{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-04-27-01", "volume": "bmtnabi_1861-04-27_01", "ocr_sha256": "f35062aeab1046220a23d9cba41b2740a0986d974a3cf8732aed2a11a2575eb8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/04/27_01/bmtnabi_1861-04-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-04-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 439, "texte": "Inhalt.\nRichard Wagner über die Aufführung seines Tannhäuser in Paris. Aus Aachen (Matthäus-Passion von J. S.Bach\nRequiem für Männerchor von Souhre). Von N. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Üirector K. J. Brambach\nDüsseldorf, Fräul. Philippine Männer-Gesangverein Essen, Soiree für Kammermusik Leipzig, Unterstützung von K. Zöllner's\nHinterbliebenen Alfred Jaell Paris, Herr Niemann, Hector Berlioz Petersburg, Concert-Saison)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-27_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-04-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "133", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.2.2", "titre_corps": "Richard Wagner über die Aufführung seines Tannhäuser in Paris.", "titre_sommaire": "Richard Wagner über die Aufführung seines Tannhäuser in Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.1", "debut_caractere": 441, "fin_caractere_exclue": 4157, "texte": "Richard Wagner über die Aufführung seines\nTannhäuser in Paris.\nWir haben zwar in Nr. 15 erklärt, die Acten über\nden Tannhäuser in Paris für unsere Zeitschrift als ge-\nschlossen zu betrachten; allein die Darstellung der be-\nkannten Ereignisse durch Wagner selbst, die seitdem\nerschienen, gebietet uns, von derselben Kenntniss zu neh-\nmen und zu ihren Gunsten von unserem Vorhaben zurück-\nzukommen. Nicht nur der Grundsatz der Gerechtigkeit\n(nicht der Unparteilichkeit, denn gegen Wagner's Sy-\nstem nehmen wir für die Tonkunst, wie wir sie verste-\nhen, entschieden Partei!), welcher das Audiatur et altera\npars verlangt, verpflichtet uns dazu, sondern auch die\nUeberzeugung, dass der „Brief Wagner's\", den die\nleipziger „Deutsche Allgemeine Zeitung\" in ihrer Nr. 80\nvom 7. April veröffentlicht, einen merkwürdigen Beitrag\nzu Wagner's Charakteristik gibt, und eine Vervollständi-\ngung dieser aus so authentischer Quelle darf in unserer\nZeitschrift, welche seit dem Auftreten des berühmten Re-\nformators seine Tendenzen immer im Auge gehabt hat,\nnicht fehlen.\nDurch den Eingang des Briefes erfahren wir, dass die\nErfüll ung von Wagner's Bitte um Bewilligung eines blei-\nbenden Aufenthaltes im Grossherzoglhum Baden—„un-\nmöglich\" war, und dass er im Jahre 1859 noch mit der\nHoffnung auf eine Aufführung seines Tristan in Karls-\nruhe, welche aul den 3. December jenes Jahres angesetzt\nwar, nach Paris übersiedelte. Die Meldung, dass „diese\nAufführung sich dort als unmöglich herausgestellt hätte\",\nliess den Plan in ihm auftauchen, in Paris im italiänischen\nOpernsaale durch Deutsche „eine Muster-Aufführung\" des\nTristan zu Stande zu bringen. Desshalb, als vorbereitend,\ndie Unternehmung der drei Concerte. „Der in Bezug auf\nBeifall und Theilnahme höchst günstige Erfolg\" konnte\nseinen Zweck nicht fördern, da die Concerte die Schwie-\nrigkeiten und Hindernisse der Haupt-Unternehmung erst\nrecht ins Licht stellten.\nAlles folgende ist zu charakteristisch und muss dess-\nhalb wörtlich mitgetheilt werden, wobei wir uns jeder\nRandbemerkung, selbst der bescheidenen Fragezeichen,\nenthalten, die wir dem Leser überlassen.\n„Während ich nun\"—schreibt Wagner „nach je-\nder Seite hin gehemmt, nochmals schwer sorgend meinen\nBlick nach Deutschland wandte, erfuhr ich zu meiner vol-\nlen Ueberraschung, dass meine Lage am Hofe der Tuile-\nrieen zum Gegenstande eifriger Besprechung und Befür-\nwortung geworden war. Der bis dahin mir fast ganz\nunbekannt gebliebenen ausserordentlich freundlichen Theil-\nnahme mehrerer Glieder der hiesigen deutschen Gesandt-\nschaften hatte ich diese mir so günstige Bewegung zu ver-\ndanken. Diese führte so weit, dass der Kaiser, als auch\neine von ihm besonders geehrte deutsche Fürstin ihm die\nempfehlendste Auskunft über meinen am meisten genann-\nten „ „Tannhäuser\"\" gab, sofort den Befehl zur Auffüh-\nrung dieser Oper in der Academie imperiale de Musique\nerliess.\n„Läugne ich nun nicht, dass ich, wenn auch zunächst\nhocherfreut von diesem ganz unerwarteten Zeugnisse für\nden Erfolg meiner Werke in gesellschaftlichen Kreisen,\ndenen ich persönlich so fern gestanden hatte, dennoch bald\nmit grosser Beklemmung an eine Aufführung des „ „Tann-\nhäuser\" \" gerade eben in jenem Theater nur denken\nkonnte. Wem war es denn klarer, als mir, dass dieses\ngrosse Operntheater längst jeder ernstlichen künstlerischen\nTendenz sich entfremdet hat, dass in ihm ganz andere For-\nderungen als die der dramatischen Musik sich zur Geltung\ngebracht haben, und dass die Oper selbst dort nur noch\nzum Vorwande für das Ballet geworden ist? In Wahrheit\nhatte ich, als ich in den letzten Jahren wiederholte Auffor-\ny\nderungen erhielt, an die Aufführung eines meiner Werke\nin Paris zu denken, nie die so genannte Grosse Oper ins"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5492, "texte": "Auge gefasst, sondern— für einen Versuch—vielmehr das\nbescheidene Theätre lyrique, und dies namentlich aus den\nbeiden Gründen, weil hier keine bestimmte Classe des Pu-\nblicums tonangebend ist, und Dank der Armuth seiner\nMittel! das eigentliche Ballet hier sich noch nicht zum\nMittelpunkte der ganzen Kunstleitung ausgebildet hat. Auf\neine Aufführung des „ „Tannhäuser\"8 hatte aber der Di-\nrector dieses Theaters, nachdem er wiederholt von selbst\ndarauf verfallen war, verzichten müssen, namentlich weil\ner keinen Tenor fand, welcher der schwierigen Haupt-\npartie gewachsen gewesen wäre.\n„Wirklich zeigte es sich nun sogleich bei meiner er-\nsten Unterredung mit dem Director der Grossen Oper, dass\nals nöthigste Bedingung für den Erfolg der Aufführung\ndes „ „Tannhäuser88 die Einführung eines Ballets, und\nzwar im zweiten Acte, festzusetzen wäre. Hinter die Be-\ndeutung dieser Forderung sollte ich erst kommen, als ich\nerklärte, unmöglich den Gang gerade dieses zweiten Actes\ndurch ein in jeder Hinsicht hier sinnloses Ballet stören zu\nkönnen, dagegen aber im ersten Acte, am üppigen Hofe\nder Venus, die allergeeignetste Veranlassung zu einer\nchoregraphischen Scene von ergiebigster Bedeutung er-\nsehen zu dürfen, hier, wo ich selbst bei meiner ersten Ab-\nfassung des Tanzes nicht entbehren zu können geglaubt\nhatte. Wirklich reizte mich sogar die Aufgabe, hier einer\nunverkennbaren Schwäche meiner früheren Partitur abzu-\nhelfen, und ich entwarf einen ausführlichen Plan, nach\nwelchem diese Scene im Venusberg zu einer grossen Be-\ndeutung erhoben werden sollte. Diesen Plan wies nun der\nDirector entschieden zurück und entdeckte mir offen, es\nhandle sich bei der Aufführung einer Oper nicht allein um\nein Ballet, sondern namentlich darum, dass dieses Ballet in\nder Mitte des Theater-Abends getanzt werde; denn erst\num diese Zeit träten diejenigen Abonnenten, denen das\nBallet fast ausschliesslich angehöre, in ihre Logen, da sie\nerst sehr spät zu diniren pflegten; ein im Anfange ausge-\nführtes Ballet könne diesen daher nicht genügen, weil sie\neben nie im ersten Acte zugegen wären. Diese und ähn-\nliche Erklärungen wurden mir späterhin auch vom Staats-\nMinister selbst wiederholt, und von der Erfüllung der darin\nausgesprochenen Bedingungen jede Möglichkeit eines guten\nErfolges so bestimmt abhängig dargestellt, dass ich bereits\nauf das ganze Unternehmen verzichten zu müssen glaubte.\n„Während ich so lebhafter als je wieder an meine\nRückkehr nach Deutschland dachte und mit Sorge nach\ndem Punkte ausspähte, der mir zur Aufführung meiner\nneuen Arbeiten als Anhalt geboten werden möchte, sollte\nich nun aber die günstigste Meinung von der Bedeutung\ndes kaiserlichen Befehles gewinnen, der mir das ganze In-\nstitut der Grossen Oper, so wie jedes von mir nöthig be-\nfundene Engagement im reichsten Maasse rückhaltlos und\nunbedingt zur Verfügung stellte. Jede von mir gewünschte\nAcquisition ward ohne irgend welche Rücksicht auf die\nKosten sofort ausgeführt; in Bezug auf Inscenesetzung\nwurde mit einer Sorgfalt verfahren, von der ich zuvor noch\nkeinen Begriff hatte. Unter so ganz mir ungewohnten Um-\nständen nahm mich bald immer mehr der Gedanke ein,\ndie Möglichkeit einer durchaus vollständigen, ja, idealen\nAufführung vor mir zu sehen. Das Bild einer solchen Auf-\nführung selbst, fast gleichviel, von welchem meiner Werke,\nist es, was mich seit Langem, seit meinem Zurückziehen\nvon unserem Operntheater, ernstlich beschäftigt; was mir\nnie und nirgends zu Gebote gestellt, sollte ganz unerwartet\nhier in Paris mir zur Verfügung stehen, und zwar zu einer\nZeit, wo keine Bemühung im Stande gewesen, mir auch\nnur eine entfernt ähnliche Vergünstigung auf deutschem\nBoden zu verschaffen. Gestehe ich es offen, dieser Gedanke\nerfüllte mich mit einer seit lange nicht gekannten Wärme,\nwelche vielleicht eine sich einmischende Bitterkeit nur zu\nsteigern vermochte. Nichts Anderes ersah ich bald mehr vor\nmir, als die Möglichkeit einer vollendet schönen Auffüh-\nrung, und in der andauernden, angelegentlichen Sorge,\ndiese Möglichkeit zu verwirklichen, Hess ich alles und jedes\nBedenken ohne Macht, auf mich zu wirken; gelange ich\nzu dem, was ich für möglich halten darf—so sagte ich\nmir, was kümmert mich dann der Jockey-Club und sein\nBallet!\n„Von nun an kannte ich nur noch die Sorge für die\nAufführung. Ein französischer Tenor, so erklärte mir der\nDirector, sei für die Partie des Tannhäuser nicht vorhan-\nden. Von dem glänzenden Talente des jugendlichen Sän-\ngers Niemann unterrichtet, bezeichnete ich ihn, den ich\nzwar selbst nie gehört hatte, für die Hauptrolle; da er\nnamentlich auch einer leichten französischen Aussprache\nmächtig war, wurde sein auf das sorgfältigste eingeleitetes\nEngagement mit grossen Opfern abgeschlossen. Mehrere\nandere Künstler, namentlich der Barifonist Morelli, ver-\ndankten ihr Engagement einzig meinem Wunsche, sie für\nmein Werk zu besitzen. Im Uebrigen zog ich einigen hier\nbereits beliebten ersten Sängern, weil mich ihre zu fertige\nManier störte, jugendliche Talente vor, weil ich sie leich-\nter für meinen Stil zu bilden hoffen durfte. Die bei uns\nganz unbekannte Sorgsamkeit, mit welcher hier die Ge-\nsangproben am Ciavier geleitet werden, überraschte mich,\nund unter der verständigsten und feinsinnigsten Leitung des\nChef du chant Vauthrot sah ich bald unsere Studien zu\neiner seltenen Reife gedeihen. Namentlich freute es mich,\nwie nach und nach die jüngeren französischen Talente zum\nVerständniss der Sache gelangten und Lust und Liebe zur\nAufgabe fassten."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5492, "texte": "„So halte auch ich selbst wieder eine neue Lust zu\ndiesem meinem älteren Werke gefasst; auf das sorgfäl-\ntigste arbeitete ich die Partitur von Neuem durch, ver-\nfasste die Scene der Venus, so wie die vorangehende Ballet-\nscene ganz neu, und suchte namentlich auch überall den\nGesang mit dem übersetzten Texte in genaueste Ueberein-\nstimmung zu bringen.\n„Hatte ich nun mein ganzes Augenmerk einzig auf\ndie Aufführung gerichtet und hierüber jede andere Rück-\nsicht ausser Acht gelassen, so begann auch endlich mein\nKummer nur mit dem Innewerden dessen, dass eben diese\nAufführung sich nicht auf der von mir erwarteten Höhe\nhalten würde. Es fällt mir schwer, Ihnen genau zu be-\nzeichnen, in welchen Punkten ich mich schliesslich ent-\ntäuscht sehen musste. Das Bedenklichste war jedenfalls, dass\nder Sänger der schwierigen Hauptrolle, je mehr\nwir uns der Aufführung näherten, in wachsende\nEntmuthigung verfiel. Die günstigsten Hoffnungen,\ndie ich im Laufe der Ciavierproben genährt, sanken immer\ntiefer, je mehr wir uns mit der Scene und dem Orchester\nberührten. Ich sah, dass wir wieder auf dem Niveau einer\ngewöhnlichen Opern-Aufführung ankamen, und dass alle\nForderungen, die weit darüber hinausführen sollten, un-\nerfüllt bleiben mussten. In diesem Sinne, den ich natürlich\nvon Anfang nicht zuliess, fehlte nun aber noch, was einer\nsolchen Opernleistung einzig noch zur Auszeichnung dienen\nkann: irgend ein bedeutendes, vom Publicum bereits lieb\ngewonnenes und lieb gehaltenes Talent, wogegen ich mit\nfast lauter Neulingen auftrat. Am meisten betrübte mich\nschliesslich, dass ich die Direction des Orchesters, durch\nwelche ich noch grossen Einfluss auf den Geist der Auf-\nführung hätte ausüben können, den Händen des ange-\nstellten Orchester-Chefs nichtzu entwinden ver-\nmochte; und dass ich so mit trübseliger Resignation (denn\nmeine gewünschte Zurückziehung der Partitur war nicht\nangenommen worden) in eine geist- und schwunglose Auf-\nführung meines Werkes willigen musste, macht noch jetzt\nmeinen wahren Kummer aus.\n„Welcher Art die Aufnahme meiner Oper von Seiten\ndes Publicums sein würde, blieb mir unter solchen Um-\nständen fast gleichgültig; die glänzendste hätte mich nicht\nbewegen können, einer längeren Reihe von Aufführungen\nselbst beizuwohnen, da ich gar zu wenig Befriedigung\ndaraus gewann. Ueber den Charakter dieser Aufnahme\nsind Sie bisher aber, wie es mir scheint, geflissentlich noch\nim Unklaren gehalten worden, und Sie würden sehr un-\nrecht thun, wenn Sie daraus über das pariser Publicum\nim Allgemeinen ein dem deutschen zwar schmeichelndes,\nin Wahrheit aber unrichtiges Urtheil Sich bilden wollten.\nIch fahre dagegen fort, dem pariser Publicum sehr ange-\nnehme Eigenschaften zuzusprechen, namentlich die einer\nsehr lebhaften Empfänglichkeit und eines wirklich gross-\nherzigen Gerechtigkeits-Gefühls. Ein Publicum, ich sage:\nein ganzes Publicum, dem ich persönlich durchaus fremd\nbin, das durch Journale und müssige Plauderer täglich die\nabgeschmacktesten Dinge über mich erfuhr und mit einer\nfast beispiellosen Sorgfalt gegen mich bearbeitet wurde,\nViertelstunden lang wiederholt mit den anstrengendsten\nBeifalls-Demonstrationen gegen eine Clique für mich sich\nschlagen zu sehen, müsste mich, und wäre ich der Gleich-\ngültigste, mit Wärme erfüllen. Ein Publicum, dem jeder\nRuhige sofort die äusserste Eingenommenheit gegen mein\nWerk ansah, war aber durch eine wunderliche Fürsorge\nderjenigen, welche am ersten Aufführungstage einzig die\nPlätze zu vergeben und mir die Unterbringung meiner we-\nnigen persönlichen Freunde fast ganz unmöglich gemacht\nhatten, an diesem Abende im Theater der Grossen Oper\nversammelt; rechnen Sie hierzu die ganze pariser Presse,\nwelche bei solchen Gelegenheiten officiel eingeladen wird,\nund deren feindseligste Tendenz gegen mich Sie einfach\naus ihren Berichten entnehmen können, so glauben Sie\nwohl, dass ich von einem grossen Siege vermeine sprechen\nzu dürfen, wenn ich Ihnen ganz wahrhaft zu berichten\nhabe, dass der keineswegs hinreissenden Aufführung mei-\nnes Werkes stärkerer und einstimmigerer Beifall geklatscht\nwurde, als ich persönlich es in Deutschland noch erlebt\nhabe. Die eigentlichen Tonangeber der anfänglich viel-\nleicht fast allgemeinen Opposition, mehrere, ja, wohl alle\nhiesigen Musik-Recensenten, welche bis dahin ihr Möglich-\nstes aufgeboten hatten, die Aufmerksamkeit des Publicums\nvom Anhören abzuziehen, geriethen gegen Ende des zwei-\nten Actes offenbar in Furcht, einem vollständigen und glän-\nzenden Erfolge des Tannhäuser beiwohnen zu müssen, und\ngriffen nun zu dem Mittel, nach Stichworten, welche sie\nin den General-Proben verabredet hatten, in gröbliches\nGelächter auszubrechen, wodurch sie bereits am Schlüsse\ndes zweiten Actes eine genügend störende Diversion zu\nStande brachten, um eine bedeutende Manifestation beim\nFallen des Vorhangs zu schwächen. Dieselben Herren hat-\nten in den General-Proben, an deren Besuch ich sie eben-\nfalls nicht zu hindern vermocht hatte, jedenfalls wahrge-\nnommen, dass der eigentliche Erfolg der Oper in der Aus-\nführung des dritten Actes gewahrt liege. Eine vortreffliche\nDecoration des Herrn Desplechin, das Thal vor der Wart-\nburg in herbstlicher Abendbeleuchtung darstellend, übte in\nden Proben bereits auf alle Anwesenden den Zauber aus,\ndurch welchen wachsend die für die folgenden Scenen nö-\nthige Stimmung unwiderstehlich sich bezeugte; von Seiten\nder Darsteller waren diese Scenen der Glanzpunkt der gan-\nzen Leistung; ganz unübertrefflich schön wurde der Pil-\n\np,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5496, "texte": "Gerchor gesungen und scenisch ausgeführt; das Gebet der\nElisabeth, von Fräulein Sax vollständig und mit ergreifen-\ndem Ausdruck wiedergegeben, die Phantasie an den Abend-\nstern, von Morelli mit vollendeter elegischer Zartheit vor-\ngetragen, leiteten den besten Theil der Leistung Niemann's,\ndie Erzählung der Pilgerfahrt, welche dem Künstler stets\ndie lebhafteste Anerkennung gewann, so glücklich ein, dass\nein ganz ausnahmsweise bedeutender Erfolg eben dieses\ndritten Actes gerade auch dem feindseligsten Gegner mei-\nnes Werkes gesichert erschien. Gerade an diesem Act nun\nvergriffen sich die bezeichneten Häupter, und suchten jedes\nAufkommen der nöthigen gesammelten Stimmung durch\nAusbrüche heftigen Lachens, wozu die geringfügigsten An-\nlässe kindische Vorwände bieten mussten, zu hindern. Von\ndiesen widerwärtigen Demonstrationen unbeirrt, liessen\nweder meine Sänger sich werfen, noch das Publicum sich\nabhalten, ihren tapferen Anstrengungen, denen oft reich-\nlicher Beifall lohnte, seine theilnehmende Aufmerksamkeit\nzu widmen; am Schlüsse aber wurde, beim stürmischen\nHervorruf der Darsteller, endlich die Opposition gänzlich\nzu Boden gehalten.\n„Dass ich nicht geirrt hatte, den Erfolg dieses Abends\nals einen vollständigen Sieg anzusehen, bewies mir die Hal-\ntung des Publicums am Abende der zweiten Aufführung;\ndenn hier entschied es-sich, mit welcher Opposition ich\nfortan es einzig nur noch zu thun haben sollte, nämlich\nmit dem hiesigen Jockey-Club, den ich so wohl nennen\ndarf, da mit dem Kufe: ä lapo das Publi-\ncum selbst laut und öffentlich meine Hauptgegner bezeich-\nnet hat. Die Mitglieder dieses Clubs, deren Berechtigung\ndazu, sich für die Herren der Grossen Oper anzusehen,\nich Ihnen nicht näher zu erörtern nöthig habe, und welche\ndurch die Abwesenheit des üblichen Ballets um die Stunde\nihres Eintrittes in das Theater, also gegen die Mitte der\nVorstellung, in ihrem Interesse sich tief verletzt fühlten,\nwaren mit Entsetzen inne geworden, dass der Tannhäuser\nbei der ersten Aufführung eben nicht gefallen war, son-\ndern in Wahrheit triumphirt hatte. Von nun an war es\nihre Sache, zu verhindern, dass diese balletlose Oper ihnen\nAbend für Abend vorgeführt würde, und zu diesem Zwecke\nhatte man sich auf dem Wege vom Diner zur Oper eine\nAnzahl Jagdpfeifen und ähnliche Instrumente gekauft, mit\nwelchen alsbald nach ihrem Eintritte auf die unbefangenste\nWeise gegen den Tannhäuser manövrirt wurde. Bis dahin,\nnämlich während des ersten und bis gegen die Mitte des\nzweiten Actes, hatte nicht eine Spur von Opposition sich\nmehr bemerklich gemacht, und der anhaltendste Applaus\nhatte ungestört die am schnellsten beliebt gewordenen Stel-\nlen meiner Oper begleitet. Von nun an half aber keine\nBeifalls-Demonstration mehr: vergebens demonstrirte selbst\nder Kaiser mit seiner Gemahlin zum zweiten Male zu Gun-\nsten meines Werkes; von denjenigen, die sich als Meister\ndes Saales betrachten und sämmtlich zur höchsten Aristo-\nkratie Frankreichs gehören, war die unwiderrufliche Ver-\nurteilung des Tannhäuser ausgesprochen. Bis an den\nSchluss begleiteten Pfeifen und Flageolets jeden Applaus\ndes Publicums.\n„Bei der gänzlichen Ohnmacht der Direction gegen\ndiesen mächtigen Club, bei der offenbaren Scheu selbst\ndes Staats-Ministers, mit den Gliedern dieses Clubs sich\nernstlich zu verfeinden, erkannte ich, dass ich den mir so\ntreu sich bewährenden Künstlern der Scene nicht zumuthen\ndürfe, sich länger und wiederholt den abscheulichen Auf\nregungen, denen man sie gewissenlos Preis gab (natürlich\nin der Absicht, sie gänzlich zum Abtreten zu zwingen), aus-\nzusetzen. Ich erklärte der Direction, meine Oper zurückzu-\nziehen, und willigte in eine dritte Aufführung nur unter\nder Bedingung, dass sie an einem Sonntage, also ausser\ndem Abonnement, somit unter Umständen, welche die Abon-\nnenten nicht reizen und dagegen dem eigentlichen Publi-\ncum den Saal vollständig einräumen sollten, Statt finde.\nMein Wunsch, diese Vorstellung auch auf der Affiche als\n„ „letzte\"* zu bezeichnen, ward nicht für zulässig gehalten,\nund mir blieb nur übrig, meinen Bekannten persönlich sie\nals solche anzukündigen. Diese Vorsichts-Maassregeln hat-\nten aber die Besorgniss des Jockey-Clubs nicht zu zerstö-\nren vermocht; vielmehr glaubte derselbe in dieser Sonn-\ntags-Aufführung eine kühne und für seine Interessen ge-\nfährliche Demonstration erkennen zu müssen, nach welcher,\ndie Oper einmal mit unbestrittenem Erfolge zur Aufnahme\ngebracht, das verhasste Werk ihnen leicht mit Gewalt auf-\ngedrungen werden dürfte. An die Aufrichtigkeit meiner\nVersicherung, gerade im Falle eines solchen Erfolges den\nTannhäuser desto gewisser zurückziehen zu wollen, halte\nman zu glauben nicht den Muth gehabt. Somit entsagten\ndie Herren ihren anderweitigen Vergnügungen für diesen\nAbend, kehrten abermals mit vollster Rüstung in die Oper\nzurück und erneuerten die Scenen des zweiten Abends.\nDiesmal stieg die Erbitterung des Publicums, welches durch-\naus verhindert werden sollte, der Aufführung zu folgen,\nauf einen, wie man mir versicherte, bis dahin unge-\nkannten Grad, und es gehörte wohl nur die, wie es scheint,\nunantastbare sociale Stellung der Herren Ruhestörer dazu,\nsie vor thätlicher übler Behandlung zu sichern. Sage ich\nes kurz, dass ich, wie ich erstaunt über die zügellose Hal-\ntung jener Herren, eben so ergriffen und gerührt von den\nheroischen Anstrengungen des eigentlichen Publicums, mir\nGerechtigkeit zu verschaffen, bin, und nichts weniger mir\nin den Sinn kommen kann, als an dem pariser Publicum,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4138, "texte": "sobald es sich auf einem ihm angehörigen neutralen Ter-\nrain befindet, im Mindesten zu zweifeln.\n„Meine nun officiel angekündigte Zurückziehung mei-\nner Partitur hat die Direction der Oper in wirkliche und\ngrosse Verlegenheit gesetzt. Sie bekennt laut und offen, in\ndem Falle meiner Oper einen der grössten Erfolge zu er-\nsehen, denn sie kann sich nicht entsinnen, jemals das Pu-\nblicum mit so grosser Lebhaftigkeit für ein angefochtenes\nWerk Partei ergreifen gesehen zu haben. Die reichlichsten\nGeld-Einnahmen erscheinen ihr mit dem Tannhäuser ge-\nsichert, für dessen Aufführungen bereits der Saal im Voraus\nwiederholt verkauft ist. Ihr wird von wachsender Erbitte-\nrung des Publicums berichtet, welches sein Interesse, ein\nneues, vielbesprochenes Werk ruhig hören und würdigen\nzu können, von einer der Zahl nach ungemein kleinen Par-\ntei verwehrt sieht. Ich erfahre, dass der Kaiser der Sache\ndurchaus geneigt bleiben soll, dass die Kaiserin sich gern\nzur Beschützerin meiner Oper aufwerfen und Garantieen\ngegen fernere Ruhestörungen verlangen wolle. In diesem\nAugenblicke circulirt unter den Musikern, Malern, Künst-\nlern Und Schriftstellern von Paris eine an den Staats-Mini-\nster gerichtete Protestation wegen der unwürdigen Vor-\nfälle im Opernhause, die, wie man mir sagt, zahlreich\nunterzeichnet wird. Unter solchen Umständen sollte mir\nleicht Muth dazu gemacht werden können, meine Oper\nwieder aufzunehmen. Eine wichtige künstlerische Rücksicht\nhält mich aber davon ab. Bisher ist es noch zu keinem\nruhigen und gesammelten Anhören meines Werkes gekom-\nmen; der eigentliche Charakter desselben, welcher in einer\nmeiner Absicht entsprechenden Nöthigung zu einer dem\ngewöhnlichen Opern-Publicum fremden, das Ganze erfas-\nsenden Stimmung liegt, ist den Zuhörern noch nicht auf-\ngegangen, wogegen diese bis jetzt sich nur an glänzende\nund leicht ansprechende äussere Momente, wie sie mir\neigentlich nur als Staffage dienen, halten, diese\nbemerken und, wie sie es gethan, mit lebhafter Sympathie\naufnehmen konnten. Könnte und sollte es nun zum ruhi-\ngen, andächtigen Anhören meiner Oper kommen, so fürchte\nich nach dem, was ich Ihnen zuvor über den Charakter\nder hiesigen Aufführung andeutete, die innere Schwä-\nche, Schwunglosigkeit dieser Aufführung, die\nallen denen, die das Werk genauer kennen, kein Geheim-\nniss geblieben ist, und für deren Hebung persönlich\nzu interveniren mir verwehrt worden ist, müsse\nallmählich offen an den Tag treten, so dass ich einem gründ-\nlichen, nicht bloss äusserlichen Erfolge meiner Oper für\ndiesmal nicht entgegen zu sehen glauben könnte. Möge\nsomit jetzt alles Ungenügende dieser Aufführung unter dem\nStaube jener drei Schlacht-Abende gnädig verdeckt blei-\nben, und möge Mancher, der meine auf ihn gesetz-\nten FI Öffnungen schmerzlich enttäuschte, für dies-\nmal mit dem Glauben sich retten, er sei für eine gute\nSache und um dieser Sache willen gefallen!\n„Somit möge für diesmal der pariser Tannhäuser aus-\ngepielt haben. Sollte der Wunsch ernster Freunde meiner\nKunst in Erfüllung gehen, sollte ein Project, mit welchem\nman sich so eben von sehr sachverständiger Seite her ernst-\nlich trägt, und welches auf nichts Geringeres als auf schleu-\nnigste Gründung eines neuen Operntheaters zur Verwirk-\nlichung der von mir auch hier angeregten Reformen aus-\ngeht, ausgeführt werden, so hören Sie vielleicht selbst von\nParis aus noch einmal auch vom Tannhäuser.\n„Was sich bis heute in Bezug auf mein Werk in Pa-\nris zugetragen, seien Sie versichert, hiermit der vollstän-\ndigsten Wahrheit gemäss erfahren zu haben; sei Ihnen\neinfach dafür Bürge, dass es mir unmöglich ist, mich mit\neinem Anscheine zu befriedigen, wenn mein innerster\nWunsch dabei unerfüllt geblieben, und dieser ist nur durch\ndas Bewusstsein zu stillen, einen wirklich verständnissvollen\nEindruck hervorgerufen zu haben.\n„Herzlichen Gruss von Ihrem\n„Richard Wagner.\"\nWir fügen dieser bescheidenen Selbstverteidigung\nvor dem Gerichte der öffentlichen Meinung weiter nichts\nhinzu, als die Verweisung auf den Anfang von Cicero's\nReden gegen Verres:— nemo\narlitrabatur, qui tarn multis testibus convictas\nänderet. Est idem, qui fuit Semper."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-04-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "133", "page_fin": "135", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.2.3", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.5", "debut_caractere": 4140, "fin_caractere_exclue": 5107, "texte": "Aus Aachen.\n\n[Matthäus-Passion von J. S. Bach Requiem für Männerchor\nvon Soubre.]\nSeit meinem letzten Schreiben habe ich Ihnen über\nzwei Concerte zu berichten, die wirkliche musicalische\nFestlichkeiten waren.\nZunächst und hauptsächlich verdient diesen Namen die\nAufführung der Passionsmusik nach dem Matthäus-\nEvangelium von J. S.Bach, welche am Dinstag vor Ostern\nin dem schönen Bernarts'schen Saale Statt fand, welcher\nsowohl durch die Masse der Mitwirkenden (220 im Dop-\npelchor, 50 im Knabenchor, 60 im Orchester) als durch\ndas zahlreiche Publicum, das schon Tags zuvor in grosser\nMenge zu der Hauptprobe geströmt war, einen imposan-\nten Anblick darbot. Ich brauche nicht im Einzelnen auf\ndas Verdienst der Phalanx unserer musicalischen Kräfte\nund ihres geschickten und sicheren Leiters, des Herrn\nWüllner, der Tags vorher den ehrenvollen Titel eines\nköniglichen Musik-Directors erhalten hatte, einzugehen;\ndas aber dürfte wohl, ohne Widerspruch zu erfahren, fest"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5347, "texte": "stehen, dass die diesjährige Aufführung der Passion das\nBeste von dem Guten war, was seit Wüllner's Wirksam-\nkeit in Aachen geleistet worden ist.\nErfreulich ist es, dass die Bach'sche Passion in allen\ngrösseren rheinischen Städten als musicalische Vorfeier des\no\nOsterfestes heimisch wird. Man wetteifert, sie aufzuführen,\nund streitet sich um den berühmten Vertreter der Partie\ndes Evangelisten, Herrn Karl Schneider, den Sie dieses\nMal in Köln nicht haben konnten, weil von oben her be-\nfohlen wurde, dass er erst „Prophet\" in Wiesbaden und\ndann „Evangelist\" am Niederrheine sein müsse, was aller-\ndings der historischen Ordnung entsprach. So kam es denn,\ndass nur aus drei Städten, nicht aus vieren, in der Char-\nwoche der Ruhm des trefflichen Sängers erschallen konnte.\nUnd nun Julius Stockhausen noch dazu! Solche Künst-\nler sind Ausnahme-Naturen, Gestirne, welche nur selten\nerscheinen, um dann durch Glanz und Wärme desto herr-\nlicher zu erquicken. Es ist unmöglich, mehr Ruhe, Würde\nund ergreifenden Ausdruck in die Worte des Erlösers zu\nlegen, als dieser grosse Sänger es thut. Fräulein Genast\n(Sopran) hat sich uns durch ihre Leistung in einem neuen,\ngünstigen Lichte gezeigt; sie erhielt wärmsten Beifall; wir\nwünschen ihr nur etwas mehr Gleichmässigkeit der Stimme\nund eine deutlichere Aussprache. Der ausserordentliche\nErfolg, den Frau Pothoff durch den Vortrag der Alt-\nPartie im vorigen Jahre errang, hatte die Erwartung des\nPublicums aufs höchste gespannt; aber das schöne Talent\nund die majestätische Würde des Vortrags, besonders der\nArien im zweiten Theile, rechtfertigten vollkommen die\nallgemeine Erwartung, und es brach gleich „Blitzen und\nDonnern\" ein Sturm von Beifall in der Zuhörerschaft aus,\nwie er sich an diesem Abende so enthusiastisch nicht wie-\nderholt hat. Schliesslich müssen wir allen, die zu dieser\nAufführung, deren Andenken so bald nicht schwinden wird,\nbeigetragen haben, den wärmsten Dank aussprechen.\nSeitdem unsere Concordia aus dem Wettstreit zu\nLüttich als Siegerin zurückgekehrt war, halte sie hier nicht\nöffentlich gesungen, wohl aber am 20. März eine schöne\nFeier in ihrem Kreise veranstaltet, die der Anerkennung\nder Verdienste ihres Dirigenten, des Herrn Ackens, galt,\nder während des zweiundzwanzigjährigen Bestehens dieses\nMännergesang-Vereins mit rastlosem Eifer an dessen Spitze\nthätig gewesen ist. Als bleibender Ausdruck dieser Aner-\nkennung wurde Herrn Ackens eine prachtvolle Pendule\nund eine Adresse überreicht.\nAm 7. April veranstaltete die Concordia eine feierliche\nAufführung im Theater, deren erster Theil dem Andenken\nan den dahingeschiedenen König Friedrich Wilhelm IV.\ngeweiht war. Er brachte den Trauermarsch aus Beetho-\nven's Eroiea, eine ergreifende Gedächtnissrede (von Herrn\nBranchart, Mitglied des Vereins) und ein von\nEtienne Soubre aus Lüttich, einem der bedeutendsten\nund zugleich der bescheidensten belgischen Componisten\nder gegenwärtigen Zeit.\nDieses Requiem ist vor drei Jahren im Auftrage der\nbelgischen Regierung zur Feier der September-Feste in\nBrüssel geschrieben für Männerstimmen (Doppelchor und\nSoli) und Orchester, „zum Andenken an die für Belgiens\nFreiheit im Jahre 1830 gefallenen Vaterlands-Vertheidi-\nger\". Das Werk war vortrefflich einstudirt, ging unter\nLeitung des Componisten ganz vorzüglich und machte einen\nsichtbaren Eindruck auf das Publicum, welches dem Ton-\ndichter die ehrenvollsten Beweise der Anerkennung gab.\nSoubre hat die Aufgabe, ein Requiem für den ge-\nnannten Zweck zu schreiben, auf eigenthümliche Weise\naufgefasst; er hat sich von der dogmatischen Abstraclion\nfern gehalten und das Drama des Todes für die Freiheit\nin seiner Wirklichkeit genommen, indem er über die Ge-\nfallenen zwar trauert, sie aber zugleich verherrlicht und\nihren Heldentod feiert. Gleich die ersten Tacte der Einlei-\ntung verkünden mit ihren drei Trompeten den Charakter\ndes Werkes, an den der Componist uns nach jeder Num-\nmer auf dieselbe Weise wieder erinnert. Von den einzel-\nnen Stücken der Partitur zeichnen wir besonders aus das\nKyrie, ein einfaches Gebet für acht Solostimmen und Dop-\npelchor; das Dies irae mit seinem glanzvollen Crescendo,\ndas uns zu dem gewaltigen T führt, welches,\nvon allen Stimmen zusammen intonirt und von dem ganzen\nOrchester und erschütternden Synkopen der Blech-Instru-\nmente getragen, einen überwältigenden Eindruck macht,\ngegen den das rührende Recordare und das Qui Mariam,\nmit sanften Klängen der Holz-Blas-Instrumente begleitet,\neinen schönen Gegensatz bilden. Das Oro supplex und La-\ncrymosa macht, vom Chorbass unisono gesungen, grosse\nWirkung, während sich das Huic ergo, vom Tenor sotto\nvoce vorgetragen, daran schliesst. Das Sanctus wird von\neinem hohen Sopran angestimmt, den die Violinen eben-\nfalls in den höchsten Chorden begleiten; der volle Chor\nmit vollem Orchester antwortet der Einzelstimme auf im-\nposante Weise, wie sich auch im Pie Jesu die Tenor-\nSolostimme mit dem Chor verbindet.\nDas sind hauptsächlich die Nummern, welche dem\nComponisten eine gerechte Ovation von Seiten des Publi-\ncums und der Mitwirkenden eingebracht haben. Das Werk\nist sehr zu empfehlen, und wenn Ihr ausgezeichneter\nFranz W7eber mit den ihm zu Gebote stehenden Kräften\ndie schöne und dankbare Composition in Köln aufführte\nund das Publicum zum Richter darüber machte, so\nmöchte ich ihm ein glänzendes Resultat im Voraus ver-\nbürgen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 825, "texte": "Der zweite Theil des Coneertes enthielt Lindpaint-\nner's Ouvertüre zum Faust; die zwei Gesänge, mit denen\ndie Concordia den Ehrenpreis in Lüttich gewonnen, deren\nVortrag mit enthusiastischem Beifall aufgenommen wurde;\nein Ave maris Stella,Terzett für Tenor, Bariton und Bass\nvon Herrn Ackens, ein recht melodisches und geschickt\ninstrumentirtes Stück; eine Scene: „Andreas Hofer\", von\nNeeb, in welcher Herr Bergstein, Gesanglehrer hier-\nselbst, einen grossen Erfolg errang, und zuletzt „Das Glück\nvon Edenhall\", ein nachgelassenes Werk für Solo, Män-\nnerchor und Orchester von Roh. Schumann, welches\nzwar sehr gut ausgeführt wurde, dessen vorzüglichster\nWerth aber in Instrumental-Effecten besteht, während mit\nAusnahme weniger Stellen der melodische Quell sich als\ngänzlich versiegt erweis't.\nAachen, den 15. April 1861.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-04-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-04-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-04-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.7", "debut_caractere": 827, "fin_caractere_exclue": 6968, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nüöln, 17. April. Herr K. J. Brambach, der neuerwählte\nstädtische Musik-Director in Bonn (wo er geboren), ist ein Zögling\ndes hiesigen Conservatoriums, welches er durch mehrere Jahre be-\nsuchte. Bei seinem Austritt aus demselben wurde ihm die Auszeich-\nnung zu Theil, das Stipendium der Mozart-Stiftung in Frankfurt zu\ngewinnen. Er setzte nun seine Studien als Componist unter Leitung\ndes Herrn Capellmeisters Hiller fort, und mehrere seiner bei Breit-\nkopf u. Härtel veröffentlichten Arbeiten (namentlich ein kürzlich er-\nschienenes grosses Settett für Piano und Streich-Instrumente) zeugen\neben so sehr von seinem Talente und seinem edlen Streben, wie von\nder trefflichen bereits errungenen Ausbildung desselben. Als tüchti-\nger Ciavierspieler und ausgezeichneter Lehrer hat er sich sowohl\nin der hiesigen Dilettantenwelt, wie am Conservatorium bewährt.\nOhne Zweifel wird sein Einfluss auf die musicalischen Verhältnisse\nseiner Vaterstadt ein fruchtbringender sein. Ein jüngerer Schüler\ndes hiesigen Conservatoriums, Aug. Grüters aus Uerdingen, der\nsich letzten Herbst bei seinem Austritt aus der Schule nach Frank-\nreich wandte, hat dort, fremd und ohne alle Protection, trotz einer\ngrossen Concurrenz französischer Tonkünstler, durch seine tüchtigen\nLeistungen die Stelle des städtischen Musik-Directors in Troyes be-\nkommen, was übrigens der Liberalität der Franzosen gegen Auslän-\nder nicht weniger Ehre macht, als dem jugendlichen Musiker und\nder Schule, aus der er hervorgegangen.\nDüsseldorf, 20. April. Die gestrige Aufführung der Oper\n„Lucrezia Borgia\" auf dem hiesigen Theater war durch das Debüt\ndes Fräuleins Philippine aus Köln, welche darin als\nOrsino auftrat, besonders interessant. Die junge Künstlerin errang\nnicht nur durch ihren Gesang, sondern auch durch ihr Spiel, wel-\nches ein unverkennbares Talent für die Bühne offenbarte, und in\nBetracht des ersten Auftretens allgemeine Verwunderung erregte,\neinen entschiedenen Erfolg. Gleich die erste Strophe der Erzählung\ndes Traumes wurde mit lebhaftem Applaus aufgenommen, der sich\nnach der Fermate der zweiten noch steigerte, und nach dem ersten\nActe wurde die Debütantin gerufen. Im dritten Acte zollte das Pu-\nblicum dem Vortrage des Trinkliedes noch lauteren Beifall, und nach\ndem Schlüsse der Oper wurde sie wiederum gerufen. Fräulein Pa-\npiee hat ihre musicalisch-dramatische Ausbildung in Köln Ar. fungs\ndurch Herrn E. Koch und in den letzten Jahren durch Herrn Prof.\nBisehoff erhalten, (K. Z.)\nDer düsseldorfer Männer-Gesangverein „Concordia« beabsichtigt,\nam 29. und 30. Juni in hiesiger Stadt ein Musikfest, wie das\nim Jahre 1852 gefeierte, zu veranstalten. Zur Theilnahme an die-\nsem Feste sollen die namhaftesten Vereine Rheinlands und Westfa-\nlens eingeladen werden.\nEisseift. Die Soireen für Kammermusik, welche die\nHerren Gebrüder Helfer und Fräulein Schramm (früher Schü-\nlerin der kölner Musikschule) veranstalteten, fanden durch die Lei-\nstungen und durch die Programme eben so viel Theilnahme wie\nBeifall. Die Clavier-Partie wurde abwechselnd von Fräul. Schramm\nund Herrn E. Helfer ausgeführt. In der zweiten Soiree hörten wir\neinige Gesangstücke, welche Fräulein Jenny Niethen aus Köln\nsehr rein und mit schönem Ausdruck vortrug; unser sonst ziemlich\nkaltes Publicum wurde durch diese Gesang-Vorträge ganz begei-\nstert, so dass Fräulein Niethen auf wiederholten Applaus noch ein\nschwedisches Volklied zugab. Möge Fräulein Niethen in der freund-\nlichen Aufnahme einen Sporn zu weiterem Streben finden. Die\ndritte Soiree erhielt ein besonderes Interesse durch die Mitwirkung\ndes Herrn Max Bruch aus Köln, welcher sich einige Zeit hier bei\nVerwandten aufhält. Das Programm enthielt: Phantasie für zwei\nFlügel von M. Bruch, vorgetragen vom Componisten und von Frl.\nSchramm. Die Composition, welche sich durch tief durchdachte Ar-\nbeit auszeichnet, wurde sehr gut executirt und mit Beifall aufge-\nnommen. Dann folgte ein Solo für Violoncell, welches Herr E. He'-\nfer mit bekannter Bravour und innigem Gefühl vortrug, und hierauf\ndie Perle des Abends, eine Sonate in D-dur für zwei Flügel von\nMozart, ebenfalls von Herrn Bruch und Fräul. Schramm meisterhaft\nvorgetragen. Den Schluss bildete das reizende Trio von Mendelssohn\nin D-moll; die Herren Bruch und Gebrüder Helfer wetteiferten in\nMeisterschaft des Vortrags. Jetzt steht noch ein Concert des Ge-\nsang-Vereins in Aussicht, worin unter Anderem „Die Birken und die\nErlen* von Max Bruch unter Leitung des Componisten aufgeführt\nwerden sollen.\nXjeipzfg« Der Fonds zur Unterstützung der Hinterlassenen\nunseres Altmeisters des deutschen Männergesanges Karl Zöllner\nergibt bereits ein recht günstiges Resultat; noch manche grosse\nStädte unseres deutschen Vaterlandes fehlen zwar mit ihren Gaben,\nwerden jedoch sicher nicht zurückbleiben und den Beispielen der\nStädte Dresden, Magdeburg, Chemnitz, Wien, Danzig, Strassburg,\nLiverpool, Ancona, Riga, Bucharest, Hannover, Reval\nu. s. w. folgen und somit die Existenz der Familie sichern helfen.\nIm Laufe von ein paar Wochen gingen wiederum bedeutende Be-\nträge ein, als: .100 Thlr., Concert des Orpheus in Boston; 100\nThlr., Concert des deutschen Männergesang-Vereins in Cincin-\nnati, Ohio; 25 Thlr., Sammlung unter Deutschen in der Labati-\nPrairie, Texas; 35 Thlr., Sammlung des deutschen Gesang-Ver-\neins in Porto Alegro, Brasilien; 122 Thlr., das Comite für Zöll-\nners Hinterlassene in Lübeck; 50u Thlr., Concert der Liedertafel in\nPetersburg, welche gleichzeitig ein Gedicht von Ernst Krabe\nbeifügte.\nNS. Unter Mittheilung obiger Nachricht des Vereins für K.\nZöllner's Hinterlassene in Leipzig, der die ehrenwerthesten Namen\nunter seinen Mitgliedern aufweis't (z. B Hauptmann, Moscheies, Da-\nvid, Härtel, Benedix, Weigel, Voigt u. s. w.), erinnern wir an den\nAufruf desselben, der in Nr. 44 des Jahrgangs 1860 vom 27. Octo-\nber abgedruckt ist. Mit Bedauern vermissen wir unter der obigen\nAufzählung von Städten, aus denen Beiträge geflossen, die rhein-\npreussischen Städte Köln, Aachen, Elberfeld, Barmen,\nDüsseldorf, Bonn u. s. w., in denen allen der Männergesang\ndoch so sehr gepflegt wird! Möchten recht bald auch von unserer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4381, "texte": "Provinz aus reichliche Spenden zur Erreichung des schönen Zweckes\nbeitragen, die Notli der Hinterbliebenen eines deutschen\nTondichters zu lindern!\nDie Beiträge sind an Herrn Karl Voigt (Firma Berger &\nVoigt) in Leipzig einzusenden.— In Köln wird sie die Expe-\ndition der Niederrhein. M u sik -Zeit u n g, M. DuMont-\nSchauberg'sehe Buchhandlung, gern in Empfang nehmen.\nAlfred Ja eil. Die pariser Blätter sind voll von überströmender\nBegeisterung für die eminente Virtuosität, die A. Jaell in seinem\nConcerte am 12. April von Neuem bekundet hat. „Was wir gehört\nhabeu,\" so schreibt man uns „gränzt in der That an das\nWunderbare. Seit Rubinstein hat das Pianoforte nicht eine solche\nMeisterhand gefühlt. Der Tannhäuser-Marsch, von Liszt eingerich-\ntet, klang wie ein Orchesterstück, von Wagner selbst dirigirt; dem\ntausendstimmigen Rufe nach Wiederholung gab A. Jaell nach, spielte\naber statt deren sein Arrangement des Pilgerchors. Bei dem Schlüsse\ndesselben mit der famosen Violin-Passage stand das ganze Audito-\nrium auf, um sich sichtbar zu überzeugen, dass ein einziger Mann\ndiese gewaltige Wirkung auf einem einzigen Instrumente hervor-\nbringe. Und neben dieser ungeheuren Kraft welche Feinheit der\nAusführung, welche elegische Anmuth, welche Nuancen der Klang-\nfarbe! Auch der Walzer von Chopin wurde da capo verlangt; über-\nhaupt war der Erfolg bei der glänzenden Zuhörerschaft, zu welcher\nauch die Blüthe der hiesigen Musiker zählte, ein ausnehmend gross-\nartiger. Das Concert begann Jaell mit Mendelssohn's Trio in C-moll\nim Verein mit den ausgezeichneten Künstlern Dupuis und Jacquart;\nein Lied ohne Worte von Mendelssohn, eine Gavotte von Bach, und\nvon eigener Composition eine Ballade, Le Carülon, und Le Galop\nfantastique zeigten den Meister im Vortrage der verschiedensten\nGattungen.44\nPai*i§* Herr Nie mann hat seinen Contract mit der Direction\nder grossen Oper, der bis zum 1. Juni lautete, aufgelöst und Paris\nverlassen. (Er ist bereits in voriger Woche in Hannover wieder an-\ngekommen.) Hector Berlioz's Actien sind durch die Tannhäu-\nser-Faillite gestiegen; man hat seine Damnation de Faust im Con-\nserv at oire -C o nee rt e (Wunder über Wunder!) aufgeführt, und\nmit grossem Erfolg; selbst das Orchester hat ihm nach dem Doppel-\nchor d'jr Studenten und Soldaten eine Ovation gebracht.\nPetersburg»« In der Concert-Saison hiesiger Residenz neh-\nmen die jährlichen Concerte der Herren Wieniawski und Rubin -\nstein eine besondere Stelle künstlerischer Bedeutung ein. Das Con-\ncert von Henri Wieniawski hat am Freitag den 16. März Statt ge-\nfunden. Der wahre Beifallssturm, mit dem Henri Wieniawski bei sei-\nnem Erscheinen begrüsst wurde, liess bei dem Vortrage seines neuen\ngrossen Concertes für die Violine nicht nach und krönte das Bondo\nfinale wie das Allegro con fuoco und die Preghiera Larghetto die-\nser eleganten und an künstlerisch klar durchgearbeiteten Motiven\nreichen Composition. An diesem Abende hörten wir auch eine neue\nSängerin, Fräul. Bertha Wals eck aus Berlin (Köln), die in der\ngrossen Arie aus dem Freischütz debutirte, und zwar mit einem Er-\nfolg, wie er einer hier unbekannten Sängerin wohl selten zu Theil\nwird. Wir mussten vor Allem die musicalische Durchbildung dieser\nSängerin schätzen; die Intonation ward mit Sicherheit und Reinheit\nausgeführt und der Vortrag mit allen Nuancen musicalischen Ver-\nständnisses geschmückt. Hoffentlich wird Fräulein Walseck nicht\nbloss als flüchtiger Singvogel für die Concert-Saison erschienen sein,\nsondern im Käfig der Kunst hier länger gefangen gehalten\nwerden. Im Saale Bernadaky war am 17. ein gewähltes Concert-\nPublicum versammelt, das mit lautem Beifall den schon hier be-\nkannten jungen Cellisten Herrn Arved Poorten aus Riga empfing.\nDas schöne Talent dieses jungen Künstlers macht immer bedeuten-\ndere Fortschritte, und hatten wir schon früher Gelegenheit, die\ngrosse Technik seines Spiels zu bewundern, so tritt jetzt immer mehr\ndas geistige Beleben, wie es namentlich in dem Romberg'schen An-\ndante und der Barcarole von Karl Schubert sich bewährte, in der\nkünstlerischen Reproduction hervor. In den musicalischen Strauss,\nden dieser Concertabend dem dankbaren Publicum entgegentrug, ver-\nwebten sich einige duftige Liederblumen von Schumann, Rubinstein,\nMendelssohn, bei deren Vortrag Fräulein Bertha Walseck auch\nihre Begabung für lyrische Composition unter vielem Applaus an\nden Tag legte."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nRichard Wagner über die Aufführung seines Tannhäuser in Paris. Aus Aachen (Matthäus-Passion von J. S.Bach\nRequiem für Männerchor von Souhre). Von N. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Üirector K. J. Brambach\nDüsseldorf, Fräul. Philippine Männer-Gesangverein Essen, Soiree für Kammermusik Leipzig, Unterstützung von K. Zöllner's\nHinterbliebenen Alfred Jaell Paris, Herr Niemann, Hector Berlioz Petersburg, Concert-Saison).\n\nRichard Wagner über die Aufführung seines\nTannhäuser in Paris.\nWir haben zwar in Nr. 15 erklärt, die Acten über\nden Tannhäuser in Paris für unsere Zeitschrift als ge-\nschlossen zu betrachten; allein die Darstellung der be-\nkannten Ereignisse durch Wagner selbst, die seitdem\nerschienen, gebietet uns, von derselben Kenntniss zu neh-\nmen und zu ihren Gunsten von unserem Vorhaben zurück-\nzukommen. Nicht nur der Grundsatz der Gerechtigkeit\n(nicht der Unparteilichkeit, denn gegen Wagner's Sy-\nstem nehmen wir für die Tonkunst, wie wir sie verste-\nhen, entschieden Partei!), welcher das Audiatur et altera\npars verlangt, verpflichtet uns dazu, sondern auch die\nUeberzeugung, dass der „Brief Wagner's\", den die\nleipziger „Deutsche Allgemeine Zeitung\" in ihrer Nr. 80\nvom 7. April veröffentlicht, einen merkwürdigen Beitrag\nzu Wagner's Charakteristik gibt, und eine Vervollständi-\ngung dieser aus so authentischer Quelle darf in unserer\nZeitschrift, welche seit dem Auftreten des berühmten Re-\nformators seine Tendenzen immer im Auge gehabt hat,\nnicht fehlen.\nDurch den Eingang des Briefes erfahren wir, dass die\nErfüll ung von Wagner's Bitte um Bewilligung eines blei-\nbenden Aufenthaltes im Grossherzoglhum Baden—„un-\nmöglich\" war, und dass er im Jahre 1859 noch mit der\nHoffnung auf eine Aufführung seines Tristan in Karls-\nruhe, welche aul den 3. December jenes Jahres angesetzt\nwar, nach Paris übersiedelte. Die Meldung, dass „diese\nAufführung sich dort als unmöglich herausgestellt hätte\",\nliess den Plan in ihm auftauchen, in Paris im italiänischen\nOpernsaale durch Deutsche „eine Muster-Aufführung\" des\nTristan zu Stande zu bringen. Desshalb, als vorbereitend,\ndie Unternehmung der drei Concerte. „Der in Bezug auf\nBeifall und Theilnahme höchst günstige Erfolg\" konnte\nseinen Zweck nicht fördern, da die Concerte die Schwie-\nrigkeiten und Hindernisse der Haupt-Unternehmung erst\nrecht ins Licht stellten.\nAlles folgende ist zu charakteristisch und muss dess-\nhalb wörtlich mitgetheilt werden, wobei wir uns jeder\nRandbemerkung, selbst der bescheidenen Fragezeichen,\nenthalten, die wir dem Leser überlassen.\n„Während ich nun\"—schreibt Wagner „nach je-\nder Seite hin gehemmt, nochmals schwer sorgend meinen\nBlick nach Deutschland wandte, erfuhr ich zu meiner vol-\nlen Ueberraschung, dass meine Lage am Hofe der Tuile-\nrieen zum Gegenstande eifriger Besprechung und Befür-\nwortung geworden war. Der bis dahin mir fast ganz\nunbekannt gebliebenen ausserordentlich freundlichen Theil-\nnahme mehrerer Glieder der hiesigen deutschen Gesandt-\nschaften hatte ich diese mir so günstige Bewegung zu ver-\ndanken. Diese führte so weit, dass der Kaiser, als auch\neine von ihm besonders geehrte deutsche Fürstin ihm die\nempfehlendste Auskunft über meinen am meisten genann-\nten „ „Tannhäuser\"\" gab, sofort den Befehl zur Auffüh-\nrung dieser Oper in der Academie imperiale de Musique\nerliess.\n„Läugne ich nun nicht, dass ich, wenn auch zunächst\nhocherfreut von diesem ganz unerwarteten Zeugnisse für\nden Erfolg meiner Werke in gesellschaftlichen Kreisen,\ndenen ich persönlich so fern gestanden hatte, dennoch bald\nmit grosser Beklemmung an eine Aufführung des „ „Tann-\nhäuser\" \" gerade eben in jenem Theater nur denken\nkonnte. Wem war es denn klarer, als mir, dass dieses\ngrosse Operntheater längst jeder ernstlichen künstlerischen\nTendenz sich entfremdet hat, dass in ihm ganz andere For-\nderungen als die der dramatischen Musik sich zur Geltung\ngebracht haben, und dass die Oper selbst dort nur noch\nzum Vorwande für das Ballet geworden ist? In Wahrheit\nhatte ich, als ich in den letzten Jahren wiederholte Auffor-\ny\nderungen erhielt, an die Aufführung eines meiner Werke\nin Paris zu denken, nie die so genannte Grosse Oper ins"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.2", "texte": "Auge gefasst, sondern— für einen Versuch—vielmehr das\nbescheidene Theätre lyrique, und dies namentlich aus den\nbeiden Gründen, weil hier keine bestimmte Classe des Pu-\nblicums tonangebend ist, und Dank der Armuth seiner\nMittel! das eigentliche Ballet hier sich noch nicht zum\nMittelpunkte der ganzen Kunstleitung ausgebildet hat. Auf\neine Aufführung des „ „Tannhäuser\"8 hatte aber der Di-\nrector dieses Theaters, nachdem er wiederholt von selbst\ndarauf verfallen war, verzichten müssen, namentlich weil\ner keinen Tenor fand, welcher der schwierigen Haupt-\npartie gewachsen gewesen wäre.\n„Wirklich zeigte es sich nun sogleich bei meiner er-\nsten Unterredung mit dem Director der Grossen Oper, dass\nals nöthigste Bedingung für den Erfolg der Aufführung\ndes „ „Tannhäuser88 die Einführung eines Ballets, und\nzwar im zweiten Acte, festzusetzen wäre. Hinter die Be-\ndeutung dieser Forderung sollte ich erst kommen, als ich\nerklärte, unmöglich den Gang gerade dieses zweiten Actes\ndurch ein in jeder Hinsicht hier sinnloses Ballet stören zu\nkönnen, dagegen aber im ersten Acte, am üppigen Hofe\nder Venus, die allergeeignetste Veranlassung zu einer\nchoregraphischen Scene von ergiebigster Bedeutung er-\nsehen zu dürfen, hier, wo ich selbst bei meiner ersten Ab-\nfassung des Tanzes nicht entbehren zu können geglaubt\nhatte. Wirklich reizte mich sogar die Aufgabe, hier einer\nunverkennbaren Schwäche meiner früheren Partitur abzu-\nhelfen, und ich entwarf einen ausführlichen Plan, nach\nwelchem diese Scene im Venusberg zu einer grossen Be-\ndeutung erhoben werden sollte. Diesen Plan wies nun der\nDirector entschieden zurück und entdeckte mir offen, es\nhandle sich bei der Aufführung einer Oper nicht allein um\nein Ballet, sondern namentlich darum, dass dieses Ballet in\nder Mitte des Theater-Abends getanzt werde; denn erst\num diese Zeit träten diejenigen Abonnenten, denen das\nBallet fast ausschliesslich angehöre, in ihre Logen, da sie\nerst sehr spät zu diniren pflegten; ein im Anfange ausge-\nführtes Ballet könne diesen daher nicht genügen, weil sie\neben nie im ersten Acte zugegen wären. Diese und ähn-\nliche Erklärungen wurden mir späterhin auch vom Staats-\nMinister selbst wiederholt, und von der Erfüllung der darin\nausgesprochenen Bedingungen jede Möglichkeit eines guten\nErfolges so bestimmt abhängig dargestellt, dass ich bereits\nauf das ganze Unternehmen verzichten zu müssen glaubte.\n„Während ich so lebhafter als je wieder an meine\nRückkehr nach Deutschland dachte und mit Sorge nach\ndem Punkte ausspähte, der mir zur Aufführung meiner\nneuen Arbeiten als Anhalt geboten werden möchte, sollte\nich nun aber die günstigste Meinung von der Bedeutung\ndes kaiserlichen Befehles gewinnen, der mir das ganze In-\nstitut der Grossen Oper, so wie jedes von mir nöthig be-\nfundene Engagement im reichsten Maasse rückhaltlos und\nunbedingt zur Verfügung stellte. Jede von mir gewünschte\nAcquisition ward ohne irgend welche Rücksicht auf die\nKosten sofort ausgeführt; in Bezug auf Inscenesetzung\nwurde mit einer Sorgfalt verfahren, von der ich zuvor noch\nkeinen Begriff hatte. Unter so ganz mir ungewohnten Um-\nständen nahm mich bald immer mehr der Gedanke ein,\ndie Möglichkeit einer durchaus vollständigen, ja, idealen\nAufführung vor mir zu sehen. Das Bild einer solchen Auf-\nführung selbst, fast gleichviel, von welchem meiner Werke,\nist es, was mich seit Langem, seit meinem Zurückziehen\nvon unserem Operntheater, ernstlich beschäftigt; was mir\nnie und nirgends zu Gebote gestellt, sollte ganz unerwartet\nhier in Paris mir zur Verfügung stehen, und zwar zu einer\nZeit, wo keine Bemühung im Stande gewesen, mir auch\nnur eine entfernt ähnliche Vergünstigung auf deutschem\nBoden zu verschaffen. Gestehe ich es offen, dieser Gedanke\nerfüllte mich mit einer seit lange nicht gekannten Wärme,\nwelche vielleicht eine sich einmischende Bitterkeit nur zu\nsteigern vermochte. Nichts Anderes ersah ich bald mehr vor\nmir, als die Möglichkeit einer vollendet schönen Auffüh-\nrung, und in der andauernden, angelegentlichen Sorge,\ndiese Möglichkeit zu verwirklichen, Hess ich alles und jedes\nBedenken ohne Macht, auf mich zu wirken; gelange ich\nzu dem, was ich für möglich halten darf—so sagte ich\nmir, was kümmert mich dann der Jockey-Club und sein\nBallet!\n„Von nun an kannte ich nur noch die Sorge für die\nAufführung. Ein französischer Tenor, so erklärte mir der\nDirector, sei für die Partie des Tannhäuser nicht vorhan-\nden. Von dem glänzenden Talente des jugendlichen Sän-\ngers Niemann unterrichtet, bezeichnete ich ihn, den ich\nzwar selbst nie gehört hatte, für die Hauptrolle; da er\nnamentlich auch einer leichten französischen Aussprache\nmächtig war, wurde sein auf das sorgfältigste eingeleitetes\nEngagement mit grossen Opfern abgeschlossen. Mehrere\nandere Künstler, namentlich der Barifonist Morelli, ver-\ndankten ihr Engagement einzig meinem Wunsche, sie für\nmein Werk zu besitzen. Im Uebrigen zog ich einigen hier\nbereits beliebten ersten Sängern, weil mich ihre zu fertige\nManier störte, jugendliche Talente vor, weil ich sie leich-\nter für meinen Stil zu bilden hoffen durfte. Die bei uns\nganz unbekannte Sorgsamkeit, mit welcher hier die Ge-\nsangproben am Ciavier geleitet werden, überraschte mich,\nund unter der verständigsten und feinsinnigsten Leitung des\nChef du chant Vauthrot sah ich bald unsere Studien zu\neiner seltenen Reife gedeihen. Namentlich freute es mich,\nwie nach und nach die jüngeren französischen Talente zum\nVerständniss der Sache gelangten und Lust und Liebe zur\nAufgabe fassten."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.3", "texte": "„So halte auch ich selbst wieder eine neue Lust zu\ndiesem meinem älteren Werke gefasst; auf das sorgfäl-\ntigste arbeitete ich die Partitur von Neuem durch, ver-\nfasste die Scene der Venus, so wie die vorangehende Ballet-\nscene ganz neu, und suchte namentlich auch überall den\nGesang mit dem übersetzten Texte in genaueste Ueberein-\nstimmung zu bringen.\n„Hatte ich nun mein ganzes Augenmerk einzig auf\ndie Aufführung gerichtet und hierüber jede andere Rück-\nsicht ausser Acht gelassen, so begann auch endlich mein\nKummer nur mit dem Innewerden dessen, dass eben diese\nAufführung sich nicht auf der von mir erwarteten Höhe\nhalten würde. Es fällt mir schwer, Ihnen genau zu be-\nzeichnen, in welchen Punkten ich mich schliesslich ent-\ntäuscht sehen musste. Das Bedenklichste war jedenfalls, dass\nder Sänger der schwierigen Hauptrolle, je mehr\nwir uns der Aufführung näherten, in wachsende\nEntmuthigung verfiel. Die günstigsten Hoffnungen,\ndie ich im Laufe der Ciavierproben genährt, sanken immer\ntiefer, je mehr wir uns mit der Scene und dem Orchester\nberührten. Ich sah, dass wir wieder auf dem Niveau einer\ngewöhnlichen Opern-Aufführung ankamen, und dass alle\nForderungen, die weit darüber hinausführen sollten, un-\nerfüllt bleiben mussten. In diesem Sinne, den ich natürlich\nvon Anfang nicht zuliess, fehlte nun aber noch, was einer\nsolchen Opernleistung einzig noch zur Auszeichnung dienen\nkann: irgend ein bedeutendes, vom Publicum bereits lieb\ngewonnenes und lieb gehaltenes Talent, wogegen ich mit\nfast lauter Neulingen auftrat. Am meisten betrübte mich\nschliesslich, dass ich die Direction des Orchesters, durch\nwelche ich noch grossen Einfluss auf den Geist der Auf-\nführung hätte ausüben können, den Händen des ange-\nstellten Orchester-Chefs nichtzu entwinden ver-\nmochte; und dass ich so mit trübseliger Resignation (denn\nmeine gewünschte Zurückziehung der Partitur war nicht\nangenommen worden) in eine geist- und schwunglose Auf-\nführung meines Werkes willigen musste, macht noch jetzt\nmeinen wahren Kummer aus.\n„Welcher Art die Aufnahme meiner Oper von Seiten\ndes Publicums sein würde, blieb mir unter solchen Um-\nständen fast gleichgültig; die glänzendste hätte mich nicht\nbewegen können, einer längeren Reihe von Aufführungen\nselbst beizuwohnen, da ich gar zu wenig Befriedigung\ndaraus gewann. Ueber den Charakter dieser Aufnahme\nsind Sie bisher aber, wie es mir scheint, geflissentlich noch\nim Unklaren gehalten worden, und Sie würden sehr un-\nrecht thun, wenn Sie daraus über das pariser Publicum\nim Allgemeinen ein dem deutschen zwar schmeichelndes,\nin Wahrheit aber unrichtiges Urtheil Sich bilden wollten.\nIch fahre dagegen fort, dem pariser Publicum sehr ange-\nnehme Eigenschaften zuzusprechen, namentlich die einer\nsehr lebhaften Empfänglichkeit und eines wirklich gross-\nherzigen Gerechtigkeits-Gefühls. Ein Publicum, ich sage:\nein ganzes Publicum, dem ich persönlich durchaus fremd\nbin, das durch Journale und müssige Plauderer täglich die\nabgeschmacktesten Dinge über mich erfuhr und mit einer\nfast beispiellosen Sorgfalt gegen mich bearbeitet wurde,\nViertelstunden lang wiederholt mit den anstrengendsten\nBeifalls-Demonstrationen gegen eine Clique für mich sich\nschlagen zu sehen, müsste mich, und wäre ich der Gleich-\ngültigste, mit Wärme erfüllen. Ein Publicum, dem jeder\nRuhige sofort die äusserste Eingenommenheit gegen mein\nWerk ansah, war aber durch eine wunderliche Fürsorge\nderjenigen, welche am ersten Aufführungstage einzig die\nPlätze zu vergeben und mir die Unterbringung meiner we-\nnigen persönlichen Freunde fast ganz unmöglich gemacht\nhatten, an diesem Abende im Theater der Grossen Oper\nversammelt; rechnen Sie hierzu die ganze pariser Presse,\nwelche bei solchen Gelegenheiten officiel eingeladen wird,\nund deren feindseligste Tendenz gegen mich Sie einfach\naus ihren Berichten entnehmen können, so glauben Sie\nwohl, dass ich von einem grossen Siege vermeine sprechen\nzu dürfen, wenn ich Ihnen ganz wahrhaft zu berichten\nhabe, dass der keineswegs hinreissenden Aufführung mei-\nnes Werkes stärkerer und einstimmigerer Beifall geklatscht\nwurde, als ich persönlich es in Deutschland noch erlebt\nhabe. Die eigentlichen Tonangeber der anfänglich viel-\nleicht fast allgemeinen Opposition, mehrere, ja, wohl alle\nhiesigen Musik-Recensenten, welche bis dahin ihr Möglich-\nstes aufgeboten hatten, die Aufmerksamkeit des Publicums\nvom Anhören abzuziehen, geriethen gegen Ende des zwei-\nten Actes offenbar in Furcht, einem vollständigen und glän-\nzenden Erfolge des Tannhäuser beiwohnen zu müssen, und\ngriffen nun zu dem Mittel, nach Stichworten, welche sie\nin den General-Proben verabredet hatten, in gröbliches\nGelächter auszubrechen, wodurch sie bereits am Schlüsse\ndes zweiten Actes eine genügend störende Diversion zu\nStande brachten, um eine bedeutende Manifestation beim\nFallen des Vorhangs zu schwächen. Dieselben Herren hat-\nten in den General-Proben, an deren Besuch ich sie eben-\nfalls nicht zu hindern vermocht hatte, jedenfalls wahrge-\nnommen, dass der eigentliche Erfolg der Oper in der Aus-\nführung des dritten Actes gewahrt liege. Eine vortreffliche\nDecoration des Herrn Desplechin, das Thal vor der Wart-\nburg in herbstlicher Abendbeleuchtung darstellend, übte in\nden Proben bereits auf alle Anwesenden den Zauber aus,\ndurch welchen wachsend die für die folgenden Scenen nö-\nthige Stimmung unwiderstehlich sich bezeugte; von Seiten\nder Darsteller waren diese Scenen der Glanzpunkt der gan-\nzen Leistung; ganz unübertrefflich schön wurde der Pil-\n\np,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.4", "texte": "Gerchor gesungen und scenisch ausgeführt; das Gebet der\nElisabeth, von Fräulein Sax vollständig und mit ergreifen-\ndem Ausdruck wiedergegeben, die Phantasie an den Abend-\nstern, von Morelli mit vollendeter elegischer Zartheit vor-\ngetragen, leiteten den besten Theil der Leistung Niemann's,\ndie Erzählung der Pilgerfahrt, welche dem Künstler stets\ndie lebhafteste Anerkennung gewann, so glücklich ein, dass\nein ganz ausnahmsweise bedeutender Erfolg eben dieses\ndritten Actes gerade auch dem feindseligsten Gegner mei-\nnes Werkes gesichert erschien. Gerade an diesem Act nun\nvergriffen sich die bezeichneten Häupter, und suchten jedes\nAufkommen der nöthigen gesammelten Stimmung durch\nAusbrüche heftigen Lachens, wozu die geringfügigsten An-\nlässe kindische Vorwände bieten mussten, zu hindern. Von\ndiesen widerwärtigen Demonstrationen unbeirrt, liessen\nweder meine Sänger sich werfen, noch das Publicum sich\nabhalten, ihren tapferen Anstrengungen, denen oft reich-\nlicher Beifall lohnte, seine theilnehmende Aufmerksamkeit\nzu widmen; am Schlüsse aber wurde, beim stürmischen\nHervorruf der Darsteller, endlich die Opposition gänzlich\nzu Boden gehalten.\n„Dass ich nicht geirrt hatte, den Erfolg dieses Abends\nals einen vollständigen Sieg anzusehen, bewies mir die Hal-\ntung des Publicums am Abende der zweiten Aufführung;\ndenn hier entschied es-sich, mit welcher Opposition ich\nfortan es einzig nur noch zu thun haben sollte, nämlich\nmit dem hiesigen Jockey-Club, den ich so wohl nennen\ndarf, da mit dem Kufe: ä lapo das Publi-\ncum selbst laut und öffentlich meine Hauptgegner bezeich-\nnet hat. Die Mitglieder dieses Clubs, deren Berechtigung\ndazu, sich für die Herren der Grossen Oper anzusehen,\nich Ihnen nicht näher zu erörtern nöthig habe, und welche\ndurch die Abwesenheit des üblichen Ballets um die Stunde\nihres Eintrittes in das Theater, also gegen die Mitte der\nVorstellung, in ihrem Interesse sich tief verletzt fühlten,\nwaren mit Entsetzen inne geworden, dass der Tannhäuser\nbei der ersten Aufführung eben nicht gefallen war, son-\ndern in Wahrheit triumphirt hatte. Von nun an war es\nihre Sache, zu verhindern, dass diese balletlose Oper ihnen\nAbend für Abend vorgeführt würde, und zu diesem Zwecke\nhatte man sich auf dem Wege vom Diner zur Oper eine\nAnzahl Jagdpfeifen und ähnliche Instrumente gekauft, mit\nwelchen alsbald nach ihrem Eintritte auf die unbefangenste\nWeise gegen den Tannhäuser manövrirt wurde. Bis dahin,\nnämlich während des ersten und bis gegen die Mitte des\nzweiten Actes, hatte nicht eine Spur von Opposition sich\nmehr bemerklich gemacht, und der anhaltendste Applaus\nhatte ungestört die am schnellsten beliebt gewordenen Stel-\nlen meiner Oper begleitet. Von nun an half aber keine\nBeifalls-Demonstration mehr: vergebens demonstrirte selbst\nder Kaiser mit seiner Gemahlin zum zweiten Male zu Gun-\nsten meines Werkes; von denjenigen, die sich als Meister\ndes Saales betrachten und sämmtlich zur höchsten Aristo-\nkratie Frankreichs gehören, war die unwiderrufliche Ver-\nurteilung des Tannhäuser ausgesprochen. Bis an den\nSchluss begleiteten Pfeifen und Flageolets jeden Applaus\ndes Publicums.\n„Bei der gänzlichen Ohnmacht der Direction gegen\ndiesen mächtigen Club, bei der offenbaren Scheu selbst\ndes Staats-Ministers, mit den Gliedern dieses Clubs sich\nernstlich zu verfeinden, erkannte ich, dass ich den mir so\ntreu sich bewährenden Künstlern der Scene nicht zumuthen\ndürfe, sich länger und wiederholt den abscheulichen Auf\nregungen, denen man sie gewissenlos Preis gab (natürlich\nin der Absicht, sie gänzlich zum Abtreten zu zwingen), aus-\nzusetzen. Ich erklärte der Direction, meine Oper zurückzu-\nziehen, und willigte in eine dritte Aufführung nur unter\nder Bedingung, dass sie an einem Sonntage, also ausser\ndem Abonnement, somit unter Umständen, welche die Abon-\nnenten nicht reizen und dagegen dem eigentlichen Publi-\ncum den Saal vollständig einräumen sollten, Statt finde.\nMein Wunsch, diese Vorstellung auch auf der Affiche als\n„ „letzte\"* zu bezeichnen, ward nicht für zulässig gehalten,\nund mir blieb nur übrig, meinen Bekannten persönlich sie\nals solche anzukündigen. Diese Vorsichts-Maassregeln hat-\nten aber die Besorgniss des Jockey-Clubs nicht zu zerstö-\nren vermocht; vielmehr glaubte derselbe in dieser Sonn-\ntags-Aufführung eine kühne und für seine Interessen ge-\nfährliche Demonstration erkennen zu müssen, nach welcher,\ndie Oper einmal mit unbestrittenem Erfolge zur Aufnahme\ngebracht, das verhasste Werk ihnen leicht mit Gewalt auf-\ngedrungen werden dürfte. An die Aufrichtigkeit meiner\nVersicherung, gerade im Falle eines solchen Erfolges den\nTannhäuser desto gewisser zurückziehen zu wollen, halte\nman zu glauben nicht den Muth gehabt. Somit entsagten\ndie Herren ihren anderweitigen Vergnügungen für diesen\nAbend, kehrten abermals mit vollster Rüstung in die Oper\nzurück und erneuerten die Scenen des zweiten Abends.\nDiesmal stieg die Erbitterung des Publicums, welches durch-\naus verhindert werden sollte, der Aufführung zu folgen,\nauf einen, wie man mir versicherte, bis dahin unge-\nkannten Grad, und es gehörte wohl nur die, wie es scheint,\nunantastbare sociale Stellung der Herren Ruhestörer dazu,\nsie vor thätlicher übler Behandlung zu sichern. Sage ich\nes kurz, dass ich, wie ich erstaunt über die zügellose Hal-\ntung jener Herren, eben so ergriffen und gerührt von den\nheroischen Anstrengungen des eigentlichen Publicums, mir\nGerechtigkeit zu verschaffen, bin, und nichts weniger mir\nin den Sinn kommen kann, als an dem pariser Publicum,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.5", "texte": "sobald es sich auf einem ihm angehörigen neutralen Ter-\nrain befindet, im Mindesten zu zweifeln.\n„Meine nun officiel angekündigte Zurückziehung mei-\nner Partitur hat die Direction der Oper in wirkliche und\ngrosse Verlegenheit gesetzt. Sie bekennt laut und offen, in\ndem Falle meiner Oper einen der grössten Erfolge zu er-\nsehen, denn sie kann sich nicht entsinnen, jemals das Pu-\nblicum mit so grosser Lebhaftigkeit für ein angefochtenes\nWerk Partei ergreifen gesehen zu haben. Die reichlichsten\nGeld-Einnahmen erscheinen ihr mit dem Tannhäuser ge-\nsichert, für dessen Aufführungen bereits der Saal im Voraus\nwiederholt verkauft ist. Ihr wird von wachsender Erbitte-\nrung des Publicums berichtet, welches sein Interesse, ein\nneues, vielbesprochenes Werk ruhig hören und würdigen\nzu können, von einer der Zahl nach ungemein kleinen Par-\ntei verwehrt sieht. Ich erfahre, dass der Kaiser der Sache\ndurchaus geneigt bleiben soll, dass die Kaiserin sich gern\nzur Beschützerin meiner Oper aufwerfen und Garantieen\ngegen fernere Ruhestörungen verlangen wolle. In diesem\nAugenblicke circulirt unter den Musikern, Malern, Künst-\nlern Und Schriftstellern von Paris eine an den Staats-Mini-\nster gerichtete Protestation wegen der unwürdigen Vor-\nfälle im Opernhause, die, wie man mir sagt, zahlreich\nunterzeichnet wird. Unter solchen Umständen sollte mir\nleicht Muth dazu gemacht werden können, meine Oper\nwieder aufzunehmen. Eine wichtige künstlerische Rücksicht\nhält mich aber davon ab. Bisher ist es noch zu keinem\nruhigen und gesammelten Anhören meines Werkes gekom-\nmen; der eigentliche Charakter desselben, welcher in einer\nmeiner Absicht entsprechenden Nöthigung zu einer dem\ngewöhnlichen Opern-Publicum fremden, das Ganze erfas-\nsenden Stimmung liegt, ist den Zuhörern noch nicht auf-\ngegangen, wogegen diese bis jetzt sich nur an glänzende\nund leicht ansprechende äussere Momente, wie sie mir\neigentlich nur als Staffage dienen, halten, diese\nbemerken und, wie sie es gethan, mit lebhafter Sympathie\naufnehmen konnten. Könnte und sollte es nun zum ruhi-\ngen, andächtigen Anhören meiner Oper kommen, so fürchte\nich nach dem, was ich Ihnen zuvor über den Charakter\nder hiesigen Aufführung andeutete, die innere Schwä-\nche, Schwunglosigkeit dieser Aufführung, die\nallen denen, die das Werk genauer kennen, kein Geheim-\nniss geblieben ist, und für deren Hebung persönlich\nzu interveniren mir verwehrt worden ist, müsse\nallmählich offen an den Tag treten, so dass ich einem gründ-\nlichen, nicht bloss äusserlichen Erfolge meiner Oper für\ndiesmal nicht entgegen zu sehen glauben könnte. Möge\nsomit jetzt alles Ungenügende dieser Aufführung unter dem\nStaube jener drei Schlacht-Abende gnädig verdeckt blei-\nben, und möge Mancher, der meine auf ihn gesetz-\nten FI Öffnungen schmerzlich enttäuschte, für dies-\nmal mit dem Glauben sich retten, er sei für eine gute\nSache und um dieser Sache willen gefallen!\n„Somit möge für diesmal der pariser Tannhäuser aus-\ngepielt haben. Sollte der Wunsch ernster Freunde meiner\nKunst in Erfüllung gehen, sollte ein Project, mit welchem\nman sich so eben von sehr sachverständiger Seite her ernst-\nlich trägt, und welches auf nichts Geringeres als auf schleu-\nnigste Gründung eines neuen Operntheaters zur Verwirk-\nlichung der von mir auch hier angeregten Reformen aus-\ngeht, ausgeführt werden, so hören Sie vielleicht selbst von\nParis aus noch einmal auch vom Tannhäuser.\n„Was sich bis heute in Bezug auf mein Werk in Pa-\nris zugetragen, seien Sie versichert, hiermit der vollstän-\ndigsten Wahrheit gemäss erfahren zu haben; sei Ihnen\neinfach dafür Bürge, dass es mir unmöglich ist, mich mit\neinem Anscheine zu befriedigen, wenn mein innerster\nWunsch dabei unerfüllt geblieben, und dieser ist nur durch\ndas Bewusstsein zu stillen, einen wirklich verständnissvollen\nEindruck hervorgerufen zu haben.\n„Herzlichen Gruss von Ihrem\n„Richard Wagner.\"\nWir fügen dieser bescheidenen Selbstverteidigung\nvor dem Gerichte der öffentlichen Meinung weiter nichts\nhinzu, als die Verweisung auf den Anfang von Cicero's\nReden gegen Verres:— nemo\narlitrabatur, qui tarn multis testibus convictas\nänderet. Est idem, qui fuit Semper.\n\nAus Aachen.\n\n[Matthäus-Passion von J. S. Bach Requiem für Männerchor\nvon Soubre.]\nSeit meinem letzten Schreiben habe ich Ihnen über\nzwei Concerte zu berichten, die wirkliche musicalische\nFestlichkeiten waren.\nZunächst und hauptsächlich verdient diesen Namen die\nAufführung der Passionsmusik nach dem Matthäus-\nEvangelium von J. S.Bach, welche am Dinstag vor Ostern\nin dem schönen Bernarts'schen Saale Statt fand, welcher\nsowohl durch die Masse der Mitwirkenden (220 im Dop-\npelchor, 50 im Knabenchor, 60 im Orchester) als durch\ndas zahlreiche Publicum, das schon Tags zuvor in grosser\nMenge zu der Hauptprobe geströmt war, einen imposan-\nten Anblick darbot. Ich brauche nicht im Einzelnen auf\ndas Verdienst der Phalanx unserer musicalischen Kräfte\nund ihres geschickten und sicheren Leiters, des Herrn\nWüllner, der Tags vorher den ehrenvollen Titel eines\nköniglichen Musik-Directors erhalten hatte, einzugehen;\ndas aber dürfte wohl, ohne Widerspruch zu erfahren, fest"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.6", "texte": "stehen, dass die diesjährige Aufführung der Passion das\nBeste von dem Guten war, was seit Wüllner's Wirksam-\nkeit in Aachen geleistet worden ist.\nErfreulich ist es, dass die Bach'sche Passion in allen\ngrösseren rheinischen Städten als musicalische Vorfeier des\no\nOsterfestes heimisch wird. Man wetteifert, sie aufzuführen,\nund streitet sich um den berühmten Vertreter der Partie\ndes Evangelisten, Herrn Karl Schneider, den Sie dieses\nMal in Köln nicht haben konnten, weil von oben her be-\nfohlen wurde, dass er erst „Prophet\" in Wiesbaden und\ndann „Evangelist\" am Niederrheine sein müsse, was aller-\ndings der historischen Ordnung entsprach. So kam es denn,\ndass nur aus drei Städten, nicht aus vieren, in der Char-\nwoche der Ruhm des trefflichen Sängers erschallen konnte.\nUnd nun Julius Stockhausen noch dazu! Solche Künst-\nler sind Ausnahme-Naturen, Gestirne, welche nur selten\nerscheinen, um dann durch Glanz und Wärme desto herr-\nlicher zu erquicken. Es ist unmöglich, mehr Ruhe, Würde\nund ergreifenden Ausdruck in die Worte des Erlösers zu\nlegen, als dieser grosse Sänger es thut. Fräulein Genast\n(Sopran) hat sich uns durch ihre Leistung in einem neuen,\ngünstigen Lichte gezeigt; sie erhielt wärmsten Beifall; wir\nwünschen ihr nur etwas mehr Gleichmässigkeit der Stimme\nund eine deutlichere Aussprache. Der ausserordentliche\nErfolg, den Frau Pothoff durch den Vortrag der Alt-\nPartie im vorigen Jahre errang, hatte die Erwartung des\nPublicums aufs höchste gespannt; aber das schöne Talent\nund die majestätische Würde des Vortrags, besonders der\nArien im zweiten Theile, rechtfertigten vollkommen die\nallgemeine Erwartung, und es brach gleich „Blitzen und\nDonnern\" ein Sturm von Beifall in der Zuhörerschaft aus,\nwie er sich an diesem Abende so enthusiastisch nicht wie-\nderholt hat. Schliesslich müssen wir allen, die zu dieser\nAufführung, deren Andenken so bald nicht schwinden wird,\nbeigetragen haben, den wärmsten Dank aussprechen.\nSeitdem unsere Concordia aus dem Wettstreit zu\nLüttich als Siegerin zurückgekehrt war, halte sie hier nicht\nöffentlich gesungen, wohl aber am 20. März eine schöne\nFeier in ihrem Kreise veranstaltet, die der Anerkennung\nder Verdienste ihres Dirigenten, des Herrn Ackens, galt,\nder während des zweiundzwanzigjährigen Bestehens dieses\nMännergesang-Vereins mit rastlosem Eifer an dessen Spitze\nthätig gewesen ist. Als bleibender Ausdruck dieser Aner-\nkennung wurde Herrn Ackens eine prachtvolle Pendule\nund eine Adresse überreicht.\nAm 7. April veranstaltete die Concordia eine feierliche\nAufführung im Theater, deren erster Theil dem Andenken\nan den dahingeschiedenen König Friedrich Wilhelm IV.\ngeweiht war. Er brachte den Trauermarsch aus Beetho-\nven's Eroiea, eine ergreifende Gedächtnissrede (von Herrn\nBranchart, Mitglied des Vereins) und ein von\nEtienne Soubre aus Lüttich, einem der bedeutendsten\nund zugleich der bescheidensten belgischen Componisten\nder gegenwärtigen Zeit.\nDieses Requiem ist vor drei Jahren im Auftrage der\nbelgischen Regierung zur Feier der September-Feste in\nBrüssel geschrieben für Männerstimmen (Doppelchor und\nSoli) und Orchester, „zum Andenken an die für Belgiens\nFreiheit im Jahre 1830 gefallenen Vaterlands-Vertheidi-\nger\". Das Werk war vortrefflich einstudirt, ging unter\nLeitung des Componisten ganz vorzüglich und machte einen\nsichtbaren Eindruck auf das Publicum, welches dem Ton-\ndichter die ehrenvollsten Beweise der Anerkennung gab.\nSoubre hat die Aufgabe, ein Requiem für den ge-\nnannten Zweck zu schreiben, auf eigenthümliche Weise\naufgefasst; er hat sich von der dogmatischen Abstraclion\nfern gehalten und das Drama des Todes für die Freiheit\nin seiner Wirklichkeit genommen, indem er über die Ge-\nfallenen zwar trauert, sie aber zugleich verherrlicht und\nihren Heldentod feiert. Gleich die ersten Tacte der Einlei-\ntung verkünden mit ihren drei Trompeten den Charakter\ndes Werkes, an den der Componist uns nach jeder Num-\nmer auf dieselbe Weise wieder erinnert. Von den einzel-\nnen Stücken der Partitur zeichnen wir besonders aus das\nKyrie, ein einfaches Gebet für acht Solostimmen und Dop-\npelchor; das Dies irae mit seinem glanzvollen Crescendo,\ndas uns zu dem gewaltigen T führt, welches,\nvon allen Stimmen zusammen intonirt und von dem ganzen\nOrchester und erschütternden Synkopen der Blech-Instru-\nmente getragen, einen überwältigenden Eindruck macht,\ngegen den das rührende Recordare und das Qui Mariam,\nmit sanften Klängen der Holz-Blas-Instrumente begleitet,\neinen schönen Gegensatz bilden. Das Oro supplex und La-\ncrymosa macht, vom Chorbass unisono gesungen, grosse\nWirkung, während sich das Huic ergo, vom Tenor sotto\nvoce vorgetragen, daran schliesst. Das Sanctus wird von\neinem hohen Sopran angestimmt, den die Violinen eben-\nfalls in den höchsten Chorden begleiten; der volle Chor\nmit vollem Orchester antwortet der Einzelstimme auf im-\nposante Weise, wie sich auch im Pie Jesu die Tenor-\nSolostimme mit dem Chor verbindet.\nDas sind hauptsächlich die Nummern, welche dem\nComponisten eine gerechte Ovation von Seiten des Publi-\ncums und der Mitwirkenden eingebracht haben. Das Werk\nist sehr zu empfehlen, und wenn Ihr ausgezeichneter\nFranz W7eber mit den ihm zu Gebote stehenden Kräften\ndie schöne und dankbare Composition in Köln aufführte\nund das Publicum zum Richter darüber machte, so\nmöchte ich ihm ein glänzendes Resultat im Voraus ver-\nbürgen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.7", "texte": "Der zweite Theil des Coneertes enthielt Lindpaint-\nner's Ouvertüre zum Faust; die zwei Gesänge, mit denen\ndie Concordia den Ehrenpreis in Lüttich gewonnen, deren\nVortrag mit enthusiastischem Beifall aufgenommen wurde;\nein Ave maris Stella,Terzett für Tenor, Bariton und Bass\nvon Herrn Ackens, ein recht melodisches und geschickt\ninstrumentirtes Stück; eine Scene: „Andreas Hofer\", von\nNeeb, in welcher Herr Bergstein, Gesanglehrer hier-\nselbst, einen grossen Erfolg errang, und zuletzt „Das Glück\nvon Edenhall\", ein nachgelassenes Werk für Solo, Män-\nnerchor und Orchester von Roh. Schumann, welches\nzwar sehr gut ausgeführt wurde, dessen vorzüglichster\nWerth aber in Instrumental-Effecten besteht, während mit\nAusnahme weniger Stellen der melodische Quell sich als\ngänzlich versiegt erweis't.\nAachen, den 15. April 1861.\n\nN.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nüöln, 17. April. Herr K. J. Brambach, der neuerwählte\nstädtische Musik-Director in Bonn (wo er geboren), ist ein Zögling\ndes hiesigen Conservatoriums, welches er durch mehrere Jahre be-\nsuchte. Bei seinem Austritt aus demselben wurde ihm die Auszeich-\nnung zu Theil, das Stipendium der Mozart-Stiftung in Frankfurt zu\ngewinnen. Er setzte nun seine Studien als Componist unter Leitung\ndes Herrn Capellmeisters Hiller fort, und mehrere seiner bei Breit-\nkopf u. Härtel veröffentlichten Arbeiten (namentlich ein kürzlich er-\nschienenes grosses Settett für Piano und Streich-Instrumente) zeugen\neben so sehr von seinem Talente und seinem edlen Streben, wie von\nder trefflichen bereits errungenen Ausbildung desselben. Als tüchti-\nger Ciavierspieler und ausgezeichneter Lehrer hat er sich sowohl\nin der hiesigen Dilettantenwelt, wie am Conservatorium bewährt.\nOhne Zweifel wird sein Einfluss auf die musicalischen Verhältnisse\nseiner Vaterstadt ein fruchtbringender sein. Ein jüngerer Schüler\ndes hiesigen Conservatoriums, Aug. Grüters aus Uerdingen, der\nsich letzten Herbst bei seinem Austritt aus der Schule nach Frank-\nreich wandte, hat dort, fremd und ohne alle Protection, trotz einer\ngrossen Concurrenz französischer Tonkünstler, durch seine tüchtigen\nLeistungen die Stelle des städtischen Musik-Directors in Troyes be-\nkommen, was übrigens der Liberalität der Franzosen gegen Auslän-\nder nicht weniger Ehre macht, als dem jugendlichen Musiker und\nder Schule, aus der er hervorgegangen.\nDüsseldorf, 20. April. Die gestrige Aufführung der Oper\n„Lucrezia Borgia\" auf dem hiesigen Theater war durch das Debüt\ndes Fräuleins Philippine aus Köln, welche darin als\nOrsino auftrat, besonders interessant. Die junge Künstlerin errang\nnicht nur durch ihren Gesang, sondern auch durch ihr Spiel, wel-\nches ein unverkennbares Talent für die Bühne offenbarte, und in\nBetracht des ersten Auftretens allgemeine Verwunderung erregte,\neinen entschiedenen Erfolg. Gleich die erste Strophe der Erzählung\ndes Traumes wurde mit lebhaftem Applaus aufgenommen, der sich\nnach der Fermate der zweiten noch steigerte, und nach dem ersten\nActe wurde die Debütantin gerufen. Im dritten Acte zollte das Pu-\nblicum dem Vortrage des Trinkliedes noch lauteren Beifall, und nach\ndem Schlüsse der Oper wurde sie wiederum gerufen. Fräulein Pa-\npiee hat ihre musicalisch-dramatische Ausbildung in Köln Ar. fungs\ndurch Herrn E. Koch und in den letzten Jahren durch Herrn Prof.\nBisehoff erhalten, (K. Z.)\nDer düsseldorfer Männer-Gesangverein „Concordia« beabsichtigt,\nam 29. und 30. Juni in hiesiger Stadt ein Musikfest, wie das\nim Jahre 1852 gefeierte, zu veranstalten. Zur Theilnahme an die-\nsem Feste sollen die namhaftesten Vereine Rheinlands und Westfa-\nlens eingeladen werden.\nEisseift. Die Soireen für Kammermusik, welche die\nHerren Gebrüder Helfer und Fräulein Schramm (früher Schü-\nlerin der kölner Musikschule) veranstalteten, fanden durch die Lei-\nstungen und durch die Programme eben so viel Theilnahme wie\nBeifall. Die Clavier-Partie wurde abwechselnd von Fräul. Schramm\nund Herrn E. Helfer ausgeführt. In der zweiten Soiree hörten wir\neinige Gesangstücke, welche Fräulein Jenny Niethen aus Köln\nsehr rein und mit schönem Ausdruck vortrug; unser sonst ziemlich\nkaltes Publicum wurde durch diese Gesang-Vorträge ganz begei-\nstert, so dass Fräulein Niethen auf wiederholten Applaus noch ein\nschwedisches Volklied zugab. Möge Fräulein Niethen in der freund-\nlichen Aufnahme einen Sporn zu weiterem Streben finden. Die\ndritte Soiree erhielt ein besonderes Interesse durch die Mitwirkung\ndes Herrn Max Bruch aus Köln, welcher sich einige Zeit hier bei\nVerwandten aufhält. Das Programm enthielt: Phantasie für zwei\nFlügel von M. Bruch, vorgetragen vom Componisten und von Frl.\nSchramm. Die Composition, welche sich durch tief durchdachte Ar-\nbeit auszeichnet, wurde sehr gut executirt und mit Beifall aufge-\nnommen. Dann folgte ein Solo für Violoncell, welches Herr E. He'-\nfer mit bekannter Bravour und innigem Gefühl vortrug, und hierauf\ndie Perle des Abends, eine Sonate in D-dur für zwei Flügel von\nMozart, ebenfalls von Herrn Bruch und Fräul. Schramm meisterhaft\nvorgetragen. Den Schluss bildete das reizende Trio von Mendelssohn\nin D-moll; die Herren Bruch und Gebrüder Helfer wetteiferten in\nMeisterschaft des Vortrags. Jetzt steht noch ein Concert des Ge-\nsang-Vereins in Aussicht, worin unter Anderem „Die Birken und die\nErlen* von Max Bruch unter Leitung des Componisten aufgeführt\nwerden sollen.\nXjeipzfg« Der Fonds zur Unterstützung der Hinterlassenen\nunseres Altmeisters des deutschen Männergesanges Karl Zöllner\nergibt bereits ein recht günstiges Resultat; noch manche grosse\nStädte unseres deutschen Vaterlandes fehlen zwar mit ihren Gaben,\nwerden jedoch sicher nicht zurückbleiben und den Beispielen der\nStädte Dresden, Magdeburg, Chemnitz, Wien, Danzig, Strassburg,\nLiverpool, Ancona, Riga, Bucharest, Hannover, Reval\nu. s. w. folgen und somit die Existenz der Familie sichern helfen.\nIm Laufe von ein paar Wochen gingen wiederum bedeutende Be-\nträge ein, als: .100 Thlr., Concert des Orpheus in Boston; 100\nThlr., Concert des deutschen Männergesang-Vereins in Cincin-\nnati, Ohio; 25 Thlr., Sammlung unter Deutschen in der Labati-\nPrairie, Texas; 35 Thlr., Sammlung des deutschen Gesang-Ver-\neins in Porto Alegro, Brasilien; 122 Thlr., das Comite für Zöll-\nners Hinterlassene in Lübeck; 50u Thlr., Concert der Liedertafel in\nPetersburg, welche gleichzeitig ein Gedicht von Ernst Krabe\nbeifügte.\nNS. Unter Mittheilung obiger Nachricht des Vereins für K.\nZöllner's Hinterlassene in Leipzig, der die ehrenwerthesten Namen\nunter seinen Mitgliedern aufweis't (z. B Hauptmann, Moscheies, Da-\nvid, Härtel, Benedix, Weigel, Voigt u. s. w.), erinnern wir an den\nAufruf desselben, der in Nr. 44 des Jahrgangs 1860 vom 27. Octo-\nber abgedruckt ist. Mit Bedauern vermissen wir unter der obigen\nAufzählung von Städten, aus denen Beiträge geflossen, die rhein-\npreussischen Städte Köln, Aachen, Elberfeld, Barmen,\nDüsseldorf, Bonn u. s. w., in denen allen der Männergesang\ndoch so sehr gepflegt wird! Möchten recht bald auch von unserer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610427-01.1.8", "texte": "Provinz aus reichliche Spenden zur Erreichung des schönen Zweckes\nbeitragen, die Notli der Hinterbliebenen eines deutschen\nTondichters zu lindern!\nDie Beiträge sind an Herrn Karl Voigt (Firma Berger &\nVoigt) in Leipzig einzusenden.— In Köln wird sie die Expe-\ndition der Niederrhein. M u sik -Zeit u n g, M. DuMont-\nSchauberg'sehe Buchhandlung, gern in Empfang nehmen.\nAlfred Ja eil. Die pariser Blätter sind voll von überströmender\nBegeisterung für die eminente Virtuosität, die A. Jaell in seinem\nConcerte am 12. April von Neuem bekundet hat. „Was wir gehört\nhabeu,\" so schreibt man uns „gränzt in der That an das\nWunderbare. Seit Rubinstein hat das Pianoforte nicht eine solche\nMeisterhand gefühlt. Der Tannhäuser-Marsch, von Liszt eingerich-\ntet, klang wie ein Orchesterstück, von Wagner selbst dirigirt; dem\ntausendstimmigen Rufe nach Wiederholung gab A. Jaell nach, spielte\naber statt deren sein Arrangement des Pilgerchors. Bei dem Schlüsse\ndesselben mit der famosen Violin-Passage stand das ganze Audito-\nrium auf, um sich sichtbar zu überzeugen, dass ein einziger Mann\ndiese gewaltige Wirkung auf einem einzigen Instrumente hervor-\nbringe. Und neben dieser ungeheuren Kraft welche Feinheit der\nAusführung, welche elegische Anmuth, welche Nuancen der Klang-\nfarbe! Auch der Walzer von Chopin wurde da capo verlangt; über-\nhaupt war der Erfolg bei der glänzenden Zuhörerschaft, zu welcher\nauch die Blüthe der hiesigen Musiker zählte, ein ausnehmend gross-\nartiger. Das Concert begann Jaell mit Mendelssohn's Trio in C-moll\nim Verein mit den ausgezeichneten Künstlern Dupuis und Jacquart;\nein Lied ohne Worte von Mendelssohn, eine Gavotte von Bach, und\nvon eigener Composition eine Ballade, Le Carülon, und Le Galop\nfantastique zeigten den Meister im Vortrage der verschiedensten\nGattungen.44\nPai*i§* Herr Nie mann hat seinen Contract mit der Direction\nder grossen Oper, der bis zum 1. Juni lautete, aufgelöst und Paris\nverlassen. (Er ist bereits in voriger Woche in Hannover wieder an-\ngekommen.) Hector Berlioz's Actien sind durch die Tannhäu-\nser-Faillite gestiegen; man hat seine Damnation de Faust im Con-\nserv at oire -C o nee rt e (Wunder über Wunder!) aufgeführt, und\nmit grossem Erfolg; selbst das Orchester hat ihm nach dem Doppel-\nchor d'jr Studenten und Soldaten eine Ovation gebracht.\nPetersburg»« In der Concert-Saison hiesiger Residenz neh-\nmen die jährlichen Concerte der Herren Wieniawski und Rubin -\nstein eine besondere Stelle künstlerischer Bedeutung ein. Das Con-\ncert von Henri Wieniawski hat am Freitag den 16. März Statt ge-\nfunden. Der wahre Beifallssturm, mit dem Henri Wieniawski bei sei-\nnem Erscheinen begrüsst wurde, liess bei dem Vortrage seines neuen\ngrossen Concertes für die Violine nicht nach und krönte das Bondo\nfinale wie das Allegro con fuoco und die Preghiera Larghetto die-\nser eleganten und an künstlerisch klar durchgearbeiteten Motiven\nreichen Composition. An diesem Abende hörten wir auch eine neue\nSängerin, Fräul. Bertha Wals eck aus Berlin (Köln), die in der\ngrossen Arie aus dem Freischütz debutirte, und zwar mit einem Er-\nfolg, wie er einer hier unbekannten Sängerin wohl selten zu Theil\nwird. Wir mussten vor Allem die musicalische Durchbildung dieser\nSängerin schätzen; die Intonation ward mit Sicherheit und Reinheit\nausgeführt und der Vortrag mit allen Nuancen musicalischen Ver-\nständnisses geschmückt. Hoffentlich wird Fräulein Walseck nicht\nbloss als flüchtiger Singvogel für die Concert-Saison erschienen sein,\nsondern im Käfig der Kunst hier länger gefangen gehalten\nwerden. Im Saale Bernadaky war am 17. ein gewähltes Concert-\nPublicum versammelt, das mit lautem Beifall den schon hier be-\nkannten jungen Cellisten Herrn Arved Poorten aus Riga empfing.\nDas schöne Talent dieses jungen Künstlers macht immer bedeuten-\ndere Fortschritte, und hatten wir schon früher Gelegenheit, die\ngrosse Technik seines Spiels zu bewundern, so tritt jetzt immer mehr\ndas geistige Beleben, wie es namentlich in dem Romberg'schen An-\ndante und der Barcarole von Karl Schubert sich bewährte, in der\nkünstlerischen Reproduction hervor. In den musicalischen Strauss,\nden dieser Concertabend dem dankbaren Publicum entgegentrug, ver-\nwebten sich einige duftige Liederblumen von Schumann, Rubinstein,\nMendelssohn, bei deren Vortrag Fräulein Bertha Walseck auch\nihre Begabung für lyrische Composition unter vielem Applaus an\nden Tag legte."}]}