{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-05-18-01", "volume": "bmtnabi_1861-05-18_01", "ocr_sha256": "cc6f391f80476027a18c4e53403ebdec3b3113bef36672463b04432ad64a774e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/05/18_01/bmtnabi_1861-05-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-05-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 427, "texte": "Inhalt.\nAuber und seine neueste Oper „La Circassienne\" (Schluss). 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Berlioz, Italiänisehe Oper, Theater-Einnahmen, Liszt, Sivori, Roger),"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-05-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "158", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.2.2", "titre_corps": "Auber und seine neueste Oper „La Circassienne“.", "titre_sommaire": "Auber und seine neueste Oper „La Circassienne“.", "signature_source": "B. 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Er liebt Paris über\nAlles und verlässt es niemals. Zu jeder Zeit finden wir ihn\nin seiner eleganten Wohnung, Haus und\nStrasse haben etwas ruhig Vornehmes, sie präludiren ent-\nsprechend der aristokratischen kühlen Eleganz, welche uns\nim Innern erwartet. Wir finden den berühmten Tonsetzer\nin bequemem Schlafrock, zusammengekauert auf einem\nniedrigen Fauteuil. Ein schneeweisser Kopf erhebt sich\nvon der Partitur; es grüsst uns eine kleine, dürre Gestalt.\nDas faltige Gesicht scheint fast zu verkohlen unter der\nGluth zweier tiefschwarzen, leidenschaftlichen Augen. Wie\nunstät und durchdringend schiessen diese Falkenaugen aus\ndem Versteck der dichtbuschigen Brauen hervor! Auber's\nKopf ist nichts weniger als edel; mit seiner unfertigen\nNase, den vordrängenden Backenknochen, dem breiten\nMunde erinnert er beinahe an Schelling. Aber diese\nmerkwürdigen Augen geben ihm einen Ausdruck unge-\nwöhnlicher Intelligenz. Sie lächeln dich nicht gross und\nfreundlich an, wie Rossini's braune Sterne; blitzschnell\npacken sie dich, scheu, meuchlerisch. So musste der Mann\naussehen, der die Verschwörung der neapolitanischen Fi-\nscher wieder lebendig machte. Den Sänger der heitersten,\nmoussirendsten Melodieen von Paris hingegen würde man\nin, dem ernsten Greise nicht vermuthen. Ich sah ihn nicht\nlächeln, dessen Musik zu lächeln kaum aufhört.\n„Auber's Gespräch bewegte sich in feinen, knappen,\netwas geschäftsmässigen Formen; freigebig mit Höflichkei-\nten, sparsam in allem Uebrigen. Er glich mehr einem Di-\nplomaten oder Banquier, als einem Musiker. Mir fiel ein,\ndass Auber ursprünglich für die kaufmännische Carriere\ngebildet war. Die Umgebung stimmt dazu. Das Arbeits-\nzimmer athmet eleganten und geschmackvollen Comfort,\naber nicht die lauschige Heimlichkeit einer Poeten-Werk-\nstatt. An den Wänden zahlreiche Bilder: schöne Frauen-\nköpfe. Zwischen kostbaren Kupferstichen noch Le Brun's\n„ „Alexanderschlacht\" \". „ „Die Kunst ist Eins,\"\" erklärte\nder Herr des Hauses, „ „und unverständlich bleibt mir ein\nKünstler, der nicht zugleich die übrigen Künste liebt.\"\"\nDabei sah er viel schwächer, abgestorbener aus, als er in\nWirklichkeit ist. Eine beneidenswerthe Spannkraft streckt\nnoch diesen scheinbar verfallenen Leib. An den kalten Ta-\ngen des vorjährigen Herbstes konnte man den alten Herrn\nin leichtem, einfachem Rocke über die Boulevards eilen\nsehen. Früh Morgens, während Paris noch in den Betten\nliegt, reitet er spaziren. Auber, der bekanntlich seine fri-\nschesten Melodieen zu Pferde erdacht, ist diesem jugend-\nlichen Vergnügen noch nicht untreu geworden. Ja, als\nechter Franzose soll er auch sein Herz merkwürdig con-\nservirt und noch keineswegs vergessen haben, „was\",\nnach Spohr's Versicherung, „ „den Waidmann in den\nWald treibt.\"\"\n„Während der (fast ein Jahrzehend jüngere) Ros-\nsini seit dreissig Jahren einer unerschütterlichen Ruhe\npflegt, hat Auber keinen Augenblick aufgehört, mit Eifer\nund Ehrgeiz zu arbeiten. Die Notenblätter, über welche\nich beim Eintreten das weisse Haupt gebeugt fand, gehör-\nten zu Auber's neuester Oper, deren Aufführung damals\nbevorstand. „ „C'est iine imprudence dans mon äge,u\" flü-\nsterte der 77jährige (79jährige) Componist, indem er auf"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "die Partitur deutete. Ich wünsche nichts sehnlicher, als\ndass der Erfolg dieser Winterfrucht das Wort „ „impru-\ndence* uwo möglich in „ „näracleu\" umändere. Denn\nAuber's Verdienste um das französische Thealer sind so\ngross und glänzend, dass ein Misserfolg des greisen Mei-\nsters fast einem National-Undank gleichkäme. Mit weit\nbesserem Rechte stände Auber's Standbild im Atrium der\nOpera comique, als Rossini's Statue im Treppenhause der\nGrossen Oper steht. Ausser Guhat Rossini für\ndie pariser Oper so gut wie nichts geschaffen; das Wenige,\nwas sie sonst noch von ihm vorführt, sind Bearbeitungen\naus dem Italiänischen. Die Verdienste Rossini's und selbst\njene Meyerbeer's um die pariser Oper erscheinen—aus\ndem Gesichtspunkte französischer Kunst von jenen Au-\nber's überstrahlt. Wir legen hierbei nicht einmal beson-\nderen Nachdruck auf Auber's Arbeiten für die Grosse\nOper, obwohl darunter die epochemachende „ „Stumme\nvon Portici\"\", die glänzende „ „Ballnacht\"\" und Aehnli-\nehes sich befindet. Auber's Bedeutung ruht in der ko-\nmischen Oper, also in der echtesten, duftigsten Blüthe\nder französischen Musik.\n„Die komische Oper repräsentirt alle anmuthigen,\nliebenswürdigen Seiten des französischen National-Charak-\nters, während die „ „Grosse\"\" dessen Maasslosigkeiten und\nGrimassen im Hohlspiegel zeigt. Allerdings sind die Ta-\nlente, welche für die Opera schreiben, an Zahl\nund Bedeutung sehr gesunken, allein noch immer behaup-\ntet dieses Genre eine von anderen Nationen zu beneidende\nHöhe, bei einer Stetigkeit der geschichtlichen Entwick-\nlung, wie sie kaum eine zweite Theatergattung aufweis't.\n„Zur lebendigsten Ueberzeugung wird einem diese\nThatsache, wenn man die komischen Opern der Franzosen\nin Paris selbst spielen sieht. Ich wüsste von allen Kunst-\ngenüssen, die mir dort zu Theil wurden, keinen, der so\nvollkommen, rein und lebhaft auf mich gewirkt hätte, als\ndie Vorstellung des „ „Fra Diavolo\"\" in der\nmique. Nachdem ich kurz vorher an der Grossen Oper die\n„ „Hugenotten\"\" nur mit Unbehagen, die „ „Semiramis\"\"\ngar nicht zu Ende gehört, hätte ich hier nur Souverain zu\nsein gebraucht, um mir wie Kaiser Leopold in Wien\nden „ „Matrimonio segreto*\" —in der komischen Oper den\n„„Fra Diavolo\"\" von Anfang bis zu Ende noch einmal\nvorspielen zu lassen. Grossmüthig wünschte ich mir alle die\nLandsleute zu Nachbarn, die im Vaterlande das grosse Ta-\nlent Auber's mit so nachsichtiger Protection abfertigen.\nHier auf ihrer Geburtsstätte muss man diese geistreichen,\nleinen, lebensvollen Spiele sehen und hören, um ihren gan-\nzen Reiz zu erkennen und zu bewundern. Die besten deut-\nsehen Sänger sind für das Eigentümliche dieser Aufga-\nben grösstentheils unbrauchbar. Die gegenwärtigen Künst-\nler der Opera comique wirken mit sehr bescheidenen Mit-\nteln; allein diese Mittel sind auf das feinste ausgebildet,\nauf das intelligenteste verwandt. Nicht Eine glänzende\nStimme, nicht Eine bestechende Schönheit, aber in der\nanschmiegenden Feinheit des Ausdrucks scheinen alle\nStimmen, in der Grazie der Bewegung alle Gestalten\nverschönt.\n„Ich bin weit entfernt, den Ruhm der pariser Grossen\nOper geradezu unverdient zu nennen. Vortrefflich ist an\nihr alles Aeusserliche. Die Decoralionskunst erzielt die\nvollständige Illusion des Zuschauers. Auch Orchester\nund Chöre liessen—in den Vorstellungen, denen ich bei-\nwohnte— kaum etwas zu wünschen übrig. Was hingegen\nden Fremden enttäuscht, sind die Solosänger, darunter\ngrossartig ausposaunte und noch grossartiger bezahlte Na-\nmen. Wenn man Ander's Raoul mit der handwerksmäs-\nsigen Leistung dieses brutalen Herrn Gueymard ver-\ngleicht, die Valentine unserer Dust mann mit der zierli-\nchen, aber unbedeutenden Madame Barbot, Schmid's\nMarceil mit jenem des Herrn Belval, selbst die meisten\nkleineren Rollen in den wiener „ „Hugenotten\"\" mit jenen\nin Paris, dann empfindet man eine unbedingt wohlthuende\npatriotische Wärme. Mit der komischen Oper verhält es\nsich gerade umgekehrt. Die besten deutschen Vorstellun-\ngen dieser Gattung werden im Total-Eindruck die schwäch-\nsten der pariser Opera comique nicht erreichen. Wenn es\nhoch kommt, hat jede bessere deutsche Bühne zwei bis\ndrei gute Mitglieder für die komische Oper, keine einzige\naber eine Ahnung von einem vollendeten Ensemble. Nota-\nbilitäten der deutschen Oper können von sehr untergeord-\nneten Sujets der Opera comique lernen, wie man spricht,\nspielt, sich kleidet, ja, wie man gerade im musicalischen\nLustspiel zu singen hat. Da i*t niemand, der schreit,\nschleppt, sich vordrängt; Alles bewegt sich rasch, zwang-\nlos und natürlich, und will auch Mancher für sich nicht\nviel bedeuten, zusammen sind sie Meister.\n„Wenn man die komische Oper rühmt, rühmt man\nauch Auber. Ohne ihn würde die gegenwärtige\ncomique nur vegetiren; er ist ihre Hauptstütze und ziert\nwöchentlich ein bis zwei Mal das Repertoire. Mit den be-\nsten seiner Werke hat sich Auber längst neben Isouard\nund Bpieldieu gestellt; mit seinen schwächsten überragt\ner wenigstens noch immer die meisten seiner zahllosen\nNachahmer.\n„Auber gab mir in meinem Lobe der\nnur tbeilweise Recht; lebt doch in seiner Erinnerung eine\nviel vollkommenere Blüthe dieses Instituts. Sowohl die Ge-\nsangskunst als die Darstellung findet er gesunken seit der\nZeit, wo er den „„Schwarzen Domino\"\" für die Cinti-\nDamoreau schrieb. „ 9C 'etai wieder-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5326, "texte": "holte er, um den Gegensatz zu der gefeierten Ugalde\nund ihren Colleginnen zu bezeichnen, welche ihm bloss als\n# „geschickte Sängerinnen\"\" gelten. Hingegen sprach er\nvon Montaubry, dem würdigen Nachfolger Boger's\nund trefflichsten aller Fra Diavolo's, mit grosser Achtung.\n„Ganz verschieden von Bossini, blieb Auber im Spre-\nchen karg und gemessen, dabei in Miene und Haltung\nunbeweglich. Hingegen schien er mit Interesse zu hören,\nwas ich ihm von deutschen Theater-Zusländen, nament-\nlich in Bezug auf seine Opern, mitzutbeilen wusste. Er\nselbst war, sonderbar genug, nie in Deutschland, nie in\nItalien gewesen. Von der neuen musicalischen Bewegung\nwusste er nur vom Hörensagen. Als ich Wagner er-\nwähnte, begann Auber von den Conservatoire-Concerten\nzu sprechen. Die Direction des Conservatoriums (die er\nbekanntlich nach Cherubini's Tode antrat) macht ihm, nach\nseinem eigenen Geständnisse, wenig Mühe, „ „weil er glück-\nlicher Weise erst dazu kam, nachdem er seine Carriere\ngemacht\"\"; in früheren Jahren hätte ihn diese Beschäfti-\ngung wahrscheinlich nie dazu kommen lassen, „ „Carriere\nzu machen\"\".\n„lieber die musicalische Kritik in Paris sprach Auber\nein unumwundenes Verdammungs-Urtheil und stimmte\nhierin fast wörtlich mit Bossini überein. Nachdem gerade\ndiese beiden berühmten Veteranen von der pariser Kritik\nnur mit Weihrauch und Myrrhen behandelt werden, was\nsie ausdrücklich hervorhoben, hat ihr Bannspruch ein\nschweres Gewicht. Auf meine Bemerkung, dass solche Zu-\nstände sich in einer deutschen Besidenz unmöglich erhal-\nten könnten, erwiderte Auber sehr treffend: „„Bei Ihnen\nin Deutschland ist die Kritik eine Gevvissenssache, hier ist\nsie eine Geschäftssache. Man treibt dieses Geschäft, wie\njedes andere, um Geld zu machen.\"\"\nDie erste Aulführung der neuesten Oper Auber's:\nCircassienne,hat die von Hansück ausgesprochene Ansicht,\ndass ein Miss-Erfolg fast ein National-Undank sein würde,\nvollkommen bestätigt, denn ganz Paris theilte sie und ging\nmit dem Vorsatze ins Theater, dem Tondichter einen\nTriumph zu bereiten. Doch wir lassen unseren Correspon-\ndenten aus Paris sprechen:\n„Am 2. Februar bot das Theater der komischen Oper\neinen interessanten Anblick dar. Das neueste Erzeugniss\nder berühmten Firma Scribe & Auber sollte die erste Auf-\nführung erleben; das war ein Fest für alle Freunde der\nnationalen Oper und besonders für die Stammgäste und\ndie Abonnenten des Hauses, die sich drängten, wie zu einer\nJubelleier. Ehe der Vorhang aufging, ehe die ersten Ac-\ncorde der Ouvertüre erklangen, stand es schon fest, dem\nComponisten, der beinahe zwei Generationen des Publi-\ncums der komischen Oper ergötzt und entzückt hatte, durch\nehrenvolle Aufnahme seines neuesten Werkes den Dank\nder Nation zu bekunden, deren eigenstes Wesen er auf die\nanmuthigste und einnehmendste Weise durch seine Melo-\ndieen charaklerisirt hat.\n„Wie beschlossen, so wurde es auch ausgeführt. Das\nPublicum wollte dem Werke einen Erfolg bereiten, und\nsetzte seinen Willen durch trotz des wunderlichen Durch-\neinanders des Scribe'schen Buches und der zweideutigen\nSituationen, die man schwerlich unter anderen Verhält-\nnissen geduldig hingenommen haben würde. Doch geste-\nhen wir gern, dass der wirkliche Werth der meisten Mu-\nsikstücke der günstigen Stimmung zu Hülfe kam, und dass\nder beinahe achtzigjährige Auber wieder einmal bewiesen\nhat, dass nur die Dummheit alt wird.\n„Das Buch kann wahrhaftig nicht als Denkmal des seit-\ndem gestorbenen überfruchtbaren Dichters gelten, kein\nMensch wird nach der derniere pensee de Scribe fragen.\nEs ist eine wahre Auflehnung gegen den gesunden Men-\nschenverstand. Die Hauptrolle spielt ein russischer Lieute-\nnant Suboff als Doppelgänger seiner selbst und seiner\nSchwester. Er steht bei der Besatzung eines Forts im Kau-\nkasus. Dort erscheint mitten im Winter ein Maler, der\neine Operette von Dalayrac frisch aus Paris mitbringt.\nMan bedarf zur Aufführung nur zweier Personen, Adolf\nund Clara, und der hübsche junge Lieutenant wird für\ndie Bolle der Clara bestimmt. Woher aber die Frauen-\nkleidung nehmen? Mein Himmel, nichts einfacher, als das;\nder Maler hat das Costume einer Tscherkessin bei sich,\nund damit ist dem Pseudomädchen zu einem Bock und der\nOp er zu einem Titel verholfen! Uebrigens ist Suboff kein\nNeuling in seiner Bolle; er hat in Moskau schon einmal in\nMädchenkleidern als Prescovia einen alten General erobert.\n„Im Fort geht's nun lustig her; man lernt, man costu-\nmirt sich, man probirt. Da fällt plötzlich unangemeldet wie\neine Bombe der General Orsakoff, ein alter Kriegsknecht\naus Suwarow's Schule, grob und dumm, mitten ins Ver-\ngnügen hinein, flucht barbarisch, ras't gegen die Soldaten-\nKomödianten. Die Circassierin erscheint zitternd aber\nsiehe! der brüllende Löwe schmiegt sich vor ihr, denn er-\nsieht seine Prescovia wieder und ist glücklicher Weise ver-\nliebter Natur. Suboff muss seine Huldi-\ngungen annehmen, spielt die Prescovia fort, kommt aber\nin noch ärgere Verlegenheit, als Olga, die Nichte des Ge-\nnerals, hereintritt, die er liebt, und der auch er nicht\ngleichgültig ist. Glücklicher Weise reissen ihn die Tscher-\nkessen heraus, die trotz des Generals in das Fort eindrin-\ngen, ihn und Olga rauben, sonst aber Niemandem etwas\nzu Leide thun!\n„Suboff-Prescovia und Olga werden in den Harem des\nHäuptlings Abul-Kasim gebracht. Was das für pikante\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5374, "texte": "Situationen gibt, kann man sich denken; sie streifen hart\nan die Gränze des Schicklichen, als Suboff der Olga, die\nganz ungenirt Toilette machen will, endlich entdeckt, dass\ner ein Lieutenant sei und sie liebe. Der xMaler bringt das\nLösegeld für Suboff, der General für Olga, und bei dieser\nGelegenheit entführen russische Officiere zur Vergeltung\ndie Damen des Harems!\n„Im dritten Acte finden wir die ganze Gesellschaft in\nMoskau im Palast des Generals Orsakoff. Suboff, dieses\nMal in Uniform, kommt noch gerade zu rechter Zeit, um\ndie Heirath Olga's mit einem anderen —bo ff oder —soff\nzu hindern. Der General ernennt ihn wegen seiner Aehn-\nlichkeit mit Prescovia zum Obersten und bittet ihn um die\nHand seiner Schwester. Der Antrag wird angenommen,\nwogegen der General Olga mit Suboff vermählt; aber statt\nder erwarteten Braut bringt der Maler einen Brief mit der\nNachricht vom Tode der vermeinten Prescovia!!\n„Scudo hat wahrlich Recht, wenn er sagt, dass ein\nMusiker kaum begreifen kann, wie es möglich sei, irgend\neinen musicalischen Gedanken auf die Texte der meisten\nOpernbücher Scribe's zu fassen, weiche Auber zu so rei-\nzenden Compositionen begeisterten! Jedenfalls ist die Musik\nzur „ „Circassierin\"\" nicht bloss wegen des hohen Alters\ndes Componisten, sondern noch mehr wegen des wider-\nsinnigen Textes ein Wunder zu nennen.\n„Die Ouvertüre ist unbedeutend und dürfte leicht eine\nder schwächsten sein, die Auber geschrieben. Dagegen\nzeigt die ganze Introduction den musicalischen Repräsen-\ntanten des französischen Geistes wieder in glänzendem\nLichte. Sie besteht aus einem Soldatenchor, dessen Motiv\nder Tenor (Suboff) aufnimmt; darauf eröffnet der Maler\nLanskoi den Plan, Komödie zu spielen, und der zweite\nChor: Bravo! bravo!ist eines der besten Stücke der gan-\nc>\nzen Partitur, frisch, lebendig und wirkungsvoll. Eine Ro-\nmanze aus „ „ Adolf und Clara\"\", in welcher Suboff seine\nMädchenrolle versucht, ist darin angebracht, und das Ganze\nbildet zusammen ein allerliebstes Ensemblestück, welches\nden rauschenden Applaus und Da-cupo-Ruf vollkommen\nverdiente. Die Arie, mit welcher der bramarbasirende Ge-\nneral auftritt, bietet nichts Besonderes dar, dagegen ist die\nRomanze, in welcher Suboff—jetzt als Circassierin ihm\ndie Begnadigung eines Soldaten abschmeichelt, als Musik-\nstück fein und schön, aber die Situation ist gar zu wider-\nlich, da der junge Officier dem alten Dummkopf mit „ „Si\nvous m'aimes\"\" und dergleichen Redensarten um den\nBart geht.\n„Diese schiefe Stellung des Tenors geht nun freilich\ndurch die zwei ersten Acte der Oper durch und gibt dem\nDinge etwas Possenhaftes. Montaubry besitzt allerdings\nein sehr liebliches und trefflich ausgebildetes Falset, mit\ndem er die Melodieen der falschen Circassierin flötet; aber\nich konnte doch bei allem dem nicht die Erinnerung an\neinen deutschen Komiker ich habe seinen Namen ver-\ngessen— los werden, der in meiner Jugend auf eine ein-\nzige Rolle: „ „Die falsche Catalani\"\", reis'te und durch\nseine Coloraturen mit der Fistel die Galerie ergötzte. An-\nfänglich macht dem Zuhörer, die Abwechslung der Brust-\nund der Kopfstimme, die mit grosser Kenntniss musicalisch-\nkomischer Wirkung benutzt ist, Spass; aber der Spass\ndauert zu lange und wird langweilig. Das Duett (Bass und\nTenor) und die Sopran-Arie, mit welcher Olga auftritt,\nhören sich gut an; aber das darauf folgende Quartett, in\nwelchem der General seiner Nichte die falsche Prescovia\nvorstellt, und Olga von der Aehnlichkeit dieser Dame mit\neinem ihr wohlbekannten Garde-Officier betroffen wird,\nist ein Ensemble, wie es nur Auber schreiben und nur\nfranzösische Sänger spielen und singen können. Die Worte\nOlga's: C'est etonnant, kehren in einer allerliebsten melo-\ndischen Phrase alle Augenblicke wieder, die auf sehr geist-\nreiche Weise mit kunstfertigem Geschick zu einem feinen\nGewebe verarbeitet ist.\n„Auch das kurze Finale des ersten Actes, der Ueber-\nfall der beiden Schönheiten durch die Tscherkessen und\nihren Führer, einen alten Eunuchen, ist ein Meisterstück\nkomischer Musik. Man kann, ohne zu schmeicheln, sagen,\ndass die Musik des ganzen ersten Actes auf der Höhe des\nBesten steht, was Auber in dieser leichten, heiteren, an-\nmuthigen Gattung geschrieben hat.\n„Der zweite Act ist bedeutend schwächer. Wiewohl\ner mit einem hübschen Chor der Odalisken im Harem des\nAbul-Kasim beginnt, so bieten doch die folgenden Musik-\nstücke nichts Hervorstechendes dar. Gegen den Schluss des\nActes interessirt der Tanz der Odalisken mit Chor durch\ndie Scenerie und eine sehr ansprechende Redowa-Melodie,\nwelche man bereits in der Ouvertüre gehört hat.\n„Noch schwächer ist der dritte Act; er bringt, ausser\neinem hübschen DuoeTamowr zwischen Tenor und Sopran,\nnur Arien für Bass, Tenor und Sopran (die gebräuchliche\nBravour-Arie im dritten Acte), welche alle drei auf der-\nselben Stufe des Gewöhnlichen stehen. Den Schluss der\nOper machen fast nach Art der älteren komischen Opern\nCouplets des Malers Lanskoi (Bariton), die wieder frisch\nund des Componisten würdig sind.\n„Dass die Oper lange leben werde, will ich nicht ver-\nbürgen; gefallen hat sie aber entschieden, und die Partitur\nhat auch schon am Abende der ersten Aufführung einen\nVerleger gefunden, was lange nicht passirt ist. Der erste\nAct wird jedenfalls, wenn dies die letzte Oper des jungen\nGreises ist, ein glänzender Schlussstein in dem Ehrenbogen\nseines Ruhmes sein.\"\n\n„B. P.“"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5426, "texte": "Sollen wir nun dem Vorstehenden noch einige Be-\ntrachtungen oder Nutzanwendungen hinzufügen, so ist es\nzunächst der Wunsch, dass die deutsche musicalische Kri-\ntik sich endlich einmal den ausländischen Componisten ge-\ngenüber auf den Standpunkt stellen möchte, den die Be-\nurtheilung der Erzeugnisse der Kunst in Hinsicht auf die\nNationalität der Künstler erfordert. Nichts ist einseitiger\nund ungerechter, als an einen Italiäner, der für Italien,\nan einen Franzosen, der für Frankreich schreibt, den\nMaassstab des Deutschen zu legen, des deutschen Charak-\nters, der deutschen Anschauungs- und Gefühlsweise, der\ndeutschen Wissenschaft.\nEs gibt nur drei musicalische Nationen, sobald von\nder Musik als einer Kunst die Rede ist, nicht bloss als\neines Gefühls-Ausdrucks in Volksliedern, welche die Natur\ngeschaffen hat; das sind die Italiäner, die Deutschen und\ndie Franzosen. Ihre schönsten musicalischen Erzeugnisse\nsind diejenigen, welche in den vollendeten künstlerischen\nFormen, die für jede Composition im Allgemeinen\ngelten, den besonderen Charakter der Nation zur Gel-\ntung bringen. Dass dies nicht absichtlich, sondern unbe-\nwusst und unwillkürlich geschieht, das macht eben den\nwirklichen Dichter in Tönen, und die Eigenschaft des\nVolksgemässen, der nationale Typus, gehört in der Musik\nunserer Meinung nach durchaus zu dem Begriff des Clas-\nsischen. Am leichtesten lässt sich der Beweis dafür negativ\nführen; man braucht nur die Opern Meyerbeer's zu be-\ntrachten, und man wird fühlen, dass bei allem Genie, dem\nsie ihre Entstehung und ihren künstlichen, oft auch wirk-\nlich kunstreichen, Bau verdanken, die gänzliche Entartung\nvom Angeborenen, die absichtliche Verläugnung des Na-\ntionalen das Prädicat „classisch\" für diese Werke unmög-\nlich machen. Dagegen sind Mozart's Opern, trotzdem dass\nsie das italiänische Element mit dem deutschen verschmel-\nzen, classische Meisterwerke, namentlich Don Juan und\nvollends die Zauberflöte, weil, neben der genialen Erfindung\ndes Einzelnen, im Ganzen das deutsche Element den Sieg\ndavon getragen und der Musik ihren eigentümlichen Cha-\nrakter gegeben hat. Ganz frei von italiänischem Einflüsse\nstehen Beethoven's Fidelio und Weber's Freischütz da,\nund wer wollte läugnen, dass sie neben den rein musica-\nlischen Vorzügen durch den bestimmt ausgesprochenen\nnationalen Typus das vollste Anrecht auf Classicität haben?\nGehen wir zu den Werken der Tonkunst über, welche\ndie Verbindung des tiefsten musicalischen Wissens und der\nhöchsten contrapunktischen Gewandtheit mit der schöpfe-\nrischen Phantasie ins Dasein gerufen hat, zu den Werken\nvon Bach, Händel und den wenigen Neueren, denen es\nvergönnt war, die Kühnheit, in ihre Fussstapfen zu treten,\nnicht bereuen zu müssen, so gibt ihnen das Echt-Deutsche\nden Charakter classischer Meisterschaft. Desswegen konnte\nauch ihr eigentlicher, aus der liefe des Verständnisses\nquellender Cultus nur in Deutschland Wurzel schlagen;\ndenn selbst in England, obwohl das germanische Element\ndort ihm den Boden lockerte, ist dieser Cultus zum Theil\nein gemachter oder wenigstens durch Aeusserlichkeiten,\ndie mit dem inneren Wesen der Musik nichts zu thun ha-\nben, traditionel gewordener, während in Italien und in\nFrankreich gar kein Platz für ihn zu finden ist.\nDas ist freilich bekannt genug; aber was würden wir\nsagen, wenn die französische Kritik den Maassstab ihrer\neigentlichen Nationalmusik, das ist der komischen Oper,\nan die deutschen Oratorien legte? Dazu sind die Franzo-\nsen zu klug und haben viel zu viel Lebensart; gefallen\nihnen dergleichen deutsche W7erke nicht, so schweigen sie\noder hüllen sich in den Mantel der Ehrfurcht vor histori-\nschen Grössen und vor dem allgemeinen Ruhme, den „das\nLand der Musik\" geniesst, denn es wäre Mangel an Bil-\ndung, davon nichts zu wissen. Wir aber, wie oft stossen\nwir auf Beurteilungen französischer und italiänischer Mu-\nsik, in denen unsere Kuntsrichter nicht eine Spur von dem\nRespect vor den Nationalitäten blicken lassen, sondern von\nihrem Throne oder ihrem Gelehrtengerüst, Katheder ge-\nnannt, herab jedes ausländische musicalische Erzeugniss\nmit deutscher Elle messen und von den Italiänern und Fran-\nzosen verlangen, dass sie wie Bach und Händel, wie Beet-\nhoven und Weber schreiben sollen!\nWir sollen im Gegentheil, wenn wir gerecht sein wol-\nlen, die Italiäner und die Franzosen dann am meisten\nschätzen, wenn sie Italiäner und Franzosen bleiben. Warum\nhat Rossini zu schreiben aufgehört? Weil der grosse Er-\nfolg seines Wilhelm Teil ihn keineswegs über sich selbst\nverblendet hat, weil er eingesehen, dass er kein Italiäner\nbleiben könnte, wenn er auf dem Wege, den er im Teil\nbetreten, fortführe. Wie erscheint Meyerbeer dagegen,\nder weder Deutscher, noch Italiäner, noch Franzose ist,\nsondern gar nichts mehr, daher denn auch von künstleri-\nscher Individualität, von Einheit des Stils bei ihm nicht\nmehr die Rede sein kann, da er das Horazische Bild: Hu-\nmano capiti cervicem pictor e\noft genug auf das Notenpapier wirft, und in so mancher\nArie der edeln deutschen Melodie einen fremden Schweif\nanhängt, so dass „das von oben schöne Weib in einen\nhässlichen Fischschwanz ausläuft\" {ut\nmulier formosa superne)!\nWie anders dagegen Auber! Welche Wandlungen\nund Revolutionen hat nicht der musicalische Geschmack\nseit seinem ersten Auftreten erfahren! wie manche Kunst-\nTheorie, wie manches System ist seitdem aufgetaucht und\nauch wieder untergegangen oder im Untergehen begriffen!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 569, "texte": "Er aber ist geblieben, was er war: Franzose, Repräsentant\nder liebenswürdigsten Eigenschaften des französischen Cha-\nrakters, und eben darum von einer Popularität, die in un-\nserer Zeit, deren rasch dahin eilende Fluten jeden Ruf als-\nbald wieder hinwegspülen, ein wahres Wunder ist. Die\nMusikstücke in seinen komischen Opern sind Photogra-\nphieen des französischen Lebens, mit Geist und technischer\nGewandtheit retouchirt. Als solche müssen sie beurlheilt\nund gewürdigt werden, nicht nach dem Maasse, das man\nan historische Malerei weltgeschichtlicher Ereignisse legt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-05-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.6", "debut_caractere": 571, "fin_caractere_exclue": 5171, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n[Die neue Priv at-Musiksch ule.]\n(Sehluss. S. Nr. 19.)\nDer Verfasser des Artikels (Süddeutsche Musik-Zei-\ntung, Nr. 17 und 18) theilt hierauf den Unterrichts-Plan\nder neuen Musikschule mit, bespricht ihre äussere und in-\nnere Einrichtung und die erste Prüfung der Zöglinge (am\n28. März) und unterwirft dieses alles einer strengen, aber\ndurch Gründe und Kenntniss der Sache unterstützten\nKritik. ' ' •\nIn Bezug auf die äussere Einrichtung ist es freilich\nein grosser Uebelstand, dass „kein gemeinsames Local für\nden Unterricht vorhanden ist, die Zöglinge je nach Ge-\nschlecht und nach Verlheilung der Fächer zu den in und\nausserhalb der Stadt von einander, ja, bis zum zoologi-\nschen Garten zerstreut wohnenden Lehrern zu wandern\nhaben. Man wende nicht ein, dass die Kosten für eine bes-\nsere äussere Einrichtung in ungleichem Verhältnisse stehen\nzu der geringen Anzahl von zusammen nur eilf Schülern\nund Schülerinnen, welche bereits der seit October 1860\neröffneten Anstalt angehören. Derartige Unternehmungen\nsind stets mit einigem Risico und nicht selten auch An-\nfangs mit unvermeidlichen Opfern verbunden. Bedenkt man\naber, dass die Eleven sich contractlich mindestens für ein\nJahr zu verbleiben verbindlich machen müssen, und dass\ndiese eilf Eleven pro erstes Jahr mit Honorar und Auf-\nnahmegeld zusammen die Summe von 1751 Fl. 45 Kr.,\nvierteljährig vorauszahlend, sichern, so hätte man denn\ndoch nebst den Auslagen für den nöthigen Unterrichts-\nApparat die Mi et he für ein geeignetes Local nicht scheuen\nsollen, um dann auch Jedermann sagen zu können, wo das\nInstitut zu finden sei.\"\nDie Resultate der Prüfung konnten freilich nach erst\nhalbjährigem Bestehen der Schule nicht bedeutend sein.\nDie scharfe Kritik derselben kann weitere Kreise nicht\ninteressiren. Dagegen schliesst der Aufsatz mit Bemer-\nkungen über Musikschulen überhaupt, die auch an-\nderswo Beachtung verdienen dürften. liier heisst es unter\nAnderem:\n„Aus dem Examen in der Harmonielehre ging her-\nvor, dass die beiden Herren Lehrer verschiedene Harmo-\nnie-Systeme bei ihrem Unterrichte verfolgen, was an einer\n.und derselben Anstalt nicht empfehlenswerth erscheint. Lä-\ngen in der That ganz besondere Gründe vor, diesen Unter-\nrichtszweig derCompositionslehre nicht den Händen eines\nLehrers zu überlassen, so sollte doch mindestens nach glei-\nchem System und gleichem Handbuche unterrichtet wer-\nden. Weit entfernt, die von den Herren Lehrern einge-\nschlagenen methodischen Wege als zweckmässige anzwei-\nfeln zu wollen, so wollte mir doch scheinen, als neige man\nsich theilweise mit yorliebe zu veralteten Systemen. Der\ngeistige Fortschritt auf allen Gebieten des Wissenschaft-\nlichen hat seinen Einfluss auch in der musicalischen Di-\ndaktik zur Geltung gebracht, was vernünftiger Weise nicht\nignorirt werden kann, und womit aber weder das festste-\nhende und höchst schätzbare Gute in älteren Lehrbüchern\neben so wenig misskannt und unterschätzt, als alles auf-\ntauchende Neue, wie etwa das verwerfliche Harmonie-Sy-\nstem von Weitzmann, ungeprüft sanclionirt werden soll.\nUnstreitig eines der besten Handbücher aus neuerer Zeit\nist das „ „Lehrbuch der Harmonie\"\" von E. F. Richter,\nwelches Buch in einem Zeiträume von sieben Jahren in\ndritter Auflage erschienen, und an dem wohl nur wenige\nAusstellungen zu machen sein dürften.\n„Soll nun die junge Anstalt prosperiren, und will sich\ndieselbe insbesondere einer Vereinigung mit der Mozart-\nStiftung würdig machen, so ist eine Reorganisation ihrer\ninneren und äusseren Einrichtungen dringend nöthig. Man\nkann auch mit wenig Miltein viel Gutes leisten, im Kleinen\nGrosses vollbringen. Vor Allem befolge man genau den\nUnterrichts-Plan. Warum keine Geschichte der Musik\ngelehrt, kein gemeinschaftliches oder Chorsingen, so weit\nes die Stimmkräfte zulassen, und kein Ensemblespiel\n—womit selbstverständlich jetzt noch nicht das Executiren\ngrosser orchestraler Werke, sondern das Einüben einfa-\ncher und leichter, den Kräften der Zöglinge angemessener\nmehrstimmiger Instrumentalstücke, wobei die Herren Leh-\nrer selbst thätig mitwirken, gemeint sein kann—betrieben\nwurde, bleibt unerklärlich. Ferner sollte während der\nPrüfung ein Rechenschafts-Bericht über den je vor-\nausgegangenen Lebrcursus vorliegen; aber nicht einmal\nein Prüfungs-Plan kam am 28. März zu Gesicht. Die-\nser Bericht hätte dann Aufschluss über die Anzahl der\nZöglinge und resp. auch später über jene der Abiturienten\nzu geben; ferner, mit welchen Vorkenntnissen die Aufge- s\nnommenen in die Anstalt eintraten, um die Fortschritte bei\nder Prüfung richtig beurtheilen zu können, wodurch dann"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 862, "texte": "auch der Schein von Prunksucht und Charlatanerie fern\ngehalten bleibt, dessen Aufdrängen bei der ersten Prüfung\nwährend des Ciavierspiels einiger Mädchen und des Solo-\ngesanges die Anwesenden sich nicht ganz erwehren konn-\nten. Weiter hätte der Bericht anzugeben, wie viele Unter-\nrichtsstunden wöchentlich für je die verschiedenen Lehr-\nund Unterrichtsfächer eingeräumt sind, insbesondere ob\nin den praktischen Fächern, und in welchen, die „gleich-\nzeitige Theilnahme Mehrerer\" u. s. w. derart zu verstehen\nsei, dass mehrere Eleven gemeinschaftlich oder nach\nund nach einzeln während der betreffenden Stunde sich\nunter den Augen des Lehrers üben. Endlich wie viele\nClassen nöthig, und in welcher Anzahl dieselben von Zög-\nlingen besucht waren; welche Lehr- und Unterrichtswerke\neingel ührt sind, und wie weit man in denselben vorge-\nschritten\" u. s. w. u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-05-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-05-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-05-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.7", "debut_caractere": 864, "fin_caractere_exclue": 6936, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJBerlin. Frau Jachmann-Wagner trat am 28. April zum\nletzten Male vor ihrem Urlaub auf. Sie hatte als Abschiedsrolle die\nLady in Taubert's „Macbeth* gewählt.\nBei der kürzlichen Aufführung der hohen Messe von J. S. Bach\ndurch den Stern'schen Verein in Berlin wurde als instrumentale\nErgänzung auch die Orgel hinzugezogen, und soll namentlich im\nIn carnatus, in der Bass-Arie Et in Spiritum sanctum und in der\nAlt-Arie Agnus Del ihre Wirkung eine günstige gewesen sein. We-\nniger glücklich war ihre Behandlung in der Bass-Arie Quoniam tu\niolus sanctus. Hervorgehoben wird bei dieser Aufführung auch die\nvorzügliche Ausführung der Trompeten; die Sicherheit und Klarheit,\nmit welcher die erste Trompete das zweigestrichene a und e genom-\nmen, sei ein Beweis für die Ausführbarkeit der für die alten, ausser\nGebrauch gekommenen Trompeten geschriebenen, Stimmen durch\ndie jetzigen Trompeten.\nAn Stelle des verstorbenen Pätzold in Königsberg sind die\nHerren Lau dien und Ad. Jensen zu Dirigenten gewählt worden.\ntl» 71« Am 18. April trat unser allverehrter\nTonmeister Xaver Schnyder von Wartensee in sein 75. Le-\nbensjahr. Derselbe ist zur grossen Freude seiner zahlreichen Freunde\nim Besitze der besten Gesundheit.\n6. Mai. Das gegenwärtige, gestern im Tannhäuser\nbegonnene Gastspiel der Frau J achmann -W agner hat seine\neigene Bedeutung; die berühmte Künstlerin tritt mit demselben als\nSängerin von der Bühne zurück, um ihre fernere theatralische Thä-\ntigkeit versuchsweise dem Schauspiel zu widmen. Wie man den\nvorzunehmenden Wechsel auch deuten mag, ein sinniger Gedanke\ndarf es genannt werden, dass Frau Jachmann-Wagner den bezeich-\nneten Kücktritt an der Stätte begeht, wo sich zuerst die Schwingen\nihres schönen Talentes entfalteten und wo sie eine Reihe von Jah-\nren hindurch mit begeisterter Hingabe für die Kunst gewirkt hat.\nRühmlich auch und höchst achtunggebietend ist der Entschluss, bei\nguter Zeit und freiwillig auf eine Thätigkeit zu verzichten, die trotz\nder auch heute noch zu dringenden bedeutenden Erfolge ohne Zwei-\nfel der Künstlerin selbst keine volle Genugthuung mehr gewährt.\nEs gehört viel Selbsterkenntniss und Selbstüberwindung dazu, wie sie\nnicht Jedem gegeben; mögm Andere, die es angeht, sich daran ein\nBeispiel nehmen und erkennen lernen, dass dem echten Talente die\nKunst höhei stehen als die kleinliche Befriedigung selbsti-\nscher Zwecke.\n. \\\nMagdalena Nottes, königlich hannoverische Opernsängerin,\nwelche am 5. d. Mts. starb, war in Wien den 4 April 1823 gebo-\nren, J ochter eine k. k. Schulbeamten, der ihr die sorgfältigste Er-\nziehung angedeihen liess. Da im Elternhause leidenschaftlich Musik\ngotrieben wurde, fand auch das Kind grosse Neigung für dieselbe,\nlernte Pianoiorte und Gesang, erhielt später Unterricht für die Bühne\nund wurde für kleinere Partieen im Hot-Operntheater verwandt. Sie\nsang die Hedwig im „Teil , Clotilde in „Norma\" u. s. w. Schon\n1842 wirkte sie in der italiänischen Oper zu Wien neben der Ta-\ndolini, Frezzolini u. s. w., in der deutschen Saison neben der Lutzer\nund Hasselt als Donna Elvira, Adalgisa, Valentine u s. w. 3844\nvermählte sie sich mit dem Magistrat -Beamten Herrn Kratoch-\nwill 1846 wurde sie vom Director Holbein nach Hannover em-\npfohlen, woselbst eine ausgezeichnet geschulte erste Sängerin ge-\nsucht wurde, begab sich dahin und wirkte seitdem als Liebling des\nPublicums bis auf die letzte Zeit\nAnton Rubinstein wird in wenigen Tagen in Wien erwartet.\nSeinen Sommer-Aufenthalt nimmt er dieses Jahr in der Schweiz.\n\"liVioilj 11. Mai. R. Wagner ist hier angekommen, um seinen\nLohengrin zu hören. Wir zweifeln nicht, dass das wiener Theater-\nPublicum, welches zwar auch für Meyerbeer und Verdi schwärmt,\nihn für die in Paris erlittene Schlappe reichlichst entschädigen wird.\nDen Antrag von Prag aus, seine Nibelungen für die Krönungs-\nfeierlichkeiten zu überlassen, hat Wagner abgelehnt. Er will im\nSeptember erst eine Muster-Aufführung von Tristan und Isolde ver-\nanstalten und dann eine eben solche von den Nibelungen.\nAm 12. Alai wurden drei Mitglieder des Comite's zur Hebung\nder Kunst in Oesterreich, die Herren Dr. Fr an kl, Laroche und\nHerbeck, vom Herrn Staats-Minister v. Schmerling empfangen.\nSe. Excellenz ertheilte der Absicht des Comite's, die diesfälligen\nWünsche beim Reiehsrathe im Wege einer Petition einzubringen,\nnicht nur seine volle Zustimmung, sondern munterte zugleich das\nComite auf, die Petition nicht bloss in allgemeiner Form zu halten,\nsondern bestimmte Anträge zu stellen. Unter den letzteren werden,\nso viel bis jetzt verlautet, enthalten sein: a) Die musicalische und\ndramatische Kunst betreffend, die Errichtung eines grossartigen Con-\nservatoriums für Musik in Verbindung mit einer Opern- und\nschule, b) Die bildende Kunst betreffend, Anweisung entsprechender\nMittel aus den Landesfonds zur Errichtung öffentlicher Denkmäler,\n\\\nmalerischer Ausschmückung öffentlicher Gebäude, Anlegung einer\nGalerie für moderne Kunst u. A c) Die Literatur betreffend, Erthei-\nlung von Reise-Stipendien, Schutz des literarischen Eigenthums wie\ndes Eigenthums der Idee überhaupt, allgemeine Einführung des Tan\ntiemen-Princips. Betraut mit der Abfassung des Entwurfs der\nDenkschrift ist Herr Dr. L. A. Fr an kl.\nIm Hof-Operntheater hat Herrn Bailetmeisters Teile neue« ko-\nmisches Ballet „Rosine\" vielfachen Beifall gefunden. Der Stoff ist\ndem „Barbiere\" treu nachgebildet, die von Herrn Doppler compo-\nnirte oder arrangirte Musik ist in gefällig ansprechender Weise ge-\nhalten und vielfach mit Rossini'aehen Motiven verwebt. Vom künst-\nlerisch choreographischen Standpunkte lässt sich wenig Rühmendes\nüber diese Ball-Novität sagen Die Geschmacksnerven des modernen\nPublicums fragen im Allgemeinen auch wenig nach einem künst-\nlerischen Stil-Tan-4. Architektonische Symmetrie der Gruppirungen\nund akrobatische Gelenkigkeit der Solisten reizt und befriedigt sie\nhinlänglich. Der Idee nach alt genug, abjr vortrefflich einstudirt\nund rcongruent\" ausgeführt war der „Spiegeltanz* im dritten Acte\nmit Fräulein Couqui vor und Fräulein Millerscheck hinter dem"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5058, "texte": "Spiegel. An häufigem Applaus und Hervorruf auch des Ballet-\nComponisten fehlte es nicht.\nSe. Durchlaucht der als Musikfreund bekannte und um die Mu-\nsik-Zustände Wiens sehr verdiente Fürst Georg Czartoryski\nhat sich am 2. Mai mit einem bürgerlichen und hochgebildeten\nMädchen, Fräulein Marie Czermak, vermählt.\nDie „Deutsche Musik-Zeitung* Nr. 18 enthält folgendes Einge-\nsandt : „In der vorigen Nummer dieser Zeitung wurde gesagt, dass\ndie wiener Sing-Akademie, um den Redoutensaal zu füllen, viele\nFreikarten ausgebe. Es würde nicht geschadet haben, wenn beige-\nfügt worden wäre, dass sämmtliche wiener Musik-Vereine zu\ndiesem Mittel greifen; denn es gibt in Wien factisch nicht mehr\nals 500 Menschen, die gute Musik lieben und dafür so viel Geld\nauszugeben im Stande sind, als nöthig ist, um die philharmonischen\nund Gesellschafts-Concerte, die Quartette Hellmesberger's und die\nConcerte der grossen Gesang-Vereine besuchen zu können. Veritas.u\nIn Salzburg ist nach dem Tode des Capellmeisters Taux die\nStelle eines Capellmeisters des Dom-Musikvereins und Directors des\nMozarteums öffentlich ausgeschrieben. Gesuche sind bis Ende Juni\nd. J. einzureichen.\nAuf den Brief R. Wagner's (s. Nr. 17 d. Bl.) erwidert der\nConstitutionnel Folgendes: „HerrjWagner ist in seinen Briefen nicht\nglücklich. Er scheint zu glauben, dass seine Oper ausgepfiffen wor-\nden, weil kein Ballet darin vorgekommen sei. Das ist aber ein Irr-\nthum. Der Tannhäuser wurde ausgepfiffen, weil man ihn sehr lang-\nweilig, unklar, weitschweifig, unmelodisch und antimusicalisch fand.\nWenn ein Ballet darin gewesen wäre mit einer Musik im Genre des\nfamosen Bacchanale, so würde man nur eine halbe Stunde früher\ngepfiffen haben Das ist Alles. Die Abonnenten der Oper sind weder\nso einfältig, noch so lächerlich, sich bei den Musikern der Zukunft\neinschmeicheln zu wollen. Sie lieben und verstehen die schöne Mu-\nsik, die Musik der Vergangenheit, die Musik der Gegenwart, die\nunvergängliche Musik, die Herrn Wagner nicht behagt. Sie haben\nMozart, Beethoven, Haydn und Weber Beifall geklatscht, so oft die\nGesellschaft aus dem Conservatorium die Werke dieser Meister zu\nden Benefizen der Künstler-Casse gespielt hat. Nicht ein Abonnent\nhat da seine Loge durch seinen Sitz unbesetzt gelassen, und es ist\nkein Ballet darin gewesen.\"\nParis« Man wird hier ausserordentlich classisch in der Musik.\nEs ist ernstlich davon die Rede, Gluck's Alceste wieder in\nScene zu setzen, und zwar mit Madame Viardot, welche auf drei\nMonate an der grossen Oper engagirt worden ist. In einer Beuefiz-\nVorstellung im Thedtre lyrique kam der dritte Act von Gluck's\nArmide vor freilich sehr unclassischer Weise der dritte\nAct der Sonnambula folgte!), und eine andere zum Vortheil der Ma-\ndame Viardot seibst bringt die Hauptscenen der Alceste, den ersten\nAct von Maria Stuarda durch die Ristori und den dritten Act des\nOthello mit Madame Viardot und Duprez! Ausser der Alceste\nwird Weber' s Freischütz eifrig studirt.\nUeber die Aufführung von zwei Musikstücken aus H. Berlioz'\nneuer Oper Les Troyens in einem hohen Cirkel berichtet der musi-\ncalische Referent des Moniteur (de Rovray-Fior.): „Das erste dieser\nStücke, ein grosses Lniett, ist in grossem Stil geschrieben, voll wah-\nren Ausdrucks der Leidenschaft, der flehenden Bitte und furchtbarer\nDrohung Gluck hätte es nicht anders schreiben können. Das\nzweite Duett zwischen Aeneas und Dido (Lefort und Mad. Charton-\nDemeur) ist eine wunderbare Perle an Gefühl, Anmuth, Reiz, himm-\nlischer Wollust (voluptö Celeste!) und musste wiederholt werden.a\nGut gebrüllt!\nDie italiänische Oper hat während der sieben Monate der\neben geschlossenen Saison eine Einnahme von 809,818 Fr. gehabt,\nmithin im Durchschnitt 6692 Frcs. bei jeder Vorstellung. Die Gagen\nder ersten Sänger und Sängerinnen haben davon die Hälfte, beinahe\n400,000 Fr, verschlungen. Nimmt man nun alle übrigen Ausga-\nben dazu, Chor, Ballet, Orchester, Tageskosten, Verwaltung u. s. w.,\nso wird man einsehen, dass trotz der kaiserlichen Unterstützung es\nnicht leicht ist, das Schiff ohne Verlust im Fahrwasser zu halten.\nAuf nächsten Winter wieder engagirt sind unter Anderen die Damen\nPenco, Battu, Alboni und Trebel li, die Tenöre M ario (ohne\nGrisi) und Beiart, Bariton Badiali u. s. w.\nWeil wir einmal bei den Einnahmen sind, so haben im Monat\nApril: 1) die kaiserlichen unterstützten Theater 500,723 Fr. ein-\ngebracht; 2) die Theater zweiten Ranges 849,640 Fr.; 3) Concerte\nund Bälle 194,965 Fr.; 4) verschiedene Schau-Ausstellungen (denn\ndie Affen- und Hunde-Komödien, Bärentänze u. dgl. sind ebenfalls\nden Armen-Abgaben unterworfen und werden in der Residenz Paris,\nwelche für die ganze Welt den feinen Ton und Geschmack für Kunst\nangibt werden hier stets zu den künstlerischen Leistun-\ngen gerechnet) 30,130 Fr. im Ganzen 1,635,460 Fr\nLiszt ist hier. Sivori ist von seiner Reise an den Rhein und\ndurch Belgiep auf kurze Zeit hieher zurückgekehrt. Eben so Ro-\nger, der auf seinem Schlosse Villiers ein Gesang-Conservato •\nrium eingerichtet hat, das schon einige Schülerinnen aus Deutsch-\nland zählt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAuber und seine neueste Oper „La Circassienne\" (Schluss). Aus Frankfurt am Main (Die neue Privat-Musikschule)\nTages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Frau Jachmann-Wagner, J. S. Bach's hohe Messe Dresden, Frau Jachmann-Wagner\nMagdalena Nottes f Wien, R. Wagner, Comite zur Hebung der Kunst, Hof-Operntheater Wagner's Brief Paris, Classische\nMusik, H. Berlioz, Italiänisehe Oper, Theater-Einnahmen, Liszt, Sivori, Roger),\n\nAuber und seine neueste Oper „La Circassienne“.\n\n(Schluss. S. Nr. 19.)\nEinem anziehenden Berichte, den Ed. Hanslick in\nseinen „musicalischen Erinnerungen aus Paris (in der wie-\nner „Presse\") über seinen Besuch bei Auber in Paris mit-\ngetheilt hat, entnehmen wir Folgendes zur Charakteristik\ndes Künstler-Veteranen:\n„Man kann sich nicht leicht etwas Verschiedenartige-\nres denken, als es die beiden berühmtesten Componisten\nvon Paris in Erscheinung, Stimmung und Lebensweise sind.\nW'ährend Rossini nur schwer sich von seinen Blumen\nund Wiesen zu trennen vermag, bringt Auber auch den\nheissesten Sommer mitten in Paris zu. Er liebt Paris über\nAlles und verlässt es niemals. Zu jeder Zeit finden wir ihn\nin seiner eleganten Wohnung, Haus und\nStrasse haben etwas ruhig Vornehmes, sie präludiren ent-\nsprechend der aristokratischen kühlen Eleganz, welche uns\nim Innern erwartet. Wir finden den berühmten Tonsetzer\nin bequemem Schlafrock, zusammengekauert auf einem\nniedrigen Fauteuil. Ein schneeweisser Kopf erhebt sich\nvon der Partitur; es grüsst uns eine kleine, dürre Gestalt.\nDas faltige Gesicht scheint fast zu verkohlen unter der\nGluth zweier tiefschwarzen, leidenschaftlichen Augen. Wie\nunstät und durchdringend schiessen diese Falkenaugen aus\ndem Versteck der dichtbuschigen Brauen hervor! Auber's\nKopf ist nichts weniger als edel; mit seiner unfertigen\nNase, den vordrängenden Backenknochen, dem breiten\nMunde erinnert er beinahe an Schelling. Aber diese\nmerkwürdigen Augen geben ihm einen Ausdruck unge-\nwöhnlicher Intelligenz. Sie lächeln dich nicht gross und\nfreundlich an, wie Rossini's braune Sterne; blitzschnell\npacken sie dich, scheu, meuchlerisch. So musste der Mann\naussehen, der die Verschwörung der neapolitanischen Fi-\nscher wieder lebendig machte. Den Sänger der heitersten,\nmoussirendsten Melodieen von Paris hingegen würde man\nin, dem ernsten Greise nicht vermuthen. Ich sah ihn nicht\nlächeln, dessen Musik zu lächeln kaum aufhört.\n„Auber's Gespräch bewegte sich in feinen, knappen,\netwas geschäftsmässigen Formen; freigebig mit Höflichkei-\nten, sparsam in allem Uebrigen. Er glich mehr einem Di-\nplomaten oder Banquier, als einem Musiker. Mir fiel ein,\ndass Auber ursprünglich für die kaufmännische Carriere\ngebildet war. Die Umgebung stimmt dazu. Das Arbeits-\nzimmer athmet eleganten und geschmackvollen Comfort,\naber nicht die lauschige Heimlichkeit einer Poeten-Werk-\nstatt. An den Wänden zahlreiche Bilder: schöne Frauen-\nköpfe. Zwischen kostbaren Kupferstichen noch Le Brun's\n„ „Alexanderschlacht\" \". „ „Die Kunst ist Eins,\"\" erklärte\nder Herr des Hauses, „ „und unverständlich bleibt mir ein\nKünstler, der nicht zugleich die übrigen Künste liebt.\"\"\nDabei sah er viel schwächer, abgestorbener aus, als er in\nWirklichkeit ist. Eine beneidenswerthe Spannkraft streckt\nnoch diesen scheinbar verfallenen Leib. An den kalten Ta-\ngen des vorjährigen Herbstes konnte man den alten Herrn\nin leichtem, einfachem Rocke über die Boulevards eilen\nsehen. Früh Morgens, während Paris noch in den Betten\nliegt, reitet er spaziren. Auber, der bekanntlich seine fri-\nschesten Melodieen zu Pferde erdacht, ist diesem jugend-\nlichen Vergnügen noch nicht untreu geworden. Ja, als\nechter Franzose soll er auch sein Herz merkwürdig con-\nservirt und noch keineswegs vergessen haben, „was\",\nnach Spohr's Versicherung, „ „den Waidmann in den\nWald treibt.\"\"\n„Während der (fast ein Jahrzehend jüngere) Ros-\nsini seit dreissig Jahren einer unerschütterlichen Ruhe\npflegt, hat Auber keinen Augenblick aufgehört, mit Eifer\nund Ehrgeiz zu arbeiten. Die Notenblätter, über welche\nich beim Eintreten das weisse Haupt gebeugt fand, gehör-\nten zu Auber's neuester Oper, deren Aufführung damals\nbevorstand. „ „C'est iine imprudence dans mon äge,u\" flü-\nsterte der 77jährige (79jährige) Componist, indem er auf"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.2", "texte": "die Partitur deutete. Ich wünsche nichts sehnlicher, als\ndass der Erfolg dieser Winterfrucht das Wort „ „impru-\ndence* uwo möglich in „ „näracleu\" umändere. Denn\nAuber's Verdienste um das französische Thealer sind so\ngross und glänzend, dass ein Misserfolg des greisen Mei-\nsters fast einem National-Undank gleichkäme. Mit weit\nbesserem Rechte stände Auber's Standbild im Atrium der\nOpera comique, als Rossini's Statue im Treppenhause der\nGrossen Oper steht. Ausser Guhat Rossini für\ndie pariser Oper so gut wie nichts geschaffen; das Wenige,\nwas sie sonst noch von ihm vorführt, sind Bearbeitungen\naus dem Italiänischen. Die Verdienste Rossini's und selbst\njene Meyerbeer's um die pariser Oper erscheinen—aus\ndem Gesichtspunkte französischer Kunst von jenen Au-\nber's überstrahlt. Wir legen hierbei nicht einmal beson-\nderen Nachdruck auf Auber's Arbeiten für die Grosse\nOper, obwohl darunter die epochemachende „ „Stumme\nvon Portici\"\", die glänzende „ „Ballnacht\"\" und Aehnli-\nehes sich befindet. Auber's Bedeutung ruht in der ko-\nmischen Oper, also in der echtesten, duftigsten Blüthe\nder französischen Musik.\n„Die komische Oper repräsentirt alle anmuthigen,\nliebenswürdigen Seiten des französischen National-Charak-\nters, während die „ „Grosse\"\" dessen Maasslosigkeiten und\nGrimassen im Hohlspiegel zeigt. Allerdings sind die Ta-\nlente, welche für die Opera schreiben, an Zahl\nund Bedeutung sehr gesunken, allein noch immer behaup-\ntet dieses Genre eine von anderen Nationen zu beneidende\nHöhe, bei einer Stetigkeit der geschichtlichen Entwick-\nlung, wie sie kaum eine zweite Theatergattung aufweis't.\n„Zur lebendigsten Ueberzeugung wird einem diese\nThatsache, wenn man die komischen Opern der Franzosen\nin Paris selbst spielen sieht. Ich wüsste von allen Kunst-\ngenüssen, die mir dort zu Theil wurden, keinen, der so\nvollkommen, rein und lebhaft auf mich gewirkt hätte, als\ndie Vorstellung des „ „Fra Diavolo\"\" in der\nmique. Nachdem ich kurz vorher an der Grossen Oper die\n„ „Hugenotten\"\" nur mit Unbehagen, die „ „Semiramis\"\"\ngar nicht zu Ende gehört, hätte ich hier nur Souverain zu\nsein gebraucht, um mir wie Kaiser Leopold in Wien\nden „ „Matrimonio segreto*\" —in der komischen Oper den\n„„Fra Diavolo\"\" von Anfang bis zu Ende noch einmal\nvorspielen zu lassen. Grossmüthig wünschte ich mir alle die\nLandsleute zu Nachbarn, die im Vaterlande das grosse Ta-\nlent Auber's mit so nachsichtiger Protection abfertigen.\nHier auf ihrer Geburtsstätte muss man diese geistreichen,\nleinen, lebensvollen Spiele sehen und hören, um ihren gan-\nzen Reiz zu erkennen und zu bewundern. Die besten deut-\nsehen Sänger sind für das Eigentümliche dieser Aufga-\nben grösstentheils unbrauchbar. Die gegenwärtigen Künst-\nler der Opera comique wirken mit sehr bescheidenen Mit-\nteln; allein diese Mittel sind auf das feinste ausgebildet,\nauf das intelligenteste verwandt. Nicht Eine glänzende\nStimme, nicht Eine bestechende Schönheit, aber in der\nanschmiegenden Feinheit des Ausdrucks scheinen alle\nStimmen, in der Grazie der Bewegung alle Gestalten\nverschönt.\n„Ich bin weit entfernt, den Ruhm der pariser Grossen\nOper geradezu unverdient zu nennen. Vortrefflich ist an\nihr alles Aeusserliche. Die Decoralionskunst erzielt die\nvollständige Illusion des Zuschauers. Auch Orchester\nund Chöre liessen—in den Vorstellungen, denen ich bei-\nwohnte— kaum etwas zu wünschen übrig. Was hingegen\nden Fremden enttäuscht, sind die Solosänger, darunter\ngrossartig ausposaunte und noch grossartiger bezahlte Na-\nmen. Wenn man Ander's Raoul mit der handwerksmäs-\nsigen Leistung dieses brutalen Herrn Gueymard ver-\ngleicht, die Valentine unserer Dust mann mit der zierli-\nchen, aber unbedeutenden Madame Barbot, Schmid's\nMarceil mit jenem des Herrn Belval, selbst die meisten\nkleineren Rollen in den wiener „ „Hugenotten\"\" mit jenen\nin Paris, dann empfindet man eine unbedingt wohlthuende\npatriotische Wärme. Mit der komischen Oper verhält es\nsich gerade umgekehrt. Die besten deutschen Vorstellun-\ngen dieser Gattung werden im Total-Eindruck die schwäch-\nsten der pariser Opera comique nicht erreichen. Wenn es\nhoch kommt, hat jede bessere deutsche Bühne zwei bis\ndrei gute Mitglieder für die komische Oper, keine einzige\naber eine Ahnung von einem vollendeten Ensemble. Nota-\nbilitäten der deutschen Oper können von sehr untergeord-\nneten Sujets der Opera comique lernen, wie man spricht,\nspielt, sich kleidet, ja, wie man gerade im musicalischen\nLustspiel zu singen hat. Da i*t niemand, der schreit,\nschleppt, sich vordrängt; Alles bewegt sich rasch, zwang-\nlos und natürlich, und will auch Mancher für sich nicht\nviel bedeuten, zusammen sind sie Meister.\n„Wenn man die komische Oper rühmt, rühmt man\nauch Auber. Ohne ihn würde die gegenwärtige\ncomique nur vegetiren; er ist ihre Hauptstütze und ziert\nwöchentlich ein bis zwei Mal das Repertoire. Mit den be-\nsten seiner Werke hat sich Auber längst neben Isouard\nund Bpieldieu gestellt; mit seinen schwächsten überragt\ner wenigstens noch immer die meisten seiner zahllosen\nNachahmer.\n„Auber gab mir in meinem Lobe der\nnur tbeilweise Recht; lebt doch in seiner Erinnerung eine\nviel vollkommenere Blüthe dieses Instituts. Sowohl die Ge-\nsangskunst als die Darstellung findet er gesunken seit der\nZeit, wo er den „„Schwarzen Domino\"\" für die Cinti-\nDamoreau schrieb. „ 9C 'etai wieder-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.3", "texte": "holte er, um den Gegensatz zu der gefeierten Ugalde\nund ihren Colleginnen zu bezeichnen, welche ihm bloss als\n# „geschickte Sängerinnen\"\" gelten. Hingegen sprach er\nvon Montaubry, dem würdigen Nachfolger Boger's\nund trefflichsten aller Fra Diavolo's, mit grosser Achtung.\n„Ganz verschieden von Bossini, blieb Auber im Spre-\nchen karg und gemessen, dabei in Miene und Haltung\nunbeweglich. Hingegen schien er mit Interesse zu hören,\nwas ich ihm von deutschen Theater-Zusländen, nament-\nlich in Bezug auf seine Opern, mitzutbeilen wusste. Er\nselbst war, sonderbar genug, nie in Deutschland, nie in\nItalien gewesen. Von der neuen musicalischen Bewegung\nwusste er nur vom Hörensagen. Als ich Wagner er-\nwähnte, begann Auber von den Conservatoire-Concerten\nzu sprechen. Die Direction des Conservatoriums (die er\nbekanntlich nach Cherubini's Tode antrat) macht ihm, nach\nseinem eigenen Geständnisse, wenig Mühe, „ „weil er glück-\nlicher Weise erst dazu kam, nachdem er seine Carriere\ngemacht\"\"; in früheren Jahren hätte ihn diese Beschäfti-\ngung wahrscheinlich nie dazu kommen lassen, „ „Carriere\nzu machen\"\".\n„lieber die musicalische Kritik in Paris sprach Auber\nein unumwundenes Verdammungs-Urtheil und stimmte\nhierin fast wörtlich mit Bossini überein. Nachdem gerade\ndiese beiden berühmten Veteranen von der pariser Kritik\nnur mit Weihrauch und Myrrhen behandelt werden, was\nsie ausdrücklich hervorhoben, hat ihr Bannspruch ein\nschweres Gewicht. Auf meine Bemerkung, dass solche Zu-\nstände sich in einer deutschen Besidenz unmöglich erhal-\nten könnten, erwiderte Auber sehr treffend: „„Bei Ihnen\nin Deutschland ist die Kritik eine Gevvissenssache, hier ist\nsie eine Geschäftssache. Man treibt dieses Geschäft, wie\njedes andere, um Geld zu machen.\"\"\nDie erste Aulführung der neuesten Oper Auber's:\nCircassienne,hat die von Hansück ausgesprochene Ansicht,\ndass ein Miss-Erfolg fast ein National-Undank sein würde,\nvollkommen bestätigt, denn ganz Paris theilte sie und ging\nmit dem Vorsatze ins Theater, dem Tondichter einen\nTriumph zu bereiten. Doch wir lassen unseren Correspon-\ndenten aus Paris sprechen:\n„Am 2. Februar bot das Theater der komischen Oper\neinen interessanten Anblick dar. Das neueste Erzeugniss\nder berühmten Firma Scribe & Auber sollte die erste Auf-\nführung erleben; das war ein Fest für alle Freunde der\nnationalen Oper und besonders für die Stammgäste und\ndie Abonnenten des Hauses, die sich drängten, wie zu einer\nJubelleier. Ehe der Vorhang aufging, ehe die ersten Ac-\ncorde der Ouvertüre erklangen, stand es schon fest, dem\nComponisten, der beinahe zwei Generationen des Publi-\ncums der komischen Oper ergötzt und entzückt hatte, durch\nehrenvolle Aufnahme seines neuesten Werkes den Dank\nder Nation zu bekunden, deren eigenstes Wesen er auf die\nanmuthigste und einnehmendste Weise durch seine Melo-\ndieen charaklerisirt hat.\n„Wie beschlossen, so wurde es auch ausgeführt. Das\nPublicum wollte dem Werke einen Erfolg bereiten, und\nsetzte seinen Willen durch trotz des wunderlichen Durch-\neinanders des Scribe'schen Buches und der zweideutigen\nSituationen, die man schwerlich unter anderen Verhält-\nnissen geduldig hingenommen haben würde. Doch geste-\nhen wir gern, dass der wirkliche Werth der meisten Mu-\nsikstücke der günstigen Stimmung zu Hülfe kam, und dass\nder beinahe achtzigjährige Auber wieder einmal bewiesen\nhat, dass nur die Dummheit alt wird.\n„Das Buch kann wahrhaftig nicht als Denkmal des seit-\ndem gestorbenen überfruchtbaren Dichters gelten, kein\nMensch wird nach der derniere pensee de Scribe fragen.\nEs ist eine wahre Auflehnung gegen den gesunden Men-\nschenverstand. Die Hauptrolle spielt ein russischer Lieute-\nnant Suboff als Doppelgänger seiner selbst und seiner\nSchwester. Er steht bei der Besatzung eines Forts im Kau-\nkasus. Dort erscheint mitten im Winter ein Maler, der\neine Operette von Dalayrac frisch aus Paris mitbringt.\nMan bedarf zur Aufführung nur zweier Personen, Adolf\nund Clara, und der hübsche junge Lieutenant wird für\ndie Bolle der Clara bestimmt. Woher aber die Frauen-\nkleidung nehmen? Mein Himmel, nichts einfacher, als das;\nder Maler hat das Costume einer Tscherkessin bei sich,\nund damit ist dem Pseudomädchen zu einem Bock und der\nOp er zu einem Titel verholfen! Uebrigens ist Suboff kein\nNeuling in seiner Bolle; er hat in Moskau schon einmal in\nMädchenkleidern als Prescovia einen alten General erobert.\n„Im Fort geht's nun lustig her; man lernt, man costu-\nmirt sich, man probirt. Da fällt plötzlich unangemeldet wie\neine Bombe der General Orsakoff, ein alter Kriegsknecht\naus Suwarow's Schule, grob und dumm, mitten ins Ver-\ngnügen hinein, flucht barbarisch, ras't gegen die Soldaten-\nKomödianten. Die Circassierin erscheint zitternd aber\nsiehe! der brüllende Löwe schmiegt sich vor ihr, denn er-\nsieht seine Prescovia wieder und ist glücklicher Weise ver-\nliebter Natur. Suboff muss seine Huldi-\ngungen annehmen, spielt die Prescovia fort, kommt aber\nin noch ärgere Verlegenheit, als Olga, die Nichte des Ge-\nnerals, hereintritt, die er liebt, und der auch er nicht\ngleichgültig ist. Glücklicher Weise reissen ihn die Tscher-\nkessen heraus, die trotz des Generals in das Fort eindrin-\ngen, ihn und Olga rauben, sonst aber Niemandem etwas\nzu Leide thun!\n„Suboff-Prescovia und Olga werden in den Harem des\nHäuptlings Abul-Kasim gebracht. Was das für pikante\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.4", "texte": "Situationen gibt, kann man sich denken; sie streifen hart\nan die Gränze des Schicklichen, als Suboff der Olga, die\nganz ungenirt Toilette machen will, endlich entdeckt, dass\ner ein Lieutenant sei und sie liebe. Der xMaler bringt das\nLösegeld für Suboff, der General für Olga, und bei dieser\nGelegenheit entführen russische Officiere zur Vergeltung\ndie Damen des Harems!\n„Im dritten Acte finden wir die ganze Gesellschaft in\nMoskau im Palast des Generals Orsakoff. Suboff, dieses\nMal in Uniform, kommt noch gerade zu rechter Zeit, um\ndie Heirath Olga's mit einem anderen —bo ff oder —soff\nzu hindern. Der General ernennt ihn wegen seiner Aehn-\nlichkeit mit Prescovia zum Obersten und bittet ihn um die\nHand seiner Schwester. Der Antrag wird angenommen,\nwogegen der General Olga mit Suboff vermählt; aber statt\nder erwarteten Braut bringt der Maler einen Brief mit der\nNachricht vom Tode der vermeinten Prescovia!!\n„Scudo hat wahrlich Recht, wenn er sagt, dass ein\nMusiker kaum begreifen kann, wie es möglich sei, irgend\neinen musicalischen Gedanken auf die Texte der meisten\nOpernbücher Scribe's zu fassen, weiche Auber zu so rei-\nzenden Compositionen begeisterten! Jedenfalls ist die Musik\nzur „ „Circassierin\"\" nicht bloss wegen des hohen Alters\ndes Componisten, sondern noch mehr wegen des wider-\nsinnigen Textes ein Wunder zu nennen.\n„Die Ouvertüre ist unbedeutend und dürfte leicht eine\nder schwächsten sein, die Auber geschrieben. Dagegen\nzeigt die ganze Introduction den musicalischen Repräsen-\ntanten des französischen Geistes wieder in glänzendem\nLichte. Sie besteht aus einem Soldatenchor, dessen Motiv\nder Tenor (Suboff) aufnimmt; darauf eröffnet der Maler\nLanskoi den Plan, Komödie zu spielen, und der zweite\nChor: Bravo! bravo!ist eines der besten Stücke der gan-\nc>\nzen Partitur, frisch, lebendig und wirkungsvoll. Eine Ro-\nmanze aus „ „ Adolf und Clara\"\", in welcher Suboff seine\nMädchenrolle versucht, ist darin angebracht, und das Ganze\nbildet zusammen ein allerliebstes Ensemblestück, welches\nden rauschenden Applaus und Da-cupo-Ruf vollkommen\nverdiente. Die Arie, mit welcher der bramarbasirende Ge-\nneral auftritt, bietet nichts Besonderes dar, dagegen ist die\nRomanze, in welcher Suboff—jetzt als Circassierin ihm\ndie Begnadigung eines Soldaten abschmeichelt, als Musik-\nstück fein und schön, aber die Situation ist gar zu wider-\nlich, da der junge Officier dem alten Dummkopf mit „ „Si\nvous m'aimes\"\" und dergleichen Redensarten um den\nBart geht.\n„Diese schiefe Stellung des Tenors geht nun freilich\ndurch die zwei ersten Acte der Oper durch und gibt dem\nDinge etwas Possenhaftes. Montaubry besitzt allerdings\nein sehr liebliches und trefflich ausgebildetes Falset, mit\ndem er die Melodieen der falschen Circassierin flötet; aber\nich konnte doch bei allem dem nicht die Erinnerung an\neinen deutschen Komiker ich habe seinen Namen ver-\ngessen— los werden, der in meiner Jugend auf eine ein-\nzige Rolle: „ „Die falsche Catalani\"\", reis'te und durch\nseine Coloraturen mit der Fistel die Galerie ergötzte. An-\nfänglich macht dem Zuhörer, die Abwechslung der Brust-\nund der Kopfstimme, die mit grosser Kenntniss musicalisch-\nkomischer Wirkung benutzt ist, Spass; aber der Spass\ndauert zu lange und wird langweilig. Das Duett (Bass und\nTenor) und die Sopran-Arie, mit welcher Olga auftritt,\nhören sich gut an; aber das darauf folgende Quartett, in\nwelchem der General seiner Nichte die falsche Prescovia\nvorstellt, und Olga von der Aehnlichkeit dieser Dame mit\neinem ihr wohlbekannten Garde-Officier betroffen wird,\nist ein Ensemble, wie es nur Auber schreiben und nur\nfranzösische Sänger spielen und singen können. Die Worte\nOlga's: C'est etonnant, kehren in einer allerliebsten melo-\ndischen Phrase alle Augenblicke wieder, die auf sehr geist-\nreiche Weise mit kunstfertigem Geschick zu einem feinen\nGewebe verarbeitet ist.\n„Auch das kurze Finale des ersten Actes, der Ueber-\nfall der beiden Schönheiten durch die Tscherkessen und\nihren Führer, einen alten Eunuchen, ist ein Meisterstück\nkomischer Musik. Man kann, ohne zu schmeicheln, sagen,\ndass die Musik des ganzen ersten Actes auf der Höhe des\nBesten steht, was Auber in dieser leichten, heiteren, an-\nmuthigen Gattung geschrieben hat.\n„Der zweite Act ist bedeutend schwächer. Wiewohl\ner mit einem hübschen Chor der Odalisken im Harem des\nAbul-Kasim beginnt, so bieten doch die folgenden Musik-\nstücke nichts Hervorstechendes dar. Gegen den Schluss des\nActes interessirt der Tanz der Odalisken mit Chor durch\ndie Scenerie und eine sehr ansprechende Redowa-Melodie,\nwelche man bereits in der Ouvertüre gehört hat.\n„Noch schwächer ist der dritte Act; er bringt, ausser\neinem hübschen DuoeTamowr zwischen Tenor und Sopran,\nnur Arien für Bass, Tenor und Sopran (die gebräuchliche\nBravour-Arie im dritten Acte), welche alle drei auf der-\nselben Stufe des Gewöhnlichen stehen. Den Schluss der\nOper machen fast nach Art der älteren komischen Opern\nCouplets des Malers Lanskoi (Bariton), die wieder frisch\nund des Componisten würdig sind.\n„Dass die Oper lange leben werde, will ich nicht ver-\nbürgen; gefallen hat sie aber entschieden, und die Partitur\nhat auch schon am Abende der ersten Aufführung einen\nVerleger gefunden, was lange nicht passirt ist. Der erste\nAct wird jedenfalls, wenn dies die letzte Oper des jungen\nGreises ist, ein glänzender Schlussstein in dem Ehrenbogen\nseines Ruhmes sein.\"\n\n„B. P.“"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.5", "texte": "Sollen wir nun dem Vorstehenden noch einige Be-\ntrachtungen oder Nutzanwendungen hinzufügen, so ist es\nzunächst der Wunsch, dass die deutsche musicalische Kri-\ntik sich endlich einmal den ausländischen Componisten ge-\ngenüber auf den Standpunkt stellen möchte, den die Be-\nurtheilung der Erzeugnisse der Kunst in Hinsicht auf die\nNationalität der Künstler erfordert. Nichts ist einseitiger\nund ungerechter, als an einen Italiäner, der für Italien,\nan einen Franzosen, der für Frankreich schreibt, den\nMaassstab des Deutschen zu legen, des deutschen Charak-\nters, der deutschen Anschauungs- und Gefühlsweise, der\ndeutschen Wissenschaft.\nEs gibt nur drei musicalische Nationen, sobald von\nder Musik als einer Kunst die Rede ist, nicht bloss als\neines Gefühls-Ausdrucks in Volksliedern, welche die Natur\ngeschaffen hat; das sind die Italiäner, die Deutschen und\ndie Franzosen. Ihre schönsten musicalischen Erzeugnisse\nsind diejenigen, welche in den vollendeten künstlerischen\nFormen, die für jede Composition im Allgemeinen\ngelten, den besonderen Charakter der Nation zur Gel-\ntung bringen. Dass dies nicht absichtlich, sondern unbe-\nwusst und unwillkürlich geschieht, das macht eben den\nwirklichen Dichter in Tönen, und die Eigenschaft des\nVolksgemässen, der nationale Typus, gehört in der Musik\nunserer Meinung nach durchaus zu dem Begriff des Clas-\nsischen. Am leichtesten lässt sich der Beweis dafür negativ\nführen; man braucht nur die Opern Meyerbeer's zu be-\ntrachten, und man wird fühlen, dass bei allem Genie, dem\nsie ihre Entstehung und ihren künstlichen, oft auch wirk-\nlich kunstreichen, Bau verdanken, die gänzliche Entartung\nvom Angeborenen, die absichtliche Verläugnung des Na-\ntionalen das Prädicat „classisch\" für diese Werke unmög-\nlich machen. Dagegen sind Mozart's Opern, trotzdem dass\nsie das italiänische Element mit dem deutschen verschmel-\nzen, classische Meisterwerke, namentlich Don Juan und\nvollends die Zauberflöte, weil, neben der genialen Erfindung\ndes Einzelnen, im Ganzen das deutsche Element den Sieg\ndavon getragen und der Musik ihren eigentümlichen Cha-\nrakter gegeben hat. Ganz frei von italiänischem Einflüsse\nstehen Beethoven's Fidelio und Weber's Freischütz da,\nund wer wollte läugnen, dass sie neben den rein musica-\nlischen Vorzügen durch den bestimmt ausgesprochenen\nnationalen Typus das vollste Anrecht auf Classicität haben?\nGehen wir zu den Werken der Tonkunst über, welche\ndie Verbindung des tiefsten musicalischen Wissens und der\nhöchsten contrapunktischen Gewandtheit mit der schöpfe-\nrischen Phantasie ins Dasein gerufen hat, zu den Werken\nvon Bach, Händel und den wenigen Neueren, denen es\nvergönnt war, die Kühnheit, in ihre Fussstapfen zu treten,\nnicht bereuen zu müssen, so gibt ihnen das Echt-Deutsche\nden Charakter classischer Meisterschaft. Desswegen konnte\nauch ihr eigentlicher, aus der liefe des Verständnisses\nquellender Cultus nur in Deutschland Wurzel schlagen;\ndenn selbst in England, obwohl das germanische Element\ndort ihm den Boden lockerte, ist dieser Cultus zum Theil\nein gemachter oder wenigstens durch Aeusserlichkeiten,\ndie mit dem inneren Wesen der Musik nichts zu thun ha-\nben, traditionel gewordener, während in Italien und in\nFrankreich gar kein Platz für ihn zu finden ist.\nDas ist freilich bekannt genug; aber was würden wir\nsagen, wenn die französische Kritik den Maassstab ihrer\neigentlichen Nationalmusik, das ist der komischen Oper,\nan die deutschen Oratorien legte? Dazu sind die Franzo-\nsen zu klug und haben viel zu viel Lebensart; gefallen\nihnen dergleichen deutsche W7erke nicht, so schweigen sie\noder hüllen sich in den Mantel der Ehrfurcht vor histori-\nschen Grössen und vor dem allgemeinen Ruhme, den „das\nLand der Musik\" geniesst, denn es wäre Mangel an Bil-\ndung, davon nichts zu wissen. Wir aber, wie oft stossen\nwir auf Beurteilungen französischer und italiänischer Mu-\nsik, in denen unsere Kuntsrichter nicht eine Spur von dem\nRespect vor den Nationalitäten blicken lassen, sondern von\nihrem Throne oder ihrem Gelehrtengerüst, Katheder ge-\nnannt, herab jedes ausländische musicalische Erzeugniss\nmit deutscher Elle messen und von den Italiänern und Fran-\nzosen verlangen, dass sie wie Bach und Händel, wie Beet-\nhoven und Weber schreiben sollen!\nWir sollen im Gegentheil, wenn wir gerecht sein wol-\nlen, die Italiäner und die Franzosen dann am meisten\nschätzen, wenn sie Italiäner und Franzosen bleiben. Warum\nhat Rossini zu schreiben aufgehört? Weil der grosse Er-\nfolg seines Wilhelm Teil ihn keineswegs über sich selbst\nverblendet hat, weil er eingesehen, dass er kein Italiäner\nbleiben könnte, wenn er auf dem Wege, den er im Teil\nbetreten, fortführe. Wie erscheint Meyerbeer dagegen,\nder weder Deutscher, noch Italiäner, noch Franzose ist,\nsondern gar nichts mehr, daher denn auch von künstleri-\nscher Individualität, von Einheit des Stils bei ihm nicht\nmehr die Rede sein kann, da er das Horazische Bild: Hu-\nmano capiti cervicem pictor e\noft genug auf das Notenpapier wirft, und in so mancher\nArie der edeln deutschen Melodie einen fremden Schweif\nanhängt, so dass „das von oben schöne Weib in einen\nhässlichen Fischschwanz ausläuft\" {ut\nmulier formosa superne)!\nWie anders dagegen Auber! Welche Wandlungen\nund Revolutionen hat nicht der musicalische Geschmack\nseit seinem ersten Auftreten erfahren! wie manche Kunst-\nTheorie, wie manches System ist seitdem aufgetaucht und\nauch wieder untergegangen oder im Untergehen begriffen!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.6", "texte": "Er aber ist geblieben, was er war: Franzose, Repräsentant\nder liebenswürdigsten Eigenschaften des französischen Cha-\nrakters, und eben darum von einer Popularität, die in un-\nserer Zeit, deren rasch dahin eilende Fluten jeden Ruf als-\nbald wieder hinwegspülen, ein wahres Wunder ist. Die\nMusikstücke in seinen komischen Opern sind Photogra-\nphieen des französischen Lebens, mit Geist und technischer\nGewandtheit retouchirt. Als solche müssen sie beurlheilt\nund gewürdigt werden, nicht nach dem Maasse, das man\nan historische Malerei weltgeschichtlicher Ereignisse legt.\n\nAus Frankfurt am Main.\n[Die neue Priv at-Musiksch ule.]\n(Sehluss. S. Nr. 19.)\nDer Verfasser des Artikels (Süddeutsche Musik-Zei-\ntung, Nr. 17 und 18) theilt hierauf den Unterrichts-Plan\nder neuen Musikschule mit, bespricht ihre äussere und in-\nnere Einrichtung und die erste Prüfung der Zöglinge (am\n28. März) und unterwirft dieses alles einer strengen, aber\ndurch Gründe und Kenntniss der Sache unterstützten\nKritik. ' ' •\nIn Bezug auf die äussere Einrichtung ist es freilich\nein grosser Uebelstand, dass „kein gemeinsames Local für\nden Unterricht vorhanden ist, die Zöglinge je nach Ge-\nschlecht und nach Verlheilung der Fächer zu den in und\nausserhalb der Stadt von einander, ja, bis zum zoologi-\nschen Garten zerstreut wohnenden Lehrern zu wandern\nhaben. Man wende nicht ein, dass die Kosten für eine bes-\nsere äussere Einrichtung in ungleichem Verhältnisse stehen\nzu der geringen Anzahl von zusammen nur eilf Schülern\nund Schülerinnen, welche bereits der seit October 1860\neröffneten Anstalt angehören. Derartige Unternehmungen\nsind stets mit einigem Risico und nicht selten auch An-\nfangs mit unvermeidlichen Opfern verbunden. Bedenkt man\naber, dass die Eleven sich contractlich mindestens für ein\nJahr zu verbleiben verbindlich machen müssen, und dass\ndiese eilf Eleven pro erstes Jahr mit Honorar und Auf-\nnahmegeld zusammen die Summe von 1751 Fl. 45 Kr.,\nvierteljährig vorauszahlend, sichern, so hätte man denn\ndoch nebst den Auslagen für den nöthigen Unterrichts-\nApparat die Mi et he für ein geeignetes Local nicht scheuen\nsollen, um dann auch Jedermann sagen zu können, wo das\nInstitut zu finden sei.\"\nDie Resultate der Prüfung konnten freilich nach erst\nhalbjährigem Bestehen der Schule nicht bedeutend sein.\nDie scharfe Kritik derselben kann weitere Kreise nicht\ninteressiren. Dagegen schliesst der Aufsatz mit Bemer-\nkungen über Musikschulen überhaupt, die auch an-\nderswo Beachtung verdienen dürften. liier heisst es unter\nAnderem:\n„Aus dem Examen in der Harmonielehre ging her-\nvor, dass die beiden Herren Lehrer verschiedene Harmo-\nnie-Systeme bei ihrem Unterrichte verfolgen, was an einer\n.und derselben Anstalt nicht empfehlenswerth erscheint. Lä-\ngen in der That ganz besondere Gründe vor, diesen Unter-\nrichtszweig derCompositionslehre nicht den Händen eines\nLehrers zu überlassen, so sollte doch mindestens nach glei-\nchem System und gleichem Handbuche unterrichtet wer-\nden. Weit entfernt, die von den Herren Lehrern einge-\nschlagenen methodischen Wege als zweckmässige anzwei-\nfeln zu wollen, so wollte mir doch scheinen, als neige man\nsich theilweise mit yorliebe zu veralteten Systemen. Der\ngeistige Fortschritt auf allen Gebieten des Wissenschaft-\nlichen hat seinen Einfluss auch in der musicalischen Di-\ndaktik zur Geltung gebracht, was vernünftiger Weise nicht\nignorirt werden kann, und womit aber weder das festste-\nhende und höchst schätzbare Gute in älteren Lehrbüchern\neben so wenig misskannt und unterschätzt, als alles auf-\ntauchende Neue, wie etwa das verwerfliche Harmonie-Sy-\nstem von Weitzmann, ungeprüft sanclionirt werden soll.\nUnstreitig eines der besten Handbücher aus neuerer Zeit\nist das „ „Lehrbuch der Harmonie\"\" von E. F. Richter,\nwelches Buch in einem Zeiträume von sieben Jahren in\ndritter Auflage erschienen, und an dem wohl nur wenige\nAusstellungen zu machen sein dürften.\n„Soll nun die junge Anstalt prosperiren, und will sich\ndieselbe insbesondere einer Vereinigung mit der Mozart-\nStiftung würdig machen, so ist eine Reorganisation ihrer\ninneren und äusseren Einrichtungen dringend nöthig. Man\nkann auch mit wenig Miltein viel Gutes leisten, im Kleinen\nGrosses vollbringen. Vor Allem befolge man genau den\nUnterrichts-Plan. Warum keine Geschichte der Musik\ngelehrt, kein gemeinschaftliches oder Chorsingen, so weit\nes die Stimmkräfte zulassen, und kein Ensemblespiel\n—womit selbstverständlich jetzt noch nicht das Executiren\ngrosser orchestraler Werke, sondern das Einüben einfa-\ncher und leichter, den Kräften der Zöglinge angemessener\nmehrstimmiger Instrumentalstücke, wobei die Herren Leh-\nrer selbst thätig mitwirken, gemeint sein kann—betrieben\nwurde, bleibt unerklärlich. Ferner sollte während der\nPrüfung ein Rechenschafts-Bericht über den je vor-\nausgegangenen Lebrcursus vorliegen; aber nicht einmal\nein Prüfungs-Plan kam am 28. März zu Gesicht. Die-\nser Bericht hätte dann Aufschluss über die Anzahl der\nZöglinge und resp. auch später über jene der Abiturienten\nzu geben; ferner, mit welchen Vorkenntnissen die Aufge- s\nnommenen in die Anstalt eintraten, um die Fortschritte bei\nder Prüfung richtig beurtheilen zu können, wodurch dann"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.7", "texte": "auch der Schein von Prunksucht und Charlatanerie fern\ngehalten bleibt, dessen Aufdrängen bei der ersten Prüfung\nwährend des Ciavierspiels einiger Mädchen und des Solo-\ngesanges die Anwesenden sich nicht ganz erwehren konn-\nten. Weiter hätte der Bericht anzugeben, wie viele Unter-\nrichtsstunden wöchentlich für je die verschiedenen Lehr-\nund Unterrichtsfächer eingeräumt sind, insbesondere ob\nin den praktischen Fächern, und in welchen, die „gleich-\nzeitige Theilnahme Mehrerer\" u. s. w. derart zu verstehen\nsei, dass mehrere Eleven gemeinschaftlich oder nach\nund nach einzeln während der betreffenden Stunde sich\nunter den Augen des Lehrers üben. Endlich wie viele\nClassen nöthig, und in welcher Anzahl dieselben von Zög-\nlingen besucht waren; welche Lehr- und Unterrichtswerke\neingel ührt sind, und wie weit man in denselben vorge-\nschritten\" u. s. w. u. s. w.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJBerlin. Frau Jachmann-Wagner trat am 28. April zum\nletzten Male vor ihrem Urlaub auf. Sie hatte als Abschiedsrolle die\nLady in Taubert's „Macbeth* gewählt.\nBei der kürzlichen Aufführung der hohen Messe von J. S. Bach\ndurch den Stern'schen Verein in Berlin wurde als instrumentale\nErgänzung auch die Orgel hinzugezogen, und soll namentlich im\nIn carnatus, in der Bass-Arie Et in Spiritum sanctum und in der\nAlt-Arie Agnus Del ihre Wirkung eine günstige gewesen sein. We-\nniger glücklich war ihre Behandlung in der Bass-Arie Quoniam tu\niolus sanctus. Hervorgehoben wird bei dieser Aufführung auch die\nvorzügliche Ausführung der Trompeten; die Sicherheit und Klarheit,\nmit welcher die erste Trompete das zweigestrichene a und e genom-\nmen, sei ein Beweis für die Ausführbarkeit der für die alten, ausser\nGebrauch gekommenen Trompeten geschriebenen, Stimmen durch\ndie jetzigen Trompeten.\nAn Stelle des verstorbenen Pätzold in Königsberg sind die\nHerren Lau dien und Ad. Jensen zu Dirigenten gewählt worden.\ntl» 71« Am 18. April trat unser allverehrter\nTonmeister Xaver Schnyder von Wartensee in sein 75. Le-\nbensjahr. Derselbe ist zur grossen Freude seiner zahlreichen Freunde\nim Besitze der besten Gesundheit.\n6. Mai. Das gegenwärtige, gestern im Tannhäuser\nbegonnene Gastspiel der Frau J achmann -W agner hat seine\neigene Bedeutung; die berühmte Künstlerin tritt mit demselben als\nSängerin von der Bühne zurück, um ihre fernere theatralische Thä-\ntigkeit versuchsweise dem Schauspiel zu widmen. Wie man den\nvorzunehmenden Wechsel auch deuten mag, ein sinniger Gedanke\ndarf es genannt werden, dass Frau Jachmann-Wagner den bezeich-\nneten Kücktritt an der Stätte begeht, wo sich zuerst die Schwingen\nihres schönen Talentes entfalteten und wo sie eine Reihe von Jah-\nren hindurch mit begeisterter Hingabe für die Kunst gewirkt hat.\nRühmlich auch und höchst achtunggebietend ist der Entschluss, bei\nguter Zeit und freiwillig auf eine Thätigkeit zu verzichten, die trotz\nder auch heute noch zu dringenden bedeutenden Erfolge ohne Zwei-\nfel der Künstlerin selbst keine volle Genugthuung mehr gewährt.\nEs gehört viel Selbsterkenntniss und Selbstüberwindung dazu, wie sie\nnicht Jedem gegeben; mögm Andere, die es angeht, sich daran ein\nBeispiel nehmen und erkennen lernen, dass dem echten Talente die\nKunst höhei stehen als die kleinliche Befriedigung selbsti-\nscher Zwecke.\n. \\\nMagdalena Nottes, königlich hannoverische Opernsängerin,\nwelche am 5. d. Mts. starb, war in Wien den 4 April 1823 gebo-\nren, J ochter eine k. k. Schulbeamten, der ihr die sorgfältigste Er-\nziehung angedeihen liess. Da im Elternhause leidenschaftlich Musik\ngotrieben wurde, fand auch das Kind grosse Neigung für dieselbe,\nlernte Pianoiorte und Gesang, erhielt später Unterricht für die Bühne\nund wurde für kleinere Partieen im Hot-Operntheater verwandt. Sie\nsang die Hedwig im „Teil , Clotilde in „Norma\" u. s. w. Schon\n1842 wirkte sie in der italiänischen Oper zu Wien neben der Ta-\ndolini, Frezzolini u. s. w., in der deutschen Saison neben der Lutzer\nund Hasselt als Donna Elvira, Adalgisa, Valentine u s. w. 3844\nvermählte sie sich mit dem Magistrat -Beamten Herrn Kratoch-\nwill 1846 wurde sie vom Director Holbein nach Hannover em-\npfohlen, woselbst eine ausgezeichnet geschulte erste Sängerin ge-\nsucht wurde, begab sich dahin und wirkte seitdem als Liebling des\nPublicums bis auf die letzte Zeit\nAnton Rubinstein wird in wenigen Tagen in Wien erwartet.\nSeinen Sommer-Aufenthalt nimmt er dieses Jahr in der Schweiz.\n\"liVioilj 11. Mai. R. Wagner ist hier angekommen, um seinen\nLohengrin zu hören. Wir zweifeln nicht, dass das wiener Theater-\nPublicum, welches zwar auch für Meyerbeer und Verdi schwärmt,\nihn für die in Paris erlittene Schlappe reichlichst entschädigen wird.\nDen Antrag von Prag aus, seine Nibelungen für die Krönungs-\nfeierlichkeiten zu überlassen, hat Wagner abgelehnt. Er will im\nSeptember erst eine Muster-Aufführung von Tristan und Isolde ver-\nanstalten und dann eine eben solche von den Nibelungen.\nAm 12. Alai wurden drei Mitglieder des Comite's zur Hebung\nder Kunst in Oesterreich, die Herren Dr. Fr an kl, Laroche und\nHerbeck, vom Herrn Staats-Minister v. Schmerling empfangen.\nSe. Excellenz ertheilte der Absicht des Comite's, die diesfälligen\nWünsche beim Reiehsrathe im Wege einer Petition einzubringen,\nnicht nur seine volle Zustimmung, sondern munterte zugleich das\nComite auf, die Petition nicht bloss in allgemeiner Form zu halten,\nsondern bestimmte Anträge zu stellen. Unter den letzteren werden,\nso viel bis jetzt verlautet, enthalten sein: a) Die musicalische und\ndramatische Kunst betreffend, die Errichtung eines grossartigen Con-\nservatoriums für Musik in Verbindung mit einer Opern- und\nschule, b) Die bildende Kunst betreffend, Anweisung entsprechender\nMittel aus den Landesfonds zur Errichtung öffentlicher Denkmäler,\n\\\nmalerischer Ausschmückung öffentlicher Gebäude, Anlegung einer\nGalerie für moderne Kunst u. A c) Die Literatur betreffend, Erthei-\nlung von Reise-Stipendien, Schutz des literarischen Eigenthums wie\ndes Eigenthums der Idee überhaupt, allgemeine Einführung des Tan\ntiemen-Princips. Betraut mit der Abfassung des Entwurfs der\nDenkschrift ist Herr Dr. L. A. Fr an kl.\nIm Hof-Operntheater hat Herrn Bailetmeisters Teile neue« ko-\nmisches Ballet „Rosine\" vielfachen Beifall gefunden. Der Stoff ist\ndem „Barbiere\" treu nachgebildet, die von Herrn Doppler compo-\nnirte oder arrangirte Musik ist in gefällig ansprechender Weise ge-\nhalten und vielfach mit Rossini'aehen Motiven verwebt. Vom künst-\nlerisch choreographischen Standpunkte lässt sich wenig Rühmendes\nüber diese Ball-Novität sagen Die Geschmacksnerven des modernen\nPublicums fragen im Allgemeinen auch wenig nach einem künst-\nlerischen Stil-Tan-4. Architektonische Symmetrie der Gruppirungen\nund akrobatische Gelenkigkeit der Solisten reizt und befriedigt sie\nhinlänglich. Der Idee nach alt genug, abjr vortrefflich einstudirt\nund rcongruent\" ausgeführt war der „Spiegeltanz* im dritten Acte\nmit Fräulein Couqui vor und Fräulein Millerscheck hinter dem"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610518-01.1.8", "texte": "Spiegel. An häufigem Applaus und Hervorruf auch des Ballet-\nComponisten fehlte es nicht.\nSe. Durchlaucht der als Musikfreund bekannte und um die Mu-\nsik-Zustände Wiens sehr verdiente Fürst Georg Czartoryski\nhat sich am 2. Mai mit einem bürgerlichen und hochgebildeten\nMädchen, Fräulein Marie Czermak, vermählt.\nDie „Deutsche Musik-Zeitung* Nr. 18 enthält folgendes Einge-\nsandt : „In der vorigen Nummer dieser Zeitung wurde gesagt, dass\ndie wiener Sing-Akademie, um den Redoutensaal zu füllen, viele\nFreikarten ausgebe. Es würde nicht geschadet haben, wenn beige-\nfügt worden wäre, dass sämmtliche wiener Musik-Vereine zu\ndiesem Mittel greifen; denn es gibt in Wien factisch nicht mehr\nals 500 Menschen, die gute Musik lieben und dafür so viel Geld\nauszugeben im Stande sind, als nöthig ist, um die philharmonischen\nund Gesellschafts-Concerte, die Quartette Hellmesberger's und die\nConcerte der grossen Gesang-Vereine besuchen zu können. Veritas.u\nIn Salzburg ist nach dem Tode des Capellmeisters Taux die\nStelle eines Capellmeisters des Dom-Musikvereins und Directors des\nMozarteums öffentlich ausgeschrieben. Gesuche sind bis Ende Juni\nd. J. einzureichen.\nAuf den Brief R. Wagner's (s. Nr. 17 d. Bl.) erwidert der\nConstitutionnel Folgendes: „HerrjWagner ist in seinen Briefen nicht\nglücklich. Er scheint zu glauben, dass seine Oper ausgepfiffen wor-\nden, weil kein Ballet darin vorgekommen sei. Das ist aber ein Irr-\nthum. Der Tannhäuser wurde ausgepfiffen, weil man ihn sehr lang-\nweilig, unklar, weitschweifig, unmelodisch und antimusicalisch fand.\nWenn ein Ballet darin gewesen wäre mit einer Musik im Genre des\nfamosen Bacchanale, so würde man nur eine halbe Stunde früher\ngepfiffen haben Das ist Alles. Die Abonnenten der Oper sind weder\nso einfältig, noch so lächerlich, sich bei den Musikern der Zukunft\neinschmeicheln zu wollen. Sie lieben und verstehen die schöne Mu-\nsik, die Musik der Vergangenheit, die Musik der Gegenwart, die\nunvergängliche Musik, die Herrn Wagner nicht behagt. Sie haben\nMozart, Beethoven, Haydn und Weber Beifall geklatscht, so oft die\nGesellschaft aus dem Conservatorium die Werke dieser Meister zu\nden Benefizen der Künstler-Casse gespielt hat. Nicht ein Abonnent\nhat da seine Loge durch seinen Sitz unbesetzt gelassen, und es ist\nkein Ballet darin gewesen.\"\nParis« Man wird hier ausserordentlich classisch in der Musik.\nEs ist ernstlich davon die Rede, Gluck's Alceste wieder in\nScene zu setzen, und zwar mit Madame Viardot, welche auf drei\nMonate an der grossen Oper engagirt worden ist. In einer Beuefiz-\nVorstellung im Thedtre lyrique kam der dritte Act von Gluck's\nArmide vor freilich sehr unclassischer Weise der dritte\nAct der Sonnambula folgte!), und eine andere zum Vortheil der Ma-\ndame Viardot seibst bringt die Hauptscenen der Alceste, den ersten\nAct von Maria Stuarda durch die Ristori und den dritten Act des\nOthello mit Madame Viardot und Duprez! Ausser der Alceste\nwird Weber' s Freischütz eifrig studirt.\nUeber die Aufführung von zwei Musikstücken aus H. Berlioz'\nneuer Oper Les Troyens in einem hohen Cirkel berichtet der musi-\ncalische Referent des Moniteur (de Rovray-Fior.): „Das erste dieser\nStücke, ein grosses Lniett, ist in grossem Stil geschrieben, voll wah-\nren Ausdrucks der Leidenschaft, der flehenden Bitte und furchtbarer\nDrohung Gluck hätte es nicht anders schreiben können. Das\nzweite Duett zwischen Aeneas und Dido (Lefort und Mad. Charton-\nDemeur) ist eine wunderbare Perle an Gefühl, Anmuth, Reiz, himm-\nlischer Wollust (voluptö Celeste!) und musste wiederholt werden.a\nGut gebrüllt!\nDie italiänische Oper hat während der sieben Monate der\neben geschlossenen Saison eine Einnahme von 809,818 Fr. gehabt,\nmithin im Durchschnitt 6692 Frcs. bei jeder Vorstellung. Die Gagen\nder ersten Sänger und Sängerinnen haben davon die Hälfte, beinahe\n400,000 Fr, verschlungen. Nimmt man nun alle übrigen Ausga-\nben dazu, Chor, Ballet, Orchester, Tageskosten, Verwaltung u. s. w.,\nso wird man einsehen, dass trotz der kaiserlichen Unterstützung es\nnicht leicht ist, das Schiff ohne Verlust im Fahrwasser zu halten.\nAuf nächsten Winter wieder engagirt sind unter Anderen die Damen\nPenco, Battu, Alboni und Trebel li, die Tenöre M ario (ohne\nGrisi) und Beiart, Bariton Badiali u. s. w.\nWeil wir einmal bei den Einnahmen sind, so haben im Monat\nApril: 1) die kaiserlichen unterstützten Theater 500,723 Fr. ein-\ngebracht; 2) die Theater zweiten Ranges 849,640 Fr.; 3) Concerte\nund Bälle 194,965 Fr.; 4) verschiedene Schau-Ausstellungen (denn\ndie Affen- und Hunde-Komödien, Bärentänze u. dgl. sind ebenfalls\nden Armen-Abgaben unterworfen und werden in der Residenz Paris,\nwelche für die ganze Welt den feinen Ton und Geschmack für Kunst\nangibt werden hier stets zu den künstlerischen Leistun-\ngen gerechnet) 30,130 Fr. im Ganzen 1,635,460 Fr\nLiszt ist hier. Sivori ist von seiner Reise an den Rhein und\ndurch Belgiep auf kurze Zeit hieher zurückgekehrt. Eben so Ro-\nger, der auf seinem Schlosse Villiers ein Gesang-Conservato •\nrium eingerichtet hat, das schon einige Schülerinnen aus Deutsch-\nland zählt."}]}