{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_sha256": "936236914e8e42510107c54e63e55980667fff49f6dd7e05537ebb9a30c91223", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/05/11_01/bmtnabi_1861-05-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 478, "texte": "Inhalt.\nAuber und seine neueste Oper »La Circassienne\". Aus Frankfurt am Main (Theater-Angelegenheit Die neue Privat-\nMusikschule). Meister Martin und seine Gesellen. Oper von M. Horn und Wilh. Tschircb. Aus Kassel (Musik-Aufführungen). Das\n38. niederrheinische Musikfest. Tages- und Un terh al tun gs b 1 att (Köln, Fräul. Amalie Bido, Fräul. Adeline Büchner Berlin,\nFrUul. Lucca Darmstadt, Abonnements-Concert Paris, Alfred Jaell, Leopold Auer London, Theater Preisbewerbung)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "147", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.2", "titre_corps": "Auber und seine neueste Oper „La Circassienne“.", "titre_sommaire": "Auber und seine neueste Oper „La Circassienne“.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.1", "debut_caractere": 480, "fin_caractere_exclue": 4286, "texte": "Auber und seine neueste Oper „La Circassienne“.\nDaniel Frankois Esprit Auber, der älteste von\nallen Componisten unserer Zeit und der einzige, der fast\nein halbes Jahrhundert lang seinen Buhm zu steigern und\nauf der errungenen Stufe zu erhalten gewusst hat, ist nach\nder Millheilung seines Vaters, welche dieser im Jahre 1810\ndem Verfasser der Biographie universelle, Herrn Fetis,\ngemacht hat*), am 29. Januar 1782 zu Caen in der\nNormandie geboren. Hiernach ist Auber jetzt 79 Jahre\nalt, und wenn er auch bei den Prüfungen der Zöglinge\ndes Conservaloriums, dessen Directorat er bekleidet, re-\ngelmässig schläft, was ihm Niemand verdenken wird, so\nhat er doch am 2. Februar d. J. noch eine komische Oper\nin drei Acten auf die Bühne gebracht, was Jedermann be-\nwundern wird.\nSeine Familie stammt aus der Normandie; seine Eltern\nwohnten aber in Paris, und er wurde auf einer Reise, die\nsie nach Caen gemacht hatten, geboren. Sein Vater hatte\neine Kunsthandlung, vorzüglich in Kupferstichen, in Paris\nund war in guten Vermögens-Umständen. Der Knabe\nlernte Musik zu seinem Vergnügen und machte auf dem\nCiavier bei seinem Lehrer Ladurner Fortschritte, welche\nbedeutende musicalische Anlagen bekundeten.\nDer Vater bestimmte ihn für den Kaufmannsstand\nund schickte ihn zu diesem Zwecke nach London; aber\nder junge Auber hatte keine Neigung zum Handel, kam\nwieder nach Paris zurück und liess seiner Liebe und Be-\nfähigung zur Tonkunst freien Lauf. Mit Talent und Geist\nbegabt, fand er in der Gesellschaft eine zuvorkommende\nAufnahme und wurde bald durch kleinere Compositionen,\nnamentlich Romanzen, beliebt. Ein Trio für Pianoforte,\nVioline und Violoncello folgte jenen ersten Versuchen und\nzeigte eine geschickte Behandlung der Form und Anlage\nfür Instrumental-Musik.\nEr stand in freundschaftlicher Verbindung mit dem\nberühmten Violoncellisten Lamare. Dieser hatte sich einen\nganz besonderen Stil in seiner Kunst des Violoncellspiels\ngebildet und wünschte ihn durch eigentümliche, dafür\npassende Compositionen weiter zu verbreiten. Unglückli-\ncher Weise hatte ihm aber die Natur jegliche Anlage zur\nComposition versagt. Auf seine Bitte schrieb ihm Auber\nnach und nach eine ganze Reihe von Concerten, die unter\nLamare's Namen erschienen. Für die Künstlerwelt war es\nübrigens kein Geheimniss, dass Auber der Verfasser die-\nser Stücke war, deren origineller Charakter Aufsehen er-\nregte und die Zukunft des jungen Componisten ahnen liess.\nAuch für den Violinisten Mazas schrieb er ein Concert,\nwelches dieser mit grossem Beifall im Conservatoire vortrug.\nSein erster Versuch, für die Bühne zu schreiben, war\ndie neue Bearbeitung des älteren Textes einer komischen\nOper, „Julie\" •, das Orchester bestand nur aus zwei Violi-\nnen, zwei Bratschen, Violoncell und Contrabass. Sie wurde\nauf einem Liebhaber-Theater mit Beifall gegeben. Bald\ndarauf componirte Auber eine andere Oper mit vollstän-\ndigem Orchester für das Privat-Theater des Fürsten von\nChimay, aus welcher er einige Stücke in seine späteren\nArbeiten aufgenommen hat.\nDer Beifall, den diese Versuche fanden, hinderte ihn\nnicht, einzusehen, dass seine musicalische Bildung noch\nsehr unvollkommen sei. Desshalb begann er unter Cheru-\nbini's Leitung ernstere, gründliche Studien. Nach einem\nvollständigen Cursus derselben schrieb er eine vierstimmige\nMesse, aus welcher er späterhin das Gebet in der Stummen\nvon Portici genommen hat.\nIm Jahre 1813 trat er mit einer einactigen Operette:\n„Le Sejour militaire\"zum ersten Male öffentlich im Thea-\n\n*) S. Fetis, Biographie universelle. Deuxibme Edit. J. p. 162.\nAlle übrigen biographischen Notizen über Auber geben densel-\nben Tag seiner Geburt, aber die Jahreszahl 1784 an. Vielleicht\nhat er in der Zeit, wo man noch nicht stolz auf sein Alter\nist, nichts dagegen erinnert, wenn man ihn ein paar Jahre\njünger machte."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "ter Feydeau auf. Aber leider erfüllte sie die Erwartun-\ngen keineswegs, die man nach seinen früheren Arbeiten\nauf ihn setzte. Die Oper fiel durch.\nDieser Unfall machte ihn stutzig und verdrossen, und\ner war Willens, eine Laufbahn, die so unglücklich begon-\nnen, aufzugeben. Zum Glück für die französische Oper\nzwangen ihn die zurückgegangenen Vermögens-Verhält-\nnisse seines Vaters und endlich dessen Tod, in der Aus-\nübung der Musik neue Hülfsquellen für seine Existenz zu\nsuchen. Nachdem er sechs Jahre lang nichts von sich hatte\nhören lassen, brachte er 1819 wiederum eine Operette\nin einem Acte: „Le Testament et les billets dorn\", auf die\nBühne der komischen Oper. Dieses Werk machte fast noch\nweniger Glück, als das frühere; allein Auber, der sich\nfühlte, liess sich nicht entmuthigen und gab in den ersten\nMonaten des Jahres 1820 die dreiactige Oper\ngere chätelaineuauf demselben Theater. Originelle Gedan-\nken, schöne Melodie, feine Instrumentirung und dramati-\nsche Wirkung zeichneten dieses Werk aus, das einen voll-\nständigen Erfolg hatte und den Grundstein zu dem gros-\nsen Rufe des Componisten legte.\nAuber war jetzt schon 38 Jahre alt. Die Geschichte\nseiner musicalischen Entwicklung gibt mithin ein Beispiel,\ndas den Gegensatz zu den frühreifen Berühmtheiten in\nder Tonkunst bildet und schlagend beweis't, dass eine\nhöchst bedeutende und mächtige künstlerische Natur-An-\nlage zuweilen erst in späteren Lebensjahren zum Durch-\nbruch gelangen und ihre Bestimmung erfüllen kann. Be-\nsonders auffallend ist bei Auber, dass von nun an seine\nmusicalisch-poetische Ader sehr reichlich strömte, dass er\nleicht und schnell schrieb und bis jelzt über vierzig Opern\ncomponirt hat.\nGleich im folgenden Jahre 1821 machte die drei-\nactige Oper „Emma ou la Promesse imprudente\" wie-\nderum Glück, und seitdem verging fast kein Jahr, in wel-\nchem nicht eine, zuweilen gar zwei neue Opern von Auber\nerschienen und Erfolg hatten. Wenn einige auch nur in\nParis gefielen und sich nur kürzere Zeit auf dem Reper-\ntoire hielten, so ergänzte sich das durch den ungeheuren\nErfolg anderer, welche auf den Theatern aller Nationen\ngegeben wurden.\nUm die Zeit, als Auber's Erfolge begannen, hatte er\ndas Glück, mit Scribe in Verbindung zu kommen, und aus\nder Vereinigung heider Männer, die sich an Verstand und\nGeist, an Auffassungsgabe und Gesinnung, an Instinct für\ndie Bühne iind dasjenige, was auf ihr wirkt, so sehr ähn-\nlich waren, gingen eine Menge von Werken hervor, die,\nwenn auch von sehr ungleichem Werthe, doch alle mehr\noder weniger und fast überall gefielen. Einen eigentlichen\nPurchfall hat keines erlebt. Sic beherrschten die französi-\nsehe Bühne, namentlich die komische Oper, an dreissig\nJahre lang.\nZu den vier genannten Opern vervollständigt sich\ndas Verzeichnis« von Auber's Opern (nach Felis) auf fol-\ngende Weise:\n5. Leice-ster, 3 Acte, 1822. — 6. La Neige ou le nou-\nvel Eginhard (Der Schnee*]), 4 Acte, 1823. — 7.\ndöme en Espagne, 1 Act, eine Gelegenheits- Oper zur Feier\nder Rückkehr des Herzogs von Angouleme aus dem spa-\nnischen Feldzuge im Jahre 1823, gemeinschaftlich mit\nHerold componirt. — 8. Les irois Genres, 1 Act, mit\nBoieldieu gemeinschaftlich zur Eröffnung des Odeon-\nTheaters componirt. — 9. Le (Das Con-\ncert am Hofe), 1 Act, 1824. — 10. Leocadie, 3 Acte,\n1824. —11. Le Majori (Maurer und Schlosser), 3 Acte,\n1825. — 12. Le Timide, 1 Act. 1826. -- 13. Fiorella,\n3 Acte, 1826. —14. La Muette de Fortlei (Die Stumme\nvon Portici), 5 Acte, tragische Oper, 1828. — 15. La\nFiancee (Die Braut), 3 Acte, 1829. — 16.\n3 Acte, 1830.— 17. Le Dien et la Bayädere, grosse Oper\nin 2 Acten, 1830. — 18. La\n3 Acte, 1831. Von Auber ist darin nur ein sehr schönes\nDuett im dritten Acte; übrigens ist die Oper ein Pasticcio\nvon Berton, Blangini, Boieldieu, Cherubini, Herold u.s. vv.\n—19. Le Fhiltre(Der Licbestrank), grosse Oper, 2 Acte,\n1831. — 20. Le Serment (Der Schwur), eben so, 3 Acte,\n1832.—21. Gustave LLL. (Gustav, oder der Maskenball),\neben so, 5 Acte, 1833. — 22. Lestocq, 3 Acte, 1834.—\n23. Le Cheval de bronse (Das eherne Pferd), 3 Acte, 1835.\n— 24 . Acteon, 1 Act, 1836. — 25.\n3 Acte, 1836. — 26. L'Ambassadrice (Die Gesandtin), 3\nActe, 1836. — 27. Le Domino noir (Der schwarze Do-\nmino), 3 Acte, 1837.— 28. (Der Feen-\nsee), grosse Oper, 5 Acte, 1839. — 29. 3 Acte,\n1840. — 30. Les Diamants de la Couronne (Krondiaman-\nten),3 Acte, 1841. —31 . Le duc 3 Acte, 1842.\n— 32. La pari du Diable (Carlo Brdschi, oder Des Teu-\nfels Antheil), 3 Acte, 1843. — 33. 3 Acte,\n1844. — 34. LaBarcaroUe, 3 Acte, 1845. — 35. Llay-\ndee, 3 Acte, 1847. — 36. L'Enfant prodigue (Der verlo-\nrene Sohn), grosse Oper, 5 Acte. 1850.—37. Zerline ou\nla Corbeilled'oranges, 3 Acte, 1851. — 38.\n3 Acte. 1852.—*39. Jenny 3 Acte, 1855. —40.\nManonLescaut, 3 Acte, 1856.—41 Cireassienne, 3\nActe, den 2. Februar 1861.\nMan braucht diese Reihe von Opern nur zu über-\nblicken und sich zu erinnern, dass Auber in und für Frank-\nreich schrieb, um zu wissen, dass er ein reicher Mann ge-\n\n*) Die in Deutschland ebenfalls häufig gegebenen haben wir\ndurch den Zusatz des deutschen Titels bezeichnet."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 517, "texte": "worden ist und sich eine glänzende Existenz geschaffen hat.\nAber auch an Anerkennung und Auszeichnung durch alle\nRegierungen seines Vaterlandes hat es ihm nicht gefehlt.\nEr wurde Mitglied des Instituts (in der musicalischen Sec-\ntion der Akademie der schönen Künste) und vieler anderen\nGesellschaften, Director der Capelle des Königs Louis Phi-\nlippe, jetzt des Kaisers Napoleon 111., Director des Conser-\nvatoires, Commandeur des Ordens der Ehrenlegion, Ritter\ndes belgischen Leopold-Ordens u. s. w.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "147", "page_fin": "148", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.3", "debut_caractere": 519, "fin_caractere_exclue": 5100, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n[Theater-Angel egenheit Die neue Privat-Musik-\ns ch u le.]\nEndlich ist unsere Theater-Frage gelös't, und zwar\nauf die ehrenvollste Weise für die bisherige Verwaltung.\nDie Sitzung der gesetzgebenden Versammlung am 26.\nApril erörterte vor einem gedrängt gefüllten Zuhörer-\nraume den auf der Tagesordnung stehenden Gegenstand:\n„Die Verlängerung der Concession der bisherigen Theater-\nActien-Gesellschaft und Erhöhung der Subvention aus\nStaatsmitteln.\" Der Berichterstatter der Commission (Dr.\nMappes) beantragte im Namen derselben: „Zustimmung\nzur Erneuerung der Concession an die bestehende Gesell-\nschaft auf sechs Jahre, vom 1. November 1861 bis 31.\nOctober 1867, unter den seitherigen Auflagen und Be-\ndingungen, und Zusicherung eines jährlichen Beitrags von\n10,000 F|. zur Theaterführung und von 3000 Fl.\nzum Theater-Pensions-Fonds, zusammen 13,000\nFl. aus Staatsmitteln.\"\nDie meisten Redner sprachen sich für die Subvention\nu. s. w. aus, einige bedingungsweise. Herr Dr. v. Guaita,\ndessen Rede die ungetheilte Aufmerksamkeit der Versamm-\nlung erregte, erklärte, dass, hätte er noch einmal sich\nfür die Oberleitung des Theaters zu entscheiden, er sich\neine andere Liebhaberei wählen würde; denn, wie ein\nFreund von ihm richtig bemerkt hätte, man werde eher\nim zoologischen Garten mit den Thieren fertig, als in einer\nRunstanstalt mit den Menschen. Redner schilderte hierauf\ndie Entstehung der jetzigen Actien-Gesellschaft, welche nur\naus Patriotismus, um das Theater den Händen niedriger\nSpeculation zu entreissen, nur zu „ver-, nicht zu erringen\",\nsich constituirt habe. Bei den schlechten Einnahmen des\nTheaters, und da es, wodurch die Ausgaben sich bedeu-\ntend vergrösserten, der Fremden halber das ganze Jahr\nhindurch spielen müsse, sei ein Deficit nicht zu vermeiden.\nEr ersuchte, auch im Interesse der Kunst, da unsere besten\nKünstler, weil der engere Ausschuss der Theater-Actien-\nGesellschaft ihnen bisher aus Ungewissheit keine festen\nVersprechungen habe machen können, fortgehen wollten,\nfür den Commissions-Antrag zu stimmen, wenn man nicht\nanders die Absicht habe, das Theater zu ruiniren und es\nden Händen fremder Speculariten zu überliefern. — Nach\ndem Resume des Berichterstatters ward zur Abstimmung\ngeschritten, und der Commissions-Antrag, die Subvention\nvon 13,000 Fl. unter den seitherigen Bedingungen zu\nverwilligen, so wie der Antrag des Herrn Dr. Fester,\ndem Senate zur Erwägung anheim zu geben, ob nicht die\nConcessionirung eines stehenden Circus und die Aufnahme\ndes Theater-Chors in den Pensions-Fonds bei entsprechen-\nder Erhöhung der Subvention zu empfehlen sei, angenom-\nmen, die übrigen Anträge aber verworfen. — Dieser Be-\nschluss des gesetzgebenden Körpers muss alle Freunde\nunserer städtischen Kunst-Interessen erfreuen; mit diesem\nBeschlüsse ist einerseits unserem Theater ein geregeltes\nFortschreiten auf dem Wege der wahren Kunst gesichert,\nandererseits dem ungerechtfertigten Ehrgeize und der Spc-\nculation ein eiserner Riegel vorgeschoben.\nAber auch noch eine andere, im jetzigen Augenblicke\nbeachtenswerlhe Bedeutung hat der Beschluss des gesetz-\ngebenden Körpers: es ist in demselben ein Vertrauens-\nVotum für die jetzige Theaterleitung enthalten, ein Ver-\ntrauens-Votum, das, im Namen aller gebildeten und an-\nständigen Bewohner Frankfurts ausgesprochen, alle die\nnichtswürdigen Verleumdungen und gehässigen Anklagen,\nwomit man die Theaterleitung zu stürzen gesucht hatte,\nzu Schanden macht. Wir begrüssen diesen Ausgang der\nmonatelangen Krisis, in die man den Bestand des hiesigen\nTheaters gewaltsam hineingedrängt hatte, mit um so auf-\nrichtigerer Freude, als nun hoffentlich auch die Nieder-\nträchtigkeit der anonymen Briefe ihr Ende erreicht haben\nwird; denn wir zweifelten und zweifeln keinen Augenblick,\ndass diese Schandbriefe einzig und allein den Zweck hatten,\ndie jetzige Theater-Direction unmöglich zu machen. Auch\ndie unwürdigen Verunglimpfungen unseres Theaters und\nseiner Leitung in auswärtigen Blättern, so wie der herab-\nwürdigende Ton, in welchem sich manche Theater-Kriti-\nker gefallen, dürften nun, da jeder Erfolg solcher Machi-\nnationen abgeschnitten ist, nachlassen; wir wünschen dies\nwenigstens, und nicht sowohl unseres Theaters wegen, als\nim Interesse der Ehre unserer Stadt, deren geistige und\nsittliche Bildung durch solches Treiben wahrlich nicht im\ngünstigsten Lichte erscheint.\nUeber die hiesige Musikschule und ihr Verhältniss\nzur Mozart-Stiftung enthält die „Süddeutsche Mu-\nsik-Zeitung\" Nr. 17 einen sehr bemerkenswerthen Ar-\ntikel von F. J. Kunkel, dem wir Folgendes entnehmen:\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4758, "texte": "„Im Mai des verflossenen Jahres 1860 haben vier\nhiesige Privat-Musiklehrer unter Hinzuziehung noch zweier\nanderen Lehrer für den Unterricht im Violoncellospiel und\nim Gesänge, so wie eines Mitgliedes des hiesigen Theater-\nOrchesters für den Unterricht im Violinspiel, mit Geneh-\nmigung hohen Senates die Begründung einer Musik-\nschule dahier bekannt gemacht.\n„Es ist der musicalischcn Welt nicht fremd geblieben,\ndass der hiesige Männergesang-Verein Liederkranz aus\ndem reinen Ertrage (Ueberschuss nach Bestreitung der\nKosten) des im Juli 1838 abgehaltenen Gesangfestes da-\nbier, ferner durch in Erwartung gestellte freiwillige Bei-\nträge, Vermächtnisse, Concerte u. s. w., zu welchen letz-\nteren sich der Liederkranz selbst für die jährliche Abhal-\ntung eines solchen Concertes verpflichtete, die Mozart-\nStiftung begründet hat. Der erste Paragraph ihrer Sta-\ntuten setzt fest: „„Die Mozart-Stiftung bezweckt Unter-\nstützung musicalischer Talente bei ihrer Ausbildung in der\nCompositionslehre.\"\" Ferner heisst es im §. 6: „„Sobald\ndie jährlichen Zinsen 400 Fl. des 24-FI.-Fusses betragen,\ntritt die Stiftung ins Leben. Dieser Betrag soll das Maxi-\nmum der jährlichen Unterstützung sein für den einzelnen\nStipendiaten.\"\" Endlich der §. 36: „„Hat das Capital\nder Mozart-Stiftung die Summe erreicht, dass sich die jähr-\nlichen Zinsen auf wenigstens 2000 Fl. im 24-FI.-Fusse\nbelaufen, so lässt der Liederkranz ein musicalisches\nConservatorium in hiesiger Stadt ins Leben treten.\"\"\n„Schon seit dem Jahre 1841 konnten jährlich 400\nFl. Stipendien gegeben werden; dagegen gehört die Beali-\nsirung eines Conservatoriums noch zu den frommen Wün-\nschen, weil durch das überaus langsame Heranwachsen\ndes Fonds der Capitalstock noch keine 2000 Fl. jährliche\nZinsen rentirt. Jedoch stellte sich das Vermögen bei der\ne inun d zwanzigsten Bilanz der Mozart-Stiftung im Jahre\n1859 auf 36,625 Fl. 11 Kr., und nach der am 1. De-\ncember 1860 veröffentlichten zweiundzwanzigsten Bi-\nlanz steht dasselbe jetzt auf 37,822 Fl. 52 Kr., mithin\nist der Fonds von 1859 zu 1860 um 1197 Fl. 41 Kr.\ngewachsen.\n„Jeder Kunstfreund, dem eine gründliche musicalische\nBildung für das heranwachsende Geschlecht als ein inte-\ngrirender Bestandteil der Erziehung und der Veredlung\nam Herzen gelegen, muss es tief beklagen, dass man den\nschönen Zweck des Liederkranzes nicht allseitig senug ge-\n© ,o O D\nwürdigt und unterstützt hat, dass in dem reichen Frank-\nfurt während nächst 23 Jahre noch nicht einmal 2000\nFl. jährliche Rente aufzubringen waren, um ein segenrei-\nches Kunst-Institut schon längst ins Leben rufen zu können.\nJa, dieser Mangel an Unterstützung einer guten Sache\ntragt nun auch die Schuld, dass die ursprüngliche Idee,\neine allgemeine deutsche musicalische Akademie hier in\nFrankfurt erblühen zu sehen, jetzt nicht mehr in grosser\nAusdehnung zur Verwirklichung werde gelangen können.\nDenn zur Zeit der Begründung des Fonds für die Mozart-\nStiftung bestanden in Deutschland nur in dem von uns\nfern gelegenen Oesterreich zwei Conservatorien, nämlich\nin Prag und in Wien; während dessen sind aber nicht we-\nniger als sieben Musikschulen entstanden, nämlich in\nSalzburg, Berlin, Leipzig, Köln, Dresden und Stuttgart.\nDessen ungeachtet ist der Liederkranz nach dem oben an-\ngeführten §. 36 der Statuten gezwungen, eine Musikschule\nins Leben zu rufen, da der betreffende Paragraph nach\n§.40 in keiner Weise und zu keiner Zeit eine\nAbänderung erleiden darf.\n„Nach vorstehender Darlegung wird man nun gewiss\nnicht darüber staunen, wenn man erfährt, dass die vor-\njährige Ankündigung einer Mus kschule dahier gerade in\nFrankfurt selbst den Effect nicht machte, den man etwa\nmit der urplötzlichen Veröffentlichung beabsichtigte. In\nunterrichteten Kreisen mussten die Fragen auftauchen:\nWarum soll aber gerade jetzt, allwo der Liederkranz\nnahezu im Begriffe steht, eine Musikschule ins Leben tre-\nten lassen zu müssen also so zu sagen in der eilften\nStunde ein solches Institut von anderer Seite hier errich-\ntet werden? Warum haben die vier Herren Lehrer, längst\nhier wirksam und das schwerfällige Anwachsen des Fonds\nder Mozart-Stiltung wahrnehmend, die Musikschule nicht\nschon Vorjahren eröffnet? Erwartet man, dass hier zwei\nMusikschulen neben einander bestehen können? Oder hofft\nman eine Vereinigung, resp. rechnet man auf einen jähr-\nlichen Zuschuss aus der Casse der Mozart-Stiltung? Im\nFalle gegründete Aussicht auf eine solche Vereinigung vor-\nhanden, was sogar wünschenswerth wäre, liesse sich aller-\ndings der vorläufige Versuch einiger Maassen rechtferti-\ngen; dagegen dürften zwei Musikschulen für die hiesige\nStadt und nächste Umgebung doch des Guten zu viel sein,\nso vortheilhaft auch sonst in rein materiellen Unterneh-\nmungen Concurrenz immer sein mag.14\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "149", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.4", "titre_corps": "Meister Martin und seine Gesellen. Oper von M. Horn und Wilh. Tschirch.", "titre_sommaire": "Meister Martin und seine Gesellen. Oper von M. Horn und Wilh. Tschirch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.4", "debut_caractere": 4760, "fin_caractere_exclue": 5104, "texte": "Meister Martin und seine Gesellen. Oper von\nM. Horn und Wilh. Tschirch.\nWir erhalten über den ersten Eindruck dieser Opet\neines durch Composilionen auf einem anderen, jedoch der\ndramatischen Musikgattung verwandten Felde rühmlichst\nbekannten Tondichters, des Herrn Musik-Directors Wil-\nhelm Tschirch in Gera, von Leipzig folgende Mit-\ntheilung:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4078, "texte": "„Am 25. April ward uns auf dem hiesigen Stadt-\ntheater eine neue Oper vorgeführt, die auch, so viel wir\nwissen, ihre erste Aufführung hier erlebte und ein erstes\nBühnenwerk des Componisten ist: Meister Martin und\nseine Gesellen, oder: Die Rose von Nürnberg,\nlyrische Oper in vier Acten, nach E. T. Hoffmann's gleich-\nnamiger Novelle bearbeitet von Moriz Horn, Musik von\nWilhelm Tschirch. Das „„lyrisch\"\" ist wohl zu beto-\nnen; die Oper macht keinen Anspruch darauf, zu den\ngrossen romantischen Opern oder zu den Musik-Dramen\nzu gehören, das lyrische, melodiöse Element ist eben ihre\nHauptstärke; wir müssen daher sie auch nur mit diesem\nMaassstabe messen, und dürfen die Erwartung ausspre-\nchen, dass die Oper nach dem wohlverdienten Beifall, den\nsie fand, sich die Gunst des Publicums immer mehr gewin-\nnen und erhalten wird. Was uns betrifft, so bedauerten\nwir, hier und da die treffliche Musik durch gesprochenen\nDialog unterbrochen zu hören; uns hat dergleichen Ge-\nmisch von Gespräch und Gesang immer auf das widerwär-\ntigste berührt, und jetzt, wo fast die gesammte Kunstkritik\nüber den Opern-Dialog den Stab gebrochen hat, und selbst\nin älteren Opern derselbe noch nachträglich durch Reci-\ntative ersetzt wird, begreifen wir nicht, wie ein so treff-\nlicher Componist wie Tschirch einer solchen Geschmacklosig-\nkeit sich schuldig machen kann. (Oh!) Die Aufführung selbst\nkonnte ihm das fühlbar machen. Der zweite Act ist offen-\nbar der beste; er ward mit dem grössten Enthusiasmus\naufgenommen und der Componist schon nach ihm geru-\nfen. Dieser zweite Act ist der einzige, der keinen Dialog\nenthält. Da die Oper ohnehin kaum einen Abend füllt, so\nwürden wir Tschirch rathen, ja, bitten, den Dialog mit\nRecitativen noch nachträglich zu vertauschen, und wir wür-\nden sein Werk, das so viel Treffliches enthält, zu den be-\nsten Gaben der Neuzeit zählen. Der hübsche Stoff, der uns\nin das edle Nürnberg führt, hätte vom Dichter poetischer\nausgebeutet werden können es laufen in den Versen\nauch viele Trivialitäten mit unter. Der zweite Act war,\nwie gesagt, der Höhepunkt des Ganzen. Reizend war das\nTenor-Duett, das von Herrn Young (Friedrich) und Herrn\nBernard (Reinhold) zu allgemeinem Beifall vorgetragen\nward; eben so des Letzteren Arioso: „Der Sänger zieht\ndurch die Lande\", und des Ersteren Lied: „Als ich die\nHeimat süss\"; nicht minder Meister Martin's (Herr Ber-\ntram) Meistersang. Die Genannten, wie Herr Wallen-\nreiter als Paumgärtner und Fräulein v. Ehrenberg als\nRosa sangen und spielten ihre Rollen mit Liebe und Ver-\nständniss; wunderniedlich war der Letzteren Wettgesang mit\ndem Vögelchen im dritten Acte; als das Bedeutendste von\nallen erschien uns aber das Gebet als Finale des dritten\nActes. Nach ihm ward der Componist mit den Haupt-\nDarstellern, wozu noch Frau Bachmann (Martha) und\nHerr Gi 11 (Konrad) kommen, gerufen, eben so zwei Mal am\nSchlüsse der Oper. Alle die genannten und noch viele andere\nNummern wurden auf das lebhafteste applaudirt. Unser End-\nUrtheil geht dahin, das Werk als ein nach Stoff wie Be-\nhandlung entschieden deutsches zu erklären, das wir als\nsolches schon mit Freuden begrüssen und auf unseren\nBühnen heimisch sehen möchten; ungetrübt aber würde\nunser Genuss erst sein, wenn die gesprochenen Worte sich\nzu gesungenen verwandeln könnten.\"\nWir hoffen unsererseits, dass der Erfolg der Oper\ndesshalb bleiben werde, weil der Werth der Musikstücke\nihn bedingt, und theilen den kritischen Abscheu vor dem\nDialog in der komischen und in der Genre-Oper (um\ndiesen Ausdruck aus der Malerei herüber zu nehmen) nicht\nin so hohem Maasse. Wer z. B. Weber's „Freischütz\"\nmit den dazu gemachten Becitativen hört, der sehnt sich\nnach dem Dialog zurück. Was kann denn auch die Musik\nBedeutendes in die Becitative einer komischen Oper mit\neiner bürgerlichen Handlung legen? Es bleibt da nichts\nübrig, als das Recitativo seccoder Italiäner; aber weder\nzu dessen Composition, noch zu dessen Vortrag sind wir\nDeutschen geeignet, und unser Publicum weis't es als lang-\nweilig und musicalisch nichtssagend eher zurück, als dass\nes Gefallen daran fände."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "150", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.5", "titre_corps": "Aus Kassel.", "titre_sommaire": "Aus Kassel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.5", "debut_caractere": 4080, "fin_caractere_exclue": 5067, "texte": "Aus Kassel.\nDie zweite Hälfte unserer miisicalischen Winterzeit\n(über die erste vergl. Nr. 53 vom 29. December 1860}\nbrachte uns noch vier Abonnements-Concerte des kur-\nfürstlichen Hof-Orchesters.\nVon Orchesterwerken hörten wir darin die Sinfo-\nnieen von Mozart (G-moll), Spohr (Nr. 3, C-moü),\nBeethoven (Nr. 4, ß-dur);von Ouvertüren: Men-\ndelssohn, „Schöne Melusine\", Schumann, Ouvertüre,\nScherzo und Finale, Gade, „Im Hochland\", G. Golter-\nmann, Roquette's „Waldmeisters Brautfahrt\", C. Rei-\nnecke, „Dame Kobold\", Schumann, zu Manfred. —\nVon grösseren Vocal-Compositionen mit Orchester kam\nim vierten Concerte Gade1 s „Comala\" zur Aufführung\n(Comala—Frau Rübsamen-Veith, Fingal — Herr Rübsa-\nmen, Dersagrena — Fräulein Erbarü, Melicoma —Frau\nRathmann.)\nVon \"unseren einheimischen Instrumentalisten traten\nnur die Herren Concertmeister Graff und Wipplinger\nauf und ärnteten durch den Vortrag der Violin-Concerte\nvon de Böriot (Nr. 9, Herr Graß) und Rode (NTr. 8,\nE-moll) warmen Beifall."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3755, "texte": "Von den Gästen zeichneten Pianisten Alfred\nJaell und Capellmeister Karl Bei necke von Leipzig aus.\nErsterer trug Beethoven's C-mConcert na h seiner in-\ndividuellen Auffassungsweise und, wie es sich von einem\nsolchen Virtuosen von selbst versieht, mit grösstem Erfolge\nvor. Seine Solo-Vorträge, besonders der Tannhäuser-\nMarsch von Liszt, rissen das Publicum zu stürmischen Bei-\nfallsbezeigungen hin. Beinecke blendet weniger, wird\naber überall ein kleineres, aber gewähltes Publicum durch\nseine Vortragsweise im Sturm erobern. Sein Vortrag eines\nfür hier neuen herrlichen Clavier-Concertes von\nMozart wird allen Musikfreunden unvergesslich bleiben.\nVon den Solo-Piecen rief Hiller's als\nBeinecke's Spielart so ganz angemessen, den grössten Bei-\nfall hervor. Sein Vortrag zeichnete sich eben so wie die\nComposition durch Klarheit, Feinheit und Freiheit von aller\nAfl'eclation aus. In demselben Concerte wurde seine Ouver-\ntüre zu „Dame Kobold\" aufgeführt und fand verdienter\nMaassen ungeteilten Beifall.\nDer treffliche Violinist Jean Becker erregte noch\ngrössere Sensation, als im vorigen Jahre. Er hatte Bubin-\nstein's enorm schweres, aber undankbares Violin-Concert\ngewählt, dessen halsbrechende Schwierigkeiten er mit spie-\nlender Leichtigkeit überwand. Die Composition selbst zeich-\nnet sich durch viele interessante Züge und einige sehr ori-\nginelle Motive aus; doch ist sie zu gedehnt und berührt den\nHörer durch zu auffallende Härten oft zu unangenehm, als\ndass man es wagen könnte, ihr eine baldige Popularität zu\nversprechen. Ferner trug Becker Tartini's Teufels-So-\nnate und Paganini's „1 Palpiti\" in nach jeder Bichtung\nhin so vollendeter Weise vor, dass sich nach letzterer Piece\nder Beilall bis zum höchsten Enthusiasmus steigerte. Der\nKünstler wurde durch sechsmaligen Hervorruf ausgezeich-\nnet, und wurde ihm Seitens der Capelle ein silberner Lor-\nberkranz verehrt.\nIn demselben Concerte gefielen die Hiller'sehen Ge-\nsänge „Lebenslust\" und „Die Lerchen\" für Sopran und\nvier Männerstimmen so sehr, dass „Die Lerchen\" stür-\nmisch dacapoverlangt wurden. Dorn's „Mädchen an den\nMond\" musste ebenfalls wiederholt werden, und fanden\ndiese Gesangslücke durch den in jeder Hinsicht ausgezeich-\nneten Vortrag der Frau Bübsamen-Veith eine so treff-\nliche Interpretation, wie man sie allen guten Compositio-\nnen von Herzen nur wünschen kann.\nIm vierten Concerte trat die Sängerin Frau Kapp-\nVoung aul, welche eine umfangreiche, wohlgeschulte\nStimme besitzt, sich ausserdem auch der immer seltener\nwerdenden, darum aber auch um so schätzenswertheren\nEigenschaft gründlicher und musicalischer, wie allgemeiner\nBildung rühmen darf. Sie sang die grosse Arie der Vitellia\naus Titus und drei Lieder von Mendelssohn, Meyerbeer\nund Molique. Ausserdem gastirte sie in der Oper mit Bei-\nfall und ist vom 1. August an für das Fach einer ersten\ndramatischen Sängerin an hiesiger llofbühne engagirt.\nVon den Orchesterwerken gefiel Goltermann's\nOuvertüre „Waldmeisters Brautfahrt\" als ein, wenn auch\nnicht besonders hervorragendes, doch immerhin gediegenes\nWerk. Schumann's „Ouvertüre, Scherzo und Finale\",\nso wie die Manfred-Ouverture werden sich bei wiederhol-\nten Aufführungen sicher auch hier bald einbürgern.\nDas Charfreitags-Concert dürfen wir um so we-\nniger mit Stillschweigen übergehen, als es die einzige all-\njährliche Aufführung von Kirchenmusik ist, deren sich\nKassel erfreut. Sie bestand dieses Mal aus Spohr's „Va-\nter unser\" und Mozart's Reqwelche beide Werke\nunter Mitwirkung der Gesang-Vereine und eines Theiles\ndes Solo-Personals der Oper in recht würdiger Weise zu\nGehör kamen. Unsere jugendliche Sängerin Fräulein Er-\nhartt machte sich durch ganz vortrefflichen Vortrag der\nSopran-Partie in beiden Werken um die Aufführung be-\nsonders verdient."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.6", "titre_corps": "Das 38. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 38. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.6", "debut_caractere": 3757, "fin_caractere_exclue": 5146, "texte": "Das 38. niederrheinische Musikfest.\nDie diesjährige Feier des niederrheinischen Musik-\nfestes, das seit dreiundvierzig Jahren besteht und alle\nStürme, die seine Existenz durch politische Zustände be-\ndrohten, überstanden hat, verspricht eine sehr würdige\nund glänzende zu werden. Das Programm, das sich an\ndie Werke der grössten classischen Meister hält, bringt\nam 19. Mai die Missa solemnis in D-dur und die Sin-\nfonia eroica.Der erste Tag ist also ganz der Verherr-\nlichung Beethoven's gewidmet, was im höchsten Grade\nzu billigen ist. Ob eine Umstellung der Aufeinanderfolge\nnicht zweckmässiger wäre, lassen wir dahingestellt; die\nErfahrung hat uns wenigstens bei dem diesjährigen drit-\nten Gesellschafts-Concerte in Köln gezeigt, dass selbst eine\nvon den grossen Beethoven'schen Sinfonieen (es war die\nfünfte) nach der Aufführung der Messe nicht den Ein-\ndruck machte, der sich auf der Höhe der Begeisterung,\nwelche jene hervorgerufen, erhalten hätte.\nDas Concert des zweiten Tages (den 20. Mai) eröffnet\nmit der herrlichen Sinfonie in mit dem fugirten\nSchlusssatze von Mozart und bringt darauf das pracht-\nvolle Oratorium J osua von Händel, das seit 1845 (Düs-\nseldorf) nicht auf den Musikfesten gehört worden ist, nach-\ndem es die erste Aufführung auf dem Feste zu Köln im\nJahre 1838 erlebt hatte, bei welcher die Partie des Josua\ndurch den ausgezeichneten Tenor Vrügt aus Holland be-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1311, "texte": "setzt war. Es wird also das rheinische Publicum, was die\nKoryphäen der neuesten Schule wieder einmal zur Ver-\nzweiflung bringen wird, die „Tafelmusik\" einer Mozart'-\nschen Sinfonie und das „Elephanten-Getrappel\" eines Hän-\ndel'schen Oratoriums wahrscheinlich mit enthusiastischem\nBeifall aufnehmen.\nChor und Orchester haben sich stets bei den Musik-\nfesten in Aachen so trefflich bewährt, dass wir von den\ndurch Wüllner's eifrige Thätigkeit und hohe musicali-\nsche Befähigung in den letzten Jahren noch gehobenen\nKräften der Ausführung nur das Beste erwarten können.\nEben so bürgt der berühmte Dirigent, General-Musik-Di-\nrector Franz Lachner aus München, und die Namen\nder Solisten, unter denen, was sehr erfreulich ist, drei\ndurch Geburt oder längeren Aufenthalt den Rheinlanden\nangehören: Frau Rübsamen-Veith, Frau Potthof-\nDi eh I und Herr Karl Schneider, für das künstleri-\nsche Gelingen des Festes.\nNehmen wir nun noch dazu, dass am dritten Tage\n(21. Mai) das gefeiertste Künstlerpaar in Deutschland,\nFrau Clara Schumann und Herr Joseph Joachim,\ndas Pianoforte und die Violine in ihrem höchsten Glänze\ndurch vollendete, echt künstlerische Leistungen zeigen wer-\nden, so wüssten wir in der That nichts, was dem so vor-\ntrefflichen Programme noch hinzugefügt oder darin mit\nAnderem vertauscht werden könnte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-11_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.7", "debut_caractere": 1313, "fin_caractere_exclue": 6737, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolfit* Fräulein Amelie Bid<s hat in diesen Tagen zwei Mal\nim Theater concertirt und ganz ausserordentlichen Beifall gefunden,\nder sich durch den lautesten Applaus und Hervorruf nach jedem\nMusikstücke offenbarte Die jnngc Virtuosin, die in die Fussstapfen\neiner Therese Milanollo tritt, hat, seitdem wir sie nicht gehört, emi-\nnente Fortschritte gemacht und trägt die schwierigsten Violin-Com-\npositionen, namentlich die Sachen von Yieuxtemps, mit indivi-\ndueller Auffassung und künstlerischem Aplomb vor, Sie ist aber\nnicht bloss Virtuosin im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern\nspielt auch die gediegenste Kammermusik mit eben so viel Kunst-\nsinn als technischer Fertigkeit. »\nAm Himmelfahrtstage hörten wir im Dome eine gute Aufführung\nder C-dur-Messe von Beethoven —ein Beweis, dass die Ver-\nbindung von Vocal- und Instrumental-Musik doch nicht aus der\nKathedrale verbannt ist. Was aber diese Aufführung besonders\nmerkwürdig machte, war, da3S die ganze Solo-Sopran-Partie von\nAnfang bis Ende durch Fräulein Adeline Büchner, welcher die\nNatur bei ihrer Geburt das Licht der Augen missgönnt hat, gesun-\ngen wurde. Der durchaus correcte Vortrag und der innige Ausdruck,\nverbunden mit einer angenehmen, sehr wohllautenden Stimme, hat-\nten etwas Erstaunenswerthes und zugleieh Rührendes, indem sich\ngewiss bei jedem fühlenden Menschen die Empfindung regte, wie\nwunderbar die Natur das auf der einen Seite Versagte durch eino\nreiche Begabung mit Stimme, Gehör, Gedächtniss und echt künstle-\nrischem Sinne für das Musicalisch-Schöne dem liebenswürdigen\ngen Mädchen ersetzt hat.\nSSerflin, 27 April. Fräulein Lucca, die nach der günstigsten\nWirkung ihres Gastspiels im königlichen Opernhause die Recha\n(Jüdin) als erste Antrittsrolle ihres Engagements für die königliche\nOper singen sollte, wurde daran durch Krankheit in Folge einer Er-\nkältung gehindert. Die junge Künstlerin, wird wohl erst in nächster\nWoche wieder auftreten können.\nDas vierte Abonnemcnts-Concert der grossher-\nzoglich-jn Hofmusik am 22. April, welches der grossherzogliche Hof\nmit seiner hohen Gegenwart beehrte, bot uns wieder einen schönen\nKunstgenuss. Vor Allem heben wir das ausgezeichnete Werk eines\nvaterländischen Componisten hervor: Zweite Sinfonie (D-dur) von\nW. R eulin g. Im vorigen Jahre wurde bereits von Würzburg aus\nin diesen Blättern berichtet, welchen grossen Beifall dieses Werk\ndort erwarb, von dessen Trefflichkeit wir uns nun hier selbst über-\nzeugen konnten. Den ersten Satz eröffnet ein kurzes Andante als\nEinleitung. Streich-Quartett beginnt ein weiches, melodisches Thema,\nwelches, von Blas-Instrumenten aufgenommen, zu verklingen scheint,\nbis plötzlich die ganze Kraft des Orchesters eine von den Violinen\nausgeführte lebhafte Figur in vollen Accorden unterstützt, dann wie-\nder in den früheren sanften Charakter zurückführt und den Ueber-\ngang zum Allegro vorbereitet, dessen Haupt-Thema ein ausdrucks-\nvolles, zartes, wohlgegliedertes Motiv, dem ein hoher Grad von Be-\narbeitungsfähigkeit eigen ist. In allen Gestaltungen und Umkehrun-\ngen erscheinen die Haupt-Tacte dieses Thema's während des ganzen\nersten Satzes immer in neuer Form und in neuem melodischem Wech-\nsel. Der Mittelsatz ist dem Charakter des ersten Thema's vollkom-\nmen entsprechend, und beide Motive vereint geben später Veran-\nlassung zu vielen musicalischen Combinationen und Bearbeitungen.\nEin überraschend eintretender Fis-dur-Accord ist von grosser Wir-\nkung, nach welchem dann die Violinen in brillanten Figuren und\ndie Bläser in mannigfachen melodischen Anklängen an die beiden\nIlaupt-Thema's den ersten Theil abschliessen. Die thematische Bear-\nbeitung der Haupt-Motive in dem nun beginnenden zweiten Theile\nkann sich der strengsten Kritik unterwerfen. Sie ist meisterhaft ge-\nlungen zu nennen. Die Haupt-Thema'» geben zu den vierschieden-\nartigsten melodischen und harmonischen Combinationen Veranlassung.\nDer Eintritt getragener Pianissimo-Accorde in den Blech-Instrumen-\nten, abwechselnd mit den anderen Bläsern, die durch eine Triolen-\nFigur der Violinen Leben erhalten, ist von grosser Wirkung. Der\nSchluss dieses ersten Satzes ist lebendig bewegt und effectvoll.\nZweiter Satz. Andante beginnt mit einer reizenden Melodie, von den\nVioloncellen vorgetragen, welche dann, von sanften Blas-Instrumenten\naufgenommen, in immer steigender Wirkung wiederkehrt, dann aber\nganz zu verklingen scheint. Ein neues Motiv tritt nun auf und be-\nreitet ein zart gehaltenes, nur von den beiden Violinen getragenes\nMittel-Motiv vor. Dieses Andante ist ein tief und innig gefühltes\nTonstück, das sowohl durch Anlage wie durch Bearbeitung wohl-\nthuenden Eindruck macht» Dritter Satz. Scherzo. Ein gut gear-\nbeitetes, äusserst lebendiges Musikstück, dem als Gegensatz ein\nTrio beigegeben, dessen ruhige, klare Melodie nur von Blas-Instru-\nmenten ausgeführt wird. 4. Satz Finale. Kräftige Accorde leiten\ndasselbe ein; diesen folgt ein von den Saiten-Instrumenten vorge-\ntragenes, sehr lebhaf.es Motiv. Dann aber tauchen andere, kräftige\nMelodieen auf, die nach verschiedenen harmonischen Wendungen zu\ndem Mittelsatze hinführen, dem ein volksthümlicher Charakter inne-\nwohnt, und der von den Hörnern ausgeführt wird. Ein kurzes, me-\nlodiöses Clarinet-Solo leitet dann in ein grossartiges, breit angelegtes\nAndante maestoso (12/»Tact) ein, welches nach verschiedenen Mo-\ndulationen jenen Mittelsatz in vollster Kraft wiederbringt, welcher"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5258, "texte": "gegen den Schluss noch einmal erscheint, mit brillanten Triolen-Fi-\nguren der Violinen begleitet, die in immer schneller werdendem Vor-\nwärtsstreben dem vollkräftigen Schlüsse zueilen. Die Ausführung des\nWerkes durch die grossherzogliche Hofmusik unter des Componistcn\n(früher k. k. Hof-Capellmeister in Wien) eigener Leitung, der so\nsicher und gewandt den Tactstab führte, als hätte er ihn erst gestern\nniedergelegt, war eine höchst gelungene und fand in allen Theilen\nverdiente Anerkennung. Von den übrigen Musikstücken des Abends\nheben wir noch besonders ein ganz ausgezeichnetes Flötenspiel\n(Phantasie von Briccialdi) des Herrn Ott aus Würzburg, der durch\ndie Schönheit und den Ausdruck des Tones und die Bravour des\nganzen Vortrages ein sehr bedeutendes Talent entwickelte, und die\nGesangs-Vorträge der Altistin Fräulein Mathilde Schneider\n(Arie aus der Oper „Rodelinda* von Händel und zwei Lieder von\nSchumann) hervor, welche gleichfalls lebhaften Beifall fanden.\nAus Hamburg schreibt man: «Am 2. December v. J. schiffte\nich mich in Vera-Cruz ein, um über Havannah nach St. Thomas\nzu gehen, von wo der Dampfer wieder nach Vera-Cruz zurück-\nkehrte. Der grösste Theil der Besatzung bestand aus schwarzen\nMatrosen. Denken Sie Sich mein Erstaunen, als ich diese Neger im\nmexicanischen Meerbusen, mehr als 6000 englische Meilen von der\ndeutschen Heimat entfernt, Kücken's „Kleinen Recruten\" mit engli-\nschem Text singen hörte. Das Herz lachte mir vor Freude, und die\npopuläre Melodie erfüllte mich unter der heissen Zone mit warmem\npatriotischem Entzücken.®\nIn Antwerpen hat man Nicolai1 s Oper „Der Templer®,\nübersetzt von Dangias, mit Beifall gegeben. Otto Nicolai hatte diese\nOper: „// Templario\", in Rom componirt, sie ist ein früheres Werk,\nab »Die Justigen Weibei von Windsor\". Der Stil ist ganz italiänisch\nund sehr reich an lieblichen Melodieen.\nParis. Alfred Jaell bat auch in seinem zweiten Con-\ncor te ein sehr zahlreiches und von Anfang bis Ende sehr enthu-\nsiasmirtes Publicum gehabt. Das Concert begann mit der grossen\nKreutzer-Sonate von Beethoven, welche durch A. Jaell und\nHerrn Armingaud auf eine so meisterhafte Weise ausgeführt\nwurde, wie man sie selten hören dürfte. Von Salonstücken eigener\nComposition führte Jaell sein Caprice (Op. 104), die Chanson d'a-\ntnour und M6lodie Anglaise vor, in welcher letzteren sein correcter,\negaler und glänzender Triller, worin ihn wohl jetzt Niemand er-\nreicht, ganz besonders entzückte. Von Rob. Schumann gab er\nein paar reizende Kleinigkeiten, ausserdem von Chopin, und dann\nseine Kraft-Bravourstücke, den Marsch aus dem Propheten und den\nMarsch aus denn Tannhäuser, von denen natürlich der letzte«-den\nersten verdunkelte. A. Jaell, geboren den 5. März J832, ist erst 29\nJahre alt.\nDer junge Violin-Virtuose Leopold Auer bat durch sein Spiel\ndie Stimmen der Kenner und Laien zu seinen Gunsten vereinigt.\nCharakteristisch für die hiesige Kritik ist es, dass in einem speci-\nfisch musicalischen Blatte sein Vortrag der Fille du Diable von\nT artin i gelobt wird!\nliondoil. Herr G y e hat im Coventgarden-Theater am\n2. April die neue Saison der italiänischen Oper mit Meyerbeer's\n„Prophet* begonnen. Frau Csillag und Tamberlick traten\ndarin auf. Ausserdem sind die Damen Ortolani, Corbari, Ru-\ndersdorf, die Herren Formes, Tagliafico, Tiberino, Zei-\nger u. 8. w. angestellt. Herr Smith, der Director der Oper\nim Theater Ihrer Majestät, hat angekündigt, dass ihn die\nbisherigen Verluste nicht ermuthigten, dass er mithin für diese\nSaison auf sein Unternehmen verzichte, Grisi und Mario sind\nnicht von Gye engagirt; sie werden sich im Krystallpalast in ita-\nManischen Scenen hören lassen, welche besonders für Mario und für\ndie berühmte Sängerin gewählt sind, welche sich bestimmt im\nnächsten Jahre ins Privatleben zurückziehen wird, und da es da«\ndritte Mal ist, dass sie diesen Entschluss öffentlich erklärt, so\ndarf man unmöglich daran zweifeln.\nAnf dem diesjährigen Musikfeste zu Birmingham im August\nd. J. wird ausser den typischen Aufführungen des Messias und\nElias (Samson, Israel in Aegypten und Judas Maccabäus stück-\nweise) auch Haydn's »Schöpfung* und Beeth oven's Missa so-\nlemnis in D gegeben werden. Chor- und Orchester-Personal werden\nsich wundern, denn das letztere Werk wird sich nicht mit einer\nProbe herstellen lassen, wie das bei den übrigen dort gewöhnlich ist.\nPrel sl>e Werbung\nfür kirchliche Compositionen.\nDie Musik-Verleger Heugel & Comp., rue Vivienne 2 bis zn\nParis, haben folgende Preis-Aufgaben auch für deutsche Com«\nponisten ausgeschrieben: J) Eine goldene Münze (300 Fr.) für eine\nleichte dreistimmige Missa brevis (in Gloria und Credo so einzu-\nrichten, dass die Intonation Gloria in excelsis Deo und Credo in\nunum Deum dem celebrirenden Geistlichen verbleibe). Zweiter Preis\neine silberne Münze (150 Fr ) 2) Eine goldene Münze (200 Fr.)\nfür drei kleine Motetten oder kirchliche Gesänge auf lateinische\nTexte der katholischen Kirche. Zweiter Preis eine silberne Münze\n(100 Fr.) Die Manuseripte müssen mit der Adresse ihrer Verfasser\noder deren Chiffre vom 1. bis 10. Juni d. J. *) an die obige\nAdresse franco eingesandt werden. Den deutschen Componisteft\nverbleibt das Eigentumsrecht.\n*) Der Wunsch der Veröffentlichung ist uns erst am 8. Mai\nzugegangen. Die Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAuber und seine neueste Oper »La Circassienne\". Aus Frankfurt am Main (Theater-Angelegenheit Die neue Privat-\nMusikschule). Meister Martin und seine Gesellen. Oper von M. Horn und Wilh. Tschircb. Aus Kassel (Musik-Aufführungen). Das\n38. niederrheinische Musikfest. Tages- und Un terh al tun gs b 1 att (Köln, Fräul. Amalie Bido, Fräul. Adeline Büchner Berlin,\nFrUul. Lucca Darmstadt, Abonnements-Concert Paris, Alfred Jaell, Leopold Auer London, Theater Preisbewerbung).\n\nAuber und seine neueste Oper „La Circassienne“.\nDaniel Frankois Esprit Auber, der älteste von\nallen Componisten unserer Zeit und der einzige, der fast\nein halbes Jahrhundert lang seinen Buhm zu steigern und\nauf der errungenen Stufe zu erhalten gewusst hat, ist nach\nder Millheilung seines Vaters, welche dieser im Jahre 1810\ndem Verfasser der Biographie universelle, Herrn Fetis,\ngemacht hat*), am 29. Januar 1782 zu Caen in der\nNormandie geboren. Hiernach ist Auber jetzt 79 Jahre\nalt, und wenn er auch bei den Prüfungen der Zöglinge\ndes Conservaloriums, dessen Directorat er bekleidet, re-\ngelmässig schläft, was ihm Niemand verdenken wird, so\nhat er doch am 2. Februar d. J. noch eine komische Oper\nin drei Acten auf die Bühne gebracht, was Jedermann be-\nwundern wird.\nSeine Familie stammt aus der Normandie; seine Eltern\nwohnten aber in Paris, und er wurde auf einer Reise, die\nsie nach Caen gemacht hatten, geboren. Sein Vater hatte\neine Kunsthandlung, vorzüglich in Kupferstichen, in Paris\nund war in guten Vermögens-Umständen. Der Knabe\nlernte Musik zu seinem Vergnügen und machte auf dem\nCiavier bei seinem Lehrer Ladurner Fortschritte, welche\nbedeutende musicalische Anlagen bekundeten.\nDer Vater bestimmte ihn für den Kaufmannsstand\nund schickte ihn zu diesem Zwecke nach London; aber\nder junge Auber hatte keine Neigung zum Handel, kam\nwieder nach Paris zurück und liess seiner Liebe und Be-\nfähigung zur Tonkunst freien Lauf. Mit Talent und Geist\nbegabt, fand er in der Gesellschaft eine zuvorkommende\nAufnahme und wurde bald durch kleinere Compositionen,\nnamentlich Romanzen, beliebt. Ein Trio für Pianoforte,\nVioline und Violoncello folgte jenen ersten Versuchen und\nzeigte eine geschickte Behandlung der Form und Anlage\nfür Instrumental-Musik.\nEr stand in freundschaftlicher Verbindung mit dem\nberühmten Violoncellisten Lamare. Dieser hatte sich einen\nganz besonderen Stil in seiner Kunst des Violoncellspiels\ngebildet und wünschte ihn durch eigentümliche, dafür\npassende Compositionen weiter zu verbreiten. Unglückli-\ncher Weise hatte ihm aber die Natur jegliche Anlage zur\nComposition versagt. Auf seine Bitte schrieb ihm Auber\nnach und nach eine ganze Reihe von Concerten, die unter\nLamare's Namen erschienen. Für die Künstlerwelt war es\nübrigens kein Geheimniss, dass Auber der Verfasser die-\nser Stücke war, deren origineller Charakter Aufsehen er-\nregte und die Zukunft des jungen Componisten ahnen liess.\nAuch für den Violinisten Mazas schrieb er ein Concert,\nwelches dieser mit grossem Beifall im Conservatoire vortrug.\nSein erster Versuch, für die Bühne zu schreiben, war\ndie neue Bearbeitung des älteren Textes einer komischen\nOper, „Julie\" •, das Orchester bestand nur aus zwei Violi-\nnen, zwei Bratschen, Violoncell und Contrabass. Sie wurde\nauf einem Liebhaber-Theater mit Beifall gegeben. Bald\ndarauf componirte Auber eine andere Oper mit vollstän-\ndigem Orchester für das Privat-Theater des Fürsten von\nChimay, aus welcher er einige Stücke in seine späteren\nArbeiten aufgenommen hat.\nDer Beifall, den diese Versuche fanden, hinderte ihn\nnicht, einzusehen, dass seine musicalische Bildung noch\nsehr unvollkommen sei. Desshalb begann er unter Cheru-\nbini's Leitung ernstere, gründliche Studien. Nach einem\nvollständigen Cursus derselben schrieb er eine vierstimmige\nMesse, aus welcher er späterhin das Gebet in der Stummen\nvon Portici genommen hat.\nIm Jahre 1813 trat er mit einer einactigen Operette:\n„Le Sejour militaire\"zum ersten Male öffentlich im Thea-\n\n*) S. Fetis, Biographie universelle. Deuxibme Edit. J. p. 162.\nAlle übrigen biographischen Notizen über Auber geben densel-\nben Tag seiner Geburt, aber die Jahreszahl 1784 an. Vielleicht\nhat er in der Zeit, wo man noch nicht stolz auf sein Alter\nist, nichts dagegen erinnert, wenn man ihn ein paar Jahre\njünger machte."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.2", "texte": "ter Feydeau auf. Aber leider erfüllte sie die Erwartun-\ngen keineswegs, die man nach seinen früheren Arbeiten\nauf ihn setzte. Die Oper fiel durch.\nDieser Unfall machte ihn stutzig und verdrossen, und\ner war Willens, eine Laufbahn, die so unglücklich begon-\nnen, aufzugeben. Zum Glück für die französische Oper\nzwangen ihn die zurückgegangenen Vermögens-Verhält-\nnisse seines Vaters und endlich dessen Tod, in der Aus-\nübung der Musik neue Hülfsquellen für seine Existenz zu\nsuchen. Nachdem er sechs Jahre lang nichts von sich hatte\nhören lassen, brachte er 1819 wiederum eine Operette\nin einem Acte: „Le Testament et les billets dorn\", auf die\nBühne der komischen Oper. Dieses Werk machte fast noch\nweniger Glück, als das frühere; allein Auber, der sich\nfühlte, liess sich nicht entmuthigen und gab in den ersten\nMonaten des Jahres 1820 die dreiactige Oper\ngere chätelaineuauf demselben Theater. Originelle Gedan-\nken, schöne Melodie, feine Instrumentirung und dramati-\nsche Wirkung zeichneten dieses Werk aus, das einen voll-\nständigen Erfolg hatte und den Grundstein zu dem gros-\nsen Rufe des Componisten legte.\nAuber war jetzt schon 38 Jahre alt. Die Geschichte\nseiner musicalischen Entwicklung gibt mithin ein Beispiel,\ndas den Gegensatz zu den frühreifen Berühmtheiten in\nder Tonkunst bildet und schlagend beweis't, dass eine\nhöchst bedeutende und mächtige künstlerische Natur-An-\nlage zuweilen erst in späteren Lebensjahren zum Durch-\nbruch gelangen und ihre Bestimmung erfüllen kann. Be-\nsonders auffallend ist bei Auber, dass von nun an seine\nmusicalisch-poetische Ader sehr reichlich strömte, dass er\nleicht und schnell schrieb und bis jelzt über vierzig Opern\ncomponirt hat.\nGleich im folgenden Jahre 1821 machte die drei-\nactige Oper „Emma ou la Promesse imprudente\" wie-\nderum Glück, und seitdem verging fast kein Jahr, in wel-\nchem nicht eine, zuweilen gar zwei neue Opern von Auber\nerschienen und Erfolg hatten. Wenn einige auch nur in\nParis gefielen und sich nur kürzere Zeit auf dem Reper-\ntoire hielten, so ergänzte sich das durch den ungeheuren\nErfolg anderer, welche auf den Theatern aller Nationen\ngegeben wurden.\nUm die Zeit, als Auber's Erfolge begannen, hatte er\ndas Glück, mit Scribe in Verbindung zu kommen, und aus\nder Vereinigung heider Männer, die sich an Verstand und\nGeist, an Auffassungsgabe und Gesinnung, an Instinct für\ndie Bühne iind dasjenige, was auf ihr wirkt, so sehr ähn-\nlich waren, gingen eine Menge von Werken hervor, die,\nwenn auch von sehr ungleichem Werthe, doch alle mehr\noder weniger und fast überall gefielen. Einen eigentlichen\nPurchfall hat keines erlebt. Sic beherrschten die französi-\nsehe Bühne, namentlich die komische Oper, an dreissig\nJahre lang.\nZu den vier genannten Opern vervollständigt sich\ndas Verzeichnis« von Auber's Opern (nach Felis) auf fol-\ngende Weise:\n5. Leice-ster, 3 Acte, 1822. — 6. La Neige ou le nou-\nvel Eginhard (Der Schnee*]), 4 Acte, 1823. — 7.\ndöme en Espagne, 1 Act, eine Gelegenheits- Oper zur Feier\nder Rückkehr des Herzogs von Angouleme aus dem spa-\nnischen Feldzuge im Jahre 1823, gemeinschaftlich mit\nHerold componirt. — 8. Les irois Genres, 1 Act, mit\nBoieldieu gemeinschaftlich zur Eröffnung des Odeon-\nTheaters componirt. — 9. Le (Das Con-\ncert am Hofe), 1 Act, 1824. — 10. Leocadie, 3 Acte,\n1824. —11. Le Majori (Maurer und Schlosser), 3 Acte,\n1825. — 12. Le Timide, 1 Act. 1826. -- 13. Fiorella,\n3 Acte, 1826. —14. La Muette de Fortlei (Die Stumme\nvon Portici), 5 Acte, tragische Oper, 1828. — 15. La\nFiancee (Die Braut), 3 Acte, 1829. — 16.\n3 Acte, 1830.— 17. Le Dien et la Bayädere, grosse Oper\nin 2 Acten, 1830. — 18. La\n3 Acte, 1831. Von Auber ist darin nur ein sehr schönes\nDuett im dritten Acte; übrigens ist die Oper ein Pasticcio\nvon Berton, Blangini, Boieldieu, Cherubini, Herold u.s. vv.\n—19. Le Fhiltre(Der Licbestrank), grosse Oper, 2 Acte,\n1831. — 20. Le Serment (Der Schwur), eben so, 3 Acte,\n1832.—21. Gustave LLL. (Gustav, oder der Maskenball),\neben so, 5 Acte, 1833. — 22. Lestocq, 3 Acte, 1834.—\n23. Le Cheval de bronse (Das eherne Pferd), 3 Acte, 1835.\n— 24 . Acteon, 1 Act, 1836. — 25.\n3 Acte, 1836. — 26. L'Ambassadrice (Die Gesandtin), 3\nActe, 1836. — 27. Le Domino noir (Der schwarze Do-\nmino), 3 Acte, 1837.— 28. (Der Feen-\nsee), grosse Oper, 5 Acte, 1839. — 29. 3 Acte,\n1840. — 30. Les Diamants de la Couronne (Krondiaman-\nten),3 Acte, 1841. —31 . Le duc 3 Acte, 1842.\n— 32. La pari du Diable (Carlo Brdschi, oder Des Teu-\nfels Antheil), 3 Acte, 1843. — 33. 3 Acte,\n1844. — 34. LaBarcaroUe, 3 Acte, 1845. — 35. Llay-\ndee, 3 Acte, 1847. — 36. L'Enfant prodigue (Der verlo-\nrene Sohn), grosse Oper, 5 Acte. 1850.—37. Zerline ou\nla Corbeilled'oranges, 3 Acte, 1851. — 38.\n3 Acte. 1852.—*39. Jenny 3 Acte, 1855. —40.\nManonLescaut, 3 Acte, 1856.—41 Cireassienne, 3\nActe, den 2. Februar 1861.\nMan braucht diese Reihe von Opern nur zu über-\nblicken und sich zu erinnern, dass Auber in und für Frank-\nreich schrieb, um zu wissen, dass er ein reicher Mann ge-\n\n*) Die in Deutschland ebenfalls häufig gegebenen haben wir\ndurch den Zusatz des deutschen Titels bezeichnet."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.3", "texte": "worden ist und sich eine glänzende Existenz geschaffen hat.\nAber auch an Anerkennung und Auszeichnung durch alle\nRegierungen seines Vaterlandes hat es ihm nicht gefehlt.\nEr wurde Mitglied des Instituts (in der musicalischen Sec-\ntion der Akademie der schönen Künste) und vieler anderen\nGesellschaften, Director der Capelle des Königs Louis Phi-\nlippe, jetzt des Kaisers Napoleon 111., Director des Conser-\nvatoires, Commandeur des Ordens der Ehrenlegion, Ritter\ndes belgischen Leopold-Ordens u. s. w.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Frankfurt am Main.\n[Theater-Angel egenheit Die neue Privat-Musik-\ns ch u le.]\nEndlich ist unsere Theater-Frage gelös't, und zwar\nauf die ehrenvollste Weise für die bisherige Verwaltung.\nDie Sitzung der gesetzgebenden Versammlung am 26.\nApril erörterte vor einem gedrängt gefüllten Zuhörer-\nraume den auf der Tagesordnung stehenden Gegenstand:\n„Die Verlängerung der Concession der bisherigen Theater-\nActien-Gesellschaft und Erhöhung der Subvention aus\nStaatsmitteln.\" Der Berichterstatter der Commission (Dr.\nMappes) beantragte im Namen derselben: „Zustimmung\nzur Erneuerung der Concession an die bestehende Gesell-\nschaft auf sechs Jahre, vom 1. November 1861 bis 31.\nOctober 1867, unter den seitherigen Auflagen und Be-\ndingungen, und Zusicherung eines jährlichen Beitrags von\n10,000 F|. zur Theaterführung und von 3000 Fl.\nzum Theater-Pensions-Fonds, zusammen 13,000\nFl. aus Staatsmitteln.\"\nDie meisten Redner sprachen sich für die Subvention\nu. s. w. aus, einige bedingungsweise. Herr Dr. v. Guaita,\ndessen Rede die ungetheilte Aufmerksamkeit der Versamm-\nlung erregte, erklärte, dass, hätte er noch einmal sich\nfür die Oberleitung des Theaters zu entscheiden, er sich\neine andere Liebhaberei wählen würde; denn, wie ein\nFreund von ihm richtig bemerkt hätte, man werde eher\nim zoologischen Garten mit den Thieren fertig, als in einer\nRunstanstalt mit den Menschen. Redner schilderte hierauf\ndie Entstehung der jetzigen Actien-Gesellschaft, welche nur\naus Patriotismus, um das Theater den Händen niedriger\nSpeculation zu entreissen, nur zu „ver-, nicht zu erringen\",\nsich constituirt habe. Bei den schlechten Einnahmen des\nTheaters, und da es, wodurch die Ausgaben sich bedeu-\ntend vergrösserten, der Fremden halber das ganze Jahr\nhindurch spielen müsse, sei ein Deficit nicht zu vermeiden.\nEr ersuchte, auch im Interesse der Kunst, da unsere besten\nKünstler, weil der engere Ausschuss der Theater-Actien-\nGesellschaft ihnen bisher aus Ungewissheit keine festen\nVersprechungen habe machen können, fortgehen wollten,\nfür den Commissions-Antrag zu stimmen, wenn man nicht\nanders die Absicht habe, das Theater zu ruiniren und es\nden Händen fremder Speculariten zu überliefern. — Nach\ndem Resume des Berichterstatters ward zur Abstimmung\ngeschritten, und der Commissions-Antrag, die Subvention\nvon 13,000 Fl. unter den seitherigen Bedingungen zu\nverwilligen, so wie der Antrag des Herrn Dr. Fester,\ndem Senate zur Erwägung anheim zu geben, ob nicht die\nConcessionirung eines stehenden Circus und die Aufnahme\ndes Theater-Chors in den Pensions-Fonds bei entsprechen-\nder Erhöhung der Subvention zu empfehlen sei, angenom-\nmen, die übrigen Anträge aber verworfen. — Dieser Be-\nschluss des gesetzgebenden Körpers muss alle Freunde\nunserer städtischen Kunst-Interessen erfreuen; mit diesem\nBeschlüsse ist einerseits unserem Theater ein geregeltes\nFortschreiten auf dem Wege der wahren Kunst gesichert,\nandererseits dem ungerechtfertigten Ehrgeize und der Spc-\nculation ein eiserner Riegel vorgeschoben.\nAber auch noch eine andere, im jetzigen Augenblicke\nbeachtenswerlhe Bedeutung hat der Beschluss des gesetz-\ngebenden Körpers: es ist in demselben ein Vertrauens-\nVotum für die jetzige Theaterleitung enthalten, ein Ver-\ntrauens-Votum, das, im Namen aller gebildeten und an-\nständigen Bewohner Frankfurts ausgesprochen, alle die\nnichtswürdigen Verleumdungen und gehässigen Anklagen,\nwomit man die Theaterleitung zu stürzen gesucht hatte,\nzu Schanden macht. Wir begrüssen diesen Ausgang der\nmonatelangen Krisis, in die man den Bestand des hiesigen\nTheaters gewaltsam hineingedrängt hatte, mit um so auf-\nrichtigerer Freude, als nun hoffentlich auch die Nieder-\nträchtigkeit der anonymen Briefe ihr Ende erreicht haben\nwird; denn wir zweifelten und zweifeln keinen Augenblick,\ndass diese Schandbriefe einzig und allein den Zweck hatten,\ndie jetzige Theater-Direction unmöglich zu machen. Auch\ndie unwürdigen Verunglimpfungen unseres Theaters und\nseiner Leitung in auswärtigen Blättern, so wie der herab-\nwürdigende Ton, in welchem sich manche Theater-Kriti-\nker gefallen, dürften nun, da jeder Erfolg solcher Machi-\nnationen abgeschnitten ist, nachlassen; wir wünschen dies\nwenigstens, und nicht sowohl unseres Theaters wegen, als\nim Interesse der Ehre unserer Stadt, deren geistige und\nsittliche Bildung durch solches Treiben wahrlich nicht im\ngünstigsten Lichte erscheint.\nUeber die hiesige Musikschule und ihr Verhältniss\nzur Mozart-Stiftung enthält die „Süddeutsche Mu-\nsik-Zeitung\" Nr. 17 einen sehr bemerkenswerthen Ar-\ntikel von F. J. Kunkel, dem wir Folgendes entnehmen:\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.4", "texte": "„Im Mai des verflossenen Jahres 1860 haben vier\nhiesige Privat-Musiklehrer unter Hinzuziehung noch zweier\nanderen Lehrer für den Unterricht im Violoncellospiel und\nim Gesänge, so wie eines Mitgliedes des hiesigen Theater-\nOrchesters für den Unterricht im Violinspiel, mit Geneh-\nmigung hohen Senates die Begründung einer Musik-\nschule dahier bekannt gemacht.\n„Es ist der musicalischcn Welt nicht fremd geblieben,\ndass der hiesige Männergesang-Verein Liederkranz aus\ndem reinen Ertrage (Ueberschuss nach Bestreitung der\nKosten) des im Juli 1838 abgehaltenen Gesangfestes da-\nbier, ferner durch in Erwartung gestellte freiwillige Bei-\nträge, Vermächtnisse, Concerte u. s. w., zu welchen letz-\nteren sich der Liederkranz selbst für die jährliche Abhal-\ntung eines solchen Concertes verpflichtete, die Mozart-\nStiftung begründet hat. Der erste Paragraph ihrer Sta-\ntuten setzt fest: „„Die Mozart-Stiftung bezweckt Unter-\nstützung musicalischer Talente bei ihrer Ausbildung in der\nCompositionslehre.\"\" Ferner heisst es im §. 6: „„Sobald\ndie jährlichen Zinsen 400 Fl. des 24-FI.-Fusses betragen,\ntritt die Stiftung ins Leben. Dieser Betrag soll das Maxi-\nmum der jährlichen Unterstützung sein für den einzelnen\nStipendiaten.\"\" Endlich der §. 36: „„Hat das Capital\nder Mozart-Stiftung die Summe erreicht, dass sich die jähr-\nlichen Zinsen auf wenigstens 2000 Fl. im 24-FI.-Fusse\nbelaufen, so lässt der Liederkranz ein musicalisches\nConservatorium in hiesiger Stadt ins Leben treten.\"\"\n„Schon seit dem Jahre 1841 konnten jährlich 400\nFl. Stipendien gegeben werden; dagegen gehört die Beali-\nsirung eines Conservatoriums noch zu den frommen Wün-\nschen, weil durch das überaus langsame Heranwachsen\ndes Fonds der Capitalstock noch keine 2000 Fl. jährliche\nZinsen rentirt. Jedoch stellte sich das Vermögen bei der\ne inun d zwanzigsten Bilanz der Mozart-Stiftung im Jahre\n1859 auf 36,625 Fl. 11 Kr., und nach der am 1. De-\ncember 1860 veröffentlichten zweiundzwanzigsten Bi-\nlanz steht dasselbe jetzt auf 37,822 Fl. 52 Kr., mithin\nist der Fonds von 1859 zu 1860 um 1197 Fl. 41 Kr.\ngewachsen.\n„Jeder Kunstfreund, dem eine gründliche musicalische\nBildung für das heranwachsende Geschlecht als ein inte-\ngrirender Bestandteil der Erziehung und der Veredlung\nam Herzen gelegen, muss es tief beklagen, dass man den\nschönen Zweck des Liederkranzes nicht allseitig senug ge-\n© ,o O D\nwürdigt und unterstützt hat, dass in dem reichen Frank-\nfurt während nächst 23 Jahre noch nicht einmal 2000\nFl. jährliche Rente aufzubringen waren, um ein segenrei-\nches Kunst-Institut schon längst ins Leben rufen zu können.\nJa, dieser Mangel an Unterstützung einer guten Sache\ntragt nun auch die Schuld, dass die ursprüngliche Idee,\neine allgemeine deutsche musicalische Akademie hier in\nFrankfurt erblühen zu sehen, jetzt nicht mehr in grosser\nAusdehnung zur Verwirklichung werde gelangen können.\nDenn zur Zeit der Begründung des Fonds für die Mozart-\nStiftung bestanden in Deutschland nur in dem von uns\nfern gelegenen Oesterreich zwei Conservatorien, nämlich\nin Prag und in Wien; während dessen sind aber nicht we-\nniger als sieben Musikschulen entstanden, nämlich in\nSalzburg, Berlin, Leipzig, Köln, Dresden und Stuttgart.\nDessen ungeachtet ist der Liederkranz nach dem oben an-\ngeführten §. 36 der Statuten gezwungen, eine Musikschule\nins Leben zu rufen, da der betreffende Paragraph nach\n§.40 in keiner Weise und zu keiner Zeit eine\nAbänderung erleiden darf.\n„Nach vorstehender Darlegung wird man nun gewiss\nnicht darüber staunen, wenn man erfährt, dass die vor-\njährige Ankündigung einer Mus kschule dahier gerade in\nFrankfurt selbst den Effect nicht machte, den man etwa\nmit der urplötzlichen Veröffentlichung beabsichtigte. In\nunterrichteten Kreisen mussten die Fragen auftauchen:\nWarum soll aber gerade jetzt, allwo der Liederkranz\nnahezu im Begriffe steht, eine Musikschule ins Leben tre-\nten lassen zu müssen also so zu sagen in der eilften\nStunde ein solches Institut von anderer Seite hier errich-\ntet werden? Warum haben die vier Herren Lehrer, längst\nhier wirksam und das schwerfällige Anwachsen des Fonds\nder Mozart-Stiltung wahrnehmend, die Musikschule nicht\nschon Vorjahren eröffnet? Erwartet man, dass hier zwei\nMusikschulen neben einander bestehen können? Oder hofft\nman eine Vereinigung, resp. rechnet man auf einen jähr-\nlichen Zuschuss aus der Casse der Mozart-Stiltung? Im\nFalle gegründete Aussicht auf eine solche Vereinigung vor-\nhanden, was sogar wünschenswerth wäre, liesse sich aller-\ndings der vorläufige Versuch einiger Maassen rechtferti-\ngen; dagegen dürften zwei Musikschulen für die hiesige\nStadt und nächste Umgebung doch des Guten zu viel sein,\nso vortheilhaft auch sonst in rein materiellen Unterneh-\nmungen Concurrenz immer sein mag.14\n(Schluss folgt.)\n\nMeister Martin und seine Gesellen. Oper von\nM. Horn und Wilh. Tschirch.\nWir erhalten über den ersten Eindruck dieser Opet\neines durch Composilionen auf einem anderen, jedoch der\ndramatischen Musikgattung verwandten Felde rühmlichst\nbekannten Tondichters, des Herrn Musik-Directors Wil-\nhelm Tschirch in Gera, von Leipzig folgende Mit-\ntheilung:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.5", "texte": "„Am 25. April ward uns auf dem hiesigen Stadt-\ntheater eine neue Oper vorgeführt, die auch, so viel wir\nwissen, ihre erste Aufführung hier erlebte und ein erstes\nBühnenwerk des Componisten ist: Meister Martin und\nseine Gesellen, oder: Die Rose von Nürnberg,\nlyrische Oper in vier Acten, nach E. T. Hoffmann's gleich-\nnamiger Novelle bearbeitet von Moriz Horn, Musik von\nWilhelm Tschirch. Das „„lyrisch\"\" ist wohl zu beto-\nnen; die Oper macht keinen Anspruch darauf, zu den\ngrossen romantischen Opern oder zu den Musik-Dramen\nzu gehören, das lyrische, melodiöse Element ist eben ihre\nHauptstärke; wir müssen daher sie auch nur mit diesem\nMaassstabe messen, und dürfen die Erwartung ausspre-\nchen, dass die Oper nach dem wohlverdienten Beifall, den\nsie fand, sich die Gunst des Publicums immer mehr gewin-\nnen und erhalten wird. Was uns betrifft, so bedauerten\nwir, hier und da die treffliche Musik durch gesprochenen\nDialog unterbrochen zu hören; uns hat dergleichen Ge-\nmisch von Gespräch und Gesang immer auf das widerwär-\ntigste berührt, und jetzt, wo fast die gesammte Kunstkritik\nüber den Opern-Dialog den Stab gebrochen hat, und selbst\nin älteren Opern derselbe noch nachträglich durch Reci-\ntative ersetzt wird, begreifen wir nicht, wie ein so treff-\nlicher Componist wie Tschirch einer solchen Geschmacklosig-\nkeit sich schuldig machen kann. (Oh!) Die Aufführung selbst\nkonnte ihm das fühlbar machen. Der zweite Act ist offen-\nbar der beste; er ward mit dem grössten Enthusiasmus\naufgenommen und der Componist schon nach ihm geru-\nfen. Dieser zweite Act ist der einzige, der keinen Dialog\nenthält. Da die Oper ohnehin kaum einen Abend füllt, so\nwürden wir Tschirch rathen, ja, bitten, den Dialog mit\nRecitativen noch nachträglich zu vertauschen, und wir wür-\nden sein Werk, das so viel Treffliches enthält, zu den be-\nsten Gaben der Neuzeit zählen. Der hübsche Stoff, der uns\nin das edle Nürnberg führt, hätte vom Dichter poetischer\nausgebeutet werden können es laufen in den Versen\nauch viele Trivialitäten mit unter. Der zweite Act war,\nwie gesagt, der Höhepunkt des Ganzen. Reizend war das\nTenor-Duett, das von Herrn Young (Friedrich) und Herrn\nBernard (Reinhold) zu allgemeinem Beifall vorgetragen\nward; eben so des Letzteren Arioso: „Der Sänger zieht\ndurch die Lande\", und des Ersteren Lied: „Als ich die\nHeimat süss\"; nicht minder Meister Martin's (Herr Ber-\ntram) Meistersang. Die Genannten, wie Herr Wallen-\nreiter als Paumgärtner und Fräulein v. Ehrenberg als\nRosa sangen und spielten ihre Rollen mit Liebe und Ver-\nständniss; wunderniedlich war der Letzteren Wettgesang mit\ndem Vögelchen im dritten Acte; als das Bedeutendste von\nallen erschien uns aber das Gebet als Finale des dritten\nActes. Nach ihm ward der Componist mit den Haupt-\nDarstellern, wozu noch Frau Bachmann (Martha) und\nHerr Gi 11 (Konrad) kommen, gerufen, eben so zwei Mal am\nSchlüsse der Oper. Alle die genannten und noch viele andere\nNummern wurden auf das lebhafteste applaudirt. Unser End-\nUrtheil geht dahin, das Werk als ein nach Stoff wie Be-\nhandlung entschieden deutsches zu erklären, das wir als\nsolches schon mit Freuden begrüssen und auf unseren\nBühnen heimisch sehen möchten; ungetrübt aber würde\nunser Genuss erst sein, wenn die gesprochenen Worte sich\nzu gesungenen verwandeln könnten.\"\nWir hoffen unsererseits, dass der Erfolg der Oper\ndesshalb bleiben werde, weil der Werth der Musikstücke\nihn bedingt, und theilen den kritischen Abscheu vor dem\nDialog in der komischen und in der Genre-Oper (um\ndiesen Ausdruck aus der Malerei herüber zu nehmen) nicht\nin so hohem Maasse. Wer z. B. Weber's „Freischütz\"\nmit den dazu gemachten Becitativen hört, der sehnt sich\nnach dem Dialog zurück. Was kann denn auch die Musik\nBedeutendes in die Becitative einer komischen Oper mit\neiner bürgerlichen Handlung legen? Es bleibt da nichts\nübrig, als das Recitativo seccoder Italiäner; aber weder\nzu dessen Composition, noch zu dessen Vortrag sind wir\nDeutschen geeignet, und unser Publicum weis't es als lang-\nweilig und musicalisch nichtssagend eher zurück, als dass\nes Gefallen daran fände.\n\nAus Kassel.\nDie zweite Hälfte unserer miisicalischen Winterzeit\n(über die erste vergl. Nr. 53 vom 29. December 1860}\nbrachte uns noch vier Abonnements-Concerte des kur-\nfürstlichen Hof-Orchesters.\nVon Orchesterwerken hörten wir darin die Sinfo-\nnieen von Mozart (G-moll), Spohr (Nr. 3, C-moü),\nBeethoven (Nr. 4, ß-dur);von Ouvertüren: Men-\ndelssohn, „Schöne Melusine\", Schumann, Ouvertüre,\nScherzo und Finale, Gade, „Im Hochland\", G. Golter-\nmann, Roquette's „Waldmeisters Brautfahrt\", C. Rei-\nnecke, „Dame Kobold\", Schumann, zu Manfred. —\nVon grösseren Vocal-Compositionen mit Orchester kam\nim vierten Concerte Gade1 s „Comala\" zur Aufführung\n(Comala—Frau Rübsamen-Veith, Fingal — Herr Rübsa-\nmen, Dersagrena — Fräulein Erbarü, Melicoma —Frau\nRathmann.)\nVon \"unseren einheimischen Instrumentalisten traten\nnur die Herren Concertmeister Graff und Wipplinger\nauf und ärnteten durch den Vortrag der Violin-Concerte\nvon de Böriot (Nr. 9, Herr Graß) und Rode (NTr. 8,\nE-moll) warmen Beifall."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.6", "texte": "Von den Gästen zeichneten Pianisten Alfred\nJaell und Capellmeister Karl Bei necke von Leipzig aus.\nErsterer trug Beethoven's C-mConcert na h seiner in-\ndividuellen Auffassungsweise und, wie es sich von einem\nsolchen Virtuosen von selbst versieht, mit grösstem Erfolge\nvor. Seine Solo-Vorträge, besonders der Tannhäuser-\nMarsch von Liszt, rissen das Publicum zu stürmischen Bei-\nfallsbezeigungen hin. Beinecke blendet weniger, wird\naber überall ein kleineres, aber gewähltes Publicum durch\nseine Vortragsweise im Sturm erobern. Sein Vortrag eines\nfür hier neuen herrlichen Clavier-Concertes von\nMozart wird allen Musikfreunden unvergesslich bleiben.\nVon den Solo-Piecen rief Hiller's als\nBeinecke's Spielart so ganz angemessen, den grössten Bei-\nfall hervor. Sein Vortrag zeichnete sich eben so wie die\nComposition durch Klarheit, Feinheit und Freiheit von aller\nAfl'eclation aus. In demselben Concerte wurde seine Ouver-\ntüre zu „Dame Kobold\" aufgeführt und fand verdienter\nMaassen ungeteilten Beifall.\nDer treffliche Violinist Jean Becker erregte noch\ngrössere Sensation, als im vorigen Jahre. Er hatte Bubin-\nstein's enorm schweres, aber undankbares Violin-Concert\ngewählt, dessen halsbrechende Schwierigkeiten er mit spie-\nlender Leichtigkeit überwand. Die Composition selbst zeich-\nnet sich durch viele interessante Züge und einige sehr ori-\nginelle Motive aus; doch ist sie zu gedehnt und berührt den\nHörer durch zu auffallende Härten oft zu unangenehm, als\ndass man es wagen könnte, ihr eine baldige Popularität zu\nversprechen. Ferner trug Becker Tartini's Teufels-So-\nnate und Paganini's „1 Palpiti\" in nach jeder Bichtung\nhin so vollendeter Weise vor, dass sich nach letzterer Piece\nder Beilall bis zum höchsten Enthusiasmus steigerte. Der\nKünstler wurde durch sechsmaligen Hervorruf ausgezeich-\nnet, und wurde ihm Seitens der Capelle ein silberner Lor-\nberkranz verehrt.\nIn demselben Concerte gefielen die Hiller'sehen Ge-\nsänge „Lebenslust\" und „Die Lerchen\" für Sopran und\nvier Männerstimmen so sehr, dass „Die Lerchen\" stür-\nmisch dacapoverlangt wurden. Dorn's „Mädchen an den\nMond\" musste ebenfalls wiederholt werden, und fanden\ndiese Gesangslücke durch den in jeder Hinsicht ausgezeich-\nneten Vortrag der Frau Bübsamen-Veith eine so treff-\nliche Interpretation, wie man sie allen guten Compositio-\nnen von Herzen nur wünschen kann.\nIm vierten Concerte trat die Sängerin Frau Kapp-\nVoung aul, welche eine umfangreiche, wohlgeschulte\nStimme besitzt, sich ausserdem auch der immer seltener\nwerdenden, darum aber auch um so schätzenswertheren\nEigenschaft gründlicher und musicalischer, wie allgemeiner\nBildung rühmen darf. Sie sang die grosse Arie der Vitellia\naus Titus und drei Lieder von Mendelssohn, Meyerbeer\nund Molique. Ausserdem gastirte sie in der Oper mit Bei-\nfall und ist vom 1. August an für das Fach einer ersten\ndramatischen Sängerin an hiesiger llofbühne engagirt.\nVon den Orchesterwerken gefiel Goltermann's\nOuvertüre „Waldmeisters Brautfahrt\" als ein, wenn auch\nnicht besonders hervorragendes, doch immerhin gediegenes\nWerk. Schumann's „Ouvertüre, Scherzo und Finale\",\nso wie die Manfred-Ouverture werden sich bei wiederhol-\nten Aufführungen sicher auch hier bald einbürgern.\nDas Charfreitags-Concert dürfen wir um so we-\nniger mit Stillschweigen übergehen, als es die einzige all-\njährliche Aufführung von Kirchenmusik ist, deren sich\nKassel erfreut. Sie bestand dieses Mal aus Spohr's „Va-\nter unser\" und Mozart's Reqwelche beide Werke\nunter Mitwirkung der Gesang-Vereine und eines Theiles\ndes Solo-Personals der Oper in recht würdiger Weise zu\nGehör kamen. Unsere jugendliche Sängerin Fräulein Er-\nhartt machte sich durch ganz vortrefflichen Vortrag der\nSopran-Partie in beiden Werken um die Aufführung be-\nsonders verdient.\n\nDas 38. niederrheinische Musikfest.\nDie diesjährige Feier des niederrheinischen Musik-\nfestes, das seit dreiundvierzig Jahren besteht und alle\nStürme, die seine Existenz durch politische Zustände be-\ndrohten, überstanden hat, verspricht eine sehr würdige\nund glänzende zu werden. Das Programm, das sich an\ndie Werke der grössten classischen Meister hält, bringt\nam 19. Mai die Missa solemnis in D-dur und die Sin-\nfonia eroica.Der erste Tag ist also ganz der Verherr-\nlichung Beethoven's gewidmet, was im höchsten Grade\nzu billigen ist. Ob eine Umstellung der Aufeinanderfolge\nnicht zweckmässiger wäre, lassen wir dahingestellt; die\nErfahrung hat uns wenigstens bei dem diesjährigen drit-\nten Gesellschafts-Concerte in Köln gezeigt, dass selbst eine\nvon den grossen Beethoven'schen Sinfonieen (es war die\nfünfte) nach der Aufführung der Messe nicht den Ein-\ndruck machte, der sich auf der Höhe der Begeisterung,\nwelche jene hervorgerufen, erhalten hätte.\nDas Concert des zweiten Tages (den 20. Mai) eröffnet\nmit der herrlichen Sinfonie in mit dem fugirten\nSchlusssatze von Mozart und bringt darauf das pracht-\nvolle Oratorium J osua von Händel, das seit 1845 (Düs-\nseldorf) nicht auf den Musikfesten gehört worden ist, nach-\ndem es die erste Aufführung auf dem Feste zu Köln im\nJahre 1838 erlebt hatte, bei welcher die Partie des Josua\ndurch den ausgezeichneten Tenor Vrügt aus Holland be-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.7", "texte": "setzt war. Es wird also das rheinische Publicum, was die\nKoryphäen der neuesten Schule wieder einmal zur Ver-\nzweiflung bringen wird, die „Tafelmusik\" einer Mozart'-\nschen Sinfonie und das „Elephanten-Getrappel\" eines Hän-\ndel'schen Oratoriums wahrscheinlich mit enthusiastischem\nBeifall aufnehmen.\nChor und Orchester haben sich stets bei den Musik-\nfesten in Aachen so trefflich bewährt, dass wir von den\ndurch Wüllner's eifrige Thätigkeit und hohe musicali-\nsche Befähigung in den letzten Jahren noch gehobenen\nKräften der Ausführung nur das Beste erwarten können.\nEben so bürgt der berühmte Dirigent, General-Musik-Di-\nrector Franz Lachner aus München, und die Namen\nder Solisten, unter denen, was sehr erfreulich ist, drei\ndurch Geburt oder längeren Aufenthalt den Rheinlanden\nangehören: Frau Rübsamen-Veith, Frau Potthof-\nDi eh I und Herr Karl Schneider, für das künstleri-\nsche Gelingen des Festes.\nNehmen wir nun noch dazu, dass am dritten Tage\n(21. Mai) das gefeiertste Künstlerpaar in Deutschland,\nFrau Clara Schumann und Herr Joseph Joachim,\ndas Pianoforte und die Violine in ihrem höchsten Glänze\ndurch vollendete, echt künstlerische Leistungen zeigen wer-\nden, so wüssten wir in der That nichts, was dem so vor-\ntrefflichen Programme noch hinzugefügt oder darin mit\nAnderem vertauscht werden könnte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolfit* Fräulein Amelie Bid<s hat in diesen Tagen zwei Mal\nim Theater concertirt und ganz ausserordentlichen Beifall gefunden,\nder sich durch den lautesten Applaus und Hervorruf nach jedem\nMusikstücke offenbarte Die jnngc Virtuosin, die in die Fussstapfen\neiner Therese Milanollo tritt, hat, seitdem wir sie nicht gehört, emi-\nnente Fortschritte gemacht und trägt die schwierigsten Violin-Com-\npositionen, namentlich die Sachen von Yieuxtemps, mit indivi-\ndueller Auffassung und künstlerischem Aplomb vor, Sie ist aber\nnicht bloss Virtuosin im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern\nspielt auch die gediegenste Kammermusik mit eben so viel Kunst-\nsinn als technischer Fertigkeit. »\nAm Himmelfahrtstage hörten wir im Dome eine gute Aufführung\nder C-dur-Messe von Beethoven —ein Beweis, dass die Ver-\nbindung von Vocal- und Instrumental-Musik doch nicht aus der\nKathedrale verbannt ist. Was aber diese Aufführung besonders\nmerkwürdig machte, war, da3S die ganze Solo-Sopran-Partie von\nAnfang bis Ende durch Fräulein Adeline Büchner, welcher die\nNatur bei ihrer Geburt das Licht der Augen missgönnt hat, gesun-\ngen wurde. Der durchaus correcte Vortrag und der innige Ausdruck,\nverbunden mit einer angenehmen, sehr wohllautenden Stimme, hat-\nten etwas Erstaunenswerthes und zugleieh Rührendes, indem sich\ngewiss bei jedem fühlenden Menschen die Empfindung regte, wie\nwunderbar die Natur das auf der einen Seite Versagte durch eino\nreiche Begabung mit Stimme, Gehör, Gedächtniss und echt künstle-\nrischem Sinne für das Musicalisch-Schöne dem liebenswürdigen\ngen Mädchen ersetzt hat.\nSSerflin, 27 April. Fräulein Lucca, die nach der günstigsten\nWirkung ihres Gastspiels im königlichen Opernhause die Recha\n(Jüdin) als erste Antrittsrolle ihres Engagements für die königliche\nOper singen sollte, wurde daran durch Krankheit in Folge einer Er-\nkältung gehindert. Die junge Künstlerin, wird wohl erst in nächster\nWoche wieder auftreten können.\nDas vierte Abonnemcnts-Concert der grossher-\nzoglich-jn Hofmusik am 22. April, welches der grossherzogliche Hof\nmit seiner hohen Gegenwart beehrte, bot uns wieder einen schönen\nKunstgenuss. Vor Allem heben wir das ausgezeichnete Werk eines\nvaterländischen Componisten hervor: Zweite Sinfonie (D-dur) von\nW. R eulin g. Im vorigen Jahre wurde bereits von Würzburg aus\nin diesen Blättern berichtet, welchen grossen Beifall dieses Werk\ndort erwarb, von dessen Trefflichkeit wir uns nun hier selbst über-\nzeugen konnten. Den ersten Satz eröffnet ein kurzes Andante als\nEinleitung. Streich-Quartett beginnt ein weiches, melodisches Thema,\nwelches, von Blas-Instrumenten aufgenommen, zu verklingen scheint,\nbis plötzlich die ganze Kraft des Orchesters eine von den Violinen\nausgeführte lebhafte Figur in vollen Accorden unterstützt, dann wie-\nder in den früheren sanften Charakter zurückführt und den Ueber-\ngang zum Allegro vorbereitet, dessen Haupt-Thema ein ausdrucks-\nvolles, zartes, wohlgegliedertes Motiv, dem ein hoher Grad von Be-\narbeitungsfähigkeit eigen ist. In allen Gestaltungen und Umkehrun-\ngen erscheinen die Haupt-Tacte dieses Thema's während des ganzen\nersten Satzes immer in neuer Form und in neuem melodischem Wech-\nsel. Der Mittelsatz ist dem Charakter des ersten Thema's vollkom-\nmen entsprechend, und beide Motive vereint geben später Veran-\nlassung zu vielen musicalischen Combinationen und Bearbeitungen.\nEin überraschend eintretender Fis-dur-Accord ist von grosser Wir-\nkung, nach welchem dann die Violinen in brillanten Figuren und\ndie Bläser in mannigfachen melodischen Anklängen an die beiden\nIlaupt-Thema's den ersten Theil abschliessen. Die thematische Bear-\nbeitung der Haupt-Motive in dem nun beginnenden zweiten Theile\nkann sich der strengsten Kritik unterwerfen. Sie ist meisterhaft ge-\nlungen zu nennen. Die Haupt-Thema'» geben zu den vierschieden-\nartigsten melodischen und harmonischen Combinationen Veranlassung.\nDer Eintritt getragener Pianissimo-Accorde in den Blech-Instrumen-\nten, abwechselnd mit den anderen Bläsern, die durch eine Triolen-\nFigur der Violinen Leben erhalten, ist von grosser Wirkung. Der\nSchluss dieses ersten Satzes ist lebendig bewegt und effectvoll.\nZweiter Satz. Andante beginnt mit einer reizenden Melodie, von den\nVioloncellen vorgetragen, welche dann, von sanften Blas-Instrumenten\naufgenommen, in immer steigender Wirkung wiederkehrt, dann aber\nganz zu verklingen scheint. Ein neues Motiv tritt nun auf und be-\nreitet ein zart gehaltenes, nur von den beiden Violinen getragenes\nMittel-Motiv vor. Dieses Andante ist ein tief und innig gefühltes\nTonstück, das sowohl durch Anlage wie durch Bearbeitung wohl-\nthuenden Eindruck macht» Dritter Satz. Scherzo. Ein gut gear-\nbeitetes, äusserst lebendiges Musikstück, dem als Gegensatz ein\nTrio beigegeben, dessen ruhige, klare Melodie nur von Blas-Instru-\nmenten ausgeführt wird. 4. Satz Finale. Kräftige Accorde leiten\ndasselbe ein; diesen folgt ein von den Saiten-Instrumenten vorge-\ntragenes, sehr lebhaf.es Motiv. Dann aber tauchen andere, kräftige\nMelodieen auf, die nach verschiedenen harmonischen Wendungen zu\ndem Mittelsatze hinführen, dem ein volksthümlicher Charakter inne-\nwohnt, und der von den Hörnern ausgeführt wird. Ein kurzes, me-\nlodiöses Clarinet-Solo leitet dann in ein grossartiges, breit angelegtes\nAndante maestoso (12/»Tact) ein, welches nach verschiedenen Mo-\ndulationen jenen Mittelsatz in vollster Kraft wiederbringt, welcher"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610511-01.1.8", "texte": "gegen den Schluss noch einmal erscheint, mit brillanten Triolen-Fi-\nguren der Violinen begleitet, die in immer schneller werdendem Vor-\nwärtsstreben dem vollkräftigen Schlüsse zueilen. Die Ausführung des\nWerkes durch die grossherzogliche Hofmusik unter des Componistcn\n(früher k. k. Hof-Capellmeister in Wien) eigener Leitung, der so\nsicher und gewandt den Tactstab führte, als hätte er ihn erst gestern\nniedergelegt, war eine höchst gelungene und fand in allen Theilen\nverdiente Anerkennung. Von den übrigen Musikstücken des Abends\nheben wir noch besonders ein ganz ausgezeichnetes Flötenspiel\n(Phantasie von Briccialdi) des Herrn Ott aus Würzburg, der durch\ndie Schönheit und den Ausdruck des Tones und die Bravour des\nganzen Vortrages ein sehr bedeutendes Talent entwickelte, und die\nGesangs-Vorträge der Altistin Fräulein Mathilde Schneider\n(Arie aus der Oper „Rodelinda* von Händel und zwei Lieder von\nSchumann) hervor, welche gleichfalls lebhaften Beifall fanden.\nAus Hamburg schreibt man: «Am 2. December v. J. schiffte\nich mich in Vera-Cruz ein, um über Havannah nach St. Thomas\nzu gehen, von wo der Dampfer wieder nach Vera-Cruz zurück-\nkehrte. Der grösste Theil der Besatzung bestand aus schwarzen\nMatrosen. Denken Sie Sich mein Erstaunen, als ich diese Neger im\nmexicanischen Meerbusen, mehr als 6000 englische Meilen von der\ndeutschen Heimat entfernt, Kücken's „Kleinen Recruten\" mit engli-\nschem Text singen hörte. Das Herz lachte mir vor Freude, und die\npopuläre Melodie erfüllte mich unter der heissen Zone mit warmem\npatriotischem Entzücken.®\nIn Antwerpen hat man Nicolai1 s Oper „Der Templer®,\nübersetzt von Dangias, mit Beifall gegeben. Otto Nicolai hatte diese\nOper: „// Templario\", in Rom componirt, sie ist ein früheres Werk,\nab »Die Justigen Weibei von Windsor\". Der Stil ist ganz italiänisch\nund sehr reich an lieblichen Melodieen.\nParis. Alfred Jaell bat auch in seinem zweiten Con-\ncor te ein sehr zahlreiches und von Anfang bis Ende sehr enthu-\nsiasmirtes Publicum gehabt. Das Concert begann mit der grossen\nKreutzer-Sonate von Beethoven, welche durch A. Jaell und\nHerrn Armingaud auf eine so meisterhafte Weise ausgeführt\nwurde, wie man sie selten hören dürfte. Von Salonstücken eigener\nComposition führte Jaell sein Caprice (Op. 104), die Chanson d'a-\ntnour und M6lodie Anglaise vor, in welcher letzteren sein correcter,\negaler und glänzender Triller, worin ihn wohl jetzt Niemand er-\nreicht, ganz besonders entzückte. Von Rob. Schumann gab er\nein paar reizende Kleinigkeiten, ausserdem von Chopin, und dann\nseine Kraft-Bravourstücke, den Marsch aus dem Propheten und den\nMarsch aus denn Tannhäuser, von denen natürlich der letzte«-den\nersten verdunkelte. A. Jaell, geboren den 5. März J832, ist erst 29\nJahre alt.\nDer junge Violin-Virtuose Leopold Auer bat durch sein Spiel\ndie Stimmen der Kenner und Laien zu seinen Gunsten vereinigt.\nCharakteristisch für die hiesige Kritik ist es, dass in einem speci-\nfisch musicalischen Blatte sein Vortrag der Fille du Diable von\nT artin i gelobt wird!\nliondoil. Herr G y e hat im Coventgarden-Theater am\n2. April die neue Saison der italiänischen Oper mit Meyerbeer's\n„Prophet* begonnen. Frau Csillag und Tamberlick traten\ndarin auf. Ausserdem sind die Damen Ortolani, Corbari, Ru-\ndersdorf, die Herren Formes, Tagliafico, Tiberino, Zei-\nger u. 8. w. angestellt. Herr Smith, der Director der Oper\nim Theater Ihrer Majestät, hat angekündigt, dass ihn die\nbisherigen Verluste nicht ermuthigten, dass er mithin für diese\nSaison auf sein Unternehmen verzichte, Grisi und Mario sind\nnicht von Gye engagirt; sie werden sich im Krystallpalast in ita-\nManischen Scenen hören lassen, welche besonders für Mario und für\ndie berühmte Sängerin gewählt sind, welche sich bestimmt im\nnächsten Jahre ins Privatleben zurückziehen wird, und da es da«\ndritte Mal ist, dass sie diesen Entschluss öffentlich erklärt, so\ndarf man unmöglich daran zweifeln.\nAnf dem diesjährigen Musikfeste zu Birmingham im August\nd. J. wird ausser den typischen Aufführungen des Messias und\nElias (Samson, Israel in Aegypten und Judas Maccabäus stück-\nweise) auch Haydn's »Schöpfung* und Beeth oven's Missa so-\nlemnis in D gegeben werden. Chor- und Orchester-Personal werden\nsich wundern, denn das letztere Werk wird sich nicht mit einer\nProbe herstellen lassen, wie das bei den übrigen dort gewöhnlich ist.\nPrel sl>e Werbung\nfür kirchliche Compositionen.\nDie Musik-Verleger Heugel & Comp., rue Vivienne 2 bis zn\nParis, haben folgende Preis-Aufgaben auch für deutsche Com«\nponisten ausgeschrieben: J) Eine goldene Münze (300 Fr.) für eine\nleichte dreistimmige Missa brevis (in Gloria und Credo so einzu-\nrichten, dass die Intonation Gloria in excelsis Deo und Credo in\nunum Deum dem celebrirenden Geistlichen verbleibe). Zweiter Preis\neine silberne Münze (150 Fr ) 2) Eine goldene Münze (200 Fr.)\nfür drei kleine Motetten oder kirchliche Gesänge auf lateinische\nTexte der katholischen Kirche. Zweiter Preis eine silberne Münze\n(100 Fr.) Die Manuseripte müssen mit der Adresse ihrer Verfasser\noder deren Chiffre vom 1. bis 10. Juni d. J. *) an die obige\nAdresse franco eingesandt werden. Den deutschen Componisteft\nverbleibt das Eigentumsrecht.\n*) Der Wunsch der Veröffentlichung ist uns erst am 8. Mai\nzugegangen. Die Redaction."}]}