{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_sha256": "532c2c1ab4151717b29c6410937914b8d97d5f3187eaf65212b0551a5c149e47", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/05/04_01/bmtnabi_1861-05-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 370, "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in Altona (Schluss). Beurtheilungen (Ferdinand Hiller, 24 dreistimmige Vocalisen, Op. 82\nOskar Guttmann, Gymnastik der Stimme). Von L. Der Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main. Von --nn.— Aus München (Con-\ncert von Herrn Karl von Perfall). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gesang-Soiree im HMel Disch Düsseldorf, Fräu-\nlein Philippine ,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "140", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.2.2", "titre_corps": "Musicalische Zustände in Altona.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in Altona.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.1", "debut_caractere": 372, "fin_caractere_exclue": 4192, "texte": "Musicalische Zustände in Altona.\n(Schluss. S. Nr. 16.)\nEinen zweiten Zeitraum für die\nstände in Altona nimmt der Verfasser von 1817 bis 1849\nan. In dieser Periode war es vorzüglich oder vielmehr\nganz allein die ausdauerndste und opferwilligste Liebe und\nThätigkeit des Dr. Mutzenbecher, welche unter zahl-\nreichen Hemmnissen das musicalische Leben in Altona,\ndas durch die Kriegszeiten gänzlich erloschen war, seit\ndem Jahre 1817 wieder neu erweckte und eine lange\nReihe von Jahren hindurch aufrecht hielt.\nEr gründete einen Gesangverein, baute einen Concert-\nsaal, die Tonhalle genannt, richtete regelmässige Concerte\nein und schoss zu den Kosten derselben fast alljährlich aus\neigenen Mitteln bedeutende Summen zu. Die Unterstützung\nvon Seiten des Publicums war sehr schwach: „im Winter\n1829 —lB3O z. 8., in welchem neun auswärtige Künst-\nler auftraten, hatte die Concert-Casse nur über 130 Mark\nfür jedes Concert zu verfügen\". Man kann sich also eine\nVorstellung von den Opfern machen, die der treffliche\nMann bringen musste, um die Kunst nicht sinken zu lassen.\nSein beharrliches Streben brachte ausser der Stiftung des\nGesangvereins auch die Errichtung einer Gesangschule\n(die bis zu seinem Tode—den 24. Mai 1838—bestand)\nund die Ausführung regelmässiger Concert- und Kirchen-\nMusiken zu Stande. Die Herstellung eines wohl organisir-\nten Kirchengesanges scheiterte theils an den nöthigen Mit-\nteln, theils an der Abgeneigtheit der Geistlichkeit.\nAusser dem Dr. Mutzenbecher machten sich in diesem\nZeiträume Herr J. P. R. Rein ecke (Vater des Mu-\nsik-Directors Karl Hei necke in Breslau) durch Stiftung\neines Orchester-Vereins, die Herren Wilhelm und Karl\nBlaun, letzterer Dirigent der Concerte und mit dem Can-\ntor Petersen Gründer der Sing-Akademie (um 1845)\nund Dirigent der Kirchenmusiken, um die Tonkunst in\nAltona verdient. Aufgeführt wurden Oratorien und geist-\nliche Musiken von Händel, Ph. E. Bach, Mozart, Haydn,\nBeethoven, Spohr (Die letzten Dinge sieben Mal), F. Schnei-\nder, Stadler, Schulz (Athalia, Maria und Johannes), Nau-\nmann, A. Romberg, Kunzen (Hallelujah), Lindpaintner\n(Te Deum), F. Ries, Schicht, Winter, Neukomm, Weyse\n(Weihnachts-Cantate, Hymne), F. Grund, Schwencke\nu. s. w., zuletzt auch von Mendelssohn-Bartholdy.\nEs geht aus der Darstellung des zweiten Zeitraumes\nhervor, „dass Altona, während es früher ganz an einheimi-\nschen Kräften fehlte, nunmehr selbst in Mutzenbecher\neinen Beförderer der Kunst gefunden hatte, dessen eifriges\nStreben die Wirksamkeit vieler anderen minder Begabten\nersetzen konnte. Derselbe fand indess bei seinen Mitbür-\ngern nicht das Interesse vor, welches sein lebendiger Sinn\nund seine Verehrung für die Kunst zu erwarten berechtigt\nwar. Beim Lesen seiner Berichte ergreift uns nicht selten\nein wehmüthiges Gefühl, wenn wir sehen, wie nieder-\nschlagend sich oft die Verhältnisse seinem begeisterten\nStreben gegenüber gestalteten, wie er dessen ungeachtet im-\nmer mit frischem Muthe neue Hoffnungen schöpfte und\nneue Quellen ergiebig machte, und wie genügsam und\ndankbar sich sein für Musik so weit geöffnetes Herz selbst\nbei Erreichung der kleinsten Erfolge zeigte. Ihm selbst war\nes nicht mehr vergönnt, die Früchte des Bodens, den er\nbepflanzt hatte, reifen zu sehen; denn erst nach seinem\nAbleben zeigte sich allmählich ein regerer Sinn und ein\nweiter verbreitetes Streben für Musik. Wenn diese gün-\nstigere Stellung, welche die Kunst jetzt einnimmt, auch\nselbstverständlich zum Theil aus der immer fortschreiten-\nden, nach grösserer Befriedigung strebenden Bildung her-\nvorgegangen, und wenn auch Andere wesentlich dazu bei-\ngetragen, ihr diese bessere Stellung zu verschaffen, so dür-\nfen wir doch nie verkennen, dass Mutzenbecher hier einen\nGrund gelegt hatte, auf welchem das Fortbauen ein viel\nleichteres Werk war, als es unter anderen Umständen der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5354, "texte": "Fall gewesen wäre. Er pflanzte den Keim bei vielen der\njetzt thätig Fortstrebenden, oder er pflegte denselben zu\nreicherer Entfaltung der Blüthen; er bearbeitete das brach\nliegende Feld nach allen Seiten mit energischer Hand. Fast\nalle älteren Musiker Altona's, welche die Pflege und Be-\nhandlung der Musik in die verschiedenen bürgerlichen\nKreise hineingetragen und ausgebildet haben, haben einen\nnicht unwesentlichen Theil ihrer musicalischen Bildung aus\nihrem Verkehr mit ihm gezogen; er bildete nicht allein\nSchüler, sondern auch Lehrer heran. Und wie lange hätte\nAltona damals wohl auf einen Concertsaal warten müssen,\nwenn Mutzenbecher nicht gewesen wäre!\"\n„Mutzenbecher war im gewöhnlichen Verkehr interes-\nsant und anregend, dabei bis im hohen Alter bei freund-\nschaftlichen Zusammenkünften, namentlich wenn gute Mu-\nsik dabei zum Vorschein kam, heiter und aufgeräumt. Da\nihm eigentlich kein Zweig gelehrten Wissens fremd ge-\nblieben war, so war es stets lehrreich, ihn sich mittheilen\nund seine LJrtheile begründen zu hören. Neben einer gros-\nsen technischen Fertigkeit in der Musik, namentlich auch\nals Piano- und Orgelspieler, hatte er sich tiefe theoretische\nKenntnisse in der Kunst zu eigen gemacht, und im Ge-\nsänge war er selbst meisterhaft ausgebildet, obwohl die\nNatur ihm eben keine schöne Stimme verliehen hatte. Eine\netwas steife Geschmacksrichtung mochte man mitunter an\nseinen Productionen zu tadeln haben, aber seine Vortrags-\nweise an sich zeigte immer dieselbe geistvolle, charakte-\nristische Auffassung und die vollständige Herrschaft, die\ner über seine Kehle übte. Die Arie des Sarastro z. B.\n(0 Isis und Osiris) erinnern wir uns noch im vorgerückten\nAlter von ihm in einer Weise gehört zu haben, wie sie\ndie erhabene Einfachheit dieses Musikstückes nur zu for-\ndern berechtigt ist. Auch mit der Orgelbaukunst war er\nwohl vertraut. Als im Jahre 1836 die Orgel in der hie-\nsigen Hauptkirche einer Reparatur unterzogen wurde,\nwurden mehrere Verbesserungen seinen Angaben zufolge\ndabei angebracht, und die nicht unbeträchtlichen Kosten\nlür diese letzteren bezahlte er selbst aus blossem Interesse\nfür die Sache.\n„In seinen Einladungsblättern zu den Concerten findet\nsich eine grosse Sammlung interessanter musicalischer No-\ntizen, namentlich auch geschichtlicher Mittheilungen und\nkritischer und theoretischer Abhandlungen. Aus seinem\nNachlasse wurden noch ähnliche Arbeiten von ihm und\nviele wissenschaftliche und musicalische Sammlungen von\ndem verstorbenen Professor Dehn in Berlin (einem gebo-\nrenen Altonaer) für die königliche Bibliothek angekauft.\nWas Mutzenbecher's Compositionen betrifft, so müssen\nwir bekennen, dass wir nichts Fesselndes in selbieen\nfinden können. Er hat auch wohl selbst gefühlt, dass !\nseine Productionsfähigkeit sich nicht über eine gewöhnliche\nerstreckte.\"\nIn den vierziger Jahren, der Blüthezeit des Männer-\ngesanges, bildeten sich in Altona auch an drei bis vier\nLiedertafeln, welche noch jetzt bestehen. Der Verfas-\nser sagt sehr wohl zu beherzigende Worte über das We-\nsen des Männergesanges und sein Verhältniss zur Ton-\nkunst. Nachdem er die Berechtigung und die theilweise\nvortheilhafte Einwirkung desselben auf allgemeinere mu-\nsicalische Bildung warm verlheidigt, verschweigt er aucli\ndie Schattenseiten der Liedertafeln nicht und fährt also\nfort:\n„Gute Compositionen gibt es verhältnissmässig wenig;\ndieselben sind bald durchgesungen, die vielen faden und\ntrivialen dagegen, mit denen der Männergesang nament-\nlich in neuerer Zeit überschwemmt ist, lullen bald den\ngrössten Theil der Zeit aus, und auch die Geschmacks-\nrichtung wird dadurch eine verfehlte. Dazu kommt, dass\nin Folge der Tendenz der Vereine meistens keine beson-\nderen Ansprüche an die musicalische Qualification des Ein-\ntretenden gemacht werden; es sind daher viele nur Sänger\ndem Namen nach, und eben diese halten sich, durch den\nscheinbaren Erfolg ihrer Mitwirkung getäuscht, gar zu\nleicht für wirkliche Sänger. Es genügt ihnen das, was sie\nerreichen, sie werden durch diese Beschäftigung von der\nTheilnahme an eigentlich musicalischen Vereinen und von\nwirklichen Uebungen im Gesänge abgehalten und sind für\nein weiteres ausbildendes Streben in der Musik verloren.\n„Wenn wir die vorliegende Frage somit vom Stand-\npunkte der Kunstpflege aus betrachten, so müssen wir wün-\nschen, dass alle diejenigen, welche in der Lage sind, ein\nMehreres für ihre Ausbildung zu thun, sich auch mit dem\nMännergesang allein nicht begnügen, sondern ihrem Ge-\nsänge ein weiteres Feld eröffnen möchten. Wir meinen,\ndass, nachdem der Männergesang einen wichtigen Theil\nseiner Aufgabe erfüllt hat und während einer langen Reihe\nvon Jahren mit solchem Nachdruck betrieben ist, es end-\nlich an der Zeit ist, ihn auf das ihm zukommende Maass\nzu beschränken, und die ausschliessliche und einseitige Aus-\nübung desselben von Seiten eines grossen Theiles der Sin-\ngenden mit einer weiter ausbildenden Pflege des Gesanges\nzu vertauschen. In demselben Maasse, wie der Sänger sich\nvon einem verhältnissmässig armen Zweige auf ein reiche-\nres Feld begibt, wird sein Verlangen nach grösserer Aus-\nbildung steigen, ein ernsteres Streben wird ihn anfeuern,\nund die Kunst wird auch im Grossen bald andere Erfolge\naufzuweisen haben.\"\nDen dritten Zeitraum lässt der Verfasser mit dem\nJahre 1853, dem Gründungsjahre der gegenwärtigen\nSing-Akademie, beginnen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5174, "texte": "In der Zwischenzeit von 1848 bis 1852 zerfielen\nzwar die bisherigen musicalischen Institute mit Ausnahme\neiniger Liedertafeln, indess bildeten sich doch auch neue\nElemente eines künftigen regeren Lebens heran. Höchst\nförderlich war besonders das Auftreten von John Böie,\nwelcher, nachdem er seine Studien in Braunschweig bei\nKarl Müller und in Kassel bei Spohr vollendet hatte, in\nseine Vaterstadt Altona zurückgekehrt war, sehr bald als\nViolin-Virtuose verdienten Ruf erwarb, einen Cyklus von\nQuartett-Musik und einen Gesangverein errichtete. Das\nBedürfniss eines grösseren Instituts mit allgemeinerer Wirk-\nsamkeit für die Tonkunst in einer Stadt von über 45,000\nEinwohnern machte sich indess immer mehr geltend, und\nso entstand im Jahre 1853 (den 28. November) die „Al-\ntonaer Sing-Akademie\", in deren Vorstand vier\nHerren (unter ihnen C. Blaun und W. H. Nopitsch,\nder Verfasser der Schrift, die wir besprechen) und zwei\nDamen gewählt wurden, die musicalische Direction aber\nHerrn John Böie übertragen wurde.\nMit der Akademie ist eine Gesangschule verbun-\nden, deren Zweck ist, diejenigen, die noch keinen musica-\nlischen Unterricht genossen oder doch noch nicht hinreichend\nbefähigt sind, an den Uebungen und Aufführungen der\nAkademie Theil zu nehmen, für den Chorgesang auszu-\nbilden. Die Gesangschule hat das ganze Jahr hindurch\nihren Fortgang, die Theilnahme daran—es bestehen vier\ngesonderte Classen für Damen, Herren, Mädchen, Knaben\n—lässt noch zu wünschen übrig.\nDie Zahl der Mitglieder der Akademie betrug bei der\nStiftung 200 (dabei 60 singende), und ist gegenwärtig\nauf 300 (80 —9O mitwirkende) und etwa 30 Theilneh-\nmer an der Gesangschule gestiegen. Die Uebungen (nur im\nWinter Statt findend) werden zwar jetzt besser als früher\nbesucht, „aber die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit\ngrösserer geregelter Uebung ist doch unter denjenigen, die\nsich mit dem Gesänge beschäftigen, im Allgemeinen nicht\ngenug anerkannt.\" Doch hat sich im Ganzen bei der Be-\nvölkerung der Sinn für musicalische Bestrebungen und die\nTheilnahme daran weit lebhafter gezeigt, als jemals in\nfrüherer Zeit.\nDie vortrefflich akustisch gebaute „Tonhalle\" hat sich\nals zu klein für die gestiegene Theilnahme an den Concer-\nten erwiesen; diese werden jetzt in dem vom „Bürger-\nVerein\" im Jahre 1857 neu erbauten Saale (80 Fuss\nlang, 50 Tuss breit, 30 Fuss hoch) gegeben, der ausser\nder Chor- und Orchester-Bühne bis 650 Zuhörer fasst.\nDer Verfasser bringt bei Erwähnung dieses Saales ganz\ninteressante Notizen über akustischen Bau und stellt die\n„Tonhalle\" Mutzenbecher's in dieser Beziehung als Muster\nauf. Es ist bekannt, dass in ihr allerdings jede Art von\nMusik ausgezeichnet schön klingt.\nDie Akademie hat bis jetzt 22 Concerte veranstaltet\n(in drei anderen mitgewirkt), eines in grösserem Maass-\nstabe in der Hauptkirche am 30. April 1857 (Reintha-\nler's „Jephta und seine Tochter\"), an dessen Erwähnung\nder Verfasser ganz zweckmässige Betrachtungen über die\nVerdrängung der Musik aus den protestantischen Kirchen\nknüpft.\nIn jenen Concerten kamen zur Aufführung:\nOratorien und kirchliche Gesänge: Palestrina,\ncut cervus\"; Ant. Lotti, „ Vere languores\"; N. Jomelli,\n„Lux aeterno,\";Händel, „Der Messias\" und „Samson\";\nMozart, „Ave verum\" und „Requiem\"; J. Haydn, „Die\nSchöpfung\" und „DesStaubes eitle SorgenMotett; Beet-\nhoven, C-dur-Messe;Cherubini, L. Spohr,\n„Die letzten Dinge\"; Mendelssohn-Bartholdy, „Paulus\",\n„Elias\" und „Der 95. Psalm\"; F.Schubert, „Psalm 23\"\nfür vierstimmigen Frauenchor, Op. 132; C. Reinthaler,\n„Jephta und seine Tochter\". Von Vocalwerken anderer\nGattung: Beethoven, „Die Ruinen von Athen\", nach der\nEinrichtung von Rob. Heller; Mendelssohn-Bartholdy, „Die\nerste Walpurgisnacht\" und „Athalia\"; A. Romberg, Schil-\nler's „Lied von der Glocke\"; Rob. Schumann,\nfür Mignon, „Der Rose Pilgerfahrt\" und „Das Paradies\nund die Peri\"; N. W. Gade, „Erlkönigs Tochter\" und\n„Comala\". Ausserdem verschiedene Gesänge für ge-\nmischten Chor und Solo von F. Paer, F. Hiller, Beetho-\nven, R. Schumann, N. W. Gade, Jul. Stern, C. G. P. Grä-\ndener („Irrwischgesang\", Gedicht von Pfeiffer; „Der Elfen\nZwiegesang\", ein Nachtstück für sechsstimmigen Chor und\nSolo, von R. Reinick) und von John Böie („Geistliches\nAbendlied\" von G. Kinkel, „Verschwiegene Liebe\" von\nF. Hoefer, „Juchhe!\" von R. Reinick).—Ferner Arien und\nEnsembles aus Opern von Händel, Mozart, Righini, Beet-\nhoven, J. Rietz', „Dithyrambe\" von Schiller, und von In-\nstrumental-Musik Sinfonieen von Mozart, Beethoven, Schu-\nbert, und an neuen Orchestersachen: C. G. P. Grädener,\nC-moll-Sinfonie und Ouvertüre zu Schiller's „Fiesco\"; und\nL. Lee, Musik zu Schiller's „Jungfrau von Orleans\".\n„Ueber die Grädener'scheSinfonie ist es schon früher\nausgesprochen,\" sagt der Verfasser, „dass es sich hier um\nein imponirendes, mit grossen Zügen gegebenes Tonbild\nhandle, dessen Totalwirkung nie verloren gehen wird, dass\naber für das Verständniss dieses vorzugsweise polyphonen\nStils die melodische und rhythmische Gliederung der Haupt-\nthemen gar nicht einfach genug sein kann. In der Ouver-\ntüre zum Fiesco ist das gegebene und bekannte Programm,\ndie Dichtung nämlich, eine grosse Hülfe für das Verfolgen\nder Intentionen.\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 539, "texte": "J» der Kammermusik darf das Uebergewicht des\nInhalts iin individuellen Einflüsse auf das Formelle viel\nweiter gehen; die leichter erreichbare und desshalb häu-\nfigere Ausführung findet Kräfte, die mehr Mittel an die\nReproduction setzen können, und eine Auswahl von Hö-\nrern, die der Sache näher stehen. In diesem Sinne sind\nauch die drei oft nach dem Manuscript ausgeführten Quar-\ntette des Herrn Grädener, welche jetzt im Druck er-\nscheinen, und welchen wir eine möglichst weite Verbrei-\ntung wünschen, wohl über die Sinfonie zu stellen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "141", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.4", "debut_caractere": 541, "fin_caractere_exclue": 5017, "texte": "Beurtheilungen.\n\nFerdinand Hiller, 24 dreistimmige Vocali-\nsen für Sopran, Mezzo-Sopran und Alt,\nmit begleitendem Instrumental-Bass, zur Uebung\nim Solo- und Chorgesange. Gioacchimo Ros-\nsini zugeeignet. Op. 82. Zwei Hefte. Partitur.\nDie Singstimmen sind auch einzeln zu haben.\nLeipzig, Breitkopf & Härtel.\nHiller's amtliche Thätigkeit als Director des Conser-\nvatoriums in Köln hat ihn schon öfter auf das Gebiet der\ninstrucliven Composition geführt; seine vortrefflichen\n„Rhythmischen Studien\", seine lehrreichen „Uebun-\ngen zum Studium der Harmonie und des Con-\ntrapunkt es\" (Köln, 1860, bei M. DuMont-Schau-\nberg) sind auf diesem Felde gewachsen, und das gegen-\nwärtig vorliegende Werk verdankt seine Entstehung eben-\nfalls der Absicht, die gründlichen Studien der Musik zu\nfördern und die didaktische Wirksamkeit weit über den\nKreis der zunächst dem Meister anvertrauten Anstalt hin-\naus zu verbreiten. Und das wird ihm jedenfalls in hohem\nMaasse gelingen; denn wenn schon die „rhythmischen Stu-\ndien\" allerdings einen Beleg zu dem Satze gaben, dass der\nschöpferische Geist des Tondichters auch in Compositionen,\ndie eine bestimmte instruetive Tendenz haben, mit Freiheit\nund Anmuth walten könne, so liefern doch diese drei-\nstimmigen Vocalisen den glänzendsten Beweis dafür,\nwie sich Geist, Erfindungsgabe, Charakteristik des Melo-\ndischen, das gründlichste Musikwissen und die grösste Ge-\nwandtheit in dessen formeller Anwendung mit einem päda-\ngogischen Zweck auf trefflichste Weise vereinigen lassen.\nEs dürfte in diesen 24 dreistimmigen Gesang-Etuden\nin musicalischer Hinsicht wirklich das Ideal von dem er-\nreicht sein, was der alte Horaz mit seinem „Omne tulit\npunctum, qui miseuit utile hat bezeichnen wol-\nlen. Die durchweg contrapunktische, oft streng canonische,\nden Musiker häufig durch die überraschendsten Combi-\nnationen aufs höchste interessirende Arbeit hindert durch-\naus nicht den freien Fluss melodischer Entwicklung; der\nSlil der Gesangübungen der älteren Meister der italiäni-\nschen Schule ist in diesen Vocalisen wieder aufgelebt und\nerscheint durch eine reiche Phantasie mannigfach verjüngt.\nWenngleich diese Uebungen für drei Stimmen gesetzt\nsind und als Musikstücke auch nur dreistimmig Wirkung\nmachen können, so schliesst dies doch keineswegs ihren\nGebrauch für eine einzelne Stimme aus. Dabei haben sie\ndas Gute, dass sie nicht über den gewöhnlichen Umfang\nder weiblichen Stimmen hinauf oder hinab gehen, ein Er-\nforderniss, das mehrere neuere Vocalisen so sehr vernach-\nlässigen, dass manche bloss für Ausnahmestimmen geschrie-\nben scheinen. Die Basis der Stimmbildung und des aus-\ndrucksvollen Singens liegt in den Tönen der mittleren\nStimm-Region vom eingestrichenen bis zum zweigestri-\nchenen g,nicht aber in dem Anquälen von Höhe und Tiefe,\ndie nur da cultivirt werden dürfen, wo die Natur sie in\nleichtem Anschlag und wohllautendem Timbre gegeben hat.\nObgleich sämmtliche Nummern die angegebenen Eigen-\nschaften und Vorzüge besitzen, so möchten wir doch, wenn\neinzelne hervorgehoben werden sollen, was gerade hier\ndoch sehr auf individueller Ansicht beruhen dürfte, im I.\nHefte die Nummern 1, C-dur, 4, E-moll, 7, B-dur, 8,\nG-moll, 10, C-moll(grossartig) und 12, (als treff-\nliche Uebung für figurirten Gesang), auszeichnen. Auch die\nchromatische Vocalise Nr. 9 ist besonders zu erwähnen.\n—lm 11.. Hefte Nr. 14, D-dur, 15, Fis-dur (schwierig),\n16, F-moll (deren Bass vom Pater Matt ei nicht Wat-\ntei, wie durch Versehen gedruckt ist), 17, As-dur, 19,\nDes-dur (besonders anmuthig), und von den sehr schwie-\nrigen: Nr. 23 in H-durund 24 in durch ihren\nantiken Bach'schen Slil imponirend.\nUeberhaupt sind diese Vocalisen, wie gesagt, auf\ngründliche Gesangbildung berechnet und daher vorzugs-\nweise den Conservatorien und den Sängerinnen von Beruf\n(auch denen von Ruf!) anzuempfehlen; für Dilettanten-\nTändelei sind sie nicht geschrieben, wohl aber für Dilet-\ntanten-Ernst, der übrigens im Allgemeinen weniger aus-\ngestorben sein dürfte, als dies mit dem Künstler-Ernste\nnamentlich bei den Theatersängern der Fall zu sein\nscheint. L.\nOskar Guttmann, Gymnastik der Stimme, ge-\nstützt auf physiologische Gesetze. Eine Anweisung\nzum Selbstunterricht in der Uebung und dem rich-\ntigen Gebrauche der Sprach- und Gesangs-Or-\ngane. Leipzig, Verlagshandlung von J. J. Weber.\nXX und 144 S. 8.\nUnter vorstehendem Titel hat Herr 0. Guttmann,\nMitglied des Hof- und Nalional-Theaters in Mannheim, der\nOeffentlichkeit ein Werkchen übergeben, das Schauspie-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4466, "texte": "lern und Sängern, Rednern, Geistlichen und Lehrern ganz\nbesonders empfohlen zu werden verdient.\nHerr Guttmann hat über den Gegenstand seines Bu-\nches in Mannheim Vorlesungen gehalten, die sich ganz be-\nsonderen Beifalls zu erfreuen hatten, und gehört zu den\ngegenwärtig leider sehr seltenen Bühnen-Mitgliedern, die\nüber die Kunst der Rede und des Gesanges nachgedacht\nund mit Verstand und Ausdauer Erfahrungen über die\nMittel, dieser Kunst durch Lehre und Uebung gerecht zu\nwerden, gemacht haben. Wie gut er seine Kunstgenossen\nkennt, geht aus seinen Aeusserungen in den „Vorbemer-\nkungen\" hervor.\n»Nicht selten\" sagt er „hören wir von unseren\nKunstjüngern die Phrase: „ „Was heisst Methode? Ein\nJeder athme und spreche, wie ihm der Schnabel gewach-\nsen ist; in der Schauspielkunst gibt die innere Begabung\ndas Erforderliche, alles Andere ist Nebensache.\"\"\nAber auch Folgendem stimmen wir vollständig bei:\n„Vor Allem müssen wir unser tiefes Bedauern über c!ie\nVernachlässigung der Redekunst von Seiten der Geistlichen\naussprechen. Die hohe Bestimmung des geistlichen Standes\nglaubt man ausfüllen zu können, wenn zu der geistigen\nAusbildung etwas Stimme hinzukommt. Wie soll man aber\nandächtig bleiben, wenn, abgesehen von künstlerischer Bil-\ndung des Vortrages, nicht einmal die erste Bedingung der\nRede, die richtige Aussprache des Wertes, erfüllt wird?\nwenn man z. B. Dinge hört, wie: „„Wir ober wai-\nchen nich vun däm Wäge des Hären\"\" u. dgl. m.?\"\nDass in Deutschland in Schulen und sonst überhaupt\nsehr wenig für die Ausbildung der Sprach-Organe Behufs\nder Deutlichkeit der Aussprache und der Wohlredenheit\ngethan wird, ist ebenfalls wahr. Ist doch leider die Bildung\nder meisten Lehrer in dieser Hinsicht ganz vernachlässigt.\nWir haben eine Menge Prüfungs-Reglements, in denen\nalles Mögliche von Wissen und Können von den Schul-\namts-Candidaten verlangt wird, nur nicht Proben ihres\nmündlichen Vortrags—denn die Probe-Lectionen reichen\nbei Weitem nicht aus, um die Befähigung eines Lehrers\nzum Reden darzuthun. Das Vorlesen eines Abschnittes\nsowohl in gebundener als in ungebundener Rede würde\nzu einem weit sicherern Urtheil darüber führen.\nIn Guttmarin's Werkchen ist zunächst der sehr rich-\ntige Grundsatz festgehalten, dass die deutliche und schöne\nRede die Grundlage des richtigen und schönen Gesanges\nist. Die gute Rede beruht aber zunächst und hauptsäch-\nlich auf der richtigen Aussprache. Diese behandelt der\nVerfasser im dritten Abschnitte (S. 47—97) mit Geschick\nund praktischem Blicke, der durch Erfahrung geschärft\nist. Ausführlicheres hierüber, durch reiche Beispiel-Samm-\nlung erläutert, findet man in Roderich Benedix: „Die\nAussprache des Hochdeutschen.\" Leipzig, bei J. J.\nWeber, 1859. 8., und: „Die Betonung der deut-\nschen Sprache.\" Ebendaselbst. 1859, 8. —zwei eben-\nfalls sehr empfehlungswerthen Werken.\nWas Guttmann's Büchlein aber den Hauptwerth gibt,\nist das physiologische Element, das den ersten Abschnitt:\n„Von den Stimm-Organen\", den zweiten: „Von\nder Thätigkeit der Stimm-Organe\", und vorzüg-\nlich den vierten: „Das Athmen\", durchdringt.\nIn diesem letzten Abschnitte (S. 98—142) gibt der\nVerfasser eine physiologische Darstellung des Athmens,\nworauf er dann einen Inbegriff von Regeln und Uebungen\nzur Erlangung einer vollkommenen Herrschaft über das-\nselbe folgen lässt, welche den denkenden und forschenden,\nvor Allem aber auch den durch langjährige und vielseitige\nErfahrung gereiften Lehrer bekunden. Diese Regeln sind\nhöchst praktisch; ihre Anwendung fordert aber einen Ernst\nund eine Ausdauer, die gerade bei denen, für die ihre\nBefolgung und Uebung am nothwendigsten wäre, bei den\nSchauspielern und Sängern unserer Tage, nur in sehr ge-\nringem Maasse anzutreffen ist. Hat man ein ziemlich klang-\nvolles Organ, oder eine passable Stimme, so geht man\naufs Theater, lernt da Gehen und Stehen, memorirt noth-\ndürftig seine Rollen oder Gesang-Partieen und spricht und\nsingt dann darauf los. Dabei merkt man sich allerlei Kunst-\ngriffe der Effecthascherei, legt das Wesen des Schauspie-\nlers in den Kleinhandel mit Aeusserlichkeiten, die Tugend\ndes Sängers in die Lungen, und der Künstler ist fertig!\nDenen aber, in deren Brust noch irgend ein Fünkchen\nder Begeisterung für die wirkliche Kunst der Rede und\ndes Gesanges glüht, denen, für die das Wort Studium\nüberhaupt noch vorhanden ist, empfehlen wir Guttmann's\nBuch, das neben seinem praktischen Inhalt auch noch den\nVorzug einer populären, leicht fasslichen Darstellung hat.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "143", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.2.4", "titre_corps": "Der Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Der Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main.", "signature_source": "nn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.5", "debut_caractere": 4468, "fin_caractere_exclue": 5122, "texte": "Der Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main.\n\nFrankfurt a. M., 15. April 186].\nDie Winterthätigkeit unseres Cäcilien-Vereins naht sich\nihrem Schlüsse, und die Gefahren, die ein Wechsel in der\nDirection leicht herbeiführt, scheinen beseitigt. Ich will\nIhnen so unparteiisch wie möglich ein Bild von dem ge-\nben, was der Verein unter seinem neuen Director, Herrn\nKarl Müller, geleistet hat.\nVon Ende September, wo die regelmässigen Vereins-\nAbende begannen, wurde Judas Maccabäus einstudirt,\nder seit 1853 nicht mehr, und auch damals nur am Flü-\ngel, aufgeführt worden war. Ueber die Hälfte der Mitglie-\nder war seitdem neu eingetreten und daher mit dem Werke"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5495, "texte": "noch vollkommen unbekannt. Dennoch gelang es, das\ngrosse Werk mit der Mosel'schen Instrumentirung bis zum\n30. November vollkommen hinzustellen, und die Auffüh-\nrung war eine wohl gelungene; Chor und Orchester lei-\nsteten sehr Tüchtiges und gaben das heroische Tonwerk\nmit Schwung und Begeisterung wieder. Ein nicht strenges\nFesthalten der Tempi und ein merkliches Acceleriren in\nden rascheren Chören schadete der Majestät, die über dem\nGanzen waltet; mehr noch die höchst ungünstige, gedrückte\nund dumpfe Localität, die diesen Winter allen grossen\nConcerten zum Ersatz dienen muss für den entzogenen\nWeidenbusch-Saal.\nDas zweite Abonnements-Concert, das am 7. Februar\nim Vereins-Locale gehalten wurde, brachte sechs kleinere\nTonwerke, meist von alten Meistern. Voran zwei der jüngst\nerschienenen Cantaten von J. S. Bach: „Christ lag in\nTodesbanden\" und „Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig\".\nBeide Compositionen sind ungemein interessant und wir-\nkungsreich; die erste, dem Texte entsprechend, in grösse-\nrem Stile, choralmässig gehalten, mit durchgehendem Can-\ntus firmus, der volle Chor abwechselnd mit den Gesängen\nder Tenöre, Bässe und der vereinigten Soprane und Alte,\nSoprane und Tenöre, ein weihevoller, triumphirender Oster-\nHymnus; die zweite Cantale, elegisch gehalten, ein cha-\nrakteristischer figurirter Choral zu Anfang, dessen Empfin-\ndungen dann Einzelstimmen in Arien und Recitativen wei-\nter ausführen, worauf der ganze Chor das Thema als Choral\nwieder aufnimmt und mit den Schlussworten: „Wer Gott\nfürchtet, bleibt ewig stehen\", aus der Wehmuth und Trauer\nzu christlichem Vertrauen sich erhebt. Die Arien sind mehr\nfür den, der ihrer Structur mit Interesse folgt, als für den\nmusicalischen Sinn im Allgemeinen noch geniessbar. Neben\ndem Misencorchas Domini von Mozart wurde das zwei-\nchörige von Durante gesungen, das in seiner demüthigen\nEinfachheit einen tiefen Eindruck machte und dem reli-\ngiösen Gemüthe eine reinere Nahrung bot. Erschütternd\nwirkte ein achtstimmiges Crucißxus von Lotti, das vollen-\ndet und mit den feinsten Schättirungen gesungen wurde.\nMendelssohn's Ave Maria. jenes rührende, jungfräuliche\nGebet, rein und klar wie der Quell und lieblich glänzend\nwie der Stern am Himmel, die Nacht der Todesangst\ndurchstrahlend, machte den heiter-ernsten Schluss des ge-\nnussreichen Abends, an dem der Chor in dem schönen\nLocale und bei der bescheidenen Begleitung (Ciavier und\nStreich-Quartett mit obligaten Instrumenten in den Soli's)\nseine ganze Gediegenheit und Tonfülle entfalten konnte.\nZum Charfreitags-Concerte wurde die seit 1857 nicht\nmehr gesungene if-mö/7-Messe von J. S. Bach ausge-\nwählt, jenes musicalische Glaubensbekenntniss des wun-\nderbaren Meisters, dem an Breite und Majestät, an Reich-\nthum der Formen und Ideen kein anderes ähnlicher Art\ngleichkommt; bei der Kürze der Zeit (vom 7. Februar bis\n29. März) und den zahlreichen neuen Mitgliedern ein\nschwieriges Unternehmen, das aber, Dank dem unermüd-\nlichen Eifer Müller's und der regen Theilnahme der Mit-\nglieder, besonders aber der hinreissenden Grösse des Bach'-\nschen Geistes, in hohem Grade befriedigend gelang. Lei-\nder benachteiligte hier noch mehr, als beim Judas, die\nschlechte Akustik des Locals die Wirkung dieses unver-\ngleichlich erhabenen Werkes, und die durch Ueberfüllung\nhervorgebrachte übermässige Hitze deprimirte die Geister,\ndass sie nur schwer und mühsam nachdringen konnten in\ndie geheimnissvollen Tiefen dieser an Wundern reichen\nTon weit. Bei den eigentümlichen, hier bestehenden Ver-\nhältnissen wird es wohl ein vergeblicher Wunsch sein,\ndiesen hehren Dom von Tönen einmal aufbauen zu dürfen\nda, wo die einzig ebenbürtige Umgebung geboten wird,\nnämlich in der Kirche. Doch haben wir, so Gott will, die\nhärteste Prüfung in diesem Winter bestanden, und der\nneue Saal, der bis zum Herbste fertig sein wird, soll nach\ndem Urtheil der Sachkenner alle Bedürfnisse der musica-\nlischen Welt vollständig befriedigen. Uebrigens wurde das\nschwere Werk sehr gut gesungen und von dem Orchester,\ndas in der Begleitung der grossen Bass-Arie durch Ver-\ntauschung des obligaten Instrumentes wesentlich gewonnen\nhatte, trefflich unterstützt; nur war man auch hier zum\nTheil an minder rasche Tempi gewöhnt und vermisste in\nden lebhaften Chören das Festhalten desTempo's. Der Ge-\nwinn für den Verein war ein grosser, denn dieser hatte\nwieder einmal seine ganze Kraft an die tüchtige Durch-\nführung des Grössten gesetzt und dadurch einen mächti-\ngen Fortschritt auf der künstlerischen Bahn gemacht. Dies\nzeigte sich sofort, als am 10. April eine Gedächtnissfeier\nfür Franz Messer (f 9. April 1860) veranstaltet wurde.\nEine Vorbereitung zu derselben war nicht möglich; aber\nalles, was gesungen wurde, trug den Stempel der Gedie-\ngenheit und des wirklichen Verständnisses, und doch bil-\ndete Cherubini's Requiem den Kern der Feier ein\nWerk, das seit drei Jahren nicht gesungen war und ge-\nwiss nur von geübten Sängern würdig vorgetragen werden\nkann. Ihm folgte Messer's schöne Composition des Auf-\nerstehungsliedes von Klopstock; der innigfromme Chor:\n„Siehe, wir preisen selig\", aus Mendelssohn's Paulus\nund der Schlusschor der Matthäus-Passion endeten die\nweihevolle Feier. Eine Messe von Hauptmann, die dem\nVereine noch neu ist, soll als viertes Abonnements-Concert\ndas Vereinsjahr beschliessen. Nach dem bisher Geleisteten\ndürfen wir mit Zuversicht erwarten, dass der Verein auch\nunter Herrn Musik-Director Müller seinem hohen Ziele\nnäher kommen werde, das ja bei einem in den Mitgliedern"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 464, "texte": "wechselnden Vereine nie auf die Dauer in gleichem Maasse\nbehauptet werden kann. Möge er selbst in dem mehr und\nmehr wachsenden Vertrauen der Mitglieder den Lohn sei-\nnes bewundernswürdigen Eifers und seines durchaus wür-\ndevollen Benehmens finden, so wie den Antrieb, nicht\nmüde zu werden seinerseits in dem Streben, das volle\nVerständniss zwischen dem Vereine und seinem Director\nherbeizuführen, durch welches allein Vollendetes geleistet\nwerden kann. nn.\n\n-- nn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "144", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.2.5", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.7", "debut_caractere": 466, "fin_caractere_exclue": 5190, "texte": "Aus München.\nDas von Herrn Karl von Per fall am 13. April im\ngrossen Saale des Odeons zu wohlthätigen Zwecken gege-\nbene Concert brachte drei vom Concertgeber componirte\nGesangwerke für Soli, Chor und Orchester zur Auf-\nführung, denen drei deutsche Märchen, zu diesem Be-\nhuf von Franz Bonn bearbeitet, zur poetischen Grund-\nlage dienen: „Dornröschen\", „Rübezahl\" und „Un-\nd ine\".\nDer Componist bewährt sich in diesen drei Werken,\nvorzüglich aber in der „Undine\", sowohl als gewandten\nMusiker, so dass man weder irgend eine Unbeholfenheit,\nnoch die Mühen der Arbeit entdeckt, als auch—und das\nist die Hauptsache—als einen aus jener kleinen Zahl von\nAuserwählten, denen es gelungen ist, sich „durchzuschrei-\nben\" und nun auf selbständigem Gebiete zu walten. Mit\nAusnahme weniger Stellen, wo eine Congruenz mit den\nstilistischen Kennzeichen anderer Meister unvermeidlich, ja,\nsogar geboten war, wenn man dem romantischen Stoffe\ngerecht werden wollte, mit Ausnahme dieser wenigen Stel-\nlen sind sämmtliche Motive originel erfunden und erfreuen\nsich einer sehr vortheilhaften Plastik; desshalb wird man\naber auch die Haupt-Charakteristica für die Kunstversuche\nder dii minorum gentium wir meinen Unklarheit und\nVerschwommenheit—umsonst suchen. Auch dielnstrumen-\ntirung (welche trotz ihres reichen Colorits doch nirgends\ndie Wirkung der Singstimmen beeinträchtigt, zeugt von\neinem zur vollen Entwicklung gelangten Schönheitssinne.\nAlle diese Vorzüge werden endlich noch dadurch gehoben,\ndass sich auch in declamatorischer Beziehung allenthalben,\nzumeist jedoch in Undine, ein äusserst feiner Geschmack\nzu erkennen gibt.\nStehen nun auch gerade nicht alle Theile in Dornrös-\nchen und Rübezahl auf dieser gleichmässigen Höhe, so wird\nman doch auch ihnen ihrer den Grundton vollkommen tref-\nfenden Färbung und einer Alles durchströmenden Wärme\nhalber lebhafte Sympathie nicht versagen können. Die\nGründe für den relativ geringeren Werth dieser beiden\nTondichtungen mögen zum Theil äusserer Natur sein. Was\nzunächst Dornröschen betrifft, so war dies der erste Ver-\nsuch, den der Componist auf dem von ihm zu bebauenden\nlyrisch-dramatischen Felde machte. Liess sich schon damals\nein entschiedener Beruf nicht verkennen, so hatte es doch\nim grossen Ganzen mehr oder minder sein Verbleiben bei\nder Intention, wozu denn freilich der für den Musiker nicht\ngünstig ausgesponnene Text das Seine beigetragen haben\nmag. Seitdem nun hat das Werk in Wort und Musik eine\ngründliche und von grosser Selbstkritik zeugende Umar-\nbeitung erlebt, die sowohl hinsichtlich des Gesammt-Ein-\ndrucks als auch der einzelnen musicalischen Partieen vom\ngünstigsten Erfolg war. Gleichzeitig bewährte sich aber auch\ndie allbekannte Erfahrung, dass im Kunstwerke durch selbst\ndie glücklichste Umarbeitung jene primitive Inspiration (wie\nsie dem der Technik vollkommen gewachsenen Meister zu\nGebote steht) niemals gänzlich ersetzt werden kann. Durch\nschöne Vollendung zeichnen sich übrigens vor Allem aus\nder Schlusschor des ersten Theiles und im zweiten Theile\ndas Solo: „Es ruht von Rosen ganz bedeckt\", so wie der\nChor: „Er schreitet durch—er ist am Thor\", während das\nDuett: „0 seliges Loos\", mehr als wünschenswerth an das\nConventionelle der modernen Oper streift.\nAnders verhält es sich mit „Rübezahl\", wo die nun\nvollkommen erlangte Gewandtheit hinsichtlich der Factur\nmit reicher Erfindung auf das beste verbunden erscheint,\nund dennoch mit Ausnahme des äusserst frischen Einlei-\ntungs-Chors die beabsichtigte Wirkung nur bedingungs-\nweise erreicht wird. Hier scheint nur der Grund lediglich\nin der Art des Textes zu liegen. Der Mängel sind zweierlei:\nzuerst der, dass hier nicht bloss (wie dies bei Texten die-\nser Art der Fall sein soll) die aus den Handlungs-Momen-\nten resultirenden lyrischen Stimmungen dargestellt sind,\nsondern die realen Vorgänge selbst—das Rübenzählen und\ndas Herannahender Reisigen. Diese Tactesind es, die durch\nihre längere Andauer eine rein dramatische Situation be-\ndingen und dadurch den Hörer, wofern er den Intentionen\ndes Künstlers folgen will, zwingen, sich unablässig eine\ntheatralische Inscenirung vorzustellen. Wie nun aber durch\ndiese Art reflectirender Geistesthätigkeit dem Geniessenden\nder Eindruck eines Kunstwerkes, wenn auch nicht abge-\nschwächt, doch jedenfalls alterirt wird, so mag es auch ähn-\nlich dem Componisten ergangen sein, als er sich mit der\nBearbeitung dieses etwas spröden poetischen Materials be-\nschäftigte. Auch er war genöthigt, sich häufig eine Situation\nzu ergänzen, die gleichwohl in dem für den Concertsaal\nbestimmten Werke schliesslich nirgends zum Ausdruck ge-\nlangen konnte.\nDer zweite der oben erwähnten Mängel ist zwar ähn-\nlicher Natur, wie der erste, und fällt auch in seinen Wir-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2108, "texte": "kungen völlig mit diesem zusammen, muss aber dennoch\nbesonders aufgeführt werden. Er besteht darin, dass die\neinzelnen Scenen jener Einheit des Ortes entbehren, die in\nallen der Oralorienform sich annähernden Werken unum-\ngänglich nöthig ist. [?] So müssen wir uns den Klageruf\nvon Rosaura's Gespielinnen als in der „Ferne von oben\"\ngehört denken, und im zweiten Theile muss es gleichfalls\nder Phantasie des Hörers überlassen bleiben, sich das (schon\noben erwähnte) Näherkommen der Reisigen und Rosaura's\nAbschiedsworte wie „aus der Ferne\" klingend zu versinn-\nlichen. Nach allem dem möchte es wahrscheinlich sein,\ndass bei einiger Umgestaltung von der Ruhne herab der\nRübezahl eine ungleich grössere Wirkung machen würde,\nals im Concerlsaale.\nVon der „Undine\" lässt sich in jeder Reziehung nur\ndas Reste sagen, und unbedenklich darf man das Werk\ndem Vollkommensten beizählen, das seit Rob. Schumann's\n„Paradies und Peri\" nach dieser Richtung hin geleistet\nwurde.\nWas schliesslich die Ausführung der drei Tondichtun-\ngen betrifft, so muss sie als sehr gelungen, zum Theil als\nunübertrefflich bezeichnet werden. Den chorischen Theil\nhatte der Oratorien-Verein übernommen, den orchestralen\ndie k. Hofcapelle. Aus den Solo's sind vor Allem die Vor-\nträge der Frau v. Mangstl und des Herrn Dr. Härtin-\nger hervorzuheben, in so fern sich in den Leistungen bei-\nder jene von edelster Poesie durchgeistigte Auffassung kund\ngab, wie sie nur Künstlern „von Gottes Gnaden\" zu Ge-\nbote steht. Rei dieser Gelegenheit lag die Anstellung eines\nVergleiches jener Epoche unserer Oper, worin die beiden\neben genannten Künstler zu den Koryphäen zählten, mit\ndem gegenwärtigen Zustande dieses Kunst-Instituts nahe\ngenug. In der That wurde auch dieser Vergleich von den\nverschiedensten Seiten her angestellt. Hierbei ereignete sich\nnun aber jener höchst seltene Fall, dass hinsichtlich des\nResultates vollkommene Stimmeneinheit herrschte. Worin\naber dieses Resultat bestand, das bleibe vorläufig ein\n„öffentliches Geheimniss\". Der Erfolg des Concertes war\nein entschieden glänzender, und der Componist wurde am\nSchlüsse gerufen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-05-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.8", "debut_caractere": 2110, "fin_caractere_exclue": 4801, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 29. April wohnten wir einer Gesang-Soiree im\nHötel Disch bei, welche die Herren H. Schüller (Tenor) und M.\nSchwarz veranstaltet hatten. Sämmtliche „Vorträge wur-\nden von den Schülern des Herrn E. Koch ausgeführt®, wie das\nProgramm besagte. Vom Standpunkte eines Prüfungs-Concertes aus,\nworauf der eben erwähnte Zusatz auf dem Programm hindeutet, be-\nurtheilt, berechtigen die Leistungen des Fräul. Francisca Burn\nund der Herren Schüller und Schwarz zu guten Hoffnungen.\nUeber den erwähnten Standpunkt hinaus war allein Fräul. Julie\nRothenberger, welche durch den-Vortrag der F-dur- Arie aus\nFigaro (in welcher sie nur am Schlüsse den reinen Mozart nicht\ndurch eine Bellini'sche Fermate hätte verunstalten sollen), des Duetts\naus den Jahreszeiten, der Lieder von Mozart (Veilchen) und Dorn\n(An den Mond) allgemeinen und sehr wohl verdienten Beifall erhielt\nund durch Reinheit der Intonation, sehr liebliche Stimme, besonders\nin der Höhe, und durch ausdrucksvollen Vortrag ihre grossen Fort-\nschritte auf die erfreulichste Weise bekundete. Den beiden Herren\nmüssen wir aber empfehlen, dem Vorbilde ihres Lehrers, von dem\nsie noch weit entfernt sind, eifrig nachzustreben; Herr Koch aber\nhat auch an diesem Abende wieder gezeigt, dass er in Stimme und\nVortrag immer noch den Forderungen an einen guten Tenor voll-\nkommen gewachsen ist. Herr Kaiser, ein talentvoller Schüler des\nhiesigen Conservatoriums, trug eine Beethoven'sche Sonate sehr be-\nfriedigend vor und begleitete die Gesänge am Piano recht gut.\nDüsseldorf, 29. April. Die Erwartungen, welche Fräulein\nPhilippine Papiee durch ihr erstes Auftreten als Orsino auf\nhiesiger Bühne in hohem Grade erregt hatte, sind durch ihre zweite\nRolle, die sie aus der classischen Opernmusik gewählt hatte, voll-\nkommen erfüllt worden. Die schwierige Partie der Elvira in Mo-\nzart's Don Juan wurde von ihr in musicalischer Beziehung vor-\nzüglich gut wiedergegeben, so dass der ersten Arie sogleich lebhaf-\nter Beifall und der grossen Arie aus B-dur Hervorruf folgte. Eine\numfangreiche, kräftige Stimme, deren Register gut ausgeglichen sind,\nreine Intonation, leidenschaftlicher Vortrag, verbunden mit einer im-\nponirenden Gestalt und edlen Haltung, eignen die talentvolle junge\nKünstlerin zu einer dramatischen Sängerin, die einer schönen Zu-\nkunft entgegen geht. Fräulein Papiee sang die Partie mit dem\nneuen deutschen Texte des Clavier-Auszugs, der kürzlich bei\nSimrock in Bonn von Prof. BischofF herausgegeben worden ist;\ndie Sangbarkeit dieses Textes und seine edle Ausdrucksweise sta-\nchen sehr vortheilhaft gegen die früheren Texte ab, die bekanntlich\nden Sinn und die Musik meist auf arge Weise verunstalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in Altona (Schluss). Beurtheilungen (Ferdinand Hiller, 24 dreistimmige Vocalisen, Op. 82\nOskar Guttmann, Gymnastik der Stimme). Von L. Der Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main. Von --nn.— Aus München (Con-\ncert von Herrn Karl von Perfall). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gesang-Soiree im HMel Disch Düsseldorf, Fräu-\nlein Philippine ,\n\nMusicalische Zustände in Altona.\n(Schluss. S. Nr. 16.)\nEinen zweiten Zeitraum für die\nstände in Altona nimmt der Verfasser von 1817 bis 1849\nan. In dieser Periode war es vorzüglich oder vielmehr\nganz allein die ausdauerndste und opferwilligste Liebe und\nThätigkeit des Dr. Mutzenbecher, welche unter zahl-\nreichen Hemmnissen das musicalische Leben in Altona,\ndas durch die Kriegszeiten gänzlich erloschen war, seit\ndem Jahre 1817 wieder neu erweckte und eine lange\nReihe von Jahren hindurch aufrecht hielt.\nEr gründete einen Gesangverein, baute einen Concert-\nsaal, die Tonhalle genannt, richtete regelmässige Concerte\nein und schoss zu den Kosten derselben fast alljährlich aus\neigenen Mitteln bedeutende Summen zu. Die Unterstützung\nvon Seiten des Publicums war sehr schwach: „im Winter\n1829 —lB3O z. 8., in welchem neun auswärtige Künst-\nler auftraten, hatte die Concert-Casse nur über 130 Mark\nfür jedes Concert zu verfügen\". Man kann sich also eine\nVorstellung von den Opfern machen, die der treffliche\nMann bringen musste, um die Kunst nicht sinken zu lassen.\nSein beharrliches Streben brachte ausser der Stiftung des\nGesangvereins auch die Errichtung einer Gesangschule\n(die bis zu seinem Tode—den 24. Mai 1838—bestand)\nund die Ausführung regelmässiger Concert- und Kirchen-\nMusiken zu Stande. Die Herstellung eines wohl organisir-\nten Kirchengesanges scheiterte theils an den nöthigen Mit-\nteln, theils an der Abgeneigtheit der Geistlichkeit.\nAusser dem Dr. Mutzenbecher machten sich in diesem\nZeiträume Herr J. P. R. Rein ecke (Vater des Mu-\nsik-Directors Karl Hei necke in Breslau) durch Stiftung\neines Orchester-Vereins, die Herren Wilhelm und Karl\nBlaun, letzterer Dirigent der Concerte und mit dem Can-\ntor Petersen Gründer der Sing-Akademie (um 1845)\nund Dirigent der Kirchenmusiken, um die Tonkunst in\nAltona verdient. Aufgeführt wurden Oratorien und geist-\nliche Musiken von Händel, Ph. E. Bach, Mozart, Haydn,\nBeethoven, Spohr (Die letzten Dinge sieben Mal), F. Schnei-\nder, Stadler, Schulz (Athalia, Maria und Johannes), Nau-\nmann, A. Romberg, Kunzen (Hallelujah), Lindpaintner\n(Te Deum), F. Ries, Schicht, Winter, Neukomm, Weyse\n(Weihnachts-Cantate, Hymne), F. Grund, Schwencke\nu. s. w., zuletzt auch von Mendelssohn-Bartholdy.\nEs geht aus der Darstellung des zweiten Zeitraumes\nhervor, „dass Altona, während es früher ganz an einheimi-\nschen Kräften fehlte, nunmehr selbst in Mutzenbecher\neinen Beförderer der Kunst gefunden hatte, dessen eifriges\nStreben die Wirksamkeit vieler anderen minder Begabten\nersetzen konnte. Derselbe fand indess bei seinen Mitbür-\ngern nicht das Interesse vor, welches sein lebendiger Sinn\nund seine Verehrung für die Kunst zu erwarten berechtigt\nwar. Beim Lesen seiner Berichte ergreift uns nicht selten\nein wehmüthiges Gefühl, wenn wir sehen, wie nieder-\nschlagend sich oft die Verhältnisse seinem begeisterten\nStreben gegenüber gestalteten, wie er dessen ungeachtet im-\nmer mit frischem Muthe neue Hoffnungen schöpfte und\nneue Quellen ergiebig machte, und wie genügsam und\ndankbar sich sein für Musik so weit geöffnetes Herz selbst\nbei Erreichung der kleinsten Erfolge zeigte. Ihm selbst war\nes nicht mehr vergönnt, die Früchte des Bodens, den er\nbepflanzt hatte, reifen zu sehen; denn erst nach seinem\nAbleben zeigte sich allmählich ein regerer Sinn und ein\nweiter verbreitetes Streben für Musik. Wenn diese gün-\nstigere Stellung, welche die Kunst jetzt einnimmt, auch\nselbstverständlich zum Theil aus der immer fortschreiten-\nden, nach grösserer Befriedigung strebenden Bildung her-\nvorgegangen, und wenn auch Andere wesentlich dazu bei-\ngetragen, ihr diese bessere Stellung zu verschaffen, so dür-\nfen wir doch nie verkennen, dass Mutzenbecher hier einen\nGrund gelegt hatte, auf welchem das Fortbauen ein viel\nleichteres Werk war, als es unter anderen Umständen der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.2", "texte": "Fall gewesen wäre. Er pflanzte den Keim bei vielen der\njetzt thätig Fortstrebenden, oder er pflegte denselben zu\nreicherer Entfaltung der Blüthen; er bearbeitete das brach\nliegende Feld nach allen Seiten mit energischer Hand. Fast\nalle älteren Musiker Altona's, welche die Pflege und Be-\nhandlung der Musik in die verschiedenen bürgerlichen\nKreise hineingetragen und ausgebildet haben, haben einen\nnicht unwesentlichen Theil ihrer musicalischen Bildung aus\nihrem Verkehr mit ihm gezogen; er bildete nicht allein\nSchüler, sondern auch Lehrer heran. Und wie lange hätte\nAltona damals wohl auf einen Concertsaal warten müssen,\nwenn Mutzenbecher nicht gewesen wäre!\"\n„Mutzenbecher war im gewöhnlichen Verkehr interes-\nsant und anregend, dabei bis im hohen Alter bei freund-\nschaftlichen Zusammenkünften, namentlich wenn gute Mu-\nsik dabei zum Vorschein kam, heiter und aufgeräumt. Da\nihm eigentlich kein Zweig gelehrten Wissens fremd ge-\nblieben war, so war es stets lehrreich, ihn sich mittheilen\nund seine LJrtheile begründen zu hören. Neben einer gros-\nsen technischen Fertigkeit in der Musik, namentlich auch\nals Piano- und Orgelspieler, hatte er sich tiefe theoretische\nKenntnisse in der Kunst zu eigen gemacht, und im Ge-\nsänge war er selbst meisterhaft ausgebildet, obwohl die\nNatur ihm eben keine schöne Stimme verliehen hatte. Eine\netwas steife Geschmacksrichtung mochte man mitunter an\nseinen Productionen zu tadeln haben, aber seine Vortrags-\nweise an sich zeigte immer dieselbe geistvolle, charakte-\nristische Auffassung und die vollständige Herrschaft, die\ner über seine Kehle übte. Die Arie des Sarastro z. B.\n(0 Isis und Osiris) erinnern wir uns noch im vorgerückten\nAlter von ihm in einer Weise gehört zu haben, wie sie\ndie erhabene Einfachheit dieses Musikstückes nur zu for-\ndern berechtigt ist. Auch mit der Orgelbaukunst war er\nwohl vertraut. Als im Jahre 1836 die Orgel in der hie-\nsigen Hauptkirche einer Reparatur unterzogen wurde,\nwurden mehrere Verbesserungen seinen Angaben zufolge\ndabei angebracht, und die nicht unbeträchtlichen Kosten\nlür diese letzteren bezahlte er selbst aus blossem Interesse\nfür die Sache.\n„In seinen Einladungsblättern zu den Concerten findet\nsich eine grosse Sammlung interessanter musicalischer No-\ntizen, namentlich auch geschichtlicher Mittheilungen und\nkritischer und theoretischer Abhandlungen. Aus seinem\nNachlasse wurden noch ähnliche Arbeiten von ihm und\nviele wissenschaftliche und musicalische Sammlungen von\ndem verstorbenen Professor Dehn in Berlin (einem gebo-\nrenen Altonaer) für die königliche Bibliothek angekauft.\nWas Mutzenbecher's Compositionen betrifft, so müssen\nwir bekennen, dass wir nichts Fesselndes in selbieen\nfinden können. Er hat auch wohl selbst gefühlt, dass !\nseine Productionsfähigkeit sich nicht über eine gewöhnliche\nerstreckte.\"\nIn den vierziger Jahren, der Blüthezeit des Männer-\ngesanges, bildeten sich in Altona auch an drei bis vier\nLiedertafeln, welche noch jetzt bestehen. Der Verfas-\nser sagt sehr wohl zu beherzigende Worte über das We-\nsen des Männergesanges und sein Verhältniss zur Ton-\nkunst. Nachdem er die Berechtigung und die theilweise\nvortheilhafte Einwirkung desselben auf allgemeinere mu-\nsicalische Bildung warm verlheidigt, verschweigt er aucli\ndie Schattenseiten der Liedertafeln nicht und fährt also\nfort:\n„Gute Compositionen gibt es verhältnissmässig wenig;\ndieselben sind bald durchgesungen, die vielen faden und\ntrivialen dagegen, mit denen der Männergesang nament-\nlich in neuerer Zeit überschwemmt ist, lullen bald den\ngrössten Theil der Zeit aus, und auch die Geschmacks-\nrichtung wird dadurch eine verfehlte. Dazu kommt, dass\nin Folge der Tendenz der Vereine meistens keine beson-\nderen Ansprüche an die musicalische Qualification des Ein-\ntretenden gemacht werden; es sind daher viele nur Sänger\ndem Namen nach, und eben diese halten sich, durch den\nscheinbaren Erfolg ihrer Mitwirkung getäuscht, gar zu\nleicht für wirkliche Sänger. Es genügt ihnen das, was sie\nerreichen, sie werden durch diese Beschäftigung von der\nTheilnahme an eigentlich musicalischen Vereinen und von\nwirklichen Uebungen im Gesänge abgehalten und sind für\nein weiteres ausbildendes Streben in der Musik verloren.\n„Wenn wir die vorliegende Frage somit vom Stand-\npunkte der Kunstpflege aus betrachten, so müssen wir wün-\nschen, dass alle diejenigen, welche in der Lage sind, ein\nMehreres für ihre Ausbildung zu thun, sich auch mit dem\nMännergesang allein nicht begnügen, sondern ihrem Ge-\nsänge ein weiteres Feld eröffnen möchten. Wir meinen,\ndass, nachdem der Männergesang einen wichtigen Theil\nseiner Aufgabe erfüllt hat und während einer langen Reihe\nvon Jahren mit solchem Nachdruck betrieben ist, es end-\nlich an der Zeit ist, ihn auf das ihm zukommende Maass\nzu beschränken, und die ausschliessliche und einseitige Aus-\nübung desselben von Seiten eines grossen Theiles der Sin-\ngenden mit einer weiter ausbildenden Pflege des Gesanges\nzu vertauschen. In demselben Maasse, wie der Sänger sich\nvon einem verhältnissmässig armen Zweige auf ein reiche-\nres Feld begibt, wird sein Verlangen nach grösserer Aus-\nbildung steigen, ein ernsteres Streben wird ihn anfeuern,\nund die Kunst wird auch im Grossen bald andere Erfolge\naufzuweisen haben.\"\nDen dritten Zeitraum lässt der Verfasser mit dem\nJahre 1853, dem Gründungsjahre der gegenwärtigen\nSing-Akademie, beginnen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.3", "texte": "In der Zwischenzeit von 1848 bis 1852 zerfielen\nzwar die bisherigen musicalischen Institute mit Ausnahme\neiniger Liedertafeln, indess bildeten sich doch auch neue\nElemente eines künftigen regeren Lebens heran. Höchst\nförderlich war besonders das Auftreten von John Böie,\nwelcher, nachdem er seine Studien in Braunschweig bei\nKarl Müller und in Kassel bei Spohr vollendet hatte, in\nseine Vaterstadt Altona zurückgekehrt war, sehr bald als\nViolin-Virtuose verdienten Ruf erwarb, einen Cyklus von\nQuartett-Musik und einen Gesangverein errichtete. Das\nBedürfniss eines grösseren Instituts mit allgemeinerer Wirk-\nsamkeit für die Tonkunst in einer Stadt von über 45,000\nEinwohnern machte sich indess immer mehr geltend, und\nso entstand im Jahre 1853 (den 28. November) die „Al-\ntonaer Sing-Akademie\", in deren Vorstand vier\nHerren (unter ihnen C. Blaun und W. H. Nopitsch,\nder Verfasser der Schrift, die wir besprechen) und zwei\nDamen gewählt wurden, die musicalische Direction aber\nHerrn John Böie übertragen wurde.\nMit der Akademie ist eine Gesangschule verbun-\nden, deren Zweck ist, diejenigen, die noch keinen musica-\nlischen Unterricht genossen oder doch noch nicht hinreichend\nbefähigt sind, an den Uebungen und Aufführungen der\nAkademie Theil zu nehmen, für den Chorgesang auszu-\nbilden. Die Gesangschule hat das ganze Jahr hindurch\nihren Fortgang, die Theilnahme daran—es bestehen vier\ngesonderte Classen für Damen, Herren, Mädchen, Knaben\n—lässt noch zu wünschen übrig.\nDie Zahl der Mitglieder der Akademie betrug bei der\nStiftung 200 (dabei 60 singende), und ist gegenwärtig\nauf 300 (80 —9O mitwirkende) und etwa 30 Theilneh-\nmer an der Gesangschule gestiegen. Die Uebungen (nur im\nWinter Statt findend) werden zwar jetzt besser als früher\nbesucht, „aber die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit\ngrösserer geregelter Uebung ist doch unter denjenigen, die\nsich mit dem Gesänge beschäftigen, im Allgemeinen nicht\ngenug anerkannt.\" Doch hat sich im Ganzen bei der Be-\nvölkerung der Sinn für musicalische Bestrebungen und die\nTheilnahme daran weit lebhafter gezeigt, als jemals in\nfrüherer Zeit.\nDie vortrefflich akustisch gebaute „Tonhalle\" hat sich\nals zu klein für die gestiegene Theilnahme an den Concer-\nten erwiesen; diese werden jetzt in dem vom „Bürger-\nVerein\" im Jahre 1857 neu erbauten Saale (80 Fuss\nlang, 50 Tuss breit, 30 Fuss hoch) gegeben, der ausser\nder Chor- und Orchester-Bühne bis 650 Zuhörer fasst.\nDer Verfasser bringt bei Erwähnung dieses Saales ganz\ninteressante Notizen über akustischen Bau und stellt die\n„Tonhalle\" Mutzenbecher's in dieser Beziehung als Muster\nauf. Es ist bekannt, dass in ihr allerdings jede Art von\nMusik ausgezeichnet schön klingt.\nDie Akademie hat bis jetzt 22 Concerte veranstaltet\n(in drei anderen mitgewirkt), eines in grösserem Maass-\nstabe in der Hauptkirche am 30. April 1857 (Reintha-\nler's „Jephta und seine Tochter\"), an dessen Erwähnung\nder Verfasser ganz zweckmässige Betrachtungen über die\nVerdrängung der Musik aus den protestantischen Kirchen\nknüpft.\nIn jenen Concerten kamen zur Aufführung:\nOratorien und kirchliche Gesänge: Palestrina,\ncut cervus\"; Ant. Lotti, „ Vere languores\"; N. Jomelli,\n„Lux aeterno,\";Händel, „Der Messias\" und „Samson\";\nMozart, „Ave verum\" und „Requiem\"; J. Haydn, „Die\nSchöpfung\" und „DesStaubes eitle SorgenMotett; Beet-\nhoven, C-dur-Messe;Cherubini, L. Spohr,\n„Die letzten Dinge\"; Mendelssohn-Bartholdy, „Paulus\",\n„Elias\" und „Der 95. Psalm\"; F.Schubert, „Psalm 23\"\nfür vierstimmigen Frauenchor, Op. 132; C. Reinthaler,\n„Jephta und seine Tochter\". Von Vocalwerken anderer\nGattung: Beethoven, „Die Ruinen von Athen\", nach der\nEinrichtung von Rob. Heller; Mendelssohn-Bartholdy, „Die\nerste Walpurgisnacht\" und „Athalia\"; A. Romberg, Schil-\nler's „Lied von der Glocke\"; Rob. Schumann,\nfür Mignon, „Der Rose Pilgerfahrt\" und „Das Paradies\nund die Peri\"; N. W. Gade, „Erlkönigs Tochter\" und\n„Comala\". Ausserdem verschiedene Gesänge für ge-\nmischten Chor und Solo von F. Paer, F. Hiller, Beetho-\nven, R. Schumann, N. W. Gade, Jul. Stern, C. G. P. Grä-\ndener („Irrwischgesang\", Gedicht von Pfeiffer; „Der Elfen\nZwiegesang\", ein Nachtstück für sechsstimmigen Chor und\nSolo, von R. Reinick) und von John Böie („Geistliches\nAbendlied\" von G. Kinkel, „Verschwiegene Liebe\" von\nF. Hoefer, „Juchhe!\" von R. Reinick).—Ferner Arien und\nEnsembles aus Opern von Händel, Mozart, Righini, Beet-\nhoven, J. Rietz', „Dithyrambe\" von Schiller, und von In-\nstrumental-Musik Sinfonieen von Mozart, Beethoven, Schu-\nbert, und an neuen Orchestersachen: C. G. P. Grädener,\nC-moll-Sinfonie und Ouvertüre zu Schiller's „Fiesco\"; und\nL. Lee, Musik zu Schiller's „Jungfrau von Orleans\".\n„Ueber die Grädener'scheSinfonie ist es schon früher\nausgesprochen,\" sagt der Verfasser, „dass es sich hier um\nein imponirendes, mit grossen Zügen gegebenes Tonbild\nhandle, dessen Totalwirkung nie verloren gehen wird, dass\naber für das Verständniss dieses vorzugsweise polyphonen\nStils die melodische und rhythmische Gliederung der Haupt-\nthemen gar nicht einfach genug sein kann. In der Ouver-\ntüre zum Fiesco ist das gegebene und bekannte Programm,\ndie Dichtung nämlich, eine grosse Hülfe für das Verfolgen\nder Intentionen.\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.4", "texte": "J» der Kammermusik darf das Uebergewicht des\nInhalts iin individuellen Einflüsse auf das Formelle viel\nweiter gehen; die leichter erreichbare und desshalb häu-\nfigere Ausführung findet Kräfte, die mehr Mittel an die\nReproduction setzen können, und eine Auswahl von Hö-\nrern, die der Sache näher stehen. In diesem Sinne sind\nauch die drei oft nach dem Manuscript ausgeführten Quar-\ntette des Herrn Grädener, welche jetzt im Druck er-\nscheinen, und welchen wir eine möglichst weite Verbrei-\ntung wünschen, wohl über die Sinfonie zu stellen.\"\n\nBeurtheilungen.\n\nFerdinand Hiller, 24 dreistimmige Vocali-\nsen für Sopran, Mezzo-Sopran und Alt,\nmit begleitendem Instrumental-Bass, zur Uebung\nim Solo- und Chorgesange. Gioacchimo Ros-\nsini zugeeignet. Op. 82. Zwei Hefte. Partitur.\nDie Singstimmen sind auch einzeln zu haben.\nLeipzig, Breitkopf & Härtel.\nHiller's amtliche Thätigkeit als Director des Conser-\nvatoriums in Köln hat ihn schon öfter auf das Gebiet der\ninstrucliven Composition geführt; seine vortrefflichen\n„Rhythmischen Studien\", seine lehrreichen „Uebun-\ngen zum Studium der Harmonie und des Con-\ntrapunkt es\" (Köln, 1860, bei M. DuMont-Schau-\nberg) sind auf diesem Felde gewachsen, und das gegen-\nwärtig vorliegende Werk verdankt seine Entstehung eben-\nfalls der Absicht, die gründlichen Studien der Musik zu\nfördern und die didaktische Wirksamkeit weit über den\nKreis der zunächst dem Meister anvertrauten Anstalt hin-\naus zu verbreiten. Und das wird ihm jedenfalls in hohem\nMaasse gelingen; denn wenn schon die „rhythmischen Stu-\ndien\" allerdings einen Beleg zu dem Satze gaben, dass der\nschöpferische Geist des Tondichters auch in Compositionen,\ndie eine bestimmte instruetive Tendenz haben, mit Freiheit\nund Anmuth walten könne, so liefern doch diese drei-\nstimmigen Vocalisen den glänzendsten Beweis dafür,\nwie sich Geist, Erfindungsgabe, Charakteristik des Melo-\ndischen, das gründlichste Musikwissen und die grösste Ge-\nwandtheit in dessen formeller Anwendung mit einem päda-\ngogischen Zweck auf trefflichste Weise vereinigen lassen.\nEs dürfte in diesen 24 dreistimmigen Gesang-Etuden\nin musicalischer Hinsicht wirklich das Ideal von dem er-\nreicht sein, was der alte Horaz mit seinem „Omne tulit\npunctum, qui miseuit utile hat bezeichnen wol-\nlen. Die durchweg contrapunktische, oft streng canonische,\nden Musiker häufig durch die überraschendsten Combi-\nnationen aufs höchste interessirende Arbeit hindert durch-\naus nicht den freien Fluss melodischer Entwicklung; der\nSlil der Gesangübungen der älteren Meister der italiäni-\nschen Schule ist in diesen Vocalisen wieder aufgelebt und\nerscheint durch eine reiche Phantasie mannigfach verjüngt.\nWenngleich diese Uebungen für drei Stimmen gesetzt\nsind und als Musikstücke auch nur dreistimmig Wirkung\nmachen können, so schliesst dies doch keineswegs ihren\nGebrauch für eine einzelne Stimme aus. Dabei haben sie\ndas Gute, dass sie nicht über den gewöhnlichen Umfang\nder weiblichen Stimmen hinauf oder hinab gehen, ein Er-\nforderniss, das mehrere neuere Vocalisen so sehr vernach-\nlässigen, dass manche bloss für Ausnahmestimmen geschrie-\nben scheinen. Die Basis der Stimmbildung und des aus-\ndrucksvollen Singens liegt in den Tönen der mittleren\nStimm-Region vom eingestrichenen bis zum zweigestri-\nchenen g,nicht aber in dem Anquälen von Höhe und Tiefe,\ndie nur da cultivirt werden dürfen, wo die Natur sie in\nleichtem Anschlag und wohllautendem Timbre gegeben hat.\nObgleich sämmtliche Nummern die angegebenen Eigen-\nschaften und Vorzüge besitzen, so möchten wir doch, wenn\neinzelne hervorgehoben werden sollen, was gerade hier\ndoch sehr auf individueller Ansicht beruhen dürfte, im I.\nHefte die Nummern 1, C-dur, 4, E-moll, 7, B-dur, 8,\nG-moll, 10, C-moll(grossartig) und 12, (als treff-\nliche Uebung für figurirten Gesang), auszeichnen. Auch die\nchromatische Vocalise Nr. 9 ist besonders zu erwähnen.\n—lm 11.. Hefte Nr. 14, D-dur, 15, Fis-dur (schwierig),\n16, F-moll (deren Bass vom Pater Matt ei nicht Wat-\ntei, wie durch Versehen gedruckt ist), 17, As-dur, 19,\nDes-dur (besonders anmuthig), und von den sehr schwie-\nrigen: Nr. 23 in H-durund 24 in durch ihren\nantiken Bach'schen Slil imponirend.\nUeberhaupt sind diese Vocalisen, wie gesagt, auf\ngründliche Gesangbildung berechnet und daher vorzugs-\nweise den Conservatorien und den Sängerinnen von Beruf\n(auch denen von Ruf!) anzuempfehlen; für Dilettanten-\nTändelei sind sie nicht geschrieben, wohl aber für Dilet-\ntanten-Ernst, der übrigens im Allgemeinen weniger aus-\ngestorben sein dürfte, als dies mit dem Künstler-Ernste\nnamentlich bei den Theatersängern der Fall zu sein\nscheint. L.\nOskar Guttmann, Gymnastik der Stimme, ge-\nstützt auf physiologische Gesetze. Eine Anweisung\nzum Selbstunterricht in der Uebung und dem rich-\ntigen Gebrauche der Sprach- und Gesangs-Or-\ngane. Leipzig, Verlagshandlung von J. J. Weber.\nXX und 144 S. 8.\nUnter vorstehendem Titel hat Herr 0. Guttmann,\nMitglied des Hof- und Nalional-Theaters in Mannheim, der\nOeffentlichkeit ein Werkchen übergeben, das Schauspie-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.5", "texte": "lern und Sängern, Rednern, Geistlichen und Lehrern ganz\nbesonders empfohlen zu werden verdient.\nHerr Guttmann hat über den Gegenstand seines Bu-\nches in Mannheim Vorlesungen gehalten, die sich ganz be-\nsonderen Beifalls zu erfreuen hatten, und gehört zu den\ngegenwärtig leider sehr seltenen Bühnen-Mitgliedern, die\nüber die Kunst der Rede und des Gesanges nachgedacht\nund mit Verstand und Ausdauer Erfahrungen über die\nMittel, dieser Kunst durch Lehre und Uebung gerecht zu\nwerden, gemacht haben. Wie gut er seine Kunstgenossen\nkennt, geht aus seinen Aeusserungen in den „Vorbemer-\nkungen\" hervor.\n»Nicht selten\" sagt er „hören wir von unseren\nKunstjüngern die Phrase: „ „Was heisst Methode? Ein\nJeder athme und spreche, wie ihm der Schnabel gewach-\nsen ist; in der Schauspielkunst gibt die innere Begabung\ndas Erforderliche, alles Andere ist Nebensache.\"\"\nAber auch Folgendem stimmen wir vollständig bei:\n„Vor Allem müssen wir unser tiefes Bedauern über c!ie\nVernachlässigung der Redekunst von Seiten der Geistlichen\naussprechen. Die hohe Bestimmung des geistlichen Standes\nglaubt man ausfüllen zu können, wenn zu der geistigen\nAusbildung etwas Stimme hinzukommt. Wie soll man aber\nandächtig bleiben, wenn, abgesehen von künstlerischer Bil-\ndung des Vortrages, nicht einmal die erste Bedingung der\nRede, die richtige Aussprache des Wertes, erfüllt wird?\nwenn man z. B. Dinge hört, wie: „„Wir ober wai-\nchen nich vun däm Wäge des Hären\"\" u. dgl. m.?\"\nDass in Deutschland in Schulen und sonst überhaupt\nsehr wenig für die Ausbildung der Sprach-Organe Behufs\nder Deutlichkeit der Aussprache und der Wohlredenheit\ngethan wird, ist ebenfalls wahr. Ist doch leider die Bildung\nder meisten Lehrer in dieser Hinsicht ganz vernachlässigt.\nWir haben eine Menge Prüfungs-Reglements, in denen\nalles Mögliche von Wissen und Können von den Schul-\namts-Candidaten verlangt wird, nur nicht Proben ihres\nmündlichen Vortrags—denn die Probe-Lectionen reichen\nbei Weitem nicht aus, um die Befähigung eines Lehrers\nzum Reden darzuthun. Das Vorlesen eines Abschnittes\nsowohl in gebundener als in ungebundener Rede würde\nzu einem weit sicherern Urtheil darüber führen.\nIn Guttmarin's Werkchen ist zunächst der sehr rich-\ntige Grundsatz festgehalten, dass die deutliche und schöne\nRede die Grundlage des richtigen und schönen Gesanges\nist. Die gute Rede beruht aber zunächst und hauptsäch-\nlich auf der richtigen Aussprache. Diese behandelt der\nVerfasser im dritten Abschnitte (S. 47—97) mit Geschick\nund praktischem Blicke, der durch Erfahrung geschärft\nist. Ausführlicheres hierüber, durch reiche Beispiel-Samm-\nlung erläutert, findet man in Roderich Benedix: „Die\nAussprache des Hochdeutschen.\" Leipzig, bei J. J.\nWeber, 1859. 8., und: „Die Betonung der deut-\nschen Sprache.\" Ebendaselbst. 1859, 8. —zwei eben-\nfalls sehr empfehlungswerthen Werken.\nWas Guttmann's Büchlein aber den Hauptwerth gibt,\nist das physiologische Element, das den ersten Abschnitt:\n„Von den Stimm-Organen\", den zweiten: „Von\nder Thätigkeit der Stimm-Organe\", und vorzüg-\nlich den vierten: „Das Athmen\", durchdringt.\nIn diesem letzten Abschnitte (S. 98—142) gibt der\nVerfasser eine physiologische Darstellung des Athmens,\nworauf er dann einen Inbegriff von Regeln und Uebungen\nzur Erlangung einer vollkommenen Herrschaft über das-\nselbe folgen lässt, welche den denkenden und forschenden,\nvor Allem aber auch den durch langjährige und vielseitige\nErfahrung gereiften Lehrer bekunden. Diese Regeln sind\nhöchst praktisch; ihre Anwendung fordert aber einen Ernst\nund eine Ausdauer, die gerade bei denen, für die ihre\nBefolgung und Uebung am nothwendigsten wäre, bei den\nSchauspielern und Sängern unserer Tage, nur in sehr ge-\nringem Maasse anzutreffen ist. Hat man ein ziemlich klang-\nvolles Organ, oder eine passable Stimme, so geht man\naufs Theater, lernt da Gehen und Stehen, memorirt noth-\ndürftig seine Rollen oder Gesang-Partieen und spricht und\nsingt dann darauf los. Dabei merkt man sich allerlei Kunst-\ngriffe der Effecthascherei, legt das Wesen des Schauspie-\nlers in den Kleinhandel mit Aeusserlichkeiten, die Tugend\ndes Sängers in die Lungen, und der Künstler ist fertig!\nDenen aber, in deren Brust noch irgend ein Fünkchen\nder Begeisterung für die wirkliche Kunst der Rede und\ndes Gesanges glüht, denen, für die das Wort Studium\nüberhaupt noch vorhanden ist, empfehlen wir Guttmann's\nBuch, das neben seinem praktischen Inhalt auch noch den\nVorzug einer populären, leicht fasslichen Darstellung hat.\n\nL.\n\nDer Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main.\n\nFrankfurt a. M., 15. April 186].\nDie Winterthätigkeit unseres Cäcilien-Vereins naht sich\nihrem Schlüsse, und die Gefahren, die ein Wechsel in der\nDirection leicht herbeiführt, scheinen beseitigt. Ich will\nIhnen so unparteiisch wie möglich ein Bild von dem ge-\nben, was der Verein unter seinem neuen Director, Herrn\nKarl Müller, geleistet hat.\nVon Ende September, wo die regelmässigen Vereins-\nAbende begannen, wurde Judas Maccabäus einstudirt,\nder seit 1853 nicht mehr, und auch damals nur am Flü-\ngel, aufgeführt worden war. Ueber die Hälfte der Mitglie-\nder war seitdem neu eingetreten und daher mit dem Werke"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.6", "texte": "noch vollkommen unbekannt. Dennoch gelang es, das\ngrosse Werk mit der Mosel'schen Instrumentirung bis zum\n30. November vollkommen hinzustellen, und die Auffüh-\nrung war eine wohl gelungene; Chor und Orchester lei-\nsteten sehr Tüchtiges und gaben das heroische Tonwerk\nmit Schwung und Begeisterung wieder. Ein nicht strenges\nFesthalten der Tempi und ein merkliches Acceleriren in\nden rascheren Chören schadete der Majestät, die über dem\nGanzen waltet; mehr noch die höchst ungünstige, gedrückte\nund dumpfe Localität, die diesen Winter allen grossen\nConcerten zum Ersatz dienen muss für den entzogenen\nWeidenbusch-Saal.\nDas zweite Abonnements-Concert, das am 7. Februar\nim Vereins-Locale gehalten wurde, brachte sechs kleinere\nTonwerke, meist von alten Meistern. Voran zwei der jüngst\nerschienenen Cantaten von J. S. Bach: „Christ lag in\nTodesbanden\" und „Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig\".\nBeide Compositionen sind ungemein interessant und wir-\nkungsreich; die erste, dem Texte entsprechend, in grösse-\nrem Stile, choralmässig gehalten, mit durchgehendem Can-\ntus firmus, der volle Chor abwechselnd mit den Gesängen\nder Tenöre, Bässe und der vereinigten Soprane und Alte,\nSoprane und Tenöre, ein weihevoller, triumphirender Oster-\nHymnus; die zweite Cantale, elegisch gehalten, ein cha-\nrakteristischer figurirter Choral zu Anfang, dessen Empfin-\ndungen dann Einzelstimmen in Arien und Recitativen wei-\nter ausführen, worauf der ganze Chor das Thema als Choral\nwieder aufnimmt und mit den Schlussworten: „Wer Gott\nfürchtet, bleibt ewig stehen\", aus der Wehmuth und Trauer\nzu christlichem Vertrauen sich erhebt. Die Arien sind mehr\nfür den, der ihrer Structur mit Interesse folgt, als für den\nmusicalischen Sinn im Allgemeinen noch geniessbar. Neben\ndem Misencorchas Domini von Mozart wurde das zwei-\nchörige von Durante gesungen, das in seiner demüthigen\nEinfachheit einen tiefen Eindruck machte und dem reli-\ngiösen Gemüthe eine reinere Nahrung bot. Erschütternd\nwirkte ein achtstimmiges Crucißxus von Lotti, das vollen-\ndet und mit den feinsten Schättirungen gesungen wurde.\nMendelssohn's Ave Maria. jenes rührende, jungfräuliche\nGebet, rein und klar wie der Quell und lieblich glänzend\nwie der Stern am Himmel, die Nacht der Todesangst\ndurchstrahlend, machte den heiter-ernsten Schluss des ge-\nnussreichen Abends, an dem der Chor in dem schönen\nLocale und bei der bescheidenen Begleitung (Ciavier und\nStreich-Quartett mit obligaten Instrumenten in den Soli's)\nseine ganze Gediegenheit und Tonfülle entfalten konnte.\nZum Charfreitags-Concerte wurde die seit 1857 nicht\nmehr gesungene if-mö/7-Messe von J. S. Bach ausge-\nwählt, jenes musicalische Glaubensbekenntniss des wun-\nderbaren Meisters, dem an Breite und Majestät, an Reich-\nthum der Formen und Ideen kein anderes ähnlicher Art\ngleichkommt; bei der Kürze der Zeit (vom 7. Februar bis\n29. März) und den zahlreichen neuen Mitgliedern ein\nschwieriges Unternehmen, das aber, Dank dem unermüd-\nlichen Eifer Müller's und der regen Theilnahme der Mit-\nglieder, besonders aber der hinreissenden Grösse des Bach'-\nschen Geistes, in hohem Grade befriedigend gelang. Lei-\nder benachteiligte hier noch mehr, als beim Judas, die\nschlechte Akustik des Locals die Wirkung dieses unver-\ngleichlich erhabenen Werkes, und die durch Ueberfüllung\nhervorgebrachte übermässige Hitze deprimirte die Geister,\ndass sie nur schwer und mühsam nachdringen konnten in\ndie geheimnissvollen Tiefen dieser an Wundern reichen\nTon weit. Bei den eigentümlichen, hier bestehenden Ver-\nhältnissen wird es wohl ein vergeblicher Wunsch sein,\ndiesen hehren Dom von Tönen einmal aufbauen zu dürfen\nda, wo die einzig ebenbürtige Umgebung geboten wird,\nnämlich in der Kirche. Doch haben wir, so Gott will, die\nhärteste Prüfung in diesem Winter bestanden, und der\nneue Saal, der bis zum Herbste fertig sein wird, soll nach\ndem Urtheil der Sachkenner alle Bedürfnisse der musica-\nlischen Welt vollständig befriedigen. Uebrigens wurde das\nschwere Werk sehr gut gesungen und von dem Orchester,\ndas in der Begleitung der grossen Bass-Arie durch Ver-\ntauschung des obligaten Instrumentes wesentlich gewonnen\nhatte, trefflich unterstützt; nur war man auch hier zum\nTheil an minder rasche Tempi gewöhnt und vermisste in\nden lebhaften Chören das Festhalten desTempo's. Der Ge-\nwinn für den Verein war ein grosser, denn dieser hatte\nwieder einmal seine ganze Kraft an die tüchtige Durch-\nführung des Grössten gesetzt und dadurch einen mächti-\ngen Fortschritt auf der künstlerischen Bahn gemacht. Dies\nzeigte sich sofort, als am 10. April eine Gedächtnissfeier\nfür Franz Messer (f 9. April 1860) veranstaltet wurde.\nEine Vorbereitung zu derselben war nicht möglich; aber\nalles, was gesungen wurde, trug den Stempel der Gedie-\ngenheit und des wirklichen Verständnisses, und doch bil-\ndete Cherubini's Requiem den Kern der Feier ein\nWerk, das seit drei Jahren nicht gesungen war und ge-\nwiss nur von geübten Sängern würdig vorgetragen werden\nkann. Ihm folgte Messer's schöne Composition des Auf-\nerstehungsliedes von Klopstock; der innigfromme Chor:\n„Siehe, wir preisen selig\", aus Mendelssohn's Paulus\nund der Schlusschor der Matthäus-Passion endeten die\nweihevolle Feier. Eine Messe von Hauptmann, die dem\nVereine noch neu ist, soll als viertes Abonnements-Concert\ndas Vereinsjahr beschliessen. Nach dem bisher Geleisteten\ndürfen wir mit Zuversicht erwarten, dass der Verein auch\nunter Herrn Musik-Director Müller seinem hohen Ziele\nnäher kommen werde, das ja bei einem in den Mitgliedern"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.7", "texte": "wechselnden Vereine nie auf die Dauer in gleichem Maasse\nbehauptet werden kann. Möge er selbst in dem mehr und\nmehr wachsenden Vertrauen der Mitglieder den Lohn sei-\nnes bewundernswürdigen Eifers und seines durchaus wür-\ndevollen Benehmens finden, so wie den Antrieb, nicht\nmüde zu werden seinerseits in dem Streben, das volle\nVerständniss zwischen dem Vereine und seinem Director\nherbeizuführen, durch welches allein Vollendetes geleistet\nwerden kann. nn.\n\n-- nn.\n\nAus München.\nDas von Herrn Karl von Per fall am 13. April im\ngrossen Saale des Odeons zu wohlthätigen Zwecken gege-\nbene Concert brachte drei vom Concertgeber componirte\nGesangwerke für Soli, Chor und Orchester zur Auf-\nführung, denen drei deutsche Märchen, zu diesem Be-\nhuf von Franz Bonn bearbeitet, zur poetischen Grund-\nlage dienen: „Dornröschen\", „Rübezahl\" und „Un-\nd ine\".\nDer Componist bewährt sich in diesen drei Werken,\nvorzüglich aber in der „Undine\", sowohl als gewandten\nMusiker, so dass man weder irgend eine Unbeholfenheit,\nnoch die Mühen der Arbeit entdeckt, als auch—und das\nist die Hauptsache—als einen aus jener kleinen Zahl von\nAuserwählten, denen es gelungen ist, sich „durchzuschrei-\nben\" und nun auf selbständigem Gebiete zu walten. Mit\nAusnahme weniger Stellen, wo eine Congruenz mit den\nstilistischen Kennzeichen anderer Meister unvermeidlich, ja,\nsogar geboten war, wenn man dem romantischen Stoffe\ngerecht werden wollte, mit Ausnahme dieser wenigen Stel-\nlen sind sämmtliche Motive originel erfunden und erfreuen\nsich einer sehr vortheilhaften Plastik; desshalb wird man\naber auch die Haupt-Charakteristica für die Kunstversuche\nder dii minorum gentium wir meinen Unklarheit und\nVerschwommenheit—umsonst suchen. Auch dielnstrumen-\ntirung (welche trotz ihres reichen Colorits doch nirgends\ndie Wirkung der Singstimmen beeinträchtigt, zeugt von\neinem zur vollen Entwicklung gelangten Schönheitssinne.\nAlle diese Vorzüge werden endlich noch dadurch gehoben,\ndass sich auch in declamatorischer Beziehung allenthalben,\nzumeist jedoch in Undine, ein äusserst feiner Geschmack\nzu erkennen gibt.\nStehen nun auch gerade nicht alle Theile in Dornrös-\nchen und Rübezahl auf dieser gleichmässigen Höhe, so wird\nman doch auch ihnen ihrer den Grundton vollkommen tref-\nfenden Färbung und einer Alles durchströmenden Wärme\nhalber lebhafte Sympathie nicht versagen können. Die\nGründe für den relativ geringeren Werth dieser beiden\nTondichtungen mögen zum Theil äusserer Natur sein. Was\nzunächst Dornröschen betrifft, so war dies der erste Ver-\nsuch, den der Componist auf dem von ihm zu bebauenden\nlyrisch-dramatischen Felde machte. Liess sich schon damals\nein entschiedener Beruf nicht verkennen, so hatte es doch\nim grossen Ganzen mehr oder minder sein Verbleiben bei\nder Intention, wozu denn freilich der für den Musiker nicht\ngünstig ausgesponnene Text das Seine beigetragen haben\nmag. Seitdem nun hat das Werk in Wort und Musik eine\ngründliche und von grosser Selbstkritik zeugende Umar-\nbeitung erlebt, die sowohl hinsichtlich des Gesammt-Ein-\ndrucks als auch der einzelnen musicalischen Partieen vom\ngünstigsten Erfolg war. Gleichzeitig bewährte sich aber auch\ndie allbekannte Erfahrung, dass im Kunstwerke durch selbst\ndie glücklichste Umarbeitung jene primitive Inspiration (wie\nsie dem der Technik vollkommen gewachsenen Meister zu\nGebote steht) niemals gänzlich ersetzt werden kann. Durch\nschöne Vollendung zeichnen sich übrigens vor Allem aus\nder Schlusschor des ersten Theiles und im zweiten Theile\ndas Solo: „Es ruht von Rosen ganz bedeckt\", so wie der\nChor: „Er schreitet durch—er ist am Thor\", während das\nDuett: „0 seliges Loos\", mehr als wünschenswerth an das\nConventionelle der modernen Oper streift.\nAnders verhält es sich mit „Rübezahl\", wo die nun\nvollkommen erlangte Gewandtheit hinsichtlich der Factur\nmit reicher Erfindung auf das beste verbunden erscheint,\nund dennoch mit Ausnahme des äusserst frischen Einlei-\ntungs-Chors die beabsichtigte Wirkung nur bedingungs-\nweise erreicht wird. Hier scheint nur der Grund lediglich\nin der Art des Textes zu liegen. Der Mängel sind zweierlei:\nzuerst der, dass hier nicht bloss (wie dies bei Texten die-\nser Art der Fall sein soll) die aus den Handlungs-Momen-\nten resultirenden lyrischen Stimmungen dargestellt sind,\nsondern die realen Vorgänge selbst—das Rübenzählen und\ndas Herannahender Reisigen. Diese Tactesind es, die durch\nihre längere Andauer eine rein dramatische Situation be-\ndingen und dadurch den Hörer, wofern er den Intentionen\ndes Künstlers folgen will, zwingen, sich unablässig eine\ntheatralische Inscenirung vorzustellen. Wie nun aber durch\ndiese Art reflectirender Geistesthätigkeit dem Geniessenden\nder Eindruck eines Kunstwerkes, wenn auch nicht abge-\nschwächt, doch jedenfalls alterirt wird, so mag es auch ähn-\nlich dem Componisten ergangen sein, als er sich mit der\nBearbeitung dieses etwas spröden poetischen Materials be-\nschäftigte. Auch er war genöthigt, sich häufig eine Situation\nzu ergänzen, die gleichwohl in dem für den Concertsaal\nbestimmten Werke schliesslich nirgends zum Ausdruck ge-\nlangen konnte.\nDer zweite der oben erwähnten Mängel ist zwar ähn-\nlicher Natur, wie der erste, und fällt auch in seinen Wir-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610504-01.1.8", "texte": "kungen völlig mit diesem zusammen, muss aber dennoch\nbesonders aufgeführt werden. Er besteht darin, dass die\neinzelnen Scenen jener Einheit des Ortes entbehren, die in\nallen der Oralorienform sich annähernden Werken unum-\ngänglich nöthig ist. [?] So müssen wir uns den Klageruf\nvon Rosaura's Gespielinnen als in der „Ferne von oben\"\ngehört denken, und im zweiten Theile muss es gleichfalls\nder Phantasie des Hörers überlassen bleiben, sich das (schon\noben erwähnte) Näherkommen der Reisigen und Rosaura's\nAbschiedsworte wie „aus der Ferne\" klingend zu versinn-\nlichen. Nach allem dem möchte es wahrscheinlich sein,\ndass bei einiger Umgestaltung von der Ruhne herab der\nRübezahl eine ungleich grössere Wirkung machen würde,\nals im Concerlsaale.\nVon der „Undine\" lässt sich in jeder Reziehung nur\ndas Reste sagen, und unbedenklich darf man das Werk\ndem Vollkommensten beizählen, das seit Rob. Schumann's\n„Paradies und Peri\" nach dieser Richtung hin geleistet\nwurde.\nWas schliesslich die Ausführung der drei Tondichtun-\ngen betrifft, so muss sie als sehr gelungen, zum Theil als\nunübertrefflich bezeichnet werden. Den chorischen Theil\nhatte der Oratorien-Verein übernommen, den orchestralen\ndie k. Hofcapelle. Aus den Solo's sind vor Allem die Vor-\nträge der Frau v. Mangstl und des Herrn Dr. Härtin-\nger hervorzuheben, in so fern sich in den Leistungen bei-\nder jene von edelster Poesie durchgeistigte Auffassung kund\ngab, wie sie nur Künstlern „von Gottes Gnaden\" zu Ge-\nbote steht. Rei dieser Gelegenheit lag die Anstellung eines\nVergleiches jener Epoche unserer Oper, worin die beiden\neben genannten Künstler zu den Koryphäen zählten, mit\ndem gegenwärtigen Zustande dieses Kunst-Instituts nahe\ngenug. In der That wurde auch dieser Vergleich von den\nverschiedensten Seiten her angestellt. Hierbei ereignete sich\nnun aber jener höchst seltene Fall, dass hinsichtlich des\nResultates vollkommene Stimmeneinheit herrschte. Worin\naber dieses Resultat bestand, das bleibe vorläufig ein\n„öffentliches Geheimniss\". Der Erfolg des Concertes war\nein entschieden glänzender, und der Componist wurde am\nSchlüsse gerufen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 29. April wohnten wir einer Gesang-Soiree im\nHötel Disch bei, welche die Herren H. Schüller (Tenor) und M.\nSchwarz veranstaltet hatten. Sämmtliche „Vorträge wur-\nden von den Schülern des Herrn E. Koch ausgeführt®, wie das\nProgramm besagte. Vom Standpunkte eines Prüfungs-Concertes aus,\nworauf der eben erwähnte Zusatz auf dem Programm hindeutet, be-\nurtheilt, berechtigen die Leistungen des Fräul. Francisca Burn\nund der Herren Schüller und Schwarz zu guten Hoffnungen.\nUeber den erwähnten Standpunkt hinaus war allein Fräul. Julie\nRothenberger, welche durch den-Vortrag der F-dur- Arie aus\nFigaro (in welcher sie nur am Schlüsse den reinen Mozart nicht\ndurch eine Bellini'sche Fermate hätte verunstalten sollen), des Duetts\naus den Jahreszeiten, der Lieder von Mozart (Veilchen) und Dorn\n(An den Mond) allgemeinen und sehr wohl verdienten Beifall erhielt\nund durch Reinheit der Intonation, sehr liebliche Stimme, besonders\nin der Höhe, und durch ausdrucksvollen Vortrag ihre grossen Fort-\nschritte auf die erfreulichste Weise bekundete. Den beiden Herren\nmüssen wir aber empfehlen, dem Vorbilde ihres Lehrers, von dem\nsie noch weit entfernt sind, eifrig nachzustreben; Herr Koch aber\nhat auch an diesem Abende wieder gezeigt, dass er in Stimme und\nVortrag immer noch den Forderungen an einen guten Tenor voll-\nkommen gewachsen ist. Herr Kaiser, ein talentvoller Schüler des\nhiesigen Conservatoriums, trug eine Beethoven'sche Sonate sehr be-\nfriedigend vor und begleitete die Gesänge am Piano recht gut.\nDüsseldorf, 29. April. Die Erwartungen, welche Fräulein\nPhilippine Papiee durch ihr erstes Auftreten als Orsino auf\nhiesiger Bühne in hohem Grade erregt hatte, sind durch ihre zweite\nRolle, die sie aus der classischen Opernmusik gewählt hatte, voll-\nkommen erfüllt worden. Die schwierige Partie der Elvira in Mo-\nzart's Don Juan wurde von ihr in musicalischer Beziehung vor-\nzüglich gut wiedergegeben, so dass der ersten Arie sogleich lebhaf-\nter Beifall und der grossen Arie aus B-dur Hervorruf folgte. Eine\numfangreiche, kräftige Stimme, deren Register gut ausgeglichen sind,\nreine Intonation, leidenschaftlicher Vortrag, verbunden mit einer im-\nponirenden Gestalt und edlen Haltung, eignen die talentvolle junge\nKünstlerin zu einer dramatischen Sängerin, die einer schönen Zu-\nkunft entgegen geht. Fräulein Papiee sang die Partie mit dem\nneuen deutschen Texte des Clavier-Auszugs, der kürzlich bei\nSimrock in Bonn von Prof. BischofF herausgegeben worden ist;\ndie Sangbarkeit dieses Textes und seine edle Ausdrucksweise sta-\nchen sehr vortheilhaft gegen die früheren Texte ab, die bekanntlich\nden Sinn und die Musik meist auf arge Weise verunstalten."}]}