{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-02-16-01", "volume": "bmtnabi_1861-02-16_01", "ocr_sha256": "18dd5ecce718a47994ba79ae14902de21d0f8d968b3484895cf62eaf2db0af30", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/02/16_01/bmtnabi_1861-02-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 442, "texte": "Inhalt.\nVirtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten. IV. Von A. Schindler* Pariser Briefe. IV. Von B. P.\nAus Wiesbaden (Die letztverflossene Saison). Von W. W. Tages- und Un terh altungsblatt (Königsberg, Musik-AufFüh-\nrungon Wolfenbütte], Holle's Verlag Frankfurt a* M., Statistik des abgelaufenen Theaterjahres München Wien, Zukunftsmusik,\nConccrte, Honorarzahlung an Componisten Da Ponte's Memoiren Petersburg, Rubinstein)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "51", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.2.2", "titre_corps": "Virtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten.", "titre_sommaire": "Virtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten.", "signature_source": "A. 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Es war das in E-dur, das zwölfte in der Reihen-\nfolge von dem grossen französischen Meister.\nDie von einem Künstler behauptete Stellung in bür-\ngerlichen und Kunst-Verhältnissen, sein darauf ruhendes\nAnsehen, sein bald unmittelbarer, bald mittelbarer Ein-\nfluss auf' das öffentliche Urlheil, vornehmlich in kleineren\nStädten, wo Glauben und Vertrauen in Sachen der Ton-\nkunst gewöhnlich zäher Natur sind und sich unbedingt an\nden beliebten Namen klammern, wenn dessen Träger die\nwohlverdiente Achtung als Mensch und Bürger geniesst,—\ndiese vereinten Umstände machen es selbst der unabhän-\ngigen Kritik schwer, sich über den relativen Werth der\nLeistungen eines solchen Künstlers mit Offenheit auszu-\nsprechen, ohne von einer Menge Gläubiger der Verketze-\nrung oder wohl gar der Animosität beschuldigt zu werden.\nW as die Wahrheit an und für sich werth, was sie zur\nKlärung unlauterer Begriffe beiträgt, der Dilettant will sie\nnicht hören, weil sie ihm ein Theilchen von seinen Vor-\nurtheilen entführen könnte, und er sogar dieses Theilchen\nnicht aufgeben will. Diese wohl aller Orten sich wieder-\nholenden Erscheinungen, von nicht wenigen Musikern recht\nwohl zu ihren mancherlei Privat-Interessen benutzt, lassen\ndie Schwierigkeiten erkennen, mit denen die bessere Lo-\ncal-Kritik zu kämpfen hat. Diese Schwierigkeiten werden\ndort unbesiegbar, wo die Kritik in der Regel von Unfähi-\ngen, zur Clientel der sich producirenden Künstler zählend,\ngeübt wird. Wo aber in Kunstfragen Alles seine Stimme\nabgibt, wie in einer Valuta-Frage, da kann es an verschie-\ndenartig gefärbten Ansichten nicht fehlen, an Ansichten,\ndie um so irrthümlicher klingen, je niedriger der Stand-\npunkt des Urtheilenden, je unselbständiger die Gesinnung\nder Menge und je ruheloser das Bestreben derer ist, die\nVorurlheile und Begriffs-Verwirrung in der musicirenden\nMenge fortan in Blüthe zu erhalten beflissen sind.\nWenn musterhafte Reinheit der Tonbildung in allen\nLagen, Wohlklang im Tone selber, verbunden mit ge-\nwandter Bogenführung, die Summe aller Anforderungen\nan den künstlerischen Vortrag ausmachten, so müsste\nHerr Wolff ohne Widerspruch in die erste Reihe der le-\nbenden Geiger gestellt werden. Allein wenn der Musiker\nausser diesem noch zu beweisen hat, dass er Empfänglich-\nkeit und Einsicht für dasjenige im Kunstwerke besitzt, was\ndurch keine Schrift erschöpfend ausgesprochen werden\nkann, zu dessen Kundgebung nicht sowohl geschickte An-\nwendung dynamischer Hülfsmittel führt, sondern auch\nSinn und Tendenz des ganzen Kunstwerkes erkannt sein\nwollen und sollen; wenn erst diese vollständige Summe von\nErfordernissen, vermittels warmen Gefühls aus dem Tief-\ninnersten der Seele zu einem Ganzen zusammengekittet,\nden Musiker in Stand zu setzen vermag, ein Kunstwerk in\nallen seinen Bestandteilen im Geiste des Autors zu erfas-\nsen und auszuführen, so erscheint jede Production des\nHerrn Wolff mit einem grösseren Werke als negativer\nBeweis von solchen Errungenschaften. Sollte das nicht zu-\ntreffen, so müsste angenommen werden, dass sein künst-\nlerisches Gewissen ihm nicht verstattet, die Klappe seines\nGefühlsbehälters zu öffnen, nicht verstattet, dynamischer\nHülfsmittel sich zu bedienen, wenn diese in der Principal-\nstimme nicht sichtbar sind. Da steht aber geschrieben:\nDer Buchstabe tödtet, der Geist macht lebendig. Es ist\nschlechterdings unmöglich, ein Tonstück mit mehr Correct-\nheit und Präcision zu spielen, als man das von Herrn\nWolff hört; ein Piano aber, ein oder wohl gar\neine kleinwinzige Nuance im Tempo anzuwenden, wo diese"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5513, "texte": "nicht ausdrücklich stehen, das hört man nicht, wohl aber\neine durchgängige Gleichmässigkeit in Tongebung und Be-\nwegung, die in Betracht so ausgedehnter Sätze, wie alle\nRode'schen Concerte aufweisen, den Kenner in Erstaunen\nsetzen kann, weil eine derlei Kunstleistung zu einem psy-\nchologischen Räthsel wird. Sollte man denn wirklich\nnicht wissen, dass jedes Solostück, für irgend ein Instru-\nment componirt, eben so zu behandeln ist, wie jedes für\nden Gesang geschriebene? Welche Arie, überhaupt wel-\nches Gesangstück von Händel, Bach, Mozart, Rossini und\nanderen Componisten weiset denn ein Vortragszeichen auf?\nWie also in den Partituren von Opern und anderen Ge-\nsangwerken dem Sänger es überlassen ist, dem todten Zei-\nchen durch seinen gebildeten Vortrag zum Leben zu ver-\nhelfen, gilt Gleiches in allen Solostücken. Aus diesem\nGrunde fehlt so häufig die Vorschrift Betreffs des zu ge-\nbenden Colorits, fehlt die Angabe der hier und da, vor-\nnehmlich in den auf 16, 20, ja, bis zu 24 Tacten ausge-\nstreckten Cantilenen des Seitensatzes (Dominante) not-\nwendigen Modificationen des Tempo*). Feiner Sinn und\ngebildeter Geschmack wird aus der Tendenz des Kunst-\nwerkes leicht errathen, wie die Klangfarben zu vertheilen,\num dem Zuhörer ein Charakter habendes Gemälde, nicht\nbloss ein harmonisch klingendes Musikstück vorzuführen.\nSolche Freiheit ist dem Künstler gegeben, er stehe, wo\nimmer, und diese muss er mit Verstand, Gefühl und maass-\nhaltender Begeisterung auszunutzen bestrebt sein. Wer in\nseinem Vortrage nichts von allem dem hören lässt, dürfte\nkaum mit einem Schauspieler zu vergleichen sein, der in\njeder Rolle nur sich selber spielt, weil es dem mehrsei-\ntig gebildeten Musiker viel leichter wird, aus sich heraus\nzu treten und, wenn nicht immer, doch oft ein Anderer\nzu sein ohne Costume und Perrücke.\nVon dergleichen Schulsachen dürfte mit weniger Nach-\ndruck zu sprechen sein, wenn die Ueberzeugung nicht fest-\nstände, dass sie in die vorderste Reihe der Nothwendigkei-\nten gehören. Es kann bei Betrachtung der Dinge und Zu-\nstände nicht entgehen, dass, die wissenschaftliche Seite der\nKunstpflege betreffend, im jüngeren Künstlergeschlechte\nnichts so sehr im Argen liegt, als der Theil, der von der\nKunst des Vortrags handelt. Und dennoch haben die Lehr-\nMethoden von Baillot, Spohr, Karl Czerny und An-\nderen (der über Aesthetik handelnden Bücher, so wie der\nAllgemeinen Musiklehre von Gottfried Weber und\nA. B. Marx nicht zu gedenken) unerschütterliche Grund-\nsätze und Regeln aufgestellt, die es dem Lernenden ganz\nleicht machen, in den Besitz aller Erfordernisse zum\nkünstlerischen Vortrage zu gelangen, wenn ihre Seelen-\nkräfte nur einiger Maassen erregbar sein wollen. Ihre Lei-\nstungen zeigen aber fast durchgängig, dass jene Methoden\nihnen nicht bekannt sind; denn es müsste doch etwas han-\ngen geblieben sein, was über der trockenen Mechanik\nsteht. Ueberhaupt müsste es um diesen Theil der Musik-\nlehre durchweg, auch in Hinblick, auf Orchester-Leistun-\ngen, besser bestellt sein, wenn die Musiker es sich wenig-\nstens gefallen Hessen, Fachblätter ihrer Aufmerksamkeit\nzu würdigen, woraus sie recht oft Nützliches für ihre gei-\nstige Nolhdurft holen könnten. Freilich sind Fachblätter\nnicht an Orten zu finden, wo Localblätter in Menge auf-\nliegen, und diese allein, weil sie zur Verbreitung ihres\nAnsehens in der nächsten Umgebung stets willfährig bei-\ntragen, von den Musikern in AfTection genommen werden\nund für die Mehrzahl die einzigen Lehrbücher abgeben.\nWas namentlich die frankfurter Localblätter in Sachen\nder Kunstkritik seit mehreren Jahrzehenden leisten, ist\ngenug bekannt, und fast bedauerlich, davon zu sprechen.\nMehr als anderswo nimmt insbesondere die musicali-\nsche Kritik notorisch ihren Ausgang von feilen Federn\noder von zur Clientel dieses oder jenes Musikers zählenden\nFreunden, bisweilen auch von offenbaren Gegnern -je\nnach der Parteistellung. Als Beleg sei verstauet, nur eine\ndieser so genannten Kritiken hier wörtlich anzuziehen, weil\nihr Inhalt das oben erwähnte Rode'sche Violin-Concert be-\ntrifft. Diese lautet: „Ist auch die Composition etwas ver-\naltet (!) und namentlich durch eine äusserst gewöhnliche\nInstrumentirung uninteressant (!!), so wurde sie doch von\nHerrn Wolff mit der feinsten technischen Vollendung vor-\ngetragen.\" Nichts mehr, noch weniger. Des Bildes K<hr-\nseile auch zu zeigen, wozu Grund genug vorhanden war,\nfand der Kritiker für überflüssig. Und dennoch darf der\nKünstler von seinem Kritiker eine mehr oder weniger ein-\ngehende Belehrung über das Geistige seiner Leistung ver-\nlangen, die ihn der Veredlung und Seibsterkennlniss näher\nbringen soll; von „feinster technischer Vollendung\" mag\ndieser nebenbei schwatzen. Werden nicht aber durch eine\neben so leichtfertige als einseilige Lobhudelei Unbeschei-\ndenheit, Dünkel und Selbstgenügsamkeit dort befördert,\nwo Anlagen dazu vorhanden?\nZu den besonderen Merkmalen der frankfurter musi-\ncalischen Kritik gehörte seit lange: je mehr sich ein Vor-\ntrag durch Trockenheit, Tempofestigkeit, Glätte, schulmei-\nsterliche Correctheit oder, um einen Ausdruck von Ferdi-\nnand Ries dafür zu gebrauchen, durch „Schulfuchserei\"\nausgezeichnet hat, deslo grösseres Lob ist erschallt, weil\n\n*) Ferdinand Ries, der sich ebenfalls über das metronomische\nAbspielen ärgerte, hatte in seinen letzten Compositionen einen\ngeraden langen Strich über die zwanzig und mehr Tacte lan-\ngen Stellen gezogen, die er mit nuancirtem, etwas langsame-\nrem Tempo vorgetragen wissen wollte.\nAnmerk. der Bedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3632, "texte": "hierbei nichts über den gelehrten Horizont des Beurthei-\nlers gegangen. „Objective Darstellungsweise\" (d. h. cor-\nrectes Abspielen der Noten nach ihrem Werthe) ging und\ngeht den Herren noch immer über Alles; dem menschlich\nfühlenden Subjecte ward und wird nicht mehr Freiheit zu-\ngestanden, als die Maschine, Automat genannt, zur Re-\nproducirung eben bedarf. Darum wird auch über\nrubato geklagt, wovon andere Ohren nichts gehört, oder\nwohl gar bei Stellen, wo ein Nachgeben in der Bewegung\nausdrücklich vorgeschrieben steht. Das alles mag erklären,\nwarum die Bach'sche Musik in ihrer Allgemeinheit in\ndieser Siadt so viele ausschliessliche Verehrer gehabt und\nnoch hat, die in ihrer Ekstase dieselbe für den Ausdruck\nder höchsten und eigentlichsten musicalischen Poesie hal-\nten. Dass auch die cameradsehaftliche Kritik sich mitunter\nin ihrer Begeisterung über „technisch vollendeten\" Vor-\ntrag einer Clementi'schen Sonate, und zwar keiner gerin-\ngeren als der „Didone abbandonata\", so weit versteigt,\nden ausführenden Pianisten zum „Ehrenwächter der Solo-\nSonate\" zu ernennen, mag nur beigehend bemerkt werden.\nRisum teneatis. .. .\nDass durch Berühren dieser widrigen Zustände dunkle\nSchalten auf das Allgemeine fallen miissten, die sowohl\nGesinnung wie Gesittung aller Musiker und aller Musik-\nfreunde treffen und in Verdacht bringen könnten, wenn\nkeine Scheidewand gezogen würde, ist ausser Zweifel. Af-\nlein diese Zustände, hier wie dort, sind in ihrem Wesent-\nlichen nur der Reflex der herrschenden Zustände und Wir-\nren auf politischem Gebiete, die alle feststehenden Be-\ngriffe wanken gemacht und unser gesammtes staatliches\nLeben angefressen haben. Wie auf politischem Gebiete es\nnur Bruchtheile von Staatsbürgern sind, die in ihren An-\nsichten und ihrem Thun das Maass des Vernünftigen, Mög-\nlichen, oft sogar des Sittlichguten überschreiten, Gleiches\ndarf zum Tröste auch von dem Gebaren auf dem Kunst-\ngebiete gesagt werden. Wie dort, so auch hier werden\ndiese Ausschreitungen von der überwiegenden Mehrzahl\nder Besserdenkenden mit Widerwillen, nicht selten mit\nAbscheu verfolgt. Sicherlich würden diese hässlichen Dinge\nauf unserem Gebiete einer alsbaldigen Besserung entgegen-\ngeführt werden, wenn die Verfasser kritischer Einsendun-\ngen gehalten wären, mit ihrer Namenszeichnung für das\nAusgesagte einzustehen. Muss zugestanden werden, dass\nbei der allgemeinen Zerfahrenheit in aller Kunstkritik nur\nmehr der Name des Urtheilenden dem Ausgesagten mehr\noder weniger Beachtung verschaffen kann, so ist es offen-,\nbar, dass in Vermeidung der Anonymität das wirk-\nsamste Mittel zur Heilung dieses Krebsschadens gefunden\nsein würde; sie allein dient als Deckmantel für die vielen\nVergehen gegen Recht, Wahrheit und Sittlichkeit. Wer\nim Bewusstsein innerer und äusserer Unabhängigkeit, rei-\ncher Erfahrung und vielseitiger Kenntnisse sich berufen\nfühlt, ein öffentliches Urtheil abzugeben, wird nicht an-\nstehen, sich in wichtigeren Fällen mit offenem Visir zu zei-\ngen; denn er wird auch wissen, dass Künstler wie Publi-\ncum ein Recht haben, den Urtheilenden und seinen kunst-\nwissenschaftlichen Standpunkt zu kennen, wenn sie seinen\nWorten Vertrauen schenken sollen. Das Schmählichste bei\nder Sache ist, dass Anonymität fast von allen Redactionen\npolitischer Blätter, welche die Kunstkritik in einem Bei-\nblatte hinter sich ziehen, als „zum Geschäfte nothwendig\",\nin Schutz genommen wird; nicht einmal erachten sie es\nfür schicklich, die Initialen des Einsenders oder ständigen\nCorrespondenten beizusetzen, die unter gewissen Umstän-\nden den Mann kenntlich machen. So lange es also Hehler\ngibt, wird es auch Diebe geben*)."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.3", "debut_caractere": 5285, "fin_caractere_exclue": 5298, "texte": "A. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "53", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.3", "debut_caractere": 3634, "fin_caractere_exclue": 5283, "texte": "Pariser Briefe.\n\nIV.\n(I s. Nr. 4. 11. Nr. 5. 111. Nr. 6.)\nUeber die Normal-Stimmung hat sich die Opposition\nnoch lange nicht beruhigt; sie hat ihren Hauptsitz in den\nOrchestern und dort wieder bei den Bläsern. Die sämmt-\nlichen Geigen vom Contrabass bis zur Violine sind gute,\nruhige Bürger geblieben, wiewohl mit etwas gedrückter\nStimmung; die Bläser aber sind die revolutionären Wind-\nmacher. Sie nennen die Normal-Stimmung „Policei-Stim-\nmung\", ein jeder von ihnen verwirft das ihm dargebotene\nneue, mit schwerem Gelde auf Staats-Unkosten ang -\nschaffte Instrument und verlangt eines von demjenigen Mei-\nster, der seit Jahren für seinen Schnabel die geeignetsten\nSchnäbel, Rohre oder Mundstücke gemacht hat. Indessen\nverständigt man sich doch nach und nach, und die Rein-\nheit des Gesammtklanges wird besser. Tritt aber zugleich\nauch auf der Scene ein Musikcorps auf, dann ist an voll-\nkommene üebereinstimmung nicht zu denken; und kommt\ndann noch, wie in den „Hugenotten\" und dem „Trova-\ntore\", die um einen halben Ton zu hohe Glocke hinter der\nScene dazu> so ist es geradezu zum Davonlaufen.\nUebrigens ist das nicht der einzige Uebelstand bei der\njetzigen grossen Oper, welche die Muster-Akademie für\nFrankreich oder, wie die Pariser meinen, für alle Opern-\n\nDas mag auf viele politische Zeitungen passen, nicht aber auf\ndie bedeutendem und am meisten verbreiteten. In der Kölni-\nschen Zeitung unterzeichne ich jede Kunstkritik mit vollem\nNamen oder wenigstens den Anfangs-Buchstaben desselben.\nEben so that es L. Rellstab in der Vossischen Zeitung, und\nthun es in Paris 11. Berlioz, J. Janin, in Wien Ed. Hanslik\nu s w. Prof. L. Bischof f.\nl*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5339, "texte": "Theater der Welt sein soll. Die Leistungen des Chors sind\nunter aller Würde; der Gesang ist meistens so scharf und\nrauh, ohne alle Spur eines Verständnisses der dramati-\nschen Situation und eben so ohne alle musicalischen Nuan-\ncen, dass jedes Provincial-Theater in Deutschland solche\nRohheit nicht ertragen würde. Die Kritik rügt das wohl\nein und das andere Mal: aber dem Bühnen-Schlendrian\n«resrenüber ist die Kritik Danai'den-Arbeit. [Und wo wäre\nsie das heutzutage nicht?] Auf diese Weise geht die grosse\nOper Gluck's und Spontini's dem Zustande der italiäni-\nschen Concert-Oper entgegen, in der man nur die Kunst\nder Sänger bewundert. Wenn Wagner's „Tannhäuser\"\nhier Erfolg hat, so geschieht es zum grossen Theil auch\ndadurch, dass ihm durch solche und ähnliche Dinge in die\nHand gearbeitet wird.\nWie es mit der Kirchenmusik in Paris aussieht,\nwie entsetzlich schwer es ist, eine würdige Aufführung in\neiner der hiesigen Kirchen zu Stande zu bringen, weil dazu\nChor und Orchester immer erst zusammen zu stop-\npeln sind, das ist leider bekannt genug und ist auch im\nJetztvergangenen Jahre nicht besser geworden. Ohne\nWohlthätigkeits-Hebel anzusetzen, die dann auch noch von\nhohen Beschützerinnen in die Hand genommen werden\nmüssen, kommt nichts zu Stande. Die herkömmliche Zeit\ndazu ist die Woche, in welche gegen Ende November der\nTag der heiligen Cäcilia fällt.\nDieses Mal hatten die tüchtigen Musiker und Dirigen-\nten Dietsch und Vauthrot am Vortage der Heiligen eine\nAufführung der grossen Krönungs-Messe von Cherubini\nin der Madelaine-Kirche veranstaltet, zum Besten der\nsociation philanthropique der Künstler der kaiserlichen\nAcademie de musique. Die Zahl der Mitwirkenden mochte\nan 300 Personen betragen, und die Ausführung des pracht-\nvollen und grossartigen Werkes war einer gespannteren\nund andächtigeren Theiinahme werth, als das Kommen\nund Gehen und die Betriebsamkeit der schönen Geldsamm-\nlerinnen möglich machte.\nAm anderen Tage aber konnte man in der Kirche St.\nEustache einem Ohrenschmaus absonderlichster Art bei-\nwohnen, indem Herr Bonetti, Orchester-Dirigent der\nitalienischen Oper, eine Messe von seiner Composition zum\nBesten gab, oder vielmehr zum Schlechtesten, jedoch der\ngrossen Association des Artistes musiciens wirklich zum Be-\nsten. So etwas ist denn doch wohl noch nie in einer Kirche\ngehört worden! Es war eine vollständige Oper in der Ge-\nhaltlosigkeit der flachsten italiänischen Gattung, mit allem\nTrivialen und Schlotterigen der Form, allem Flittertand\nvirtuoser Sangkünstelei. Dass von polyphoner Arbeit eine\nSpur darin vorhanden sein würde, hatte wohl Niemand\nerwartet; aber die ewigen Reihen von so genannten Ro-\nsalien oder Schusterfleeken, welche stets zu nichls Ande-\nrem als zu den gemeiner), hier noch aufs widrigste ausge-\nsponnenen Schlüssen führten, die Unisono's aller vier Stim-\nmen, der Lärm im Gloria.das heilige\nWorte zu einem Salze, der dem Marsch aus dem Prophe-\nten aufs Haar gleicht—, die Menge von Soli, deren einige\nnur in der Opera bujfa zu ertragen wären, alle aber auch\nnicht den entferntesten Anklang an irgend eine Würde des\nStils hatten; alles das war denn doch auch selbst dem pa-\nriser Publicum zu stark, obwohl dieses im Ganzen keine Idee\nvon wirklicher Kirchenmusik hat. Während die Damen\nPenco und Alboni in einem Duett mit Harfenbegleitung\nder ordinärsten Art in Coloraturen und Rouladen (buch-\nstäblich zu verstehen!) wetteiferten, hörte man überall sa-\ngen: „Nein, so etwas M doch in der Kirche noch nie da\ngewesen!\"\nEinen besseren Weg hat-Charles Manry einge-\nschlagen, der, wie ich höre, schon vier Messen geschrieben\nhat. Mir war der Name des Componisten neu, als ich die\nAnkündigung einer neuen Messe von ihm, die zu Weih-\nnachten in St. Eustache aufgeführt wurde, las. Die Com-\nposition hat freilich auch keine Einheit des Stils, eine Fuge\nim Gloria und frei geführte Melodieen treten neben ein-\nander, doch sind die letzteren meistens der Ausdruck einer\nempfindungsvollen Stimmung und wenigstens fern von Fri-\nvolitäten; in dem ganzen Werke zeigt sich ein gewisser\nTact, der den Componisten vor Ueberschreitungen bewahrt.\nDie eigentliche Concertzeit beginnt hier stets erst nach\nNeujahr. In meine Musterung gehört also nur noch ein\nComponisten-Concert, welches Wekherlin im December\nveranstaltete. Er führte darin mehrere kleinere Compo-\nsitionen von sich für Gesang auf und eine grosse Ode-\nSymphonie für Soli, Chor, Declamation und Orchester.\nDen Text hat er aus einem Bändchen Gedichte von Autran,\n„Les Po'emcs de la vier\"betitelt, zusammengestellt. Wir\nhaben darin einen „Gesang der Wellen\" (!), eine „Revc-\nrieam Strande\", eine „Meeresstille\" und „glückliche\nFahrt\", die Arie eines Tritonen (ä la Pif! Paf! des Marcel),\ndas Lied eines Schiffsjungen (Tenor mit Begleitung von\nBrummstimmen— da capoverlangt), einen Sturm u. s. w.\nu. s. w. Im Ganzen ist weniger Lärm und Malerei darin,\nals man hiernach glauben sollte; offenbar strebt Wekher-\nlin, wenn auch in seinen Texten oder Prätexten für die\nMusik etwas abenteuerlich, nach einer gewissen Einfach-\nheit und Durchsichtigkeit, die im Gegensatze der Zeit im-\nmerhin lobenswerth ist.\nWie es mit Wagner's Bestrebungen hier geht, davon\nlässt sich eigentlich nichts sagen, wenn man nicht, wie\nseine Freunde, die Feder in Hoffnungsfarbe oder blauen\nDunst taucht. Seine Concerte sind natürlich längst verges-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2819, "texte": "sen, und wann eher der Tannhäuser zur Aufführung kom-\nmen wird, wissen nur die Eingeweihten, oder auch diese\nvielleicht noch nicht. Indessen brachte die\nporaine schon vor einiger Zeit einen Aufsatz, in welchem\nrecht vernünftige Gedanken über einige politisch social-\nmusicalische Ansichten Wagner's zu lesen waren. Der\nVerfasser knüpft an Kiehl's „musicalische Charakterköpfe\"\nan, den er aber jedenlalls in mancher Beziehung missver-\nsteht, und dann nach französischer Weise Alles in Einen\nl opl schmeisst und aus diesem eine Schilderung der musi-\ncalischen Kritik in Deutschland aufs Papier wirft.\n„Also die Tonkunst\" heisst es da unter Anderem\n„bekommt eine höhere Aufgabe: sie wirdPiiesterthum,\nLehre, Philosophie, und das alles in Bezug auf die Erzie-\nhung der menschlichen Gesellschaft, auf staatliche und re-\nligiöse Ordnung. Daher denn auch ihre grosse Verant-\nwortlichkeit und ihre Verbrechen, die bis zu Hochverrath\ngehen können.\n„Der Musiker darf nicht mehr seine selbstständige\nStellung für sich haben, er darf sich nicht seinen eigenen\nHimmel bauen; er muss ein Public-Charakter sein, ein\nBanner haben, dem er folgt, eine Partei, zu der er ge-\nschworen; seine Musik muss Grundsätze, politische Ideen,\nOffenbarungen an die Menschheit ausdrücken.\n„Harmonielehre, Contrapunkt, sonst die Grundlagen\nder musicalischen Bildung, sind Nebensachen geworden;\nsie können nichts nützen zur Lösung der höheren Aufgaben,\nwelche die Musik sich stellen muss. Den Musiker unserer\nZeit muss sein Studium zu der Universalbildung des Philo-\nsophen, des Staatsmannes erheben.\n„Die Poesie ist auf ihrem bisherigen Standpunkte nur\nHemmniss für die Entwicklung des Geistes, sie gehört in\ndie Zeiten der naiven Leichtgläubigkeit und des gemüth-\nlichen Träumens. Die Poesie ist das Prokrustesbett der\nGedanken, sie entstellt und verkehrt die Begriffe. Es soll\nanders mit ihr werden: sie soll der Welt die logischen\nGesetze des Denkens erklären, sie muss Abstraction, Com-\nbination von Begriffen, mit Einem Worte Philosophie\nwerden *).\n„Eben so die Musik. Hören wir nicht schon alle Au-\ngenblicke verzückte Dilettanten, Aesthetiker und Musiker\nselber, die uns erzählen, welche Geheimnisse der Welt die\nMusik ihnen entschleiert, welche Offenbarungen ihnen\ndurch sie geworden? Elende Kritik, die du nach der Wis-\nsenschaft der Kunst, nach den Grundsätzen der Meister,\nnach Geschmack und Gefühl urtheilest, was willst du?\nwas kannst du beweisen, während wir in Bildern, Meta-\nphern, Wortschwall und phantastischer Entrückung klar\ndarlegen, dass die Musik weltbewegende Principien über\ndie Menschheit daherwälzt?\"\nSo ungefähr lauten einzelne Aphorismen des Mannes,\nder, wie es scheint, seine Leute recht gut kennt.\n\n*) Yergl. Wagner's „Brief an einen Freund\", S. 28, wo das\nObige wörtlich zu lesen ist. (Vgl. Nr. 1, S. 2 dieses Bl)\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "54", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "W. 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Die Wallfahrt nach Ploermel hat im Sommer oft\nherhalten müssen; auf Befehl kam sie auch noch während\ndes Winters, das Publicum schien jedoch längst genug\ndaran zu haben. Auch „Rienzi\" von Wagner schreckt die\nLeute geradezu ab, denn Viele bekannten, dass sie nach\nAnhörung dieses unmusicalischen Lärms 3 4 Tage förm-\nlich krank gewesen seien.\nAls kleine artige „Gewinne\" der Opern-Lotterie las-\nsen sich dagegen Dittersdorfs „Doctor und Apotheker\",\nIsouard's Zauber-Oper „Aschenbrödel\", Lortzing's „Un-\ndine\" nennen, welche die Regie uns diesen Winter wieder\nvorgeführt hat. Halevy's „Jüdin\" und Marschner's „Temp-\nler und Jüdin\", zwei sehr schöne Tonwerke, hörten wir\nauch, dagegen auffallend selten eine Mozart'sche Oper.\n„Tannhäuser\" und „Lohengrin\" sind, wie seit Jahren,\nhier stabil. Herrn Capellmeister Hagen sind selbe theil-\nweise „traditionel\" überkommen. Ob nach Decennien ein\nNachfolger Hagen's diese Tradition noch achten wird, oder\nes vorziehen sollte, einen eigenen Weg einzuschlagen?\nDer jetzt hierorts vorherrschende Wind dürfte bald auch\n„Tristan und Isolde\" zu einer Reise in die Cur nach\nWiesbaden veranlassen, wo ihnen, wenn auch kein Hei-\nmatsrecht, jedenfalls ein temporärer Aufenthalt gesichert ist.\nDie zweite, dritte, vierte und fünfte Soiree für Kam-\nmermusik brachte uns folgende Trio's und Quartette:\nHaydn (Quartett in 0), Mozart (Quartett in D-mott), Beet-\nhoven (Trio, Op. 97, B-dur), Mozart (Quartett in C-dur),\nBeethoven (Quartett, Op. 59, Haydn (Quartett\nin B-dur), Beethoven (Trio, Op. 1, Es-dur), Schubert\n(Quartett in D-moll),Mozart (Quartett in Mendels-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3379, "texte": "Sohn (Quartett, Op. 12, JEs-dußeethoven (Quartett,\nOp. 18, D-dur).Der Ciavierpart in den beiden Trio's\nwurde von Herrn C. Pallat, dessen Eifer und ernstlicher\nFortschritt nicht zu verkennen ist, ausgeführt. In der drit-\nten Soiree sang Herr C. Schneider, Mitglied unserer\nOper, drei schottische Lieder von Beethoven, von Violine,\nVioloncell und Ciavier begleitet, mit jenem Ausdrucke und\ngeläuterten Geschmacke, wie man es von einem so durch-\ngebildeten Concertsänger zu hören gewohnt ist. Die Quar-\ntett-Soireen wachsen zusehends mit jedem Winter an Zu-\nhörerschaft, sie wachsen auch an Gediegenheit, Einheit,\nGlätte und Abrundung des Spiels. Muthmaasslich werden\ndie Herren Unternehmer nächsten Winter in der angeneh-\nmen Lage sein, sich ein grösseres Local wählen zu müssen.\nDas bisherige ist der Balletsaal unseres Theatergebäudes.\n,Extreme berühren sich!\" kann man auch hier sagen.\nSie hatten in Köln eine „Weber-Feier\", wir hatten\nam 30. November eine „Schubert-Feier\" (sie sollte schon\nam 19. November, Schubert's Geburtstage, Statt finden),\nvom herzoglichen Hof-Concertmeister Barth veranstaltet.\nEin vierblätteriges Kleeblatt hervorragender Künstler wirkte\ndarin mit: der Pianist Dr. Pruckner (Professor an der\nMusikschule zu Stuttgart), Concertmeister Straus von\nFrankfurt, der Cellist Brinkmann von eben daher und\nFräulein Emilie Genast, Concertsängerin aus Köln.\nHerr Pruckner spielte mit Herrn Straus das Bondo\nOp. 70 für Pianoforte und Violine von F. Schubert, Valse-\nCapricenach Schubert von Liszt, das Trio in Es, Op.\n100, von Schubert und Liszt's Uebertragung des Erlkö-\nnigs—Alles mit eminenter Bravour. Vortreffliche Ausfüh-\nrung wurde dem Trio durch die Herren Pruckner, Straus\nund Brinkmann zu Theil. Fräulein Genast sang „Die\njunge Nonne\" und „Gretchen am Spinnrad\", „Eifersucht\nund Stolz\" und „Mein\" mit schönem Ausdrucke. Zum\nBesten einer hartbedrängten Künstlerfamilie (Capellmeister\nund Geiger Bärwolf, Schüler Spohr's) veranstaltete Herr\nHagen ein Concert, in welchem das Theater-Orchester\nHaydn's (?-#wr-Sinfonie sehr fein nuancirtzu Gehör brachte.\nFräulein Tipka sang eine Arie aus „Die Entführung aus\ndem Serail\", Fräulein Stork (vom Theater zu Braun-\nschweig) die grosse Scene und Arie aus „Oberon\" und\nmit Herrn Schneider ein Duett aus „Jessonda\", aus\neben welcher Oper Herr Schneider noch eine Tenor-Arie\nvortrug. Die Ouvertüre „Meeresslille und glückliche Fahrt\"\nbeschloss das Concert, welches zahlreich besucht war.\nAuch der Violinist Aug. Wilhelmyi veranstaltete ein\nConcert zu ähnlichem Zwecke.\nDas zweite Concert des Cäcilien-Vereins brachte Mo-\nzart's Sinfonie in C-dur (mit der Fuge), zwei Chöre: a.\nKyrie eleison von Palestrina, b. von Mozart,\nBeethoven's Violin-Concert (Dmit Orchester, von\nHerrn Concertmeister Baldenecker dahier trefflich ausge-\nführt, und eine Cantate nach Worten der heiligen Schrift\nfür Soli, Chor und Orchester von Karl Schmidtgen da-\nhier, eine Composition, die den Zuhörer mitunter in das\nTheater versetzt, auch fern ist von Originalität und Tiefe\nder Empfindung, von Schwung und Erhabenheit, und so-\nmit keine Erhebung des Zuhörers hervorrufen kann, aber\nimmer eine verständige, fleissige Arbeit bleibt. Das Werk\nlehnt sich an unsere Meisterwerke der Form nach an, ohne\nfreilich deren Gehalt zu erreichen. Herr Schmiitgen ist\nMitglied unseres Theater-Orchesters; früher war derselbe\nCapellmeister in Schwerin. -"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.6", "debut_caractere": 6023, "fin_caractere_exclue": 6028, "texte": "W. 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Schuberth als Op. 5 er-\nschienenen) vortrefflichen vierhändigen Ciavierstücken „Nachklänge*\nund aus jenem Streich-Quartett bestanden; das Werk, welches sehr\ngefiel, ist von edlem Inhalt, sinnig gedacht, warm empfunden und\ndurchweg gediegen gearbeitet. Seine Ausführung war eine recht gute.\n— Die musicalische Akademie veranstaltete vor einiger Zeit eine\nPrivat-Soiree, in welcher nur Compositionen von königsberger Com-\nponisten zur Aufführung kamen: Otto Nicolai, Psalm; Ad. Jensen,\nLieder aus Op. 7 und Ciavierstücke; L. Köhler, aus Op. 10, Duette\nohne Worte für Ciavier, Op 20, „Abend-Phantasieu für Ciavier, Op.\n72, Concertlied, Das Orakel (Sopran); L. Ehlert, gemischte Quar-\ntette (in Königsberg erschienen und sehr zu empfehlen); E. Sobo-\nlewski, aus der Oper „Mohega, die Blume des Waldes*4. Lohengrin\nist seit dem Sommer etwa 9 bis ]0 Mal gegeben worden. — Wie\nman hört, wird die musicalische Akademie für das Jahr 1861 ein\ngrosses Musikfest von zweitägiger Dauer veranstalten, bei welcher\nGelegenheit sicherlich Ungewöhnliches von Altem und Bedeutendes\nvon Neuem geboten werden wird, dafür bürgt der classische und\nzugleich vorurtheilsfreie künstlerische Sinn der Leiter und Mitglie-\nder dieses Instituts.\nHolle in Wolfenbüttel bringt, unermüdlich, wie immer, jetzt\nFranz Schubert's sämmtliche Lieder, und zwar vorerst die ein-\nstimmigen vollständig, wie es scheint; denn nach einer Andeutung\nzu Heft 32 erfolgen die mehrstimmigen später, vielleicht auch\nNachträge aus dem Nachlass. Das heute Vorliegende sind vier Theile\nin 87 Heften, welche 254 Lieder enthalten, Alles zusammen für 9l/3\nThlr., was nach sonst landesüblichen Preisen mindestens das Drei-\nfache kostet. Dies ist der Vorzug, den Niemand dem thätigen Ver-\nleger bestreiten und der sich behaupten wird trotz mancher Beden-\nken, die einerseits der solide Buchhandel erheben möchte, anderer-\nseits auch mancher Kunstfreund. Den grossen Buchhändlern ist diese\nwohlfeile Herstellung, bei der doch Holle nicht arm geworden, eine\nMahnung, von den emporgeschraubten Preisen, die weit mehr dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7459, "texte": "weissen Umschlags-Papier und typographischen Narrheiten als hun-\ngerigen Autoren zu Gute kommen, endlich einmal abzulassen, oder\ndie Strafe zu gewärtigen, welche bereits stellenweise eingetreten,\ndass nämlich das Classische dem Modischen den Rang abläuft. Dar-\nüber brauchten wir uns nun eben nicht zu grämen, wie sehr wir\nauch zugestehen, dass auch für Lebende zu sorgen ift. dage-\ngen mancher Kunstfreund bei der wohlfeilen Herstellung über die\nAusstattung, sei es die typographische oder die poetische (bei den\ninstrumentalen Ciavier-Auszügen), Klage führen will, so bedenke er,\nwas er hat, und vergleiche die Holle'schen Ausgaben mit anderen\ngleich wohlfeilen, z. B. der Mozart'schen Opern, deren musicalische\nBehandlung abscheulich und deren Druck oft nicht zu lesen ist. Aber\nauch mit besseren Rivalen verglichen (wie denn kürzlich in Kassel\nund Stuttgart ebenfalls wohlfeile Mozart's und Beethoven's erschie-\nnen, die sauber und lesbar und hübsch anzusehen sind), braucht\nsich Holle nicht zu schämen; zudem ist er Allen voran als erster\nErfinder dieser Art Ausgaben und gibt ein seltenes Beispiel von\nKühnheit und Ausdauer. Noch erwähnen wir einer ebenfalls kürz-\nlich erschienenen neuen Ausgabe von Mozart's Duetten für Ciavier\nund Geige, welche neben den übrigen Vorzügen noch einige selt-\nnere, wenig bekannte Stücke bringt.\n# -\nFrankfurt a. M. Statistik des abgelaufenen Thea-\nterjahres. Während des am I. November 1859 begonnenen und\nam 31. October 186 U abgelaufenen Theaterjahres wurden 350 Vor-\nstellungen gegeben, und zwar 277 im Abonnement und 73 ausser\nAbonnement. Diese 350 Vorstellungen zerfallen in 146 Opern-Vor-\nstcllungen (worunter 18 von der italiänischen Opern-Gesellschaft des\nHerrn Merelli gegeben) und 204 Schau- und Singspiel-Vorstellun-\ngen. Es wurden gegeben: Opern, 47, 146 Mal; Singspiele und Ge-\nsangspossen, 28, 62 Mal; Tragödien, 18, 27 Mal; Schauspiele, 34,\n57 Mal; Lustspiele, 76, 141 Mal. Musicalische Novitäten wurden\nsieben gebracht, und zwar: 1 Oper („Dinorahu), 3 Gesangspossen\n( Einer von unsere Leut« „Karl und Karl« - „Orpheus in der\nUnterwelt\"), 3 einactige Singspiele oder Vaudevilles („Doctor Peschke«\n„Bei Wasser und Brod« „üas Gasthaus zum Riesen Goliath«).\nNeu einstudirt wurden in der Oper 7, in Singspiel und Gesangsposse\n5 Piecen.\nAus unserem Personal-Verbande ausgeschieden und in denselben\neingetreten sind im letztverflossenen Theaterjahre: im Schauspiel die\nHerren Collin (durch Herrn Heygen entsprechend ersetzt, d. h. Vor-\ngänger wie Nachfolger gleich indifferent!) und Hanisch (nicht er-\nsetzt), die Damen Liebich und Versing-Hauptmann (beide nicht er-\nsetzt); in der Oper die Damen Morska, Rübsamen-Veith, Schirmer\n(sämmtlich nicht ersetzt), Schröder-Chaloupka (durch Fräulein Carl\ndurchaus ungenügend ersetzt), die Herren Herrmanns und Schmid\n(Nachfolger: die Herren Schiffbenker uud Uttner), das Tänzerpaar\nOpfermann und die Tänzerin Fräulein de Barby (früher das mit\nihrem Abgange eingegangene „Ballet\" repräsentirend).\nVon renommirten Gästen hörten wir im vergangenen Jahre den\nC 1 avier-Virtuosen Dreyschook, die Herren Ewald Grobecker, Ticbat-\nscheck, Schnorr, Niemann, Döring, Friedrich Devrient, und die Da-\nmen Frassini, Bulyowsky, Frieb-Blumauer und Gossmann, so wie\ndie italiänische Operngesellschaft des Herrn Merelli unter der Lei-\ntung des Capellmeisters Orsini.\nDie vor einigen Tagen gehaltene General-Versammlung der\nTheater-Actionäre hat beschlossen, bei unserem Senate um die Er-\nneuerung der Concession und eine jährliche Subvention von 16,000\nFl. aus Staatsmitteln einzukommen, das grossentheils geschwundene\nActien-Capital aber vorerst nicht zu completiren. Wie wir hören,\nist eine neue Actien-Gesellschaft im Entstehen, welche einen Fonds\nvon 100,000 Fl. zusammenschiessen und die Leitung des Theaters\nohne Staats-Subvention übernehmen will. Es stehen, wie es heisst,\ndie ersten hiesigen Banquiers mit an der Spitze dieser neuen Ge-\nsellschaft.\nIn Blättern aus München lesen wir: „Eine recht originelle\nErscheinung war uns die Ouvertüre für Harmoniemusik\nvon Mendelssohn. Nicht Wenige zwar waren über das Erschei-\nnen von vollständiger Militärmusik mit ihrem etwas barbarischen\nZubehör in den friedlichen geweihten Räumen des Odeons mehr\nfrappirt, als erfreut Immerhin aber ist diese Ouvertüre ein glänzen*\nder Beleg dafür, wie bedeutende und schöne Effecte ein Künstler\nvon dem feinen Gefühle und Geschmacke Mendelssobn's selbst bei\nungünstigen Mitteln hervorzubringen vermag, und kann manchem\nunserer neueren und neuesten Autoren als Gegenbild dienen, die,\nselbst wenn die ganzen reichen Mittel eines vollständigen Orchesters\nihnen zur Verfügung stehen, in den rohen Ton einer Biergarten-\nBlechmusik verfallen. Uns schien das Werk namentlich als Orche-\nsterstück ganz vorzüglich und dem Namen seines Meisters ganz\nentsprechend.*\nWiefl. Herr Carl Taus ig ist im Januar hieher gekommen\nmit dem entschiedenen Vorsatze, die Wiener zu besserer Würdigung\nder Compositionen seines Lehrers Franz Liszt zu bekehren.\nAls Prolegomena erschienen fliegende Notizen, die wie gewöhnlich\neinem geschichtlichen Ereignisse vorausgehen :\nAna 8. Januar (L. A. Zöllners 81. f. Theater, Musik u. Kunst),\nDer Pianist C. Tausig veranstaltet im Musikvereins-Saale vier Or-\nchester-Concerte, deren erstes am 20. Januar Statt findet. Herr C. T.\nwird ein neues Ciavier Concert von Liszt spielen und die „Ideale*\nund die „Festklänge* dirigiren. Dass diese Production eine Masse\nNeugieriger herbeilocken werde, unterliegt kaum einem Zweifel.\nAm 13. Januar (Recens.). Liszt ist gross, und Tausig\nist sein Prophet. Allah kann nicht selbst kommen, er schickt\nseinen Mahomed, um den Wienern doch endlich die Segnungen einer\nlangen Reihe „Sinfonischer Dichtungen* angedeihen zu lassen. Herr\nTausig wird nämlich im Musikvereins-Saale drei Concerte veranstal-\nten, in welchen nur Orchester- und Ciavierwerke von Liszt zur Auf-\nführung kommen sollen. So entschieden wir uns gegen derlei Auf-\nführungen von Seiten unserer stehenden Musik-Gesellschaften aus-\nsprechen mussten, so erwünscht ist es uns, dass sich der geniale\nClavier-Virtuose Liszt herbeilässt, die sehr bedeutenden Kosten sol-\ncher Concerte selbst zu tragen, um die Wiener dadurch in die Lage\nzu setzen, seine Musik zu hören, zu prüfen und über dieselbe ein\nunbefangenes Urtheil zu fällen.\nAm 20. Januar (Ree ensionen). Von Herrn Tausig erhielten\nwir folgendes Schreiben:\n„In der letzten Nummer Ihres Blattes befindet sich in einer Notiz\nüber mein Orchester-Concert der Passus: es sei Ihnen sehr er-\nwünscht, dass sich der geniale Clavierspieler Liszt herbeilasse, die\nsehr bedeutenden Kosten solcher Concerte selbst zu tragen. Die-\nser Passus zwingt mich durch seine vollständige Unwahrheit zu\neiner Berichtigung. Abgesehen davon, dass Herr Dr. Franz Liszt\nsich durchaus nicht in irgend einer directen oder auch indirecten\nausserkünstlerischen Beziehung zu den Concert-Unternehmungen sei-\nner, wenn auch ihm nahe stehenden, Anhänger befindet, muss ich\nhiermit noch ausdrücklich betonen, dass ich es für einen wesent-\nlichen Punkt meiner Künstler-Ehre halte, die Aufführung der Werke\ndes Meisters, den ich ganz besonders bewundere und verehre, durch\nmeine Geldmittel zu ermöglichen. lndem ich Sie bitte, diese\nberichtigenden Zeilen in der nächsten Nummer Ihres Blattes\nzum Abdruck zu bringen, habe ich die Ehre, zu zeichnen\n„C. Tausig *\nBegreiflicher Wei-e konnten wir nicht annehmen, dass irgend ein\nAnderer als der selbst die materiellen Opfer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6005, "texte": "der bewussten Unternehmung tragen könne und wolle. Wir nehmen\nindessen die obige Berichtigung mit um so grösserem Vergnügen\nauf, als durch den opfermuthigen Einsatz des Zukunfts-Knappen der\npolyphone Kreuzzug einen noch heroischeren Charakter erhält.\nAm 27. Januar (Breslauer Zeitung, Referat aus Wien). In\nLiszt's Musik zeigt sich die Bemühung, sich der Zukunftsmusik an-\nzuschliessen; Liszt wurzelt jedoch mit seiner aristokratischen Natur\nzu sehr in der Vergangenheit, er schliesst sich fast unmittelbar an\nBeethoven an, und ailes, was dazwischen liegt, deutsche, italiäni-\nsche und französische Musik, scheint seine Compositionen nicht zu\nberühren. Er „kam nicht mehr in die schmelzende Strömung der\nNeuzeit*. „Sein Schüler Taus ig zeigt dasselbe ernste, gewaltige,\ntechnisch strenge Spiel seines Meisters, welches die Salon-Er-\nscheinungen der Gegenwart, wie Bülow und Clara Schu-\nmann (!!), weit hinter sich lässt,\"\nWien« Das Concert, welches der junge Violinist Herr S.\nBach rieh im Januar gab, bewies uns das eifrige Streben dessel-\nben, sich zu wahrer Künstlerschaft zu erheben Sein Spiel zeichnet\nsich durch auffallende Reinheit der Intonation, durch einen guten\nStrich, eine gewisse Keckheit und wohldurchdachten Vortrag aus.\nIn Passagen hat er noch zu wenig Ton, und man vermisst inneres\nGefühl. Die Wahl einer S. Bach'schen Sonate niit Ciavier (.E-dur)\nist als eine künstlerische sehr zu loben, obwohl es fraglich bleibt,\nob solche Stücke in gewöhnlichen Concerten von Virtuosen am\nPlatze sind.\nEin neues Violin-Concert von Rubin stein war als Novität in-\nteressant und ein abermaliger Beleg für das schöne Talent dieses\nComponisten, der sich's nur zu leicht macht und selten die künst-\nlerische Feile anlegt. Das Concert scheint so geblieben zu sein, wie\ndas erste flüchtige Concept es werden liess; es musste aber noch\nManches daran geschehen, ehe es für die Oeffentlichkeit reif genannt\nwerden könnte. Offenbar ist das Finale viel zu kurz und entbehrt\neines selbstständig ausgeführten Inhalts.\n** 1. Februar. Im Verfolge meines kürzlich Ihnen ein-\ngesandten Circulars zeige ich hiermit weiter an, dass dem Ra-\nveaux' sehen Antrage zur Honorar Zahlung an Componisten\nfür Männergesangstücke (vgl. Nr. 3, S. 23) inzwischen bei-\ngetreten sind: 1) Liedertafel in Pressburgin Ungarn; 2) Liedertafel\nin Salzburg; 3j Liedertafel (Frohsinn) in Linz; 4) Liedertafel in\nBudweis in Böhmen; 5) Sängerbund in Mürzthal in Steyermark; 6)\nSängerbund in Linz; 7) Männergesang-Verein in Stockerau; 8) Män-\nnergesang-Verein in Ischl; 9) Männergesang-Verein in Asch in Böh-\nmen; 10) Liederkranz in Frankfurt am Main; II) Liederkranz in\nSchwaz in Tyrol; 12) Liederkranz in Gablonz in Böhmen; 13) Lie-\nderkranz in Steyr; 14) Zion-Verein in Wien. Um den Vorschlag\nzur Zahlung eines Honorars an die Componisten möglichst schnell\nzur That zu machen, und um den Gesang-Vereinen die Theilnahme\nzu erleichtern, wäre es sehr wünschenswerth, dass sich, so wie hier\nin Wien, auch anderwärts Centraistellen bildeten, und es wären\nvielleicht Berlin, Köln und Zürich diejenigen Plätze, welche ihrer\nLage nach am geeignetsten hierzu erscheinen. Nur durch Bildung\nsolcher Centralstellen ist den vielen Vereinen der Beitritt ermöglicht,\nund nur so kann den Componisten ein Dienst erwiesen werden, in-\ndem sie alsdann ihr Honorar in grösseren Beträgen, welche die Cen-\ntralstelle ansammelt, erhalten, und nur eine einmalige Empfang-Be-\nstätigung abzugeben brauchen, statt vieler einzelnen.\nIm Feuilleton der wiener „Presse* vom 12. Januar wird unter\nder Aufschrift: „Da Ponte, der Dichter des Don Juan\", mitge-\ntbeilt, dass die Memoiren dieses Dichters, welche bis zur Ueber-\nsiedelung des Verfassers aus London nach New-York (1803) reichen,\nin italiänischer Handschrift im Frühlinge des Jahres 1859 in New-\nYork unter alten, zum Verkaufe ausgebotenen Büchern aufgefunden\nworden seien, und dass dieselben jetzt in einer französischen Ueber-\nsetzung von Herrn Chavanne vorliegen. Zufälliger Weise sind aber\ndie „Memorie di Lorenzo da Ponte da Ceneda scritte da essox be-\nreits vor mehr als vierzig Jahren zu New-York in zwei Bändchen\nerschienen, und die „Seconda edizione, ccrretta, ampliata ed accres-\nciuta d\\m intero volume, e di alcune note* wurde ebenda 1829—30\nvon der Buchhandlung John H. Turney in drei Bändchen heraus-\ngegeben. Die leipziger Allgemeine Musicalische Zeitung hat darüber\n(Jahrgang 1842, Nr. 40) umständlichen Bericht erstattet, und im\nJahre 1847 erschien in Stuttgart eine (mittelmässige) Uebersetzung\ndieser zweiten Auflage. Herr Chavanne hat daher Niemandem einen\nbesonderen Dienst geleistet, wenn er das in America zufällig wieder\nvorgekommene Manuscript des ersten Bändchens ins Französische\nübersetzte, und dieses Bruchstück nun der Welt als einen neuen\nmerkwürdigen Fund aufdrängen will, wodurch er vielmehr nur\neinen neuen Beleg der Unwissenheit französischer Literaten geliefert\nhat. Nebenher sei noch bemerkt, dass Da Ponte am 17. August\n1838, folglich (da er am 10. März 1749 geboren wurde) im 90. und\nnicht, wie im Feuilleton der „Presse\" angegeben wird, im 97. Le-\nbensjahre, verstorben ist.\nL. v. S. (W. Recens.)\nMan schreibt aus Petersburg: „Seit Kurzem verbreitet sich\nbei uns das Gerücht, Rubinstein wolle seine Stellung hierselbst auf-\ngeben und vorläufig nach Deutschland übersiedeln. Als Grund gibt\nman an, Rubinstein wünsche einen weiteren Wirkungskreis, er wolle\nseine grösseren Werke hören, sie selbst zur Aufführung bringen,\nwozu er hier keine Aussicht habe. Sollte sich dieses Gerücht als\nWahrheit herausstellen, so würde dadurch der russischen Musik-\nGesellschaft eine sehr fatale Verlegenheit bereitet werden. Schliess-\nlich noch müssen wir berichten, dass sich unter der kaiserlichen\nFamilie ein reger musicalischer Sinn zeigt; namentlich bei dem\nGrossfürsten Konstantin (guter Violoncellist), der Grossfürstin Olga\nvon Würtemberg, der Grossfürstin Helene finden wöchentlich classi-\nsche Musik-Soireen Statt, welche beziehungsweise von Rubinstein\noder Schubert geleitet werden.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nVirtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten. IV. Von A. Schindler* Pariser Briefe. IV. Von B. P.\nAus Wiesbaden (Die letztverflossene Saison). Von W. W. Tages- und Un terh altungsblatt (Königsberg, Musik-AufFüh-\nrungon Wolfenbütte], Holle's Verlag Frankfurt a* M., Statistik des abgelaufenen Theaterjahres München Wien, Zukunftsmusik,\nConccrte, Honorarzahlung an Componisten Da Ponte's Memoiren Petersburg, Rubinstein).\n\nVirtuosen-Productionen in den frankfurter\nMuseums-Concerten.\n\nIV.\nNach mehreren Jahren erklang wieder einmal im\nSaale des Museums ein Violin-Concert von Rode, das\nHerr Heinrich Wolff, Concertmeister des hiesigen\nTheaters und Lehrer der Violine an der Musikschule, hö-\nren liess. Es war das in E-dur, das zwölfte in der Reihen-\nfolge von dem grossen französischen Meister.\nDie von einem Künstler behauptete Stellung in bür-\ngerlichen und Kunst-Verhältnissen, sein darauf ruhendes\nAnsehen, sein bald unmittelbarer, bald mittelbarer Ein-\nfluss auf' das öffentliche Urlheil, vornehmlich in kleineren\nStädten, wo Glauben und Vertrauen in Sachen der Ton-\nkunst gewöhnlich zäher Natur sind und sich unbedingt an\nden beliebten Namen klammern, wenn dessen Träger die\nwohlverdiente Achtung als Mensch und Bürger geniesst,—\ndiese vereinten Umstände machen es selbst der unabhän-\ngigen Kritik schwer, sich über den relativen Werth der\nLeistungen eines solchen Künstlers mit Offenheit auszu-\nsprechen, ohne von einer Menge Gläubiger der Verketze-\nrung oder wohl gar der Animosität beschuldigt zu werden.\nW as die Wahrheit an und für sich werth, was sie zur\nKlärung unlauterer Begriffe beiträgt, der Dilettant will sie\nnicht hören, weil sie ihm ein Theilchen von seinen Vor-\nurtheilen entführen könnte, und er sogar dieses Theilchen\nnicht aufgeben will. Diese wohl aller Orten sich wieder-\nholenden Erscheinungen, von nicht wenigen Musikern recht\nwohl zu ihren mancherlei Privat-Interessen benutzt, lassen\ndie Schwierigkeiten erkennen, mit denen die bessere Lo-\ncal-Kritik zu kämpfen hat. Diese Schwierigkeiten werden\ndort unbesiegbar, wo die Kritik in der Regel von Unfähi-\ngen, zur Clientel der sich producirenden Künstler zählend,\ngeübt wird. Wo aber in Kunstfragen Alles seine Stimme\nabgibt, wie in einer Valuta-Frage, da kann es an verschie-\ndenartig gefärbten Ansichten nicht fehlen, an Ansichten,\ndie um so irrthümlicher klingen, je niedriger der Stand-\npunkt des Urtheilenden, je unselbständiger die Gesinnung\nder Menge und je ruheloser das Bestreben derer ist, die\nVorurlheile und Begriffs-Verwirrung in der musicirenden\nMenge fortan in Blüthe zu erhalten beflissen sind.\nWenn musterhafte Reinheit der Tonbildung in allen\nLagen, Wohlklang im Tone selber, verbunden mit ge-\nwandter Bogenführung, die Summe aller Anforderungen\nan den künstlerischen Vortrag ausmachten, so müsste\nHerr Wolff ohne Widerspruch in die erste Reihe der le-\nbenden Geiger gestellt werden. Allein wenn der Musiker\nausser diesem noch zu beweisen hat, dass er Empfänglich-\nkeit und Einsicht für dasjenige im Kunstwerke besitzt, was\ndurch keine Schrift erschöpfend ausgesprochen werden\nkann, zu dessen Kundgebung nicht sowohl geschickte An-\nwendung dynamischer Hülfsmittel führt, sondern auch\nSinn und Tendenz des ganzen Kunstwerkes erkannt sein\nwollen und sollen; wenn erst diese vollständige Summe von\nErfordernissen, vermittels warmen Gefühls aus dem Tief-\ninnersten der Seele zu einem Ganzen zusammengekittet,\nden Musiker in Stand zu setzen vermag, ein Kunstwerk in\nallen seinen Bestandteilen im Geiste des Autors zu erfas-\nsen und auszuführen, so erscheint jede Production des\nHerrn Wolff mit einem grösseren Werke als negativer\nBeweis von solchen Errungenschaften. Sollte das nicht zu-\ntreffen, so müsste angenommen werden, dass sein künst-\nlerisches Gewissen ihm nicht verstattet, die Klappe seines\nGefühlsbehälters zu öffnen, nicht verstattet, dynamischer\nHülfsmittel sich zu bedienen, wenn diese in der Principal-\nstimme nicht sichtbar sind. Da steht aber geschrieben:\nDer Buchstabe tödtet, der Geist macht lebendig. Es ist\nschlechterdings unmöglich, ein Tonstück mit mehr Correct-\nheit und Präcision zu spielen, als man das von Herrn\nWolff hört; ein Piano aber, ein oder wohl gar\neine kleinwinzige Nuance im Tempo anzuwenden, wo diese"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.2", "texte": "nicht ausdrücklich stehen, das hört man nicht, wohl aber\neine durchgängige Gleichmässigkeit in Tongebung und Be-\nwegung, die in Betracht so ausgedehnter Sätze, wie alle\nRode'schen Concerte aufweisen, den Kenner in Erstaunen\nsetzen kann, weil eine derlei Kunstleistung zu einem psy-\nchologischen Räthsel wird. Sollte man denn wirklich\nnicht wissen, dass jedes Solostück, für irgend ein Instru-\nment componirt, eben so zu behandeln ist, wie jedes für\nden Gesang geschriebene? Welche Arie, überhaupt wel-\nches Gesangstück von Händel, Bach, Mozart, Rossini und\nanderen Componisten weiset denn ein Vortragszeichen auf?\nWie also in den Partituren von Opern und anderen Ge-\nsangwerken dem Sänger es überlassen ist, dem todten Zei-\nchen durch seinen gebildeten Vortrag zum Leben zu ver-\nhelfen, gilt Gleiches in allen Solostücken. Aus diesem\nGrunde fehlt so häufig die Vorschrift Betreffs des zu ge-\nbenden Colorits, fehlt die Angabe der hier und da, vor-\nnehmlich in den auf 16, 20, ja, bis zu 24 Tacten ausge-\nstreckten Cantilenen des Seitensatzes (Dominante) not-\nwendigen Modificationen des Tempo*). Feiner Sinn und\ngebildeter Geschmack wird aus der Tendenz des Kunst-\nwerkes leicht errathen, wie die Klangfarben zu vertheilen,\num dem Zuhörer ein Charakter habendes Gemälde, nicht\nbloss ein harmonisch klingendes Musikstück vorzuführen.\nSolche Freiheit ist dem Künstler gegeben, er stehe, wo\nimmer, und diese muss er mit Verstand, Gefühl und maass-\nhaltender Begeisterung auszunutzen bestrebt sein. Wer in\nseinem Vortrage nichts von allem dem hören lässt, dürfte\nkaum mit einem Schauspieler zu vergleichen sein, der in\njeder Rolle nur sich selber spielt, weil es dem mehrsei-\ntig gebildeten Musiker viel leichter wird, aus sich heraus\nzu treten und, wenn nicht immer, doch oft ein Anderer\nzu sein ohne Costume und Perrücke.\nVon dergleichen Schulsachen dürfte mit weniger Nach-\ndruck zu sprechen sein, wenn die Ueberzeugung nicht fest-\nstände, dass sie in die vorderste Reihe der Nothwendigkei-\nten gehören. Es kann bei Betrachtung der Dinge und Zu-\nstände nicht entgehen, dass, die wissenschaftliche Seite der\nKunstpflege betreffend, im jüngeren Künstlergeschlechte\nnichts so sehr im Argen liegt, als der Theil, der von der\nKunst des Vortrags handelt. Und dennoch haben die Lehr-\nMethoden von Baillot, Spohr, Karl Czerny und An-\nderen (der über Aesthetik handelnden Bücher, so wie der\nAllgemeinen Musiklehre von Gottfried Weber und\nA. B. Marx nicht zu gedenken) unerschütterliche Grund-\nsätze und Regeln aufgestellt, die es dem Lernenden ganz\nleicht machen, in den Besitz aller Erfordernisse zum\nkünstlerischen Vortrage zu gelangen, wenn ihre Seelen-\nkräfte nur einiger Maassen erregbar sein wollen. Ihre Lei-\nstungen zeigen aber fast durchgängig, dass jene Methoden\nihnen nicht bekannt sind; denn es müsste doch etwas han-\ngen geblieben sein, was über der trockenen Mechanik\nsteht. Ueberhaupt müsste es um diesen Theil der Musik-\nlehre durchweg, auch in Hinblick, auf Orchester-Leistun-\ngen, besser bestellt sein, wenn die Musiker es sich wenig-\nstens gefallen Hessen, Fachblätter ihrer Aufmerksamkeit\nzu würdigen, woraus sie recht oft Nützliches für ihre gei-\nstige Nolhdurft holen könnten. Freilich sind Fachblätter\nnicht an Orten zu finden, wo Localblätter in Menge auf-\nliegen, und diese allein, weil sie zur Verbreitung ihres\nAnsehens in der nächsten Umgebung stets willfährig bei-\ntragen, von den Musikern in AfTection genommen werden\nund für die Mehrzahl die einzigen Lehrbücher abgeben.\nWas namentlich die frankfurter Localblätter in Sachen\nder Kunstkritik seit mehreren Jahrzehenden leisten, ist\ngenug bekannt, und fast bedauerlich, davon zu sprechen.\nMehr als anderswo nimmt insbesondere die musicali-\nsche Kritik notorisch ihren Ausgang von feilen Federn\noder von zur Clientel dieses oder jenes Musikers zählenden\nFreunden, bisweilen auch von offenbaren Gegnern -je\nnach der Parteistellung. Als Beleg sei verstauet, nur eine\ndieser so genannten Kritiken hier wörtlich anzuziehen, weil\nihr Inhalt das oben erwähnte Rode'sche Violin-Concert be-\ntrifft. Diese lautet: „Ist auch die Composition etwas ver-\naltet (!) und namentlich durch eine äusserst gewöhnliche\nInstrumentirung uninteressant (!!), so wurde sie doch von\nHerrn Wolff mit der feinsten technischen Vollendung vor-\ngetragen.\" Nichts mehr, noch weniger. Des Bildes K<hr-\nseile auch zu zeigen, wozu Grund genug vorhanden war,\nfand der Kritiker für überflüssig. Und dennoch darf der\nKünstler von seinem Kritiker eine mehr oder weniger ein-\ngehende Belehrung über das Geistige seiner Leistung ver-\nlangen, die ihn der Veredlung und Seibsterkennlniss näher\nbringen soll; von „feinster technischer Vollendung\" mag\ndieser nebenbei schwatzen. Werden nicht aber durch eine\neben so leichtfertige als einseilige Lobhudelei Unbeschei-\ndenheit, Dünkel und Selbstgenügsamkeit dort befördert,\nwo Anlagen dazu vorhanden?\nZu den besonderen Merkmalen der frankfurter musi-\ncalischen Kritik gehörte seit lange: je mehr sich ein Vor-\ntrag durch Trockenheit, Tempofestigkeit, Glätte, schulmei-\nsterliche Correctheit oder, um einen Ausdruck von Ferdi-\nnand Ries dafür zu gebrauchen, durch „Schulfuchserei\"\nausgezeichnet hat, deslo grösseres Lob ist erschallt, weil\n\n*) Ferdinand Ries, der sich ebenfalls über das metronomische\nAbspielen ärgerte, hatte in seinen letzten Compositionen einen\ngeraden langen Strich über die zwanzig und mehr Tacte lan-\ngen Stellen gezogen, die er mit nuancirtem, etwas langsame-\nrem Tempo vorgetragen wissen wollte.\nAnmerk. der Bedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.3", "texte": "hierbei nichts über den gelehrten Horizont des Beurthei-\nlers gegangen. „Objective Darstellungsweise\" (d. h. cor-\nrectes Abspielen der Noten nach ihrem Werthe) ging und\ngeht den Herren noch immer über Alles; dem menschlich\nfühlenden Subjecte ward und wird nicht mehr Freiheit zu-\ngestanden, als die Maschine, Automat genannt, zur Re-\nproducirung eben bedarf. Darum wird auch über\nrubato geklagt, wovon andere Ohren nichts gehört, oder\nwohl gar bei Stellen, wo ein Nachgeben in der Bewegung\nausdrücklich vorgeschrieben steht. Das alles mag erklären,\nwarum die Bach'sche Musik in ihrer Allgemeinheit in\ndieser Siadt so viele ausschliessliche Verehrer gehabt und\nnoch hat, die in ihrer Ekstase dieselbe für den Ausdruck\nder höchsten und eigentlichsten musicalischen Poesie hal-\nten. Dass auch die cameradsehaftliche Kritik sich mitunter\nin ihrer Begeisterung über „technisch vollendeten\" Vor-\ntrag einer Clementi'schen Sonate, und zwar keiner gerin-\ngeren als der „Didone abbandonata\", so weit versteigt,\nden ausführenden Pianisten zum „Ehrenwächter der Solo-\nSonate\" zu ernennen, mag nur beigehend bemerkt werden.\nRisum teneatis. .. .\nDass durch Berühren dieser widrigen Zustände dunkle\nSchalten auf das Allgemeine fallen miissten, die sowohl\nGesinnung wie Gesittung aller Musiker und aller Musik-\nfreunde treffen und in Verdacht bringen könnten, wenn\nkeine Scheidewand gezogen würde, ist ausser Zweifel. Af-\nlein diese Zustände, hier wie dort, sind in ihrem Wesent-\nlichen nur der Reflex der herrschenden Zustände und Wir-\nren auf politischem Gebiete, die alle feststehenden Be-\ngriffe wanken gemacht und unser gesammtes staatliches\nLeben angefressen haben. Wie auf politischem Gebiete es\nnur Bruchtheile von Staatsbürgern sind, die in ihren An-\nsichten und ihrem Thun das Maass des Vernünftigen, Mög-\nlichen, oft sogar des Sittlichguten überschreiten, Gleiches\ndarf zum Tröste auch von dem Gebaren auf dem Kunst-\ngebiete gesagt werden. Wie dort, so auch hier werden\ndiese Ausschreitungen von der überwiegenden Mehrzahl\nder Besserdenkenden mit Widerwillen, nicht selten mit\nAbscheu verfolgt. Sicherlich würden diese hässlichen Dinge\nauf unserem Gebiete einer alsbaldigen Besserung entgegen-\ngeführt werden, wenn die Verfasser kritischer Einsendun-\ngen gehalten wären, mit ihrer Namenszeichnung für das\nAusgesagte einzustehen. Muss zugestanden werden, dass\nbei der allgemeinen Zerfahrenheit in aller Kunstkritik nur\nmehr der Name des Urtheilenden dem Ausgesagten mehr\noder weniger Beachtung verschaffen kann, so ist es offen-,\nbar, dass in Vermeidung der Anonymität das wirk-\nsamste Mittel zur Heilung dieses Krebsschadens gefunden\nsein würde; sie allein dient als Deckmantel für die vielen\nVergehen gegen Recht, Wahrheit und Sittlichkeit. Wer\nim Bewusstsein innerer und äusserer Unabhängigkeit, rei-\ncher Erfahrung und vielseitiger Kenntnisse sich berufen\nfühlt, ein öffentliches Urtheil abzugeben, wird nicht an-\nstehen, sich in wichtigeren Fällen mit offenem Visir zu zei-\ngen; denn er wird auch wissen, dass Künstler wie Publi-\ncum ein Recht haben, den Urtheilenden und seinen kunst-\nwissenschaftlichen Standpunkt zu kennen, wenn sie seinen\nWorten Vertrauen schenken sollen. Das Schmählichste bei\nder Sache ist, dass Anonymität fast von allen Redactionen\npolitischer Blätter, welche die Kunstkritik in einem Bei-\nblatte hinter sich ziehen, als „zum Geschäfte nothwendig\",\nin Schutz genommen wird; nicht einmal erachten sie es\nfür schicklich, die Initialen des Einsenders oder ständigen\nCorrespondenten beizusetzen, die unter gewissen Umstän-\nden den Mann kenntlich machen. So lange es also Hehler\ngibt, wird es auch Diebe geben*).\n\nPariser Briefe.\n\nIV.\n(I s. Nr. 4. 11. Nr. 5. 111. Nr. 6.)\nUeber die Normal-Stimmung hat sich die Opposition\nnoch lange nicht beruhigt; sie hat ihren Hauptsitz in den\nOrchestern und dort wieder bei den Bläsern. Die sämmt-\nlichen Geigen vom Contrabass bis zur Violine sind gute,\nruhige Bürger geblieben, wiewohl mit etwas gedrückter\nStimmung; die Bläser aber sind die revolutionären Wind-\nmacher. Sie nennen die Normal-Stimmung „Policei-Stim-\nmung\", ein jeder von ihnen verwirft das ihm dargebotene\nneue, mit schwerem Gelde auf Staats-Unkosten ang -\nschaffte Instrument und verlangt eines von demjenigen Mei-\nster, der seit Jahren für seinen Schnabel die geeignetsten\nSchnäbel, Rohre oder Mundstücke gemacht hat. Indessen\nverständigt man sich doch nach und nach, und die Rein-\nheit des Gesammtklanges wird besser. Tritt aber zugleich\nauch auf der Scene ein Musikcorps auf, dann ist an voll-\nkommene üebereinstimmung nicht zu denken; und kommt\ndann noch, wie in den „Hugenotten\" und dem „Trova-\ntore\", die um einen halben Ton zu hohe Glocke hinter der\nScene dazu> so ist es geradezu zum Davonlaufen.\nUebrigens ist das nicht der einzige Uebelstand bei der\njetzigen grossen Oper, welche die Muster-Akademie für\nFrankreich oder, wie die Pariser meinen, für alle Opern-\n\nDas mag auf viele politische Zeitungen passen, nicht aber auf\ndie bedeutendem und am meisten verbreiteten. In der Kölni-\nschen Zeitung unterzeichne ich jede Kunstkritik mit vollem\nNamen oder wenigstens den Anfangs-Buchstaben desselben.\nEben so that es L. Rellstab in der Vossischen Zeitung, und\nthun es in Paris 11. Berlioz, J. Janin, in Wien Ed. Hanslik\nu s w. Prof. L. Bischof f.\nl*J\n\nA. Schindler."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.4", "texte": "Theater der Welt sein soll. Die Leistungen des Chors sind\nunter aller Würde; der Gesang ist meistens so scharf und\nrauh, ohne alle Spur eines Verständnisses der dramati-\nschen Situation und eben so ohne alle musicalischen Nuan-\ncen, dass jedes Provincial-Theater in Deutschland solche\nRohheit nicht ertragen würde. Die Kritik rügt das wohl\nein und das andere Mal: aber dem Bühnen-Schlendrian\n«resrenüber ist die Kritik Danai'den-Arbeit. [Und wo wäre\nsie das heutzutage nicht?] Auf diese Weise geht die grosse\nOper Gluck's und Spontini's dem Zustande der italiäni-\nschen Concert-Oper entgegen, in der man nur die Kunst\nder Sänger bewundert. Wenn Wagner's „Tannhäuser\"\nhier Erfolg hat, so geschieht es zum grossen Theil auch\ndadurch, dass ihm durch solche und ähnliche Dinge in die\nHand gearbeitet wird.\nWie es mit der Kirchenmusik in Paris aussieht,\nwie entsetzlich schwer es ist, eine würdige Aufführung in\neiner der hiesigen Kirchen zu Stande zu bringen, weil dazu\nChor und Orchester immer erst zusammen zu stop-\npeln sind, das ist leider bekannt genug und ist auch im\nJetztvergangenen Jahre nicht besser geworden. Ohne\nWohlthätigkeits-Hebel anzusetzen, die dann auch noch von\nhohen Beschützerinnen in die Hand genommen werden\nmüssen, kommt nichts zu Stande. Die herkömmliche Zeit\ndazu ist die Woche, in welche gegen Ende November der\nTag der heiligen Cäcilia fällt.\nDieses Mal hatten die tüchtigen Musiker und Dirigen-\nten Dietsch und Vauthrot am Vortage der Heiligen eine\nAufführung der grossen Krönungs-Messe von Cherubini\nin der Madelaine-Kirche veranstaltet, zum Besten der\nsociation philanthropique der Künstler der kaiserlichen\nAcademie de musique. Die Zahl der Mitwirkenden mochte\nan 300 Personen betragen, und die Ausführung des pracht-\nvollen und grossartigen Werkes war einer gespannteren\nund andächtigeren Theiinahme werth, als das Kommen\nund Gehen und die Betriebsamkeit der schönen Geldsamm-\nlerinnen möglich machte.\nAm anderen Tage aber konnte man in der Kirche St.\nEustache einem Ohrenschmaus absonderlichster Art bei-\nwohnen, indem Herr Bonetti, Orchester-Dirigent der\nitalienischen Oper, eine Messe von seiner Composition zum\nBesten gab, oder vielmehr zum Schlechtesten, jedoch der\ngrossen Association des Artistes musiciens wirklich zum Be-\nsten. So etwas ist denn doch wohl noch nie in einer Kirche\ngehört worden! Es war eine vollständige Oper in der Ge-\nhaltlosigkeit der flachsten italiänischen Gattung, mit allem\nTrivialen und Schlotterigen der Form, allem Flittertand\nvirtuoser Sangkünstelei. Dass von polyphoner Arbeit eine\nSpur darin vorhanden sein würde, hatte wohl Niemand\nerwartet; aber die ewigen Reihen von so genannten Ro-\nsalien oder Schusterfleeken, welche stets zu nichls Ande-\nrem als zu den gemeiner), hier noch aufs widrigste ausge-\nsponnenen Schlüssen führten, die Unisono's aller vier Stim-\nmen, der Lärm im Gloria.das heilige\nWorte zu einem Salze, der dem Marsch aus dem Prophe-\nten aufs Haar gleicht—, die Menge von Soli, deren einige\nnur in der Opera bujfa zu ertragen wären, alle aber auch\nnicht den entferntesten Anklang an irgend eine Würde des\nStils hatten; alles das war denn doch auch selbst dem pa-\nriser Publicum zu stark, obwohl dieses im Ganzen keine Idee\nvon wirklicher Kirchenmusik hat. Während die Damen\nPenco und Alboni in einem Duett mit Harfenbegleitung\nder ordinärsten Art in Coloraturen und Rouladen (buch-\nstäblich zu verstehen!) wetteiferten, hörte man überall sa-\ngen: „Nein, so etwas M doch in der Kirche noch nie da\ngewesen!\"\nEinen besseren Weg hat-Charles Manry einge-\nschlagen, der, wie ich höre, schon vier Messen geschrieben\nhat. Mir war der Name des Componisten neu, als ich die\nAnkündigung einer neuen Messe von ihm, die zu Weih-\nnachten in St. Eustache aufgeführt wurde, las. Die Com-\nposition hat freilich auch keine Einheit des Stils, eine Fuge\nim Gloria und frei geführte Melodieen treten neben ein-\nander, doch sind die letzteren meistens der Ausdruck einer\nempfindungsvollen Stimmung und wenigstens fern von Fri-\nvolitäten; in dem ganzen Werke zeigt sich ein gewisser\nTact, der den Componisten vor Ueberschreitungen bewahrt.\nDie eigentliche Concertzeit beginnt hier stets erst nach\nNeujahr. In meine Musterung gehört also nur noch ein\nComponisten-Concert, welches Wekherlin im December\nveranstaltete. Er führte darin mehrere kleinere Compo-\nsitionen von sich für Gesang auf und eine grosse Ode-\nSymphonie für Soli, Chor, Declamation und Orchester.\nDen Text hat er aus einem Bändchen Gedichte von Autran,\n„Les Po'emcs de la vier\"betitelt, zusammengestellt. Wir\nhaben darin einen „Gesang der Wellen\" (!), eine „Revc-\nrieam Strande\", eine „Meeresstille\" und „glückliche\nFahrt\", die Arie eines Tritonen (ä la Pif! Paf! des Marcel),\ndas Lied eines Schiffsjungen (Tenor mit Begleitung von\nBrummstimmen— da capoverlangt), einen Sturm u. s. w.\nu. s. w. Im Ganzen ist weniger Lärm und Malerei darin,\nals man hiernach glauben sollte; offenbar strebt Wekher-\nlin, wenn auch in seinen Texten oder Prätexten für die\nMusik etwas abenteuerlich, nach einer gewissen Einfach-\nheit und Durchsichtigkeit, die im Gegensatze der Zeit im-\nmerhin lobenswerth ist.\nWie es mit Wagner's Bestrebungen hier geht, davon\nlässt sich eigentlich nichts sagen, wenn man nicht, wie\nseine Freunde, die Feder in Hoffnungsfarbe oder blauen\nDunst taucht. Seine Concerte sind natürlich längst verges-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.5", "texte": "sen, und wann eher der Tannhäuser zur Aufführung kom-\nmen wird, wissen nur die Eingeweihten, oder auch diese\nvielleicht noch nicht. Indessen brachte die\nporaine schon vor einiger Zeit einen Aufsatz, in welchem\nrecht vernünftige Gedanken über einige politisch social-\nmusicalische Ansichten Wagner's zu lesen waren. Der\nVerfasser knüpft an Kiehl's „musicalische Charakterköpfe\"\nan, den er aber jedenlalls in mancher Beziehung missver-\nsteht, und dann nach französischer Weise Alles in Einen\nl opl schmeisst und aus diesem eine Schilderung der musi-\ncalischen Kritik in Deutschland aufs Papier wirft.\n„Also die Tonkunst\" heisst es da unter Anderem\n„bekommt eine höhere Aufgabe: sie wirdPiiesterthum,\nLehre, Philosophie, und das alles in Bezug auf die Erzie-\nhung der menschlichen Gesellschaft, auf staatliche und re-\nligiöse Ordnung. Daher denn auch ihre grosse Verant-\nwortlichkeit und ihre Verbrechen, die bis zu Hochverrath\ngehen können.\n„Der Musiker darf nicht mehr seine selbstständige\nStellung für sich haben, er darf sich nicht seinen eigenen\nHimmel bauen; er muss ein Public-Charakter sein, ein\nBanner haben, dem er folgt, eine Partei, zu der er ge-\nschworen; seine Musik muss Grundsätze, politische Ideen,\nOffenbarungen an die Menschheit ausdrücken.\n„Harmonielehre, Contrapunkt, sonst die Grundlagen\nder musicalischen Bildung, sind Nebensachen geworden;\nsie können nichts nützen zur Lösung der höheren Aufgaben,\nwelche die Musik sich stellen muss. Den Musiker unserer\nZeit muss sein Studium zu der Universalbildung des Philo-\nsophen, des Staatsmannes erheben.\n„Die Poesie ist auf ihrem bisherigen Standpunkte nur\nHemmniss für die Entwicklung des Geistes, sie gehört in\ndie Zeiten der naiven Leichtgläubigkeit und des gemüth-\nlichen Träumens. Die Poesie ist das Prokrustesbett der\nGedanken, sie entstellt und verkehrt die Begriffe. Es soll\nanders mit ihr werden: sie soll der Welt die logischen\nGesetze des Denkens erklären, sie muss Abstraction, Com-\nbination von Begriffen, mit Einem Worte Philosophie\nwerden *).\n„Eben so die Musik. Hören wir nicht schon alle Au-\ngenblicke verzückte Dilettanten, Aesthetiker und Musiker\nselber, die uns erzählen, welche Geheimnisse der Welt die\nMusik ihnen entschleiert, welche Offenbarungen ihnen\ndurch sie geworden? Elende Kritik, die du nach der Wis-\nsenschaft der Kunst, nach den Grundsätzen der Meister,\nnach Geschmack und Gefühl urtheilest, was willst du?\nwas kannst du beweisen, während wir in Bildern, Meta-\nphern, Wortschwall und phantastischer Entrückung klar\ndarlegen, dass die Musik weltbewegende Principien über\ndie Menschheit daherwälzt?\"\nSo ungefähr lauten einzelne Aphorismen des Mannes,\nder, wie es scheint, seine Leute recht gut kennt.\n\n*) Yergl. Wagner's „Brief an einen Freund\", S. 28, wo das\nObige wörtlich zu lesen ist. (Vgl. Nr. 1, S. 2 dieses Bl)\n\nB. P.\n\nAus Wiesbaden.\n\nIhre Leser mit einer Revue des letzten Sommers hin-\nsichtlich unserer Oper und der endlosen Virtuosen-Con-\ncerte belästigen, hiesse denselben zu viel Geduld zumuthen.\nUnter den vielen Nieten der Opern-Lotterie ist gar selten\nein ansehnlicher „Gewinn\" für Frau Musica zu finden.\nDie Zwerge Jean Piccolo, Jean Petit, Kiss Joszi waren\nauch hier, gaben ihre „Skizzen aus dem Leben der Zwerge\",\nihre „gesunden Jungen\" u. s. w., allein ich habe mich\nvon ihren zwerghaften Leistungen, die man als „echt\nkünstlerisch\" pries, nicht angezogen gefühlt, da ich aus\nErfahrung wusste und gewiss war, auch nach dem Ver-\nschwinden dieser Zwerge noch Zwerge auf der Bühne zu\nsehen. Die Wallfahrt nach Ploermel hat im Sommer oft\nherhalten müssen; auf Befehl kam sie auch noch während\ndes Winters, das Publicum schien jedoch längst genug\ndaran zu haben. Auch „Rienzi\" von Wagner schreckt die\nLeute geradezu ab, denn Viele bekannten, dass sie nach\nAnhörung dieses unmusicalischen Lärms 3 4 Tage förm-\nlich krank gewesen seien.\nAls kleine artige „Gewinne\" der Opern-Lotterie las-\nsen sich dagegen Dittersdorfs „Doctor und Apotheker\",\nIsouard's Zauber-Oper „Aschenbrödel\", Lortzing's „Un-\ndine\" nennen, welche die Regie uns diesen Winter wieder\nvorgeführt hat. Halevy's „Jüdin\" und Marschner's „Temp-\nler und Jüdin\", zwei sehr schöne Tonwerke, hörten wir\nauch, dagegen auffallend selten eine Mozart'sche Oper.\n„Tannhäuser\" und „Lohengrin\" sind, wie seit Jahren,\nhier stabil. Herrn Capellmeister Hagen sind selbe theil-\nweise „traditionel\" überkommen. Ob nach Decennien ein\nNachfolger Hagen's diese Tradition noch achten wird, oder\nes vorziehen sollte, einen eigenen Weg einzuschlagen?\nDer jetzt hierorts vorherrschende Wind dürfte bald auch\n„Tristan und Isolde\" zu einer Reise in die Cur nach\nWiesbaden veranlassen, wo ihnen, wenn auch kein Hei-\nmatsrecht, jedenfalls ein temporärer Aufenthalt gesichert ist.\nDie zweite, dritte, vierte und fünfte Soiree für Kam-\nmermusik brachte uns folgende Trio's und Quartette:\nHaydn (Quartett in 0), Mozart (Quartett in D-mott), Beet-\nhoven (Trio, Op. 97, B-dur), Mozart (Quartett in C-dur),\nBeethoven (Quartett, Op. 59, Haydn (Quartett\nin B-dur), Beethoven (Trio, Op. 1, Es-dur), Schubert\n(Quartett in D-moll),Mozart (Quartett in Mendels-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.6", "texte": "Sohn (Quartett, Op. 12, JEs-dußeethoven (Quartett,\nOp. 18, D-dur).Der Ciavierpart in den beiden Trio's\nwurde von Herrn C. Pallat, dessen Eifer und ernstlicher\nFortschritt nicht zu verkennen ist, ausgeführt. In der drit-\nten Soiree sang Herr C. Schneider, Mitglied unserer\nOper, drei schottische Lieder von Beethoven, von Violine,\nVioloncell und Ciavier begleitet, mit jenem Ausdrucke und\ngeläuterten Geschmacke, wie man es von einem so durch-\ngebildeten Concertsänger zu hören gewohnt ist. Die Quar-\ntett-Soireen wachsen zusehends mit jedem Winter an Zu-\nhörerschaft, sie wachsen auch an Gediegenheit, Einheit,\nGlätte und Abrundung des Spiels. Muthmaasslich werden\ndie Herren Unternehmer nächsten Winter in der angeneh-\nmen Lage sein, sich ein grösseres Local wählen zu müssen.\nDas bisherige ist der Balletsaal unseres Theatergebäudes.\n,Extreme berühren sich!\" kann man auch hier sagen.\nSie hatten in Köln eine „Weber-Feier\", wir hatten\nam 30. November eine „Schubert-Feier\" (sie sollte schon\nam 19. November, Schubert's Geburtstage, Statt finden),\nvom herzoglichen Hof-Concertmeister Barth veranstaltet.\nEin vierblätteriges Kleeblatt hervorragender Künstler wirkte\ndarin mit: der Pianist Dr. Pruckner (Professor an der\nMusikschule zu Stuttgart), Concertmeister Straus von\nFrankfurt, der Cellist Brinkmann von eben daher und\nFräulein Emilie Genast, Concertsängerin aus Köln.\nHerr Pruckner spielte mit Herrn Straus das Bondo\nOp. 70 für Pianoforte und Violine von F. Schubert, Valse-\nCapricenach Schubert von Liszt, das Trio in Es, Op.\n100, von Schubert und Liszt's Uebertragung des Erlkö-\nnigs—Alles mit eminenter Bravour. Vortreffliche Ausfüh-\nrung wurde dem Trio durch die Herren Pruckner, Straus\nund Brinkmann zu Theil. Fräulein Genast sang „Die\njunge Nonne\" und „Gretchen am Spinnrad\", „Eifersucht\nund Stolz\" und „Mein\" mit schönem Ausdrucke. Zum\nBesten einer hartbedrängten Künstlerfamilie (Capellmeister\nund Geiger Bärwolf, Schüler Spohr's) veranstaltete Herr\nHagen ein Concert, in welchem das Theater-Orchester\nHaydn's (?-#wr-Sinfonie sehr fein nuancirtzu Gehör brachte.\nFräulein Tipka sang eine Arie aus „Die Entführung aus\ndem Serail\", Fräulein Stork (vom Theater zu Braun-\nschweig) die grosse Scene und Arie aus „Oberon\" und\nmit Herrn Schneider ein Duett aus „Jessonda\", aus\neben welcher Oper Herr Schneider noch eine Tenor-Arie\nvortrug. Die Ouvertüre „Meeresslille und glückliche Fahrt\"\nbeschloss das Concert, welches zahlreich besucht war.\nAuch der Violinist Aug. Wilhelmyi veranstaltete ein\nConcert zu ähnlichem Zwecke.\nDas zweite Concert des Cäcilien-Vereins brachte Mo-\nzart's Sinfonie in C-dur (mit der Fuge), zwei Chöre: a.\nKyrie eleison von Palestrina, b. von Mozart,\nBeethoven's Violin-Concert (Dmit Orchester, von\nHerrn Concertmeister Baldenecker dahier trefflich ausge-\nführt, und eine Cantate nach Worten der heiligen Schrift\nfür Soli, Chor und Orchester von Karl Schmidtgen da-\nhier, eine Composition, die den Zuhörer mitunter in das\nTheater versetzt, auch fern ist von Originalität und Tiefe\nder Empfindung, von Schwung und Erhabenheit, und so-\nmit keine Erhebung des Zuhörers hervorrufen kann, aber\nimmer eine verständige, fleissige Arbeit bleibt. Das Werk\nlehnt sich an unsere Meisterwerke der Form nach an, ohne\nfreilich deren Gehalt zu erreichen. Herr Schmiitgen ist\nMitglied unseres Theater-Orchesters; früher war derselbe\nCapellmeister in Schwerin. -\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKönigsberg» Die Herren Japha, Branner, Pabst und Hüner-\nfürst haben einen Cyklus von drei Quartett-Soireen gegeben, in wel-\nchen Quartette von Haydn, Mozart, Beethoven, Cherubini, Schubert,\nRubinstein, das Quintett C-dur von Mozart und ein Manuscript-\nQuartett unseres Musik-Directors Pätzold zur Aufführung kamen.\nDas letztere Werk wurde schon früher einmal in einer Sonntags-\nMatinee der musicalischen Akademie gespielt, in welcher lauter\nCompositionen ihres Dirigenten Pätzold aufgeführt wurden, welche\nin Liedern, Chorstücken, den (eben bei Jul. Schuberth als Op. 5 er-\nschienenen) vortrefflichen vierhändigen Ciavierstücken „Nachklänge*\nund aus jenem Streich-Quartett bestanden; das Werk, welches sehr\ngefiel, ist von edlem Inhalt, sinnig gedacht, warm empfunden und\ndurchweg gediegen gearbeitet. Seine Ausführung war eine recht gute.\n— Die musicalische Akademie veranstaltete vor einiger Zeit eine\nPrivat-Soiree, in welcher nur Compositionen von königsberger Com-\nponisten zur Aufführung kamen: Otto Nicolai, Psalm; Ad. Jensen,\nLieder aus Op. 7 und Ciavierstücke; L. Köhler, aus Op. 10, Duette\nohne Worte für Ciavier, Op 20, „Abend-Phantasieu für Ciavier, Op.\n72, Concertlied, Das Orakel (Sopran); L. Ehlert, gemischte Quar-\ntette (in Königsberg erschienen und sehr zu empfehlen); E. Sobo-\nlewski, aus der Oper „Mohega, die Blume des Waldes*4. Lohengrin\nist seit dem Sommer etwa 9 bis ]0 Mal gegeben worden. — Wie\nman hört, wird die musicalische Akademie für das Jahr 1861 ein\ngrosses Musikfest von zweitägiger Dauer veranstalten, bei welcher\nGelegenheit sicherlich Ungewöhnliches von Altem und Bedeutendes\nvon Neuem geboten werden wird, dafür bürgt der classische und\nzugleich vorurtheilsfreie künstlerische Sinn der Leiter und Mitglie-\nder dieses Instituts.\nHolle in Wolfenbüttel bringt, unermüdlich, wie immer, jetzt\nFranz Schubert's sämmtliche Lieder, und zwar vorerst die ein-\nstimmigen vollständig, wie es scheint; denn nach einer Andeutung\nzu Heft 32 erfolgen die mehrstimmigen später, vielleicht auch\nNachträge aus dem Nachlass. Das heute Vorliegende sind vier Theile\nin 87 Heften, welche 254 Lieder enthalten, Alles zusammen für 9l/3\nThlr., was nach sonst landesüblichen Preisen mindestens das Drei-\nfache kostet. Dies ist der Vorzug, den Niemand dem thätigen Ver-\nleger bestreiten und der sich behaupten wird trotz mancher Beden-\nken, die einerseits der solide Buchhandel erheben möchte, anderer-\nseits auch mancher Kunstfreund. Den grossen Buchhändlern ist diese\nwohlfeile Herstellung, bei der doch Holle nicht arm geworden, eine\nMahnung, von den emporgeschraubten Preisen, die weit mehr dem\n\nW. W."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.7", "texte": "weissen Umschlags-Papier und typographischen Narrheiten als hun-\ngerigen Autoren zu Gute kommen, endlich einmal abzulassen, oder\ndie Strafe zu gewärtigen, welche bereits stellenweise eingetreten,\ndass nämlich das Classische dem Modischen den Rang abläuft. Dar-\nüber brauchten wir uns nun eben nicht zu grämen, wie sehr wir\nauch zugestehen, dass auch für Lebende zu sorgen ift. dage-\ngen mancher Kunstfreund bei der wohlfeilen Herstellung über die\nAusstattung, sei es die typographische oder die poetische (bei den\ninstrumentalen Ciavier-Auszügen), Klage führen will, so bedenke er,\nwas er hat, und vergleiche die Holle'schen Ausgaben mit anderen\ngleich wohlfeilen, z. B. der Mozart'schen Opern, deren musicalische\nBehandlung abscheulich und deren Druck oft nicht zu lesen ist. Aber\nauch mit besseren Rivalen verglichen (wie denn kürzlich in Kassel\nund Stuttgart ebenfalls wohlfeile Mozart's und Beethoven's erschie-\nnen, die sauber und lesbar und hübsch anzusehen sind), braucht\nsich Holle nicht zu schämen; zudem ist er Allen voran als erster\nErfinder dieser Art Ausgaben und gibt ein seltenes Beispiel von\nKühnheit und Ausdauer. Noch erwähnen wir einer ebenfalls kürz-\nlich erschienenen neuen Ausgabe von Mozart's Duetten für Ciavier\nund Geige, welche neben den übrigen Vorzügen noch einige selt-\nnere, wenig bekannte Stücke bringt.\n# -\nFrankfurt a. M. Statistik des abgelaufenen Thea-\nterjahres. Während des am I. November 1859 begonnenen und\nam 31. October 186 U abgelaufenen Theaterjahres wurden 350 Vor-\nstellungen gegeben, und zwar 277 im Abonnement und 73 ausser\nAbonnement. Diese 350 Vorstellungen zerfallen in 146 Opern-Vor-\nstcllungen (worunter 18 von der italiänischen Opern-Gesellschaft des\nHerrn Merelli gegeben) und 204 Schau- und Singspiel-Vorstellun-\ngen. Es wurden gegeben: Opern, 47, 146 Mal; Singspiele und Ge-\nsangspossen, 28, 62 Mal; Tragödien, 18, 27 Mal; Schauspiele, 34,\n57 Mal; Lustspiele, 76, 141 Mal. Musicalische Novitäten wurden\nsieben gebracht, und zwar: 1 Oper („Dinorahu), 3 Gesangspossen\n( Einer von unsere Leut« „Karl und Karl« - „Orpheus in der\nUnterwelt\"), 3 einactige Singspiele oder Vaudevilles („Doctor Peschke«\n„Bei Wasser und Brod« „üas Gasthaus zum Riesen Goliath«).\nNeu einstudirt wurden in der Oper 7, in Singspiel und Gesangsposse\n5 Piecen.\nAus unserem Personal-Verbande ausgeschieden und in denselben\neingetreten sind im letztverflossenen Theaterjahre: im Schauspiel die\nHerren Collin (durch Herrn Heygen entsprechend ersetzt, d. h. Vor-\ngänger wie Nachfolger gleich indifferent!) und Hanisch (nicht er-\nsetzt), die Damen Liebich und Versing-Hauptmann (beide nicht er-\nsetzt); in der Oper die Damen Morska, Rübsamen-Veith, Schirmer\n(sämmtlich nicht ersetzt), Schröder-Chaloupka (durch Fräulein Carl\ndurchaus ungenügend ersetzt), die Herren Herrmanns und Schmid\n(Nachfolger: die Herren Schiffbenker uud Uttner), das Tänzerpaar\nOpfermann und die Tänzerin Fräulein de Barby (früher das mit\nihrem Abgange eingegangene „Ballet\" repräsentirend).\nVon renommirten Gästen hörten wir im vergangenen Jahre den\nC 1 avier-Virtuosen Dreyschook, die Herren Ewald Grobecker, Ticbat-\nscheck, Schnorr, Niemann, Döring, Friedrich Devrient, und die Da-\nmen Frassini, Bulyowsky, Frieb-Blumauer und Gossmann, so wie\ndie italiänische Operngesellschaft des Herrn Merelli unter der Lei-\ntung des Capellmeisters Orsini.\nDie vor einigen Tagen gehaltene General-Versammlung der\nTheater-Actionäre hat beschlossen, bei unserem Senate um die Er-\nneuerung der Concession und eine jährliche Subvention von 16,000\nFl. aus Staatsmitteln einzukommen, das grossentheils geschwundene\nActien-Capital aber vorerst nicht zu completiren. Wie wir hören,\nist eine neue Actien-Gesellschaft im Entstehen, welche einen Fonds\nvon 100,000 Fl. zusammenschiessen und die Leitung des Theaters\nohne Staats-Subvention übernehmen will. Es stehen, wie es heisst,\ndie ersten hiesigen Banquiers mit an der Spitze dieser neuen Ge-\nsellschaft.\nIn Blättern aus München lesen wir: „Eine recht originelle\nErscheinung war uns die Ouvertüre für Harmoniemusik\nvon Mendelssohn. Nicht Wenige zwar waren über das Erschei-\nnen von vollständiger Militärmusik mit ihrem etwas barbarischen\nZubehör in den friedlichen geweihten Räumen des Odeons mehr\nfrappirt, als erfreut Immerhin aber ist diese Ouvertüre ein glänzen*\nder Beleg dafür, wie bedeutende und schöne Effecte ein Künstler\nvon dem feinen Gefühle und Geschmacke Mendelssobn's selbst bei\nungünstigen Mitteln hervorzubringen vermag, und kann manchem\nunserer neueren und neuesten Autoren als Gegenbild dienen, die,\nselbst wenn die ganzen reichen Mittel eines vollständigen Orchesters\nihnen zur Verfügung stehen, in den rohen Ton einer Biergarten-\nBlechmusik verfallen. Uns schien das Werk namentlich als Orche-\nsterstück ganz vorzüglich und dem Namen seines Meisters ganz\nentsprechend.*\nWiefl. Herr Carl Taus ig ist im Januar hieher gekommen\nmit dem entschiedenen Vorsatze, die Wiener zu besserer Würdigung\nder Compositionen seines Lehrers Franz Liszt zu bekehren.\nAls Prolegomena erschienen fliegende Notizen, die wie gewöhnlich\neinem geschichtlichen Ereignisse vorausgehen :\nAna 8. Januar (L. A. Zöllners 81. f. Theater, Musik u. Kunst),\nDer Pianist C. Tausig veranstaltet im Musikvereins-Saale vier Or-\nchester-Concerte, deren erstes am 20. Januar Statt findet. Herr C. T.\nwird ein neues Ciavier Concert von Liszt spielen und die „Ideale*\nund die „Festklänge* dirigiren. Dass diese Production eine Masse\nNeugieriger herbeilocken werde, unterliegt kaum einem Zweifel.\nAm 13. Januar (Recens.). Liszt ist gross, und Tausig\nist sein Prophet. Allah kann nicht selbst kommen, er schickt\nseinen Mahomed, um den Wienern doch endlich die Segnungen einer\nlangen Reihe „Sinfonischer Dichtungen* angedeihen zu lassen. Herr\nTausig wird nämlich im Musikvereins-Saale drei Concerte veranstal-\nten, in welchen nur Orchester- und Ciavierwerke von Liszt zur Auf-\nführung kommen sollen. So entschieden wir uns gegen derlei Auf-\nführungen von Seiten unserer stehenden Musik-Gesellschaften aus-\nsprechen mussten, so erwünscht ist es uns, dass sich der geniale\nClavier-Virtuose Liszt herbeilässt, die sehr bedeutenden Kosten sol-\ncher Concerte selbst zu tragen, um die Wiener dadurch in die Lage\nzu setzen, seine Musik zu hören, zu prüfen und über dieselbe ein\nunbefangenes Urtheil zu fällen.\nAm 20. Januar (Ree ensionen). Von Herrn Tausig erhielten\nwir folgendes Schreiben:\n„In der letzten Nummer Ihres Blattes befindet sich in einer Notiz\nüber mein Orchester-Concert der Passus: es sei Ihnen sehr er-\nwünscht, dass sich der geniale Clavierspieler Liszt herbeilasse, die\nsehr bedeutenden Kosten solcher Concerte selbst zu tragen. Die-\nser Passus zwingt mich durch seine vollständige Unwahrheit zu\neiner Berichtigung. Abgesehen davon, dass Herr Dr. Franz Liszt\nsich durchaus nicht in irgend einer directen oder auch indirecten\nausserkünstlerischen Beziehung zu den Concert-Unternehmungen sei-\nner, wenn auch ihm nahe stehenden, Anhänger befindet, muss ich\nhiermit noch ausdrücklich betonen, dass ich es für einen wesent-\nlichen Punkt meiner Künstler-Ehre halte, die Aufführung der Werke\ndes Meisters, den ich ganz besonders bewundere und verehre, durch\nmeine Geldmittel zu ermöglichen. lndem ich Sie bitte, diese\nberichtigenden Zeilen in der nächsten Nummer Ihres Blattes\nzum Abdruck zu bringen, habe ich die Ehre, zu zeichnen\n„C. Tausig *\nBegreiflicher Wei-e konnten wir nicht annehmen, dass irgend ein\nAnderer als der selbst die materiellen Opfer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610216-01.1.8", "texte": "der bewussten Unternehmung tragen könne und wolle. Wir nehmen\nindessen die obige Berichtigung mit um so grösserem Vergnügen\nauf, als durch den opfermuthigen Einsatz des Zukunfts-Knappen der\npolyphone Kreuzzug einen noch heroischeren Charakter erhält.\nAm 27. Januar (Breslauer Zeitung, Referat aus Wien). In\nLiszt's Musik zeigt sich die Bemühung, sich der Zukunftsmusik an-\nzuschliessen; Liszt wurzelt jedoch mit seiner aristokratischen Natur\nzu sehr in der Vergangenheit, er schliesst sich fast unmittelbar an\nBeethoven an, und ailes, was dazwischen liegt, deutsche, italiäni-\nsche und französische Musik, scheint seine Compositionen nicht zu\nberühren. Er „kam nicht mehr in die schmelzende Strömung der\nNeuzeit*. „Sein Schüler Taus ig zeigt dasselbe ernste, gewaltige,\ntechnisch strenge Spiel seines Meisters, welches die Salon-Er-\nscheinungen der Gegenwart, wie Bülow und Clara Schu-\nmann (!!), weit hinter sich lässt,\"\nWien« Das Concert, welches der junge Violinist Herr S.\nBach rieh im Januar gab, bewies uns das eifrige Streben dessel-\nben, sich zu wahrer Künstlerschaft zu erheben Sein Spiel zeichnet\nsich durch auffallende Reinheit der Intonation, durch einen guten\nStrich, eine gewisse Keckheit und wohldurchdachten Vortrag aus.\nIn Passagen hat er noch zu wenig Ton, und man vermisst inneres\nGefühl. Die Wahl einer S. Bach'schen Sonate niit Ciavier (.E-dur)\nist als eine künstlerische sehr zu loben, obwohl es fraglich bleibt,\nob solche Stücke in gewöhnlichen Concerten von Virtuosen am\nPlatze sind.\nEin neues Violin-Concert von Rubin stein war als Novität in-\nteressant und ein abermaliger Beleg für das schöne Talent dieses\nComponisten, der sich's nur zu leicht macht und selten die künst-\nlerische Feile anlegt. Das Concert scheint so geblieben zu sein, wie\ndas erste flüchtige Concept es werden liess; es musste aber noch\nManches daran geschehen, ehe es für die Oeffentlichkeit reif genannt\nwerden könnte. Offenbar ist das Finale viel zu kurz und entbehrt\neines selbstständig ausgeführten Inhalts.\n** 1. Februar. Im Verfolge meines kürzlich Ihnen ein-\ngesandten Circulars zeige ich hiermit weiter an, dass dem Ra-\nveaux' sehen Antrage zur Honorar Zahlung an Componisten\nfür Männergesangstücke (vgl. Nr. 3, S. 23) inzwischen bei-\ngetreten sind: 1) Liedertafel in Pressburgin Ungarn; 2) Liedertafel\nin Salzburg; 3j Liedertafel (Frohsinn) in Linz; 4) Liedertafel in\nBudweis in Böhmen; 5) Sängerbund in Mürzthal in Steyermark; 6)\nSängerbund in Linz; 7) Männergesang-Verein in Stockerau; 8) Män-\nnergesang-Verein in Ischl; 9) Männergesang-Verein in Asch in Böh-\nmen; 10) Liederkranz in Frankfurt am Main; II) Liederkranz in\nSchwaz in Tyrol; 12) Liederkranz in Gablonz in Böhmen; 13) Lie-\nderkranz in Steyr; 14) Zion-Verein in Wien. Um den Vorschlag\nzur Zahlung eines Honorars an die Componisten möglichst schnell\nzur That zu machen, und um den Gesang-Vereinen die Theilnahme\nzu erleichtern, wäre es sehr wünschenswerth, dass sich, so wie hier\nin Wien, auch anderwärts Centraistellen bildeten, und es wären\nvielleicht Berlin, Köln und Zürich diejenigen Plätze, welche ihrer\nLage nach am geeignetsten hierzu erscheinen. Nur durch Bildung\nsolcher Centralstellen ist den vielen Vereinen der Beitritt ermöglicht,\nund nur so kann den Componisten ein Dienst erwiesen werden, in-\ndem sie alsdann ihr Honorar in grösseren Beträgen, welche die Cen-\ntralstelle ansammelt, erhalten, und nur eine einmalige Empfang-Be-\nstätigung abzugeben brauchen, statt vieler einzelnen.\nIm Feuilleton der wiener „Presse* vom 12. Januar wird unter\nder Aufschrift: „Da Ponte, der Dichter des Don Juan\", mitge-\ntbeilt, dass die Memoiren dieses Dichters, welche bis zur Ueber-\nsiedelung des Verfassers aus London nach New-York (1803) reichen,\nin italiänischer Handschrift im Frühlinge des Jahres 1859 in New-\nYork unter alten, zum Verkaufe ausgebotenen Büchern aufgefunden\nworden seien, und dass dieselben jetzt in einer französischen Ueber-\nsetzung von Herrn Chavanne vorliegen. Zufälliger Weise sind aber\ndie „Memorie di Lorenzo da Ponte da Ceneda scritte da essox be-\nreits vor mehr als vierzig Jahren zu New-York in zwei Bändchen\nerschienen, und die „Seconda edizione, ccrretta, ampliata ed accres-\nciuta d\\m intero volume, e di alcune note* wurde ebenda 1829—30\nvon der Buchhandlung John H. Turney in drei Bändchen heraus-\ngegeben. Die leipziger Allgemeine Musicalische Zeitung hat darüber\n(Jahrgang 1842, Nr. 40) umständlichen Bericht erstattet, und im\nJahre 1847 erschien in Stuttgart eine (mittelmässige) Uebersetzung\ndieser zweiten Auflage. Herr Chavanne hat daher Niemandem einen\nbesonderen Dienst geleistet, wenn er das in America zufällig wieder\nvorgekommene Manuscript des ersten Bändchens ins Französische\nübersetzte, und dieses Bruchstück nun der Welt als einen neuen\nmerkwürdigen Fund aufdrängen will, wodurch er vielmehr nur\neinen neuen Beleg der Unwissenheit französischer Literaten geliefert\nhat. Nebenher sei noch bemerkt, dass Da Ponte am 17. August\n1838, folglich (da er am 10. März 1749 geboren wurde) im 90. und\nnicht, wie im Feuilleton der „Presse\" angegeben wird, im 97. Le-\nbensjahre, verstorben ist.\nL. v. S. (W. Recens.)\nMan schreibt aus Petersburg: „Seit Kurzem verbreitet sich\nbei uns das Gerücht, Rubinstein wolle seine Stellung hierselbst auf-\ngeben und vorläufig nach Deutschland übersiedeln. Als Grund gibt\nman an, Rubinstein wünsche einen weiteren Wirkungskreis, er wolle\nseine grösseren Werke hören, sie selbst zur Aufführung bringen,\nwozu er hier keine Aussicht habe. Sollte sich dieses Gerücht als\nWahrheit herausstellen, so würde dadurch der russischen Musik-\nGesellschaft eine sehr fatale Verlegenheit bereitet werden. Schliess-\nlich noch müssen wir berichten, dass sich unter der kaiserlichen\nFamilie ein reger musicalischer Sinn zeigt; namentlich bei dem\nGrossfürsten Konstantin (guter Violoncellist), der Grossfürstin Olga\nvon Würtemberg, der Grossfürstin Helene finden wöchentlich classi-\nsche Musik-Soireen Statt, welche beziehungsweise von Rubinstein\noder Schubert geleitet werden.\""}]}