{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_sha256": "d3a4c852c0450ce9fb4be21648ff7d9f89f77c43230f85f8b2f30f8c7125819b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/03/16_01/bmtnabi_1861-03-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "Inhalt.\nNachtrag zu Adrian Petit's Lebensskizze. Von Musik-Director L. Otto Kade Aus Osnabrück (A. Lindner Vio-\nloncellist aus Hannover Beethoven's Sinfonie Nr. VIII.). Von Severus. Die neue Harmonielehre. Von Psychander. Beetho-\nven's Musik zum Proraetheus-Ballet. Zehntes Gesellsehafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Musicalische Gesellschaft Paris, Erste Aufführung von Wagner's Tannhäuser)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "83", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.2", "titre_corps": "Nachtrag zu Adrian Petit’s Lebensskizze.", "titre_sommaire": "Nachtrag zu Adrian Petit’s Lebensskizze.", "signature_source": "L. Otto Kade", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.1", "debut_caractere": 432, "fin_caractere_exclue": 4301, "texte": "Nachtrag zu Adrian Petit’s Lebensskizze.\n\nDie Niederrheinische Musik-Zeitung veröffentlichte im\nJanuar dieses Jahres (Jahrgang IX., Nr. 3) die werthvolle\nAbhandlung über den verschollenen Meister Adrian Pe-\ntit Coclicus von Herrn Ernst Pasque in Darmstadt,\ndie im October vorigen Jahres von der niederländischen\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst mit einer Prä-\nmie gekrönt wurde. Die Mittheilungen über das ziemlich\nunstäte Leben dieses Meisters sind jedenfalls sehr interes-\nsant. Die Kunstgeschichte kann es dem geehrten Verfasser\nnur Dank wissen, neue, auf gründlichen Studien beru-\nhende Forschungen zu Tage gefördert zu haben. Indessen\nerscheinen sie nicht ganz vollständig, indem aus einigen\nziemlich umfassenden Aufschlüssen über das Leben und\nWirken des genannten Meisters, die schon früher in die\nOeffentlichkeit gelangt sind, z. ß. über den Aufenthalt\nAdrian Petit's in Preussen und sein Verhältniss zu\ndem Herzog Albrecht, nichts erwähnt ist. Auch spricht\nsich Adrian Petit über die von ihm angewandte Lehr-\nMethode, so wie über seine Studienzeit bei Josquin de\nPres ziemlich ausführlich mit eigenen Worten aus. Möge\nes mir daher gestattet sein, in einem kurzen Nachtrage\ndie fehlenden Daten zusammenzustellen.\nUeber Adrian Petit's Aufenthalt in Preussen, über\nsein ziemlich wüstes Treiben am Hofe des Herzogs Al-\nbrecht gibt uns ein ganz vortrefflicher Aufsatz Auskunft,\nder vor mehreren Jahren in der Zeitschrift „Germania\"\n(Band 11., 3. und 4. Lieferung) unter dem Titel: Ueber\ndeutsche Musik im sechszehnten Jahrhundert,\nvon Voigt in Königsberg erschien. Leider ist diese\nZeitschrift eingegangen, wie sie überhaupt wenig Verbrei-\ntung gefunden zu haben scheint. Ich theile daher die auf\nAdrian Petit bezüglichen Stellen wörtlich daraus mit.\n„Seit Adrian Petit's Verbannung &us den römischen\nStaaten\", heisst es daselbst, „erscheint er als ein talent-\nvoller, aber durchaus liederlicher und lasterhafter Vaga-\nbunde. Er durchstreifte einen Theil von Frankreich und\nSpanien und predigte in den Städten allerlei wüstes und\nwohl auch ketzerisches Zeug. Das verächtliche Achsel-\nzucken, mit dem man ihn überall fortwies, sicherte ihn\nvor härterer Strafe. Er gesteht selbst, dass man ihm nach-\ngesagt: Er ist ein Musiker, er ist ein Phantast, weiss nicht,\nwas er spricht; er ziehe seiner Wege. In Deutschland\nangekommen, wurde er Professor der Musik an der frank-\nfurter Akademie; aber der geringe Sold brachte ihn in\ndrückende Lage. Dem Herzog Albrccht empfahl er sich,\nals derselbe einst in Wittenberg war. Philipp Melanchthon\nüberreichte einen Gesang in des Künstlers Namen, dem\ndieser noch mehrere folgen liess. Der Herzog zeigte sich\nAnfangs durch Geschenke erkenntlich, bis er ihn ganz in\nseine Dienste nahm. Seine Gesänge erfreuten Albrecht, der\nihn nur den Kunstreichen nannte. Aber das lockere Le-\nben des Künstlers bereitete ihm fortwährend Unannehm-\nlichkeiten und brachte ihn endlich wieder um seine Stel-\nlung. Zuerst nahm er sich heraus, wieder seine wirren\nLehren in Kirchenpredigten hören zu lassen, wenngleich\nnur wenig Leute sein fremdes Geschwätz verstanden.\nHerzog Albrecht verlangte öffentlichen Widerruf. Dessen\nschämte sich der eitle Prälat. In seiner Eingabe an den\nHerzog versuchte er allerlei Ausflüchte und Mitleid erre-\ngende Bitten: er habe nur vor drei oder vier Leuten ge-\nsprochen, und zwar lateinisch, wie könne er da deutsch\nwiderrufen? er kenne diese niedere Sprache wenig und\nwürde sich vor dem Volke nur lächerlich machen; er gelte\nhier für einen Heiden, weil das Volk noch sehr rob sei.\nDann heisst es aber weiter: er sei ein schwacher Greis,\nstehe allein in der Welt da, wolle gern den letzten Best\ndes Lebens beim Herzoge bleiben, wenn man gelinder mit\nihm verführe und ihm einen Sold gebe; man möge ihn\njetzt zur Winterzeit nicht fortgehen heissen. In der Unter-\nschrift dieses Briefes er sich „„Musicus und ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5349, "texte": "fangener Vogel.\"\" —Der Herzog scheint ihm für diesmal\nverziehen zu haben. Nach wenigen Jahren aber gab es\neinen noch ärgeren Scandal mit ihm. Der schwache Greis\nliess sich verführen, sich mit einer armen Witwe von\nhöchst zweifelhaftem Rufe zu verheirathen. Allerlei un-\nsaubere Geschichten kamen dabei noch zum Vorschein.\nVergeblich verschwendete da Coclicus abermals seine jam-\nmervollen Worte. Die Verhandlungen zogen sich noch über\nein Jahr hin, wo ihn der Burggraf von S'reussen das Land\nverlassen hiess. Im strengen Winter musste der alte Sün-\nder nach Nürnberg wandern auf beschwerlichen Wegen,\nund noch immer schrieb er demüthige Briefe an seinen\nvormaligen Gönner, schickte ihm auch Psalmen zu, die er\ngesetzt, aber vergebens. Er scheint bald gestorben oder\ndoch verschollen zu sein.\"\nVortreffliche Lehren über Compositions-Unterricht, so\nwie Mittheilungen über seine Studienzeit bei Josquin de\nPres hat er in dem Werkchen: musices,\nNürnberg, 1552, Pars 11., De musica figurali, nieder-\ngelegt. Er äussert sich darin folgender Maassen*):\n„Mit voller Ueberzeugung wünsche ich, der Jugend\nes unaufhörlich an das Herz zu legen, und werde nicht\nmüde, sie zu ermahnen, dass sie nicht zu lange an den\nSchriften der mathematischen Tonsetzer klebe, die so viele\nArten mehrender und mindernder Zeichen ersonnen ha-\nben, aus denen kein Nutzen, wohl aber allerhand Gezänk\nund Zwietracht hervorgeht, und die eine an sich leichte\nSache höchst schwierig machen, sondern dass sie alle Kraft\ndes Geistes dahin wende, zierlich singen und die Worte\ngehörig unterlegen zu lernen; denn Gott hat uns\ndie Tonkunst gegeben, um die Töne auf anmuthige Weise\nzu verbinden, nicht um zu hadern, und für einen rechten\nTonkünstler darf nicht derjenige gelten, welcher von Zah-\nlen, Proportionen, Prolationen, Zeichen, Geltungen Vieles\nzu schwatzen und zu schreiben weiss, sondern wer regel-\nrecht und angenehm singt, jedem Tone die gebüh-\nrende Sylbe zutheilt, und so setzt, dass er fröhlichen\nWorten muntere Maasse gibt, und umgekehrt. In den bel-\ngischen Städten, wo die Sänger Belohnungen erhalten,\nwo man, ihrer theilhaltig zu werden, keine Mühe scheut,\num zu dem Ziele, einem ausgebildeten Gesänge, zu gelan-\ngen, wird in den Schulen kein Heft in die Feder gesagt,\nnoch nachgeschrieben. So auch hat mein Lehrer Josquin\nde Pres nie ein solches Heft verlasst, noch vorgelesen.\nDenn er hielt seine Schüler nicht mit langen und eitlen\nVorschriften hin, sondern im Gesänge selber lehrte er mit\nwenigen Worten die Regel durch deren Ausübung unmit-\ntelbar kennen. Sah er die Seinen gesangfest in guter Aus-\nspräche, angemessener Verzierung, zweckmässiger Unter-\nlegung der Worte wohlgeübt, so lehrte er sie die voll-\nkommenen und unvollkommenen Zusammenklänge kennen,\nüber einen Caritas ßrmu-seine begleitende Stimme erfin-\nden u. s. w. Nahm er nun wahr, dass Einer munteren,\nregen Geistes sei, so lehrte er ihn mit wenigen Worten\ndrei-, vier-, fünf-, sechsstimmig setzen, immer an Beispie-\nlen ihn fortleitend. Denn nicht Alle hielt Josquin zu Ton-\nsetzern für geschickt, und es war sein Grundsatz, nur\nsolche dahin auszubilden, die ein besonderer innerer Drang\nzu dieser herrlichen Kunst hinzog, denn, sagte er, es gibt\nso viele anmuthige Werke dieser Kunst, dass\nAehnliches oder Besseres kaum Einer unter\nTausenden hervorbringen wird*).\"\nS hr wünschensvverth wäre es gewesen, wenn der ge-\nehrte Verfasser obiger Preisschrift einige ausgewählte Bei-\nspiele von Adrian Petit's Arbeiten mitgetheilt hätte.\nMan würde daraus am besten ersehen, ob Adrian's treff-\nliche Lehren mit der Praxis Hand in Hand gegangen seien.\nDenn die Stelle, wo er seine Schüler dringend ermahnt,\nsich der Textstellung gehörig zu belleissigen, ist ganz\nbedeutungsvoll. Die Textstellung findet sich nämlich bis in\ndie Mitte des sechszehnten Jahrhunderts stark vernach-\nlässigt. Blieb sie wirklich bloss dem mündlichen Unterrichte\nüberlassen, wie allerdings aus dem obigen Berichte her-\nvorzugehen scheint, oder wurde sie erst durch die Nach-\nlässigkeit .der Schreiber oder Drucker entstellt, gleichviel\n— der Mangel gehöriger Sorgfalt in dieser Beziehung\nmacht eine Bedaction unbedingt nothwendig. Diese hat\naber ihre besonderen Schwierigkeiten, wenigstens scheint\ndas Geheimniss, eine correcte, nach festen Principien ge-\nordnete Textes-Unterlage herzustellen, zur Zeit noch nicht\ngelös't. Erst in der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahr-\nhunderts wird diese genauer, sorgfältiger. Es wäre nun\ninteressant gewesen, zu erfahren, ob Adrian Petit unter\ndiejenigen zu rechnen ist, welche sich einer richtigeren,\nsorgfältigeren Textstellung belleissigten, und ob ihm viel-\nleicht das Verdienst zugeschrieben werden muss, mit Wort\nund That auch in textischer Beziehung jene Vollendung\nder Compositionsweise herbeigeführt zu haben, die wir\nden Werken der classischen Periode (also ungefähr von\n1560 —1600) in so hohem Grade nachrühmen müssen.\nSchliesslich erwähne ich noch, dass die münchener\nflof- und Staats-Bibliothek ein Werk von Adrian Petit\nbesitzt, das den Titel führt:\nNürnberg, 1552, 4to (Nr. 161). Ob dieses Druckwerk\nidentisch ist mit jenem schon von Herrn Pasque angeführ-\n\nAuch hier bediene ich mich der Uebersetzung, wie sie der in\nder Germania befindliche Aufsatz von Voigt gibt.\n*) Und das sagte dieser Meister um das Jahr 1500! Fiat appli-\ncatio im Jahre 1861 !\nAnmerkung der Bedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 189, "texte": "ten Werke: Consolationes ex\n1552, kann ich nicht sagen, da es mir zur Zeit noch nicht\nin die Hände gekommen ist.\nSchwerin, den 3. März 1861.\n\nL. Otto Kade,\nGrossherzoglicher Musik-Director."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "85", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.3", "titre_corps": "Aus Osnabrück.", "titre_sommaire": "Aus Osnabrück.", "signature_source": "Severus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.3", "debut_caractere": 191, "fin_caractere_exclue": 5224, "texte": "Aus Osnabrück.\n\n[A. Lindner, Violoncellist aus Hannover Beethoven's\nSinfonie Nr. VIII.]\nDen 5. März 1861.\nMit aufrichtigem Vergnügen berichte ich Ihnen von\ndem noch immer im Steigen begriffenen Wetteifer unse-\nrer musicalischen Kräfte, welchem wir heute Abends das\nerste von zwei Abonnements-Concerten des hiesi-\ngen Militär-orchesters zu verdanken hatten. Nach\ndem Vorgange anderer Begiments-Capellen, namentlich\ndes Musikcorps der Garde-Cuirassiere zu Northeim bei\nGöttingen, dessen Abonnements-Concerte während des lau-\nfenden Winters durch Kömpel's Mitwirkung ausgezeich-\nnet waren*), hatten beide hiesige Militär-Musikcorps zur\nVeranstaltung einer Soiree für classische Orchestermusik\nsich vereinigt und den königlichen Kammermusicus Herrn\nA. Lindner aus Hannover zur Mitwirkung bewogen.\nUnter den Mitwirkenden im Orchester bemerkte man bei\nden Bratschen den ursprünglichen Dirigenten des Orchester-\nVereins, Herrn Küchenmeister. Drei Celli—Herrn Lindner\nausgenommen (s. u.) —, eben so viele Contrabässe, zweite\nGeigen in entsprechender Anzahl und acht erste Violinen\nbildeten nebst den Bratschen das Quartett. Mit tapferer\nFaust wurde C. M. von Weber's Euryanthen-Ouverture\nzur Eröffnung des Concertes gespielt. Es folgte Lindner's\nOp. 34, Violoncell-Concert mit Orchester (Leipzig, bei\nSiegel): Allegro A-moll,Serenade und Tarantella\nE-moll\\; und ferner dessen Capriccio Op. 22 (Braunschweig,\nbei Meyer), E-mollmit neu hinzu componirtem Mittelsatze\nAndante cantabileund Zusatz in der Coda. Das Spiel des\ngeehrten Componisten, eines Sohnes, irren wir nicht, des\nehemaligen Concertmeisters Lindner in Dessau, zeichnet\nsich durch echte Buhe bei grösster Bravour in gleichem\nGrade aus, wie das Gespielte durch Wohlklang und Beich-\nthum der melismatischen Erfindung. Einen Nachklang der\nEpoche Bomberg's und Hummers dürfen wir das Gehörte\nzwar nicht nennen; aber wenn das Wesen jener Epoche\ndie Erfüllung der von Havdn und Mozart hinterlassend»\nv- V\nclassischen Formen mit romantischem Inhalte war, so mag\nman vielleicht sagen, dass Männer wie Lindner uns dazu\ngegeben sind, zu zeigen, wie die mit Achtung und Ge-\nschmack für das architektonische Formgesetz der Musik,\ndieser flüssigen Baukunst, behaftete Bichtung während\njener Epoche doch nicht in dem Grade vollständig den\nSack geleert hat, in welchem seit etlichen Lustris oder\nDecennien die Prophetie, der keine Erfüllung folgt, es\nglauben machen will. Herr Lindner ist ein zu guter Ken-\nner des innigen Verhältnisses der Forderungen seines see-\nlenvollen Instrumentes zu den Forderungen der musicali-\nschen Kunst, um irgendwo, sei es gleich in dem Potpourri\neiner phantastischen Caprice, die Cantilene durch Abruptes\nzu verdrängen, oder den Werth des Periodenbaues mit\nseinen höheren Consequenzen für die Formation des Gan-\nzen aus den Augen zu verlieren. Wer seine Kerne pflanzt,\nbegiesst und wachsen lässt, wie Noah that, wird, was das\nSackleeren betrifft, nicht schlimmer fahren, als der mit\nBosinenballen um sich werfende Knabe, oder das deco-\nrationslustige Mädchen, das ein Kunstwerk herzurichten\nmeint, wenn es in halb und halb kaleidoskopischer Ord-\nnung ein ungekeimtes Beisskorn an das andere klebt. Herr\nLindner hat uns weder mit der Gährung ungeborener Ge-\ndanken überschüttet, noch mit Beissblumen anstatt der\nMärzglöckchen abgespeis't. Es knospen seine Gaben gleich\nden Frühlingsblüthen auf Stengeln, zwischen Blättern, wie\nsie die Natur uns bietet. Sei gleich hier und da der eine\noder andere Stengel etwas lang geschossen, so schiesst er\ndoch nicht nackt hervor, sondern von der Bänke der Ara-\nbeske mannigfach umwunden. Die Blume der Leistung,\ndie Lindner'sche Cantilene, hebt sich ab von einem Hin-\n-7 s\ntergrunde nicht selten mehrstimmiger oder arpeggirter,\nvon rapiden Octavengängen unterbrochener Passagen und\nCadenzen. Darauf gefasst, hier wirkliche Musik zu hören,\naber beiläufig gezwungen, über technische Künste zu er-\nstaunen, würde jeder Zuhörer unfehlbar die Partie dieses\nbeiläufigen Zwanges nehmen, liesse man ihn wählen zwi-\nschen diesem und zwischen exorbitanten Etüden über The-\nmata vom Bange eines „ Yanlcee cloodle\", womit auch wohl\neinmal ein Saitenkünstler ein gleiches Staunen sich errang.\nWir brauchen Herrn Lindner wegen dieser provocirenden\nGegenüberstellung nicht um Verzeihung zu bitten, da der-\nselbe als Joachim's Quartettgenosse wahrscheinlich besser\nals wir alle Bede stehen kann über die Vielseitigkeit des\n\n*) Kömpel's musicalische Laufbahn datirt von seinem früheren\nAufenthalte in Northeim. Aus Anhänglichkeit hat er in einem\nder gedachten Concerte daselbst die bekanntlich in seinen Be-\nsitz übergegangene Geige seines Meisters Spohr gespielt und\ndamit, wie es scheint, dem hannoverschen Boden Lebewohl\ngesagt. Gleichzeitig mit der Nachricht von dem dritten und\nletzten northeimer Abonnements-Concerte, d» d. 28. Februar,\ngeht uns nämlich im Wege der amtlichen Zeitungs-Bekannt-\nmachungen die Kunde von der auf Kömpel's Wunsch erfolgten\nLösung seines Dienst-Verhältnisses als königlicher Kammer-\nVirtuose in Hannover zu.\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5140, "texte": "Antagonismus in der Arena des den Gipfel des Zeilalters\nbeherrschenden Virtuosenthums und über die Mittel zu\ndem Zwecke, der Aufwiegelung des Publicums durch hun-\ndert erhitzte Impostoren die Abwiegelung durch einfaches,\nruhiges Imponiren folgen zu lassen. Genug für uns, dass\ner uns einmal zeigte, wie man der Technik den Zügel\nschiessen lässt, ohne das Ingenium unter den Rädern zu\nzermalmen. Möchten sich doch alle Musiker, die das Gleiche\nnoch nicht zeigen können, jenes Bild beschreiben lassen,\nwelches Plato von der Seele gab. Sie gleicht dem Führer\neines ungleichen Zweigespanns. Mag von dem wilden Rosse\ndas zahme gleich der Feigheit geziehen werden: dieses\nweiss gleichwohl, wie vor dem überwältigenden Anblicke\ndes Urbildes der Schönheit die zügellose Kraft zusammen-\nbricht, und wahres Leben in der Liebe schliesslich nur\ndurch dauerndes Zusammengehen von Zweckbewusstsein,\nKühnheit und Bescheidenheit ermöglicht wird. Für alle\nZeiten bleibt der platonische Mythus die höchste Kunst-\nAutorität; spiritualistisch und romantisch zu gleicher Zeit,\nund trotz seiner Ideen-Tiefe doch nur ein Gleichniss des\ngemeinen Lebens, gibt er einen Maassstab für jede Haupt-\nrichtung der Kunst, und nicht nur der schöpferischen, son-\ndern auch der executiven, die wir in Herrn Lindner's Lei-\nstung angenehm verbunden sahen. Man braucht die Figur\ndes Bildes oder deren musicalische Interpretation wie die\nLösung des Columbus-Räthsels nur Ein Mal zu sehen und\nzu hören, um die Richtigkeit der Sache zu begreifen; und\nwer sie begriffen hat, der wird gewissenshalber in alle Zu-\nkunft sich verhindert fühlen, das Aggregat mit dem Orga-\nnismus, das Quodlibet der Phrasen mit dem Ideal der Kunst\nzu confundiren. Mosaik ist nicht Architektur; und Musik,\nwill sie keine Stoppcllese, sondern einen Aernte-Reigen\nführen, muss dabei bleiben, die goldenen Aehren zum\nrunden Kranze zu flechten. Ohne Herrn Lindner's Inven-\ntion und Factur für unübertroffen zu erklären, danken wir\ndemselben gleichwohl dafür, dass und wie er durch\nVorführung eigener Compositionen uns erfreute. Mag es\nreichere geben, reifere Schöpfungen—wir sagen es mit\nBerücksichtigung der neu hinzugekommenen Theile des\nOp. 22—gibt es wenige für ein Instrument, das Matlheson\nim Jahre 1713 zuerst beschreibt und dessen Literatur\nnach wenigen Menschenaltern datirt*). Wir dürfen dess-\nhalb anerkennen, die Production war kein Dementi der\nAnkündigung, wonach in dem Concerte der vereinigten\nMilitärcorps nur classische Compositionen zur Aufführung\nkommen sollten. Die Dirigir-Stimme der Orchester-Beglei-\ntung lag in den Händen des Infanteris-Musik-Directors\nHerrn Asche, der sich auch mit der Strenge eines Sol-\ndaten und der W arme eines Bräutigams dem Einüben und\n✓\nLeiten der Ouverturen-Abtheilung des Concertes unterzo-\ngen hatte. Der Vorsteher der Cavallerie-Musik, Herr Ei-\ndam, dirigirte den Schlusstheil des Concertes, die achte\nSinfonie (F-dur) von Beethoven. Der wohldisciplinirten\nAufführung, die dem Vernehmen nach auch der in Gesell-\nschaft des Herrn Lindner eingetroffene Armee-Musik-Di-\nreclor Gerold aus Hannover als Zuhörer mit seiner Auf-\nmerksamkeit begleitete, wurde die der Fülle der Besetzung\nund dem Eifer des Dirigenten gebührende Anerkennung\nzu Theil. Vielleicht war die Bemerkung richtig, dass, je\nmehr sich die Besetzung des Orchesters dem wirksamsten\nVerhältnisse nähert, desto mehr die durch den volleren\nSaitenklang gedeckten Bläser suchen müssen, sich viel lie-\nber durch möglichste Sauberkeit der Intonation und Arti-\nculation als durch das Gegentheil die Aufmerksamkeit zu\nsichern. Dies gilt nicht vom Holz-Quartett, dem wir nur\nnoch die Fähigkeit eines schwächeren Ansatzes hätten wün-\nschen mögen bei dem tonischen der die\nharmonische Basis für das reizende Allegretto-Thema bil-\ndet. Mit reinster Wirkung stieg bis zum dreigestrichenen\ng die Clarinelte in dem lieblichen Solo des Trio der Me-\nnuet; leider hatte Herr Lindner, der die Cello-Begleitung\ngütigst übernommen, so tief im Orchester sich versteckt,\ndass man kaum einige Saitenklänge neben den Tönen der\nHörner und der Clarinelte im Plafond des Hörerraumes\nvernehmen konnte. Dennoch würde das Trio, diese Perle\nder Sinfonie, in der Erinnerung des aufmerksamen Hörers\nsein Relief behalten haben, wenn das Orchester nicht aus\neinem unbekannten Grunde von der Gewohnheit abgewi-\nchen wäre, nach dem Trio beim Dacapo die Reprisen-Zei-\nchen unberücksichtigt zu lassen. Im Finale hörte man\nstatt der thematischen Figur:\nbeständig:\nein Punkt, der schwerlich zu Zweifeln ir-\ngend einen Anlass geben kann, und wohl nicht dadurch\nentschuldigt werden wird, dass nach dem „Clavierbüchlein\nvon Friedemann Bach\", nach Marpurg, Ph. Em. Bach,\nTürk und Chrysander die Vorgänger der Haydn-Beetho-\nven'schen Schreibekunst vielleicht keinen wesentlichen Un-\nterschied gesetzt haben würden zwischen Notirungen wie\nS. Chrysander's Vorbem. z. I. Bde. der Bach'schen Clavier-\nCompositionen, und C. Ph. Em. Bach: Wahre Art, das\nCiavier zu spielen, I. 2, 6; Von dem Anschlage, §. 7:\n\n*) Erfinder des aus der Knie-Geige Viola da Gamba mit Gui-\ntarre-Bunden und 6—7 Saiten entstandenen Violoncello\nwar der AbW Tardieu 17t5,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 676, "texte": "Meinem Wunsche zuwider gebricht mir Baum und\nZeit, mich auszusprechen über die Sinfonie selber an sich\nund mit Beziehung auf die Frage ihrer Entstehungszeit\n(1801, und später übergearbeitet?) *). Möchte unsere Stadt,\ndie vor Begründung eines Orchester-Vereins allein auf das\nMilitär-Orchester angewiesen, ähnlicher Concerte doch ent-\nbehrte, das Gebotene durch angemessene Schätzung zu be-\nlohnen wissen! Ich schliesse mit der nachträglichen Erin-\nnerung, dass zwischen Herrn Lindner's Concert und Ca-\npriccio unter Leitung des Herrn Asche die Iphigenien-\nOuverture von Gluck zu Gehör kam, und rufe den ver-\nhallten Tönen nach: „0, rettet euer Bild in meiner\nSeele!\"\n\nSeverus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c008", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "85", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.4", "titre_corps": "Die neue Harmonielehre.", "titre_sommaire": "Die neue Harmonielehre.", "signature_source": "Psychander", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.5", "debut_caractere": 678, "fin_caractere_exclue": 3504, "texte": "Die neue Harmonielehre.\nPsychander.\nDie Neue Zeilschrift für Musik hat jetzt eine gekrönte,\nvon Herrn Dr. F. P. Grafen Laurencin verfasste Preis-\nschrift: „Erklärende Erläuterung und musicalisch-theore-\ntische Begründung der durch die neuesten Kunst-\nschöpfungen bewirkten Umgestaltung und Wei-\nterbildung der Harmonik\"—zum Besten gegeben.\nWenn der Herr Graf im Ernste meint, dass das, was\ner in d«n neuesten Kunstschöpfungen als etwas Neues ge-\nfunden haben will, auch etwas Neues sei, so müsste man\nsich wundern über seine Unkenntniss in der musicalischen\nLiteratur. Wir halten aber das Ganze entweder für Spass\noder aber für das Bestreben, die betreffenden Componisten\nmit einer Glorie zu umgeben, welche diese als verdient\nnicht annehmen können, da sie wohl wissen werden, dass\nsie an Erfindung neuer Accorde und neuer Accordfolgen\nganz unschuldig sind.\nYV as für ein Wesen machen doch diese Leute z. B.\nüber den Gebrauch des übermässigen Dreiklangs und des\nübermässigen Sexten-Accords und deren Versetzungen!\nWas für ein neues Wunder glaubt Richard Wagner ent-\ndeckt zu haben, wenn er den verminderten Septimen-Ac-\ncord auf so und so viel Weisen auflösen kann! Das sind\nalte Geschichten, und wenn ein Schüler eines Conservato-\nriums so genannten alten Stils dies nicht schon vor 40 50\nJahren gelernt hat, so lasse er sich sein Lehrgeld wieder-\ngeben.\nWir wollen es dem Herrn Grafen kurz und ohne\npoetische Declamalion sagen, worin die vermeintliche\n„Umgestaltung und Weiterbildung der Harmonik\" in den\nneuesten Kunstschöpfungen besteht.\nEs gibt einen in allen alten Harmonielehren vorge-\nfundenen Satz, welcher lautet: „Auf jeden Accord\nkann jeder andere Accord folgen.\" Auf diesen Satz\nsich stützend, greifen die neuesten Kunstschöpfer keck und\nkühn zu den für unser Ohr bisher ungewöhnlichen\nund ungewöhnlichsten Accordfolgen und das ist\ndas Neue bei ihnen. Die dabei vorkommenden Augen\nund Ohren zerreisseriden und unsingbaren Intervallenfolgen\nund die willkürliche, schülerhafte musicalische Grammatik\nist ebenfalls et was Neues, aber etwas Schlechtes.\nNoch haben die neuesten Kunstschöpfer keine\nneuen Accorde und eben so wenig neue Accord-\nfolgen erfunden. Sollte aber der Herr Graf Laurencin\nuns etwas der Art späterhin nachweisen können, so wollen\nwir ihm dankbar sein und an eine „durch die neuesten\nKunstschöplüngen bewirkte Umgestaltung und Weiterbil-\ndung der Harmonik\" glauben. In allem bisher Geprie-\nsenen der neuen Erfinder ist nur die rücksichtslose, um\nnicht zu sagen: schamlose, Anwendung des längst Be-\nkannten neu.\nDessau.\n*) Wodurch kommt der geehrte Herr Correspondent auf diese\nVermuthung? Die VIII. Sinfonie hat Beethoven im Jabre 1812\nim Frühling zu Linz, wo er sich bei seinem Bruder auf-\nhielt, geschrieben. Aufgeführt wurde sie zum ersten Male in\nWien am 27. Februar 1814. Anm. der Kedaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c009", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "87", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.5", "titre_corps": "Beethoven’s Musik zum Prometheus-Ballet.", "titre_sommaire": "Beethoven’s Musik zum Prometheus-Ballet.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.5", "debut_caractere": 3506, "fin_caractere_exclue": 4599, "texte": "Beethoven’s Musik zum Prometheus-Ballet.\nZur Berichtigung und Ergänzung dessen, was in dem\nBerichte über das neunte Gesellschafts-Concert (in Nr. 10,\n*\nS. 79) in Bezug auf die genannte Ballet-Musik gesagt ist,\ndiene Folgendes.\nDie Ankündigung auf dem Concert-Programm: „Mu-\nsik von L. van Beethoven zu dem Ballet\" u. s. w., welche,\ngenauer genommen „Aus der Musik\" u. s. w. hätte lau-\nten sollen, hatte uns zu der irrthümlichen Annahme ver-\nleitet, als wären aus dem ganzen Werke nur jene vier\nNummern noch vorhanden. Dem ist aber nicht also; denn\nsowohl im gestochenen Ciavier-Auszuge (1802 und 1805\nbei Hofmeister in Leipzig erschienen) als in der handschrift-\nlich vorhandenen Partitur enthält das Werk sechszehn\nNummern ausser der Ouvertüre und der sich daran schlies-\nsenden Tempesta. Es sind folgende:\nNr. 1. Adagio und Allegro,%-Tact, in\nNr. 2. Adagio und Allegro con brio, 4/4-Tact, in D-moll.\nNr. 3. Allegro vivace, in F.\nNr. 4. Maestoso und Andante 4/4-Tact, in\nNr. 5. Adagio mit Soli von Flöte, Clarinelte, Fagott und\nHarfe, 4/4-Tact, in nebst %-\nTact, in B-dur,mit Violoncell-Solo."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4922, "texte": "Nr. 6. Adagio,4/4-Tact, in nebst\nTact, in G-dur (einer Art von Violin-Solo für alle\nPulte der ersten Gei ge).\nNr. 7. Grave,Yi-Tact, in C-d(langer, imposanter Satz,\nder in A-dur schliesst, überleitend zu):\nNr. 8. Allegro com brio,4/4-Tact, in der längste\nSatz, heroisch, kriegerisch, mit den ersten\nAct schliessend.\nNr. 9. Adagio, 3/4-Tact, in Es-dur, mit Oboe-Solo; nebst\nAllegro molio, 4/4-Tact, in C-moll.\nNr. 10. Pastorella Allegro,%-Tact, in\nNr. 11. Andante,4/4-Tact, und Nr. 12\nGioja) Allegro,4/4-Tact, in mit einem Zwi-\nschensatz in 3/4-Tact (Flöten-Solo).\nNr. 13. Allegro, 2/VTact, jn D-dur (Terzettino grotesco).\nNr. 14. Allegro, 4/4-Tact, in F-elur (Solo della Signora\nCasentini),nebst Ada3/8-Tact, mit Basset-\nhorn-Solo.\nNr. 15. Andantino, 4/4-Tact, in B-dur (Solo di Vigeino),\nAdagio,%-Tact, und 3/4-Tact, i\nNr. 16. Finale Ällegretto,2/4-Tact, in\ntnolto,4/4-Tact, und 4/4-Tact.\nDiese vollständige Musik zum Prometheus ist mit ge-\nringen Auslassungen von kurzen Sätzen, die ohne Panto-\nmime keine Bedeutung haben, zwei Mal in Wien, so wie\nzwei Mal in München und im fünften Concerte zu Aachen\nden 19. Januar d. J. mit grossem Beifalle im Concertsaale\naufgeführt worden. Das aachener Programm gibt dazu\nfolgende Notizen:\n„Der bekannte Dichter Seidl hat für Wien eine poeti-\nsche Einleitung und Erklärung (nicht ein verbindendes Ge-\ndicht) dazu verfasst. Doch erklärt diese Erklärung den Zu-\nsammenhang der Musik nur äusserst dürftig, was auch\nkaum anders möglich ist, da man über den Inhalt jenes\nBallets von Vigano nicht viel Anderes weiss, als was der\nTheaterzettel des k. k. Hofburg-Theaters vom 28. März\n1801 darüber besagt. Das Buch des Ballets ist leider\ngänzlich rerloren gegangen und trotz vielfältig in Wien\naufgewandter Mühe bis jetzt nicht wieder aufgefunden.\nDer erwähnte Theaterzettel lautet, wie folgt:\n„„Die Geschöpfe des Prometheus.\n„ „Personen:\n„„Prometheus, Herr Cesari; Geschöpfe, Mlle. Casen-\ntini und Herr S. Vigano; Bacchus, Herr Gioja; Pan, Herr\nAchinger; Terpsichore, Mad. Brendi; Thalia, Mad. Cesari;\nMelpomene, Mad. Renth; Apollo, Amphion, Arion, Orpheus.\n„ „Inhalt:\n„ „Die Grundlage dieses Ballets ist die Fabel des Pro-\nmetheus. Die Philosophen erklären die Anspielung der\nFabel dahin, dass sie denselben als einen erhabenen Geist\nschildern, der die Menschen zu seiner Zeit in einem Zu-\nstande von Unwissenheit antraf, sie durch Kunst und Wis-\nsenschaft verfeinerte und ihnen Sitte beibrachte.\n„„Von diesem Grundsatze ausgegangen, stellen sich\nim gegenwärtigen Ballet zwölf belebt werdende Statuen\ndar, welche durch die Macht der Harmonie zu allen Lei-\ndenschaften des menschlichen Lebens empfänglich gemacht\nwerden.\n„„Prometheus führt sie nach dem Parnass, um sie\nvon Apoll, dem Gott der schönen Künste, unterrichten\nzu lassen.\n„ „Apoll befiehlt dem Amphion, dem Arion und dem\nOrpheus, sie mit der Tonkunst—der Melpomene und der\nThalia, mit dem Trauer- und Lustspiele—der Terpsichore\nund dem Pan, sie mit dem von dem Letzteren erfundenen\nSchäferlanze und dem Bacchus, mit dem heroischen\nTanze, dessen Erfinder er ist, bekannt zu machen.\"u\n„So weit unser Theaterzettel. Wenn derselhe eine all-\ngemeine Andeutung des Inhaltes gibt, so lässt sich doch\nnicht von jedem einzelnen der in Beethoven's Musik vor-\nkommenden Tonstücke sagen, was es bedeute. Die Ouver-\ntüre ist allgemein bekannt; sie schliesst indessen nicht ge-\nwohnter Maassen ab, sondern führt in einen Sturm hinein,\nin welchem der Halbgott das beseelende Feuer vom Him-\nmel holt. Es folgt die Scene der Belebung in einem fast\ngeheimnissvollen Adagio und zart heiteren Ällegretto. Das\nnächste Musikstück (Nr. 2 und 3) lässt errathen, dass ein\nUngewitter—vielleicht der Zorn der Götter—den Frieden\nder neugeschaffenen Welt zu stören droht; indessen be-\nschwichtigt sich dasselbe bald und lös't sich zur anmuthig-\nsten und reizvollsten Heiterkeit auf. Die sich anreihenden\nMusikstücke scheinen auszusprechen, was in jenem Thea-\nterzettel angedeutet wurde. Ein ausserordentlich schönes\nStück mit Harfe (Nr. 5) führte wohl den Orpheus und\nAmphion auf die Bühne, um die Macht der Musik zu ver-\nsinnlichen. Andere Stücke heiteren und ernsten Charakters\nsollen vielleicht die Musen des Lust- und des Trauerspiels\nin ihren pantomimischen Darstellungen unterstützen. Ein\nweitgeführter Marsch (Nr. 7 und 8) schliesst die erste Ab-\ntheilung in rauschender Weise. Im weiteren Verfolge er-\nscheint nach einem leidenschaftlich bewegten und\nAllegro agitato(Nr. 9) eine heitere (der im Pro-\ngramm erwähnte Schäfertanz Pan's und Terpsichore's),\nwelchem sich ein Solo des Bacchus (Nr. 11 und 12) und\ndemnächst ein Trio grotesque (Nr. 13, wahrscheinlich der\nim Programm angedeutete heroische, von Bacchus erfun-\ndene Tanz) anschliessen. Fernere, theils zärtlich empfind-\nsame, theils sinnig heitere Soli della Signora Casentini und\ndel Signore Vigano (Nr. 14 und 15) lassen errathen, in\nwelcher Weise die von den Unsterblichen erhaltene Beleh-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 250, "texte": "rung auf die Geschöpfe des Prometheus, deren hervorra-\ngendste jene Beiden gewesen zu sein scheinen, eingewirkt\nhaben mag. Das brillante Finale, welches uns durch sein\nHaupt-Motiv auf bekannten Boden führt, schliesst das\nWerk auf das entsprechendste."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c010", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.6", "titre_corps": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.7", "debut_caractere": 252, "fin_caractere_exclue": 6456, "texte": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 12. März 1861.\nProgramm. Erster Tbeil: 1. Passacaglia (Orgel-Phantasie)\nvon J. S. Bach, für grosses Orchester bearbeitet von Esser. 2.\nArie: Tu sei il cor di questo core, aus „Julius Cäsar® von G. F.\nHändel, vorgetragen von Herrn Julius Stock hausen. 3. Con-\ncert für Pianoforte und Orchester in F-dur von W. A. Mozart\n#\n(Nr. I. der Härterschen Ausgabe), vorgetragen von Herrn Capellmei-\nter F. Hill er. 4. Arie: Ma Denise etait si jolie aus Le valet de\nChambre von Caraffa (Julius Stockbausen). 5. Feierlicher Marsch\nund Chor aus den „Ruinen von Athen\" von L. van Beethoven.\n6. a. „Sonntag am Rhein® von R. Schumann b. „Mein® von F.\nSchubert (Julius Stockhausen).\nZweiter Theil: Sinfonia pastorale von L. van Beethoven.\nBach's Passacaglia (eigentlich: II Passacaglio, französisch La\nPassecaille*]) fand bei unserem Publicum keinen Beifall. Auch wir\nkönnen den Gedanken, Bach's Orgel- oder Clavier-Compositionen für\nunser heutiges Orchester zu bearbeiten, keineswegs einen glückli-\nchen nennen, obwohl wir gern die Geschicklichkeit, mit welcher\nEsser ihn ausgeführt hat, anerkennen. Wenn schon die Uebertragun-\ngen von Ciavierwerken Mozart's und Beethoven's auf das Orchester\nihre Bedenken haben, so sind sie doch wenigstens dadurch gerecht-\nfertigt, dass diese Componisten bereits unser jetziges Orchester kann-\nten und ihre grössten Werke dafür geschrieben hatten, mithin, wie\nauch die oft orchestermässige Behandlung des Claviers, besonders\nbei Beethoven, zeigt, auch wohl Manches, was sie für das Piano-\nforte schrieben, im Geiste als Orchestermusik gehört haben mögen.\nBei Bach's Werken ist das aber gar nicht der Fall; man könnte\neher das Umgekehrte sagen, nämlich er habe z. B bei seinen Vio-\nlinsachen (Sonaten, Fugen u s. w.) mehr an das Ciavier gedacht;\nwenigstens sind die letzteren ganz und gar in dem contrapunktischen\nStile der Ciavierwerke geschrieben. Wir gehören gewiss zu denje-\nnigen, die von der innigsten Verehrung für die Tiefe und Grösse\nder Bach'schen Musik durchdrungen sind; aber das darf uns nicht\nhindern, uns gegen die jetzige Mode (denn viel mehr als Mode ist\nes wahrlich nicht!) zu erklären, die es für guten Ton hält, die Con-\ncert-Programme von Paris bis Petersburg stets mit einem Stückchen\nBach zu verzieren, welches sich häufig genug darauf ausnimmt wie\nein Restchen von jenem kernhaften alten Tuche, das man gar nicht\nverschleissen konnte, auf die fadenscheinigen, durchsichtigen Fabrik-\ngewebe der Modernität gesetzt. Will man das grosse Publicum der\nConcertbesucher, wozu wir eine zahlreiche Menge von sehr gebilde-\nten Musikfreunden rechnen, für Bach gewinnen, so führe man seine\nGesangwerke auf, die mit überwältigender Gewalt Herz und Gemüth\nergreifen, wie wir das auch bei unserem Publicum schon oft erlebt\nhaben, und es am Palmsonntag bei der Aufführung der Mat-\nthäus-Passion wieder erleben werden.\nDass Julius Stockhausen's Vorträge ein Glanzpunkt am\nHorizonte des Concert-Abends waren, wem braucht man das erst\nnoch zu sagen ? Der Gesangesmeister war sehr gut bei Stimme und\ntrug die sehr schöne Arie aus der Oper „Julius Cäsar\" von G. F.\nHändel auf vollendete und ergreifende Weise vor. Man bekam da-\ndurch die Ueberzeugung, dass die alte Form der Arie, welche den\nersten Theil derselben wiederholt, doch eine wohlbegründete und für\nden Sänger und den Hörer auch dankbare und ansprechende, aber\nfreilich auf einen Vortrag berechnete ist, wie ihn die Masse unserer\nheutigen Sänger kaum noch kennt. Bei Stockhausen sehnte man sich\nnach der Wiederholung und war bei derselben nun erst vollends im\nStande, die edle Schönheit der Melodie und des Vortrags recht innig\nzu empfinden. Die Arie ist aus der italiänischen Oper „Julius Cäsar\nin Aegypten®, welche Händel Anfang 1724 in London geschrieben\nhat, wo sie zuerst aufgeführt wurde; nachher auch in Deutschland,\n1725 in Hamburg, 1733 in Braunschweig in der Sommermesse. Sene-\nsino sang in London den Cäsar, die Cuzzoni die Kleopatra.\nEin anderes Genre des Vortrags zeigte die französische Arie aus\ndem Valet de Chambre von Caraffa. Die Feinheit und Anmuth des\nVortrags, in Verbindung mit der schönen Tongebung,\nwie sie bei Stockhausen's Gesang Statt findet, hört man selbst bei\nden guten französischen Sängern der comique nicht in dieser\nVollkommenheit Von den „Liedern-' sprach das erste von Schumann\ntrotz des vortrefflichen Vortrags nicht so lebhaft an, als das zweite\nvon Schubert. Es folgte ein dermaassen anhaltender, wohl sieben\nMal wieder von Neuem beginnender Applaus, dass sich der geniale\nKünstler entschliessen musste, noch einmal zu erscheinen ; er sang\ndie „Lorelei® von Schumann auf unnachahmlich schöne Weise und\nschied unter dem Rauschen des stürmischen Beifalls.\nZwischen den beiden Arien wurde uns ein wahrhaft classischer\nKunstgenuss zu Theil durch F. Hill er, der endlich einmal wieder\n\n*] Der Name bezeichnet ursprünglich einen Tanz, wie die ver-\nwandten Bezeichnungen Chaconne, Bourree, Gavotte,\nGique, Allemande, Sarabande, Menuett, Cour ante\nu. s. w. Dass die Passecaille der Chaconne (Ciaconna) ähn-\nlich sei, sagen alle Erklärer, aber damit ist wenig erklärt.\nDenn was ist die Ciaconna für ein Tanz gewesen? »Ein ur-\nsprünglich italiänischer, von mässig langsamer Bewegung im\n3/4-Tact, mit fühlbaren rhythmischen Einschnitten— sagen\ndie Wörterbücher der Tonkunst, als wenn nicht jeder Tanz\n„fühlbare rhythmische Einschnitte* hätte! Aber auch die alten\nMusiker waren schon uneinig über den Unterschied zwischen\nChaconne und Passecaille; Koch verlangt die langsamere Be-\nwegung für die letztere, Mattheson gerade umgekehrt für\ndie erstere. Der Augenschein lehrt, dass die älteren Mei-\nster diese Tanz-Melodieen als Themata zu Variationen und\nPhantasieen benutzten, ihnen ihre damals bekannten und be-\nliebten Tanznamen als Laufpass vorsetzten, und sich um die\nursprüngliche Bedeutung so wenig kümmerten, dass sie, wie\nVater Bach, aus einer Passecaille sogar ein prachtvolles und\nkunstreiches Stück für die Orgel setzten und ohne Zweifel\n. auch in der Kirche vortrugen Aber auf der Orgel soll man\nes auch lassen, nicht fürs Orchester unserer Zeit ausstaffiren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1286, "texte": "als Clavierspieler auftrat und Mozart's Concert Nr. 1 in F-dur\nauf eine Sinn und Herz gewinnende Weise vortrug. Und welch eine\nComposition! Wir pflegen jetzt so oft von lnstrumentirung bei den\nNeueren zu sprechen, aber was will die anerkennungswertheste ge-\ngen die Mozart'sche sagen, die ihren genialen Schöpfer auf jeder\nSeite der Partitur verräth und einen Reiz wechselnder Grazie und\nEmpfindung gewährt, der vor Allem geeignet ist, den Werth des\nrein musicalisch Schönen in sein wahres Licht zu stellen! Aber\num diesen Werth auch in der Ciavierstimme leuchten und wärmen\nzu lassen, dazu gehört ein Anschlag, ein Vortrag, ein Melodieen-\nspiel oder vielmehr ein Ciaviergesang, wie ihn Hiller vorzugs-\nweise vor allen seinen Kunstgenossen auf dem Pianoforte besitzt.\nMozart Hummel Hiller, das ist die Trias der Tradition des\nedlen Stils auf dem Flügel.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte die Aufführung der Pa-\nstoral-Sinfonie von Beethoven, deren Ausführung namentlich\nim Quartett der Saiten-Instrumente vorzüglich war, in einigen Blas-\ninstrumenten aber sowohl in Bezug auf reine Intonation als Ton-\nansatz Manches zu wünschen übrig liess. Das Publicum war von\nder lange nicht gehörten Composition auf das lebhafteste ergriffen\nund begleitete jeden Satz mit andauerndem Beifalle."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-03-16-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-03-16_01#c011", "volume": "bmtnabi_1861-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.8", "debut_caractere": 1288, "fin_caractere_exclue": 4113, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nH.O1B&* In der letzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft spielten die Herren Königslöw, Derckum, Grunwald und\nBreuer ein Violin-Quartett von Ferdinand Breunung, dem Dij\nrigenten des Orchesters jener Gesellschaft und des städtischen Sing-\nvereins. Das Werk erhielt in allen Sätzen den lebhaftesten Beifall\nder zahlreichen Zuhörerschaft, der dritte (Scherzo), der sich durch\nOriginalität und eigentümlichen Rhythmus auszeichnet, rief wieder-\nholten Applaus hervor. Das Quartett ist recht selbstständig gearbei-\ntet und zeigt überall den gediegenen Musiker. Der erste Satz ist\nhier und da noch etwas kraus, wozu das gleich mit Sechszehntel-\nFiguren auftretende, sehr lebendige Thema leicht verleitet haben\nmag ; jedoch wird er durchaus nicht unklar.\nPai'is (Correspondenz Havas), 14. März. Wagner1 s Tannhäu-\nser hat gestern bei der ersten Aufführung kein Glück gehabt. Die\nZukunfts-Oper erlitt ein in den Annalen der hiesigen Oper seltenes\nFiasco. Die aufopfernden Bemühungen der Anhänger und Freunde\ndes Meisters und seiner musicalischen Richtung vermochten durch\nBeifall des Gelächters und Zischens des französischen\nnicht Herr zu werden. So sehr auch von den Gegnern die hervorra-\ngenden Leistungen des Herrn Niemann als Sänger und Darsteller\nnach Verdienst gewürdigt wurden, so vermochte weder er noch die\nanderen Mitwirkenden den Fall der Oper aufzuhalten. Uebrigens\nwurden sie auch schliesslich, gleichsam zum Zeichen, dass das Miss-\nfallen der Oper und nicht der Aufführung gelte, herausgerufen. Die\nAusstattung des Stückes war prachtvoll, das Orchester, was wohl\nbei der Katastrophe mit in Anschlag zu bringen ist, an vielen\nStellen schwach und der Aufgabe nicht gewachsen, oder dieselbe\nnur mit Unlust mangelhaft eriüllend. Der Kaiser wohnte der Auf-\nführung bis ans Ende bei.\nDer Constitutionnel berichtet vorläufig heute schon: „Die Ver-\nSammlung war glänzend und mit sichtbarer Leidenschaftlichkeit für\nund gegen das Werk erfüllt. Die Direction hatte für Decoration und\nScenerie keine Ausgaben gescheut. Die Sänger haben gewissenhaft\nihre Pflicht erfüllt, und dennoch gelangte das Stück nicht ohne Wi-\nderspruch und wenn man es sagen soll nicht ohne einige\nPfiffe bis ans Ende. Immerhin hat man einigen Stellen von unbe-\nstreitbarem Verdienste einstimmige Gerechtigkeit widerfahren lassen;\ndagegen hat man aber einige Tacte von zweideutigem Geschmack®\nvielleicht etwas zu lebhaft angegriffen. Wir wollen hier kein Urtheil\nfällen, sondern einzig den Effect dieses so ungeduldig erwarteten\nAbends constatiren.\nDie Besetzung war folgende: Tannhäuser, Niemann; Wolfram\nvon Eschenbach, Morel Ii; der Landgraf, Cazaux; Venus, Mad.\nTedesco; Elisabeth, Mslle. Marie Sax; ein Hirtenknabe, Mslle»\nRiboux. Die auf dem Zettel figurirenden Dichter sind die Herren\nNuitter und Edmund Roche."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nNachtrag zu Adrian Petit's Lebensskizze. Von Musik-Director L. Otto Kade Aus Osnabrück (A. Lindner Vio-\nloncellist aus Hannover Beethoven's Sinfonie Nr. VIII.). Von Severus. Die neue Harmonielehre. Von Psychander. Beetho-\nven's Musik zum Proraetheus-Ballet. Zehntes Gesellsehafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Musicalische Gesellschaft Paris, Erste Aufführung von Wagner's Tannhäuser).\n\nNachtrag zu Adrian Petit’s Lebensskizze.\n\nDie Niederrheinische Musik-Zeitung veröffentlichte im\nJanuar dieses Jahres (Jahrgang IX., Nr. 3) die werthvolle\nAbhandlung über den verschollenen Meister Adrian Pe-\ntit Coclicus von Herrn Ernst Pasque in Darmstadt,\ndie im October vorigen Jahres von der niederländischen\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst mit einer Prä-\nmie gekrönt wurde. Die Mittheilungen über das ziemlich\nunstäte Leben dieses Meisters sind jedenfalls sehr interes-\nsant. Die Kunstgeschichte kann es dem geehrten Verfasser\nnur Dank wissen, neue, auf gründlichen Studien beru-\nhende Forschungen zu Tage gefördert zu haben. Indessen\nerscheinen sie nicht ganz vollständig, indem aus einigen\nziemlich umfassenden Aufschlüssen über das Leben und\nWirken des genannten Meisters, die schon früher in die\nOeffentlichkeit gelangt sind, z. ß. über den Aufenthalt\nAdrian Petit's in Preussen und sein Verhältniss zu\ndem Herzog Albrecht, nichts erwähnt ist. Auch spricht\nsich Adrian Petit über die von ihm angewandte Lehr-\nMethode, so wie über seine Studienzeit bei Josquin de\nPres ziemlich ausführlich mit eigenen Worten aus. Möge\nes mir daher gestattet sein, in einem kurzen Nachtrage\ndie fehlenden Daten zusammenzustellen.\nUeber Adrian Petit's Aufenthalt in Preussen, über\nsein ziemlich wüstes Treiben am Hofe des Herzogs Al-\nbrecht gibt uns ein ganz vortrefflicher Aufsatz Auskunft,\nder vor mehreren Jahren in der Zeitschrift „Germania\"\n(Band 11., 3. und 4. Lieferung) unter dem Titel: Ueber\ndeutsche Musik im sechszehnten Jahrhundert,\nvon Voigt in Königsberg erschien. Leider ist diese\nZeitschrift eingegangen, wie sie überhaupt wenig Verbrei-\ntung gefunden zu haben scheint. Ich theile daher die auf\nAdrian Petit bezüglichen Stellen wörtlich daraus mit.\n„Seit Adrian Petit's Verbannung &us den römischen\nStaaten\", heisst es daselbst, „erscheint er als ein talent-\nvoller, aber durchaus liederlicher und lasterhafter Vaga-\nbunde. Er durchstreifte einen Theil von Frankreich und\nSpanien und predigte in den Städten allerlei wüstes und\nwohl auch ketzerisches Zeug. Das verächtliche Achsel-\nzucken, mit dem man ihn überall fortwies, sicherte ihn\nvor härterer Strafe. Er gesteht selbst, dass man ihm nach-\ngesagt: Er ist ein Musiker, er ist ein Phantast, weiss nicht,\nwas er spricht; er ziehe seiner Wege. In Deutschland\nangekommen, wurde er Professor der Musik an der frank-\nfurter Akademie; aber der geringe Sold brachte ihn in\ndrückende Lage. Dem Herzog Albrccht empfahl er sich,\nals derselbe einst in Wittenberg war. Philipp Melanchthon\nüberreichte einen Gesang in des Künstlers Namen, dem\ndieser noch mehrere folgen liess. Der Herzog zeigte sich\nAnfangs durch Geschenke erkenntlich, bis er ihn ganz in\nseine Dienste nahm. Seine Gesänge erfreuten Albrecht, der\nihn nur den Kunstreichen nannte. Aber das lockere Le-\nben des Künstlers bereitete ihm fortwährend Unannehm-\nlichkeiten und brachte ihn endlich wieder um seine Stel-\nlung. Zuerst nahm er sich heraus, wieder seine wirren\nLehren in Kirchenpredigten hören zu lassen, wenngleich\nnur wenig Leute sein fremdes Geschwätz verstanden.\nHerzog Albrecht verlangte öffentlichen Widerruf. Dessen\nschämte sich der eitle Prälat. In seiner Eingabe an den\nHerzog versuchte er allerlei Ausflüchte und Mitleid erre-\ngende Bitten: er habe nur vor drei oder vier Leuten ge-\nsprochen, und zwar lateinisch, wie könne er da deutsch\nwiderrufen? er kenne diese niedere Sprache wenig und\nwürde sich vor dem Volke nur lächerlich machen; er gelte\nhier für einen Heiden, weil das Volk noch sehr rob sei.\nDann heisst es aber weiter: er sei ein schwacher Greis,\nstehe allein in der Welt da, wolle gern den letzten Best\ndes Lebens beim Herzoge bleiben, wenn man gelinder mit\nihm verführe und ihm einen Sold gebe; man möge ihn\njetzt zur Winterzeit nicht fortgehen heissen. In der Unter-\nschrift dieses Briefes er sich „„Musicus und ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.2", "texte": "fangener Vogel.\"\" —Der Herzog scheint ihm für diesmal\nverziehen zu haben. Nach wenigen Jahren aber gab es\neinen noch ärgeren Scandal mit ihm. Der schwache Greis\nliess sich verführen, sich mit einer armen Witwe von\nhöchst zweifelhaftem Rufe zu verheirathen. Allerlei un-\nsaubere Geschichten kamen dabei noch zum Vorschein.\nVergeblich verschwendete da Coclicus abermals seine jam-\nmervollen Worte. Die Verhandlungen zogen sich noch über\nein Jahr hin, wo ihn der Burggraf von S'reussen das Land\nverlassen hiess. Im strengen Winter musste der alte Sün-\nder nach Nürnberg wandern auf beschwerlichen Wegen,\nund noch immer schrieb er demüthige Briefe an seinen\nvormaligen Gönner, schickte ihm auch Psalmen zu, die er\ngesetzt, aber vergebens. Er scheint bald gestorben oder\ndoch verschollen zu sein.\"\nVortreffliche Lehren über Compositions-Unterricht, so\nwie Mittheilungen über seine Studienzeit bei Josquin de\nPres hat er in dem Werkchen: musices,\nNürnberg, 1552, Pars 11., De musica figurali, nieder-\ngelegt. Er äussert sich darin folgender Maassen*):\n„Mit voller Ueberzeugung wünsche ich, der Jugend\nes unaufhörlich an das Herz zu legen, und werde nicht\nmüde, sie zu ermahnen, dass sie nicht zu lange an den\nSchriften der mathematischen Tonsetzer klebe, die so viele\nArten mehrender und mindernder Zeichen ersonnen ha-\nben, aus denen kein Nutzen, wohl aber allerhand Gezänk\nund Zwietracht hervorgeht, und die eine an sich leichte\nSache höchst schwierig machen, sondern dass sie alle Kraft\ndes Geistes dahin wende, zierlich singen und die Worte\ngehörig unterlegen zu lernen; denn Gott hat uns\ndie Tonkunst gegeben, um die Töne auf anmuthige Weise\nzu verbinden, nicht um zu hadern, und für einen rechten\nTonkünstler darf nicht derjenige gelten, welcher von Zah-\nlen, Proportionen, Prolationen, Zeichen, Geltungen Vieles\nzu schwatzen und zu schreiben weiss, sondern wer regel-\nrecht und angenehm singt, jedem Tone die gebüh-\nrende Sylbe zutheilt, und so setzt, dass er fröhlichen\nWorten muntere Maasse gibt, und umgekehrt. In den bel-\ngischen Städten, wo die Sänger Belohnungen erhalten,\nwo man, ihrer theilhaltig zu werden, keine Mühe scheut,\num zu dem Ziele, einem ausgebildeten Gesänge, zu gelan-\ngen, wird in den Schulen kein Heft in die Feder gesagt,\nnoch nachgeschrieben. So auch hat mein Lehrer Josquin\nde Pres nie ein solches Heft verlasst, noch vorgelesen.\nDenn er hielt seine Schüler nicht mit langen und eitlen\nVorschriften hin, sondern im Gesänge selber lehrte er mit\nwenigen Worten die Regel durch deren Ausübung unmit-\ntelbar kennen. Sah er die Seinen gesangfest in guter Aus-\nspräche, angemessener Verzierung, zweckmässiger Unter-\nlegung der Worte wohlgeübt, so lehrte er sie die voll-\nkommenen und unvollkommenen Zusammenklänge kennen,\nüber einen Caritas ßrmu-seine begleitende Stimme erfin-\nden u. s. w. Nahm er nun wahr, dass Einer munteren,\nregen Geistes sei, so lehrte er ihn mit wenigen Worten\ndrei-, vier-, fünf-, sechsstimmig setzen, immer an Beispie-\nlen ihn fortleitend. Denn nicht Alle hielt Josquin zu Ton-\nsetzern für geschickt, und es war sein Grundsatz, nur\nsolche dahin auszubilden, die ein besonderer innerer Drang\nzu dieser herrlichen Kunst hinzog, denn, sagte er, es gibt\nso viele anmuthige Werke dieser Kunst, dass\nAehnliches oder Besseres kaum Einer unter\nTausenden hervorbringen wird*).\"\nS hr wünschensvverth wäre es gewesen, wenn der ge-\nehrte Verfasser obiger Preisschrift einige ausgewählte Bei-\nspiele von Adrian Petit's Arbeiten mitgetheilt hätte.\nMan würde daraus am besten ersehen, ob Adrian's treff-\nliche Lehren mit der Praxis Hand in Hand gegangen seien.\nDenn die Stelle, wo er seine Schüler dringend ermahnt,\nsich der Textstellung gehörig zu belleissigen, ist ganz\nbedeutungsvoll. Die Textstellung findet sich nämlich bis in\ndie Mitte des sechszehnten Jahrhunderts stark vernach-\nlässigt. Blieb sie wirklich bloss dem mündlichen Unterrichte\nüberlassen, wie allerdings aus dem obigen Berichte her-\nvorzugehen scheint, oder wurde sie erst durch die Nach-\nlässigkeit .der Schreiber oder Drucker entstellt, gleichviel\n— der Mangel gehöriger Sorgfalt in dieser Beziehung\nmacht eine Bedaction unbedingt nothwendig. Diese hat\naber ihre besonderen Schwierigkeiten, wenigstens scheint\ndas Geheimniss, eine correcte, nach festen Principien ge-\nordnete Textes-Unterlage herzustellen, zur Zeit noch nicht\ngelös't. Erst in der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahr-\nhunderts wird diese genauer, sorgfältiger. Es wäre nun\ninteressant gewesen, zu erfahren, ob Adrian Petit unter\ndiejenigen zu rechnen ist, welche sich einer richtigeren,\nsorgfältigeren Textstellung belleissigten, und ob ihm viel-\nleicht das Verdienst zugeschrieben werden muss, mit Wort\nund That auch in textischer Beziehung jene Vollendung\nder Compositionsweise herbeigeführt zu haben, die wir\nden Werken der classischen Periode (also ungefähr von\n1560 —1600) in so hohem Grade nachrühmen müssen.\nSchliesslich erwähne ich noch, dass die münchener\nflof- und Staats-Bibliothek ein Werk von Adrian Petit\nbesitzt, das den Titel führt:\nNürnberg, 1552, 4to (Nr. 161). Ob dieses Druckwerk\nidentisch ist mit jenem schon von Herrn Pasque angeführ-\n\nAuch hier bediene ich mich der Uebersetzung, wie sie der in\nder Germania befindliche Aufsatz von Voigt gibt.\n*) Und das sagte dieser Meister um das Jahr 1500! Fiat appli-\ncatio im Jahre 1861 !\nAnmerkung der Bedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.3", "texte": "ten Werke: Consolationes ex\n1552, kann ich nicht sagen, da es mir zur Zeit noch nicht\nin die Hände gekommen ist.\nSchwerin, den 3. März 1861.\n\nL. Otto Kade,\nGrossherzoglicher Musik-Director.\n\nAus Osnabrück.\n\n[A. Lindner, Violoncellist aus Hannover Beethoven's\nSinfonie Nr. VIII.]\nDen 5. März 1861.\nMit aufrichtigem Vergnügen berichte ich Ihnen von\ndem noch immer im Steigen begriffenen Wetteifer unse-\nrer musicalischen Kräfte, welchem wir heute Abends das\nerste von zwei Abonnements-Concerten des hiesi-\ngen Militär-orchesters zu verdanken hatten. Nach\ndem Vorgange anderer Begiments-Capellen, namentlich\ndes Musikcorps der Garde-Cuirassiere zu Northeim bei\nGöttingen, dessen Abonnements-Concerte während des lau-\nfenden Winters durch Kömpel's Mitwirkung ausgezeich-\nnet waren*), hatten beide hiesige Militär-Musikcorps zur\nVeranstaltung einer Soiree für classische Orchestermusik\nsich vereinigt und den königlichen Kammermusicus Herrn\nA. Lindner aus Hannover zur Mitwirkung bewogen.\nUnter den Mitwirkenden im Orchester bemerkte man bei\nden Bratschen den ursprünglichen Dirigenten des Orchester-\nVereins, Herrn Küchenmeister. Drei Celli—Herrn Lindner\nausgenommen (s. u.) —, eben so viele Contrabässe, zweite\nGeigen in entsprechender Anzahl und acht erste Violinen\nbildeten nebst den Bratschen das Quartett. Mit tapferer\nFaust wurde C. M. von Weber's Euryanthen-Ouverture\nzur Eröffnung des Concertes gespielt. Es folgte Lindner's\nOp. 34, Violoncell-Concert mit Orchester (Leipzig, bei\nSiegel): Allegro A-moll,Serenade und Tarantella\nE-moll\\; und ferner dessen Capriccio Op. 22 (Braunschweig,\nbei Meyer), E-mollmit neu hinzu componirtem Mittelsatze\nAndante cantabileund Zusatz in der Coda. Das Spiel des\ngeehrten Componisten, eines Sohnes, irren wir nicht, des\nehemaligen Concertmeisters Lindner in Dessau, zeichnet\nsich durch echte Buhe bei grösster Bravour in gleichem\nGrade aus, wie das Gespielte durch Wohlklang und Beich-\nthum der melismatischen Erfindung. Einen Nachklang der\nEpoche Bomberg's und Hummers dürfen wir das Gehörte\nzwar nicht nennen; aber wenn das Wesen jener Epoche\ndie Erfüllung der von Havdn und Mozart hinterlassend»\nv- V\nclassischen Formen mit romantischem Inhalte war, so mag\nman vielleicht sagen, dass Männer wie Lindner uns dazu\ngegeben sind, zu zeigen, wie die mit Achtung und Ge-\nschmack für das architektonische Formgesetz der Musik,\ndieser flüssigen Baukunst, behaftete Bichtung während\njener Epoche doch nicht in dem Grade vollständig den\nSack geleert hat, in welchem seit etlichen Lustris oder\nDecennien die Prophetie, der keine Erfüllung folgt, es\nglauben machen will. Herr Lindner ist ein zu guter Ken-\nner des innigen Verhältnisses der Forderungen seines see-\nlenvollen Instrumentes zu den Forderungen der musicali-\nschen Kunst, um irgendwo, sei es gleich in dem Potpourri\neiner phantastischen Caprice, die Cantilene durch Abruptes\nzu verdrängen, oder den Werth des Periodenbaues mit\nseinen höheren Consequenzen für die Formation des Gan-\nzen aus den Augen zu verlieren. Wer seine Kerne pflanzt,\nbegiesst und wachsen lässt, wie Noah that, wird, was das\nSackleeren betrifft, nicht schlimmer fahren, als der mit\nBosinenballen um sich werfende Knabe, oder das deco-\nrationslustige Mädchen, das ein Kunstwerk herzurichten\nmeint, wenn es in halb und halb kaleidoskopischer Ord-\nnung ein ungekeimtes Beisskorn an das andere klebt. Herr\nLindner hat uns weder mit der Gährung ungeborener Ge-\ndanken überschüttet, noch mit Beissblumen anstatt der\nMärzglöckchen abgespeis't. Es knospen seine Gaben gleich\nden Frühlingsblüthen auf Stengeln, zwischen Blättern, wie\nsie die Natur uns bietet. Sei gleich hier und da der eine\noder andere Stengel etwas lang geschossen, so schiesst er\ndoch nicht nackt hervor, sondern von der Bänke der Ara-\nbeske mannigfach umwunden. Die Blume der Leistung,\ndie Lindner'sche Cantilene, hebt sich ab von einem Hin-\n-7 s\ntergrunde nicht selten mehrstimmiger oder arpeggirter,\nvon rapiden Octavengängen unterbrochener Passagen und\nCadenzen. Darauf gefasst, hier wirkliche Musik zu hören,\naber beiläufig gezwungen, über technische Künste zu er-\nstaunen, würde jeder Zuhörer unfehlbar die Partie dieses\nbeiläufigen Zwanges nehmen, liesse man ihn wählen zwi-\nschen diesem und zwischen exorbitanten Etüden über The-\nmata vom Bange eines „ Yanlcee cloodle\", womit auch wohl\neinmal ein Saitenkünstler ein gleiches Staunen sich errang.\nWir brauchen Herrn Lindner wegen dieser provocirenden\nGegenüberstellung nicht um Verzeihung zu bitten, da der-\nselbe als Joachim's Quartettgenosse wahrscheinlich besser\nals wir alle Bede stehen kann über die Vielseitigkeit des\n\n*) Kömpel's musicalische Laufbahn datirt von seinem früheren\nAufenthalte in Northeim. Aus Anhänglichkeit hat er in einem\nder gedachten Concerte daselbst die bekanntlich in seinen Be-\nsitz übergegangene Geige seines Meisters Spohr gespielt und\ndamit, wie es scheint, dem hannoverschen Boden Lebewohl\ngesagt. Gleichzeitig mit der Nachricht von dem dritten und\nletzten northeimer Abonnements-Concerte, d» d. 28. Februar,\ngeht uns nämlich im Wege der amtlichen Zeitungs-Bekannt-\nmachungen die Kunde von der auf Kömpel's Wunsch erfolgten\nLösung seines Dienst-Verhältnisses als königlicher Kammer-\nVirtuose in Hannover zu.\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.4", "texte": "Antagonismus in der Arena des den Gipfel des Zeilalters\nbeherrschenden Virtuosenthums und über die Mittel zu\ndem Zwecke, der Aufwiegelung des Publicums durch hun-\ndert erhitzte Impostoren die Abwiegelung durch einfaches,\nruhiges Imponiren folgen zu lassen. Genug für uns, dass\ner uns einmal zeigte, wie man der Technik den Zügel\nschiessen lässt, ohne das Ingenium unter den Rädern zu\nzermalmen. Möchten sich doch alle Musiker, die das Gleiche\nnoch nicht zeigen können, jenes Bild beschreiben lassen,\nwelches Plato von der Seele gab. Sie gleicht dem Führer\neines ungleichen Zweigespanns. Mag von dem wilden Rosse\ndas zahme gleich der Feigheit geziehen werden: dieses\nweiss gleichwohl, wie vor dem überwältigenden Anblicke\ndes Urbildes der Schönheit die zügellose Kraft zusammen-\nbricht, und wahres Leben in der Liebe schliesslich nur\ndurch dauerndes Zusammengehen von Zweckbewusstsein,\nKühnheit und Bescheidenheit ermöglicht wird. Für alle\nZeiten bleibt der platonische Mythus die höchste Kunst-\nAutorität; spiritualistisch und romantisch zu gleicher Zeit,\nund trotz seiner Ideen-Tiefe doch nur ein Gleichniss des\ngemeinen Lebens, gibt er einen Maassstab für jede Haupt-\nrichtung der Kunst, und nicht nur der schöpferischen, son-\ndern auch der executiven, die wir in Herrn Lindner's Lei-\nstung angenehm verbunden sahen. Man braucht die Figur\ndes Bildes oder deren musicalische Interpretation wie die\nLösung des Columbus-Räthsels nur Ein Mal zu sehen und\nzu hören, um die Richtigkeit der Sache zu begreifen; und\nwer sie begriffen hat, der wird gewissenshalber in alle Zu-\nkunft sich verhindert fühlen, das Aggregat mit dem Orga-\nnismus, das Quodlibet der Phrasen mit dem Ideal der Kunst\nzu confundiren. Mosaik ist nicht Architektur; und Musik,\nwill sie keine Stoppcllese, sondern einen Aernte-Reigen\nführen, muss dabei bleiben, die goldenen Aehren zum\nrunden Kranze zu flechten. Ohne Herrn Lindner's Inven-\ntion und Factur für unübertroffen zu erklären, danken wir\ndemselben gleichwohl dafür, dass und wie er durch\nVorführung eigener Compositionen uns erfreute. Mag es\nreichere geben, reifere Schöpfungen—wir sagen es mit\nBerücksichtigung der neu hinzugekommenen Theile des\nOp. 22—gibt es wenige für ein Instrument, das Matlheson\nim Jahre 1713 zuerst beschreibt und dessen Literatur\nnach wenigen Menschenaltern datirt*). Wir dürfen dess-\nhalb anerkennen, die Production war kein Dementi der\nAnkündigung, wonach in dem Concerte der vereinigten\nMilitärcorps nur classische Compositionen zur Aufführung\nkommen sollten. Die Dirigir-Stimme der Orchester-Beglei-\ntung lag in den Händen des Infanteris-Musik-Directors\nHerrn Asche, der sich auch mit der Strenge eines Sol-\ndaten und der W arme eines Bräutigams dem Einüben und\n✓\nLeiten der Ouverturen-Abtheilung des Concertes unterzo-\ngen hatte. Der Vorsteher der Cavallerie-Musik, Herr Ei-\ndam, dirigirte den Schlusstheil des Concertes, die achte\nSinfonie (F-dur) von Beethoven. Der wohldisciplinirten\nAufführung, die dem Vernehmen nach auch der in Gesell-\nschaft des Herrn Lindner eingetroffene Armee-Musik-Di-\nreclor Gerold aus Hannover als Zuhörer mit seiner Auf-\nmerksamkeit begleitete, wurde die der Fülle der Besetzung\nund dem Eifer des Dirigenten gebührende Anerkennung\nzu Theil. Vielleicht war die Bemerkung richtig, dass, je\nmehr sich die Besetzung des Orchesters dem wirksamsten\nVerhältnisse nähert, desto mehr die durch den volleren\nSaitenklang gedeckten Bläser suchen müssen, sich viel lie-\nber durch möglichste Sauberkeit der Intonation und Arti-\nculation als durch das Gegentheil die Aufmerksamkeit zu\nsichern. Dies gilt nicht vom Holz-Quartett, dem wir nur\nnoch die Fähigkeit eines schwächeren Ansatzes hätten wün-\nschen mögen bei dem tonischen der die\nharmonische Basis für das reizende Allegretto-Thema bil-\ndet. Mit reinster Wirkung stieg bis zum dreigestrichenen\ng die Clarinelte in dem lieblichen Solo des Trio der Me-\nnuet; leider hatte Herr Lindner, der die Cello-Begleitung\ngütigst übernommen, so tief im Orchester sich versteckt,\ndass man kaum einige Saitenklänge neben den Tönen der\nHörner und der Clarinelte im Plafond des Hörerraumes\nvernehmen konnte. Dennoch würde das Trio, diese Perle\nder Sinfonie, in der Erinnerung des aufmerksamen Hörers\nsein Relief behalten haben, wenn das Orchester nicht aus\neinem unbekannten Grunde von der Gewohnheit abgewi-\nchen wäre, nach dem Trio beim Dacapo die Reprisen-Zei-\nchen unberücksichtigt zu lassen. Im Finale hörte man\nstatt der thematischen Figur:\nbeständig:\nein Punkt, der schwerlich zu Zweifeln ir-\ngend einen Anlass geben kann, und wohl nicht dadurch\nentschuldigt werden wird, dass nach dem „Clavierbüchlein\nvon Friedemann Bach\", nach Marpurg, Ph. Em. Bach,\nTürk und Chrysander die Vorgänger der Haydn-Beetho-\nven'schen Schreibekunst vielleicht keinen wesentlichen Un-\nterschied gesetzt haben würden zwischen Notirungen wie\nS. Chrysander's Vorbem. z. I. Bde. der Bach'schen Clavier-\nCompositionen, und C. Ph. Em. Bach: Wahre Art, das\nCiavier zu spielen, I. 2, 6; Von dem Anschlage, §. 7:\n\n*) Erfinder des aus der Knie-Geige Viola da Gamba mit Gui-\ntarre-Bunden und 6—7 Saiten entstandenen Violoncello\nwar der AbW Tardieu 17t5,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.5", "texte": "Meinem Wunsche zuwider gebricht mir Baum und\nZeit, mich auszusprechen über die Sinfonie selber an sich\nund mit Beziehung auf die Frage ihrer Entstehungszeit\n(1801, und später übergearbeitet?) *). Möchte unsere Stadt,\ndie vor Begründung eines Orchester-Vereins allein auf das\nMilitär-Orchester angewiesen, ähnlicher Concerte doch ent-\nbehrte, das Gebotene durch angemessene Schätzung zu be-\nlohnen wissen! Ich schliesse mit der nachträglichen Erin-\nnerung, dass zwischen Herrn Lindner's Concert und Ca-\npriccio unter Leitung des Herrn Asche die Iphigenien-\nOuverture von Gluck zu Gehör kam, und rufe den ver-\nhallten Tönen nach: „0, rettet euer Bild in meiner\nSeele!\"\n\nSeverus.\n\nDie neue Harmonielehre.\nPsychander.\nDie Neue Zeilschrift für Musik hat jetzt eine gekrönte,\nvon Herrn Dr. F. P. Grafen Laurencin verfasste Preis-\nschrift: „Erklärende Erläuterung und musicalisch-theore-\ntische Begründung der durch die neuesten Kunst-\nschöpfungen bewirkten Umgestaltung und Wei-\nterbildung der Harmonik\"—zum Besten gegeben.\nWenn der Herr Graf im Ernste meint, dass das, was\ner in d«n neuesten Kunstschöpfungen als etwas Neues ge-\nfunden haben will, auch etwas Neues sei, so müsste man\nsich wundern über seine Unkenntniss in der musicalischen\nLiteratur. Wir halten aber das Ganze entweder für Spass\noder aber für das Bestreben, die betreffenden Componisten\nmit einer Glorie zu umgeben, welche diese als verdient\nnicht annehmen können, da sie wohl wissen werden, dass\nsie an Erfindung neuer Accorde und neuer Accordfolgen\nganz unschuldig sind.\nYV as für ein Wesen machen doch diese Leute z. B.\nüber den Gebrauch des übermässigen Dreiklangs und des\nübermässigen Sexten-Accords und deren Versetzungen!\nWas für ein neues Wunder glaubt Richard Wagner ent-\ndeckt zu haben, wenn er den verminderten Septimen-Ac-\ncord auf so und so viel Weisen auflösen kann! Das sind\nalte Geschichten, und wenn ein Schüler eines Conservato-\nriums so genannten alten Stils dies nicht schon vor 40 50\nJahren gelernt hat, so lasse er sich sein Lehrgeld wieder-\ngeben.\nWir wollen es dem Herrn Grafen kurz und ohne\npoetische Declamalion sagen, worin die vermeintliche\n„Umgestaltung und Weiterbildung der Harmonik\" in den\nneuesten Kunstschöpfungen besteht.\nEs gibt einen in allen alten Harmonielehren vorge-\nfundenen Satz, welcher lautet: „Auf jeden Accord\nkann jeder andere Accord folgen.\" Auf diesen Satz\nsich stützend, greifen die neuesten Kunstschöpfer keck und\nkühn zu den für unser Ohr bisher ungewöhnlichen\nund ungewöhnlichsten Accordfolgen und das ist\ndas Neue bei ihnen. Die dabei vorkommenden Augen\nund Ohren zerreisseriden und unsingbaren Intervallenfolgen\nund die willkürliche, schülerhafte musicalische Grammatik\nist ebenfalls et was Neues, aber etwas Schlechtes.\nNoch haben die neuesten Kunstschöpfer keine\nneuen Accorde und eben so wenig neue Accord-\nfolgen erfunden. Sollte aber der Herr Graf Laurencin\nuns etwas der Art späterhin nachweisen können, so wollen\nwir ihm dankbar sein und an eine „durch die neuesten\nKunstschöplüngen bewirkte Umgestaltung und Weiterbil-\ndung der Harmonik\" glauben. In allem bisher Geprie-\nsenen der neuen Erfinder ist nur die rücksichtslose, um\nnicht zu sagen: schamlose, Anwendung des längst Be-\nkannten neu.\nDessau.\n*) Wodurch kommt der geehrte Herr Correspondent auf diese\nVermuthung? Die VIII. Sinfonie hat Beethoven im Jabre 1812\nim Frühling zu Linz, wo er sich bei seinem Bruder auf-\nhielt, geschrieben. Aufgeführt wurde sie zum ersten Male in\nWien am 27. Februar 1814. Anm. der Kedaction.\n\nBeethoven’s Musik zum Prometheus-Ballet.\nZur Berichtigung und Ergänzung dessen, was in dem\nBerichte über das neunte Gesellschafts-Concert (in Nr. 10,\n*\nS. 79) in Bezug auf die genannte Ballet-Musik gesagt ist,\ndiene Folgendes.\nDie Ankündigung auf dem Concert-Programm: „Mu-\nsik von L. van Beethoven zu dem Ballet\" u. s. w., welche,\ngenauer genommen „Aus der Musik\" u. s. w. hätte lau-\nten sollen, hatte uns zu der irrthümlichen Annahme ver-\nleitet, als wären aus dem ganzen Werke nur jene vier\nNummern noch vorhanden. Dem ist aber nicht also; denn\nsowohl im gestochenen Ciavier-Auszuge (1802 und 1805\nbei Hofmeister in Leipzig erschienen) als in der handschrift-\nlich vorhandenen Partitur enthält das Werk sechszehn\nNummern ausser der Ouvertüre und der sich daran schlies-\nsenden Tempesta. Es sind folgende:\nNr. 1. Adagio und Allegro,%-Tact, in\nNr. 2. Adagio und Allegro con brio, 4/4-Tact, in D-moll.\nNr. 3. Allegro vivace, in F.\nNr. 4. Maestoso und Andante 4/4-Tact, in\nNr. 5. Adagio mit Soli von Flöte, Clarinelte, Fagott und\nHarfe, 4/4-Tact, in nebst %-\nTact, in B-dur,mit Violoncell-Solo."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.6", "texte": "Nr. 6. Adagio,4/4-Tact, in nebst\nTact, in G-dur (einer Art von Violin-Solo für alle\nPulte der ersten Gei ge).\nNr. 7. Grave,Yi-Tact, in C-d(langer, imposanter Satz,\nder in A-dur schliesst, überleitend zu):\nNr. 8. Allegro com brio,4/4-Tact, in der längste\nSatz, heroisch, kriegerisch, mit den ersten\nAct schliessend.\nNr. 9. Adagio, 3/4-Tact, in Es-dur, mit Oboe-Solo; nebst\nAllegro molio, 4/4-Tact, in C-moll.\nNr. 10. Pastorella Allegro,%-Tact, in\nNr. 11. Andante,4/4-Tact, und Nr. 12\nGioja) Allegro,4/4-Tact, in mit einem Zwi-\nschensatz in 3/4-Tact (Flöten-Solo).\nNr. 13. Allegro, 2/VTact, jn D-dur (Terzettino grotesco).\nNr. 14. Allegro, 4/4-Tact, in F-elur (Solo della Signora\nCasentini),nebst Ada3/8-Tact, mit Basset-\nhorn-Solo.\nNr. 15. Andantino, 4/4-Tact, in B-dur (Solo di Vigeino),\nAdagio,%-Tact, und 3/4-Tact, i\nNr. 16. Finale Ällegretto,2/4-Tact, in\ntnolto,4/4-Tact, und 4/4-Tact.\nDiese vollständige Musik zum Prometheus ist mit ge-\nringen Auslassungen von kurzen Sätzen, die ohne Panto-\nmime keine Bedeutung haben, zwei Mal in Wien, so wie\nzwei Mal in München und im fünften Concerte zu Aachen\nden 19. Januar d. J. mit grossem Beifalle im Concertsaale\naufgeführt worden. Das aachener Programm gibt dazu\nfolgende Notizen:\n„Der bekannte Dichter Seidl hat für Wien eine poeti-\nsche Einleitung und Erklärung (nicht ein verbindendes Ge-\ndicht) dazu verfasst. Doch erklärt diese Erklärung den Zu-\nsammenhang der Musik nur äusserst dürftig, was auch\nkaum anders möglich ist, da man über den Inhalt jenes\nBallets von Vigano nicht viel Anderes weiss, als was der\nTheaterzettel des k. k. Hofburg-Theaters vom 28. März\n1801 darüber besagt. Das Buch des Ballets ist leider\ngänzlich rerloren gegangen und trotz vielfältig in Wien\naufgewandter Mühe bis jetzt nicht wieder aufgefunden.\nDer erwähnte Theaterzettel lautet, wie folgt:\n„„Die Geschöpfe des Prometheus.\n„ „Personen:\n„„Prometheus, Herr Cesari; Geschöpfe, Mlle. Casen-\ntini und Herr S. Vigano; Bacchus, Herr Gioja; Pan, Herr\nAchinger; Terpsichore, Mad. Brendi; Thalia, Mad. Cesari;\nMelpomene, Mad. Renth; Apollo, Amphion, Arion, Orpheus.\n„ „Inhalt:\n„ „Die Grundlage dieses Ballets ist die Fabel des Pro-\nmetheus. Die Philosophen erklären die Anspielung der\nFabel dahin, dass sie denselben als einen erhabenen Geist\nschildern, der die Menschen zu seiner Zeit in einem Zu-\nstande von Unwissenheit antraf, sie durch Kunst und Wis-\nsenschaft verfeinerte und ihnen Sitte beibrachte.\n„„Von diesem Grundsatze ausgegangen, stellen sich\nim gegenwärtigen Ballet zwölf belebt werdende Statuen\ndar, welche durch die Macht der Harmonie zu allen Lei-\ndenschaften des menschlichen Lebens empfänglich gemacht\nwerden.\n„„Prometheus führt sie nach dem Parnass, um sie\nvon Apoll, dem Gott der schönen Künste, unterrichten\nzu lassen.\n„ „Apoll befiehlt dem Amphion, dem Arion und dem\nOrpheus, sie mit der Tonkunst—der Melpomene und der\nThalia, mit dem Trauer- und Lustspiele—der Terpsichore\nund dem Pan, sie mit dem von dem Letzteren erfundenen\nSchäferlanze und dem Bacchus, mit dem heroischen\nTanze, dessen Erfinder er ist, bekannt zu machen.\"u\n„So weit unser Theaterzettel. Wenn derselhe eine all-\ngemeine Andeutung des Inhaltes gibt, so lässt sich doch\nnicht von jedem einzelnen der in Beethoven's Musik vor-\nkommenden Tonstücke sagen, was es bedeute. Die Ouver-\ntüre ist allgemein bekannt; sie schliesst indessen nicht ge-\nwohnter Maassen ab, sondern führt in einen Sturm hinein,\nin welchem der Halbgott das beseelende Feuer vom Him-\nmel holt. Es folgt die Scene der Belebung in einem fast\ngeheimnissvollen Adagio und zart heiteren Ällegretto. Das\nnächste Musikstück (Nr. 2 und 3) lässt errathen, dass ein\nUngewitter—vielleicht der Zorn der Götter—den Frieden\nder neugeschaffenen Welt zu stören droht; indessen be-\nschwichtigt sich dasselbe bald und lös't sich zur anmuthig-\nsten und reizvollsten Heiterkeit auf. Die sich anreihenden\nMusikstücke scheinen auszusprechen, was in jenem Thea-\nterzettel angedeutet wurde. Ein ausserordentlich schönes\nStück mit Harfe (Nr. 5) führte wohl den Orpheus und\nAmphion auf die Bühne, um die Macht der Musik zu ver-\nsinnlichen. Andere Stücke heiteren und ernsten Charakters\nsollen vielleicht die Musen des Lust- und des Trauerspiels\nin ihren pantomimischen Darstellungen unterstützen. Ein\nweitgeführter Marsch (Nr. 7 und 8) schliesst die erste Ab-\ntheilung in rauschender Weise. Im weiteren Verfolge er-\nscheint nach einem leidenschaftlich bewegten und\nAllegro agitato(Nr. 9) eine heitere (der im Pro-\ngramm erwähnte Schäfertanz Pan's und Terpsichore's),\nwelchem sich ein Solo des Bacchus (Nr. 11 und 12) und\ndemnächst ein Trio grotesque (Nr. 13, wahrscheinlich der\nim Programm angedeutete heroische, von Bacchus erfun-\ndene Tanz) anschliessen. Fernere, theils zärtlich empfind-\nsame, theils sinnig heitere Soli della Signora Casentini und\ndel Signore Vigano (Nr. 14 und 15) lassen errathen, in\nwelcher Weise die von den Unsterblichen erhaltene Beleh-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.7", "texte": "rung auf die Geschöpfe des Prometheus, deren hervorra-\ngendste jene Beiden gewesen zu sein scheinen, eingewirkt\nhaben mag. Das brillante Finale, welches uns durch sein\nHaupt-Motiv auf bekannten Boden führt, schliesst das\nWerk auf das entsprechendste.\n\nZehntes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 12. März 1861.\nProgramm. Erster Tbeil: 1. Passacaglia (Orgel-Phantasie)\nvon J. S. Bach, für grosses Orchester bearbeitet von Esser. 2.\nArie: Tu sei il cor di questo core, aus „Julius Cäsar® von G. F.\nHändel, vorgetragen von Herrn Julius Stock hausen. 3. Con-\ncert für Pianoforte und Orchester in F-dur von W. A. Mozart\n#\n(Nr. I. der Härterschen Ausgabe), vorgetragen von Herrn Capellmei-\nter F. Hill er. 4. Arie: Ma Denise etait si jolie aus Le valet de\nChambre von Caraffa (Julius Stockbausen). 5. Feierlicher Marsch\nund Chor aus den „Ruinen von Athen\" von L. van Beethoven.\n6. a. „Sonntag am Rhein® von R. Schumann b. „Mein® von F.\nSchubert (Julius Stockhausen).\nZweiter Theil: Sinfonia pastorale von L. van Beethoven.\nBach's Passacaglia (eigentlich: II Passacaglio, französisch La\nPassecaille*]) fand bei unserem Publicum keinen Beifall. Auch wir\nkönnen den Gedanken, Bach's Orgel- oder Clavier-Compositionen für\nunser heutiges Orchester zu bearbeiten, keineswegs einen glückli-\nchen nennen, obwohl wir gern die Geschicklichkeit, mit welcher\nEsser ihn ausgeführt hat, anerkennen. Wenn schon die Uebertragun-\ngen von Ciavierwerken Mozart's und Beethoven's auf das Orchester\nihre Bedenken haben, so sind sie doch wenigstens dadurch gerecht-\nfertigt, dass diese Componisten bereits unser jetziges Orchester kann-\nten und ihre grössten Werke dafür geschrieben hatten, mithin, wie\nauch die oft orchestermässige Behandlung des Claviers, besonders\nbei Beethoven, zeigt, auch wohl Manches, was sie für das Piano-\nforte schrieben, im Geiste als Orchestermusik gehört haben mögen.\nBei Bach's Werken ist das aber gar nicht der Fall; man könnte\neher das Umgekehrte sagen, nämlich er habe z. B bei seinen Vio-\nlinsachen (Sonaten, Fugen u s. w.) mehr an das Ciavier gedacht;\nwenigstens sind die letzteren ganz und gar in dem contrapunktischen\nStile der Ciavierwerke geschrieben. Wir gehören gewiss zu denje-\nnigen, die von der innigsten Verehrung für die Tiefe und Grösse\nder Bach'schen Musik durchdrungen sind; aber das darf uns nicht\nhindern, uns gegen die jetzige Mode (denn viel mehr als Mode ist\nes wahrlich nicht!) zu erklären, die es für guten Ton hält, die Con-\ncert-Programme von Paris bis Petersburg stets mit einem Stückchen\nBach zu verzieren, welches sich häufig genug darauf ausnimmt wie\nein Restchen von jenem kernhaften alten Tuche, das man gar nicht\nverschleissen konnte, auf die fadenscheinigen, durchsichtigen Fabrik-\ngewebe der Modernität gesetzt. Will man das grosse Publicum der\nConcertbesucher, wozu wir eine zahlreiche Menge von sehr gebilde-\nten Musikfreunden rechnen, für Bach gewinnen, so führe man seine\nGesangwerke auf, die mit überwältigender Gewalt Herz und Gemüth\nergreifen, wie wir das auch bei unserem Publicum schon oft erlebt\nhaben, und es am Palmsonntag bei der Aufführung der Mat-\nthäus-Passion wieder erleben werden.\nDass Julius Stockhausen's Vorträge ein Glanzpunkt am\nHorizonte des Concert-Abends waren, wem braucht man das erst\nnoch zu sagen ? Der Gesangesmeister war sehr gut bei Stimme und\ntrug die sehr schöne Arie aus der Oper „Julius Cäsar\" von G. F.\nHändel auf vollendete und ergreifende Weise vor. Man bekam da-\ndurch die Ueberzeugung, dass die alte Form der Arie, welche den\nersten Theil derselben wiederholt, doch eine wohlbegründete und für\nden Sänger und den Hörer auch dankbare und ansprechende, aber\nfreilich auf einen Vortrag berechnete ist, wie ihn die Masse unserer\nheutigen Sänger kaum noch kennt. Bei Stockhausen sehnte man sich\nnach der Wiederholung und war bei derselben nun erst vollends im\nStande, die edle Schönheit der Melodie und des Vortrags recht innig\nzu empfinden. Die Arie ist aus der italiänischen Oper „Julius Cäsar\nin Aegypten®, welche Händel Anfang 1724 in London geschrieben\nhat, wo sie zuerst aufgeführt wurde; nachher auch in Deutschland,\n1725 in Hamburg, 1733 in Braunschweig in der Sommermesse. Sene-\nsino sang in London den Cäsar, die Cuzzoni die Kleopatra.\nEin anderes Genre des Vortrags zeigte die französische Arie aus\ndem Valet de Chambre von Caraffa. Die Feinheit und Anmuth des\nVortrags, in Verbindung mit der schönen Tongebung,\nwie sie bei Stockhausen's Gesang Statt findet, hört man selbst bei\nden guten französischen Sängern der comique nicht in dieser\nVollkommenheit Von den „Liedern-' sprach das erste von Schumann\ntrotz des vortrefflichen Vortrags nicht so lebhaft an, als das zweite\nvon Schubert. Es folgte ein dermaassen anhaltender, wohl sieben\nMal wieder von Neuem beginnender Applaus, dass sich der geniale\nKünstler entschliessen musste, noch einmal zu erscheinen ; er sang\ndie „Lorelei® von Schumann auf unnachahmlich schöne Weise und\nschied unter dem Rauschen des stürmischen Beifalls.\nZwischen den beiden Arien wurde uns ein wahrhaft classischer\nKunstgenuss zu Theil durch F. Hill er, der endlich einmal wieder\n\n*] Der Name bezeichnet ursprünglich einen Tanz, wie die ver-\nwandten Bezeichnungen Chaconne, Bourree, Gavotte,\nGique, Allemande, Sarabande, Menuett, Cour ante\nu. s. w. Dass die Passecaille der Chaconne (Ciaconna) ähn-\nlich sei, sagen alle Erklärer, aber damit ist wenig erklärt.\nDenn was ist die Ciaconna für ein Tanz gewesen? »Ein ur-\nsprünglich italiänischer, von mässig langsamer Bewegung im\n3/4-Tact, mit fühlbaren rhythmischen Einschnitten— sagen\ndie Wörterbücher der Tonkunst, als wenn nicht jeder Tanz\n„fühlbare rhythmische Einschnitte* hätte! Aber auch die alten\nMusiker waren schon uneinig über den Unterschied zwischen\nChaconne und Passecaille; Koch verlangt die langsamere Be-\nwegung für die letztere, Mattheson gerade umgekehrt für\ndie erstere. Der Augenschein lehrt, dass die älteren Mei-\nster diese Tanz-Melodieen als Themata zu Variationen und\nPhantasieen benutzten, ihnen ihre damals bekannten und be-\nliebten Tanznamen als Laufpass vorsetzten, und sich um die\nursprüngliche Bedeutung so wenig kümmerten, dass sie, wie\nVater Bach, aus einer Passecaille sogar ein prachtvolles und\nkunstreiches Stück für die Orgel setzten und ohne Zweifel\n. auch in der Kirche vortrugen Aber auf der Orgel soll man\nes auch lassen, nicht fürs Orchester unserer Zeit ausstaffiren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610316-01.1.8", "texte": "als Clavierspieler auftrat und Mozart's Concert Nr. 1 in F-dur\nauf eine Sinn und Herz gewinnende Weise vortrug. Und welch eine\nComposition! Wir pflegen jetzt so oft von lnstrumentirung bei den\nNeueren zu sprechen, aber was will die anerkennungswertheste ge-\ngen die Mozart'sche sagen, die ihren genialen Schöpfer auf jeder\nSeite der Partitur verräth und einen Reiz wechselnder Grazie und\nEmpfindung gewährt, der vor Allem geeignet ist, den Werth des\nrein musicalisch Schönen in sein wahres Licht zu stellen! Aber\num diesen Werth auch in der Ciavierstimme leuchten und wärmen\nzu lassen, dazu gehört ein Anschlag, ein Vortrag, ein Melodieen-\nspiel oder vielmehr ein Ciaviergesang, wie ihn Hiller vorzugs-\nweise vor allen seinen Kunstgenossen auf dem Pianoforte besitzt.\nMozart Hummel Hiller, das ist die Trias der Tradition des\nedlen Stils auf dem Flügel.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte die Aufführung der Pa-\nstoral-Sinfonie von Beethoven, deren Ausführung namentlich\nim Quartett der Saiten-Instrumente vorzüglich war, in einigen Blas-\ninstrumenten aber sowohl in Bezug auf reine Intonation als Ton-\nansatz Manches zu wünschen übrig liess. Das Publicum war von\nder lange nicht gehörten Composition auf das lebhafteste ergriffen\nund begleitete jeden Satz mit andauerndem Beifalle.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nH.O1B&* In der letzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft spielten die Herren Königslöw, Derckum, Grunwald und\nBreuer ein Violin-Quartett von Ferdinand Breunung, dem Dij\nrigenten des Orchesters jener Gesellschaft und des städtischen Sing-\nvereins. Das Werk erhielt in allen Sätzen den lebhaftesten Beifall\nder zahlreichen Zuhörerschaft, der dritte (Scherzo), der sich durch\nOriginalität und eigentümlichen Rhythmus auszeichnet, rief wieder-\nholten Applaus hervor. Das Quartett ist recht selbstständig gearbei-\ntet und zeigt überall den gediegenen Musiker. Der erste Satz ist\nhier und da noch etwas kraus, wozu das gleich mit Sechszehntel-\nFiguren auftretende, sehr lebendige Thema leicht verleitet haben\nmag ; jedoch wird er durchaus nicht unklar.\nPai'is (Correspondenz Havas), 14. März. Wagner1 s Tannhäu-\nser hat gestern bei der ersten Aufführung kein Glück gehabt. Die\nZukunfts-Oper erlitt ein in den Annalen der hiesigen Oper seltenes\nFiasco. Die aufopfernden Bemühungen der Anhänger und Freunde\ndes Meisters und seiner musicalischen Richtung vermochten durch\nBeifall des Gelächters und Zischens des französischen\nnicht Herr zu werden. So sehr auch von den Gegnern die hervorra-\ngenden Leistungen des Herrn Niemann als Sänger und Darsteller\nnach Verdienst gewürdigt wurden, so vermochte weder er noch die\nanderen Mitwirkenden den Fall der Oper aufzuhalten. Uebrigens\nwurden sie auch schliesslich, gleichsam zum Zeichen, dass das Miss-\nfallen der Oper und nicht der Aufführung gelte, herausgerufen. Die\nAusstattung des Stückes war prachtvoll, das Orchester, was wohl\nbei der Katastrophe mit in Anschlag zu bringen ist, an vielen\nStellen schwach und der Aufgabe nicht gewachsen, oder dieselbe\nnur mit Unlust mangelhaft eriüllend. Der Kaiser wohnte der Auf-\nführung bis ans Ende bei.\nDer Constitutionnel berichtet vorläufig heute schon: „Die Ver-\nSammlung war glänzend und mit sichtbarer Leidenschaftlichkeit für\nund gegen das Werk erfüllt. Die Direction hatte für Decoration und\nScenerie keine Ausgaben gescheut. Die Sänger haben gewissenhaft\nihre Pflicht erfüllt, und dennoch gelangte das Stück nicht ohne Wi-\nderspruch und wenn man es sagen soll nicht ohne einige\nPfiffe bis ans Ende. Immerhin hat man einigen Stellen von unbe-\nstreitbarem Verdienste einstimmige Gerechtigkeit widerfahren lassen;\ndagegen hat man aber einige Tacte von zweideutigem Geschmack®\nvielleicht etwas zu lebhaft angegriffen. Wir wollen hier kein Urtheil\nfällen, sondern einzig den Effect dieses so ungeduldig erwarteten\nAbends constatiren.\nDie Besetzung war folgende: Tannhäuser, Niemann; Wolfram\nvon Eschenbach, Morel Ii; der Landgraf, Cazaux; Venus, Mad.\nTedesco; Elisabeth, Mslle. Marie Sax; ein Hirtenknabe, Mslle»\nRiboux. Die auf dem Zettel figurirenden Dichter sind die Herren\nNuitter und Edmund Roche."}]}