{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_sha256": "0071e49a40dc613648902ece6d587f42e67f6ab54ce100ec18285d013c3d857a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/03/09_01/bmtnabi_1861-03-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 352, "texte": "Inhalt.\nDie Kinder der Haide. Oper in vier Acten von A. Rubinstein. Von Ed. H. Musikfest in Barmen. Von L. B. Die\nOper „Faust\" von Gounod. Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, Tages- und Unterh altungsblatt (Essen\nConcerte Berlin, Gastspiele im Opernhause Mainz, Theater Hannover, August Kömpel Alfred Jaell Offenbach Deutsche\nTonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "76", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.2.2", "titre_corps": "„Die Kinder der Haide.“", "titre_sommaire": "„Die Kinder der Haide.“", "signature_source": "Ed. 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Zum letz-\nten Male sei er gekommen, um ein Verhältnis» zu lösen,\ndas ihn längst dem Hohne der Seinigen Preis gegeben.\nVon Wanja gedemüthigt und Verstössen, verräth ihm trotz-\ndem Isbrana mit Gefahr ihres Lebens den eben erlausch-\nten Plan einiger Zigeuner, sein Ross zu stehlen und in das\nHaus des Wirthes Conrad einzubrechen. Wanja, von dem\nEdelsinn der armen Zigeunerin tief bewegt, schwört ihr\nnun neuerdings ewige Treue und eilt, den Plan der Rotte\nzu vereiteln. Mit Hülfe zahlreicher Hirten, die sein Horn\nzusammenruft, vertreibt er die Zigeuner aus dem Hofe\nConrad's und trägt dessen ohnmächtige Tochter Marie auf\nseinen Armen ins Freie. Der Dankbare trägt ihm seiner\nTochter Hand und die Hälfte seines Besitzthums an. Wanja\nlühlt sich von dem Anblicke der reizenden Maria so mäch-\ntig hingerissen, dass wir ans der Schlussgruppe unschwer\neine baldige Hochzeitsfeier prophezeien können.\nIn der That beginnt der zweite Act mit festlichen Vor-\nbereitungen zur Vermählung Maria's. Die blonde deutsche\nWirthstochter sieht aber nicht vergnügt darein; nährt sie\ndoch heimlich eine ideale Liebe zu dem jungen Guts-\nbesitzer, der sie einmal einiger zärtlichen Worte gewürdigt.\nKaum sind die jungen Leute aus der Kirche zurückge-\nkehrt, kaum hat die schwer gekränkte Isbrana selbst ihnen\ndas Ilochzeitslied singen müssen, als Graf Wladimir in\nder Mitte der Hochzeitsgäste erscheint. Er benutzt einen\nunbewachten Augenblick, mit leidenschaftlichem Geständ-\nnisse in Marien zu dringen. Der vom Weine erhitzte\nWanja wagt es, drohend zwischen sie zu treten, ein Ver-\nbrechen, für das er freilich sofort auf den Knieen um Ver-\ngebung bittet. Der Graf verzeiht nicht ungern, um desto\nsicherer den armen Burschen bis zur Bewussllosigkeit be-\nrauscht und ihn Marien vergessen zu machen.\nAuf nacktem Boden vor seiner Hütte schlafend, fin-\nden wir Wanja beim Beginne des dritten Actes wieder.\nDie treue Zigeunerin wacht bei ihm. Ermuntert, stösst er\nsie von sich und schilt sie ob ihrer bedeutungsvollen War-\nnung vor dem Grafen. Dieser hat indess ein Briefchen an\nMaria abgesandt, mit dem Plane einer ungestörten Zu-\nsammenkunft. Ein verschmitzter Zigeuner, Gregor, über-\nbringt den Brief, den ihm jedoch Isbrana ablistet, um den\nbedrohten Wanja vor Schmach zu retten. Durch das\nFlehen der jungen Frau gerührt, verheimlicht sie jedoch\nim entscheidenden Augenblicke die bedenkliche Stelle des\nBriefes. Die Arme muss eilen, den Peitschenhieben Wan-\nja's zu entkommen. Kaum ist Maria allein, so erscheint\nder Graf und empfängt bald das Geständniss ihrer Gegen-\nliebe. Den Arm um Marien schlingend, zieht er sie halb\ngewaltsam fort, als eben Wanja unvermuthet zurückkehrt.\nWüthend stürzt er sich auf den Grafen; dieser zückt den\nSäbel, wird aber entwaffnet und fällt unter Wanja's rä-\nchendem Streiche. Und nun folgt die erschütternde (dem\n„Janko\" getreu nachgebildete) Scene, wo der Mörder mit\nblutiger Waffe vor die furchtsam starrende Menge tritt;\n„Hört und lasst euch sagen: Ich hab' den Herrn erschla-\ngen!\" Da ermannt sich die unlerthänige Schar, den Mord\ndes Gutsherrn zu rächen. Man versucht, Wanja zu fesseln\nund auszuliefern; da ruft ein Signal der treuen Isbrana die\nnahen Zigeuner zu Hülfe. Nach kurzem Kampfe mit den\nBauern befreien sie Wanja und ziehen ihn triumphirend\nmit sich fort. Damit schliesst der dritte Act."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5363, "texte": "Der Rosshirt ist indess Anführer seiner Befreier, er\nist Bäuberhauptmann geworden. An der Seite Isbrana's\nbeherrscht er die braunen „Kinder der Haide\", ein\nSchrecken der Landleute und der Reisenden. Unter den\nletzteren findet er eines Tages unerwartete Bekannte. Die\nZigeuner bringen den alten Conrad und dessen wahnsinnig\ngewordene Tochter herbeigeschleppt. Wanja sinkt reuig\nvor Marien nieder, die ihn aber nicht erkennt. Indem er\nVater und Tochter frei von dannen ziehen lässt, reizt er\ndie Zigeuner gegen sich zur Empörung auf. Aber auch\nIsbrana, im Tiefsten verletzt durch Wanja's wiedererwa-\nchende Liebe zu Marien, wendet sich rachgierig gegen\nihn. Auf ihr Zeichen sieht sich Wanja von Häschern um-\nzingelt und gefangen. Isbrana, ob ihrer eigenen That ent-\nsetzt, gibt sich selbst den Tod.\nSchon aus diesem gedrängten Auszuge dürfte man\nentnehmen, dass das Buch geschickt und mit poetischem\nSinne angelegt ist, im dritten Acte sogar einen nicht ge-\nwöhnlichen dramatischen Höhepunkt erreicht. Der vierte\nAct jedoch leimt an das Vorhergegangene einen eben so\nunklaren als willkürlichen Abschluss. Ist überhaupt die\nvieractige Form für die Oper die allerungünstigste, so wird\nsie geradezu verderblich, wo der Schlussact, der die Kraft\nund Bedeutung der Oper auf die Spitze stellen soll, matt\nabfällt.\nWenn Isbrana, nachdem sie drei Acte lang sich auf\ndas grossherzigste für den Geliebten geopfert, ihn im vier-\nten einfach den Gensd'armen ausliefert, so ist dies eben so\nunmotivirt und unpoetisch, als es das Wiedererscheinen\nder wahnsinnigen Maria, als es der ganze Ausgang Wan-\nja's ist. Die eigentlich dramatischen Motive sind zwar auch\nin den ersten drei Acten nicht besonders reich oder neu,\nallein sie greifen natürlich und mit wirksamer Steigerung\nin einander und krystallisiren sich in glücklich gedachten,\necht musicalischen Situationen. Beck's „Janko\", dieses\nfarbenglühende, lyrisch-epische Gedicht, hat seinen Schwer-\npunkt offenbar nicht in der fortreissenden Gewalt des Ge-\nschehens.\nZu dürftig für ein erschien der Stoff doch\nvielfach günstig für die Oper, denn diese theilt mit dem\nepischen Gedichte die Forderung einer ruhigen, stimmungs-\nvollen Ausbreitung des Zuständlichen und Schildernden.\nMosenthal-—den wir wohl der Hauptsache nach\nfür den Verfasser der drei ersten Acte halten dürfen\nhat dies richtig erkannt und dem Tondichter sowohl durch\nden unvergreifbaren Gegensatz der vier Haupt-Charaktere\nals durch die nationalen Schilderungen des Zigeunerlebens,\ndes Hochzeitfestes u. s. w. trefflich in die Hände gearbei-\ntet. Der eigentliche Held des Stückes ist Isbrana; weit ge-\nringere Bedeutung hat uns der ursprüngliche Titel-Held\nWanja. Er verwirrt uns durch sein fortwährendes Schwan-\nken zwischen Isbrana und Maria, und verletzt durch die\nsclavische Bestialität, mit der er nach einander vor dem\nGutsherrn sich in den Staub wirft und gegen die schutz-\nlose Zigeunerin die Peitsche schwingt. Ohne Zweifel ein\necht russischer Zug; allein in der idealen Sphäre, welcher\ndie Oper nun einmal angehört, und so weit angehören\nmuss, als sie eine eingehend dramatische Motivirung nicht\nzulässt, wirkt er verstimmend. Graf Wladimir hätte etwas\ntiefer in die Handlung eingreifen sollen, er würde dann\nweniger den Eindruck einer allgemeinen Theater-Figur\nmachen. Hingegen sind die beiden Frauen-Rollen glück-\nlich charakterisirt und bieten in ihrem Contrasie der mu-\nsicalischen Behandlung ein fruchtbares; Feld.\nEin negatives Lob des Textbuches, welches zugleich\nden Componisten ehrt, ist, dass es nirgends auf äusseren\nPrunk abzielt. Man weiss, wie heutzutage die meisten\nOperntexle zusammengestellt werden. Das Erste ist die\nBücksicht auf Costume, Decoraiionen, Aufzüge u. dgl.;\nman wählt ritterliche oder orientalische Trachten, blin-\nkende Rüstungen, prachtvolle Gewänder. Nächst diesem\nAufputze sorgt man für die beliebtesten Musikformen:\nMarsch, Trinklied, Preghiera. Die eigentliche Handlung\nwird ganz nebenher diesen Voraussetzungen auf den Leib\nzugeschnitten. Von derlei äusserlichen Bücksichten weiss\ndas Buch zu den „Kindern der Haide\" so gut wie nichts;\nes zeigt überall das Streben, dramatische Charaktere und\nConflicle zu schaffen. Wir können nur bedauern, dass\nRubinstein an dem ursprünglichen Textbuche „Janko\"\ntheils auf eigene Faust, theils durch verschiedene Unbe-\nrufene die unpassendsten Aenderungen vornahm. Er wollte\nAnfangs sogar die (in Ungarn spielende) Handlung nach\nMexico verlegen! Als ihm der Dichter die Unmög-\nlichkeit dieses Begehrens vorstellte, einigte man sich end-\nlich dahin, die Handlung nach Südrussland zu versetzen,\nwo der Componist sich am heimischsten fühlte. Rubinslein\nscheint also ursprünglich seine stärkste Seite verkannt und\nnicht geahnt zu haben, welchem Elemente seine Musik den\ngrössten und verdientesten Theil des Erfolges verdanken\nwerde.\nDieses Element ist die nationale Färbung. Was sich\nbei den Hörern der Rubinstein'schen Oper zuerst zum\ngünstigen Eindruck sammelt, ist die frische Localfarbe.\nWie die Lieder Rubinslein's ihren vorzüglichsten Reiz den\nAnklängen an slawische und orientalische Gesangsweisen\nverdanken, so schöpft auch seine Oper die erfrischendsten\nZüge aus dem „Quickborn\" der Volksmusik. Alle Num-\nmern der „Kinder der Haide\", welche an slawische Volks-\nlieder wirkliche oder nachgebildete anklingen, sind\nfrisch, ausdrucksvoll, dabei immer auch von übersichtlicher"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5585, "texte": "Form. Sie drängen sich fast ausschliesslich in die beiden\nersten Acte zusammen, deren ungleich günstigere Auf-\nnahme wir grösstentheils diesem Umstände zuschreiben.\nGleich das erste Duett gehört zu den besten Num-\nmern; aus den Worten: „Dann heisst's wandern, wie die\nAndern\", singt melodisch der weiche, leichte Trübsinn des\nrussischen Volksliedes. Noch dramatischer und geistreicher\nist in der folgenden Nummer die Verwendung der Volks-\nmelodie, welche Ishrana vor sich hinsingt, um die Auf-\nmerksamkeit der Zigeuner abzulenken („Ein Rösslein, ein\nfeuriges, fliegt durch die Nacht\").\nAus diesem Motiv entwickelt der Componist auch sehr\ngeschickt das Terzett der Zigeuner, das freilich dem\nmoll-Satze aus der Verschwörungs-Scene der „Hugenot-\nten\" auffallend ähnlich wird. Im zweiten Acte erscheint\ndas nationale Element noch viel reicher und selbstständi-\nger. Da ist zuerst das originelle Chorlied der Brautjungfern:\n„Was wünscht zuerst eine junge Braut?\" das schon durch\nseine „sokratische Methode\" einen neckischen Anflug von\nHumor mitbringt. Dann das bei aller Wildheit so anmu-\nthige Tanzlied der Zigeuner. Die von den Tenorstimmen\nchromatisch herabgeschleifte walzerartige Melodie bekommt\neine berauschende Kraft durch die gerissenen Accorde von\nsechs Guitarren und das Geschüttel des Tambourins. Zwi-\nschen die Abschnitte des wilden Zigeunerchors flechten\nsich die anmuthigen Strophen eines von einer Altstimme\ngesungenen Hochzeitliedes. Ein „Hochzeitlied\" ganz an-\nderer Art ist die hierauf folgende Romanze Isbrana's,\ngleichfalls von Guitarren und Tambourins begleitet und von\nkurzen, köstlich naturalistischen Zwischensätzchen des Chors\nunterbrochen, welcher hier, bloss den Rhythmus wieder-\nholend, nicht viel mehr als ein singendes Tambourin sein\nwill. Das Lied selbst („Zdenko durch die Haide strich\")\nmit seinem tief leidenschaftlichen Tone und der echt volks-\ntümlichen Behandlung gilt uns als das bedeutendste Mu-\nsikstück in der Oper. Ein überraschend genialer Zug ist\nder Schluss des Liedes, wo die gefolterte, nicht länger ver-\nstellungsmächtige Isbrana nach den Worten: „Tanzet, sin-\nget, trinket!\" in den Ausruf: „Ach, ich Arme!\" ausbricht.\nDieses tief schmerzliche, heftige Aufzucken, welches nach\neinem kühnen Einsetzen der None (gis) sich klagend in den\nA-dur-Dreiklang herabsenkt, überströmt das durchaus in\nMoll gehende Stück wie mit einem plötzlichen Feuerschein.\nWir haben diese farbenglühenden Musikstücke, deren\njedes für sich ein intensives musicalisches Talent und nicht\ngewöhnlichen dramatischen Sinn bezeugt, als die blendende\nSeite der neuen Oper zuerst hervorgehoben. Mit ihrer Auf-\nzählung ist leider der angenehmere Theil unserer Aufgabe\nvorüber. Man sollte nach diesen glänzenden Proben glau-\nben, dass Rubinstein's Musik an dramatischer Kraft\ngleichen Schritt mit der Bedeutsamkeit der Situationen\nhalten werde. Dies trifft aber nicht zu, der Componist\nwächst keineswegs „mit seinen grössern Zwecken\". Wo\ndas volkstümliche Genrebild ein Ende hat und das eigent-\nliche Drama beginnt, sehen wir seine Kraft erlahmen.\nZwei auffallende Erscheinungen sind es vorzüglich, die für\ndiese Behauptung sprechen: Rubinstein's Behandlung der\nLiebesscenen und der Finales. In den ersteren, sollte man\nvermuthen, wird der Componist die ganze Tiefe und Zart-\nheit seiner Empfindung, in den letzteren die höchste, zur\nsammenfassende Kraft dramatischer Beherrschung äussern.\nBei Rubinstein trügen beide Vermuthungen. Die zärt-\nlichen Scenen sind theils auffallend kühl und matt, theils\nmerklich gezwungen. Sobald Rubinstein es nicht mehr mit\nRussen oder Zigeunern, sondern einfach mit Menschen\nzu thun hat, die still an dem Geheimnisse ihres Herzens\ntragen, fehlt seiner Musik das erlösende letzte Wort. Schon\ndem ersten Duett zwischen Wanja und der Zigeunerin\nmangelt die innere Lebenswärme, die durch einige hohe\nBrusttöne und heftige Geigen-Figuren nicht ersetzt wird,\nAuch die Liebes-Duette zwischen dem Grafen und Maria\nsind matt, kühl, äusserlich. Wenn noch in dem ersten der-\nselben (in F-cliir) die Melodie: „Dachtest du meiner\", eine\netwas weichliche Empfindung athmet, so bleibt das Duett\nder Liebenden im dritten Acte, das auf gewaltigen Schwin-\ngen der Leidenschaft emporstürmen sollte, vollends auf\ndem Sand der Phrase sitzen. In den beiden Monodieen\nMaria's („Arien\" kann man sie nicht nennen) bemüht sich\nder Componist sichtlich, die poetische Stimmung des Ge-\ndichtes treu nachzufühlen; allein das kaum Angeknüpfte\nwird so oft wieder abgerissen, das augenblicklich Empfun-\ndene so absichtsvoll weiter gekünstelt, dass der Hörer zu\neiner ruhigen, gesammelten Stimmung nicht gelangt. Wie\nin der Rolle des Grafen, so fliesst auch in jener Wanja's\nund Conrad's der melodische Quell sehr spärlich, so dass\nwir selbst kurze und wenig bedeutende Cantilenen dersel-\nben („Ich weiss, dein Herz ist frei von Sünd'\", „Mit mir\nzieh'st du dahin\" u. a.) dankbar und beifällig aufnehmen.\nMan könnte hieraus schliessen, dass etwa nur die Be-\ntonung des Zarten, Empfindsamen nicht Rubinstein's Stärke\nsei, und diese entschieden nach der Seite des Energischen\nliege. Allein die Art, wie er gerade die dramatischen Höhe-\npunkte, das thätige Eingreifen der Massen behandelt, die\nFinales nämlich, gestattet diese Auslegung nicht. Wir\nhaben in seinen Finalsätzen nicht viel mehr als die unge-\nordnete, stossweise Bewegung roher Massen gefunden.\nWie dankbar für den Componisten ist z. B. der dritte\nActschluss, wo Bauern und Zigeuner gegen einander stür-\nmen, bis endlich die letzteren Wanja befreien. Und was\nhat Rubinstein Anderes daraus gemacht, als ein wüstes\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3442, "texte": "Durcheinandertoben! Die Chöre der Zigeuner, mit Aus-\nnahme des Hochzeitschors, sind roh und wild, nicht im\nSinne ästhetischer Charakteristik, sondern in musicali-\nschem. Wie gequält und zerrissen ist der Chor der ein-\nbrechenden Zigeuner: „Rasch ans Werk!\" (Dabei kom-\nmen sie natürlich nicht vom Fleck.) Wie stimmungslos\nund geradezu hässlich die Einleitung des vierten Actes mit\ndem Trinklied! Von den grösseren Ensembles hat Rubin-\nstein nur das Quartett mit Chor in „Was fasst\nmich an\", übersichtlich und wahrhaft wirksam behandelt.\nSonst sahen wir gerade in den Nummern, wo Uubinstein\nalle Mittel der Charakteristik und der äusseren Tonstärke\nhäuft, den Effect ausbleiben. Wenn Richard Wagner\nden „Effect\" als „Wirkung ohne Ursache\" definirt,\nso leiden die „Kinder der Haide\" eher an „vielerlei Ur-\nsachen ohne Wirkung\". Im dritten Acte hat uns nur Eine\nNummer befriedigt: das sehr geistreich gedachte Brief-\nTtrzett. Ganz trostlos, auch in rein musicalischer Hinsicht,\nist der Schlussact; eine einzige kleine Perle glänzt darin:\nIsbrana's hochdramatischer Ausruf: „Wer ist's, die ins\nElend dich gebracht? sie!\"\nAusser den Uebelsländen der Erfindung und der mu-\nsicalischen Form, welche oft zerfahren, unübersichtlich und\ndurch häufigen Tactwechsel zerstückt erscheint, schadet\neine unzweckmässige Instrumentirung der Wirkung unse-\nrer Novität. Die Begleitung des Gesanges ist zum Theil\ndumpf und ausdruckslos, indem sie vorwiegend den tiefe-\nren Lagen der Streich-Instrumente ohne genügende Licht-\nwirkung von Seiten der Bläser anvertraut ist; zum Theil\ndeckt sie die Singstimmen durch übermässige, unruhige\nFiguration.\nAlanchen interessanten Zug der Oper hätten wir noch\ngern hervorgehoben, manche Bemerkung gern hinzugefügt\n—, unser Bericht ist aber zu weit vorgeschritten, als dass\nwir, für heute wenigstens, uns länger vertiefen dürften.\nFür die Frage, wie ein intensives Talent wie Rubin-\nstein eine Oper schreiben konnte, die neben so glänzen-\nden Musikstücken, wie die Anfangs erwähnten, so viel Un-\nbedeutendes, ja, Verkehrtes und Lästiges mitschleppt, wüss-\nten wir nur Eine individuelle Lösung. Sie liegt in der über-\nstürzten, kritiklosen Productivität Rubinstein's. Hätte er\ndie „Kinder der Haide\" mit jener überlegenden Ruhe ge-\nschrieben, die nicht alles, was unter die Feder kommt,\ngleich niederschreibt und stehen lässt, hätte er an der Oper\nzwei Jahre gearbeitet und sie zwei weitere Jahre liegen lassen,\nanstatt das Ganze in einigen Sommermonaten hinzuwerfen,\nund es abzugeben, ehe noch die letzte Seite trocken war:\nwir sind überzeugt, sein Werk hätte in der modernen Opern-\nLiteratur einen Platz eingenommen, wie wir ihn den frühge-\nborenen „Kindern der Haide\" unmöglich vindiciren könnpn.\nDie Aufführung der neuen Oper gehörte zu den ge-\nlungensten des Mol-Operntheaters. Frau Csillag spielte\nund sang die ihrer künstlerischen Individualität so ganz\nzusagende Rolle der Isbrana mit bewunderungswürdiger\nKraft und Ausdauer. Herr Ander fand in dem Charakter\ndes YVanja eher ein widerstrebendes Problem; es gereicht\nihm darum zu besonderem Lobe, dass er als Sänger und\n7 o\nSchauspieler ganz Vortreffliches leistete. Die Fräulein\nKrauss und Weiss, die Herren Walter, Mayerho-\nler, Roch, Lay und Hrabanek reihten sich den Ge-\nnannten verdienstlich an. Ein besonderes Verdienst um die\nexacte Aufführung hat Herr Capelhneister Dessoff, der\ndie äusserst schwierige Novität mit aufopferndem Eifer ein-\nstudirt hatte.\n\nEd. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "76", "page_fin": "77", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.2.3", "titre_corps": "Musikfest in Barmen.", "titre_sommaire": "Musikfest in Barmen.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.4", "debut_caractere": 3444, "fin_caractere_exclue": 5159, "texte": "Musikfest in Barmen.\nDen 25. und 26. Februar 1861.\n\nDer Sinn für die Tonkunst hat sich seit den letzten\nzehn Jahren iin Wupperthale auf sehr erfreuliche Weise\ngesteigert. Elberfeld hat im vorigen Jahre bei dem Wie-\nderaufbau des Casinogebäudes auf einen geräumigen Con-\ncertsaal Rücksicht genommen, der durch ein zweitägiges\nMusikfest eingeweiht wurde, und Barmen hat an den\noben genannten Tagen dieses Jahres einen prächtigen Con-\ncertsaal eröffnet, der durch den Umbau des Gebäudes der\nGesellschaft Concordia entstanden ist und der Stadt zur\ngrossen Zierde gereicht.\nDieser Saal ist mit einem Aufwände von mehr als\n40,000 Thalern, welche der Gesellschafts-Casse nur zu\nzwei Procent Zinsen und einem Procent Amortisation durch\nZeichnungen und gleichzeitige Erhöhung der Gesellschafts-\nBeiträge überwiesen worden sind, erbaut, und als bedeu-\ntendste Zierde desselben prangt im Hintergründe eine Or-\ngel von vierundvierzig Stimmen, drei Manualen und Pe-\ndal, aus der berühmten Werkstatt der Herren Ad. Ibach\nSöhne in Barmen, ein vortreffliches Werk, das allein\nsechs Tausend Thaler kostet, welche eine freiwillige Gabe\nkunstsinniger Einwohner der Stadt sind. Wo die Liebe\nzur Tonkunst so reichliche äussere Mittel zu ihrem Ge-\ndeihen spendet, da herrscht auch jedenfalls die Ueberzeu-\ngung, dass die Anregungen der Musik auf Herz und Ge-\nmülh zu den wirksamsten Eörderungsmilteln der Erziehung\nund Bildung und jener sittlichen Veredlung des Menschen\ngehören, welche, auf dem Geiste und der Wahrheit des\nChristenthums beruhend, über dem starren Glauben an\nden Buchstaben nicht die Liebe zum Nächsten und die\nFreude an Gottes Schöpfung und an den Idealen, durch die\nuns die Kunst über die Alltagswelt erhebt, vergisst."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5274, "texte": "Der neue Saal ist auf die Länge von 103 Fuss 46\nFuss breit und 35 Fuss hoch; im antiken Baustyl sehr ge-\nschmackvoll gebaut, macht er bei glänzender Beleuchtung\ndurch vierzig Sterne von je acht Gasflammen, die von der\nDecke an vergoldeten Stangen herab hangen, gleich beim\nEintritt einen überraschenden Eindruck. Wäre er 10 bis\n12 Fuss länger, so dürfte er ohne Zweifel für einen der\nschönsten Concertsäle Deutschlands anerkannt werden. Es\nist jedoch Baum zu einer solchen Verlängerung in der Zu-\nkunft vorhanden, und bei den ganz ausgezeichneten\nakustischen Verhältnissen hört man in dem damit verbun-\ndenen Voi saale fast eben so gut, als in dem Hauptsaale.\nIn der Mitte der Langwand (der Fensterseitc gegenüber)\nsteht in einer Nische das kolossale Brustbild des Königs\no\nauf einer marmornen Säule, zu beiden Seiten zwei eilf\nFuss hohe Spiegel in Goldrahmen, das Geschenk eines in\nFrankreich wohnenden, in Barmen geborenen Kunst-\nfreundes.\nIn d er hinteren Querwand nimmt die Orgel zwischen\nzwei korinthischen Säulen die Mitte ein; fünf Karyatiden\ntragen den Architrav, und zwischen jenen stehen vierzig\nPrincipalpfeifen von englischem Zinn im Prospect. Der\nOrgel gegenüber, oberhalb der drei Eingänge des Saales,\nbefindet sich eine, jedoch nur vier bis fünf Fuss vorsprin-\ngende Galerie.\nDas Concert am Samstag den 23. Februar begann\nmit Beethoven's Ouvertüre: „Zur Weihe des Hauses\",\nOp. 124, deren Aufführung sogleich die Klangfülle offen-\nbarte, die nachher bei den Chören und bei jeder einz'el-\nnen Gesang- und Instrumental-Leistung immer wunder-\nbarer hervortrat. Die Ausführung war präcis und schwung-\nvoll, das Geigen-Quartett sehr brav, die Blas-Instrumente\nzum Iheil (z. B. Oboe, Trompete) vorzüglich, allein im\nGanzen doch die schwache oder vielmehr die zu starke\nSeite der Capelle.\nNach der Ouvertüre sprach Herr C. Siebe), der sich\ndurch seine Dichtungen einen Namen in der zeitgenössi-\nschen poetischen Literatur erworben hat, einen Prolog, in\nwelchem er die fünf Priester des deutschen Musentempels:\nBach, Händel, Haydn, Mozart und Beethoven, vorführte\nund über die Bestimmung des neuen Saales recht schöne\nWorte sagte.\nHändel's Messias, zum ersten Male in Deutschland\nmit Orchester und Orgelbegleitung in einem Concertsaale\naulgelührt, wurde fast in der ganzen Vollständigkeit der\nPartitur mit Weglassung von nur wenigen Nummern\ngegeben. Dennoch blieb die Theilnahme des Publicums\nbis zum Ende in vollem Maasse gespannt. Gleich der erste\nChor in A-dur:„Denn die Herrlichkeit Gottes\", erregte\ndurch die mächtige, von der akustischen Architektur des\nSaales wunderbar zusammengehaltene und verstärkte Klang-\nlülle einen unwillkürlichen Ausbruch des lautesten Bei-\nfalls. Aber dieser Beifall galt auch zugleich der Präcision\nder Ausführung, der Sicherheit und Festigkeit der Ein-\nsalze, der sichtbaren Freude am Gesänge, die den Chor\n(Singverein und Liedertafel von Barmen und Singverein\naus Elberfeld) belebte und von Anfang bis zu Ende der\nganzen Aufführung sich gleich blieb. Herr Krause leitete\ndas Ganze mit Ruhe und Sicherheit, und hatte die Genug-\nthuung, in der gelungenen Aulliihrung des grössten Mei-\nsterwerkes der deutschen Tonkunst den Lohn seiner künst-\nlerischen Bestrebungen zu ärnten, der ihm um so bereit-\nwilliger durch den Beifall aller Kenner zuerkannt wurde,\nje anspruchsloser und bescheidener er ihn durchaus nicht\nzu suchen schien.\nHerr Karl Schneider aus Wiesbaden war wieder\neinmal ganz das, wozu ihn die Natur und sein Fleiss ge-\nmacht haben, ein vollendeter Oratoriensänger. Wir dürfen\naber nicht unterlassen, zu bemerken, dass sowohl ihm, als\nallen Solisten, die oft erwähnten akustischen Vorzüge des\nSaales ihre Aufgabe ausserordentlich erleichterten. Eben\nso classisch waren die Leistungen des Fräuleins Fran-\ncisca Schreck aus Bonn. Auch Herr Schiffer aus Köln\nsang die Bass-Partie befriedigend. Die Sopran-Partie war\ndem Fräulein Marie Büschgens aus Crefeld anvertraut;\nfür eine junge Sängerin, die erst vor Kurzem ihre Studien\nin Leipzig beendigt hat, lös'te sie ihre schwierige Aufgabe\nauf anerkennungswerthe Weise. Sie ist im Besitz einer\nschönen, volltönigen Sopranstimme und wird bei fortge-\nsetztem Fleiss unter guter Leitung, deren sie für Ausdruck\nund Aussprache noch sehr bedarf, eine gute Sängerin wer-\nden. Sie erhielt mehrfach recht lebhaften Beifall.\nDas Concert am Sonntag den 24. Februar brachte\nBeethoven's Lconoren-Ouverture und C. M. von Wre-\nber's Jubel-Ouverture. Dazwischen Vorträge der genann-\nten Solisten. Die talentvollen Gebrüder Seiss, von denen\nder ältere (Franz), ein sehr braver Violinist, schon seit\nlängerer Zeit in Barmen wohnt, der jüngere (Isidor),\nPianist, seinen ersten Künstler-Ausflug an den Rhein ge-\nmacht und sich durch sein Spiel in der musicalischen Ge-\nsellschaft in Köln ganz vorzüglich empfohlen hatte (vergl.\nNiederrh. Musik-Zeitung Nr. 8), vertraten die Instrumen-\ntal-Vorträge. Ersterer spielte das Concert von Mendelssohn\n(nachgerade wird es Zeit, dass die Violinisten sich erinnern,\ndass es noch andere Concerte gibt!) mit vorzüglicher Tech-\nnik; sein jüngerer Bruder trug das Concert in Es-dur von\nC. M. v. Weber vor und ärntete durch glänzende Bravour und\nkünstlerischen Vortrag, der leider nicht zum besten durch das\nOrchester unterstützt wurde, rauschenden Applaus.\n\nL.B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "78", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.2.4", "titre_corps": "Die Oper „Faust“ von Gounod.", "titre_sommaire": "Die Oper „Faust“ von Gounod.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1838, "texte": "Die Oper „Faust“ von Gounod.\nUeber diese am 10. Februar auf der darmstädter\nHofbühne zuerst aufgeführte Oper des französischen Com-\nponisten geht uns ferner von einem Freunde ein kurzer\nBericht zu, der aus der Feder eines dortigen Renners ge-\nflossen. Der Mann schreibt: „Mit ganz besonderem Ver-\ngnügen gebe ich Ihnen Nachricht über die gestern zum\nersten Male in Scene gegangene Oper Faust. Ich gestehe\noffen, seit vielen Jahren im Gebiete der Oper keine Novi-\ntät gehört zu haben, welche mich in der Weise angespro-\nchen, wie dieser Faust. Die Göthe'sche Dichtung, recht\ngeschickt bearbeitet, ward mit einer ihr entsprechenden\nund ebenbürtigen Musik ausgestattet, welche von einem\nsehr bedeutenden Talente ihres Schöpfers Zeugniss ablegt.\nBesonders ist es der dritte Act, der wahrhaft hinreissend\nwirkt nicht etwa durch blendenden musicalischen Auf-\nputz oder gar Effecthascherei nein, sondern durch den\nAdel seiner Melodieen, so wie durch den wahrhaft poeti-\nschen Geist, der ihn durchweht. Die anderen vier Acte\nsind geringeren Gehaltes, können aber doch einen Ver-\ngleich mit einer Meyerbeer'schen Oper sehr zu ihren Gun-\nsten aushalten. Diese Oper wird ihren Weg durch Deutsch-\nland bald gemacht haben. Die Aufführung anlangend, vor-\nnehmlich in Bezug auf die Leistung der Sänger, war das\nMeiste nur mittelmässig. Der grossen Aufgabe gewachsen\nwaren nur Fräulein Schmidt (Gretchen) und Herr\nBecker (Faust). Diese Beiden leisteten Ausgezeichnetes.\nCapellmeister Schindelmeisser hat sich mit dem Werke\ngrosse Mühe gegeben und um dessen äusserst beifällige\nAufnahme sich sehr verdient gemacht.—Zur zweiten Auf-\nführung dieser Oper am 17. Februar war der Compo-\nnist persönlich erschienen, und soll er sich über die Sceni-\nrung, die Leistung der oben genannten Darsteller, insbe-\nsondere über das Orchester lobend ausgesprochen haben.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "80", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.2.5", "titre_corps": "Neuntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Neuntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Phantasie für Violoncello von Piatti, ge-\nspielt von Herrn Alexander Sc Ii mit aus Moskau. 7. Alt-Arie:\n„O hör' mein Fleh'n\" (Fräulein von Kettler), mit Chor aus Samson\nvon Händel. 8. Ouvertüre zu Göthe's Iphigenie von Bernhard\nScholz (zum ersten Male).\nZweiter Theil: Musik von L. van Beethoven zu Vigano's\nBallet: „Die Geschöpfe des Prometheus* (zum ersten Male).\nDas Concert war sehr interessant durch Mannigfaltigkeit und\ndas viele Neue, welches theils in wirklich neuen Compositionen,\ntheils in hier zum ersten Male gehörten bestand. Auch F. Hill er's\nHelo'isen-Gesang und Ed. Franck's Yiolin-Concert waren so gut\nwie neu, da ersterer, vor zehn Jahren einmal gehört, erst jetzt ge-\ndruckt worden (Naenia Heloisae et Monalium, Op. 62, Breslau, bei\nF. E. C. Leuckart), und letzteres auch nur Ein Mal (den 6. No-\nvember 1855 von Th. Pixis) vorgetragen worden\nUeber Hiller's Grabgesang Helo'isens u. s. w. verweisen wir auf\nunsere Beurtheilung in Nr. 49 des Jahrgangs 1860 vom 1. Decem-\nber, und haben nur hinzuzufügen, dass die tief empfundene, süss\n(nicht süsslich) melodische Composition einen Erfolg hatte, den wie-\nderholter Applaus bekundete.\nDas Concert für die Violine in E-moll von Eduard\nFranck wurde von Herrn Concertmeister Jul. Grunwald so\nmeisterhaft gespielt, dass jedem Solo und jedem Satze der Täu-\nschendste Beifall und dem Schlüsse Hervorruf folgte. Herr Grun-\nwald erregte durch Fülle des Tones, Reinheit des Spiels, glänzende\nTechnik die Bewunderung des Publicums und, was mehr als das\nAlles ist, durch treffliche Auffassung und seelenvollen Vortrag der\nschönen Composition eine hohe Befriedigung bei allen, die in der\nMusik mehr als Virtuosität suchen. Wir sagten: der schönen Com-\nposition das ist aber viel zu wenig gesagt für dieses ausge-\nzeichnete Werk, bei dessen Dichtung die Muse der Tonkunst dem\nComponisten in glücklichster Stunde gelächelt hat. Was wir vor\nsechs Jahren (in Nr. 45 des Jahrgangs 1855 vom 10. November)\nüber Erfindung und Entwicklung der Motive, über den bedeutenden\nInhalt, durchweg edeln Charakter und die poetische Stimmung,\nwelche namentlich den ersten und zweiten Satz durchweht, geschrie-\nben haben, ist uns durch die jetzige Ausführung noch überzeugen-\nder bewährt worden, und auch das Publicum nahm das Werk mit\ngrossem Beifalle auf. Hatte es doch einige Tage vorher, von Harm\nGrunwald in der musicalischen Gesellschaft gespielt, dort eine wahre\nBegeisterung bei den zahlreichen Zuhörern erregt. Den Wunsch, den\nwir bei der Aufführung im Jahre 1855 aussprachen, die damals am\nSchlüsse des ersten Satzes auf einem langen Orgelpunkt befindliche\nCadenz verkürzt zu sehen, jetzt in vollem Maasse erfüllt zu hören,\nwar uns recht erfreulich; Franck hat nämlich jene Cadenz so gut wie\nganz gestrichen, wodurch offenbar der edle Stil des ganzen Satzes\nin reinerer Form erscheint. Gegen diesen Stil scheint uns nur noch\nder Vortrag einer Arpeggien-Stelle in demselben Satze »mit sprin-\ngendem Bogen\" zu Verstössen, der, wie wir vernehmen, in der Violin-\nstimme vom Componisten vorgeschrieben ist. Herr Grunwald ist mit\nuns gleicher Meinung, dass der gebundene Vortrag mit breitem\nStrich hier wirkungsvoller und den Melodieen der Blas-Instrumente\nan dieser Stelle angemessener sein würde.\nNun aber fragen wir: wie ist es möglich, dass ein Violin-\nConcert von solchem Gehalte, und das zugleich dem Spieler Ge-\nlegenheit gibt, als solcher zu glänzen denn es gehört allerdings"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6098, "texte": "ein Meister dazu, es ganz zur Geltung zu bringen —, noch nicht\ndurch den Druck veröffentlicht ist? Liegt dies an Franek's Beschei-\ndenheit oder an dem Mangel an Urtheil bei den Musik-Verlegern?\nDie grossen und kleinen Geiger unserer Zeit spielen fast nichts mehr\nals Beethoven's und Mendelssohn's Concert; wie gern würden sie\ndanach greifen, wenn ihnen ein neues, jenen ebenbürtiges, gehalt-\nvolles und glänzendes zugänglich wäre!\nEine völlige Neuigkeit war die Ouvertüre (D-moll) zu Gö-\nthe's Iph igenie von Bernhard Scholz, Capellmeister in\nHannover. Es will etwas sagen, wenn eine Ouvertüre als achte\nNummer nach sieben vorhergegangenen, deren Ausführung über an-\nderthalb Stunde gedauert, noch ein solches Interesse und eine so\ngespannte Aufmerksamkeit erregt, wie dies bei dem neuen, hier noch\nganz unbekannten Werke von Scholz der Fall war. Und das war\nnicht Ergebniss der Neugierde, wie das bei prahlend angekündigten\nund bevorredeten Producten der Zukunftsmusiker häufig der Fall\nist, sondern des Eindrucks, den gleich von vorn herein das Largo\nder Einleitung machte, das durch einen, wir möchten sagen: Cheru-\nbinischen, Charakter frappirte. Das Thema des Allegro agitato:\nsteigerte die Theilnahme, und die Erwartung, welche die Introduction\nund der Eintritt des Allegro's rege machten, wurde keineswegs ge-\ntäuscht, das Werk hatte einen entschiedenen Erfolg, und es verdient\nihn vollkommen; ja, wir stehen nicht an, zu sagen, dass es unter\nden vielen Ouvertüren neueren Datums eine sehr hervorragende\nStelle einnimmt und den grossen Mustern der Gattung am nächsten\nkommt. Zunächst ist hervorzuheben, dass die Ouvertüre ein ein-\nheitliches musicalisches Ganzes bildet; sie hält eine ausgeprägte\nStimmung fest, welche sich ohne gezwungene Deutung aus dem\nDrama entwickeln lässt, und sie vermeidet, sich in Ausmalung des\nDetails der dramatischen Handlung zu verlieren und dadurch auf\nunmusicalische Weise Programm-Musik zu werden. Der Componist\narbeitet mit langen Motiven, nicht mit Stückwerk, seine Ouvertüre\nhat Fluss und Klarheit, aber Beides nicht auf Kosten der Phantasie\nund des höheren Fluges, und sie hat Charakteristik und Wirkung\ndurch rein harmonisch-musicalische Mittel, nicht durch übermässige\nAccord-Gebilde, schneidende Vorhalte und Missbrauch der Dissonan-\nzen und der lärmenden Klang-Instrumente. Gegen die früheren Com-\npositionen von Scholz, die uns alle Achtung vor dem Wissen des\n\\\nMusikers und der gediegenen Arbeit einflössten, finden wir in dieser\nOuvertüre einen grossen Fortschritt in Bezug auf Erfindung, und\neine Durchführung, die nicht bloss interessant, sondern voll Leben\nund Schwung ist, stets anregt und keineswegs bloss den Verstand\nin Anspruch nimmt. Eine schwierige Aufgabe war es, den versöh-\nnenden Schluss des Drama's auch durch den Schluss der Ouvertüre\nanzudeuten. Ihre Lösung würde dem Componisten ganz gut gelun-\ngen sein, wenn die Flöte nicht zu solomässig, fast virtuosenartig,\ndabei mitwirkte. Die auf d eis H A absteigende, im pp fortsurrende\nAchtel-Figur der Bratschen und Bässe, das „Lebewohl« in den Hör-\nnern und Fagotten anklingend an Beethoven's Sonate Op. 81\ndeuten recht schön die Einschiffung und den Abschied an; auch der\nEintritt der Flöte ist an sich ein recht hübscher Gedanke, aber die\nAusführnng ist zu kraus; verhallende Melismen in Halben oder Vier-\nteln würden unserer Meinung nach angemessener sein.\nDer Sängerin Fräulein Wilhelmine von Kettler ging ein\nempfehlender Ruf vorher; sie besitzt eine wohllautende Altstimme,\nderen höhere Töne aber nicht forcirt werden dürfen, doch ist im\nGanzen ihr Vortrag etwas eintönig und hat zu wenig Colorit. Die\nPartie der Heloise sang sie recht gut, eben so die Recitative zwi-\nschen der ersten Arie (in drei Sätzen) aus Gluck's Orpheus. Die\nAiie selbst, so wie die Arie aus Händel's Samson sprachen das Pu-\nblicum weniger an. Da Fräulein von Kettler überhaupt an dem Con-\ncertabende nicht gut disponirt war, so würde es ungerecht sein, ein\nzu strenges Urtheil über ihre Leistung zu fällen.\nHerr Alexander Sch mit aus Moskau erregte durch seine\nausgezeichnete Technik auf dem Violoncell, die er in dem glänzen-\nden Vortrage einer Phantasie von Piatti, welche bedeutende Schwie-\nrigkeiten bot, bewährte, einen rauschenden Beifallssturm.\nBeethoven's Musik zu dem Ballet: „Die Geschöpfe des\nPrometheus', wurde, mit Ausnahme der mehr bekannten Ouver-\ntüre, hier zum ersten Male gehört. Zu vollem Verständniss der ein-\nzelnen Nummern würde ein ausführlicheres Programm der Panto-\nmime nöthig sein. Die Ueberschriften reichen dazu nicht hin. Das\nwird aber schwerlich noch irgendwo aufzufinden sein, da ja bis vor\nKurzem noch Zweifel darüber geäussert wurden, ob überhaupt die-\nses Ballet von Vigano wirklich jemals gegeben worden sei. Diese\nsind nun durch einen Theaterzettel in Wien vom Jahre 1801 geho-\nben, den Dr. Leopold Sonnleithner aufgefunden» Danach fand\ndie erste Vorstellung den 28. März 1801 im Hofburg-Theater Statt,\nund das Ballet wurde in diesem und dem folgenden Jahre oft wie-\nderholt; seitdem aber bei Lebzeiten Beethoven's nicht wieder. Erst\nim Jahre 1843 am 18. November kam es wieder zum Vorschein,\nam Kärnthnerthor-Theater in zwei Acten und sechs Abtheilungen,\naber mit Musik von Beethoven, Mozart und J. Haydn. Aus Beet-\nhoven's Partitur wraren nur die interessantesten Stücke benutzt.\nAuch in Mailand kam am 22. Mai 1843 im Theater Alla JScala das\nBallet zur Aufführung, aber umgearbeitet und ebenfalls nur mit\ntheilweiser Benutzung von Beethoven's Musik (Schindler, 1., p. 78 ff).\nDie Composition fällt also in die erste, so genannte Mozart'sche\nPeriode Beethoven's und folgte unmittelbar der ersten Sinfonie in\nC-dur. Es fragt sich nun, ob die vier Nummern Tanzmusik, die\nwir ausser der Ouvertüre besitzen, alles gewesen, was Beethoven\nzu dem Ballet geschrieben. Das ist kaum denkbar; denn wie hätten\ndiese ein ganzes Ballet füllen können? Pantomimen-Scenen ohne\nMusik sind doch auch nicht möglich ; also haben sich wahrschein-\nlich die Verbindungs-Nummern verloren, oder Beethoven hat dem\nBalletmeister erlaubt, Einschaltungen zu machen, wie sie später\nStatt fanden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1059, "texte": "Zu den Curiositäten, die sich an diese Musik Beethoven's knü-\npfen, gehört, dass der Beginn der Ouvertüre mit einem dissoniren-\nden Accord den Capellmeister P rein dl (1758—1826) dermaassen\nerbitterte, dass er dem Neuerer ewige Feindschaft schwur und den\nSchwur auch hielt (Schindler a. a O.). Ferner ist die Rolle, welche\ndie schöne Melodie des Finales im Ballet bei Beethoven spielt, merk-\nwürdig. Am bekanntesten ist sie durch das Finale der Sinfonia\neroica geworden, bei deren erster Aufführung in Wien sie bei Vie-\nlen, denen sie aas dem Ballet noch in Erinnerung war (denn wer,\nder sie einmal gehört, könnte sie auch wohl vergessen?), Anstoss\nerregte. Sie erscheint aber zuerst in „Sechs Contratänze von Beet-\nhoven. Bonn, bei Simrock.\" Darauf im Ballet „Prometheus\". Dann\nals Thema zu den fünfzehn herrlichen Variationen Op. 35, gedruckt\nim Jahre 1803. Hier schon mit: „Introduzione col Basso del The-\nma*. Endlich im Finale der Eroica, ebenfalls mit der Einleitung\ndurch den Bass und dessen Variirung bis zum Eintritt der Melodie\nmit vollem Orchester."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-09_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.8", "debut_caractere": 1061, "fin_caractere_exclue": 4791, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n26. Februar. Das Concert, welches Herr Ernst Hel-\nfer in den schönen Räumen des neuen Casinogebäudes veranstaltete\nund leitete, fand eine grosse Theilnahme und eine treffliche Ausfüh-\nrung. Es begann mit C. M. von Weber1 s Ouvertüre zu Oberon.\nDaraufführte uns Herr von Königslöw sein meisterhaftes Gei-\ngenspiel vor. Es war ein Violin-Concert von Spohr, worin der Künst-\nler die Zuhörer entzückte, sowohl durch die Leichtigkeit, mit der\ndie schwierigsten Passagen überwunden wurden, als durch die Rein-\nheit, Fülle und Rundung des Tones, wie ganz besonders durch den\nseelenvollen Vortrag, der das Spiel des Herrn von Königslöw weit\nüber die bewunderte Technik so mancher anderen Violin-Virtuosen\nerhebt. Der Künstler wurde mit dem rauschendsten Beifalle gelohnt.\nDer 42. Psalm von Mendelssohn: „Wie der Hirsch schreit\") wurde\nvom Gesangvereine vorgetragen, die Arien sang Fräulein Arnold\naus Elberfeld. Noch einmal trat Herr von Königslöw auf mit jenem\ngesangreichen Andante von Ernst, an dem wir nichts mehr be-\nklagten, als dass der Schmelz der perlenden Töne so schnell vor-\nüberzog. Den würdigen des Coneertes bildete die C-moll-\nSinfonie (Nr. 5) von Beethoven. Wir erinnern uns nicht, eine Beet-\nhoven'sche Sinfonie hier in Essen in solcher Abrundung gehört zu\nhaben. Die Ausführung liess kaum etwas zu wünschen übrig; das\nherrliche Werk kam zu ergreifender Wirkung.\nHei'liai. Die Gastpiele im Opernhause nehmen nächstens ihren\nAnfang. Es treffen dazu binnen Kurzem hier ein : die Sängerin Fräu-\nlein Georgine Schubert von Dresden, Fräulein Lucca von Prag und\nMadame Ferraris aus Paris Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Thea-\nter ist Herr Wachtel in einigen Monaten als Gast zu erwarten. Herr\nDirector Wallner hat den grössten Theil des Opern-Personals vom\nhamburger Stadttheater nebst Chor und Capellmeister Stoltz enga-\ngirt, um während der Sommermonate in seinem Theater zu gastiren.\nMainz« Unser Theater hat seit Kurzem den Versuch gemacht,\nO 7\nstatt der früheren Einleitungs- und Zwischenact-Musik bei kurzen\nLust- und Schauspielen gediegene Musikwerke zur Aufführung zu\nbringen. So hörten wir bereits an zwei Abenden die Sinfonieen in\nD und A (Nr. 2 und 8) von Beethoven in gelungener Weise execu-\ntiren, und die Vorführung von anderen Sinfonieen steht in Aussicht.\nWir begrüssen diese Neuerung mit Freuden und hoffen, sie ander-\nwärts nachgeahmt zu sehen.\nDer berühmte italienische Tenorist Carrion gastirt gegenwärtig\nhier. Er trat bis jetzt in zwei Rollen, „Troubadour\" und Nacht-\nwandlerin\", auf und zeigte sich in beiden als eine Künstlergrösse\nersten Hanges. Derselbe wird noch in »Teil* auftreten.\nvei** Der ausgezeichnete Violin-Virtuose August\nKömpel hat seine Entlassung aus dem königlichen Capelldienste\ngenommen und wird für einige Zeit Kunstreisen machen.\nAlfred Jaell erhielt vom Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha\ndie Medaille nebst Decoration für Kunst und Wissenschaft.\nOffenbach wird, wie verschiedene Zeitungen melden, mit sei-\nner französischen Truppe im bevorstehenden Sommer Deutschland\nbereisen und in Berlin, Wien, Prag und mehreren anderen Städten\nVorstellungen geben.\nII e u t s c Ii e Tonhalle.\nZur einstweiligen Beruhigung derer, welche sich in den letzten\nTagen schriftlich an uns gewandt haben oder demnächst noch an\nuns wenden werden, bemerken wir, dass in Folge der schweren Er-\nkrankung des Herrn A. Schüssler, unseres Schriftführers, leider erst\nin einigen Wochen Antworten und überhaupt Kundgebungen von\nuns erfolgen können.\nMannheim, 9. März 1861. Der Vorstand.\nUeber das dritte Winter-Concert des kölner Männer-\ngesang-Verein s, in welchem Herr Alfred Jaell spielte, und\nüber die Soiree des Fräuleins Ingeborg-Starck berichten wir in\nder nächsten Nummer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Kinder der Haide. Oper in vier Acten von A. Rubinstein. Von Ed. H. Musikfest in Barmen. Von L. B. Die\nOper „Faust\" von Gounod. Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, Tages- und Unterh altungsblatt (Essen\nConcerte Berlin, Gastspiele im Opernhause Mainz, Theater Hannover, August Kömpel Alfred Jaell Offenbach Deutsche\nTonhalle).\n\n„Die Kinder der Haide.“\n\nOper in vier Acten von A. Rubinstein. Zum ersten Male aufge-\nführt im k. k. Hof-Operntheater zu Wien am 23. Februar.\nDie Handlung der Rubinstein'schen Oper (ursprüng-\nlich Karl Beck's „Janko\" nachgebildet) entwickelt sich in\nder gegenwärtigen Ueberarbeitung des Textbuches unge-\nfähr folgender Weise:\nIsbrana, eine junge Zigeunerin, liebt den schmucken\nRosshirten Wanja. Wir sehen sie beim Aufziehen des\nVorhanges dem Geliebten entgegenharren. Er kommt end-\nlich, aber sein Blick ist streng und verdüstert. Zum letz-\nten Male sei er gekommen, um ein Verhältnis» zu lösen,\ndas ihn längst dem Hohne der Seinigen Preis gegeben.\nVon Wanja gedemüthigt und Verstössen, verräth ihm trotz-\ndem Isbrana mit Gefahr ihres Lebens den eben erlausch-\nten Plan einiger Zigeuner, sein Ross zu stehlen und in das\nHaus des Wirthes Conrad einzubrechen. Wanja, von dem\nEdelsinn der armen Zigeunerin tief bewegt, schwört ihr\nnun neuerdings ewige Treue und eilt, den Plan der Rotte\nzu vereiteln. Mit Hülfe zahlreicher Hirten, die sein Horn\nzusammenruft, vertreibt er die Zigeuner aus dem Hofe\nConrad's und trägt dessen ohnmächtige Tochter Marie auf\nseinen Armen ins Freie. Der Dankbare trägt ihm seiner\nTochter Hand und die Hälfte seines Besitzthums an. Wanja\nlühlt sich von dem Anblicke der reizenden Maria so mäch-\ntig hingerissen, dass wir ans der Schlussgruppe unschwer\neine baldige Hochzeitsfeier prophezeien können.\nIn der That beginnt der zweite Act mit festlichen Vor-\nbereitungen zur Vermählung Maria's. Die blonde deutsche\nWirthstochter sieht aber nicht vergnügt darein; nährt sie\ndoch heimlich eine ideale Liebe zu dem jungen Guts-\nbesitzer, der sie einmal einiger zärtlichen Worte gewürdigt.\nKaum sind die jungen Leute aus der Kirche zurückge-\nkehrt, kaum hat die schwer gekränkte Isbrana selbst ihnen\ndas Ilochzeitslied singen müssen, als Graf Wladimir in\nder Mitte der Hochzeitsgäste erscheint. Er benutzt einen\nunbewachten Augenblick, mit leidenschaftlichem Geständ-\nnisse in Marien zu dringen. Der vom Weine erhitzte\nWanja wagt es, drohend zwischen sie zu treten, ein Ver-\nbrechen, für das er freilich sofort auf den Knieen um Ver-\ngebung bittet. Der Graf verzeiht nicht ungern, um desto\nsicherer den armen Burschen bis zur Bewussllosigkeit be-\nrauscht und ihn Marien vergessen zu machen.\nAuf nacktem Boden vor seiner Hütte schlafend, fin-\nden wir Wanja beim Beginne des dritten Actes wieder.\nDie treue Zigeunerin wacht bei ihm. Ermuntert, stösst er\nsie von sich und schilt sie ob ihrer bedeutungsvollen War-\nnung vor dem Grafen. Dieser hat indess ein Briefchen an\nMaria abgesandt, mit dem Plane einer ungestörten Zu-\nsammenkunft. Ein verschmitzter Zigeuner, Gregor, über-\nbringt den Brief, den ihm jedoch Isbrana ablistet, um den\nbedrohten Wanja vor Schmach zu retten. Durch das\nFlehen der jungen Frau gerührt, verheimlicht sie jedoch\nim entscheidenden Augenblicke die bedenkliche Stelle des\nBriefes. Die Arme muss eilen, den Peitschenhieben Wan-\nja's zu entkommen. Kaum ist Maria allein, so erscheint\nder Graf und empfängt bald das Geständniss ihrer Gegen-\nliebe. Den Arm um Marien schlingend, zieht er sie halb\ngewaltsam fort, als eben Wanja unvermuthet zurückkehrt.\nWüthend stürzt er sich auf den Grafen; dieser zückt den\nSäbel, wird aber entwaffnet und fällt unter Wanja's rä-\nchendem Streiche. Und nun folgt die erschütternde (dem\n„Janko\" getreu nachgebildete) Scene, wo der Mörder mit\nblutiger Waffe vor die furchtsam starrende Menge tritt;\n„Hört und lasst euch sagen: Ich hab' den Herrn erschla-\ngen!\" Da ermannt sich die unlerthänige Schar, den Mord\ndes Gutsherrn zu rächen. Man versucht, Wanja zu fesseln\nund auszuliefern; da ruft ein Signal der treuen Isbrana die\nnahen Zigeuner zu Hülfe. Nach kurzem Kampfe mit den\nBauern befreien sie Wanja und ziehen ihn triumphirend\nmit sich fort. Damit schliesst der dritte Act."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.2", "texte": "Der Rosshirt ist indess Anführer seiner Befreier, er\nist Bäuberhauptmann geworden. An der Seite Isbrana's\nbeherrscht er die braunen „Kinder der Haide\", ein\nSchrecken der Landleute und der Reisenden. Unter den\nletzteren findet er eines Tages unerwartete Bekannte. Die\nZigeuner bringen den alten Conrad und dessen wahnsinnig\ngewordene Tochter herbeigeschleppt. Wanja sinkt reuig\nvor Marien nieder, die ihn aber nicht erkennt. Indem er\nVater und Tochter frei von dannen ziehen lässt, reizt er\ndie Zigeuner gegen sich zur Empörung auf. Aber auch\nIsbrana, im Tiefsten verletzt durch Wanja's wiedererwa-\nchende Liebe zu Marien, wendet sich rachgierig gegen\nihn. Auf ihr Zeichen sieht sich Wanja von Häschern um-\nzingelt und gefangen. Isbrana, ob ihrer eigenen That ent-\nsetzt, gibt sich selbst den Tod.\nSchon aus diesem gedrängten Auszuge dürfte man\nentnehmen, dass das Buch geschickt und mit poetischem\nSinne angelegt ist, im dritten Acte sogar einen nicht ge-\nwöhnlichen dramatischen Höhepunkt erreicht. Der vierte\nAct jedoch leimt an das Vorhergegangene einen eben so\nunklaren als willkürlichen Abschluss. Ist überhaupt die\nvieractige Form für die Oper die allerungünstigste, so wird\nsie geradezu verderblich, wo der Schlussact, der die Kraft\nund Bedeutung der Oper auf die Spitze stellen soll, matt\nabfällt.\nWenn Isbrana, nachdem sie drei Acte lang sich auf\ndas grossherzigste für den Geliebten geopfert, ihn im vier-\nten einfach den Gensd'armen ausliefert, so ist dies eben so\nunmotivirt und unpoetisch, als es das Wiedererscheinen\nder wahnsinnigen Maria, als es der ganze Ausgang Wan-\nja's ist. Die eigentlich dramatischen Motive sind zwar auch\nin den ersten drei Acten nicht besonders reich oder neu,\nallein sie greifen natürlich und mit wirksamer Steigerung\nin einander und krystallisiren sich in glücklich gedachten,\necht musicalischen Situationen. Beck's „Janko\", dieses\nfarbenglühende, lyrisch-epische Gedicht, hat seinen Schwer-\npunkt offenbar nicht in der fortreissenden Gewalt des Ge-\nschehens.\nZu dürftig für ein erschien der Stoff doch\nvielfach günstig für die Oper, denn diese theilt mit dem\nepischen Gedichte die Forderung einer ruhigen, stimmungs-\nvollen Ausbreitung des Zuständlichen und Schildernden.\nMosenthal-—den wir wohl der Hauptsache nach\nfür den Verfasser der drei ersten Acte halten dürfen\nhat dies richtig erkannt und dem Tondichter sowohl durch\nden unvergreifbaren Gegensatz der vier Haupt-Charaktere\nals durch die nationalen Schilderungen des Zigeunerlebens,\ndes Hochzeitfestes u. s. w. trefflich in die Hände gearbei-\ntet. Der eigentliche Held des Stückes ist Isbrana; weit ge-\nringere Bedeutung hat uns der ursprüngliche Titel-Held\nWanja. Er verwirrt uns durch sein fortwährendes Schwan-\nken zwischen Isbrana und Maria, und verletzt durch die\nsclavische Bestialität, mit der er nach einander vor dem\nGutsherrn sich in den Staub wirft und gegen die schutz-\nlose Zigeunerin die Peitsche schwingt. Ohne Zweifel ein\necht russischer Zug; allein in der idealen Sphäre, welcher\ndie Oper nun einmal angehört, und so weit angehören\nmuss, als sie eine eingehend dramatische Motivirung nicht\nzulässt, wirkt er verstimmend. Graf Wladimir hätte etwas\ntiefer in die Handlung eingreifen sollen, er würde dann\nweniger den Eindruck einer allgemeinen Theater-Figur\nmachen. Hingegen sind die beiden Frauen-Rollen glück-\nlich charakterisirt und bieten in ihrem Contrasie der mu-\nsicalischen Behandlung ein fruchtbares; Feld.\nEin negatives Lob des Textbuches, welches zugleich\nden Componisten ehrt, ist, dass es nirgends auf äusseren\nPrunk abzielt. Man weiss, wie heutzutage die meisten\nOperntexle zusammengestellt werden. Das Erste ist die\nBücksicht auf Costume, Decoraiionen, Aufzüge u. dgl.;\nman wählt ritterliche oder orientalische Trachten, blin-\nkende Rüstungen, prachtvolle Gewänder. Nächst diesem\nAufputze sorgt man für die beliebtesten Musikformen:\nMarsch, Trinklied, Preghiera. Die eigentliche Handlung\nwird ganz nebenher diesen Voraussetzungen auf den Leib\nzugeschnitten. Von derlei äusserlichen Bücksichten weiss\ndas Buch zu den „Kindern der Haide\" so gut wie nichts;\nes zeigt überall das Streben, dramatische Charaktere und\nConflicle zu schaffen. Wir können nur bedauern, dass\nRubinstein an dem ursprünglichen Textbuche „Janko\"\ntheils auf eigene Faust, theils durch verschiedene Unbe-\nrufene die unpassendsten Aenderungen vornahm. Er wollte\nAnfangs sogar die (in Ungarn spielende) Handlung nach\nMexico verlegen! Als ihm der Dichter die Unmög-\nlichkeit dieses Begehrens vorstellte, einigte man sich end-\nlich dahin, die Handlung nach Südrussland zu versetzen,\nwo der Componist sich am heimischsten fühlte. Rubinslein\nscheint also ursprünglich seine stärkste Seite verkannt und\nnicht geahnt zu haben, welchem Elemente seine Musik den\ngrössten und verdientesten Theil des Erfolges verdanken\nwerde.\nDieses Element ist die nationale Färbung. Was sich\nbei den Hörern der Rubinstein'schen Oper zuerst zum\ngünstigen Eindruck sammelt, ist die frische Localfarbe.\nWie die Lieder Rubinslein's ihren vorzüglichsten Reiz den\nAnklängen an slawische und orientalische Gesangsweisen\nverdanken, so schöpft auch seine Oper die erfrischendsten\nZüge aus dem „Quickborn\" der Volksmusik. Alle Num-\nmern der „Kinder der Haide\", welche an slawische Volks-\nlieder wirkliche oder nachgebildete anklingen, sind\nfrisch, ausdrucksvoll, dabei immer auch von übersichtlicher"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.3", "texte": "Form. Sie drängen sich fast ausschliesslich in die beiden\nersten Acte zusammen, deren ungleich günstigere Auf-\nnahme wir grösstentheils diesem Umstände zuschreiben.\nGleich das erste Duett gehört zu den besten Num-\nmern; aus den Worten: „Dann heisst's wandern, wie die\nAndern\", singt melodisch der weiche, leichte Trübsinn des\nrussischen Volksliedes. Noch dramatischer und geistreicher\nist in der folgenden Nummer die Verwendung der Volks-\nmelodie, welche Ishrana vor sich hinsingt, um die Auf-\nmerksamkeit der Zigeuner abzulenken („Ein Rösslein, ein\nfeuriges, fliegt durch die Nacht\").\nAus diesem Motiv entwickelt der Componist auch sehr\ngeschickt das Terzett der Zigeuner, das freilich dem\nmoll-Satze aus der Verschwörungs-Scene der „Hugenot-\nten\" auffallend ähnlich wird. Im zweiten Acte erscheint\ndas nationale Element noch viel reicher und selbstständi-\nger. Da ist zuerst das originelle Chorlied der Brautjungfern:\n„Was wünscht zuerst eine junge Braut?\" das schon durch\nseine „sokratische Methode\" einen neckischen Anflug von\nHumor mitbringt. Dann das bei aller Wildheit so anmu-\nthige Tanzlied der Zigeuner. Die von den Tenorstimmen\nchromatisch herabgeschleifte walzerartige Melodie bekommt\neine berauschende Kraft durch die gerissenen Accorde von\nsechs Guitarren und das Geschüttel des Tambourins. Zwi-\nschen die Abschnitte des wilden Zigeunerchors flechten\nsich die anmuthigen Strophen eines von einer Altstimme\ngesungenen Hochzeitliedes. Ein „Hochzeitlied\" ganz an-\nderer Art ist die hierauf folgende Romanze Isbrana's,\ngleichfalls von Guitarren und Tambourins begleitet und von\nkurzen, köstlich naturalistischen Zwischensätzchen des Chors\nunterbrochen, welcher hier, bloss den Rhythmus wieder-\nholend, nicht viel mehr als ein singendes Tambourin sein\nwill. Das Lied selbst („Zdenko durch die Haide strich\")\nmit seinem tief leidenschaftlichen Tone und der echt volks-\ntümlichen Behandlung gilt uns als das bedeutendste Mu-\nsikstück in der Oper. Ein überraschend genialer Zug ist\nder Schluss des Liedes, wo die gefolterte, nicht länger ver-\nstellungsmächtige Isbrana nach den Worten: „Tanzet, sin-\nget, trinket!\" in den Ausruf: „Ach, ich Arme!\" ausbricht.\nDieses tief schmerzliche, heftige Aufzucken, welches nach\neinem kühnen Einsetzen der None (gis) sich klagend in den\nA-dur-Dreiklang herabsenkt, überströmt das durchaus in\nMoll gehende Stück wie mit einem plötzlichen Feuerschein.\nWir haben diese farbenglühenden Musikstücke, deren\njedes für sich ein intensives musicalisches Talent und nicht\ngewöhnlichen dramatischen Sinn bezeugt, als die blendende\nSeite der neuen Oper zuerst hervorgehoben. Mit ihrer Auf-\nzählung ist leider der angenehmere Theil unserer Aufgabe\nvorüber. Man sollte nach diesen glänzenden Proben glau-\nben, dass Rubinstein's Musik an dramatischer Kraft\ngleichen Schritt mit der Bedeutsamkeit der Situationen\nhalten werde. Dies trifft aber nicht zu, der Componist\nwächst keineswegs „mit seinen grössern Zwecken\". Wo\ndas volkstümliche Genrebild ein Ende hat und das eigent-\nliche Drama beginnt, sehen wir seine Kraft erlahmen.\nZwei auffallende Erscheinungen sind es vorzüglich, die für\ndiese Behauptung sprechen: Rubinstein's Behandlung der\nLiebesscenen und der Finales. In den ersteren, sollte man\nvermuthen, wird der Componist die ganze Tiefe und Zart-\nheit seiner Empfindung, in den letzteren die höchste, zur\nsammenfassende Kraft dramatischer Beherrschung äussern.\nBei Rubinstein trügen beide Vermuthungen. Die zärt-\nlichen Scenen sind theils auffallend kühl und matt, theils\nmerklich gezwungen. Sobald Rubinstein es nicht mehr mit\nRussen oder Zigeunern, sondern einfach mit Menschen\nzu thun hat, die still an dem Geheimnisse ihres Herzens\ntragen, fehlt seiner Musik das erlösende letzte Wort. Schon\ndem ersten Duett zwischen Wanja und der Zigeunerin\nmangelt die innere Lebenswärme, die durch einige hohe\nBrusttöne und heftige Geigen-Figuren nicht ersetzt wird,\nAuch die Liebes-Duette zwischen dem Grafen und Maria\nsind matt, kühl, äusserlich. Wenn noch in dem ersten der-\nselben (in F-cliir) die Melodie: „Dachtest du meiner\", eine\netwas weichliche Empfindung athmet, so bleibt das Duett\nder Liebenden im dritten Acte, das auf gewaltigen Schwin-\ngen der Leidenschaft emporstürmen sollte, vollends auf\ndem Sand der Phrase sitzen. In den beiden Monodieen\nMaria's („Arien\" kann man sie nicht nennen) bemüht sich\nder Componist sichtlich, die poetische Stimmung des Ge-\ndichtes treu nachzufühlen; allein das kaum Angeknüpfte\nwird so oft wieder abgerissen, das augenblicklich Empfun-\ndene so absichtsvoll weiter gekünstelt, dass der Hörer zu\neiner ruhigen, gesammelten Stimmung nicht gelangt. Wie\nin der Rolle des Grafen, so fliesst auch in jener Wanja's\nund Conrad's der melodische Quell sehr spärlich, so dass\nwir selbst kurze und wenig bedeutende Cantilenen dersel-\nben („Ich weiss, dein Herz ist frei von Sünd'\", „Mit mir\nzieh'st du dahin\" u. a.) dankbar und beifällig aufnehmen.\nMan könnte hieraus schliessen, dass etwa nur die Be-\ntonung des Zarten, Empfindsamen nicht Rubinstein's Stärke\nsei, und diese entschieden nach der Seite des Energischen\nliege. Allein die Art, wie er gerade die dramatischen Höhe-\npunkte, das thätige Eingreifen der Massen behandelt, die\nFinales nämlich, gestattet diese Auslegung nicht. Wir\nhaben in seinen Finalsätzen nicht viel mehr als die unge-\nordnete, stossweise Bewegung roher Massen gefunden.\nWie dankbar für den Componisten ist z. B. der dritte\nActschluss, wo Bauern und Zigeuner gegen einander stür-\nmen, bis endlich die letzteren Wanja befreien. Und was\nhat Rubinstein Anderes daraus gemacht, als ein wüstes\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.4", "texte": "Durcheinandertoben! Die Chöre der Zigeuner, mit Aus-\nnahme des Hochzeitschors, sind roh und wild, nicht im\nSinne ästhetischer Charakteristik, sondern in musicali-\nschem. Wie gequält und zerrissen ist der Chor der ein-\nbrechenden Zigeuner: „Rasch ans Werk!\" (Dabei kom-\nmen sie natürlich nicht vom Fleck.) Wie stimmungslos\nund geradezu hässlich die Einleitung des vierten Actes mit\ndem Trinklied! Von den grösseren Ensembles hat Rubin-\nstein nur das Quartett mit Chor in „Was fasst\nmich an\", übersichtlich und wahrhaft wirksam behandelt.\nSonst sahen wir gerade in den Nummern, wo Uubinstein\nalle Mittel der Charakteristik und der äusseren Tonstärke\nhäuft, den Effect ausbleiben. Wenn Richard Wagner\nden „Effect\" als „Wirkung ohne Ursache\" definirt,\nso leiden die „Kinder der Haide\" eher an „vielerlei Ur-\nsachen ohne Wirkung\". Im dritten Acte hat uns nur Eine\nNummer befriedigt: das sehr geistreich gedachte Brief-\nTtrzett. Ganz trostlos, auch in rein musicalischer Hinsicht,\nist der Schlussact; eine einzige kleine Perle glänzt darin:\nIsbrana's hochdramatischer Ausruf: „Wer ist's, die ins\nElend dich gebracht? sie!\"\nAusser den Uebelsländen der Erfindung und der mu-\nsicalischen Form, welche oft zerfahren, unübersichtlich und\ndurch häufigen Tactwechsel zerstückt erscheint, schadet\neine unzweckmässige Instrumentirung der Wirkung unse-\nrer Novität. Die Begleitung des Gesanges ist zum Theil\ndumpf und ausdruckslos, indem sie vorwiegend den tiefe-\nren Lagen der Streich-Instrumente ohne genügende Licht-\nwirkung von Seiten der Bläser anvertraut ist; zum Theil\ndeckt sie die Singstimmen durch übermässige, unruhige\nFiguration.\nAlanchen interessanten Zug der Oper hätten wir noch\ngern hervorgehoben, manche Bemerkung gern hinzugefügt\n—, unser Bericht ist aber zu weit vorgeschritten, als dass\nwir, für heute wenigstens, uns länger vertiefen dürften.\nFür die Frage, wie ein intensives Talent wie Rubin-\nstein eine Oper schreiben konnte, die neben so glänzen-\nden Musikstücken, wie die Anfangs erwähnten, so viel Un-\nbedeutendes, ja, Verkehrtes und Lästiges mitschleppt, wüss-\nten wir nur Eine individuelle Lösung. Sie liegt in der über-\nstürzten, kritiklosen Productivität Rubinstein's. Hätte er\ndie „Kinder der Haide\" mit jener überlegenden Ruhe ge-\nschrieben, die nicht alles, was unter die Feder kommt,\ngleich niederschreibt und stehen lässt, hätte er an der Oper\nzwei Jahre gearbeitet und sie zwei weitere Jahre liegen lassen,\nanstatt das Ganze in einigen Sommermonaten hinzuwerfen,\nund es abzugeben, ehe noch die letzte Seite trocken war:\nwir sind überzeugt, sein Werk hätte in der modernen Opern-\nLiteratur einen Platz eingenommen, wie wir ihn den frühge-\nborenen „Kindern der Haide\" unmöglich vindiciren könnpn.\nDie Aufführung der neuen Oper gehörte zu den ge-\nlungensten des Mol-Operntheaters. Frau Csillag spielte\nund sang die ihrer künstlerischen Individualität so ganz\nzusagende Rolle der Isbrana mit bewunderungswürdiger\nKraft und Ausdauer. Herr Ander fand in dem Charakter\ndes YVanja eher ein widerstrebendes Problem; es gereicht\nihm darum zu besonderem Lobe, dass er als Sänger und\n7 o\nSchauspieler ganz Vortreffliches leistete. Die Fräulein\nKrauss und Weiss, die Herren Walter, Mayerho-\nler, Roch, Lay und Hrabanek reihten sich den Ge-\nnannten verdienstlich an. Ein besonderes Verdienst um die\nexacte Aufführung hat Herr Capelhneister Dessoff, der\ndie äusserst schwierige Novität mit aufopferndem Eifer ein-\nstudirt hatte.\n\nEd. H.\n\nMusikfest in Barmen.\nDen 25. und 26. Februar 1861.\n\nDer Sinn für die Tonkunst hat sich seit den letzten\nzehn Jahren iin Wupperthale auf sehr erfreuliche Weise\ngesteigert. Elberfeld hat im vorigen Jahre bei dem Wie-\nderaufbau des Casinogebäudes auf einen geräumigen Con-\ncertsaal Rücksicht genommen, der durch ein zweitägiges\nMusikfest eingeweiht wurde, und Barmen hat an den\noben genannten Tagen dieses Jahres einen prächtigen Con-\ncertsaal eröffnet, der durch den Umbau des Gebäudes der\nGesellschaft Concordia entstanden ist und der Stadt zur\ngrossen Zierde gereicht.\nDieser Saal ist mit einem Aufwände von mehr als\n40,000 Thalern, welche der Gesellschafts-Casse nur zu\nzwei Procent Zinsen und einem Procent Amortisation durch\nZeichnungen und gleichzeitige Erhöhung der Gesellschafts-\nBeiträge überwiesen worden sind, erbaut, und als bedeu-\ntendste Zierde desselben prangt im Hintergründe eine Or-\ngel von vierundvierzig Stimmen, drei Manualen und Pe-\ndal, aus der berühmten Werkstatt der Herren Ad. Ibach\nSöhne in Barmen, ein vortreffliches Werk, das allein\nsechs Tausend Thaler kostet, welche eine freiwillige Gabe\nkunstsinniger Einwohner der Stadt sind. Wo die Liebe\nzur Tonkunst so reichliche äussere Mittel zu ihrem Ge-\ndeihen spendet, da herrscht auch jedenfalls die Ueberzeu-\ngung, dass die Anregungen der Musik auf Herz und Ge-\nmülh zu den wirksamsten Eörderungsmilteln der Erziehung\nund Bildung und jener sittlichen Veredlung des Menschen\ngehören, welche, auf dem Geiste und der Wahrheit des\nChristenthums beruhend, über dem starren Glauben an\nden Buchstaben nicht die Liebe zum Nächsten und die\nFreude an Gottes Schöpfung und an den Idealen, durch die\nuns die Kunst über die Alltagswelt erhebt, vergisst."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.5", "texte": "Der neue Saal ist auf die Länge von 103 Fuss 46\nFuss breit und 35 Fuss hoch; im antiken Baustyl sehr ge-\nschmackvoll gebaut, macht er bei glänzender Beleuchtung\ndurch vierzig Sterne von je acht Gasflammen, die von der\nDecke an vergoldeten Stangen herab hangen, gleich beim\nEintritt einen überraschenden Eindruck. Wäre er 10 bis\n12 Fuss länger, so dürfte er ohne Zweifel für einen der\nschönsten Concertsäle Deutschlands anerkannt werden. Es\nist jedoch Baum zu einer solchen Verlängerung in der Zu-\nkunft vorhanden, und bei den ganz ausgezeichneten\nakustischen Verhältnissen hört man in dem damit verbun-\ndenen Voi saale fast eben so gut, als in dem Hauptsaale.\nIn der Mitte der Langwand (der Fensterseitc gegenüber)\nsteht in einer Nische das kolossale Brustbild des Königs\no\nauf einer marmornen Säule, zu beiden Seiten zwei eilf\nFuss hohe Spiegel in Goldrahmen, das Geschenk eines in\nFrankreich wohnenden, in Barmen geborenen Kunst-\nfreundes.\nIn d er hinteren Querwand nimmt die Orgel zwischen\nzwei korinthischen Säulen die Mitte ein; fünf Karyatiden\ntragen den Architrav, und zwischen jenen stehen vierzig\nPrincipalpfeifen von englischem Zinn im Prospect. Der\nOrgel gegenüber, oberhalb der drei Eingänge des Saales,\nbefindet sich eine, jedoch nur vier bis fünf Fuss vorsprin-\ngende Galerie.\nDas Concert am Samstag den 23. Februar begann\nmit Beethoven's Ouvertüre: „Zur Weihe des Hauses\",\nOp. 124, deren Aufführung sogleich die Klangfülle offen-\nbarte, die nachher bei den Chören und bei jeder einz'el-\nnen Gesang- und Instrumental-Leistung immer wunder-\nbarer hervortrat. Die Ausführung war präcis und schwung-\nvoll, das Geigen-Quartett sehr brav, die Blas-Instrumente\nzum Iheil (z. B. Oboe, Trompete) vorzüglich, allein im\nGanzen doch die schwache oder vielmehr die zu starke\nSeite der Capelle.\nNach der Ouvertüre sprach Herr C. Siebe), der sich\ndurch seine Dichtungen einen Namen in der zeitgenössi-\nschen poetischen Literatur erworben hat, einen Prolog, in\nwelchem er die fünf Priester des deutschen Musentempels:\nBach, Händel, Haydn, Mozart und Beethoven, vorführte\nund über die Bestimmung des neuen Saales recht schöne\nWorte sagte.\nHändel's Messias, zum ersten Male in Deutschland\nmit Orchester und Orgelbegleitung in einem Concertsaale\naulgelührt, wurde fast in der ganzen Vollständigkeit der\nPartitur mit Weglassung von nur wenigen Nummern\ngegeben. Dennoch blieb die Theilnahme des Publicums\nbis zum Ende in vollem Maasse gespannt. Gleich der erste\nChor in A-dur:„Denn die Herrlichkeit Gottes\", erregte\ndurch die mächtige, von der akustischen Architektur des\nSaales wunderbar zusammengehaltene und verstärkte Klang-\nlülle einen unwillkürlichen Ausbruch des lautesten Bei-\nfalls. Aber dieser Beifall galt auch zugleich der Präcision\nder Ausführung, der Sicherheit und Festigkeit der Ein-\nsalze, der sichtbaren Freude am Gesänge, die den Chor\n(Singverein und Liedertafel von Barmen und Singverein\naus Elberfeld) belebte und von Anfang bis zu Ende der\nganzen Aufführung sich gleich blieb. Herr Krause leitete\ndas Ganze mit Ruhe und Sicherheit, und hatte die Genug-\nthuung, in der gelungenen Aulliihrung des grössten Mei-\nsterwerkes der deutschen Tonkunst den Lohn seiner künst-\nlerischen Bestrebungen zu ärnten, der ihm um so bereit-\nwilliger durch den Beifall aller Kenner zuerkannt wurde,\nje anspruchsloser und bescheidener er ihn durchaus nicht\nzu suchen schien.\nHerr Karl Schneider aus Wiesbaden war wieder\neinmal ganz das, wozu ihn die Natur und sein Fleiss ge-\nmacht haben, ein vollendeter Oratoriensänger. Wir dürfen\naber nicht unterlassen, zu bemerken, dass sowohl ihm, als\nallen Solisten, die oft erwähnten akustischen Vorzüge des\nSaales ihre Aufgabe ausserordentlich erleichterten. Eben\nso classisch waren die Leistungen des Fräuleins Fran-\ncisca Schreck aus Bonn. Auch Herr Schiffer aus Köln\nsang die Bass-Partie befriedigend. Die Sopran-Partie war\ndem Fräulein Marie Büschgens aus Crefeld anvertraut;\nfür eine junge Sängerin, die erst vor Kurzem ihre Studien\nin Leipzig beendigt hat, lös'te sie ihre schwierige Aufgabe\nauf anerkennungswerthe Weise. Sie ist im Besitz einer\nschönen, volltönigen Sopranstimme und wird bei fortge-\nsetztem Fleiss unter guter Leitung, deren sie für Ausdruck\nund Aussprache noch sehr bedarf, eine gute Sängerin wer-\nden. Sie erhielt mehrfach recht lebhaften Beifall.\nDas Concert am Sonntag den 24. Februar brachte\nBeethoven's Lconoren-Ouverture und C. M. von Wre-\nber's Jubel-Ouverture. Dazwischen Vorträge der genann-\nten Solisten. Die talentvollen Gebrüder Seiss, von denen\nder ältere (Franz), ein sehr braver Violinist, schon seit\nlängerer Zeit in Barmen wohnt, der jüngere (Isidor),\nPianist, seinen ersten Künstler-Ausflug an den Rhein ge-\nmacht und sich durch sein Spiel in der musicalischen Ge-\nsellschaft in Köln ganz vorzüglich empfohlen hatte (vergl.\nNiederrh. Musik-Zeitung Nr. 8), vertraten die Instrumen-\ntal-Vorträge. Ersterer spielte das Concert von Mendelssohn\n(nachgerade wird es Zeit, dass die Violinisten sich erinnern,\ndass es noch andere Concerte gibt!) mit vorzüglicher Tech-\nnik; sein jüngerer Bruder trug das Concert in Es-dur von\nC. M. v. Weber vor und ärntete durch glänzende Bravour und\nkünstlerischen Vortrag, der leider nicht zum besten durch das\nOrchester unterstützt wurde, rauschenden Applaus.\n\nL.B."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.6", "texte": "Die Oper „Faust“ von Gounod.\nUeber diese am 10. Februar auf der darmstädter\nHofbühne zuerst aufgeführte Oper des französischen Com-\nponisten geht uns ferner von einem Freunde ein kurzer\nBericht zu, der aus der Feder eines dortigen Renners ge-\nflossen. Der Mann schreibt: „Mit ganz besonderem Ver-\ngnügen gebe ich Ihnen Nachricht über die gestern zum\nersten Male in Scene gegangene Oper Faust. Ich gestehe\noffen, seit vielen Jahren im Gebiete der Oper keine Novi-\ntät gehört zu haben, welche mich in der Weise angespro-\nchen, wie dieser Faust. Die Göthe'sche Dichtung, recht\ngeschickt bearbeitet, ward mit einer ihr entsprechenden\nund ebenbürtigen Musik ausgestattet, welche von einem\nsehr bedeutenden Talente ihres Schöpfers Zeugniss ablegt.\nBesonders ist es der dritte Act, der wahrhaft hinreissend\nwirkt nicht etwa durch blendenden musicalischen Auf-\nputz oder gar Effecthascherei nein, sondern durch den\nAdel seiner Melodieen, so wie durch den wahrhaft poeti-\nschen Geist, der ihn durchweht. Die anderen vier Acte\nsind geringeren Gehaltes, können aber doch einen Ver-\ngleich mit einer Meyerbeer'schen Oper sehr zu ihren Gun-\nsten aushalten. Diese Oper wird ihren Weg durch Deutsch-\nland bald gemacht haben. Die Aufführung anlangend, vor-\nnehmlich in Bezug auf die Leistung der Sänger, war das\nMeiste nur mittelmässig. Der grossen Aufgabe gewachsen\nwaren nur Fräulein Schmidt (Gretchen) und Herr\nBecker (Faust). Diese Beiden leisteten Ausgezeichnetes.\nCapellmeister Schindelmeisser hat sich mit dem Werke\ngrosse Mühe gegeben und um dessen äusserst beifällige\nAufnahme sich sehr verdient gemacht.—Zur zweiten Auf-\nführung dieser Oper am 17. Februar war der Compo-\nnist persönlich erschienen, und soll er sich über die Sceni-\nrung, die Leistung der oben genannten Darsteller, insbe-\nsondere über das Orchester lobend ausgesprochen haben.\"\n\nNeuntes Gesellschasts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 5. März 1861.\nProgramm. Erster Theil: 1. Ouvertüre zur Zauberflöte von\nW. A. Mozart. 2. Gebet: „Verleih' uns Frieden*, für Chor und\nOrchester von F. Mendelssohn-Bartholdy. 3. Arie aus Or-\npheus von Gluck; Fräulein Wilhelmine von Kettler. 4.\nViolin-Concert in E-moll von Ed. Franck; Herr Concertmeister\nGrunwald. 5. „Gesang Heloisens und der Nonnen am Grabe Abä-\nlard's\" für Alt-Solo, Chor und Orchester von F. Hill er; Solo:\nFräulein von Kettler. 6. Phantasie für Violoncello von Piatti, ge-\nspielt von Herrn Alexander Sc Ii mit aus Moskau. 7. Alt-Arie:\n„O hör' mein Fleh'n\" (Fräulein von Kettler), mit Chor aus Samson\nvon Händel. 8. Ouvertüre zu Göthe's Iphigenie von Bernhard\nScholz (zum ersten Male).\nZweiter Theil: Musik von L. van Beethoven zu Vigano's\nBallet: „Die Geschöpfe des Prometheus* (zum ersten Male).\nDas Concert war sehr interessant durch Mannigfaltigkeit und\ndas viele Neue, welches theils in wirklich neuen Compositionen,\ntheils in hier zum ersten Male gehörten bestand. Auch F. Hill er's\nHelo'isen-Gesang und Ed. Franck's Yiolin-Concert waren so gut\nwie neu, da ersterer, vor zehn Jahren einmal gehört, erst jetzt ge-\ndruckt worden (Naenia Heloisae et Monalium, Op. 62, Breslau, bei\nF. E. C. Leuckart), und letzteres auch nur Ein Mal (den 6. No-\nvember 1855 von Th. Pixis) vorgetragen worden\nUeber Hiller's Grabgesang Helo'isens u. s. w. verweisen wir auf\nunsere Beurtheilung in Nr. 49 des Jahrgangs 1860 vom 1. Decem-\nber, und haben nur hinzuzufügen, dass die tief empfundene, süss\n(nicht süsslich) melodische Composition einen Erfolg hatte, den wie-\nderholter Applaus bekundete.\nDas Concert für die Violine in E-moll von Eduard\nFranck wurde von Herrn Concertmeister Jul. Grunwald so\nmeisterhaft gespielt, dass jedem Solo und jedem Satze der Täu-\nschendste Beifall und dem Schlüsse Hervorruf folgte. Herr Grun-\nwald erregte durch Fülle des Tones, Reinheit des Spiels, glänzende\nTechnik die Bewunderung des Publicums und, was mehr als das\nAlles ist, durch treffliche Auffassung und seelenvollen Vortrag der\nschönen Composition eine hohe Befriedigung bei allen, die in der\nMusik mehr als Virtuosität suchen. Wir sagten: der schönen Com-\nposition das ist aber viel zu wenig gesagt für dieses ausge-\nzeichnete Werk, bei dessen Dichtung die Muse der Tonkunst dem\nComponisten in glücklichster Stunde gelächelt hat. Was wir vor\nsechs Jahren (in Nr. 45 des Jahrgangs 1855 vom 10. November)\nüber Erfindung und Entwicklung der Motive, über den bedeutenden\nInhalt, durchweg edeln Charakter und die poetische Stimmung,\nwelche namentlich den ersten und zweiten Satz durchweht, geschrie-\nben haben, ist uns durch die jetzige Ausführung noch überzeugen-\nder bewährt worden, und auch das Publicum nahm das Werk mit\ngrossem Beifalle auf. Hatte es doch einige Tage vorher, von Harm\nGrunwald in der musicalischen Gesellschaft gespielt, dort eine wahre\nBegeisterung bei den zahlreichen Zuhörern erregt. Den Wunsch, den\nwir bei der Aufführung im Jahre 1855 aussprachen, die damals am\nSchlüsse des ersten Satzes auf einem langen Orgelpunkt befindliche\nCadenz verkürzt zu sehen, jetzt in vollem Maasse erfüllt zu hören,\nwar uns recht erfreulich; Franck hat nämlich jene Cadenz so gut wie\nganz gestrichen, wodurch offenbar der edle Stil des ganzen Satzes\nin reinerer Form erscheint. Gegen diesen Stil scheint uns nur noch\nder Vortrag einer Arpeggien-Stelle in demselben Satze »mit sprin-\ngendem Bogen\" zu Verstössen, der, wie wir vernehmen, in der Violin-\nstimme vom Componisten vorgeschrieben ist. Herr Grunwald ist mit\nuns gleicher Meinung, dass der gebundene Vortrag mit breitem\nStrich hier wirkungsvoller und den Melodieen der Blas-Instrumente\nan dieser Stelle angemessener sein würde.\nNun aber fragen wir: wie ist es möglich, dass ein Violin-\nConcert von solchem Gehalte, und das zugleich dem Spieler Ge-\nlegenheit gibt, als solcher zu glänzen denn es gehört allerdings"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.7", "texte": "ein Meister dazu, es ganz zur Geltung zu bringen —, noch nicht\ndurch den Druck veröffentlicht ist? Liegt dies an Franek's Beschei-\ndenheit oder an dem Mangel an Urtheil bei den Musik-Verlegern?\nDie grossen und kleinen Geiger unserer Zeit spielen fast nichts mehr\nals Beethoven's und Mendelssohn's Concert; wie gern würden sie\ndanach greifen, wenn ihnen ein neues, jenen ebenbürtiges, gehalt-\nvolles und glänzendes zugänglich wäre!\nEine völlige Neuigkeit war die Ouvertüre (D-moll) zu Gö-\nthe's Iph igenie von Bernhard Scholz, Capellmeister in\nHannover. Es will etwas sagen, wenn eine Ouvertüre als achte\nNummer nach sieben vorhergegangenen, deren Ausführung über an-\nderthalb Stunde gedauert, noch ein solches Interesse und eine so\ngespannte Aufmerksamkeit erregt, wie dies bei dem neuen, hier noch\nganz unbekannten Werke von Scholz der Fall war. Und das war\nnicht Ergebniss der Neugierde, wie das bei prahlend angekündigten\nund bevorredeten Producten der Zukunftsmusiker häufig der Fall\nist, sondern des Eindrucks, den gleich von vorn herein das Largo\nder Einleitung machte, das durch einen, wir möchten sagen: Cheru-\nbinischen, Charakter frappirte. Das Thema des Allegro agitato:\nsteigerte die Theilnahme, und die Erwartung, welche die Introduction\nund der Eintritt des Allegro's rege machten, wurde keineswegs ge-\ntäuscht, das Werk hatte einen entschiedenen Erfolg, und es verdient\nihn vollkommen; ja, wir stehen nicht an, zu sagen, dass es unter\nden vielen Ouvertüren neueren Datums eine sehr hervorragende\nStelle einnimmt und den grossen Mustern der Gattung am nächsten\nkommt. Zunächst ist hervorzuheben, dass die Ouvertüre ein ein-\nheitliches musicalisches Ganzes bildet; sie hält eine ausgeprägte\nStimmung fest, welche sich ohne gezwungene Deutung aus dem\nDrama entwickeln lässt, und sie vermeidet, sich in Ausmalung des\nDetails der dramatischen Handlung zu verlieren und dadurch auf\nunmusicalische Weise Programm-Musik zu werden. Der Componist\narbeitet mit langen Motiven, nicht mit Stückwerk, seine Ouvertüre\nhat Fluss und Klarheit, aber Beides nicht auf Kosten der Phantasie\nund des höheren Fluges, und sie hat Charakteristik und Wirkung\ndurch rein harmonisch-musicalische Mittel, nicht durch übermässige\nAccord-Gebilde, schneidende Vorhalte und Missbrauch der Dissonan-\nzen und der lärmenden Klang-Instrumente. Gegen die früheren Com-\npositionen von Scholz, die uns alle Achtung vor dem Wissen des\n\\\nMusikers und der gediegenen Arbeit einflössten, finden wir in dieser\nOuvertüre einen grossen Fortschritt in Bezug auf Erfindung, und\neine Durchführung, die nicht bloss interessant, sondern voll Leben\nund Schwung ist, stets anregt und keineswegs bloss den Verstand\nin Anspruch nimmt. Eine schwierige Aufgabe war es, den versöh-\nnenden Schluss des Drama's auch durch den Schluss der Ouvertüre\nanzudeuten. Ihre Lösung würde dem Componisten ganz gut gelun-\ngen sein, wenn die Flöte nicht zu solomässig, fast virtuosenartig,\ndabei mitwirkte. Die auf d eis H A absteigende, im pp fortsurrende\nAchtel-Figur der Bratschen und Bässe, das „Lebewohl« in den Hör-\nnern und Fagotten anklingend an Beethoven's Sonate Op. 81\ndeuten recht schön die Einschiffung und den Abschied an; auch der\nEintritt der Flöte ist an sich ein recht hübscher Gedanke, aber die\nAusführnng ist zu kraus; verhallende Melismen in Halben oder Vier-\nteln würden unserer Meinung nach angemessener sein.\nDer Sängerin Fräulein Wilhelmine von Kettler ging ein\nempfehlender Ruf vorher; sie besitzt eine wohllautende Altstimme,\nderen höhere Töne aber nicht forcirt werden dürfen, doch ist im\nGanzen ihr Vortrag etwas eintönig und hat zu wenig Colorit. Die\nPartie der Heloise sang sie recht gut, eben so die Recitative zwi-\nschen der ersten Arie (in drei Sätzen) aus Gluck's Orpheus. Die\nAiie selbst, so wie die Arie aus Händel's Samson sprachen das Pu-\nblicum weniger an. Da Fräulein von Kettler überhaupt an dem Con-\ncertabende nicht gut disponirt war, so würde es ungerecht sein, ein\nzu strenges Urtheil über ihre Leistung zu fällen.\nHerr Alexander Sch mit aus Moskau erregte durch seine\nausgezeichnete Technik auf dem Violoncell, die er in dem glänzen-\nden Vortrage einer Phantasie von Piatti, welche bedeutende Schwie-\nrigkeiten bot, bewährte, einen rauschenden Beifallssturm.\nBeethoven's Musik zu dem Ballet: „Die Geschöpfe des\nPrometheus', wurde, mit Ausnahme der mehr bekannten Ouver-\ntüre, hier zum ersten Male gehört. Zu vollem Verständniss der ein-\nzelnen Nummern würde ein ausführlicheres Programm der Panto-\nmime nöthig sein. Die Ueberschriften reichen dazu nicht hin. Das\nwird aber schwerlich noch irgendwo aufzufinden sein, da ja bis vor\nKurzem noch Zweifel darüber geäussert wurden, ob überhaupt die-\nses Ballet von Vigano wirklich jemals gegeben worden sei. Diese\nsind nun durch einen Theaterzettel in Wien vom Jahre 1801 geho-\nben, den Dr. Leopold Sonnleithner aufgefunden» Danach fand\ndie erste Vorstellung den 28. März 1801 im Hofburg-Theater Statt,\nund das Ballet wurde in diesem und dem folgenden Jahre oft wie-\nderholt; seitdem aber bei Lebzeiten Beethoven's nicht wieder. Erst\nim Jahre 1843 am 18. November kam es wieder zum Vorschein,\nam Kärnthnerthor-Theater in zwei Acten und sechs Abtheilungen,\naber mit Musik von Beethoven, Mozart und J. Haydn. Aus Beet-\nhoven's Partitur wraren nur die interessantesten Stücke benutzt.\nAuch in Mailand kam am 22. Mai 1843 im Theater Alla JScala das\nBallet zur Aufführung, aber umgearbeitet und ebenfalls nur mit\ntheilweiser Benutzung von Beethoven's Musik (Schindler, 1., p. 78 ff).\nDie Composition fällt also in die erste, so genannte Mozart'sche\nPeriode Beethoven's und folgte unmittelbar der ersten Sinfonie in\nC-dur. Es fragt sich nun, ob die vier Nummern Tanzmusik, die\nwir ausser der Ouvertüre besitzen, alles gewesen, was Beethoven\nzu dem Ballet geschrieben. Das ist kaum denkbar; denn wie hätten\ndiese ein ganzes Ballet füllen können? Pantomimen-Scenen ohne\nMusik sind doch auch nicht möglich ; also haben sich wahrschein-\nlich die Verbindungs-Nummern verloren, oder Beethoven hat dem\nBalletmeister erlaubt, Einschaltungen zu machen, wie sie später\nStatt fanden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610309-01.1.8", "texte": "Zu den Curiositäten, die sich an diese Musik Beethoven's knü-\npfen, gehört, dass der Beginn der Ouvertüre mit einem dissoniren-\nden Accord den Capellmeister P rein dl (1758—1826) dermaassen\nerbitterte, dass er dem Neuerer ewige Feindschaft schwur und den\nSchwur auch hielt (Schindler a. a O.). Ferner ist die Rolle, welche\ndie schöne Melodie des Finales im Ballet bei Beethoven spielt, merk-\nwürdig. Am bekanntesten ist sie durch das Finale der Sinfonia\neroica geworden, bei deren erster Aufführung in Wien sie bei Vie-\nlen, denen sie aas dem Ballet noch in Erinnerung war (denn wer,\nder sie einmal gehört, könnte sie auch wohl vergessen?), Anstoss\nerregte. Sie erscheint aber zuerst in „Sechs Contratänze von Beet-\nhoven. Bonn, bei Simrock.\" Darauf im Ballet „Prometheus\". Dann\nals Thema zu den fünfzehn herrlichen Variationen Op. 35, gedruckt\nim Jahre 1803. Hier schon mit: „Introduzione col Basso del The-\nma*. Endlich im Finale der Eroica, ebenfalls mit der Einleitung\ndurch den Bass und dessen Variirung bis zum Eintritt der Melodie\nmit vollem Orchester.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n26. Februar. Das Concert, welches Herr Ernst Hel-\nfer in den schönen Räumen des neuen Casinogebäudes veranstaltete\nund leitete, fand eine grosse Theilnahme und eine treffliche Ausfüh-\nrung. Es begann mit C. M. von Weber1 s Ouvertüre zu Oberon.\nDaraufführte uns Herr von Königslöw sein meisterhaftes Gei-\ngenspiel vor. Es war ein Violin-Concert von Spohr, worin der Künst-\nler die Zuhörer entzückte, sowohl durch die Leichtigkeit, mit der\ndie schwierigsten Passagen überwunden wurden, als durch die Rein-\nheit, Fülle und Rundung des Tones, wie ganz besonders durch den\nseelenvollen Vortrag, der das Spiel des Herrn von Königslöw weit\nüber die bewunderte Technik so mancher anderen Violin-Virtuosen\nerhebt. Der Künstler wurde mit dem rauschendsten Beifalle gelohnt.\nDer 42. Psalm von Mendelssohn: „Wie der Hirsch schreit\") wurde\nvom Gesangvereine vorgetragen, die Arien sang Fräulein Arnold\naus Elberfeld. Noch einmal trat Herr von Königslöw auf mit jenem\ngesangreichen Andante von Ernst, an dem wir nichts mehr be-\nklagten, als dass der Schmelz der perlenden Töne so schnell vor-\nüberzog. Den würdigen des Coneertes bildete die C-moll-\nSinfonie (Nr. 5) von Beethoven. Wir erinnern uns nicht, eine Beet-\nhoven'sche Sinfonie hier in Essen in solcher Abrundung gehört zu\nhaben. Die Ausführung liess kaum etwas zu wünschen übrig; das\nherrliche Werk kam zu ergreifender Wirkung.\nHei'liai. Die Gastpiele im Opernhause nehmen nächstens ihren\nAnfang. Es treffen dazu binnen Kurzem hier ein : die Sängerin Fräu-\nlein Georgine Schubert von Dresden, Fräulein Lucca von Prag und\nMadame Ferraris aus Paris Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Thea-\nter ist Herr Wachtel in einigen Monaten als Gast zu erwarten. Herr\nDirector Wallner hat den grössten Theil des Opern-Personals vom\nhamburger Stadttheater nebst Chor und Capellmeister Stoltz enga-\ngirt, um während der Sommermonate in seinem Theater zu gastiren.\nMainz« Unser Theater hat seit Kurzem den Versuch gemacht,\nO 7\nstatt der früheren Einleitungs- und Zwischenact-Musik bei kurzen\nLust- und Schauspielen gediegene Musikwerke zur Aufführung zu\nbringen. So hörten wir bereits an zwei Abenden die Sinfonieen in\nD und A (Nr. 2 und 8) von Beethoven in gelungener Weise execu-\ntiren, und die Vorführung von anderen Sinfonieen steht in Aussicht.\nWir begrüssen diese Neuerung mit Freuden und hoffen, sie ander-\nwärts nachgeahmt zu sehen.\nDer berühmte italienische Tenorist Carrion gastirt gegenwärtig\nhier. Er trat bis jetzt in zwei Rollen, „Troubadour\" und Nacht-\nwandlerin\", auf und zeigte sich in beiden als eine Künstlergrösse\nersten Hanges. Derselbe wird noch in »Teil* auftreten.\nvei** Der ausgezeichnete Violin-Virtuose August\nKömpel hat seine Entlassung aus dem königlichen Capelldienste\ngenommen und wird für einige Zeit Kunstreisen machen.\nAlfred Jaell erhielt vom Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha\ndie Medaille nebst Decoration für Kunst und Wissenschaft.\nOffenbach wird, wie verschiedene Zeitungen melden, mit sei-\nner französischen Truppe im bevorstehenden Sommer Deutschland\nbereisen und in Berlin, Wien, Prag und mehreren anderen Städten\nVorstellungen geben.\nII e u t s c Ii e Tonhalle.\nZur einstweiligen Beruhigung derer, welche sich in den letzten\nTagen schriftlich an uns gewandt haben oder demnächst noch an\nuns wenden werden, bemerken wir, dass in Folge der schweren Er-\nkrankung des Herrn A. Schüssler, unseres Schriftführers, leider erst\nin einigen Wochen Antworten und überhaupt Kundgebungen von\nuns erfolgen können.\nMannheim, 9. März 1861. Der Vorstand.\nUeber das dritte Winter-Concert des kölner Männer-\ngesang-Verein s, in welchem Herr Alfred Jaell spielte, und\nüber die Soiree des Fräuleins Ingeborg-Starck berichten wir in\nder nächsten Nummer."}]}