{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-01-19-01", "volume": "bmtnabi_1861-01-19_01", "ocr_sha256": "3dfcabe079e8c2cee9a937fd4e7d89ec3b545576a00c8cc55464d2047bc94983", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/01/19_01/bmtnabi_1861-01-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 354, "texte": "Inhalt.\nAdrian Petit. Ein verschollener niederländischer Meister. Von Ernst — Der Verein zur Beförderung der Ton-\nkunst in den Niederlanden. Von L. B. Vorschlag zur Zahlung von Ehren-Honoraren an Componisten. Aufruf zur Restauration der\nersten Bach-Orgel in Arnstadt. Tages- und Unterhaltungsblatt (Frankfurt a. 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Diese Notiz, von Gerber aufgenommen und\ndann in alle musicalisch - biographischen und anderen\nWerke übergegangen, sagt uns in ihren vielen Be- und\nUmarbeitungen weiter nichts, als dass Petit ein Schüler\nJosquin's und ein bedeutender Musiker und Schriftsteller\ngewesen sei und sich selbst Adrian Petitus, auch Co-\nclicus (Coclius) genannt habe. Dieses Wenige wird in-\ndessen in etwas ergänzt durch ein Werk des Meisters, ein\n„Compendium musices\", welches 1552 zu Nürnberg ge-\ndruckt wurde. Das Lehrbuch enthält ausser der Bestäti-\ngung des Obigen noch als Titelbild Petit's Portrait, das\nden Meister in seinem zweiundfünfzigsten Jahre darstellt,\nund demnach seine Geburt in das Jahr 1500 verweis't.\nWerk und Portrait sind nun allerdings dazu angethan,\nuns auf den Meister und seine sonstigen Lebens-Umstände\nrecht neugierig zu machen. Während ersteres nach den\nAussagen competenter Beurtheiler ein ganz merkwürdiges\nBuch ist, führt uns das Portrait selbst eine interessante\nund abenteuerliche Figur vor. Der Meister steht da in\neinem bis ans Knie reichenden Bocke und geziert mit\neinem Barte, der länger als der Bock ist, demnach tiefer\nals das Knie reicht, ein würdiges Seitenstück zu seinem\nspäteren musicalischenCollegen Hermann Schein (einer\nder drei berühmten grossen S.), dessen gekräuseltes Haar\nzu beiden Seiten des Kopfes etwa einen Fuss weit absteht.\nUnter dem Bilde befinden sich lateinische Verse, die im\nDeutschen etwa folgender Maassen lauten:\nMit Recht rühmt Deutschland deinen Namen, Coclicus,\nDenn die Kunst, um die du verdient, macht zum rühmliehen\nMann dich!\nFrankreich sah dich, dich sah Italiens Küste,\nUnd jetzt erfreut die deutsche Erde den älteren Mann,\nDenn Alle besiegst du an Süsse und Kunst der Stimme,\nUnd Philomele selbst singt nicht mit so holder Kehle.\nAlso dass dir Christus ein langes Leben zu führen\nGestatte, bitte ich Gott in meinem Gebete.\nNoch erschienen von ihm im selbigen Jahre zu Nürn-\nberg vierstimmige Psalmen, auf die wir, wie auf obiges\nWerk, später zurückkommen werden.\nDies ist nun alles, was über unseren Meister bekannt\nist, der demnach wohl zu den verschollenen gezählt werden\ndarf, sich indessen selbst nach den spärlich vorhandenen No-\ntizen als durchaus nicht unbedeutend hinstellt, und seinem\nAeusseren nach eine eigentümliche, originelle Persön-\nlichkeit zeigt, deren Lebens-Schicksale gewiss nicht zu\nden uninteressanten gehören und einer näheren Betrach-\ntung wohl werth sein dürften.\nDer Zufall Hess mich in dem Gesammt-Archiv der\nsächsischen Lande eine lateinische Schrift von mehreren\nBogen finden*), 1546 von Wittenberg aus an den Kur-\nfürsten Johann Friedrich den Grossmüthigen ge-\nrichtet, und zwar von unserem Meister Adrian Petit. Sie\nward begleitet von einem Briefe des Bectors und sämmt-\nlicher Professoren der Universität Wittenberg, die, fussend\nauf einem Schreiben Luther's vom Jahre 1541, versuch-\nten, den Kurfürsten zur Errichtung eines musicalischen\nLehrstuhls für Adrian Petit an obiger seiner Universität\nzu bestimmen. Petit berührt in dieser Schrift mehrere Mo-\nmente seines Lebens, das sich als ein höchst merkwürdi-\n\n*) Ich muss hier dankend die Hülfe des dortigen Archivars,\nHerrn Aue, erwähnen, welcher mir bei meinen Forschungen\nfreundlich zur Seite stand und mir vieles, was mir unleeer-\nlich war, entzifferte und übersetzte."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5334, "texte": "ges und vielbewegtes herausstellt. Die mancherlei Anhalts-\npunkte, die diese Schreiben bieten, vereint mit den vor-\nhandenen Notizen, sind nun schon im Stande, ein ziemlich\nklares Bild von dem Leben des niederländischen Meisters\nzu geben, den theilweise Verschollenen in deutlichem Um-\nrissen der musicalischen Welt wieder vorzuführen.\nAdrian Petit wurde (seinem Bilde nach) im Jahre\n1500 im Hennegau, und zwar aller Wahrscheinlichkeit\nnach in dem Orte Conde geboren, wo Josquin des\nder grosse Meister des Contrapunktes und das Haupt der\ndamaligen niederländischen Schule, eine Pfründe besass,\ndie er als Capellmeister des Kaisers Maximilian I. von\ndiesem etwa um 1500 erhalten, um seine letzten Lebens-\njahre in Ruhe verbringen zu können. Unermüdlich wirkte\nhier der hochberühmte Meister als Lehrer fort, und viele\nseiner Schüler trugen von dort aus seinen Ruhm in alle\nWelt. Auch Petit, in Conde zum geistlichen Stande erzo-\ngen, genoss den Unterricht des Meisters bis zu dessen\nTode, der etwa 1515 erfolgte. Auf den empfangenen\nLehren weiter bauend, bildete er sich dann zum tüchti-\ngen selbstständigen Musiker, Sänger, Contrapunktisten und\nOrgelspieler aus und leitete, nachdem er die Priester-\nweihen empfangen, die Musik und den Unterricht in der\ndortigen Klosterkirche und Schule. Bald jedoch ward ihm\nsein Wirkungskreis zu enge, und es trieb ihn hinaus in\ndie weile grosse Welt, um, wie so manche seiner Lands-\nleute und vor Allen sein grosser Lehrer Josquin gelhan,\nsein Talent zu vervverthen, zu schaffen, mit grösseren und\nbesseren Mitteln als den ihm bis dahin gegebenen alles das\nins Leben zu rufen, was in seinem Inneren lebte und sich\ngährend bewegte. Er verliess Conde und seine Kloster-\nschule, und fort zog er nach Italien. Nach mancherlei Irr-\nfahrten kam er nach Lodi zum dortigen Bischöfe Octa-\nvianus und wurde dessen Capellsänger und mit der Zeit\nauch sein Freund. Der Ruf seiner Compositionen und sei-\nnes Gesanges verbreitete sich weit umher und öffnete ihm\nden Weg nach Rom zur päpstlichen Capelle, dem Ziele\nseiner Wünsche.\nAls 1534 der gelehrte und kunstsinnige Alexander\nFarnese als Paul 111. den römischen Stuhl bestieg und\ndie besten Künstler seiner Zeit um sich versammelte, zog\nauch Petit nach Rom und trat als Sänger in die päpstliche\nCapelle ein, wo er sich mit Glück neben seinem hochbe-\nrühmten Landsmanne Goudimel und dem grossen Con-\ntrapunktisten und Sänger Constanzo Festa behauptete\nund hervorthat. Sein geistlicher Stand erleichterte ihm sein\nweiteres Fortkommen bedeutend, und während er in der\nCapelle einen der ersten Plätze als Sänger und Tonsetzer\neinnahm, stieg er in der Gunst des Papstes so hoch, dass\ndieser ihn zu seinem Beichtvater und endlich sogar zum\nBischöfe voll Duiatutn, „einer Stadt nicht weit von\nRom\" (?), machte. Petit sammelte während dieser Zeit\nseines Aufenthaltes und Wirkens in Rom nicht unbedeu-\ntende Reichtbümer und lebte herrlich und in Freuden,\ngeehrt und geliebt vom heiligen Vater und glücklich und\nzufrieden in der Ausübung seiner Kunst.\nEin solch rasch errungenes, glückliches Loos, solcho\naussergewöhnliche Bevorzugung des fremdländischen Sän-\ngers musste natürlicher Weise den Neid erwecken, und\nlauernd umstanden Geistliche und Laien den Meister, um\nihn beim ersten Fehltritte zu überraschen und von seiner\nHöhe herab zu stürzen. Leider liess sich Petit auch bald\netwas zu Schulden kommen, wofür es in Rom keine Ver-\nzeihung gab.\nAngeweht von der kirchlich-reformatorischen Luft, die\nzu jener Zeit Deutschland erfüllte und deren Strömungen\nselbst über die Alpen nach Italien gedrungen, beging Petit\ndie Unklugheit, in Rom, dem Sitze des Papstthums, und\nals Beichtvater des heiligen Vaters, Aeusserungen zu thun,\ndie vermuthen Hessen, dass er im Herzen mit der Lehre\nLulher's übereinstimmte. Dies war mehr, als es bedurfte,\num ihn ganz zu vernichten. Rasch erhielt das Cardinals-\nCollegium Anzeige von den ketzerischen Reden des Mei-\nsters, und eben so rasch wurde dieser selbst gefänglich\neingezogen und vor Gericht gestellt. Der Papst, empört\nüber das Vergehen, den Undank seines Lieblings, leitete\nselbst die Untersuchung, und Petit, überführt, wurde zu\nlebenslänglicher Haft verurtheilt und zugleich seiner er-\nworbenen Glücksgüter beraubt.\nAuf der Engelsburg schmachtete nun der Meister in\nhartem Kerker, während er für die Welt, seine Freunde\nverschwunden war. Herabgestürzt von so glänzender Höhe\nin so tiefes Elend, erfüllten Schmerz und ohnmächtige\nWuth sein Inneres und brachten ihn mehr als Ein Mal\nder Verzweiflung nahe. Sein Bart wuchs während dieser\nZeit herab bis ans Knie, und Haar und Aussehen verwil-\nderten. Endlich gelang es ihm, sein trauriges Geschick sei-\nnem früheren Gönner und Freunde, dem Bischöfe Octa-\nvianus von Lodi, zu unterbreiten. Dieser, noch erfüllt von\nBewunderung für den trefflichen Meister, eilte nach Rom,\nwarf sich dem heiligen Vater zu Füssen und flehte ihn um\nErlösung des Armen an. Lange blieb der Papst unbeug-\nsam; doch endlich sprach er das Wort der Gnade und\nverwandelte den ewigen Kerker in ewige Verbannung.\nNach dreijähriger schrecklicher Haft, wohl um dreissig\nJahre gealtert, verliess der Arme seinen Kerker und Rom\nund zog als Bettler aufs Neue in die Fremde, ins unge-\nwisse Leben hinaus.\nWohin konnte es Petit unter solchen Umständen wohl\nanders ziehen, als nach Deutschland, nach jener Stadt, wo"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5223, "texte": "Luther und Melanchthon geweilt, Letzterer noch\nweilte, deren evangelischem Bekenntnisse er sich nach dem\nVorgefallenen unbedingt und freudig, weil mit Ueberzeu-\ngung, angeschlossen?\nSo kam denn der niederländische Meister nach man-\ncherlei Entbehrungen, Mühen und Leiden im Sommer des\nJahres 1545 in Wittenberg an und nahm, nachdem er\nsich in etwa erholt, daselbst seine Kunst wieder auf.\nSchon 1524 halte Luther von Wittenberg aus den\nersten Impuls zur Regeneration der evangelischen Kirchen-\nmusik gegeben 'durch Berufung des kursächsischen Capell-\nmeisters zu Torgau, Johannes Walter, und Conrad\nRupff's, Friedrich's des Weisen alten „Singemei-\nsters\". Beide Musiker zogen zu dem Reformator nach Wit-\ntenberg, und durch vereinte Kräfte entstand noch im sel-\nben Jahre (1524) das erste evangelische Gesangbuch und\ndie erste deutsche Messe, welche musicalische Bücher sich\nbald in ganz Deutschland verbreiteten und einbürgerten.\nLuther, den Werth und die Bedeutung der Musik, des\nGesanges für den evangelischen Gottesdienst wohl erken-\nnend, arbeitete nun auf Errichtung eines Lehrstuhls für\nMusik an der Universität hin. Doch die Zeiten waren sei-\nnen Wünschen und Bemühungen nicht günstig. Noch in\nspäterer Zeit, wenige Jahre vor seinem Ende, 1541, wandte\ner sich nochmals an den Kurfürsten Johann Friedrich\nden Grossmüthigen und bat ihn, von einem zur Zeit\nerledigten Gehalte einen tüchtigen Musiker an der Univer-\nsität anstellen zu wollen. '\nDa dieser Brief Luther's die damaligen musicalischen\nZustände der evangelischen Kirche im Allgemeinen und\nWittenbergs, des nunmehrigen Aufenthaltes unseres Mei-\nsters, recht charakterisirt und wohl unbekannt, weil un-\ngedruckt, sein dürfte, so mag er hier wörtlich folgen:\n„G(nad) V(nd) F(ried) Durchleuchtigster hochgebor-\nner fürst gnedigster herr. Wir haben bisher grossen\nMangel gehabt an einem Musico. Aber weil nichts fürhan-\nden gewest, haben wir E(uer) K(urfürstliche) G(naden)\nnicht mugen mit viel suppliciren bemuhen. Nu aber dass\neinkommen Licentiat Blankens verledigt, dunckt mich's wol\ngut, das davon ein stattlicher Musikus wurde gehalten.\nDenn zu der Zeit hatten wir noch vorraht aus dem baps-\nthum (wie andere personen auch) die singen Kunten. Nu\nwir aber selbs eigene erziehn sollen, will's mangeln. Nu\nich aber wol weiss, das E. K. F. G. die Kirchen Güter bis\ndaher zur Kirchen-nothurfft und bestes haben brauchen\nwollen und also mit der that beweiset; zu dem das solche\nstiffte E. K. F. G. eigen land bessern und im lande blei-\nben, hoffe ich E. K. F. G. werden unser bedenken und\nunterthenige bitt gnediglich bewegen und wol sich wissen\nhierein Christlich zu erzeigen. Hiermit dem lieben Gott\nbefohlen. Amen.\n«Sonntags Oculi (d. i. den 20. März) 1541.\n„E. K. F. G. untertheniger\n„Martinus Luther.\"\nLuther's Bemühungen blieben indess fruchtlos, und\ndie edle Musica musste sich aufs Neue mit den Brosamen\nbehelfen, die von den Tischen der wohlbestallten Professo-\nren abfielen, und Bettlerin bleiben, wie bisher.\nAdrian Petit fand demnach in Wittenberg einen wohl\nvorbereiteten und empfänglichen Boden für seine Kunst,\naber einen gar mageren für seine eigenen leiblichen Be-\ndürfnisse. Er liess sich indessen nicht abschrecken, und von\nden Professoren der Universität unterstützt, begann er sein\nLehramt und versammelte die musik- und singlustige Ju-\ngend der Universität um sich. Auf neuen, leichtfasslichen\nGrundsätzen fussend, erreichte er bald die schönsten Re-\nsultate, und seine Schüler liebten ihn ungemein. Diese»,\nso wie die dadurch erweckte Aussicht auf eine bessere\nZukunft scheint dem langbärtigen Meister wieder neuen\nLebensmulh eingeflösst zu haben; denn nachdem er\nvollends mit der römischen Kirche gebrochen, ganz und\nohne Rückhalt das evangelische Glaubensbekenntniss an-\ngenommen, freite er eine junge Wittenbergerin und nahm\nsie auch bald darauf zur Frau. Nun arbeitete er mit aller\nMacht dahin, seine Stellung an der dortigen Hochschule\nzu einer sicheren zu machen. Er wandte sich 1546 direct\nV\nan den Kurfürsten Johann Friedrich den Grossmüthigen,\ntheilte ihm in einer langen lateinischen Schrift seine man-\nnigfaltigen Lebens-Schicksale mit und setzte ihm aus ein-\nander, was er für sich und für die Kunst hoffe, wenn\nman ihn mit einem kleinen, festen Gehalte unterstützen\nwürde.\nDas lateinische Schreiben, dessen erste Hälfte zu obi-\nger Darstellung den hauptsächlichsten Stoff lieferte, sagt\nüber die damaligen musicalischen Verhältnisse der Univer-\nsität Wittenberg unter Anderem Folgendes:\n„—Es werden hier durch Deine Wohlthat, erlauch-\ntester Fürst, alle freien Künste öffentlich gelehrt; die Mu-\nsik allein, unter den edelsten Künsten keineswegs die letzte,\nliegt hier vernachlässigt und verachtet, ohne einen öffent-\nlichen Professor, der sie lehre. Da sie keineswegs die ge-\nringste Zier einer Schule ist, und ihre Kenntniss in der\nThat Vielen, und zumal denen, welche entweder in Privat-\nschulen oder in Kirchen leben müssen, nothwendig ist, ich\naber durch Gottes Wohlthat, wenn es nöthig, sie auf das\nbeste und treueste lehren kann, so biete ich meinen Dienst\ndarin Deiner Hoheit an und bitte Dich inständig, mir je-\nnes Lehramt der Musik an dieser Deiner Hochschule mit\neinem Gehalte, mit welchem ich mein Leben erhalten\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "kann, aufzutragen. Damit wirst Du den der Musik beflisse-\nnen Jünglingen, welche künftig der Jugend mit dieser\nZierde nützen und in den Kirchen Gottes Herrlichkeit mit\ngelehrten Concerten rühmen wollen, einen sehr angeneh-\nmen Dienst leisten. Denn die Jünglinge klagen, kaum eine\nStelle bekommen zu können, wenn sie von hier weggehen,\nwenn sie nicht die Tonkunst verstehen, und belästigen da-\nher mit häufigen Bitten die Ohren des hochwürdigen\nHerrn Rectors, dass er einen öffentlichen Professor der\nTonkunst bestelle. —\"\nBeigefügt war diesem Schreiben Petit's eine Compo-\nsition nach Wortenseines „Freundes\" Philipp Melan-\nchthon, welche indessen nicht mehr vorhanden.\nDas Gesuch wurde noch von einem Schreiben des\nRectors und der Professoren der Universität unterstützt,\nund dieses wiederum von einer Supplik sämmllicher Schü-\nler Petit's, welche Thatsachen deutlich genug die Ver-\ndienste und die Beliebtheit des niederländischen Meisters\nkennzeichnen. Ersteres Schreiben, manches Bezeichnende\nenthaltend, lautet im Auszuge wörtlich folgender Maassen:\n„—Es ist den vergangenen Sommer e n fürnehmer\nMusikus hiehergekommen, mit Namen Adrianus Petit\nauss Flandern, der eine Zeit lang alihie Musicam profiti-\nret, und wie wir bericht durch diejenigen, so der Kunst\nerfahren, dass er vor andern Musicis im Singen und Leh-\nren ein sonderliche Art und Geschicklichkeit haben solle.\nDieweil aber seine Auditores mehrerentheils arme Gesellen,\ndie ihme nicht so viel geben können, damit er sich in die\nLänge bei der theuren und schweren Zehrung, die itzo\nallhierist, möchte erhalten, zuvörderst weil er sich vor\nwenig Wochen beweibet Derowegen dann gedachte\nseine Auditores an uns suppliciret und gebeten, Ihme mit\neinem Stipendio zu versehen. Wann aber bey uns nicht\nstehet, neue Lectiones auffzurichten, so haben wir uns in\nsolches nichts einzulassen wissen, obschon solche Lectiones\nvor die Jugend, der eine grosse Menige alihie seint, wol\nnutz und notwendig wäre.—\n„Datum Wittenbergk,Mittwoch nach Pauli Bekehrung.\n„E. Gh. G. unter! henige\n„Rector, Magister und Doctoress der Universität\n„Wittenbergk.\"\nAlle diese Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg.\nDer Kurfürst liess das Gesuch der Universität gleich am\ndarauf folgenden Sonntag (nach Pauli Bekehrung) durch\nseinen Kanzler Hain abschlägig bescheiden: „ dieweil\nes bis anher der Brauch nicht gewesen, dass zu dieser\nLection ein sonderlich Stipendium verordnet —\". Er ord-\nnete jedoch an, dass dem fremden Musiker ein „Trank-\ngeid\" gereicht werden sollte, was denn auch geschah und\nvon unserem Petit mit „unter!heiligstem Dank\" empfan-\ngen wurde, und die Sache war abgethan.\nDie Hoffnungen des armen Musikers waren aufs Neue\nzerstört, und hülllos und entblösst stand er wieder da vor\neiner ungewissen Zukunft, und diesmal noch dazu mit\neinem Weibe an der Seite.\nEr verliess Wittenberg gewiss mit blutendem Her-\nzen—und begann aufs Neue seine Irrfahrten. Doch we-\nnige Jahre darauf scheint das Schicksal mit seinen Verfol-\ngungen innegehalten zu haben, denn wir finden den Mei-\nster in Nürnberg, und zwar als Musik- und Singelehrer\nder dortigen Jugend, in festen, ruhigen und gewiss auch\nin glücklichen Verhältnissen.\nIn Nürnberg, der Stadt, in der so manche Künstler\nSchutz und Obdach gefunden, verlebte der vielgeprüfte\nMeister in steter Thätigkeit den Abend seines Lebens und\ngewiss froh im Kreise seiner Familie und gleichgesinnter\nkünstlerischer Freunde. Wenn auch alle weiteren Nach-\nrichten über sein Leben und Ende fehlen, so ist doch wohl\nvorauszusetzen und als gewiss anzunehmen, dass er nach\nso manchen harten Schicksalsschlägen sich der ersehnten\nRuhe in schöner Umgebung freuend, jene gastfreundliche\nund so künstlerisch gesinnte Stadt nicht mehr verlassen\nund seine letzte Ruhestätte, jenes Fleckchen Erde, dem\nwir alle entgegeneilen, daselbst gefunden.\nWeniges ist von den Werken des Meisters übrig ge-\nblieben. Seine in Italien entstandenen Compositionen mö-\ngen wohl noch in den Archiven der Kirchen von Lodi und\nRom schlummern. Was er in Wittenberg geschrieben,\nund besonders die Gomposition nach einem Gedichte Phi-\nlipp Melanchlhon's, ist leider verloren gegangen. Nur von\nseinem Aufenthalte in Nürnberg haben sich Beweise seiner\nThätigkeit erhalten. Er liess daselbst 1552 ein musicalisches\nLehrbuch drucken, dessen Titel und Inhalts-Angabe lautet:\n„Comp enclium musices, d\nCoclico, cliscipulo Josquini de Pres, in quo praeter caetera\ntractantur haec: 1) de modo omate canendi; 2) de regida\ncontrapuncti; 3) de Compositione.\ngae in officina Joannis Montani\n4. 15 Bogen stark.\nForkel, der es in seiner Literatur der Musik anführt,\nsagt darüber, nachdem er den vollständigen Inhalt weit-\nläufig mitgetheilt, in seiner trockenen, aber bezeichnenden\nWeise: „Alle diese Materien hat der Verfasser so gut,\nwie es zu seiner Zeit nur immer möglich, abgehandelt.\"\nDas Buch enthält als Titelbild das früher beschriebene\nPortrait Petit's mit den mitgetheilten Versen. Die Zuschrift\nist an die nürnbergische Jugend gerichtet.\nEbendaselbst und im selben Jahre erschien noch von\ndem Meister folgende Composition in Druck:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1931, "texte": "„Conm lationes ex Psalmis Da voeum.\"\n4. Beide Werke befinden sich (nach Gerber) auf der kö-\nniglichen Bibliothek zu München.\nDasselbe Jahr (1552) brachte noch unter Anderem\nein Sammelwerk auf den musicalischen Büchermarkt,\nbetitelt: „ Tabulatiira, Hortus musarumu, herausgege-\nben von Petrus Phalesius, geschworenem Buchhändler\nzu Löwen. Dasselbe enthielt 92 vier- und sechsstimmige\no\nTonsätze, darunter auch mehrere (doch gewiss ältere)\nCompositionen von Adrian Petit. Diese Gesänge müssen\nsehr populär geworden sein, denn etwa fünfzig Jahre spä-\nter, 1597, erschienen sie wieder in dem „Livre septieme\ndes Chansons ä quatre parlies,\naugmente de pliisiears chansons non imprimees aupara-\nvant. En Anvers chez la Vefve Jean Bellere, ä l'aigle\nd'or.u Dieses erneuerte Erscheinen der Gesänge Petit's zu\neiner Zeit/wo der Meister schon langst todt war und die\nmusicalische Kunst durch Palestrina, Orlandus Las-\nsus, Zarlino, Gabrieli und so viele andere Meister die\nbedeutendsten Fortschritte gemacht hatte, spricht wohl am\nberedtesten für ihren Gehalt und Werth, und wer weiss,\nwie lange nachher die Lieder des Meisters in Flandern\nsich noch erhalten haben, ob sie vielleicht nicht noch heute,\nwenn auch in veränderter Form, im Munde des dortigen\nVolkes leben!\nDies ist alles, was, so viel bis jetzt bekannt, von Pe-\ntit's Compositionen und Werken noch heute in verschiede-\nnen Bibliotheken existirt; eben so enthält das Vorliegende\nwohl alle Daten, die über des Meisters Erdenwallen noch\nvorhanden. Petit gehört nach dem Mitgetheilten nicht zu\nden Unbedeutendsten seiner musicalischen Landsleute, und\nseine Lebens-Schicksale zählen gewiss zu den vielbeweg-\ntesten und interessantesten. Möge ihre Wiedervorführung\ndazu beitragen, den verdienstvollen, doch verschollenen\nMeister wieder in etwa der Jetztzeit ins zu-\nrückzurufen, damit ihm in der Geschichte musicalischer\nKunst die Stelle angewiesen werde, die ihm mit Recht\ngebührt*)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "23", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.2.3", "titre_corps": "Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in den Niederlanden.", "titre_sommaire": "Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in den Niederlanden.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.5", "debut_caractere": 1933, "fin_caractere_exclue": 5051, "texte": "Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in den\nNiederlanden.\n\nDas Album des genannten Vereins für das Jahr\n1859—1860 gibt die erfreulichsten Beweise für die fort-\nschreitende Wirksamkeit dieser über ganz Holland ausge-\nbreiteten Gesellschaft', obgleich die Gründung neuer Ab-\ntheilungen nicht in dem Maasse zunimmt, wie man seit\nStiftung des Vereins hätte erwarten sollen. Der Verfasser\ndes Jahresberichtes, der geistvolle Dichter J. P. Heije,\nSecretär des Vorstandes, machte darüber folgende Bemer-\nkung, die auch ausserhalb Hollands auf gar manche Un-\nterlassungssünden passt: „Wahrlich, überall, aber in un-\nserem Valerlande vielleicht am meisten, ist die Kraft der\nTrägheit ein arges Hinderniss der Entwicklung und Ver-\nbrüderung, der Erstarkung der Macht, die man durch das\neinfache Zusammenstellen der einzelnen Zahlen gewinnt!\nMan erfasst ein Gefühl, man jauchzt einer Idee zu, man\nsieht ein, wie viel Gutes und Grosses man für sich und\nAndöre durch vereinten Plan, vereinte Organisation, ver-\neinte Wirksamkeit zu Stande bringen könnte; allein das\nerheischt eine kleine persönliche Mühe, ein kleines persön-\nliches Opfer, den Entschluss eines persönlichen Beitrittes\nund da flüstert die Kraft der Trägheit uns zu: „ „Mor-\ngen!\" \" Und ehe dieses „ „Morgen\"\" kommt, ist die über\nNacht eingeschlummerte Theilnahme bald ganz und gar\nverschwunden.\"\nDie Zahl der beitragenden Mitglieder des Vereins ist\nauf 1837 Personen gestiegen, eine Höhe, die sie seit\n1842 noch nicht wieder erreicht hatte. Darin inbegriffen\nsind 98 Tonkünstler. Der jährliche Beitrag ist 3 Fl. 25\n€., welches durchschnittlich in den letzten zwanzig Jahren\neine Einnahme von etwa 6000 Fl. ergab.\nMit diesen geringen Mitteln hat der Verein in den\nletzten zwanzig Jahren seine Aufgabe auf die sorgfältigste\nWeise zu lösen gestrebt, wiewohl dieselbe eine sehr um-\nfassende ist. Sie betrifft: Preis-Ausschreibung von Compo-\nsitionen; Beförderung des musicalischen Unterrichts durch\nErrichtung von Musik- und besonders Gesangschulen;\nhöhere Ausbildung talentvoller junger Künstler; Unter-\nstützung von bedürftigen Künstlern, Künstler-Witwen und\nHinterlassenen; Veranstaltung allgemeiner Musikfeste;\nHerausgabe von bedeutenden, namentlich historisch werth-\nvollen Musikwerken und Beförderung der Veröffentlichung\nvon preisgekrönten Compositionen; Herausgabe eines jähr-\nlichen Albums (Berichte über die Thätigkeit des Vereins\nund Originai-Compositionen für ein- und mehrstimmigen\nGesang oder für Fortepiano) für die Mitglieder; Samm-\nlung einer musicalischen Bibliothek (Partituren, Clavier-\nAuszü ge. Stimmen und Orchester-Partieen zur Benutzung\naller Abtheilungen).\nBedenkt man, dass in den genannten zwanzig Jahren\nvier allgemeine Musikfeste 37,000 Gulden gekostet, dass\nmehrere Musikschulen sehr bedeutende Subsidien erhalten\n(zu 1530, 2800, 3185, 977 Fl. u. s. w.), dass ferner\nalle oben aufgezählten Zwecke dos Vereins volle Berück-\n\n*) Vorstehende Abhandlung ist von der niederländischen »Ge-\nsellschaft zur Beförderung der Tonkunst* mit\neinem Preise beehrt worden. Vergl. Nr 45 d. Bl, vom 3, Nov.\n1860 und den folgenden Artikel. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4951, "texte": "sichtigung gefunden haben, und dennoch ein Capital von\n22,500 Gulden zu 21/2 pCt. für bedürftige Künstler und\nderen Witwen angelegt ist, wovon bereits jährlich 1095\nFl. als Pensionen bezahlt werden, so muss man von grosser\nAchtung vor dem Vereine und vor der ausgezeichneten\nLeitung und Verwaltung desselben durchdrungen werden.\nWie sollten solche Resultate, welche das Ausland hoch\nanerkennt, nicht in Holland selbst alle Kunstfreunde in\nallen Städten zu erhöhter Theilnahme und zum Beitritte\nzu einer Gesellschaft anrege», die dem Vaterlande zur Ehre\nund der Kunst zu wahrer Förderung gereicht!\nAus dem Protocoll der 31. General-Versammlung am\n23. October v. J. erwähnen wir:\nA. Zu Verdienst-Mitgliedern sind ernannt Franz Coe-\nnen (Amsterdam), J. A. van Eyken (Elberfeld), G. Kast-\nner (Paris), R. Volkmann (Pesth); zu correspondiren-\nden Mitgliedern Ch. Gounod (Paris) und Otto Jahn\n(Bonn).\nß. Pensionen sind an sechs Witwen und erkrankte\nKünstler gezahlt worden.—Geschenk von 100 Fl. zu die-\nsem Fonds.\nC. Die Bibliothek enthält 27 Oratorien, 10 Messen,\n19 Psalmen, 48 grössere und 54 kleinere geistliche, 23\ngrössere und 33 kleinere weltliche Gesangstücke, 34 Opern,\n30 Sinfonieen u. s. w. (Alles in zahlreichen Stimmen).\nD. Cassen-Verhältnisse. 1. Allgemeine Jahres-Ausgabe\n9768 Fl. 29 C.—2. Reservefonds 46,800 Fl. ä 2% pCt.\n—3. Witwencassen-Fonds wie oben. 4. Fonds für Mu-\nsikfeste: 4000 Fl., nachdem zur Deckung der Kosten des\nsiebenten Festes in Arnheim (11,857 Fl. 51 C.)\n7131 Fl. 76 C. zugeschossen worden.\nE. Die Ausgabe der Collectio\nvorum Saeculi XVl.ist zu XII Bänden in Folio gediehen\n(XXI Bände handschriftlich vorhanden). [Vgl. Nr. 19 vom\n5. Mai 1860 d. Bl.] Die ganze Sammlung enthält 365\nWerke von 70 Componisten, und keine Bibliothek auf der\nWelt ist so reich an Werken der früheren niederländi-\nschen Schule, als die Bibliothek des Vereins.\nF. Von d en Preis-Erkenntnissen dürfte für das Aus-\nland am interessantesten die „ehrenvolle Erwähnung nebst\nZusage von Unterstützung bei der Herausgabe\" der „Sin-\nfonischen Composition Kaiser Karl V.\" (Gedicht\nvon Dr. VVap) durch W. F. Thooft in Rotterdam sein.\nDem Vernehmen nach wird dieses Werk (auch mit deut-\nscher Uebersetzurig des Gedichtes) in Mainz bei Schott's\nSöhnen erscheinen.\nFerner haben erhalten: Prämie von 200 Fl. Franz\nCoenen für: Albrecht Beyling, Gedicht von J. P. Heije,\nfür Solo, Chor und Orchester. —l5O Fl. L. Otto Kade\nin Schwerin für eine Abhandlung über Matthäus le\nMaistre. 5O Fl. Dr. F. W. Arnold in\nhandlung: „Het daghet in den (Josten\").—25 Fl. E. Pas-\nque in Weimar („Adrian Petit\").\nUnter den Preis-Aufgaben von 1861 (Termin der\nEinsendung ultimo December) werden für\ndisch-historische Kunstskizzen (XVl.Jahrhunderts)\n—Prämien von 25—200 Fl.—auch ausländische Bewer-\nber (in deutscher und französischer Sprache) zugelassen.\nVon den übrigen Beschlüssen der General-Versamm-\nlung ist hervorzuheben: Sammlungen von niederländischen\nMusikwerken, Liederbüchern, Schriften u. s. w. aus dem\nXV. und XVIII. Jahrhundert mit der Bibliothek zu öffent-\nlichem Gebrauche zu vereinigen; und zweitens auf Mittel\nzu denken, auch in Holland eine Normalslimmung einzu-\nführen.\nDie Musik- und Gesangschulen der Maatschappy haben\nzwar im vergangenen Jahre noch an 1325 Personen Un-\nterricht ertheilt, doch hat die Theilnahme daran abgenom-\nmen. Nur die Musikschule in Rotterdam hat sich\n/\ngehoben, indem die Anzahl der Schüler von 277 auf 329\ngestiegen ist und auch die „Chor-Ueb ungen\" daselbst\nzahlreich besucht werden, als Vorbereitung zu dem „Sing-\nverein\" (147 Mitglieder). Direclor der beiden letztge-\nnannten Institute ist Joh. J. H. Verhülst. Lehrer an der\nMusikschule sind die Herren J. B. H. Bremer, S. Ganz,\nW. Hutschenruyter, S. de Lange, J. H. Paling,\nB. Tours. ln Amsterdam zählt der Singverein 300\nMitglieder, Dirigent ist Richard Hol; im Haa g 75,\nDirector J. H. Lübeck, Unter-Directoren Verhülst,\nW. F. G. Nicolai, C. van der Does; in Arnheim\n101, Director C. Bt Marx; van der Düssen.\nUnter den öffentlichen Aufführungen des vergangenen\nJahres ragt das siebente allgemeine niederländi-\nsche Musik fest zu Arnheim am 9., 10.und 11. August\nhervor. Das Album enthält über dasselbe einen besonde-\nren Bericht aus der Feder des Herrn J. M. J. Engel-\nberts, Secretärs des Fest-Comite's. Die vereinigten Kräfte\nstellten hiernach dar im Chor: 81 Soprane, 68 Alte, 68\nTenöre und 93 Bässe = 310; im Orchester: 42 Violi-\nnen, 14 Bratschen, 14 Violoncelle, 12 Contrabässe, je 4\nFlöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte, Hörner, 2 Trompe-\nten, 3 Posaunen, 1 Pauker = 108; im Ganzen 418 Per-\nsonen. Am I. Tage: Sinfonie in Op. 46, von J. H.\nVer hü Ist, und Händel's Samson. Am 11. Tage: Musik\nzu Vondel's Drama „Lucifer\", Op. 40, von J. A. van\nEyken, „Elia op Hörebu von Fr. Coenen, „Lorelei\"\nvon F. Hiller, Lobgesang, Sinfonie-Cantate von Men-\ndelssohn. Am 111. Tage: Sinfonie Nr. VII. von Beet-\nhoven, Solospiel von Laub (Mendelssohn's Concert,\nBach's Ciaconna) u. s. w."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3307, "texte": "Der Bericht theilt auch das Schreiben mit, in welchem\nFranz Liszt bedauert, dem Feste nicht beiwohnen zu\nkönnen. Folgende charakteristische Steilen daraus wollen\nwir unseren Lesern nicht vorenthalten:\n„ Votre programme est de nakure ä m'interesser da-\nvantage que ceux debeaueoup\net etrangers, oü l'on se borne d'ordinaire ä faire parader\nexclusivement quelques ancicns\nsacres sans doute, mais que\net reentendus mainies fois.\n„ Aussi est-ce avec une\nvu dam votre programme, Messieurs! une juste et-legitime\npart faxte ä l'art contemporain,\nouvrages considerables de M.M. Verhulst, van EyTcen,\nCoenen et Hill er, et puisque j'ail'honneur d' appartenir\na votre soeiete, permettes moi de vous complimenter de\nprendre atnsi serieusement ä täehe de correspondre ä son\ntitre: „ „ Tot Bevordering der Toonkunst\"\", en ne suivant\npoint les erreinem prohibitifs\ntions de plusieurs autres comites de festival. Sur ce point\non a fait montre d'un peut trop de zele d'outre tombe,\nce nie semble; car, sauf err eur, je ne crois pas que la meil-\nleure metlwde d'honorer les morts illustres consiste ä de-\nnigrer ä tout prix les compositeur\nque leurs oeuvres soient produites\ngrandes oecasions; quelque com\ncette pratique eneore aujourd'hui\nVon den übrigen Aufführungen durch die Abtheilun-\ngen des Vereins sind zu erwähnen:\nIn Amsterdam: I. Hi 11 e r's Zerstörung von Jerusa-\nlem. 11. Schümanns „Der Rose Pilgerfahrt\", Arien von\nGluck und Händel, Reinccke's „Geistliches Abendlied\".\n111. Haydn's „Jahreszeiten\". Dirigent Rieh. Hol.\nIn Arn h e im: I. Mendelssohn Psalm 42, Ver-\nhülst Psalm 145, Beethoven Chor aus Fidelio, „Mee-\nresstille und glückliche Fahrt\", Hiller „Lorelei\". 11. Hän-\ndel's Samson, erster Theil; Spohr's „Letzte Dinge\".\nIm Haag. I. Reinthaier Jephta und seine Tochter.\nDirigent J. H. Lübeck. 11. Bach Choral und Terzett;\nHandel Psalm 100; Ilaydn Fragment aus „Die sieben\nWorte des Erlösers\"; aus Mozart's Beetho-\nven Hymne Nr. 1 (Messe in C); Spohr Die letzten Dinge\n(Fragment); Mendelssohn Hymne für Sopran-Solo und\nChor; Schumann Adventlied; Hill er Gesang der Gei-\nster über den Wassern. Dirigent Nicolai. 111. Mendels-\nsohn Elias. J. H. Lübeck. IV. Gade Frühlingsbot-\nschaft; Hiller Lorelei; Mendelssohn Athalia. J. tp.\nLübeck.\nIn Rotterdam: OeffentlicherSingverein: Schubert\nMirjam s Siegesgesang; V er hü Ist Drei Balladen für Chor;\nSchumann „Der Rose Pilgerfahrt\".\nDie Notenblätter des Albums für 1860 enthalten eine\n„Baliade\" lür Pianolorte von Rob. Volkmann, ein kur-\nzes, originelles Stück, dessen erster Theil mit seinem auf\nCis liegen bleibenden Bass an ungarische Nationalweise\nanklingt. Ferner „Herbstvorgefühl\" für Sopran, Alt, Te-\nnor und Bass von G. Flügel; „Liebesklage\", vierstimmig\neben so, nach einer altniederländischen Melodie von Clau-\ndin (1531) eingerichtet von Heinr. Dorn; sechs altnie-\nderländische Melodieen, zur Harmonisirung und Unterle-\ngung neuer Texte mitgetheiit (die Nr. VI. von F. Com-\nmer harmonisirt); „Scheiden\", Quartett für zwei Soprane,\nAlt und Bass, Gedicht von Heije, Musik mit Clavierbeglei-\ntung von Wilh. S mits (6 Seiten in Fol.), eine recht melo-\ndisch lliessende Composition; fünf Matrosenlieder, nach\nVolksweisen (einstimmig) gesetzt von J. J. Viotta.\nSämmtliche Gesänge haben holländischen Text.\n\n■\"*) »Verbots-Verfahren, Prohibitiv-Procedura\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "24", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.2.4", "titre_corps": "Vorschlag", "titre_sommaire": "Vorschlag", "signature_source": "Raveaux, Vorstand, Kennweg, Waaggasse Nr. 664", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.7", "debut_caractere": 3309, "fin_caractere_exclue": 5225, "texte": "Vorschlag\n\nzur Zahlung eines Honorars an die Herren Compo-\nnisten von mehrstimmigen Gesängen für\nMännergesang-V er eine.\nIn der neuesten Zeit haben wir wieder einmal das traurige Bei-\nspiel erlebt, dass ein Mann, dem fast alle Männergesang-Vereine\nviele vergnügte Stunden verdanken, bei seinem Tode seiner Witwe\nund seinen Kindern nichts hinterlassen konnte, als einen von uns\nallen gepriesenen und geehrten Namen.\nWer ist aber mehr verpflichtet, einem solchen Manne seine Ar-\nbeit zu lohnen, als die Vereine, welche zunächst Nutzen daraus\nziehen ?\nIn diesem Sinne scheint der wiener Männergesang-Verein die\nSache aufgefasst zu haben, als er die schöne Idee zum Beschlüsse\nerhob, für jede erste Aufführung eines neuen Chors dem Compo-\nnisten einen Ehrensold von einem Ducaten zu zahlen.\nLeider fand dieses schöne Beispiel bis jetzt wenig Nachahmung.\nWer mit den inneren Verhältnissen mancher Vereine bekannt ist,\nwird zugeben, dass wenige Vereine in der Lage sein dürften, einen\nsolchen Preis zu zahlen, und weil nun der hohe Preis nicht gezahlt\nwerden kann, so wird gar nichts gezahlt.\nDer wiener Sängerbund schlägt daher im Einverständnisse\nmit mehreren anderen Vereinen vor, Einen Gulden in Silber\nfür die erste Aufführung jedes neuen Chors zu zahlen.\nAngenommen, dass von den vielen bestehenden Gesang-Vereinen\nnur hundert einen allgemein ansprechenden Chor zur Aufführung\nbringen, so erwächst dem Componisten dafür ein Ehrensold von IQJJ\nGulden, während ihm jetzt im günstigsten Falle vielleicht 3 Duca-\nten zufallen.\nDie Uebersendung dürfte am besten durch die Vermittlung eines\nbestimmten Vereins geschehen; und neun Vereine haben bereits den\nwiener Sängerbund ermächtigt, sobald die Sache ins Leben tritt,\ndie Vermittlung zwischen den Vereinen und den Componisten zu\nübernehmen.\nDer wiener Sängerbund ersucht demnach alle jene Vereine, welche\ndie Zahlung eines Honorars als eine Ehrenpflicht betrachten, sieh"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1644, "texte": "gütigst darüber erklären zu wollen, ob sie ihre Leistungen direct\noder durch Vermittlung befördern wollen.\nFür den letzteren Fall diene Folgendes:\n1. Der wiener Sängerbund erklärt sich bereit, die Honorare von\nden betreffenden Vereinen zu übernehmen und an die Herren Com-\nponisten abzuführen.\n2. Zu diesem Ende hat jeder Verein nach einer Production für\njeden Chor, der honorirt wird, nebst dein Honorar je 3 Exemplare\ndes Programms einzusenden.\nEin Programm wird demselben mit der Bestätigung über den\nEmpfang des Honorars zurückgestellt; das zweite wird s. Z. mit\ndem Honorar dem Herrn Componisten eingeschickt; das dritte behält\nder wiener Sängerbund.\n3. An jedem letzten März und letzten September versendet der\nwiener Sängerbund die eingegangenen Honorare an die Herren Com-\nponisten und legt Rechnung ab. Die Veröffentlichung dieser Rech-\nnung geschieht durch eine der in Wien erscheinenden Zeitungen für\nMusik und wird auf Verlangen auch den Vereinen zugesandt.\nDie resp. Vereine verpflichten sich durch Honorar-Einsendung\nzu nichts Bindendem, sondern es steht ihnen jederzeit frei, zurück-\nzutreten oder sich mit den Herren Componisten direct in Verbindung\nzu setzen.\nIndem ich hier nun einen Ehrenpunkt der Gesang-Vereine be-\nrühre, fasse ich das Interesse der Componisten ins Auge, und knüpfe\ndaran die Hoffnung, dass die Lust zu Chor-Compositionen bei ge-\ndiegenen Musikern geweckt wird, sobald die Gesangskörper, welche\nNutzen davon ziehen, sich bereit zeigen, Honorar zu zahlen.\nMit freundlichem Sängergrusse,\nfür die Vereinsleitung des wiener Sängerbundes,\nWien, am 1. Januar 1861.\n\nRaveaux, Vorstand,\nKennweg, Waaggasse Nr. 664."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.2.5", "titre_corps": "Aufruf.", "titre_sommaire": "Aufruf.", "signature_source": "Heinrich Bernhardt Stade", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.8", "debut_caractere": 1646, "fin_caractere_exclue": 4043, "texte": "Aufruf.\nHeinrich Bernhardt Stade,\nStadt-Cantor, Organist u. s. w.\nJohann Sebastian Bach, dieser höchst geniale Tonkünstler\ndes vorigen Jahrhunderts, welchem an Tiefe und Hoheit des Gedan-\nkens, an Kraft und Mannigfaltigkeit der Harmonie, so wie an Wahr-\nheit des Ausdrucks bis jetzt Keiner gleichgekommen ist, und dessen\nName darum bis in die spätesten Zeiten hochgefeiert werden wird,\nerhielt bekanntlich im Jahre 1703 den Ruf als Organist an die\nNeue Kirche zu Arnstadt, welches Amt er, kaum 18 Jahre alt, am\n1. Juli desselben Jahres antrat und bis zum 1. Juli 1707 bekleidete.\nWährend dieser Zeit entstanden die von ihm herrührenden 300 Cho-\nräle zum Freilinghausen'schen Gesangbuche, die schönste Perlen-\nschnur seiner harmonischen Dichtungen.\nWie fern nun auch die Zeit des höchsten musicalischen Glanzes,\nden J. S. Bach nach allen Seiten hin verbreitete, dem lieblichen\nArnstadt gerückt ist, und wie viele Geschlechter seit damals bis\nheute einander gewichen sind, noch lebt der grosse Meister in un-\ngeschwächtem dankbaren Andenken daselbst fort.\nZur würdigen Erneuerung und Verherrlichung des Andenkens an\nden unsterblichen Kunst-Heroen aber beizutragen, ist der gegenwär-\ntige Nachfolger J. S Bach's in dessen erstem Organisten-Amte be-\nsorgt, das bis jetzt noch vorhandene, ehemals herrliche Orgelwerk,\nwelches derselbe während seiner Anstellung zu Arnstadt spielte,\nder Nachwelt durch eine gründliche, aber äusserlich durchaus un-\nveränderte Wiederherstellung zu erhalten, und fühlt sich verpflich-\ntet, alle Verehrer des grossen Meisters mit dem Bemerken davon in\nKenntniss zu setzen, dass zur Beschaffung derjenigen Mittel, welche\neine solche gründliche Restauration der Bach-Orgel erheischen wird,\neine treue Lithographie dieses Orgelwerkes im Formate des den\nBaeh'schen Werken beigegebenen Portraits J. S. Bach's mit unter-\ngefügtem Facsimile der Bacli'schen Original-Handschrift vom Jahre\n1703 so eben erschienen und gegen Einsendung freiwilliger Beiträge\nbei dem Unterzeichneten zu haben ist.\nDa das Unternehmen, die erste Bach-Orgel der Nachwelt als ein\nbleibendes Denkmal zu erhalten, als ein nationales anzusehen sein\ndürfte, so gibt man sich der Hoffnung hin, dass dieser Ruf bei al-\nlen, die der Kunst zugethan und anverwandt sind, den freudigsten\nAnklang finden und dem Unternehmen selbst die reichlichste Unter-\nstützung zu Theil werden möge.\nArnstadt, den 10. Januar 1861."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-19-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-19_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "A. 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Ein Princip gegen den Missbrauch\nder Freibillette ist ganz an seinem Platze; solchen Veteranen aber,\nderen Gefühl für gute Musik nicht erloschen ist, und welche die\nWirkungen der Musik nun in Freiheit geniessen möchten solchen\ndie Pforten des Tempels zu verschliessen, erscheint so unbillig als\nterroristisch. Unserem Karl Gollmick z. 8., welcher über vierzig\nJahre lang im hiesigen Museum als Dichter, Tonsetzer, Instrumen-\ntalist und Kritiker gewirkt, und welchem nach seiner Pensionirung\ndie hervorstechendsten hiesigen Musik-Anstalten das Bürgerrecht zu-\nerkannt, wurde auf seine Eingabe an den Museums-Vorstand um\ndie ihm bisher bewilligte frühere Freikarte nicht einmal eine\nAntwort!"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAdrian Petit. Ein verschollener niederländischer Meister. Von Ernst — Der Verein zur Beförderung der Ton-\nkunst in den Niederlanden. Von L. B. Vorschlag zur Zahlung von Ehren-Honoraren an Componisten. Aufruf zur Restauration der\nersten Bach-Orgel in Arnstadt. Tages- und Unterhaltungsblatt (Frankfurt a. M., Freibillets für die Museums-Concerte).\n\nAdrian Petit.\nEin verschollener niederländischer Meister.\nVon Ernst Pasqué.\nMarmor und Erz entziehen der Macht des Vergessens die\nMenschen;\nGleiches zu thun versucht auch das bescheidene Wort.\nZu den Schülern des berühmten Josquin des Pres\n\"ehörte auch Adrian Petit, ein Meister, der nur durch\nT*>\neine kurze Notiz in Conrad Gessner's Bibliothek (1545)\nbekannt ist. Diese Notiz, von Gerber aufgenommen und\ndann in alle musicalisch - biographischen und anderen\nWerke übergegangen, sagt uns in ihren vielen Be- und\nUmarbeitungen weiter nichts, als dass Petit ein Schüler\nJosquin's und ein bedeutender Musiker und Schriftsteller\ngewesen sei und sich selbst Adrian Petitus, auch Co-\nclicus (Coclius) genannt habe. Dieses Wenige wird in-\ndessen in etwas ergänzt durch ein Werk des Meisters, ein\n„Compendium musices\", welches 1552 zu Nürnberg ge-\ndruckt wurde. Das Lehrbuch enthält ausser der Bestäti-\ngung des Obigen noch als Titelbild Petit's Portrait, das\nden Meister in seinem zweiundfünfzigsten Jahre darstellt,\nund demnach seine Geburt in das Jahr 1500 verweis't.\nWerk und Portrait sind nun allerdings dazu angethan,\nuns auf den Meister und seine sonstigen Lebens-Umstände\nrecht neugierig zu machen. Während ersteres nach den\nAussagen competenter Beurtheiler ein ganz merkwürdiges\nBuch ist, führt uns das Portrait selbst eine interessante\nund abenteuerliche Figur vor. Der Meister steht da in\neinem bis ans Knie reichenden Bocke und geziert mit\neinem Barte, der länger als der Bock ist, demnach tiefer\nals das Knie reicht, ein würdiges Seitenstück zu seinem\nspäteren musicalischenCollegen Hermann Schein (einer\nder drei berühmten grossen S.), dessen gekräuseltes Haar\nzu beiden Seiten des Kopfes etwa einen Fuss weit absteht.\nUnter dem Bilde befinden sich lateinische Verse, die im\nDeutschen etwa folgender Maassen lauten:\nMit Recht rühmt Deutschland deinen Namen, Coclicus,\nDenn die Kunst, um die du verdient, macht zum rühmliehen\nMann dich!\nFrankreich sah dich, dich sah Italiens Küste,\nUnd jetzt erfreut die deutsche Erde den älteren Mann,\nDenn Alle besiegst du an Süsse und Kunst der Stimme,\nUnd Philomele selbst singt nicht mit so holder Kehle.\nAlso dass dir Christus ein langes Leben zu führen\nGestatte, bitte ich Gott in meinem Gebete.\nNoch erschienen von ihm im selbigen Jahre zu Nürn-\nberg vierstimmige Psalmen, auf die wir, wie auf obiges\nWerk, später zurückkommen werden.\nDies ist nun alles, was über unseren Meister bekannt\nist, der demnach wohl zu den verschollenen gezählt werden\ndarf, sich indessen selbst nach den spärlich vorhandenen No-\ntizen als durchaus nicht unbedeutend hinstellt, und seinem\nAeusseren nach eine eigentümliche, originelle Persön-\nlichkeit zeigt, deren Lebens-Schicksale gewiss nicht zu\nden uninteressanten gehören und einer näheren Betrach-\ntung wohl werth sein dürften.\nDer Zufall Hess mich in dem Gesammt-Archiv der\nsächsischen Lande eine lateinische Schrift von mehreren\nBogen finden*), 1546 von Wittenberg aus an den Kur-\nfürsten Johann Friedrich den Grossmüthigen ge-\nrichtet, und zwar von unserem Meister Adrian Petit. Sie\nward begleitet von einem Briefe des Bectors und sämmt-\nlicher Professoren der Universität Wittenberg, die, fussend\nauf einem Schreiben Luther's vom Jahre 1541, versuch-\nten, den Kurfürsten zur Errichtung eines musicalischen\nLehrstuhls für Adrian Petit an obiger seiner Universität\nzu bestimmen. Petit berührt in dieser Schrift mehrere Mo-\nmente seines Lebens, das sich als ein höchst merkwürdi-\n\n*) Ich muss hier dankend die Hülfe des dortigen Archivars,\nHerrn Aue, erwähnen, welcher mir bei meinen Forschungen\nfreundlich zur Seite stand und mir vieles, was mir unleeer-\nlich war, entzifferte und übersetzte."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.2", "texte": "ges und vielbewegtes herausstellt. Die mancherlei Anhalts-\npunkte, die diese Schreiben bieten, vereint mit den vor-\nhandenen Notizen, sind nun schon im Stande, ein ziemlich\nklares Bild von dem Leben des niederländischen Meisters\nzu geben, den theilweise Verschollenen in deutlichem Um-\nrissen der musicalischen Welt wieder vorzuführen.\nAdrian Petit wurde (seinem Bilde nach) im Jahre\n1500 im Hennegau, und zwar aller Wahrscheinlichkeit\nnach in dem Orte Conde geboren, wo Josquin des\nder grosse Meister des Contrapunktes und das Haupt der\ndamaligen niederländischen Schule, eine Pfründe besass,\ndie er als Capellmeister des Kaisers Maximilian I. von\ndiesem etwa um 1500 erhalten, um seine letzten Lebens-\njahre in Ruhe verbringen zu können. Unermüdlich wirkte\nhier der hochberühmte Meister als Lehrer fort, und viele\nseiner Schüler trugen von dort aus seinen Ruhm in alle\nWelt. Auch Petit, in Conde zum geistlichen Stande erzo-\ngen, genoss den Unterricht des Meisters bis zu dessen\nTode, der etwa 1515 erfolgte. Auf den empfangenen\nLehren weiter bauend, bildete er sich dann zum tüchti-\ngen selbstständigen Musiker, Sänger, Contrapunktisten und\nOrgelspieler aus und leitete, nachdem er die Priester-\nweihen empfangen, die Musik und den Unterricht in der\ndortigen Klosterkirche und Schule. Bald jedoch ward ihm\nsein Wirkungskreis zu enge, und es trieb ihn hinaus in\ndie weile grosse Welt, um, wie so manche seiner Lands-\nleute und vor Allen sein grosser Lehrer Josquin gelhan,\nsein Talent zu vervverthen, zu schaffen, mit grösseren und\nbesseren Mitteln als den ihm bis dahin gegebenen alles das\nins Leben zu rufen, was in seinem Inneren lebte und sich\ngährend bewegte. Er verliess Conde und seine Kloster-\nschule, und fort zog er nach Italien. Nach mancherlei Irr-\nfahrten kam er nach Lodi zum dortigen Bischöfe Octa-\nvianus und wurde dessen Capellsänger und mit der Zeit\nauch sein Freund. Der Ruf seiner Compositionen und sei-\nnes Gesanges verbreitete sich weit umher und öffnete ihm\nden Weg nach Rom zur päpstlichen Capelle, dem Ziele\nseiner Wünsche.\nAls 1534 der gelehrte und kunstsinnige Alexander\nFarnese als Paul 111. den römischen Stuhl bestieg und\ndie besten Künstler seiner Zeit um sich versammelte, zog\nauch Petit nach Rom und trat als Sänger in die päpstliche\nCapelle ein, wo er sich mit Glück neben seinem hochbe-\nrühmten Landsmanne Goudimel und dem grossen Con-\ntrapunktisten und Sänger Constanzo Festa behauptete\nund hervorthat. Sein geistlicher Stand erleichterte ihm sein\nweiteres Fortkommen bedeutend, und während er in der\nCapelle einen der ersten Plätze als Sänger und Tonsetzer\neinnahm, stieg er in der Gunst des Papstes so hoch, dass\ndieser ihn zu seinem Beichtvater und endlich sogar zum\nBischöfe voll Duiatutn, „einer Stadt nicht weit von\nRom\" (?), machte. Petit sammelte während dieser Zeit\nseines Aufenthaltes und Wirkens in Rom nicht unbedeu-\ntende Reichtbümer und lebte herrlich und in Freuden,\ngeehrt und geliebt vom heiligen Vater und glücklich und\nzufrieden in der Ausübung seiner Kunst.\nEin solch rasch errungenes, glückliches Loos, solcho\naussergewöhnliche Bevorzugung des fremdländischen Sän-\ngers musste natürlicher Weise den Neid erwecken, und\nlauernd umstanden Geistliche und Laien den Meister, um\nihn beim ersten Fehltritte zu überraschen und von seiner\nHöhe herab zu stürzen. Leider liess sich Petit auch bald\netwas zu Schulden kommen, wofür es in Rom keine Ver-\nzeihung gab.\nAngeweht von der kirchlich-reformatorischen Luft, die\nzu jener Zeit Deutschland erfüllte und deren Strömungen\nselbst über die Alpen nach Italien gedrungen, beging Petit\ndie Unklugheit, in Rom, dem Sitze des Papstthums, und\nals Beichtvater des heiligen Vaters, Aeusserungen zu thun,\ndie vermuthen Hessen, dass er im Herzen mit der Lehre\nLulher's übereinstimmte. Dies war mehr, als es bedurfte,\num ihn ganz zu vernichten. Rasch erhielt das Cardinals-\nCollegium Anzeige von den ketzerischen Reden des Mei-\nsters, und eben so rasch wurde dieser selbst gefänglich\neingezogen und vor Gericht gestellt. Der Papst, empört\nüber das Vergehen, den Undank seines Lieblings, leitete\nselbst die Untersuchung, und Petit, überführt, wurde zu\nlebenslänglicher Haft verurtheilt und zugleich seiner er-\nworbenen Glücksgüter beraubt.\nAuf der Engelsburg schmachtete nun der Meister in\nhartem Kerker, während er für die Welt, seine Freunde\nverschwunden war. Herabgestürzt von so glänzender Höhe\nin so tiefes Elend, erfüllten Schmerz und ohnmächtige\nWuth sein Inneres und brachten ihn mehr als Ein Mal\nder Verzweiflung nahe. Sein Bart wuchs während dieser\nZeit herab bis ans Knie, und Haar und Aussehen verwil-\nderten. Endlich gelang es ihm, sein trauriges Geschick sei-\nnem früheren Gönner und Freunde, dem Bischöfe Octa-\nvianus von Lodi, zu unterbreiten. Dieser, noch erfüllt von\nBewunderung für den trefflichen Meister, eilte nach Rom,\nwarf sich dem heiligen Vater zu Füssen und flehte ihn um\nErlösung des Armen an. Lange blieb der Papst unbeug-\nsam; doch endlich sprach er das Wort der Gnade und\nverwandelte den ewigen Kerker in ewige Verbannung.\nNach dreijähriger schrecklicher Haft, wohl um dreissig\nJahre gealtert, verliess der Arme seinen Kerker und Rom\nund zog als Bettler aufs Neue in die Fremde, ins unge-\nwisse Leben hinaus.\nWohin konnte es Petit unter solchen Umständen wohl\nanders ziehen, als nach Deutschland, nach jener Stadt, wo"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.3", "texte": "Luther und Melanchthon geweilt, Letzterer noch\nweilte, deren evangelischem Bekenntnisse er sich nach dem\nVorgefallenen unbedingt und freudig, weil mit Ueberzeu-\ngung, angeschlossen?\nSo kam denn der niederländische Meister nach man-\ncherlei Entbehrungen, Mühen und Leiden im Sommer des\nJahres 1545 in Wittenberg an und nahm, nachdem er\nsich in etwa erholt, daselbst seine Kunst wieder auf.\nSchon 1524 halte Luther von Wittenberg aus den\nersten Impuls zur Regeneration der evangelischen Kirchen-\nmusik gegeben 'durch Berufung des kursächsischen Capell-\nmeisters zu Torgau, Johannes Walter, und Conrad\nRupff's, Friedrich's des Weisen alten „Singemei-\nsters\". Beide Musiker zogen zu dem Reformator nach Wit-\ntenberg, und durch vereinte Kräfte entstand noch im sel-\nben Jahre (1524) das erste evangelische Gesangbuch und\ndie erste deutsche Messe, welche musicalische Bücher sich\nbald in ganz Deutschland verbreiteten und einbürgerten.\nLuther, den Werth und die Bedeutung der Musik, des\nGesanges für den evangelischen Gottesdienst wohl erken-\nnend, arbeitete nun auf Errichtung eines Lehrstuhls für\nMusik an der Universität hin. Doch die Zeiten waren sei-\nnen Wünschen und Bemühungen nicht günstig. Noch in\nspäterer Zeit, wenige Jahre vor seinem Ende, 1541, wandte\ner sich nochmals an den Kurfürsten Johann Friedrich\nden Grossmüthigen und bat ihn, von einem zur Zeit\nerledigten Gehalte einen tüchtigen Musiker an der Univer-\nsität anstellen zu wollen. '\nDa dieser Brief Luther's die damaligen musicalischen\nZustände der evangelischen Kirche im Allgemeinen und\nWittenbergs, des nunmehrigen Aufenthaltes unseres Mei-\nsters, recht charakterisirt und wohl unbekannt, weil un-\ngedruckt, sein dürfte, so mag er hier wörtlich folgen:\n„G(nad) V(nd) F(ried) Durchleuchtigster hochgebor-\nner fürst gnedigster herr. Wir haben bisher grossen\nMangel gehabt an einem Musico. Aber weil nichts fürhan-\nden gewest, haben wir E(uer) K(urfürstliche) G(naden)\nnicht mugen mit viel suppliciren bemuhen. Nu aber dass\neinkommen Licentiat Blankens verledigt, dunckt mich's wol\ngut, das davon ein stattlicher Musikus wurde gehalten.\nDenn zu der Zeit hatten wir noch vorraht aus dem baps-\nthum (wie andere personen auch) die singen Kunten. Nu\nwir aber selbs eigene erziehn sollen, will's mangeln. Nu\nich aber wol weiss, das E. K. F. G. die Kirchen Güter bis\ndaher zur Kirchen-nothurfft und bestes haben brauchen\nwollen und also mit der that beweiset; zu dem das solche\nstiffte E. K. F. G. eigen land bessern und im lande blei-\nben, hoffe ich E. K. F. G. werden unser bedenken und\nunterthenige bitt gnediglich bewegen und wol sich wissen\nhierein Christlich zu erzeigen. Hiermit dem lieben Gott\nbefohlen. Amen.\n«Sonntags Oculi (d. i. den 20. März) 1541.\n„E. K. F. G. untertheniger\n„Martinus Luther.\"\nLuther's Bemühungen blieben indess fruchtlos, und\ndie edle Musica musste sich aufs Neue mit den Brosamen\nbehelfen, die von den Tischen der wohlbestallten Professo-\nren abfielen, und Bettlerin bleiben, wie bisher.\nAdrian Petit fand demnach in Wittenberg einen wohl\nvorbereiteten und empfänglichen Boden für seine Kunst,\naber einen gar mageren für seine eigenen leiblichen Be-\ndürfnisse. Er liess sich indessen nicht abschrecken, und von\nden Professoren der Universität unterstützt, begann er sein\nLehramt und versammelte die musik- und singlustige Ju-\ngend der Universität um sich. Auf neuen, leichtfasslichen\nGrundsätzen fussend, erreichte er bald die schönsten Re-\nsultate, und seine Schüler liebten ihn ungemein. Diese»,\nso wie die dadurch erweckte Aussicht auf eine bessere\nZukunft scheint dem langbärtigen Meister wieder neuen\nLebensmulh eingeflösst zu haben; denn nachdem er\nvollends mit der römischen Kirche gebrochen, ganz und\nohne Rückhalt das evangelische Glaubensbekenntniss an-\ngenommen, freite er eine junge Wittenbergerin und nahm\nsie auch bald darauf zur Frau. Nun arbeitete er mit aller\nMacht dahin, seine Stellung an der dortigen Hochschule\nzu einer sicheren zu machen. Er wandte sich 1546 direct\nV\nan den Kurfürsten Johann Friedrich den Grossmüthigen,\ntheilte ihm in einer langen lateinischen Schrift seine man-\nnigfaltigen Lebens-Schicksale mit und setzte ihm aus ein-\nander, was er für sich und für die Kunst hoffe, wenn\nman ihn mit einem kleinen, festen Gehalte unterstützen\nwürde.\nDas lateinische Schreiben, dessen erste Hälfte zu obi-\nger Darstellung den hauptsächlichsten Stoff lieferte, sagt\nüber die damaligen musicalischen Verhältnisse der Univer-\nsität Wittenberg unter Anderem Folgendes:\n„—Es werden hier durch Deine Wohlthat, erlauch-\ntester Fürst, alle freien Künste öffentlich gelehrt; die Mu-\nsik allein, unter den edelsten Künsten keineswegs die letzte,\nliegt hier vernachlässigt und verachtet, ohne einen öffent-\nlichen Professor, der sie lehre. Da sie keineswegs die ge-\nringste Zier einer Schule ist, und ihre Kenntniss in der\nThat Vielen, und zumal denen, welche entweder in Privat-\nschulen oder in Kirchen leben müssen, nothwendig ist, ich\naber durch Gottes Wohlthat, wenn es nöthig, sie auf das\nbeste und treueste lehren kann, so biete ich meinen Dienst\ndarin Deiner Hoheit an und bitte Dich inständig, mir je-\nnes Lehramt der Musik an dieser Deiner Hochschule mit\neinem Gehalte, mit welchem ich mein Leben erhalten\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.4", "texte": "kann, aufzutragen. Damit wirst Du den der Musik beflisse-\nnen Jünglingen, welche künftig der Jugend mit dieser\nZierde nützen und in den Kirchen Gottes Herrlichkeit mit\ngelehrten Concerten rühmen wollen, einen sehr angeneh-\nmen Dienst leisten. Denn die Jünglinge klagen, kaum eine\nStelle bekommen zu können, wenn sie von hier weggehen,\nwenn sie nicht die Tonkunst verstehen, und belästigen da-\nher mit häufigen Bitten die Ohren des hochwürdigen\nHerrn Rectors, dass er einen öffentlichen Professor der\nTonkunst bestelle. —\"\nBeigefügt war diesem Schreiben Petit's eine Compo-\nsition nach Wortenseines „Freundes\" Philipp Melan-\nchthon, welche indessen nicht mehr vorhanden.\nDas Gesuch wurde noch von einem Schreiben des\nRectors und der Professoren der Universität unterstützt,\nund dieses wiederum von einer Supplik sämmllicher Schü-\nler Petit's, welche Thatsachen deutlich genug die Ver-\ndienste und die Beliebtheit des niederländischen Meisters\nkennzeichnen. Ersteres Schreiben, manches Bezeichnende\nenthaltend, lautet im Auszuge wörtlich folgender Maassen:\n„—Es ist den vergangenen Sommer e n fürnehmer\nMusikus hiehergekommen, mit Namen Adrianus Petit\nauss Flandern, der eine Zeit lang alihie Musicam profiti-\nret, und wie wir bericht durch diejenigen, so der Kunst\nerfahren, dass er vor andern Musicis im Singen und Leh-\nren ein sonderliche Art und Geschicklichkeit haben solle.\nDieweil aber seine Auditores mehrerentheils arme Gesellen,\ndie ihme nicht so viel geben können, damit er sich in die\nLänge bei der theuren und schweren Zehrung, die itzo\nallhierist, möchte erhalten, zuvörderst weil er sich vor\nwenig Wochen beweibet Derowegen dann gedachte\nseine Auditores an uns suppliciret und gebeten, Ihme mit\neinem Stipendio zu versehen. Wann aber bey uns nicht\nstehet, neue Lectiones auffzurichten, so haben wir uns in\nsolches nichts einzulassen wissen, obschon solche Lectiones\nvor die Jugend, der eine grosse Menige alihie seint, wol\nnutz und notwendig wäre.—\n„Datum Wittenbergk,Mittwoch nach Pauli Bekehrung.\n„E. Gh. G. unter! henige\n„Rector, Magister und Doctoress der Universität\n„Wittenbergk.\"\nAlle diese Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg.\nDer Kurfürst liess das Gesuch der Universität gleich am\ndarauf folgenden Sonntag (nach Pauli Bekehrung) durch\nseinen Kanzler Hain abschlägig bescheiden: „ dieweil\nes bis anher der Brauch nicht gewesen, dass zu dieser\nLection ein sonderlich Stipendium verordnet —\". Er ord-\nnete jedoch an, dass dem fremden Musiker ein „Trank-\ngeid\" gereicht werden sollte, was denn auch geschah und\nvon unserem Petit mit „unter!heiligstem Dank\" empfan-\ngen wurde, und die Sache war abgethan.\nDie Hoffnungen des armen Musikers waren aufs Neue\nzerstört, und hülllos und entblösst stand er wieder da vor\neiner ungewissen Zukunft, und diesmal noch dazu mit\neinem Weibe an der Seite.\nEr verliess Wittenberg gewiss mit blutendem Her-\nzen—und begann aufs Neue seine Irrfahrten. Doch we-\nnige Jahre darauf scheint das Schicksal mit seinen Verfol-\ngungen innegehalten zu haben, denn wir finden den Mei-\nster in Nürnberg, und zwar als Musik- und Singelehrer\nder dortigen Jugend, in festen, ruhigen und gewiss auch\nin glücklichen Verhältnissen.\nIn Nürnberg, der Stadt, in der so manche Künstler\nSchutz und Obdach gefunden, verlebte der vielgeprüfte\nMeister in steter Thätigkeit den Abend seines Lebens und\ngewiss froh im Kreise seiner Familie und gleichgesinnter\nkünstlerischer Freunde. Wenn auch alle weiteren Nach-\nrichten über sein Leben und Ende fehlen, so ist doch wohl\nvorauszusetzen und als gewiss anzunehmen, dass er nach\nso manchen harten Schicksalsschlägen sich der ersehnten\nRuhe in schöner Umgebung freuend, jene gastfreundliche\nund so künstlerisch gesinnte Stadt nicht mehr verlassen\nund seine letzte Ruhestätte, jenes Fleckchen Erde, dem\nwir alle entgegeneilen, daselbst gefunden.\nWeniges ist von den Werken des Meisters übrig ge-\nblieben. Seine in Italien entstandenen Compositionen mö-\ngen wohl noch in den Archiven der Kirchen von Lodi und\nRom schlummern. Was er in Wittenberg geschrieben,\nund besonders die Gomposition nach einem Gedichte Phi-\nlipp Melanchlhon's, ist leider verloren gegangen. Nur von\nseinem Aufenthalte in Nürnberg haben sich Beweise seiner\nThätigkeit erhalten. Er liess daselbst 1552 ein musicalisches\nLehrbuch drucken, dessen Titel und Inhalts-Angabe lautet:\n„Comp enclium musices, d\nCoclico, cliscipulo Josquini de Pres, in quo praeter caetera\ntractantur haec: 1) de modo omate canendi; 2) de regida\ncontrapuncti; 3) de Compositione.\ngae in officina Joannis Montani\n4. 15 Bogen stark.\nForkel, der es in seiner Literatur der Musik anführt,\nsagt darüber, nachdem er den vollständigen Inhalt weit-\nläufig mitgetheilt, in seiner trockenen, aber bezeichnenden\nWeise: „Alle diese Materien hat der Verfasser so gut,\nwie es zu seiner Zeit nur immer möglich, abgehandelt.\"\nDas Buch enthält als Titelbild das früher beschriebene\nPortrait Petit's mit den mitgetheilten Versen. Die Zuschrift\nist an die nürnbergische Jugend gerichtet.\nEbendaselbst und im selben Jahre erschien noch von\ndem Meister folgende Composition in Druck:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.5", "texte": "„Conm lationes ex Psalmis Da voeum.\"\n4. Beide Werke befinden sich (nach Gerber) auf der kö-\nniglichen Bibliothek zu München.\nDasselbe Jahr (1552) brachte noch unter Anderem\nein Sammelwerk auf den musicalischen Büchermarkt,\nbetitelt: „ Tabulatiira, Hortus musarumu, herausgege-\nben von Petrus Phalesius, geschworenem Buchhändler\nzu Löwen. Dasselbe enthielt 92 vier- und sechsstimmige\no\nTonsätze, darunter auch mehrere (doch gewiss ältere)\nCompositionen von Adrian Petit. Diese Gesänge müssen\nsehr populär geworden sein, denn etwa fünfzig Jahre spä-\nter, 1597, erschienen sie wieder in dem „Livre septieme\ndes Chansons ä quatre parlies,\naugmente de pliisiears chansons non imprimees aupara-\nvant. En Anvers chez la Vefve Jean Bellere, ä l'aigle\nd'or.u Dieses erneuerte Erscheinen der Gesänge Petit's zu\neiner Zeit/wo der Meister schon langst todt war und die\nmusicalische Kunst durch Palestrina, Orlandus Las-\nsus, Zarlino, Gabrieli und so viele andere Meister die\nbedeutendsten Fortschritte gemacht hatte, spricht wohl am\nberedtesten für ihren Gehalt und Werth, und wer weiss,\nwie lange nachher die Lieder des Meisters in Flandern\nsich noch erhalten haben, ob sie vielleicht nicht noch heute,\nwenn auch in veränderter Form, im Munde des dortigen\nVolkes leben!\nDies ist alles, was, so viel bis jetzt bekannt, von Pe-\ntit's Compositionen und Werken noch heute in verschiede-\nnen Bibliotheken existirt; eben so enthält das Vorliegende\nwohl alle Daten, die über des Meisters Erdenwallen noch\nvorhanden. Petit gehört nach dem Mitgetheilten nicht zu\nden Unbedeutendsten seiner musicalischen Landsleute, und\nseine Lebens-Schicksale zählen gewiss zu den vielbeweg-\ntesten und interessantesten. Möge ihre Wiedervorführung\ndazu beitragen, den verdienstvollen, doch verschollenen\nMeister wieder in etwa der Jetztzeit ins zu-\nrückzurufen, damit ihm in der Geschichte musicalischer\nKunst die Stelle angewiesen werde, die ihm mit Recht\ngebührt*).\n\nDer Verein zur Beförderung der Tonkunst in den\nNiederlanden.\n\nDas Album des genannten Vereins für das Jahr\n1859—1860 gibt die erfreulichsten Beweise für die fort-\nschreitende Wirksamkeit dieser über ganz Holland ausge-\nbreiteten Gesellschaft', obgleich die Gründung neuer Ab-\ntheilungen nicht in dem Maasse zunimmt, wie man seit\nStiftung des Vereins hätte erwarten sollen. Der Verfasser\ndes Jahresberichtes, der geistvolle Dichter J. P. Heije,\nSecretär des Vorstandes, machte darüber folgende Bemer-\nkung, die auch ausserhalb Hollands auf gar manche Un-\nterlassungssünden passt: „Wahrlich, überall, aber in un-\nserem Valerlande vielleicht am meisten, ist die Kraft der\nTrägheit ein arges Hinderniss der Entwicklung und Ver-\nbrüderung, der Erstarkung der Macht, die man durch das\neinfache Zusammenstellen der einzelnen Zahlen gewinnt!\nMan erfasst ein Gefühl, man jauchzt einer Idee zu, man\nsieht ein, wie viel Gutes und Grosses man für sich und\nAndöre durch vereinten Plan, vereinte Organisation, ver-\neinte Wirksamkeit zu Stande bringen könnte; allein das\nerheischt eine kleine persönliche Mühe, ein kleines persön-\nliches Opfer, den Entschluss eines persönlichen Beitrittes\nund da flüstert die Kraft der Trägheit uns zu: „ „Mor-\ngen!\" \" Und ehe dieses „ „Morgen\"\" kommt, ist die über\nNacht eingeschlummerte Theilnahme bald ganz und gar\nverschwunden.\"\nDie Zahl der beitragenden Mitglieder des Vereins ist\nauf 1837 Personen gestiegen, eine Höhe, die sie seit\n1842 noch nicht wieder erreicht hatte. Darin inbegriffen\nsind 98 Tonkünstler. Der jährliche Beitrag ist 3 Fl. 25\n€., welches durchschnittlich in den letzten zwanzig Jahren\neine Einnahme von etwa 6000 Fl. ergab.\nMit diesen geringen Mitteln hat der Verein in den\nletzten zwanzig Jahren seine Aufgabe auf die sorgfältigste\nWeise zu lösen gestrebt, wiewohl dieselbe eine sehr um-\nfassende ist. Sie betrifft: Preis-Ausschreibung von Compo-\nsitionen; Beförderung des musicalischen Unterrichts durch\nErrichtung von Musik- und besonders Gesangschulen;\nhöhere Ausbildung talentvoller junger Künstler; Unter-\nstützung von bedürftigen Künstlern, Künstler-Witwen und\nHinterlassenen; Veranstaltung allgemeiner Musikfeste;\nHerausgabe von bedeutenden, namentlich historisch werth-\nvollen Musikwerken und Beförderung der Veröffentlichung\nvon preisgekrönten Compositionen; Herausgabe eines jähr-\nlichen Albums (Berichte über die Thätigkeit des Vereins\nund Originai-Compositionen für ein- und mehrstimmigen\nGesang oder für Fortepiano) für die Mitglieder; Samm-\nlung einer musicalischen Bibliothek (Partituren, Clavier-\nAuszü ge. Stimmen und Orchester-Partieen zur Benutzung\naller Abtheilungen).\nBedenkt man, dass in den genannten zwanzig Jahren\nvier allgemeine Musikfeste 37,000 Gulden gekostet, dass\nmehrere Musikschulen sehr bedeutende Subsidien erhalten\n(zu 1530, 2800, 3185, 977 Fl. u. s. w.), dass ferner\nalle oben aufgezählten Zwecke dos Vereins volle Berück-\n\n*) Vorstehende Abhandlung ist von der niederländischen »Ge-\nsellschaft zur Beförderung der Tonkunst* mit\neinem Preise beehrt worden. Vergl. Nr 45 d. Bl, vom 3, Nov.\n1860 und den folgenden Artikel. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.6", "texte": "sichtigung gefunden haben, und dennoch ein Capital von\n22,500 Gulden zu 21/2 pCt. für bedürftige Künstler und\nderen Witwen angelegt ist, wovon bereits jährlich 1095\nFl. als Pensionen bezahlt werden, so muss man von grosser\nAchtung vor dem Vereine und vor der ausgezeichneten\nLeitung und Verwaltung desselben durchdrungen werden.\nWie sollten solche Resultate, welche das Ausland hoch\nanerkennt, nicht in Holland selbst alle Kunstfreunde in\nallen Städten zu erhöhter Theilnahme und zum Beitritte\nzu einer Gesellschaft anrege», die dem Vaterlande zur Ehre\nund der Kunst zu wahrer Förderung gereicht!\nAus dem Protocoll der 31. General-Versammlung am\n23. October v. J. erwähnen wir:\nA. Zu Verdienst-Mitgliedern sind ernannt Franz Coe-\nnen (Amsterdam), J. A. van Eyken (Elberfeld), G. Kast-\nner (Paris), R. Volkmann (Pesth); zu correspondiren-\nden Mitgliedern Ch. Gounod (Paris) und Otto Jahn\n(Bonn).\nß. Pensionen sind an sechs Witwen und erkrankte\nKünstler gezahlt worden.—Geschenk von 100 Fl. zu die-\nsem Fonds.\nC. Die Bibliothek enthält 27 Oratorien, 10 Messen,\n19 Psalmen, 48 grössere und 54 kleinere geistliche, 23\ngrössere und 33 kleinere weltliche Gesangstücke, 34 Opern,\n30 Sinfonieen u. s. w. (Alles in zahlreichen Stimmen).\nD. Cassen-Verhältnisse. 1. Allgemeine Jahres-Ausgabe\n9768 Fl. 29 C.—2. Reservefonds 46,800 Fl. ä 2% pCt.\n—3. Witwencassen-Fonds wie oben. 4. Fonds für Mu-\nsikfeste: 4000 Fl., nachdem zur Deckung der Kosten des\nsiebenten Festes in Arnheim (11,857 Fl. 51 C.)\n7131 Fl. 76 C. zugeschossen worden.\nE. Die Ausgabe der Collectio\nvorum Saeculi XVl.ist zu XII Bänden in Folio gediehen\n(XXI Bände handschriftlich vorhanden). [Vgl. Nr. 19 vom\n5. Mai 1860 d. Bl.] Die ganze Sammlung enthält 365\nWerke von 70 Componisten, und keine Bibliothek auf der\nWelt ist so reich an Werken der früheren niederländi-\nschen Schule, als die Bibliothek des Vereins.\nF. Von d en Preis-Erkenntnissen dürfte für das Aus-\nland am interessantesten die „ehrenvolle Erwähnung nebst\nZusage von Unterstützung bei der Herausgabe\" der „Sin-\nfonischen Composition Kaiser Karl V.\" (Gedicht\nvon Dr. VVap) durch W. F. Thooft in Rotterdam sein.\nDem Vernehmen nach wird dieses Werk (auch mit deut-\nscher Uebersetzurig des Gedichtes) in Mainz bei Schott's\nSöhnen erscheinen.\nFerner haben erhalten: Prämie von 200 Fl. Franz\nCoenen für: Albrecht Beyling, Gedicht von J. P. Heije,\nfür Solo, Chor und Orchester. —l5O Fl. L. Otto Kade\nin Schwerin für eine Abhandlung über Matthäus le\nMaistre. 5O Fl. Dr. F. W. Arnold in\nhandlung: „Het daghet in den (Josten\").—25 Fl. E. Pas-\nque in Weimar („Adrian Petit\").\nUnter den Preis-Aufgaben von 1861 (Termin der\nEinsendung ultimo December) werden für\ndisch-historische Kunstskizzen (XVl.Jahrhunderts)\n—Prämien von 25—200 Fl.—auch ausländische Bewer-\nber (in deutscher und französischer Sprache) zugelassen.\nVon den übrigen Beschlüssen der General-Versamm-\nlung ist hervorzuheben: Sammlungen von niederländischen\nMusikwerken, Liederbüchern, Schriften u. s. w. aus dem\nXV. und XVIII. Jahrhundert mit der Bibliothek zu öffent-\nlichem Gebrauche zu vereinigen; und zweitens auf Mittel\nzu denken, auch in Holland eine Normalslimmung einzu-\nführen.\nDie Musik- und Gesangschulen der Maatschappy haben\nzwar im vergangenen Jahre noch an 1325 Personen Un-\nterricht ertheilt, doch hat die Theilnahme daran abgenom-\nmen. Nur die Musikschule in Rotterdam hat sich\n/\ngehoben, indem die Anzahl der Schüler von 277 auf 329\ngestiegen ist und auch die „Chor-Ueb ungen\" daselbst\nzahlreich besucht werden, als Vorbereitung zu dem „Sing-\nverein\" (147 Mitglieder). Direclor der beiden letztge-\nnannten Institute ist Joh. J. H. Verhülst. Lehrer an der\nMusikschule sind die Herren J. B. H. Bremer, S. Ganz,\nW. Hutschenruyter, S. de Lange, J. H. Paling,\nB. Tours. ln Amsterdam zählt der Singverein 300\nMitglieder, Dirigent ist Richard Hol; im Haa g 75,\nDirector J. H. Lübeck, Unter-Directoren Verhülst,\nW. F. G. Nicolai, C. van der Does; in Arnheim\n101, Director C. Bt Marx; van der Düssen.\nUnter den öffentlichen Aufführungen des vergangenen\nJahres ragt das siebente allgemeine niederländi-\nsche Musik fest zu Arnheim am 9., 10.und 11. August\nhervor. Das Album enthält über dasselbe einen besonde-\nren Bericht aus der Feder des Herrn J. M. J. Engel-\nberts, Secretärs des Fest-Comite's. Die vereinigten Kräfte\nstellten hiernach dar im Chor: 81 Soprane, 68 Alte, 68\nTenöre und 93 Bässe = 310; im Orchester: 42 Violi-\nnen, 14 Bratschen, 14 Violoncelle, 12 Contrabässe, je 4\nFlöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte, Hörner, 2 Trompe-\nten, 3 Posaunen, 1 Pauker = 108; im Ganzen 418 Per-\nsonen. Am I. Tage: Sinfonie in Op. 46, von J. H.\nVer hü Ist, und Händel's Samson. Am 11. Tage: Musik\nzu Vondel's Drama „Lucifer\", Op. 40, von J. A. van\nEyken, „Elia op Hörebu von Fr. Coenen, „Lorelei\"\nvon F. Hiller, Lobgesang, Sinfonie-Cantate von Men-\ndelssohn. Am 111. Tage: Sinfonie Nr. VII. von Beet-\nhoven, Solospiel von Laub (Mendelssohn's Concert,\nBach's Ciaconna) u. s. w."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.7", "texte": "Der Bericht theilt auch das Schreiben mit, in welchem\nFranz Liszt bedauert, dem Feste nicht beiwohnen zu\nkönnen. Folgende charakteristische Steilen daraus wollen\nwir unseren Lesern nicht vorenthalten:\n„ Votre programme est de nakure ä m'interesser da-\nvantage que ceux debeaueoup\net etrangers, oü l'on se borne d'ordinaire ä faire parader\nexclusivement quelques ancicns\nsacres sans doute, mais que\net reentendus mainies fois.\n„ Aussi est-ce avec une\nvu dam votre programme, Messieurs! une juste et-legitime\npart faxte ä l'art contemporain,\nouvrages considerables de M.M. Verhulst, van EyTcen,\nCoenen et Hill er, et puisque j'ail'honneur d' appartenir\na votre soeiete, permettes moi de vous complimenter de\nprendre atnsi serieusement ä täehe de correspondre ä son\ntitre: „ „ Tot Bevordering der Toonkunst\"\", en ne suivant\npoint les erreinem prohibitifs\ntions de plusieurs autres comites de festival. Sur ce point\non a fait montre d'un peut trop de zele d'outre tombe,\nce nie semble; car, sauf err eur, je ne crois pas que la meil-\nleure metlwde d'honorer les morts illustres consiste ä de-\nnigrer ä tout prix les compositeur\nque leurs oeuvres soient produites\ngrandes oecasions; quelque com\ncette pratique eneore aujourd'hui\nVon den übrigen Aufführungen durch die Abtheilun-\ngen des Vereins sind zu erwähnen:\nIn Amsterdam: I. Hi 11 e r's Zerstörung von Jerusa-\nlem. 11. Schümanns „Der Rose Pilgerfahrt\", Arien von\nGluck und Händel, Reinccke's „Geistliches Abendlied\".\n111. Haydn's „Jahreszeiten\". Dirigent Rieh. Hol.\nIn Arn h e im: I. Mendelssohn Psalm 42, Ver-\nhülst Psalm 145, Beethoven Chor aus Fidelio, „Mee-\nresstille und glückliche Fahrt\", Hiller „Lorelei\". 11. Hän-\ndel's Samson, erster Theil; Spohr's „Letzte Dinge\".\nIm Haag. I. Reinthaier Jephta und seine Tochter.\nDirigent J. H. Lübeck. 11. Bach Choral und Terzett;\nHandel Psalm 100; Ilaydn Fragment aus „Die sieben\nWorte des Erlösers\"; aus Mozart's Beetho-\nven Hymne Nr. 1 (Messe in C); Spohr Die letzten Dinge\n(Fragment); Mendelssohn Hymne für Sopran-Solo und\nChor; Schumann Adventlied; Hill er Gesang der Gei-\nster über den Wassern. Dirigent Nicolai. 111. Mendels-\nsohn Elias. J. H. Lübeck. IV. Gade Frühlingsbot-\nschaft; Hiller Lorelei; Mendelssohn Athalia. J. tp.\nLübeck.\nIn Rotterdam: OeffentlicherSingverein: Schubert\nMirjam s Siegesgesang; V er hü Ist Drei Balladen für Chor;\nSchumann „Der Rose Pilgerfahrt\".\nDie Notenblätter des Albums für 1860 enthalten eine\n„Baliade\" lür Pianolorte von Rob. Volkmann, ein kur-\nzes, originelles Stück, dessen erster Theil mit seinem auf\nCis liegen bleibenden Bass an ungarische Nationalweise\nanklingt. Ferner „Herbstvorgefühl\" für Sopran, Alt, Te-\nnor und Bass von G. Flügel; „Liebesklage\", vierstimmig\neben so, nach einer altniederländischen Melodie von Clau-\ndin (1531) eingerichtet von Heinr. Dorn; sechs altnie-\nderländische Melodieen, zur Harmonisirung und Unterle-\ngung neuer Texte mitgetheiit (die Nr. VI. von F. Com-\nmer harmonisirt); „Scheiden\", Quartett für zwei Soprane,\nAlt und Bass, Gedicht von Heije, Musik mit Clavierbeglei-\ntung von Wilh. S mits (6 Seiten in Fol.), eine recht melo-\ndisch lliessende Composition; fünf Matrosenlieder, nach\nVolksweisen (einstimmig) gesetzt von J. J. Viotta.\nSämmtliche Gesänge haben holländischen Text.\n\n■\"*) »Verbots-Verfahren, Prohibitiv-Procedura\n\nL. B.\n\nVorschlag\n\nzur Zahlung eines Honorars an die Herren Compo-\nnisten von mehrstimmigen Gesängen für\nMännergesang-V er eine.\nIn der neuesten Zeit haben wir wieder einmal das traurige Bei-\nspiel erlebt, dass ein Mann, dem fast alle Männergesang-Vereine\nviele vergnügte Stunden verdanken, bei seinem Tode seiner Witwe\nund seinen Kindern nichts hinterlassen konnte, als einen von uns\nallen gepriesenen und geehrten Namen.\nWer ist aber mehr verpflichtet, einem solchen Manne seine Ar-\nbeit zu lohnen, als die Vereine, welche zunächst Nutzen daraus\nziehen ?\nIn diesem Sinne scheint der wiener Männergesang-Verein die\nSache aufgefasst zu haben, als er die schöne Idee zum Beschlüsse\nerhob, für jede erste Aufführung eines neuen Chors dem Compo-\nnisten einen Ehrensold von einem Ducaten zu zahlen.\nLeider fand dieses schöne Beispiel bis jetzt wenig Nachahmung.\nWer mit den inneren Verhältnissen mancher Vereine bekannt ist,\nwird zugeben, dass wenige Vereine in der Lage sein dürften, einen\nsolchen Preis zu zahlen, und weil nun der hohe Preis nicht gezahlt\nwerden kann, so wird gar nichts gezahlt.\nDer wiener Sängerbund schlägt daher im Einverständnisse\nmit mehreren anderen Vereinen vor, Einen Gulden in Silber\nfür die erste Aufführung jedes neuen Chors zu zahlen.\nAngenommen, dass von den vielen bestehenden Gesang-Vereinen\nnur hundert einen allgemein ansprechenden Chor zur Aufführung\nbringen, so erwächst dem Componisten dafür ein Ehrensold von IQJJ\nGulden, während ihm jetzt im günstigsten Falle vielleicht 3 Duca-\nten zufallen.\nDie Uebersendung dürfte am besten durch die Vermittlung eines\nbestimmten Vereins geschehen; und neun Vereine haben bereits den\nwiener Sängerbund ermächtigt, sobald die Sache ins Leben tritt,\ndie Vermittlung zwischen den Vereinen und den Componisten zu\nübernehmen.\nDer wiener Sängerbund ersucht demnach alle jene Vereine, welche\ndie Zahlung eines Honorars als eine Ehrenpflicht betrachten, sieh"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610119-01.1.8", "texte": "gütigst darüber erklären zu wollen, ob sie ihre Leistungen direct\noder durch Vermittlung befördern wollen.\nFür den letzteren Fall diene Folgendes:\n1. Der wiener Sängerbund erklärt sich bereit, die Honorare von\nden betreffenden Vereinen zu übernehmen und an die Herren Com-\nponisten abzuführen.\n2. Zu diesem Ende hat jeder Verein nach einer Production für\njeden Chor, der honorirt wird, nebst dein Honorar je 3 Exemplare\ndes Programms einzusenden.\nEin Programm wird demselben mit der Bestätigung über den\nEmpfang des Honorars zurückgestellt; das zweite wird s. Z. mit\ndem Honorar dem Herrn Componisten eingeschickt; das dritte behält\nder wiener Sängerbund.\n3. An jedem letzten März und letzten September versendet der\nwiener Sängerbund die eingegangenen Honorare an die Herren Com-\nponisten und legt Rechnung ab. Die Veröffentlichung dieser Rech-\nnung geschieht durch eine der in Wien erscheinenden Zeitungen für\nMusik und wird auf Verlangen auch den Vereinen zugesandt.\nDie resp. Vereine verpflichten sich durch Honorar-Einsendung\nzu nichts Bindendem, sondern es steht ihnen jederzeit frei, zurück-\nzutreten oder sich mit den Herren Componisten direct in Verbindung\nzu setzen.\nIndem ich hier nun einen Ehrenpunkt der Gesang-Vereine be-\nrühre, fasse ich das Interesse der Componisten ins Auge, und knüpfe\ndaran die Hoffnung, dass die Lust zu Chor-Compositionen bei ge-\ndiegenen Musikern geweckt wird, sobald die Gesangskörper, welche\nNutzen davon ziehen, sich bereit zeigen, Honorar zu zahlen.\nMit freundlichem Sängergrusse,\nfür die Vereinsleitung des wiener Sängerbundes,\nWien, am 1. Januar 1861.\n\nRaveaux, Vorstand,\nKennweg, Waaggasse Nr. 664.\n\nAufruf.\nHeinrich Bernhardt Stade,\nStadt-Cantor, Organist u. s. w.\nJohann Sebastian Bach, dieser höchst geniale Tonkünstler\ndes vorigen Jahrhunderts, welchem an Tiefe und Hoheit des Gedan-\nkens, an Kraft und Mannigfaltigkeit der Harmonie, so wie an Wahr-\nheit des Ausdrucks bis jetzt Keiner gleichgekommen ist, und dessen\nName darum bis in die spätesten Zeiten hochgefeiert werden wird,\nerhielt bekanntlich im Jahre 1703 den Ruf als Organist an die\nNeue Kirche zu Arnstadt, welches Amt er, kaum 18 Jahre alt, am\n1. Juli desselben Jahres antrat und bis zum 1. Juli 1707 bekleidete.\nWährend dieser Zeit entstanden die von ihm herrührenden 300 Cho-\nräle zum Freilinghausen'schen Gesangbuche, die schönste Perlen-\nschnur seiner harmonischen Dichtungen.\nWie fern nun auch die Zeit des höchsten musicalischen Glanzes,\nden J. S. Bach nach allen Seiten hin verbreitete, dem lieblichen\nArnstadt gerückt ist, und wie viele Geschlechter seit damals bis\nheute einander gewichen sind, noch lebt der grosse Meister in un-\ngeschwächtem dankbaren Andenken daselbst fort.\nZur würdigen Erneuerung und Verherrlichung des Andenkens an\nden unsterblichen Kunst-Heroen aber beizutragen, ist der gegenwär-\ntige Nachfolger J. S Bach's in dessen erstem Organisten-Amte be-\nsorgt, das bis jetzt noch vorhandene, ehemals herrliche Orgelwerk,\nwelches derselbe während seiner Anstellung zu Arnstadt spielte,\nder Nachwelt durch eine gründliche, aber äusserlich durchaus un-\nveränderte Wiederherstellung zu erhalten, und fühlt sich verpflich-\ntet, alle Verehrer des grossen Meisters mit dem Bemerken davon in\nKenntniss zu setzen, dass zur Beschaffung derjenigen Mittel, welche\neine solche gründliche Restauration der Bach-Orgel erheischen wird,\neine treue Lithographie dieses Orgelwerkes im Formate des den\nBaeh'schen Werken beigegebenen Portraits J. S. Bach's mit unter-\ngefügtem Facsimile der Bacli'schen Original-Handschrift vom Jahre\n1703 so eben erschienen und gegen Einsendung freiwilliger Beiträge\nbei dem Unterzeichneten zu haben ist.\nDa das Unternehmen, die erste Bach-Orgel der Nachwelt als ein\nbleibendes Denkmal zu erhalten, als ein nationales anzusehen sein\ndürfte, so gibt man sich der Hoffnung hin, dass dieser Ruf bei al-\nlen, die der Kunst zugethan und anverwandt sind, den freudigsten\nAnklang finden und dem Unternehmen selbst die reichlichste Unter-\nstützung zu Theil werden möge.\nArnstadt, den 10. Januar 1861.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nA. F.\nFrankfurt si. JH. In welch hohem Grade in neuerer Zeit\ndie Strenge gegen den freien Eintritt in das Museum gehandhabt\nwird, können auch die Pensionisten des frankfurter Theater-Orche-\nsters bezeugen, welchen, obgleich oft Decennien lang treuen Mit-\nwirkern an diesem Künstlerbau, der freie Eintritt in ihr eigenes Haus\nnunmehr nicht gestattet wird. Ein Princip gegen den Missbrauch\nder Freibillette ist ganz an seinem Platze; solchen Veteranen aber,\nderen Gefühl für gute Musik nicht erloschen ist, und welche die\nWirkungen der Musik nun in Freiheit geniessen möchten solchen\ndie Pforten des Tempels zu verschliessen, erscheint so unbillig als\nterroristisch. Unserem Karl Gollmick z. 8., welcher über vierzig\nJahre lang im hiesigen Museum als Dichter, Tonsetzer, Instrumen-\ntalist und Kritiker gewirkt, und welchem nach seiner Pensionirung\ndie hervorstechendsten hiesigen Musik-Anstalten das Bürgerrecht zu-\nerkannt, wurde auf seine Eingabe an den Museums-Vorstand um\ndie ihm bisher bewilligte frühere Freikarte nicht einmal eine\nAntwort!"}]}