{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_sha256": "b58b3835c0a23246b72057187fd0c1a37d85d2d5623fbc9921288612eeaf9a84", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/02/02_01/bmtnabi_1861-02-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe. 11. Von B. P. Beurtheilungen. Geistliche Lieder, herausgegeben von G. W. Teschner. Von E. Krü-\nger. Liederbuch von Otto Scherzer. Neue Weisen zu P. Gerhardt's trostreichen Liedern. Von M. Die musicalische Thätigkeit\nMünchens in den Monaten November und December 1860. Alfred Jaell. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, 111. Soiree\nfür Kammermusik, Sängerbund, Städtischer Singverein Hannover Berichtigung Deutsche Tonhalle, Preis-Ausschreiben)*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "35", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.1", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 4035, "texte": "Pariser Briefe.\n\nII.\n(I. s. Nr. 4.)\nZu der musicalischen Literatur ist auch der sechste\nBand von Dr. Veron's Memoires d'un bourgeois de Pa-\nris, der im October vorigen Jahres erschienen ist, zu rech-\nnen, zumal, da er den besonderen Titel führt:\n1860. Les iheätres de Paris de/piäs 1806 jusqu'en 1860.\nPar Mr. L.V eron, depute\nde la Seine.u\nHerr Veron, jedenfalls ein eben so geistreicher als\npraktisch gewandter Mann, spricht in diesem Buche von\nsich selbst und seiner vielseitigen Thäligkeit mit humoristi-\nscher Bescheidenheit. „Ich habe mein ganzes Leben lang\nProjecte gemacht, und von diesem Gesichtspunkte aus be-\ntrachtet bietet dasselbe eine gewisse Einheit dar; ich habe\ndas Project gemacht, Arzt zu werden, eine literarische\nZeitschrift zu gründen, die grosse Oper zu dirigiren, den\nComtitutionnel wieder zum Leben zu bringen, über Poli-\ntik zu schreiben, sechs bis sieben Bände drucken zu lassen\nund noch eine Menge anderer Projecte, von denen\nich kaum noch etwas weiss, und die Welt noch weniger\nals ich! Endlich in meinen alten Tagen habe ich das Pro-\nject gemacht, keines mehr zu machen, und doch sitze ich\nda schon wieder und schreibe ein Project für die pariser\nTheater nieder, das ich für nothwendig, nützlich, gerecht\nund vernünftig halte.\"\nVeron's Buch beschäftigt sich nämlich, nachdem es in\nseinem bei Weitem grösseren Theile das jetzige Paris mit\nallen seinen Herrlichkeiten, Neubauten, kaiserlichen und\nstädtischen Anlagen beschrieben, zuletzt mit den Theatern\nund gibt dann für die vier Operntheater denn nur von\ndiesen ist die Rede—ein Project zum Besten, dessen Haupt-\nzweck ist, sie unter einander zu verbinden und ihr Ge-\ndeihen zu sichern.\nDass mit Ausnahme der kaiserlichen Oper, deren\nSchiff' allein im sicheren Hafen liegt, die anderen gar sehr\ndem Wechsel menschlicher Dinge unterworfen sind, zeigt\nihre ganze Geschichte. Alle drei schwimmen auf dem offe-\nnen Meere, von günstigen oder widrigen Winden abhän-\ngig. Die komische und d e italiänische Oper liegen indessen\nin dem vornehmen Quartier und gemessen mehr oder we-\nniger Zuschuss von der Regierung, was ihre Fahrt fördert,\nwenn das Wetter nicht gar zu schlecht oder der Steuer-\nmann gar zu ungeschickt ist. Das Theätre lyrique aber\nliegt in einer abscheulichen Gegend und bekommt keinen\nHeller Zuschuss. Ob sich seine topographische Lage bes-\nsern wird, wenn es auf den Platz kommt, ist\nnoch sehr zu bezweifeln.\nWorin besteht nun Veron's Project—das letzte in sei-\nnem Leben —, das hauptsächlich also der letztgenannten\nBühne zu Gut kommen würde?\nEs beruht auf einem Bühnen-Verein der vier Opern-\ntheater unter dem Schutze und der förmlichen Garantie\nder Regierung. Jedes derselben soll einen Special-Director\nhaben, der unter dem Minister des kaiserlichen Hauses\nstehe. »Nur keine Intendanten!\" —fügt Veron hinzu\n„die Einheit des Oberbefehls ist beim Theater eben so\nnothwendig, wie bei einem Regimenle, bei der ganzen\nArmee. Jede Woche finde eine Versammlung der vier\nDirectoren Statt; sie haben sich zu vereinigen und sich\ngegenseitig zu unterstützen und auszuhelfen in Bezug auf\ndie Repertoires und alle Maassregeln, die zum grössten\nGlänze und besten Gedeihen aller vier Bühnen gereichen.\nIch bin überzeugt, dass unter diesen Bedingungen die Ein-\nnahmen der vier verbundenen und von der Regierung ge-\nziemend unterstützten Bühnen dermaassen steigen würden,\ndass sie der Civilliste keine Opfer kosten dürften.\"\nDas ganze Project kommt mir und sehr vielen Leuten\näusserst windig und unpraktisch vor und dürfte bei der\nAusführung, wenn diese überhaupt möglich wäre, keines-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5528, "texte": "wegs zum Vortheil der Kunst und des Publicums gerei-\nchen denn man weiss nur zu gut, wie leicht subven-\ntionirte Theater auf ihrem sicher gestellten Bettwerk ein-\nschlafen, wenn sie keine Coneurrenz zu fürchten haben.\nAm schlechtesten würde jedenfalls die kaiserliche Casse\ndabei fahren. Und wie kann Herr Veron, selbst ein Thea-\nter-Director a. D., nur irgend hoffen, dass vier Herren\nder Art sich alle Wochen zu gegenseitiger Aushülfe, ge-\ngenseitigen Zugeständnissen und Opfern verstehen wür-\nden? „Sie würden nicht mehr Nebenbuhler sein, die ein-\nander chicaniren und sich zu schaden oder zu überbieten\nsuchen, sondern Wetteiferer im Schönen\" —das heisst mit\nanderen Worten an den ewigen Frieden glauben!\nlis könnte aber auch eine solche Verbindung und Ge-\ngenseitigkeit nur dazu dienen, den Missbrauch, der jetzt\nschon eingerissen ist, und der auch in Wien und Berlin\nmit starken Schritten vorrückt, zu heiligen und gesetzlich\nzu machen, den Missbrauch, den verschiedenen Theatern\nin einer grossen Stadt ihren besonderen Charakter\nzu entziehen und die Aufführungen aller Gattungen von\ndramatischer Musik durch einander zu werfen. Das ist ein\nUnglück. Jedes Theater muss seine bestimmte Physiogno-\nmie haben. Jetzt aber tischt die grosse Oper, deren Sache\nallein das ernste musicalische Drama sein sollte, komische\nOpern, ja, sogar Operetten auf; die komische Oper hin-\ngegen bemüht sich, auf Stelzen zu gehen, bringt Stoffe\nauf ihre Bühne, die mehr Jammer als Scherz enthalten,\nund setzt diese durch eine Decorations- und Maschinerie-\nPracht in Scene, die mit der kaiserlichen Bühne wetteifert.\nDie italiänische Oper französirt sich, und die französische\nlässt italiänische Texte für sich ins Französische über-\nsetzen und entstellt den italiänische» Gesang durch Fran-\nzosen!\nUnd was würde in financieller Hinsicht durch den\nAllianz-Tractat gewonnen werden? Der Krebsschaden al-\nler Theatercassen sind die ungeheuren Gehälter der aus-\nübenden Künstler. Setzte der Operntheater-Bund in Paris\neine Taxe fest, ein Maximum was könnte das helfen?\nDer Künstler hat kein Vaterland, die Welt ist seine Hei-\nmat, sein Markt ist Europa und America, bald vielleicht\nauch Afriea (Algier, Capstadt) und China und Japan dazu!\nWas kann ein „herzliches Einverständniss\" von vier pari-\nser Directoren gegen die Concurrenz von England, Deutsch-\nland, Russland, Italien, Spanien und allen auf Bankerott\nspielenden Impresarios in Nord- und Süd-America helfen?\nWas aber vor Allem den Grund wankend macht, auf\nwelchem die pariser Operntheater beruhen, ist noch etwas\nganz Anderes, und zwar etwas, wovon das Ausland gar\nkeine Ahnung hat. Nun? Hört denn und staunt oder\nlacht! Es ist die jämmerlichste Knauserei des Publicums\nin Bezug auf die Opcrnthealer im Bunde mit ungeheuren\nAnsprüchen an dieselben. Das pariser Publicum, das so\nvergnügungssüchtig ist wie kaum ein anderes auf der\nWelt, das sonst überall, wo es gilt, sich Vergnügen zu\nverschaffen, durchaus nicht marktet und feilscht, das auch\nin der That so gierig nach Musik ist, dass es ihrer gar\nnicht entbehren kann, sieht noch immer nicht ein, dass\nman sie auch ordentlich bezahlen müsse! Es bezahlt so\nziemlich das Nöthige für das recitirende Schauspiel, das\nMelodrama, die Vaudevilles, die Faxen und den Geister-\nund Feenspuk, deren Unternehmer meist ganz gute Ge-\nschäfte machen, zuweilen sogar reich werden, ohne dass\nder Staat sie unterstützt. Sobald aber von Musik die Bede\nist, so ändert sich die Sache. Umsonst weis'l man auf den\nalljährlich steigenden Ausgabestand der Operntheater hin:\ndas Publicum duldet keine Erhöhung der Eintrittspreise.\nEs liebt die Musik, es betet sie an, aber wie eine Ge-\nmahlin, die aus ihrer reichen Mitgift ein Drittel der Haus-\nhaltungskostcn trägt. Dieses Drittel liefert der Staat; seine\nUnterstützung repräsentirt die Summe, welche das Publi-\ncum beizutragen verweigert.\nWas ist das für ein Verhältniss? was ist das für ein\nPrincip? Das Publicum weigert sich, stückweise das,\nwas es geniesst oder verzehrt, zu bezahlen, und verlangt,\ndass es im Ganzen durch Leute bezahlt werde, die gar\nnichts davon haben!\nWer wird es glauben, dass heute, im Jahre 1861,\ndie Preise der Plätze im grossen Opernhause zu Paris un-\ngefähr noch dieselben sind, wie zu Lully' s Zeiten, obgleich\ndamals der Ausgabestand kaum hunderttausend Eivres be-\ntrug, während er jetzt zwei Millionen erfordert? Wagt\nman einmal, was in London seit lange geschehen ist, die\nPreise zu steigern, zu verdoppeln, ja, nur bei ausserordent-\nlichen Fällen die Taxe zu erhöhen, so kommt kein\nMensch, so bleibt das Haus leer*)!\nVon den neuen Opern, die ich in der Jahres-Ueber-\nsicht (I. in Nr. 4) genannt habe, sind die meisten in diesen\nBlättern zur Zeit besprochen worden**). Die französi-\nsche Semiramis, mit Rossini's, von Carafa zuge-\nstutzter Musik, verdankte ihre Erscheinung auf der Scene\n\n*) Das ist merkwürdig; unsere Leser in Köln und vielen ande-\nren deutschen Städten werden glauben, der Herr Correspondent\naus Paris spräche von ihrer Vaterstadt in Deutschland! Dass\nübrigens die Sache in Paris sich wirklich so verhält, wie oben\ngeschildert worden, bestätigen seit Jahren alle Theater- und\nMusik-Zeitungen der Franzosen selbst. Die Redaction.\n**) Margherita la Mendicante von Braga; Pierre de Medicix\nvom Fürsten Poniatowski; Le Roman d 1 JElvire von Ainbr.\nThomas,; Le Chäteau Trompette von Gevaert; Rita, aus\nDonizetti's Nachlass u. s. w., Jahrg. 1860, Nr. 28. Phile-\nmon et Baucis von Gounod; Gil Blas von Semet; Les Ro-\ntlbres von Herold u. s. w., Jahrg. 1860, Nr. 29."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4273, "texte": "der grossen Oper erstens der Armuth an Compositionen\nfür diese, und zweitens einem Zufalle oder vielmehr einer\nkolossalen Reclame, die von Italien her über die Alpen\nflog. Schon vor etwa zwei Jahren hatten zwei Schwestern,\nCarlotta und Barbara Marchisio, durch ihr erstes\nAuftreten auf dem Theater San Benedetto zu Venedig in\nder Semiramis Enthusiasmus, Furore, Fanatismus erregt.\nSopran und Alt, Semiramis und Arsaces, wurden als Wun-\nder gepriesen. Fin Abgesandter von der grossen Oper zu\nParis erscheint in Venedig im Frühjahr vorigen Jahres,\nprüft gar nicht und unterhandelt sehr wenig, sondern en-\ngagirt ohne Weiteres; so hatten w'ir auf einmal die zwei\nSchwestern und ihre Hauptrollen: folglich musste die\nganze Semiramis aufgefrischt und neu ausgestaltet werden.\nDer 9. Juli v. J. erschien und mit ihm am Abend auf\nden berühmten Brettern zwei kleine, im Aeusseren durch\nnichts einnehmende, geschweige denn ausgezeichnete Per-\nsönchen, deren Züge nicht die geringste Aehnlichkeit mit\neinander hatten, es sei denn eine stark orientalische Phy-\nsiognomie. Sie haben Stimme und verstehen auch zu sin-\ngen; aber an die Pasta, Sontag, Giulia Grisi, Pisaroni,\nAlboni, welche in denselben Rollen glänzten, reichen sie\nauch nicht einmal aus der Ferne hinan. Carlotta (Sopran)\nwar freilich sehr ängstlich und ging erst im Verlauf der\nVorstellung etwas mehr heraus; Barbara (Alt) ist siche-\nrer, doch fehlen der Stimme die tiefen Brusttöne mit vol-\nlem Klang. Als Schauspielerinnen sind sie nur noch An-\nfängerinnen, als Sängerinnen dürften sie eine Zukunft\nhaben; fürs Erste aber haben ihnen die ganz ungeheuer-\nlichen Anpreisungen ihrer Freunde sehr geschadet. Im\nGanzen hat die Oper keinen ausserordentlichen Eindruck\ngemacht; der letzte Act ist auch gar zu schlaff, und das\nist immer schlimm für den Erfolg. Am besten ist Carafa\ndabei gefahren, dem Bossini seine volle Tantieme überlas-\nsen hat. Die erste Vorstellung der (rein) Rossini'schen Se-\nmiramis fand zu Venedig im Carneval 1823 Statt. Es war\ndie letzte Oper, die Rossini in Italien schrieb, und sie be-\nzeichnet den Höhepunkt der damaligen italiänischen Opern-\nmusik. Elisabeth Colbrand, nachmals llossini's Gattin, sang\ndie Semiramis, der berühmte Bassist Filippo Galli den\nAssur. Im Jahre 1831 nahm Henriette Sontag in der Se-\nmiramis von der Bühne im Opernhause zu Berlin Abschied.\nEine zweite Wiederaufnahme eines älteren Werkes\nwar die Aufführung von Boieldieu's Le petit Chaperon\nrouge auf dem Theater der komischen Oper im August\ndes vergangenen Sommers.\nIch habe schon oben angedeutet und in früheren Brie-\nfen ausgeführt, wie der Stolz der Franzosen, die komische\nOper, allmählich die Schranken ihrer Gattung nicht bloss\nüberschreitet, sondern zertrümmert und in die Gebiete des\nMelodrama's und der tragischen Oper eindringt. Wie\nwohlthuend erscheinen desshalb den Freunden der natür-\nlich schönen Musik die freilich nur sehr seltenen Auffüh-\nrungen von Opern der älteren Schule, deren Ruhm sich\nmit Boieldieu und Auber gipfelte! Und dennoch gewähren\nsie in ihrer jetzigen Gestalt nur schöne Erinnerungen; die\nTradition ihrer Darstellung in Gesang und Spiel ist fast\nganz verloren gegangen; Sängerinnen und Sänger, welche\ndas Publicum durch ihre Spieluhrenfertigkeit in den Com-\npositionen neuesten Genres entzücken, sind nicht mehr im\nStande, sich zu der durchsichtigen Farbe des Timbres und\nzu der natürlichen Feinheit und Anmuth der Technik und\ndes Vortrags zu erheben, die jene reizende französische\nMusik fordert, welche gegenwärtig ein buntscheckiges Car-\nncvals-, um nicht zu sagen: Hanswurst-Gewand von Lap-\npen aus aller Herren Ländern trägt.\nBoieldieu schrieb sein „Rothkäppchen\" im Jahre\n1818, als er an Mehul's Stelle Mitglied des Instituts wurde.\nUnmittelbar vorhergegangen waren Jean de Paris, La\nFete du village voisin und Le nouveau Seigneur; nach je-\nner Oper aber arbeitete er nicht mehr so schnell und\nschrieb binnen zwölf Jahren nur drei Opern: Les Voitures\nversees, La Dame blanche und Les Wenn\nnun auch die Partitur allerdings nicht an diese letzteren\nWerke reicht, so ist sie doch reich an köstlichen Melo-\ndieen, höchst anmuthigen Motiven und Verzierungen, und\nin Bezug auf das Orchester kann man sie als die Vorläu-\nferin zu dem Meisterwerke „Die weisse Dame\" betrachten.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "38", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.3", "debut_caractere": 4275, "fin_caractere_exclue": 5159, "texte": "Beurtheilungen.\n\nGeistliche Lieder, auf den Choral oder die ge-\nbräuchliche Kirchen-Melodie gerichtet und fünf-\nstimmig gesetzt von Johannes Eccard. Zwei\nTheile. Nach den königsberger Original-Ausga-\nben, beide von 1597, herausgegeben von G. W.\nTeschner. Partitur. Leipzig, bei Breitkopf und\nHärtel. (Erster Theil, VIII und 49 S. Zweiter\nTheil, 59 S. Jeder Theil 2 Thlr. 20 Gr.)\nMit freudigem Danke begrüssen wir die vorliegende\nAusgabe Eccard'scher Lieder, welche einem lange geheg-\nten Wunsche entgegen kommt. Aus dem unerschöpften\nReichthume wahrer kirchlicher Kunst werden unserer Zeit\nreife Früchte dargeboten voll Nahrungskraft, viele darunter\nbald annehmbar, fasslich und lieblich eindringend, manche\nschwerer zu bewältigen, aber tiefer dringend, um ihre un-\nvergängliche Schönheit desto dauernder zu bezeugen. Für\ndie allgemeinere Verbreitung wäre allerdings zu wünschen,\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5438, "texte": "Dass es der wackeren Verlagshandlung gefallen hätte, an-\nstatt der glänzenden Ausstattung in Kupferstich, die so\nkostspielig ausfallen musste (116 Seiten zu 5/3 Thlr.),\nlieber eine wohlfeile Ausgabe herzustellen, was mit den\ntrefflichen Choral-Typen ihrer eigenen Officin wohl leicht\ngelänge. Wir sprechen das nicht als Vorwurf ans, aber\nhoffen dagegen falls nicht bald eine wiederholte Ausgabe\nnöthig wird, die billiger herzustellen wäre —, dass sie min-\ndestens jetzt baldmöglich die Einzelstimmen zu diesen\nHeften in kleinem Format, mit Typen gedruckt, heraus-\ngebe*}. Dieser Wunsch erscheint um so billiger, da etwa\ndie Hälfte der in Teschner's Ausgabe enthaltenen Lieder\nschon in den schätzbaren, ebenfalls bei Br. und 11. erschie-\nnenen Beiträgen zu Winterfeld's Evangel. Kirchengesang,\nTb. 1 (1843), und in desselben Fest-Ausgabe von Luther's\ngeistlichen Liedern (1840) enthalten sind. Das Verhältniss\nbeider Ausgaben ist folgendes: Teschner bringt 52,\nWinterfeld (in beiden eben genannten Büchern) 47\nEccard'sche Tonsätze; gleich sind in beiden 22.\nAuf dieses Verhältniss legen wir besonderes Gewicht,\nund zwar keineswegs allein in Rücksicht auf die buchhänd-\nlerische Seite; weit mehr um der kritischen Auffassung\nund des kirchlich-künstlerischen Werthes halber. Zuerst\nist es erfreulich, Eccard's Bedeutung aufs Neue erkannt\nund bezeugt zu sehen, dieses Sterns der evangelischen Kir-\nche, dessen Aufgang den alten Sebastian entzückt haben\nwürde, selbst wenn er den eigenen daneben hätte bleichen\ngesehen. Und das muss sehr deutlich und offen gesagt\nwerden, weil sich eine esoterische Gegen-Ansicht mancher\nOrten will geltend machen, als wäre Eccard eine gar acht-\nbare Vo rstu fe, ein „gewisser Standpunkt\" ohne se Ibst-\nständige Geltung, allenfalls von „didaktischem Werth e\"\nu. dgl. Man würde es nicht glauben, ohne es zu hören!\nDergleichen Reden muthen uns an, wie wenn Jemand den\nRaphael'schen Engelsköpfen etwa solche Unterstufe zuer-\nkännte, gleich als wären sie eben leidliche Quartaner, die\nda verhiessen, dereinst brave Primaner zu werden, und\nnur in so fern auch mitzunehmen wären!—Wir mei-\nnen freilich nicht, bei Eccard nur Kinder- und Engelsköpfe\nzu finden, vielmehr tritt das ganze Leben der heiligen\nGemeinde gleich wie ein Abbild der triumphirenden Kirche\nheran in vielfältigen Gestalten von Kraft und Milde, De-\nmulh und Herrlichkeit, voll keuscher Einfalt, in hellem\nGianze jugendlicher Fülle und Gesundheit. Wem aber Ec-\ncard ein überwundener Standpunkt scheint, der hat ihn\nentweder nie gehört, oder ihm ist Bedürfniss und Ahnung\nseliger Schönheit verloren, und er weiss nicht, wessen\nZeugnis jene Meister ablegten, deren Kunst und Weisheit\naus Einem Borne quoll. Die Bekanntschaft mit Eccard\nvielmehr die Wiederentdeckung des Verschollenen ha-\nben wir dem grossen Geschichtsforscher Karl v. Winter-\nfeld (-f- 1852) zu danken, der ein halbes Leben hindurch\nvoll Aufopferung gearbeitet hat, um der heiligen Tonkunst\nneuen Grund und Boden zu gewinnen ohne anderen Ge-\nwinn, als die Freude des Gelingens und das Bewusstsein,\neinem heiligen Zwecke zu dienen. Und dies ist das Zweite,\nwas wir den Zeitgenossen möchten in Erinnerung bringen,\ndass sie der Dankbarkeit gegen Winterfeld nicht vergessen.\nSein Verdienst wird erkannt von tüchtigen Meistern und\nKennern beider abendländischen Kirchen. Denn seine\nfrüheren Forschungen im Bereich der römisch-katho-\nlischen Tonkunst (Joh. Gabrieli, 3 Theile, Berlin,\n1834) haben die Bahn gebrochen für die auf jener Seite\nerwachende Forschung, wie das auch von vielen Katholi-\nken, z. ß. Kiese welter und Proske, unbefangen dank-\nbar anerkannt wird; und gleicher Weise haben wir sein\nGedächtniss zu ehren für die Eröffnung des Schatzes un-\nserer Kirche durch sein Haupt-Lebenswerk: Vom evange-\nlischen Kirchengesange. Seit dieses Werk erschienen, be-\nginnt die Bewegung zur Gesangbesserung, zur Herstellung\ndes Gemeindegesanges, die noch nicht zum Ziele gelangt\nist, aber schon jetzt in die evangelische Liturgie neues Le-\nben gebracht hat.\nEs wäre nicht nöthig, so viel Worte zu machen, um\neinen ohnehin berühmten Mann zu loben, wenn nicht auch\nhier selbst von solchen, die nicht ganz unkundig sind, ein\nsonderbarer Einspruch sich erhöbe, unbegreiflich und un-\nerklärlich, wo nicht vorgefasste Grundsätze oder Meinun-\ngen den Blick befangen. Dass Winterfeld z. 8., wie von\ngewisser Seite behauptet wird, unzuverlässig, lückenhaft,\nunklar u. s. w. gearbeitet, ja, im Grunde gar nicht im In-\nnersten musicalisch gewesen, dass seine Manuscript-Copieen\nmeist ungenau seien, weil er die alten Schritten zu lesen\nnicht verstanden: alle diese Behauptungen zerfallen vor der\neinzigen Frage: Warum denn, wenn das alles sich so ver-\no P\nhält, sind von denen, die ihn tadeln, nicht Berichtigungen\ngebracht, verbesserte Auflagen gewagt? Wir sehen, dass\nalle Späteren auf Winterfeld fussen und fortbauen; ist ihm\nsolche Ehre unbesehens widerfahren? Sonderbar, dass nicht\nRochlitz, Seyfried, Mosel, Mortimer gleicher Ehre theilhaft\ngeworden! Unser Herausgeber Teschner hat dagegen\nEhre gegeben, dem sie gebührt, sowohl in der tüchtig ge-\nschriebenen (aus Winterfeld, Evangel. Kirchengesang, Tb.\n1, zusammengestellten) Vorrede, als in der meist ganz un-\nveränderten Wiedergabe derjenigen 22 Tonsätze,\ndie ihm und Winterfeld gemein sind, nämlich:\n\n*) Wie rasch hat z. B. das liturgische Werk von Proske in\nKegensburg Verbreitung gewonnen durch die wohlfeile Her-\nstellung in Noten-Typen!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5073, "texte": "T. 1, I=W. 1, 118. 3 = 121. 4=122. 7 = 120.\nI 1 = 123. 12 = 125. 13 = 124. 14=126.\n17=119. 18=127.\nT. 2, 7 = W. 1, 130. 8=135. 9 = 132. 10=128.\nII = 133. 13 = 152. 14=134. 15 = 136.\n19 = 129. 27 = 131. 28= 137.\n22 = W. Luther's Lieder, Nr. X3II.\nGeringe Abweichungen sind folgende:\nT. hat Th. 1, Nr. 3, p.6, im Alt T. 9 wo W.\nBeides ist möglich, vielleicht f richtiger, jedoch ohne Ein-\nsicht des Originals nicht zu entscheiden, zumal T. in der\nVorrede S. VIII. die E i n z ei c h n u ng des C h ro ma, d. h.\ndie Aufnahme der chromatischen Zeichen in die Noten-\nSysteme— statt über dieselben nach den Consequenzen\nder Theorie auch gegen die Handschriften zulässt.\nFerner sind transponirt bei\nT. 1, 14. 2, 27. 2, 28 (um eine Terz tiefer),\nalle drei Mal wohl angemessen, um eine bequeme Tonhöhe\nzu erreichen, was allzeit erlaubt und gültig, oft mündlich,\nzuweilen auch schriftlich geschieht.\nEndlich sind mehrmal die Namen Ten. I. und IL bei\nbeiden Herausgebern verschieden; unerheblich, weil beide\nTenöre gewöhnlich gleicher Höhe sind und einander fast\nfortwährend kreuzen. Abweichend ist zuweilen die Wort-\nund Sylben-Vertheilung, z. B. T. 1,17, Ten. I. 6 7, wo\ndie Winterfeld'sche Declamation singbarer ist. Zu bekla-\ngen ist noch, dass die schöne rhythmische Darstellung,\nwelche W. 1, 137 dem Liede: „Ich dank' Dir, lieber\nHerre\", gegeben hat, bei T. nicht beachtet und durch die\nübliche Vergitterung in Dupeltacte der Bau der Melodie\nzerstört ist. ,\nKurzum, diese Teschner'sche Ausgabe ist ein lobens-\nwerthes Zeugniss der Ehren Eccard's und seines Interpre-\nten Winterfeld; jenes Meisters, der allen unbefangenen\nHörern für die evangelische Kirche so unentbehrlich er-\nscheint, wie Palestrina für die römische; und dieses treuen\nFo rsc h ers, der minder seiner Forschung als seines Stand-\npunktes wegen u. A. allen denjenigen verdächtig gewor-\nden, die sich in Heinrich Schütz einen neuen Heiligen\nerlesen haben. Der letztgenannte Meister, die Ursache des\nkürzlich aufflackernden Tendenzstreites, ist von Winterfeld\n< ' , .\nebenfalls zuerst neu ins Gedächtniss gerufen, der ihm im\nGabrieli 2, 168—212, und im Evangel. Kirchenges. 9,\n2, 207 230 eine eingängliche Betrachtung widmet, da-\nbei aber freilich zu dem Ergebniss kommt, dass H. Schütz,\ndurch weltlich italische Einflüsse beregt, eine neue Zukunft\nvorbedeutet; dies ist die mächtige Anregung zum geist-\nlichen Kunstgesange« der Vorbote des dramatischen\nStils, der in Händel und Bach seine Vollendung fand;\ndarüber beginnt der Gemeindegesang zurück zu tre-\nten. Das ist 11. Schützens Bedeutung, sein Verdienst und\nsein Mangel. Also steht geschrieben W. E. K. 2, 229;\nnicht mehr, nicht minder.\nGöttingen, im December 1860.\nE. Krüger.\nLiederbuch von Otto Scherzer. I. Theil. 25 Lie-\nder, für eine Singstimme mit Ciavier-Begleitung\ncomponirt. Nördlingen, Beck'sche Verlagshand-\nlung. 1860.\nScherzer ist der Nachfolger des jüngst dahingeschie-\ndenen Sileher in Tübingen. Dass er für würdig befun-\nden worden, dieses beliebten Sängers Amt fortzuführen,\nerweckt schon ein günstiges Vorurtheil für ihn. Man ver-\ntraut einem wohl nicht eine so eiuflussreiche Stelle, wie\ndie eines Musik-Directors an einer Universität, an, ohne\ndass man den Beweis genügenden Wissens und entspre-\nchender Leistungen zur Hand hätte. Bei Scherzer trifft\nBeides zu. Ohne Widerspruch befürchten zu müssen, darf,\nabgesehen von dem Empfehlenden, was sonst von ihm\nschon bekannt geworden, obiges Liederbuch als Beleg an-\ngeführt werden. Die Auswahl der Texte (Göthe, Uhland,\nKörner, Lenau u. s. w.) bekundet den denkenden Ton-\ndichter; man weiss ja, wie schwer es unseren Poeten fällt,\nfür Musik geeignete Worte zu verfassen, so dass unter\nhundert sonst der schönsten, als Lieder bezeichneten Dich-\ntungen fast die meisten unsangbar sind. Ein oberflächli-\ncher Componist freilich fühlt diesen Mangel nicht; ihm\ndient das Wort ja nur als Unterlage beliebig ersotmener\nMelodieen. Scherzer aber hat erkannt, dass bei einem rech-\nten und echten Liede Text und Musik so ganz Eins sein\nmüssen, wie Geist und Herz; er hat daher nur solche\nTexte gewählt, welche hierzu wie geschaffen sind. Damit\nhabe ich auch schon seine Lieder-Compositionen charak-\nterisirt; sie sind die treueste Interpretation des Textes,\nnicht etwa bloss der einzelnen Worte und Gedanken, was\n/\noft in kleinliche Tonmalerei, wenn nicht gar in falsche De-\nclamation ausartet, sondern der Grundstimmung. Scherzer\ngibt in seinen Liedern das vom Verstände Gedachte in der\ndurch das Herz erst vollbrachten Verklärung. Seine Com-\npositionen sind aber desshalb nicht etwa blosse Sentimen-\ntalität, sie wollen auch verstanden, nicht bloss gefühlt sein.\nIhre volle Wirkung werden sie thun, wenn sie vorgetra-\ngen werden von solchen, deren Geist und Herz harmonisch\nc 1\nzusammenklingen. Ueber einzelne Dingelchen noch mit\ndem Componisten zu rechten, dürfte nach diesem wohl\nkleinlich erscheinen. Der Kritiker darf ja nie vergessen,\ndass nil perfectum sub sole.\nNeue Weisen zu P. Gerhardt's trostreichen\nLiedern. Ein Beitrag zur Hausmusik von Fr.\nMergner. I. Heft. Erfurt, Martinstift. 18 Kr."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2000, "texte": "„Das Lied\", sagt Jean Paul, „ist ein Schmerz, der\nsich von der Brust loslösen will, eine fliegende Lust, die\nüber das Herz hinfährt und seine Saiten unwillkürlich zit-\ntern und klingen macht.\" Von dem tiefen Sinne des Lie-\ndes angeregt also, muss der Componist alle Momente des\nAffectes wie in einem Brennpunkte zusammenfassen, aus\ndem dann die Melodie hervorstrahlt. Daher ist es, um ein\ngutes Lied zu componiren, unerlnsslich, dass der Compo-\nnist nicht nur den Sinn der Worte tief fasse, sondern auch\nselbst wiederum Dichter des Liedes in Tönen werde. Der\nFunke, der im Innern des Dichters das Lied entzündete,\nmuss, wie mit erneuerter Kraft, im Innern des Compo-\nnisten aufglühen und mit dem Worte zugleich den Ton\nwecken, der in der Seele des Musikers wie ein wunder-\nbares Geheimniss ruht. Das Lied ist gerade die Art Com-\nposition, in der sich durchaus nichts ergrübein, nichts\nkünstlich bauen lässt, was die Neueren und Neuesten oft\nvergessen; die beste Kenntniss des Contrapunktes hilft hier\nnichts, die Begeisterung muss den musicalischen Gedanken\nerzeugen, der das Ganze ist. Durch Nachdenken und Zu-\nsammenstellung und Deckung des Wortbegriffes durch\nNoten lässt sich das nimmer erzwingen. Das erste Erfor-\nderniss eines echten Liedes ist die selbstständige, zusam-\nmenhangend fliessende Melodie; diese muss sangbar und\nnicht von zu grossem Umfange zwar bei allen, vorzüglich\naber bei religiösen Liedern sein. Was der Blume der Duft,\nist dem Liede die Melodie. Vereinigt sie Wahrheit des\nGefühls mit Schönheit des Ausdrucks, so ist von Seiten des\nComponisten allen Anforderungen Genüge geschehen.\nWenn ich diesen Grundsätzen nun hinzufüge, dass sie in\nden vorstehenden Liedern, welche mir weitaus die her-\nvorragendste Erscheinung auf dem Gebiete der frommen\nLied-Composition in der Neuzeit zu sein scheinen, sich\nganz ausgeprägt und verkörpert haben, so brauche ich wohl\nweiter nichts mehr darüber zu sagen. Es ist das höchste\nLob, das einem Lieder-Componisten gespendet werden\nkann.\n\nM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "38", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.4", "titre_corps": "Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten November und December 1860.", "titre_sommaire": "Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten November und December 1860.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.6", "debut_caractere": 2002, "fin_caractere_exclue": 4673, "texte": "Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten\nNovember und December 1860.\nNachdem Prinz Carneval wieder definitiv das allgewal-\ntige Scepter ergriffen und die Concertsäle dem Tanz und\nMummenschanz überwiesen, vermag ich Ihnen über den\nersten Abschnitt unserer musicalischen Winter-Thätiskeit\nwährend der Monate November und December vorieeri\nO\nJahres ein ziemlich reichhaltiges Bild zu entwerfen.\nDie musicalische Akademie unter Franz Lach-\nner's Leitung brachte in ihren vier Odeons-Concerten\nzum ersten Male eine Ouvertüre für vollständige Harmo-\nniemusik von Mendelssohn, ein Andante für acht Blas-\ninstrumente von Beethoven, Präludium und Fuge für\nOrchester von Franz Lachner, eine Arie aus Orpheus\nund Eurydice von Jos. Haydn, zwei der jüngst erschie-\nnenen Vocal-Quartette von M. Hauptmann („An der\nKirche wohnt der Priester\", und Lied aus „Mirza Schaffy\"),\nschliesslich zwei reizende Vocal-Quartette für einen Sopran\nund vier Männerstimmen von Ferd. Hill er („Lebenslust\"\nund „Die Lerchen\"). Ausserdem kamen zur Aufführung\ndie D-dur-und die J.-<:/wr-Sinfonie von Beethoven, die\n./1-cfer-Sinfonie von Mendelssohn und die D-moll-Sin-\nfonie (Introduction, Allegro, Romanze, Scherzo und Finale)\nvon R. Schumann, die Ouvertüre (Nr. 3) in Czur Leo-\nnore von Beethoven, die zur Euryanthe von Weber\nund die schottische „ImHochland\" von Gade. Herr Lau-\nterbach spielte das sechste Violin-Concert von Lafont,\nHerr Waller das dritte [D-movon Moiique, Fräul.\nStöger sang die Concert-Arie in Es von Beethoven,\nFräul. Stehle eine Arie mit obligatem Pianoforte von\nMozart und mit Frau Diez ein Duett aus Idomeneo.\nDer oratorien-Verein unter Herrn v. Perfall's\nLeitung wiederholte in seinem ersten Concerte den Mes-\nsias von Händel; im zweiten brachte er zur erstmali-\ngen Aufführung eine vierstimmige Motette (Herr, höre\nmein Gebet), von Hauptmann, die „Christnacht\" von\nFerd. Hiller und die „Pilgerfahrt der Rose\" von Rob.\nSchumann.\nDie Kammermusik wurde reichhaltig vertreten in\ndem Concerte der Herren Werner und Venzel, strebsa-\nmer junger Hof-Orchesler-Mitglieder, und in zwei von\ndem Clavier-Virtuosen Herrn Mortier de Fontaine gegebe-\nnen, wie in der von demselben in engerem Kreise veran-\nstalteten Gedächtnissfeier Beethoven's. Zwei Orchester-\nConcerte des Herrn Seidel brachten als Novität eine Sin-\nfonie (Gr-moll) von M(shul und eine von Bommel, Pro-\nfessor am hiesigen Conservatorium. Von Virtuosen schliess-\nlich hörten wir ausser der hier weilenden vortrefflichen\nClavier-Virtuosin Frau Kolb-Danvin die Gebrüder\nHolmes, Violinisten, in drei Concerten, in welchen man\ninsbesondere das vortreffliche Zusammenspiel in Spohr'-\nschen Duo-Compositionen anerkannte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.5", "titre_corps": "Alfred Jaell.", "titre_sommaire": "Alfred Jaell.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.6", "debut_caractere": 4675, "fin_caractere_exclue": 4897, "texte": "Alfred Jaell.\nAlfred Jaell hat diesen Winter, nachdem erden\nSommer am Rheine und in den Bergen der Schweiz, den\nHerbst grösstenteils in seiner Vaterstadt Triest zuge-\nbracht, von Ende November v. J. bis Anfang Januar d. J."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2418, "texte": "in allen bedeutenden Städten der Schweiz Concerte gege-\nben und überall Triumphe gefeiert, die zu den glänzend-\nsten gehören, welche in unserer Zeit einem Virtuosen zu\nTheil werden können, und um so ehrenvoller sind, weil\nsie meistenteils durch den Vortrag classischer Musik er-\nrungen wurden. Jaell hat drei Mal in Zürich, drei Mal in\nGenf, in Neufchatel, Lausanne, Chur, St. Gallen,\nBasel, Winterthur in jeder Stadt zwei Mal gespielt\nu. s. w. SämmtJiche Concerte waren überfüllt, und der\ngeniale Künstler wurde überall mit Begeisterung aufge-\nnommen. In Zürich wurde er den Tag nach seiner An-\nkunft von dem Gesang-Vereine mit einer Serenade be-\ngrusst. Am fabelhaftesten war sein Erfolg an Enthusias-\nmus und an Einnahme in Genf. Alle Blätter stimmen\ndarin überein, dass niemals ein Künstler dort so volle\nHäuser gemacht habe, wie Alfred Jaell; er gab seine Con-\ncerte in dem grossen Saale des Conservatoriums, und die-\nser war so überfüllt, dass sogar die Estrade vom Publi-\ncum besetzt war. Drei bis vier Stücke mussle Jaell stets\nda capo spielen, unter Anderem die Scherzi aus den bei-\nden Trio's von F. Mendelssohn. Auch mit Beetho-\nven's grosser, Kreutzer gewidmeten Sonate für Ciavier\nund Violine, und mit B. Schumann's Quintett errang\ner ganz ausserordentlichen Beifall, wie er denn vollends\ndurch den meisterhaften Vortrag der Solostücke von Bach,\nHändel, Mendelssohn, Chopin, Liszt, Kirchner\nund seiner eigenen höchst glänzenden Compositionen Alles\nzu den lebhaftesten Ovationen binriss.\nAm 8. Januar gab A. Jaell sein Abschieds-Concert\nin Genf, und am 12. d. Mts. spielte er schon wieder in\nHannover im fünften Abonnements-Concerte. Ertrug\nhier B. Schumann's Concert in A-moll, die Gavotte in\nG-moll von Bach, ein Lied ohne Worte von Mendels-\nsohn und Wagner's Tannhäuser-Marsch, von Liszt\neingerichtet, vor. Letzteren musste er auf stürmisches Ver-\nlangen wiederholen.\nÄra 22. Januar spielte er zu Kassel im Hoftheater-\nConcerte das Concert in C-moll von Beethoven und So-\nlostücke von Bach, Mendelssohn, Liszt und von eige-\nner Composition; am 24. Januar im Abonnements-Con-\ncerte zu Göttingen Beethoven's Sonate in As-dur,\nOp. 26, Schumann's Variationen für zwei Flügel und\nmehrere Solostücke.\nGegenwärtig wird der eminente Künstler, bekanntlich\nHof-Pianist Sr. Majestät des Königs von Hannover, einige\nWochen, wie alljährlich, in Hannover zubringen uud in\nden musicalischeu Soireen bei Hofe mitwirken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.7", "debut_caractere": 2420, "fin_caractere_exclue": 6158, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn der dritten Soiree für Kammermusik horten\nwir ein Violin-Quartett (in D-moH) von Mozart und das grosse\nB-dur-Q\\ia.rtett, Op. 130? von Beethoven. Dazwischen spielte\nFräulein Schoderstedt aus Düsseldorf, dem Vernehmen nach eine\nSchülerin der Frau Schumann, das Clavier-Trio in B-moll, Op. 413,\nvon Mendelssohn mit den Herren von Königslöw und B. Breuer\nund gewann besonders durch den Vortrag des Scherzo verdienten\nBeifall\nIn der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft lernten wir\neinen ganz vortrefflichen Violoncellisten, Herrn Karl Goltermann,\nProfessor am Conservatorium zu Frag, kennen und hochschätzen.\nHerr Goltermann, der nicht mit dem Musik-Director Herrn Golter-\nmann in Frankfurt a M. zu verwechseln ist Beide sind nicht an-\nders verwandt, als dass letzterer fürs Violoncell componirt, ersterer\ndas Instrument spielt —, gehört durch den markigen Ton, den er auf\nallen Saiten hat, und die hohe technische Vollendung seines Spiels\nzu den ausgezeichnetsten Meistern des Violoncells. Er erregte durch\nden Vortrag des Adagio und Finale aus einem Concerte von B.\nRomberg und einer Phantasie über böhmische Volkslieder ganz\nenthusiastischen Beifall. Da er bisher noch keine grössere Kunst-\nreise gemacht hat, so halten wir es um so mehr für Pflicht, die\nmusicalische Welt auf diesen hervorragenden Künstler aufmerksam\nzu machen.\nVor Kurzem hatte der hiesige Sängerbund, gegenwärtig unter\nder technischen Leitung des Herrn Brambach, ein Liedertafelfest\nin dem schönen grossen Saale des Herrn Dickopf veranstaltet. Es\nwaren über dreihundert Theilnehmer versammelt, unter denen bis zu\nden Frühstunden des folgenden Tages eine ausserordentlich heitere\nStimmung herrschte, die während und nach der Tafel durch launige\nTexte zu allgemeinen Gesellschaftsliedern genährt wurde, während\nauch wirklich künstlerische Leistungen auf anerkennungswerthe\nWeise gar sehr zu dem Gelingen des Festabends beitrugen Wir\nzählen zu diesen die Vorträge einiger vierstimmiger Männergesänge,\nwelche durch frische, kräftige Stimmen ausgeführt, allgemeinen Bei-\nfall erlangten, und dann vor Allem auch die Aufführung der „ita-\nliänischen Oper* von Stolze, einer köstlichen Parodie der ge-\nwöhnlichen italiänischen Opernmusik, welche die Darsteller in Co-\nstume auf echt humoristische Weise mit grosser Gewandtheit in Ge-\ngang und Spiel zu wahrem Ergötzen der Zuhörerschaft durch führten.\nAm Mittwoch den 30. Januar hatte der städtische Sing ver-\nein unter der Direction des Herrn F. Breunung eine öffent-\nliche Sitzung veranstaltet, zu welcher sich das eingeladene Pu-\nblicum zahlreich versammelt hatte. Es wurde ein Te Deum von\nHändel aufgeführt, das wir noch nicht gehört hatten; es enthält\nbesonders hübsche Soloästze, während die Chöre fast alle sehr kurz\nsind und nicht die breite Entwicklung haben, die man sonst bei\nHändel gewohnt ist. Nach dem Te JDeum wurde das in seiner Art\ndoch sehr schöne Stabat Mater von Rossini gesungen. Beide Lei-\nstungen waren des rühmlichen Rufes, den der Verein geniesst, wür-\ndig, und auch der Vortrag der Soli, meist durch Kräfte aus der\nMitte des Vereins, war recht anerkennungswerth. Eine zahlreichere\nTheilnahme der Herren Sänger für Tenor und Bass wäre zu wün-\nschen gewesen.\nAm 12. Januar fand in Hannover das fünfte Abonnements-\nConcert unter Mitwirkung der Herren Roger und Jaell Statt.\nRoger sang eine Arie aus 9Joseph und seine Brüder\", so wie eine\n•ihm dedicirte Composition von Meyerbeer. Jaell spielte Schümann1?\nA-violl Concert, „Gavotte* von Bach, „Lied ohne Worte* von Men-\ndelssohn und „Tannhäuser-Marsch* von Liszt. Nach mehrmaligem\nHervorruf und stürmischem Dacapo auch des letztgenannten Stückes\nspielte er noch seine Transscription über den Pilgerchor aus Tan*-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2182, "texte": "häuser. Von Orchesterwerken wurden die von\nMozart und Concert-Ouverture von Rietz gegeben. Das Concert war\nganz aussergewöhnlich überfüllt. Gestern trat Roger zum letzten\nMale an hiesiger Bühne auf als Prophet.\nCharakteristisch für den traurigen Stand, welchen gegenwärtig\ndie deutschen Theater-Unternehmungen in Ungarn einnehmen, dürfte\nnachstehende Annonce sein, die der pressburger Theater-Directoi\nKottaun, ein in seiner Stellung eben so tüchtiger als gewissen-\nhafter Mann, gelegentlich der Anzeige, dass eine ungarische Gesell-\nschaft gastiren wird, zu veröffentlichen sich bemüssigt sieht: „Da\nich mir durch die Completirung meiner Gesellschaft, so wie durch\nVorführung so vieler Novitäten gewiss alle Mühe gegeben habe, um\ndie Zufriedenheit des geehrten Publicums zu erwerben, so ist doch\ndurch die politischen Zeitumstände das Interesse für das 1 heater\nerstorben. Die Einnahmen sind daher so gering, dass keinen Tag\nnur die nöthigsten Tageskosten eingehen, wozu die Gage der Mit-\nglieder nicht gerechnet ist. Da nun durch eine derartige Stockung\ndes Geschäftes die Existenz so vieler Familien auf dem Spiele steht,\nso wage ich es hiermit öffentlich und im Namen aller meiner Mit-\nglieder, an die allgemein bekannte Gastfreundschaft und Herzens-\ngüte der Bewohner Pressburgs zu appelliren und im Vereine mit\ndem Herrn Director Szigeti die Bitte zu stellen, durch zahlreichen\nBesuch das Theater zu unterstützen. Obwohl meine Zunge deutsch,\nso ist doch mein Herz für das theure Ungarland, welchem ich schon\ndurch zwölf Jahre als Director des k. St. Theaters zu Oedenburg,\nso wie jetzt durch vier Jahre dem k. St. Theater zu Pressburg an-\ngehöre, so wie ich auch meine Jugendzeit in der königlichen Frei-\nstadt Pressburg durch sechs Jahre als Schauspieler unter Direction\ndes weil. Fr. Pokorny zugebracht habe, und mir schmeicheln darf,\ndurch meine Leistungen sowohl als Komiker wie als Regisseur mir\ndie allgemeine Zufriedenheit des geehrten Publicujns erworben zu\nhaben. Mit dieser Erinnerung wage ich es nochmals, meine oben\ngestellte Bitte zu wiederholen.®\nVon R. Benedix ist ein Volkspossenspiel in drei Acten erschie-\nnen unter dem Titel: „Der Teufel und der Schneider»\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.7", "titre_corps": "ßerichtigung.", "titre_sommaire": "ßerichtigung.", "signature_source": "H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.8", "debut_caractere": 2184, "fin_caractere_exclue": 3663, "texte": "ßerichtigung.\nH.\nIn Nr. 3 der Niederrheinischen Musik-Zeitung ist in einer Notiz\naus Frankfurt am Main, unterzeichnet A. F., gesagt, dass Herrn\nC. Gollmick der freie Eintritt in die Museums-Concerte nicht gestat-\ntet, und dass demselben auf sein Gesuch keine Antwort zugekom-\nmen sei. Herr G. wandte sich im Anfange des Winters an ein Mit-\nglied des Museums-Vorstandes um Gewährung einer Freikarte; es\nwurde ihm darauf mündlich eröffnet, dass der Vorstand zwar keine\nneuen Freikarten ertheile, weil mit diesen persönlichen Karten öfters\nMissbrauch geschehe, dass aber Herrn G ohne Karte der Zutritt zu\nden Concerten gestattet sei. Herr G. suchte hierauf um eine Frei-\nkarte für seine Tochter nach, die ihm verweigert wurde; zugleich\nwurde er jedoch aufmerksam gemacht, dass seiner Tochter der Be-\nsuch der Proben freistehe. Trotz dieser Vorgänge erhielt der Mu-\nseums-Vorstand einige Wochen später ein abermaliges Gesuch des\nHerrn G., welches allerdings keine Erwiderung fand, da die Sache\nbereits erledigt war. Es ist allerdings bedauerlich, dass der Museums-\nVorstand bei den zur Zeit höchst ungenügenden Concert-Localitäten\nden freien Eintritt mehr beschränken muss, als ihm lieb ist; denn\ndie zahlenden Concertbesucher müssen sogar eine Stunde vor An-\nfang der Concerte sich ihren Platz erobern! Der Zutritt zu den\nProben ist allen Künstlern unverwehrt, und diese Erlaubniss wird\nauch von solchen, die wirkliches Interesse für Kunst und Kunst-\nwerke haben, reichlich benutzt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-02-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-02_01#c008", "volume": "bmtnabi_1861-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.2.8", "titre_corps": "Die deutsche Tonhalle", "titre_sommaire": "Die deutsche Tonhalle", "signature_source": "K. A. Mayer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.8", "debut_caractere": 3665, "fin_caractere_exclue": 5016, "texte": "Die deutsche Tonhalle\nK. A. Mayer.\nsetzt hiermit auf die Composition nachstehenden Gedichtes für den\nvierstimmigen Männerchor den Preis von Fünfzig Gulden rhein.\nund ladet deutsche Tondichter zur Bewerbung ein.\nMit Ertheilung des Preises wird auch dieses Gedicht, wie seine\nComposition, Eigenthum des betreffenden Bewerbers; bis dahin aber\nbleibt es unserem Vereine allein zu eigen und darf nur zu dieser\nPreis-Bewerbung benutzt werden.\nDie Bewerbungen sind im Mai d. J. frei an uns in der be-\nkannten Form einzusenden\nMannheim, im Januar 1861.\nDer Vorstand der deutschen Tonhalle.\nDeutscher Männer Festgesang.\nLass schallen, deutscher Männerchor,\nGesang fürs deutsche Vaterland!\nLass steigen ein Gebet empor\nZu Gott, wie reinen Opferbrand.\nAuf Liedes Schwingen\nSoll aufwärts dringen\nEin Ruf, aus tiefster Brust gesandt:\nEin einig starkes Vaterland!\nSind Deutschlands Glieder auch zertheilt,\nUnd winden sich zerstückt in Schmerz:\nEs schlägt die Stunde, die sie heilt;\nIst doch gesund sein edles Herz.\nWir steh'n zusammen\nIn heil'gen Flammen\nUnd heben hoch zum Schwur die Hand;\nElin einig starkes Vaterland!\nGebet und Schwur, o macht uns stark,\nZu opfern freudig Gut und Blut;\nFüllt unsern Arm mit Heldenmark,\nStählt unsre Brust mit hohem Muth.\nMannhaftes Ringen\nMuss Sieg uns bringen;\nDann Heil! Durch Volkes Kraft erstand\nEin einig starkes Vaterland!"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe. 11. Von B. P. Beurtheilungen. Geistliche Lieder, herausgegeben von G. W. Teschner. Von E. Krü-\nger. Liederbuch von Otto Scherzer. Neue Weisen zu P. Gerhardt's trostreichen Liedern. Von M. Die musicalische Thätigkeit\nMünchens in den Monaten November und December 1860. Alfred Jaell. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, 111. Soiree\nfür Kammermusik, Sängerbund, Städtischer Singverein Hannover Berichtigung Deutsche Tonhalle, Preis-Ausschreiben)*\n\nPariser Briefe.\n\nII.\n(I. s. Nr. 4.)\nZu der musicalischen Literatur ist auch der sechste\nBand von Dr. Veron's Memoires d'un bourgeois de Pa-\nris, der im October vorigen Jahres erschienen ist, zu rech-\nnen, zumal, da er den besonderen Titel führt:\n1860. Les iheätres de Paris de/piäs 1806 jusqu'en 1860.\nPar Mr. L.V eron, depute\nde la Seine.u\nHerr Veron, jedenfalls ein eben so geistreicher als\npraktisch gewandter Mann, spricht in diesem Buche von\nsich selbst und seiner vielseitigen Thäligkeit mit humoristi-\nscher Bescheidenheit. „Ich habe mein ganzes Leben lang\nProjecte gemacht, und von diesem Gesichtspunkte aus be-\ntrachtet bietet dasselbe eine gewisse Einheit dar; ich habe\ndas Project gemacht, Arzt zu werden, eine literarische\nZeitschrift zu gründen, die grosse Oper zu dirigiren, den\nComtitutionnel wieder zum Leben zu bringen, über Poli-\ntik zu schreiben, sechs bis sieben Bände drucken zu lassen\nund noch eine Menge anderer Projecte, von denen\nich kaum noch etwas weiss, und die Welt noch weniger\nals ich! Endlich in meinen alten Tagen habe ich das Pro-\nject gemacht, keines mehr zu machen, und doch sitze ich\nda schon wieder und schreibe ein Project für die pariser\nTheater nieder, das ich für nothwendig, nützlich, gerecht\nund vernünftig halte.\"\nVeron's Buch beschäftigt sich nämlich, nachdem es in\nseinem bei Weitem grösseren Theile das jetzige Paris mit\nallen seinen Herrlichkeiten, Neubauten, kaiserlichen und\nstädtischen Anlagen beschrieben, zuletzt mit den Theatern\nund gibt dann für die vier Operntheater denn nur von\ndiesen ist die Rede—ein Project zum Besten, dessen Haupt-\nzweck ist, sie unter einander zu verbinden und ihr Ge-\ndeihen zu sichern.\nDass mit Ausnahme der kaiserlichen Oper, deren\nSchiff' allein im sicheren Hafen liegt, die anderen gar sehr\ndem Wechsel menschlicher Dinge unterworfen sind, zeigt\nihre ganze Geschichte. Alle drei schwimmen auf dem offe-\nnen Meere, von günstigen oder widrigen Winden abhän-\ngig. Die komische und d e italiänische Oper liegen indessen\nin dem vornehmen Quartier und gemessen mehr oder we-\nniger Zuschuss von der Regierung, was ihre Fahrt fördert,\nwenn das Wetter nicht gar zu schlecht oder der Steuer-\nmann gar zu ungeschickt ist. Das Theätre lyrique aber\nliegt in einer abscheulichen Gegend und bekommt keinen\nHeller Zuschuss. Ob sich seine topographische Lage bes-\nsern wird, wenn es auf den Platz kommt, ist\nnoch sehr zu bezweifeln.\nWorin besteht nun Veron's Project—das letzte in sei-\nnem Leben —, das hauptsächlich also der letztgenannten\nBühne zu Gut kommen würde?\nEs beruht auf einem Bühnen-Verein der vier Opern-\ntheater unter dem Schutze und der förmlichen Garantie\nder Regierung. Jedes derselben soll einen Special-Director\nhaben, der unter dem Minister des kaiserlichen Hauses\nstehe. »Nur keine Intendanten!\" —fügt Veron hinzu\n„die Einheit des Oberbefehls ist beim Theater eben so\nnothwendig, wie bei einem Regimenle, bei der ganzen\nArmee. Jede Woche finde eine Versammlung der vier\nDirectoren Statt; sie haben sich zu vereinigen und sich\ngegenseitig zu unterstützen und auszuhelfen in Bezug auf\ndie Repertoires und alle Maassregeln, die zum grössten\nGlänze und besten Gedeihen aller vier Bühnen gereichen.\nIch bin überzeugt, dass unter diesen Bedingungen die Ein-\nnahmen der vier verbundenen und von der Regierung ge-\nziemend unterstützten Bühnen dermaassen steigen würden,\ndass sie der Civilliste keine Opfer kosten dürften.\"\nDas ganze Project kommt mir und sehr vielen Leuten\näusserst windig und unpraktisch vor und dürfte bei der\nAusführung, wenn diese überhaupt möglich wäre, keines-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.2", "texte": "wegs zum Vortheil der Kunst und des Publicums gerei-\nchen denn man weiss nur zu gut, wie leicht subven-\ntionirte Theater auf ihrem sicher gestellten Bettwerk ein-\nschlafen, wenn sie keine Coneurrenz zu fürchten haben.\nAm schlechtesten würde jedenfalls die kaiserliche Casse\ndabei fahren. Und wie kann Herr Veron, selbst ein Thea-\nter-Director a. D., nur irgend hoffen, dass vier Herren\nder Art sich alle Wochen zu gegenseitiger Aushülfe, ge-\ngenseitigen Zugeständnissen und Opfern verstehen wür-\nden? „Sie würden nicht mehr Nebenbuhler sein, die ein-\nander chicaniren und sich zu schaden oder zu überbieten\nsuchen, sondern Wetteiferer im Schönen\" —das heisst mit\nanderen Worten an den ewigen Frieden glauben!\nlis könnte aber auch eine solche Verbindung und Ge-\ngenseitigkeit nur dazu dienen, den Missbrauch, der jetzt\nschon eingerissen ist, und der auch in Wien und Berlin\nmit starken Schritten vorrückt, zu heiligen und gesetzlich\nzu machen, den Missbrauch, den verschiedenen Theatern\nin einer grossen Stadt ihren besonderen Charakter\nzu entziehen und die Aufführungen aller Gattungen von\ndramatischer Musik durch einander zu werfen. Das ist ein\nUnglück. Jedes Theater muss seine bestimmte Physiogno-\nmie haben. Jetzt aber tischt die grosse Oper, deren Sache\nallein das ernste musicalische Drama sein sollte, komische\nOpern, ja, sogar Operetten auf; die komische Oper hin-\ngegen bemüht sich, auf Stelzen zu gehen, bringt Stoffe\nauf ihre Bühne, die mehr Jammer als Scherz enthalten,\nund setzt diese durch eine Decorations- und Maschinerie-\nPracht in Scene, die mit der kaiserlichen Bühne wetteifert.\nDie italiänische Oper französirt sich, und die französische\nlässt italiänische Texte für sich ins Französische über-\nsetzen und entstellt den italiänische» Gesang durch Fran-\nzosen!\nUnd was würde in financieller Hinsicht durch den\nAllianz-Tractat gewonnen werden? Der Krebsschaden al-\nler Theatercassen sind die ungeheuren Gehälter der aus-\nübenden Künstler. Setzte der Operntheater-Bund in Paris\neine Taxe fest, ein Maximum was könnte das helfen?\nDer Künstler hat kein Vaterland, die Welt ist seine Hei-\nmat, sein Markt ist Europa und America, bald vielleicht\nauch Afriea (Algier, Capstadt) und China und Japan dazu!\nWas kann ein „herzliches Einverständniss\" von vier pari-\nser Directoren gegen die Concurrenz von England, Deutsch-\nland, Russland, Italien, Spanien und allen auf Bankerott\nspielenden Impresarios in Nord- und Süd-America helfen?\nWas aber vor Allem den Grund wankend macht, auf\nwelchem die pariser Operntheater beruhen, ist noch etwas\nganz Anderes, und zwar etwas, wovon das Ausland gar\nkeine Ahnung hat. Nun? Hört denn und staunt oder\nlacht! Es ist die jämmerlichste Knauserei des Publicums\nin Bezug auf die Opcrnthealer im Bunde mit ungeheuren\nAnsprüchen an dieselben. Das pariser Publicum, das so\nvergnügungssüchtig ist wie kaum ein anderes auf der\nWelt, das sonst überall, wo es gilt, sich Vergnügen zu\nverschaffen, durchaus nicht marktet und feilscht, das auch\nin der That so gierig nach Musik ist, dass es ihrer gar\nnicht entbehren kann, sieht noch immer nicht ein, dass\nman sie auch ordentlich bezahlen müsse! Es bezahlt so\nziemlich das Nöthige für das recitirende Schauspiel, das\nMelodrama, die Vaudevilles, die Faxen und den Geister-\nund Feenspuk, deren Unternehmer meist ganz gute Ge-\nschäfte machen, zuweilen sogar reich werden, ohne dass\nder Staat sie unterstützt. Sobald aber von Musik die Bede\nist, so ändert sich die Sache. Umsonst weis'l man auf den\nalljährlich steigenden Ausgabestand der Operntheater hin:\ndas Publicum duldet keine Erhöhung der Eintrittspreise.\nEs liebt die Musik, es betet sie an, aber wie eine Ge-\nmahlin, die aus ihrer reichen Mitgift ein Drittel der Haus-\nhaltungskostcn trägt. Dieses Drittel liefert der Staat; seine\nUnterstützung repräsentirt die Summe, welche das Publi-\ncum beizutragen verweigert.\nWas ist das für ein Verhältniss? was ist das für ein\nPrincip? Das Publicum weigert sich, stückweise das,\nwas es geniesst oder verzehrt, zu bezahlen, und verlangt,\ndass es im Ganzen durch Leute bezahlt werde, die gar\nnichts davon haben!\nWer wird es glauben, dass heute, im Jahre 1861,\ndie Preise der Plätze im grossen Opernhause zu Paris un-\ngefähr noch dieselben sind, wie zu Lully' s Zeiten, obgleich\ndamals der Ausgabestand kaum hunderttausend Eivres be-\ntrug, während er jetzt zwei Millionen erfordert? Wagt\nman einmal, was in London seit lange geschehen ist, die\nPreise zu steigern, zu verdoppeln, ja, nur bei ausserordent-\nlichen Fällen die Taxe zu erhöhen, so kommt kein\nMensch, so bleibt das Haus leer*)!\nVon den neuen Opern, die ich in der Jahres-Ueber-\nsicht (I. in Nr. 4) genannt habe, sind die meisten in diesen\nBlättern zur Zeit besprochen worden**). Die französi-\nsche Semiramis, mit Rossini's, von Carafa zuge-\nstutzter Musik, verdankte ihre Erscheinung auf der Scene\n\n*) Das ist merkwürdig; unsere Leser in Köln und vielen ande-\nren deutschen Städten werden glauben, der Herr Correspondent\naus Paris spräche von ihrer Vaterstadt in Deutschland! Dass\nübrigens die Sache in Paris sich wirklich so verhält, wie oben\ngeschildert worden, bestätigen seit Jahren alle Theater- und\nMusik-Zeitungen der Franzosen selbst. Die Redaction.\n**) Margherita la Mendicante von Braga; Pierre de Medicix\nvom Fürsten Poniatowski; Le Roman d 1 JElvire von Ainbr.\nThomas,; Le Chäteau Trompette von Gevaert; Rita, aus\nDonizetti's Nachlass u. s. w., Jahrg. 1860, Nr. 28. Phile-\nmon et Baucis von Gounod; Gil Blas von Semet; Les Ro-\ntlbres von Herold u. s. w., Jahrg. 1860, Nr. 29."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.3", "texte": "der grossen Oper erstens der Armuth an Compositionen\nfür diese, und zweitens einem Zufalle oder vielmehr einer\nkolossalen Reclame, die von Italien her über die Alpen\nflog. Schon vor etwa zwei Jahren hatten zwei Schwestern,\nCarlotta und Barbara Marchisio, durch ihr erstes\nAuftreten auf dem Theater San Benedetto zu Venedig in\nder Semiramis Enthusiasmus, Furore, Fanatismus erregt.\nSopran und Alt, Semiramis und Arsaces, wurden als Wun-\nder gepriesen. Fin Abgesandter von der grossen Oper zu\nParis erscheint in Venedig im Frühjahr vorigen Jahres,\nprüft gar nicht und unterhandelt sehr wenig, sondern en-\ngagirt ohne Weiteres; so hatten w'ir auf einmal die zwei\nSchwestern und ihre Hauptrollen: folglich musste die\nganze Semiramis aufgefrischt und neu ausgestaltet werden.\nDer 9. Juli v. J. erschien und mit ihm am Abend auf\nden berühmten Brettern zwei kleine, im Aeusseren durch\nnichts einnehmende, geschweige denn ausgezeichnete Per-\nsönchen, deren Züge nicht die geringste Aehnlichkeit mit\neinander hatten, es sei denn eine stark orientalische Phy-\nsiognomie. Sie haben Stimme und verstehen auch zu sin-\ngen; aber an die Pasta, Sontag, Giulia Grisi, Pisaroni,\nAlboni, welche in denselben Rollen glänzten, reichen sie\nauch nicht einmal aus der Ferne hinan. Carlotta (Sopran)\nwar freilich sehr ängstlich und ging erst im Verlauf der\nVorstellung etwas mehr heraus; Barbara (Alt) ist siche-\nrer, doch fehlen der Stimme die tiefen Brusttöne mit vol-\nlem Klang. Als Schauspielerinnen sind sie nur noch An-\nfängerinnen, als Sängerinnen dürften sie eine Zukunft\nhaben; fürs Erste aber haben ihnen die ganz ungeheuer-\nlichen Anpreisungen ihrer Freunde sehr geschadet. Im\nGanzen hat die Oper keinen ausserordentlichen Eindruck\ngemacht; der letzte Act ist auch gar zu schlaff, und das\nist immer schlimm für den Erfolg. Am besten ist Carafa\ndabei gefahren, dem Bossini seine volle Tantieme überlas-\nsen hat. Die erste Vorstellung der (rein) Rossini'schen Se-\nmiramis fand zu Venedig im Carneval 1823 Statt. Es war\ndie letzte Oper, die Rossini in Italien schrieb, und sie be-\nzeichnet den Höhepunkt der damaligen italiänischen Opern-\nmusik. Elisabeth Colbrand, nachmals llossini's Gattin, sang\ndie Semiramis, der berühmte Bassist Filippo Galli den\nAssur. Im Jahre 1831 nahm Henriette Sontag in der Se-\nmiramis von der Bühne im Opernhause zu Berlin Abschied.\nEine zweite Wiederaufnahme eines älteren Werkes\nwar die Aufführung von Boieldieu's Le petit Chaperon\nrouge auf dem Theater der komischen Oper im August\ndes vergangenen Sommers.\nIch habe schon oben angedeutet und in früheren Brie-\nfen ausgeführt, wie der Stolz der Franzosen, die komische\nOper, allmählich die Schranken ihrer Gattung nicht bloss\nüberschreitet, sondern zertrümmert und in die Gebiete des\nMelodrama's und der tragischen Oper eindringt. Wie\nwohlthuend erscheinen desshalb den Freunden der natür-\nlich schönen Musik die freilich nur sehr seltenen Auffüh-\nrungen von Opern der älteren Schule, deren Ruhm sich\nmit Boieldieu und Auber gipfelte! Und dennoch gewähren\nsie in ihrer jetzigen Gestalt nur schöne Erinnerungen; die\nTradition ihrer Darstellung in Gesang und Spiel ist fast\nganz verloren gegangen; Sängerinnen und Sänger, welche\ndas Publicum durch ihre Spieluhrenfertigkeit in den Com-\npositionen neuesten Genres entzücken, sind nicht mehr im\nStande, sich zu der durchsichtigen Farbe des Timbres und\nzu der natürlichen Feinheit und Anmuth der Technik und\ndes Vortrags zu erheben, die jene reizende französische\nMusik fordert, welche gegenwärtig ein buntscheckiges Car-\nncvals-, um nicht zu sagen: Hanswurst-Gewand von Lap-\npen aus aller Herren Ländern trägt.\nBoieldieu schrieb sein „Rothkäppchen\" im Jahre\n1818, als er an Mehul's Stelle Mitglied des Instituts wurde.\nUnmittelbar vorhergegangen waren Jean de Paris, La\nFete du village voisin und Le nouveau Seigneur; nach je-\nner Oper aber arbeitete er nicht mehr so schnell und\nschrieb binnen zwölf Jahren nur drei Opern: Les Voitures\nversees, La Dame blanche und Les Wenn\nnun auch die Partitur allerdings nicht an diese letzteren\nWerke reicht, so ist sie doch reich an köstlichen Melo-\ndieen, höchst anmuthigen Motiven und Verzierungen, und\nin Bezug auf das Orchester kann man sie als die Vorläu-\nferin zu dem Meisterwerke „Die weisse Dame\" betrachten.\n\nB. P.\n\nBeurtheilungen.\n\nGeistliche Lieder, auf den Choral oder die ge-\nbräuchliche Kirchen-Melodie gerichtet und fünf-\nstimmig gesetzt von Johannes Eccard. Zwei\nTheile. Nach den königsberger Original-Ausga-\nben, beide von 1597, herausgegeben von G. W.\nTeschner. Partitur. Leipzig, bei Breitkopf und\nHärtel. (Erster Theil, VIII und 49 S. Zweiter\nTheil, 59 S. Jeder Theil 2 Thlr. 20 Gr.)\nMit freudigem Danke begrüssen wir die vorliegende\nAusgabe Eccard'scher Lieder, welche einem lange geheg-\nten Wunsche entgegen kommt. Aus dem unerschöpften\nReichthume wahrer kirchlicher Kunst werden unserer Zeit\nreife Früchte dargeboten voll Nahrungskraft, viele darunter\nbald annehmbar, fasslich und lieblich eindringend, manche\nschwerer zu bewältigen, aber tiefer dringend, um ihre un-\nvergängliche Schönheit desto dauernder zu bezeugen. Für\ndie allgemeinere Verbreitung wäre allerdings zu wünschen,\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.4", "texte": "Dass es der wackeren Verlagshandlung gefallen hätte, an-\nstatt der glänzenden Ausstattung in Kupferstich, die so\nkostspielig ausfallen musste (116 Seiten zu 5/3 Thlr.),\nlieber eine wohlfeile Ausgabe herzustellen, was mit den\ntrefflichen Choral-Typen ihrer eigenen Officin wohl leicht\ngelänge. Wir sprechen das nicht als Vorwurf ans, aber\nhoffen dagegen falls nicht bald eine wiederholte Ausgabe\nnöthig wird, die billiger herzustellen wäre —, dass sie min-\ndestens jetzt baldmöglich die Einzelstimmen zu diesen\nHeften in kleinem Format, mit Typen gedruckt, heraus-\ngebe*}. Dieser Wunsch erscheint um so billiger, da etwa\ndie Hälfte der in Teschner's Ausgabe enthaltenen Lieder\nschon in den schätzbaren, ebenfalls bei Br. und 11. erschie-\nnenen Beiträgen zu Winterfeld's Evangel. Kirchengesang,\nTb. 1 (1843), und in desselben Fest-Ausgabe von Luther's\ngeistlichen Liedern (1840) enthalten sind. Das Verhältniss\nbeider Ausgaben ist folgendes: Teschner bringt 52,\nWinterfeld (in beiden eben genannten Büchern) 47\nEccard'sche Tonsätze; gleich sind in beiden 22.\nAuf dieses Verhältniss legen wir besonderes Gewicht,\nund zwar keineswegs allein in Rücksicht auf die buchhänd-\nlerische Seite; weit mehr um der kritischen Auffassung\nund des kirchlich-künstlerischen Werthes halber. Zuerst\nist es erfreulich, Eccard's Bedeutung aufs Neue erkannt\nund bezeugt zu sehen, dieses Sterns der evangelischen Kir-\nche, dessen Aufgang den alten Sebastian entzückt haben\nwürde, selbst wenn er den eigenen daneben hätte bleichen\ngesehen. Und das muss sehr deutlich und offen gesagt\nwerden, weil sich eine esoterische Gegen-Ansicht mancher\nOrten will geltend machen, als wäre Eccard eine gar acht-\nbare Vo rstu fe, ein „gewisser Standpunkt\" ohne se Ibst-\nständige Geltung, allenfalls von „didaktischem Werth e\"\nu. dgl. Man würde es nicht glauben, ohne es zu hören!\nDergleichen Reden muthen uns an, wie wenn Jemand den\nRaphael'schen Engelsköpfen etwa solche Unterstufe zuer-\nkännte, gleich als wären sie eben leidliche Quartaner, die\nda verhiessen, dereinst brave Primaner zu werden, und\nnur in so fern auch mitzunehmen wären!—Wir mei-\nnen freilich nicht, bei Eccard nur Kinder- und Engelsköpfe\nzu finden, vielmehr tritt das ganze Leben der heiligen\nGemeinde gleich wie ein Abbild der triumphirenden Kirche\nheran in vielfältigen Gestalten von Kraft und Milde, De-\nmulh und Herrlichkeit, voll keuscher Einfalt, in hellem\nGianze jugendlicher Fülle und Gesundheit. Wem aber Ec-\ncard ein überwundener Standpunkt scheint, der hat ihn\nentweder nie gehört, oder ihm ist Bedürfniss und Ahnung\nseliger Schönheit verloren, und er weiss nicht, wessen\nZeugnis jene Meister ablegten, deren Kunst und Weisheit\naus Einem Borne quoll. Die Bekanntschaft mit Eccard\nvielmehr die Wiederentdeckung des Verschollenen ha-\nben wir dem grossen Geschichtsforscher Karl v. Winter-\nfeld (-f- 1852) zu danken, der ein halbes Leben hindurch\nvoll Aufopferung gearbeitet hat, um der heiligen Tonkunst\nneuen Grund und Boden zu gewinnen ohne anderen Ge-\nwinn, als die Freude des Gelingens und das Bewusstsein,\neinem heiligen Zwecke zu dienen. Und dies ist das Zweite,\nwas wir den Zeitgenossen möchten in Erinnerung bringen,\ndass sie der Dankbarkeit gegen Winterfeld nicht vergessen.\nSein Verdienst wird erkannt von tüchtigen Meistern und\nKennern beider abendländischen Kirchen. Denn seine\nfrüheren Forschungen im Bereich der römisch-katho-\nlischen Tonkunst (Joh. Gabrieli, 3 Theile, Berlin,\n1834) haben die Bahn gebrochen für die auf jener Seite\nerwachende Forschung, wie das auch von vielen Katholi-\nken, z. ß. Kiese welter und Proske, unbefangen dank-\nbar anerkannt wird; und gleicher Weise haben wir sein\nGedächtniss zu ehren für die Eröffnung des Schatzes un-\nserer Kirche durch sein Haupt-Lebenswerk: Vom evange-\nlischen Kirchengesange. Seit dieses Werk erschienen, be-\nginnt die Bewegung zur Gesangbesserung, zur Herstellung\ndes Gemeindegesanges, die noch nicht zum Ziele gelangt\nist, aber schon jetzt in die evangelische Liturgie neues Le-\nben gebracht hat.\nEs wäre nicht nöthig, so viel Worte zu machen, um\neinen ohnehin berühmten Mann zu loben, wenn nicht auch\nhier selbst von solchen, die nicht ganz unkundig sind, ein\nsonderbarer Einspruch sich erhöbe, unbegreiflich und un-\nerklärlich, wo nicht vorgefasste Grundsätze oder Meinun-\ngen den Blick befangen. Dass Winterfeld z. 8., wie von\ngewisser Seite behauptet wird, unzuverlässig, lückenhaft,\nunklar u. s. w. gearbeitet, ja, im Grunde gar nicht im In-\nnersten musicalisch gewesen, dass seine Manuscript-Copieen\nmeist ungenau seien, weil er die alten Schritten zu lesen\nnicht verstanden: alle diese Behauptungen zerfallen vor der\neinzigen Frage: Warum denn, wenn das alles sich so ver-\no P\nhält, sind von denen, die ihn tadeln, nicht Berichtigungen\ngebracht, verbesserte Auflagen gewagt? Wir sehen, dass\nalle Späteren auf Winterfeld fussen und fortbauen; ist ihm\nsolche Ehre unbesehens widerfahren? Sonderbar, dass nicht\nRochlitz, Seyfried, Mosel, Mortimer gleicher Ehre theilhaft\ngeworden! Unser Herausgeber Teschner hat dagegen\nEhre gegeben, dem sie gebührt, sowohl in der tüchtig ge-\nschriebenen (aus Winterfeld, Evangel. Kirchengesang, Tb.\n1, zusammengestellten) Vorrede, als in der meist ganz un-\nveränderten Wiedergabe derjenigen 22 Tonsätze,\ndie ihm und Winterfeld gemein sind, nämlich:\n\n*) Wie rasch hat z. B. das liturgische Werk von Proske in\nKegensburg Verbreitung gewonnen durch die wohlfeile Her-\nstellung in Noten-Typen!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.5", "texte": "T. 1, I=W. 1, 118. 3 = 121. 4=122. 7 = 120.\nI 1 = 123. 12 = 125. 13 = 124. 14=126.\n17=119. 18=127.\nT. 2, 7 = W. 1, 130. 8=135. 9 = 132. 10=128.\nII = 133. 13 = 152. 14=134. 15 = 136.\n19 = 129. 27 = 131. 28= 137.\n22 = W. Luther's Lieder, Nr. X3II.\nGeringe Abweichungen sind folgende:\nT. hat Th. 1, Nr. 3, p.6, im Alt T. 9 wo W.\nBeides ist möglich, vielleicht f richtiger, jedoch ohne Ein-\nsicht des Originals nicht zu entscheiden, zumal T. in der\nVorrede S. VIII. die E i n z ei c h n u ng des C h ro ma, d. h.\ndie Aufnahme der chromatischen Zeichen in die Noten-\nSysteme— statt über dieselben nach den Consequenzen\nder Theorie auch gegen die Handschriften zulässt.\nFerner sind transponirt bei\nT. 1, 14. 2, 27. 2, 28 (um eine Terz tiefer),\nalle drei Mal wohl angemessen, um eine bequeme Tonhöhe\nzu erreichen, was allzeit erlaubt und gültig, oft mündlich,\nzuweilen auch schriftlich geschieht.\nEndlich sind mehrmal die Namen Ten. I. und IL bei\nbeiden Herausgebern verschieden; unerheblich, weil beide\nTenöre gewöhnlich gleicher Höhe sind und einander fast\nfortwährend kreuzen. Abweichend ist zuweilen die Wort-\nund Sylben-Vertheilung, z. B. T. 1,17, Ten. I. 6 7, wo\ndie Winterfeld'sche Declamation singbarer ist. Zu bekla-\ngen ist noch, dass die schöne rhythmische Darstellung,\nwelche W. 1, 137 dem Liede: „Ich dank' Dir, lieber\nHerre\", gegeben hat, bei T. nicht beachtet und durch die\nübliche Vergitterung in Dupeltacte der Bau der Melodie\nzerstört ist. ,\nKurzum, diese Teschner'sche Ausgabe ist ein lobens-\nwerthes Zeugniss der Ehren Eccard's und seines Interpre-\nten Winterfeld; jenes Meisters, der allen unbefangenen\nHörern für die evangelische Kirche so unentbehrlich er-\nscheint, wie Palestrina für die römische; und dieses treuen\nFo rsc h ers, der minder seiner Forschung als seines Stand-\npunktes wegen u. A. allen denjenigen verdächtig gewor-\nden, die sich in Heinrich Schütz einen neuen Heiligen\nerlesen haben. Der letztgenannte Meister, die Ursache des\nkürzlich aufflackernden Tendenzstreites, ist von Winterfeld\n< ' , .\nebenfalls zuerst neu ins Gedächtniss gerufen, der ihm im\nGabrieli 2, 168—212, und im Evangel. Kirchenges. 9,\n2, 207 230 eine eingängliche Betrachtung widmet, da-\nbei aber freilich zu dem Ergebniss kommt, dass H. Schütz,\ndurch weltlich italische Einflüsse beregt, eine neue Zukunft\nvorbedeutet; dies ist die mächtige Anregung zum geist-\nlichen Kunstgesange« der Vorbote des dramatischen\nStils, der in Händel und Bach seine Vollendung fand;\ndarüber beginnt der Gemeindegesang zurück zu tre-\nten. Das ist 11. Schützens Bedeutung, sein Verdienst und\nsein Mangel. Also steht geschrieben W. E. K. 2, 229;\nnicht mehr, nicht minder.\nGöttingen, im December 1860.\nE. Krüger.\nLiederbuch von Otto Scherzer. I. Theil. 25 Lie-\nder, für eine Singstimme mit Ciavier-Begleitung\ncomponirt. Nördlingen, Beck'sche Verlagshand-\nlung. 1860.\nScherzer ist der Nachfolger des jüngst dahingeschie-\ndenen Sileher in Tübingen. Dass er für würdig befun-\nden worden, dieses beliebten Sängers Amt fortzuführen,\nerweckt schon ein günstiges Vorurtheil für ihn. Man ver-\ntraut einem wohl nicht eine so eiuflussreiche Stelle, wie\ndie eines Musik-Directors an einer Universität, an, ohne\ndass man den Beweis genügenden Wissens und entspre-\nchender Leistungen zur Hand hätte. Bei Scherzer trifft\nBeides zu. Ohne Widerspruch befürchten zu müssen, darf,\nabgesehen von dem Empfehlenden, was sonst von ihm\nschon bekannt geworden, obiges Liederbuch als Beleg an-\ngeführt werden. Die Auswahl der Texte (Göthe, Uhland,\nKörner, Lenau u. s. w.) bekundet den denkenden Ton-\ndichter; man weiss ja, wie schwer es unseren Poeten fällt,\nfür Musik geeignete Worte zu verfassen, so dass unter\nhundert sonst der schönsten, als Lieder bezeichneten Dich-\ntungen fast die meisten unsangbar sind. Ein oberflächli-\ncher Componist freilich fühlt diesen Mangel nicht; ihm\ndient das Wort ja nur als Unterlage beliebig ersotmener\nMelodieen. Scherzer aber hat erkannt, dass bei einem rech-\nten und echten Liede Text und Musik so ganz Eins sein\nmüssen, wie Geist und Herz; er hat daher nur solche\nTexte gewählt, welche hierzu wie geschaffen sind. Damit\nhabe ich auch schon seine Lieder-Compositionen charak-\nterisirt; sie sind die treueste Interpretation des Textes,\nnicht etwa bloss der einzelnen Worte und Gedanken, was\n/\noft in kleinliche Tonmalerei, wenn nicht gar in falsche De-\nclamation ausartet, sondern der Grundstimmung. Scherzer\ngibt in seinen Liedern das vom Verstände Gedachte in der\ndurch das Herz erst vollbrachten Verklärung. Seine Com-\npositionen sind aber desshalb nicht etwa blosse Sentimen-\ntalität, sie wollen auch verstanden, nicht bloss gefühlt sein.\nIhre volle Wirkung werden sie thun, wenn sie vorgetra-\ngen werden von solchen, deren Geist und Herz harmonisch\nc 1\nzusammenklingen. Ueber einzelne Dingelchen noch mit\ndem Componisten zu rechten, dürfte nach diesem wohl\nkleinlich erscheinen. Der Kritiker darf ja nie vergessen,\ndass nil perfectum sub sole.\nNeue Weisen zu P. Gerhardt's trostreichen\nLiedern. Ein Beitrag zur Hausmusik von Fr.\nMergner. I. Heft. Erfurt, Martinstift. 18 Kr."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.6", "texte": "„Das Lied\", sagt Jean Paul, „ist ein Schmerz, der\nsich von der Brust loslösen will, eine fliegende Lust, die\nüber das Herz hinfährt und seine Saiten unwillkürlich zit-\ntern und klingen macht.\" Von dem tiefen Sinne des Lie-\ndes angeregt also, muss der Componist alle Momente des\nAffectes wie in einem Brennpunkte zusammenfassen, aus\ndem dann die Melodie hervorstrahlt. Daher ist es, um ein\ngutes Lied zu componiren, unerlnsslich, dass der Compo-\nnist nicht nur den Sinn der Worte tief fasse, sondern auch\nselbst wiederum Dichter des Liedes in Tönen werde. Der\nFunke, der im Innern des Dichters das Lied entzündete,\nmuss, wie mit erneuerter Kraft, im Innern des Compo-\nnisten aufglühen und mit dem Worte zugleich den Ton\nwecken, der in der Seele des Musikers wie ein wunder-\nbares Geheimniss ruht. Das Lied ist gerade die Art Com-\nposition, in der sich durchaus nichts ergrübein, nichts\nkünstlich bauen lässt, was die Neueren und Neuesten oft\nvergessen; die beste Kenntniss des Contrapunktes hilft hier\nnichts, die Begeisterung muss den musicalischen Gedanken\nerzeugen, der das Ganze ist. Durch Nachdenken und Zu-\nsammenstellung und Deckung des Wortbegriffes durch\nNoten lässt sich das nimmer erzwingen. Das erste Erfor-\nderniss eines echten Liedes ist die selbstständige, zusam-\nmenhangend fliessende Melodie; diese muss sangbar und\nnicht von zu grossem Umfange zwar bei allen, vorzüglich\naber bei religiösen Liedern sein. Was der Blume der Duft,\nist dem Liede die Melodie. Vereinigt sie Wahrheit des\nGefühls mit Schönheit des Ausdrucks, so ist von Seiten des\nComponisten allen Anforderungen Genüge geschehen.\nWenn ich diesen Grundsätzen nun hinzufüge, dass sie in\nden vorstehenden Liedern, welche mir weitaus die her-\nvorragendste Erscheinung auf dem Gebiete der frommen\nLied-Composition in der Neuzeit zu sein scheinen, sich\nganz ausgeprägt und verkörpert haben, so brauche ich wohl\nweiter nichts mehr darüber zu sagen. Es ist das höchste\nLob, das einem Lieder-Componisten gespendet werden\nkann.\n\nM.\n\nDie musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten\nNovember und December 1860.\nNachdem Prinz Carneval wieder definitiv das allgewal-\ntige Scepter ergriffen und die Concertsäle dem Tanz und\nMummenschanz überwiesen, vermag ich Ihnen über den\nersten Abschnitt unserer musicalischen Winter-Thätiskeit\nwährend der Monate November und December vorieeri\nO\nJahres ein ziemlich reichhaltiges Bild zu entwerfen.\nDie musicalische Akademie unter Franz Lach-\nner's Leitung brachte in ihren vier Odeons-Concerten\nzum ersten Male eine Ouvertüre für vollständige Harmo-\nniemusik von Mendelssohn, ein Andante für acht Blas-\ninstrumente von Beethoven, Präludium und Fuge für\nOrchester von Franz Lachner, eine Arie aus Orpheus\nund Eurydice von Jos. Haydn, zwei der jüngst erschie-\nnenen Vocal-Quartette von M. Hauptmann („An der\nKirche wohnt der Priester\", und Lied aus „Mirza Schaffy\"),\nschliesslich zwei reizende Vocal-Quartette für einen Sopran\nund vier Männerstimmen von Ferd. Hill er („Lebenslust\"\nund „Die Lerchen\"). Ausserdem kamen zur Aufführung\ndie D-dur-und die J.-<:/wr-Sinfonie von Beethoven, die\n./1-cfer-Sinfonie von Mendelssohn und die D-moll-Sin-\nfonie (Introduction, Allegro, Romanze, Scherzo und Finale)\nvon R. Schumann, die Ouvertüre (Nr. 3) in Czur Leo-\nnore von Beethoven, die zur Euryanthe von Weber\nund die schottische „ImHochland\" von Gade. Herr Lau-\nterbach spielte das sechste Violin-Concert von Lafont,\nHerr Waller das dritte [D-movon Moiique, Fräul.\nStöger sang die Concert-Arie in Es von Beethoven,\nFräul. Stehle eine Arie mit obligatem Pianoforte von\nMozart und mit Frau Diez ein Duett aus Idomeneo.\nDer oratorien-Verein unter Herrn v. Perfall's\nLeitung wiederholte in seinem ersten Concerte den Mes-\nsias von Händel; im zweiten brachte er zur erstmali-\ngen Aufführung eine vierstimmige Motette (Herr, höre\nmein Gebet), von Hauptmann, die „Christnacht\" von\nFerd. Hiller und die „Pilgerfahrt der Rose\" von Rob.\nSchumann.\nDie Kammermusik wurde reichhaltig vertreten in\ndem Concerte der Herren Werner und Venzel, strebsa-\nmer junger Hof-Orchesler-Mitglieder, und in zwei von\ndem Clavier-Virtuosen Herrn Mortier de Fontaine gegebe-\nnen, wie in der von demselben in engerem Kreise veran-\nstalteten Gedächtnissfeier Beethoven's. Zwei Orchester-\nConcerte des Herrn Seidel brachten als Novität eine Sin-\nfonie (Gr-moll) von M(shul und eine von Bommel, Pro-\nfessor am hiesigen Conservatorium. Von Virtuosen schliess-\nlich hörten wir ausser der hier weilenden vortrefflichen\nClavier-Virtuosin Frau Kolb-Danvin die Gebrüder\nHolmes, Violinisten, in drei Concerten, in welchen man\ninsbesondere das vortreffliche Zusammenspiel in Spohr'-\nschen Duo-Compositionen anerkannte.\n\nAlfred Jaell.\nAlfred Jaell hat diesen Winter, nachdem erden\nSommer am Rheine und in den Bergen der Schweiz, den\nHerbst grösstenteils in seiner Vaterstadt Triest zuge-\nbracht, von Ende November v. J. bis Anfang Januar d. J."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.7", "texte": "in allen bedeutenden Städten der Schweiz Concerte gege-\nben und überall Triumphe gefeiert, die zu den glänzend-\nsten gehören, welche in unserer Zeit einem Virtuosen zu\nTheil werden können, und um so ehrenvoller sind, weil\nsie meistenteils durch den Vortrag classischer Musik er-\nrungen wurden. Jaell hat drei Mal in Zürich, drei Mal in\nGenf, in Neufchatel, Lausanne, Chur, St. Gallen,\nBasel, Winterthur in jeder Stadt zwei Mal gespielt\nu. s. w. SämmtJiche Concerte waren überfüllt, und der\ngeniale Künstler wurde überall mit Begeisterung aufge-\nnommen. In Zürich wurde er den Tag nach seiner An-\nkunft von dem Gesang-Vereine mit einer Serenade be-\ngrusst. Am fabelhaftesten war sein Erfolg an Enthusias-\nmus und an Einnahme in Genf. Alle Blätter stimmen\ndarin überein, dass niemals ein Künstler dort so volle\nHäuser gemacht habe, wie Alfred Jaell; er gab seine Con-\ncerte in dem grossen Saale des Conservatoriums, und die-\nser war so überfüllt, dass sogar die Estrade vom Publi-\ncum besetzt war. Drei bis vier Stücke mussle Jaell stets\nda capo spielen, unter Anderem die Scherzi aus den bei-\nden Trio's von F. Mendelssohn. Auch mit Beetho-\nven's grosser, Kreutzer gewidmeten Sonate für Ciavier\nund Violine, und mit B. Schumann's Quintett errang\ner ganz ausserordentlichen Beifall, wie er denn vollends\ndurch den meisterhaften Vortrag der Solostücke von Bach,\nHändel, Mendelssohn, Chopin, Liszt, Kirchner\nund seiner eigenen höchst glänzenden Compositionen Alles\nzu den lebhaftesten Ovationen binriss.\nAm 8. Januar gab A. Jaell sein Abschieds-Concert\nin Genf, und am 12. d. Mts. spielte er schon wieder in\nHannover im fünften Abonnements-Concerte. Ertrug\nhier B. Schumann's Concert in A-moll, die Gavotte in\nG-moll von Bach, ein Lied ohne Worte von Mendels-\nsohn und Wagner's Tannhäuser-Marsch, von Liszt\neingerichtet, vor. Letzteren musste er auf stürmisches Ver-\nlangen wiederholen.\nÄra 22. Januar spielte er zu Kassel im Hoftheater-\nConcerte das Concert in C-moll von Beethoven und So-\nlostücke von Bach, Mendelssohn, Liszt und von eige-\nner Composition; am 24. Januar im Abonnements-Con-\ncerte zu Göttingen Beethoven's Sonate in As-dur,\nOp. 26, Schumann's Variationen für zwei Flügel und\nmehrere Solostücke.\nGegenwärtig wird der eminente Künstler, bekanntlich\nHof-Pianist Sr. Majestät des Königs von Hannover, einige\nWochen, wie alljährlich, in Hannover zubringen uud in\nden musicalischeu Soireen bei Hofe mitwirken.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn der dritten Soiree für Kammermusik horten\nwir ein Violin-Quartett (in D-moH) von Mozart und das grosse\nB-dur-Q\\ia.rtett, Op. 130? von Beethoven. Dazwischen spielte\nFräulein Schoderstedt aus Düsseldorf, dem Vernehmen nach eine\nSchülerin der Frau Schumann, das Clavier-Trio in B-moll, Op. 413,\nvon Mendelssohn mit den Herren von Königslöw und B. Breuer\nund gewann besonders durch den Vortrag des Scherzo verdienten\nBeifall\nIn der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft lernten wir\neinen ganz vortrefflichen Violoncellisten, Herrn Karl Goltermann,\nProfessor am Conservatorium zu Frag, kennen und hochschätzen.\nHerr Goltermann, der nicht mit dem Musik-Director Herrn Golter-\nmann in Frankfurt a M. zu verwechseln ist Beide sind nicht an-\nders verwandt, als dass letzterer fürs Violoncell componirt, ersterer\ndas Instrument spielt —, gehört durch den markigen Ton, den er auf\nallen Saiten hat, und die hohe technische Vollendung seines Spiels\nzu den ausgezeichnetsten Meistern des Violoncells. Er erregte durch\nden Vortrag des Adagio und Finale aus einem Concerte von B.\nRomberg und einer Phantasie über böhmische Volkslieder ganz\nenthusiastischen Beifall. Da er bisher noch keine grössere Kunst-\nreise gemacht hat, so halten wir es um so mehr für Pflicht, die\nmusicalische Welt auf diesen hervorragenden Künstler aufmerksam\nzu machen.\nVor Kurzem hatte der hiesige Sängerbund, gegenwärtig unter\nder technischen Leitung des Herrn Brambach, ein Liedertafelfest\nin dem schönen grossen Saale des Herrn Dickopf veranstaltet. Es\nwaren über dreihundert Theilnehmer versammelt, unter denen bis zu\nden Frühstunden des folgenden Tages eine ausserordentlich heitere\nStimmung herrschte, die während und nach der Tafel durch launige\nTexte zu allgemeinen Gesellschaftsliedern genährt wurde, während\nauch wirklich künstlerische Leistungen auf anerkennungswerthe\nWeise gar sehr zu dem Gelingen des Festabends beitrugen Wir\nzählen zu diesen die Vorträge einiger vierstimmiger Männergesänge,\nwelche durch frische, kräftige Stimmen ausgeführt, allgemeinen Bei-\nfall erlangten, und dann vor Allem auch die Aufführung der „ita-\nliänischen Oper* von Stolze, einer köstlichen Parodie der ge-\nwöhnlichen italiänischen Opernmusik, welche die Darsteller in Co-\nstume auf echt humoristische Weise mit grosser Gewandtheit in Ge-\ngang und Spiel zu wahrem Ergötzen der Zuhörerschaft durch führten.\nAm Mittwoch den 30. Januar hatte der städtische Sing ver-\nein unter der Direction des Herrn F. Breunung eine öffent-\nliche Sitzung veranstaltet, zu welcher sich das eingeladene Pu-\nblicum zahlreich versammelt hatte. Es wurde ein Te Deum von\nHändel aufgeführt, das wir noch nicht gehört hatten; es enthält\nbesonders hübsche Soloästze, während die Chöre fast alle sehr kurz\nsind und nicht die breite Entwicklung haben, die man sonst bei\nHändel gewohnt ist. Nach dem Te JDeum wurde das in seiner Art\ndoch sehr schöne Stabat Mater von Rossini gesungen. Beide Lei-\nstungen waren des rühmlichen Rufes, den der Verein geniesst, wür-\ndig, und auch der Vortrag der Soli, meist durch Kräfte aus der\nMitte des Vereins, war recht anerkennungswerth. Eine zahlreichere\nTheilnahme der Herren Sänger für Tenor und Bass wäre zu wün-\nschen gewesen.\nAm 12. Januar fand in Hannover das fünfte Abonnements-\nConcert unter Mitwirkung der Herren Roger und Jaell Statt.\nRoger sang eine Arie aus 9Joseph und seine Brüder\", so wie eine\n•ihm dedicirte Composition von Meyerbeer. Jaell spielte Schümann1?\nA-violl Concert, „Gavotte* von Bach, „Lied ohne Worte* von Men-\ndelssohn und „Tannhäuser-Marsch* von Liszt. Nach mehrmaligem\nHervorruf und stürmischem Dacapo auch des letztgenannten Stückes\nspielte er noch seine Transscription über den Pilgerchor aus Tan*-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610202-01.1.8", "texte": "häuser. Von Orchesterwerken wurden die von\nMozart und Concert-Ouverture von Rietz gegeben. Das Concert war\nganz aussergewöhnlich überfüllt. Gestern trat Roger zum letzten\nMale an hiesiger Bühne auf als Prophet.\nCharakteristisch für den traurigen Stand, welchen gegenwärtig\ndie deutschen Theater-Unternehmungen in Ungarn einnehmen, dürfte\nnachstehende Annonce sein, die der pressburger Theater-Directoi\nKottaun, ein in seiner Stellung eben so tüchtiger als gewissen-\nhafter Mann, gelegentlich der Anzeige, dass eine ungarische Gesell-\nschaft gastiren wird, zu veröffentlichen sich bemüssigt sieht: „Da\nich mir durch die Completirung meiner Gesellschaft, so wie durch\nVorführung so vieler Novitäten gewiss alle Mühe gegeben habe, um\ndie Zufriedenheit des geehrten Publicums zu erwerben, so ist doch\ndurch die politischen Zeitumstände das Interesse für das 1 heater\nerstorben. Die Einnahmen sind daher so gering, dass keinen Tag\nnur die nöthigsten Tageskosten eingehen, wozu die Gage der Mit-\nglieder nicht gerechnet ist. Da nun durch eine derartige Stockung\ndes Geschäftes die Existenz so vieler Familien auf dem Spiele steht,\nso wage ich es hiermit öffentlich und im Namen aller meiner Mit-\nglieder, an die allgemein bekannte Gastfreundschaft und Herzens-\ngüte der Bewohner Pressburgs zu appelliren und im Vereine mit\ndem Herrn Director Szigeti die Bitte zu stellen, durch zahlreichen\nBesuch das Theater zu unterstützen. Obwohl meine Zunge deutsch,\nso ist doch mein Herz für das theure Ungarland, welchem ich schon\ndurch zwölf Jahre als Director des k. St. Theaters zu Oedenburg,\nso wie jetzt durch vier Jahre dem k. St. Theater zu Pressburg an-\ngehöre, so wie ich auch meine Jugendzeit in der königlichen Frei-\nstadt Pressburg durch sechs Jahre als Schauspieler unter Direction\ndes weil. Fr. Pokorny zugebracht habe, und mir schmeicheln darf,\ndurch meine Leistungen sowohl als Komiker wie als Regisseur mir\ndie allgemeine Zufriedenheit des geehrten Publicujns erworben zu\nhaben. Mit dieser Erinnerung wage ich es nochmals, meine oben\ngestellte Bitte zu wiederholen.®\nVon R. Benedix ist ein Volkspossenspiel in drei Acten erschie-\nnen unter dem Titel: „Der Teufel und der Schneider»\"\n\nßerichtigung.\nH.\nIn Nr. 3 der Niederrheinischen Musik-Zeitung ist in einer Notiz\naus Frankfurt am Main, unterzeichnet A. F., gesagt, dass Herrn\nC. Gollmick der freie Eintritt in die Museums-Concerte nicht gestat-\ntet, und dass demselben auf sein Gesuch keine Antwort zugekom-\nmen sei. Herr G. wandte sich im Anfange des Winters an ein Mit-\nglied des Museums-Vorstandes um Gewährung einer Freikarte; es\nwurde ihm darauf mündlich eröffnet, dass der Vorstand zwar keine\nneuen Freikarten ertheile, weil mit diesen persönlichen Karten öfters\nMissbrauch geschehe, dass aber Herrn G ohne Karte der Zutritt zu\nden Concerten gestattet sei. Herr G. suchte hierauf um eine Frei-\nkarte für seine Tochter nach, die ihm verweigert wurde; zugleich\nwurde er jedoch aufmerksam gemacht, dass seiner Tochter der Be-\nsuch der Proben freistehe. Trotz dieser Vorgänge erhielt der Mu-\nseums-Vorstand einige Wochen später ein abermaliges Gesuch des\nHerrn G., welches allerdings keine Erwiderung fand, da die Sache\nbereits erledigt war. Es ist allerdings bedauerlich, dass der Museums-\nVorstand bei den zur Zeit höchst ungenügenden Concert-Localitäten\nden freien Eintritt mehr beschränken muss, als ihm lieb ist; denn\ndie zahlenden Concertbesucher müssen sogar eine Stunde vor An-\nfang der Concerte sich ihren Platz erobern! Der Zutritt zu den\nProben ist allen Künstlern unverwehrt, und diese Erlaubniss wird\nauch von solchen, die wirkliches Interesse für Kunst und Kunst-\nwerke haben, reichlich benutzt.\n\nDie deutsche Tonhalle\nK. A. Mayer.\nsetzt hiermit auf die Composition nachstehenden Gedichtes für den\nvierstimmigen Männerchor den Preis von Fünfzig Gulden rhein.\nund ladet deutsche Tondichter zur Bewerbung ein.\nMit Ertheilung des Preises wird auch dieses Gedicht, wie seine\nComposition, Eigenthum des betreffenden Bewerbers; bis dahin aber\nbleibt es unserem Vereine allein zu eigen und darf nur zu dieser\nPreis-Bewerbung benutzt werden.\nDie Bewerbungen sind im Mai d. J. frei an uns in der be-\nkannten Form einzusenden\nMannheim, im Januar 1861.\nDer Vorstand der deutschen Tonhalle.\nDeutscher Männer Festgesang.\nLass schallen, deutscher Männerchor,\nGesang fürs deutsche Vaterland!\nLass steigen ein Gebet empor\nZu Gott, wie reinen Opferbrand.\nAuf Liedes Schwingen\nSoll aufwärts dringen\nEin Ruf, aus tiefster Brust gesandt:\nEin einig starkes Vaterland!\nSind Deutschlands Glieder auch zertheilt,\nUnd winden sich zerstückt in Schmerz:\nEs schlägt die Stunde, die sie heilt;\nIst doch gesund sein edles Herz.\nWir steh'n zusammen\nIn heil'gen Flammen\nUnd heben hoch zum Schwur die Hand;\nElin einig starkes Vaterland!\nGebet und Schwur, o macht uns stark,\nZu opfern freudig Gut und Blut;\nFüllt unsern Arm mit Heldenmark,\nStählt unsre Brust mit hohem Muth.\nMannhaftes Ringen\nMuss Sieg uns bringen;\nDann Heil! Durch Volkes Kraft erstand\nEin einig starkes Vaterland!"}]}