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Schluss. Beurtheilungen. Hafis-Ouverture, Op. 21, Novellette für Pianoforte, Op. 24,\nLiebes-Frühling, Op. 27, von L. Ehlert. Missa I. Missa 11. von R. Volkmann. Ueber C. M. von Weber's Geburtstag. Stossseufzer\neines französischen Musikers. Aus Kassel (Musik-Zustände). 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S. Nr. 48, 49 und 5n.)\nNach der Vollendung der grossen Messe in D halte\nBeethoven Veranlassung, sich noch einmal mit einer ähn-\nlichen Arbeit zu beschäftigen. Diese Veranlassung kam\nvon hoher Stelle. Die Grafen Moriz Lychnowski und Moriz\nDietrichstein kamen überein, ihm vorzuschlagen, eine Messe\nfür den Kaiser Franz zu schreiben. Ihre höchst wohlwol-\nlende Absicht dabei war, Beethoven mit dem > ofe, der\nnoch nichts für ihn gethan hatte, in nähere Berührung zu\nbringen. Es geschah dies im Anfange des Jahres 1823.\nDer Meister schien Anfangs auf den Vorschlag einzu-\ngehen, wie aus vielen Daten bei Schindler erhellt. Am\nEnde aber wies er ihn entschieden zurück und erklärte,\n„die Compositionen für den Kaiser müssten für spätere\nTage suspendirt bleiben\" (Schindler, 11., S. 32). Bei den\nGrafen entschuldigte er sich mit überhäufter Beschäftigung\ndurch die „Correctur der subscribirten Exemplare der\nMissa\" und durch bereits eingegangene Verbindlichkeiten\nfür andere Arbeiten. Schindler erklärt die Abweisung\ndurch „augenblickliches Bedürfniss baaren Geldes für\nSchuldentilgung\" und hauptsächlich durch Beethoven's\n„demokratische Abneigung\" gegen den kaiserlichen Hof.\nEs mögen diese äusseren Gründe allerdings zu Beet-\nhoven's Entschluss beigetragen haben. Dem wiener Hofe\nhatte er auch keine Subscriptions-Einladung auf die Missa\nsolemniszugesandt, jedoch wohl nur in der Ueberzeugung,\ndass derselbe doch nichts für ihn thun würde; dass die\ndemokratische Gesinnung dabei mit im Spiele gewesen,\ndem widerspricht die Thatsache der Einladung an andere\nKönige und Fürsten und der Stil der Einladungsschreiben.\nGewiss hatte Beethoven noch einen inneren, rein\nkünstlerischen Grund—und wohl mochte dieser der ent-\nscheidendste sein für seine Weigerung. Wenn wir den\nBrief des Grafen Dietrichstein an den Grafen Lychnowski"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5396, "texte": "vom 23. Februar 1823 (Schindler, IL, S. 30) betrachten,\nder sich auf diese Angelegenheit bezieht, so wird uns jener\nGrund nicht verborgen bleiben können. Es heisst darin:\n„Ich schicke Dir hier zugleich die Partitur einer\nMesse von Reutter*), welche Beethoven zu sehen\nwünschte. Wahr ist es, dass Se. Maj. der Kaiser diesen\nStil liebt, indessen braucht Beethoven, wenn er eine Messe\nschreibt, sich nicht daran zu halten. Er möge nur seinem\ngrossen Genie folgen und bloss berücksichtigen—dass die\nMesse nicht zu lang, noch zu schwer in der Ausführung\nwerde; dass es eine Tut li-Messe sei und bei den Sing-\nstimmen nur kleine Sopran- und Alt-Solo's vorkommen\n(wofür ich zwei brave Sängerknaben habe**)—doch we-\nder Tenor-, noch Bass-, noch Orgel-Solo's höchstens für\nden Tenor, weil Barth dann singen würde. Bei Instru-\nmenten könnte ein Violin-, oder Oboe-, oder Clarinett-Solo\nangebracht werden, wenn er es wollte.\n„Fugen lieben Se. Majestät sehr, gehörig durchge-\nführt, doch nicht zu lang; das Sanctus mit dem Osannci\nmöglichst kurz, um nicht die Wandlung aufzuhalten; und\nwenn ich etwas für mich beifügen darf: —das\nnobis pacem mit dem Agnus ohne besonderen Ab-\nsprung, was bei zwei Messen von Händel (aus dessen An-\nthems zusammengesetzt), zweien von Naumann und von\nAbbe Stadler eine besonders schöne Wirkung macht.\n„Dies wären in Kürze meiner Erfahrung gemäss die\nzu beobachtenden Rücksichten\" u. s. w.\nDiese Winke, einem Charakter und Geiste wie Beet-\nhoven in dem Augenblicke gegeben, wo er noch mit der\nDurchsicht der Abschriften des gewaltigsten Werkes, das\ner geschaffen, beschäftigt war, konnten schwerlich bele-\nbend auf den Meister wirken. Der Genius, der so eben auf\nbisher noch unversuchten Bahnen eine nie geahnte Höhe\nerstiegen, der von dieser Höhe in das, man möchte sagen:\nbuchstäblich zu nehmende Schrankenlose hinaus seine\nSchwingen entfaltet hatte, der sollte sich bei einem Werke\nderselben Gattung die Flügel binden lassen von einem\nSterblichen? Unmöglich! Aber wohl möglich, dass gerade\ndesshalb, weil dieser Sterbliche ein Kaiser war, der Ent-\nschluss der Freiheit um so trotziger in dem stolzen Herzen\ndes Künstlers Wurzel schlug.\nNehmen wir zu dem, was oben in Nr. 48 und 49\nüber Beethoven's religiöse Gefühle und Ueberzeugungen\ngesagt ist, noch folgende Stelle aus seinem Tagebuche\nhinzu:\n„alsdann reisen dieses bist du dir. den Menschen und\nihm, dem Allmächtigen, schuldig, nur so kannst du noch ein-\nmal alles entwickeln, was in d r verschlössen bleiben muss\nund ein kleine Hof— eine kleine Capelle von mir,\nin ih ivden tiesang geschrieben, angeführt, zur\nEhre des Allmächtigen des Ewigen, Unend-\nlichen. So mögen die letzten Tage verfiiessen\nund der künftigen Menschheit. Händel, Bach, Gluck, Mo-\nzart, Havdn's Porträte in meinem Zimmer sie kön-\nnen mir auf Duldung Anspruch machen helfen\"\nso wird es uns klar werden, dass die Composition einer\nkaiserlichen Messenach des wohlmeinenden „Musikgrafen\"\nWinken nichts für Beethoven war. Je mehr er darauf ein-\nzugehen schien, je breiter er über die Sache mit Freunden\nsprach, desto ärger mochte die Reaction in seinem Innern\nsein, wenn er allein war. Vielleicht könnte die Correspondenz\nBeethoven's mit dem Cardinal Erzherzog Rudolf, welche nach\nMittheilungen des Secretärs des Cardinais „Erklärungen\nüber seine Weigerung\" enthält (Schindler 11. S. 33), sogar\neinen urkundlichen Beweis für unsere Ansieht liefern *).—\n# . .\nUnter den notirten Aufzeichnungen aus jener Zeit fanden\nsich (nach Schindler) einige, über welche deutlich geschrie-\nben war: „Zur Messe in Cis-moEs war aber nicht zu\nermitteln, ob sie für die gewünschte kaiserliche Messe be-\nstimmt gewesen sein mögen.\nUeber die erste Aufführung der Missa solemnis in I)\nam 7. Mai 1824 zu Wien ist das mannigfach Interes-\nsante bei Schindler nachzulesen. Wir erwähnen davon, dass\nsie im Theater an der Wien (der damalige Direclor des-\nselben war Graf Pal fy) Statt fand, und dass das Verbot\nder Aufführung unter dem Titel und mit dem la-\nteinischen Text erst in der letzten Stunde auf Verwen-\ndung des Grafen Fvchnowski durch den Policei-Präsidenten\nO V\nGrafen Sedlnilzky, wenigstens in Bezug auf den lateinischen\nText beseitigt wurde. Vollständig wurde sie nicht gege-\nben, sondern nur das Kyrie, Credo, Agnus Dei und Dona\n\n*) „Georg von Reutter, geb. 1705, zuletzt wirklicher Hof-\nCapellmeister in Wien, y 1772 a So Schindler. Nach\nGerber war Georg R 1660 in Wien geboren und lebte noch\nim Jahre 1781 im 71. Jahre seines Alters. Dessen Sohn Karl\nReutter stand 1731 in seinem 34. Jahre (also 1697 geboren)\nals Organist an der Stephanskirche zu Wien; wahrscheinlich\nist dieser letztere in dem Schreiben des Grafen gemeint.\n**) Graf Moriz Dietrichstein war damals „ Hofmusik-Graf*, d. i.\nVorsteher der kaiserlichen Hofcapelle«\n*) Diese Correspondenz ist nach dem Tode des Cardinais in den\nBesitz der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien\ngekommen. Schindler scheint sie nicht benutzt zu haben oder\nnicht in der Lage gewesen zu sein, sie benutzen zu können.\nDiese Correspondenz dürfte aber jedenfalls eine höchst schätz-\nbare Quelle für Beethoven's innere Lebensgeschichte sein. Es\nwäre Sache der wiener Musikfreunde und Musik-Historiker,\ndiesem Gegenstande ihre Aufmerksamkeit zu widmen und uns\nAufklärung darüber zu geben Was den besonderen, oben be-\nsprochenen Punct betrifft, so wäre darüber die Correspondenz\naus der ersten Hälfte des Jahres 1823 einzusehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "419", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5351, "texte": "unter dem Titel „Drei grosse Hymnen mit Solo- und\nChorstimmen\". Aus Rücksicht auf die Zeitdauer hatte\nBeethoven von vorn herein das aufgegeben, nach-\nher auch mit grossem Bedauern das und\ndictus, welche Sätze in den Proben gemacht worden waren.\nFreilich wurden in derselben „Akademie von Herrn\nLudwig van Beethoven\" noch die Ouvertüre Op. 124\n(„Zur Weihe des Hauses\" vom Jahre 1822) und nach\nder Messe die neunte Sinfonie aufgeführt. Das Solo-\nQuartett war in beiden Werken durch die Damen Hen-\nriette Sontag und Caroline Unger, die Herren\nHaizinger und Seypelt besetzt.\nDas Wichtigste der Aufführung für uns und das\nEhrenvollste für das damalige Publicum von Wien ist\nder geschichtlich feslstehende ungeheure Erfolg derselben.\nVon den lauten Zeichen dieses Erfolges halte Beethoven\nselbst, der dem Dirigenten, Capellmeister Umlauf, zur Seite\nstand und das Tempo bei jedem Satze angab, nichts ge-\nhört: denn er wandte beim Ausbruch derselben der Zu-\nhörerschaft den Rücken zu. Da drehte Caroline Unger den\nMeister nach dem Proscenium hin dem Publicum zu und\nzeigte ihm die Begeisterung der Zuhörer, die mit den Bei-\nfallsrufen Hüte und Tücher schwenkten. Beethoven dankte\ndurch eine Verbeugung. Das war das Zeichen zum Los-\nbrechen eines kaum erhörten, nicht enden wollenden Ju-\nbels. (Schindler 11. S. 71.)\nUnd der Berichterstatter über diese Akademie in der\nleipziger Allgemeinen Musikzeitung (1824. S. 437) sagt:\n„Wo soll ich Worte hernehmen, meinen Lesern über diese\nRiesenwerke Bericht zu erstatten!\" und nach Rüge\nmancher Mängel in der Ausführung (es waren nur zwei\nGesammlproben gewesen) fährt er fort: „Und dennoch\nwar der Eindruck unbeschreiblich gross und herrlich, der\nJubelruf enthusiastisch, welcher dem erhabenen Meister\naus vollerßrust gezollt wurde, dessen unerschöpfliches Ge-\nnie uns eine neue Welt erschloss, nie gehörte, nie geahnte\nWundergeheimnisse der heiligen Kunst entschleierte.\"\nW ir führen diese Bestätigungen des Erfolgs der gröss-\nten Beethoven'schen Werke gleich bei ihrer ersten Anhö-\nrung absichtlich an, um für so manche Gern-Beethovens\nder neueren Zeit die Nichtigkeit der Entschuldigung für\nden Durchfall ihrer Kunslschöpfungen, dass ja auch Beet-\nhoven's Werke, zum ersten Male aufgeführt, keinem Men-\nschen gefallen hätten, bloss zu legen.\nAuch die hochthronenden Ausleger und Dolmetscher\nBeethoven'scher Werke, die uns glauben machen wollen,\ndass ihre Traumdeuterei erst die Räthsel Beethoven's ge-\nlös't und seine Geheimnisse durchdrungen habe, mögen\nsich an dem Verständnisse und den Erfolgen seiner Werke\nim Anfange unseres Jahrhunderts spiegeln und erröthen.\nWer über die erste Aufnahme der Beethoven'schen Werke\nnach zeitgenössischen vereinzelten Aussprüchen bornirter\nKritiker urtheilt, ist in vieler Beziehung im Irrthum. Im\nAll gemeinen hatte Beethoven schon in den Jahren 1808\nbis 1812 die ganze jüngere Generation im nördlichen\nDeutschland dermaassen für sich, dass die Begeisterung\nO c?\nlür ihn, wie ich mich dessen sehr gut aus den musicali-\nschen Kressen, in denen ich von meinem dreizehnten Jahre\nan lebte, erinnere, die Kunstfreunde sogar gegen Mozart\nzur Ungerechtigkeit verleitete. Auf den Gymnasien und\nUniversitäten gab es Beethovianer und Mozartianer, eben\nso wie Schiller- und Göthe-Enthusiasten, die förmliche\nParteien bildeten. Und mit welcher Hast und Begierde\nfahndeten wir nach jeder neuen Offenbarung des grossen\nGenius, z. B. nach dem Clavier-Trio Op. 97 in B-dur,\nnach den Arrangements der siebenten und achten Sinfo-\nnie, die unmittelbar nach den Kriegsjahren 1813 1815\nerschienen! Wie glücklich waren wir, wenn wir in einem\nWinkel des Musikzimmers die Violin-Quartelte, nicht nur\nOp. 18, sondern auch Op. 50 und 74 (1807 und 1810\nerschienen) mit anhören konnten! Und nun gar die Sinfo-\nnieen mit vollem Orchester!\nUnd die Kritik? das heisst die vernünftige, verstand-\nund geistvolle, nicht die schulfüchsige, verknöcherte!-Man\nlese doch, was Amadeus Wendt in der Allgemeinen\nMusicalischen Zeitung in den Jahren 1810 bis 1815 über\nBeethoven geschrieben hat! Es wäre wahrlich an derZeit,\nseine trefflichen Aufsätze über Fidelio, die Sinfonia\ndie C-moK-Sinfonie, die Pastoral-Sinfonie u. s. w. einmal\nwieder abdrucken zu lassen, um sie z. B. gegen Richard\nYVagner's verzwicktes Programm zur Gumberts\nPhantasterei über die J.-e?wr-Sinfonie u. s. w. u. s. w. zu\nhalten. Wenn ein öffentliches Organ der musicalischen\nKritik, das zugleich bei seiner Verbreitung und der gros-\nsen Theilnahme des Publicums als ein Echo des damaligen\nGeschmacks gelten darf, bereits vor fünfzig Jahren Ur-\ntheile über Beethoven's Musik fällte, wie sie in den ange-\nführten Artikeln von A. Wendt (vergl. besonders Jahrg.\n1815) ausgesprochen werden, so geht daraus hervor, dass\nBeethoven's Partituren für die Zeitgenossen ihrer Entste-\nhung keineswegs Bücher mit sieben Siegeln, deren Lösung\nder „Zukunft\" vorbehalten geblieben wäre, gewesen\nsind, obwohl nicht geläugnet werden soll, dass wir seitdem\nwie es bei der fortschreitenden Entwicklung der Musik-\nWissenschaft, namentlich der musicalischen Aesthetik, und\nder wiederholten Anhörung trefflicher Ausführungen der\nWerkejeder Gattung ganz natürlich ist—allerdings inßezug\nauf Verständniss und Auffassung Beethoven's Fortschritte ge-\nmacht haben. Diese Fortschritte haben aber auch eine Menge\nvon Auswüchsen veranlasst, und bekanntlich zu einstimmiger\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "420", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1115, "texte": "Würdigung der grössten Werke, der Messe in und der\nneunten Sinfonie, so wie der letzten Clavier-Sonaten und Vio-\nlin-Quarlette, noch keineswegs geführt. Müssen wir doch\nin Bezug auf die Ausführung, trotz vollständiger Aner-\nkennung der ungeheuren vervollkommneten Technik in den\nOrchestern und auf dem Pianoforte, daran erinnern, dass\ndie Fortschritte in der mechanischen Leistung häufig\nzu Rückschritten in der geistigen Wiedergabe Beetho-\nven'scher Werke geführt haben.\nZur Vervollständigung der historischen Uebersicht der\nAufführungen der Missa solemnibei Schindler 11. 85 er-\nwähnen wir, dass auf den niederrheinischen Musikfesten\nbereits im J. 1827 zu Elberfeld das Kyrie und Gloria,\nund im J. 1844 zu Köln die ganze Messe vollständig un-\nter 11. Dorn's Leitung aufgeführt worden ist. Dies war\nmithin die erste vollständige Aufführung am Rhein\nund in Deutschland überhaupt; hierauf folgte die zweite\nbei dem Beethoven-Fest zu Bonn im Jahre 1845 unter\nSpohr's Direction. In Köln ist in dem letzten Jahrzehend\ndie-Missa unter F. Hiller's Leitung zwei Mal vollständig\nin den Abonnements-Concerten gegeben worden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "420", "page_fin": "421", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "420", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.4", "debut_caractere": 1117, "fin_caractere_exclue": 5088, "texte": "Beurtheilungen.\n\nHafis-ouverture, lür Orchester componirt von\nL. Ehlert. Op. 21. Breslau, Leuckart. Partitur\n4 Thlr.\nNovellette für Pianoforte von demselben. Op.\n24. Ebendaselbst. 25 Sgr.\nLieb es- Früh Ii ng von Rückert. Sieben Gedichte für\neine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung. Von\ndemselben. Op. 25. Ebendaselbst. 27 Sgr.\nDie Leser erinnern sich wohl noch der musicali-\nschen Briefe an eine Freundin, aus denen zur Zeit einige\nAuszüge mitgelheilt wurden. Es wurden damals anerken-\nnende Urtheile über die Auffassung des Verfassers laut, ja,\nsein Büchlein war eine Lieblings-Lecture der Salonwelt\ngeworden. Der Componist vorstehender Tonwerke ist der-\nselbe; er hat sich den Weg für seine musicalischen Gei-\nsteskinder durch jenes Büchlein gebahnt. Auch der Kritik\nist ihr Geschäft erleichtert; es ist nicht erst nöthig, den\nmusicalischen Standpunkt festzustellen; aus den eigenen\nW orten Ehlert's kennt Jeder dessen Anschauungen. So\ngünstig aber alles dieses dem Componisten entgegenkommt,\nso dürfen doch die Verdienste des Schriftstellers nicht ein-\nzig gelten. Betrachten wir daher die Opera genauer.\nAus den Liedern von Rückert spricht ein tiefes Ge-\nfühl; die Empfindung des Sängers ist eine von der ge-\nwöhnlichen verschiedene; er begnügt sich nicht, die gleis-\nsende Oberfläche des W assers abzuspiegeln, er steigt tief\nhinab und ist bemüht, die Perlen aus dem Grunde herauf-\nzuholen; er gibt die Worte des Gedichtes nicht etwa ein-\nfach in Tönen wieder, er sucht alle die Geheimnisse aus-\nzusprechen, welche die Wortsprache nur anzudeuten ver-\nmag. Dass er aber die Ciavier-Begleitung so schwierig ge-\nmacht, werden auch Andere hart fühlen.\nDie Novellette ist Ferdinand Hiller gewidmet, und\nes kommt mir vor, als ob ich aus dem Musikstücke die\nBetheuerung der Liebe, des Dankes und der innigsten Ver-\nehrung für diesen hochverdienten Meister heraushörte; ich\nwerde mich kaum täuschen, wenn ich darin eine Scene\naus dem inneren Geistesleben wiedererzählt finde. Sei dem,\nwie ihm wolle, das Stück ist hervorragend, ganz beson-\nders auch durch die Einfachheit der Anlage und die Klar-\nheit der Durchführung. Man erkennt den denkenden Mu-\nsiker, welchem Herz und Verstand in den schönsten Ein-\nklang zu bringen gelungen ist. Der Spieler aber darf sich\nnicht etwa begnügen, die technischen Schwierigkeiten, die\njedoch nicht gross sind, zu überwinden; vor Allem rnuss\ner sich eines feinen, geistvollen Vortrages befleissen, dann\nkann dem Stücke warmer Beifall nicht fehlen.\nIn der Hafis-Ouverture (D-dur) sind die hervor-\ngehobenen Eigenschaften Ehlert's vereinigt, und ist dieses\nWerk daher gar sehr der Beachtung würdig, besonders\nvon Seiten der grösseren Musik-Vereine, deren Repertoire\neine namhafte Bereicherung dadurch erfahren wird. Es\nweht durch das Ganze ein Geist stillen Friedens, wie ihn\nder Mensch zu fühlen pflegt, wenn er reinen Herzens durch\ndie Natur wandelt; die Worte, die gleichsam als Motto vor-\ngestellt sind, fanden ihre wahrste Interpretation. Wird das\nWerk gut vorgeführt (es ist leicht), so muss es in den\nHöi ern jenes Gefühl zurücklassen, das Hafis nicht anders\nals durch Glück und Seligsein auszusprechen wusste. Selbst-\nverständlich ist daher die Anlage der Ouvertüre ganz ein-\nfach, die Themata durften nicht anders sein. Wie aber\ndie Natur aus dem Einfachsten Grosses und Schönes ent-\nwickelt, so that es Ehlert auch mit seinen Thematen. Ohne\nbesonderen Aufwand ungewöhnlicher Mittel schuf er ein\nwahrhaft schönes Tonslück, dem Eines namentlich inne-\nwohnt: eine keusche und adelige Wahrheit.\nMissa I. für Chor und Solo. Missa 11. für Chor\nund Solo. Von R. Volkmann. Pesth, bei\nIleckenast. (Preis?)\nTheilt man auch nicht allerwärts die lleberzeugung,\ndass ein Besserwerden der Kirchenmusik durch das Zu-\nrückgehen auf das Mittelalter bedingt sei, so macht sich\ndoch ein heiliger Ernst bei den neuesten Kirchen-Compo-\nnisten geltend. Bei Volk mann ist das unverkennbar. Seine\nobigen Arbeiten athmen religiöse Weihe und ernsten Sinn;"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2321, "texte": "er nimmt die Textesworte nicht etwa vereinzelt und beu-\ntet sie in kleinlicher Weise aus, nach Art der Dramatiker,\ndenen auf ihrem Felde dieses Recht nicht bestritten wer-\nden will. Er fasst die heilige Handlung als solche, vertieft\nsich in ihre Bedeutung, vergisst nie das Wechselverhält-\nnis;» zwischen Priester und Volk; er tritt daher nie sub-\njecliv au,f, sondern lediglich objeetiv, verfällt nie in leiden-\nschaftliche, hier jedenfalls unwürdige Unebenheiten, son-\ndern singt stets ruhig, ergeben, demülhig und vertrauend.\nNach dieser Charakteristik lässt sich leicht die Art und\nWeise des künstlerischen Schaffens Vo.kmuau's, so wie auf\ndie Beschaffenheit seiner Werke selbst schliessen. Ohne\nder Meiodie ungerecht zu werden, tritt doch die Harmonie\nals herrschend vor. Diese aber entfaltet alle ihre Künste\nund Geheimnisse; dass dabei Voikmann doch klar, fasslich\nund sogar leicht bleibt, ist ein Beweis für seine Gewandt-\nheit; ihm ist Hegel und Form zum vollkommenen Eigen-\nthum geworden. Daher sieht man seinen Werken, wie es\nbei weniger Eingeweihten und Geübten der Fall ist, die\nMühe des Macheus nicht an; sie sind geworden.\nDasselbe gilt in gleichem Maasse von seinen drei\nreligiösen Gesängen für fünf und sechs Stimmen und\nOrgel. Im ersten ringt zwar noch die Form mit dem Geiste\n'•iger Maassen, aber siegreich bricht dieser durch in den\nzwei letzten.\nSeine übrigen mir bekannt gewordenen Compositionen\nthcilen ohne Ausnahme die genannten Vorzüge. Seine vier\nTageszeiten für Pianoforte sind leicht, schön\nerfunden und tief empfunden, übrigens Programm-Musik\nund daher Antheil nehmend an all dem Guten und Nicht-\nguten derselben. Seine drei Lieder für eine Sing-\nstimme und Ciavier erheben sich über das gewöhnliche\nNiveau; Nr. 1., „Das schönste Grab\", zählt zu den geist-\nreichsten Erfindungen der lyrischen Ton-Muse. Von den\nVariationen über ein Händel'sches Thema für\nCiavier kann ich gleichfalls nur Lobendes sagen; sie sind\nnicht nach hergebrachten Schablonen gearbeitet, geistlos\nwie Tausende ihrer Schwestern; Volkmann gibt gleichsam\nin jeder einzelnen die eigentümliche Auffassung und In-\nterpretation desselben Gedankens von verschiedenen Per-\nsönlichkeiten. Die Wahl eines Thema's von Händel bekun-\ndet schon den denkenden Künstler. Ueber seine Violin-\nQuartette werde ich nächstens berichten.\n\nM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-29_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "421", "page_fin": "421", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.2.4", "titre_corps": "Ueber C. M. von Weber’s Geburtstag.", "titre_sommaire": "Ueber C. M. von Weber’s Geburtstag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.5", "debut_caractere": 2323, "fin_caractere_exclue": 4209, "texte": "Ueber C. M. von Weber’s Geburtstag.\nIn allen Biographieen Carl Maria von Weber's wird\nder 18. December 1786 als der Tag seiner Geburt an-\ngenommen, und es ist gewiss, dass er selbst diesen Tag\nals seinen Geburtstag angegeben und gefeiert hat.\nDerselbe Tag findet sich auch in einem Schreiben be-\nzeichnet, welches der dreizehnjährige Weber in gereiztem\nlone bei Gelegenheit der Aufführung seines ersten Opern-\nVersuches: „Das Waldmädchen\" (später zur Oper „Syl-\nvana\" umgearbeitet) in Freiberg an den dortigen Can-\ntor J. G. F. Erliess, worin er auf eine Erklärung des\nbesagten Cantors vom 24. Januar 1801 sich äussert:\n„Dass ich den 18. December 1787, Abends halb eilf\nUhr, geboren bin, beweis't mein Taufschein; folglich bin\nich nicht angeblieh, sondern wirklich erst dreizehn\nJahre alt*).\" —liier hat er sich nun wohl durch die Jah-\nreszahl 1787, statt 1786 , ein Jahr jünger gemacht. Dess-\nhalb stimmt denn diese eigene Angabe weder in Bezug\nauf das Jahr, noch auf den Tag zu der Gedächtniss-\ntafel, welche an dem Geburtshause Weber's zu Eutin\nin der Lübecker Strasse angebracht und am 12. Septem-\nber 1853 enthüllt wurde.\nDie Inschrift auf dieser Tafel lautet:\nIn diesem Hause ward geboren\nCarl Maria von Weber.\nGetauft zu Eutin 20. November 1786.\nGestorben zu London 5. Juni 1826.\nVergleicht man hierzu den Bericht vom 17. Septem-\nber 1853 in der „lllustrirten Zeitung\", Nr. 533, S. 180,\nso heisst es darin, „dass der Vater Franz Anton von\nWeber 1785 nach Eutin berufen worden, und dass bald\nnach seiner Anstellung daselbst im Jahre 1786 sein Sohn\nCarl Maria geboren wurde. Der Geburtstag desselben\nsei aber im Kirchenbuche nicht angegeben, sondern nur\nder Tauftag, der 20. November, wonach anzunehmen,\ndass C. M. von Weber am 18. November geboren sei,\nda zu damaliger Zeit in Eutin die Kirchenordnung galt,\ndass die Kinder am dritten Tage nach der Geburt getauft\nwerden mussten.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-29-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-29_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "421", "page_fin": "422", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.2.5", "titre_corps": "Stossseufzer eines französischen Musikers.", "titre_sommaire": "Stossseufzer eines französischen Musikers.", "signature_source": "G. + B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.5", "debut_caractere": 4211, "fin_caractere_exclue": 4788, "texte": "Stossseufzer eines französischen Musikers.\n\nHector Berlioz, der vollendetste Musiker, den Frank-\nreich besitzt, der fruchtbarste Componist, der rüstigste\nStreiter, ist der Gegenstand des Hasses einer ganzen Gene-\nration von Mittelmässigen, die ihm mit Erbitterung alle\nWege verschliessen. Und das gelingt ihnen in dem schö-\nnen Frankreich so gut, dass wir ganz verblüfft dastehen,\nwenn wir auf einmal aus Deutschland einen Chor von\nBeifall für ihn herüberschallen hören! Traurig, sehr\ntraurig!\n\n*) Mitgetheilt in der Zeitschrift „Die Gartenlaube*, Jahr,j.\n1854, Nr. 2ü, S. 343."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "422", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3895, "texte": "Das liegt daran, dass die Erziehung und die Gewohn-\nheiten in Frankreich vor allem Anderen kunstfeindlich sind.\nDie Mittelmässigkeit herrscht bei uns, die Mediokratie!\nBürgerliches dickes Blut lliesst in unseren Adern; der Rea-\nlismus heult sein Veto, sobald eine wohlhäbige Verdauung\ngestört wird; er ärgert sich, wenn man es wagt, an eine\nIntelligenz zu appelliren!\nWas ist dagegen zu thun? Nur eine wohlverstandene\nmusicalische Erziehung und Bildung kann gegen so kras-\nsen Materialismus helfen. Ohne Zeugniss wirklicher Be-\nfähigung müssle zunächst Niemand zum Unterrichten in\nder Musik zugelassen werden; das würde uns von dem\nAuswurf der Lehrer befreien, die schlechte Musik spielen\nlassen und schlechte Schüler ziehen.\nUnd nun die Lehrbücher, besonders für die Elemente\nder Musik! Warum unterwirft man sie nicht einer ernsten,\nstrengen Prüfung? Ich spreche natürlich nicht von den\nfreundlich gefälligen Approbationen, welche das Conser-\nvatorium alle Augenblicke wohlgestempelt ausgibt; ich\nverlange eine wirkliche Prüfung, mit um so unerbittliche-\nrer Strenge, als es sich darum handelt, eine ganze Gene-\nration vor schlechtem Unterricht vermittels schlechter Lehr-\nbücher zu bewahren.\nDa lese ich in einer Broschüre (.Fillonneau, Revue\nmusicale de 1860 ä Paris) Folgendes über die letzten\nWerke von Beethoven, namentlich über die Sonate Op.\n111, bei Gelegenheit des Vortrags derselben durch von\nBülow:\n„In diesen Compositionen findet sich wenigstens immer\nein vorzügliches Stück, und wir glauben, dass Niemand\ndazu verpllichtet ist, Alles davon zu spielen, so wenig wie\nAlles davon mit anzuhören. Das 111. Werk ist diesen\nWinter von vielen ausgezeichneten Pianisten gespielt wor-\nden, die aber so vernünftig gewesen sind, die\nletzte Hälfte davon zu streichen!\"\nEs ist natürlich nicht Jedem gegeben, dem kühnen\nFluge eines Genie's zu folgen, seine gewaltigen Gedanken\nzu fassen; aber in dem Falle hält man den Mund, denn zu\nschweigen ist Jedem erlaubt. Ich schweige auch, wenn ich\ndie langweiligen Gesichter eines höchst eleganten Publi-\ncums bei einer Fuge von Bach sehe, und am Schlüsse,\nwenn sie aufwachen, weil die Mühle nicht mehr klappert,\nihre entzückten Phrasen vernehme!\nDas Spiel vieler Virtuosen gleicht dem Gange eines\nBetrunkenen. Das Tempo rubato hat seinen Namen davon,\ndass es dem Componisten den Tact aus seiner Musik stiehlt.\nIn den meisten Theatern von Paris riskirt man seine\nGesundheit, ja, sein Leben. Eine abscheuliche Atmosphäre\nvergiftet die Lunge; die Aerzte sind darüber einig, dass\nsie eine grosse Zahl von Kunden der ungesunden Luft in\nunseren Theatern verdanken. Wenn das noch die einzige\nUnannehmlichkeit wäre, die man ausstehen muss, um das\nVergnügen zu haben, Komödie spielen zn sehen! Man\nwird auf einen Platz eingepfercht, auf dem ein Kind sich\nbeengt fühlen muss; die Beine auszustrecken, ist unmög-\nlich; man ist zu vollständiger Regungslosigkeit verurtheilt,\nwill man nicht seinen Nachbar geniren, der eben so ein-\ngezwängt ist. Alle Augenblicke muss man noch obenein\naufstehen, um einen neuen Ankömmling durchzulassen;\nund drückt man sich noch so schmal an den Sitz, man\nmuss doch froh sein, wenn man mit beschmutzten Stiefeln\nwegkommt und nicht gequetscht und getreten wird!\nZahlen spielen bekanntlich jetzt eine Hauptrolle. Ich\nstelle folgende statistische Aufgabe:\nIn Europa gibt es am Ende des Jahres 1860 18,140\nSchauspieler und Sänger, 21,609 Schauspielerinnen und\nSängerinnen, 173-3 Theater-Intendanten und Directoren.\nAlles, was an den Theatern beschäftigt ist, bildet ein Per-\nsonal von 82,216 Köpfen.— Die Anzahl der Musiker ist\nnur annähernd zu schätzen; nehmen wir eine Million an,\nwovon 600,000 Clavierspieler sind, so werden wir der\nWahrheit ziemlich nahe kommen.\nPreisfrage: Wie verhält sich die Gesammtzahl von\n1,082,216 Künstlern, Richard Wagner einbegriffen, zu\ndem Fortschritte der dramatischen und musicalischen\nKunst??\n\nG. + B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-29-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-29_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "422", "page_fin": "424", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.2.6", "titre_corps": "Aus Kassel.", "titre_sommaire": "Aus Kassel.", "signature_source": "V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "422", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.6", "debut_caractere": 3897, "fin_caractere_exclue": 4897, "texte": "Aus Kassel.\n\nDie musicalischen Zustände in der Residenz des Kur-\nfürstenthums Hessen haben glücklicher Weise mit den\npolitischen nichts zu schaffen; sie haben sich unter dem\nScepter des Hof-Capellmeisters Herrn Karl Reiss ohne\nOpposition zu einer recht erfreulichen Lage entwickelt\nund sind zu einem Kunstleben gediehen, das in Bezug auf\ndie Oper an die besten Zeiten der Wirksamkeit Spohr's\nin seiner ungeschwächten Kraft erinnert, und in Hinsicht\nauf Concertmusik eine Höhe der Theilnahme erreicht hat,\nwelche den Ertrag des Abonnements für die Winter-Con-\ncerte in diesem Jahre gegen frühere um das Doppelte ge-\nsteigert hat.\nWas die Oper betrifft, so hat sie allerdings in dem\nTenoristen Wachtel, dessen Stimme wohl schwerlich\njemals ersetzt werden dürfte, eine wesentliche Stütze ver-\nloren. Ueber die Art seines Abganges verlohnt es sich\nnicht der Mühe, noch mehr Worte zu machen, als bereits\nin vielen Blättern geschehen. Die politische Lehre vom\nFait accompli findet auch hier ihre Anwendung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "423", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5112, "texte": "An seine Stelle ist vorläufig Herr Garsö, früher in\nDarmstadt, getreten. Er besitzt eine besonders in der\nHöhe sehr ausgiebige und sympathische Stimme; dagegen\nlässt die Mittellage mehr zu wünschen übrig, und als Sän-\nger ist, namentlich was den Ansatz betrifft, Herr Garsö\nnicht fehlerfrei. Jedoch hat er sich schon in der kurzen\nZeit sei..es Hierseins in die Gunst des Publicums ein<re-\nsungen und sich als ein recht nützliches Mitglied der Oper\nerwiesen.\nDie bedeutendsten Zierden derselben sind Herr und\nFrau Rüb samen. Ersterer zeichnet sich durch eine, was\nZartheit und des Klanges betrifft, seltene Stimme,\nLetztere, die Ihnen am Rheine als Fräulein Veith wohl-\nbekannt ist, durch treffliche Schule und seltenes musicali-\nsches Verständniss aus. Ausser den drei Genannten besitzt\nunsere Oper in der jugendlichen Sängerin Fräulein Er-\nhartt, dem ersten Bassisten Herrn Hoch heim er und\ndem Tenoristen Herrn Erber treffliche Mitglieder. Das\nOrchester zählt ausgezeichnete Kräfte, und der Chor, der\naus lünfundvierzig Mitgliedern besteht, leistet sehr Rühm-\nliches. Das Ganze bildet unter der tüchtigen Leitung des\nvortrefflichen Dirigenten Herrn Reiss ein höchst ehren»\nwerthes künstlerisches Institut. Trotz WachtePs unerwar-\ntetem Abgange wurden seit Beginn der Saison achtund-\nzwanzig verschiedene Opern gegeben; das Repertoire\nbrachte meist deutsche und französische, nur wenige ita-\nliänische Werke.\nVon den diesjährigen Abonnemenls-Concerten\nhaben bis jetzt zwei Statt gefunden. Es ist keine Frage,\ndass unsere Concerte in den letzten Jahren einen entschie-\ndenen Aufschwung genommen haben und vom Publicum\nnoch einmal so zahlreich besucht werden, als früher; in\ndiesem Jahre war der Zudrang zum Abonnement so gross,\ndass viele Meldungen nicht mehr angenommen werden\nkonnten.\nDie Concerte finden im Hoftheater und durch die Mit-\nglieder der kurfürstlichen Hofcapelle Statt, der Ertrag ist\nzum Vortheil der Unterstützungs-Casse des Hof-Orchesters\nbestimmt. Die Preise sind die Theater-Preise: I. Rang 1\nThlr., Sperrsitze und Unterlogen 20 Sgr., 11. Rang und\nParterre 15 Sgr., Amphitheater 7% Sgr., Galerie 5 Sgr.\nDadurch ist auch den weniger Bemittelten unter den\nKunstfreunden ermöglicht, gute Musik zu hören.\nDas Programm des ersten Concertes am 20. Novem-\nber lautete :\nErster Theil» *1) Ouvertüre und ausgewählte Scenen\naus der Oper „Alceste\" von Chr. Ritter v. Gluck (zum er-\nsten Male); die Solo-Partieen vorgetragen von Frau Rüb-\nsamen-Veith, Herrn B. Mayr, herzoglich braunschwei-\ngischem Ilolsänger, und Herrn Rübsamen, die Chöre von\nden Mitgliedern des Hoftheater-Chors. 2) Zehntes Violin-\nConcert von L. Spohr, vorgetragen von dem k. hannover'-\nsehen Kammer-Virtuosen Herrn August Kömpel. 3)\nSolo-Piecen für das Pianoforte: a. La Cascade von E.\nPauer, b. tuge von J. S. Bach, c. Scherzo von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy, vorgetragen von Herrn Mortier de\nFontaine aus St. Petersburg. 4) Arie aus der Oper „Hans\nMeiling\" von H. Marschner, gesungen von Herrn B. Mayr.\n5) Introduction und Variationen über Mozart'sche Themen\nSür die Violine von F. David, vorgetragen von Herrn\nAugust Kömpel. —Zweiter Theil. Symphonie Nr. 4\n(.A-dur) von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nDas zweite Concert am 10. December brachte : Erster\nTheil. 1) Ouvertüre zu „Anakreon\" von Cherubini. 2) Con-\ncert für das Pianoforte mit Orchester-Begleitung\nvon Fr. Chopin (zum ersten Male), vorgetragen von Herrn\nWilh. Treiber aus Graz. 3) Kecitativ und Arie mit obli-\ngater Violine und Orchester-Begleitung von W. A. Mo-\nzart, gesungen von Fräulein Erhartt; die Partie der obli-\ngaten Violine vorgetragen von Herrn Wipplinger. 4)\n„Maurerische Trauermusik\" von Mozart (zum ersten Male).\n5) Lieder mit obligater Clarinette und Pianoforte-Beglei-\ntung von L. Spohr, gesungen von Fräulein Erhartt; die\nPariie der obligaten Clarinette vorgetragen von Herrn\nNelf. 6) Rondo brillant für das Pianoforte mit Orchester-\nBegleitung von Fei. Mendelssohn-Bartholdy, vorgetragen\nvon Herrn W. Treiber. —Zweiter Theil. Pastoral-Sym-\nphonie von L. van Beethoven.\nIm ersten Concerte erregte August Kömpel durch\nsein elassisches Spiel die allgemeinste Bewunderung, wäh-\nrend in dem zweiten ein trefflicher junger Pianist, Herr\nTreiber aus Graz, grosses Aufsehen machte. Und mit\nRecht. Sein Vortrag des Concertes von Chopin war in je-\nder Hinsicht trefflich und fand die wärmste Aufnahme.\nMendel ssoh n's erregte einen so en-\nthusiastischen Beifall, dass sie auf allgemeinen Wunsch in\ndem nachher zu erwähnenden Extra-Concerte wiederholt\nwurde. Eben so fand Cherubini's Anakreon-Ouverture\nund hauptsächlich Beethoven's Pastoral-Symphonie,\ndie seit zehn Jahren hier nicht mehr gehört\nworden war (!), ein sehr gespanntes und dankbares Pu-\nblicum.\nFür die nächsten Concerte werden als Solospieler der\nPianist Pauer und der Violinist J. Becker erwartet. Im\nvierten Concerte kommen F. Hiller's „Lorelei\" und M.\nBruch's „Die Erlen und die Birken\", neben Rubin-\nstein's Sinfonie in F-durzur Aufführung.\nAm 27. November gab Herr Mortier de Fontaine\nunter Mitwirkung der Hofcapelle unter der Direction des\nHerrn Rciss ein Concert im Theater, in welchem er Beet-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 479, "texte": "hoven's Clavier-Concert in mit eigenen Cadenzen\n(wie der Concert-Zeltel besagte was sich doch wohl bei\ntüchtigen Musikern von selbst versteht!), fünf kleinere\nSolostücke von Scarlatti, J. Ilaydn, W. A. Mozart,\nGade und Schumann, also gewisser Maassen „alte und\nneue Zeit\", und zum Schlüsse Beethoven's Phantasie\nfür Ciavier, Orchester und Chor vortrug. Im zweiten Theile\nwurde, wie oben erwähnt, die (Nr. 4)\nvon Mendelssohn mit gleichem Beifalle wie das erste\nMal aufgeführt.\n\nV."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-12-29-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-12-29_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "424", "page_fin": "424", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.8", "debut_caractere": 481, "fin_caractere_exclue": 2799, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nReislingen. Se. Hoheit der Herzog von Meiningen hat an\nseinem Geburtstage, den 17. December, dem Hof-Capellmeister J. J.\nBott daselbst das Verdienstkreuz des Saehsen-Ernestinischen Haus-\nOrdens verliehen. Vor Kurzem hatte Herr Bott vom Könige von\nHannover die grosse goldene Medaille für Kunst u. s. w. erhalten.\nIvera« Am 11. December wurde im vierzigsten Concerte des\nmusicalischen Vereins unter der Direction des Capellmeisters W.\nTschirch aufgeführt G. F. Händel's Cantate „Das Alexander-\nfestu (unter Mitwirkung der Concertsängcr Herren Scharfe und\nUmmer aus Leipzig). Im ersten Theile des Concertes hörten wir:\nFest-Ouverture von L. van Beethoven, Op. 124, Concert für\nPianoforte von Mendelssohn, vorgetragen von Fräulein Bertha\nSchwalbe aus Leipzig, welche auch noch Variationen von Cho-\npin spielte.\nIm Verlage von L. C. Zamarski u. Dittmarsch in Wien,\nStadt, Schauflergasse 24, ist so eben erschienen und daselbst wie\nin allen Buchhandlungen der Monarchie zu haben: Franz Schu-\nbert, eine biographische Skizze von Dr Heinrich von Kreissl.\n8. 11 Bogen, elegant geheftet. Preis 1 Fl österr. W. Die vorbe-\nnannte Schrift ist die erste, welche in grösserem Umfange und Zu-\nsammenhange das Leben und die Werke des grossen vaterländischen\nTondichters behandelt. Den Verehrern Schuberts, wie der musica-\nlischen Kunst überhaupt wird sie ohne Zweifel eine sehr willkom-\nmene Gabe sein.\nDie französischen Uebersetzer von Richard Wagner's „Tann-\nhäuser* sind die Herren Edmond Roche, Mitarbeiter von Giaco-\nmelli's Presse thidtrale et musicale (dem Journal, das Wagner's In-\nteressen vorzugsweise vertritt), und Richard Lindau.\nHeinrich Marschner ist wieder in Paiis. Er wird seine\nneue Oper: „Hiarne, der Sängerkönig'4, in der grossen Oper\nzur Aufführung bringen, und zwar wird sie, wie man sagt, auf be-\nsonderen Befehl des Kaisers Napoleon 111. in Scene gehen. Zu be-\nklagen bleibt es, dass unsere deutschen Holbühnen, namentlich in\nBerlin und Wien, sich die Ehre nehmen lassen, oder, richtiger ge-\nsagt, die Pflicht verabsäumen, ein neues Werk des grössten deut-\nschen Opern-Componisten zuerst aufzuführen!\nAew-YorSi« Herr Paur, Dirigent des Liederkranzes, ist\ntrotz eines vom „Arion* wegen Formfehler eingelegten Protestes\nzum Dirigenten bei dem nächsten Sängerfeste ernannt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "417", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBeethoven's Missa solemnis. Schluss. Beurtheilungen. Hafis-Ouverture, Op. 21, Novellette für Pianoforte, Op. 24,\nLiebes-Frühling, Op. 27, von L. Ehlert. Missa I. Missa 11. von R. Volkmann. Ueber C. M. von Weber's Geburtstag. Stossseufzer\neines französischen Musikers. Aus Kassel (Musik-Zustände). Von V. - Tages- und Unte r h al tun gsbl at t (Meiningen\nGera Wien Paris Heinrich Marschner New-York).\n\nBeethoven’s Missa solemnis.\n(Schluss. S. Nr. 48, 49 und 5n.)\nNach der Vollendung der grossen Messe in D halte\nBeethoven Veranlassung, sich noch einmal mit einer ähn-\nlichen Arbeit zu beschäftigen. Diese Veranlassung kam\nvon hoher Stelle. Die Grafen Moriz Lychnowski und Moriz\nDietrichstein kamen überein, ihm vorzuschlagen, eine Messe\nfür den Kaiser Franz zu schreiben. Ihre höchst wohlwol-\nlende Absicht dabei war, Beethoven mit dem > ofe, der\nnoch nichts für ihn gethan hatte, in nähere Berührung zu\nbringen. Es geschah dies im Anfange des Jahres 1823.\nDer Meister schien Anfangs auf den Vorschlag einzu-\ngehen, wie aus vielen Daten bei Schindler erhellt. Am\nEnde aber wies er ihn entschieden zurück und erklärte,\n„die Compositionen für den Kaiser müssten für spätere\nTage suspendirt bleiben\" (Schindler, 11., S. 32). Bei den\nGrafen entschuldigte er sich mit überhäufter Beschäftigung\ndurch die „Correctur der subscribirten Exemplare der\nMissa\" und durch bereits eingegangene Verbindlichkeiten\nfür andere Arbeiten. Schindler erklärt die Abweisung\ndurch „augenblickliches Bedürfniss baaren Geldes für\nSchuldentilgung\" und hauptsächlich durch Beethoven's\n„demokratische Abneigung\" gegen den kaiserlichen Hof.\nEs mögen diese äusseren Gründe allerdings zu Beet-\nhoven's Entschluss beigetragen haben. Dem wiener Hofe\nhatte er auch keine Subscriptions-Einladung auf die Missa\nsolemniszugesandt, jedoch wohl nur in der Ueberzeugung,\ndass derselbe doch nichts für ihn thun würde; dass die\ndemokratische Gesinnung dabei mit im Spiele gewesen,\ndem widerspricht die Thatsache der Einladung an andere\nKönige und Fürsten und der Stil der Einladungsschreiben.\nGewiss hatte Beethoven noch einen inneren, rein\nkünstlerischen Grund—und wohl mochte dieser der ent-\nscheidendste sein für seine Weigerung. Wenn wir den\nBrief des Grafen Dietrichstein an den Grafen Lychnowski"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.2", "texte": "vom 23. Februar 1823 (Schindler, IL, S. 30) betrachten,\nder sich auf diese Angelegenheit bezieht, so wird uns jener\nGrund nicht verborgen bleiben können. Es heisst darin:\n„Ich schicke Dir hier zugleich die Partitur einer\nMesse von Reutter*), welche Beethoven zu sehen\nwünschte. Wahr ist es, dass Se. Maj. der Kaiser diesen\nStil liebt, indessen braucht Beethoven, wenn er eine Messe\nschreibt, sich nicht daran zu halten. Er möge nur seinem\ngrossen Genie folgen und bloss berücksichtigen—dass die\nMesse nicht zu lang, noch zu schwer in der Ausführung\nwerde; dass es eine Tut li-Messe sei und bei den Sing-\nstimmen nur kleine Sopran- und Alt-Solo's vorkommen\n(wofür ich zwei brave Sängerknaben habe**)—doch we-\nder Tenor-, noch Bass-, noch Orgel-Solo's höchstens für\nden Tenor, weil Barth dann singen würde. Bei Instru-\nmenten könnte ein Violin-, oder Oboe-, oder Clarinett-Solo\nangebracht werden, wenn er es wollte.\n„Fugen lieben Se. Majestät sehr, gehörig durchge-\nführt, doch nicht zu lang; das Sanctus mit dem Osannci\nmöglichst kurz, um nicht die Wandlung aufzuhalten; und\nwenn ich etwas für mich beifügen darf: —das\nnobis pacem mit dem Agnus ohne besonderen Ab-\nsprung, was bei zwei Messen von Händel (aus dessen An-\nthems zusammengesetzt), zweien von Naumann und von\nAbbe Stadler eine besonders schöne Wirkung macht.\n„Dies wären in Kürze meiner Erfahrung gemäss die\nzu beobachtenden Rücksichten\" u. s. w.\nDiese Winke, einem Charakter und Geiste wie Beet-\nhoven in dem Augenblicke gegeben, wo er noch mit der\nDurchsicht der Abschriften des gewaltigsten Werkes, das\ner geschaffen, beschäftigt war, konnten schwerlich bele-\nbend auf den Meister wirken. Der Genius, der so eben auf\nbisher noch unversuchten Bahnen eine nie geahnte Höhe\nerstiegen, der von dieser Höhe in das, man möchte sagen:\nbuchstäblich zu nehmende Schrankenlose hinaus seine\nSchwingen entfaltet hatte, der sollte sich bei einem Werke\nderselben Gattung die Flügel binden lassen von einem\nSterblichen? Unmöglich! Aber wohl möglich, dass gerade\ndesshalb, weil dieser Sterbliche ein Kaiser war, der Ent-\nschluss der Freiheit um so trotziger in dem stolzen Herzen\ndes Künstlers Wurzel schlug.\nNehmen wir zu dem, was oben in Nr. 48 und 49\nüber Beethoven's religiöse Gefühle und Ueberzeugungen\ngesagt ist, noch folgende Stelle aus seinem Tagebuche\nhinzu:\n„alsdann reisen dieses bist du dir. den Menschen und\nihm, dem Allmächtigen, schuldig, nur so kannst du noch ein-\nmal alles entwickeln, was in d r verschlössen bleiben muss\nund ein kleine Hof— eine kleine Capelle von mir,\nin ih ivden tiesang geschrieben, angeführt, zur\nEhre des Allmächtigen des Ewigen, Unend-\nlichen. So mögen die letzten Tage verfiiessen\nund der künftigen Menschheit. Händel, Bach, Gluck, Mo-\nzart, Havdn's Porträte in meinem Zimmer sie kön-\nnen mir auf Duldung Anspruch machen helfen\"\nso wird es uns klar werden, dass die Composition einer\nkaiserlichen Messenach des wohlmeinenden „Musikgrafen\"\nWinken nichts für Beethoven war. Je mehr er darauf ein-\nzugehen schien, je breiter er über die Sache mit Freunden\nsprach, desto ärger mochte die Reaction in seinem Innern\nsein, wenn er allein war. Vielleicht könnte die Correspondenz\nBeethoven's mit dem Cardinal Erzherzog Rudolf, welche nach\nMittheilungen des Secretärs des Cardinais „Erklärungen\nüber seine Weigerung\" enthält (Schindler 11. S. 33), sogar\neinen urkundlichen Beweis für unsere Ansieht liefern *).—\n# . .\nUnter den notirten Aufzeichnungen aus jener Zeit fanden\nsich (nach Schindler) einige, über welche deutlich geschrie-\nben war: „Zur Messe in Cis-moEs war aber nicht zu\nermitteln, ob sie für die gewünschte kaiserliche Messe be-\nstimmt gewesen sein mögen.\nUeber die erste Aufführung der Missa solemnis in I)\nam 7. Mai 1824 zu Wien ist das mannigfach Interes-\nsante bei Schindler nachzulesen. Wir erwähnen davon, dass\nsie im Theater an der Wien (der damalige Direclor des-\nselben war Graf Pal fy) Statt fand, und dass das Verbot\nder Aufführung unter dem Titel und mit dem la-\nteinischen Text erst in der letzten Stunde auf Verwen-\ndung des Grafen Fvchnowski durch den Policei-Präsidenten\nO V\nGrafen Sedlnilzky, wenigstens in Bezug auf den lateinischen\nText beseitigt wurde. Vollständig wurde sie nicht gege-\nben, sondern nur das Kyrie, Credo, Agnus Dei und Dona\n\n*) „Georg von Reutter, geb. 1705, zuletzt wirklicher Hof-\nCapellmeister in Wien, y 1772 a So Schindler. Nach\nGerber war Georg R 1660 in Wien geboren und lebte noch\nim Jahre 1781 im 71. Jahre seines Alters. Dessen Sohn Karl\nReutter stand 1731 in seinem 34. Jahre (also 1697 geboren)\nals Organist an der Stephanskirche zu Wien; wahrscheinlich\nist dieser letztere in dem Schreiben des Grafen gemeint.\n**) Graf Moriz Dietrichstein war damals „ Hofmusik-Graf*, d. i.\nVorsteher der kaiserlichen Hofcapelle«\n*) Diese Correspondenz ist nach dem Tode des Cardinais in den\nBesitz der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien\ngekommen. Schindler scheint sie nicht benutzt zu haben oder\nnicht in der Lage gewesen zu sein, sie benutzen zu können.\nDiese Correspondenz dürfte aber jedenfalls eine höchst schätz-\nbare Quelle für Beethoven's innere Lebensgeschichte sein. Es\nwäre Sache der wiener Musikfreunde und Musik-Historiker,\ndiesem Gegenstande ihre Aufmerksamkeit zu widmen und uns\nAufklärung darüber zu geben Was den besonderen, oben be-\nsprochenen Punct betrifft, so wäre darüber die Correspondenz\naus der ersten Hälfte des Jahres 1823 einzusehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "419", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.3", "texte": "unter dem Titel „Drei grosse Hymnen mit Solo- und\nChorstimmen\". Aus Rücksicht auf die Zeitdauer hatte\nBeethoven von vorn herein das aufgegeben, nach-\nher auch mit grossem Bedauern das und\ndictus, welche Sätze in den Proben gemacht worden waren.\nFreilich wurden in derselben „Akademie von Herrn\nLudwig van Beethoven\" noch die Ouvertüre Op. 124\n(„Zur Weihe des Hauses\" vom Jahre 1822) und nach\nder Messe die neunte Sinfonie aufgeführt. Das Solo-\nQuartett war in beiden Werken durch die Damen Hen-\nriette Sontag und Caroline Unger, die Herren\nHaizinger und Seypelt besetzt.\nDas Wichtigste der Aufführung für uns und das\nEhrenvollste für das damalige Publicum von Wien ist\nder geschichtlich feslstehende ungeheure Erfolg derselben.\nVon den lauten Zeichen dieses Erfolges halte Beethoven\nselbst, der dem Dirigenten, Capellmeister Umlauf, zur Seite\nstand und das Tempo bei jedem Satze angab, nichts ge-\nhört: denn er wandte beim Ausbruch derselben der Zu-\nhörerschaft den Rücken zu. Da drehte Caroline Unger den\nMeister nach dem Proscenium hin dem Publicum zu und\nzeigte ihm die Begeisterung der Zuhörer, die mit den Bei-\nfallsrufen Hüte und Tücher schwenkten. Beethoven dankte\ndurch eine Verbeugung. Das war das Zeichen zum Los-\nbrechen eines kaum erhörten, nicht enden wollenden Ju-\nbels. (Schindler 11. S. 71.)\nUnd der Berichterstatter über diese Akademie in der\nleipziger Allgemeinen Musikzeitung (1824. S. 437) sagt:\n„Wo soll ich Worte hernehmen, meinen Lesern über diese\nRiesenwerke Bericht zu erstatten!\" und nach Rüge\nmancher Mängel in der Ausführung (es waren nur zwei\nGesammlproben gewesen) fährt er fort: „Und dennoch\nwar der Eindruck unbeschreiblich gross und herrlich, der\nJubelruf enthusiastisch, welcher dem erhabenen Meister\naus vollerßrust gezollt wurde, dessen unerschöpfliches Ge-\nnie uns eine neue Welt erschloss, nie gehörte, nie geahnte\nWundergeheimnisse der heiligen Kunst entschleierte.\"\nW ir führen diese Bestätigungen des Erfolgs der gröss-\nten Beethoven'schen Werke gleich bei ihrer ersten Anhö-\nrung absichtlich an, um für so manche Gern-Beethovens\nder neueren Zeit die Nichtigkeit der Entschuldigung für\nden Durchfall ihrer Kunslschöpfungen, dass ja auch Beet-\nhoven's Werke, zum ersten Male aufgeführt, keinem Men-\nschen gefallen hätten, bloss zu legen.\nAuch die hochthronenden Ausleger und Dolmetscher\nBeethoven'scher Werke, die uns glauben machen wollen,\ndass ihre Traumdeuterei erst die Räthsel Beethoven's ge-\nlös't und seine Geheimnisse durchdrungen habe, mögen\nsich an dem Verständnisse und den Erfolgen seiner Werke\nim Anfange unseres Jahrhunderts spiegeln und erröthen.\nWer über die erste Aufnahme der Beethoven'schen Werke\nnach zeitgenössischen vereinzelten Aussprüchen bornirter\nKritiker urtheilt, ist in vieler Beziehung im Irrthum. Im\nAll gemeinen hatte Beethoven schon in den Jahren 1808\nbis 1812 die ganze jüngere Generation im nördlichen\nDeutschland dermaassen für sich, dass die Begeisterung\nO c?\nlür ihn, wie ich mich dessen sehr gut aus den musicali-\nschen Kressen, in denen ich von meinem dreizehnten Jahre\nan lebte, erinnere, die Kunstfreunde sogar gegen Mozart\nzur Ungerechtigkeit verleitete. Auf den Gymnasien und\nUniversitäten gab es Beethovianer und Mozartianer, eben\nso wie Schiller- und Göthe-Enthusiasten, die förmliche\nParteien bildeten. Und mit welcher Hast und Begierde\nfahndeten wir nach jeder neuen Offenbarung des grossen\nGenius, z. B. nach dem Clavier-Trio Op. 97 in B-dur,\nnach den Arrangements der siebenten und achten Sinfo-\nnie, die unmittelbar nach den Kriegsjahren 1813 1815\nerschienen! Wie glücklich waren wir, wenn wir in einem\nWinkel des Musikzimmers die Violin-Quartelte, nicht nur\nOp. 18, sondern auch Op. 50 und 74 (1807 und 1810\nerschienen) mit anhören konnten! Und nun gar die Sinfo-\nnieen mit vollem Orchester!\nUnd die Kritik? das heisst die vernünftige, verstand-\nund geistvolle, nicht die schulfüchsige, verknöcherte!-Man\nlese doch, was Amadeus Wendt in der Allgemeinen\nMusicalischen Zeitung in den Jahren 1810 bis 1815 über\nBeethoven geschrieben hat! Es wäre wahrlich an derZeit,\nseine trefflichen Aufsätze über Fidelio, die Sinfonia\ndie C-moK-Sinfonie, die Pastoral-Sinfonie u. s. w. einmal\nwieder abdrucken zu lassen, um sie z. B. gegen Richard\nYVagner's verzwicktes Programm zur Gumberts\nPhantasterei über die J.-e?wr-Sinfonie u. s. w. u. s. w. zu\nhalten. Wenn ein öffentliches Organ der musicalischen\nKritik, das zugleich bei seiner Verbreitung und der gros-\nsen Theilnahme des Publicums als ein Echo des damaligen\nGeschmacks gelten darf, bereits vor fünfzig Jahren Ur-\ntheile über Beethoven's Musik fällte, wie sie in den ange-\nführten Artikeln von A. Wendt (vergl. besonders Jahrg.\n1815) ausgesprochen werden, so geht daraus hervor, dass\nBeethoven's Partituren für die Zeitgenossen ihrer Entste-\nhung keineswegs Bücher mit sieben Siegeln, deren Lösung\nder „Zukunft\" vorbehalten geblieben wäre, gewesen\nsind, obwohl nicht geläugnet werden soll, dass wir seitdem\nwie es bei der fortschreitenden Entwicklung der Musik-\nWissenschaft, namentlich der musicalischen Aesthetik, und\nder wiederholten Anhörung trefflicher Ausführungen der\nWerkejeder Gattung ganz natürlich ist—allerdings inßezug\nauf Verständniss und Auffassung Beethoven's Fortschritte ge-\nmacht haben. Diese Fortschritte haben aber auch eine Menge\nvon Auswüchsen veranlasst, und bekanntlich zu einstimmiger\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "420", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.4", "texte": "Würdigung der grössten Werke, der Messe in und der\nneunten Sinfonie, so wie der letzten Clavier-Sonaten und Vio-\nlin-Quarlette, noch keineswegs geführt. Müssen wir doch\nin Bezug auf die Ausführung, trotz vollständiger Aner-\nkennung der ungeheuren vervollkommneten Technik in den\nOrchestern und auf dem Pianoforte, daran erinnern, dass\ndie Fortschritte in der mechanischen Leistung häufig\nzu Rückschritten in der geistigen Wiedergabe Beetho-\nven'scher Werke geführt haben.\nZur Vervollständigung der historischen Uebersicht der\nAufführungen der Missa solemnibei Schindler 11. 85 er-\nwähnen wir, dass auf den niederrheinischen Musikfesten\nbereits im J. 1827 zu Elberfeld das Kyrie und Gloria,\nund im J. 1844 zu Köln die ganze Messe vollständig un-\nter 11. Dorn's Leitung aufgeführt worden ist. Dies war\nmithin die erste vollständige Aufführung am Rhein\nund in Deutschland überhaupt; hierauf folgte die zweite\nbei dem Beethoven-Fest zu Bonn im Jahre 1845 unter\nSpohr's Direction. In Köln ist in dem letzten Jahrzehend\ndie-Missa unter F. Hiller's Leitung zwei Mal vollständig\nin den Abonnements-Concerten gegeben worden.\n\nBeurtheilungen.\n\nHafis-ouverture, lür Orchester componirt von\nL. Ehlert. Op. 21. Breslau, Leuckart. Partitur\n4 Thlr.\nNovellette für Pianoforte von demselben. Op.\n24. Ebendaselbst. 25 Sgr.\nLieb es- Früh Ii ng von Rückert. Sieben Gedichte für\neine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung. Von\ndemselben. Op. 25. Ebendaselbst. 27 Sgr.\nDie Leser erinnern sich wohl noch der musicali-\nschen Briefe an eine Freundin, aus denen zur Zeit einige\nAuszüge mitgelheilt wurden. Es wurden damals anerken-\nnende Urtheile über die Auffassung des Verfassers laut, ja,\nsein Büchlein war eine Lieblings-Lecture der Salonwelt\ngeworden. Der Componist vorstehender Tonwerke ist der-\nselbe; er hat sich den Weg für seine musicalischen Gei-\nsteskinder durch jenes Büchlein gebahnt. Auch der Kritik\nist ihr Geschäft erleichtert; es ist nicht erst nöthig, den\nmusicalischen Standpunkt festzustellen; aus den eigenen\nW orten Ehlert's kennt Jeder dessen Anschauungen. So\ngünstig aber alles dieses dem Componisten entgegenkommt,\nso dürfen doch die Verdienste des Schriftstellers nicht ein-\nzig gelten. Betrachten wir daher die Opera genauer.\nAus den Liedern von Rückert spricht ein tiefes Ge-\nfühl; die Empfindung des Sängers ist eine von der ge-\nwöhnlichen verschiedene; er begnügt sich nicht, die gleis-\nsende Oberfläche des W assers abzuspiegeln, er steigt tief\nhinab und ist bemüht, die Perlen aus dem Grunde herauf-\nzuholen; er gibt die Worte des Gedichtes nicht etwa ein-\nfach in Tönen wieder, er sucht alle die Geheimnisse aus-\nzusprechen, welche die Wortsprache nur anzudeuten ver-\nmag. Dass er aber die Ciavier-Begleitung so schwierig ge-\nmacht, werden auch Andere hart fühlen.\nDie Novellette ist Ferdinand Hiller gewidmet, und\nes kommt mir vor, als ob ich aus dem Musikstücke die\nBetheuerung der Liebe, des Dankes und der innigsten Ver-\nehrung für diesen hochverdienten Meister heraushörte; ich\nwerde mich kaum täuschen, wenn ich darin eine Scene\naus dem inneren Geistesleben wiedererzählt finde. Sei dem,\nwie ihm wolle, das Stück ist hervorragend, ganz beson-\nders auch durch die Einfachheit der Anlage und die Klar-\nheit der Durchführung. Man erkennt den denkenden Mu-\nsiker, welchem Herz und Verstand in den schönsten Ein-\nklang zu bringen gelungen ist. Der Spieler aber darf sich\nnicht etwa begnügen, die technischen Schwierigkeiten, die\njedoch nicht gross sind, zu überwinden; vor Allem rnuss\ner sich eines feinen, geistvollen Vortrages befleissen, dann\nkann dem Stücke warmer Beifall nicht fehlen.\nIn der Hafis-Ouverture (D-dur) sind die hervor-\ngehobenen Eigenschaften Ehlert's vereinigt, und ist dieses\nWerk daher gar sehr der Beachtung würdig, besonders\nvon Seiten der grösseren Musik-Vereine, deren Repertoire\neine namhafte Bereicherung dadurch erfahren wird. Es\nweht durch das Ganze ein Geist stillen Friedens, wie ihn\nder Mensch zu fühlen pflegt, wenn er reinen Herzens durch\ndie Natur wandelt; die Worte, die gleichsam als Motto vor-\ngestellt sind, fanden ihre wahrste Interpretation. Wird das\nWerk gut vorgeführt (es ist leicht), so muss es in den\nHöi ern jenes Gefühl zurücklassen, das Hafis nicht anders\nals durch Glück und Seligsein auszusprechen wusste. Selbst-\nverständlich ist daher die Anlage der Ouvertüre ganz ein-\nfach, die Themata durften nicht anders sein. Wie aber\ndie Natur aus dem Einfachsten Grosses und Schönes ent-\nwickelt, so that es Ehlert auch mit seinen Thematen. Ohne\nbesonderen Aufwand ungewöhnlicher Mittel schuf er ein\nwahrhaft schönes Tonslück, dem Eines namentlich inne-\nwohnt: eine keusche und adelige Wahrheit.\nMissa I. für Chor und Solo. Missa 11. für Chor\nund Solo. Von R. Volkmann. Pesth, bei\nIleckenast. (Preis?)\nTheilt man auch nicht allerwärts die lleberzeugung,\ndass ein Besserwerden der Kirchenmusik durch das Zu-\nrückgehen auf das Mittelalter bedingt sei, so macht sich\ndoch ein heiliger Ernst bei den neuesten Kirchen-Compo-\nnisten geltend. Bei Volk mann ist das unverkennbar. Seine\nobigen Arbeiten athmen religiöse Weihe und ernsten Sinn;"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.5", "texte": "er nimmt die Textesworte nicht etwa vereinzelt und beu-\ntet sie in kleinlicher Weise aus, nach Art der Dramatiker,\ndenen auf ihrem Felde dieses Recht nicht bestritten wer-\nden will. Er fasst die heilige Handlung als solche, vertieft\nsich in ihre Bedeutung, vergisst nie das Wechselverhält-\nnis;» zwischen Priester und Volk; er tritt daher nie sub-\njecliv au,f, sondern lediglich objeetiv, verfällt nie in leiden-\nschaftliche, hier jedenfalls unwürdige Unebenheiten, son-\ndern singt stets ruhig, ergeben, demülhig und vertrauend.\nNach dieser Charakteristik lässt sich leicht die Art und\nWeise des künstlerischen Schaffens Vo.kmuau's, so wie auf\ndie Beschaffenheit seiner Werke selbst schliessen. Ohne\nder Meiodie ungerecht zu werden, tritt doch die Harmonie\nals herrschend vor. Diese aber entfaltet alle ihre Künste\nund Geheimnisse; dass dabei Voikmann doch klar, fasslich\nund sogar leicht bleibt, ist ein Beweis für seine Gewandt-\nheit; ihm ist Hegel und Form zum vollkommenen Eigen-\nthum geworden. Daher sieht man seinen Werken, wie es\nbei weniger Eingeweihten und Geübten der Fall ist, die\nMühe des Macheus nicht an; sie sind geworden.\nDasselbe gilt in gleichem Maasse von seinen drei\nreligiösen Gesängen für fünf und sechs Stimmen und\nOrgel. Im ersten ringt zwar noch die Form mit dem Geiste\n'•iger Maassen, aber siegreich bricht dieser durch in den\nzwei letzten.\nSeine übrigen mir bekannt gewordenen Compositionen\nthcilen ohne Ausnahme die genannten Vorzüge. Seine vier\nTageszeiten für Pianoforte sind leicht, schön\nerfunden und tief empfunden, übrigens Programm-Musik\nund daher Antheil nehmend an all dem Guten und Nicht-\nguten derselben. Seine drei Lieder für eine Sing-\nstimme und Ciavier erheben sich über das gewöhnliche\nNiveau; Nr. 1., „Das schönste Grab\", zählt zu den geist-\nreichsten Erfindungen der lyrischen Ton-Muse. Von den\nVariationen über ein Händel'sches Thema für\nCiavier kann ich gleichfalls nur Lobendes sagen; sie sind\nnicht nach hergebrachten Schablonen gearbeitet, geistlos\nwie Tausende ihrer Schwestern; Volkmann gibt gleichsam\nin jeder einzelnen die eigentümliche Auffassung und In-\nterpretation desselben Gedankens von verschiedenen Per-\nsönlichkeiten. Die Wahl eines Thema's von Händel bekun-\ndet schon den denkenden Künstler. Ueber seine Violin-\nQuartette werde ich nächstens berichten.\n\nM.\n\nUeber C. M. von Weber’s Geburtstag.\nIn allen Biographieen Carl Maria von Weber's wird\nder 18. December 1786 als der Tag seiner Geburt an-\ngenommen, und es ist gewiss, dass er selbst diesen Tag\nals seinen Geburtstag angegeben und gefeiert hat.\nDerselbe Tag findet sich auch in einem Schreiben be-\nzeichnet, welches der dreizehnjährige Weber in gereiztem\nlone bei Gelegenheit der Aufführung seines ersten Opern-\nVersuches: „Das Waldmädchen\" (später zur Oper „Syl-\nvana\" umgearbeitet) in Freiberg an den dortigen Can-\ntor J. G. F. Erliess, worin er auf eine Erklärung des\nbesagten Cantors vom 24. Januar 1801 sich äussert:\n„Dass ich den 18. December 1787, Abends halb eilf\nUhr, geboren bin, beweis't mein Taufschein; folglich bin\nich nicht angeblieh, sondern wirklich erst dreizehn\nJahre alt*).\" —liier hat er sich nun wohl durch die Jah-\nreszahl 1787, statt 1786 , ein Jahr jünger gemacht. Dess-\nhalb stimmt denn diese eigene Angabe weder in Bezug\nauf das Jahr, noch auf den Tag zu der Gedächtniss-\ntafel, welche an dem Geburtshause Weber's zu Eutin\nin der Lübecker Strasse angebracht und am 12. Septem-\nber 1853 enthüllt wurde.\nDie Inschrift auf dieser Tafel lautet:\nIn diesem Hause ward geboren\nCarl Maria von Weber.\nGetauft zu Eutin 20. November 1786.\nGestorben zu London 5. Juni 1826.\nVergleicht man hierzu den Bericht vom 17. Septem-\nber 1853 in der „lllustrirten Zeitung\", Nr. 533, S. 180,\nso heisst es darin, „dass der Vater Franz Anton von\nWeber 1785 nach Eutin berufen worden, und dass bald\nnach seiner Anstellung daselbst im Jahre 1786 sein Sohn\nCarl Maria geboren wurde. Der Geburtstag desselben\nsei aber im Kirchenbuche nicht angegeben, sondern nur\nder Tauftag, der 20. November, wonach anzunehmen,\ndass C. M. von Weber am 18. November geboren sei,\nda zu damaliger Zeit in Eutin die Kirchenordnung galt,\ndass die Kinder am dritten Tage nach der Geburt getauft\nwerden mussten.\"\n\nStossseufzer eines französischen Musikers.\n\nHector Berlioz, der vollendetste Musiker, den Frank-\nreich besitzt, der fruchtbarste Componist, der rüstigste\nStreiter, ist der Gegenstand des Hasses einer ganzen Gene-\nration von Mittelmässigen, die ihm mit Erbitterung alle\nWege verschliessen. Und das gelingt ihnen in dem schö-\nnen Frankreich so gut, dass wir ganz verblüfft dastehen,\nwenn wir auf einmal aus Deutschland einen Chor von\nBeifall für ihn herüberschallen hören! Traurig, sehr\ntraurig!\n\n*) Mitgetheilt in der Zeitschrift „Die Gartenlaube*, Jahr,j.\n1854, Nr. 2ü, S. 343."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "422", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.6", "texte": "Das liegt daran, dass die Erziehung und die Gewohn-\nheiten in Frankreich vor allem Anderen kunstfeindlich sind.\nDie Mittelmässigkeit herrscht bei uns, die Mediokratie!\nBürgerliches dickes Blut lliesst in unseren Adern; der Rea-\nlismus heult sein Veto, sobald eine wohlhäbige Verdauung\ngestört wird; er ärgert sich, wenn man es wagt, an eine\nIntelligenz zu appelliren!\nWas ist dagegen zu thun? Nur eine wohlverstandene\nmusicalische Erziehung und Bildung kann gegen so kras-\nsen Materialismus helfen. Ohne Zeugniss wirklicher Be-\nfähigung müssle zunächst Niemand zum Unterrichten in\nder Musik zugelassen werden; das würde uns von dem\nAuswurf der Lehrer befreien, die schlechte Musik spielen\nlassen und schlechte Schüler ziehen.\nUnd nun die Lehrbücher, besonders für die Elemente\nder Musik! Warum unterwirft man sie nicht einer ernsten,\nstrengen Prüfung? Ich spreche natürlich nicht von den\nfreundlich gefälligen Approbationen, welche das Conser-\nvatorium alle Augenblicke wohlgestempelt ausgibt; ich\nverlange eine wirkliche Prüfung, mit um so unerbittliche-\nrer Strenge, als es sich darum handelt, eine ganze Gene-\nration vor schlechtem Unterricht vermittels schlechter Lehr-\nbücher zu bewahren.\nDa lese ich in einer Broschüre (.Fillonneau, Revue\nmusicale de 1860 ä Paris) Folgendes über die letzten\nWerke von Beethoven, namentlich über die Sonate Op.\n111, bei Gelegenheit des Vortrags derselben durch von\nBülow:\n„In diesen Compositionen findet sich wenigstens immer\nein vorzügliches Stück, und wir glauben, dass Niemand\ndazu verpllichtet ist, Alles davon zu spielen, so wenig wie\nAlles davon mit anzuhören. Das 111. Werk ist diesen\nWinter von vielen ausgezeichneten Pianisten gespielt wor-\nden, die aber so vernünftig gewesen sind, die\nletzte Hälfte davon zu streichen!\"\nEs ist natürlich nicht Jedem gegeben, dem kühnen\nFluge eines Genie's zu folgen, seine gewaltigen Gedanken\nzu fassen; aber in dem Falle hält man den Mund, denn zu\nschweigen ist Jedem erlaubt. Ich schweige auch, wenn ich\ndie langweiligen Gesichter eines höchst eleganten Publi-\ncums bei einer Fuge von Bach sehe, und am Schlüsse,\nwenn sie aufwachen, weil die Mühle nicht mehr klappert,\nihre entzückten Phrasen vernehme!\nDas Spiel vieler Virtuosen gleicht dem Gange eines\nBetrunkenen. Das Tempo rubato hat seinen Namen davon,\ndass es dem Componisten den Tact aus seiner Musik stiehlt.\nIn den meisten Theatern von Paris riskirt man seine\nGesundheit, ja, sein Leben. Eine abscheuliche Atmosphäre\nvergiftet die Lunge; die Aerzte sind darüber einig, dass\nsie eine grosse Zahl von Kunden der ungesunden Luft in\nunseren Theatern verdanken. Wenn das noch die einzige\nUnannehmlichkeit wäre, die man ausstehen muss, um das\nVergnügen zu haben, Komödie spielen zn sehen! Man\nwird auf einen Platz eingepfercht, auf dem ein Kind sich\nbeengt fühlen muss; die Beine auszustrecken, ist unmög-\nlich; man ist zu vollständiger Regungslosigkeit verurtheilt,\nwill man nicht seinen Nachbar geniren, der eben so ein-\ngezwängt ist. Alle Augenblicke muss man noch obenein\naufstehen, um einen neuen Ankömmling durchzulassen;\nund drückt man sich noch so schmal an den Sitz, man\nmuss doch froh sein, wenn man mit beschmutzten Stiefeln\nwegkommt und nicht gequetscht und getreten wird!\nZahlen spielen bekanntlich jetzt eine Hauptrolle. Ich\nstelle folgende statistische Aufgabe:\nIn Europa gibt es am Ende des Jahres 1860 18,140\nSchauspieler und Sänger, 21,609 Schauspielerinnen und\nSängerinnen, 173-3 Theater-Intendanten und Directoren.\nAlles, was an den Theatern beschäftigt ist, bildet ein Per-\nsonal von 82,216 Köpfen.— Die Anzahl der Musiker ist\nnur annähernd zu schätzen; nehmen wir eine Million an,\nwovon 600,000 Clavierspieler sind, so werden wir der\nWahrheit ziemlich nahe kommen.\nPreisfrage: Wie verhält sich die Gesammtzahl von\n1,082,216 Künstlern, Richard Wagner einbegriffen, zu\ndem Fortschritte der dramatischen und musicalischen\nKunst??\n\nG. + B.\n\nAus Kassel.\n\nDie musicalischen Zustände in der Residenz des Kur-\nfürstenthums Hessen haben glücklicher Weise mit den\npolitischen nichts zu schaffen; sie haben sich unter dem\nScepter des Hof-Capellmeisters Herrn Karl Reiss ohne\nOpposition zu einer recht erfreulichen Lage entwickelt\nund sind zu einem Kunstleben gediehen, das in Bezug auf\ndie Oper an die besten Zeiten der Wirksamkeit Spohr's\nin seiner ungeschwächten Kraft erinnert, und in Hinsicht\nauf Concertmusik eine Höhe der Theilnahme erreicht hat,\nwelche den Ertrag des Abonnements für die Winter-Con-\ncerte in diesem Jahre gegen frühere um das Doppelte ge-\nsteigert hat.\nWas die Oper betrifft, so hat sie allerdings in dem\nTenoristen Wachtel, dessen Stimme wohl schwerlich\njemals ersetzt werden dürfte, eine wesentliche Stütze ver-\nloren. Ueber die Art seines Abganges verlohnt es sich\nnicht der Mühe, noch mehr Worte zu machen, als bereits\nin vielen Blättern geschehen. Die politische Lehre vom\nFait accompli findet auch hier ihre Anwendung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "423", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.7", "texte": "An seine Stelle ist vorläufig Herr Garsö, früher in\nDarmstadt, getreten. Er besitzt eine besonders in der\nHöhe sehr ausgiebige und sympathische Stimme; dagegen\nlässt die Mittellage mehr zu wünschen übrig, und als Sän-\nger ist, namentlich was den Ansatz betrifft, Herr Garsö\nnicht fehlerfrei. Jedoch hat er sich schon in der kurzen\nZeit sei..es Hierseins in die Gunst des Publicums ein<re-\nsungen und sich als ein recht nützliches Mitglied der Oper\nerwiesen.\nDie bedeutendsten Zierden derselben sind Herr und\nFrau Rüb samen. Ersterer zeichnet sich durch eine, was\nZartheit und des Klanges betrifft, seltene Stimme,\nLetztere, die Ihnen am Rheine als Fräulein Veith wohl-\nbekannt ist, durch treffliche Schule und seltenes musicali-\nsches Verständniss aus. Ausser den drei Genannten besitzt\nunsere Oper in der jugendlichen Sängerin Fräulein Er-\nhartt, dem ersten Bassisten Herrn Hoch heim er und\ndem Tenoristen Herrn Erber treffliche Mitglieder. Das\nOrchester zählt ausgezeichnete Kräfte, und der Chor, der\naus lünfundvierzig Mitgliedern besteht, leistet sehr Rühm-\nliches. Das Ganze bildet unter der tüchtigen Leitung des\nvortrefflichen Dirigenten Herrn Reiss ein höchst ehren»\nwerthes künstlerisches Institut. Trotz WachtePs unerwar-\ntetem Abgange wurden seit Beginn der Saison achtund-\nzwanzig verschiedene Opern gegeben; das Repertoire\nbrachte meist deutsche und französische, nur wenige ita-\nliänische Werke.\nVon den diesjährigen Abonnemenls-Concerten\nhaben bis jetzt zwei Statt gefunden. Es ist keine Frage,\ndass unsere Concerte in den letzten Jahren einen entschie-\ndenen Aufschwung genommen haben und vom Publicum\nnoch einmal so zahlreich besucht werden, als früher; in\ndiesem Jahre war der Zudrang zum Abonnement so gross,\ndass viele Meldungen nicht mehr angenommen werden\nkonnten.\nDie Concerte finden im Hoftheater und durch die Mit-\nglieder der kurfürstlichen Hofcapelle Statt, der Ertrag ist\nzum Vortheil der Unterstützungs-Casse des Hof-Orchesters\nbestimmt. Die Preise sind die Theater-Preise: I. Rang 1\nThlr., Sperrsitze und Unterlogen 20 Sgr., 11. Rang und\nParterre 15 Sgr., Amphitheater 7% Sgr., Galerie 5 Sgr.\nDadurch ist auch den weniger Bemittelten unter den\nKunstfreunden ermöglicht, gute Musik zu hören.\nDas Programm des ersten Concertes am 20. Novem-\nber lautete :\nErster Theil» *1) Ouvertüre und ausgewählte Scenen\naus der Oper „Alceste\" von Chr. Ritter v. Gluck (zum er-\nsten Male); die Solo-Partieen vorgetragen von Frau Rüb-\nsamen-Veith, Herrn B. Mayr, herzoglich braunschwei-\ngischem Ilolsänger, und Herrn Rübsamen, die Chöre von\nden Mitgliedern des Hoftheater-Chors. 2) Zehntes Violin-\nConcert von L. Spohr, vorgetragen von dem k. hannover'-\nsehen Kammer-Virtuosen Herrn August Kömpel. 3)\nSolo-Piecen für das Pianoforte: a. La Cascade von E.\nPauer, b. tuge von J. S. Bach, c. Scherzo von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy, vorgetragen von Herrn Mortier de\nFontaine aus St. Petersburg. 4) Arie aus der Oper „Hans\nMeiling\" von H. Marschner, gesungen von Herrn B. Mayr.\n5) Introduction und Variationen über Mozart'sche Themen\nSür die Violine von F. David, vorgetragen von Herrn\nAugust Kömpel. —Zweiter Theil. Symphonie Nr. 4\n(.A-dur) von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nDas zweite Concert am 10. December brachte : Erster\nTheil. 1) Ouvertüre zu „Anakreon\" von Cherubini. 2) Con-\ncert für das Pianoforte mit Orchester-Begleitung\nvon Fr. Chopin (zum ersten Male), vorgetragen von Herrn\nWilh. Treiber aus Graz. 3) Kecitativ und Arie mit obli-\ngater Violine und Orchester-Begleitung von W. A. Mo-\nzart, gesungen von Fräulein Erhartt; die Partie der obli-\ngaten Violine vorgetragen von Herrn Wipplinger. 4)\n„Maurerische Trauermusik\" von Mozart (zum ersten Male).\n5) Lieder mit obligater Clarinette und Pianoforte-Beglei-\ntung von L. Spohr, gesungen von Fräulein Erhartt; die\nPariie der obligaten Clarinette vorgetragen von Herrn\nNelf. 6) Rondo brillant für das Pianoforte mit Orchester-\nBegleitung von Fei. Mendelssohn-Bartholdy, vorgetragen\nvon Herrn W. Treiber. —Zweiter Theil. Pastoral-Sym-\nphonie von L. van Beethoven.\nIm ersten Concerte erregte August Kömpel durch\nsein elassisches Spiel die allgemeinste Bewunderung, wäh-\nrend in dem zweiten ein trefflicher junger Pianist, Herr\nTreiber aus Graz, grosses Aufsehen machte. Und mit\nRecht. Sein Vortrag des Concertes von Chopin war in je-\nder Hinsicht trefflich und fand die wärmste Aufnahme.\nMendel ssoh n's erregte einen so en-\nthusiastischen Beifall, dass sie auf allgemeinen Wunsch in\ndem nachher zu erwähnenden Extra-Concerte wiederholt\nwurde. Eben so fand Cherubini's Anakreon-Ouverture\nund hauptsächlich Beethoven's Pastoral-Symphonie,\ndie seit zehn Jahren hier nicht mehr gehört\nworden war (!), ein sehr gespanntes und dankbares Pu-\nblicum.\nFür die nächsten Concerte werden als Solospieler der\nPianist Pauer und der Violinist J. Becker erwartet. Im\nvierten Concerte kommen F. Hiller's „Lorelei\" und M.\nBruch's „Die Erlen und die Birken\", neben Rubin-\nstein's Sinfonie in F-durzur Aufführung.\nAm 27. November gab Herr Mortier de Fontaine\nunter Mitwirkung der Hofcapelle unter der Direction des\nHerrn Rciss ein Concert im Theater, in welchem er Beet-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18601229-01.1.8", "texte": "hoven's Clavier-Concert in mit eigenen Cadenzen\n(wie der Concert-Zeltel besagte was sich doch wohl bei\ntüchtigen Musikern von selbst versteht!), fünf kleinere\nSolostücke von Scarlatti, J. Ilaydn, W. A. Mozart,\nGade und Schumann, also gewisser Maassen „alte und\nneue Zeit\", und zum Schlüsse Beethoven's Phantasie\nfür Ciavier, Orchester und Chor vortrug. Im zweiten Theile\nwurde, wie oben erwähnt, die (Nr. 4)\nvon Mendelssohn mit gleichem Beifalle wie das erste\nMal aufgeführt.\n\nV.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nReislingen. Se. Hoheit der Herzog von Meiningen hat an\nseinem Geburtstage, den 17. December, dem Hof-Capellmeister J. J.\nBott daselbst das Verdienstkreuz des Saehsen-Ernestinischen Haus-\nOrdens verliehen. Vor Kurzem hatte Herr Bott vom Könige von\nHannover die grosse goldene Medaille für Kunst u. s. w. erhalten.\nIvera« Am 11. December wurde im vierzigsten Concerte des\nmusicalischen Vereins unter der Direction des Capellmeisters W.\nTschirch aufgeführt G. F. Händel's Cantate „Das Alexander-\nfestu (unter Mitwirkung der Concertsängcr Herren Scharfe und\nUmmer aus Leipzig). Im ersten Theile des Concertes hörten wir:\nFest-Ouverture von L. van Beethoven, Op. 124, Concert für\nPianoforte von Mendelssohn, vorgetragen von Fräulein Bertha\nSchwalbe aus Leipzig, welche auch noch Variationen von Cho-\npin spielte.\nIm Verlage von L. C. Zamarski u. Dittmarsch in Wien,\nStadt, Schauflergasse 24, ist so eben erschienen und daselbst wie\nin allen Buchhandlungen der Monarchie zu haben: Franz Schu-\nbert, eine biographische Skizze von Dr Heinrich von Kreissl.\n8. 11 Bogen, elegant geheftet. Preis 1 Fl österr. W. Die vorbe-\nnannte Schrift ist die erste, welche in grösserem Umfange und Zu-\nsammenhange das Leben und die Werke des grossen vaterländischen\nTondichters behandelt. Den Verehrern Schuberts, wie der musica-\nlischen Kunst überhaupt wird sie ohne Zweifel eine sehr willkom-\nmene Gabe sein.\nDie französischen Uebersetzer von Richard Wagner's „Tann-\nhäuser* sind die Herren Edmond Roche, Mitarbeiter von Giaco-\nmelli's Presse thidtrale et musicale (dem Journal, das Wagner's In-\nteressen vorzugsweise vertritt), und Richard Lindau.\nHeinrich Marschner ist wieder in Paiis. Er wird seine\nneue Oper: „Hiarne, der Sängerkönig'4, in der grossen Oper\nzur Aufführung bringen, und zwar wird sie, wie man sagt, auf be-\nsonderen Befehl des Kaisers Napoleon 111. in Scene gehen. Zu be-\nklagen bleibt es, dass unsere deutschen Holbühnen, namentlich in\nBerlin und Wien, sich die Ehre nehmen lassen, oder, richtiger ge-\nsagt, die Pflicht verabsäumen, ein neues Werk des grössten deut-\nschen Opern-Componisten zuerst aufzuführen!\nAew-YorSi« Herr Paur, Dirigent des Liederkranzes, ist\ntrotz eines vom „Arion* wegen Formfehler eingelegten Protestes\nzum Dirigenten bei dem nächsten Sängerfeste ernannt worden."}]}