{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_sha256": "0044ffd2775a35aa0889723206b750e190f2c33abf983ef96d67f94d5cfe81d3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/02/23_01/bmtnabi_1861-02-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 439, "texte": "Inhalt.\nVirtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten. V. Von A. Schindler» Aus Wien (Tausig's Liszt-\nConcert). Von Ed. H. Aus Darmstadt (Gounod's Oper ~Fauslu). Carl Magnus Hafner (Nekrolog). Achtes Gesellschafts-\nConcert in Köln im Gürzenich. Tages- und Ulll erh al tun gsbl a 11 (Köln, Herr Seelmann, Herr Seiss Königsberg Dr. Kc-\nferstein f Frankfurt a. M. Regensburg Leipzig Dresden Wien Aufforderung Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "59", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.2", "titre_corps": "Virtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten.", "titre_sommaire": "Virtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten.", "signature_source": "A. 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In der Natur der\nInstrumente, Geige und Ciavier, wollte man den Grund\nnicht finden, in einer höheren Begabung der Individuen\neben so wenig, ja, in Betracht der Natur des Claviers, das\nals volles Ersatzmittel statt des Orchesters der künstleri-\nschen Ausbildung ungemein förderlicher wird, als das Ton-\nwerkzeug mit vier Saiten bespannt, sollte das Uebergewicht\nvielmehr auf Seite der Ciavierspieler liegen, weil sie leich-\nter und schneller an ein gewisses Ziel gelangen, wo sie den\nLohn für ihre Mühen einärnten können. Allein gerade in\ndiesem Umstände wollte man den Grund der Gründe, das\nDarum erkannt haben. Zur Erklärung diene, dass schon\nin jener Epoche das Ciavier ein weit grösseres, aber sinn-\nlich erregbareres Publicum gehabt, als die Königin unter\nden Instrumenten, die Violine, sich rühmen konnte; ferner,\ndass die Pianisten schon in jenen Jahren das Instrument\noft zu unedlen, also unkünstlerischen, Reizmitteln zu ge-\nbrauchen bestrebt waren, womit sie die Menge angezogen,\ndie ihrerseits wieder durch oft unverdiente Huldigungen\nauf die Gesinnung dieser Künstler nachtheilig zurückge-\nwirkt hat. Indess vermochte selbst dieses Uebermaass die\nMehrzahl dieser Classe von ernsten Studien nicht abzuhal-\nten, um den Anforderungen der Epoche mit selbstge-\nschaffenen Werken ernster Gattungen würdig ent-\nsprechen zu können. Hierin standen sie der Mehrzahl der\nGeigenkünstler ebenbürtig zur Seile. Wie ganz anders\nverhält es sich in diesem Punkte der Production mit bei-\nden Classen in unseren Tagen!'\nDiese Discussionen in Beethoven's Behausung, woran\nder Meister bisweilen alle Schärfe seines Urtheils laut wer-\nden Hess, haben mir im reiferen Alter und bei vermehrter\neigener Erfahrung stets als Leitfaden gedient, sie haben\nmeinem beobachtenden Blicke nicht bloss eine sichere\nRichtung gegeben, auch der Verstand hat eine feste Me-\nthode bei angestellten Prüfungen erhalten, zumal ich beide\ngenannte Instrumente ziemlich fertig selbst gespielt habe.\nUeberhaupt knüpfen sich an jene Discussionen manche in-\nteressante Erinnerungen, sich anlehnend an damalige\nKünstlergrössen, zu deren Aufzeichnung jedoch hier nicht\nder Ort ist. Aber auf ein charakteristisches Merkmal\njener Tage mag hingezeigt werden, nämlich auf die über-\nwiegende Anzahl an guten Vorbildern*) im Violinspiel ge-\n\n*) Dass nicht alle grossen Künstler gute Vorbilder abgeben, diese\nWahrheit ist von dem musicalischen Volke gar nicht gekannt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5663, "texte": "gen solche im Ciavierspiel, sicherlich aus dem Grande, weil\ndort in den Lehrsätzen der Schule, obwohl diese sich\nin eine französische und eine deutsche getrennt, bezüglich\ndes inneren Wesens der Kunst vollkommene Ueberein-\nstimmung geherrscht, wogegen die Lehrsätze auf der an-\nderen Seite schon weit aus einander gegangen waren. Der\n„musicalische Theil\" in Beethoven's Biographie gibt dar-\nüber nähere Aufschlüsse; dort finden sich auch die Beweg-\ngründe zu Beethoven's scharfen Urlheilen über die Pia-\nnisten seiner Zeit.\nEine Umschau auf dem Gebiete des Virtuosenthums\nder Gegenwart zeigt uns dasselbe Verhältniss, wie dieses\ndie frühere Epoche gezeigt hat. Wir begegnen einer nicht\ngeringen Anzahl achtungswerther Künstler auf der Violine,\ndie theils schon auf der Höhe vollkommener Meisterschaft\nstehen, theils noch zu dieser Höhe emporklimmen, denen\nallen von der verständigen Kritik das Zeugniss redlichen\nStrebens im Geiste wahrer Kunst ausgestellt wird. Wo\nallenfalls noch Irrthümer mit unterlaufen, da steht zu er-\nwarten, dass die Betreffenden wohlmeinenden Winken und\nRath Gehör geben werden (wenn sie sich nicht darüber\nerhaben dünken), um alle Hindernisse zukünftiger Muster-\ngültigkeit aus dem Wege zu räumen. Die Namen David,\nHeilmesberger, Joachim, Kömpel, Königslöw, Laub, Lau-\nterbach, Singer, Straus und jener, dessen Productionen zu\ndiesen Anmerkungen Anlass gegeben, Bott, geben Be-\nweise für die Richtigkeit des Gesagten. Wer es unterneh-\nmen will, dieser Anzahl deutscher Violinisten eine gleiche\nAnzahl deutscher Pianisten von demselben Gehalte gegen-\nüber zu stellen, unerachtet die Gesammtzahl dieser Classe\njene um das Vierfache übersteigen dürfte, ist freundlichst\nhierzu eingeladen, indem der Verfasser, das oben ange-\nführte Schema von Merkmalen, die einen echten Künstler\nausmachen, im Auge behaltend, selber nicht den Muth hat.\nNach Anhörung des Herrn Bott im Museum ward der\n1. Februar im Kalender roth angestrichen, etwas, wozu\nseit langer Zeit kein Grund gegeben war. Bekanntlich war\nHerr Bott einer der Lieblingsschüler von Spohr, an dessen\nSeite er dann einige Jahre als zweiter Capellmeister am\nKasseler Hoftheater gewirkt hat. Seine Wahl fiel auf das\nsiebente Concert in E-moll von seinem ehemaligen Leh-\nrer; nebst diesem brachte er noch ein vollständiges Concert\nin A-dur von eigener Composition zur Aufführung. Die\nin beiden Werken bethätigte vollkommene Meisterschaft\nüber das Instrument, die Gediegenheit in allem, was der\nkünstlerische Vortrag nach jeder Seite hin beansprucht,\nlassen die Kritik die Mühe sparen, sich in einer weitläufi-\ngen Auseinandersetzung zu ergehen. In solchem Falle hat\nsie bloss die Thatsachen zu constatiren. Winke, Ermah-\nnungen, Belehrungen, sowohl directe als indirecte, an den\nKünstler gerichtet, werden überflüssig. Es darf höchstens\ngesagt werden, dass das todte Notenzeichen von Herrn\nBott in seltener Weise belebt wird, dass sein Colorit präch-\ntig, sein Bogen frei von jeder modernen Manier ist, sohin\nauch von der Glätte, die den Vortrag so manches Mitstre-\nbenden färb- und kraftlos macht, nichts zu bemerken;\nferner, dass seine Tempi und deren Nuancen dem Charak-\nter des Tonstückes haarscharf angemessen sind, demnach\nvon der modernen Flüchtigkeit, die allezeit Charakterlosig-\nkeit zur Folge hat, nicht die leiseste Spur vorhanden ist.\nUeber dem Ganzen waltet die göttliche Polyhymnia, wie\neinstens über dem Spiele seines herrlichen Meisters, dessen\ntreuestes Abbild, wie vielleicht in keinem Anderen aus\ndessen Schule wieder, in diesem Zögling uns höchlich er-\nfreut hat. Ob Herr Bott im Wiedergeben der Werke an-\nderer Meister derselbe ist, lässt sich, wie begreiflich, nicht\nsagen, möchte aber kaum zu bezweifeln sein.\nWas die Composition des eigenen Concertes betriflt,\nso darf diese den besten Werken dieser Gattung beige-\nzählt werden. Alle Motive sind eben so schön als edel, und\ngeeignet, zu einem Werke grossen Stils verarbeitet zu\nwerden. Dasselbe gilt von den Passagen, die, mit Aus-\nnahme einer capriciösen im dritten Satze, ungesucht,\ngleichsam aus dem Organismus natürlich herausgewach-\nsen, als ausgezeichnete Glanzpunkte hervortreten eine\nEigenschaft, die ganz besonders an den Werken der fran-\nzösischen Meister zu rühmen ist. Noch eine andere den\nfranzösischen Meisterwerken innewohnende Eigenschaft ist\nmir auch in Bott's Werke aufgefallen, nämlich: Vermei-\ndung all es Zu viel an Modulationen, wovon selbst die COll-\n- seines grossen Vorbildes nicht immer freizusprechen\nsind. Wenn alle Compositionen dieses jugendlichen Mei-\nsters in Conception und Ausführung dem genannten Werke\ngleichen, so kann die „Mozart-Stiftung\" zu Frankfurt, de-\nren erster Stipendiat Herr Bott gewesen, sich doppelt\nbeglückwünschen, so schöne und seltene Erfolge durch die\ngegebenen Mittel zu höherer Ausbildung erreicht zu sehen.\nEs versteht sich wohl, dass der dem Künstler gespen-\ndete Beifall seiner Leistung vollkommen angemessen war,\n\nAm wenigsten sind die eigentlichen Originale gute Vor-\nbilder. Mayseder und Paganini, Field und Chopin waren solche\nOriginale, darum von ihren Schülern höchstens mechanische\nAeusserlichkeiten, Handgriffe, oftmals selbst diese nicht, auf-\ngefasst und richtig angewandt worden. Von ihren geistigen\nEigenthiimlichkeiten vermochten sie selbstverständlich nichts\nauf ihre Schüler zu übertragen. Schüler und Nachahmer eines\nOriginals zu sein, das die Kunst nach eigenen Gesetzen übt,\nmögen diese ihre Quelle im Mechanismus oder im Seelischen\ndes Künstlers, oder in Beidem zugleich haben, hat schon man-\nches Talent auf Irrwege geführt, auf denen es zur Entwick-\nlung seiner angeborenen Fähigkeiten nicht gelangen konnte\nund darum verkümmert ist."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 183, "texte": "wenn auch nur wenige von den Zuhörern die wesentlichen\nUnterscheidungs-Merkmale zwischen diesem und anderem\nan dieser Stelle gehörtem Violinspiel erkannt haben dürften.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "60", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "Ed. 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Als Componist hat sich Herr Tausig\ndurch eine haarsträubende Tondichtung, „Das Geister-\nschiff\" , bekannt gemacht, mehr noch durch den niedlichen\nEinfall, genanntem „Geisterschiff\" eine lobhudelnde An-\npreisung aus der Feder seines Freundes Dräsecke Vor-\ndrucken zu lassen. Als Erfinder dieser bisher unbekannten\nZierde neuer Verlags-Artikel behauptet Herr Tausig jetzt\nschon einen Platz in der Kunstgeschichte. In seinem Con-\ncerte brachte er jedoch keine eigene Composition; nach\ndem Programm zu schliessen, reis't er lediglich für das\nHaus Liszt. Dieses Programm hatte in der That etwas\nGewaltsames. Schien es doch, als sollte das wiener Publi-\ncum, das vereinzelten Aufführungen Liszt'scher Werke bis-\nher kühl begegnete, durch einen Massen-Angriff besiegt\nwerden. Wir glauben nicht, dass dem Interesse des Com-\nponisten damit gedient war. Neben Werken anderer Ton-\ndichter wird eine Liszt'sche Symphonie stets ein willige-\nres Auditorium finden. Als Nachbarin tiefgedachter, form-\nschöner Tonschöpfungen wird sie durch ihren blendenden\nGlanz unser sinnliches Interesse wecken, durch ihre fessel-\nlose Subjectivität reizen und ihren Gegnern wenigstens\nnicht allzu viel zumuthen.\nEinem Lawinensturz Liszt'scher Compositionen, wie\nihn Herr Tausig in Bewegung setzte, vermögen aber selbst\nFreunde des Autors kaum Stand zu halten. Wir sahen\nziemlich viel Leute, die sich zuvor durch entzücktes Ap-\nplaudiren ausgezeichnet, vor der Aufführung der Schluss-\nSymphonie („Die Ideale\") still nach der Thür schleichen.\nMöge man daher auch uns verzeihen, dass wir nach der\nvorletzten Nummer nicht mehr die Kraft besassen, noch\neine Symphonie mit Aufmerksamkeit zu verfolgen.\nGrosse Concerte, lediglich aus Instrumentalwerken\neines Componisten zusammengesetzt, haben ihr Bedenk-\nliches, selbst wenn dieser Eine ein Meister ist und durch\nreichste Erfindung und Vielgestalt in Formen und Stim-\nmungen jede Monotonie abwehrt. Nun vollends eine lange\nReihe von Liszt'schen Werken! Da haben wir überall das-\nselbe peinliche Hingen und Zwingen, dasselbe Anknüpfen\nund Wiederabreissen, dieselben Missklänge und Unmelo-\ndieen, denselben Janitscharenlärm.\nGeistreich combinirende und colorirende Impotenz\nbleibt doch überall der Kern Liszt'scher Compositionen.\nHört man deren viele nach einander, so merkt man oben-\ndrein, dass auch die Methode dieser Impotenz eine ziem-\nlich stereotype ist.\nIn unseren Besprechungen der »graner Messe\", des\n„Prometheus\", der „Preludes\" u. s. w. haben wir uns\nbemüht, diese Methode eingehend zu analysiren; nach dem,\nwas wir in Tausig's Concert gehört, müssten wir den Le-\nser nur mit Wiederholungen des oft Wiederholten behel-\nligen. Die Lichtpunkte, welche wir bei jenen Anlässen gern\nhervorhoben, haben wir auch in den von Tausig vorge-\nführten „Festklängen\" und dem „zweiten Clavier-Con-\ncerte\" nicht vermisst: Liszt's feinen Sinn für Klang-Effecte,\ndas Geistreiche mancher harmonischen und rhythmischen\nCombination, den ungestümen Drang einer bedeutenden,\nkeinem Vorbilde dienstbaren Subjectivität. Ueberall fehlt\njedoch die musicalisch-schöpferische Kraft und die künst-\nlerische Gesetzlichkeit der Ausführung. Eine einzelne Me-\nlodie steckt hin und wieder furchtsam ihr hübsches Köpf-\nchen heraus, um sofort in wüstem Gedränge unterzugehen;\njeder edlen Regung tritt eine dreiste Fanfare, jeder reinen\nHarmonie ein schneidender Missklang auf den Nacken.\nWer wollte es Liszt verdenken, dass er gegen seine classi-\nsc.hen Vorgänger buntere Mannigfaltigkeit, einen schärferen\nWiderstreit von Gegensätzen versucht? Allein dieser Car-\nneval von Mannigfaltigkeiten kennt keine Einheit, die Hun-\nnenschlacht von Gegensätzen keine Versöhnung. Anstatt\nerfreut, erschüttert, erhoben zu sein, fühlt sich der Hörer\nnach Liszt'scher Musik betäubt und verstimmt. Die „Fest-\nklänge\" haben vor ihren übrigen symphonischen Schwes-\ntern den einen Vorzug, dass sie keine Geschichte erzählen.\nDer Hörer muss nicht immerfort sehen, wie das „Pro-\ngramm\" den geängstigten Tondichter von Tact zu Tact\nverfolgt.\nEin Herr Kulke konnte sich diese Lücke nicht ent-\ngehen lassen und weihte das Publicum durch ein im Con-\ncertsaale vertheiltes Programm in die poetischen Geheim-\nnisse der „Festklänge\" ein. „Ein grosses, allgemeines,\nvolkstümliches Fest\", versichert er, „ruft eine bewegte\nMenge, die Freude auf der Stirn, den Himmel in der Brust,\nin seine Zauberkreise.\" Könnten wir an diesem Orte No-\nten-Beispiele bringen, der Leser würde staunen, wie -die\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4748, "texte": "Freude auf der Stirn\" und „der Himmel in der Brust\"\nsich in Liszt'schen Accorden ausnimmt. Auch hätten wir\nohne Herrn Kulke's Wegweiser nicht sowohl an die „olym-\npischen Spiele der Griechen\" als an die politischen Lust-\nbarkeiten von Neutra und Eperies denken müssen. Wagner\nund Liszt erheben ganz ernstlich den Anspruch, dass man\nKunstmittel und Ausdrucksweisen, welche anderwärts als\ntrivial verpönt sind, in ihren Compositionen für höchst\nideal anzusehen habe. So ergehen sich auch die „Fest-\nklänge\" (wie fast alle Liszt'schen Orchesterstücke) sehr\nreichlich in „türkischer Musik\". Die grosse Menge hört\ndas immer gern, und so lässt sie sich vielleicht auch ein-\nreden, dieselbe Stelle sei bei Donizetti Rohheit des Effectes,\nbei Liszt Ausdruck sublimster Geistigkeit.\nDer „Festmarsch zum Göthe-Jubiläum\" erinnert stark\nan Wagner, den er jedoch durch die Errungenschaft des\nSchrittwechselns (das Trio geht im Dreiviertel-Tact) über-\nholt. Reizend sind einige Orchester-Effecte, z. ß. die Ge-\ngenbewegung der abwärts in Terzen gehenden I* löten ge-\ngen die aufwärts geführte Melodie. Als musicalische Ver-\nherrlichung Göthe's durch einen so feinen und enthusiasti-\nsehen Göthe-Kenner ist der „Festmarsch\" ein neuer Beleg,\nwie alles Aufgebot von Bildung und Begeisterung kein\ngutes Tonstück hervorzubringen vermag, wenn die speci-\nfisch musicalische Erfindung fehlt.\nGegenüber den Orchester- und Chor-Compositionen\n\\on Liszt fühlen wir uns als Berichterstatter über dessen\nCla vi er werke stets in einer angenehmeren Lage; Liszt's\nunübertroffene Kenntniss und geistreiche Verwendung des\nClavier-Effectes putzt hier die sickernde Erfindung nicht\nbloss glänzend auf, sie führt dem Componisten, der mit\ndem Piano so eng verwachsen ist, thatsächlieh neue Ideen\nzu. Leider konnten die von Herrn Tausig vorgetragenen\nCiavierslücke unsere Erwartungen nicht erfüllen. Auf ein\n„Concert\", das jede auftauchende Schönheit in einem\nWirbel empörter Musik-Elemente verschlingt, folgte eine\n„ungarische Rhapsodie\", welche die nationale Charak-\nteristik bis zur vollständigen Cymbalisirung des Claviers\ntreibt. Liszt's „ Valse-Impromptu\" ist reiner Leopold\nMayer mit etwas harmonischem Strychnin versetzt. Nun\naber vollends das „Scherzo\" mit angefügtem „Marsch\"!\nVereinigt es nicht die schönsten Symptome eines verrückt\ngewordenen Ciavierstils? Diese Tastenschlächterei mit ihren\ngräulichen Dissonanzen ein „Scherzo\"? Eben so scherzhaft\nwürde es uns vorkommen, wenn Jemand unversehens eine\nHandvoll Erbsen uns an den Kopf würfe und mit nassen\nBürsten ins Gesicht führe. Scherzhaft fanden wir dieses\n„Scherzo\" nicht, auch nicht musicalisch, aber komisch im\nhöchsten Grade. Aufrichtig wehrten wir uns gegen diese\nStimmung einem Manne wie Liszt gegenüber; aber bei\nseinem „Scherzo\" wurde uns der Ausspruch des geistrei-\nchen Ehlert klar, die Zukunftsmusik sei eigentlich „nur\nunbeschreiblich komisch\". Das klang wirklich, „als spiele\nder Sonnenstich Ciavier\"!\nAls Pianist überraschte Herr Tausig durch ungewöhn-\nliche Kraft und Bravour. Nur ging er in der Energie des\nAnschlags häufig zu weit und stach oder hieb in die Ta-\nsten, dass das Instrument ächzte. In seinem Vortrage strit-\nten sich Geist und Manier. Ein Urlheil über die absolute\nkünstlerische Höhe des Concertgebers können wir aus dem\nengen Kreise seiner Productionen uns allerdings nicht bil-\nden; als Liszt-Spieler ist er jedenfalls eine glänzende\nErscheinung.\nDer Erfolg des Concertes war, was den Beifall betrifft,\nein sehr günstiger. Das Publicum allerdings ein anderes,\nals in den philharmonischen und Gesellschafts-Concerten\nbenahm sich recht enthusiastisch. Es schien fast, als\nhätte es zuvor Herrn Brendel's Lobschrift gelesen, welche\nvon der Thesis ausgeht: „Liszt's Werke sind das\nIdeal unserer Zeit*)\".\nFern sei es von uns, mit den gelehrten Verfechtern der\nZukunftsmusik über Liszt streiten zu wollen. Das ist für\nalle Zeit unmöglich, seit deren kritischer Advocat, Herr\nBrendel, den denkwürdigen Ausspruch gethan: „Es hat\nsich die Meinung im Publicum gebildet, als ständen über-\nhaupt zwei berechtigte Parteien einander gegenüber. Dem\nist jedoch nicht so; im Gegentheil: wir haben allein\nRecht und die Gegner absolut Unrecht.\" Seit wir\nso bestimmt wissen, dass wir nun einmal zeitlich und ewig\nverdammt sind, hüten wir uns sehr, noch weiteres Aerger-\nniss zu geben. Von Herzen wünschen wir Herrn Tausig,\nder noch drei bis vier ähnliche Liszt-Batterieen aufzufüh-\nren gedenkt, den besten Erfolg seines Unternehmens. Es\ngehört viel Heroismus und mehr als bloss künstleri-\nsches Vermögen dazu, so kostspielige Missions-Concerte\n„für eine Idee\" zu veranstalten. Wenn das Sprüchwort:\n„Zeit ist Geld!\" Recht hat, so kann man nicht ohne\nBewunderung von „Tausig und seiner Zeit\" sprechen.\n\nEd. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "61", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.4", "titre_corps": "Aus Darmstadt.", "titre_sommaire": "Aus Darmstadt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.4", "debut_caractere": 4750, "fin_caractere_exclue": 5108, "texte": "Aus Darmstadt.\n[Gounod's Oper „Faust\".]\nWohl selten hat ein neues Opernwerk eine so allge-\nmeine, freudige und tiefe Befriedigung hervorgebracht, wie\nGounod's „Faust\", der jüngst hier zuerst die deutsche\nBühne beschritt und den Kenner und Laie als einen aus-\ngezeichneten Kunstgewinn begrüssen. Ist schon das Text-\n\n*) „Franz Liszt als Symphoniker.u Seite 6."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3008, "texte": "buch, der berühmten Dichtung Göthe's gewandt und treu\nfolgend, an sich für das deutsche Publicum interessant, so\nist es noch mehr diese seelenvolle, edle, die Herzen sym-\npathisch berührende und süss bewältigende Musik. In die-\nsem dritten und fünften Acte, welche vorzugsweise auf den\nfeineren Saiten der Seele spielen, liegt ein Zauber von Me-\nlodie und Harmonie, der sich wie ein holder Traum auf\nden Zuhörer herabsenkt und ihn mit stillseligem Genuss\nerfüllt. Das ist eine Wirkung, wie sie von der musicali-\nschen Bühne herab nur sehr selten erzielt worden ist: ein\ngänzliches Versunkensein und Schwärmen in der Kunst,\ndas, wenn wir daraus erwachen, eine reine und gehobene\nStimmung in uns zurücklässt. Aber auch da, wo es eine\noomplicirte dramatische Aufgabe gilt, z. B. in dem bunten\nLeben und den Massen der Kirmess, in der tragischen\nScene von Valentin'« Tod, in den dämonischen Klängen\nund Reigen der Walpurgisnacht ist Gounod ein glück-\nlicher Tondichter, scharf charakterisirend und edel in der\nAusführung, ein klarer, wohlbemessender Geist, den die\nMuse mit Genie gesegnet hat, welches überall mächtigen\nEindruck machen muss. Dieser war bei uns ein um so\nentschiedenerer, da die Ausführung des werthvollen Wer-\nkes von Pietät, Fleiss und Talent getragen war und über-\nall Eindringen und sorgfältiges Studium zeigte. Sänger\nund Capelle wetteiferten in schönen Leistungen, und die-\nses Resultat ist ein neues Ehren-Diplom für den trefflichen\nmusicalischen Leiter Schindelmeisser; ihm verdankt,\nwie vordem R. Wagner, jetzt Ch. Gounod den ersten\nTriumph-Einzug. Allbekannt ist es, wie geschmackvoll und\nstets neu überraschend die Hoftheater-Direction für die\nInscenirung und Ausstattung grosser Werke sorgt, und\ndieser „Faust\" ist eine neue, glänzende Probe ihrer rühm-\nlichen Sorgfalt. Die frappant und wie durch einen Zauber-\nschlag wechselnden Scenen des fünften Actes sind wahr-\nhaft magische Bilder, in denen Tanz, Malerei, Costume\nund Maschinerie reizend zusammenwirken. Wir haben der\nlobenswerthen künstlerischen Leistungen bereits summa-\nrisch gedacht, und nennen die Herren Künzel (Faust),\nBecker (Valentin), Trapp (Mephisto), Wolters (Siebel)\nund Frau Maximilien (Marthe) als glückliche und durch\nBeifall ausgezeichnete Repräsentanten ihrer Partieen. Fräu-\nlein Emilie Schmidt als Gretchen will mit dem Maass-\nstabe des Genie's gemessen sein; das war eine Kunstlei-\nstung, so hinreissend durch seelenvollen Gesang und innig\nwahre Darstellung, ein poetisches Aufgehen in dem Cha-\nrakter, das allgemeinen Enthusiasmus hervorrufen musste.\nDieses Gretchen stellt unsere Sängerin in die erste Reihe\ndramatischer Gesangskünstlerinnen. Noch ein Schluss-\nwort. Es gibt Bühnen-Neuigkeiten, die sich durch die Mode,\ndurch ein besonderes Aufgebot von Mitteln oder durch\npikante Eigenthümlichkeit als interessant empfehlen; Gou-\nnod's „Faust\" steht höher und edler da; ihn kennen zu\nlernen und sich ari seinen Schönheiten zu wärmen, ist\neine Pflicht der Bildung, eine Pflicht der Achtung für das\nGenie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "62", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.5", "titre_corps": "Carl Magnus Hafner.", "titre_sommaire": "Carl Magnus Hafner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.5", "debut_caractere": 3010, "fin_caractere_exclue": 5071, "texte": "Carl Magnus Hafner.\n(Nekrolog.)\nMan schreibt uns aus Hamburg: Ein schwerer Ver-\nlust hat die Kunstwelt Hamburgs durch den plötzlichen,\nAllen unerwarteten Tod Carl Hafner's betroffen.\nCarl Magnus Hafner ward, der Jüngste von sieben\nGeschwistern, geboren in Korneuburg bei Wien am 23.\nNovember 1815, erreichte also noch nicht das 46. Jahr.\nAuf der G eige Schüler der beiden berühmten Quartettisten\nJansa und Mayseder, empfing er Composilions-Unter-\nricht von Ig na z Schubert, dem Bruder des grossen und\ndem Verstorbenen so überaus lieben Franz.\nWas derselbe in den 22 Jahren seiner hiesigen Wirk-\nsamkeit sowohl öffentlich als privatim als ausübender Ton-\nkünstler, vornehmlich als Quartettist, dann als Vorspieler\nin den philharmonischen Concerten und in denen des Cä-\ncilien-Vereins, zur Förderung echter und wahrer Musik\ngeleistet, dass weiss jeder, der sich überhaupt um diese\nbekümmerte. Was er als warmer und begeisternder Leh-\nrer war, und wie überhaupt sein inneres künstlerisches\nDichten und Trachten, das vermögen nur seine zahlreichen\nSchüler zu beurtheilen und die, denen es vergönnt war,\nsich im vertraulichen Kreise über seinen Beruf mit ihm\nauszusprechen. Und ist der hiesigen Kunstwelt eine Wunde\ngeschlagen, ist eine Lücke entstanden, die schwer auszu-\nfüllen, so ist sie es gerade nach dieser Richtung hin, nach\nder Richtung dessen, was Hafner mit Wort und That\ndurch unerschrockenes Vorgehen auf der echten Künstler-\nbahn für das Höchste und Edelste in seinem Fache er-\nstrebte.\nAber nicht die Kunst allein beklagt den herben Ver-\nlust. Es trauert mit ihr die grosse Menge von Freunden,\nalt und jung, zu denen der Dahingeschiedene sich jeden\nmachte, der ihn näher kennen lernte. Nicht den Lehrer\nallein beweinen seine Schüler, mehr noch den Freund.\nSein grundbiederer Charakter war frei und fern von jedem\nArg und Falsch. Den abwesenden Freund vertheidigte er\nmit demselben rückhaltlosen Muthe, wie er den anwesen-\nden, wo es galt, angriff. Stets rührig und lebendig, über-\ntrug er diese Rührigkeit in Kunst und Leben auf seine\nganze Umgebung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 209, "texte": "Des Höchsten Wille setzte seiner unermüdlichen Thä-\ntigkeit ein schnelles Ziel. Zwei unmündige Waisen weinen\nihm nach mit seiner untröstlichen Gattin.\n\" 1 » f.jfvT U DJ! * ' '* ■ * \" /\nSei ihm die Erde leicht!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "62", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.6", "titre_corps": "Achtes Gesellchafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Achtes Gesellchafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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M. von Weber für Pianoforte\n(Frau Schumann). 6. „Gretchen atn Spinnrade* von F. Schu-\nbert, instrumentirt von F. Hiller, gesungen von Fräul. Emilie\nGenast. 7. Phantasie für Pianoforte, Soli, Chor und Orchester\nvon L# van Beethoven (Piano: Frau Schumann).\nVon der Sinfonie von F. Lachner erlangten die beiden letz-\nten Sätze einen mässigen Applaus, ein Beweis der Achtung, der\nmehr dem berühmten Namen des Componisten, als dem Werke galt,\ndessen Bekanntschaft wir an diesem Abende machten. Nur eine\nreiche Erfindungsgabe, welche die bedeutendsten Motive und Episo-\nden erzeugt, und im Bunde mit derselben ein ungewöhnliches Ta-\nlent, oder vielmehr geradezu Genie, in der Durchführung jener kann\neine Sinfonie, welche ohne Wiederholung der einzelnen Satztheile\ndrei volle Viertelstunden dauert, erträglich machen, d. h. den Zu-\nhörer in Spannung halten. Nun haben wir aber Beides in dieser Ar-\nbeit fast durchweg vermisst. Die Motive sind fast alle ziemlich ge-\nwöhnlich, und wenn sie auch im ersten Auftreten durch populären\nCharakter ansprechend und frisch erscheinen, so zeigen sie sich\ndoch auf die Länge durch die Wiederholungen und zwar klare und\nformgewandte, aber monotone Ausarbeitung oder vielmehr Ausdeh-\nnung und Breittretung als Elemente von sehr geringem Gehalt, die\nnicht die Kraft haben, dem Ganzen Lebensfälligkeit zu verleihen.\nDazu kommen Sonderbarkeiten, wie das Trio des Scherzo's, in wel-\nchem in offenbarer Nachahmung des figurirten Eintritts der Bässe\nin Beethoven's C'-woW-Sinfonie, dieselben Bässe hier ein Gerölle be-\nginnen, aus welchem bei dem kräftigsten Spiel der Ausführenden\ndennoch wegen des engen Intervallenraumes, in welchem sie sich\nweder auf- noch absteigend im Kreise tummeln, kein Mensch klug\nwerden kann. Fast nirgends erkennt man in dieser lang gezogenen\nSinfonie das reiche Talent des trefflichen Lieder-Componisten und\nden genialen Schwung des Tonsetzers der Preis-Sinfonie und der\ngrossartigen Finales der Oper Catharina Cornaro.\nGade's „Frühlingsbotschaft* war willkommen und erfrischend.\nEs ist dieser kleine Chor ein reizendes Idyll, dem wir es nicht zum\nVorwurf machen dass eine Violin-Figur, die eine täuschende\nAehnlichkeit mit einer von Spohr im ersten Satze der Weihe der\nTöne hat, fortwährend hineinspielt.\nFrau Clara Schumann spielte alles, was sie an diesem\nAbende vortrug, vortrefflich und mit feinem, reizend schönem Co-\nlorit. Den Vortrag des Concertes übereilte sie nirgend, was uns sehr\nfreute, da erst neuerlich wieder von Dresden und Wien sieh Stim-\nmen über ihre übertriebenen Tempi vernehmen Hessen. Nur ein ein-\nziges Mal liess sie sich hinreissen: das war in dem Schlüsse der\nIntroduction zur Phantasie von Beethoven, wo die Kraft und Bedeu-\ntung der wie von einem Felsen herabstürzenden Passagen der linken\nHand durch Ueberschnelle verloren ging. Dagegen war das Prestis-\nsimo in dem Scherzo aus Weber's As-dur-Sonate an seiner Stelle\nund wurde mit Kühnheit und Sicherheit glänzend durchgeführt.\nDas Laudate von Mozart fiel aus; ein Extrablättchen enthielt\ndie lakonisch-telegraphische Depesche: „Statt des Laudate wird\nFräulein E. Genast „Die junge Nonneu von F. Schubert vortragen.*\nUnd so geschah es* „Das Warum? wird offenbar\"* u s. w. S.\nMüllner's Schuld oder Werner's 24. Februar. Die Stimme der vor-\ntrefflichen Liedersängerin trug heute noch weniger weit, als sonst.\nDer Saal ist für solche Mittel viel zu gross» Besser gelang ihr das\n„Gretchen am Spinnrad\" von Schubert mit der schönen, romantisch\nduftigen Orchester-Begleitung von Hiller, das der Künstlerin denn\nauch reichlichen Applaus von Seiten der Freunde ihrer eigentüm-\nlichen Vortragsweise einbrachte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-02-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-02-23_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "64", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.6", "debut_caractere": 4416, "fin_caractere_exclue": 6389, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolfit« Die letzte Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft am 16. d. Mts. war sehr interessant durch die Solo-Vor-\nträge zweier fremden Künstler, des Herrn Seelmann (Violinisten),\nMitgliedes der königlichen Hofcapelle in Dresden, und des Herrn\nSeiss, Pianisten aus Leipzig. Herr Seelmann spielte das schöne\nConcert Nr. 7 von Spohr und eine Solo-Sonate von J. S. Bach;\nsein giösster Vorzug dürfte die Reinheit des Spiels neben sehr ge-\nwandter technischer Beherrschung der Schwierigkeiten sein, während\nsein Ton namentlich auf den beiden höheren Saiten noch zu wün-\nschen übrig lässt, wovon jedoch das Instrument einen Theil der\nSchuld zu tragen schien. Der Ausdruck war besonders im Adagio\nlobenswertb, wogegen wir bei den Figuren des letzten Satzes etwas\nmehr Schärfe der Accentuation und mehr Keckheit im Hinwerfen\nderselben gewünscht hätten.\nHerr Seiss, jüngerer Bruder des wackeren Violinisten in Bar-\nmen, spielte von C. M* von Weber nun, was? das unvermeid-\nliche Concertstück in F-mollt nein! sondern das Concert in Es-\ndur, was uns und allen Musikfreunden einmal wieder zu hören, und\nnoch dazu von einem Virtuosen unserer Zeit von 21 Jahren, eine\ngrosse Freude machte. Gleich nach dem ersten Solo brach der ganze\nSaal in einen rauschenden Applaus, der sich nach jedem Satze noch\nbedeutend steigerte, aus. Und mit vollem Recht. Herr Seiss bewäl-\ntigte nicht nur die grossen Schwierigkeiten des Werkes, unter ande-\nren die andauernden Passagen der linken Hand, die Terzen-Tonlei-\ntern der rechten u. s. w. u. s. w. mit eminenter Technik, Deutlich-\nkeit und Kraft, sondern er brachte die treffliche Composition auch\nüberall in ihrem inneren Wesen, in ihrem künstlerischen Gehalt\nti '\nauf höchst anerkennungswerthe Weise zu vollständiger Geltung.\nDem jugendlichen Virtuosen wird zweifelsohne, wenn er auf dieser\nBahn beharrt, eine bedeutende Zukunft werden, ohne dass er der\nZukunftsmusik und der Posaunen-Reclame ihrer Anhänger bedarf."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7006, "texte": "Königsberg« Ein trauriges Ereigniss unterbrach am Mitt-\nwoch den 6. Februar die Aufführung des Mendelssohn'schen „Elias'\ndurch die hiesige musicalische Akademie. Elias hatte das einlei-\ntende: „So wahr der Herr, der Gott Israels, lebet\", gesungen, die\nOuvertüre war ihrem Schlüsse nahe, als plötzlich der Dirigent, der\nMusik-Director H. Pätzold, mit seinem Pulte vorwärts nieder-\nstürzte und in Folge dieses unglücklichen Falles leblos zum Saale\nhinausgetragen werden musste. Leider gelang es den Bemühungen\nder anwesenden Aerzte nicht, den Unglücklichen ins Leben zurück-\nzurufen, welchem wahrscheinlich ein Schlaganfall ein so plötzliches\nund tiefergreifendes Ende bereitet hat.\nAm 19. Januar starb nach mehrwöchentlichen Leiden Dr. A.\nKeferstein, Pastor des Dorfes Wickerstädt in Thüringen. Der\nDahingeschiedene, ein genauer Musikkenner, war einer der ersten\nMitarbeiter an der von Rob. Schumann begründeten vNeuen Zeit-\nschrift für Musik*4, und sonst auch unter dem Namen K. Stein be-\nkannt und geachtet als Schriftsteller und Recensent auf musicali-\nschem Gebiete. Eine Novelle, „König Mys\", die auf stark phantasti-\nschem Grunde (in der Art T. A. Hoffmann's) eine Fülle trefflicher\nGedanken über Musik enthält und desshalb wieder einmal in Erin-\nnerung gebracht werden darf, ist namentlich hervorzuheben.\na. M. Das Abschieds-Concert der berühmten\nSchauspielerin Fanny Janauscheck (am 5. Februar) war wegen\nseiner Tendenz, seines gediegen ausgeführten Programms, wie des\ndarauf folgenden Bankets unstreitig das interessanteste während die-\nser Saison. Das Programm bestand in Chören des Liederkranzes:\n9An die Künstler\" Von Schiller und Mendelssohn, und „Morgendäm-\nmerung* von Heinrich Esser; in grösseren und kleineren Vorträgen\naus Euripides-Schiller's „Iphigenie in Aulisa, aus Göthe's „Tassou ;\naus classischen Gedichten, in welche Declamationen sich die Con-\ncertgeberin und Friedr. Devrient theilten. Den Sologesang vertraten\nFrau Kapp-Young von Wien (Arie der Vitellia und Lieder von\nKarl Göll in ick) und der Tenor Herr Gloggner (Gesänge von Men-\ndelssohn). Director Geliert leitete das Ganze und accompagnirte\nsämmtliche Musikstücke, Alle gebildeten Kreise waren in dem über-\nfüllten Concertsaale (Harmonie), bei dem Banket aber (Hotel de\nl 1 Union) nur die specielleren Freunde der Gefeierten, wobei auch\n„Damen in schönem Kranze44, reichlich vertreten. Dass sich dabei\nkein einziger frankfurter College fand, der ihr den silbernen Lorber\nreichte, war bedauerlich, wesshalb Devrient, von Wiesbaden berufen,\ndieses Ehrenamt übernahm; und dass es bei dieser Gelegenheit an\npikanten und demonstrativen Toasten nicht fehlte, brachte der Geist\ndes Festes mit sich.\nDie Sängerin Frau Kapp-Young von Wien hat in ihren Gast-\nrollen (Gräfin in Figaro's Hochzeit, Agathe, Alice) einen so achtungs-\nwerthen Erfolg gehabt, dass sich von vielen Seiten der Wunsch\nregte, sie hier als dramatische Sängerin engagirt zu sehen. Dieser\nWunsch ist jedoch nicht erfüllt worden; die Künstlerin ist einem\nKufe nach Hessen-Kassel gefolgt, an dessen Hoftheater sie als Lu-\ncrezia mit grossem Beifall aufgetreten ist.\nIn einem Privat-Concerte hörten wir neulich eine neue Compo-\nsition von J. C. Hauff: Quintett für Pianoforte, Oboe,\nClarinette, Horn und Fagott, Es gehört dieses Quintett, obgleich\nder Clavier-Partie in allen Sätzen Rechnung tragend, so dass der\nSpieler tüchtig zu thun hat, nicht zu den Werken, in denen Eine\nStimme vorherrscht, während die anderen nur als höfliche Begleiter\nerscheinen, sondern es ist ein durch seine Totalität wirksames TOll-\n- Die kunstvolle Verwebung der fünf gleichmässig beschäftigten\nStimmen, die gediegene Arbeit liess sich von dem Theoretiker er-\nwarten, aber dass dieser dabei auch das oft auf demselben lastende\nVorurtheil der Melodielosigkeit besiegte, das gibt seiner Composition\neinen besonderen Vorzug. Die auf speculative Effecte basirte mo-\ndernste Romantik werden die Anhänger dieser Schreibart freilich\nvermissen, denn Hauff bekennt sich offenbar zu der soliden Schule\nder älteren edlen Meister. Mit Einem Wörter wir haben es hier mit\neinem systematisch wohlgeordneten, logisch fortschreitenden und da-\nbei sehr ansprechenden, gefälligen Werke zu thun, für welches es\ngewiss kein Vorwurf ist, wenn wir den Componisten nicht gerade\nin die Reihe derer stellen, die, wie Sterne sagt, „auch aus dem Sand-\nsteine geniale Funken schlagen*4, Q.\nVon dem vortefflichen Sammelwerke, das Ca-\nnonicus Proske bei Pastet herausgibt, wird in den nächsten Tagen\ndie P ortsetzung des Selectus Missarum Novus erscheinen. Der vierte\nBand, welcher den ersten Jahrgang schliesst, ist ebenfalls in Angriff\ngenommen. Ueber das grossartige Unternehmen soll eine Broschüre\naus der Feder eines münchener Musikgelehrten erscheinen. Für\ndas Manuale breve Oantionum ac precuin Liturgicarum) den Aus-\nzug des grosseren, unter dem Titel: 9Enchiridion cliorale\", von dem\nverstorbenen Joh. Georg Mettenleiter bearbeiteten Werkes, ist\neine zweite Auflage nothwendig geworden, was für den Werth dieser\neben so oft gelobten als verkannten Arbeit spricht. Die Vollendung\nder Orgelbegleitung zu diesem Werke, welche beim Tode seines\nVerfassers bis zur fünften Section gediehen war, ist aus den Auf-\nzeichnungen des Verstorbenen nun vollendet und dürfte bald er-\nscheinen.\nIm achten Concerte der leipziger „Euterpe\" wurde eine Ballade\nvon Weissheimer aufgeführt, welche nach der Versicherung der\n„Signale® ausnehmend langweilig sein soll; noch langweiliger findet\ndasselbe Blatt eine „Frühlings-Phantasie\" von Bronsart, bei wel-\ncher das Publicum „opponirt44 haben soll.\nEine neue Ouvertüre zu „Alladin\" von C. Rein ecke hat im\nleipziger fünfzehnten Gewandhaus-Concerte sehr viel Beifall gefunden.\nUnter den Bewerbern der zum Frühjahr wieder zu erneuernden\nDirection des Stadttheaters in Leipzig werden auch der bekannte\nSchriftsteller Benedix und Herr Stürmer, langjähriges Mitglied\nder leipziger Bühne, genannt.\n✓\n!>s*eScSen. Die erste Oper, in welcher Frau Bürde-Ney nach\nihrer sehr ernsten Krankheit wieder die Bühne betrat, war Beetho-\nven's Fidelio. Dann folgten Tannhäuser, Die lustigen Weiber und\nan Mozart's Geburtstage Don Juan.\nWien. Herr Dr. Eduard Hanslick ist zum k. k. Ausser-\nordentlichen Professor der Geschichte und Aesthetik der Tonkunst\nan der wiener Universität, unbeschadet seiner Stellung als Ministe-\nrial-Coneipist im Staats-Ministerium, ernannt worden. Es ist das\nerste Mal, dass an einer österreichischen Universität die wissen-\nschaftliche Behandlung der Musik vertreten erscheint, während die\nGeschichte und Aesthetik der bildenden Künste seit Jahren gelehrt\nwerden. Man hat damit hier eingeführt, was längst an bedeutenden\ndeutschen Universitäten, wie Berlin, Bonn u. s. w., besteht. Hanslick\nwar der Erste, der sich an einer österreichischen Universität als\nPrivatdocent dieser Fächer babilitirt hat, und der Erste überhaupt,\nder die (einzig fruchtbare) Methode praktisch einführte, den Vortrag\ndurch musicalische Beispiele und Demonstrationen fortlaufend zu\nerläutern."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4678, "texte": "Wien. Was den „immensen Erfolg\" betrifft, von welchem das\nTausig-Liszt'sche Concert nach dem Berichte des Herrn Kulke in\nder Neuen Zeitschrift für Musik begleitet gewesen sein soll, so wird\ndieser schon durch den Umstand, dass ein so beträchtlicher Theil\ndes Publicums noch vor den „Idealen\" den Saal verliess, in ein\nzweifelhaftes Licht gestellt; dann ist vielleicht auch dem Bericht-\nerstatter nicht unbekannt, aus welchen Elementen dieses Publicum\nzusammengesetzt war; und zum Dritten endlich ist nicht einzusehen,\nwarum, wenn es ein Publicum gibt, welches für Verdi, oder ein an-\nderes, welches für Leopold Mayer begeistert ist, sich nicht auch\neines finden soll, welches sich für Liszt begeistert.\nStatt der beabsichtigten Verpachtung des deutschen Hof-\nOperntheaters in Wien ist abermals ein Director ernannt worden,\nund zwar in der Person des Herrn Matheo Salvi, von dem man\nin den musicalischen Kreisen weiter nichts weiss, als dass er früher\nGesanglehrer war (böse Zungen behaupten, er habe als solcher eine\nbeträchtliche Zahl von Stimmen auf dem Gewissen), dass er ein Ita-\nliäner ist und im vorigen Jahre eine italiänisclie Oper an der Wien\nsehr mangelhaft geleitet hat. Einem solchen Manne nun vertraut\ndas in Kunstsachen leider übel berathene k. k. Oberstkämmerer-Amt\ndie Führung des ersten deutschen Kunst-Instituts an! Zugleich stellt\nes ihm jedoch ein berathendes Comite an die Seite, und soll die-\nses vorläufig aus den Herren Capellmeistern Des soff und Esser,\ndann den Herren Dr. Ed. Hanslick und Dr. Leop. Sonnleit-\nner bestehen. Wir wären begierig, was dieses Comite dem neuen\nHerrn Director „rathen\" wird, wenn wir nicht wüssten, dass der\nRath derartiger Comite's meist wenig beachtet wird. Doch vederemo!\nGraf Laurencin schreibt in seiner „erklärenden Erläuterung\nund musicalisch-theoretischen Begründang der durch die neuesten\nKunstschöpfungen bewirkten Umgestaltung und Weiterbildung der\nHarmonik\", welche denkwürdige Abhandlung gegenwärtig als „ge-\nkrönte Preisschrift* in der „Neuen Zeitschrift für Musik\" abge-\ndruckt wird, unter Anderem Folgendes: „Es bleibe hier unentschie-\nden, ob Liszt, * angeregt durch Weitzmann's schon 1853 im Druck\nerschienene Broschüre, oder ob er freithätig in seiner bis jetzt noch\nhandschriftlichen Faust-Symphonie zu so umfassenden Experimenten\nmit dem übermässigen Dreiklang vermocht worden sei. Kurz, der\nerste Satz dieses in jeder Richtung gewaltigen Tonwerkes hat den\nübermässigen Dreiklang zu seiner entschiedensten Exposition, Ver-\nwicklung und fast möchte man sagen auch zu seiner Kata-\nstrophe.\"\nDer edle Graf schreibt ferner: „Wäre mir in jener unvergessli-\nchen Stunde des 7. Juni 1859, wo Liszt mir seinen ganzen „Fausttt\nam Ciavier zu verlebendigen so liebenswürdig gewesen, Weitzmann's\nBroschüre vorgelegen, so steht fürwahr die Wette, dass Ohr und\nAuge mir gewiss die meisten der dort nachgewiesenen Sehritte, wo\nnicht gar eine noch reichere Fülle derselben, vergegenwärtigt hätte.\"\n(Wir wünschen von Ilerzen Glück zu diesem ausgesuchten Raffine-\nment eines reflectirenden Kunstgenusses!)\nDer alte Roll, ehedem ein braver Schauspieler, dann Jahre lang\nTheater-Director in Baden, Oedenburg, Wiener-Neustadt, Innsbrack\nund anderen Orten, ist unlängst gestorben. Er war Vater einer\nzahlreichen Kinderschar, worunter die Tänzerin Fräulein Eveline\nHoll.\nA m ff o r d e r tt st g£.\nSophie Schröder begeht am 1. März d. J. ihren achtzig-\nsten Geburtstag. Als neunjähriges Mädchen hat sie ihre Bühnen-\nLaufbahn begonnen, schon damals die Aufmerksamkeit der Kritik\nin den „Schweriner Theater-Annalen\" beschäftigt, sie hat im\nNovember 1859 am Schiller-Feste noch einmal die Bühne betreten\nund durch die Gewalt ihres Vortrages hingerissen; wir haben also\neinen fast sie b en zig jährigen thätigen Antheil am deutschen Büh-\nnenleben vor uns und der ruhmvollsten Art. Es bedarf wohl nur\ndieser von Director Eduard Devrient ausgehenden Kund-\ngebung, die hoffentlich von allen bühnenfreundlichen Zeitungen ver-\nbreitet werden wird, um die gesammte Theaterwelt zu veranlassen,\nder berühmten Kunst-Veteranin Zeichen der Theilnahme und der\nVerehrung zu dem seltenen Festtage zu weihen.\n1$ e 11 t s c 1t e T o n 8t a 1 I e.\nSowohl um verfrühten Anfragen als etwaigen Missverständnissen\nzu begegnen, bemerken wir (wie in diesen Blättern vom October v.\nJ.) hier wiederholt, dass, sobald die wie natürlich ohne Zeitbestim-\nmung vorbehaltene Auswahl aus den 300 uns vorliegenden vater-\nländischen Gedichten getroffen und der bezügliche Preis ertheilt sein\nwird, wir dieses anzeigen werden, und der Verein zugleich den Preis\nfür die Composition dieser Auswahl besonders ausschreiben wird.\nMannheim, 5. Februar 1861. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nVirtuosen-Productionen in den frankfurter Museums-Concerten. V. Von A. Schindler» Aus Wien (Tausig's Liszt-\nConcert). Von Ed. H. Aus Darmstadt (Gounod's Oper ~Fauslu). Carl Magnus Hafner (Nekrolog). Achtes Gesellschafts-\nConcert in Köln im Gürzenich. Tages- und Ulll erh al tun gsbl a 11 (Köln, Herr Seelmann, Herr Seiss Königsberg Dr. Kc-\nferstein f Frankfurt a. M. Regensburg Leipzig Dresden Wien Aufforderung Deutsche Tonhalle).\n\nVirtuosen-Productionen in den frankfurter\nMuseums-Concerten.\n\nV.\nJohann Joseph Bott,\nherzoglich meiningen'scher Hof-Capellmeister.\nWie selten dem Wanderer auf dem Gebiete des Vir-\ntuosenthums heutzutage das Vergnügen zu Theil wird,\neiner schönen Partie-ansichtig zu werden, die ob ihrer\nausnehmenden Vorzüge ein fast jugendliches Gefühl der\nBegeisterung in ihm zu erwecken vermag, hat wohl jeder\nder älteren Lustwandler zur Genüge erfahren müssen; ist\nihm aber durch Fügung des Schicksals solche Ueberra-\nschung wirklich geworden, so sei es ihm vergönnt, sich\nzunächst selbst zu beglückwünschen.\nIn dem durch Kunst, Wissenschaft und theilweise hohe\ngesellschaftliche Stellung ausgezeichneten Kreise von Män-\nnern, die einstens den grossen Propheten zu Wien umga-\nben, einem Kreise, dem bekanntlich der Verfasser als jüngstes\nMitglied lange Jahre anzugehören das Glück hatte, ward\nölters das Thema variirt und als wichtiger Fragepunkt\ndisculirt: welches wohl als haltbarer Grund anzunehmen\nsei, dass bei Virtuosen-Erscheinungen hinsichtlich der we-\nsentlichsten und entscheidendsten Merkmale, als: Pietät\nvor der Kunst, kunstwissenschaftliche Bildung,\nTiefe des Gefühls, richtiges Maass an Begei-\nsterung, Studium der Psyche des Tones, endlich\ngeläuterter Geschmack, in der Regel den Geigern\nder Vorzug eingeräumt werden müsse. In der Natur der\nInstrumente, Geige und Ciavier, wollte man den Grund\nnicht finden, in einer höheren Begabung der Individuen\neben so wenig, ja, in Betracht der Natur des Claviers, das\nals volles Ersatzmittel statt des Orchesters der künstleri-\nschen Ausbildung ungemein förderlicher wird, als das Ton-\nwerkzeug mit vier Saiten bespannt, sollte das Uebergewicht\nvielmehr auf Seite der Ciavierspieler liegen, weil sie leich-\nter und schneller an ein gewisses Ziel gelangen, wo sie den\nLohn für ihre Mühen einärnten können. Allein gerade in\ndiesem Umstände wollte man den Grund der Gründe, das\nDarum erkannt haben. Zur Erklärung diene, dass schon\nin jener Epoche das Ciavier ein weit grösseres, aber sinn-\nlich erregbareres Publicum gehabt, als die Königin unter\nden Instrumenten, die Violine, sich rühmen konnte; ferner,\ndass die Pianisten schon in jenen Jahren das Instrument\noft zu unedlen, also unkünstlerischen, Reizmitteln zu ge-\nbrauchen bestrebt waren, womit sie die Menge angezogen,\ndie ihrerseits wieder durch oft unverdiente Huldigungen\nauf die Gesinnung dieser Künstler nachtheilig zurückge-\nwirkt hat. Indess vermochte selbst dieses Uebermaass die\nMehrzahl dieser Classe von ernsten Studien nicht abzuhal-\nten, um den Anforderungen der Epoche mit selbstge-\nschaffenen Werken ernster Gattungen würdig ent-\nsprechen zu können. Hierin standen sie der Mehrzahl der\nGeigenkünstler ebenbürtig zur Seile. Wie ganz anders\nverhält es sich in diesem Punkte der Production mit bei-\nden Classen in unseren Tagen!'\nDiese Discussionen in Beethoven's Behausung, woran\nder Meister bisweilen alle Schärfe seines Urtheils laut wer-\nden Hess, haben mir im reiferen Alter und bei vermehrter\neigener Erfahrung stets als Leitfaden gedient, sie haben\nmeinem beobachtenden Blicke nicht bloss eine sichere\nRichtung gegeben, auch der Verstand hat eine feste Me-\nthode bei angestellten Prüfungen erhalten, zumal ich beide\ngenannte Instrumente ziemlich fertig selbst gespielt habe.\nUeberhaupt knüpfen sich an jene Discussionen manche in-\nteressante Erinnerungen, sich anlehnend an damalige\nKünstlergrössen, zu deren Aufzeichnung jedoch hier nicht\nder Ort ist. Aber auf ein charakteristisches Merkmal\njener Tage mag hingezeigt werden, nämlich auf die über-\nwiegende Anzahl an guten Vorbildern*) im Violinspiel ge-\n\n*) Dass nicht alle grossen Künstler gute Vorbilder abgeben, diese\nWahrheit ist von dem musicalischen Volke gar nicht gekannt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.2", "texte": "gen solche im Ciavierspiel, sicherlich aus dem Grande, weil\ndort in den Lehrsätzen der Schule, obwohl diese sich\nin eine französische und eine deutsche getrennt, bezüglich\ndes inneren Wesens der Kunst vollkommene Ueberein-\nstimmung geherrscht, wogegen die Lehrsätze auf der an-\nderen Seite schon weit aus einander gegangen waren. Der\n„musicalische Theil\" in Beethoven's Biographie gibt dar-\nüber nähere Aufschlüsse; dort finden sich auch die Beweg-\ngründe zu Beethoven's scharfen Urlheilen über die Pia-\nnisten seiner Zeit.\nEine Umschau auf dem Gebiete des Virtuosenthums\nder Gegenwart zeigt uns dasselbe Verhältniss, wie dieses\ndie frühere Epoche gezeigt hat. Wir begegnen einer nicht\ngeringen Anzahl achtungswerther Künstler auf der Violine,\ndie theils schon auf der Höhe vollkommener Meisterschaft\nstehen, theils noch zu dieser Höhe emporklimmen, denen\nallen von der verständigen Kritik das Zeugniss redlichen\nStrebens im Geiste wahrer Kunst ausgestellt wird. Wo\nallenfalls noch Irrthümer mit unterlaufen, da steht zu er-\nwarten, dass die Betreffenden wohlmeinenden Winken und\nRath Gehör geben werden (wenn sie sich nicht darüber\nerhaben dünken), um alle Hindernisse zukünftiger Muster-\ngültigkeit aus dem Wege zu räumen. Die Namen David,\nHeilmesberger, Joachim, Kömpel, Königslöw, Laub, Lau-\nterbach, Singer, Straus und jener, dessen Productionen zu\ndiesen Anmerkungen Anlass gegeben, Bott, geben Be-\nweise für die Richtigkeit des Gesagten. Wer es unterneh-\nmen will, dieser Anzahl deutscher Violinisten eine gleiche\nAnzahl deutscher Pianisten von demselben Gehalte gegen-\nüber zu stellen, unerachtet die Gesammtzahl dieser Classe\njene um das Vierfache übersteigen dürfte, ist freundlichst\nhierzu eingeladen, indem der Verfasser, das oben ange-\nführte Schema von Merkmalen, die einen echten Künstler\nausmachen, im Auge behaltend, selber nicht den Muth hat.\nNach Anhörung des Herrn Bott im Museum ward der\n1. Februar im Kalender roth angestrichen, etwas, wozu\nseit langer Zeit kein Grund gegeben war. Bekanntlich war\nHerr Bott einer der Lieblingsschüler von Spohr, an dessen\nSeite er dann einige Jahre als zweiter Capellmeister am\nKasseler Hoftheater gewirkt hat. Seine Wahl fiel auf das\nsiebente Concert in E-moll von seinem ehemaligen Leh-\nrer; nebst diesem brachte er noch ein vollständiges Concert\nin A-dur von eigener Composition zur Aufführung. Die\nin beiden Werken bethätigte vollkommene Meisterschaft\nüber das Instrument, die Gediegenheit in allem, was der\nkünstlerische Vortrag nach jeder Seite hin beansprucht,\nlassen die Kritik die Mühe sparen, sich in einer weitläufi-\ngen Auseinandersetzung zu ergehen. In solchem Falle hat\nsie bloss die Thatsachen zu constatiren. Winke, Ermah-\nnungen, Belehrungen, sowohl directe als indirecte, an den\nKünstler gerichtet, werden überflüssig. Es darf höchstens\ngesagt werden, dass das todte Notenzeichen von Herrn\nBott in seltener Weise belebt wird, dass sein Colorit präch-\ntig, sein Bogen frei von jeder modernen Manier ist, sohin\nauch von der Glätte, die den Vortrag so manches Mitstre-\nbenden färb- und kraftlos macht, nichts zu bemerken;\nferner, dass seine Tempi und deren Nuancen dem Charak-\nter des Tonstückes haarscharf angemessen sind, demnach\nvon der modernen Flüchtigkeit, die allezeit Charakterlosig-\nkeit zur Folge hat, nicht die leiseste Spur vorhanden ist.\nUeber dem Ganzen waltet die göttliche Polyhymnia, wie\neinstens über dem Spiele seines herrlichen Meisters, dessen\ntreuestes Abbild, wie vielleicht in keinem Anderen aus\ndessen Schule wieder, in diesem Zögling uns höchlich er-\nfreut hat. Ob Herr Bott im Wiedergeben der Werke an-\nderer Meister derselbe ist, lässt sich, wie begreiflich, nicht\nsagen, möchte aber kaum zu bezweifeln sein.\nWas die Composition des eigenen Concertes betriflt,\nso darf diese den besten Werken dieser Gattung beige-\nzählt werden. Alle Motive sind eben so schön als edel, und\ngeeignet, zu einem Werke grossen Stils verarbeitet zu\nwerden. Dasselbe gilt von den Passagen, die, mit Aus-\nnahme einer capriciösen im dritten Satze, ungesucht,\ngleichsam aus dem Organismus natürlich herausgewach-\nsen, als ausgezeichnete Glanzpunkte hervortreten eine\nEigenschaft, die ganz besonders an den Werken der fran-\nzösischen Meister zu rühmen ist. Noch eine andere den\nfranzösischen Meisterwerken innewohnende Eigenschaft ist\nmir auch in Bott's Werke aufgefallen, nämlich: Vermei-\ndung all es Zu viel an Modulationen, wovon selbst die COll-\n- seines grossen Vorbildes nicht immer freizusprechen\nsind. Wenn alle Compositionen dieses jugendlichen Mei-\nsters in Conception und Ausführung dem genannten Werke\ngleichen, so kann die „Mozart-Stiftung\" zu Frankfurt, de-\nren erster Stipendiat Herr Bott gewesen, sich doppelt\nbeglückwünschen, so schöne und seltene Erfolge durch die\ngegebenen Mittel zu höherer Ausbildung erreicht zu sehen.\nEs versteht sich wohl, dass der dem Künstler gespen-\ndete Beifall seiner Leistung vollkommen angemessen war,\n\nAm wenigsten sind die eigentlichen Originale gute Vor-\nbilder. Mayseder und Paganini, Field und Chopin waren solche\nOriginale, darum von ihren Schülern höchstens mechanische\nAeusserlichkeiten, Handgriffe, oftmals selbst diese nicht, auf-\ngefasst und richtig angewandt worden. Von ihren geistigen\nEigenthiimlichkeiten vermochten sie selbstverständlich nichts\nauf ihre Schüler zu übertragen. Schüler und Nachahmer eines\nOriginals zu sein, das die Kunst nach eigenen Gesetzen übt,\nmögen diese ihre Quelle im Mechanismus oder im Seelischen\ndes Künstlers, oder in Beidem zugleich haben, hat schon man-\nches Talent auf Irrwege geführt, auf denen es zur Entwick-\nlung seiner angeborenen Fähigkeiten nicht gelangen konnte\nund darum verkümmert ist."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.3", "texte": "wenn auch nur wenige von den Zuhörern die wesentlichen\nUnterscheidungs-Merkmale zwischen diesem und anderem\nan dieser Stelle gehörtem Violinspiel erkannt haben dürften.\n\nA. Schindler.\n\nAus Wien.\n\n[Tausig's Liszt-Concert.]\nSeit längerer Zeit lud ein kolossales rothes Placat zu\neinem „Orchester-Concerte des Karl Tausig\" ein.\nDas nur aus Liszt'schen Compositionen bestehende Pro-\ngramm verkündete die wohlwollende Absicht eines weima-\nrischen Reise-Apostels, uns gleich en gros weise und glück-\nlich zu machen. Herr Tausig ist einer der jüngsten von\nden blassen, haarumflatterten Jünglingen, welche für die\nZukunftsmusik wirken und in Mussestunden auch derlei\nselbst verfertigen. Als Componist hat sich Herr Tausig\ndurch eine haarsträubende Tondichtung, „Das Geister-\nschiff\" , bekannt gemacht, mehr noch durch den niedlichen\nEinfall, genanntem „Geisterschiff\" eine lobhudelnde An-\npreisung aus der Feder seines Freundes Dräsecke Vor-\ndrucken zu lassen. Als Erfinder dieser bisher unbekannten\nZierde neuer Verlags-Artikel behauptet Herr Tausig jetzt\nschon einen Platz in der Kunstgeschichte. In seinem Con-\ncerte brachte er jedoch keine eigene Composition; nach\ndem Programm zu schliessen, reis't er lediglich für das\nHaus Liszt. Dieses Programm hatte in der That etwas\nGewaltsames. Schien es doch, als sollte das wiener Publi-\ncum, das vereinzelten Aufführungen Liszt'scher Werke bis-\nher kühl begegnete, durch einen Massen-Angriff besiegt\nwerden. Wir glauben nicht, dass dem Interesse des Com-\nponisten damit gedient war. Neben Werken anderer Ton-\ndichter wird eine Liszt'sche Symphonie stets ein willige-\nres Auditorium finden. Als Nachbarin tiefgedachter, form-\nschöner Tonschöpfungen wird sie durch ihren blendenden\nGlanz unser sinnliches Interesse wecken, durch ihre fessel-\nlose Subjectivität reizen und ihren Gegnern wenigstens\nnicht allzu viel zumuthen.\nEinem Lawinensturz Liszt'scher Compositionen, wie\nihn Herr Tausig in Bewegung setzte, vermögen aber selbst\nFreunde des Autors kaum Stand zu halten. Wir sahen\nziemlich viel Leute, die sich zuvor durch entzücktes Ap-\nplaudiren ausgezeichnet, vor der Aufführung der Schluss-\nSymphonie („Die Ideale\") still nach der Thür schleichen.\nMöge man daher auch uns verzeihen, dass wir nach der\nvorletzten Nummer nicht mehr die Kraft besassen, noch\neine Symphonie mit Aufmerksamkeit zu verfolgen.\nGrosse Concerte, lediglich aus Instrumentalwerken\neines Componisten zusammengesetzt, haben ihr Bedenk-\nliches, selbst wenn dieser Eine ein Meister ist und durch\nreichste Erfindung und Vielgestalt in Formen und Stim-\nmungen jede Monotonie abwehrt. Nun vollends eine lange\nReihe von Liszt'schen Werken! Da haben wir überall das-\nselbe peinliche Hingen und Zwingen, dasselbe Anknüpfen\nund Wiederabreissen, dieselben Missklänge und Unmelo-\ndieen, denselben Janitscharenlärm.\nGeistreich combinirende und colorirende Impotenz\nbleibt doch überall der Kern Liszt'scher Compositionen.\nHört man deren viele nach einander, so merkt man oben-\ndrein, dass auch die Methode dieser Impotenz eine ziem-\nlich stereotype ist.\nIn unseren Besprechungen der »graner Messe\", des\n„Prometheus\", der „Preludes\" u. s. w. haben wir uns\nbemüht, diese Methode eingehend zu analysiren; nach dem,\nwas wir in Tausig's Concert gehört, müssten wir den Le-\nser nur mit Wiederholungen des oft Wiederholten behel-\nligen. Die Lichtpunkte, welche wir bei jenen Anlässen gern\nhervorhoben, haben wir auch in den von Tausig vorge-\nführten „Festklängen\" und dem „zweiten Clavier-Con-\ncerte\" nicht vermisst: Liszt's feinen Sinn für Klang-Effecte,\ndas Geistreiche mancher harmonischen und rhythmischen\nCombination, den ungestümen Drang einer bedeutenden,\nkeinem Vorbilde dienstbaren Subjectivität. Ueberall fehlt\njedoch die musicalisch-schöpferische Kraft und die künst-\nlerische Gesetzlichkeit der Ausführung. Eine einzelne Me-\nlodie steckt hin und wieder furchtsam ihr hübsches Köpf-\nchen heraus, um sofort in wüstem Gedränge unterzugehen;\njeder edlen Regung tritt eine dreiste Fanfare, jeder reinen\nHarmonie ein schneidender Missklang auf den Nacken.\nWer wollte es Liszt verdenken, dass er gegen seine classi-\nsc.hen Vorgänger buntere Mannigfaltigkeit, einen schärferen\nWiderstreit von Gegensätzen versucht? Allein dieser Car-\nneval von Mannigfaltigkeiten kennt keine Einheit, die Hun-\nnenschlacht von Gegensätzen keine Versöhnung. Anstatt\nerfreut, erschüttert, erhoben zu sein, fühlt sich der Hörer\nnach Liszt'scher Musik betäubt und verstimmt. Die „Fest-\nklänge\" haben vor ihren übrigen symphonischen Schwes-\ntern den einen Vorzug, dass sie keine Geschichte erzählen.\nDer Hörer muss nicht immerfort sehen, wie das „Pro-\ngramm\" den geängstigten Tondichter von Tact zu Tact\nverfolgt.\nEin Herr Kulke konnte sich diese Lücke nicht ent-\ngehen lassen und weihte das Publicum durch ein im Con-\ncertsaale vertheiltes Programm in die poetischen Geheim-\nnisse der „Festklänge\" ein. „Ein grosses, allgemeines,\nvolkstümliches Fest\", versichert er, „ruft eine bewegte\nMenge, die Freude auf der Stirn, den Himmel in der Brust,\nin seine Zauberkreise.\" Könnten wir an diesem Orte No-\nten-Beispiele bringen, der Leser würde staunen, wie -die\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.4", "texte": "Freude auf der Stirn\" und „der Himmel in der Brust\"\nsich in Liszt'schen Accorden ausnimmt. Auch hätten wir\nohne Herrn Kulke's Wegweiser nicht sowohl an die „olym-\npischen Spiele der Griechen\" als an die politischen Lust-\nbarkeiten von Neutra und Eperies denken müssen. Wagner\nund Liszt erheben ganz ernstlich den Anspruch, dass man\nKunstmittel und Ausdrucksweisen, welche anderwärts als\ntrivial verpönt sind, in ihren Compositionen für höchst\nideal anzusehen habe. So ergehen sich auch die „Fest-\nklänge\" (wie fast alle Liszt'schen Orchesterstücke) sehr\nreichlich in „türkischer Musik\". Die grosse Menge hört\ndas immer gern, und so lässt sie sich vielleicht auch ein-\nreden, dieselbe Stelle sei bei Donizetti Rohheit des Effectes,\nbei Liszt Ausdruck sublimster Geistigkeit.\nDer „Festmarsch zum Göthe-Jubiläum\" erinnert stark\nan Wagner, den er jedoch durch die Errungenschaft des\nSchrittwechselns (das Trio geht im Dreiviertel-Tact) über-\nholt. Reizend sind einige Orchester-Effecte, z. ß. die Ge-\ngenbewegung der abwärts in Terzen gehenden I* löten ge-\ngen die aufwärts geführte Melodie. Als musicalische Ver-\nherrlichung Göthe's durch einen so feinen und enthusiasti-\nsehen Göthe-Kenner ist der „Festmarsch\" ein neuer Beleg,\nwie alles Aufgebot von Bildung und Begeisterung kein\ngutes Tonstück hervorzubringen vermag, wenn die speci-\nfisch musicalische Erfindung fehlt.\nGegenüber den Orchester- und Chor-Compositionen\n\\on Liszt fühlen wir uns als Berichterstatter über dessen\nCla vi er werke stets in einer angenehmeren Lage; Liszt's\nunübertroffene Kenntniss und geistreiche Verwendung des\nClavier-Effectes putzt hier die sickernde Erfindung nicht\nbloss glänzend auf, sie führt dem Componisten, der mit\ndem Piano so eng verwachsen ist, thatsächlieh neue Ideen\nzu. Leider konnten die von Herrn Tausig vorgetragenen\nCiavierslücke unsere Erwartungen nicht erfüllen. Auf ein\n„Concert\", das jede auftauchende Schönheit in einem\nWirbel empörter Musik-Elemente verschlingt, folgte eine\n„ungarische Rhapsodie\", welche die nationale Charak-\nteristik bis zur vollständigen Cymbalisirung des Claviers\ntreibt. Liszt's „ Valse-Impromptu\" ist reiner Leopold\nMayer mit etwas harmonischem Strychnin versetzt. Nun\naber vollends das „Scherzo\" mit angefügtem „Marsch\"!\nVereinigt es nicht die schönsten Symptome eines verrückt\ngewordenen Ciavierstils? Diese Tastenschlächterei mit ihren\ngräulichen Dissonanzen ein „Scherzo\"? Eben so scherzhaft\nwürde es uns vorkommen, wenn Jemand unversehens eine\nHandvoll Erbsen uns an den Kopf würfe und mit nassen\nBürsten ins Gesicht führe. Scherzhaft fanden wir dieses\n„Scherzo\" nicht, auch nicht musicalisch, aber komisch im\nhöchsten Grade. Aufrichtig wehrten wir uns gegen diese\nStimmung einem Manne wie Liszt gegenüber; aber bei\nseinem „Scherzo\" wurde uns der Ausspruch des geistrei-\nchen Ehlert klar, die Zukunftsmusik sei eigentlich „nur\nunbeschreiblich komisch\". Das klang wirklich, „als spiele\nder Sonnenstich Ciavier\"!\nAls Pianist überraschte Herr Tausig durch ungewöhn-\nliche Kraft und Bravour. Nur ging er in der Energie des\nAnschlags häufig zu weit und stach oder hieb in die Ta-\nsten, dass das Instrument ächzte. In seinem Vortrage strit-\nten sich Geist und Manier. Ein Urlheil über die absolute\nkünstlerische Höhe des Concertgebers können wir aus dem\nengen Kreise seiner Productionen uns allerdings nicht bil-\nden; als Liszt-Spieler ist er jedenfalls eine glänzende\nErscheinung.\nDer Erfolg des Concertes war, was den Beifall betrifft,\nein sehr günstiger. Das Publicum allerdings ein anderes,\nals in den philharmonischen und Gesellschafts-Concerten\nbenahm sich recht enthusiastisch. Es schien fast, als\nhätte es zuvor Herrn Brendel's Lobschrift gelesen, welche\nvon der Thesis ausgeht: „Liszt's Werke sind das\nIdeal unserer Zeit*)\".\nFern sei es von uns, mit den gelehrten Verfechtern der\nZukunftsmusik über Liszt streiten zu wollen. Das ist für\nalle Zeit unmöglich, seit deren kritischer Advocat, Herr\nBrendel, den denkwürdigen Ausspruch gethan: „Es hat\nsich die Meinung im Publicum gebildet, als ständen über-\nhaupt zwei berechtigte Parteien einander gegenüber. Dem\nist jedoch nicht so; im Gegentheil: wir haben allein\nRecht und die Gegner absolut Unrecht.\" Seit wir\nso bestimmt wissen, dass wir nun einmal zeitlich und ewig\nverdammt sind, hüten wir uns sehr, noch weiteres Aerger-\nniss zu geben. Von Herzen wünschen wir Herrn Tausig,\nder noch drei bis vier ähnliche Liszt-Batterieen aufzufüh-\nren gedenkt, den besten Erfolg seines Unternehmens. Es\ngehört viel Heroismus und mehr als bloss künstleri-\nsches Vermögen dazu, so kostspielige Missions-Concerte\n„für eine Idee\" zu veranstalten. Wenn das Sprüchwort:\n„Zeit ist Geld!\" Recht hat, so kann man nicht ohne\nBewunderung von „Tausig und seiner Zeit\" sprechen.\n\nEd. H.\n\nAus Darmstadt.\n[Gounod's Oper „Faust\".]\nWohl selten hat ein neues Opernwerk eine so allge-\nmeine, freudige und tiefe Befriedigung hervorgebracht, wie\nGounod's „Faust\", der jüngst hier zuerst die deutsche\nBühne beschritt und den Kenner und Laie als einen aus-\ngezeichneten Kunstgewinn begrüssen. Ist schon das Text-\n\n*) „Franz Liszt als Symphoniker.u Seite 6."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.5", "texte": "buch, der berühmten Dichtung Göthe's gewandt und treu\nfolgend, an sich für das deutsche Publicum interessant, so\nist es noch mehr diese seelenvolle, edle, die Herzen sym-\npathisch berührende und süss bewältigende Musik. In die-\nsem dritten und fünften Acte, welche vorzugsweise auf den\nfeineren Saiten der Seele spielen, liegt ein Zauber von Me-\nlodie und Harmonie, der sich wie ein holder Traum auf\nden Zuhörer herabsenkt und ihn mit stillseligem Genuss\nerfüllt. Das ist eine Wirkung, wie sie von der musicali-\nschen Bühne herab nur sehr selten erzielt worden ist: ein\ngänzliches Versunkensein und Schwärmen in der Kunst,\ndas, wenn wir daraus erwachen, eine reine und gehobene\nStimmung in uns zurücklässt. Aber auch da, wo es eine\noomplicirte dramatische Aufgabe gilt, z. B. in dem bunten\nLeben und den Massen der Kirmess, in der tragischen\nScene von Valentin'« Tod, in den dämonischen Klängen\nund Reigen der Walpurgisnacht ist Gounod ein glück-\nlicher Tondichter, scharf charakterisirend und edel in der\nAusführung, ein klarer, wohlbemessender Geist, den die\nMuse mit Genie gesegnet hat, welches überall mächtigen\nEindruck machen muss. Dieser war bei uns ein um so\nentschiedenerer, da die Ausführung des werthvollen Wer-\nkes von Pietät, Fleiss und Talent getragen war und über-\nall Eindringen und sorgfältiges Studium zeigte. Sänger\nund Capelle wetteiferten in schönen Leistungen, und die-\nses Resultat ist ein neues Ehren-Diplom für den trefflichen\nmusicalischen Leiter Schindelmeisser; ihm verdankt,\nwie vordem R. Wagner, jetzt Ch. Gounod den ersten\nTriumph-Einzug. Allbekannt ist es, wie geschmackvoll und\nstets neu überraschend die Hoftheater-Direction für die\nInscenirung und Ausstattung grosser Werke sorgt, und\ndieser „Faust\" ist eine neue, glänzende Probe ihrer rühm-\nlichen Sorgfalt. Die frappant und wie durch einen Zauber-\nschlag wechselnden Scenen des fünften Actes sind wahr-\nhaft magische Bilder, in denen Tanz, Malerei, Costume\nund Maschinerie reizend zusammenwirken. Wir haben der\nlobenswerthen künstlerischen Leistungen bereits summa-\nrisch gedacht, und nennen die Herren Künzel (Faust),\nBecker (Valentin), Trapp (Mephisto), Wolters (Siebel)\nund Frau Maximilien (Marthe) als glückliche und durch\nBeifall ausgezeichnete Repräsentanten ihrer Partieen. Fräu-\nlein Emilie Schmidt als Gretchen will mit dem Maass-\nstabe des Genie's gemessen sein; das war eine Kunstlei-\nstung, so hinreissend durch seelenvollen Gesang und innig\nwahre Darstellung, ein poetisches Aufgehen in dem Cha-\nrakter, das allgemeinen Enthusiasmus hervorrufen musste.\nDieses Gretchen stellt unsere Sängerin in die erste Reihe\ndramatischer Gesangskünstlerinnen. Noch ein Schluss-\nwort. Es gibt Bühnen-Neuigkeiten, die sich durch die Mode,\ndurch ein besonderes Aufgebot von Mitteln oder durch\npikante Eigenthümlichkeit als interessant empfehlen; Gou-\nnod's „Faust\" steht höher und edler da; ihn kennen zu\nlernen und sich ari seinen Schönheiten zu wärmen, ist\neine Pflicht der Bildung, eine Pflicht der Achtung für das\nGenie.\n\nCarl Magnus Hafner.\n(Nekrolog.)\nMan schreibt uns aus Hamburg: Ein schwerer Ver-\nlust hat die Kunstwelt Hamburgs durch den plötzlichen,\nAllen unerwarteten Tod Carl Hafner's betroffen.\nCarl Magnus Hafner ward, der Jüngste von sieben\nGeschwistern, geboren in Korneuburg bei Wien am 23.\nNovember 1815, erreichte also noch nicht das 46. Jahr.\nAuf der G eige Schüler der beiden berühmten Quartettisten\nJansa und Mayseder, empfing er Composilions-Unter-\nricht von Ig na z Schubert, dem Bruder des grossen und\ndem Verstorbenen so überaus lieben Franz.\nWas derselbe in den 22 Jahren seiner hiesigen Wirk-\nsamkeit sowohl öffentlich als privatim als ausübender Ton-\nkünstler, vornehmlich als Quartettist, dann als Vorspieler\nin den philharmonischen Concerten und in denen des Cä-\ncilien-Vereins, zur Förderung echter und wahrer Musik\ngeleistet, dass weiss jeder, der sich überhaupt um diese\nbekümmerte. Was er als warmer und begeisternder Leh-\nrer war, und wie überhaupt sein inneres künstlerisches\nDichten und Trachten, das vermögen nur seine zahlreichen\nSchüler zu beurtheilen und die, denen es vergönnt war,\nsich im vertraulichen Kreise über seinen Beruf mit ihm\nauszusprechen. Und ist der hiesigen Kunstwelt eine Wunde\ngeschlagen, ist eine Lücke entstanden, die schwer auszu-\nfüllen, so ist sie es gerade nach dieser Richtung hin, nach\nder Richtung dessen, was Hafner mit Wort und That\ndurch unerschrockenes Vorgehen auf der echten Künstler-\nbahn für das Höchste und Edelste in seinem Fache er-\nstrebte.\nAber nicht die Kunst allein beklagt den herben Ver-\nlust. Es trauert mit ihr die grosse Menge von Freunden,\nalt und jung, zu denen der Dahingeschiedene sich jeden\nmachte, der ihn näher kennen lernte. Nicht den Lehrer\nallein beweinen seine Schüler, mehr noch den Freund.\nSein grundbiederer Charakter war frei und fern von jedem\nArg und Falsch. Den abwesenden Freund vertheidigte er\nmit demselben rückhaltlosen Muthe, wie er den anwesen-\nden, wo es galt, angriff. Stets rührig und lebendig, über-\ntrug er diese Rührigkeit in Kunst und Leben auf seine\nganze Umgebung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.6", "texte": "Des Höchsten Wille setzte seiner unermüdlichen Thä-\ntigkeit ein schnelles Ziel. Zwei unmündige Waisen weinen\nihm nach mit seiner untröstlichen Gattin.\n\" 1 » f.jfvT U DJ! * ' '* ■ * \" /\nSei ihm die Erde leicht!\n\nAchtes Gesellchafts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 19. Februar 1861.\nProgramm, Erster Theil. Sinfonie Nr. 111. in D-moll\nvon Franz Lachner (zum ersten Male). 2. „Frühlingsbot-\nschaft\" von Gcibel, für Chor und Orchester componirt von Niels\nW. Gade. 3. Concert für Pianoforte und Orchester von Rob.\nSchumann (vorgetragen von Frau Clara Schumann).\nZweiter Theil. 4. Laudate Dominum für Sopran, Solo, Chor\nund Orchester von W. A. Mozart. 5. a. Notturno von F. Cho-\npin, b. Scherzo in As-dur von C. M. von Weber für Pianoforte\n(Frau Schumann). 6. „Gretchen atn Spinnrade* von F. Schu-\nbert, instrumentirt von F. Hiller, gesungen von Fräul. Emilie\nGenast. 7. Phantasie für Pianoforte, Soli, Chor und Orchester\nvon L# van Beethoven (Piano: Frau Schumann).\nVon der Sinfonie von F. Lachner erlangten die beiden letz-\nten Sätze einen mässigen Applaus, ein Beweis der Achtung, der\nmehr dem berühmten Namen des Componisten, als dem Werke galt,\ndessen Bekanntschaft wir an diesem Abende machten. Nur eine\nreiche Erfindungsgabe, welche die bedeutendsten Motive und Episo-\nden erzeugt, und im Bunde mit derselben ein ungewöhnliches Ta-\nlent, oder vielmehr geradezu Genie, in der Durchführung jener kann\neine Sinfonie, welche ohne Wiederholung der einzelnen Satztheile\ndrei volle Viertelstunden dauert, erträglich machen, d. h. den Zu-\nhörer in Spannung halten. Nun haben wir aber Beides in dieser Ar-\nbeit fast durchweg vermisst. Die Motive sind fast alle ziemlich ge-\nwöhnlich, und wenn sie auch im ersten Auftreten durch populären\nCharakter ansprechend und frisch erscheinen, so zeigen sie sich\ndoch auf die Länge durch die Wiederholungen und zwar klare und\nformgewandte, aber monotone Ausarbeitung oder vielmehr Ausdeh-\nnung und Breittretung als Elemente von sehr geringem Gehalt, die\nnicht die Kraft haben, dem Ganzen Lebensfälligkeit zu verleihen.\nDazu kommen Sonderbarkeiten, wie das Trio des Scherzo's, in wel-\nchem in offenbarer Nachahmung des figurirten Eintritts der Bässe\nin Beethoven's C'-woW-Sinfonie, dieselben Bässe hier ein Gerölle be-\nginnen, aus welchem bei dem kräftigsten Spiel der Ausführenden\ndennoch wegen des engen Intervallenraumes, in welchem sie sich\nweder auf- noch absteigend im Kreise tummeln, kein Mensch klug\nwerden kann. Fast nirgends erkennt man in dieser lang gezogenen\nSinfonie das reiche Talent des trefflichen Lieder-Componisten und\nden genialen Schwung des Tonsetzers der Preis-Sinfonie und der\ngrossartigen Finales der Oper Catharina Cornaro.\nGade's „Frühlingsbotschaft* war willkommen und erfrischend.\nEs ist dieser kleine Chor ein reizendes Idyll, dem wir es nicht zum\nVorwurf machen dass eine Violin-Figur, die eine täuschende\nAehnlichkeit mit einer von Spohr im ersten Satze der Weihe der\nTöne hat, fortwährend hineinspielt.\nFrau Clara Schumann spielte alles, was sie an diesem\nAbende vortrug, vortrefflich und mit feinem, reizend schönem Co-\nlorit. Den Vortrag des Concertes übereilte sie nirgend, was uns sehr\nfreute, da erst neuerlich wieder von Dresden und Wien sieh Stim-\nmen über ihre übertriebenen Tempi vernehmen Hessen. Nur ein ein-\nziges Mal liess sie sich hinreissen: das war in dem Schlüsse der\nIntroduction zur Phantasie von Beethoven, wo die Kraft und Bedeu-\ntung der wie von einem Felsen herabstürzenden Passagen der linken\nHand durch Ueberschnelle verloren ging. Dagegen war das Prestis-\nsimo in dem Scherzo aus Weber's As-dur-Sonate an seiner Stelle\nund wurde mit Kühnheit und Sicherheit glänzend durchgeführt.\nDas Laudate von Mozart fiel aus; ein Extrablättchen enthielt\ndie lakonisch-telegraphische Depesche: „Statt des Laudate wird\nFräulein E. Genast „Die junge Nonneu von F. Schubert vortragen.*\nUnd so geschah es* „Das Warum? wird offenbar\"* u s. w. S.\nMüllner's Schuld oder Werner's 24. Februar. Die Stimme der vor-\ntrefflichen Liedersängerin trug heute noch weniger weit, als sonst.\nDer Saal ist für solche Mittel viel zu gross» Besser gelang ihr das\n„Gretchen am Spinnrad\" von Schubert mit der schönen, romantisch\nduftigen Orchester-Begleitung von Hiller, das der Künstlerin denn\nauch reichlichen Applaus von Seiten der Freunde ihrer eigentüm-\nlichen Vortragsweise einbrachte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolfit« Die letzte Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft am 16. d. Mts. war sehr interessant durch die Solo-Vor-\nträge zweier fremden Künstler, des Herrn Seelmann (Violinisten),\nMitgliedes der königlichen Hofcapelle in Dresden, und des Herrn\nSeiss, Pianisten aus Leipzig. Herr Seelmann spielte das schöne\nConcert Nr. 7 von Spohr und eine Solo-Sonate von J. S. Bach;\nsein giösster Vorzug dürfte die Reinheit des Spiels neben sehr ge-\nwandter technischer Beherrschung der Schwierigkeiten sein, während\nsein Ton namentlich auf den beiden höheren Saiten noch zu wün-\nschen übrig lässt, wovon jedoch das Instrument einen Theil der\nSchuld zu tragen schien. Der Ausdruck war besonders im Adagio\nlobenswertb, wogegen wir bei den Figuren des letzten Satzes etwas\nmehr Schärfe der Accentuation und mehr Keckheit im Hinwerfen\nderselben gewünscht hätten.\nHerr Seiss, jüngerer Bruder des wackeren Violinisten in Bar-\nmen, spielte von C. M* von Weber nun, was? das unvermeid-\nliche Concertstück in F-mollt nein! sondern das Concert in Es-\ndur, was uns und allen Musikfreunden einmal wieder zu hören, und\nnoch dazu von einem Virtuosen unserer Zeit von 21 Jahren, eine\ngrosse Freude machte. Gleich nach dem ersten Solo brach der ganze\nSaal in einen rauschenden Applaus, der sich nach jedem Satze noch\nbedeutend steigerte, aus. Und mit vollem Recht. Herr Seiss bewäl-\ntigte nicht nur die grossen Schwierigkeiten des Werkes, unter ande-\nren die andauernden Passagen der linken Hand, die Terzen-Tonlei-\ntern der rechten u. s. w. u. s. w. mit eminenter Technik, Deutlich-\nkeit und Kraft, sondern er brachte die treffliche Composition auch\nüberall in ihrem inneren Wesen, in ihrem künstlerischen Gehalt\nti '\nauf höchst anerkennungswerthe Weise zu vollständiger Geltung.\nDem jugendlichen Virtuosen wird zweifelsohne, wenn er auf dieser\nBahn beharrt, eine bedeutende Zukunft werden, ohne dass er der\nZukunftsmusik und der Posaunen-Reclame ihrer Anhänger bedarf."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.7", "texte": "Königsberg« Ein trauriges Ereigniss unterbrach am Mitt-\nwoch den 6. Februar die Aufführung des Mendelssohn'schen „Elias'\ndurch die hiesige musicalische Akademie. Elias hatte das einlei-\ntende: „So wahr der Herr, der Gott Israels, lebet\", gesungen, die\nOuvertüre war ihrem Schlüsse nahe, als plötzlich der Dirigent, der\nMusik-Director H. Pätzold, mit seinem Pulte vorwärts nieder-\nstürzte und in Folge dieses unglücklichen Falles leblos zum Saale\nhinausgetragen werden musste. Leider gelang es den Bemühungen\nder anwesenden Aerzte nicht, den Unglücklichen ins Leben zurück-\nzurufen, welchem wahrscheinlich ein Schlaganfall ein so plötzliches\nund tiefergreifendes Ende bereitet hat.\nAm 19. Januar starb nach mehrwöchentlichen Leiden Dr. A.\nKeferstein, Pastor des Dorfes Wickerstädt in Thüringen. Der\nDahingeschiedene, ein genauer Musikkenner, war einer der ersten\nMitarbeiter an der von Rob. Schumann begründeten vNeuen Zeit-\nschrift für Musik*4, und sonst auch unter dem Namen K. Stein be-\nkannt und geachtet als Schriftsteller und Recensent auf musicali-\nschem Gebiete. Eine Novelle, „König Mys\", die auf stark phantasti-\nschem Grunde (in der Art T. A. Hoffmann's) eine Fülle trefflicher\nGedanken über Musik enthält und desshalb wieder einmal in Erin-\nnerung gebracht werden darf, ist namentlich hervorzuheben.\na. M. Das Abschieds-Concert der berühmten\nSchauspielerin Fanny Janauscheck (am 5. Februar) war wegen\nseiner Tendenz, seines gediegen ausgeführten Programms, wie des\ndarauf folgenden Bankets unstreitig das interessanteste während die-\nser Saison. Das Programm bestand in Chören des Liederkranzes:\n9An die Künstler\" Von Schiller und Mendelssohn, und „Morgendäm-\nmerung* von Heinrich Esser; in grösseren und kleineren Vorträgen\naus Euripides-Schiller's „Iphigenie in Aulisa, aus Göthe's „Tassou ;\naus classischen Gedichten, in welche Declamationen sich die Con-\ncertgeberin und Friedr. Devrient theilten. Den Sologesang vertraten\nFrau Kapp-Young von Wien (Arie der Vitellia und Lieder von\nKarl Göll in ick) und der Tenor Herr Gloggner (Gesänge von Men-\ndelssohn). Director Geliert leitete das Ganze und accompagnirte\nsämmtliche Musikstücke, Alle gebildeten Kreise waren in dem über-\nfüllten Concertsaale (Harmonie), bei dem Banket aber (Hotel de\nl 1 Union) nur die specielleren Freunde der Gefeierten, wobei auch\n„Damen in schönem Kranze44, reichlich vertreten. Dass sich dabei\nkein einziger frankfurter College fand, der ihr den silbernen Lorber\nreichte, war bedauerlich, wesshalb Devrient, von Wiesbaden berufen,\ndieses Ehrenamt übernahm; und dass es bei dieser Gelegenheit an\npikanten und demonstrativen Toasten nicht fehlte, brachte der Geist\ndes Festes mit sich.\nDie Sängerin Frau Kapp-Young von Wien hat in ihren Gast-\nrollen (Gräfin in Figaro's Hochzeit, Agathe, Alice) einen so achtungs-\nwerthen Erfolg gehabt, dass sich von vielen Seiten der Wunsch\nregte, sie hier als dramatische Sängerin engagirt zu sehen. Dieser\nWunsch ist jedoch nicht erfüllt worden; die Künstlerin ist einem\nKufe nach Hessen-Kassel gefolgt, an dessen Hoftheater sie als Lu-\ncrezia mit grossem Beifall aufgetreten ist.\nIn einem Privat-Concerte hörten wir neulich eine neue Compo-\nsition von J. C. Hauff: Quintett für Pianoforte, Oboe,\nClarinette, Horn und Fagott, Es gehört dieses Quintett, obgleich\nder Clavier-Partie in allen Sätzen Rechnung tragend, so dass der\nSpieler tüchtig zu thun hat, nicht zu den Werken, in denen Eine\nStimme vorherrscht, während die anderen nur als höfliche Begleiter\nerscheinen, sondern es ist ein durch seine Totalität wirksames TOll-\n- Die kunstvolle Verwebung der fünf gleichmässig beschäftigten\nStimmen, die gediegene Arbeit liess sich von dem Theoretiker er-\nwarten, aber dass dieser dabei auch das oft auf demselben lastende\nVorurtheil der Melodielosigkeit besiegte, das gibt seiner Composition\neinen besonderen Vorzug. Die auf speculative Effecte basirte mo-\ndernste Romantik werden die Anhänger dieser Schreibart freilich\nvermissen, denn Hauff bekennt sich offenbar zu der soliden Schule\nder älteren edlen Meister. Mit Einem Wörter wir haben es hier mit\neinem systematisch wohlgeordneten, logisch fortschreitenden und da-\nbei sehr ansprechenden, gefälligen Werke zu thun, für welches es\ngewiss kein Vorwurf ist, wenn wir den Componisten nicht gerade\nin die Reihe derer stellen, die, wie Sterne sagt, „auch aus dem Sand-\nsteine geniale Funken schlagen*4, Q.\nVon dem vortefflichen Sammelwerke, das Ca-\nnonicus Proske bei Pastet herausgibt, wird in den nächsten Tagen\ndie P ortsetzung des Selectus Missarum Novus erscheinen. Der vierte\nBand, welcher den ersten Jahrgang schliesst, ist ebenfalls in Angriff\ngenommen. Ueber das grossartige Unternehmen soll eine Broschüre\naus der Feder eines münchener Musikgelehrten erscheinen. Für\ndas Manuale breve Oantionum ac precuin Liturgicarum) den Aus-\nzug des grosseren, unter dem Titel: 9Enchiridion cliorale\", von dem\nverstorbenen Joh. Georg Mettenleiter bearbeiteten Werkes, ist\neine zweite Auflage nothwendig geworden, was für den Werth dieser\neben so oft gelobten als verkannten Arbeit spricht. Die Vollendung\nder Orgelbegleitung zu diesem Werke, welche beim Tode seines\nVerfassers bis zur fünften Section gediehen war, ist aus den Auf-\nzeichnungen des Verstorbenen nun vollendet und dürfte bald er-\nscheinen.\nIm achten Concerte der leipziger „Euterpe\" wurde eine Ballade\nvon Weissheimer aufgeführt, welche nach der Versicherung der\n„Signale® ausnehmend langweilig sein soll; noch langweiliger findet\ndasselbe Blatt eine „Frühlings-Phantasie\" von Bronsart, bei wel-\ncher das Publicum „opponirt44 haben soll.\nEine neue Ouvertüre zu „Alladin\" von C. Rein ecke hat im\nleipziger fünfzehnten Gewandhaus-Concerte sehr viel Beifall gefunden.\nUnter den Bewerbern der zum Frühjahr wieder zu erneuernden\nDirection des Stadttheaters in Leipzig werden auch der bekannte\nSchriftsteller Benedix und Herr Stürmer, langjähriges Mitglied\nder leipziger Bühne, genannt.\n✓\n!>s*eScSen. Die erste Oper, in welcher Frau Bürde-Ney nach\nihrer sehr ernsten Krankheit wieder die Bühne betrat, war Beetho-\nven's Fidelio. Dann folgten Tannhäuser, Die lustigen Weiber und\nan Mozart's Geburtstage Don Juan.\nWien. Herr Dr. Eduard Hanslick ist zum k. k. Ausser-\nordentlichen Professor der Geschichte und Aesthetik der Tonkunst\nan der wiener Universität, unbeschadet seiner Stellung als Ministe-\nrial-Coneipist im Staats-Ministerium, ernannt worden. Es ist das\nerste Mal, dass an einer österreichischen Universität die wissen-\nschaftliche Behandlung der Musik vertreten erscheint, während die\nGeschichte und Aesthetik der bildenden Künste seit Jahren gelehrt\nwerden. Man hat damit hier eingeführt, was längst an bedeutenden\ndeutschen Universitäten, wie Berlin, Bonn u. s. w., besteht. Hanslick\nwar der Erste, der sich an einer österreichischen Universität als\nPrivatdocent dieser Fächer babilitirt hat, und der Erste überhaupt,\nder die (einzig fruchtbare) Methode praktisch einführte, den Vortrag\ndurch musicalische Beispiele und Demonstrationen fortlaufend zu\nerläutern."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610223-01.1.8", "texte": "Wien. Was den „immensen Erfolg\" betrifft, von welchem das\nTausig-Liszt'sche Concert nach dem Berichte des Herrn Kulke in\nder Neuen Zeitschrift für Musik begleitet gewesen sein soll, so wird\ndieser schon durch den Umstand, dass ein so beträchtlicher Theil\ndes Publicums noch vor den „Idealen\" den Saal verliess, in ein\nzweifelhaftes Licht gestellt; dann ist vielleicht auch dem Bericht-\nerstatter nicht unbekannt, aus welchen Elementen dieses Publicum\nzusammengesetzt war; und zum Dritten endlich ist nicht einzusehen,\nwarum, wenn es ein Publicum gibt, welches für Verdi, oder ein an-\nderes, welches für Leopold Mayer begeistert ist, sich nicht auch\neines finden soll, welches sich für Liszt begeistert.\nStatt der beabsichtigten Verpachtung des deutschen Hof-\nOperntheaters in Wien ist abermals ein Director ernannt worden,\nund zwar in der Person des Herrn Matheo Salvi, von dem man\nin den musicalischen Kreisen weiter nichts weiss, als dass er früher\nGesanglehrer war (böse Zungen behaupten, er habe als solcher eine\nbeträchtliche Zahl von Stimmen auf dem Gewissen), dass er ein Ita-\nliäner ist und im vorigen Jahre eine italiänisclie Oper an der Wien\nsehr mangelhaft geleitet hat. Einem solchen Manne nun vertraut\ndas in Kunstsachen leider übel berathene k. k. Oberstkämmerer-Amt\ndie Führung des ersten deutschen Kunst-Instituts an! Zugleich stellt\nes ihm jedoch ein berathendes Comite an die Seite, und soll die-\nses vorläufig aus den Herren Capellmeistern Des soff und Esser,\ndann den Herren Dr. Ed. Hanslick und Dr. Leop. Sonnleit-\nner bestehen. Wir wären begierig, was dieses Comite dem neuen\nHerrn Director „rathen\" wird, wenn wir nicht wüssten, dass der\nRath derartiger Comite's meist wenig beachtet wird. Doch vederemo!\nGraf Laurencin schreibt in seiner „erklärenden Erläuterung\nund musicalisch-theoretischen Begründang der durch die neuesten\nKunstschöpfungen bewirkten Umgestaltung und Weiterbildung der\nHarmonik\", welche denkwürdige Abhandlung gegenwärtig als „ge-\nkrönte Preisschrift* in der „Neuen Zeitschrift für Musik\" abge-\ndruckt wird, unter Anderem Folgendes: „Es bleibe hier unentschie-\nden, ob Liszt, * angeregt durch Weitzmann's schon 1853 im Druck\nerschienene Broschüre, oder ob er freithätig in seiner bis jetzt noch\nhandschriftlichen Faust-Symphonie zu so umfassenden Experimenten\nmit dem übermässigen Dreiklang vermocht worden sei. Kurz, der\nerste Satz dieses in jeder Richtung gewaltigen Tonwerkes hat den\nübermässigen Dreiklang zu seiner entschiedensten Exposition, Ver-\nwicklung und fast möchte man sagen auch zu seiner Kata-\nstrophe.\"\nDer edle Graf schreibt ferner: „Wäre mir in jener unvergessli-\nchen Stunde des 7. Juni 1859, wo Liszt mir seinen ganzen „Fausttt\nam Ciavier zu verlebendigen so liebenswürdig gewesen, Weitzmann's\nBroschüre vorgelegen, so steht fürwahr die Wette, dass Ohr und\nAuge mir gewiss die meisten der dort nachgewiesenen Sehritte, wo\nnicht gar eine noch reichere Fülle derselben, vergegenwärtigt hätte.\"\n(Wir wünschen von Ilerzen Glück zu diesem ausgesuchten Raffine-\nment eines reflectirenden Kunstgenusses!)\nDer alte Roll, ehedem ein braver Schauspieler, dann Jahre lang\nTheater-Director in Baden, Oedenburg, Wiener-Neustadt, Innsbrack\nund anderen Orten, ist unlängst gestorben. Er war Vater einer\nzahlreichen Kinderschar, worunter die Tänzerin Fräulein Eveline\nHoll.\nA m ff o r d e r tt st g£.\nSophie Schröder begeht am 1. März d. J. ihren achtzig-\nsten Geburtstag. Als neunjähriges Mädchen hat sie ihre Bühnen-\nLaufbahn begonnen, schon damals die Aufmerksamkeit der Kritik\nin den „Schweriner Theater-Annalen\" beschäftigt, sie hat im\nNovember 1859 am Schiller-Feste noch einmal die Bühne betreten\nund durch die Gewalt ihres Vortrages hingerissen; wir haben also\neinen fast sie b en zig jährigen thätigen Antheil am deutschen Büh-\nnenleben vor uns und der ruhmvollsten Art. Es bedarf wohl nur\ndieser von Director Eduard Devrient ausgehenden Kund-\ngebung, die hoffentlich von allen bühnenfreundlichen Zeitungen ver-\nbreitet werden wird, um die gesammte Theaterwelt zu veranlassen,\nder berühmten Kunst-Veteranin Zeichen der Theilnahme und der\nVerehrung zu dem seltenen Festtage zu weihen.\n1$ e 11 t s c 1t e T o n 8t a 1 I e.\nSowohl um verfrühten Anfragen als etwaigen Missverständnissen\nzu begegnen, bemerken wir (wie in diesen Blättern vom October v.\nJ.) hier wiederholt, dass, sobald die wie natürlich ohne Zeitbestim-\nmung vorbehaltene Auswahl aus den 300 uns vorliegenden vater-\nländischen Gedichten getroffen und der bezügliche Preis ertheilt sein\nwird, wir dieses anzeigen werden, und der Verein zugleich den Preis\nfür die Composition dieser Auswahl besonders ausschreiben wird.\nMannheim, 5. Februar 1861. Der Vorstand."}]}