{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_sha256": "f4211143f26af34dfb480f5ae81cf2652f6b5610ffa66cb1e0c70ea77182e9a5", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/04/20_01/bmtnabi_1861-04-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in Altona. Aus Hamburg (Bach-Gesellschaft. Von 11. Aus Regensburg (Musikleben)\nVon y. Concert des Cäcilien-Vereins in Frankfurt am Main am Charfreitage Zwölftes Gesellschafts-Coneert in Köln im Gürzenich.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Director Levy Barmen, IV. Abonnements-Concert Berlin, Fräulein Hildegard\nKirchner Frankfurt am Main, Fräulein Nina Hartmann, Theaterwesen Wien, Liedertafel des Sängerbundes),"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "123", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.2", "titre_corps": "Musicalische Zustände in Altona.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in Altona.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.1", "debut_caractere": 454, "fin_caractere_exclue": 4226, "texte": "Musicalische Zustände in Altona.\nUnter dem Titel: Jahrbücher der Altonaer Sing-\nAkademie. Erstes Heft. 1860. Altona, bei A. Lehmkuhl\n& Comp. 80 S. Gr. 8.—liegt uns ein Schriftchen vor, das,\nvon einem Mitgliede des Vereins herausgegeben, nicht bloss\nden Örtlichen Zweck erfüllt, den Mitgliedern des Vereins\nein Erinnerungs- und Rechenschafts-Biatt in die Hand zu\ngeben, sondern auch gar manches enthält, was auch\nfür weitere Kreise theils historisches, theils ästhetisch-mu-\nsicalisches Interesse hat.\nDer Verfasser gibt nämlich als Einleitung zu der Dar-\nstellung der gegenwärtigen Verhältnisse eine Skizze der frü-\nheren musicalischen Zustände in Altona, aus welcher her-\nvorgeht, dass am Ende des vorigen und im Anfange des jetzi-\ngen Jahrhunderts das musicalische Leben in der Nachbar-\nstadt Hamburgs hauptsächlich durch Fremde, namentlich\ndurch Franzosen, in Schwung gebracht wurde—eine That-\nsache, die merkwürdig genug ist, obgleich aus der Schil-\nderung hervorzugehen scheint, dass die Franzosen nicht\nsowohl das innere Leben der Kunst geschaffen, als viel-\nmehr die äusseren Bedingungen zum Emporkommen der-\nselben gefördert haben. Denn ausser den französischen\nAnkündigungen von Concert-Aufführungen und Opern wa-\nren diese selbst deutsch.\nIn Folge der Revolution in Frankreich zog die gün-\nstige Lage und die damalige politische Stellung der Stadt\nAltona eine grosse Menge französischer und anderer Aus-\ngewanderter an, die sich theils zeitweise dort aufhielten,\ntheils förmlich niederliessen.\n„Es bildete sich dadurch eine geschäftige Thätigkeit,\nstatt der früheren Buhe herrschte ein buntes, wechselvolles\nTreiben, und es konnte nicht fehlen, dass die Stadt in\nmehrfacher Beziehung aus diesem regen Verkehr Nutzen\nzog. Manche der Eingewanderten waren begütert, alle aber\nbrachten, da sie aus ihren Verhältnissen herausgerissen\nwaren, leere Zeit mit, die sie auszufüllen wünschten. Viele\nvon denen, die eine neue oder wenigstens zeitweilige Be-\nschäftigung suchten, benutzten ihre Talente dazu, um sich\neine Existenz zu schaffen, und bei dem lebhaften Sinne der\nFranzosen für gesellige Unterhaltungen, und weil Uebung\nin der Kunst bei ihnen überhaupt wohl schon mehr einge-\nbürgert war, lässt es sich denken, dass Theater und Musik\nbald der Mittelpunkt wurde, um welchen sich ihre Thätig-\nkeit concentrirte.\n„Dieses neue und bunte Treiben, in welches sich Al-\ntona mit Einem Male versetzt sah, und welches mit dem\nfrüheren ehrenfesten Zuschnitt vermuthlich in scharfen Con-\ntrast trat, mochte eben nicht jedem unserer guten Vorfah-\nren gefallen haben. Es fanden sich Stimmen, welche im\nGegensatz des Lobe?, das man dem verbesserten Gesell-\nschaftstone, dem günstigen Einflüsse der Bühne, deren\ndauerndes Fortbestehen man noch vor zehn Jahren für\nunmöglich gehalten hatte, spendete, über die zunehmende\nSucht, die Zeit mit Vergnügungen hinzubringen, welche\nden Sinn für ernste Beschäftigungen verdränge, klagten.\nDa, wo die Musik noch keine eigentlichen Wurzeln ge-\nfasst hat, müssen freilich oft gesellige Freuden das Mittel\nwerden, ihr erst den Platz zu sichern. Von der Ueberzeu-\ngung, dass die herrliche Kunst eines der wichtigsten Bil-\ndungs- und Erhebungsmittel für Gemüth und Geist ist,\nwar man damals noch nicht allgemein durchdrungen, und\nwahrscheinlich wurde die Musik häufig auch nicht so ge-\nhandhabt, dass ihre eigentliche Bestimmung den Hörern\nklar wurde.\n„Gewiss ist indess\", fährt der Verfasser fort, „dass,\nnachdem in Altona einmal ein stehendes Theater errichtet\nwar (1783) und regelmässig Opern und Concerte gegeben\nwurden, auch von allen Seiten wirklich künstlerische Kräfte\nherbeiströmten, und dass die Darstellungen sich sehr bald\nvon mittelmässigen zu bedeutenderen und oft sehr gelun-\ngenen Leistungen erhoben. Es ist hinreichend bekannt,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5345, "texte": "welchen hohen und wohlverdienten Rang unsere Bühne\ndamals unter den Bühnen Norddeutschlands, namentlich\nunter der Direction des Dr. Albrecht, einnahm. Viele\nder classischen Dramen von Schiller, Shakespeare, Göthe,\nLessing und Anderen wurden in häufiger Folge gegeben,\neben so die Stücke von Iffland, Ziegler, Schröder, Dr.\nAlbrecht, und namentlich die Kinder der Kotzebue'schen\nMuse, so wie sie nach der Reihe ans Tageslicht traten;\nferner die Opern: „Axur, König von Ormus\" und „Pal-\nmira\" von Salieri, „Der Wasserträger\" von Cherubini,\nund namentlich die Mozart'schen Opern, „Die Entführung\naus dem Serail\", „Titus\", „Don Juan\" und „Die Zau-\nberflöte\", sowie „Die Geisterinsel\" von Zumsteg, „Die\nheimliche Ehe\" von Cimarosa, „Oberon\" von Wranitzky,\n„Zemire und Azor\" und „Raoul Blaubart\" von Gretry.\nFerner die komischen Opern: „Der Doctor und der Apo-\ntheker\", „Betrug durch Aberglauben\", „Hieronymus\nKnicker\" und „Das rothe Käppchen\" von Dittersdorf,\n„Die Schwestern von Prag\" und „Das Sonntagskind\" von\nWenzel Müller, „Der Teufel ist los\" oder: „Die verwan-\ndelten Weiber\" von Weisse und Adam Hiller, „Die Jagd\"\nvon Hiller, „DasDonauweibchen\" von Hensler, Musik von\n*\nKauer, „Die beiden Antone\", „Die Zaubertrommel\" oder:\n„Die Schellenkappe\" und „Der Höllenberg\" von Schika-\nneder*) u. s. w\n„Alle grösseren Concerte fanden ebenfalls im „Na-\ntional-Theater\", wie damals unser Schauspielhaus ge-\nnannt wurde, Statt. Eine Serie von Concerten in den er-\nsten Jahren hiess die „Academie\nnational\" .Die Concerte im Schauspielhause brachten thcils\nzusammengesetzte Musikstücke, Vorträge von einzelnen Vir-\ntuosen, und theils bestanden dieselben in der Aufführung\nvon Cantaten bei festlichen Gelegenheiten, und von Ora-\ntorien an christlichen Festtagen. Auch an Gelegenheits-\nComponisten fehlte es nicht. Der Musik-Director der Bühne,\nFr. Hiller, steht öfter als solcher genannt, so wie Dr.\nAlbrecht oder seine Gattin als Verfasser des Textes. Die\nOpern „Der Höllenberg\" und „Der Kopf ohne Mann\"\nwurden von dem damals längere Zeit hier anwesenden Ca-\npellmeister Wölfl aus Wien componirt.\n„Aus den Ankündigungen der Concerte sieht man, dass\nsich fortwährend viele Virtuosen hören Hessen, und dass\nfast alle Instrumente vertreten waren. Ausser Sängern und\nSängerinnen hörte man Virtuosen auf der Violine, Harfe,\nFlöte und Harmonica, auf dem Piano, Violoncello, Clari-\nnette, Fagott und Horn, und was dabei besonders für die\nTüchtigkeit des Orchesters des National-Theaters zeugt,\nist, dass die Instrumentalisten, die sich hören liessen, zum\n*) »Die Jagda und ,Das rothe Käppchen\" sind im März 1860\nim dresdener Hoftheater neu einstudirt gegeben worden»\nGrossen Theile eben Mitglieder dieses Orchesters waren.\nAuch durchreisende musicalische Celebritäten verfehlten\ngewöhnlich nicht, sich einige Zeit in Altona aufzuhalten.\n„Neben den oben erwähnten musicalischen Aufführun-\ngen im Nalional-Theater und iti kleineren Localen wurden\nvon 1797 an ziemlich regelmässig in der Hauptkirche\n(auch zuweilen in der Ottensener Kirche) an den christ-\nlichen Hauptfesten geistliche Musiken von dem Cantor\nJun gel aussen aufgeführt. Dieselben müssen zu Anfang\nindess in sehr kleinem Umfange gegeben worden sein: die\nZahl der Mitwirkenden bestand zuerst aus acht oder zehn\nSängern, und grösstenteils waren es nur Vocal-Concerte,\nvermuthlich in Begleitung der Orgel, von Männer- und\nKnabenstimmen ausgeführt. Später jedoch nahmen auch\ndiese Concerte eine grössere Bedeutung an, wenn sie auch\nnicht immer so stark besetzt waren, wie ausnahmsweise\nam ersten Weihnachlstage 1803, an welchem Chöre aus\nHändel's Messias von fünfzig Personen gesungen wurden.\nIm März 1802 und 1803 wurde eine Passionsmusik, von\nJungclaussen selbst componirt, aufgeführt.\n„Eines besonderen Instituts aus jener Zeit müssen wir\nebenfalls gedenken, nämlich des so genannten „Sänger-\nchors\". Zuerst scheint derselbe mit Chorsängern des\nTheaters besetzt gewesen zu sein; im Jahre 1800 aber\nerhielt der Cantor Jungclaussen die Leitung desselben.\nDie Mitglieder wirkten in den Kirchen-Concerten und beim\nChoralsingen, und sangen allmonatlich oder sonst, so oft\nes verlangt ward, in den Häusern der Subscribenten, welche\ndieses Institut unterstützten und dafür monatlich acht Schil-\nlinge bezahlten. . . .\n„Es ist bekannt, dass nach Lessing's Aufenthalt in Ham-\nburg (1767 bis 1770) durch dessen Einfluss und durch\nden späteren Director Schröder die Bühne daselbst sich\neines bedeutenden Aufschwungs erfreute. Die classischen\nWerke von Shakespeare, Lessing, Göthe und Schiller ka-\nmen hier zuerst zur Geltung, und von Opern zuerst Mo-\nzart's „Entführung aus dem Serail\", dann der „Don Juan\"\nund „Figaro's Hochzeit\". Letztere Oper ist in Altona nie\nzur Aufführung gekommen; dagegen dürften manche an-\ndere classische Werke ihre erste Aufführung in unserer\nGegend überhaupt auf unserem Theater erlebt haben.\nWas im Uebrigen die Repertoires in Hamburg und in Al-\ntona brachten, zeugte von dem besonderen Geschmack des\ndamaligen Publicums, welcher entweder durch den senti-\nmentalen Rühr-Apparat, den die Schauspiel-Dichter in Be-\nwegung setzten, oder durch Vorführung der niederen Ko-\nmik befriedigt werden musste, und ferner überhaupt davon,\ndass, trotzdem die Wiege der durch Lessing begründeten\nso genannten hamburger Schule uns so nahe war, die\nHanswurst-Periode in der Geschichte der Dramaturgie"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4061, "texte": "noch nicht überwunden war. Den Ankündigungen in den\n„Altonaer Nachrichten\" waren häufig komisch lautende\nAnmerkungen und Glossen hinzugefügt, wie z. B. bei „Ar-\nlequin, der Tausendkünstler\" der Zusatz: „Die meisterhafte\nund jeden Charakter sehr richtig ausdrückende Musik ist\nvon unserem Musik-Director Sedlaczeck; das ganze Stück\nwimmelt durch und durch von erzkomischen Auftritten.\"\n„Unter den bemerkenswerten Aufführungen erwähnen\nwir:\n„ 1783, den 22. April: Eröffnung des Schauspielhauses\nmit einer Rede und der Aufführung des Stückes „Die L-\nästerschule\", nach Sheridan, von der schleswig'schen Hof-\nschauspieler-Gesellschaft. Den 22. Juli: Erstes Concert:\n1) Flöten-Concert von Herrn Madtstedt; 2) Vortrag „einer\nganzen Cene aus der berühmten Oper Aramida\" von Mad.\nMadtstedt; 3) Simphonie „von den besten Maitern\". Ita-\nliänische Arien und pantomimisches Divertissement-Ballet.\n1784, den 14. März: Eine Passionsmusik zum Besten\nder Armen.\n1786: Aufführung von „Geliert's Denkmal\", Epilog\nmit Gesang und Tanz. Den 17. Juli: Erste Aufführung\nvon Mozart's „Entführung aus dem Serail\" durch die\nTilly'sche Gesellschaft.\n1787, den 28. November: Dieselbe Aufführung durch\nSchröders Gesellschaft. Den 25. März: Aufführung des\nOratoriums „Der Tod Abel's\" von Rolle, Musik-Director\nin Magdeburg.\n1796, den 2. October: Erste\ndans le theätre national11 , welcher eilf Aufführungen in der\nSaison und viele andere in den nächsten Jahren nachfolgten.\n1797, den 31. März: Erste Aufführung von Mozart's\n„Entführung aus dem Serail\" unter Musik-Director Fr.\nHiller (j- 1812 in Königsberg). Den 14. April: Am Char-\nfreitag im Theater: Stabat mai von Haydn.\n1798, den 5. April: Am Gründonnerstag im Theater:\n„Der Tod Jesu\" von Graun. Den 11. Mai: Erste Auffüh-\nrung von „ Axur, König von Ormus\", von Salieri. Den 24.\nAugust: Erste Aufführung von Mozart's „Zaubertlöte\".\nDen 7. October: Erster Act von Mozart's „Titus\", zum\nersten Male. Den 12. November: Cantate: „Weihnachts-\nfeier\", von Schwencke, im Theater.\n1799, den 22. März: Am Charfreitag im Theater:\nStabat matervon Pergolesi und ein Oratorium von\nSchwencke.\n1800, den 4. September: Orgel-Concert in der Haupt-\nkirche vom berühmten Organisten J. C. Kittel aus Erfurt,\nSchüler von J. S. Bach. Den 29. November: Erste Auf-\nführung von Mozart's „Don Juan\".\n1801, den 8. Januar, und öfter wiederholt: „Altona\nvor hundert Jahren\", Schauspiel in fünf Acten von Dr.\nAlbrecht, mit Chören. Den 1. April: in der Charwocho,\nzum ersten Male im Theater: Haydn's „Schöpfung\". Zahl\nder Mitwirkenden 120. Den 13. November: Erste voll-\nständige Aufführung von Mozart's „Titus\".\n1802, den 13. Januar: Erste Aufführung von Che-\nrubini's „Wasserträger\". Den 18. April: Zum ersten Male\nHaydn's Oratorium „Die Jahreszeiten\".\n1803, den 6. April: Haydn's „Schöpfung\" im Theater.\nDen 18. April: Der Frühling aus den „Jahreszeiten\" in\nder Hauptkirche. Den 24. April: Dieselbe Aufführung in\nder Ottensener Kirche. Den 25. Dec., zum ersten Male:\nHändel'sche Musik aus dem „Messias\" in der Hauptkirche.\n1804, den 10. October: Cantate: Schiller's Ode an\ndie Freude, componirt vom ehemaligen holländischen Haupt-\nmann v. Böhm, im Theater aufgeführt.\n1805: Am 19. Juni wurde für Schiller eine Todten-\nfeier im Schauspielhause veranstaltet, ein Prolog in einem\nAct mit Chören.\n1809, den 31. März: Am Charfreitag: „Der Tod\nJesu\" von Graun, im Theater.\n1810, den 18. April, und 1811, den 12. April:\nHaydn's „Schöpfung\" im Theater.\n1810, den 14. April: Erste vollständige Aufführung\nvon Händel's „Messias\" im Theater, und „Vater unser\"\nvon Romberg.\nAn musicalischen Curiositäten fehlte es in damaliger\nZeit auch nicht. So liess sich 1804 im Theater ein Virtuose\nauf vier Pauken hören, und in den Jahren 1808 —lBO9\nwurden statt Soireen häufig musicalische „Dejeuners\" Mor-\ngens 5% Uhr gegeben, was aber, wie zur Beruhigung\nder Leserinnen hinzugefügt werden soll, nur zur Zeit des\nSommers geschah. Ferner bot eine Musicalienhandlung\nihren öffentlichen Ankündigungen zufolge ausser Noten auch\ndaneben Selterswasser und Stiefelwichse aus.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "125", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.3", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.3", "debut_caractere": 4063, "fin_caractere_exclue": 4659, "texte": "Aus Hamburg.\nEnde März 1861.\nUnter den musicalischen Productionen der letzteren\nZeit zeichneten sich das von Herrn Karl Krebs aus Dres-\nden geleitete Concert des „Liszt-\" Pensions- Vereins im\nWörmer'schen Saale, und hauptsächlich das von der Bach-\nGesellschaft in derPetrikirche veranstaltete geistliche\nConcert vortheilhaft aus. Letzteres fand zum Besten der\nKranken-Station des Seemannshauses Statt und hat, den\ngefüllten Räumen des weiten Gotteshauses nach zu schlies-\nsen, einen guten Ertrag für den wohlthätigen Zweck ge-\nliefert. Das unter Krebs' Direction gegebene Concert hätte\n. \" .\n\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5605, "texte": "besser besucht, aber das Auditorium nicht leicht dankba-\nrer sein können. Es gestalteten sich aber auch die Vorträge\nsämmtlicher Nummern des Abends zu in der That vollen-\ndeten Leistungen, von der BerliozVhen Ouvertüre zu Ben-\nvenuto Cellini bis auf Beethoven's C*woß-Sinfonie. An der\nSchiller-Cantate von Krebs' Composition wirkte die Ge-\nmahlin des Dirigenten, Frau R r ebs-Micha lesi, auf das\nerfreulichste mit, und zeichnete sich von Seilen der hiesi-\ngen Gesangskräfte Fräulein Lichtmay durch die Fülle\nund Schönheit ihrer Stimme besonders aus. Eine Ouver-\ntüre von Rossini und eine Suite von Bach waren die übri-\ngen Bestandteile des Abends.\nDas geistliche Coneerl der Bach-Gesellschaft war nur\nmit einer allerdings grösseren Nummer, der Cantate: „Lieb-\nster Gott, wann werd' ich sterben\", den Composilionen\nBach's gewidmet. Wie sich die Gesellschaft durch die un-\nermüdlichen Bemühungen ihres Vorstandes immer mehr\nzu einem Vereine für elassische Kirchenmusik überhaupt\nerweitert, so umfasste auch das Programm ausser der Bach\"-\nschen Cantate das Stabat Mater von E m a n u e 1 d'A s t o r g a,\nzwei Händel'sche Sätze und eine Motette von Schicht.\nDie erste, aus dem Stabat Mater bestehende Hälfte\ndes Concertes war die gelungenste. Den Unstern, unter\nwelchem der aus Berlin herbeigezogene Solo-Tenor, Herr\nOtto, heiser geworden war, bemerkte man in dem\nMater nicht zu empfindlich. Frau Dr. Mampe-Babnigg\nim ersten, Fräulein Antonie Steinfeldt im zweiten So-\npran, so wie der Bass des Herrn Ad. Schulze bewährten\nsich als zuverlässige Rräfte, und auch der Chor ergriff seine\nAufgabe mit Sicherheit. Die Composition d'Aslorga's ge-\nhört zu den gefeiertsten Werken des älteren italiänischen\nRirchenstils. Was ihr an Farben Wechsel durch den Gegen-\nstand versagt ist, das ersetzt sie durch gläubige Innigkeit,\nund wo ein froheres Gefühl durch die Hingebung an den\nSchmerz der Mutter des Gekreuzigten hindurchbrechen\nkann, da erhebt sich der Riagegesang zu einem feierlichen\nHymnus des geistigen Sieges, wie in dem Chor: Virgo vir-\nginum praeclara, und in dem Schluss-Abschnitte des Gan-\nzen, wo sich die Gemeinde, vom Blute des Heils nach\nden Worten des Textes völlig berauscht, der Palme der\nUeberwindung und der Ehren des Paradieses vergewissert\nlühlt. Wunderschön ist in dem Sopran-Solo Nr. 5 der\nAusdruck des gläubigen Gebetes in den gehaltenen Tönen\nzu den Worten: Fige cordi mco valide, der sich über das\nGefühl des Schnae rzes bei der Erinnerung an die Leiden\ndes Erlösers emporhebt. Von herrlicher Wirkung ist auch\ndie jetzt fast ganz ausser Gebrauch gekommene Anwen-\ndung des Alt und Tenor allein für den Chor Nr. 6, in\nwelchem eine so einfache und doch ausgearbeitete Harmo-\nnie verwandt ist. li. dem letzten Chor Nr. 9 tritt dann eine\ngegenüber dem durchgängigen Piano der übrigen Piecen\nmachtvolle Rraft hervor, und namentlich ist der Schluss,\ndas fugirte Arncn, wo die einzelnen Stimmen immer am\nSchlüsse der Phrase mit dem geschlossenen kräftigen Amen\neinsetzen, von bezaubernder Wirkung.\nDie Motette von Schicht: „Heil'ger Quell der ew'-\ngen Seligkeit\", ging bis auf eine Senkung der Stimmen\nzum Schlüsse hin trefflich zusammen. Die Cantate von\nBach hat sechs Nummern: Chor, Tenor-Arie, Recitativ,\nBass-Arie, Recitativ, Schluss-Chor. Die Tenor-Arie musste\nwegen Heiserkeit des Herrn Otto ausfallen. Frau Mampö-\nB a b n i g g sang das Sopran-Recitativ sehr schön und brachte\nmit den Worten: »Und kann nicht sterben\", einen sicht-\nlichen Eindruck hervor. Das vortrefflich vorgetragene Bass-\nSolo wurde leider durch die Flöte, deren Bläser den Ton\naus Aengstlichkeit zu sehr in die Höhe trieb, beeinträch-\ntigt. Die Chöre gingen dagegen ganz gut, und wir lassen\nder Sorgfalt des Herrn Armbrust, Dirigenten der Bach-\nGesellschaft, und dem Eifer der Vereins-Mitglieder nur die\nverdiente Gerechtigkeit widerfahren, wenn wir ihrem rast-\nlos vorwärtsschreitenden Streben unsere lebhafteste Aner-\nkennung zollen und ihren Zwecken eine immer grössere\nTheilnahme wünschen. Die erste Nummer der Cantate mit\nder wunderbaren, das Dahingleiten der Zeit und den ge-\nsetzmässigen Wechsel der menschlichen Dinge malenden\nOrchester-Begleitung halte eine sehr gute Aufführung an-\ngekündigt, und der Schluss-Chor mit dem figurirten Cho-\nral hielt in dieser Richtung wieder Wort.\nAusser diesen grösseren Musikstücken hörten wir noch\nzwei Arien aus Händel's „Messias\" : ,Er weidet seine\nHerde\" (wofür auf dem Programm wahrscheinlich durch\nein Versehen die andere: „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\", angekündigt war), von Frau Mampe-Babnigg,\nderen Stimme noch ihre volle Kraft und Fülle hat, treff-\nlich vorgetragen; und die erste Arie des Oratoriums: „Alle\nThale\" u. s. w., welche die oben genannte Sopranistin\nFräulein Steinfeldt sang, da der Tenorist, wie schon er-\nwähnt, heiser geworden war. Darüber haben hiesige Blät-\nter, und wohl mit Recht, Klage erhoben, da diese Arie\nfür Tenor geschrieben sei*).\n\n*) Uns scheint der Wechsel keineswegs so verbrecherisch, zumal\nwenn man eine Arie als Concertstück, also ausserhalb des Zu-\nsammenhangs mit dem Oratorium, gibt. Die fragliche Arie\nsteht in manchen Clavier-Auszügen des auch in der\nBearbeitung des Hamburgers Schwencke, die man doch in\nHamburg kennen muss, mit Soprano bezeichnet; und wer\nHändel'sche Partituren kennt, der weiss, dass in Bezug auf die\nBeischriften Tenore oder Soprano an eine Uebereinstim-\nmung in den verschiedenen Ausgaben derselben gar nicht zu\ndenken ist. Ja, es unterliegt auch keinem Zweifel, dass Händel\nselbst sich bei den Aufführungen in diesem Punkte oft nach den\nKräften richtete, die ihm gerade zu Gebote standen. Die Red."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 767, "texte": "Uebrigens sind wir hier, was Acusserlichkeiten be-\ntrifft, noch weit zurück gegen Ihre grossen und prächtigen\nConcertsäle am Rheine. Der einzige ordentliche Concert-\nsaal, den wir haben, ist für gewöhnliche Orchester-Auf-\nführungen wohl allenfalls gross genug; tritt aber der Chor\nhinzu, so ist Alles beengt, und man muss in den Zuhörer-\nraum hineinbauen. Ein amphitheatralisches Orchester fin-\ndet man hier nirgends. Auch die Petrikirche, in welcher\ngewöhnlich die Kirchen-Concerte gehalten werden, ist un-\ngünstig für musicalische Aufführungen, da das Orchester\nweit hinter dem Sängerchor steht und durch die vorsprin-\ngende Orgel verdeckt wird. Auch ist hier die Stimmung\nunerträglich hoch, und leider keine Aussicht vorhanden,\nsie in naher Zeit herabzusetzen. 11."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "126", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.4", "titre_corps": "Aus Regensburg.", "titre_sommaire": "Aus Regensburg.", "signature_source": "y", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.5", "debut_caractere": 769, "fin_caractere_exclue": 5290, "texte": "Aus Regensburg.\n\nAnfangs April 1861,\nDas Musikleben hiesiger Stadt, die bekanntlich viele\nKräfte besitzt, aber sie nur selten vereinigt, war diesen\nWinter lebhafter, als seit langer Zeit. In der Oper, die\nunter der Leitung des trefflichen Capellmeislers Ott im\nEnsemble und in» Orchester gegen frühere Jahre sehr ge-\nwonnen hat, hörten wir (unter Anderem) besonders gut\nausführen: Weisse Dame, Figaro, Zauberllöte, Czaar, Ro-\nmeo und Julie, Unterbrochenes Opferfest, Fidelio. Natür-\nlich leidet das Stadttheater, das durchschnittlich seit Jah-\nren sehr gut besucht ist, an den bekannten Mangeln klei-\nnerer Bühnen, namentlich häufigem Wechsel des Perso-\nnals, worin das grösste Hinderniss der Erweiterung des\nRepertoires iiegt; aber es hat sehr tüchtige Kräfte, nament-\nlich in dem Barilonisten Herrn van Gülpen und der So-\npranistin Fräulein Strauss, und ein (in den Blasinstru-\nmenten namentlich) sehr gutes Orchester. Die Mitglieder\ndes letzteren haben neuerlich einen Pensions- und Unter-\nstützungs-Verein gegründet und zu dessem Besten am\nWeihnachlstage und am Ostersonntage zwei vorzügliche\nConcerte unter Herrn Ott's Leitung gegeben, in denen\nBeethoven's Sinfonie in D-durund die Pastoral-Sinfonie,\nmit grosser Vollendung gegeben, mit lautem Beifalle auf-\ngenommen wurden. Ein solches Unternehmen ist hier ganz\nneu, wenigstens lange nicht mehr da gewesen; denn seit\nJahren wurde hier keine Beethoven'sche Sinfonie gehört,\nund die Pastoral-Sinfonie soll überhaupt zum ersten Male\nhier producirt worden sein. Um so mehr ist die feine\nDurchführung so schwieriger Werke zu loben. Im Weih-\nnachts-Concerte hörten wir auch neben Cherubini's Ouver-\ntüre zu den Abenceragen Mendelssohn's Violin-Concert,\nvon unserem Concertmeister Herrn Berr mit ausgezeich-\nneter Technik und Auffassung wiedergegeben. Beethoven's\nRondo lür acht Blas-Instrumente im Oster-Concerte wurde\nrein und mit Geschmack vorgeführt. Mendelssohn's „Mee-\nresstille und glückliche Fahrt\" schloss in gelungener Weise\nden letztgenannten Abend.— Der Musik-Verein führte in\nzwei Concerten vor die Künstler Müller (Violoncello) und\nWalter (Violine) \\on München, zu deren Lobe nichts\nmehr beigetragen zu werden braucht. Leider, dass auch\nhier gesagt werden muss, dass die Mehrzahl der von ihnen\nmeisterhaft executirten Stücke spottschlechte Compositio-\nneu waren. Der Dirigent dieser Concerte, Herr Chor-Di-\nreclor Drobisch (am hiesigen Theater), Sohn des leider\nso früh verstorbenen augsburger Capellmeisters Drobisch,\nführte im ersten derselben eine Ouvertüre in von\nseiner Composilion auf, die schöne Motive besitzt und mit\ngrosser Gewandtheit gearbeitet ist. Die fugirte Durchfüh-\nrung und Steigerung verräth eine höchst begabte Künst-\nler-Natur; leider ist das Tonstück etwas zu lang. Unter\nHerrn Ott's Leitung wurde auch der Versuch gemacht,\ndem Publicum Geschmack an der Kammermusik beizubrin-\ngen. Es wurde dieses höchst dankenswerthe Unternehmen\naber wenig durch Besuch unterstützt, obschon wir an drei\nAbenden gelungene, theilweise ausgezeichnete Leistungen\nbegrüssen konnten. Herr Berr (Violine), Ott (Viola),\nPfei ffer (Violoncell) und ein tüchtiger Dilettant brachten\ndie Quartette: Beethoven in Mozart in\nHaydn, Kaiser-Quartett; rechnen Sie hierzu noch Beetho-\nven's Es-dtir-Trio und Kreutzc-r-Sonate (Berr und Dietrich,\nfürstlich taxis'scher Hof-Pianist und Schüler von Liszt, emi-\nnenter Clavierspieler), Mozart's Quintett in mit Cla-\nrinette und Beethoven's Septuor, so werden Sie eine sehr\nannehmbare Auswahl finden.— Die Krone der Aufführun-\ngen dieses Winters war aber die des Oratoriums „Die\nZerstörung Jerusalems\" von Ihrem berühmten Hiller durch\nden Dom-Organisten Herrn Hanisch dahier, der den den\nHänden des sterbenden Mettenleiter entfallenen Tactstab\naufnahm und mit Geschick, Einsicht und Energie gebraucht.\nDie Verhältnisse gestatten hier nur Ein Mal im Jahre ein\nsolches Unternehmen, das für viele wahre Musikfreunde\nzu einem Feste wird und auch Auswärtige (namentlich\nGeistliche) in grossen Massen anlockt. Chor und Orchester\nhetrugen an 300 Personen, die Zuhörer an 1000. Die\ni • /\nProben wurden mit Eifer und ungemeiner Ausdauer ge-\nleitet und benutzt. Dafür war aber auch die Aufführung,\nohne Ruhm zu melden, in den Chören und den meisten\nSoli höchst gelungen, ja, hinreissend.. Der Eindruck des\nMeisterwerkes, das so reich ist an lieblichen und gewalti-\ngen Stellen, war ein tiefer und steigerte sich am Schlüsse\nzu wahrem Jubel, der in Vieler Herzen neben dem hervor-\ngerufenen Dirigenten ohne Zweifel dem Componisten galt,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 542, "texte": "welcher so leicht und gewandt die erhabensten Gedanken\nund schwersten Formen handhabt. Die schöne Partie des\nJeremias wurde durch Herrn van Gülpen vorzüglich ge-\nsungen; neben ihm erwarb den meisten Beifall die Trä-\ngerin der lieblichen Alt-Partie, eine mit trefflicher Stimme\nund tiefem Gefühle begabte Dilettantin. Hiller hat durch\ndieses Werk in weitem Kreise sicherlich neue Eroberun-\ngen und den Wunsch rege gemacht, auch seinen Saul und\nandere Gesangwerke zu hören,—Dinge, nach denen wir\nvielleicht noch lange vergeblich ausschauen.\n\ny."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.5", "titre_corps": "Concert des Cäcilien-Vereins am Charfreitage.", "titre_sommaire": "Concert des Cäcilien-Vereins am Charfreitage.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.6", "debut_caractere": 544, "fin_caractere_exclue": 5166, "texte": "Concert des Cäcilien-Vereins am Charfreitage.\nDie H-moll-Messe von J. S. Bach,\nFrankfurt a. M., 10. April JB6l.\nWir müssen dem Cäcilien-Verein den wärmsten Dank\ndafür aussprechen, dass er den Fleiss daran setzte, die hohe\nMesse uns wiederum zu Gehör zu bringen. Es ist eine\nschwere Aufgabe, ein so grosses und complicirtes Tonwerk\nzu bewältigen, und erfordert ausdauernden Fleiss Seitens\ndes Dirigenten und der Mitglieder. Vergleichen wir die ge-\ngenwärtige Aufführung mit denen vor etlichen Jahren\n(die Aufführungen unter Schelble lassen wir hier ausser\nBetracht, denn zwischen dem Cäcilien-Verein, der Kunst-\nAnstalt von damals und dem jetzigen liegt eine Kluft, die\nsich immer mehr zu erweitern scheint) —, so müssen wir\nanerkennen, dass sie gegen diese ungleich mehr durchdacht\nund mit mehr Pietät gegen das Werk vorbereitet gewesen.\nDas heisst Letzteres in Betracht der gegebenen Verhält-\nnisse, in Berücksichtigung nämlich, dass das Concert durch-\naus am Charfreitage Statt finden sollte, der in mancher für\neinen Verein wesentlichen Beziehung als Concerttag sehr\ngeeignet ist. Gleichwohl dürfte man um günstiger äusserer\nVerhältnisse willen das Gelingen einer so wichtigen Auf-\nführung nicht aufs Spiel setzen. Nicht immer geht der Fleiss\nder Mitglieder mit dem des Dirigenten Hand in Hand, nicht\nimmer sind die zwischen einer früheren Aufführung und\nder jetzigen neu hinzugetretenen Mitglieder gleich den ge-\nübteren im Stande, ein schwieriges Tonstück in gegebener,\nverhältnissmässig kurzer Zeit zu lernen. Sie wirken dann\noft mehr hindernd, als fördernd. So schienen uns nament-\nlich im Damenchor mitunter mehr Personen als Stimmen\nzu sein, wodurch der Effect nicht gerade gehoben wurde.\nDer zweite Sopran besonders verrieth manchmal eine\nSchwäche, die mit den festen Eintritten der geübteren Da-\nmen im ersten Sopran stark contrastirte. Der Tenor schien\nuns von allen die festeste Stimme zu sein; einen einzigen\nsehr misslungenen Eintritt in der dritten Abtheilung aus-\ngenommen, war er recht sicher; nur war er etwas zu\nschwach, und das Stimmen-Colorit hatte etwas Verblühtes.\nAlt und ßass bewiesen sich als recht solide Stimmen, wenn-\ngleich letzterer zeitweilig Kraft und Härte mit einander\nverwechselte. Diese kleinen Mängel bei Seite gesetzt, und\ngelegentliche unreine Intonationen des Soprans abgerech-\nnet, waren die Chorleistungen recht löblich, so weit näm-\nlich dafür die Mitglieder des Vereins verantwortlich sind.\nIhre Schuld war es demnach nicht, wenn in dem\nsancio spiritudie an sich so sehr sangbaren Coloraturen\nnicht recht aus der Kehle wollten, und das hohe des So-\nprans nicht angenehm klang; denn der Dirigent hatte das\nTempo etwas zu geschwind gegriffen. Der gleiche Vor-\nwurf trifft Herrn Müller auch hinsichtlich der Tempi des\nEt resurrexit,welche Nummer durch dieses so schnelle\nZeitmaass offenbar an Deutlichkeit und Wirkung viel ver-\nlor. Einen kleinen Tadel möchten wir in gleicher Hinsicht\nwegen des Allegro: Et expecto,aussprechen, und wir dür-\nfen dies um so weniger unterlassen, als ausserdem der\nAnfang d ieses Satzes, Confiteor, nebst dem eingeflochtenen\nerschütternden Adagio unübertrefflich schön vorgetragen\nwurde. Bei dem Sanctus wollten die durch den ganzen\nSatz laufenden Trioien-Figuren in Scxten-Accorden nicht\nrecht zusammen klappen, obgleich man wohl merken\nkonnte, dass diese Nummer sehr gut studirt war. Der ßass\nmachte seine Octavensprünge mit grosser Sicherheit und\nWirkung. Etwas langsamer genommen, würde das Sanctus\nohne Zweifel vortrefflich ausgeführt worden sein. Es ist\neine längst bekannte Thatsache, und jeder Dirigent weiss\nes, dass, je grösser der sich bewegende Körper ist, desto\nlangsamer die Bewegung sein muss; aber nicht jeder Di-\nrigent ist dessen immer eingedenk, nicht jeder hat immer\ndie erforderliche Ruhe und Selbstbeherrschung. Herr Müller\nmöge uns diese Bemerkungen nicht verübeln, sondern viel-\nmehr daraus entnehmen, dass man seinen Leistungen mit\nInteresse und Aufmerksamkeit folgt. Wir erkennen in ihm\neinen recht wackeren und gebildeten Dirigenten, und freuen\nuns, dass der Cäcilien-Verein eine so glückliche Wahl ge-\ntroffen hat. Wir hoffen aber auch, dass die Zeiten bei uns\nnicht mehr wiederkehren werden, wo der Director eines\nVereins die wohlgemeintesten Winke verschmäht.\nNachdem wir die Mängel der besprochenen Auffüh-\nrung hervorgehoben, können wir mit gutem Gewissen al-\nles Uebrige als mehr oder minder gut vorgetragen erklä-\nren und die Erwartung aussprechen, dass im nächsten\nWinter der Cäcilien-Verein nicht unterlassen werde, das\nWerk zur wiederholten und gründlich vorbereiteten Auf-\nführung zu bringen. —o. (N. Frkf. Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.6", "titre_corps": "Zwölstes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Zwölstes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Zwei\ngeistliche Lieder für Chor ohne Begleitung von Ferd. Hill er.\n7. Fleurs de Naples, Phantasie für die Violine, componirt und ge-\nspielt von C. Sivori. 8. Ouvertüre zu „Euryanthe\" von C. M. v.\nWeber.\nGade's Ouvertüre war trotz ihres zwanzigjährigen Alters hier\nneu; der Zufall hatte es gewollt, dass sie in einem der grossen Ge-\nsellschafts-Concerte noch nicht gehört worden. Sie wurde gut aus-\ngeführt, machte aber auf das Publicum keinen bedeutenden Eindruck.\nBekanntlich hatte sie schon im Jahre 1841 vom kopenhagener Mu-\nsik-Verein nach Spohr's und F. Schneidens Gutachten einen Preis\nerhalten und gefiel auch in Leipzig, wo sich Mendelssohn sehr für\nden damals noch jugendlichen Componisten (er ist 22. October 1817\ngeboren) interessirte. Unserer Meinung nach ist diese Ouvertüre über-\nschätzt worden, wenigstens ist sie von den später geschriebenen Sin-\nfonieen Gadens mit Recht verdunkelt worden. Zur Zeit seiner ersten\nErfolge wollten die musicalischen Aesthetiker in dessen Compositio-\nnen einen neuen Stil, den nordischen, finden. Wir haben uns\nniemals zu dieser Ansicht bekehren können denn es gab eine\nZeit, wo sie für Ketzerei galt und selbst Mendelssohn und Schu-\nmann in den Hintergrund gestellt wurden —; die Grundlage des\nGade'schen Stils ist der Mendelssohn'sche, und jenes sogenannt Nor-\ndische kann man mit Fug und Sinn höchstens auf das Colorit, wel-\nches Gade seinen Sachen durch eine eigentümliche Instrumentirung\nmit grossein Geschick zu geben versteht, anwenden. Dieses Colorit\nist aber so vorherrschend, dass häufig nichts Anderes als Farbe und\nnirgends Zeichnung zu sehen ist. Namentlich ist die letztere, d. h.\nalso, musicalisch genommen, das Tongerippe, aus bedeutenden Glie-\ndern [Motiven) und deren Combination bestehend, in der Ossian-\nOuveiture oder Phantasie nicht zu gewahren.\nDie oft gehörte und immer wieder frische und das Gemüth anre-\ngende Motette: „Oes Staubes eitle Sorgen\", verläugnet den alten\nHaydn und seine Frömmigkeit, die mit klarem Blicke zu Gottes\nHimmel aufschaut, nicht mit hohlem Geseufze ascetischer Sentimen-\ntalität sich ins mystische Dunkel hinabsenkt, in keinem einzigen\nTacte. Sie wurde recht gut gesungen und vom Publicum mit lautem\nBeifall aufgenommen. Ja, es ist sonderbar: unser Publicum hat noch\nimmer den Zopf, dass solche Musik bei ihm Eindruck macht!\nEben so lauten Applaus widmete es der Ausführung des 114.\nP salines von Mendelssohn. Und mit Hecht,* denn abgesehen von\ndem Ilalleluja, dem Schlusschor, bleibt dieses Werk doch eines der\nbedeutendsten des grossen Componisten, das gleich durch seinen im-\nposanten Anfang und im Verlauf durch grossartigen Charakter bei\ngehörig starker Besetzung des Chors und des Orchesters einen mäch-\ntigen Eindruck macht.\nZwischen diesen beiden Gesangstücken führte uns Herr Theo-\ndor Gouvy aus Paris seine Sinfonie Nr. 111. in C-dur vor und\nerrang damit einen glänzenden Erfolg, denn jedem Satze am mei-\nsten jedoch dem Andante folgte ein unmittelbar ausbrechender\nallgemeiner Applaus des Publicums. Gouvy hat durch diese schöne\nComposition auf die wir in der nächsten Nummer ausführlicher\nzurückkommen werden bewiesen, dass er keineswegs an den Rhein\ngekommen, um uns für Waterloo und Leipzig durch seine Musik\nbüssen zu lassen ; nein, er hat eine ganz andere Revanche genom-\nmen, er veimählt sein Talent mit dem Geiste unserer grossen Mei-\nster, er strebt dahin, den Bund zwischen französischer Anmuth und\nEleganz mit deutscher Gründlichkeit und Kraft zu schliessen, und\nwiegern stimmen wir darin ein, dass auch die Kunst eine wirksame\nVermittlerin zwischen Nationen, ein Hebel des gegenseitigen geisti-\ngen Verkehrs und der friedlichen und freundlichen Eintracht werde.\nIm zweiten Theile des Concertes waren Sivori's Vorträge na-\ntürlich die Hauptsache. Der berühmte Violinist, in dem sich in un-\nseren Tagen die italiänische Schule des Violinspiels von Corelli bis\nPaganini gipfelt, hat seine letzten Triumphe in seinem Vaterlande\nItalien und in den grossen Seestädten des südlichen Frankreichs ge-\nfeiert. In Mailand hat er nicht weniger als siebenzehn Concerte bei\nstets überfülltem Hause gegeben eine Thatsache, die seit Paga-\nnini bei keinem Künstler wieder vorgekommen war; ja, das acht-\nzehnte, zu einem patriotischen Zwecke von ihm gegebene Concert\nbrachte einen Reinertrag von 15,000 Francs ein. Er spielte bei uns\ndas Concert in H-moll von Paganini (Allegro moderato, Adagio\nund Rondo la Clochette) und eine Phantasie von eigener Composi-\ntion. Fleurs de über ein bekanntes, schönes neapolitanisches\nVolkslied, wobei wir gewünscht hätten, dass er diese Melodie erst\ndurch den Gesang auf der Violine, worin er so grosser Meister ist,\nlecht zum Veiständnisse gebracht hätte, wogegen er nach kurzer\nEinleitung ihn gleich den Blas-Instrumenten übergibt und die Violine\nsich in Arabesken und Variationen zu derselben ergehen lässt.\nSivori bewies von Neuem durch sein in technischer Hinsicht über\nalle Kiitik eiliabenes Spiel, dass er ein König der Königin der In-\nstrumente ist. Seine unzerstörbare, durch nichts in der Welt gefähr-\ndete Sicherheit auch in den allerschwierigsten und kühnsten Ein-\nsätzen und Passagen jeder Gattung und jeder Stricharten ist in der\nThat unerhört, und wenn diese in Erstaunen setzt und uns in jene\ninnerlich heitere Befriedigung versetzt, die eine formel vollendete\nkünstlerische Leistung, sei es Musik, oder Rede, oder Darstellung,\nei zeugt, so dringt auf der anderen Seite der volle, niemals durch\nHärte irgend einer Art gestörte Ton, der Gesang, welcher das ita-\nliänische Element in seinem Spiel vorzugsweise zur Geltung bringt,\nzu Gemüth und Herz, was sich dieses Mal in den melodischen Mit-\ntelsätzen des ersten Allegro und besonders in dem Adagio, sowohl\nbei den einfachen als bei den Doppeltönen bewährte. Sehr zu be-\ndauern war es, dass der bescheidene und liebenswürdige Künstler,\nder nach seinem zweiten Hervorruf sich sehr freundlich anschickte,\ndem Publicum noch einen Genuss durch die Zugabe eines Stückes\nfür die Violine allein zu bereiten, wie es scheint, durch ein Miss-\nverständniss des Herrn Dirigenten daran verhindert wurde. Wahr-\nscheinlich fürchtete man für die Zeit, welche der Ouvertüre zu Eu-\nryanthe noch zu widmen war; die Ausführung derselben liess in der\nThat die Spuren einiger Unruhe bemerken, denn sie reichte bei Wei-\ntem nicht an die Vollkommenheit, mit welcher sie sonst das wackere\nOrchester zu Gehör bringt.\nEin sehr anziehendes Zwischenstück zwischen den Productionen\nSivori's waren zwei von F. Hiller's „geistlichen Liedern\" für Chor\na capella (1. „Ach, wie nichtig\"; 2. „Es ist so still geworden\").\nDiese schönen, eigenthiimlich melodischen, religiösen Gesänge wur-\nden trefflich ausgeführt und machten grossen Eindruck, den auch\nlebhafter Applaus bekundete."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-20-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-20_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-04-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.7", "debut_caractere": 7330, "fin_caractere_exclue": 7607, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&l&Isa« In der letzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft trug Herr Musik-Director Levy aus Saarbrück ein Con-\ncert für Pianoforte und Orchester vor. Dieses Werk, dem Verneh-\nmen nach das erste des jungen Künstlers, ist gross angelegt und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5181, "texte": "zeigt unverkennbares Talent, welches, wenn Zeit und Erfahrung dem\nComponisten eine grössere Beherrschung der Form verliehen haben\nwerden, sich gewiss zu recht tüchtigen Leistungen abklären wird.\nDas Concert enthält viel interessantes und zeugt von lebhafter Phan-\ntasie; das Ciavier tritt indess darin mehr als ein zweites Orchester,\ndenn als ein Solo-Instrument auf, was das Ganze bei aller Fülle von\nKlängen doch etwas eintönig macht, da es dem Walde an lichten\nStellen fehlt. Auch als Spieler erhielt Herr Levy grossen Beifall.\nVielleicht hat ihn seine Fertigkeit im Vollgriffigen und in Octaven\nverleitet, in der Composition dem einfach Melodischen weniger Be-\nrücksichtigung zu widmen.\n*** JSarmeil. Unser viertes Abonnements-Concert (am 20. v.\nMts.) brachte eine Sinfonie von C. Ph. Em. Bach (in D-dur) in\ndrei Sätzen, das Violin-Concert von Rieh. Würst, gespielt von\nFerd. Laub aus Berlin, den 114. Psalm von F. Mendelssohn\nund drei Solostücke für die Violine: Präludium von J. Seb. Bach,\nCapriccio von Paganini, Polonaise von Laub vorgetragen von\nF. Laub. Im zweiten Theile Beethove n's Sinfonia eroica.\nWas sagen Sie zu diesem Programme? [Aufrichtig gesprochen, scheint\nes mir fast etwas zu grossartig unmittelbar nach dem Einweihungsfeste\ndes neuen Saales.] Lesen Sie einmal Folgendes, das unsere „Barmer\nZeitungu darüber sagt (Nr. 71): „Wie manchen unserer Abonnenten\nmag ein an Tortur streifendes Gefühl beim Anblick des Programms\nunseres vierten Concertes beschlichen haben, das ein wirkliches\nArmuth s-Ze ugnis s, wie man es sich seither*] noch in den un-\nglücklichsten Momenten (?) nicht ausgestellt nun gar zwei\nSinfonieen an einem Abend (also eine scheint diesem grimmen\nHagen schon zu viel!), sodann nach den in den drei letzten Concer-\nten zum Ueberfluss angebrachten Violin-Solis (sie) deren heute\nwieder zwei, und wären sie auch von Herrn Laub! auftischt\nund einen M e n delsso hn' sehen Chor-Psalm, dessen Aufführun-\ngen nur noch nach Dutzenden von Malen zu zählen sind.u\nOh! Oh! Bach, Mendelssohn, Beethoven mit der Eroica\nund Ferdinand Laub bekunden für die „Herren der Concert-Le-\ngislative\" ein unerhörtes Armuths-Zeugniss ?! Der Recensent, also\nein Herr der richterlichen Executive, ist entweder ein beleidigter\nSolosänger oder\nVon den Alpen bis zum Meer\nLebt nur Einer, so wie er;\nUnd von Memel bis nach Wesel\nGibt es keinen grössern Musikfreund*\nBerlin» Nachdem Fräulein Hildegard Kirchner auch die-\nsen Winter bereits in einigen musicalischen Aufführungen zu Gun-\nsten Anderer mitgewirkt, veranstaltete die jugendliche Violinistin,\neine Schülerin Laub's, nun auch ein Concert für eigene Rechnung\nund versammelte damit ein zahlreiches Publicum im Meser'schen\nSaale. Sie selbst trug das sechste Violin-Concert von Beriot und die\nnoch ausschliesslicher dem Virtuosen-Genre angehörige Tarantella\nvon Vieuxtemps mit sicherer Intonation und leichter Beherrschung\nder technischen Schwierigkeiten, in Betracht ihrer zarten Jugend\nselbst mit Bravour vor. Wo die rapide Bewegung nicht an und für\nsich die Stärke des Tones beeinträchtigt, wo Fräulein Kirchner zu\ndessen Entwicklung über die ganze Länge des Bogens verfügen kann,\nda verbindet sich volle Kraft mit rundem Wohllaut, während das\nPiano elegisch anklingt. In ihrer zweiten Nummer, einer Romanze\nvon Ries und dem erst neulich vorgetragenen Kinderliede von David,\nbewährte sich die Concertgeberin nach der letzten Richtung hin, und\nes lohnte stürmischer Beifall und Hervorruf ihre Leistungen.\nFrankfurt a. M« Die Theater-Verwaltung hat so eben mit\nFräulein Nina Hartmann einen dreijährigen Contraet abgeschlos-\nsen, nachdem die Künstlerin in ihren Debut-Rollen: Leonore im\nTroubadour, Anna im Don Juan und Rezia im Oberon, stets mit\ngrossem Beifalle ausgezeichnet worden war. Unsere Oper hat nun\nan dieser Künstlerin eine Kraft gewonnen, die längst gefehlt. Möge\nes der Verwaltung gelingen, bald noch andere Rollenfächer mit gleich\ntüchtigen Repräsentanten besetzen zu können, wie nun das der „er-\nsten Sängerin\" besetzt ist. Andererseits wird Fräulein Hartmann\nbald die Ueberzeugung gewinnen, dass die in einigen Journalen in\nForm von Kunstberichten zu lesen gewesenen Pamphlete aber\nauch noch in einer Menge unter das frankfurter Publicum geschleu-\nderter anonymer Briefe über den gegenwärtig bestehenden Sitt-\nlichkeitszustand am hiesigen Theater auf purer Verleumdung beru-\nhen, von einer Cliqne böser Menschen ausgegangen, der die Justiz\nleider noch immer nicht beizukommen vermochte, obgleich sie ihr\nschändliches Handwerk schon seit 15 bis IG Monaten treibt. S.\nWieil* In der Liedertafel des Sängerbundes im Dia-\nnensaale am 23. v. Mts. waren neu: „Liedermuth\" von Anton\nWöckl, Ehren Chormeister des Bundes; „Sommernacht\", Chor mit\nSolo-Quartett von W. H. Veit; „Walzer\"1 von J. Netzer; „Vater-\nlandslied\" von Franz Weber. Ausserdem gefielen besonders „Geist\nder Liebe\", mit Ciavierbegleitung von Franz Schubert, und der\nkomische Schwank „Fabian Pech und seine Gaste\", für Solo und\nChor mit Ciavierbegleitung von A. M. Storch.\nDie Berichte aus Aachen müssen wir wegen Mangels an Raum\nbis auf die nächste Nummer vertagen.\n*) Soll das heissen: „so lange ich im Vorstände war\"?\nAnmerkung des Setzers"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in Altona. Aus Hamburg (Bach-Gesellschaft. Von 11. Aus Regensburg (Musikleben)\nVon y. Concert des Cäcilien-Vereins in Frankfurt am Main am Charfreitage Zwölftes Gesellschafts-Coneert in Köln im Gürzenich.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Director Levy Barmen, IV. Abonnements-Concert Berlin, Fräulein Hildegard\nKirchner Frankfurt am Main, Fräulein Nina Hartmann, Theaterwesen Wien, Liedertafel des Sängerbundes),\n\nMusicalische Zustände in Altona.\nUnter dem Titel: Jahrbücher der Altonaer Sing-\nAkademie. Erstes Heft. 1860. Altona, bei A. Lehmkuhl\n& Comp. 80 S. Gr. 8.—liegt uns ein Schriftchen vor, das,\nvon einem Mitgliede des Vereins herausgegeben, nicht bloss\nden Örtlichen Zweck erfüllt, den Mitgliedern des Vereins\nein Erinnerungs- und Rechenschafts-Biatt in die Hand zu\ngeben, sondern auch gar manches enthält, was auch\nfür weitere Kreise theils historisches, theils ästhetisch-mu-\nsicalisches Interesse hat.\nDer Verfasser gibt nämlich als Einleitung zu der Dar-\nstellung der gegenwärtigen Verhältnisse eine Skizze der frü-\nheren musicalischen Zustände in Altona, aus welcher her-\nvorgeht, dass am Ende des vorigen und im Anfange des jetzi-\ngen Jahrhunderts das musicalische Leben in der Nachbar-\nstadt Hamburgs hauptsächlich durch Fremde, namentlich\ndurch Franzosen, in Schwung gebracht wurde—eine That-\nsache, die merkwürdig genug ist, obgleich aus der Schil-\nderung hervorzugehen scheint, dass die Franzosen nicht\nsowohl das innere Leben der Kunst geschaffen, als viel-\nmehr die äusseren Bedingungen zum Emporkommen der-\nselben gefördert haben. Denn ausser den französischen\nAnkündigungen von Concert-Aufführungen und Opern wa-\nren diese selbst deutsch.\nIn Folge der Revolution in Frankreich zog die gün-\nstige Lage und die damalige politische Stellung der Stadt\nAltona eine grosse Menge französischer und anderer Aus-\ngewanderter an, die sich theils zeitweise dort aufhielten,\ntheils förmlich niederliessen.\n„Es bildete sich dadurch eine geschäftige Thätigkeit,\nstatt der früheren Buhe herrschte ein buntes, wechselvolles\nTreiben, und es konnte nicht fehlen, dass die Stadt in\nmehrfacher Beziehung aus diesem regen Verkehr Nutzen\nzog. Manche der Eingewanderten waren begütert, alle aber\nbrachten, da sie aus ihren Verhältnissen herausgerissen\nwaren, leere Zeit mit, die sie auszufüllen wünschten. Viele\nvon denen, die eine neue oder wenigstens zeitweilige Be-\nschäftigung suchten, benutzten ihre Talente dazu, um sich\neine Existenz zu schaffen, und bei dem lebhaften Sinne der\nFranzosen für gesellige Unterhaltungen, und weil Uebung\nin der Kunst bei ihnen überhaupt wohl schon mehr einge-\nbürgert war, lässt es sich denken, dass Theater und Musik\nbald der Mittelpunkt wurde, um welchen sich ihre Thätig-\nkeit concentrirte.\n„Dieses neue und bunte Treiben, in welches sich Al-\ntona mit Einem Male versetzt sah, und welches mit dem\nfrüheren ehrenfesten Zuschnitt vermuthlich in scharfen Con-\ntrast trat, mochte eben nicht jedem unserer guten Vorfah-\nren gefallen haben. Es fanden sich Stimmen, welche im\nGegensatz des Lobe?, das man dem verbesserten Gesell-\nschaftstone, dem günstigen Einflüsse der Bühne, deren\ndauerndes Fortbestehen man noch vor zehn Jahren für\nunmöglich gehalten hatte, spendete, über die zunehmende\nSucht, die Zeit mit Vergnügungen hinzubringen, welche\nden Sinn für ernste Beschäftigungen verdränge, klagten.\nDa, wo die Musik noch keine eigentlichen Wurzeln ge-\nfasst hat, müssen freilich oft gesellige Freuden das Mittel\nwerden, ihr erst den Platz zu sichern. Von der Ueberzeu-\ngung, dass die herrliche Kunst eines der wichtigsten Bil-\ndungs- und Erhebungsmittel für Gemüth und Geist ist,\nwar man damals noch nicht allgemein durchdrungen, und\nwahrscheinlich wurde die Musik häufig auch nicht so ge-\nhandhabt, dass ihre eigentliche Bestimmung den Hörern\nklar wurde.\n„Gewiss ist indess\", fährt der Verfasser fort, „dass,\nnachdem in Altona einmal ein stehendes Theater errichtet\nwar (1783) und regelmässig Opern und Concerte gegeben\nwurden, auch von allen Seiten wirklich künstlerische Kräfte\nherbeiströmten, und dass die Darstellungen sich sehr bald\nvon mittelmässigen zu bedeutenderen und oft sehr gelun-\ngenen Leistungen erhoben. Es ist hinreichend bekannt,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.2", "texte": "welchen hohen und wohlverdienten Rang unsere Bühne\ndamals unter den Bühnen Norddeutschlands, namentlich\nunter der Direction des Dr. Albrecht, einnahm. Viele\nder classischen Dramen von Schiller, Shakespeare, Göthe,\nLessing und Anderen wurden in häufiger Folge gegeben,\neben so die Stücke von Iffland, Ziegler, Schröder, Dr.\nAlbrecht, und namentlich die Kinder der Kotzebue'schen\nMuse, so wie sie nach der Reihe ans Tageslicht traten;\nferner die Opern: „Axur, König von Ormus\" und „Pal-\nmira\" von Salieri, „Der Wasserträger\" von Cherubini,\nund namentlich die Mozart'schen Opern, „Die Entführung\naus dem Serail\", „Titus\", „Don Juan\" und „Die Zau-\nberflöte\", sowie „Die Geisterinsel\" von Zumsteg, „Die\nheimliche Ehe\" von Cimarosa, „Oberon\" von Wranitzky,\n„Zemire und Azor\" und „Raoul Blaubart\" von Gretry.\nFerner die komischen Opern: „Der Doctor und der Apo-\ntheker\", „Betrug durch Aberglauben\", „Hieronymus\nKnicker\" und „Das rothe Käppchen\" von Dittersdorf,\n„Die Schwestern von Prag\" und „Das Sonntagskind\" von\nWenzel Müller, „Der Teufel ist los\" oder: „Die verwan-\ndelten Weiber\" von Weisse und Adam Hiller, „Die Jagd\"\nvon Hiller, „DasDonauweibchen\" von Hensler, Musik von\n*\nKauer, „Die beiden Antone\", „Die Zaubertrommel\" oder:\n„Die Schellenkappe\" und „Der Höllenberg\" von Schika-\nneder*) u. s. w\n„Alle grösseren Concerte fanden ebenfalls im „Na-\ntional-Theater\", wie damals unser Schauspielhaus ge-\nnannt wurde, Statt. Eine Serie von Concerten in den er-\nsten Jahren hiess die „Academie\nnational\" .Die Concerte im Schauspielhause brachten thcils\nzusammengesetzte Musikstücke, Vorträge von einzelnen Vir-\ntuosen, und theils bestanden dieselben in der Aufführung\nvon Cantaten bei festlichen Gelegenheiten, und von Ora-\ntorien an christlichen Festtagen. Auch an Gelegenheits-\nComponisten fehlte es nicht. Der Musik-Director der Bühne,\nFr. Hiller, steht öfter als solcher genannt, so wie Dr.\nAlbrecht oder seine Gattin als Verfasser des Textes. Die\nOpern „Der Höllenberg\" und „Der Kopf ohne Mann\"\nwurden von dem damals längere Zeit hier anwesenden Ca-\npellmeister Wölfl aus Wien componirt.\n„Aus den Ankündigungen der Concerte sieht man, dass\nsich fortwährend viele Virtuosen hören Hessen, und dass\nfast alle Instrumente vertreten waren. Ausser Sängern und\nSängerinnen hörte man Virtuosen auf der Violine, Harfe,\nFlöte und Harmonica, auf dem Piano, Violoncello, Clari-\nnette, Fagott und Horn, und was dabei besonders für die\nTüchtigkeit des Orchesters des National-Theaters zeugt,\nist, dass die Instrumentalisten, die sich hören liessen, zum\n*) »Die Jagda und ,Das rothe Käppchen\" sind im März 1860\nim dresdener Hoftheater neu einstudirt gegeben worden»\nGrossen Theile eben Mitglieder dieses Orchesters waren.\nAuch durchreisende musicalische Celebritäten verfehlten\ngewöhnlich nicht, sich einige Zeit in Altona aufzuhalten.\n„Neben den oben erwähnten musicalischen Aufführun-\ngen im Nalional-Theater und iti kleineren Localen wurden\nvon 1797 an ziemlich regelmässig in der Hauptkirche\n(auch zuweilen in der Ottensener Kirche) an den christ-\nlichen Hauptfesten geistliche Musiken von dem Cantor\nJun gel aussen aufgeführt. Dieselben müssen zu Anfang\nindess in sehr kleinem Umfange gegeben worden sein: die\nZahl der Mitwirkenden bestand zuerst aus acht oder zehn\nSängern, und grösstenteils waren es nur Vocal-Concerte,\nvermuthlich in Begleitung der Orgel, von Männer- und\nKnabenstimmen ausgeführt. Später jedoch nahmen auch\ndiese Concerte eine grössere Bedeutung an, wenn sie auch\nnicht immer so stark besetzt waren, wie ausnahmsweise\nam ersten Weihnachlstage 1803, an welchem Chöre aus\nHändel's Messias von fünfzig Personen gesungen wurden.\nIm März 1802 und 1803 wurde eine Passionsmusik, von\nJungclaussen selbst componirt, aufgeführt.\n„Eines besonderen Instituts aus jener Zeit müssen wir\nebenfalls gedenken, nämlich des so genannten „Sänger-\nchors\". Zuerst scheint derselbe mit Chorsängern des\nTheaters besetzt gewesen zu sein; im Jahre 1800 aber\nerhielt der Cantor Jungclaussen die Leitung desselben.\nDie Mitglieder wirkten in den Kirchen-Concerten und beim\nChoralsingen, und sangen allmonatlich oder sonst, so oft\nes verlangt ward, in den Häusern der Subscribenten, welche\ndieses Institut unterstützten und dafür monatlich acht Schil-\nlinge bezahlten. . . .\n„Es ist bekannt, dass nach Lessing's Aufenthalt in Ham-\nburg (1767 bis 1770) durch dessen Einfluss und durch\nden späteren Director Schröder die Bühne daselbst sich\neines bedeutenden Aufschwungs erfreute. Die classischen\nWerke von Shakespeare, Lessing, Göthe und Schiller ka-\nmen hier zuerst zur Geltung, und von Opern zuerst Mo-\nzart's „Entführung aus dem Serail\", dann der „Don Juan\"\nund „Figaro's Hochzeit\". Letztere Oper ist in Altona nie\nzur Aufführung gekommen; dagegen dürften manche an-\ndere classische Werke ihre erste Aufführung in unserer\nGegend überhaupt auf unserem Theater erlebt haben.\nWas im Uebrigen die Repertoires in Hamburg und in Al-\ntona brachten, zeugte von dem besonderen Geschmack des\ndamaligen Publicums, welcher entweder durch den senti-\nmentalen Rühr-Apparat, den die Schauspiel-Dichter in Be-\nwegung setzten, oder durch Vorführung der niederen Ko-\nmik befriedigt werden musste, und ferner überhaupt davon,\ndass, trotzdem die Wiege der durch Lessing begründeten\nso genannten hamburger Schule uns so nahe war, die\nHanswurst-Periode in der Geschichte der Dramaturgie"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.3", "texte": "noch nicht überwunden war. Den Ankündigungen in den\n„Altonaer Nachrichten\" waren häufig komisch lautende\nAnmerkungen und Glossen hinzugefügt, wie z. B. bei „Ar-\nlequin, der Tausendkünstler\" der Zusatz: „Die meisterhafte\nund jeden Charakter sehr richtig ausdrückende Musik ist\nvon unserem Musik-Director Sedlaczeck; das ganze Stück\nwimmelt durch und durch von erzkomischen Auftritten.\"\n„Unter den bemerkenswerten Aufführungen erwähnen\nwir:\n„ 1783, den 22. April: Eröffnung des Schauspielhauses\nmit einer Rede und der Aufführung des Stückes „Die L-\nästerschule\", nach Sheridan, von der schleswig'schen Hof-\nschauspieler-Gesellschaft. Den 22. Juli: Erstes Concert:\n1) Flöten-Concert von Herrn Madtstedt; 2) Vortrag „einer\nganzen Cene aus der berühmten Oper Aramida\" von Mad.\nMadtstedt; 3) Simphonie „von den besten Maitern\". Ita-\nliänische Arien und pantomimisches Divertissement-Ballet.\n1784, den 14. März: Eine Passionsmusik zum Besten\nder Armen.\n1786: Aufführung von „Geliert's Denkmal\", Epilog\nmit Gesang und Tanz. Den 17. Juli: Erste Aufführung\nvon Mozart's „Entführung aus dem Serail\" durch die\nTilly'sche Gesellschaft.\n1787, den 28. November: Dieselbe Aufführung durch\nSchröders Gesellschaft. Den 25. März: Aufführung des\nOratoriums „Der Tod Abel's\" von Rolle, Musik-Director\nin Magdeburg.\n1796, den 2. October: Erste\ndans le theätre national11 , welcher eilf Aufführungen in der\nSaison und viele andere in den nächsten Jahren nachfolgten.\n1797, den 31. März: Erste Aufführung von Mozart's\n„Entführung aus dem Serail\" unter Musik-Director Fr.\nHiller (j- 1812 in Königsberg). Den 14. April: Am Char-\nfreitag im Theater: Stabat mai von Haydn.\n1798, den 5. April: Am Gründonnerstag im Theater:\n„Der Tod Jesu\" von Graun. Den 11. Mai: Erste Auffüh-\nrung von „ Axur, König von Ormus\", von Salieri. Den 24.\nAugust: Erste Aufführung von Mozart's „Zaubertlöte\".\nDen 7. October: Erster Act von Mozart's „Titus\", zum\nersten Male. Den 12. November: Cantate: „Weihnachts-\nfeier\", von Schwencke, im Theater.\n1799, den 22. März: Am Charfreitag im Theater:\nStabat matervon Pergolesi und ein Oratorium von\nSchwencke.\n1800, den 4. September: Orgel-Concert in der Haupt-\nkirche vom berühmten Organisten J. C. Kittel aus Erfurt,\nSchüler von J. S. Bach. Den 29. November: Erste Auf-\nführung von Mozart's „Don Juan\".\n1801, den 8. Januar, und öfter wiederholt: „Altona\nvor hundert Jahren\", Schauspiel in fünf Acten von Dr.\nAlbrecht, mit Chören. Den 1. April: in der Charwocho,\nzum ersten Male im Theater: Haydn's „Schöpfung\". Zahl\nder Mitwirkenden 120. Den 13. November: Erste voll-\nständige Aufführung von Mozart's „Titus\".\n1802, den 13. Januar: Erste Aufführung von Che-\nrubini's „Wasserträger\". Den 18. April: Zum ersten Male\nHaydn's Oratorium „Die Jahreszeiten\".\n1803, den 6. April: Haydn's „Schöpfung\" im Theater.\nDen 18. April: Der Frühling aus den „Jahreszeiten\" in\nder Hauptkirche. Den 24. April: Dieselbe Aufführung in\nder Ottensener Kirche. Den 25. Dec., zum ersten Male:\nHändel'sche Musik aus dem „Messias\" in der Hauptkirche.\n1804, den 10. October: Cantate: Schiller's Ode an\ndie Freude, componirt vom ehemaligen holländischen Haupt-\nmann v. Böhm, im Theater aufgeführt.\n1805: Am 19. Juni wurde für Schiller eine Todten-\nfeier im Schauspielhause veranstaltet, ein Prolog in einem\nAct mit Chören.\n1809, den 31. März: Am Charfreitag: „Der Tod\nJesu\" von Graun, im Theater.\n1810, den 18. April, und 1811, den 12. April:\nHaydn's „Schöpfung\" im Theater.\n1810, den 14. April: Erste vollständige Aufführung\nvon Händel's „Messias\" im Theater, und „Vater unser\"\nvon Romberg.\nAn musicalischen Curiositäten fehlte es in damaliger\nZeit auch nicht. So liess sich 1804 im Theater ein Virtuose\nauf vier Pauken hören, und in den Jahren 1808 —lBO9\nwurden statt Soireen häufig musicalische „Dejeuners\" Mor-\ngens 5% Uhr gegeben, was aber, wie zur Beruhigung\nder Leserinnen hinzugefügt werden soll, nur zur Zeit des\nSommers geschah. Ferner bot eine Musicalienhandlung\nihren öffentlichen Ankündigungen zufolge ausser Noten auch\ndaneben Selterswasser und Stiefelwichse aus.\"\n(Schluss folgt.)\n\nAus Hamburg.\nEnde März 1861.\nUnter den musicalischen Productionen der letzteren\nZeit zeichneten sich das von Herrn Karl Krebs aus Dres-\nden geleitete Concert des „Liszt-\" Pensions- Vereins im\nWörmer'schen Saale, und hauptsächlich das von der Bach-\nGesellschaft in derPetrikirche veranstaltete geistliche\nConcert vortheilhaft aus. Letzteres fand zum Besten der\nKranken-Station des Seemannshauses Statt und hat, den\ngefüllten Räumen des weiten Gotteshauses nach zu schlies-\nsen, einen guten Ertrag für den wohlthätigen Zweck ge-\nliefert. Das unter Krebs' Direction gegebene Concert hätte\n. \" .\n\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.4", "texte": "besser besucht, aber das Auditorium nicht leicht dankba-\nrer sein können. Es gestalteten sich aber auch die Vorträge\nsämmtlicher Nummern des Abends zu in der That vollen-\ndeten Leistungen, von der BerliozVhen Ouvertüre zu Ben-\nvenuto Cellini bis auf Beethoven's C*woß-Sinfonie. An der\nSchiller-Cantate von Krebs' Composition wirkte die Ge-\nmahlin des Dirigenten, Frau R r ebs-Micha lesi, auf das\nerfreulichste mit, und zeichnete sich von Seilen der hiesi-\ngen Gesangskräfte Fräulein Lichtmay durch die Fülle\nund Schönheit ihrer Stimme besonders aus. Eine Ouver-\ntüre von Rossini und eine Suite von Bach waren die übri-\ngen Bestandteile des Abends.\nDas geistliche Coneerl der Bach-Gesellschaft war nur\nmit einer allerdings grösseren Nummer, der Cantate: „Lieb-\nster Gott, wann werd' ich sterben\", den Composilionen\nBach's gewidmet. Wie sich die Gesellschaft durch die un-\nermüdlichen Bemühungen ihres Vorstandes immer mehr\nzu einem Vereine für elassische Kirchenmusik überhaupt\nerweitert, so umfasste auch das Programm ausser der Bach\"-\nschen Cantate das Stabat Mater von E m a n u e 1 d'A s t o r g a,\nzwei Händel'sche Sätze und eine Motette von Schicht.\nDie erste, aus dem Stabat Mater bestehende Hälfte\ndes Concertes war die gelungenste. Den Unstern, unter\nwelchem der aus Berlin herbeigezogene Solo-Tenor, Herr\nOtto, heiser geworden war, bemerkte man in dem\nMater nicht zu empfindlich. Frau Dr. Mampe-Babnigg\nim ersten, Fräulein Antonie Steinfeldt im zweiten So-\npran, so wie der Bass des Herrn Ad. Schulze bewährten\nsich als zuverlässige Rräfte, und auch der Chor ergriff seine\nAufgabe mit Sicherheit. Die Composition d'Aslorga's ge-\nhört zu den gefeiertsten Werken des älteren italiänischen\nRirchenstils. Was ihr an Farben Wechsel durch den Gegen-\nstand versagt ist, das ersetzt sie durch gläubige Innigkeit,\nund wo ein froheres Gefühl durch die Hingebung an den\nSchmerz der Mutter des Gekreuzigten hindurchbrechen\nkann, da erhebt sich der Riagegesang zu einem feierlichen\nHymnus des geistigen Sieges, wie in dem Chor: Virgo vir-\nginum praeclara, und in dem Schluss-Abschnitte des Gan-\nzen, wo sich die Gemeinde, vom Blute des Heils nach\nden Worten des Textes völlig berauscht, der Palme der\nUeberwindung und der Ehren des Paradieses vergewissert\nlühlt. Wunderschön ist in dem Sopran-Solo Nr. 5 der\nAusdruck des gläubigen Gebetes in den gehaltenen Tönen\nzu den Worten: Fige cordi mco valide, der sich über das\nGefühl des Schnae rzes bei der Erinnerung an die Leiden\ndes Erlösers emporhebt. Von herrlicher Wirkung ist auch\ndie jetzt fast ganz ausser Gebrauch gekommene Anwen-\ndung des Alt und Tenor allein für den Chor Nr. 6, in\nwelchem eine so einfache und doch ausgearbeitete Harmo-\nnie verwandt ist. li. dem letzten Chor Nr. 9 tritt dann eine\ngegenüber dem durchgängigen Piano der übrigen Piecen\nmachtvolle Rraft hervor, und namentlich ist der Schluss,\ndas fugirte Arncn, wo die einzelnen Stimmen immer am\nSchlüsse der Phrase mit dem geschlossenen kräftigen Amen\neinsetzen, von bezaubernder Wirkung.\nDie Motette von Schicht: „Heil'ger Quell der ew'-\ngen Seligkeit\", ging bis auf eine Senkung der Stimmen\nzum Schlüsse hin trefflich zusammen. Die Cantate von\nBach hat sechs Nummern: Chor, Tenor-Arie, Recitativ,\nBass-Arie, Recitativ, Schluss-Chor. Die Tenor-Arie musste\nwegen Heiserkeit des Herrn Otto ausfallen. Frau Mampö-\nB a b n i g g sang das Sopran-Recitativ sehr schön und brachte\nmit den Worten: »Und kann nicht sterben\", einen sicht-\nlichen Eindruck hervor. Das vortrefflich vorgetragene Bass-\nSolo wurde leider durch die Flöte, deren Bläser den Ton\naus Aengstlichkeit zu sehr in die Höhe trieb, beeinträch-\ntigt. Die Chöre gingen dagegen ganz gut, und wir lassen\nder Sorgfalt des Herrn Armbrust, Dirigenten der Bach-\nGesellschaft, und dem Eifer der Vereins-Mitglieder nur die\nverdiente Gerechtigkeit widerfahren, wenn wir ihrem rast-\nlos vorwärtsschreitenden Streben unsere lebhafteste Aner-\nkennung zollen und ihren Zwecken eine immer grössere\nTheilnahme wünschen. Die erste Nummer der Cantate mit\nder wunderbaren, das Dahingleiten der Zeit und den ge-\nsetzmässigen Wechsel der menschlichen Dinge malenden\nOrchester-Begleitung halte eine sehr gute Aufführung an-\ngekündigt, und der Schluss-Chor mit dem figurirten Cho-\nral hielt in dieser Richtung wieder Wort.\nAusser diesen grösseren Musikstücken hörten wir noch\nzwei Arien aus Händel's „Messias\" : ,Er weidet seine\nHerde\" (wofür auf dem Programm wahrscheinlich durch\nein Versehen die andere: „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\", angekündigt war), von Frau Mampe-Babnigg,\nderen Stimme noch ihre volle Kraft und Fülle hat, treff-\nlich vorgetragen; und die erste Arie des Oratoriums: „Alle\nThale\" u. s. w., welche die oben genannte Sopranistin\nFräulein Steinfeldt sang, da der Tenorist, wie schon er-\nwähnt, heiser geworden war. Darüber haben hiesige Blät-\nter, und wohl mit Recht, Klage erhoben, da diese Arie\nfür Tenor geschrieben sei*).\n\n*) Uns scheint der Wechsel keineswegs so verbrecherisch, zumal\nwenn man eine Arie als Concertstück, also ausserhalb des Zu-\nsammenhangs mit dem Oratorium, gibt. Die fragliche Arie\nsteht in manchen Clavier-Auszügen des auch in der\nBearbeitung des Hamburgers Schwencke, die man doch in\nHamburg kennen muss, mit Soprano bezeichnet; und wer\nHändel'sche Partituren kennt, der weiss, dass in Bezug auf die\nBeischriften Tenore oder Soprano an eine Uebereinstim-\nmung in den verschiedenen Ausgaben derselben gar nicht zu\ndenken ist. Ja, es unterliegt auch keinem Zweifel, dass Händel\nselbst sich bei den Aufführungen in diesem Punkte oft nach den\nKräften richtete, die ihm gerade zu Gebote standen. Die Red."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.5", "texte": "Uebrigens sind wir hier, was Acusserlichkeiten be-\ntrifft, noch weit zurück gegen Ihre grossen und prächtigen\nConcertsäle am Rheine. Der einzige ordentliche Concert-\nsaal, den wir haben, ist für gewöhnliche Orchester-Auf-\nführungen wohl allenfalls gross genug; tritt aber der Chor\nhinzu, so ist Alles beengt, und man muss in den Zuhörer-\nraum hineinbauen. Ein amphitheatralisches Orchester fin-\ndet man hier nirgends. Auch die Petrikirche, in welcher\ngewöhnlich die Kirchen-Concerte gehalten werden, ist un-\ngünstig für musicalische Aufführungen, da das Orchester\nweit hinter dem Sängerchor steht und durch die vorsprin-\ngende Orgel verdeckt wird. Auch ist hier die Stimmung\nunerträglich hoch, und leider keine Aussicht vorhanden,\nsie in naher Zeit herabzusetzen. 11.\n\nAus Regensburg.\n\nAnfangs April 1861,\nDas Musikleben hiesiger Stadt, die bekanntlich viele\nKräfte besitzt, aber sie nur selten vereinigt, war diesen\nWinter lebhafter, als seit langer Zeit. In der Oper, die\nunter der Leitung des trefflichen Capellmeislers Ott im\nEnsemble und in» Orchester gegen frühere Jahre sehr ge-\nwonnen hat, hörten wir (unter Anderem) besonders gut\nausführen: Weisse Dame, Figaro, Zauberllöte, Czaar, Ro-\nmeo und Julie, Unterbrochenes Opferfest, Fidelio. Natür-\nlich leidet das Stadttheater, das durchschnittlich seit Jah-\nren sehr gut besucht ist, an den bekannten Mangeln klei-\nnerer Bühnen, namentlich häufigem Wechsel des Perso-\nnals, worin das grösste Hinderniss der Erweiterung des\nRepertoires iiegt; aber es hat sehr tüchtige Kräfte, nament-\nlich in dem Barilonisten Herrn van Gülpen und der So-\npranistin Fräulein Strauss, und ein (in den Blasinstru-\nmenten namentlich) sehr gutes Orchester. Die Mitglieder\ndes letzteren haben neuerlich einen Pensions- und Unter-\nstützungs-Verein gegründet und zu dessem Besten am\nWeihnachlstage und am Ostersonntage zwei vorzügliche\nConcerte unter Herrn Ott's Leitung gegeben, in denen\nBeethoven's Sinfonie in D-durund die Pastoral-Sinfonie,\nmit grosser Vollendung gegeben, mit lautem Beifalle auf-\ngenommen wurden. Ein solches Unternehmen ist hier ganz\nneu, wenigstens lange nicht mehr da gewesen; denn seit\nJahren wurde hier keine Beethoven'sche Sinfonie gehört,\nund die Pastoral-Sinfonie soll überhaupt zum ersten Male\nhier producirt worden sein. Um so mehr ist die feine\nDurchführung so schwieriger Werke zu loben. Im Weih-\nnachts-Concerte hörten wir auch neben Cherubini's Ouver-\ntüre zu den Abenceragen Mendelssohn's Violin-Concert,\nvon unserem Concertmeister Herrn Berr mit ausgezeich-\nneter Technik und Auffassung wiedergegeben. Beethoven's\nRondo lür acht Blas-Instrumente im Oster-Concerte wurde\nrein und mit Geschmack vorgeführt. Mendelssohn's „Mee-\nresstille und glückliche Fahrt\" schloss in gelungener Weise\nden letztgenannten Abend.— Der Musik-Verein führte in\nzwei Concerten vor die Künstler Müller (Violoncello) und\nWalter (Violine) \\on München, zu deren Lobe nichts\nmehr beigetragen zu werden braucht. Leider, dass auch\nhier gesagt werden muss, dass die Mehrzahl der von ihnen\nmeisterhaft executirten Stücke spottschlechte Compositio-\nneu waren. Der Dirigent dieser Concerte, Herr Chor-Di-\nreclor Drobisch (am hiesigen Theater), Sohn des leider\nso früh verstorbenen augsburger Capellmeisters Drobisch,\nführte im ersten derselben eine Ouvertüre in von\nseiner Composilion auf, die schöne Motive besitzt und mit\ngrosser Gewandtheit gearbeitet ist. Die fugirte Durchfüh-\nrung und Steigerung verräth eine höchst begabte Künst-\nler-Natur; leider ist das Tonstück etwas zu lang. Unter\nHerrn Ott's Leitung wurde auch der Versuch gemacht,\ndem Publicum Geschmack an der Kammermusik beizubrin-\ngen. Es wurde dieses höchst dankenswerthe Unternehmen\naber wenig durch Besuch unterstützt, obschon wir an drei\nAbenden gelungene, theilweise ausgezeichnete Leistungen\nbegrüssen konnten. Herr Berr (Violine), Ott (Viola),\nPfei ffer (Violoncell) und ein tüchtiger Dilettant brachten\ndie Quartette: Beethoven in Mozart in\nHaydn, Kaiser-Quartett; rechnen Sie hierzu noch Beetho-\nven's Es-dtir-Trio und Kreutzc-r-Sonate (Berr und Dietrich,\nfürstlich taxis'scher Hof-Pianist und Schüler von Liszt, emi-\nnenter Clavierspieler), Mozart's Quintett in mit Cla-\nrinette und Beethoven's Septuor, so werden Sie eine sehr\nannehmbare Auswahl finden.— Die Krone der Aufführun-\ngen dieses Winters war aber die des Oratoriums „Die\nZerstörung Jerusalems\" von Ihrem berühmten Hiller durch\nden Dom-Organisten Herrn Hanisch dahier, der den den\nHänden des sterbenden Mettenleiter entfallenen Tactstab\naufnahm und mit Geschick, Einsicht und Energie gebraucht.\nDie Verhältnisse gestatten hier nur Ein Mal im Jahre ein\nsolches Unternehmen, das für viele wahre Musikfreunde\nzu einem Feste wird und auch Auswärtige (namentlich\nGeistliche) in grossen Massen anlockt. Chor und Orchester\nhetrugen an 300 Personen, die Zuhörer an 1000. Die\ni • /\nProben wurden mit Eifer und ungemeiner Ausdauer ge-\nleitet und benutzt. Dafür war aber auch die Aufführung,\nohne Ruhm zu melden, in den Chören und den meisten\nSoli höchst gelungen, ja, hinreissend.. Der Eindruck des\nMeisterwerkes, das so reich ist an lieblichen und gewalti-\ngen Stellen, war ein tiefer und steigerte sich am Schlüsse\nzu wahrem Jubel, der in Vieler Herzen neben dem hervor-\ngerufenen Dirigenten ohne Zweifel dem Componisten galt,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.6", "texte": "welcher so leicht und gewandt die erhabensten Gedanken\nund schwersten Formen handhabt. Die schöne Partie des\nJeremias wurde durch Herrn van Gülpen vorzüglich ge-\nsungen; neben ihm erwarb den meisten Beifall die Trä-\ngerin der lieblichen Alt-Partie, eine mit trefflicher Stimme\nund tiefem Gefühle begabte Dilettantin. Hiller hat durch\ndieses Werk in weitem Kreise sicherlich neue Eroberun-\ngen und den Wunsch rege gemacht, auch seinen Saul und\nandere Gesangwerke zu hören,—Dinge, nach denen wir\nvielleicht noch lange vergeblich ausschauen.\n\ny.\n\nConcert des Cäcilien-Vereins am Charfreitage.\nDie H-moll-Messe von J. S. Bach,\nFrankfurt a. M., 10. April JB6l.\nWir müssen dem Cäcilien-Verein den wärmsten Dank\ndafür aussprechen, dass er den Fleiss daran setzte, die hohe\nMesse uns wiederum zu Gehör zu bringen. Es ist eine\nschwere Aufgabe, ein so grosses und complicirtes Tonwerk\nzu bewältigen, und erfordert ausdauernden Fleiss Seitens\ndes Dirigenten und der Mitglieder. Vergleichen wir die ge-\ngenwärtige Aufführung mit denen vor etlichen Jahren\n(die Aufführungen unter Schelble lassen wir hier ausser\nBetracht, denn zwischen dem Cäcilien-Verein, der Kunst-\nAnstalt von damals und dem jetzigen liegt eine Kluft, die\nsich immer mehr zu erweitern scheint) —, so müssen wir\nanerkennen, dass sie gegen diese ungleich mehr durchdacht\nund mit mehr Pietät gegen das Werk vorbereitet gewesen.\nDas heisst Letzteres in Betracht der gegebenen Verhält-\nnisse, in Berücksichtigung nämlich, dass das Concert durch-\naus am Charfreitage Statt finden sollte, der in mancher für\neinen Verein wesentlichen Beziehung als Concerttag sehr\ngeeignet ist. Gleichwohl dürfte man um günstiger äusserer\nVerhältnisse willen das Gelingen einer so wichtigen Auf-\nführung nicht aufs Spiel setzen. Nicht immer geht der Fleiss\nder Mitglieder mit dem des Dirigenten Hand in Hand, nicht\nimmer sind die zwischen einer früheren Aufführung und\nder jetzigen neu hinzugetretenen Mitglieder gleich den ge-\nübteren im Stande, ein schwieriges Tonstück in gegebener,\nverhältnissmässig kurzer Zeit zu lernen. Sie wirken dann\noft mehr hindernd, als fördernd. So schienen uns nament-\nlich im Damenchor mitunter mehr Personen als Stimmen\nzu sein, wodurch der Effect nicht gerade gehoben wurde.\nDer zweite Sopran besonders verrieth manchmal eine\nSchwäche, die mit den festen Eintritten der geübteren Da-\nmen im ersten Sopran stark contrastirte. Der Tenor schien\nuns von allen die festeste Stimme zu sein; einen einzigen\nsehr misslungenen Eintritt in der dritten Abtheilung aus-\ngenommen, war er recht sicher; nur war er etwas zu\nschwach, und das Stimmen-Colorit hatte etwas Verblühtes.\nAlt und ßass bewiesen sich als recht solide Stimmen, wenn-\ngleich letzterer zeitweilig Kraft und Härte mit einander\nverwechselte. Diese kleinen Mängel bei Seite gesetzt, und\ngelegentliche unreine Intonationen des Soprans abgerech-\nnet, waren die Chorleistungen recht löblich, so weit näm-\nlich dafür die Mitglieder des Vereins verantwortlich sind.\nIhre Schuld war es demnach nicht, wenn in dem\nsancio spiritudie an sich so sehr sangbaren Coloraturen\nnicht recht aus der Kehle wollten, und das hohe des So-\nprans nicht angenehm klang; denn der Dirigent hatte das\nTempo etwas zu geschwind gegriffen. Der gleiche Vor-\nwurf trifft Herrn Müller auch hinsichtlich der Tempi des\nEt resurrexit,welche Nummer durch dieses so schnelle\nZeitmaass offenbar an Deutlichkeit und Wirkung viel ver-\nlor. Einen kleinen Tadel möchten wir in gleicher Hinsicht\nwegen des Allegro: Et expecto,aussprechen, und wir dür-\nfen dies um so weniger unterlassen, als ausserdem der\nAnfang d ieses Satzes, Confiteor, nebst dem eingeflochtenen\nerschütternden Adagio unübertrefflich schön vorgetragen\nwurde. Bei dem Sanctus wollten die durch den ganzen\nSatz laufenden Trioien-Figuren in Scxten-Accorden nicht\nrecht zusammen klappen, obgleich man wohl merken\nkonnte, dass diese Nummer sehr gut studirt war. Der ßass\nmachte seine Octavensprünge mit grosser Sicherheit und\nWirkung. Etwas langsamer genommen, würde das Sanctus\nohne Zweifel vortrefflich ausgeführt worden sein. Es ist\neine längst bekannte Thatsache, und jeder Dirigent weiss\nes, dass, je grösser der sich bewegende Körper ist, desto\nlangsamer die Bewegung sein muss; aber nicht jeder Di-\nrigent ist dessen immer eingedenk, nicht jeder hat immer\ndie erforderliche Ruhe und Selbstbeherrschung. Herr Müller\nmöge uns diese Bemerkungen nicht verübeln, sondern viel-\nmehr daraus entnehmen, dass man seinen Leistungen mit\nInteresse und Aufmerksamkeit folgt. Wir erkennen in ihm\neinen recht wackeren und gebildeten Dirigenten, und freuen\nuns, dass der Cäcilien-Verein eine so glückliche Wahl ge-\ntroffen hat. Wir hoffen aber auch, dass die Zeiten bei uns\nnicht mehr wiederkehren werden, wo der Director eines\nVereins die wohlgemeintesten Winke verschmäht.\nNachdem wir die Mängel der besprochenen Auffüh-\nrung hervorgehoben, können wir mit gutem Gewissen al-\nles Uebrige als mehr oder minder gut vorgetragen erklä-\nren und die Erwartung aussprechen, dass im nächsten\nWinter der Cäcilien-Verein nicht unterlassen werde, das\nWerk zur wiederholten und gründlich vorbereiteten Auf-\nführung zu bringen. —o. (N. Frkf. Z.)"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.7", "texte": "Zwölstes Gesellschasts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 16. April 1861.\nProgramm. Erster Theil. 1. „Nachklänge an Ossian\", Ouver-\ntüre von Niels W. Gade. 2. Motette: „Des Staubes eitle Sorgen\",\nfür Chor und Orchester von J. Haydn. 3. Sinfonie Nr. 3 in C-\ndur von Theodor Gouvy (unter Leitung des Componisten). 4. Der\n114. Psalm für achtstimmigen Chor und Orchester von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy.\nZweiter Theil. 5. Concert für die Violine in 11-moll von Nie,\nPaganini, vorgetragen von Herrn Camillo Sivori. 6. Zwei\ngeistliche Lieder für Chor ohne Begleitung von Ferd. Hill er.\n7. Fleurs de Naples, Phantasie für die Violine, componirt und ge-\nspielt von C. Sivori. 8. Ouvertüre zu „Euryanthe\" von C. M. v.\nWeber.\nGade's Ouvertüre war trotz ihres zwanzigjährigen Alters hier\nneu; der Zufall hatte es gewollt, dass sie in einem der grossen Ge-\nsellschafts-Concerte noch nicht gehört worden. Sie wurde gut aus-\ngeführt, machte aber auf das Publicum keinen bedeutenden Eindruck.\nBekanntlich hatte sie schon im Jahre 1841 vom kopenhagener Mu-\nsik-Verein nach Spohr's und F. Schneidens Gutachten einen Preis\nerhalten und gefiel auch in Leipzig, wo sich Mendelssohn sehr für\nden damals noch jugendlichen Componisten (er ist 22. October 1817\ngeboren) interessirte. Unserer Meinung nach ist diese Ouvertüre über-\nschätzt worden, wenigstens ist sie von den später geschriebenen Sin-\nfonieen Gadens mit Recht verdunkelt worden. Zur Zeit seiner ersten\nErfolge wollten die musicalischen Aesthetiker in dessen Compositio-\nnen einen neuen Stil, den nordischen, finden. Wir haben uns\nniemals zu dieser Ansicht bekehren können denn es gab eine\nZeit, wo sie für Ketzerei galt und selbst Mendelssohn und Schu-\nmann in den Hintergrund gestellt wurden —; die Grundlage des\nGade'schen Stils ist der Mendelssohn'sche, und jenes sogenannt Nor-\ndische kann man mit Fug und Sinn höchstens auf das Colorit, wel-\nches Gade seinen Sachen durch eine eigentümliche Instrumentirung\nmit grossein Geschick zu geben versteht, anwenden. Dieses Colorit\nist aber so vorherrschend, dass häufig nichts Anderes als Farbe und\nnirgends Zeichnung zu sehen ist. Namentlich ist die letztere, d. h.\nalso, musicalisch genommen, das Tongerippe, aus bedeutenden Glie-\ndern [Motiven) und deren Combination bestehend, in der Ossian-\nOuveiture oder Phantasie nicht zu gewahren.\nDie oft gehörte und immer wieder frische und das Gemüth anre-\ngende Motette: „Oes Staubes eitle Sorgen\", verläugnet den alten\nHaydn und seine Frömmigkeit, die mit klarem Blicke zu Gottes\nHimmel aufschaut, nicht mit hohlem Geseufze ascetischer Sentimen-\ntalität sich ins mystische Dunkel hinabsenkt, in keinem einzigen\nTacte. Sie wurde recht gut gesungen und vom Publicum mit lautem\nBeifall aufgenommen. Ja, es ist sonderbar: unser Publicum hat noch\nimmer den Zopf, dass solche Musik bei ihm Eindruck macht!\nEben so lauten Applaus widmete es der Ausführung des 114.\nP salines von Mendelssohn. Und mit Hecht,* denn abgesehen von\ndem Ilalleluja, dem Schlusschor, bleibt dieses Werk doch eines der\nbedeutendsten des grossen Componisten, das gleich durch seinen im-\nposanten Anfang und im Verlauf durch grossartigen Charakter bei\ngehörig starker Besetzung des Chors und des Orchesters einen mäch-\ntigen Eindruck macht.\nZwischen diesen beiden Gesangstücken führte uns Herr Theo-\ndor Gouvy aus Paris seine Sinfonie Nr. 111. in C-dur vor und\nerrang damit einen glänzenden Erfolg, denn jedem Satze am mei-\nsten jedoch dem Andante folgte ein unmittelbar ausbrechender\nallgemeiner Applaus des Publicums. Gouvy hat durch diese schöne\nComposition auf die wir in der nächsten Nummer ausführlicher\nzurückkommen werden bewiesen, dass er keineswegs an den Rhein\ngekommen, um uns für Waterloo und Leipzig durch seine Musik\nbüssen zu lassen ; nein, er hat eine ganz andere Revanche genom-\nmen, er veimählt sein Talent mit dem Geiste unserer grossen Mei-\nster, er strebt dahin, den Bund zwischen französischer Anmuth und\nEleganz mit deutscher Gründlichkeit und Kraft zu schliessen, und\nwiegern stimmen wir darin ein, dass auch die Kunst eine wirksame\nVermittlerin zwischen Nationen, ein Hebel des gegenseitigen geisti-\ngen Verkehrs und der friedlichen und freundlichen Eintracht werde.\nIm zweiten Theile des Concertes waren Sivori's Vorträge na-\ntürlich die Hauptsache. Der berühmte Violinist, in dem sich in un-\nseren Tagen die italiänische Schule des Violinspiels von Corelli bis\nPaganini gipfelt, hat seine letzten Triumphe in seinem Vaterlande\nItalien und in den grossen Seestädten des südlichen Frankreichs ge-\nfeiert. In Mailand hat er nicht weniger als siebenzehn Concerte bei\nstets überfülltem Hause gegeben eine Thatsache, die seit Paga-\nnini bei keinem Künstler wieder vorgekommen war; ja, das acht-\nzehnte, zu einem patriotischen Zwecke von ihm gegebene Concert\nbrachte einen Reinertrag von 15,000 Francs ein. Er spielte bei uns\ndas Concert in H-moll von Paganini (Allegro moderato, Adagio\nund Rondo la Clochette) und eine Phantasie von eigener Composi-\ntion. Fleurs de über ein bekanntes, schönes neapolitanisches\nVolkslied, wobei wir gewünscht hätten, dass er diese Melodie erst\ndurch den Gesang auf der Violine, worin er so grosser Meister ist,\nlecht zum Veiständnisse gebracht hätte, wogegen er nach kurzer\nEinleitung ihn gleich den Blas-Instrumenten übergibt und die Violine\nsich in Arabesken und Variationen zu derselben ergehen lässt.\nSivori bewies von Neuem durch sein in technischer Hinsicht über\nalle Kiitik eiliabenes Spiel, dass er ein König der Königin der In-\nstrumente ist. Seine unzerstörbare, durch nichts in der Welt gefähr-\ndete Sicherheit auch in den allerschwierigsten und kühnsten Ein-\nsätzen und Passagen jeder Gattung und jeder Stricharten ist in der\nThat unerhört, und wenn diese in Erstaunen setzt und uns in jene\ninnerlich heitere Befriedigung versetzt, die eine formel vollendete\nkünstlerische Leistung, sei es Musik, oder Rede, oder Darstellung,\nei zeugt, so dringt auf der anderen Seite der volle, niemals durch\nHärte irgend einer Art gestörte Ton, der Gesang, welcher das ita-\nliänische Element in seinem Spiel vorzugsweise zur Geltung bringt,\nzu Gemüth und Herz, was sich dieses Mal in den melodischen Mit-\ntelsätzen des ersten Allegro und besonders in dem Adagio, sowohl\nbei den einfachen als bei den Doppeltönen bewährte. Sehr zu be-\ndauern war es, dass der bescheidene und liebenswürdige Künstler,\nder nach seinem zweiten Hervorruf sich sehr freundlich anschickte,\ndem Publicum noch einen Genuss durch die Zugabe eines Stückes\nfür die Violine allein zu bereiten, wie es scheint, durch ein Miss-\nverständniss des Herrn Dirigenten daran verhindert wurde. Wahr-\nscheinlich fürchtete man für die Zeit, welche der Ouvertüre zu Eu-\nryanthe noch zu widmen war; die Ausführung derselben liess in der\nThat die Spuren einiger Unruhe bemerken, denn sie reichte bei Wei-\ntem nicht an die Vollkommenheit, mit welcher sie sonst das wackere\nOrchester zu Gehör bringt.\nEin sehr anziehendes Zwischenstück zwischen den Productionen\nSivori's waren zwei von F. Hiller's „geistlichen Liedern\" für Chor\na capella (1. „Ach, wie nichtig\"; 2. „Es ist so still geworden\").\nDiese schönen, eigenthiimlich melodischen, religiösen Gesänge wur-\nden trefflich ausgeführt und machten grossen Eindruck, den auch\nlebhafter Applaus bekundete.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&l&Isa« In der letzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft trug Herr Musik-Director Levy aus Saarbrück ein Con-\ncert für Pianoforte und Orchester vor. Dieses Werk, dem Verneh-\nmen nach das erste des jungen Künstlers, ist gross angelegt und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610420-01.1.8", "texte": "zeigt unverkennbares Talent, welches, wenn Zeit und Erfahrung dem\nComponisten eine grössere Beherrschung der Form verliehen haben\nwerden, sich gewiss zu recht tüchtigen Leistungen abklären wird.\nDas Concert enthält viel interessantes und zeugt von lebhafter Phan-\ntasie; das Ciavier tritt indess darin mehr als ein zweites Orchester,\ndenn als ein Solo-Instrument auf, was das Ganze bei aller Fülle von\nKlängen doch etwas eintönig macht, da es dem Walde an lichten\nStellen fehlt. Auch als Spieler erhielt Herr Levy grossen Beifall.\nVielleicht hat ihn seine Fertigkeit im Vollgriffigen und in Octaven\nverleitet, in der Composition dem einfach Melodischen weniger Be-\nrücksichtigung zu widmen.\n*** JSarmeil. Unser viertes Abonnements-Concert (am 20. v.\nMts.) brachte eine Sinfonie von C. Ph. Em. Bach (in D-dur) in\ndrei Sätzen, das Violin-Concert von Rieh. Würst, gespielt von\nFerd. Laub aus Berlin, den 114. Psalm von F. Mendelssohn\nund drei Solostücke für die Violine: Präludium von J. Seb. Bach,\nCapriccio von Paganini, Polonaise von Laub vorgetragen von\nF. Laub. Im zweiten Theile Beethove n's Sinfonia eroica.\nWas sagen Sie zu diesem Programme? [Aufrichtig gesprochen, scheint\nes mir fast etwas zu grossartig unmittelbar nach dem Einweihungsfeste\ndes neuen Saales.] Lesen Sie einmal Folgendes, das unsere „Barmer\nZeitungu darüber sagt (Nr. 71): „Wie manchen unserer Abonnenten\nmag ein an Tortur streifendes Gefühl beim Anblick des Programms\nunseres vierten Concertes beschlichen haben, das ein wirkliches\nArmuth s-Ze ugnis s, wie man es sich seither*] noch in den un-\nglücklichsten Momenten (?) nicht ausgestellt nun gar zwei\nSinfonieen an einem Abend (also eine scheint diesem grimmen\nHagen schon zu viel!), sodann nach den in den drei letzten Concer-\nten zum Ueberfluss angebrachten Violin-Solis (sie) deren heute\nwieder zwei, und wären sie auch von Herrn Laub! auftischt\nund einen M e n delsso hn' sehen Chor-Psalm, dessen Aufführun-\ngen nur noch nach Dutzenden von Malen zu zählen sind.u\nOh! Oh! Bach, Mendelssohn, Beethoven mit der Eroica\nund Ferdinand Laub bekunden für die „Herren der Concert-Le-\ngislative\" ein unerhörtes Armuths-Zeugniss ?! Der Recensent, also\nein Herr der richterlichen Executive, ist entweder ein beleidigter\nSolosänger oder\nVon den Alpen bis zum Meer\nLebt nur Einer, so wie er;\nUnd von Memel bis nach Wesel\nGibt es keinen grössern Musikfreund*\nBerlin» Nachdem Fräulein Hildegard Kirchner auch die-\nsen Winter bereits in einigen musicalischen Aufführungen zu Gun-\nsten Anderer mitgewirkt, veranstaltete die jugendliche Violinistin,\neine Schülerin Laub's, nun auch ein Concert für eigene Rechnung\nund versammelte damit ein zahlreiches Publicum im Meser'schen\nSaale. Sie selbst trug das sechste Violin-Concert von Beriot und die\nnoch ausschliesslicher dem Virtuosen-Genre angehörige Tarantella\nvon Vieuxtemps mit sicherer Intonation und leichter Beherrschung\nder technischen Schwierigkeiten, in Betracht ihrer zarten Jugend\nselbst mit Bravour vor. Wo die rapide Bewegung nicht an und für\nsich die Stärke des Tones beeinträchtigt, wo Fräulein Kirchner zu\ndessen Entwicklung über die ganze Länge des Bogens verfügen kann,\nda verbindet sich volle Kraft mit rundem Wohllaut, während das\nPiano elegisch anklingt. In ihrer zweiten Nummer, einer Romanze\nvon Ries und dem erst neulich vorgetragenen Kinderliede von David,\nbewährte sich die Concertgeberin nach der letzten Richtung hin, und\nes lohnte stürmischer Beifall und Hervorruf ihre Leistungen.\nFrankfurt a. M« Die Theater-Verwaltung hat so eben mit\nFräulein Nina Hartmann einen dreijährigen Contraet abgeschlos-\nsen, nachdem die Künstlerin in ihren Debut-Rollen: Leonore im\nTroubadour, Anna im Don Juan und Rezia im Oberon, stets mit\ngrossem Beifalle ausgezeichnet worden war. Unsere Oper hat nun\nan dieser Künstlerin eine Kraft gewonnen, die längst gefehlt. Möge\nes der Verwaltung gelingen, bald noch andere Rollenfächer mit gleich\ntüchtigen Repräsentanten besetzen zu können, wie nun das der „er-\nsten Sängerin\" besetzt ist. Andererseits wird Fräulein Hartmann\nbald die Ueberzeugung gewinnen, dass die in einigen Journalen in\nForm von Kunstberichten zu lesen gewesenen Pamphlete aber\nauch noch in einer Menge unter das frankfurter Publicum geschleu-\nderter anonymer Briefe über den gegenwärtig bestehenden Sitt-\nlichkeitszustand am hiesigen Theater auf purer Verleumdung beru-\nhen, von einer Cliqne böser Menschen ausgegangen, der die Justiz\nleider noch immer nicht beizukommen vermochte, obgleich sie ihr\nschändliches Handwerk schon seit 15 bis IG Monaten treibt. S.\nWieil* In der Liedertafel des Sängerbundes im Dia-\nnensaale am 23. v. Mts. waren neu: „Liedermuth\" von Anton\nWöckl, Ehren Chormeister des Bundes; „Sommernacht\", Chor mit\nSolo-Quartett von W. H. Veit; „Walzer\"1 von J. Netzer; „Vater-\nlandslied\" von Franz Weber. Ausserdem gefielen besonders „Geist\nder Liebe\", mit Ciavierbegleitung von Franz Schubert, und der\nkomische Schwank „Fabian Pech und seine Gaste\", für Solo und\nChor mit Ciavierbegleitung von A. M. Storch.\nDie Berichte aus Aachen müssen wir wegen Mangels an Raum\nbis auf die nächste Nummer vertagen.\n*) Soll das heissen: „so lange ich im Vorstände war\"?\nAnmerkung des Setzers"}]}