{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-06-08-01", "volume": "bmtnabi_1861-06-08_01", "ocr_sha256": "e7ad5fb518c11082ec47e25ec02d1f8f0c2a21afe19aae46ddf8433b7b14b201", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/06/08_01/bmtnabi_1861-06-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-06-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nDas 38. niederrheinische Musikfest. 111. (Missa solemnis Mozart's Sinfonie in C-dur Handelns „Josuau Künstler-\nConcert). Aus Holland (Concert in Amsterdam Deutsche Oper in Rotterdam). Von S. Tages- und Unterh al tungs blatt\n(Köln, Capellmeister F. 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Es bleiben uns nur\neinige Bemerkungen über die Ausführung übrig.\nDiese ist freilich ausserordentlich schwierig, nament-\nlich für den Chor und für die Solostimmen; denn die heu-\ntigen Orchester, welche die Schule der Beethoven'schen\nSinfonieen durchgemacht haben, finden sich schon leichter\nauch in diesem aller gewöhnlichen Maasse und Verhält-\nnisse spottenden Werke zurecht. Unserer Ansicht nach\nwir wissen, dass Viele, und nicht bloss unter den Laien,\nanders darüber denken ist der einzige Vorwurf, den\nman Beethoven mit Recht in der e machen\nkann, die rücksichtslose Behandlung der Singstimmen. Ne-\nben den vielen Stellen, die unnachahmlich schön für die\nmenschliche Stimme, wenn nur die rechte Seele ihr nicht\nfehlt, geschrieben sind, kommen auch solche vor, beson-\nders im Chor, welche alle und jede Rücksicht auf Sang-\nbarkeit verläugnen. Das ist offenbar ein Fehler, der durch\ndie Genialität nicht zu entschuldigen ist; denn wenn ein\nGenie einmal für menschliche Stimmen schreibt, so muss\nes sein Material kennen, eben so gut, wie es die Instru-\nmente kennen muss. Es wird sich wohl wahren, z. B. für\ndas Horn anders zu schreiben, als dessen Natur es erlaubt,\nu. s. w. Bei seinen Compositionen aus der letzten Zeit aber\nhat Beethoven die Singstimme gerade so behandelt, wie\nein Saiten-Instrument, auf dem man durch den Einsatz des\nFingers auf allen beliebigen Sprossen der Tonleiter einen\nTon hervorbringen kann. Seine prächtigen Chöre in der\nMesse und in der neunten Sinfonie würden jedenfalls eine\nnoch grössere Wirkung machen, wenn sie sich in einem\nanderen, den kräftigen und wohllautenden Gesangs-Regio-\nnen jeder Stimme angemesseneren Verhältnisse zu der In-\nstrumentirung bewegten.\nUm so grösser ist das Verdienst eines Sängerchors,\nwelcher sich mit Muth an die gefährliche Aufgabe macht\nund sie zur Befriedigung lös't. Möglich ist das Letzterp\nallerdings; es bestätigt sich hier der Grundsatz Napoleon\n1., dass man von den Menschen das Unmögliche verlangen\nmuss, um das Mögliche zu erhalten.\nDie fehlerfreie und nicht nur correcte, sondern meist\nauch schwungvollle Ausführung der Chöre konnte nur das\nResultat höchst einsichtiger und sorgfältiger Einübung sein,\nwelche sowohl dem Herrn Musik-Director Wüllner als\nsämmtlichen aachener Sängerinnen und Sängern, die den\nStamm des Chors bildeten, zu grosser Ehre gereicht. Ein\nseltener Vorzug des Gesammt-Tones war es, dass die Mit-\ntelstimmen, Alt und Tenor, vorzüglich gut besetzt waren.\nDie Soli in der D-dur-Messe gehören ebenfalls zu den\nschwierigsten Aufgaben für die Sänger; ein vollkommen\ngenügender Vortrag derselben erfordert eine eben so sorg-\nfältige und wiederholte Uebung der vier Stimmen zusam-\nmen, wie die Chöre, wenn eine von allem Schwankenden\nfreie Correctheit und ein gemeinsames Verständniss und\ntiefes Eingehen in den Geist des Werkes und in die Inten-\ntionen des Componisten erzielt werden soll. Die gewöhn-\nliche Gesangkunst reicht für diese Musik nicht aus, und\nes ist schon sehr anerkennungswerth, wenn die Sänger\nsich der erhöhten Forderungen bewusst sind, und ein jeder\nfür sein Theil nach dem Besten strebt, was er zu geben\nvermag. In diesem Sinne war die Ausführung der Soli\ndurch die Damen Rübsamen-Veith und Potthoff-\nDiehl und die Herren Schneider und Krause, wenn\nauch nicht der Glanzpunkt, der in Chor und Orchester\nlag, wie es auch offenbar von Beethoven beabsichtigt ist,\ndoch eine dankbar aufzunehmende Mitwirkung zur Ver-\nherrlichung eines Meisters, dessen Ideen zu erhaben und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5296, "texte": "dessen Phantasie zu reich und hochfliegend waren, um\nbei dem, was er schuf, an die Sänger zu denken. Diese\nmögen ihren Stolz darein setzen, dass nur deutsche Sän-\nger im Stande sind, dem Fluge der Phantasie Beethoven's\nin diesem Werke zu folgen, und müssen bei der Ausfüh-\nrung sich als Priester betrachten, die dem Ruhme des un-\nsterblichen Meisters ein freudiges Opfer am Altare der va-\nterländischen Kunst bringen. Frau Rübsamen-Veith\nbewährte sich in der trefflichen Durchführung der ersten\nStimme als eine Sängerin von so fest musicalischer Sicher-\nheit und bei schöner, überall klangvoller Stimme so gebil-\ndeter Technik, dass ihr schwerlich eine andere in Deutsch-\nland in der kunstgerechten Ausführung dieser hohen und\nin jeder Hinsicht enorm schwierigen Sopran-Partie zur\nSeite gestellt werden kann.\nHerr Capellmeister Lachner hielt die gewaltig wo-\ngenden Tonmassen als bewährter Steuermann in den vor-\ngeschriebenen Bahnen. Er gehört auch zu den eben nicht\nzahlreichen Leitern grosser musicalischer Institute, welche\ndie Aufgabe nicht scheuten, das riesige Werk im Sinne\ndes Schöpfers desselben ins Leben zu rufen, indem er die\nMissa solemnis am 1. November 1856 im Odeon zu Mün-\nchen zur Aufführung brachte.\nFür den zweiten Festabend waren Mozart's grosse\nSinfonie in C-dur, Op. 38, und Händel's Oratorium\n„Josua\" bestimmt.\nNach dem, was wir bereits über das Orchester des\ndiesjährigen Festes bemerkt haben, wird man nichts An-\nderes erwarten, als dass die Sinfonie vortrefflich ausge-\nführt wurde. Unsere Befriedigung störte indess namentlich\nim Finale das zu schnelle Tempo, bei welchem z. B. von\nden contrapunktischen Imitationen fast nur die accordlichen\nEinsätze, nicht aber auch die dazu gehörigen Achtel-Figu-\nren deutlich in den verschiedenen Instrumenten vernom-\nmen wurden. Die schönste Ausführung wurde dem\ndante cantabile zu Theil.\nDas Oratorium „Josua\" kam zum dritten Male auf\ndem niederrheinischen Musikfeste zur Aufführung: zu-\nerst 1838 in Köln unter Mendelssohn's, dann 1845 in\nDüsseldorf unter J. Rietz's Leitung, mit dessen Instrumen-\ntirung es auch jetzt in Aachen gegeben wurde.\nin Aachen denkt man bei der Aufführung eines Ora-\ntoriums von Händel unwillkürlich daran, dass die Heil-\nquellen dieser Stadt ihm die Lebenskraft wiedergegeben\nhaben, ohne deren Erneuerung und Stärkung die Welt\ndie Meisterwerke seiner letzten Thätigkeit im Schaffen gar\nnicht erblickt hätte. Seine Gesundheit war durch über-\nmässige Anstrengungen, Aufregungen und Widerwärtig-\nkeiten in dem achtjährigen Kampfe um seine Opern-Un-\nternehmung gänzlich zerrüttet worden. Kaum über fünfzig\nJahre alt, versank er oft in starres Hinbrüten und war\nschwer zu bewegen, irgend einen entscheidenden Schritt\nzu thun. Da brachten ihn auf den Rath der Aerzte seine\nFreunde nach Aachen, wo er im Spätsommer des Jahres\n1737 (nicht 1736, wie in allen biographischen Wörter-\nbüchern steht) fast auf wunderbare Weise von seinem hart-\nnäckigen Uebel genas. Denn nach seiner Persönlichkeit,\ndie Alles stürmisch und gewaltsam betrieb, verweilte er in\ndem Bade gleich von Anfang an drei Mal länger als alle\nanderen Kranken, und siehe da! nach wenigen Bädern\nwar sein Uebel spurlos verschwunden, und er wallfahrtete\nnach der Kirche zur Orgel, um gesund und wieder völlig\ngelenk Gott sein Dankopfer zu bringen, und sein herrliches\nOrgelspiel erhöhte den Eindruck des Ereignisses, welches\nwirklich als ein Wunder gepriesen wurde. Doch blieb er\naus Vorsicht im Ganzen sechs Wochen in Aachen und\nkehrte erst Anfang Novembers nach London zurück.\nMit dem Aufleuchten einer neuen Morgensonne für\nsein Leben kam ihm auch das Bewusstsein, dass auch für\nseine Kunst ein neuer Morgen anbrechen werde. Und so\nward es auch. Schon im folgenden Jahre setzte das Ora-\ntorium „Israel in Aegypten\" die Welt in Erstaunen; ihm\nfolgte „Saul\", dann der „Messias\"! Die neu gestärkte\nKraft des Genius hatte das hohe Ziel erreicht, welches die\nBegeisterung für die reine Tonkunst ihm längst gezeigt\nhatte, und von jetzt an verschmähte er es, Opern für den\naugenblicklichen Erfolg zu componiren, und schuf Werke\nfür die Unvergänglichkeit.\nZu diesen gehört sein „Josua\", eines der letzten\nOratorien, die er schrieb; ihm folgten nur noch vier: „Su-\nsanna\", „Salomon\", „Theodora\" und „Jephta\", das letzte,\nwelches er im Jahre 1751 schon halb erblindet compo-\nnirte. Wir haben demnach im „Josua\" noch ein Werk\naus der Zeit der vollsten Reife des Meisters.\nDie Aufführung in Aachen war eine der schönsten,\ndie man hören kann. Alles in Allem genommen, müssen\nwir ihr die Palme des Festes zuerkennen. Die Ausführung\nder Chöre war noch sicherer, lebendiger, schwungvoller\nals in der Beethoven'schen Messe; auch mochten sich die\nMassen mehr an die Leitung und die Tempi des Dirigen-\nten gewöhnt haben, so dass Alles seinen Winken aufs ge-\nnaueste folgte, und überall neben der Kraft und Tonfülle\ndie Sängerschar mit einer Geschlossenheit in das musica-\nlische Treffen rückte, welche allen Widerstand der Kritik\nniederwarf und den Sieg unzweifelhaft machte. Jedenfalls\ntrug auch die akustisch günstige Localität zu dieser Wir-\nkung bei, indem es in dem aacbener Theater überhaupt\ngut klingt, dazu aber noch die Tonbühne, auf richtige\nWeise sehr hoch stufenmässig aufgebaut, muhr Tiefe als\nBreite hat und, von festen Holzwänden zu beiden Seiten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5164, "texte": "und im Rücken eingeschlossen, den Klang concentrirt und\nin seiner ganzen Fülle in den Halbkreis des Zuschauerrau-\nmes hinauswirft.\nGleich der erste Chor in B-dur\\ „Ihr Söhne Israels\",\nmit dem majestätischen Eintritt des JEs-dur: „In Gilgal\nund am Jordanstrom\", zeigte, was man zu erwarten hatte\nvon so trefflichen Kräften und Studien. Im zweiten (Nr. 8)\nglaubte man es zu hören, wie „die Wellen des Jordans\nrückwärts zu der Quelle rollen\", und der Schluss-Chor\ndes ersten Theiles: „Das ganze Heer des Himmels sei sein\nSchutz\", rief mit Recht einen Sturm von Applaus hervor.\nDennoch schlug gleich zu Anfang des zweiten Theiles die\nPracht der Composition und der Ausführung der Tenor-\nArie und des Chors in D-dur:„Glorreich ist Gott!\" noch\ngewaltiger durch. Sowohl die Solo-Trompete als der Solo-\nTenor (Herr Schneider) setzten mit bewundernswerther\nKühnheit ein, die erste Periode des Tenors hatte einen\nwahrhaft triumphirenden Ausdruck, und als der Chor ein-\nfiel, trat das Bild eines gottbegeisterten Heeres, das zur\nVernichtung des Feindes ausrückt, dem Zuhörer lebendig\nvor die Seele. Und welch ein Moment, als plötzlich\ndante in H-moll)„die Völker beben der Himmel don-\nnert—der Sturm ras't—die Erde ächzt\", und dann wieder\ndas Heer in jubelndem Aufschwung Gott preist, im festen\nGlauben, dass er seine Verderber ihm voranziehen lässt,\nauf Jericho niederzufallen. Nur ein Händel konnte dieses\nerschütternde und zugleich erhebende Gemälde durch so\neinfache und doch so grossartig wirkende Farben in Tönen\nhervorzaubern. Konnte man es der begeisterten Zuhörer-\nschaft verdenken, wenn sie im Beifall kein Maass fand und\ndas Ganze noch einmal hören wollte? Dank, wärmster\nDank gebührt dem Chor, der den ungestümen Wunsch\nerfüllte und die ganze prachtvolle Nummer noch einmal\nmit recht frischer Sangesfreude wiederholte.\nHiernach konnte es nicht ausbleiben, dass der glän-\nzende Siegesgesang in G-dur(Nr. 53), mit welchem die\nJungfrauen und dann das ganze Volk den zurückkehren-\nden Helden-Jüngling empfangen, und welchen Händel aus\ndem Judas Maccabäus hier wieder eingeschaltet hat, eben-\nfalls einen unendlichen Applaus und dasselbe stürmische\nVerlangen nach Wiederholung hervorrief.\nAber auch die Künstlerinnen und Künstler, welchen\ndie Sologesänge im Josua anvertraut waren, befanden sich\nhier auf weit zuverlässigerem Boden als in der Beethoven'-\nschen Messe und leisteten alle Vorzügliches. Das Publicum,\nwelches überhaupt sehr dankbar war, was zum erhöhten\nGelingen der Kunstleistungen ohne Frage stets viel bei-\nträgt, erkannte dies durch den ehrenvollsten und lebhafte-\nsten Applaus an.\nSo wirkte denn Alles zusammen, dass der zweite Fest-\nabend als einer der schönsten musicalischen Pfingst-Feier-\nlage lange in der Erinnerung aller Theilnehmer bleiben\nwird. Was aber dem Freunde und Verehrer der wahren\nKunst am meisten Freude machen muss, ist, dass der be-\ngeisterte Beifall, der einer solchen Aufführung eines sol-\nchen Werkes von einem so zahlreichen Publicum gezollt\nwurde, eine sichere Bürgschaft gegen die Gefahr einer Ge-\nschmacksverderbung durch die neueste Schule ist. Ein\nHändel'sches Oratorium, das eine so enthusiastische Auf-\nnahme findet, wie der Josua in Aachen, und der Eindruck,\nden die Aufführungen der Bach'schen Matthäus-Passion\nvor dem Osterfeste in den Städten am Niederrheine seit\nJahren machen, sind eine eindringliche Lehre für die Welt\nder lonkunst und bestätigen den Ausspruch Schiller's:\n„Uebcrall, wo die Kunst gesunken, ist sie durch die Künst-\nler gesunken.\"\nAm dritten Festtage fand das so genannte Künstle r-\nConcert Statt, das seinen Namen von seiner Bestimmung\nhat, der Meisterschaft der einzelnen Künstler, der Virtuo-\nsität im edleren Sinne, ihr Recht widerfahren zu lassen\nSeit 183-3 hat sich das dritte Concert nach und nach bei\nden Musikfesten eingebürgert und schon manche herrliche\nGenüsse gebracht. Das Programm des diesjährigen prangte\nmit zwei Künstlernamen, welche Deutschlands Stolz sind:\nClara Schumann und Joseph Joachim. Frau Schu-\nmann trug das Clavier-Concert in von Robert\nSchumann, eine geniale Composition voll grosser Schön-\nheiten, Herr Concert-Director Joachim das Violin-Concert\nvon Beethoven vor. Dass Beide durch ihre echt künst-\nlerischen, in jeder Hinsicht vollendeten Leistungen das\nPublicum begeisterten und entzückten, bedarf keiner Ver-\nsicherung.\nVon den Vocal-Solisten sang Frau Rübsamen-Veith\ndie glänzende Sopran-Arie auf das Wort „Halleluja\",\nwelche Händel nachträglich zu seinem ersten Oratorium\n„Esther\" geschrieben hat, mit grosser Bravour und musste\nsie wiederholen; Frau Potthoff-Diehl die Arie „Ah!\nrendi-mi\" ausMitranes vom Abbate Franc. Rossi (1686)\nebenfalls mit grossem Beifall; Herr Schneider mit Ap-\nplaus die Romanze aus Weber's Euryanthe: „Unter blüh'n-\nden Mandelbäumen\"; Herr Krause Figaro's kriegerische\nArie von Mozart, die er auf lautes Verlangen mit dem\nitaliänischen Original-Texte wiederholte. Ausserdem wurde\ndas Benedictus aus der Beethoven'schen Messe mit dem\nViolin-Solo (Joachim) wiederholt. Das Programm zeichnete\nsich durch die Wahl classischer Concertmusik aus und\nhielt mit Recht Walzer-Arien und Instrumental-Kunst-\nstücke von dem Musikfeste fern.\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1837, "texte": "Den Rahmen, welcher die genannten Einzel-Vorträge\numschloss, bildeten C. M. v. Weber's Ouvertüre zu Obe-\nron und eine neue Compositum von Franz Lachner:\n„Präludium und Fuge für grosses Orchester\", ein bedeu-\ntendes Werk, dessen erster Theil, das Präludium in 3/V\nTact D-moll,besonders originel ist; ihm schliesst sich ein\nkurzer Zwischensatz in D-durvon langsamem Zeitmaass\nund diesem die glänzende, höchst wirkungsvolle Fuge eben-\nfalls in D-dur an, in deren Ausführung das Orchester durch\nPräcision, Feuer und Schwung dem Componisten seine\nHochachtung zollte; namentlich entfaltete das Geigen-Quar-\ntett eine imponirende Kraft.\nDen Schluss des Concertes und des ganzen Festes\nmachte eine erhebende und herzerfreuende Ausführung des\ngrossen Chors aus Vater Haydn's Schöpfung: „Die Him-\njnel erzählen die Ehre Gottes\". Das Haus hallte von er-\nschütterndem Applaus wieder.\nSchliesslich haben wir noch zu berichten über die Ver-\nsammlung am Pfingst-Abend, den 18. Mai, welche die\naachener Liedertafel in dem neuen schönen Saale des\nHerrn Bernarts veranstaltet und dazu die anwesenden Mu-\nsiker und Festgenossen auf das freundlichste eingeladen\nhatte. Wir hörten hier in einer zahlreichen Gesellschaft\nvon Damen und Herren recht schöne Vorträge von Liedern\nvon F. Lachner, Hiller, Mendelssohn, Girschner und Esser\nunter der geschickten und sicheren Leitung des Herrn Con-\ncertmeisters Fritz Wenigmann, Dirigenten der Lieder-\ntafel. Den Schluss des Programms bildeten zwei der schö-\nnen, frischen Quintette von Hiller: „Lebenslust\" und\n„Frühlings-Einzug\" für Sopran-Solo und Männerchor.\nFrau Katharina Neuss, geborene Deu tz, halte das Solo\nfreundlichst übernommen und entzückte durch den sympa-\nthischen Ton ihrer lieblichen Stimme und durch den-rei-\nzenden Gesang, welcher „Lebenslust\" und „Frühlings-\nduft\" in voller Wirklichkeit athmete."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-06-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "183", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.2.3", "titre_corps": "Aus Holland.", "titre_sommaire": "Aus Holland.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.4", "debut_caractere": 1839, "fin_caractere_exclue": 5061, "texte": "Aus Holland.\n\n[Concert in Amsterdam: W. F. Thooft's Sinfonie mit Chor\n»Kaiser Karl V.Ä, L. Spohr's Oratorium »Der Fall Babylons*.\nDeutsehe Oper in Rotterdam.]\nIndem ich Bezug nehme auf den in Ihrer Musik-Zei-\ntung (Nr. 3 vom 19. Januar d. J.) gegebenen Auszug aus\ndem „Jahresbericht unseres Vereins zur Beförderung der\nTonkunst\", erlaube ich mir, Ihnen eine ausführlichere\nMittheilung über die dort erwähnte Sinfonie mit Chor „Kai-\nser Karl V.\" und deren Aufführung zu machen, die Ihnen\nvielleicht nicht uninteressant sein dürfte. Die Aufführung\nfand am 6. April in Amsterdam durch die dortige Ab-\ntheilung des oben genannten Vereins Statt. Das Programm\nbestand aus:\nI. Sinfonie mit Chor: „Kaiser Karl V.\" von W. F.\nThooft.\n11. „Der Fall Babylons\", Oratorium von L. Spohr.\nBeide Werke wurden hier zum ersten Male zu Gehör ge-\nbracht. Veranlassung zur erstgenannten Composition gab\neine Preis-Ausschreibung des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst, deren Zweck war, ein Tonwerk ins Leben zu\nrufen, worin die sinfonische Verbindung des Gesanges mit\ndem Orchester in vollendeter Form dargestellt sein sollte.\nEs war daher den Componisten die Bedingung gemacht,\nkeine besonderen Instrumentalsätze zu schreiben, wie sol-\nches in Beethoven's neunter Sinfonie oder in Mendelssohn'ä\nLobgesang der Fall ist, sondern in allen Theilen der Sin-\nfonie den Gesang mit dem Orchester zu verbinden. Es ver-\nsteht sich, dass für diesen Zweck ein besonderes Gedicht\nverfertigt werden musste. Für die erste Preis-Ausschrei-\nbung im Jahre 1856 hatte Dr. Heye das Gedicht: „Un-\nsterblichkeit\", verfertigt. Jedoch nur Eine Composition des-\nselben ging ein, welche als ungenügend bei Seite gestellt\nwurde. Abermals wurde im Jahre 1857 dieselbe Preis-\nfrage ausgeschrieben, wobei den Componisten die Bearbei-\ntung des Gedichtes „Kaiser Karl V.\" von Dr. Wap\nzur Aufgabe gestellt wurde. Darauf kamen (December\n1858) zwei Bewerbungen ein, und wurde der Composition\nvon W. F. Thooft der Preis von 200 FI. zuerkannt.\nObgleich nun das Gedicht an einigen Stellen für sin-\nfonische Bearbeitung vortrefflich eingerichtet ist, so war\ndoch die Aufgabe sehr schwer, indem der Text im Gan-\nzen dramatisch bearbeitet ist, die Musik also bei dramati-\nschem Charakter doch immer so viel wie möglich die sin-\nfonische Form bewahren sollte.\nHauptgegenstand des Gedichtes ist die Krönung des\nKaisers Karl V. zu Bologna. Diese Krönung war eben so\nmerkwürdig durch die Umstände, unter welchen sie Statt\nfand, als durch die Person des Kaisers. Karl empfing,\nnachdem er zwei Kriege, gegen die Türken und gegen\nFrankreich, glücklich geführt und Mexico und Peruseiner\nspanischen Krone hinzugefügt hatte, zu Bologna die Cha-\nlybea oder Eiserne Krone als König von Italien, und zwei\nTage später aus den Händen des Papstes Clemens VII. die\ngoldene Kaiserkrone. Karl V. war damals Kaiser von\nDeutschland, König von Italien und von Spanien, Herr der\nvereinigten Niederlande und eines grossen Theiles von Ame-\nrica—eine Weltherrschaft, welche, wenn auch von kurzer\nDauer, einzig in der neueren Geschichte da steht.\nIn den drei ersten Theilen des Gedichtes wird Karl\nals Weltherrscher, Kriegsheld, Beschützer der Kirche, wie\nauch der Künste und Wissenschaften gefeiert. Der erste"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5298, "texte": "Theil wird gebildet durch fcwei Chöre: 1) Chor von Mal-\nteser-Rittern, 2) Chor von niederländischen, deutschen\nund italiänischen Frauen. Diese beiden Chöre wechseln\nsich gegenseitig ab und vereinigen sich am Schlüsse dieses\nTheiles. Die Form ist hier streng sinfonisch beibehalten.\nDas erste Haupt-Motiv ist dem Männerchor, das zweite\ndem Frauenchor zugetheilt; im Coda vereinigen sich die\nbeiden Chöre. Das Orchester spielt eine vom Chor ganz\nunabhängige Rolle und behauptet sowohl bei der Behand-\nlung der Haupt-Motive, wie bei der Durchführung die\nInitiative und seinen besonderen Charakter. Dadurch wird\ndas Verhältniss zwischen Chor und Orchester theilweise\nein ganz neues, welches aber dem Effect des Chors nicht\nim Geringsten schadet; nur muss der Chor nicht zu\nschwach besetzt sein.\nDer zweite Theil wird gebildet von einem Chor von\nPriestern, welche Karl als Beschützer der Kirche vereh-\nren. Die Einleitung des Orchesters ist hier kürzer gehalten,\nals im ersten Theile. Die Instrumentation zeichnet sich da-\ndurch aus, dass die Partie der Violinen ganz gesondert da\nsteht und wie eine Solo-Partie dem Chor und den Blas-\ninstrumenten gegenüber behandelt ist. Die Wirkung ist\neine gute; doch dürfte eine solche Behandlung nur aus-\nnahmsweise anzuwenden sein.\nDer dritte Theil war am schwierigsten zu bearbeiten.\nDer Dichter behandelt hier wieder zwei contrastirende\nHaupt-Elemente: Karl als Kriegsheld und Karl als Frie-\ndensfürst und Beschützer der Künste und Wissenschaften,\nund bietet daher dem Componisten eine vortreffliche Ge-\nlegenheit zu sinfonischer Form. Der Text ist aber sehr\ntrocken und, was ein Hauptfehler ist, zu didaktisch. Zum\nBeispiel: Der Kriegsheld (Bass-Solo):\nBSoliman lag ihm zu Füssen,\nSeinem Aug' wich Mekka's Fahn';\nPavia sah's schrecklich biissen,\nAls ihm Franz entgegen rann* u. s. w.\nEine solche Anhäufung geschichtlicher Ereignisse ist me-\nlodisch nicht zu bearbeiten. Dennoch müssen wir diesen\nSatz für gelungen erklären, und er wurde vom Publicum\nmit besonderem Beifall aufgenommen. Das Orchester kam\ndem Componisten dabei trefflich zu Statten. Dasselbe be-\nhandelt' in einer Einleitung die beiden contrastirenden\nHaupt-Elemente; nachher tritt ein Bass (Solo) ein, eine so\ngenannte declamirende Partie, welche das Orchester mit\nfreier Benutzung der in der Einleitung vorkommenden\nMotive illustrirt. Das zweite Element, „Der Friedensfürst\",\nwird durch ein Sopran-Solo, nachher durch ein Quartett\nvertreten, wobei das Orchester mehr eine begleitende\nRolle spielt.\nIm vierten Theile, welcher denSchluss bildet, nimmt das\nGedicht eine ganz besondere Wendung. Vom Helden des\nGedichtes ist hier nicht mehr die Rede. Der Dichter wirft\neinen prophetischen Blick in die Weltgeschichte und lässt\nden Genius der Geschichte auftreten, welcher die Ver-\ngänglichkeit aller menschlichen Grösse verkündet. Darauf\nvernimmt man im Schluss-Chor die Völker, welche mit\nVerwerfung der äusseren Einheit durch eine Welt-Monar-\nchie sich Kinder des ewigen Gottes nennen und sich zu\ninnerer Einheit in Liebe und Brudersinn ermahnen.\nDieser Satz ist natürlicher Weise nicht in sinfonischer\nForm verfasst. Auch das Orchester behauptet nicht mehr\nso streng seinen besonderen Charakter, indem die Situa-\ntion im Gedichte dies nicht erlaubt. Nach einem kurzen\nchoralmässigen Vorspiel des Orchesters fällt das Sopran-\nSolo (Genius der Geschichte) mit einem Recitativ oder\nArioso im Tact ein, und darauf folgt der Schlusschor (die\nVölker). Die gewöhnliche Form eines Chor-Finales\ndante maestoso, Allegro molto und Fugato) ist hier beibe-\nhalten.\nDas Werk wurde von Seiten des Publicums, so wie\nvon allen anwesenden Künstlern und Dilettanten mit dem\nwärmsten Beifall belohnt. Unter den Zuhörern befanden\nsich auch zwei talentvolle deutsche Künstler, der Tenorist\nSchneider aus Wiesbaden und der Bassist Hill aus Frank-\nfurt am Main. Die Aufführung geschah unter Leitung des\nComponisten und war von Seiten des Orchesters eine vor-\nzügliche zu nennen. Die Soli wurden vortrefflich gesungen\nvon Frau Offermans van Hove (Sopran), Frau Col-\nlin-Tobisch (Alt) und zwei tüchtigen Dilettanten. Der\nChor dagegen war zu schwach besetzt im Verhältniss zum\nRäume des Saales. Auch wurde eben so wie bei anderen\nAufführungen die Wirkung des Chors durch die ungün-\nstige Akustik des Saales und durch den unzweckmässigen\nBau der Orchesterbühne beeinträchtigt. Uebrigens leistete\nder Chor recht Braves, zumal, da auch im Spohr'schen\nOratorium: „Der Fall Babylons\", an demselben\nAbende noch eine sehr schwierige Aufgabe zu lösen war,\nund es an der nöthigen Zeit zur Vorbereitung gefehlt hatte.\nDas Oratorium von Spohr ist reich an einzelnen mu-\nsicalischen Schönheiten. Am meisten ragen hervor die\nChöre Nr. 11 (Chor der Krieger) und Nr. 13 (Chor der\nJuden), weiterhin die Doppelchöre Nr. 18, 19 und 20\n(Chor von Hofleuten, Priestern, Babylonierinnen und Ju-\nden); auch die Bearbeitung des Schluss-Chors mit der Dop-\npelfuge ist meisterhaft. Unter den Soli sind am schönsten:\ndie Arie des Cyrus (Nr. 5) für Bass, Nr. 8 Sopran, Nr. 9\nDuett, Nr. 15 Terzett, Nr. 23 Terzett für Alt, Tenor und\nBass, und Nr. 29 (Vision) Solo-Tenor (Daniel). Dagegen\nwird der Total-Eindruck sehr geschwächt durch das Zer-\nrissene und Planlose des Textes. Es fehlt der Handlung\nan Leben und dramatischem Zusammenhang. Einige Chöre,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5337, "texte": "wie z. B. Nr. 1 und Nr. 17, sind zu lang ausgedehnt, und\nüberhaupt würden einige Abkürzungen nicht schaden.\nDie Aufführung unter Leitung des Musik-Directors\nRichard Hol war recht gut, obgleich man mit einigen\nungünstigen localen Verhältnissen zu kämpfen hatte. Vor-\nnehmlich war es das Orchester, welches sich nicht zur\nGeltung bringen konnte, indem die Spohrsche Instrumen-\ntation, welche bei vielen Schwierigkeiten manchmal un-\ndankbar ist, wegen der akustischen Verhältnisse des Park-\nsaales nicht gut zur Geltung kommt. Der Chor überwand\ndie öfters vorkommenden Schwierigkeiten manchmal mit\nvielem Glück. Die Soli wurden gesungen von Frau Offer-\nmans van Hove, Frau Collin-Tobisch und den Her-\nren Schneider und Hill. Frau Offermans van Hove und\nHerr Schneider leisteten wie gewöhnlich recht Tüchtiges.\nFrau Collin-Tobisch war etwas schwach und schien im\nOratorium nicht gut disponirt zu sein. In Herrn Hill lern-\nten wir einen tüchtigen Basssänger kennen, der, mit einem\nschönen, kräftigen und umfangreichen Organ begabt, sich\nauch durch künstlerische Auflassung und Vortrag empfahl.\nVon der Sinfonie mit Chor sind bisher nur die Chor-\nstimmen gedruckt. Dem Vernehmen nach wird bei Schott\nin Mainz der Clavier-Auszug nächstens erscheinen.\nLassen Sie mich von hier nach Rotterdam über-\ngehen und Ihnen über die dortige deutsche Oper be-\nrichten, die auch hier in Amsterdam, so wie im Haag\nund in Utrecht Gast-Vorstellungen gegeben hat.\nSie wissen, dass es mit den Opern-Zuständen bei uns\nin Holland noch niemals glänzend ausgesehen hat. Haag\nbeharrt bei seiner Copie einer pariser oder brüsseler Oper,\nmögen auch zehn Mal bessere deutsche Kräfte verfügbar\nsein, wenn sich nur Leute fänden, die mit Eifer, Sinn und\nVerstand Hand ans Werk legen wollten. Wäre einmal\nerst die Gelegenheit, den französischen Geschmack mit\nOstentation zu zeigen, nicht mehr da, so würde es sich\nsehr bald offenbaren, wie es -sich denn in der That bei\nden Vorstellungen der deutschen Oper in Rotterdam offen-\nbart hat, dass die Niederländer für classische deutsche\nMusik einen höchst empfänglichen Sinn haben, ja, dass\nmanche dramatische Meisterwerke der Deutschen hier noch\nein grösseres Publicum finden, als bei Ihnen. Ich gebe\nIhnen Beweise. Können Sie mir eine deutsche Bühne nen-\nnen, auf welcher Beethoven's Fidelio in Einer Saison\nsechszehn Mal gegeben worden, Mozart's Don Juan\nsechs, Figaro's Hochzeit zehn, die Zauber flöte\nsechs, Weber's Euryanthe neun, der Freischütz\nsieben Vorstellungen erlebt haben? Ich habe alle Reper-\ntoire-Resume's der grösseren Theater durchgesehen: ich\nfinde keines, wo dies so der Fall gewesen wäre*), wie wir\nes bei der Gesellschaft von Rotterdam gesehen haben.\nDas Zustandekommen des Unternehmens hat allerdings\nauch in Rotterdam grosse Schwierigkeiten gehabt, und ich\nbin in Stand gesetzt, einige frühere Mittheilungen eines\nIhrer Herren Correspondenten aus Rotterdam zu ergänzen.\nBis zum Frühjahre 1859 waren die Theater-Zustände da-\nselbst in grosser Verwirrung ; Uneinigkeit unter den Häup-\ntern der Dilettanten war auch nicht geeignet, sie zu lösen.\nDurch mehrere sehr gediegene Zeitungs-Artikel des Herrn\nThooft wurde die öffentliche Meinung nach und nach\ndahin berichtigt und dafür gestimmt, dass der Besitz eines\nvollständigen Orchesters und einer Oper für Rotterdam\neine Nothwendigkeit sei. Es kam mit Zuziehung des Thea-\nter-Directors von Amsterdam, Herrn de Vries, ein Project\nzu Stande, das für Rotterdam und Utrecht eine deutsche\nOper und ein holländisches Schauspiel zum Ziele hatte.\nEs fand nicht die gehörige Unterstützung; die Zeichnung\nbrachte nicht mehr als 20,000 Gulden zusammen. Den-\nnoch gaben die eigentlichen Urheber des Planes ihre Idee\nnicht auf. Es trat eine neue Commission zusammen; aber\nauch diese würde nicht viel ausgerichtet haben, wenn nicht\nder oben genannte Herr Thooft den glücklichen Gedanken\ngehabt hätte, die Actionäre zum Theil durch freie Plätze\nim Theater zu entschädigen. Auf diese Weise kam denn\neine Zeichnung von 75,000 Gulden zu Stande, was aller-\ndings ein sehr erfreuliches und sehr rühmenswerthes Er-\ngebniss war.\nDie Leitung der Oper wurde Herrn Capellmeister\nSkraup, früher in Prag, übertragen, und es ist höchst\ndankenswerth anzuerkennen, was dieser treffliche Musiker\nund ausgezeichnete Dirigent mit einem Institute, wo Alles\nneu zu schaffen war, geleistet hat. Er hat namentlich auch\ndas Orchester zu einem sehr guten gemacht; aber es macht\nauch den Mitgliedern des Orchesters Ehre, dass sie, von\nwirklicher Liebe zur Kunst beseelt, es an Eifer niemals\nfehlen Hessen, wenn auch für die schwierigeren Opern\nmehrere Orchester-Proben allein gehalten wurden. Daher\nkam es denn aber auch, dass bei den Leistungen dessel-\nben in den Ouvertüren, besonders in der grossen Leono-\nren-Ouverture, das Publicum immer in einen Sturm von\nBeifall ausbrach. Am Schlüsse der Saison wurde die Oper\n„Meergeuse\", Musik von Herrn Skraup, mit grossem\nErfolg zwei Mal (am 17. und 19. April) gegeben, wobei\ndie in den früheren Correspondenzen aus Rotterdam ge-\nnannten Sängerinnen und Sänger, so wie der überhaupt\nstets recht gute Chor mit dem Orchester wetteiferten, der\ntrefflichen Composition die vollste Anerkennung zu ver-\nschaffen.\n• Ich erlaube mir, Ihnen das vollständige Repertoire\ndieser ersten Saison der neuen deutschen Oper in Holland\n\n*) Wir auch nicht! Die Eedaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 825, "texte": "beizulegen; ich glaube, es darf sich sehen lassen. Es fan-\nden Aufführungen Statt von:\nIn Total-\nRotterdam. Auswärts. Summe.\n1. Don Juan .... 4 2 6\n2. Martha ..... 8 2 10\n3. Freischütz . . . • 5 2 7\n4. Figaro 7 3 10\n5. Hugenotten. ... 3 3\n6. Norma 1 1 2\n7. Fidelio . . . . 7. 12 4 16\n8. Stradella ..... 2 2\n9. Zauberllöte. ... 4 2 6\n10. Nachtlager .... 2 2\n11. Tannhäuser. . . . 8 8\n12. Lucia 2 1 3\n13. Teil 3 3\n14. Euryanthe .... 6 3 9\n15. Romeo 1 1 2\n16. Meergeuse .... 2 2\n70 2l TT\nAnmerkung 1. Von den auswärts gegebenen Opern\nkommen 12 auf Utrecht (Fidelio und Figaro je 2 Mal),\n8 auf Amsterdam (Fidelio 2 Mal) und 1 (Euryanthe) auf\ns' G r a v e n h a g e.\nAnmerkung 2. Von den 70 in Rotterdam gegebenen\nOpern fanden im September 8, October 9, November 9,\nüecember 7, Januar 10, Februar 8, März 8 und April\n11 Stalt.\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-06-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.7", "debut_caractere": 827, "fin_caractere_exclue": 5897, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n24. o fllft« Die philharmonische Gesellschaft in Laibach, die\nschon im Jahre 1702 gegründet worden, hat Herrn Capellmeister\nFerd. Hill er zu ihrem Ehren-Mitgliede ernannt. Dessen Oratorium\n»Die Zerstörung Jerusalems\" hatte daselbst in zwei Aufführungen\nhinter einander einen ausserordentlichen Erfolg gehabt, eben so wie\nkürzlich in Kegensburg; auch bei dem Musikfeste zu Middel-\nburg in Holland ist das schöne Werk zur Aufführung am ersten\nTage bestimmt.\nFür das grosse deutsche Sängerfest in Nürnberg hat F.\nHille r eine Cantate componirt.\nHerr Koslek, königlicher Kammermusicus aus Berlin, hat\nsich in drei Concerten im Gertrudenhofe als ausgezeichneten Vir-\ntuosen auf dem Covnet a j)istons bewährt. Es ist nur zu wünschen,\ndass für dieses Instrument, dessen Ton einen ganz besonderen sinn-\nlichen Reiz hat, Musik geschaffen werde, welche so eminente tech-\nnische Leistungen, wie die des Herrn Koslek, in das Gebiet des\nmusicalisch Schönen erheben könnte.\nÜÄaIsÄZ« Selten waren wir Zeugen von so ungemessenen Ova-\ntionen, wie sie in sechs Opern-Vorführungen Troubadour (2 Mal),\nNachtwandlerin, Wilhelm Teil und Barbier von Sevilla (2 Mal)\ndem ausgezeichneten Tenoristen, Herrn Manuel Carrion de An-\nguiano zu Theil geworden sind. Wir wissen nicht, ob wir der bis\nin die höchsten Töne kräftigen, reinen und gleichen Stimme, oder der\ntrefflichen Bildung derselben, gepaart mit dem geschmackvollsten\nVortrage und einem edlen Spiel, den Vorzug zuerkennen sollen, glau-\nben aber, dass nur die Vereinigung aller dieser Eigenschaften das\nEntzücken des Publicums in solchem Grade hervorrufen konnte.\nNeben dem 1 enor-Heros Carrion konnte eigentlich nur noch unsere\nColoratursängerin Fräulein Langlois wenigstens als Stern zweiter\nGrösse glänzen, und wir verkünden dieser jungen Dame, wenn sie\nmit gleichem Eifer an ihrer Ausbildung fortzubauen sich bemüht,\neine schöne Zukunft voraus Roger's Gastspiel war nicht so zahl-\nreich besucht, als der Ruhm des Gastes erwarten liess. Dagegen\nströmte wieder Alles in die sechsmalige Aufführung der neuen Oper\n„Faust von Gounod, denn hier hörte man nicht allein neue M/u-\n-sik, sondern man sah auch noch nie Dagewesenes, eine Menge von\nwahrhaft zauberischen Decorationen, Verwandlungen, Lieht-Effecten\nlänzen u. s. w. Item, es geht bei uns gerade so, wie anderwärts;\nsoll ein Stück ziehen, d. h. soll es der grossen Menge gefallen, so\nmuss es durch seine Ausstattung den Reiz der Neuheit erhöhen; ist\njene recht grandios, so darf selbst Mittelgut auf einen glänzenden\nEifolg rechnen. Für mehr als Mittelgut können wir aber wahrlich\ndie Musik der genannten Oper nicht erkennen. Gounod bekundet,\ndas wird wohl Niemand bestreiten, ein hübsches Compositions-Ta-\nlent, ein bei seinen Landsleuten seltenes Streben nach Charakterisi-\nrung und einen feinen Geschmack; dabei erweiset er sich jedoch als\neinen Eklektiker, der seine Meister und Vorbilder, darunter vor Allen\nMeyerbeer, allzu sichtlich benutzt und nachahmt.\nDie Liedertafel und der Damen-Gesangverein haben in vier gros-\nsen Aufführungen im November die 0-c2wr-Messe von Beethoven,\nim Januar „Paulus\" von Mendelssohn, im März „Der büssende Da-\nvid\" von Mozart, im Mai „Die Jahreszeiten\" von Haydn darge-\nthan, dass sie dem Schwierigsten gewachsen und den besten Gesang-\nVereinen Deutschlands zuzuzählen sind. Herr Marpurg legt\nnach einem ehrenvollen fünfjährigen Wirken die Direction der Lie-\ndertafel und des Damen-Gesangvereins nieder, um seine volle und\nungetheilte Kraft der Leitung der Oper zu weihen. Herr Marpurg\ngehört unstreitig zu den vorzüglichsten Direetoren, deren sich die\nLiedertafel seit ihrem dreissigjährigen Bestehen erfreut hat. Möge\nihn auf seiner ferneren Lebensbahn allzeit das Glück begleiten;\nmöge es ihn insbesondere in der von ihm jetzt ausschliesslich ge-\nwählten Carriere bald in eine solche Stellung versetzen, welche ihm\nden Reichthum seiner Kenntnisse und die Fülle seiner Kraft auch\nvollständig zu verwerthen gestattet. (Südd. M.-Z )\nMessel, Der Lieder-Componist Heinrich Weidt hat seine\nStelle als Musik-Director am Hoftheater niedergelegt.\nIn Rudolstadt wurde kürzlich „Judas Ischarioth\", biblisches\nDrama von F. Röhrig, Musik von A. Späth, aufgeführt. Das-\nselbe wird als ein Werk bezeichnet, das in jeder Hinsicht die Auf-\nmerksamkeit, die Beachtung des Musik-Pubiicums verdient. „Bringt\ndie Musik an und für sich nicht bimmelstürmend Neues, so ist doch\ndie Anlage des Ganzen, die Form eine neue, originelle zu nennen,\ndie Factur eine so gediegene, wie sie nur von einem Meister, wie\nA. Späth es ist, zu erwarten war. Das Werk stellt sich in seiner\nAnlage und äusseren Form zwischen das traditionelle Oratorium\nund die Oper. Möchte dieses Werk, wie es in Rudolstadt durch den\nHofmusicus C. Bloss in der dasigen Hauptkirche zur Aufführung\nkam, auch anderwärts dem Publicum vorgeführt werden. Der Er-\nfolg wird nur ein günstiger sein. * So lautet ein uns zugekommener\nBericht. (D. M.-Z )\n¥Wieil* In aller Stille fand hier am 23. April die Vermählung\ndes Herzogs Leopold von Sachsen-Coburg, k. k. Obersten der In-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3594, "texte": "fanterie, mit Fräulein Constanze Geiger Statt. Die jetzige Herzogin\nwar als eine Art Universal-Genie bekannt; sie componirte, sang,\ntanzte, spielte Ciavier und Komödie, und hat sieh auf ihren zahl-\nreichen Kunstreisen in den meisten Städten Deutschlands producirt,\njedoch selten die gewünschte Anerkennung gefunden. Die Ver-\nbindungen zwischen Künstlerinnen und Mitgliedern der Aristokiatie\nmehren sich in Wien. Wie vor einigen Jahren Fräulein Louise Neu-\nraann Gräfin Schönborn und ganz kürzlich Fräulein Gossmann Ba-\nronin Prokesch wurde, so wird sich in diesen Tagen die Schauspie-\nlerin Fräulein Bossler mit dem Baron Bruck, einem Sohne des ver-\nstorbenen Ministers, vermählen.\nParis, 2. Juni. Gluck's Alceste wird nun doch zur Auf-\nführung kommen, wiewohl meine frühere Nachricht, dass sie wieder\nzurückgelegt worden, vollkommen begründet war. Das Hinderniss\nlag an den Forderungen für das feste Engagement einer berühmten\nSängerin. Gegenwärtig ist ein Engagement par reprtsentations mit\nMadame Viardot- Gar ci a abgeschlossen. Bei der Inscenesetzung\nwerden Auber und Berlioz zugezogen, von denen der erstere\nnoch die Traditionen früherer Aufführungen bewahrt.\nEine seltene Erscheinung in Paris ist der Druck eines Quin-\ntetts für Pianoforte, Violine, Viola, Violoncell und Contrabass von\nAlbert Sowinski Es hatte im vorjährigen Concerte des Compo-\nnisten grossen Beifall gefunden.\nMan wird in Deutschland kaum begreifen, dass hier in Paris\ndas Gesang-Unterrichts-System nach Ziffern, über welches dort\nlängst der Stab gebrochen, noch Gegenstand ernster und in dicklei-\nbigen Büchern geführter Streitigkeiten ist. Männer wie Auber, Ha-\nlevy, Clapisson, Kastner, Niedermeyer u. s. w. halten es noch für\nnöthig, dagegen aufzutreten und ihre Meinung in einer Broschüre\nzu veröffentlichen, und Scudo ruft mit Zorn aus: BWenn es auch\nbewiesen wäre, dass durch Cheves Methode ganz Frankreich in\nvierundzwanzig Stunden jegliche Musik lesen und singen lernen\nkönnte, was Gott verhüte! so würde doch dieser Vortheil die bar-\nbarische Verwirrung nicht aufwiegen, welche diese Methode in das\nmusicalische Noten-System bringt, das die einzige Universalsprache\nauf der Welt ist.\"\nAlexander Dreysehock gab in St. Petersburg am 7. Mai\nein sehr besuchtes Concert im grossen Theater. Am 17. Mai gab\nderselbe ein Concert in Kronstadt, folgte dann einer Einladung zu\neinem Concerte in Riga und wird von dort seine Rückreise nach\nPrag antreten.\n♦\nDeutsche Tonhalle.\nIn Folge des am 24. März erfolgten Todes des Herrn A. Schüss-\nler, des verdienstvollen Gründers und eifrigen Pflegers der Tonhalle,\nhat die Führung unserer Geschäfte eine unvermeidliche Zögerung\nerfahren, die wir sehr bedauern. Indem wir unsere verehrlichen Mit-\nglieder bitten, unserem gemeinnützigen Vereine ihr Vertrauen und\nihre Gunst auch ferner zu bewahren, ersuchen wir sie, für uns be-\nstimmte Briefe und andere Sendungen einfach unter der Adresse:\n„An den Vorstand der deutschen Tonhalle in Mannheim\", postfrei\nuns zugehen zu lassen. Zugleich machen wir bekannt, dass unter\nden 261 vaterländischen Gedichten, welche in Folge des Ausschrei-\nbens vom Juni 18G0 bis Ende September eingelaufen sind, wir dem\nGedichte Nr. 38 von Karl August Mayer in Mannheim, mit dem\nMotto: „Schlag' deine Augen auf, die blauen, Germania!\" nach\nsorgfältiger Prüfung durch competente Richter den Preis zugesprochen\nhaben. Belobungen wurden zuerkannt den Gedichten: Nr. 133, ohne\nMotto, von Gustav Kühne in Dresden; Nr. 242, mit dem Motto:\n„Mein theures deutsches Vaterland, du feste Burg in Gottes\nvon August,Stobbe in Königsberg; Nr. 23, mit dem Motto: „O"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-06-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "184", "page_fin": "184", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.2.5", "titre_corps": "Vaterland, o Vaterland, wie ist mein Herz dir zugewandt !• von", "titre_sommaire": "Vaterland, o Vaterland, wie ist mein Herz dir zugewandt !• von", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.8", "debut_caractere": 3596, "fin_caractere_exclue": 4121, "texte": "Vaterland, o Vaterland, wie ist mein Herz dir zugewandt !• von\nWoldemar Alberti in Schleiz; Nr. 60, mit dem Motto: ©Wir\nwollen einig bleiben\", von F. C. Honcamp aus Büren in Westfa-\nlen; Nr. 96, mit dem Motto: „Wo deutsche Männer kraftbewusst*\nu. s. w., von Adolar Gerhard in Leipzig, und Nr. 186, mit dem\nMotto: „Ans Vaterland, ans theure, schliess' dich an\" u. s. w., von\nHeinrich Hildebrand in Lautereken. Das gekrönte Gedicht wird\ndemnächst zur Composition veröffentlicht werden.\nMannheim, den 30. Mai 1861.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 38. niederrheinische Musikfest. 111. (Missa solemnis Mozart's Sinfonie in C-dur Handelns „Josuau Künstler-\nConcert). Aus Holland (Concert in Amsterdam Deutsche Oper in Rotterdam). Von S. Tages- und Unterh al tungs blatt\n(Köln, Capellmeister F. Hiller, Herr Koslek Mainz, Manuel Carrion, Roger's Gastspiel, Gounod's „Faust\", Liedertafel und Damen-Ge-\nsangverein, Herr Marpurg Wien, Vermählungen von Künstlerinnen Paris, Gluck's Alceste Deutsche Tonhalle),\n\nDas 38. niederrheinische Musikfest.\nIII.\nNach der heroischen Sinfonie folgte die Missa solem-\nnis in D-dur von Beethoven.\nUeber das Werk selbst haben wir schon oft in diesen\nBlättern und zuletzt in den Nummern 48, 49, 50 und\n53 des vorigen Jahrgangs gesprochen. Es bleiben uns nur\neinige Bemerkungen über die Ausführung übrig.\nDiese ist freilich ausserordentlich schwierig, nament-\nlich für den Chor und für die Solostimmen; denn die heu-\ntigen Orchester, welche die Schule der Beethoven'schen\nSinfonieen durchgemacht haben, finden sich schon leichter\nauch in diesem aller gewöhnlichen Maasse und Verhält-\nnisse spottenden Werke zurecht. Unserer Ansicht nach\nwir wissen, dass Viele, und nicht bloss unter den Laien,\nanders darüber denken ist der einzige Vorwurf, den\nman Beethoven mit Recht in der e machen\nkann, die rücksichtslose Behandlung der Singstimmen. Ne-\nben den vielen Stellen, die unnachahmlich schön für die\nmenschliche Stimme, wenn nur die rechte Seele ihr nicht\nfehlt, geschrieben sind, kommen auch solche vor, beson-\nders im Chor, welche alle und jede Rücksicht auf Sang-\nbarkeit verläugnen. Das ist offenbar ein Fehler, der durch\ndie Genialität nicht zu entschuldigen ist; denn wenn ein\nGenie einmal für menschliche Stimmen schreibt, so muss\nes sein Material kennen, eben so gut, wie es die Instru-\nmente kennen muss. Es wird sich wohl wahren, z. B. für\ndas Horn anders zu schreiben, als dessen Natur es erlaubt,\nu. s. w. Bei seinen Compositionen aus der letzten Zeit aber\nhat Beethoven die Singstimme gerade so behandelt, wie\nein Saiten-Instrument, auf dem man durch den Einsatz des\nFingers auf allen beliebigen Sprossen der Tonleiter einen\nTon hervorbringen kann. Seine prächtigen Chöre in der\nMesse und in der neunten Sinfonie würden jedenfalls eine\nnoch grössere Wirkung machen, wenn sie sich in einem\nanderen, den kräftigen und wohllautenden Gesangs-Regio-\nnen jeder Stimme angemesseneren Verhältnisse zu der In-\nstrumentirung bewegten.\nUm so grösser ist das Verdienst eines Sängerchors,\nwelcher sich mit Muth an die gefährliche Aufgabe macht\nund sie zur Befriedigung lös't. Möglich ist das Letzterp\nallerdings; es bestätigt sich hier der Grundsatz Napoleon\n1., dass man von den Menschen das Unmögliche verlangen\nmuss, um das Mögliche zu erhalten.\nDie fehlerfreie und nicht nur correcte, sondern meist\nauch schwungvollle Ausführung der Chöre konnte nur das\nResultat höchst einsichtiger und sorgfältiger Einübung sein,\nwelche sowohl dem Herrn Musik-Director Wüllner als\nsämmtlichen aachener Sängerinnen und Sängern, die den\nStamm des Chors bildeten, zu grosser Ehre gereicht. Ein\nseltener Vorzug des Gesammt-Tones war es, dass die Mit-\ntelstimmen, Alt und Tenor, vorzüglich gut besetzt waren.\nDie Soli in der D-dur-Messe gehören ebenfalls zu den\nschwierigsten Aufgaben für die Sänger; ein vollkommen\ngenügender Vortrag derselben erfordert eine eben so sorg-\nfältige und wiederholte Uebung der vier Stimmen zusam-\nmen, wie die Chöre, wenn eine von allem Schwankenden\nfreie Correctheit und ein gemeinsames Verständniss und\ntiefes Eingehen in den Geist des Werkes und in die Inten-\ntionen des Componisten erzielt werden soll. Die gewöhn-\nliche Gesangkunst reicht für diese Musik nicht aus, und\nes ist schon sehr anerkennungswerth, wenn die Sänger\nsich der erhöhten Forderungen bewusst sind, und ein jeder\nfür sein Theil nach dem Besten strebt, was er zu geben\nvermag. In diesem Sinne war die Ausführung der Soli\ndurch die Damen Rübsamen-Veith und Potthoff-\nDiehl und die Herren Schneider und Krause, wenn\nauch nicht der Glanzpunkt, der in Chor und Orchester\nlag, wie es auch offenbar von Beethoven beabsichtigt ist,\ndoch eine dankbar aufzunehmende Mitwirkung zur Ver-\nherrlichung eines Meisters, dessen Ideen zu erhaben und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.2", "texte": "dessen Phantasie zu reich und hochfliegend waren, um\nbei dem, was er schuf, an die Sänger zu denken. Diese\nmögen ihren Stolz darein setzen, dass nur deutsche Sän-\nger im Stande sind, dem Fluge der Phantasie Beethoven's\nin diesem Werke zu folgen, und müssen bei der Ausfüh-\nrung sich als Priester betrachten, die dem Ruhme des un-\nsterblichen Meisters ein freudiges Opfer am Altare der va-\nterländischen Kunst bringen. Frau Rübsamen-Veith\nbewährte sich in der trefflichen Durchführung der ersten\nStimme als eine Sängerin von so fest musicalischer Sicher-\nheit und bei schöner, überall klangvoller Stimme so gebil-\ndeter Technik, dass ihr schwerlich eine andere in Deutsch-\nland in der kunstgerechten Ausführung dieser hohen und\nin jeder Hinsicht enorm schwierigen Sopran-Partie zur\nSeite gestellt werden kann.\nHerr Capellmeister Lachner hielt die gewaltig wo-\ngenden Tonmassen als bewährter Steuermann in den vor-\ngeschriebenen Bahnen. Er gehört auch zu den eben nicht\nzahlreichen Leitern grosser musicalischer Institute, welche\ndie Aufgabe nicht scheuten, das riesige Werk im Sinne\ndes Schöpfers desselben ins Leben zu rufen, indem er die\nMissa solemnis am 1. November 1856 im Odeon zu Mün-\nchen zur Aufführung brachte.\nFür den zweiten Festabend waren Mozart's grosse\nSinfonie in C-dur, Op. 38, und Händel's Oratorium\n„Josua\" bestimmt.\nNach dem, was wir bereits über das Orchester des\ndiesjährigen Festes bemerkt haben, wird man nichts An-\nderes erwarten, als dass die Sinfonie vortrefflich ausge-\nführt wurde. Unsere Befriedigung störte indess namentlich\nim Finale das zu schnelle Tempo, bei welchem z. B. von\nden contrapunktischen Imitationen fast nur die accordlichen\nEinsätze, nicht aber auch die dazu gehörigen Achtel-Figu-\nren deutlich in den verschiedenen Instrumenten vernom-\nmen wurden. Die schönste Ausführung wurde dem\ndante cantabile zu Theil.\nDas Oratorium „Josua\" kam zum dritten Male auf\ndem niederrheinischen Musikfeste zur Aufführung: zu-\nerst 1838 in Köln unter Mendelssohn's, dann 1845 in\nDüsseldorf unter J. Rietz's Leitung, mit dessen Instrumen-\ntirung es auch jetzt in Aachen gegeben wurde.\nin Aachen denkt man bei der Aufführung eines Ora-\ntoriums von Händel unwillkürlich daran, dass die Heil-\nquellen dieser Stadt ihm die Lebenskraft wiedergegeben\nhaben, ohne deren Erneuerung und Stärkung die Welt\ndie Meisterwerke seiner letzten Thätigkeit im Schaffen gar\nnicht erblickt hätte. Seine Gesundheit war durch über-\nmässige Anstrengungen, Aufregungen und Widerwärtig-\nkeiten in dem achtjährigen Kampfe um seine Opern-Un-\nternehmung gänzlich zerrüttet worden. Kaum über fünfzig\nJahre alt, versank er oft in starres Hinbrüten und war\nschwer zu bewegen, irgend einen entscheidenden Schritt\nzu thun. Da brachten ihn auf den Rath der Aerzte seine\nFreunde nach Aachen, wo er im Spätsommer des Jahres\n1737 (nicht 1736, wie in allen biographischen Wörter-\nbüchern steht) fast auf wunderbare Weise von seinem hart-\nnäckigen Uebel genas. Denn nach seiner Persönlichkeit,\ndie Alles stürmisch und gewaltsam betrieb, verweilte er in\ndem Bade gleich von Anfang an drei Mal länger als alle\nanderen Kranken, und siehe da! nach wenigen Bädern\nwar sein Uebel spurlos verschwunden, und er wallfahrtete\nnach der Kirche zur Orgel, um gesund und wieder völlig\ngelenk Gott sein Dankopfer zu bringen, und sein herrliches\nOrgelspiel erhöhte den Eindruck des Ereignisses, welches\nwirklich als ein Wunder gepriesen wurde. Doch blieb er\naus Vorsicht im Ganzen sechs Wochen in Aachen und\nkehrte erst Anfang Novembers nach London zurück.\nMit dem Aufleuchten einer neuen Morgensonne für\nsein Leben kam ihm auch das Bewusstsein, dass auch für\nseine Kunst ein neuer Morgen anbrechen werde. Und so\nward es auch. Schon im folgenden Jahre setzte das Ora-\ntorium „Israel in Aegypten\" die Welt in Erstaunen; ihm\nfolgte „Saul\", dann der „Messias\"! Die neu gestärkte\nKraft des Genius hatte das hohe Ziel erreicht, welches die\nBegeisterung für die reine Tonkunst ihm längst gezeigt\nhatte, und von jetzt an verschmähte er es, Opern für den\naugenblicklichen Erfolg zu componiren, und schuf Werke\nfür die Unvergänglichkeit.\nZu diesen gehört sein „Josua\", eines der letzten\nOratorien, die er schrieb; ihm folgten nur noch vier: „Su-\nsanna\", „Salomon\", „Theodora\" und „Jephta\", das letzte,\nwelches er im Jahre 1751 schon halb erblindet compo-\nnirte. Wir haben demnach im „Josua\" noch ein Werk\naus der Zeit der vollsten Reife des Meisters.\nDie Aufführung in Aachen war eine der schönsten,\ndie man hören kann. Alles in Allem genommen, müssen\nwir ihr die Palme des Festes zuerkennen. Die Ausführung\nder Chöre war noch sicherer, lebendiger, schwungvoller\nals in der Beethoven'schen Messe; auch mochten sich die\nMassen mehr an die Leitung und die Tempi des Dirigen-\nten gewöhnt haben, so dass Alles seinen Winken aufs ge-\nnaueste folgte, und überall neben der Kraft und Tonfülle\ndie Sängerschar mit einer Geschlossenheit in das musica-\nlische Treffen rückte, welche allen Widerstand der Kritik\nniederwarf und den Sieg unzweifelhaft machte. Jedenfalls\ntrug auch die akustisch günstige Localität zu dieser Wir-\nkung bei, indem es in dem aacbener Theater überhaupt\ngut klingt, dazu aber noch die Tonbühne, auf richtige\nWeise sehr hoch stufenmässig aufgebaut, muhr Tiefe als\nBreite hat und, von festen Holzwänden zu beiden Seiten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.3", "texte": "und im Rücken eingeschlossen, den Klang concentrirt und\nin seiner ganzen Fülle in den Halbkreis des Zuschauerrau-\nmes hinauswirft.\nGleich der erste Chor in B-dur\\ „Ihr Söhne Israels\",\nmit dem majestätischen Eintritt des JEs-dur: „In Gilgal\nund am Jordanstrom\", zeigte, was man zu erwarten hatte\nvon so trefflichen Kräften und Studien. Im zweiten (Nr. 8)\nglaubte man es zu hören, wie „die Wellen des Jordans\nrückwärts zu der Quelle rollen\", und der Schluss-Chor\ndes ersten Theiles: „Das ganze Heer des Himmels sei sein\nSchutz\", rief mit Recht einen Sturm von Applaus hervor.\nDennoch schlug gleich zu Anfang des zweiten Theiles die\nPracht der Composition und der Ausführung der Tenor-\nArie und des Chors in D-dur:„Glorreich ist Gott!\" noch\ngewaltiger durch. Sowohl die Solo-Trompete als der Solo-\nTenor (Herr Schneider) setzten mit bewundernswerther\nKühnheit ein, die erste Periode des Tenors hatte einen\nwahrhaft triumphirenden Ausdruck, und als der Chor ein-\nfiel, trat das Bild eines gottbegeisterten Heeres, das zur\nVernichtung des Feindes ausrückt, dem Zuhörer lebendig\nvor die Seele. Und welch ein Moment, als plötzlich\ndante in H-moll)„die Völker beben der Himmel don-\nnert—der Sturm ras't—die Erde ächzt\", und dann wieder\ndas Heer in jubelndem Aufschwung Gott preist, im festen\nGlauben, dass er seine Verderber ihm voranziehen lässt,\nauf Jericho niederzufallen. Nur ein Händel konnte dieses\nerschütternde und zugleich erhebende Gemälde durch so\neinfache und doch so grossartig wirkende Farben in Tönen\nhervorzaubern. Konnte man es der begeisterten Zuhörer-\nschaft verdenken, wenn sie im Beifall kein Maass fand und\ndas Ganze noch einmal hören wollte? Dank, wärmster\nDank gebührt dem Chor, der den ungestümen Wunsch\nerfüllte und die ganze prachtvolle Nummer noch einmal\nmit recht frischer Sangesfreude wiederholte.\nHiernach konnte es nicht ausbleiben, dass der glän-\nzende Siegesgesang in G-dur(Nr. 53), mit welchem die\nJungfrauen und dann das ganze Volk den zurückkehren-\nden Helden-Jüngling empfangen, und welchen Händel aus\ndem Judas Maccabäus hier wieder eingeschaltet hat, eben-\nfalls einen unendlichen Applaus und dasselbe stürmische\nVerlangen nach Wiederholung hervorrief.\nAber auch die Künstlerinnen und Künstler, welchen\ndie Sologesänge im Josua anvertraut waren, befanden sich\nhier auf weit zuverlässigerem Boden als in der Beethoven'-\nschen Messe und leisteten alle Vorzügliches. Das Publicum,\nwelches überhaupt sehr dankbar war, was zum erhöhten\nGelingen der Kunstleistungen ohne Frage stets viel bei-\nträgt, erkannte dies durch den ehrenvollsten und lebhafte-\nsten Applaus an.\nSo wirkte denn Alles zusammen, dass der zweite Fest-\nabend als einer der schönsten musicalischen Pfingst-Feier-\nlage lange in der Erinnerung aller Theilnehmer bleiben\nwird. Was aber dem Freunde und Verehrer der wahren\nKunst am meisten Freude machen muss, ist, dass der be-\ngeisterte Beifall, der einer solchen Aufführung eines sol-\nchen Werkes von einem so zahlreichen Publicum gezollt\nwurde, eine sichere Bürgschaft gegen die Gefahr einer Ge-\nschmacksverderbung durch die neueste Schule ist. Ein\nHändel'sches Oratorium, das eine so enthusiastische Auf-\nnahme findet, wie der Josua in Aachen, und der Eindruck,\nden die Aufführungen der Bach'schen Matthäus-Passion\nvor dem Osterfeste in den Städten am Niederrheine seit\nJahren machen, sind eine eindringliche Lehre für die Welt\nder lonkunst und bestätigen den Ausspruch Schiller's:\n„Uebcrall, wo die Kunst gesunken, ist sie durch die Künst-\nler gesunken.\"\nAm dritten Festtage fand das so genannte Künstle r-\nConcert Statt, das seinen Namen von seiner Bestimmung\nhat, der Meisterschaft der einzelnen Künstler, der Virtuo-\nsität im edleren Sinne, ihr Recht widerfahren zu lassen\nSeit 183-3 hat sich das dritte Concert nach und nach bei\nden Musikfesten eingebürgert und schon manche herrliche\nGenüsse gebracht. Das Programm des diesjährigen prangte\nmit zwei Künstlernamen, welche Deutschlands Stolz sind:\nClara Schumann und Joseph Joachim. Frau Schu-\nmann trug das Clavier-Concert in von Robert\nSchumann, eine geniale Composition voll grosser Schön-\nheiten, Herr Concert-Director Joachim das Violin-Concert\nvon Beethoven vor. Dass Beide durch ihre echt künst-\nlerischen, in jeder Hinsicht vollendeten Leistungen das\nPublicum begeisterten und entzückten, bedarf keiner Ver-\nsicherung.\nVon den Vocal-Solisten sang Frau Rübsamen-Veith\ndie glänzende Sopran-Arie auf das Wort „Halleluja\",\nwelche Händel nachträglich zu seinem ersten Oratorium\n„Esther\" geschrieben hat, mit grosser Bravour und musste\nsie wiederholen; Frau Potthoff-Diehl die Arie „Ah!\nrendi-mi\" ausMitranes vom Abbate Franc. Rossi (1686)\nebenfalls mit grossem Beifall; Herr Schneider mit Ap-\nplaus die Romanze aus Weber's Euryanthe: „Unter blüh'n-\nden Mandelbäumen\"; Herr Krause Figaro's kriegerische\nArie von Mozart, die er auf lautes Verlangen mit dem\nitaliänischen Original-Texte wiederholte. Ausserdem wurde\ndas Benedictus aus der Beethoven'schen Messe mit dem\nViolin-Solo (Joachim) wiederholt. Das Programm zeichnete\nsich durch die Wahl classischer Concertmusik aus und\nhielt mit Recht Walzer-Arien und Instrumental-Kunst-\nstücke von dem Musikfeste fern.\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.4", "texte": "Den Rahmen, welcher die genannten Einzel-Vorträge\numschloss, bildeten C. M. v. Weber's Ouvertüre zu Obe-\nron und eine neue Compositum von Franz Lachner:\n„Präludium und Fuge für grosses Orchester\", ein bedeu-\ntendes Werk, dessen erster Theil, das Präludium in 3/V\nTact D-moll,besonders originel ist; ihm schliesst sich ein\nkurzer Zwischensatz in D-durvon langsamem Zeitmaass\nund diesem die glänzende, höchst wirkungsvolle Fuge eben-\nfalls in D-dur an, in deren Ausführung das Orchester durch\nPräcision, Feuer und Schwung dem Componisten seine\nHochachtung zollte; namentlich entfaltete das Geigen-Quar-\ntett eine imponirende Kraft.\nDen Schluss des Concertes und des ganzen Festes\nmachte eine erhebende und herzerfreuende Ausführung des\ngrossen Chors aus Vater Haydn's Schöpfung: „Die Him-\njnel erzählen die Ehre Gottes\". Das Haus hallte von er-\nschütterndem Applaus wieder.\nSchliesslich haben wir noch zu berichten über die Ver-\nsammlung am Pfingst-Abend, den 18. Mai, welche die\naachener Liedertafel in dem neuen schönen Saale des\nHerrn Bernarts veranstaltet und dazu die anwesenden Mu-\nsiker und Festgenossen auf das freundlichste eingeladen\nhatte. Wir hörten hier in einer zahlreichen Gesellschaft\nvon Damen und Herren recht schöne Vorträge von Liedern\nvon F. Lachner, Hiller, Mendelssohn, Girschner und Esser\nunter der geschickten und sicheren Leitung des Herrn Con-\ncertmeisters Fritz Wenigmann, Dirigenten der Lieder-\ntafel. Den Schluss des Programms bildeten zwei der schö-\nnen, frischen Quintette von Hiller: „Lebenslust\" und\n„Frühlings-Einzug\" für Sopran-Solo und Männerchor.\nFrau Katharina Neuss, geborene Deu tz, halte das Solo\nfreundlichst übernommen und entzückte durch den sympa-\nthischen Ton ihrer lieblichen Stimme und durch den-rei-\nzenden Gesang, welcher „Lebenslust\" und „Frühlings-\nduft\" in voller Wirklichkeit athmete.\n\nAus Holland.\n\n[Concert in Amsterdam: W. F. Thooft's Sinfonie mit Chor\n»Kaiser Karl V.Ä, L. Spohr's Oratorium »Der Fall Babylons*.\nDeutsehe Oper in Rotterdam.]\nIndem ich Bezug nehme auf den in Ihrer Musik-Zei-\ntung (Nr. 3 vom 19. Januar d. J.) gegebenen Auszug aus\ndem „Jahresbericht unseres Vereins zur Beförderung der\nTonkunst\", erlaube ich mir, Ihnen eine ausführlichere\nMittheilung über die dort erwähnte Sinfonie mit Chor „Kai-\nser Karl V.\" und deren Aufführung zu machen, die Ihnen\nvielleicht nicht uninteressant sein dürfte. Die Aufführung\nfand am 6. April in Amsterdam durch die dortige Ab-\ntheilung des oben genannten Vereins Statt. Das Programm\nbestand aus:\nI. Sinfonie mit Chor: „Kaiser Karl V.\" von W. F.\nThooft.\n11. „Der Fall Babylons\", Oratorium von L. Spohr.\nBeide Werke wurden hier zum ersten Male zu Gehör ge-\nbracht. Veranlassung zur erstgenannten Composition gab\neine Preis-Ausschreibung des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst, deren Zweck war, ein Tonwerk ins Leben zu\nrufen, worin die sinfonische Verbindung des Gesanges mit\ndem Orchester in vollendeter Form dargestellt sein sollte.\nEs war daher den Componisten die Bedingung gemacht,\nkeine besonderen Instrumentalsätze zu schreiben, wie sol-\nches in Beethoven's neunter Sinfonie oder in Mendelssohn'ä\nLobgesang der Fall ist, sondern in allen Theilen der Sin-\nfonie den Gesang mit dem Orchester zu verbinden. Es ver-\nsteht sich, dass für diesen Zweck ein besonderes Gedicht\nverfertigt werden musste. Für die erste Preis-Ausschrei-\nbung im Jahre 1856 hatte Dr. Heye das Gedicht: „Un-\nsterblichkeit\", verfertigt. Jedoch nur Eine Composition des-\nselben ging ein, welche als ungenügend bei Seite gestellt\nwurde. Abermals wurde im Jahre 1857 dieselbe Preis-\nfrage ausgeschrieben, wobei den Componisten die Bearbei-\ntung des Gedichtes „Kaiser Karl V.\" von Dr. Wap\nzur Aufgabe gestellt wurde. Darauf kamen (December\n1858) zwei Bewerbungen ein, und wurde der Composition\nvon W. F. Thooft der Preis von 200 FI. zuerkannt.\nObgleich nun das Gedicht an einigen Stellen für sin-\nfonische Bearbeitung vortrefflich eingerichtet ist, so war\ndoch die Aufgabe sehr schwer, indem der Text im Gan-\nzen dramatisch bearbeitet ist, die Musik also bei dramati-\nschem Charakter doch immer so viel wie möglich die sin-\nfonische Form bewahren sollte.\nHauptgegenstand des Gedichtes ist die Krönung des\nKaisers Karl V. zu Bologna. Diese Krönung war eben so\nmerkwürdig durch die Umstände, unter welchen sie Statt\nfand, als durch die Person des Kaisers. Karl empfing,\nnachdem er zwei Kriege, gegen die Türken und gegen\nFrankreich, glücklich geführt und Mexico und Peruseiner\nspanischen Krone hinzugefügt hatte, zu Bologna die Cha-\nlybea oder Eiserne Krone als König von Italien, und zwei\nTage später aus den Händen des Papstes Clemens VII. die\ngoldene Kaiserkrone. Karl V. war damals Kaiser von\nDeutschland, König von Italien und von Spanien, Herr der\nvereinigten Niederlande und eines grossen Theiles von Ame-\nrica—eine Weltherrschaft, welche, wenn auch von kurzer\nDauer, einzig in der neueren Geschichte da steht.\nIn den drei ersten Theilen des Gedichtes wird Karl\nals Weltherrscher, Kriegsheld, Beschützer der Kirche, wie\nauch der Künste und Wissenschaften gefeiert. Der erste"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.5", "texte": "Theil wird gebildet durch fcwei Chöre: 1) Chor von Mal-\nteser-Rittern, 2) Chor von niederländischen, deutschen\nund italiänischen Frauen. Diese beiden Chöre wechseln\nsich gegenseitig ab und vereinigen sich am Schlüsse dieses\nTheiles. Die Form ist hier streng sinfonisch beibehalten.\nDas erste Haupt-Motiv ist dem Männerchor, das zweite\ndem Frauenchor zugetheilt; im Coda vereinigen sich die\nbeiden Chöre. Das Orchester spielt eine vom Chor ganz\nunabhängige Rolle und behauptet sowohl bei der Behand-\nlung der Haupt-Motive, wie bei der Durchführung die\nInitiative und seinen besonderen Charakter. Dadurch wird\ndas Verhältniss zwischen Chor und Orchester theilweise\nein ganz neues, welches aber dem Effect des Chors nicht\nim Geringsten schadet; nur muss der Chor nicht zu\nschwach besetzt sein.\nDer zweite Theil wird gebildet von einem Chor von\nPriestern, welche Karl als Beschützer der Kirche vereh-\nren. Die Einleitung des Orchesters ist hier kürzer gehalten,\nals im ersten Theile. Die Instrumentation zeichnet sich da-\ndurch aus, dass die Partie der Violinen ganz gesondert da\nsteht und wie eine Solo-Partie dem Chor und den Blas-\ninstrumenten gegenüber behandelt ist. Die Wirkung ist\neine gute; doch dürfte eine solche Behandlung nur aus-\nnahmsweise anzuwenden sein.\nDer dritte Theil war am schwierigsten zu bearbeiten.\nDer Dichter behandelt hier wieder zwei contrastirende\nHaupt-Elemente: Karl als Kriegsheld und Karl als Frie-\ndensfürst und Beschützer der Künste und Wissenschaften,\nund bietet daher dem Componisten eine vortreffliche Ge-\nlegenheit zu sinfonischer Form. Der Text ist aber sehr\ntrocken und, was ein Hauptfehler ist, zu didaktisch. Zum\nBeispiel: Der Kriegsheld (Bass-Solo):\nBSoliman lag ihm zu Füssen,\nSeinem Aug' wich Mekka's Fahn';\nPavia sah's schrecklich biissen,\nAls ihm Franz entgegen rann* u. s. w.\nEine solche Anhäufung geschichtlicher Ereignisse ist me-\nlodisch nicht zu bearbeiten. Dennoch müssen wir diesen\nSatz für gelungen erklären, und er wurde vom Publicum\nmit besonderem Beifall aufgenommen. Das Orchester kam\ndem Componisten dabei trefflich zu Statten. Dasselbe be-\nhandelt' in einer Einleitung die beiden contrastirenden\nHaupt-Elemente; nachher tritt ein Bass (Solo) ein, eine so\ngenannte declamirende Partie, welche das Orchester mit\nfreier Benutzung der in der Einleitung vorkommenden\nMotive illustrirt. Das zweite Element, „Der Friedensfürst\",\nwird durch ein Sopran-Solo, nachher durch ein Quartett\nvertreten, wobei das Orchester mehr eine begleitende\nRolle spielt.\nIm vierten Theile, welcher denSchluss bildet, nimmt das\nGedicht eine ganz besondere Wendung. Vom Helden des\nGedichtes ist hier nicht mehr die Rede. Der Dichter wirft\neinen prophetischen Blick in die Weltgeschichte und lässt\nden Genius der Geschichte auftreten, welcher die Ver-\ngänglichkeit aller menschlichen Grösse verkündet. Darauf\nvernimmt man im Schluss-Chor die Völker, welche mit\nVerwerfung der äusseren Einheit durch eine Welt-Monar-\nchie sich Kinder des ewigen Gottes nennen und sich zu\ninnerer Einheit in Liebe und Brudersinn ermahnen.\nDieser Satz ist natürlicher Weise nicht in sinfonischer\nForm verfasst. Auch das Orchester behauptet nicht mehr\nso streng seinen besonderen Charakter, indem die Situa-\ntion im Gedichte dies nicht erlaubt. Nach einem kurzen\nchoralmässigen Vorspiel des Orchesters fällt das Sopran-\nSolo (Genius der Geschichte) mit einem Recitativ oder\nArioso im Tact ein, und darauf folgt der Schlusschor (die\nVölker). Die gewöhnliche Form eines Chor-Finales\ndante maestoso, Allegro molto und Fugato) ist hier beibe-\nhalten.\nDas Werk wurde von Seiten des Publicums, so wie\nvon allen anwesenden Künstlern und Dilettanten mit dem\nwärmsten Beifall belohnt. Unter den Zuhörern befanden\nsich auch zwei talentvolle deutsche Künstler, der Tenorist\nSchneider aus Wiesbaden und der Bassist Hill aus Frank-\nfurt am Main. Die Aufführung geschah unter Leitung des\nComponisten und war von Seiten des Orchesters eine vor-\nzügliche zu nennen. Die Soli wurden vortrefflich gesungen\nvon Frau Offermans van Hove (Sopran), Frau Col-\nlin-Tobisch (Alt) und zwei tüchtigen Dilettanten. Der\nChor dagegen war zu schwach besetzt im Verhältniss zum\nRäume des Saales. Auch wurde eben so wie bei anderen\nAufführungen die Wirkung des Chors durch die ungün-\nstige Akustik des Saales und durch den unzweckmässigen\nBau der Orchesterbühne beeinträchtigt. Uebrigens leistete\nder Chor recht Braves, zumal, da auch im Spohr'schen\nOratorium: „Der Fall Babylons\", an demselben\nAbende noch eine sehr schwierige Aufgabe zu lösen war,\nund es an der nöthigen Zeit zur Vorbereitung gefehlt hatte.\nDas Oratorium von Spohr ist reich an einzelnen mu-\nsicalischen Schönheiten. Am meisten ragen hervor die\nChöre Nr. 11 (Chor der Krieger) und Nr. 13 (Chor der\nJuden), weiterhin die Doppelchöre Nr. 18, 19 und 20\n(Chor von Hofleuten, Priestern, Babylonierinnen und Ju-\nden); auch die Bearbeitung des Schluss-Chors mit der Dop-\npelfuge ist meisterhaft. Unter den Soli sind am schönsten:\ndie Arie des Cyrus (Nr. 5) für Bass, Nr. 8 Sopran, Nr. 9\nDuett, Nr. 15 Terzett, Nr. 23 Terzett für Alt, Tenor und\nBass, und Nr. 29 (Vision) Solo-Tenor (Daniel). Dagegen\nwird der Total-Eindruck sehr geschwächt durch das Zer-\nrissene und Planlose des Textes. Es fehlt der Handlung\nan Leben und dramatischem Zusammenhang. Einige Chöre,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.6", "texte": "wie z. B. Nr. 1 und Nr. 17, sind zu lang ausgedehnt, und\nüberhaupt würden einige Abkürzungen nicht schaden.\nDie Aufführung unter Leitung des Musik-Directors\nRichard Hol war recht gut, obgleich man mit einigen\nungünstigen localen Verhältnissen zu kämpfen hatte. Vor-\nnehmlich war es das Orchester, welches sich nicht zur\nGeltung bringen konnte, indem die Spohrsche Instrumen-\ntation, welche bei vielen Schwierigkeiten manchmal un-\ndankbar ist, wegen der akustischen Verhältnisse des Park-\nsaales nicht gut zur Geltung kommt. Der Chor überwand\ndie öfters vorkommenden Schwierigkeiten manchmal mit\nvielem Glück. Die Soli wurden gesungen von Frau Offer-\nmans van Hove, Frau Collin-Tobisch und den Her-\nren Schneider und Hill. Frau Offermans van Hove und\nHerr Schneider leisteten wie gewöhnlich recht Tüchtiges.\nFrau Collin-Tobisch war etwas schwach und schien im\nOratorium nicht gut disponirt zu sein. In Herrn Hill lern-\nten wir einen tüchtigen Basssänger kennen, der, mit einem\nschönen, kräftigen und umfangreichen Organ begabt, sich\nauch durch künstlerische Auflassung und Vortrag empfahl.\nVon der Sinfonie mit Chor sind bisher nur die Chor-\nstimmen gedruckt. Dem Vernehmen nach wird bei Schott\nin Mainz der Clavier-Auszug nächstens erscheinen.\nLassen Sie mich von hier nach Rotterdam über-\ngehen und Ihnen über die dortige deutsche Oper be-\nrichten, die auch hier in Amsterdam, so wie im Haag\nund in Utrecht Gast-Vorstellungen gegeben hat.\nSie wissen, dass es mit den Opern-Zuständen bei uns\nin Holland noch niemals glänzend ausgesehen hat. Haag\nbeharrt bei seiner Copie einer pariser oder brüsseler Oper,\nmögen auch zehn Mal bessere deutsche Kräfte verfügbar\nsein, wenn sich nur Leute fänden, die mit Eifer, Sinn und\nVerstand Hand ans Werk legen wollten. Wäre einmal\nerst die Gelegenheit, den französischen Geschmack mit\nOstentation zu zeigen, nicht mehr da, so würde es sich\nsehr bald offenbaren, wie es -sich denn in der That bei\nden Vorstellungen der deutschen Oper in Rotterdam offen-\nbart hat, dass die Niederländer für classische deutsche\nMusik einen höchst empfänglichen Sinn haben, ja, dass\nmanche dramatische Meisterwerke der Deutschen hier noch\nein grösseres Publicum finden, als bei Ihnen. Ich gebe\nIhnen Beweise. Können Sie mir eine deutsche Bühne nen-\nnen, auf welcher Beethoven's Fidelio in Einer Saison\nsechszehn Mal gegeben worden, Mozart's Don Juan\nsechs, Figaro's Hochzeit zehn, die Zauber flöte\nsechs, Weber's Euryanthe neun, der Freischütz\nsieben Vorstellungen erlebt haben? Ich habe alle Reper-\ntoire-Resume's der grösseren Theater durchgesehen: ich\nfinde keines, wo dies so der Fall gewesen wäre*), wie wir\nes bei der Gesellschaft von Rotterdam gesehen haben.\nDas Zustandekommen des Unternehmens hat allerdings\nauch in Rotterdam grosse Schwierigkeiten gehabt, und ich\nbin in Stand gesetzt, einige frühere Mittheilungen eines\nIhrer Herren Correspondenten aus Rotterdam zu ergänzen.\nBis zum Frühjahre 1859 waren die Theater-Zustände da-\nselbst in grosser Verwirrung ; Uneinigkeit unter den Häup-\ntern der Dilettanten war auch nicht geeignet, sie zu lösen.\nDurch mehrere sehr gediegene Zeitungs-Artikel des Herrn\nThooft wurde die öffentliche Meinung nach und nach\ndahin berichtigt und dafür gestimmt, dass der Besitz eines\nvollständigen Orchesters und einer Oper für Rotterdam\neine Nothwendigkeit sei. Es kam mit Zuziehung des Thea-\nter-Directors von Amsterdam, Herrn de Vries, ein Project\nzu Stande, das für Rotterdam und Utrecht eine deutsche\nOper und ein holländisches Schauspiel zum Ziele hatte.\nEs fand nicht die gehörige Unterstützung; die Zeichnung\nbrachte nicht mehr als 20,000 Gulden zusammen. Den-\nnoch gaben die eigentlichen Urheber des Planes ihre Idee\nnicht auf. Es trat eine neue Commission zusammen; aber\nauch diese würde nicht viel ausgerichtet haben, wenn nicht\nder oben genannte Herr Thooft den glücklichen Gedanken\ngehabt hätte, die Actionäre zum Theil durch freie Plätze\nim Theater zu entschädigen. Auf diese Weise kam denn\neine Zeichnung von 75,000 Gulden zu Stande, was aller-\ndings ein sehr erfreuliches und sehr rühmenswerthes Er-\ngebniss war.\nDie Leitung der Oper wurde Herrn Capellmeister\nSkraup, früher in Prag, übertragen, und es ist höchst\ndankenswerth anzuerkennen, was dieser treffliche Musiker\nund ausgezeichnete Dirigent mit einem Institute, wo Alles\nneu zu schaffen war, geleistet hat. Er hat namentlich auch\ndas Orchester zu einem sehr guten gemacht; aber es macht\nauch den Mitgliedern des Orchesters Ehre, dass sie, von\nwirklicher Liebe zur Kunst beseelt, es an Eifer niemals\nfehlen Hessen, wenn auch für die schwierigeren Opern\nmehrere Orchester-Proben allein gehalten wurden. Daher\nkam es denn aber auch, dass bei den Leistungen dessel-\nben in den Ouvertüren, besonders in der grossen Leono-\nren-Ouverture, das Publicum immer in einen Sturm von\nBeifall ausbrach. Am Schlüsse der Saison wurde die Oper\n„Meergeuse\", Musik von Herrn Skraup, mit grossem\nErfolg zwei Mal (am 17. und 19. April) gegeben, wobei\ndie in den früheren Correspondenzen aus Rotterdam ge-\nnannten Sängerinnen und Sänger, so wie der überhaupt\nstets recht gute Chor mit dem Orchester wetteiferten, der\ntrefflichen Composition die vollste Anerkennung zu ver-\nschaffen.\n• Ich erlaube mir, Ihnen das vollständige Repertoire\ndieser ersten Saison der neuen deutschen Oper in Holland\n\n*) Wir auch nicht! Die Eedaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.7", "texte": "beizulegen; ich glaube, es darf sich sehen lassen. Es fan-\nden Aufführungen Statt von:\nIn Total-\nRotterdam. Auswärts. Summe.\n1. Don Juan .... 4 2 6\n2. Martha ..... 8 2 10\n3. Freischütz . . . • 5 2 7\n4. Figaro 7 3 10\n5. Hugenotten. ... 3 3\n6. Norma 1 1 2\n7. Fidelio . . . . 7. 12 4 16\n8. Stradella ..... 2 2\n9. Zauberllöte. ... 4 2 6\n10. Nachtlager .... 2 2\n11. Tannhäuser. . . . 8 8\n12. Lucia 2 1 3\n13. Teil 3 3\n14. Euryanthe .... 6 3 9\n15. Romeo 1 1 2\n16. Meergeuse .... 2 2\n70 2l TT\nAnmerkung 1. Von den auswärts gegebenen Opern\nkommen 12 auf Utrecht (Fidelio und Figaro je 2 Mal),\n8 auf Amsterdam (Fidelio 2 Mal) und 1 (Euryanthe) auf\ns' G r a v e n h a g e.\nAnmerkung 2. Von den 70 in Rotterdam gegebenen\nOpern fanden im September 8, October 9, November 9,\nüecember 7, Januar 10, Februar 8, März 8 und April\n11 Stalt.\n\nS.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n24. o fllft« Die philharmonische Gesellschaft in Laibach, die\nschon im Jahre 1702 gegründet worden, hat Herrn Capellmeister\nFerd. Hill er zu ihrem Ehren-Mitgliede ernannt. Dessen Oratorium\n»Die Zerstörung Jerusalems\" hatte daselbst in zwei Aufführungen\nhinter einander einen ausserordentlichen Erfolg gehabt, eben so wie\nkürzlich in Kegensburg; auch bei dem Musikfeste zu Middel-\nburg in Holland ist das schöne Werk zur Aufführung am ersten\nTage bestimmt.\nFür das grosse deutsche Sängerfest in Nürnberg hat F.\nHille r eine Cantate componirt.\nHerr Koslek, königlicher Kammermusicus aus Berlin, hat\nsich in drei Concerten im Gertrudenhofe als ausgezeichneten Vir-\ntuosen auf dem Covnet a j)istons bewährt. Es ist nur zu wünschen,\ndass für dieses Instrument, dessen Ton einen ganz besonderen sinn-\nlichen Reiz hat, Musik geschaffen werde, welche so eminente tech-\nnische Leistungen, wie die des Herrn Koslek, in das Gebiet des\nmusicalisch Schönen erheben könnte.\nÜÄaIsÄZ« Selten waren wir Zeugen von so ungemessenen Ova-\ntionen, wie sie in sechs Opern-Vorführungen Troubadour (2 Mal),\nNachtwandlerin, Wilhelm Teil und Barbier von Sevilla (2 Mal)\ndem ausgezeichneten Tenoristen, Herrn Manuel Carrion de An-\nguiano zu Theil geworden sind. Wir wissen nicht, ob wir der bis\nin die höchsten Töne kräftigen, reinen und gleichen Stimme, oder der\ntrefflichen Bildung derselben, gepaart mit dem geschmackvollsten\nVortrage und einem edlen Spiel, den Vorzug zuerkennen sollen, glau-\nben aber, dass nur die Vereinigung aller dieser Eigenschaften das\nEntzücken des Publicums in solchem Grade hervorrufen konnte.\nNeben dem 1 enor-Heros Carrion konnte eigentlich nur noch unsere\nColoratursängerin Fräulein Langlois wenigstens als Stern zweiter\nGrösse glänzen, und wir verkünden dieser jungen Dame, wenn sie\nmit gleichem Eifer an ihrer Ausbildung fortzubauen sich bemüht,\neine schöne Zukunft voraus Roger's Gastspiel war nicht so zahl-\nreich besucht, als der Ruhm des Gastes erwarten liess. Dagegen\nströmte wieder Alles in die sechsmalige Aufführung der neuen Oper\n„Faust von Gounod, denn hier hörte man nicht allein neue M/u-\n-sik, sondern man sah auch noch nie Dagewesenes, eine Menge von\nwahrhaft zauberischen Decorationen, Verwandlungen, Lieht-Effecten\nlänzen u. s. w. Item, es geht bei uns gerade so, wie anderwärts;\nsoll ein Stück ziehen, d. h. soll es der grossen Menge gefallen, so\nmuss es durch seine Ausstattung den Reiz der Neuheit erhöhen; ist\njene recht grandios, so darf selbst Mittelgut auf einen glänzenden\nEifolg rechnen. Für mehr als Mittelgut können wir aber wahrlich\ndie Musik der genannten Oper nicht erkennen. Gounod bekundet,\ndas wird wohl Niemand bestreiten, ein hübsches Compositions-Ta-\nlent, ein bei seinen Landsleuten seltenes Streben nach Charakterisi-\nrung und einen feinen Geschmack; dabei erweiset er sich jedoch als\neinen Eklektiker, der seine Meister und Vorbilder, darunter vor Allen\nMeyerbeer, allzu sichtlich benutzt und nachahmt.\nDie Liedertafel und der Damen-Gesangverein haben in vier gros-\nsen Aufführungen im November die 0-c2wr-Messe von Beethoven,\nim Januar „Paulus\" von Mendelssohn, im März „Der büssende Da-\nvid\" von Mozart, im Mai „Die Jahreszeiten\" von Haydn darge-\nthan, dass sie dem Schwierigsten gewachsen und den besten Gesang-\nVereinen Deutschlands zuzuzählen sind. Herr Marpurg legt\nnach einem ehrenvollen fünfjährigen Wirken die Direction der Lie-\ndertafel und des Damen-Gesangvereins nieder, um seine volle und\nungetheilte Kraft der Leitung der Oper zu weihen. Herr Marpurg\ngehört unstreitig zu den vorzüglichsten Direetoren, deren sich die\nLiedertafel seit ihrem dreissigjährigen Bestehen erfreut hat. Möge\nihn auf seiner ferneren Lebensbahn allzeit das Glück begleiten;\nmöge es ihn insbesondere in der von ihm jetzt ausschliesslich ge-\nwählten Carriere bald in eine solche Stellung versetzen, welche ihm\nden Reichthum seiner Kenntnisse und die Fülle seiner Kraft auch\nvollständig zu verwerthen gestattet. (Südd. M.-Z )\nMessel, Der Lieder-Componist Heinrich Weidt hat seine\nStelle als Musik-Director am Hoftheater niedergelegt.\nIn Rudolstadt wurde kürzlich „Judas Ischarioth\", biblisches\nDrama von F. Röhrig, Musik von A. Späth, aufgeführt. Das-\nselbe wird als ein Werk bezeichnet, das in jeder Hinsicht die Auf-\nmerksamkeit, die Beachtung des Musik-Pubiicums verdient. „Bringt\ndie Musik an und für sich nicht bimmelstürmend Neues, so ist doch\ndie Anlage des Ganzen, die Form eine neue, originelle zu nennen,\ndie Factur eine so gediegene, wie sie nur von einem Meister, wie\nA. Späth es ist, zu erwarten war. Das Werk stellt sich in seiner\nAnlage und äusseren Form zwischen das traditionelle Oratorium\nund die Oper. Möchte dieses Werk, wie es in Rudolstadt durch den\nHofmusicus C. Bloss in der dasigen Hauptkirche zur Aufführung\nkam, auch anderwärts dem Publicum vorgeführt werden. Der Er-\nfolg wird nur ein günstiger sein. * So lautet ein uns zugekommener\nBericht. (D. M.-Z )\n¥Wieil* In aller Stille fand hier am 23. April die Vermählung\ndes Herzogs Leopold von Sachsen-Coburg, k. k. Obersten der In-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610608-01.1.8", "texte": "fanterie, mit Fräulein Constanze Geiger Statt. Die jetzige Herzogin\nwar als eine Art Universal-Genie bekannt; sie componirte, sang,\ntanzte, spielte Ciavier und Komödie, und hat sieh auf ihren zahl-\nreichen Kunstreisen in den meisten Städten Deutschlands producirt,\njedoch selten die gewünschte Anerkennung gefunden. Die Ver-\nbindungen zwischen Künstlerinnen und Mitgliedern der Aristokiatie\nmehren sich in Wien. Wie vor einigen Jahren Fräulein Louise Neu-\nraann Gräfin Schönborn und ganz kürzlich Fräulein Gossmann Ba-\nronin Prokesch wurde, so wird sich in diesen Tagen die Schauspie-\nlerin Fräulein Bossler mit dem Baron Bruck, einem Sohne des ver-\nstorbenen Ministers, vermählen.\nParis, 2. Juni. Gluck's Alceste wird nun doch zur Auf-\nführung kommen, wiewohl meine frühere Nachricht, dass sie wieder\nzurückgelegt worden, vollkommen begründet war. Das Hinderniss\nlag an den Forderungen für das feste Engagement einer berühmten\nSängerin. Gegenwärtig ist ein Engagement par reprtsentations mit\nMadame Viardot- Gar ci a abgeschlossen. Bei der Inscenesetzung\nwerden Auber und Berlioz zugezogen, von denen der erstere\nnoch die Traditionen früherer Aufführungen bewahrt.\nEine seltene Erscheinung in Paris ist der Druck eines Quin-\ntetts für Pianoforte, Violine, Viola, Violoncell und Contrabass von\nAlbert Sowinski Es hatte im vorjährigen Concerte des Compo-\nnisten grossen Beifall gefunden.\nMan wird in Deutschland kaum begreifen, dass hier in Paris\ndas Gesang-Unterrichts-System nach Ziffern, über welches dort\nlängst der Stab gebrochen, noch Gegenstand ernster und in dicklei-\nbigen Büchern geführter Streitigkeiten ist. Männer wie Auber, Ha-\nlevy, Clapisson, Kastner, Niedermeyer u. s. w. halten es noch für\nnöthig, dagegen aufzutreten und ihre Meinung in einer Broschüre\nzu veröffentlichen, und Scudo ruft mit Zorn aus: BWenn es auch\nbewiesen wäre, dass durch Cheves Methode ganz Frankreich in\nvierundzwanzig Stunden jegliche Musik lesen und singen lernen\nkönnte, was Gott verhüte! so würde doch dieser Vortheil die bar-\nbarische Verwirrung nicht aufwiegen, welche diese Methode in das\nmusicalische Noten-System bringt, das die einzige Universalsprache\nauf der Welt ist.\"\nAlexander Dreysehock gab in St. Petersburg am 7. Mai\nein sehr besuchtes Concert im grossen Theater. Am 17. Mai gab\nderselbe ein Concert in Kronstadt, folgte dann einer Einladung zu\neinem Concerte in Riga und wird von dort seine Rückreise nach\nPrag antreten.\n♦\nDeutsche Tonhalle.\nIn Folge des am 24. März erfolgten Todes des Herrn A. Schüss-\nler, des verdienstvollen Gründers und eifrigen Pflegers der Tonhalle,\nhat die Führung unserer Geschäfte eine unvermeidliche Zögerung\nerfahren, die wir sehr bedauern. Indem wir unsere verehrlichen Mit-\nglieder bitten, unserem gemeinnützigen Vereine ihr Vertrauen und\nihre Gunst auch ferner zu bewahren, ersuchen wir sie, für uns be-\nstimmte Briefe und andere Sendungen einfach unter der Adresse:\n„An den Vorstand der deutschen Tonhalle in Mannheim\", postfrei\nuns zugehen zu lassen. Zugleich machen wir bekannt, dass unter\nden 261 vaterländischen Gedichten, welche in Folge des Ausschrei-\nbens vom Juni 18G0 bis Ende September eingelaufen sind, wir dem\nGedichte Nr. 38 von Karl August Mayer in Mannheim, mit dem\nMotto: „Schlag' deine Augen auf, die blauen, Germania!\" nach\nsorgfältiger Prüfung durch competente Richter den Preis zugesprochen\nhaben. Belobungen wurden zuerkannt den Gedichten: Nr. 133, ohne\nMotto, von Gustav Kühne in Dresden; Nr. 242, mit dem Motto:\n„Mein theures deutsches Vaterland, du feste Burg in Gottes\nvon August,Stobbe in Königsberg; Nr. 23, mit dem Motto: „O\n\nVaterland, o Vaterland, wie ist mein Herz dir zugewandt !• von\nWoldemar Alberti in Schleiz; Nr. 60, mit dem Motto: ©Wir\nwollen einig bleiben\", von F. C. Honcamp aus Büren in Westfa-\nlen; Nr. 96, mit dem Motto: „Wo deutsche Männer kraftbewusst*\nu. s. w., von Adolar Gerhard in Leipzig, und Nr. 186, mit dem\nMotto: „Ans Vaterland, ans theure, schliess' dich an\" u. s. w., von\nHeinrich Hildebrand in Lautereken. Das gekrönte Gedicht wird\ndemnächst zur Composition veröffentlicht werden.\nMannheim, den 30. Mai 1861.\nDer Vorstand."}]}