{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_sha256": "53ddc41775c98e80cd0b86f3aebab72bcf511438bf0c187551091518bc7d7a74", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/01/26_01/bmtnabi_1861-01-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 349, "texte": "Inhalt.\nDie grosse Dom-Orgel zu Halberstadt. Von M.-D, Otto Braune. Pariser Briefe. I. Von B. P. Karl Binder\n(Nekrolog). Musicalische Trauerfeiern auf den Tod des Königs Friedrich Wilhelm IV. Tages- un-d Unterhaltungsblatt\n(Signora Trebelli Frankfurt am Main Tonkünstler-Versammlung - Hermann Breiting Stuttgart Dresden Wien J. Seb.\nBach Stockholm)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "27", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.2.2", "titre_corps": "Die grosse Dom-Orgel zu Halberstadt.", "titre_sommaire": "Die grosse Dom-Orgel zu Halberstadt.", "signature_source": "Otto Braune", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.1", "debut_caractere": 351, "fin_caractere_exclue": 4111, "texte": "Die grosse Dom-Orgel zu Halberstadt.\n\nDer Dom zu Halberstadt in der Provinz Sachsen ist\neine der schönsten und grössten Kathedralen Deutschlands;\nim reinsten gothischen Style erbaut, zieht er viele Kenner\nund Freunde der Baukunst hieher, die, wenn sie einmal\nseine einzig schönen architektonischen Verhältnisse bewun-\ndert haben, jede Gelegenheit benutzen, ihn wieder zu be-\nsuchen. Zu diesen Bewunderern werden sich nun auch\ndie Musikfreunde und Kenner von Orgelwerken gesellen,\num die jetzt vollständig erneuerte und vergrösserte Dom-\nOrgel zu sehen und zu hören. Auf dieses seltene, gross-\nartige Orgelwerk, welches durch Herrn Orgelbaumeister\nBuchholz aus Berlin erneuert und vervollständigt worden\nist, aufmerksam zu machen, ist der Zweck nachstehender\nZeilen.\nBereits im Jahre 1361 besass der Dom eine der aller-\nersten Orgeln, welche von dem ältest-bekannten deutschen\nOrgelbauer, dem Geistlichen Nikolaus Faber, erbaut\nworden. Diese für die damalige Zeit grosse Orgel hatte\n14 diatonische und 8 chromatische Tasten, im Umfange\nvom grossen Hbis zum eingestrichenen Diese 22 Ta-\nsten waren auf 2 Manuale vertheilt, von denen das obere\ndie Sopran-, das untere die Bass-Töne hatte. Den für das\nWerk erforderlichen Wind lieferten 20 Faltenbälge, wozu\n10 Bälgezieher nöthig waren. Register besassen die da-\nmaligen Orgeln noch nicht; die Pfeifen waren zu einer\nMixtur zusammengestellt. Bei der damaligen Unvollkom-\nmenheit der Mechanik war es jedoch kaum möglich, die\neinfache Melodie eines Gesanges, noch weniger aber eine\nharmonische Begleitung auszuführen; die schweren und\nsehr breiten Claves konnten nur mit den Fäusten nieder-\ngeschlagen werden, gerade wie dies noch heute mit dem\nGlockenspiel auf Kirchtürmen geschieht.\nNachdem 1471 ein Deutscher, Namens Bernhard,\ndas Pedal erfunden, wurde die Dom-Orgel 1495 durch\nGeorg Kleng renovirt und erhielt ein Pedal, welches\nnur aus acht Claves bestand, die, da das Pedal keine\nbesonderen Pfeifen hatte, mittels kleiner Stricke mit den\nManual-Tasten verbunden wurden. Diese Orgel in ihrem\ndamaligen Zustande kann jedoch höchstens bis Mitte des\nsechszehnten Jahrhunderts in der Domkirche gespielt wor-\nden sein, denn eine zweite Orgel, deren Erbauer unbe-\nkannt geblieben, wurde schon Ende des siebenzehnten\nJahrhunderts aus dem Dome nach der hiesigen St.-An-\ndreas-lvirche überführt, und wird, nachdem sie eine be-\ndeutende Reparatur erhalten, noch heute, obgleich in\neinem sehr kläglichen Zustande, gebraucht. Diese Orgel\nhatte damals 2 Manuale, 1 Pedal und 30 Stimmen.\nDie dritte Dom-Orgel, von Heinrich Herbst und\nSohn aus Magdeburg für 12,000 Thlr. erbaut und am\n19. Juli 1718 fertig übergeben, hatte 5 Manuale, näm-\nlich 3 über einander liegende nebst Pedal und 2 davon\ngesonderte auf beiden Seiten der Orgel, von denen das\neine im Kammertone stand. Durch diese eigenlhümliche\nEinrichtung konnten nun zwar drei Spieler gleichzeitig die\nOrgel spielen, da indessen nur zwei Ciaviere gekoppelt\nwerden konnten, so hatte sie den Nachtheil, dass im vollen\nWerke kaum die Hälfte der Stimmen von einem Spieler\nzu benutzen war. Das eine Seiten-Ciavier war überhaupt\nnur der Symmetrie wegen vorhanden, und war, da es keine\nbesonderen Stimmen hatte, mit dem Unter-Clavier verbun-\nden. Diese Orgel hatte 65 Stimmen, welche durch acht\ngrosse Bälge ihren Wind erhielten. Die Intonation der\nStimmen, so wie das Material derselben war eben so schön\nund solide, wie dies bei den berühmten Silbermann'schen\nOrgeln der Fall ist; sie hatte indessen auch dieselben Män-\ngel, welche allen älteren Orgeln eigen sind.\nIm Jahre 1838 wurde diese Orgel von dem verstor-\nbenen Orgeibaumeister Schulze zu Paulinzelle in allen\nihren Theilen (mit Ausnahme des Gehäuses und der Zun-\ngenstimmen) fast wie ganz neu erbaut. Sie bekam vier"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4323, "texte": "über einander liegende Manuale (von denen die drei unte-\nren gekoppelt werden konnten) und ein Pedal. Die vier\nManuale hatten den Umfang von C, bis zum dreige-\nstrichenen /; das Pedal von C, Cis durch zwei Octaven\nchromatisch bis zum eingestrichenen Sie erhielt 8 neue,\n12 Fuss grosse Bälge, von denen 4 den Manualen und 4\ndem Pedal den nöthigen Wind lieferten. Die Tonhöhe,\nwelche früher Chorton war, wurde Kammerton.\nDurch die bereits ein Decennium andauernde Restau-\nration des Domes selbst hatte jene Orgel so sehr gelitten,\ndass es kein Wunder war, wenn viele Stimmen und Pfei-\nfen, in denen der Kalkstaub fast einen halben Zoll hoch\nlag, nicht mehr ansprachen und ihren Dienst versagten.\nEine gründliche Reinigung und Reparatur war unumgäng-\nlich nothwendig, wenn das schöne Werk nicht ganz der\nZerstörung Preis gegeben werden sollte. Die königliche\nRegierung zu Magdeburg übertrug dem durch Erbauen\nvieler schönen und grossen Orgelwerke rühmlichst bekann-\nten Orgelbaumeister Buch holz und Sohn in Berlin diese\nReparatur, und nachdem Herr Buchholz diesen ehrenvol-\nlen Auftrag in wahrhaft künstlerischer Weise ausgeführt\nhatte, wurde die Dom-Orgel in ihrer jetzigen Gestalt am\n9. November vorigen Jahres wieder dem Gebrauche über-\ngeben. Herr Buchholz jun., der längere Zeit in dem\nAtelier von Cavaille-Col in Paris gearbeitet und sich\ndort in seiner Kunst vervollkommnet, hat in eben so kunst-\nfertiger als bescheidener Weise hierbei seine grosse Mei-\nsterschaft bewährt, und hat mehr geleistet, als bei den be-\nschränkten Mitteln zu erwarten stand. Er hat das ganze\nWerk von Staub und Schmutz gereinigt, sämmtliche Stim-\nmen so meisterhaft intonirt, dass sowohl die sanfteren\nCharakterstimmen als auch die übrigen Füllstimmen im\nvollen Werke ihres Gleichen suchen; dann hat er fast\nsämmtliche Zungenstimmen neu gefertigt, und da früher\ndie drei unteren Manuale gekoppelt nur mit grosser An-\nstrengung zu spielen waren, durch eine pneumatische\nMaschine diesen Uebelstand so glänzend beseitigt, dass\nnunmehr jene drei Manuale gekoppelt so leicht zu spielen\nsind, als früher ein einzelnes Manual. Ferner hat Herr\nBuchholz durch eine sinnreiche, aber höchst einfache Vor-\nrichtung ein Crescendo und Decrescendo für die acht Stim-\nmen des oberen Vier-Fuss-Manuals hergestellt, wodurch\ndiese sanften Stimmen eine dreifache Modification erhalten\nhaben. Hat Herr Buchholz, wie oben erwähnt, alle Stim-\nmen meisterhaft intonirt, so scheint er namentlich die zar-\nteren Stimmen dieses Manuals mit besonderer Liebe be-\nhandelt zu haben; denn hört man unmittelbar nach Accor-\nden des vollen Werkes dieses Manual mit seinen wunder-\nvollen Charakterstimmen, so wird man durch die hier in\nsolcher Vollendung noch nie gehörten Töne überrascht\nund wahrhaft hingerissen. Das volle Werk aber entwickelt\neine Grossartigkeit in Ton, Kraft und Glanz, die überwäl-\ntigend ist und bei allen denen, die Gelegenheit hatten, das-\nselbe zu hören, Staunen erregt hat. Die Disposition des\nWerkes ist jetzt folgende:\nA. Hauptwerk.\n1. Principal 16 Fuss aus reinem engl. Zinn, mit auf-\ngeworfenen Labien im Prospect, von C bis G von\nHolz im Inneren der Orgel.\n2,, Octave 8 Fuss von Metall.\n3. Octave 4 „ n „\n4. Octave 2 „ „ „\n5. Quinte 22/3 „ „ „\n6. Bordun 32 F. von Metall, beginnt beim kleinen\n7.Mixtur sechsfach 2 Fuss von Zinn.\n8. Scharff vierfach 2 „ „ „\n9. Cornett vierfach von Zinn.\n10. Gemshorn 8 Fuss von Metall.\n11. Gedact 8 „ „\n12. Nasard 51/3 „ „ „\n13. Gedact 4 „ „ „\n14. Trompete 16 Fuss,\n15. Trompete 8 Fuss, beide mit aufschlagenden Zun-\ngen; die Schallbecher von berliner Probezinn.\nAnmerk. Das sämmtliche Zinn ist 121öthig.\nB. Zweites Manual.\n1. Principal 8 Fuss von engl. Zinn im Prospect,\n2. Octave 4 „ „ Metall.\n3. Octave 2 „ „ „\n4. Quinte 22/3 „ „ „\n5. Mixtur fünffach 2 Fuss von Zinn.\n6. Cimbel dreifach 1 „ „ „\n7. Hohlflöte 8 Fuss von Eichenholz.\n8. Viola da Gamba 8 Fuss von Zinn.\n9. Flöte 4 Fuss von Eichenholz.\n10. Gedact 8 Fuss von Metall.\n11. Quintatön 16 Fuss von Metall, von bis , von\n• Holz.\n12. Gross-Gedact 16 Fuss von Metall.\n13. Hautbois 8 Fuss, die Schallbecher von berliner\nProbezinn.\nC. Drittes (unteres) Manual.\n1. Principal 8 Fuss von Zinn.\n2. Octave 4 B „ Metall.\n3. Octave 2 „ „ Zinn.\n4. Mixtur vierfach „ „\n5. Cornett dreifach „ „\n6. Salicional 8 Fuss „ „\n7. Spitzflöte 4 „ „ Metall.\n8. Nasard 22/s „ „ n"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2252, "texte": "9. Gedact 8 Fuss von Holz.\n10. Bordun 16 „ „ Eichenholz.\n11. Vox angelieaB Fuss, die Schallbecher von ber-\nliner Probezinn.\nD. Viertes (oberes) Manual.\n1. Principal 4 Fuss von Metall.\n2. Terpodion 8 „ „ Zinn.\n3. Harmonica 8 „ „ berliner Probezinn.\n4. Flauto traversoB Fuss von Holz, gebohrt.\n5. dito 4 „\n6. Lieblich Gedact 16 „ „ Holz.\n7. dito 8 „\n8. Physharmonica 8 „ die Schallbecher von\nZink.\nE. Pedal.\n1. Principal 16 Fuss von engl. Zinn im Prospect.\n2. Octave 8 „ „ Holz.\n3. Octave 4 „ „ Metall.\n4. Mixtur vierfach 4 Fuss von Zinn.\n5. Cornett fünffach von Zinn.\n6. Violone , 16 Fuss von Holz.\n7. Violoncello 8 „ „ „\n8. Subbass 16 Fuss,\n9. Subbass 16 Fuss, beide von Holz (der eine offen,\nder andere gedeckt).\n10. Nasard 5V3 Fuss von Metall.\n11. Tertie 62/5 „ „ „ ....\n12. Gedact 8 „ „ Holz.\n13. Grossnasard 102/3 „ „ Eichenholz.\n14. Untersatz 32 „ „ Holz.\n15. Trompete 4 Fuss,\n16. Trompete 8 Fuss, bei beiden die Schallbecher\nvon berliner Probezinn.\n17. Posaune 16 Fuss,\n18. Contraposaune 32 Fuss, bei beiden die Schall-\nbecher von Eichenholz.\nF. Nebenzüge.\n1. Koppel zum Unterwerk.\n2. „ zum Oberwerk.\n3. „ zum Pedal.\n4. Sperr-Ventil zum Hauptwerke.\n5. „ zum zweiten Manual.\n6. „ zum dritten Manual.\n7. „ zum vierten Manual.\n8. „ zur grossen Basslade.\n9. „ zur kleinen Basslade.\n10. Glockenspiel des Manuals.\n11. Cimbelstern.\n12. Evacuant.\n13. Pedal-Verschluss.\n14. Calcantenglocke für die Manualbälge.\n15. „ für die Pedalbälge.\nIn Summa 80 Registerzüge, von denen 65 zu klin-\ngenden Stimmen. Bälge sind 10 vorhanden, von denen\n4 den Manualen, 4 dem Pedal und 2 der pneumatischen\nMaschine den erforderlichen Wind geben. Das Crescendo\nund Decrescendo wird durch Herabdrücken eines eisernen\nTrittes (ähnlich den Pedaltritten an den Flügeln), welcher\noberhalb der Pedalclaves angebracht ist, leicht bewirkt.\nKenner und Freunde von Orgeln, welche hieher kom-\nmen und sich von der Grossartigkeit des Werkes, so wie\nvon meiner wahrheitsgetreuen Schilderung desselben über-\nzeugen wollen, mögen sich an meinen Collegen, den Herrn\nDom-Organisten und Musik-Director Ferd. Baake wen-\nden, welcher gern bereit sein wird, das prächtige Werk\nkunstverständigen und kunstsinnigen Fremden vorzuführen.\nHalberstadt, im Januar 1861.\n\nOtto Braune, k. Musik-Director."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "29", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.3", "debut_caractere": 2254, "fin_caractere_exclue": 3786, "texte": "Pariser Briefe.\n\nI.\nWenn wir einen Rückblick auf die Musik in Paris im\nJahre 1860 werfen, so bietet er in der That sehr wenig\nErfreuliches dar. Alles, was öffentliche musicalische Lei-\nstungen bedingt, ist im Steigen bis auf unerhörte Stufen\nbegriffen, Ansprüche des Publicums und der Künstler,\nSelbstüberschätzung, unerschwingliche Forderungen; nur\ndie Talente halten nicht Schritt mit diesen immer mehr\nanschwellenden Fluten, sie werden nicht von ihnen getra-\ngen und gehoben, sondern um mit dem Strom wenigstens\nfortzuschwimmen, stürzen sie sich hinein und gehen darin\nunter. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur\nAug' und Ohr aufzuthun auf die dramatisch-musicalische\nProduction dieses Jahres, welche sehr wenig Früchte er-\nzeugt hat, die das Jahr ihrer Geburt überleben werden.\nNie war die Armuth an wirklich guten Werken so auf-\nfallend; auf zwei oder drei Werke, wir wollen nicht sagen:\nvon grossem, aber doch von einigem Werthe kommt eine\nUnzahl von Fehlgeburten, die schon in den Textbüchern\nden Keim des Todes tragen; denn die meisten so genann-\nten Operngedichte scheinen geradezu nur gemacht zu sein,\num ihre Musik mit sich ins Verderben zu ziehen.\nDie schlechten Geschäfte der Opern-Theater zeigten\nsich denn auch in dem Wechsel der Directoren, von denen\nschon von Frühjahr bis Sommer zwei zurücktraten, ohne\nihre Vermögens-Umstände verbessert zu haben. Ob ihre\nNachfolger glücklicher sein werden?\nFreilich die grosse Oper, wie die Götter in der Höhe\nin ewig reinem Aether thronend, dem die financiellen Ge-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5278, "texte": "witterstürme der niederen Atmosphäre fern bleiben, ge-\nniesst in Ruhe und Frieden der Vortheile, welche ihre\nhohe Stellung ihr sichert, und der Einnahmen, welche\nihre getreuen Canäle, die Eisenbahnen, aus allen Himmels-\nO ...\nGegenden ihr zuführen. Ohne aus der ruhigen Majestät\nihrer charaktervollen Haltung irgendwie herauszutreten,\nbat sie uns eine ganz neue Oper gegeben, eine halb neue\nund ein neues Ballet: „Pierre Rossini's „Sc-\nmiramis\" und „Den Schmetterling\" (le Papillon). Semi-\nramis war übrigens ein sonderbar zurecht gemachtes Stück\neine italiänische Oper ins Französische übersetzt\nfür das Auftreten zweier Itali än eri nn e n auf dem fr an -\nzösischen Opern-Theater! Ausser diesen beiden Damen,\nden Schwestern Marcbisio, waren Madame Vandenheuvel-\nDuprpz und Mademoiselle Marie Sax im Robert neu. Die\nletztere und den Tenoristen Michot halte die grosse Oper\ndem Theätre lyrique entnommen; jene hat nämlich das\nöberherrlichkeitsrecht über dieses: mit sechs Monaten\nKündigung darf sie jedes Mitglied des lyrischen Theaters\nzu sich herüberziehen, sollte auch der Director darüber\nzu Grunde gehen.\nAn der komischen Oper war Le Roman d'Elvire das\nerste und ohne Frage auch das beste neue Werk; es hat\nsich auch bis jetzt gehalten und wird vielleicht noch etwas\nlänger leben. Le Chäteau Trompette, missgestaltetes Buch\nund gehaltlose Musik, ist längst wieder verschwunden. Von\nliita, aus dem Nachlass eines todten Componisten, und von\nL'Habit de milord, aus der Feder eines lebenden Dilettan-\nten, ist nicht viel zu melden. Da kam der Thronwechsel\nim Directorat; der neue Regent (Herr Beaumont) hatte\nGlück, ein warmer Regen tränkte den dürren Boden, der\neinige schöne Blüthen trieb, die Vorstellungen, in denen\nRoger und Mademoiselle Trebelli auftraten. Letztere\nkam aus Spanien, sie ist aber eine Französin, trat nur\neinige Male auf, ging von hier zu euch nach Köln zur Ge-\nsellschaft Merelli's und hat, wie bekannt, nachher in Ber-\nlin eine Berühmtheit erlangt, deren sie in vieler Hinsicht\nvollkommen würdig ist. Sie wird zum März hieher zurück-\nkehren. Roger hatte durch das Auftreten auf dem früheren\nBoden seines Ruhmes wieder Geschmack an derjenigen\nOperngaltung bekommen, für die er eigentlich geschaffen\nist, und erfreute, ja, entzückte immer noch das Publicum\ndurch mehrere Rollen; durch ihn kam sogar .Der schwarze\nDomino\" wieder in Gunst.\nAber man wollte doch etwas Neues haben. Man er-\nhielt es im Doeteur Mirobolan,in in\n—Werke, in denen allerdings Manches neu war, aber\nnicht Vieles. Nebenbei füllten eine Wiederaufnahme vom\nPetit Chaperm rougeund der die\nLücken. Jetzt sind wir voller Erwartung eines Werkes\naus der alten berühmten Firma der komischen Oper, eines\nWerkes von Scribe und Auber! Ob sie uns in das gol-\ndene Zeitalter zurückführen werden, wo die komische\nOper ein interessantes Lustpiel mit allerliebster Musik war?\nDie italienische Oper hat als Neuigkeit\nMendicante von G. Broga gebracht und wieder begraben und\ngegen Meyerbeer's Willen dessen wieder\ninScene gesetzt. Roger's Versuche auf diesem Theater fielen\nnicht zu seinem Yortheil aus; dagegen erschien in Marie\nBattu ein Stern erster Grösse. Sie und die Trebelli zei-\ngen, dass die Französinnen anfangen, den Itahänerinner»\nin ihrem eigenen Hause den Rang streitig zu machen.\nAm fruchtbarsten war auch in diesem Jahre wieder\ndas Theätre lyrique, sowohl unter dem Director Carvalho,\nals unter seinem Nachfolger R(sty. Es hat in Allem sechs-\nundzwanzig Acte von neuen Opern und Operetten gebracht\nfür eine Bühne, die sich gar keiner Unterstützung von\noben herab erfreut, ein Beweis grosser und eifriger Thä-\ntigkeit. Man hofft, dass sie in dem neuen Hause auf dem\nPlatze du Chateletwenigstens keine Miethe zu zahlen ha-\nben wird. Von den Neuigkeiten greifen die Aufführungen\nvon Maillart's Les Pecheurs de Caiane in das neue Jahr\nhinein. Uebrigens hat die Wiederaufnahme von Halevy s\nLe Val d'Andorre, das vor Jahren für die komische Oper\ngeschrieben war, die besten Einnahmen gebracht.\nIn den Bouffes Parisienshat dann\nes bis über dreihundert Vorstellungen gebracht! Alle\nneuen Stücke mussten sich der demüthigen Rolle fügen,\nnur in seinem Gefolge aufzutreten oder als Zwischenge-\nrichte der Abwechslung wegen eingeschoben zu werden.\nUebrigens waren ihrer nicht weniger als eilf; brauchte\nman aber Geld, so kam Orpheus auf den Zettel, und die\nCasse wurde sicher bestürmt. Jakob Offenbach fängt an,\noder vielmehr hört nicht auf, zu viel und dann natürlich\nauch zu schnell zu schreiben. Ausser einer Anzahl Musik-\nstücke für sein Theater hat er auch die Musik zum Ballet\nLe Papillon und zur komischen Oper Barkouf geliefert.\nEin hiesiges Blatt macht darüber die witzige Bemerkung:\n„Offenbach hat auch zwei Reisen in die Fremde gemacht,\ndie eine nach der grossen, die andere nach der komischen\nOper. Als er aber wieder nach Hause in die Passage\nChoiseul gekommen und dort den ewigen Orpheus wieder-\ngefunden, rief er mit freudigem Stolze aus:\nr, Plus je visTetranger, plus j'aimais !\"\nWer schreibt heutzutage nicht für die Oper? Sogar\neiner der originellsten Käuze unter den Musikern, der bis\njetzt die dramatische Musik nur durch die Zauberformel\nübte, mit welcher er die Nymphe Echo in den Concert-\nsaal bannte. Kein Anderer als Vi vier, der Meister auf\ndem Horn, hat die Oper La ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1423, "texte": "schrieben freilich nicht für Paris, sondern für Herrn\nBenazet in Baden-Baden. Nun, man weiss, dass die dort\nentdeckten Kometen zwar stets einen langen glänzenden\nSchweif in den Zeitungen nach sich ziehen, dann aber sich\nso unendlich weit in den kosmischen Raum verlieren, dass\nihre Wiederkehr gar nicht zu berechnen ist.\nUnter den übrigen musicalischen Ereignissen des ver-\ngangenen Jahres sind dann vor Allem die vier Concerte\nRichard Wagner's im italienischen Opernhause als Vor-\nläufer seines „Tannhäuser\" zu erwähnen. Diesen, den\n„Tannhäuser\", reihen die Sortirer jetzt zwischen Rossini's\n„Wilhelm Teil\" und Meyerbeer's „Robert der Teufe]\" ein\nviel Ehre und dennoch viel Verdruss für den Dichter\nund Componisten von Lohengrin und vor Allem von Tri-\nstan und Isolde, sich zwischen diese musicalischen Philister\ngestellt zu sehen. Die Aufführung dürfte sich noch einige\nMonate verzögern.\nDurch die allgemeine Einführung der herabgesetzten\nNormalstimmung in ganz Frankreich wird das Jahr 18ö0\nimmerhin eine musicalische Epoche bezeichnen.\nDie französische musicalische Literatur weis't als die\nbedeutendste Erscheinung die Veröffentlichung des ersten\nTheiles der neuen Ausgabe der Biographie universelle des\nMusiciens von J. Fetis auf. Erwähnenswert!» sind auch\ndie Souvenirs et Portraitsvon Halevv, der auch als\nSchriftsteller seinen Platz als Secretaire perpetuel de l'Aca-\ndemie des beaux artsehrenvoll ausfüllt.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "30", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.2.4", "titre_corps": "Karl Binder.", "titre_sommaire": "Karl Binder.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.5", "debut_caractere": 1425, "fin_caractere_exclue": 5089, "texte": "Karl Binder.\n(Nekrolog.)\nKarl Bind er war der Sohn des Hof-Clavierslimmers\nund Clavierverfertigers A. Binder und wurde am 29.\nNovember 1816 in Wien geboren. Kaum dem zartesten\nKnabenalter entwachsen, zeigte er schon eine besondere\nVorliebe für Musik, und seine Erholungsstunden widmete\ner ausschliesslich der Tonkunst, mit deren Geheimnissen\nund Schönheiten ihn der berühmte Capellmeister Ritter\nIgnaz von Seyfried bekanntmachte.\nAls er seine Studien vollendet, begann er, um seinen\nLebensunterhalt sich zu erwerben, als Clavierlehrer seine\nmusicalische Laufbahn.\nUnermüdlicher Fleiss und rastloses Streben liessen ihn\nbald eine solche Stufe künstlerischer Höhe erreichen, dass\ner, gestützt auf die Lehren seines Meisters und seine selbst\ngesammelten Kenntnisse, sich auch als Componist versuchen\nkonnte. Sein erstes Tonstück, ein Lied, erregte in musica-\nlischen Kreisen durch die Frische, Innigkeit und Zartheit\nseiner Motive allgemeines Aufsehen. Der damalige Director\nder Theater in Oedeuburg, Pressburg und Baden, J. Po-\nkorny, selbst ein vortrefflicher Musiker, erkannte bald\ndas in dem schüchternen jungen Manne schlummernde Ta-\nlent und engagirte ihn für seine Unternehmungen als Ca-\npellmeister. Obwohl in diesem neuen Wirkungskreise sei-\nnem schöpferischen Geiste wenig Gelegenheit zu bedeuten-\nderen Leistungen geboten wurde, so fand er doch wenig-\nstens hinlänglich Müsse, die Volksmusik aus den Werken\neines Conradin Kreutzer, Wenzel Müller u. s. w. gründ-\nlich kennen zu lernen und sich einen köstlichen Schatz von\nKenntnissen, die er in seinen späteren Engagements be-\nstens verwerthen konnte, zu sammeln. Erst nachdem Di-\nrector Pokorny das Josephstädter Theater käuflich an sich\ngebracht, begann für Binder ein regeres künstlerisches\nLeben. Er nahm im Jahre 1840 die Stelle des für das\nHol-Operntheater engagirten Capellmeisters Proch ein\nund behauptete sich in seiner neuen Sphäre so glücklich,\ndass ihm Director Pokorny die Compositionen der Musik\nfür mehrere Stücke übertrug, die einen so ehrenvollen\nErfolg sich errangen, dass sein Name in den musicalischen\nKreisen mit aller Anerkennung genannt wurde. Nament-\nlich für die damals vorzügliche Spiel-Oper interessirte er\nsich sehr lebhaft. Er war es, der im Jahre 1844 die mit\ngrossem Beil'alle aufgeführte Oper „Die Haimonskinder*\nvon Balfe dirigirte und durch seine meisterhafte und ener-\ngische Leitung viel zu dem Erfolge derselben beitrug. Da-\nmals waren die Damen Treffz, Hellwig, Mayer, die\nHerren Westen, Haim er, Dall'Aste, Reichmann\nu. s. w. für die ersten Partieen engagirt und die Spiel-\nOper auf die glanzvollste Stufe gebracht.\nNach mehrjährigem Wirken, während er an der Seite\nLortzing's, Titl's und Storch's sich einen bedeuten-\nden Namen errungen und auch in den beiden Theatern\nan der Wien wie in der Josephstadt, beide Eigenthum\nPokorny's, seine Befähigung dargethan, schied er, als Po-\nkorny das Theater in der Josephstadt an Megerle verkaufte,\naus dem bisherigen Wirkungskreise und liess sich neuer-\ndings für die letztgenannte Bühne als Capellmeister enga-\ngiren. Hier machte er alle Wechselfalle einer stürmischen\nZeit mit und nahm endlich einen sehr ehrenvollen Antrag\ndes Direclors Carl an, in dessen Thealer er im Jahre\n1851 seine Functionen begann. Bis zu dem Tode Carl's\nblieb Binder in diesem Künsller-Verbande; als aber im\nJahre 1854 Nestroy die Direclion des Carl-Theaters\nübernahm, konnte sich Binder mit ihm nicht einigen und\nging in Folge einer Einladung des damaligen Director»\ndes deutschen Theaters in Pesth, Herrn Haim er, dort-\nhin. Allein nach sechsmonatlichem Fernsein kehrte er nach\nWien in seine früher beim Carl-Theater innegehabte Stel-\nlung zurück."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3195, "texte": "Seit dieser Zeit blieb Binder als erster Capellmeister\nam Carl-Theater thätig, bis ihn seine letzte Krankheit be-\nfiel. Im Monat August zeigten sich die ersten Spuren einer\nMagen-Verhärtung, die trotz der sorgfältigen ärztlichen\nPflege bald eine gefahrdrohende Wendung nahm. Jede\närztliche Hülfe wurde unmöglich, und unter furchtbaren\nLeiden verschied er am 5. November 1860, eine trostlose\nWitwe und vier Kinder hinterlassend. Binder seihst hatte\nkeine Ahnung von seinem bevorstehenden Zustande; noch\nvierzehn Tage vor seinem Tode ging er aus, und erst als\ndie körperliche Schwäche so überhand nahm, dass er nicht\nmehr gehen konnte, blieb er im Zimmer, und nur mit\nMühe konnte er bestimmt werden, das Bett zu hüten. Er\nhatte alle Hoffnung auf das nächste Frühjahr gesetzt. Am\n4. November 1860 (seinem Namenstage) nahm er der\nSterbende—noch zahlreiche Gratulationen entgegen, nicht\nahnend, dass sie ihm für ein besseres Jenseits galten.\nVielen Trost in seinem kranken Zustande gewährte\nihm ein Schreiben des Directors Treu mann, seines lang-\njährigen Freundes, der ihm ein Engagement an seiner\nBühne zusicherte.\nDirector Brauer hatte kaum die Nachricht von dem\nHinscheiden Binder's erfahren, als er dessen Witwe die\nfür den Monat November fällige Gage von 140 Fl. über-\nsandte. Director Treumann hatte in echt freundschaft-\nlicher Weise die Bestreitung der Leichenkosten übernom-\nmen. Das feierliche Leichenbegängniss fand am 8. Novem-\nber, Nachmittags 4 Uhr, in der Wohnung des Verstorbe-\nnen Statt, wozu sich viele Freunde und Bekannte und eine\nMenge Schriftsteller und Künstler, Theater-Directoren und\nCapelimeister in dem Trauergemache eingefunden hatten.\nNachdem der Sarg geschlossen, sang das Chor-Perso-\nnal des Carl-Theaters das von Binder für Scholz's Lei-\nchenbegängnis componirte Trauerlied. Hierauf trat der\nPrediger Dr. Porubsky an den Sarg und sprach mit tief\nergreifenden Worten über das Leben und Wirken des\nMenschen und knüpfte hieran rührende Worte über das\nKämpfen und Ringen im Künstlerleben. Kein Auge blieb\ntrocken, die tiefste Rührung bemächtigte sich Aller.\nHierauf wurde der Sarg gehoben, nach dem vierspän-\nnigen Leichenwagen gebracht und nach dem evangelischen\nFriedhofe übergeführt. Eine endlose Reihe von Wagen\nfolgte.\nBinder's musicalische Thätigkeit war eine ausserordent-\nlich fruchtbare; er hat mehr als hundert grössere Werke\ngeschrieben, unter denen mehr als vierzig Possen und Vau-\ndevilles ganz bedeutenden Erfolg hatten, da Binder für\nkomische Musik ein ganz entschiedenes Talent besass.\n. Für das Carl-Theater richtete er die Offenbach'schen\nOperetten: Hochzeit bei Laternenschein, Mädchen von Eli-\nsonzo, Schuhflicker und Millionär, Zaubergeige, Savoyar-\nden und Orpheus ein, und instrumentirte sie reicher.\nSein bestes Werk ist unstreitig die Musik zur,„Tann-\nhäuser-Parodie\", welche zu den trefflichsten humoristi-\nschen Arbeiten der Tonkunst gehört. Binder besass viel\nFrische und Lebendigkeit in seinen Schöpfungen, seine\nMelodieen sind grösstentheils populär geworden und wer-\nden, namentlich was seine Gesangstücke anbelangt, noch\nlange im Munde des Volkes bleiben. Mit ihm wurde eine\nechte Künstler-Natur einer besonderen Gattung zu Grabe\ngetragen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-26_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.2.5", "titre_corps": "Musicalische Trauerfeiern auf den Tod des Königs Friedrich Wilhelm IV.", "titre_sommaire": "Musicalische Trauerfeiern auf den Tod des Königs Friedrich Wilhelm IV.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.6", "debut_caractere": 3197, "fin_caractere_exclue": 5591, "texte": "Musicalische Trauerfeiern auf den Tod des Königs\nFriedrich Wilhelm IV.\nAm Sonntag den 20. Januar, Mittags um 12 Uhr, veranstaltete\nder kölner Mannergesang-Verein im grossen Casinosaale\nunter Leitung des k. Musik-Directors F. Weber eine Gedächtniss-\nfeier für den dahingeschiedenen König. Eine zahlreiche Zuhörerschaft,\nan ihrer Spitze die hohen Militär- und Civil-Behörden, hatte der\nEinladung des Vorstandes, die durch besondere Karten erfolgt warr\nentsprochen und füllte alle Räume des Saales und der Galerieen.\nDer Verein betrachtete die Trauerfeier als einen Act der innig-\nsten Pietät für den hochseligen König» Seine Majestät hatten im\nJahre J855 die Beglückwünschung zu Höchs-tihrem Geburtstage gnä-\ndigst anzunehmen geruht und den Vortrag einiger Lieder in den\nGemächern des Schlosses Sanssouci der huldvollsten Beachtung und\ndes ehrenvollsten Beifalls gewürdigt. Allerhöchstdieselben hatten\ndem Vereine die grosse goldene Medaille für Kunst, ferner Corpora-\ntionsrechte verliehen, und die Hoffnung auf die UebernahmQ' des\nköniglichen Protectorates von Seiten Sr. Majestät blieb nur durch\nden unerforschlichen Eathschluss der Vorsehung, der das Land in\nBestürzung und Trauer versenkte, unerfüllt.\nDas Programm der Gedächtnissfeier wurde auf würdige und\ndurch den innigen Vortrag der Gesänge tief eindrucksvolle Weise\nausgeführt. Der Choral »Jesus meine Zuversicht\" von B. Klein\neröffnete die Feier. Ihm folgten r Bardenchor\" von Sil eher (mit\nveränderten Worten der ersten und zweiten Strophe), „Ecce, quomodo\nmoritur Justus* von Palestrina, „Hoffnung\" von J. C. Schärt-\nlich. Hierauf sprach L. Bischoff, Ehren-Mitglied des Vereins,\nein von ihm für die Feier verfasstes Gedicht: „Der Sänger am Grabe\ndes Königs\", worauf • unmittelbar das Lacrimosa dies illa und Pie\nJesu Domine aus Cherubini's Bequiem einfiel. Hierauf folgte\nSilcher's Chor: „Stumm schläft der Sänger\", und das Salvum fac\nHegern von G. Föllmer beschloss die Feier, die von allen Anwe-\nsenden mit innigster Theilnahme Bnd andächtiger Aufmerksamkeit\nbegangen wurde.\nDas sechste Gesellschafts-Concert im Gürzenich unter\nLeitung des Capellmeisters F. Hill er war von der Concert-Direc-\ntion zur »Trauerfeier für Seine Majestät den hochseli-\ngen König Friedrich Wilhelm IV.\" bestimmt worden und\nfand am Dinstag Abends den 22. Januar Statt. Der Saal gewährte\neinen erschütternden Anblick: der ganze Chor und die Zuhörerschaft"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1557, "texte": "an anderthalb Tausend Menschen waren in Trauerkleidern\nerschienen. Die Vorderseite der Tonbühne zierten Draperieen von\nschwarzem Sammt und Silber, an den Seiten hohe goldene Cande-\nlaber mit umflorten Fahnen und Opferflammen.\nNach einem für diese Feier von F. Hill er componirten »ele-\ngischen Marsche\" sprach Herr Laddey ein Gedicht: „Zur Er-\ninnerung\", von Wolfgang Müller. Darauf erklangen die Accorde\nMozart's, der Chor hatte sich erhoben und stimmte: Requiem\naeternam dona eis Domine, et lux perpetua luceat eis! an. Es war\nein sehr feierlicher Moment; das unvergängliche Denkmal Mozart's\nergriff durch den Verein von rein menschlicher Empfindung, religiö-\nser Anschauung und künstlerischer Auffassung, die sich in ihm zur\nEinheit und zum eigentümlichen Ausdruck von Mozart's auf das\nHöchste gerichteter künstlerischer Natur verschmolzen, wieder ein-\nmal Aller Herzen mit Trost und erhebender Andacht.\nDie Solo-Partieen wurden von Fräulein Rothenberger und\nFrau 8., Herrn A. Pütz und Herrn K. Hill-Mal aper t aus\nFrankfurt a. M, gesungen.\nWas konnte auf das Requiem anders folgen zur Feier des An-\ndenkens an den dahingeschiedenen König, als jenes erhabene Tonwerk\nBeethoven's, das er Sinfonia eroica genannt hat? Die Ausfüh-\nrung war vortrefflich ; dazu kam die feierliche Stimmung der Zuhö-\nrerschaft, so dass die grossen Gedanken, die wunderbar verwebten\nMelodieen und die erschütternden Harmonieen namentlich des ersten\nSatzes und des Trauermarsches wohl selten so in ihrer ganzen Be-\ndeutung und Tiefe aufgefasst worden sind, als an diesem Abende."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-01-26-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-01-26_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-01-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.7", "debut_caractere": 1559, "fin_caractere_exclue": 7135, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSignora Trebelli, die in ihrer Matinee im Opernbause in Ber-\nlin am 30. December v. J. 84 Bouquets zugeworfen erhalten hatte,\nund am 31. Abends in ihrer Abschieds-Vorstellung als Arsaces in\nder Oper rSemiramisu mit vielfachem Hervorruf und anderen Aus-\nzeichnungen überhäuft wurde, reis'te am 1. Januar nach Amster-\ndam, wo sie einen Monat spielen wird. Die Künstlerin geht dann\nauf zwei bis drei Monate nach Brüssel und wird im Frühling in ddr\ngrossen Oper zu Paris auftreten.\nflßrt si. IfJL Die vor einigen Tagen gehaltene Gene-\nral-Versammlung der Theater-Actionäre hat beschlossen, bei unse-\nrem Senate um die Erneuerung der Concession und eine jährliche\nSubvention von 6000 Fl. aus Staatsmitteln einzukommen, das gros-\nsentheils geschwundene Actien-Capital aber vorerst nicht zu com-\npletiren. Wie wir hören, ist eine neue Actien-Gesellschaft im Ent-\nstehen, welche einen Fonds von 100,000 Fl. zusammenschiessen und\ndie Leitung des Theaters ohne Staats-Subvention übernehmen will.\nEs stehen, wie es heisst, die ersten hiesigen Banquiers mit an der\nSpitze dieser neuen Gesellschaft. (Südd. M-Z.)\nDie leipziger »Neue Zeitschrift für Musiktf kündigt in ihrer\nNeujahrs-Nummer den Zusammentritt einer zweiten Tonkünstler-Ver-\nsammlung an, welche beiläufig Ende Juli oder Anfangs August\nd. J. in Weimar Statt finden soll. Der Hauptzweck der Versamm-\nlung wird die Berathung und Feststellung der Statuten eines zu\ngründenden rAllgemeinen deutschen Musik-Vereins\"1 sein ; ausserdem\nwerden drei grosse Musik-Aufführungen veranstaltet.\nHermann Breiting, der, wie früher gemeldet, am 5. Decem-\nber v. J. im Irrenbause zu Hofheim, 57 Jahre alt, gestorben, war\nder Sohn eines Arztes, zu Augsburg den 23. October 1804 geboren,\nund widmete sich in Würzburg den medicinisehen Studien (1822 bis\n1826); verliess dann die Universität und verwerthete seine musicali-\nschen Kenntnisse, indem er 1826 im Herbste das Hoftheater zu\nMannheim betrat, wo er in der Oper „Titus\" als erster Tenorist so\ngefiel, dass er zu einem ehrenvollen Gastspiele nach München (1827),\ndann nach Berlin (1828) eingeladen wurde. Hier erhielt er Engage-\nment auf sechs Jahre; dasselbe wurde jedoch wegen einer gefähr-\nlichen Krankheit des Künstlers durch königliche Cabinets-Ordre wie-\nder aufgelöst. Er verlor einen Process gegen die Intendantur und\nging auf Reisen. 1832 gastirte er im k. k. Hof-Operntheater zu\nWien, wurde Mitglied dieser Bühne und durch fünf Jahre der Lieb-\nling des dortigen Publicums. 1837 wurde er in Petersburg engagirt,\nkehrte jedoch 1840 in sein Vaterland zurück und war 20 Jahre lang\nam Hoftheater zu Darmstadt angestellt. Breiting hatte eine starke\nBruststimme, welche eben so kräftig als angenehm war, einen schö-\nnen dramatischen Vortrag und gehörte unbedingt zu den ersten Te-\nnoristen Deutschlands. Seine Hauptrollen waren: Robert der Teufel,\nEleazar, Sever, Raoul, George Brown u. s. w.\nStuttgart« Die ging am 23. December v. J.\nüber unsere Bühne und fand eine so begeisterte Aufnahme, dass\nman sich hüten wird, sie, wie so manches andere Gute, bloss dess-\nhalb einstudirt zu haben, um es dann wieder unbeachtet liegen zu\nlassen. Vor Allem zündete das grosse Duett im dritten Acte zwischen\nFrau Marlow und Herrn Sontheim, dessen Allegro im 4/4-Tacte\nstürmisch da capo begehrt wurde. Aber auch die sämmtlichen übri-\ngen Nummern wurden lebhaft applaudirt, und am Schlüsse sprach\nsich die Befriedigung der Anwesenden über diese Retablirung einer\nMozart'schen Oper in einer lauten Beifallesalve aus, eine Ehre, die\nnur den allerbeliebtesten Sachen zu Theil wird.\nBlrestfeil» Frau Sophie Förster von hier, welche vor Kur-\nzem wieder mit ausserordentlichem Beifall in Magdeburg concertirt\nhat, wird dem Vernehmen nach für diesen Winter mehreren auswär-\ntigen Engagements nachkommen. Da wir Gelegenheit hatten, ge-\nnannte Sängerin öfter in hiesiger Stadt zu hören und zu bewundern,\nso macht es uns Freude, Öffentlich zu bekennen, dass wir sie zu\nden gediegensten Künstlerinnen der Gegenwart zählen müssen. Ge-\nwiss ist es selten, wenn Virtuosen von Ruf sich fortwährend noch\ndem sorgfältigsten Selbstunterricht hingeben und Kunst-Ausübung\nmit Kunst-Erkenntniss unausgesetzt vereinigen. Um so gewichtiger\nerscheint dieser Vorzug bei einer Frau, wenn sie, wie Sophie För-\nster, eine gleich hohe Stufe in Ausübung des Gesanges, wie als\nLehrerin desselben einnimmt. Ihre Stimme, ein sehr umfangreicher,\negaler und frischer Sopran, ist so gebildet, dass sie alle Nuancen\nder Steigerungsgrade vom Pianissimo bis zum Forte in ihrer Gewalt\nhat. Das Tragen des Tones gelingt ihr eben so vorzüglich, wie die\nperlende Leichtigkeit der Coloratur. Was aber den Gesang der So-\nphie Förster über so viele derartige Leistungen erhebt, ist die gei-\nstige Auffassung, welche allen ihren Vorträgen innewohnt. Möchte\ndoch die Künstlerin, deren Ruf als Oratorien- und Concert-Sängerin\nsich schon seit längerer Zeit festgestellt hat, ihre Thätigkeit auch\nnoch auf das Bühnenleben übertragen! Da ihre Leistungen so un-\nverkennbar bedeutende dramatische Befähigung offenbaren, so würde\nsie als Opernsängerin gewiss noch reichere Gelegenheit finden, für\nihre Kunst verdienstvoll zu wirken L. N., geb. K.\nDie Zahl der für den Neubau des Opernhauses einge-\nlaufenen Concurrenz-Pläne betiägt fünfunddreissig, von denen drei-\nunddreissig im eigentlichen Sinne Bau-Entwürfe sind, zwei hingegen,\nbezeichnet mit den Devisen: 3 K 49, und: J. Defries et Sons in\nLondon, bloss Schriftstücke enthalten. Diese Entwürfe rühren, so\nweit man dies aus dem Orte der Absendung erkennen kann, grossen-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3606, "texte": "theils von österreichischen Künstlern her, doch sind auch Projecte\naus Berlin, München, Paris u. a. 0. eingeschickt worden. Dieselben\nwerden vom 21. bis einschliesslich 31. Januar d. J. in dem Gebäude\nder k. k. Akademie der bildenden Künste (Annagasse Nr. 98ü) von\n10 bis 4 Uhr zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt.\nFrau Csil lag's Gastspiel-Reise nach America wird wegen Ban-\nkerotts des Impresario, der sie unter glänzenden Bedingnissen enga-\ngirte, unterbleiben. Die new-yorker Theater-Verhältnisse haben sich\nin der gegenwärtigen Krisis sehr misslich gestaltet. Frau Csillag\nsoll sehr vorteilhafte Anträge aus Berlin erhalten haben.\nAm ]4 d. Mts., berichtet die Wiener Zeitung, empfing Se. Exc„.\nder Herr Staats-Minister Ritter v. Schmerling die Deputation der\nwiener Künstlerschaft abermals, um die (jüngst in Aussicht gestellte)\nDenkschrift entgegen zu nehmen, welche die Berechtigung der Kunst\nim Staate und die Notwendigkeit ihrer Förderung zur gedeihlichen\ngeistigen Entwicklung darthut und dringend um die Anwendung\njener Mittel bittet, welche geeignet sind, unsere anomalen Kunst-\nzustände zu beseitigen und auf einer soliden Basis dieselben einer\ndauernden Besserung zuzuführen* So wie das erste Mal, äusserte\nSe. Excellenz auch diesmal in freundlichster Weise seine warmen\nSympathieen für die Kunst und die Künstler,, die hohe Bedeutung\nund notwendige Pflege der Kunst zur Bildung und Veredlung des\nGeistes anerkennend, und entliess die Deputation mit der wiederholten\nwohlwollenden Versicherung, die Sache möglichst fördern zu wollen.\nFrau Bürde-Ney ist am 10. Januar in Dresden nach mehr-\nmonatlicher Krankheit als Fidelio zum ersten Male wieder aufge-\ntreten zur Freude aller Kunstfreunde und aufs freudigste begrüsst\nvon dem zahlreich versammelten Publicum. Das Organ zeigte sich\nnicht afficirt.\nAls eine für die Biographen J. S. Bach's jedenfalls nicht un-\nwillkommene Gabe wird hiermit nachstehendes Protocoll aus den\nActen des Käthes zu Arnstadt veröffentlicht (s. den „Aufruf* in Nr.\n3 d. Bl. von H. B. Stade):\nActum den 29. Juny 1707.\nErscheint Herr Johann Sebastian Bach, bissheriger Organist zur\nNeuen Kirchen, Berichtet, dass er nach Mühlhausen Zum Organisten\nb-eruffen worden, auch solche Vocation angenommen habe. Bedankte\nsich demnach gegen dem Rathe gehorsambst, vor bissherige Be-\nstallung und bittet umb Dimission, Wollte hiermit die Schlüssel\n2ur Orgel dem Rathe, von deme er sie empfangen, wieder überlie-\nfert haben. D. R. Z. A.\nDie diesjährige Saison begann wie gewöhnlich\nim Anfange des September v. J. Die Oper spielte auch diesmal die\nHauptrolle, ohne doch bis jetzt sonderlich Neues gebracht zu haben.\nEs gingen Mozart's „ZanberSötü*, „Don Juan-4 und „Figaro's Hoch-\nzeit\", Weber's „Oberon\" und rFreischütz*, Flotow's „Stradella\" und\nVerdi's »Troubadour44 über die Bretter. Unter diesen Vorstellungen\nhatte namentlich „Don Juan* ein zahlreiches, gebildetes Publicum\nangezogen, das mit den Leistungen im Ganzen und Einzelnen sich\nsehr zufrieden erklärte. Als Agathe, Donna Anna, Reziar, Gräfin im\n„Figaro* zeichnete sich Frau Michaeli, ehemals Frau Michal\nauch in Deutschland bekannt, besonders aus. Die Susanna sang Fräu-\nlein Gelhaar und den Figaro mit glücklicher Laune Herr Lund-\nberg. Den Stradella sangen abwechselnd Herr Richard (deutscher\nHerkunft) und Herr Arn ol dsen , die Leonore ebenfalls Frau Mi-\nchaeli. Die Oper „Gustav Wasa\" von Kellgreen, nach König Gu-\nstafs 111. Plan, mit Musik des Deutschen Naumann, neu instrumen-\ntirt von Ignaz Lachner, wurde auch ein Mai gegeben.\nDie neueste Oper von Scribe und Auber führt den Titel: „Die\nCircaasierin*."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie grosse Dom-Orgel zu Halberstadt. Von M.-D, Otto Braune. Pariser Briefe. I. Von B. P. Karl Binder\n(Nekrolog). Musicalische Trauerfeiern auf den Tod des Königs Friedrich Wilhelm IV. Tages- un-d Unterhaltungsblatt\n(Signora Trebelli Frankfurt am Main Tonkünstler-Versammlung - Hermann Breiting Stuttgart Dresden Wien J. Seb.\nBach Stockholm).\n\nDie grosse Dom-Orgel zu Halberstadt.\n\nDer Dom zu Halberstadt in der Provinz Sachsen ist\neine der schönsten und grössten Kathedralen Deutschlands;\nim reinsten gothischen Style erbaut, zieht er viele Kenner\nund Freunde der Baukunst hieher, die, wenn sie einmal\nseine einzig schönen architektonischen Verhältnisse bewun-\ndert haben, jede Gelegenheit benutzen, ihn wieder zu be-\nsuchen. Zu diesen Bewunderern werden sich nun auch\ndie Musikfreunde und Kenner von Orgelwerken gesellen,\num die jetzt vollständig erneuerte und vergrösserte Dom-\nOrgel zu sehen und zu hören. Auf dieses seltene, gross-\nartige Orgelwerk, welches durch Herrn Orgelbaumeister\nBuchholz aus Berlin erneuert und vervollständigt worden\nist, aufmerksam zu machen, ist der Zweck nachstehender\nZeilen.\nBereits im Jahre 1361 besass der Dom eine der aller-\nersten Orgeln, welche von dem ältest-bekannten deutschen\nOrgelbauer, dem Geistlichen Nikolaus Faber, erbaut\nworden. Diese für die damalige Zeit grosse Orgel hatte\n14 diatonische und 8 chromatische Tasten, im Umfange\nvom grossen Hbis zum eingestrichenen Diese 22 Ta-\nsten waren auf 2 Manuale vertheilt, von denen das obere\ndie Sopran-, das untere die Bass-Töne hatte. Den für das\nWerk erforderlichen Wind lieferten 20 Faltenbälge, wozu\n10 Bälgezieher nöthig waren. Register besassen die da-\nmaligen Orgeln noch nicht; die Pfeifen waren zu einer\nMixtur zusammengestellt. Bei der damaligen Unvollkom-\nmenheit der Mechanik war es jedoch kaum möglich, die\neinfache Melodie eines Gesanges, noch weniger aber eine\nharmonische Begleitung auszuführen; die schweren und\nsehr breiten Claves konnten nur mit den Fäusten nieder-\ngeschlagen werden, gerade wie dies noch heute mit dem\nGlockenspiel auf Kirchtürmen geschieht.\nNachdem 1471 ein Deutscher, Namens Bernhard,\ndas Pedal erfunden, wurde die Dom-Orgel 1495 durch\nGeorg Kleng renovirt und erhielt ein Pedal, welches\nnur aus acht Claves bestand, die, da das Pedal keine\nbesonderen Pfeifen hatte, mittels kleiner Stricke mit den\nManual-Tasten verbunden wurden. Diese Orgel in ihrem\ndamaligen Zustande kann jedoch höchstens bis Mitte des\nsechszehnten Jahrhunderts in der Domkirche gespielt wor-\nden sein, denn eine zweite Orgel, deren Erbauer unbe-\nkannt geblieben, wurde schon Ende des siebenzehnten\nJahrhunderts aus dem Dome nach der hiesigen St.-An-\ndreas-lvirche überführt, und wird, nachdem sie eine be-\ndeutende Reparatur erhalten, noch heute, obgleich in\neinem sehr kläglichen Zustande, gebraucht. Diese Orgel\nhatte damals 2 Manuale, 1 Pedal und 30 Stimmen.\nDie dritte Dom-Orgel, von Heinrich Herbst und\nSohn aus Magdeburg für 12,000 Thlr. erbaut und am\n19. Juli 1718 fertig übergeben, hatte 5 Manuale, näm-\nlich 3 über einander liegende nebst Pedal und 2 davon\ngesonderte auf beiden Seiten der Orgel, von denen das\neine im Kammertone stand. Durch diese eigenlhümliche\nEinrichtung konnten nun zwar drei Spieler gleichzeitig die\nOrgel spielen, da indessen nur zwei Ciaviere gekoppelt\nwerden konnten, so hatte sie den Nachtheil, dass im vollen\nWerke kaum die Hälfte der Stimmen von einem Spieler\nzu benutzen war. Das eine Seiten-Ciavier war überhaupt\nnur der Symmetrie wegen vorhanden, und war, da es keine\nbesonderen Stimmen hatte, mit dem Unter-Clavier verbun-\nden. Diese Orgel hatte 65 Stimmen, welche durch acht\ngrosse Bälge ihren Wind erhielten. Die Intonation der\nStimmen, so wie das Material derselben war eben so schön\nund solide, wie dies bei den berühmten Silbermann'schen\nOrgeln der Fall ist; sie hatte indessen auch dieselben Män-\ngel, welche allen älteren Orgeln eigen sind.\nIm Jahre 1838 wurde diese Orgel von dem verstor-\nbenen Orgeibaumeister Schulze zu Paulinzelle in allen\nihren Theilen (mit Ausnahme des Gehäuses und der Zun-\ngenstimmen) fast wie ganz neu erbaut. Sie bekam vier"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.2", "texte": "über einander liegende Manuale (von denen die drei unte-\nren gekoppelt werden konnten) und ein Pedal. Die vier\nManuale hatten den Umfang von C, bis zum dreige-\nstrichenen /; das Pedal von C, Cis durch zwei Octaven\nchromatisch bis zum eingestrichenen Sie erhielt 8 neue,\n12 Fuss grosse Bälge, von denen 4 den Manualen und 4\ndem Pedal den nöthigen Wind lieferten. Die Tonhöhe,\nwelche früher Chorton war, wurde Kammerton.\nDurch die bereits ein Decennium andauernde Restau-\nration des Domes selbst hatte jene Orgel so sehr gelitten,\ndass es kein Wunder war, wenn viele Stimmen und Pfei-\nfen, in denen der Kalkstaub fast einen halben Zoll hoch\nlag, nicht mehr ansprachen und ihren Dienst versagten.\nEine gründliche Reinigung und Reparatur war unumgäng-\nlich nothwendig, wenn das schöne Werk nicht ganz der\nZerstörung Preis gegeben werden sollte. Die königliche\nRegierung zu Magdeburg übertrug dem durch Erbauen\nvieler schönen und grossen Orgelwerke rühmlichst bekann-\nten Orgelbaumeister Buch holz und Sohn in Berlin diese\nReparatur, und nachdem Herr Buchholz diesen ehrenvol-\nlen Auftrag in wahrhaft künstlerischer Weise ausgeführt\nhatte, wurde die Dom-Orgel in ihrer jetzigen Gestalt am\n9. November vorigen Jahres wieder dem Gebrauche über-\ngeben. Herr Buchholz jun., der längere Zeit in dem\nAtelier von Cavaille-Col in Paris gearbeitet und sich\ndort in seiner Kunst vervollkommnet, hat in eben so kunst-\nfertiger als bescheidener Weise hierbei seine grosse Mei-\nsterschaft bewährt, und hat mehr geleistet, als bei den be-\nschränkten Mitteln zu erwarten stand. Er hat das ganze\nWerk von Staub und Schmutz gereinigt, sämmtliche Stim-\nmen so meisterhaft intonirt, dass sowohl die sanfteren\nCharakterstimmen als auch die übrigen Füllstimmen im\nvollen Werke ihres Gleichen suchen; dann hat er fast\nsämmtliche Zungenstimmen neu gefertigt, und da früher\ndie drei unteren Manuale gekoppelt nur mit grosser An-\nstrengung zu spielen waren, durch eine pneumatische\nMaschine diesen Uebelstand so glänzend beseitigt, dass\nnunmehr jene drei Manuale gekoppelt so leicht zu spielen\nsind, als früher ein einzelnes Manual. Ferner hat Herr\nBuchholz durch eine sinnreiche, aber höchst einfache Vor-\nrichtung ein Crescendo und Decrescendo für die acht Stim-\nmen des oberen Vier-Fuss-Manuals hergestellt, wodurch\ndiese sanften Stimmen eine dreifache Modification erhalten\nhaben. Hat Herr Buchholz, wie oben erwähnt, alle Stim-\nmen meisterhaft intonirt, so scheint er namentlich die zar-\nteren Stimmen dieses Manuals mit besonderer Liebe be-\nhandelt zu haben; denn hört man unmittelbar nach Accor-\nden des vollen Werkes dieses Manual mit seinen wunder-\nvollen Charakterstimmen, so wird man durch die hier in\nsolcher Vollendung noch nie gehörten Töne überrascht\nund wahrhaft hingerissen. Das volle Werk aber entwickelt\neine Grossartigkeit in Ton, Kraft und Glanz, die überwäl-\ntigend ist und bei allen denen, die Gelegenheit hatten, das-\nselbe zu hören, Staunen erregt hat. Die Disposition des\nWerkes ist jetzt folgende:\nA. Hauptwerk.\n1. Principal 16 Fuss aus reinem engl. Zinn, mit auf-\ngeworfenen Labien im Prospect, von C bis G von\nHolz im Inneren der Orgel.\n2,, Octave 8 Fuss von Metall.\n3. Octave 4 „ n „\n4. Octave 2 „ „ „\n5. Quinte 22/3 „ „ „\n6. Bordun 32 F. von Metall, beginnt beim kleinen\n7.Mixtur sechsfach 2 Fuss von Zinn.\n8. Scharff vierfach 2 „ „ „\n9. Cornett vierfach von Zinn.\n10. Gemshorn 8 Fuss von Metall.\n11. Gedact 8 „ „\n12. Nasard 51/3 „ „ „\n13. Gedact 4 „ „ „\n14. Trompete 16 Fuss,\n15. Trompete 8 Fuss, beide mit aufschlagenden Zun-\ngen; die Schallbecher von berliner Probezinn.\nAnmerk. Das sämmtliche Zinn ist 121öthig.\nB. Zweites Manual.\n1. Principal 8 Fuss von engl. Zinn im Prospect,\n2. Octave 4 „ „ Metall.\n3. Octave 2 „ „ „\n4. Quinte 22/3 „ „ „\n5. Mixtur fünffach 2 Fuss von Zinn.\n6. Cimbel dreifach 1 „ „ „\n7. Hohlflöte 8 Fuss von Eichenholz.\n8. Viola da Gamba 8 Fuss von Zinn.\n9. Flöte 4 Fuss von Eichenholz.\n10. Gedact 8 Fuss von Metall.\n11. Quintatön 16 Fuss von Metall, von bis , von\n• Holz.\n12. Gross-Gedact 16 Fuss von Metall.\n13. Hautbois 8 Fuss, die Schallbecher von berliner\nProbezinn.\nC. Drittes (unteres) Manual.\n1. Principal 8 Fuss von Zinn.\n2. Octave 4 B „ Metall.\n3. Octave 2 „ „ Zinn.\n4. Mixtur vierfach „ „\n5. Cornett dreifach „ „\n6. Salicional 8 Fuss „ „\n7. Spitzflöte 4 „ „ Metall.\n8. Nasard 22/s „ „ n"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.3", "texte": "9. Gedact 8 Fuss von Holz.\n10. Bordun 16 „ „ Eichenholz.\n11. Vox angelieaB Fuss, die Schallbecher von ber-\nliner Probezinn.\nD. Viertes (oberes) Manual.\n1. Principal 4 Fuss von Metall.\n2. Terpodion 8 „ „ Zinn.\n3. Harmonica 8 „ „ berliner Probezinn.\n4. Flauto traversoB Fuss von Holz, gebohrt.\n5. dito 4 „\n6. Lieblich Gedact 16 „ „ Holz.\n7. dito 8 „\n8. Physharmonica 8 „ die Schallbecher von\nZink.\nE. Pedal.\n1. Principal 16 Fuss von engl. Zinn im Prospect.\n2. Octave 8 „ „ Holz.\n3. Octave 4 „ „ Metall.\n4. Mixtur vierfach 4 Fuss von Zinn.\n5. Cornett fünffach von Zinn.\n6. Violone , 16 Fuss von Holz.\n7. Violoncello 8 „ „ „\n8. Subbass 16 Fuss,\n9. Subbass 16 Fuss, beide von Holz (der eine offen,\nder andere gedeckt).\n10. Nasard 5V3 Fuss von Metall.\n11. Tertie 62/5 „ „ „ ....\n12. Gedact 8 „ „ Holz.\n13. Grossnasard 102/3 „ „ Eichenholz.\n14. Untersatz 32 „ „ Holz.\n15. Trompete 4 Fuss,\n16. Trompete 8 Fuss, bei beiden die Schallbecher\nvon berliner Probezinn.\n17. Posaune 16 Fuss,\n18. Contraposaune 32 Fuss, bei beiden die Schall-\nbecher von Eichenholz.\nF. Nebenzüge.\n1. Koppel zum Unterwerk.\n2. „ zum Oberwerk.\n3. „ zum Pedal.\n4. Sperr-Ventil zum Hauptwerke.\n5. „ zum zweiten Manual.\n6. „ zum dritten Manual.\n7. „ zum vierten Manual.\n8. „ zur grossen Basslade.\n9. „ zur kleinen Basslade.\n10. Glockenspiel des Manuals.\n11. Cimbelstern.\n12. Evacuant.\n13. Pedal-Verschluss.\n14. Calcantenglocke für die Manualbälge.\n15. „ für die Pedalbälge.\nIn Summa 80 Registerzüge, von denen 65 zu klin-\ngenden Stimmen. Bälge sind 10 vorhanden, von denen\n4 den Manualen, 4 dem Pedal und 2 der pneumatischen\nMaschine den erforderlichen Wind geben. Das Crescendo\nund Decrescendo wird durch Herabdrücken eines eisernen\nTrittes (ähnlich den Pedaltritten an den Flügeln), welcher\noberhalb der Pedalclaves angebracht ist, leicht bewirkt.\nKenner und Freunde von Orgeln, welche hieher kom-\nmen und sich von der Grossartigkeit des Werkes, so wie\nvon meiner wahrheitsgetreuen Schilderung desselben über-\nzeugen wollen, mögen sich an meinen Collegen, den Herrn\nDom-Organisten und Musik-Director Ferd. Baake wen-\nden, welcher gern bereit sein wird, das prächtige Werk\nkunstverständigen und kunstsinnigen Fremden vorzuführen.\nHalberstadt, im Januar 1861.\n\nOtto Braune, k. Musik-Director.\n\nPariser Briefe.\n\nI.\nWenn wir einen Rückblick auf die Musik in Paris im\nJahre 1860 werfen, so bietet er in der That sehr wenig\nErfreuliches dar. Alles, was öffentliche musicalische Lei-\nstungen bedingt, ist im Steigen bis auf unerhörte Stufen\nbegriffen, Ansprüche des Publicums und der Künstler,\nSelbstüberschätzung, unerschwingliche Forderungen; nur\ndie Talente halten nicht Schritt mit diesen immer mehr\nanschwellenden Fluten, sie werden nicht von ihnen getra-\ngen und gehoben, sondern um mit dem Strom wenigstens\nfortzuschwimmen, stürzen sie sich hinein und gehen darin\nunter. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur\nAug' und Ohr aufzuthun auf die dramatisch-musicalische\nProduction dieses Jahres, welche sehr wenig Früchte er-\nzeugt hat, die das Jahr ihrer Geburt überleben werden.\nNie war die Armuth an wirklich guten Werken so auf-\nfallend; auf zwei oder drei Werke, wir wollen nicht sagen:\nvon grossem, aber doch von einigem Werthe kommt eine\nUnzahl von Fehlgeburten, die schon in den Textbüchern\nden Keim des Todes tragen; denn die meisten so genann-\nten Operngedichte scheinen geradezu nur gemacht zu sein,\num ihre Musik mit sich ins Verderben zu ziehen.\nDie schlechten Geschäfte der Opern-Theater zeigten\nsich denn auch in dem Wechsel der Directoren, von denen\nschon von Frühjahr bis Sommer zwei zurücktraten, ohne\nihre Vermögens-Umstände verbessert zu haben. Ob ihre\nNachfolger glücklicher sein werden?\nFreilich die grosse Oper, wie die Götter in der Höhe\nin ewig reinem Aether thronend, dem die financiellen Ge-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.4", "texte": "witterstürme der niederen Atmosphäre fern bleiben, ge-\nniesst in Ruhe und Frieden der Vortheile, welche ihre\nhohe Stellung ihr sichert, und der Einnahmen, welche\nihre getreuen Canäle, die Eisenbahnen, aus allen Himmels-\nO ...\nGegenden ihr zuführen. Ohne aus der ruhigen Majestät\nihrer charaktervollen Haltung irgendwie herauszutreten,\nbat sie uns eine ganz neue Oper gegeben, eine halb neue\nund ein neues Ballet: „Pierre Rossini's „Sc-\nmiramis\" und „Den Schmetterling\" (le Papillon). Semi-\nramis war übrigens ein sonderbar zurecht gemachtes Stück\neine italiänische Oper ins Französische übersetzt\nfür das Auftreten zweier Itali än eri nn e n auf dem fr an -\nzösischen Opern-Theater! Ausser diesen beiden Damen,\nden Schwestern Marcbisio, waren Madame Vandenheuvel-\nDuprpz und Mademoiselle Marie Sax im Robert neu. Die\nletztere und den Tenoristen Michot halte die grosse Oper\ndem Theätre lyrique entnommen; jene hat nämlich das\nöberherrlichkeitsrecht über dieses: mit sechs Monaten\nKündigung darf sie jedes Mitglied des lyrischen Theaters\nzu sich herüberziehen, sollte auch der Director darüber\nzu Grunde gehen.\nAn der komischen Oper war Le Roman d'Elvire das\nerste und ohne Frage auch das beste neue Werk; es hat\nsich auch bis jetzt gehalten und wird vielleicht noch etwas\nlänger leben. Le Chäteau Trompette, missgestaltetes Buch\nund gehaltlose Musik, ist längst wieder verschwunden. Von\nliita, aus dem Nachlass eines todten Componisten, und von\nL'Habit de milord, aus der Feder eines lebenden Dilettan-\nten, ist nicht viel zu melden. Da kam der Thronwechsel\nim Directorat; der neue Regent (Herr Beaumont) hatte\nGlück, ein warmer Regen tränkte den dürren Boden, der\neinige schöne Blüthen trieb, die Vorstellungen, in denen\nRoger und Mademoiselle Trebelli auftraten. Letztere\nkam aus Spanien, sie ist aber eine Französin, trat nur\neinige Male auf, ging von hier zu euch nach Köln zur Ge-\nsellschaft Merelli's und hat, wie bekannt, nachher in Ber-\nlin eine Berühmtheit erlangt, deren sie in vieler Hinsicht\nvollkommen würdig ist. Sie wird zum März hieher zurück-\nkehren. Roger hatte durch das Auftreten auf dem früheren\nBoden seines Ruhmes wieder Geschmack an derjenigen\nOperngaltung bekommen, für die er eigentlich geschaffen\nist, und erfreute, ja, entzückte immer noch das Publicum\ndurch mehrere Rollen; durch ihn kam sogar .Der schwarze\nDomino\" wieder in Gunst.\nAber man wollte doch etwas Neues haben. Man er-\nhielt es im Doeteur Mirobolan,in in\n—Werke, in denen allerdings Manches neu war, aber\nnicht Vieles. Nebenbei füllten eine Wiederaufnahme vom\nPetit Chaperm rougeund der die\nLücken. Jetzt sind wir voller Erwartung eines Werkes\naus der alten berühmten Firma der komischen Oper, eines\nWerkes von Scribe und Auber! Ob sie uns in das gol-\ndene Zeitalter zurückführen werden, wo die komische\nOper ein interessantes Lustpiel mit allerliebster Musik war?\nDie italienische Oper hat als Neuigkeit\nMendicante von G. Broga gebracht und wieder begraben und\ngegen Meyerbeer's Willen dessen wieder\ninScene gesetzt. Roger's Versuche auf diesem Theater fielen\nnicht zu seinem Yortheil aus; dagegen erschien in Marie\nBattu ein Stern erster Grösse. Sie und die Trebelli zei-\ngen, dass die Französinnen anfangen, den Itahänerinner»\nin ihrem eigenen Hause den Rang streitig zu machen.\nAm fruchtbarsten war auch in diesem Jahre wieder\ndas Theätre lyrique, sowohl unter dem Director Carvalho,\nals unter seinem Nachfolger R(sty. Es hat in Allem sechs-\nundzwanzig Acte von neuen Opern und Operetten gebracht\nfür eine Bühne, die sich gar keiner Unterstützung von\noben herab erfreut, ein Beweis grosser und eifriger Thä-\ntigkeit. Man hofft, dass sie in dem neuen Hause auf dem\nPlatze du Chateletwenigstens keine Miethe zu zahlen ha-\nben wird. Von den Neuigkeiten greifen die Aufführungen\nvon Maillart's Les Pecheurs de Caiane in das neue Jahr\nhinein. Uebrigens hat die Wiederaufnahme von Halevy s\nLe Val d'Andorre, das vor Jahren für die komische Oper\ngeschrieben war, die besten Einnahmen gebracht.\nIn den Bouffes Parisienshat dann\nes bis über dreihundert Vorstellungen gebracht! Alle\nneuen Stücke mussten sich der demüthigen Rolle fügen,\nnur in seinem Gefolge aufzutreten oder als Zwischenge-\nrichte der Abwechslung wegen eingeschoben zu werden.\nUebrigens waren ihrer nicht weniger als eilf; brauchte\nman aber Geld, so kam Orpheus auf den Zettel, und die\nCasse wurde sicher bestürmt. Jakob Offenbach fängt an,\noder vielmehr hört nicht auf, zu viel und dann natürlich\nauch zu schnell zu schreiben. Ausser einer Anzahl Musik-\nstücke für sein Theater hat er auch die Musik zum Ballet\nLe Papillon und zur komischen Oper Barkouf geliefert.\nEin hiesiges Blatt macht darüber die witzige Bemerkung:\n„Offenbach hat auch zwei Reisen in die Fremde gemacht,\ndie eine nach der grossen, die andere nach der komischen\nOper. Als er aber wieder nach Hause in die Passage\nChoiseul gekommen und dort den ewigen Orpheus wieder-\ngefunden, rief er mit freudigem Stolze aus:\nr, Plus je visTetranger, plus j'aimais !\"\nWer schreibt heutzutage nicht für die Oper? Sogar\neiner der originellsten Käuze unter den Musikern, der bis\njetzt die dramatische Musik nur durch die Zauberformel\nübte, mit welcher er die Nymphe Echo in den Concert-\nsaal bannte. Kein Anderer als Vi vier, der Meister auf\ndem Horn, hat die Oper La ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.5", "texte": "schrieben freilich nicht für Paris, sondern für Herrn\nBenazet in Baden-Baden. Nun, man weiss, dass die dort\nentdeckten Kometen zwar stets einen langen glänzenden\nSchweif in den Zeitungen nach sich ziehen, dann aber sich\nso unendlich weit in den kosmischen Raum verlieren, dass\nihre Wiederkehr gar nicht zu berechnen ist.\nUnter den übrigen musicalischen Ereignissen des ver-\ngangenen Jahres sind dann vor Allem die vier Concerte\nRichard Wagner's im italienischen Opernhause als Vor-\nläufer seines „Tannhäuser\" zu erwähnen. Diesen, den\n„Tannhäuser\", reihen die Sortirer jetzt zwischen Rossini's\n„Wilhelm Teil\" und Meyerbeer's „Robert der Teufe]\" ein\nviel Ehre und dennoch viel Verdruss für den Dichter\nund Componisten von Lohengrin und vor Allem von Tri-\nstan und Isolde, sich zwischen diese musicalischen Philister\ngestellt zu sehen. Die Aufführung dürfte sich noch einige\nMonate verzögern.\nDurch die allgemeine Einführung der herabgesetzten\nNormalstimmung in ganz Frankreich wird das Jahr 18ö0\nimmerhin eine musicalische Epoche bezeichnen.\nDie französische musicalische Literatur weis't als die\nbedeutendste Erscheinung die Veröffentlichung des ersten\nTheiles der neuen Ausgabe der Biographie universelle des\nMusiciens von J. Fetis auf. Erwähnenswert!» sind auch\ndie Souvenirs et Portraitsvon Halevv, der auch als\nSchriftsteller seinen Platz als Secretaire perpetuel de l'Aca-\ndemie des beaux artsehrenvoll ausfüllt.\n\nB. P.\n\nKarl Binder.\n(Nekrolog.)\nKarl Bind er war der Sohn des Hof-Clavierslimmers\nund Clavierverfertigers A. Binder und wurde am 29.\nNovember 1816 in Wien geboren. Kaum dem zartesten\nKnabenalter entwachsen, zeigte er schon eine besondere\nVorliebe für Musik, und seine Erholungsstunden widmete\ner ausschliesslich der Tonkunst, mit deren Geheimnissen\nund Schönheiten ihn der berühmte Capellmeister Ritter\nIgnaz von Seyfried bekanntmachte.\nAls er seine Studien vollendet, begann er, um seinen\nLebensunterhalt sich zu erwerben, als Clavierlehrer seine\nmusicalische Laufbahn.\nUnermüdlicher Fleiss und rastloses Streben liessen ihn\nbald eine solche Stufe künstlerischer Höhe erreichen, dass\ner, gestützt auf die Lehren seines Meisters und seine selbst\ngesammelten Kenntnisse, sich auch als Componist versuchen\nkonnte. Sein erstes Tonstück, ein Lied, erregte in musica-\nlischen Kreisen durch die Frische, Innigkeit und Zartheit\nseiner Motive allgemeines Aufsehen. Der damalige Director\nder Theater in Oedeuburg, Pressburg und Baden, J. Po-\nkorny, selbst ein vortrefflicher Musiker, erkannte bald\ndas in dem schüchternen jungen Manne schlummernde Ta-\nlent und engagirte ihn für seine Unternehmungen als Ca-\npellmeister. Obwohl in diesem neuen Wirkungskreise sei-\nnem schöpferischen Geiste wenig Gelegenheit zu bedeuten-\nderen Leistungen geboten wurde, so fand er doch wenig-\nstens hinlänglich Müsse, die Volksmusik aus den Werken\neines Conradin Kreutzer, Wenzel Müller u. s. w. gründ-\nlich kennen zu lernen und sich einen köstlichen Schatz von\nKenntnissen, die er in seinen späteren Engagements be-\nstens verwerthen konnte, zu sammeln. Erst nachdem Di-\nrector Pokorny das Josephstädter Theater käuflich an sich\ngebracht, begann für Binder ein regeres künstlerisches\nLeben. Er nahm im Jahre 1840 die Stelle des für das\nHol-Operntheater engagirten Capellmeisters Proch ein\nund behauptete sich in seiner neuen Sphäre so glücklich,\ndass ihm Director Pokorny die Compositionen der Musik\nfür mehrere Stücke übertrug, die einen so ehrenvollen\nErfolg sich errangen, dass sein Name in den musicalischen\nKreisen mit aller Anerkennung genannt wurde. Nament-\nlich für die damals vorzügliche Spiel-Oper interessirte er\nsich sehr lebhaft. Er war es, der im Jahre 1844 die mit\ngrossem Beil'alle aufgeführte Oper „Die Haimonskinder*\nvon Balfe dirigirte und durch seine meisterhafte und ener-\ngische Leitung viel zu dem Erfolge derselben beitrug. Da-\nmals waren die Damen Treffz, Hellwig, Mayer, die\nHerren Westen, Haim er, Dall'Aste, Reichmann\nu. s. w. für die ersten Partieen engagirt und die Spiel-\nOper auf die glanzvollste Stufe gebracht.\nNach mehrjährigem Wirken, während er an der Seite\nLortzing's, Titl's und Storch's sich einen bedeuten-\nden Namen errungen und auch in den beiden Theatern\nan der Wien wie in der Josephstadt, beide Eigenthum\nPokorny's, seine Befähigung dargethan, schied er, als Po-\nkorny das Theater in der Josephstadt an Megerle verkaufte,\naus dem bisherigen Wirkungskreise und liess sich neuer-\ndings für die letztgenannte Bühne als Capellmeister enga-\ngiren. Hier machte er alle Wechselfalle einer stürmischen\nZeit mit und nahm endlich einen sehr ehrenvollen Antrag\ndes Direclors Carl an, in dessen Thealer er im Jahre\n1851 seine Functionen begann. Bis zu dem Tode Carl's\nblieb Binder in diesem Künsller-Verbande; als aber im\nJahre 1854 Nestroy die Direclion des Carl-Theaters\nübernahm, konnte sich Binder mit ihm nicht einigen und\nging in Folge einer Einladung des damaligen Director»\ndes deutschen Theaters in Pesth, Herrn Haim er, dort-\nhin. Allein nach sechsmonatlichem Fernsein kehrte er nach\nWien in seine früher beim Carl-Theater innegehabte Stel-\nlung zurück."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.6", "texte": "Seit dieser Zeit blieb Binder als erster Capellmeister\nam Carl-Theater thätig, bis ihn seine letzte Krankheit be-\nfiel. Im Monat August zeigten sich die ersten Spuren einer\nMagen-Verhärtung, die trotz der sorgfältigen ärztlichen\nPflege bald eine gefahrdrohende Wendung nahm. Jede\närztliche Hülfe wurde unmöglich, und unter furchtbaren\nLeiden verschied er am 5. November 1860, eine trostlose\nWitwe und vier Kinder hinterlassend. Binder seihst hatte\nkeine Ahnung von seinem bevorstehenden Zustande; noch\nvierzehn Tage vor seinem Tode ging er aus, und erst als\ndie körperliche Schwäche so überhand nahm, dass er nicht\nmehr gehen konnte, blieb er im Zimmer, und nur mit\nMühe konnte er bestimmt werden, das Bett zu hüten. Er\nhatte alle Hoffnung auf das nächste Frühjahr gesetzt. Am\n4. November 1860 (seinem Namenstage) nahm er der\nSterbende—noch zahlreiche Gratulationen entgegen, nicht\nahnend, dass sie ihm für ein besseres Jenseits galten.\nVielen Trost in seinem kranken Zustande gewährte\nihm ein Schreiben des Directors Treu mann, seines lang-\njährigen Freundes, der ihm ein Engagement an seiner\nBühne zusicherte.\nDirector Brauer hatte kaum die Nachricht von dem\nHinscheiden Binder's erfahren, als er dessen Witwe die\nfür den Monat November fällige Gage von 140 Fl. über-\nsandte. Director Treumann hatte in echt freundschaft-\nlicher Weise die Bestreitung der Leichenkosten übernom-\nmen. Das feierliche Leichenbegängniss fand am 8. Novem-\nber, Nachmittags 4 Uhr, in der Wohnung des Verstorbe-\nnen Statt, wozu sich viele Freunde und Bekannte und eine\nMenge Schriftsteller und Künstler, Theater-Directoren und\nCapelimeister in dem Trauergemache eingefunden hatten.\nNachdem der Sarg geschlossen, sang das Chor-Perso-\nnal des Carl-Theaters das von Binder für Scholz's Lei-\nchenbegängnis componirte Trauerlied. Hierauf trat der\nPrediger Dr. Porubsky an den Sarg und sprach mit tief\nergreifenden Worten über das Leben und Wirken des\nMenschen und knüpfte hieran rührende Worte über das\nKämpfen und Ringen im Künstlerleben. Kein Auge blieb\ntrocken, die tiefste Rührung bemächtigte sich Aller.\nHierauf wurde der Sarg gehoben, nach dem vierspän-\nnigen Leichenwagen gebracht und nach dem evangelischen\nFriedhofe übergeführt. Eine endlose Reihe von Wagen\nfolgte.\nBinder's musicalische Thätigkeit war eine ausserordent-\nlich fruchtbare; er hat mehr als hundert grössere Werke\ngeschrieben, unter denen mehr als vierzig Possen und Vau-\ndevilles ganz bedeutenden Erfolg hatten, da Binder für\nkomische Musik ein ganz entschiedenes Talent besass.\n. Für das Carl-Theater richtete er die Offenbach'schen\nOperetten: Hochzeit bei Laternenschein, Mädchen von Eli-\nsonzo, Schuhflicker und Millionär, Zaubergeige, Savoyar-\nden und Orpheus ein, und instrumentirte sie reicher.\nSein bestes Werk ist unstreitig die Musik zur,„Tann-\nhäuser-Parodie\", welche zu den trefflichsten humoristi-\nschen Arbeiten der Tonkunst gehört. Binder besass viel\nFrische und Lebendigkeit in seinen Schöpfungen, seine\nMelodieen sind grösstentheils populär geworden und wer-\nden, namentlich was seine Gesangstücke anbelangt, noch\nlange im Munde des Volkes bleiben. Mit ihm wurde eine\nechte Künstler-Natur einer besonderen Gattung zu Grabe\ngetragen.\n\nMusicalische Trauerfeiern auf den Tod des Königs\nFriedrich Wilhelm IV.\nAm Sonntag den 20. Januar, Mittags um 12 Uhr, veranstaltete\nder kölner Mannergesang-Verein im grossen Casinosaale\nunter Leitung des k. Musik-Directors F. Weber eine Gedächtniss-\nfeier für den dahingeschiedenen König. Eine zahlreiche Zuhörerschaft,\nan ihrer Spitze die hohen Militär- und Civil-Behörden, hatte der\nEinladung des Vorstandes, die durch besondere Karten erfolgt warr\nentsprochen und füllte alle Räume des Saales und der Galerieen.\nDer Verein betrachtete die Trauerfeier als einen Act der innig-\nsten Pietät für den hochseligen König» Seine Majestät hatten im\nJahre J855 die Beglückwünschung zu Höchs-tihrem Geburtstage gnä-\ndigst anzunehmen geruht und den Vortrag einiger Lieder in den\nGemächern des Schlosses Sanssouci der huldvollsten Beachtung und\ndes ehrenvollsten Beifalls gewürdigt. Allerhöchstdieselben hatten\ndem Vereine die grosse goldene Medaille für Kunst, ferner Corpora-\ntionsrechte verliehen, und die Hoffnung auf die UebernahmQ' des\nköniglichen Protectorates von Seiten Sr. Majestät blieb nur durch\nden unerforschlichen Eathschluss der Vorsehung, der das Land in\nBestürzung und Trauer versenkte, unerfüllt.\nDas Programm der Gedächtnissfeier wurde auf würdige und\ndurch den innigen Vortrag der Gesänge tief eindrucksvolle Weise\nausgeführt. Der Choral »Jesus meine Zuversicht\" von B. Klein\neröffnete die Feier. Ihm folgten r Bardenchor\" von Sil eher (mit\nveränderten Worten der ersten und zweiten Strophe), „Ecce, quomodo\nmoritur Justus* von Palestrina, „Hoffnung\" von J. C. Schärt-\nlich. Hierauf sprach L. Bischoff, Ehren-Mitglied des Vereins,\nein von ihm für die Feier verfasstes Gedicht: „Der Sänger am Grabe\ndes Königs\", worauf • unmittelbar das Lacrimosa dies illa und Pie\nJesu Domine aus Cherubini's Bequiem einfiel. Hierauf folgte\nSilcher's Chor: „Stumm schläft der Sänger\", und das Salvum fac\nHegern von G. Föllmer beschloss die Feier, die von allen Anwe-\nsenden mit innigster Theilnahme Bnd andächtiger Aufmerksamkeit\nbegangen wurde.\nDas sechste Gesellschafts-Concert im Gürzenich unter\nLeitung des Capellmeisters F. Hill er war von der Concert-Direc-\ntion zur »Trauerfeier für Seine Majestät den hochseli-\ngen König Friedrich Wilhelm IV.\" bestimmt worden und\nfand am Dinstag Abends den 22. Januar Statt. Der Saal gewährte\neinen erschütternden Anblick: der ganze Chor und die Zuhörerschaft"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.7", "texte": "an anderthalb Tausend Menschen waren in Trauerkleidern\nerschienen. Die Vorderseite der Tonbühne zierten Draperieen von\nschwarzem Sammt und Silber, an den Seiten hohe goldene Cande-\nlaber mit umflorten Fahnen und Opferflammen.\nNach einem für diese Feier von F. Hill er componirten »ele-\ngischen Marsche\" sprach Herr Laddey ein Gedicht: „Zur Er-\ninnerung\", von Wolfgang Müller. Darauf erklangen die Accorde\nMozart's, der Chor hatte sich erhoben und stimmte: Requiem\naeternam dona eis Domine, et lux perpetua luceat eis! an. Es war\nein sehr feierlicher Moment; das unvergängliche Denkmal Mozart's\nergriff durch den Verein von rein menschlicher Empfindung, religiö-\nser Anschauung und künstlerischer Auffassung, die sich in ihm zur\nEinheit und zum eigentümlichen Ausdruck von Mozart's auf das\nHöchste gerichteter künstlerischer Natur verschmolzen, wieder ein-\nmal Aller Herzen mit Trost und erhebender Andacht.\nDie Solo-Partieen wurden von Fräulein Rothenberger und\nFrau 8., Herrn A. Pütz und Herrn K. Hill-Mal aper t aus\nFrankfurt a. M, gesungen.\nWas konnte auf das Requiem anders folgen zur Feier des An-\ndenkens an den dahingeschiedenen König, als jenes erhabene Tonwerk\nBeethoven's, das er Sinfonia eroica genannt hat? Die Ausfüh-\nrung war vortrefflich ; dazu kam die feierliche Stimmung der Zuhö-\nrerschaft, so dass die grossen Gedanken, die wunderbar verwebten\nMelodieen und die erschütternden Harmonieen namentlich des ersten\nSatzes und des Trauermarsches wohl selten so in ihrer ganzen Be-\ndeutung und Tiefe aufgefasst worden sind, als an diesem Abende.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSignora Trebelli, die in ihrer Matinee im Opernbause in Ber-\nlin am 30. December v. J. 84 Bouquets zugeworfen erhalten hatte,\nund am 31. Abends in ihrer Abschieds-Vorstellung als Arsaces in\nder Oper rSemiramisu mit vielfachem Hervorruf und anderen Aus-\nzeichnungen überhäuft wurde, reis'te am 1. Januar nach Amster-\ndam, wo sie einen Monat spielen wird. Die Künstlerin geht dann\nauf zwei bis drei Monate nach Brüssel und wird im Frühling in ddr\ngrossen Oper zu Paris auftreten.\nflßrt si. IfJL Die vor einigen Tagen gehaltene Gene-\nral-Versammlung der Theater-Actionäre hat beschlossen, bei unse-\nrem Senate um die Erneuerung der Concession und eine jährliche\nSubvention von 6000 Fl. aus Staatsmitteln einzukommen, das gros-\nsentheils geschwundene Actien-Capital aber vorerst nicht zu com-\npletiren. Wie wir hören, ist eine neue Actien-Gesellschaft im Ent-\nstehen, welche einen Fonds von 100,000 Fl. zusammenschiessen und\ndie Leitung des Theaters ohne Staats-Subvention übernehmen will.\nEs stehen, wie es heisst, die ersten hiesigen Banquiers mit an der\nSpitze dieser neuen Gesellschaft. (Südd. M-Z.)\nDie leipziger »Neue Zeitschrift für Musiktf kündigt in ihrer\nNeujahrs-Nummer den Zusammentritt einer zweiten Tonkünstler-Ver-\nsammlung an, welche beiläufig Ende Juli oder Anfangs August\nd. J. in Weimar Statt finden soll. Der Hauptzweck der Versamm-\nlung wird die Berathung und Feststellung der Statuten eines zu\ngründenden rAllgemeinen deutschen Musik-Vereins\"1 sein ; ausserdem\nwerden drei grosse Musik-Aufführungen veranstaltet.\nHermann Breiting, der, wie früher gemeldet, am 5. Decem-\nber v. J. im Irrenbause zu Hofheim, 57 Jahre alt, gestorben, war\nder Sohn eines Arztes, zu Augsburg den 23. October 1804 geboren,\nund widmete sich in Würzburg den medicinisehen Studien (1822 bis\n1826); verliess dann die Universität und verwerthete seine musicali-\nschen Kenntnisse, indem er 1826 im Herbste das Hoftheater zu\nMannheim betrat, wo er in der Oper „Titus\" als erster Tenorist so\ngefiel, dass er zu einem ehrenvollen Gastspiele nach München (1827),\ndann nach Berlin (1828) eingeladen wurde. Hier erhielt er Engage-\nment auf sechs Jahre; dasselbe wurde jedoch wegen einer gefähr-\nlichen Krankheit des Künstlers durch königliche Cabinets-Ordre wie-\nder aufgelöst. Er verlor einen Process gegen die Intendantur und\nging auf Reisen. 1832 gastirte er im k. k. Hof-Operntheater zu\nWien, wurde Mitglied dieser Bühne und durch fünf Jahre der Lieb-\nling des dortigen Publicums. 1837 wurde er in Petersburg engagirt,\nkehrte jedoch 1840 in sein Vaterland zurück und war 20 Jahre lang\nam Hoftheater zu Darmstadt angestellt. Breiting hatte eine starke\nBruststimme, welche eben so kräftig als angenehm war, einen schö-\nnen dramatischen Vortrag und gehörte unbedingt zu den ersten Te-\nnoristen Deutschlands. Seine Hauptrollen waren: Robert der Teufel,\nEleazar, Sever, Raoul, George Brown u. s. w.\nStuttgart« Die ging am 23. December v. J.\nüber unsere Bühne und fand eine so begeisterte Aufnahme, dass\nman sich hüten wird, sie, wie so manches andere Gute, bloss dess-\nhalb einstudirt zu haben, um es dann wieder unbeachtet liegen zu\nlassen. Vor Allem zündete das grosse Duett im dritten Acte zwischen\nFrau Marlow und Herrn Sontheim, dessen Allegro im 4/4-Tacte\nstürmisch da capo begehrt wurde. Aber auch die sämmtlichen übri-\ngen Nummern wurden lebhaft applaudirt, und am Schlüsse sprach\nsich die Befriedigung der Anwesenden über diese Retablirung einer\nMozart'schen Oper in einer lauten Beifallesalve aus, eine Ehre, die\nnur den allerbeliebtesten Sachen zu Theil wird.\nBlrestfeil» Frau Sophie Förster von hier, welche vor Kur-\nzem wieder mit ausserordentlichem Beifall in Magdeburg concertirt\nhat, wird dem Vernehmen nach für diesen Winter mehreren auswär-\ntigen Engagements nachkommen. Da wir Gelegenheit hatten, ge-\nnannte Sängerin öfter in hiesiger Stadt zu hören und zu bewundern,\nso macht es uns Freude, Öffentlich zu bekennen, dass wir sie zu\nden gediegensten Künstlerinnen der Gegenwart zählen müssen. Ge-\nwiss ist es selten, wenn Virtuosen von Ruf sich fortwährend noch\ndem sorgfältigsten Selbstunterricht hingeben und Kunst-Ausübung\nmit Kunst-Erkenntniss unausgesetzt vereinigen. Um so gewichtiger\nerscheint dieser Vorzug bei einer Frau, wenn sie, wie Sophie För-\nster, eine gleich hohe Stufe in Ausübung des Gesanges, wie als\nLehrerin desselben einnimmt. Ihre Stimme, ein sehr umfangreicher,\negaler und frischer Sopran, ist so gebildet, dass sie alle Nuancen\nder Steigerungsgrade vom Pianissimo bis zum Forte in ihrer Gewalt\nhat. Das Tragen des Tones gelingt ihr eben so vorzüglich, wie die\nperlende Leichtigkeit der Coloratur. Was aber den Gesang der So-\nphie Förster über so viele derartige Leistungen erhebt, ist die gei-\nstige Auffassung, welche allen ihren Vorträgen innewohnt. Möchte\ndoch die Künstlerin, deren Ruf als Oratorien- und Concert-Sängerin\nsich schon seit längerer Zeit festgestellt hat, ihre Thätigkeit auch\nnoch auf das Bühnenleben übertragen! Da ihre Leistungen so un-\nverkennbar bedeutende dramatische Befähigung offenbaren, so würde\nsie als Opernsängerin gewiss noch reichere Gelegenheit finden, für\nihre Kunst verdienstvoll zu wirken L. N., geb. K.\nDie Zahl der für den Neubau des Opernhauses einge-\nlaufenen Concurrenz-Pläne betiägt fünfunddreissig, von denen drei-\nunddreissig im eigentlichen Sinne Bau-Entwürfe sind, zwei hingegen,\nbezeichnet mit den Devisen: 3 K 49, und: J. Defries et Sons in\nLondon, bloss Schriftstücke enthalten. Diese Entwürfe rühren, so\nweit man dies aus dem Orte der Absendung erkennen kann, grossen-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610126-01.1.8", "texte": "theils von österreichischen Künstlern her, doch sind auch Projecte\naus Berlin, München, Paris u. a. 0. eingeschickt worden. Dieselben\nwerden vom 21. bis einschliesslich 31. Januar d. J. in dem Gebäude\nder k. k. Akademie der bildenden Künste (Annagasse Nr. 98ü) von\n10 bis 4 Uhr zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt.\nFrau Csil lag's Gastspiel-Reise nach America wird wegen Ban-\nkerotts des Impresario, der sie unter glänzenden Bedingnissen enga-\ngirte, unterbleiben. Die new-yorker Theater-Verhältnisse haben sich\nin der gegenwärtigen Krisis sehr misslich gestaltet. Frau Csillag\nsoll sehr vorteilhafte Anträge aus Berlin erhalten haben.\nAm ]4 d. Mts., berichtet die Wiener Zeitung, empfing Se. Exc„.\nder Herr Staats-Minister Ritter v. Schmerling die Deputation der\nwiener Künstlerschaft abermals, um die (jüngst in Aussicht gestellte)\nDenkschrift entgegen zu nehmen, welche die Berechtigung der Kunst\nim Staate und die Notwendigkeit ihrer Förderung zur gedeihlichen\ngeistigen Entwicklung darthut und dringend um die Anwendung\njener Mittel bittet, welche geeignet sind, unsere anomalen Kunst-\nzustände zu beseitigen und auf einer soliden Basis dieselben einer\ndauernden Besserung zuzuführen* So wie das erste Mal, äusserte\nSe. Excellenz auch diesmal in freundlichster Weise seine warmen\nSympathieen für die Kunst und die Künstler,, die hohe Bedeutung\nund notwendige Pflege der Kunst zur Bildung und Veredlung des\nGeistes anerkennend, und entliess die Deputation mit der wiederholten\nwohlwollenden Versicherung, die Sache möglichst fördern zu wollen.\nFrau Bürde-Ney ist am 10. Januar in Dresden nach mehr-\nmonatlicher Krankheit als Fidelio zum ersten Male wieder aufge-\ntreten zur Freude aller Kunstfreunde und aufs freudigste begrüsst\nvon dem zahlreich versammelten Publicum. Das Organ zeigte sich\nnicht afficirt.\nAls eine für die Biographen J. S. Bach's jedenfalls nicht un-\nwillkommene Gabe wird hiermit nachstehendes Protocoll aus den\nActen des Käthes zu Arnstadt veröffentlicht (s. den „Aufruf* in Nr.\n3 d. Bl. von H. B. Stade):\nActum den 29. Juny 1707.\nErscheint Herr Johann Sebastian Bach, bissheriger Organist zur\nNeuen Kirchen, Berichtet, dass er nach Mühlhausen Zum Organisten\nb-eruffen worden, auch solche Vocation angenommen habe. Bedankte\nsich demnach gegen dem Rathe gehorsambst, vor bissherige Be-\nstallung und bittet umb Dimission, Wollte hiermit die Schlüssel\n2ur Orgel dem Rathe, von deme er sie empfangen, wieder überlie-\nfert haben. D. R. Z. A.\nDie diesjährige Saison begann wie gewöhnlich\nim Anfange des September v. J. Die Oper spielte auch diesmal die\nHauptrolle, ohne doch bis jetzt sonderlich Neues gebracht zu haben.\nEs gingen Mozart's „ZanberSötü*, „Don Juan-4 und „Figaro's Hoch-\nzeit\", Weber's „Oberon\" und rFreischütz*, Flotow's „Stradella\" und\nVerdi's »Troubadour44 über die Bretter. Unter diesen Vorstellungen\nhatte namentlich „Don Juan* ein zahlreiches, gebildetes Publicum\nangezogen, das mit den Leistungen im Ganzen und Einzelnen sich\nsehr zufrieden erklärte. Als Agathe, Donna Anna, Reziar, Gräfin im\n„Figaro* zeichnete sich Frau Michaeli, ehemals Frau Michal\nauch in Deutschland bekannt, besonders aus. Die Susanna sang Fräu-\nlein Gelhaar und den Figaro mit glücklicher Laune Herr Lund-\nberg. Den Stradella sangen abwechselnd Herr Richard (deutscher\nHerkunft) und Herr Arn ol dsen , die Leonore ebenfalls Frau Mi-\nchaeli. Die Oper „Gustav Wasa\" von Kellgreen, nach König Gu-\nstafs 111. Plan, mit Musik des Deutschen Naumann, neu instrumen-\ntirt von Ignaz Lachner, wurde auch ein Mai gegeben.\nDie neueste Oper von Scribe und Auber führt den Titel: „Die\nCircaasierin*."}]}