalten sein wollten. Solchem Zwecke ent-\nsprechen ein angeborener Kunstsinn, allgemeine ästhe-\ntische Bildung, populäre Darstellungsgabe und eine Wär-\nme der Empfindung, welche für Kunst und Künstler\neinzunehmen und zu begeistern weiss. Kritiker wie Fink,\nGottfried Weber, zum Theil auch Rochlitz können dem\nMusiker manchen beachtenswerthen technischen Wink\nan die Hand geben; ob seinem Werke, seiner Leistung\nder göttliche Funke innewohnt, werden sie nicht immer\nzu sagen wissen. Reilstab vermochte in schwierigen Fällen\ndas Erstere nicht, das Letztere stets.\nEr stellte sich jedoch ganz besonders die Aufgabe, die\nempfängliche und gebildete Masse der Laien und Dilettan-\nten in das Zauberreich der Töne einzuführen, sie für das\nSchöne und Grosse in der Kunst zu erwärmen. Seine Ur-\ntheile waren daher in den meisten Fällen positiver Art,\nselten vernichtend, und nur wo ihm Eitelkeit und Hoch-\nmuth, eine bei Künstlern so häufige Erscheinung, in grel-\nler Form entgegentrat, legte er das volle Gewicht seiner\nberedten Sprache und seiner Liebe zu dem unbedingt\nSchönen in die Richterschale. Wie überhaupt, so zeigte\ner namentlich seinem Gegner die offene Stirn, und nahm\neinen Kampf auf, selbst im Falle er eine Niederlage vor-\naussah. Um so schlimmer für ihn. Offenheit und Wahr-\nheit waren Grundzüge seines Charakters. Ob er gegen\nSpontini erlegen? Heute sind die Acten darüber ziemlich\ngeschlossen. Welchen Antheil persönliche Gereiztheit an\ndem Streite gehabt, lassen wir auf sich beruhen; Beide\nhaben gelitten und sind gestraft worden.\nMit den schaffenden Künstlern nahm es Reilstab mei-\n\\\nstens streng und gewissenhaft. Ihn leiteten dabei sittliche\nMotive; die Kunst stand ihm so hoch, dass er ein verfehl-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5545, "texte": "tes Künstlerleben als die unglücklichste aller Existenzen\nbetrachtete. Wer von der Ansicht ausgeht, dass ein Kriti-\nker niemals irren dürfe, und dass es ein Capital-Vergehen\nsei, sich im Laufe seines Lebens einmal zu widersprechen,\ndem diene manches schöne Selbstbekenntniss Rellstab's\nzur Antwort. Z. B.: „In Beziehung auf meine künstleri-\nschen Irrthümer und Fehlgriffe und wie viele habe ich\nderen gethan, und wie werde ich oft jetzt noch zweifel-\nhaft, ob ich früher oder später im Rechte bin! schone\nich mich nicht, sondern gebe mich mit meinen Wider-\nsprüchen und wechselnden Ansichten. Ich halte mich an\nden französischen Ausspruch, dass der nie eine Ansicht ge-\nhabt, der nie eine gewechselt.\" Bichtig verstanden, enthält\ndas Wort eine wohl zu beachtende Wahrheit. Im Rück-\nblick aul Rellstab's Kritiken verweilen wir mit herzlichem\nBehagen bei den Berichten, welche die Kunstleistung un-\nmittelbar oder die Persönlichkeit des Künstlers ins Auge\nfassen. Seine Zeichnung der Leonore und der Donna Anna,\ndurch Frau Schröder-Devrient im Jahre 1831 dargestellt,\nder Todtenfeier Klein's im Jahre 1832, der Iphigenie und\ndes Fidelro durch Fräul. Schechner (1829), der Concerte\nLiszt's (1841—43), vor Allem die Kritiken über die Ge-\nschwister Milanollo, die Bollen der Jenny Lind in den Jah-\nren 1844 —46 und das künstlerische Liebes-Denkmal,\nwelches er den edeln Geschwistern Fanny Hensel und Fe-\nlix Mendelssohn 1847 errichtet hat, sind musicalische Cha-\nrakteristiken, an denen der feine kritische Blick einen eben\nso wirksamen Antheil hat, wie das innige, ganz von seinem\nGegenstande erfüllte, von der Allgewalt der Kunst gefes-\nselte Gemüth.\nBei mancher irrigen Ansicht im Einzelnen traf Rell-\nstab in der Hauptsache stets das Richtige. Er besass für\ndie Eindrücke des bedingt und unbedingt Schönen eine\nEmpfänglichkeit, die schnell und sicher aufnahm und für\ndas zu Bezeichnende das treffende Wort, die verständlichste\nund oft schönste Wendung bei der Hand hatte. Diese\nseine Feinfühligkeit wurde nicht nur von Laien, sondern\nselbst von Künstlern anerkannt, und wir erinnern uns\ndarüber beifälliger, sogar bewundernder Aeusserungen aus\ndem Munde Mendelssohn's, der mit seiner offenen Meinung\nbekanntlich nicht zurückhielt. Die humoristische Seite Rell-\nstab'scher Kritik zur Satire wandte sich das weiche Ge-\nmüth fast nie lernt man aus den zwölf Jahrgängen der\nvon ihm herausgegebenen kleinen musicalischen Zeitschrift\n„Iris \", die mit dem Jahre 1840 abschloss, kennen. In ihr\nbesprach Rellstab die musiealischen Erscheinungen der\nZeit, welche seinem Urtheile ohne besondere Mühe zugäng-\nlich waren.\nDie Thätigkeit Rellstab's für die Vossische Zeitung\nreicht aber weit über seine musicalisch-kritischen Arbeiten\nhinaus. Die lledaction dos französischen Artikels lag eine\nlange Zeit in seinen Händen und wurde namentlich in den\ndreissiger Jahren mit vieler Umsicht ausgeübt; Ereignisse\ndes städtischen und gesellschaftlichen Lebens, von ihm dar-\ngestellt, gewannen sich jederzeit einen theilnehmenden Le-\nserkreis; Erscheinungen der Literatur, von ihm in die Oef-\nfentlichkeit eingeführt, bedurften kaum eines weiteren Für-\nsprechers. Dabei war er für eine grosse Anzahl auswärtiger\nZeitschriften thätig, bildete Sänger und Sängerinnen für\ndie Bühne vor und schrieb bändereiche Romane, Novellen,\nDramen und Gedichte. Wir besitzen seine bei Brockhaus\nin Leipzig erschienenen gesammelten Schriften; würde man\naber alles, was er geschrieben, in Bücher fassen, so liesse\nsich davon eine ganze Bibliothek anfüllen. Zur Ausübung\neiner so rastlosen Thätigkeit gehörte eben sowohl eine un-\ngewöhnliche Begabung wie eiserner Wille und beispiel-\nloser Fleiss. Unter den belletristischen Werken nehmen,\nausser einzelnen seiner vielen Novellen, die beiden Romane\n„1812\" und der zuletzt geschriebene, „Drei Jahre von\ndreissigen\", die erste Stelle ein. Es unterliegt keinem\nZweifel, dass Rellstab's Talent sich am sichersten in der\nSchilderung von Zuständen, Ereignissen und Eindrücken\nbewegte. Dennoch begegnete es ihm, dass er diese seine\nvorwiegende Gabe verkannte. In dem Gedanken, die deut-\nsche Oper umzugestalten, war der edle Zweck rühmens-\nwerth, die Kraft aber reichte nicht aus; sein dramatisirter\n„Eugen Aram\" gewann sich einen Erfolg der Anerken-\nnung, weil ihm die Vorarbeit zu Statten kam; sein „Feld-\nlager\" wurde durch Meyerbeer's Musik und mit dieser\ndoch auch nur einige Jahre getragen. Für den aus der be-\nstimmtesten Gegensätzlichkeit der Charaktere sich ergeben-\nden Fluss der Handlung, für frappirende Zusammenstel-\nlung, durch welche die Theilnahme concentrirt wird, für\ndiejenige Kürze und Schärfe des Ausdrucks, welche eine\ndramatische Composition erfordert, war seine Feder zu\nlyrisch weich, seine Anschauung zu breit. Die Natur hatte\nihn zum Epiker, zum Erzähler geschaffen. Indess er wollte,\nund sein Wille brachte es auch hier zu einem gewissen\nErfolg. Wie ihn die Vorliebe für anerkannte Richtungen\nin der Kunst zuweilen gegen neu auftauchende, seiner viel-\njährigen Erfahrung widerstreitende Bestrebungen unge-\nrecht erscheinen liess, so überschätzte er nicht selten das\nMaass einer künstlerischen Kraft, die seinen Ansichten ent-\ngegenkam. In solchen Fällen ging das Vorurtheil und das\ngute Herz mit ihm durch. Daraus erklären wir einerseits die\nAbneigung gegen Spontini, andererseits die Ueberschätzung\nBernhard Klein's und Ludwig Berger's, denen er in Mono-\ngraphieen Denkmale der Liebe und Verehrung setzte.\nBellstab war seit dem Jahre 1834 sehr glücklich ver-\nheirathet und betrachtete von da ab das Leben im Hause,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1226, "texte": "im Kreise seiner Familie als eine Oase, die ihn aus dem\nWirbel aufregender Mühen zu heiterer Ruhe und Er-\nquickung einlud. Immer war es ihm die grösste Freude,\nin seinem Hause werthe Freunde um sich zu versammeln,\ndie er dann durch seinen Humor, durch seine glückliche\nGabe der Erzählung und seine Gemüthlichkeit fesselte. Ein\nso gemüthvolles Leben und Weben im häuslichen Kreise\nberührte aber nicht etwa nur die Oberfläche desselben,\nsondern drang in die innersten Beziehungen ein.\nEr hatte sein Haus längst bestellt. Der Hinblick auf\ndie Todesart seines Vaters, die in den beiden letzten Jah-\nren vorangegangenen Anzeichen legten ihm die Wahr-\nscheinlichkeit eines baldigen Heimganges nahe. Wenn wir\nerwägen, dass sein Geist nicht rasten noch ruhen konnte,\ndass er nach menschlicher Erfahrung einer bedenkliche-\nren Schwäche hätte verfallen müssen, so haben wir bei\nallem Schmerz der Familie und der Freunde Rellstab's\nLoos zu preisen. Ein höherer Wille meinte es gut mit\nihm. Unter heiteren Bildern nahte die Abend-Abschieds-\nstunde, der ein thränenvoller Morgengruss folgen sollte.\nDie Nacht vom 27. zum 28. November ward ihm zum\nTage ewigen Lichtes. Er erlebte Ruhm, Ehre und Liebe,\nsie werden ihn überleben! (Voys. Ztg.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.8", "debut_caractere": 1228, "fin_caractere_exclue": 3342, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFraaik.fdirt a« M«, 2. December. In vergangener Woche\nveranstaltete Fräulein Amelie Bido aus Wien ein Concert. Die\nConcertgeberin hatte ihr Programm vorzüglich durch classiscbe Pie-\ncen ausgezeichnet, und es war darum dessen Ausführung, nament-\nlich für strengere Musikfreunde, von grossem Interesse Das Beet-\nhoven'sche B-dur-Quartett (Nr. 6) leitete den Abend ein. Die zweite\nAbtheilung brachte eine Bach'sche Meditation für Piano, Violine und\nVioloncell.\nAm 27. November brachte der Rührsche Gesang-Verein das Ora-\ntorium Belsazar von Händel zur Aufführung\nJSortJieilWj in Hannover. Am 12. December spielte der Kam-\nmer-Virtuose August Kömpel aus Hannover im Concerte zu\nNortheim (wo sein Geschick für eine höhere musicalische Lauf-\nbahn sich einst entschied) zum ersten Male öffentlich auf der ihm\nvon dem ausgezeichneten Kunstfreunde Herrn Amtsrath Lueder zu\nKattenburg wundervollen Geige des verewigten\nLouis Spohr.\nKassel* Am 20. November fand das erste der diesjährigen\nAbonnements-Concerte Statt. Ouvertüre nebst Scenen aus Alceste\nund Vorträge von dem ausgezeichneten Violinisten Kömpel und\ndem Pianisten Mortier de Fontaine bildeten den Haupt-Inhalt\ndesselben.\nDie musicalische Akademie in München hat jüngst anlässlich\ndes fünfzigjährigen Jubiläums ihres Bestandes eine Gesammt-Ueber-\nsicht sämmtlicher seit 1810 in ihren Concerten aufgeführter Ton-\nwerke veröffentlicht, welche Zeugniss für die edle Richtung dieses\nInstituts und den streng classischen Maassstab, der fast durchgängig\nfestgehalten wurde, liefert. Nach derselben wurden in diesem Zeit-\nräume 291 Sinfonieen, 401 Ouvertüre, 59 Oratorien, 65 Chöre\nu. s. w. aufgeführt. Die Namen der Tonsetzer, deren Werke produ-\ncirt wurden, weisen in überwiegender Mehrzahl Classiker auf. Die\nZukunftsmusik ist nur schwach vertreten. Liszt figurirt mit 2 sym-\nphonischen Dichtungen und 1 Concertstück für Piano, Richard Wag-\nner mit 2 Ouvertüren, Kietz mit einer Sinfonie und einem Schlacht-\ngesang, Berlioz zwei Mal mit Ouvertüren, mit einer Arie und einer\nSinfonie, Gade mit einer Phantasie und einer Sinfonie u. s. w."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n«elkohaft r f\"nn\"';Mg a\" Cari ,MarU VOn Weber\" Zu dessen Gedächtnissfeier am 18. December 1860 durch das fünfte Ge-\nlm SU-ZTh ZU L' Bischoff - Ludwig Bellstab (Nekrolog). - Tages- und Unterh altun gS-\n(Fiankfurt am Main, Concert Northeim, August Kömpel Kassel München).\n\nErinnerung an Carl Maria von Weber.\nZu dessen Gedächtnissfeier am 18. December 1860\ndurch das\nfünfte Gesellschafts-Concert im Gürzenich zu Köln.\nVon L. Bischoff.\nEs wälzen sich heran die dunkeln Wogen,\nWie sturmgehoben, auf der Töne Meer:\nDoch plötzlich wölbet sich ein Friedensbogen\nIn lichtem Farbenkreise drüber her.\nUnd siehe! seines milden Glanzes Strahlen,\nAls süsse Melodieen leuchten sie;\nWas auch das Herz durchtobt in wilden Qualen,\nEs lös't sich auf in sanfte Harmonie.\nUnd bei der Töne wunderbarem Rauschen\nSteh'n wir erstaunt und halten, still entzückt,\nDen leisen Athemzug gebannt, zu lauschen\nDem, was die Seel' in holdem Wahn beglückt.\nUnd fragt Ihr nach der Heimat der Gesänge?\nKennt Ihr ihn nicht, des Meisters Zauberstab?\nKein irdisches Geschenk sind diese Klänge,\nVom Himmel zog er sie zu uns herab!\nWas glänzt durch Nacht? Seht Ihr die schwarzen\nScharen?\nAuf Rossen stolz die Reiter ragen empor!\nDas Vaterland, die Freiheit uns zu wahren,\nBricht „Lützow's wilde, verwegene Jagd\"\nhervor!\n. „Das Volk steht auf\" „Du Schwert an meiner\nLinken\"\nDas wird der deutschen Jugend Brautgesang!\n»Der Sturm bricht los\" —Voran! die Waffen blinken,\nUnd Lied und Schwert, sie feiern Siegesklang."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.2", "texte": "Ob auch verrauscht die kriegerischen Töne,\nDie einst ein grosses Sängerherz erschuf,\nBegeistern werden sie Germania's Söhne,\nSo oft erschallt des Vaterlandes Ruf.\nIhm aber brachte nicht der holde Friede\nDen Lorber nur: daheim zum stillen Glück,\nDas er so oft, so tief ersehnt im Liede,\nKehrt er an treuer Liebe Brust zurück.\nDa schuf er jene lieblichen Gestalten,\nGebilde einer reichen Phantasie,\nDie ihnen mit des Genius Gewalten\nDer Töne zauberische Hülle lieh!\nWohl haben wir in manchen schönen Stunden\nDer Liebe Seligkeit, der Trennung Schmerz,\nDer Unschuld Gottverlrauen mitempfunden,\nWie Euryanthens, wie Agathens Herz.\nWem einst, von ahnungsschwerer Nacht umgeben,\nDer süsse Trost erklang, ein Sonnenblick\nDurch Wolken: „0, lass' H offnung dich beleben,\nVertraue du, vertraue dem Geschick!\"\nDer hört in seiner Seele stillen Räumen\nNoch oft im Leben jener Töne Klang,\nUnd zu den glaubensvollen Jugendträumen\nFührt' ihn zurück der himmlische Gesang.\nDoch schaut! Dort in des Waldes grünen Hallen\n„Die Thale dampfen, die Höhen glüh'n!\" Im\nChor\nHört Ihr den Klang der Hörner froh erschallen\nZum lauten Ruf: „Ihr Fürsten der Waldung\nhervor!\"\nDa hebt ein frischer Hauch zu kühnem Wagen\nDie kräft'ge Mannesbrust: es steigt der Muth,\nEr trotzt, umringt von schauerlichen Sagen,\nDem wilden Heer und einer Hölle Gluth.\nDoch jetzt! Seht Ihr's auf Blumenkelchen\nschweben?\nSich wiegen auf tiefblauer Meeresflut?\nEin neues wunderholdes Zauberleben\nIm Mondenschein auf Flur und Wellen ruht.\nEs senken sich herab an schwanken Zweigen\nAetherische Gebild' aus Därnmerluf»,\nUnd horch!—der Nacht geheimnissvolles Schweigen\nDurchwehet leiser Töne Blüthenduft.\n(Gesang: Chor der Elfen aus Nummer 2.)\nAch! unter diesen Bildern, diesen Tönen\nVergisst der Zaub'rer selber seine Macht:\nEr schlummert ein. Zum Reich des ewig Schönen\nZiehVsie empor ihn aus der Erdennacht.\nSie tragen ihn auf ihren gold'nen Schwingen\nHinauf zu Seiner wahren Heimat hin:\nUnd den erwachend Seligen umklingen\nDie himmlischen und seine Harmonie'n.\n—Wir aber flechten seine holden Lieder\nZu einem unverwelklich grünen Kranz,\nUnd senken auf sein Haupt ihn freudig nieder,\nUmstrahlet von des ew'gen Ruhmes Glanz!\nEs naht der Genius wieder, Dich zu krönen,\nDer lächelnd einst an Deiner Wiege stand;\nUnsterblich lebst Du fort in Deinen Tönen,\nUnsterblich Deinem deutschen Vaterland!\nDas Concert am 18. December, dem Geburlslage\nC. M. v. Weber's, wurde mit der Ouvertüre zum „Be-\nherrscher der Geister\" eröffnet, einem Werke aus We-\nber's Jünglingsjahren, das er zu der Zeit schrieb, als er in\nBreslau die Stelle eines Musik-Directors bekleidete (1804\nbis 1806). Sie war für die Oper „Rübezahl\" bestimmt,\nderen Text Professor Rohde dem Componisten geliefert\nhatte. Die Composition ist jedoch nicht vollendet worden;\nein Quintett daraus, das gedruckt sein soll, ist uns bis jetzt\nunbekannt geblieben. Wenn die Ouvertüre auch hinter\nden meisterhaften Arbeiten Weber's in derselben Gat'ung\nzurücksteht, so bleibt sie doch immer ein Musikstück, das\nsich weit über die Mittelmässigkeit erhebt und durch einen\ngewissen Schwung der Ideen und mit Bewusstsein gewählte\nContraste das keimende Genie verräth, das sich später so\nglorreich entfaltete.\nHiernach brachte das Programm zur Vertretung der\nBedeutung Weber's als Clavier-Componist und Ciavier-\nspieler das Concertstück mit Orchester und das\nRondo, Op. 62, beide vortrefflich vorgetragen von Herrn\nMusik-Director Eduard Franck aus Bern, unserem frü-\nheren Mitbürger, dem bei der stets lebhaften Erinnerung\nan seine Wirksamkeit am hiesigen Conservatorium und für\ndie Musik-Zustände Kölns überhaupt der lauteste und herz-\nlichste Ausdruck der Sympathieen zu Theil wurde, die er\nals Künstler und Mensch sich hier gewonnen hat. Ausser\nden Vorträgen im Concerte wollen wir noch besonders\nden hohen Genuss erwähnen, den er uns in der letzten\nSitzung der musicalischen Gesellschaft am 15. d. Mts. durch\nden Vortrag des Clavier-Concertes von J. S. Bach in\nmoll bereitete, in dessen erstes Allegro Herr Franck eine\nCadenz einlegte, welche in beiderlei Hinsicht, d. h. in stil-\nhafter Composition und meisterhafter Ausführung die höch-\nsten künstlerischen Forderungen befriedigte.\nZwischen den beiden Ciavierstücken sang Fräul. Ge-\nnast zwei Lieder von Weber: „Wenn's Kindlein süssen\nSchlummers Ruh'\", und: „Unbefangenheit\"; das letztere"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.3", "texte": "trug sie besonders reizend vor, wie es denn als Compo-\nsition auch zu den anmuthigsten Liedern der überreichen\nLiteratur dieser Gattung gehört und durch seine natürliche\nCharakteristik alle modernen Künsteleien, die ihm ähn-\nlich sein wollen, überragt.\nNach dem Clavier-Rondo folgte die Zusammenstellung\naus der Oper Oberon. Nach einer schwungvollen Aus-\nführung der Ouvertüre sprach Fräulein Amalie Rott-\nmeyer, eine jugendliche dramatische Künstlerin, Mitglied\ndes hiesigen Theaters, das obige Gedicht, in welches an\nder angegebenen Stelle der Elfenchor (Introduction Nr.\n2) aus F-dureintrat. Nach dem Schlüsse der Declamation\nwurden noch der Männerchor Nr. 8, die Arietta\n„Arabiens einsam Kind\" Nr. 10 und das Finale des\n%\nzweiten Actes, das mit dem Gesänge der Meermädchen be-\nginnt, recht schön ausgeführt; besonders zeichnete sich der\nChor durch Genauigkeit und zarten Vortrag der duftigen\nGesänge aus.\nDie zweite Abtheilung des Concertes füllte die Musik\nzu dem Schauspiel Preciosa, welche Weber selbst in\neinem Briefe an einen seiner Freunde als einen würdigen\nVorläufer zu seinem „Freischütz\" betrachtete. Die erste\nAufführung fand am 14. März des Jahres 1820 in Berlin\nStatt und erregte einen wirklichen, nicht etwa den heut-\nzutage beliebten Zeitungs-Enthusiasmus. Das Charakteristi-\nsche dieser Musik, die frische Natürlichkeit des Chorgre-\ni o\nsangs, die wunderbar schönen Melodieen der Melodramen\nund der Romanze, die reizende, mit solcher Einfachheit\nder Mittel seit Mozart nicht gehörte Instrumentirung\nalles das verfehlte auch im Concertsaale, fern von allen\nIllusionen der Bühne, noch heute seine Wirkung nicht,\nsondern entzückte und begeisterte die Zuhörerschaft, zumal\nda man auf den Theatern wohl nirgends die Chöre mit so\nfrischen, jugendlichen Stimmen besetzt hört, wie sie unsere\nhiesigen Concertkräfte bieten.\nFräulein Rottmeyer sprach die melodramatischen\nScenen mit tiefem Gefühl, das in Verbindung mit einer\nanmuthigen Erscheinung seinen Eindruck nicht verfehlen\nkonnte. Das Gedicht von C. 0. Sternau (Inkermann),\ndas die Handlung des Schauspiels in recht gelungener\nWeise darlegt und die verschiedenen Musikstücke zu\neinem Ganzen verbindet, wurde von Herrn Laddey mit\nVerständniss und mit einem durch ein klangvolles Organ\nunterstützten ausdrucksvollen Vortrage gesprochen.\n\nLudwig Rellstab.\nDie Stellung, welche Rellstab's Wirksamkeit in den\nweitesten Kreisen der belletristischen Literatur einnimmt,\nwird von dem in das Einzelne eingehenden Biographen\ngewürdigt werden; uns kommt es darauf an, den Einfluss\nzu beleuchten, welchen seine Thätigkeit auf die künstleri-\nschen Bildungs-Zustände Berlins ausgeübt hat. Denn mit\nihm ist ein hervorragendes geistiges Element hiesiger\nVerhältnisse erloschen, in ihm besassen wir Jahrzehende\nhindurch den Förderer aller Anregungen, aus denen sich\ndie Kunstbildung entwickelte oder läuterte, den Vertreter\ndes allgemeinen Urtheils über dieselbe. Einem Manne, der\nim Stande war, die Ansichten der Menge zu lenken und\nan sein Wort zu bannen, muss eine Kraft zu eigen gewe-\nsen sein, die sich ihrer Wirkung auf das bestimmteste be-\nwusst ist, und die um so mehr ins Gewicht fällt, als sie\nnicht willkürlich überreden\" darf, sondern das selbststän-\ndige Urtheil herausfordert.\nNächst dem Talente, das unter allen Verhältnissen sei-\nnen eigenen Weg geht, wird der Bildungsgang, den Lud-\nwig Bellstab's Leben genommen, diese seine Bedeutung\nwesentlich erklären. Die Jahre seiner Kindheit und Jugend\nwurzeln in der Zeit reicher Ideen und begeisternder That-\nkraft des deutschen Vaterlandes. Die classische Literatur\nwar eben in Fleisch und Blut der gebildeten Welt ge-\ndrungen, die Romantik trieb ihre üppigsten Blüthen; da-\nzwischen lagen im Volke die schroffen Gegensätze von\nSchmach und Erhebung alles anregende Momente, die\neiner eigenthümlichen und ausgeprägten jugendlichen Kraft\nfördernd zu Hülfe kommen mussten. Das Familienleben\nund die häuslichen Zustände, aus denen sich die ersten\nVorstellungen des Knaben herausbildeten, waren nächst-\ndem günstiger Art.\nUm die Zeit, als Ludwig Rellstab in Berlin geboren\nwurde (13. April 1799), besass sein Vater, ein Mann von\numfassender, insbesondere musicalischer Bildung, eine be-\ndeutende Buch-, Musikhandlung und Druckerei. In seinem\nHause fanden regelmässige Concerte mit vollem Orchester\nStatt, so dass der künstlerische Sinn des Sohnes an Wer-\nken von Sebastian, Emanuel und Friedemann Bach, Mo-\nzart und anderen Meistern geweckt wurde. Den Sommer\nüber hatte die Familie einen Landsitz im Thiergarten, des-\nsen damalige naturwüchsige Beschaffenheit unbehinderte\nSpielplätze darbot, dem poetischen Kindersinne aber die\nsüssesten Empfindungen entlockte. Rellstab's Mutter war\nein Vorbild edelster Weiblichkeit. Als er im Jahre 1821\neine Reise nach Weimar machte, empfahl ihn Zelter an\nGöthe „um seiner trefflichen Mutter willen, die er sehr\nlieb gehabt\". Auch die Anregungen, welche der Knabe\ndurch seine Spielgenossen, namentlich durch seinen Vetter\nWilhelm Häring (Willibald Alexis) empfing, mögen\nnicht ohne Einfluss auf die keimenden Fähigkeiten gewe-\nsen sein.\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.4", "texte": "Inzwischen gaben sich diese, wie wir aus den Selbst-\nbekenntnissen Rellstab's entnehmen, vornehmlich in der\nAnfertigung von Papp-Arbeiten, in der Beschäftigung mit\nFeuerwerkerei und Taschenspielerkünsten zu erkennen,\nund es ist ein interessantes Curiosum, dass der erste Auf-\nsatz, welchen Rellstab für die Vossische Zeitung schrieb,\neine Kritik über einen Taschenspieler war, der seine Vor-\nstellungen in der Nähe der elterlichen Wohnung im Thier-\ngarten gab. Rellstab stand damals in einem Alter von\nzwölf Jahren. Sein Vater, der als musicalischer Kritiker\nvon Zeit zu Zeit Arbeiten für die Zeitung lieferte, bestimmte\nden in seinen deutschen Sihul-Aufsätzen ziemlich ent-\nwickelten Knaben zu einem Berichte, der von dem dama-\nligen Redacteur, Professor Catel, freundlichst acceptirt\nwurde. Uebrigens sollen in der Schule die Leistungen des\njungen Schriftstellers nicht eben hervorragend gewesen\nsein, obwohl er auf dem Joachimsthafschen und dem Wer-\nder'schen Gymnasium, die er besuchte, sich berühmter\nLehrer, wie Bernhardi, Zumpt, Twesten, Lange,\nSpill ecke, zu erfreuen halte. Freilich waren jene Jahre\ndie der lebendigsten Theilnahme und Begeisterung für die\nSache des preussischen und deutschen Vaterlandes. Wenn\ndie Schüler der dritten Classe, welche schon im kampf-\nfähigen Alter standen, in ihren lateinischen Vocabeln aber\nziemlich schlecht bewandert waren, den jüngeren Genos-\nsen in glänzender Uniform gegenübertraten; wenn die Leh-\nrer, die diesen Schülern bisher nur Tadel zugewandt hat-\nten, ihnen jetzt die Hand zum Abschiede reichten und sie\nans Herz drückten, so mochte das wohl kein Mittel gewe-\nsen sein, den Geschmack der zurückbleibenden Kleinen\nam Curtius oder Julius Cäsar aufrecht zu erhalten. „Thrä-\nnen innerster Bewegung\", so erzählt Bellstab, „füllen mir\nnoch heute das Auge, wo ich mit ergrautem Haar, der\nNeige des Lebens nahe, diese Zeilen der Erinnerung nie-\nderschreibe an die schweren und doch so unvergesslich\nhohen Stunden der Jugend- und Knabenzeit!\" Dass die\ngrossen Ereignisse auf den Knaben nicht einen nur vor-\nübergehenden Eindruck machten, zeigte der bestimmteste\nEntschluss, in den Soldatenstand einzutreten. Sein Vater\ngerieth mit ihm darüber oft in heftigen Zwiespalt.\nAis indess der zweite Feldzug seinen Anfang nahm\nund der Vater inzwischen auf einem Spazirgange am\nSchlagilusse plötzlich gestorben war, konnte der sechszehn-\njährige Jüngling dem Drange seines Herzens nicht wider-\nstehen; Körner's Freiheitslieder mit Weber's kräftigen\nMelodieen schwirrten ihm im Kopfe herum; er meldete\nsich bei dem Colomb'schen Husaren-Regimente, wurde an-\ngenommen, aber nach dem ersten Dienste entlassen, weil\nsein schwaches Auge eine völlige Unbrauchbarkeit heraus-\nstellte. Seine Willenskraft war ausserordentlich, sie hatte\neinen Anflug von Eigensinn. Kr setzte bei seinem Vor-\nmunde durch, in die Kriegsschule eintreten zu dürfen, und\nes dauerte nicht lange, bis er zum Lehrer der Mathema-\ntik und Officier befördert wurde. Auf diese Weise hatte\nder strebsame Jüngling einen Anhaltspunkt für selbststän-\ndiges Wirken gewonnen, und es war ihm bei seiner rast-\nlosen, nach den verschiedensten Richtungen heraustreten-\nden Arbeitslust möglich geworden, seine Kraft zu concen-\ntriren und bestimmte Ziele ins Auge zu fassen.\nDie friedlichen Zustände des Vaterlandes, welche mehr\nund mehr ein künstlerisches Leben begründeten, weckten\noder versammelten in Berlin allerlei Geister und führten\nRellstab in dieses Treiben ein. Ludwig Berger und\nBernhard Klein bildeten den Mittelpunkt einer musica-\nlischen Neuzeit. An sie sehloss sich der Jüngling an. Lud-\nwig Devrient glänzte als Stern erster Grösse in der\ntheatralischen Welt, Zelter hehauptete den Ehrenplatz\nunter den Vertretern des ernsten und gediegenen Alten,\nE. T. A. Holfmann war ein Original auf dem Gebiete\nder Musik, Malerei, Dichtkunst und selbst der Jurispru-\ndenz, der alte Körner, Streckfuss gaben in ihrer\nWeise bedeutende Anregungen für ein literarisches Wir-\nken, Rungenhagen, W. Räch, G. Reichardt traten\ndem engeren Kreise musicalischen Wirkens nahe. So all-\nseitig begabte Männer sollten in einem gemeinsamen Ver-\neinigungspunkte das Feuer geistigen und künstlerischen\nLebens zünden und erhalten. Als ein solcher wurde von\nRellstab, Klein und Berger die jüngere Liedertafel ge-\nstiftet, deren Ehren-Mitglied zu sein Zelter kein Bedenken\ntrug. Rellstab war der Dichter des Vereins, und was so\nein freies Beisammensein ins Leben rief, erklang weit hin-\naus und übte einen bestimmenden Einfluss auf den Kunst-\nsinn der gebildeten Gesellschaft.\nMusicalische Studien, welche unterdess von Rellstab\nvernachlässigt worden, zu denen aber der strenge Vater\neinen gediegenen Grund gelegt hatte, wurden wieder auf-\ngenommen, Berger und Klein, die nicht selten mit Ver-\ngnügen den freien Phantasieen des jungen Officiers am\nCiavier lauschten, nahmen ihn in die Lehre, leiteten ihn\nzur schulgerechten Composition an, lasen mit ihm Parti-\nturen und weihten ihn in die Tiefen Beethoven'scher und\nMozart'scher Schöpfungen ein.\nSolchem ungebundenen, wenn auch ernsten Treiben\ngegenüber übte die Lehrthätigkeit an der Brigadeschule,\nneben manchen anderweitigen Unannehmlichkeiten, eine\nlähmende Gewalt. Rellstab hat von dem Soldatenstande\nstets mit der höchsten Achtung gesprochen, und er zählte\nhochgestellte Officiere zu seinen intimsten Freunden; sein\nLebensberuf wurzelte aber auf einem anderen Boden. Er\nnahm den Abschied, und da ihm nach dem Tode seiner"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.5", "texte": "Mutter ein ausreichendes Vermögen zufiel, so konnte er\nleicht die Wege finden, welche seine Talente zur Reife\nbrachten.\nDie Freunde halten die dichterischen Gaben in ihm\nlängst erkannt und geschätzt. Theils war es ihr Einfluss,\ntheils bildete sich in Reilstab selbst der Plan aus, die deut-\nsche Oper in neue Bahnen zu lenken, und zwar so, dass\ndie dichterische Grundlage derselben in das Gebiet selbst-\nständig berechtigter Kunst hineingezogen werde. Er dich-\ntete seine Op etDido, und Klein schrieb dazu die Musik.\nBerger war für den Stoff und die Behandlung, die er durch\nRellstab erfahren, begeistert; C. M. von Weber in Dres-\nden, Tieck, Jean Paul hielten die Arbeit (wir besitzen\ndarüber die brieflichen Erklärungen) in Ehren und schätz-\nten vorzugsweise danach das Talent, obwohl schon eine\nbedeutende Anzahl lyrischer Gedichte den Ruf desselben\nbegründet hatte. Die erste Aufführung der Dido fand\nzum Geburtstage des jetzigen Königs am 15. October\n1823 Statt, wurde im Jahre 1827 wieder aufgenommen\nund ging endlich 1854 noch einmal in Scene, gewann\nsich aber niemals einen entschiedenen Erfolg. Wir kom-\nmen auf seine Bühnen-Arbeiten zurück.\nInzwischen verlegte Rellstab seinen Wohnsitz nach\nFrankfurt an der Oder, um ungestört grössere Arbeiten\nübernehmen zu können. Hier entwarf er den Plan zu sei-\nnem Trauerspiel „Karl der Kühne\", das er später in\nWeimar vollendete. Dann begab er sich auf Reisen, die\ner bis zu seinem Tode fast alljährlich unternahm, einer-\nseits um im Verkehr mit hervorragenden Persönlichkeiten\noder anregenden Erscheinungen der socialen und künst-\nlerischen Welt Stoff für sein Schaffen zu gewinnen, ande-\nrerseits sich an dem Reize und der Pracht der Natur, die\ner wie ein Kind liebte, zu erheben.\nWir begleiten ihn mit Interesse nach Dresden, wo er\n1821 im Verkehr mit C. M. von Weber und Ludwig\nTieck schöne Tage künstlerischer Unterhaltung zubringt\nund namentlich an den berühmten Lese-Abenden Tieck's\neinen lebhaften Antheil nimmt; nach Baireuth, wo ihn\n' >\nJean Paul auf das herzlichste empfängt, im Kreise sei-\nner Familie, in der durch den Siebenkäs bekannt gewor-\ndenen Fantaisie und Eremitage, besonders aber in dem\nGasthäuschen der wunderlichen Frau Rollwenzel Stunden\nder anregendsten Unterhaltung und Verehrung für den\ngrossen Dichter verlebt; nach Weimar, wo er sich auf\nlängere Zeit niederlässt, in lebhaftem Verkehr mit Göthe's\nSchwiegertochter Ottilie von Göthe stellt und mehrere\nAbende in Gemeinschaft mit Zelter an den Gesellschaften\nim Göthe'schen Hause sich belheiligt, von dem grossen\nDichter vielerlei Anregungen erfährt, sich im Allgemeinen\naber von seinem vornehmen, zurückhaltenden Wesen nicht\ngefesselt fühlt, besonders wenn er an Jean Paul zurück-\ndenkt. Wir sehen ihn hier die Bekanntschaft mit Johanna\nSchopenhauer, der Mutter des berühmten Philosophen,\nmit Hummel, Riemer, Eberwein machen, wir hören\nvon einem bei Göthe interessant zugebrachten Abende,\nan welchem Zelter seinen Schüler, den zwölfjährigen Fe-\nlix Mendelssohn, dem Dichterfürsten vorführt und die-\nsen mit Staunen und Bewunderung für das grosse musi-\ncalische Talent erfüllt.\nIn Heidelberg macht Rellstab die Bekanntschaft Kreu-\nze r's und des originellen, durch seinen alt-italiänischen Ge-\nsangverein geschätzten T h i ba u t, dessen Werk von der Rein-\nheit der Tonkunst seinerZeit Aufsehen erregte. Welcker,\nMoriz Arndt, A. W. v. Schlegel, P. Hebel, Caro-\nline Pichler ziehen an unserem Auge vorüber und er-\nfahren aus der Feder Rellstab's eine Charakteristik, welche\neben so eingehend wie liebevoll das Leben und Wirken\ndieser Persönlichkeiten veranschaulicht. Am meisten fesselt\nuns indess der Verkehr mit Beethoven aus dem Jahre\n1825, dem kranken, seinem traurigen Geschicke fast er-\nliegenden Genius. Es ist nichts künstlerisch Bedeutendes,\nwas aus diesem Aufenthalte Rellstab's in Wien hervor-\ngeht: er befindet sich öfters bei Beethoven und unterhält\nsich mit ihm vermittels einer Schreibtafel; aber in Betreff\nRellstab's sind die Beethoven-Gespräche beachtenswert!),\nweil die rührende Zärtlichkeit, mit welcher der junge\nDichter behandelt wird, in seinen Reise-Mittheilungen eine\njener trefflichen Charakteristiken hervorruft, in welcher die\nübersprudelnde Empfindung und Verehrung für den ge-\nschilderten Gegenstand mit der kunstvollsten Stilform Hand\nin Hand geht.\nWenn wir bisher den Lebensgang unseres Freundes\nüberblicken und dabei der damaligen Beschaffenheit poli-\ntischer Zeitungen, der beschränkten Interessen gedenken,\nan denen der allgemeine Leserkreis haftete, so dürfte nicht\nzu verkennen sein, dass ein in solcher Weise vorgebildetes,\ngerade in seiner besten Entwicklung stehendes Talent, in\ndie Mitarbeiterschaft einer Zeitung hineingezogen, dersel-\nben eine vorwiegende Bedeutung verleihen konnte. Dazu\nkam, dass Reilstab, von den interessanten Reisen aus\nDeutschland, der Schweiz und Italien nach Berlin eben zu-\nrückgekehrt, hier einen durch Henriette Sontag erreg-\nten Kunst-Enthusiasmus antraf, der zu seinen Reise-Ein-\ndrücken in schroffem Gegensatze stand. Ein Spiegel dieser\nseiner Stimmung war das unter dem Titel „Die schöne\nHenriette\" satyrisch-keck hingeworfene Charakter-Ge-\nmälde, in dem neben der gefeierten Künstlerin des Tages\nein schriftstellerisch so fein ausgeprägtes Licht auf einzelne\nPersönlichkeiten Berlins fiel, dass der Ruf des Verfassers\nvon dem Zeitpunkte ab in der Residenz festen Fuss fasste."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.6", "texte": "Für einen Feuilletonisten war demnach das Terrain hin-\nlänglich gelockert, es bedurfte nur der Saat, aus welcher\ndie bunten Bilder der berliner Gesellschaft, aber auch der\nErnst wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens her-\nvorschoss.\nJustiz-Commissar Lessing, aus einem Zweige der\nFamilie des berühmten Dichters und Kritikers entsprossen,\nwar damals Redacteur der Vossiscben Zeitung. Er gewann\nden jungen Schriftsteller. Am 31.0ctober 1826 erschien\ndie erste Kritik Rellstab's in der Vossischen Zeitung. Sein\nTalent, künstlerische Eindrücke wiederzugeben, dem Pu-\nblicum aus der Seele herauszuschreiben, wuchs von Jahr\nzu Jahr und erreichte seinen Höhepunkt 1847, von wo\nab das politische Leben Deutschlands, ja, Europa's in ganz\nneue Phasen eintritt. Vermögens-Verluste, welche das\nRevolutionsjahr ihm bereitete, und mancherlei andere\ntrübe Einwirkungen auf sein Gemüth lähmten einiger\nMaassen die geistige Kraft; der neuen Entwicklung des\npolitischen Lebens wollte sich seine Anschauung, sein Ge-\nmüth nicht öffnen, und er gab einen bedeutenden Theil\nseiner Thätigkeit auf. Wir müssen daher zur Würdigung\nseines schriftstellerischen Verdienstes um die Zeitung den\nangegebenen Zeitraum festhalten.\nIn möglichster Unbefangenheit denn an unserem\nCharakterbilde soll die Wahrheitsliebe einen eben so gros-\nsen Antheil wie die Freundschaft haben durchwandern\nwir Rellstab's musicalische Kritiken, welche diesem Ab-\nschnitte angehören. Es stellt sich uns ein Gesammtbild\nkünstlerischer Persönlichkeiten dar, die in einem Zeiträume\nvon mehr als zwanzig Jahren an dem Kunslhimmel der\ngebildeten Welt geglänzt haben. Wir lesen zunächst Be-\nrichte über die Sontag, die Catalani, die Schechner, Sessi,\nHeinefetter, Milder; folgende Jahre machen uns mit Hum-\nmel, Fräul. v. Schätzel, Paganini, der Schröder-Devrient\nbekannt; daran scbliessen sich die Namen Mendelssohn's,\nKalkbrennens, Wild's, der Gebr. Müller, der Mad. Schech-\nner-Wagen. Von 1835 treten heute allgemeiner gekannte\nund beliebte Kunstkräfte in den Vordergrund, indem wir\ndie der königlichen Bühne längere Zeit angehörenden,\nmehr oder weniger bedeutenden Mitglieder in ihren glän-\nzendsten Leistungen kennen lernen. Die Herren Bader,\nMantius, Krause, die Damen von Fassmann, Louise Schle-\ngel (Frau Köster), Tuczeck nehmen ein naheliegendes In-\nteresse in Anspruch, während vorübergehend die Concerte\nwie das Theater durch Sterne ersten Glanzes erhellt wer-\nden. Clara Novello und Pauline Garcia, die Geschwister\nMiianollo und Jenny Lind, Vieuxtemps, Thalberg, de Be-\nriot, Liszt und andere Grössen gehören in diesen Abschnitt.\nEs fehlt auch nicht an ausführlichen Urtheilen über her-\nvorragende oder neu auftretende Kunstschöpfungen. Ein-\ngehende Berichte über Bach's Passionsmusik, den Fidelio,\nBernhard Klein's „David\", Löwe's „SiebenSchläfer\", die\nMusik Mendelssohn's zum Sommernachtstraum und andere\nlesen wir mit lebhaftem Interesse.\nRellstab's musicalische Bildung beruhte auf einem ganz\nunzweifelhaften Talente. Dieses war in technischen Din-\ngen und in der Syntax der Kunst allerdings nicht in dem\nMaasse entwickelt, dass er im Stande gewesen wäre, eine\nSinfonie oder ein Quartett zu schreiben. Dass es dessen in\nder Kritik bedürfe, wird indess nur derjenige Künstler for-\ndern, der vielleicht etwas gelernt hat, dem es aber an dem\nBesten und Nothwendigsten fehlt. Freilich darf die tech-\nnische und die theoretische Bildung des Kritikers den Pro-\nductionen nicht so fern stehen, dass sie sich nicht überall,\nselbst in der Partitur eines grösseren Kunstwerkes, zurecht\nzu finden wüsste. Man erwäge indess, dass Reilstab für\neine politische Zeitung und für Leser schrieb, welche von\nTag zu Tag in dem Zusammenhange der Ereignisse und\nErscheinungen erhalten sein wollten. Solchem Zwecke ent-\nsprechen ein angeborener Kunstsinn, allgemeine ästhe-\ntische Bildung, populäre Darstellungsgabe und eine Wär-\nme der Empfindung, welche für Kunst und Künstler\neinzunehmen und zu begeistern weiss. Kritiker wie Fink,\nGottfried Weber, zum Theil auch Rochlitz können dem\nMusiker manchen beachtenswerthen technischen Wink\nan die Hand geben; ob seinem Werke, seiner Leistung\nder göttliche Funke innewohnt, werden sie nicht immer\nzu sagen wissen. Reilstab vermochte in schwierigen Fällen\ndas Erstere nicht, das Letztere stets.\nEr stellte sich jedoch ganz besonders die Aufgabe, die\nempfängliche und gebildete Masse der Laien und Dilettan-\nten in das Zauberreich der Töne einzuführen, sie für das\nSchöne und Grosse in der Kunst zu erwärmen. Seine Ur-\ntheile waren daher in den meisten Fällen positiver Art,\nselten vernichtend, und nur wo ihm Eitelkeit und Hoch-\nmuth, eine bei Künstlern so häufige Erscheinung, in grel-\nler Form entgegentrat, legte er das volle Gewicht seiner\nberedten Sprache und seiner Liebe zu dem unbedingt\nSchönen in die Richterschale. Wie überhaupt, so zeigte\ner namentlich seinem Gegner die offene Stirn, und nahm\neinen Kampf auf, selbst im Falle er eine Niederlage vor-\naussah. Um so schlimmer für ihn. Offenheit und Wahr-\nheit waren Grundzüge seines Charakters. Ob er gegen\nSpontini erlegen? Heute sind die Acten darüber ziemlich\ngeschlossen. Welchen Antheil persönliche Gereiztheit an\ndem Streite gehabt, lassen wir auf sich beruhen; Beide\nhaben gelitten und sind gestraft worden.\nMit den schaffenden Künstlern nahm es Reilstab mei-\n\\\nstens streng und gewissenhaft. Ihn leiteten dabei sittliche\nMotive; die Kunst stand ihm so hoch, dass er ein verfehl-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.7", "texte": "tes Künstlerleben als die unglücklichste aller Existenzen\nbetrachtete. Wer von der Ansicht ausgeht, dass ein Kriti-\nker niemals irren dürfe, und dass es ein Capital-Vergehen\nsei, sich im Laufe seines Lebens einmal zu widersprechen,\ndem diene manches schöne Selbstbekenntniss Rellstab's\nzur Antwort. Z. B.: „In Beziehung auf meine künstleri-\nschen Irrthümer und Fehlgriffe und wie viele habe ich\nderen gethan, und wie werde ich oft jetzt noch zweifel-\nhaft, ob ich früher oder später im Rechte bin! schone\nich mich nicht, sondern gebe mich mit meinen Wider-\nsprüchen und wechselnden Ansichten. Ich halte mich an\nden französischen Ausspruch, dass der nie eine Ansicht ge-\nhabt, der nie eine gewechselt.\" Bichtig verstanden, enthält\ndas Wort eine wohl zu beachtende Wahrheit. Im Rück-\nblick aul Rellstab's Kritiken verweilen wir mit herzlichem\nBehagen bei den Berichten, welche die Kunstleistung un-\nmittelbar oder die Persönlichkeit des Künstlers ins Auge\nfassen. Seine Zeichnung der Leonore und der Donna Anna,\ndurch Frau Schröder-Devrient im Jahre 1831 dargestellt,\nder Todtenfeier Klein's im Jahre 1832, der Iphigenie und\ndes Fidelro durch Fräul. Schechner (1829), der Concerte\nLiszt's (1841—43), vor Allem die Kritiken über die Ge-\nschwister Milanollo, die Bollen der Jenny Lind in den Jah-\nren 1844 —46 und das künstlerische Liebes-Denkmal,\nwelches er den edeln Geschwistern Fanny Hensel und Fe-\nlix Mendelssohn 1847 errichtet hat, sind musicalische Cha-\nrakteristiken, an denen der feine kritische Blick einen eben\nso wirksamen Antheil hat, wie das innige, ganz von seinem\nGegenstande erfüllte, von der Allgewalt der Kunst gefes-\nselte Gemüth.\nBei mancher irrigen Ansicht im Einzelnen traf Rell-\nstab in der Hauptsache stets das Richtige. Er besass für\ndie Eindrücke des bedingt und unbedingt Schönen eine\nEmpfänglichkeit, die schnell und sicher aufnahm und für\ndas zu Bezeichnende das treffende Wort, die verständlichste\nund oft schönste Wendung bei der Hand hatte. Diese\nseine Feinfühligkeit wurde nicht nur von Laien, sondern\nselbst von Künstlern anerkannt, und wir erinnern uns\ndarüber beifälliger, sogar bewundernder Aeusserungen aus\ndem Munde Mendelssohn's, der mit seiner offenen Meinung\nbekanntlich nicht zurückhielt. Die humoristische Seite Rell-\nstab'scher Kritik zur Satire wandte sich das weiche Ge-\nmüth fast nie lernt man aus den zwölf Jahrgängen der\nvon ihm herausgegebenen kleinen musicalischen Zeitschrift\n„Iris \", die mit dem Jahre 1840 abschloss, kennen. In ihr\nbesprach Rellstab die musiealischen Erscheinungen der\nZeit, welche seinem Urtheile ohne besondere Mühe zugäng-\nlich waren.\nDie Thätigkeit Rellstab's für die Vossische Zeitung\nreicht aber weit über seine musicalisch-kritischen Arbeiten\nhinaus. Die lledaction dos französischen Artikels lag eine\nlange Zeit in seinen Händen und wurde namentlich in den\ndreissiger Jahren mit vieler Umsicht ausgeübt; Ereignisse\ndes städtischen und gesellschaftlichen Lebens, von ihm dar-\ngestellt, gewannen sich jederzeit einen theilnehmenden Le-\nserkreis; Erscheinungen der Literatur, von ihm in die Oef-\nfentlichkeit eingeführt, bedurften kaum eines weiteren Für-\nsprechers. Dabei war er für eine grosse Anzahl auswärtiger\nZeitschriften thätig, bildete Sänger und Sängerinnen für\ndie Bühne vor und schrieb bändereiche Romane, Novellen,\nDramen und Gedichte. Wir besitzen seine bei Brockhaus\nin Leipzig erschienenen gesammelten Schriften; würde man\naber alles, was er geschrieben, in Bücher fassen, so liesse\nsich davon eine ganze Bibliothek anfüllen. Zur Ausübung\neiner so rastlosen Thätigkeit gehörte eben sowohl eine un-\ngewöhnliche Begabung wie eiserner Wille und beispiel-\nloser Fleiss. Unter den belletristischen Werken nehmen,\nausser einzelnen seiner vielen Novellen, die beiden Romane\n„1812\" und der zuletzt geschriebene, „Drei Jahre von\ndreissigen\", die erste Stelle ein. Es unterliegt keinem\nZweifel, dass Rellstab's Talent sich am sichersten in der\nSchilderung von Zuständen, Ereignissen und Eindrücken\nbewegte. Dennoch begegnete es ihm, dass er diese seine\nvorwiegende Gabe verkannte. In dem Gedanken, die deut-\nsche Oper umzugestalten, war der edle Zweck rühmens-\nwerth, die Kraft aber reichte nicht aus; sein dramatisirter\n„Eugen Aram\" gewann sich einen Erfolg der Anerken-\nnung, weil ihm die Vorarbeit zu Statten kam; sein „Feld-\nlager\" wurde durch Meyerbeer's Musik und mit dieser\ndoch auch nur einige Jahre getragen. Für den aus der be-\nstimmtesten Gegensätzlichkeit der Charaktere sich ergeben-\nden Fluss der Handlung, für frappirende Zusammenstel-\nlung, durch welche die Theilnahme concentrirt wird, für\ndiejenige Kürze und Schärfe des Ausdrucks, welche eine\ndramatische Composition erfordert, war seine Feder zu\nlyrisch weich, seine Anschauung zu breit. Die Natur hatte\nihn zum Epiker, zum Erzähler geschaffen. Indess er wollte,\nund sein Wille brachte es auch hier zu einem gewissen\nErfolg. Wie ihn die Vorliebe für anerkannte Richtungen\nin der Kunst zuweilen gegen neu auftauchende, seiner viel-\njährigen Erfahrung widerstreitende Bestrebungen unge-\nrecht erscheinen liess, so überschätzte er nicht selten das\nMaass einer künstlerischen Kraft, die seinen Ansichten ent-\ngegenkam. In solchen Fällen ging das Vorurtheil und das\ngute Herz mit ihm durch. Daraus erklären wir einerseits die\nAbneigung gegen Spontini, andererseits die Ueberschätzung\nBernhard Klein's und Ludwig Berger's, denen er in Mono-\ngraphieen Denkmale der Liebe und Verehrung setzte.\nBellstab war seit dem Jahre 1834 sehr glücklich ver-\nheirathet und betrachtete von da ab das Leben im Hause,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601222-01.1.8", "texte": "im Kreise seiner Familie als eine Oase, die ihn aus dem\nWirbel aufregender Mühen zu heiterer Ruhe und Er-\nquickung einlud. Immer war es ihm die grösste Freude,\nin seinem Hause werthe Freunde um sich zu versammeln,\ndie er dann durch seinen Humor, durch seine glückliche\nGabe der Erzählung und seine Gemüthlichkeit fesselte. Ein\nso gemüthvolles Leben und Weben im häuslichen Kreise\nberührte aber nicht etwa nur die Oberfläche desselben,\nsondern drang in die innersten Beziehungen ein.\nEr hatte sein Haus längst bestellt. Der Hinblick auf\ndie Todesart seines Vaters, die in den beiden letzten Jah-\nren vorangegangenen Anzeichen legten ihm die Wahr-\nscheinlichkeit eines baldigen Heimganges nahe. Wenn wir\nerwägen, dass sein Geist nicht rasten noch ruhen konnte,\ndass er nach menschlicher Erfahrung einer bedenkliche-\nren Schwäche hätte verfallen müssen, so haben wir bei\nallem Schmerz der Familie und der Freunde Rellstab's\nLoos zu preisen. Ein höherer Wille meinte es gut mit\nihm. Unter heiteren Bildern nahte die Abend-Abschieds-\nstunde, der ein thränenvoller Morgengruss folgen sollte.\nDie Nacht vom 27. zum 28. November ward ihm zum\nTage ewigen Lichtes. Er erlebte Ruhm, Ehre und Liebe,\nsie werden ihn überleben! (Voys. Ztg.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFraaik.fdirt a« M«, 2. December. In vergangener Woche\nveranstaltete Fräulein Amelie Bido aus Wien ein Concert. Die\nConcertgeberin hatte ihr Programm vorzüglich durch classiscbe Pie-\ncen ausgezeichnet, und es war darum dessen Ausführung, nament-\nlich für strengere Musikfreunde, von grossem Interesse Das Beet-\nhoven'sche B-dur-Quartett (Nr. 6) leitete den Abend ein. Die zweite\nAbtheilung brachte eine Bach'sche Meditation für Piano, Violine und\nVioloncell.\nAm 27. November brachte der Rührsche Gesang-Verein das Ora-\ntorium Belsazar von Händel zur Aufführung\nJSortJieilWj in Hannover. Am 12. December spielte der Kam-\nmer-Virtuose August Kömpel aus Hannover im Concerte zu\nNortheim (wo sein Geschick für eine höhere musicalische Lauf-\nbahn sich einst entschied) zum ersten Male öffentlich auf der ihm\nvon dem ausgezeichneten Kunstfreunde Herrn Amtsrath Lueder zu\nKattenburg wundervollen Geige des verewigten\nLouis Spohr.\nKassel* Am 20. November fand das erste der diesjährigen\nAbonnements-Concerte Statt. Ouvertüre nebst Scenen aus Alceste\nund Vorträge von dem ausgezeichneten Violinisten Kömpel und\ndem Pianisten Mortier de Fontaine bildeten den Haupt-Inhalt\ndesselben.\nDie musicalische Akademie in München hat jüngst anlässlich\ndes fünfzigjährigen Jubiläums ihres Bestandes eine Gesammt-Ueber-\nsicht sämmtlicher seit 1810 in ihren Concerten aufgeführter Ton-\nwerke veröffentlicht, welche Zeugniss für die edle Richtung dieses\nInstituts und den streng classischen Maassstab, der fast durchgängig\nfestgehalten wurde, liefert. Nach derselben wurden in diesem Zeit-\nräume 291 Sinfonieen, 401 Ouvertüre, 59 Oratorien, 65 Chöre\nu. s. w. aufgeführt. Die Namen der Tonsetzer, deren Werke produ-\ncirt wurden, weisen in überwiegender Mehrzahl Classiker auf. Die\nZukunftsmusik ist nur schwach vertreten. Liszt figurirt mit 2 sym-\nphonischen Dichtungen und 1 Concertstück für Piano, Richard Wag-\nner mit 2 Ouvertüren, Kietz mit einer Sinfonie und einem Schlacht-\ngesang, Berlioz zwei Mal mit Ouvertüren, mit einer Arie und einer\nSinfonie, Gade mit einer Phantasie und einer Sinfonie u. s. w."}]}