{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-06-15-01", "volume": "bmtnabi_1861-06-15_01", "ocr_sha256": "5b446b45a249e453b9783ef4c0207d576a15a57cc3c2af9fc13cb78d03d93952", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/06/15_01/bmtnabi_1861-06-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 448, "texte": "Inhalt.\nDie venetianische Schule in der Musik und in der Malerei. Die Musik bei der Ausstellung in Metz. Die musicali-\nsehe Thätigkeit Münchens in den Monaten Februar, März und April. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, 19. Stiftungsfest\ndes kölner Männergesang-Vereins Mainz, Herr Rühl Darmstadt, Agnes Pirseher f Braunschweig, Franz Abt Sängerfeste\nKönigsberg, Musikfest Rostock, Musikfest Wien, Opern Spaa, Concert-Saison London, Orpheonisten)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "189", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.2.2", "titre_corps": "Die venetianische Schule in der Musik und in der Malerei", "titre_sommaire": "Die venetianische Schule in der Musik und in der Malerei", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.1", "debut_caractere": 450, "fin_caractere_exclue": 4565, "texte": "Die venetianische Schule in der Musik und in der\nMalerei\n*).\nDen 12. December des Jahres 15*27 wurde Adrian\nWiilaert zum Capellmeister der Basilica zu S. Marco\nernannt. Geboren in Brügge in den letzten Jahren des\nfünfzehnten Jahrhunderts, hatte Wiilaert den Contrapunkt\nzu Paris unter der Anleitung von Johannes Mouton\nstudirt. Nachdem er eilf Jahre in Diensten Lud wig's 11.,\nKönigs von Ungarn, gestanden hatte, war er nach Vene-\ndig gekommen, um sich daselbst niederzulassen, wo er auch\nim Monat September des Jahres 1563 starb. Wiilaert\nwird als der Gründer der venelianischen Schule angesehen,\ndie man in drei Epochen theilen kann, deren jede durch\neinen berühmten Künstler vertreten wird. Adrian Wiilaert\nund seine unmittelbaren Schüler, wie Cyprian de Bore,\nsein Landsmann, Nicolaus Vicentino, Francesco\ndella Viola und der gelehrte Theoretiker Zarlino bil-\nden die erste Periode, Johannes Gabrieli die zweite,\nund Claudio Monteverde die dritte, welcher sich Ca 1 -\ndara, Lotti, Marcello und die grössten Componisten\naus dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts anschliessen.\nWas man in der Kunst eine Schule nennt, d. h. einen\nMittelpunkt traditionel fortgepflanzter Ideen, Verfahrungs-\nweisen und Erinnerungen, ist das Ergebniss zweier unter\neinander verschlungenen Bewegungen, einer allgemeinen\nBewegung des menschlichen Geistes und eines localen Ein-\nflusses, der dem Lande angehört, wo eine Schule sich bil-\ndet. Italien z. ß., obschon es an der europäischen Bildung,\ndie das Werk des Christenthums ist, Theil nimmt, unter-\nscheidet sich doch durch einen eigentümlichen Charakter,\nwie Venedig inmitten der italiänischen Bildung, zu welcher\nes den Anstoss gegeben hat, eine hervorragende Eigen-\ntümlichkeit bewahrt, die es allen seinen Handlungen auf-\ndrückt. Ich will nicht in Erinnerung bringen, was Venedig\ngewesen ist, durch welche Wunder von Muth, Geduld und\nAusdauer es sich aus dem Grunde der Lagunen, welche\nseine Wiege gewesen sind, zu dem ersten Range eines\npolitischen Körpers erhoben hat. Venedig liefert eines der\nschlagendsten Beispiele von der Gewalt menschlicher, durch\nVernunft geleiteter Thätigkeit. Stark und unermüdet\nim Kriege, der stets nur ein Mittel war, seine Unabhän-\ngigkeit zu behaupten und seine Handels-Interessen zu\nschützen, ruhig und Aufwand liebend im Frieden, der das\nstete Ziel seiner Politik war, brachte diese Republik von\nKaufleuten, von Patriciern, von Künstlern, von Staatsmän-\nnern, von Denkern und von sorglosen Dichtern eine aus-\nnehmend originelle Bildung hervor, in welcher sich die\nFreiheitsliebe des hellenischen Geistes mit dem praktischen\nMenschenverstände der Römer verschmolz.\nEdelmüthig, gastfreundlich, dem Christenthume erge-\nben, aber unabhängig der Kirche gegenüber, deren beson-\ndere Gerichtsbarkeit sie zurückwies, reichte die Republik\nallen berühmten Verbannten die Hand, einem Kepler und\nGalilei, Gelehrten, Künstlern, enterbten Prinzen, welche\nsie alle mit ihrem Schutze und mit ihrer Freigebigkeit\n\n*) „Der Chevalier Sarti, oder musicalische Zustände\nVenedigs im achtzehnten Jahrhundert. Ein Roman\nvon P. Scudo. Aus dem Französischen übersetzt und mit\nAnmerkungen begleitet von Otto Kade, Cantor und Musik-\nDirector in Dresden.a Bei Rudolf Kuntze. IX und 576 S. 8.\nPreis 2 Thlr. Dieses Buch, vor zwei Jahren erschienen, ist\nzu wenig beachtet worden, wovon vielleicht der Titel: „ein\nRoman\", die Schuld trägt, da dieser, oder vielmehr das Biss-\nchen Roman, das durch das Buch geht, nicht besonders an-\nziehend, sogar etwas langweilig ist. Allein er nimmt glückli-\ncher Weise nicht viel Raum ein. Die Hauptsache sind von den\nzehn Capiteln das 111., VI. bis X., welche sich auf das Leben\nund die Musik in Venedig beziehen. Hier ist Scudo auf sei-\nnem Felde, und wenn man auch nicht gründliche Forschun-\ngen, wie bei Winterfeld, hier suchen darf, so findet man doch\nhistorische Uebersichten in angenehmer Darstellung und Be-\ntrachtungen über die Kunst von interessanten Gesichtspunkten\naus, welche das Buch empfehlenswerth machen. Eine Probe\ndavon möge der obige Aufsatz geben, welcher den Schluss des\nVII. Capitels: »Die Musik Venedigs\", bildet."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5572, "texte": "überhäufte. Die Geschichte, die Politik, die Wissenschaft,\ndie Sitten, die Literatur und die Künste gaben ihr eine\nNational-Eigenthümlichkeit, welche sie stark von den an-\nderen Civilisationen Italiens unterschied. Und welches sind\ndie hervorragenden Züge dieses Nationalgeistes, der die\nvenetianische Schule nothwendig begeistern muss? Anmuth,\nZierlichkeit, Geschmeidigkeit der Formen und der Sprache,\nfeiner Geschmack in Vergnügungen, in Empfindungen und\nim Leben, nicht in dem Leben, welches sich in den Tie-\nfen der Seele eoncentrirt, welches sich durch Ueberlegung\nläutert und sich bestrebt, das höchste Ideal zu erreichen,\nsondern in dem Leben, das nach aussen strebt, das Ge-\nräusch, die Freude und das Licht sucht und sich am Bu-\nsen der Natur und der Geselligkeit nährt. Weder starke\nSchmerzen noch grosse Traurigkeit, sondern Hoheit,\nPrunk, Ueppigkeit, ein ausserordentliches Feuer, eine Har-\nmonie, welche bezaubert, dramatische Gegensätze der Lei-\ndenschaft und eine Farbe, ach, eine Farbe endlich, welche\nallen diesen Effecten Ausdruck gibt:—das sind die an un-\nserer Malerschule erkannten Eigenthümlichkeiten, von Bel-\nlini bis auf Tiepolelto. Nun denn; gerade durch den dra-\nmatischen Ausdruck und das Colorit, das heisst durch den\nRbvthmus und die Modulation, zeichnet sich auch die Mu-\nsik der venetianischen Schule aus.\nDie moderne Musik ist die Tochter der alten griechi-\nschen Musik, wie die Sprachen, die wir sprechen, und die\nCivilisation des abendländischen Europa hervorgegangen\nsind aus der durch ein neues Princip, nämlich durch das\nChristenthum, umgestalteten römischen Welt. Die Musik\nhat Theil genommen an allen Wechselfällen des mensch-\nlichen Geistes, indem sie nach lind nach aus der Mannig-\nfaltigkeit der ursprünglichen Scalen zu immer einfacheren\nTonverbindungen überging, die dem Instinct des Volkes,\ndas mit dem Gelehrtenthum in Krieg gerieth, angemesse-\nner waren. Aus den drei zusammengesetzten Systemen der\ngriechischen Musik entlehnt die Kirche die acht diatoni-\nschen Kirchen-Tonarten, die für das unerfahrene Ohr jer\nMenge die fasslichsten sind, weil in ihnen die natürliche\nund ursprüngliche Consonanz der Octave durch den Bruch\ndes Tetraebordes beherrscht wird. Auf diesen diatonischen\nTonscalen, welche sich von einander nur durch die immer\nveränderliche Stellung unterscheiden, die der Halbton ein-\nnimmt, und welche weit mehr den Dialekten, in denen die\nWillkür herrscht, als einer Sprache gleichen, die im Be-\nsitze jenes Charakters der Beständigkeit ist, der eine allge-\nmeinere Bildung verräth, haben die Harmoniker die Wis-\nsenschaft der Accorde errichtet, die vom achten bis zum\ndreizehnten Jahrhundert zu ihrer ersten Entwicklung ge-\nlangt. Nun folgt eine der sonderbarsten Erscheinungen;\nüber ganz Europa sieht man die llamändischen Contra-\npunktisten, diese Dialektiker der musicalischen Scholastik,\nsich ausbreiten, welche sich weniger mit der Tiefe des\nGedankens, als mit der Form, die ihn enthalten soll, be-\nschäftigen, und die sich bestreben, alle wesentlichen Be-\nstandtheile der Sprache zu vervollkommnen, deren sich der\ngöttliche Palestrina bedient hat. Er, das Haupt der römi-\nschen Schule, beschliesst das Mittelalter, er schafft die\nwahre Musik des Kalholicismus, deren hohen Ernst man\nnie übertreffen wird, und er stirbt, indem er eine Umwäl-\nzung ahnen lässt, die zu Venedig sich vollenden soll.\nDie musicalische Schule, zu Anfang des sechszehnten\nJahrhunderts durch den Niederländer Willaert gegrün-\ndet, entwickelt ein Princip, das die ganze Bildung von Ve-\nnedig charakterisirt, nämlich Verschwisterung der prakti-\nschen Wirklichkeit mit dem Geschmack an edlen Vergnü-\ngungen und an dem Prunke des Lebens. Dieses Princip\ndrückt sich in den plastischen Künsten aus, vor Allem in\nder Malerei durch das Vorherrschen des Colorits, welches\nden Glanz und die Gegensätze der äusseren Welt auffasst,\nund in der Musik durch das dramatische Gefühl, dessen\nmaterielle Mittel der Rhythmus und die Modulation sind.\nDem geheimen Einflüsse des Landes, das sie bewohnten,\nunterthan, wie die Pflanzen, die von der Erde den Saft,\nder sie ernährt, erhalten, sannen Adrian Willaert,\nCyprian de Bore, Andreas Gabrieli aufMittel, län-\ngere Tonstücke zu zwei, drei und mehr Chören mit einan-\nder zu verbinden, die zusammen reden und sich von einem\nder Basilica zu S. Marco bis zum anderen antwor-\nten. Zu diesen unbewussten Versuchen eines dramatischen\nGefühls, belebt durch die chromatischen Versetzungszei-\nchen und durch bis dahin noch nicht benutzte rhythmische\nFiguren, fügt Johannes Gabrieli die Begleitung von\nInstrumenten hinzu, deren Klangfarben er mit einer auf-\nfallenden Kühnheit der Einbildungskraft auswählt. Er be-\nfestigt die Gewalt dieser Wirkungen durch das Verständ-\nniss der Poesie und der liturgischen Worte, aus denen er\neine Art von Drama oder Oratorium bildet, welche ihm\nVocal-Verbindungen von Bhythmus und Harmonie eingibt,\ndie mit dem Bestehen des Gregorianischen Kirchengtsan-\nges unverträglich sind. In die Fussstapfen seiner Vorgänger\nin der venetianischen Schule und in die von Gesualdo tre-\ntend, beendet Monteverde die vor ihm begonnene Bevo-\nlution, indem er mit besonderer Hartnäckigkeit jenen be-\nrühmten Accord der Dominant-Septime anwendet, der\ndem Ohr den Wunsch nach der consonirenden Octave ein-\nflösst. So wurde in der Kunst und durch den Einfluss oder\ndurch den Druck der Harmonie die Einheit unserer heu-\ntigen diatonischen Scala gebildet, welche die Scalen des\nalten Gregorianischen Kirchengesanges verdrängte, indem\nsie letztere verschlang, wie die Dialekte vor jener einfache-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5647, "texte": "ren Sprache, die das Werkzeug der geistigen Reife ist,\nverschwinden. Mit dem Erscheinen der natürlichen Disso-\nnanz, die der Quell der Modulation, das heisst des Colo-\nrits ist, beginnt in Europa die Unterscheidung nationaler\nSchulen; denn sie verschafft dem Componisten die mate-\nriellen Mittel, zugleich den Ausdruck entgegengesetzter\nLeidenschaften wiederzugeben, und die Melodie, die nur\nein absolutes Gefühl der Seele ausdrückt, mit allen Um-\nständen der Zeit, des Ortes, des Lichtes und Schattens zu\numgeben, welche die Gegenwart der äusseren Natur be-\nkunden. Auch die durch Monteverde bewirkte Revolution\nist keine vereinzelte Thatsache. Gleichzeitig mit der Ent-\nstehung der Oper und der künstlich erfundenen Melodie,\ndie sich der Poesie anzuschmiegen und von den Verschlin-\ngungen der Madrigal-Musik loszureissen versucht, ist die\nErfindung Monteverde's nur die unmittelbare Folge einer\nallgemeinen Emancipalions-Bewegung, welche das ganze\nsechszehnte Jahrhundert hinreisst. Als geistreicher Künstler\ngehorcht Monteverde dem Einflüsse seiner Zeit; er will,\ndass die Rede oder die Poesie die Herrin der Harmonie\nsei, im Gegensatz zu den Vorschriften der Contrapunktisten,\nwelche das Wort nur als einen Vorwand zu ihren spitz-\nfindigen Kunstgebilden betrachteten. Aus diesem Grund-\nsatze, der das Ohr zum höchsten Richter über musicali-\nsche Schönheit bestimmt, gehen die bewundernswürdigen\nWirkungen der neueren Kunst hervor. Lotti, Marcello\nund Galuppi, jeder gemäss seiner besonderen Geistes-\nrichtung, beendigen eine Revolution, der auch der Ritter\nGluck sich anschloss.\nDie italiänische Musik scheidet sich in drei grosse\nSchulen: die römische Schule, gegründet durch den\ngöttlichen Palestrina, der das Ideal des Gebetes der ka-\ntholischen Kirche, deren dogmatische Einheit es zu offen-\nbaren scheint, indem es jede dem Gregorianischen Kirchen-\ngesange fremde Modulation zurückweist, auf immer fest-\nstellt; die venetianische Schule, in der die Bewegung\nund die Phantasie des Lebens ausbrechen, und welche sich\nbemüht, zwei Haupt-Elemente des dramatischen Ausdrucks,\nden Rhythmus und das Coloril, zu entwickeln; und\ndie neapolitanische Schule, welche mit beiden etwas\ngemein hat, aber besonders mit der venetianischen Schule.\nIch glaube die Frage ausführlich genug beantwortet\nzu haben, die ich zu erörtern versprach, indem ich bewies,\ndass der Geist Venedigs auf die Tonkunst denselben Grad\nvon Einfluss wie über dfe anderen Theile der Civilisation\nausgeübt hat. Die Musik beginnt zu Venedig, wie bei allen\nanderen modernen Völkern, mit Volksgesängen und dem\nGregorianischen Gesänge. Diese beiden Elemente, welche\nden beiden grossen Eintheilungen der Gesellschaft im Mit-\ntelalter entsprechen, vermischen sich bald, wie der weit-\nliehe Geist den der Kirche durchdringt, und aus der Gäh-\nrung, welche aus dieser Berührung entspringt, die das An-\nsehen der Kirche nicht hindern kann, lös't sich eine neue\nKunst los. Als in dem grossen und ausserordentlichen\nWettstreite der Renaissance Venedig sich glänzend durch\ndie Hand seiner Architekten, Maler und Bildhauer erhob,\nerzeugte es auch Musiker, welche seinem Ruhme einen\nneuen Strahl hinzufügen, und welche nicht weniger treu\ndie Eigentümlichkeiten seines Geistes reflectiren. Durch\neinen niederländischen Künstler gegründet, der ihr den\nKeim harmonischer Verwebungen mittheilte, hat unsere\nMusikschule dasselbe Geschick wie unsere Malerschule\nO\nhabt, die auch von ultramontanen Künstlern den ersten\nFunken der Farbenpracht erhalten hat, wodurch sie sich\nso wesentlich auszeichnet. Wer in der That weiss nicht,\ndass Albrecht Dürer, Hemmling von Brügge, Ge-\nrard von Gent, Vivien von Antwerpen und viele andere\nMaler aus Belgien, Holland und Deutschland zu Venedig\nmit jener gastfreundlichen Freigebigkeit aufgenommen wur-\nden, die uns charakterisirt, und dass, abgesehen von dem\nberühmten Breviar des Cardinais Grimani, welches so zahl-\nreiche Zeugnisse ihrer Talente enthält, die Galerieen unse-\nrer Patricier mit ihren besten Meisterwerken angefüllt\nwurden? Wenn auch Antonello von Messina dem Gio-\nvanni Bellino das Geheimniss der Oelmalerei entdeckte,\ndie von van Eyck aus Brügge unlängst erfunden worden\nwar, so hatte die venetianische Schule doch bald ein sol-\nches Uebergewicht in der magischen Kunst der Farben-\nmischung erlangt, dass sie nun ihrerseits wieder die Leh-\nrerin der flamändischen und niederländischen Maler ward.\nSie bezahlte grossartig die Schuld der Dankbarkeit, da die\nWerke Giorgione's, vor Allem Titian's, Tintoret-\nto's und Paul Veronese's die Quelle sind, aus welcher\ndas Genie Rubens' sich sättigte. Das ist gleicher Weise\nder Ursprung und der Einfluss unserer musicalischen\nSchule gewesen, die, nachdem sie durch einen niederlän-\ndischen Contrapunktisten gegründet worden war, zahlreiche\nSchüler bildete, unter denen Leo Hasler*) und Hein-\nrich Schütz **) in Deutschland und im Norden von Europa\n\n*) Hans Leo Hasler, geboren zu Nürnberg im Jahre 1564,\nwar seit 1585 Organist in Diensten des Grafen Octavianus\nFugger in Augsburg, 1601 Hofmusicus des Kaisers Rudolf 11.,\nendlich von 1608 bis zu seinem Tode 1613 Hoforganist des\nKurfürsten Christian 11. von Sachsen. Er war ein ausgezeich-\nneter Tonsetzer, sowohl für die Kirche (Messen, Kirchenge-\nsänge, Psalmen, Motetten u. s, w.), als für das weltliche\nLied. Seine aus zwei Theilen bestehende Sammlung: Lust-\ngarten deutscher Gesänge, Balletti, Galliarden und In-\ntraden zu vier, fünf, sechs und acht Stimmen, Nürnberg, 16017\nist ein Muster- und Meisterwerk aller weltlichen Lieder-Com-\nposition jener Zeit in Deutschland. (Anm. d. Uebers.)\n**) Heinrich Schütz, 1585 zu Köstritz geboren, 1613 Hof-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5623, "texte": "die Wissenschaft, das Colorit und die dramatischen\nTendenzen verbreiteten, welche sie in der venetiani-\nschen Schule und unter der Anweisung ihrer Lehrer An-\ndreas und Johannes Gabrieli geschöpft hatten. Ob-\nschon diese häufigen Berührungspunkte Deutschlands mit\nItalien, und namentlich Hollands und Belgiens mit Vene-\ndig durch die grosse Begebenheit der Eroberung, so wie\ndurch die geographische Lage unserer schönen Stadt und\ndurch die politische wie mercantile Rolle, die es bis in die\nMitte des siebenzehnten Jahrhunderts spielte, sich erklären\nlassen, so würden wir doch versucht sein, in diesem Aus-\ntausche gegenseitigen Einflusses die Offenbarung eines en-\ngeren Zusammenhanges der Natur der Dinge zu sehen.\nEs besteht eine so grosse Aehnlichkeit zwischen dem Tone\nund der Farbe, zwischen den Fähigkeiten des Künstlers,\nder sich durch den Glanz des Pinsels auszeichnet, und den\nFähigkeiten des Componisten, der Sinn für Modulation,\nColorit und dramatischen Ausdruck hat, dass es nicht wun-\ndern kann, wenn die mit denselben Anlagen ausgestatteten\nVölker sich gegenseitig anzogen und die angeborenen Ei-\ngenthümlichkeiten ihres Geistes einander mitgetheilt haben.\nSo viel ist gewiss, dass die niederländischen und belgischen\nMalerschulen sich durch das tiefe Gelühl unterscheiden,\nwelches sie für die Wirklichkeit haben, durch die Treue,\nmit der sie sich gefallen, Gegenstände aus dem bürger-\nlichen Leben darzustellen, und vor Allem durch die Land-\nschaft, deren wahre Töne und geheimnissvollen Hinter-\ngrund sie mit einer so grossen Vollendung nachahmen.\nDies sind nun eben die Eigenschaften, in denen auf eine\nunvergleichliche Weise die venetianische Malerschule glänzt,\nderen zarterer Geschmack die Gegenstände zu ihrer Nach-\nahmung besser wählt, und die in ihren Kunstwerken nur\ndie Poesie der Natur, die grossen Begebenheiten der na-\ntionalen Geschichte, den Glanz und die Pracht der Gesell-\nschaft darzustellen liebt. Es steht nichts desto weniger fest,\ndass die Niederlande und Belgien, so wie die freien Reichs-\nstädte Nürnberg und Augsburg mit Venedig die lebhafte-\nslen Handelsbeziehungen halten, welche zu den engsten\nVerbindungen und zu einem Austausche des Einflusses des\nNordens auf den Süden und des Südens auf den Norden\nVeranlassung gegeben haben, der eine der merkwürdig-\nsten Erscheinungen in der Geschichte des menschlichen\nGeistes ist.\nAuf einen deutschen Stamm gepfropft, wie unsere Pa-\nläste auf hundertjährigen Pfählen ruhen, ist die venetiani-\nsche Kunst aus diesem unfruchtbaren Boden wie eine edle\nPflanze aufgeschossen, Goldlrüchte tragend, welche die\nWelt in Erstaunen gesetzt haben. In der Kammermusik\nund den tausend Abzweigungen der Phantasie, in der Kir-\nchenmusik und der dramatischen Gattung, die sie mit be-\nzeichnender Vorliebe ausbildete, ist die venetianische Schule\neben so fruchtbar wie originel gewesen. Unsere Kirchen,\nunsere Theater, die vier Gesangschulen, die Akademieen,\ndie Privat-Capellen, selbst unsere öffentlichen Plätze, die\nnicht weniger unterhaltende Schaubühnen sind, wie die\nanderen, ganz Venedig hallte von Vocal- und Instrumen-\ntal-Concerten wieder, die dem Doni in der Mitte des sie-\nbenzehnten Jahrhunderts zu sagen Veranlassung gaben,\ndass er nur seit seinem Aufenthalte in Venedig kennen ge-\nlernt habe, was Harmonie sei. Leben und Licht, Bewe-\ngung und Leidenschaft zu sehr liebend, um sich in die\nTiefen der Seele zurückzuziehen oder sich in die reinen\nHegionen zu erheben, in denen Palestrina und Raphael\nund die ganze römische Schule sich bewegen, musste der\nvenetianische Geist sich nothwendiger Weise durch das\nAufsuchen des Colorils und die Nachahmung der schönen\nNatur offenbaren; er musste in der Malerei die beiden\nBellini, Giorgione und Titian, ihre Schüler Tinto-\nretto und Paul Veronese erzeugen; in der Musik einen\nWillaert und Cyprian de Rore, die beiden Gabrieli,\nMonteverde, Cavalli, Lotti, Marcello und Ga-\nluppi, welche man ihrer ähnlichen Eigenschaften, das\nheisst ihres Gefühls für Rhythmus und Modulation, ihres\nInstrumental-Colorits und der Wahrheit des dramatischen\nAusdrucks, wegen bewundern muss, die sie bis in den\nTempel des Herrn einführten.\nIn Venedig ist es, wo das Geheimniss der Oelmalerei\nsich verbreitet, welche der Kunst das Mittel verleiht, mit\nder Natur zu ringen, die Wellenschläge der äusseren Welt\nund die unendliche Verschiedenheit der Charaktere nach-\nzuahmen. In Venedig ist es, wo auch Monte verde eine\nRevolution begründet, die zum Gegenstande hat, den Geist\nzu befreien und ihm die materiellen Mittel an die Hand zu\ngeben, den Ausdruck der Leidenschaft und die Gleichzei-\ntigkeit dramatischer Effecte zu bewirken. Durchdrungen\nvon dem Befreiungsgeiste der Renaissance, wagt Monte-\nverde, den Grundsatz öffentlich auszusprechen, zu welchem\n\nOrganist des Landgrafen Moriz von Hessen, von 3614 bis 1672\nCapellmeister am kursächsischen Hofe, war ein höchst geist-\nreicher, fruchtbarer Tonsetzer und der bedeutendste Träger\nund Vermittler italiänischer Einflüsse, vorzugsweise des\nneu erfundenen Kecitativs, des Einzelgesanges und\nder geistlichen Concertform in Deutschland. Seine zahl-\nreichen, von 1611 bis 166 G veröffentlichten, so wie noch in Manu-\nscript befindlichen Werke, unter denen die höchst interessanten\n„sieben Worte Jesu Christi44 zu erwähnen sind, die ich\nauf der Bibliothek zu Kassel gefunden habe, weisen Schütz\nden ersten Platz unter allen Tonsetzern des siebenzehnten Jahr-\nhunderts in Deutsehland an Ueber sein Leben siehe die von\nmir aus dem königlich sächsischen geheimen Staats-Archiv ent-\nnommenen archiv al isehen Nachrichten, Sachsenchro-\nnik, Band 1., Seite 500. (Anm. d. Uebers.)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2444, "texte": "vor ihm schon in mehr oder weniger bestimmten Aus-\ndrücken Cyprian de Rore und Gabrieli, später Marcello\nund der Ritter Gluck sich bekannt hatten, dass nämlich\ndie Musik vor Allem dem Gefühl gehorchen und keine an-\ndere Aufgabe haben solle, als die Dichtung auszumalen\nund deren Wahrheit auszudrücken. Weder Gabrieli,\nnoch Monte verde, noch die ersten Erfinder des lyrischen\nDrama's, wie Vincenzo Galilei, Jufio Caccini und\nPeri, eben so wenig als Marcello und Gluck waren\ngelehrte Componisten nach der durch die herrschenden\nSchulen aufgestellten Lehre. Von dem Laufe des Jahrhun-\nderts mit fortgerissen, aufgeregt durch jene innere Bewe-\ngung, welche grosse Männer und grosse Dichter hervor-\nbringt, was Dante auf so bewundernswerthe Weise erläu-\ntert, wenn er, indem er von sich selbst spricht, sagt: „Ich\nbin einer von denen, die sich bemühen, das auszudrücken,\nwas ihnen die Liebe einflösst,\" haben sie die scholasti-\nschen Regeln verschmäht, die sie an die Scholle banden,\nund haben die Sprache der Leidenschaft geschaffen, das\nheisst die moderne Musik. Wer weiss, ob in dem Augen-\nblicke, in welchem ich spreche, Gott nicht einen dieser\nkostbaren Reformatoren erweckt, einen das Licht, das Le-\nben, die Leidenschaft liebenden Geist, welcher kommen\nwird, die Welt zu entzücken durch den Glanz des Farben-\nspiels, durch die Neuheit der Modulationen, durch die\nMacht seines Rhythmus, durch alle diese materiellen Mittel\nder dramatischen durch die venetianische Schule ausgebil-\ndeten Wirkungen, deren unvergängliche Ueberlieferungen\ner fortführen wird!\nDer Abbe Zamaria schien bei den Worten, welche diese\nseine Rede schlössen, ein Vorgefühl von der Ankunft\nRossini's zu haben, der in der That in Venedig sein er-\nstes und sein letztes italiänisches Opernwerk geschrieben\nhat, seinen Tancred und seine Semiramis. Der unsterbliche\n%\nVerfasser des Barbier von Sevilla und des Wilhelm Teil,\nden Italien zu verstehen nicht würdig ist, gesteht, dass das\nvenetianische Publicum sich an dem wunderbaren\nnicht sättigen konnte, welches in allen seinen Partituren\nglänzt, und von dein man die Keime in den Werken Mon-\nteverde's und Caccini's finden kann. Indem das Publicum\nvon Fenice sich an der mächtigen Farbenpracht, an dem\nFeuer, an dem Rhvthmus und an allen hervorstechenden\n' *)\nEigenschaften, welche die Schreibweise Rossini's bezeich-\nnen, berauschte, ahnte es nicht, dass es den geschichtlichen\nEinfluss der venetianischen Bildung begrüsse."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "191", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.2.3", "titre_corps": "Die Musik bei der Ausstellung in Metz.", "titre_sommaire": "Die Musik bei der Ausstellung in Metz.", "signature_source": "St", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.5", "debut_caractere": 2446, "fin_caractere_exclue": 5286, "texte": "Die Musik bei der Ausstellung in Metz.\n\nDie Stadl Metz hat bekanntlich in den ersten Tagen\ndieses Monats grosse landwirtschaftliche und gewerbliche\nAusstellungen veranstaltet, deren Reichhaltigkeit und man-\nnigfaches Interesse die Zeitungen geschildert haben. Auch\ndie Tonkunst sollte zur Erhöhung und Belebung der Fest-\nlichkeiten beitragen, und so wurde denn lür den 2. Juni\nein Männergesang-Wettstreit und für den folgenden\nTag ein musikfestliches Vocal- und Instrumental-\nConcert festgesetzt.\nDie Musik-Zustände in Metz sind besser, als in den\nmeisten Provincialstädten Frankreichs, womit aber freilich\nnicht gesagt ist, dass sie vortrefflich sind, lndess so viel\nist richtig, dass das deutsche Element in der alten deut-\nschen Reichsstadt, obwohl sie seit 1552 schon unter die\nHerrschaft Frankreichs gekommen, doch nicht ganz abge-\nstorben ist, wesshalb denn auch die Nähe von Mainz, Trier,\nAachen und Köln und das musicalische Leben in diesen\nStädten einen, wenn auch geringen, Einfluss auf Metz und\nseine Bevölkerung von mehr als 60,000 Einwohnern\nausübt.\nEs gibt dort zwei Männergesang-Vereine: „Der Or-\npheon\" (Dirigent Herr Mouzin) und „Der Cäcilien-Ver-\nein\" (Dirigent Herr Baudot). Auch fehlt es nicht an der\nBereitwilligkeit der Damen, wenigstens bei besonderen Ver-\nanlassungen, an einem Singverein und dessen Uebungen\nTheil zu nehmen. Die Stadt hat ein hübsches Theater, auf\nwelchem während des Winters auch Opern gegeben wer-\nden, deren Orchester freilich bunt zusammengestellt ist\nund viel zu wünschen übrig lässt. Es existirt sogar eine\nMusikschule, eine Succursale des Conservatoriums in Paris,\nderen Director Herr Mouzin ist; allein sie findet wenig\nTheilnahme.\nVierzehn Gesang-Vereine hatten dem Aufrufe des Co-\nmite's entsprochen, acht aus dem Grossherzogthum Luxem-\nburg (aus der Stadt der „Turn-Verein\", der „Gesang-\nVerein\", „Sang und Klang\", „Sängerbund\"), aus Frank-\nreich sechs (zwei aus Strasburg, je einer aus Colmar,\nPfalzburg, Joinville und Nancy*]). Am 1. Juni zogen sie\nmit Fahnen und Kränzen in die Stadt ein, ein oder zwei\nMusikcorps hiesiger Regimenter voran. Aber, o Himmel!\nwas für ein Charivari bliesen diese Kriegsmusiker! Ein\nmusicalisch gebildeter Franzose behauptete, wenn man die\nDeutschen schlagen wolle, so müsse man diese rasselnde,\npfeifende, aus verstimmtem Blech heulende Musik gegen\n\n*) Wir lesen in der Revue et Gaz. musicale de Paris. Nr. 23,\ndass die preussische Regierung den Gesang-Vereinen der\nRheinprovinz die Erlaubniss verweigert habe, „die Gränze zu\nüberschreiten\"! Wieder einmal ein Beweis der Ignoranz der\nFranzosen in Bezug auf das Ausland als wenn es im preus-\nsischen Staate, wie weiland in Russland, einer Erlaubniss be-\ndürfte, um eine Reise zu machen! Oder glaubt Herr Durocher,\ndass die preussischen Gesang-Vereine unter polieeilicher Auf-\nsicht stehen?? Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5309, "texte": "sie senden; den Kugeln der gezogenen Kanonen würden\nsie Trotz bieten, aber diese Musik könnten sie keinesfalls\naushalten.\nAm 2. Juni wiederum ein grosser Zug nach dem Na-\npoleonsplatze zwischen dem Dome und dem Rathhause.\nDer Maire hielt eine Rede, und der gesammte Chor ant-\nwortete durch Mozart's unsterbliches „0 Isis und Osiris!\"\ndas mit einem anderen Texte: „Eintracht\", gesungen\nwurde und grossen Eindruck machte. Von da ging es in\ndie grosse, sehr geschmackvoll und glänzend, wie Alles bei\nder Ausstellung, decorirte Tonhalle, wo ein „Soyez les\nbien venus, Enfants de l'harmonieu, von Mouzin compo-\nnirt und von den beiden Vereinen von Metz gesungen, die\nSänger begrüsste, und von ihnen mit einer Wiederholung\ndes Mozart'schen Chors beantwortet wurde. Es wurden\nmeistens Gesammtchöre gesungen, darunter längere Com-\npositionen, z. B. Le Printempsvom Grafen Ca mille Du-\nrutte aus Metz, dem kühnen Theoretiker, und „Die Har-\nmonie\" vom Musik-Director Liebe aus Strassburg. Die\nUnion musicaleaus Strassburg (Dirigent Hoff) sang al-\nlein „Leben und Lied\", eine artige Composition (von\nwem?), welche in Gesängen von verschiedenem Charakter\ndie Wiege des Kindes, die Hochzeit, den Ausmarsch ins\nFeld und die Erinnerungen des Greises zum Gegenstande\nhat und sehr gut ausgeführt wurde; besonders zeichnete\nsich dabei ein hoher Tenor, seines Gewerbes ein Brauer,\ndurch Stimme und Vortrag aus.\nAm 3. Juni Morgens fand der Wettgesang Statt. Gol-\ndene Medaillen (die ersten Preise) erhielten in der dritten\nClasse der Verein von Joinville (Dirigent Tanret), in der\nzweiten „Sang und Klang\" von Pfaffenthal (Kirsch), in der\nersten a)der Verein von Colmar (Stern), b) der Turn-Ver-\nein von Luxemburg (Zinnen). Den Ehrenpreis, goldene\nMedaille, vom Kaiser ausgesetzt, bekam die Union musi-\ncale von Strassburg (Hoff).\nDie Vereine von Colmar und Strassburg leisteten das\nBeste: sie sangen deutsch und deutsche Musik.\nAm Abende des 3. fand dann zum Schlüsse der mu-\nsicalischen Festlichkeiten das grosse Concert Statt. Gross\nhiess dieses Mal lang: es dauerte von 7% Uhr fast\nohne Unterbrechung bis Mitternacht. Und doch blieben\nvon den 16 Nummern des Programms noch 4 weg, näm-\nlich: „Spartacus\", eine Scene für Sopran, Tenor und Bass-\nSoli von Mouzin, der Brautmarsch aus Wagner's Lohen-\ngrin, Händers Halleiuja und eine Fest-Cantate von Alcan,\neinem Dichter aus Metz: „X'Exposition universelle de\nMetz\", ein Gesammtwerk von drei Componisten.\nIn Frankreich sind die Musikfeste noch in ihrer Kind-\nheit. Die Choral- und Instrumentalmassen, die Ausführung\nvon grossen oratorischen Werken sind hier nicht die Haupt-\nsache: im Gegentheil, sie müssen fast ganz und gar zu-\nrücktreten und den Solisten das Feld räumen. Die virtuo-\nsenmässige Execution des Einzelnen spielt die Hauptrolle ;\ndie pariser Celebritäten dürfen nicht fehlen, und diese las-\nsen sich nicht nur nicht dazu herab, in einer Solo-Partie\neines Oratoriums u. dgl. aufzutreten, was sie doch in Eng-\nland thun, sondern dictiren das Programm und ändern es\nnoch dazu willkürlich durch Weglassen und Zusetzen am\nConcertabende selbst. So hörte man denn auch hier die\nSängerin Madame Viardot und den Tenor Montaubry,\nden Violinspieler A lard und den Pianisten H. Herz. Letz-\nterer spielte indess doch ein ganzes Concert, sein sechstes,\nmit Orchester und Chor im Finale. Von Alard stand nur\ndie Phantasie aus dem Trovatore auf dem Programm; er\nspielte aber auch eine zweite über Thema's aus der „Stum-\nmen\" und mit seiner Schülerin Marie Boulay seine Con-\ncertante für zwei Violinen.\nMadame Viardot sang vier Mal: Gluck's\nmon Euridice (mit Zusätzen!) und die Arie der Alceste:\nDivinites du Styz; eine Arie aus Bellini's eine\nWahl, die von unbegreiüicher Ueberschätzung ihrer jetzi-\ngen Stirnmmilte! zeugte, und ihr Paradestück aus Graun's\n„Britannicus\", das als Lieblings-Arie Friedrieh's des Gros-\nsen angekündigt war. Die Nachtwandlerin-Arie hatte sie\nnoch dazu statt einer Arie aus Mozart's „Idomeneo\", wel-\nche auf dem Programm stand, eingeschmuggelt.\nAusserdem kam von Vocalmusik nur ein Chor mit\nOrchester vor: „Les Forgerons\",von einem hiesigen Di-\nlettanten, R. Marechal, Maler, Bruder des grössten\nKünstlers in der Glasmalerei in Frankreich, von dem die\nherrlichen Fenster in der Kirche St. Vincent de Paul in\nParis herrühren, der aus Metz gebürtig ist, und dessen An-\nstalt der münchener in technischer und künstlerischer Hin-\nsicht nicht nachsteht. Der erwähnte Chor hat hier und da\nSchwung, ist aber viel zu lang gedehnt.\nDas Concert begann mit einem Orchesterstück eines\nanderen Kindes der Mosel: „Hymne et Marche trium-\nphale\" von Theodor Gouvy. Da Gouvy auch in Deutschr\nland rühmlichst bekannt ist und noch kürzlich bei Ihnen\nin Köln einen schönen Erfolg durch Aufführung einer sei-\nner Sirifonieen gehabt hat, so werden Sie Sich leicht er-\nklären können, dass von allen Mosel-Erzeugnissen, die wir\nhier zu kosten bekamen, mit Ausnahme des Weines, sein\nsymphonisches Product das beste war. Ausser diesem\nStücke spielte das Orchester zu Anfang der zweiten Ab-\ntheilung Beethoven's .A-(7wr-Sinfonie, deren zweiter Satz\nmit Andante marche bezeichnet wurde, und die mit dem\nScherzo schloss; für das Finale Hessen die Celebritäten aus\nParis keine Zeit übrig! Das Orchester bestand aus 16 er-\nsten und 12 zweiten Violinen, 9 Bratschen, 8 Violoncellen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 406, "texte": "6 Contrabässen; dießias-Instrumente hatten folgende merk-\nwürdige Zusammenstellung: 4 Flöten, 3 Oboen, 2 Clari-\nnetten, 2 Fagotte, 5 Hörner, 3 Klappen-Trompeten, 4\nPosaunen, 2 Ophicleiden und Pauken. Obschon hiernach\ndiese Partie allerdings die stärkste, so war sie in musi-\ncalischer Hinsicht dennoch die schwächste Seite des Or-\nchesters, welches Herr Mouzin mit Einsicht und Festig-\nkeit dirigirte.\n\nSt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.2.4", "titre_corps": "Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten Februar, März und April.", "titre_sommaire": "Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten Februar, März und April.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.7", "debut_caractere": 408, "fin_caractere_exclue": 2828, "texte": "Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten\nFebruar, März und April.\nIn den Concerten der musicalischen Akademie\ngelangte zur erstmaligen Aufführung eine Sinfonie in\nEinem Satze von Philipp Emanuel Bach, ein Octett (in\nfür Violine, zwei Violen, Cello, Contrabass, Clarinelte und\nzwei Hörner von Spohr, eine Concert-Ouverture von A.\nWalter, eine Arie aus der Oper „Mitrane\" von Rossi\n(1686), eine Motette („Ich lasse dich nicht, du segnest\nmich denn\") von Joh. Christ. Bach, der 130. Psalm von\nGluck, der Schluss des zweiten Finale aus Don Juan, ein\nDuett aus Orpheus und Eurydice von Jos. Haydn, schliess-\nlich zwei Lieder mit Orchester-Begleitung aus Faust von\nM. Zenger, einem hiesigen Componisten. Ausserdem kam\nzur Aullührung die f-mo^-Sinfonie von Jos. Haydn, die\nC-Jwr-Sinfonie von Mozart, die und die\n(neunte) Sinfonie von Beethoven und die in C-dur von\nSchubert, die Coriolan-Ouverture von Beethoven, die Ou-\nvertüre zum „Märchen von der schönen Melusine\" von\nMendelssohn, ein Concert für zwei Pianoforte von Mozart,\nein Violin-Concert von Seb. Bach, eine Bass-Arie aus dem\nOratorium Josua von Händel, die Cavatine aus Euryanthe:\n„Glöcklein im Thal\", und zwei Lieder: „Das glückliche\nLand\" und: „Neue Liebe, neues Leben\", von Beethoven.\nDer oratorien- Verein brachte das jüngst von der\ndeutschen Händel-Gesellschaft herausgegebene Oratorium\n„Semele\" von Händel und in einem kleineren Concerte\nkirchliche Gesänge von Eccard, Joh. Mich. Buch und\nSchütz, Madrigalen von den englischen Componisten Mor-\nley und Bennet, Volkslieder, von Julius Maier bearbeitet,\nund vierstimmige weltliche Lieder von Rheinberger, Haupt-\nmann und A. Walter.\nIn einem Concerte zum Besten der Armen führte Herr\nvon Perfall seine lür Solostimmen, Chor und Orchester\ncomponirten Märchen „Dornröschen\", „Rübezahl\" und\n„Undine\" auf. Ausserdem veranstalteten noch Concerte:\nHerr H. Lauterbach (nun Concertmeister in Dresden), Herr\nKarl Bärmann und Herr Mortier de Fontaine. Aus dem\nRepertoire derselben ist bemerkenswert!» die Aufführung\nder Fidelio-Ouverture in E-dur,des Septetts, des\nTrio's Op. 70 für Violine, Cello und Pianoforte, der\ne?wr-Sonate lür Violine und Pianoforte und der Sonate Op.\n110 für Pianoforte von Beethoven, der Chaconne für\nVioline und der chromatischen Phantasie für Ciavier von\nSeb. Bach, der Spohr'schen Gesangscene für Violine und\ndes Andante niit Variationen, Op. 46, für zwei Pianoforte\nvon K. Schumann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-06-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-06-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-06-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.7", "debut_caractere": 2830, "fin_caractere_exclue": 5624, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMol it. Am 8. Juni feierte der kölner Männergesang-\nVerein sein neunzehntes Stiftungsfest durch ein heiteres, durch\nGesang, Dichtkunst und Rede gewürztes Abendessen in dem neu\ngeschmückten, schönen Speisesaale des Herrn Clement im Victoria-\nHotel am Heumarkte. Nach einer ernsten, warmen Ansprache des\nVorsitzenden des Vorstandes, Herrn Professors Vack, folgten vier-\nstimmige Gesänge von Sutor, F. Hill er (»Die schöne Zeit\"),\nMendelssohn („Stiftungsfeier\", in Es-dur), Reinecke und Ande-\nren, und mehrere, theils musicalische, theils rednerische Toaste auf\nden Verein, auf seinen Dirigenten Franz Weber u. s.w. Auch\nan komischen Intermezzo's fehlte es nicht, von denen besonders ein\nConversations-Duett über die brennende, durch Brand veranlasste\nund bis jetzt weder gelös'te, noch gelöschte Theaterbau-Frage weid-\nlich ergötzte.\nIffalnz» Herr Rühl, der Gründer und bisherige Leiter des\nRühl'schen Gesang-Vereins in Frankfurt am Main, ist an die Stelle\ndes abgetretenen Capellmeisters Fr. Marpurg zum Director der main-\nzer Liedertafel und des mit derselben verbundenen Damen-Gesang-\nvereins gewählt worden.\nAm 17. v. Mts. starb hier die Sängerin Agnes\nPirscher, die einst zu den ersten Zierden der mannheimer Bühne\ngehörte, dann auf der Höhe ihres Ruhmes dem künstlerischen Be-\nrufe entsagte und sich in die Stille einer rastlosen landwirtschaft-\nlichen Thätigkeit zurückzog; eine Frau von dem vortrefflichsten\nCharakter, der die allgemeine Verehrung und Liebe ihrer Mitbürger\nzu Theil wurde. Sie hat auch ein paar Mal auf den niederrheini-\nschen Musikfesten gesungen.\nEin neues grösseres Werk von unserem\nCapellmeister Franz Abt ist kürzlich hier in einem Concerte des\nMännergesang-Vereins zur Ausführung gelangt. Es ist ein\nCyklus von zwölf Gesängen mit verbindender Declamation, unter\ndem Titel »Frühlingsfeier'*, der Text ist von Hermann Prancke. Die\nzwölf Lieder tragen die Aufschriften: „Herein\", „Hinauf zu Berge\",\nrFrühlings-llymne', rPhilister% rFrühlingsnacht-i, „Der Gesang vom\ndeutschen Rhein ', „Frühlingswanderung% „Liedertafel im Grünen*4,\n„Waldröslein-4, ~Frühlings-Botschafta, „Pfingsten** und „Frühling im\nHerzenu. Man ersieht hieraus, dass.alle Elemente, die sich für hei-\nteren Männergesang eignen, darin vertreten sind. Einen sehr guten\nEffect machte namentlich der humoristische Zwiegesang des Chors\nmit dem Philister; ferner war die Nummer: rFrüblingsnachtu, ein\nTenor-Solo mit Chor, von schöner Wirkung. Der Componist, der zu-\ngleich Dirigent des Ganzen war, ärntete reichlichen Beifall.\nDie Sängerfeste sind in diesem Sommer wieder in voller\nBlüthe. Am 23. Juni wird ein solches Fest zu Wesel, veranstaltet\ndurch die Liedertafel „Concordia\", unter der Leitung des Lehrers\nHerrn Jakobs in dem grossen Saale des Schützenhauses gefeiert;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6131, "texte": "am 29. und 30. desselben Monats zu Düsseldorf in der Tonhalle,\nveranstaltet durch den Männergesang Verein #Concordia\" unter Di-\nrection des Herrn W. Schauseil. Wettstreite und Preisverteilun-\ngen finden unseres Wissens glücklicher Weise dabei nicht Statt.\nDas Sängerfest in Bielefeld vom 26 —2B. Juli wird noch glänzen-\nder werden, als im vorigen Jahre. So wird z. B. der ganze Johan-\nnisberg für die Festnächte mit Gasflammen versehen. ln Nürn-\nberg vollends haben sich bereits 121 Sänger-Vereine gemeldet, von\ndenen 98 schon ein Verzeichniss von 2200 Mann eingesandt haben.\nMit der Aufrichtung der Festhalle ist begonnen. Es sind zur Deckung\nder Kosten 48,000 Gulden gezeichnet! Eine prachtvolle deutsche\nFahne wird für 400 Gulden angefertigt. Möge nur bei allen die-\nsen Festen das musicalisch Schöne, Edle und Geschmackvolle eben\nso gut vertreten sein, wie das Gesellige und Prunkvolle und\nMaterielle!\nAuf dem königsberger Musikfeste vom 22. bis 24. Mai bil-\ndeten Händers „Samson* und Mendelssohns rElias* die Hauptwerke\nam ersten und dritten Tage in der festlich geschmückten Domkirche,\nderen Chor weiter ausgebaut worden war. Der mittelste Tag brachte\nein Instrumental- und Solovortrags-Concert, das mit der Schumann'-\nschen Ouvertüre zu „Genovefa\" begann und mit Beethoven's C-moll-\nSinfonie (von Stern dirigirt) sehloss Dazwischen waren Concert-\nArien von Mozart und Händel gestellt, ferner Lieder von Franz\nSchubert, sehr wirksam für Orchester gesetzt, so wie auch ein Con-\ncertstück für Violine, im Charakter einer Serenade von Herrn Dam-\nrosch componirt und vorgetragen.\nVom 20. bis 22. Juni findet hierselbst in Vereini-\ngung mit den Städten Schwerin, Wismar, Güstrow, Par-\nchim u. s. w. das zweite mecklenburgische Musik fest\nStatt. Zur Aufführung kommen am ersten Tage: Ouvertüre von\nBeethoven in C und HändeTs „Josua*; am zweiten Tage: Kirch-\nliche Ouvertüre von Nicolai, Andante aus der neunten Sinfonie\nvon Beethoven, eine Orgel-Fuge von Bach, Sologesang und das\nRequiem von Cherubini; beide Concerte in der St.-Jacobi-Kirche.\nWegen Mangels eines passenden Locals musste von einem weltlichen\nConcerte abgesehen und dafür als Entschädigung am dritten Tage\neine Matinee bestimmt werden. Die Soli haben übernommen : Frau\nvon Milde aus Weimar, Fräulein Jenny Meyer und die Herren\nOtto und Sabbath aus Berlin.\nWenn jemals eine Nachricht das Gelächter aller Gebil-\ndeten erregte, so war es die, als man vernahm, der divino Maestro\nVerdi sei mit der Composition eines „Macbeth\" beschäftigt; sie\nkonnte an drastischer Wirkung nur noch von jener anderen über-\nboten werden, als später verlautete, derselbe göttliche Meister com-\nponire auch einen „König Lear*. Unser Hof-Operntheater nun will\nden Maestro Verdi jene Lächerlichkeit nicht umsonst unternommen\nhaben lassen, denn wie es heisst, so soll die mit 15. Juli beginnende\nneue Saison mit gedachtem „Macbeth\" eröffnet werden. Das wäre\ndann allerdings noch eine sechste Novität zu den bereits versproche-\nnen fünf: „Glöcklein des Eremiten\", komische Oper von Maillart,\n„Gräfin Egmont\", Ballet von Rotta, „Medea\" von Cherubini,\n„Tristan und Isolde\" von R. Wagner und „Faust* von Gounod.\nUebrigens sind dem divino Maestro Verdi allein in der verflossenen\nSaison mehr Abende eingeräumt gewesen (25 nämlich), als Mozart,\nBeethoven und Gluck zusammengenommen (nämlich nur 23). Es ist\nnun Aussicht vorhanden, dass sich dieses Verhältniss in der kom-\nmenden Saison noch charmanter gestalte.\nDie Operetten-Gesellschaft der rßouffes parisiens* eröffnete ge-\nstern (8. d. Mts.) im Kai-Theater ihre Vorstellungen mit Offenbach's\n*Orphee aux Enfers\". Die neueste Operette Offenbach's: „Pont des\nSoupirs 3 kommt erst in der zweiten Junihälfte zur Aufführung.\nNach beendigtem wiener Gastspiel wird die Gesellschaft nach Ber-\nlin gehen.\nDie Concert-Saison beginnt am I.Juli. Clara Schumann\nwird den Reigen eröffnen. Unter den für die laufende Saison weiter\nangekündigten Concertgebern sind zu nennen die Damen : Escudier-\nKastner und Marimon, ferner die Herren Servais, Sivori, Louis Bras-\nsin, Dupuis, Delabarre u. m. A. Eine „Salon-Oper\", eigens com-\nponirt von Julius Beer, einem Neffen Meyerbeer's, kommt im\nLaufe dieses Sommers durch pariser Gesangeskräfte zur Aufführung*\nDas Theater wird am 15. Juni wieder eröffnet.\nXiOiAfloil* Der Besuch der pariser Orpheonisten in London\nim vorigen Jahre, der mit so grossem Pomp angekündigt und in\nallen französischen Blättern als höchst erfolgreich und international\nbedeutend gefeiert wurde, hat einen unangenehmen Handel hinter-\nlassen, der jetzt erst zur Sprache kommt. Der Dirigent und (wie es\nsich jetzt zeigt) auch Unternehmer der Sängerfahrt, Herr Dela-\nporte, verlangt von der städtischen Behörde zu London eine Rück-\nerstattung der Summe von 350 Pf. St., die er an dieselbe für Hotel-\nkosten in London gezahlt habe Er sagte vor dem Common Council\naus, dass unvorhergesehene Ausgaben, die bei dem Arrangement\neiner ganz neuen Unternehmung unvermeidlich wären, ein Deficit in\nder Einnahme erzeugt hätten, zu dessen Deckung er 11GI Pf. St.\nhabe aufnehmen müssen, eine Schuld, welche die Orpheonisten-Ver-\neine sehr drücke, da sie sich aus den weniger bemittelten Classen\nder Gesellschaft recrutirten. Desshalb ersuche er, auf frühere Ver-\nsprechungen gestützt, um die Rückzahlung der 350 Pf. St. Die\nSache ist noch nicht entschieden.\nEine Ciavierstunde. Während die Lehrerin S. der Tochter\nClavier-Unterricht gibt, sitzt die Mutter in dem Musikzimmer neben\ndem Comptoir des Vaters, um jene mit ihren methodischen und pä-\ndagogischen Rathschlägen zu unterstützen, und wohl Acht zu geben,\ndass die arme Markensclavin keine Minute von der bedungenen\nStunde wegstipitzt. Da hört sie folgendes Gespräch;\nDie Lehrerin: Fis, mein Fräulein, fis\\\nL)ie Schülerin: Es steht aber / da und nicht fis.\nDie Lehrerin: Das ist ein Kehler. Nehmen Sie Ihren Bleistift\nund machen Sie ein Kreuz davor.\nDie Mutter (nach der offenen Comptoirthür ge-\nwandt): Mann! hörst Du wohl? Du lässt Dir auch Alles in die\nHand stecken, wenn Du Musik kaufst. Dein Musicalienhändler lässt\nüberall die Kreuze weg; ich glaub' es wohl das ist offenba-\nrer Profit für ihn !"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie venetianische Schule in der Musik und in der Malerei. Die Musik bei der Ausstellung in Metz. Die musicali-\nsehe Thätigkeit Münchens in den Monaten Februar, März und April. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, 19. Stiftungsfest\ndes kölner Männergesang-Vereins Mainz, Herr Rühl Darmstadt, Agnes Pirseher f Braunschweig, Franz Abt Sängerfeste\nKönigsberg, Musikfest Rostock, Musikfest Wien, Opern Spaa, Concert-Saison London, Orpheonisten).\n\nDie venetianische Schule in der Musik und in der\nMalerei\n*).\nDen 12. December des Jahres 15*27 wurde Adrian\nWiilaert zum Capellmeister der Basilica zu S. Marco\nernannt. Geboren in Brügge in den letzten Jahren des\nfünfzehnten Jahrhunderts, hatte Wiilaert den Contrapunkt\nzu Paris unter der Anleitung von Johannes Mouton\nstudirt. Nachdem er eilf Jahre in Diensten Lud wig's 11.,\nKönigs von Ungarn, gestanden hatte, war er nach Vene-\ndig gekommen, um sich daselbst niederzulassen, wo er auch\nim Monat September des Jahres 1563 starb. Wiilaert\nwird als der Gründer der venelianischen Schule angesehen,\ndie man in drei Epochen theilen kann, deren jede durch\neinen berühmten Künstler vertreten wird. Adrian Wiilaert\nund seine unmittelbaren Schüler, wie Cyprian de Bore,\nsein Landsmann, Nicolaus Vicentino, Francesco\ndella Viola und der gelehrte Theoretiker Zarlino bil-\nden die erste Periode, Johannes Gabrieli die zweite,\nund Claudio Monteverde die dritte, welcher sich Ca 1 -\ndara, Lotti, Marcello und die grössten Componisten\naus dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts anschliessen.\nWas man in der Kunst eine Schule nennt, d. h. einen\nMittelpunkt traditionel fortgepflanzter Ideen, Verfahrungs-\nweisen und Erinnerungen, ist das Ergebniss zweier unter\neinander verschlungenen Bewegungen, einer allgemeinen\nBewegung des menschlichen Geistes und eines localen Ein-\nflusses, der dem Lande angehört, wo eine Schule sich bil-\ndet. Italien z. ß., obschon es an der europäischen Bildung,\ndie das Werk des Christenthums ist, Theil nimmt, unter-\nscheidet sich doch durch einen eigentümlichen Charakter,\nwie Venedig inmitten der italiänischen Bildung, zu welcher\nes den Anstoss gegeben hat, eine hervorragende Eigen-\ntümlichkeit bewahrt, die es allen seinen Handlungen auf-\ndrückt. Ich will nicht in Erinnerung bringen, was Venedig\ngewesen ist, durch welche Wunder von Muth, Geduld und\nAusdauer es sich aus dem Grunde der Lagunen, welche\nseine Wiege gewesen sind, zu dem ersten Range eines\npolitischen Körpers erhoben hat. Venedig liefert eines der\nschlagendsten Beispiele von der Gewalt menschlicher, durch\nVernunft geleiteter Thätigkeit. Stark und unermüdet\nim Kriege, der stets nur ein Mittel war, seine Unabhän-\ngigkeit zu behaupten und seine Handels-Interessen zu\nschützen, ruhig und Aufwand liebend im Frieden, der das\nstete Ziel seiner Politik war, brachte diese Republik von\nKaufleuten, von Patriciern, von Künstlern, von Staatsmän-\nnern, von Denkern und von sorglosen Dichtern eine aus-\nnehmend originelle Bildung hervor, in welcher sich die\nFreiheitsliebe des hellenischen Geistes mit dem praktischen\nMenschenverstände der Römer verschmolz.\nEdelmüthig, gastfreundlich, dem Christenthume erge-\nben, aber unabhängig der Kirche gegenüber, deren beson-\ndere Gerichtsbarkeit sie zurückwies, reichte die Republik\nallen berühmten Verbannten die Hand, einem Kepler und\nGalilei, Gelehrten, Künstlern, enterbten Prinzen, welche\nsie alle mit ihrem Schutze und mit ihrer Freigebigkeit\n\n*) „Der Chevalier Sarti, oder musicalische Zustände\nVenedigs im achtzehnten Jahrhundert. Ein Roman\nvon P. Scudo. Aus dem Französischen übersetzt und mit\nAnmerkungen begleitet von Otto Kade, Cantor und Musik-\nDirector in Dresden.a Bei Rudolf Kuntze. IX und 576 S. 8.\nPreis 2 Thlr. Dieses Buch, vor zwei Jahren erschienen, ist\nzu wenig beachtet worden, wovon vielleicht der Titel: „ein\nRoman\", die Schuld trägt, da dieser, oder vielmehr das Biss-\nchen Roman, das durch das Buch geht, nicht besonders an-\nziehend, sogar etwas langweilig ist. Allein er nimmt glückli-\ncher Weise nicht viel Raum ein. Die Hauptsache sind von den\nzehn Capiteln das 111., VI. bis X., welche sich auf das Leben\nund die Musik in Venedig beziehen. Hier ist Scudo auf sei-\nnem Felde, und wenn man auch nicht gründliche Forschun-\ngen, wie bei Winterfeld, hier suchen darf, so findet man doch\nhistorische Uebersichten in angenehmer Darstellung und Be-\ntrachtungen über die Kunst von interessanten Gesichtspunkten\naus, welche das Buch empfehlenswerth machen. Eine Probe\ndavon möge der obige Aufsatz geben, welcher den Schluss des\nVII. Capitels: »Die Musik Venedigs\", bildet."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.2", "texte": "überhäufte. Die Geschichte, die Politik, die Wissenschaft,\ndie Sitten, die Literatur und die Künste gaben ihr eine\nNational-Eigenthümlichkeit, welche sie stark von den an-\nderen Civilisationen Italiens unterschied. Und welches sind\ndie hervorragenden Züge dieses Nationalgeistes, der die\nvenetianische Schule nothwendig begeistern muss? Anmuth,\nZierlichkeit, Geschmeidigkeit der Formen und der Sprache,\nfeiner Geschmack in Vergnügungen, in Empfindungen und\nim Leben, nicht in dem Leben, welches sich in den Tie-\nfen der Seele eoncentrirt, welches sich durch Ueberlegung\nläutert und sich bestrebt, das höchste Ideal zu erreichen,\nsondern in dem Leben, das nach aussen strebt, das Ge-\nräusch, die Freude und das Licht sucht und sich am Bu-\nsen der Natur und der Geselligkeit nährt. Weder starke\nSchmerzen noch grosse Traurigkeit, sondern Hoheit,\nPrunk, Ueppigkeit, ein ausserordentliches Feuer, eine Har-\nmonie, welche bezaubert, dramatische Gegensätze der Lei-\ndenschaft und eine Farbe, ach, eine Farbe endlich, welche\nallen diesen Effecten Ausdruck gibt:—das sind die an un-\nserer Malerschule erkannten Eigenthümlichkeiten, von Bel-\nlini bis auf Tiepolelto. Nun denn; gerade durch den dra-\nmatischen Ausdruck und das Colorit, das heisst durch den\nRbvthmus und die Modulation, zeichnet sich auch die Mu-\nsik der venetianischen Schule aus.\nDie moderne Musik ist die Tochter der alten griechi-\nschen Musik, wie die Sprachen, die wir sprechen, und die\nCivilisation des abendländischen Europa hervorgegangen\nsind aus der durch ein neues Princip, nämlich durch das\nChristenthum, umgestalteten römischen Welt. Die Musik\nhat Theil genommen an allen Wechselfällen des mensch-\nlichen Geistes, indem sie nach lind nach aus der Mannig-\nfaltigkeit der ursprünglichen Scalen zu immer einfacheren\nTonverbindungen überging, die dem Instinct des Volkes,\ndas mit dem Gelehrtenthum in Krieg gerieth, angemesse-\nner waren. Aus den drei zusammengesetzten Systemen der\ngriechischen Musik entlehnt die Kirche die acht diatoni-\nschen Kirchen-Tonarten, die für das unerfahrene Ohr jer\nMenge die fasslichsten sind, weil in ihnen die natürliche\nund ursprüngliche Consonanz der Octave durch den Bruch\ndes Tetraebordes beherrscht wird. Auf diesen diatonischen\nTonscalen, welche sich von einander nur durch die immer\nveränderliche Stellung unterscheiden, die der Halbton ein-\nnimmt, und welche weit mehr den Dialekten, in denen die\nWillkür herrscht, als einer Sprache gleichen, die im Be-\nsitze jenes Charakters der Beständigkeit ist, der eine allge-\nmeinere Bildung verräth, haben die Harmoniker die Wis-\nsenschaft der Accorde errichtet, die vom achten bis zum\ndreizehnten Jahrhundert zu ihrer ersten Entwicklung ge-\nlangt. Nun folgt eine der sonderbarsten Erscheinungen;\nüber ganz Europa sieht man die llamändischen Contra-\npunktisten, diese Dialektiker der musicalischen Scholastik,\nsich ausbreiten, welche sich weniger mit der Tiefe des\nGedankens, als mit der Form, die ihn enthalten soll, be-\nschäftigen, und die sich bestreben, alle wesentlichen Be-\nstandtheile der Sprache zu vervollkommnen, deren sich der\ngöttliche Palestrina bedient hat. Er, das Haupt der römi-\nschen Schule, beschliesst das Mittelalter, er schafft die\nwahre Musik des Kalholicismus, deren hohen Ernst man\nnie übertreffen wird, und er stirbt, indem er eine Umwäl-\nzung ahnen lässt, die zu Venedig sich vollenden soll.\nDie musicalische Schule, zu Anfang des sechszehnten\nJahrhunderts durch den Niederländer Willaert gegrün-\ndet, entwickelt ein Princip, das die ganze Bildung von Ve-\nnedig charakterisirt, nämlich Verschwisterung der prakti-\nschen Wirklichkeit mit dem Geschmack an edlen Vergnü-\ngungen und an dem Prunke des Lebens. Dieses Princip\ndrückt sich in den plastischen Künsten aus, vor Allem in\nder Malerei durch das Vorherrschen des Colorits, welches\nden Glanz und die Gegensätze der äusseren Welt auffasst,\nund in der Musik durch das dramatische Gefühl, dessen\nmaterielle Mittel der Rhythmus und die Modulation sind.\nDem geheimen Einflüsse des Landes, das sie bewohnten,\nunterthan, wie die Pflanzen, die von der Erde den Saft,\nder sie ernährt, erhalten, sannen Adrian Willaert,\nCyprian de Bore, Andreas Gabrieli aufMittel, län-\ngere Tonstücke zu zwei, drei und mehr Chören mit einan-\nder zu verbinden, die zusammen reden und sich von einem\nder Basilica zu S. Marco bis zum anderen antwor-\nten. Zu diesen unbewussten Versuchen eines dramatischen\nGefühls, belebt durch die chromatischen Versetzungszei-\nchen und durch bis dahin noch nicht benutzte rhythmische\nFiguren, fügt Johannes Gabrieli die Begleitung von\nInstrumenten hinzu, deren Klangfarben er mit einer auf-\nfallenden Kühnheit der Einbildungskraft auswählt. Er be-\nfestigt die Gewalt dieser Wirkungen durch das Verständ-\nniss der Poesie und der liturgischen Worte, aus denen er\neine Art von Drama oder Oratorium bildet, welche ihm\nVocal-Verbindungen von Bhythmus und Harmonie eingibt,\ndie mit dem Bestehen des Gregorianischen Kirchengtsan-\nges unverträglich sind. In die Fussstapfen seiner Vorgänger\nin der venetianischen Schule und in die von Gesualdo tre-\ntend, beendet Monteverde die vor ihm begonnene Bevo-\nlution, indem er mit besonderer Hartnäckigkeit jenen be-\nrühmten Accord der Dominant-Septime anwendet, der\ndem Ohr den Wunsch nach der consonirenden Octave ein-\nflösst. So wurde in der Kunst und durch den Einfluss oder\ndurch den Druck der Harmonie die Einheit unserer heu-\ntigen diatonischen Scala gebildet, welche die Scalen des\nalten Gregorianischen Kirchengesanges verdrängte, indem\nsie letztere verschlang, wie die Dialekte vor jener einfache-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.3", "texte": "ren Sprache, die das Werkzeug der geistigen Reife ist,\nverschwinden. Mit dem Erscheinen der natürlichen Disso-\nnanz, die der Quell der Modulation, das heisst des Colo-\nrits ist, beginnt in Europa die Unterscheidung nationaler\nSchulen; denn sie verschafft dem Componisten die mate-\nriellen Mittel, zugleich den Ausdruck entgegengesetzter\nLeidenschaften wiederzugeben, und die Melodie, die nur\nein absolutes Gefühl der Seele ausdrückt, mit allen Um-\nständen der Zeit, des Ortes, des Lichtes und Schattens zu\numgeben, welche die Gegenwart der äusseren Natur be-\nkunden. Auch die durch Monteverde bewirkte Revolution\nist keine vereinzelte Thatsache. Gleichzeitig mit der Ent-\nstehung der Oper und der künstlich erfundenen Melodie,\ndie sich der Poesie anzuschmiegen und von den Verschlin-\ngungen der Madrigal-Musik loszureissen versucht, ist die\nErfindung Monteverde's nur die unmittelbare Folge einer\nallgemeinen Emancipalions-Bewegung, welche das ganze\nsechszehnte Jahrhundert hinreisst. Als geistreicher Künstler\ngehorcht Monteverde dem Einflüsse seiner Zeit; er will,\ndass die Rede oder die Poesie die Herrin der Harmonie\nsei, im Gegensatz zu den Vorschriften der Contrapunktisten,\nwelche das Wort nur als einen Vorwand zu ihren spitz-\nfindigen Kunstgebilden betrachteten. Aus diesem Grund-\nsatze, der das Ohr zum höchsten Richter über musicali-\nsche Schönheit bestimmt, gehen die bewundernswürdigen\nWirkungen der neueren Kunst hervor. Lotti, Marcello\nund Galuppi, jeder gemäss seiner besonderen Geistes-\nrichtung, beendigen eine Revolution, der auch der Ritter\nGluck sich anschloss.\nDie italiänische Musik scheidet sich in drei grosse\nSchulen: die römische Schule, gegründet durch den\ngöttlichen Palestrina, der das Ideal des Gebetes der ka-\ntholischen Kirche, deren dogmatische Einheit es zu offen-\nbaren scheint, indem es jede dem Gregorianischen Kirchen-\ngesange fremde Modulation zurückweist, auf immer fest-\nstellt; die venetianische Schule, in der die Bewegung\nund die Phantasie des Lebens ausbrechen, und welche sich\nbemüht, zwei Haupt-Elemente des dramatischen Ausdrucks,\nden Rhythmus und das Coloril, zu entwickeln; und\ndie neapolitanische Schule, welche mit beiden etwas\ngemein hat, aber besonders mit der venetianischen Schule.\nIch glaube die Frage ausführlich genug beantwortet\nzu haben, die ich zu erörtern versprach, indem ich bewies,\ndass der Geist Venedigs auf die Tonkunst denselben Grad\nvon Einfluss wie über dfe anderen Theile der Civilisation\nausgeübt hat. Die Musik beginnt zu Venedig, wie bei allen\nanderen modernen Völkern, mit Volksgesängen und dem\nGregorianischen Gesänge. Diese beiden Elemente, welche\nden beiden grossen Eintheilungen der Gesellschaft im Mit-\ntelalter entsprechen, vermischen sich bald, wie der weit-\nliehe Geist den der Kirche durchdringt, und aus der Gäh-\nrung, welche aus dieser Berührung entspringt, die das An-\nsehen der Kirche nicht hindern kann, lös't sich eine neue\nKunst los. Als in dem grossen und ausserordentlichen\nWettstreite der Renaissance Venedig sich glänzend durch\ndie Hand seiner Architekten, Maler und Bildhauer erhob,\nerzeugte es auch Musiker, welche seinem Ruhme einen\nneuen Strahl hinzufügen, und welche nicht weniger treu\ndie Eigentümlichkeiten seines Geistes reflectiren. Durch\neinen niederländischen Künstler gegründet, der ihr den\nKeim harmonischer Verwebungen mittheilte, hat unsere\nMusikschule dasselbe Geschick wie unsere Malerschule\nO\nhabt, die auch von ultramontanen Künstlern den ersten\nFunken der Farbenpracht erhalten hat, wodurch sie sich\nso wesentlich auszeichnet. Wer in der That weiss nicht,\ndass Albrecht Dürer, Hemmling von Brügge, Ge-\nrard von Gent, Vivien von Antwerpen und viele andere\nMaler aus Belgien, Holland und Deutschland zu Venedig\nmit jener gastfreundlichen Freigebigkeit aufgenommen wur-\nden, die uns charakterisirt, und dass, abgesehen von dem\nberühmten Breviar des Cardinais Grimani, welches so zahl-\nreiche Zeugnisse ihrer Talente enthält, die Galerieen unse-\nrer Patricier mit ihren besten Meisterwerken angefüllt\nwurden? Wenn auch Antonello von Messina dem Gio-\nvanni Bellino das Geheimniss der Oelmalerei entdeckte,\ndie von van Eyck aus Brügge unlängst erfunden worden\nwar, so hatte die venetianische Schule doch bald ein sol-\nches Uebergewicht in der magischen Kunst der Farben-\nmischung erlangt, dass sie nun ihrerseits wieder die Leh-\nrerin der flamändischen und niederländischen Maler ward.\nSie bezahlte grossartig die Schuld der Dankbarkeit, da die\nWerke Giorgione's, vor Allem Titian's, Tintoret-\nto's und Paul Veronese's die Quelle sind, aus welcher\ndas Genie Rubens' sich sättigte. Das ist gleicher Weise\nder Ursprung und der Einfluss unserer musicalischen\nSchule gewesen, die, nachdem sie durch einen niederlän-\ndischen Contrapunktisten gegründet worden war, zahlreiche\nSchüler bildete, unter denen Leo Hasler*) und Hein-\nrich Schütz **) in Deutschland und im Norden von Europa\n\n*) Hans Leo Hasler, geboren zu Nürnberg im Jahre 1564,\nwar seit 1585 Organist in Diensten des Grafen Octavianus\nFugger in Augsburg, 1601 Hofmusicus des Kaisers Rudolf 11.,\nendlich von 1608 bis zu seinem Tode 1613 Hoforganist des\nKurfürsten Christian 11. von Sachsen. Er war ein ausgezeich-\nneter Tonsetzer, sowohl für die Kirche (Messen, Kirchenge-\nsänge, Psalmen, Motetten u. s, w.), als für das weltliche\nLied. Seine aus zwei Theilen bestehende Sammlung: Lust-\ngarten deutscher Gesänge, Balletti, Galliarden und In-\ntraden zu vier, fünf, sechs und acht Stimmen, Nürnberg, 16017\nist ein Muster- und Meisterwerk aller weltlichen Lieder-Com-\nposition jener Zeit in Deutschland. (Anm. d. Uebers.)\n**) Heinrich Schütz, 1585 zu Köstritz geboren, 1613 Hof-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.4", "texte": "die Wissenschaft, das Colorit und die dramatischen\nTendenzen verbreiteten, welche sie in der venetiani-\nschen Schule und unter der Anweisung ihrer Lehrer An-\ndreas und Johannes Gabrieli geschöpft hatten. Ob-\nschon diese häufigen Berührungspunkte Deutschlands mit\nItalien, und namentlich Hollands und Belgiens mit Vene-\ndig durch die grosse Begebenheit der Eroberung, so wie\ndurch die geographische Lage unserer schönen Stadt und\ndurch die politische wie mercantile Rolle, die es bis in die\nMitte des siebenzehnten Jahrhunderts spielte, sich erklären\nlassen, so würden wir doch versucht sein, in diesem Aus-\ntausche gegenseitigen Einflusses die Offenbarung eines en-\ngeren Zusammenhanges der Natur der Dinge zu sehen.\nEs besteht eine so grosse Aehnlichkeit zwischen dem Tone\nund der Farbe, zwischen den Fähigkeiten des Künstlers,\nder sich durch den Glanz des Pinsels auszeichnet, und den\nFähigkeiten des Componisten, der Sinn für Modulation,\nColorit und dramatischen Ausdruck hat, dass es nicht wun-\ndern kann, wenn die mit denselben Anlagen ausgestatteten\nVölker sich gegenseitig anzogen und die angeborenen Ei-\ngenthümlichkeiten ihres Geistes einander mitgetheilt haben.\nSo viel ist gewiss, dass die niederländischen und belgischen\nMalerschulen sich durch das tiefe Gelühl unterscheiden,\nwelches sie für die Wirklichkeit haben, durch die Treue,\nmit der sie sich gefallen, Gegenstände aus dem bürger-\nlichen Leben darzustellen, und vor Allem durch die Land-\nschaft, deren wahre Töne und geheimnissvollen Hinter-\ngrund sie mit einer so grossen Vollendung nachahmen.\nDies sind nun eben die Eigenschaften, in denen auf eine\nunvergleichliche Weise die venetianische Malerschule glänzt,\nderen zarterer Geschmack die Gegenstände zu ihrer Nach-\nahmung besser wählt, und die in ihren Kunstwerken nur\ndie Poesie der Natur, die grossen Begebenheiten der na-\ntionalen Geschichte, den Glanz und die Pracht der Gesell-\nschaft darzustellen liebt. Es steht nichts desto weniger fest,\ndass die Niederlande und Belgien, so wie die freien Reichs-\nstädte Nürnberg und Augsburg mit Venedig die lebhafte-\nslen Handelsbeziehungen halten, welche zu den engsten\nVerbindungen und zu einem Austausche des Einflusses des\nNordens auf den Süden und des Südens auf den Norden\nVeranlassung gegeben haben, der eine der merkwürdig-\nsten Erscheinungen in der Geschichte des menschlichen\nGeistes ist.\nAuf einen deutschen Stamm gepfropft, wie unsere Pa-\nläste auf hundertjährigen Pfählen ruhen, ist die venetiani-\nsche Kunst aus diesem unfruchtbaren Boden wie eine edle\nPflanze aufgeschossen, Goldlrüchte tragend, welche die\nWelt in Erstaunen gesetzt haben. In der Kammermusik\nund den tausend Abzweigungen der Phantasie, in der Kir-\nchenmusik und der dramatischen Gattung, die sie mit be-\nzeichnender Vorliebe ausbildete, ist die venetianische Schule\neben so fruchtbar wie originel gewesen. Unsere Kirchen,\nunsere Theater, die vier Gesangschulen, die Akademieen,\ndie Privat-Capellen, selbst unsere öffentlichen Plätze, die\nnicht weniger unterhaltende Schaubühnen sind, wie die\nanderen, ganz Venedig hallte von Vocal- und Instrumen-\ntal-Concerten wieder, die dem Doni in der Mitte des sie-\nbenzehnten Jahrhunderts zu sagen Veranlassung gaben,\ndass er nur seit seinem Aufenthalte in Venedig kennen ge-\nlernt habe, was Harmonie sei. Leben und Licht, Bewe-\ngung und Leidenschaft zu sehr liebend, um sich in die\nTiefen der Seele zurückzuziehen oder sich in die reinen\nHegionen zu erheben, in denen Palestrina und Raphael\nund die ganze römische Schule sich bewegen, musste der\nvenetianische Geist sich nothwendiger Weise durch das\nAufsuchen des Colorils und die Nachahmung der schönen\nNatur offenbaren; er musste in der Malerei die beiden\nBellini, Giorgione und Titian, ihre Schüler Tinto-\nretto und Paul Veronese erzeugen; in der Musik einen\nWillaert und Cyprian de Rore, die beiden Gabrieli,\nMonteverde, Cavalli, Lotti, Marcello und Ga-\nluppi, welche man ihrer ähnlichen Eigenschaften, das\nheisst ihres Gefühls für Rhythmus und Modulation, ihres\nInstrumental-Colorits und der Wahrheit des dramatischen\nAusdrucks, wegen bewundern muss, die sie bis in den\nTempel des Herrn einführten.\nIn Venedig ist es, wo das Geheimniss der Oelmalerei\nsich verbreitet, welche der Kunst das Mittel verleiht, mit\nder Natur zu ringen, die Wellenschläge der äusseren Welt\nund die unendliche Verschiedenheit der Charaktere nach-\nzuahmen. In Venedig ist es, wo auch Monte verde eine\nRevolution begründet, die zum Gegenstande hat, den Geist\nzu befreien und ihm die materiellen Mittel an die Hand zu\ngeben, den Ausdruck der Leidenschaft und die Gleichzei-\ntigkeit dramatischer Effecte zu bewirken. Durchdrungen\nvon dem Befreiungsgeiste der Renaissance, wagt Monte-\nverde, den Grundsatz öffentlich auszusprechen, zu welchem\n\nOrganist des Landgrafen Moriz von Hessen, von 3614 bis 1672\nCapellmeister am kursächsischen Hofe, war ein höchst geist-\nreicher, fruchtbarer Tonsetzer und der bedeutendste Träger\nund Vermittler italiänischer Einflüsse, vorzugsweise des\nneu erfundenen Kecitativs, des Einzelgesanges und\nder geistlichen Concertform in Deutschland. Seine zahl-\nreichen, von 1611 bis 166 G veröffentlichten, so wie noch in Manu-\nscript befindlichen Werke, unter denen die höchst interessanten\n„sieben Worte Jesu Christi44 zu erwähnen sind, die ich\nauf der Bibliothek zu Kassel gefunden habe, weisen Schütz\nden ersten Platz unter allen Tonsetzern des siebenzehnten Jahr-\nhunderts in Deutsehland an Ueber sein Leben siehe die von\nmir aus dem königlich sächsischen geheimen Staats-Archiv ent-\nnommenen archiv al isehen Nachrichten, Sachsenchro-\nnik, Band 1., Seite 500. (Anm. d. Uebers.)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.5", "texte": "vor ihm schon in mehr oder weniger bestimmten Aus-\ndrücken Cyprian de Rore und Gabrieli, später Marcello\nund der Ritter Gluck sich bekannt hatten, dass nämlich\ndie Musik vor Allem dem Gefühl gehorchen und keine an-\ndere Aufgabe haben solle, als die Dichtung auszumalen\nund deren Wahrheit auszudrücken. Weder Gabrieli,\nnoch Monte verde, noch die ersten Erfinder des lyrischen\nDrama's, wie Vincenzo Galilei, Jufio Caccini und\nPeri, eben so wenig als Marcello und Gluck waren\ngelehrte Componisten nach der durch die herrschenden\nSchulen aufgestellten Lehre. Von dem Laufe des Jahrhun-\nderts mit fortgerissen, aufgeregt durch jene innere Bewe-\ngung, welche grosse Männer und grosse Dichter hervor-\nbringt, was Dante auf so bewundernswerthe Weise erläu-\ntert, wenn er, indem er von sich selbst spricht, sagt: „Ich\nbin einer von denen, die sich bemühen, das auszudrücken,\nwas ihnen die Liebe einflösst,\" haben sie die scholasti-\nschen Regeln verschmäht, die sie an die Scholle banden,\nund haben die Sprache der Leidenschaft geschaffen, das\nheisst die moderne Musik. Wer weiss, ob in dem Augen-\nblicke, in welchem ich spreche, Gott nicht einen dieser\nkostbaren Reformatoren erweckt, einen das Licht, das Le-\nben, die Leidenschaft liebenden Geist, welcher kommen\nwird, die Welt zu entzücken durch den Glanz des Farben-\nspiels, durch die Neuheit der Modulationen, durch die\nMacht seines Rhythmus, durch alle diese materiellen Mittel\nder dramatischen durch die venetianische Schule ausgebil-\ndeten Wirkungen, deren unvergängliche Ueberlieferungen\ner fortführen wird!\nDer Abbe Zamaria schien bei den Worten, welche diese\nseine Rede schlössen, ein Vorgefühl von der Ankunft\nRossini's zu haben, der in der That in Venedig sein er-\nstes und sein letztes italiänisches Opernwerk geschrieben\nhat, seinen Tancred und seine Semiramis. Der unsterbliche\n%\nVerfasser des Barbier von Sevilla und des Wilhelm Teil,\nden Italien zu verstehen nicht würdig ist, gesteht, dass das\nvenetianische Publicum sich an dem wunderbaren\nnicht sättigen konnte, welches in allen seinen Partituren\nglänzt, und von dein man die Keime in den Werken Mon-\nteverde's und Caccini's finden kann. Indem das Publicum\nvon Fenice sich an der mächtigen Farbenpracht, an dem\nFeuer, an dem Rhvthmus und an allen hervorstechenden\n' *)\nEigenschaften, welche die Schreibweise Rossini's bezeich-\nnen, berauschte, ahnte es nicht, dass es den geschichtlichen\nEinfluss der venetianischen Bildung begrüsse.\n\nDie Musik bei der Ausstellung in Metz.\n\nDie Stadl Metz hat bekanntlich in den ersten Tagen\ndieses Monats grosse landwirtschaftliche und gewerbliche\nAusstellungen veranstaltet, deren Reichhaltigkeit und man-\nnigfaches Interesse die Zeitungen geschildert haben. Auch\ndie Tonkunst sollte zur Erhöhung und Belebung der Fest-\nlichkeiten beitragen, und so wurde denn lür den 2. Juni\nein Männergesang-Wettstreit und für den folgenden\nTag ein musikfestliches Vocal- und Instrumental-\nConcert festgesetzt.\nDie Musik-Zustände in Metz sind besser, als in den\nmeisten Provincialstädten Frankreichs, womit aber freilich\nnicht gesagt ist, dass sie vortrefflich sind, lndess so viel\nist richtig, dass das deutsche Element in der alten deut-\nschen Reichsstadt, obwohl sie seit 1552 schon unter die\nHerrschaft Frankreichs gekommen, doch nicht ganz abge-\nstorben ist, wesshalb denn auch die Nähe von Mainz, Trier,\nAachen und Köln und das musicalische Leben in diesen\nStädten einen, wenn auch geringen, Einfluss auf Metz und\nseine Bevölkerung von mehr als 60,000 Einwohnern\nausübt.\nEs gibt dort zwei Männergesang-Vereine: „Der Or-\npheon\" (Dirigent Herr Mouzin) und „Der Cäcilien-Ver-\nein\" (Dirigent Herr Baudot). Auch fehlt es nicht an der\nBereitwilligkeit der Damen, wenigstens bei besonderen Ver-\nanlassungen, an einem Singverein und dessen Uebungen\nTheil zu nehmen. Die Stadt hat ein hübsches Theater, auf\nwelchem während des Winters auch Opern gegeben wer-\nden, deren Orchester freilich bunt zusammengestellt ist\nund viel zu wünschen übrig lässt. Es existirt sogar eine\nMusikschule, eine Succursale des Conservatoriums in Paris,\nderen Director Herr Mouzin ist; allein sie findet wenig\nTheilnahme.\nVierzehn Gesang-Vereine hatten dem Aufrufe des Co-\nmite's entsprochen, acht aus dem Grossherzogthum Luxem-\nburg (aus der Stadt der „Turn-Verein\", der „Gesang-\nVerein\", „Sang und Klang\", „Sängerbund\"), aus Frank-\nreich sechs (zwei aus Strasburg, je einer aus Colmar,\nPfalzburg, Joinville und Nancy*]). Am 1. Juni zogen sie\nmit Fahnen und Kränzen in die Stadt ein, ein oder zwei\nMusikcorps hiesiger Regimenter voran. Aber, o Himmel!\nwas für ein Charivari bliesen diese Kriegsmusiker! Ein\nmusicalisch gebildeter Franzose behauptete, wenn man die\nDeutschen schlagen wolle, so müsse man diese rasselnde,\npfeifende, aus verstimmtem Blech heulende Musik gegen\n\n*) Wir lesen in der Revue et Gaz. musicale de Paris. Nr. 23,\ndass die preussische Regierung den Gesang-Vereinen der\nRheinprovinz die Erlaubniss verweigert habe, „die Gränze zu\nüberschreiten\"! Wieder einmal ein Beweis der Ignoranz der\nFranzosen in Bezug auf das Ausland als wenn es im preus-\nsischen Staate, wie weiland in Russland, einer Erlaubniss be-\ndürfte, um eine Reise zu machen! Oder glaubt Herr Durocher,\ndass die preussischen Gesang-Vereine unter polieeilicher Auf-\nsicht stehen?? Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.6", "texte": "sie senden; den Kugeln der gezogenen Kanonen würden\nsie Trotz bieten, aber diese Musik könnten sie keinesfalls\naushalten.\nAm 2. Juni wiederum ein grosser Zug nach dem Na-\npoleonsplatze zwischen dem Dome und dem Rathhause.\nDer Maire hielt eine Rede, und der gesammte Chor ant-\nwortete durch Mozart's unsterbliches „0 Isis und Osiris!\"\ndas mit einem anderen Texte: „Eintracht\", gesungen\nwurde und grossen Eindruck machte. Von da ging es in\ndie grosse, sehr geschmackvoll und glänzend, wie Alles bei\nder Ausstellung, decorirte Tonhalle, wo ein „Soyez les\nbien venus, Enfants de l'harmonieu, von Mouzin compo-\nnirt und von den beiden Vereinen von Metz gesungen, die\nSänger begrüsste, und von ihnen mit einer Wiederholung\ndes Mozart'schen Chors beantwortet wurde. Es wurden\nmeistens Gesammtchöre gesungen, darunter längere Com-\npositionen, z. B. Le Printempsvom Grafen Ca mille Du-\nrutte aus Metz, dem kühnen Theoretiker, und „Die Har-\nmonie\" vom Musik-Director Liebe aus Strassburg. Die\nUnion musicaleaus Strassburg (Dirigent Hoff) sang al-\nlein „Leben und Lied\", eine artige Composition (von\nwem?), welche in Gesängen von verschiedenem Charakter\ndie Wiege des Kindes, die Hochzeit, den Ausmarsch ins\nFeld und die Erinnerungen des Greises zum Gegenstande\nhat und sehr gut ausgeführt wurde; besonders zeichnete\nsich dabei ein hoher Tenor, seines Gewerbes ein Brauer,\ndurch Stimme und Vortrag aus.\nAm 3. Juni Morgens fand der Wettgesang Statt. Gol-\ndene Medaillen (die ersten Preise) erhielten in der dritten\nClasse der Verein von Joinville (Dirigent Tanret), in der\nzweiten „Sang und Klang\" von Pfaffenthal (Kirsch), in der\nersten a)der Verein von Colmar (Stern), b) der Turn-Ver-\nein von Luxemburg (Zinnen). Den Ehrenpreis, goldene\nMedaille, vom Kaiser ausgesetzt, bekam die Union musi-\ncale von Strassburg (Hoff).\nDie Vereine von Colmar und Strassburg leisteten das\nBeste: sie sangen deutsch und deutsche Musik.\nAm Abende des 3. fand dann zum Schlüsse der mu-\nsicalischen Festlichkeiten das grosse Concert Statt. Gross\nhiess dieses Mal lang: es dauerte von 7% Uhr fast\nohne Unterbrechung bis Mitternacht. Und doch blieben\nvon den 16 Nummern des Programms noch 4 weg, näm-\nlich: „Spartacus\", eine Scene für Sopran, Tenor und Bass-\nSoli von Mouzin, der Brautmarsch aus Wagner's Lohen-\ngrin, Händers Halleiuja und eine Fest-Cantate von Alcan,\neinem Dichter aus Metz: „X'Exposition universelle de\nMetz\", ein Gesammtwerk von drei Componisten.\nIn Frankreich sind die Musikfeste noch in ihrer Kind-\nheit. Die Choral- und Instrumentalmassen, die Ausführung\nvon grossen oratorischen Werken sind hier nicht die Haupt-\nsache: im Gegentheil, sie müssen fast ganz und gar zu-\nrücktreten und den Solisten das Feld räumen. Die virtuo-\nsenmässige Execution des Einzelnen spielt die Hauptrolle ;\ndie pariser Celebritäten dürfen nicht fehlen, und diese las-\nsen sich nicht nur nicht dazu herab, in einer Solo-Partie\neines Oratoriums u. dgl. aufzutreten, was sie doch in Eng-\nland thun, sondern dictiren das Programm und ändern es\nnoch dazu willkürlich durch Weglassen und Zusetzen am\nConcertabende selbst. So hörte man denn auch hier die\nSängerin Madame Viardot und den Tenor Montaubry,\nden Violinspieler A lard und den Pianisten H. Herz. Letz-\nterer spielte indess doch ein ganzes Concert, sein sechstes,\nmit Orchester und Chor im Finale. Von Alard stand nur\ndie Phantasie aus dem Trovatore auf dem Programm; er\nspielte aber auch eine zweite über Thema's aus der „Stum-\nmen\" und mit seiner Schülerin Marie Boulay seine Con-\ncertante für zwei Violinen.\nMadame Viardot sang vier Mal: Gluck's\nmon Euridice (mit Zusätzen!) und die Arie der Alceste:\nDivinites du Styz; eine Arie aus Bellini's eine\nWahl, die von unbegreiüicher Ueberschätzung ihrer jetzi-\ngen Stirnmmilte! zeugte, und ihr Paradestück aus Graun's\n„Britannicus\", das als Lieblings-Arie Friedrieh's des Gros-\nsen angekündigt war. Die Nachtwandlerin-Arie hatte sie\nnoch dazu statt einer Arie aus Mozart's „Idomeneo\", wel-\nche auf dem Programm stand, eingeschmuggelt.\nAusserdem kam von Vocalmusik nur ein Chor mit\nOrchester vor: „Les Forgerons\",von einem hiesigen Di-\nlettanten, R. Marechal, Maler, Bruder des grössten\nKünstlers in der Glasmalerei in Frankreich, von dem die\nherrlichen Fenster in der Kirche St. Vincent de Paul in\nParis herrühren, der aus Metz gebürtig ist, und dessen An-\nstalt der münchener in technischer und künstlerischer Hin-\nsicht nicht nachsteht. Der erwähnte Chor hat hier und da\nSchwung, ist aber viel zu lang gedehnt.\nDas Concert begann mit einem Orchesterstück eines\nanderen Kindes der Mosel: „Hymne et Marche trium-\nphale\" von Theodor Gouvy. Da Gouvy auch in Deutschr\nland rühmlichst bekannt ist und noch kürzlich bei Ihnen\nin Köln einen schönen Erfolg durch Aufführung einer sei-\nner Sirifonieen gehabt hat, so werden Sie Sich leicht er-\nklären können, dass von allen Mosel-Erzeugnissen, die wir\nhier zu kosten bekamen, mit Ausnahme des Weines, sein\nsymphonisches Product das beste war. Ausser diesem\nStücke spielte das Orchester zu Anfang der zweiten Ab-\ntheilung Beethoven's .A-(7wr-Sinfonie, deren zweiter Satz\nmit Andante marche bezeichnet wurde, und die mit dem\nScherzo schloss; für das Finale Hessen die Celebritäten aus\nParis keine Zeit übrig! Das Orchester bestand aus 16 er-\nsten und 12 zweiten Violinen, 9 Bratschen, 8 Violoncellen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.7", "texte": "6 Contrabässen; dießias-Instrumente hatten folgende merk-\nwürdige Zusammenstellung: 4 Flöten, 3 Oboen, 2 Clari-\nnetten, 2 Fagotte, 5 Hörner, 3 Klappen-Trompeten, 4\nPosaunen, 2 Ophicleiden und Pauken. Obschon hiernach\ndiese Partie allerdings die stärkste, so war sie in musi-\ncalischer Hinsicht dennoch die schwächste Seite des Or-\nchesters, welches Herr Mouzin mit Einsicht und Festig-\nkeit dirigirte.\n\nSt.\n\nDie musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten\nFebruar, März und April.\nIn den Concerten der musicalischen Akademie\ngelangte zur erstmaligen Aufführung eine Sinfonie in\nEinem Satze von Philipp Emanuel Bach, ein Octett (in\nfür Violine, zwei Violen, Cello, Contrabass, Clarinelte und\nzwei Hörner von Spohr, eine Concert-Ouverture von A.\nWalter, eine Arie aus der Oper „Mitrane\" von Rossi\n(1686), eine Motette („Ich lasse dich nicht, du segnest\nmich denn\") von Joh. Christ. Bach, der 130. Psalm von\nGluck, der Schluss des zweiten Finale aus Don Juan, ein\nDuett aus Orpheus und Eurydice von Jos. Haydn, schliess-\nlich zwei Lieder mit Orchester-Begleitung aus Faust von\nM. Zenger, einem hiesigen Componisten. Ausserdem kam\nzur Aullührung die f-mo^-Sinfonie von Jos. Haydn, die\nC-Jwr-Sinfonie von Mozart, die und die\n(neunte) Sinfonie von Beethoven und die in C-dur von\nSchubert, die Coriolan-Ouverture von Beethoven, die Ou-\nvertüre zum „Märchen von der schönen Melusine\" von\nMendelssohn, ein Concert für zwei Pianoforte von Mozart,\nein Violin-Concert von Seb. Bach, eine Bass-Arie aus dem\nOratorium Josua von Händel, die Cavatine aus Euryanthe:\n„Glöcklein im Thal\", und zwei Lieder: „Das glückliche\nLand\" und: „Neue Liebe, neues Leben\", von Beethoven.\nDer oratorien- Verein brachte das jüngst von der\ndeutschen Händel-Gesellschaft herausgegebene Oratorium\n„Semele\" von Händel und in einem kleineren Concerte\nkirchliche Gesänge von Eccard, Joh. Mich. Buch und\nSchütz, Madrigalen von den englischen Componisten Mor-\nley und Bennet, Volkslieder, von Julius Maier bearbeitet,\nund vierstimmige weltliche Lieder von Rheinberger, Haupt-\nmann und A. Walter.\nIn einem Concerte zum Besten der Armen führte Herr\nvon Perfall seine lür Solostimmen, Chor und Orchester\ncomponirten Märchen „Dornröschen\", „Rübezahl\" und\n„Undine\" auf. Ausserdem veranstalteten noch Concerte:\nHerr H. Lauterbach (nun Concertmeister in Dresden), Herr\nKarl Bärmann und Herr Mortier de Fontaine. Aus dem\nRepertoire derselben ist bemerkenswert!» die Aufführung\nder Fidelio-Ouverture in E-dur,des Septetts, des\nTrio's Op. 70 für Violine, Cello und Pianoforte, der\ne?wr-Sonate lür Violine und Pianoforte und der Sonate Op.\n110 für Pianoforte von Beethoven, der Chaconne für\nVioline und der chromatischen Phantasie für Ciavier von\nSeb. Bach, der Spohr'schen Gesangscene für Violine und\ndes Andante niit Variationen, Op. 46, für zwei Pianoforte\nvon K. Schumann.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMol it. Am 8. Juni feierte der kölner Männergesang-\nVerein sein neunzehntes Stiftungsfest durch ein heiteres, durch\nGesang, Dichtkunst und Rede gewürztes Abendessen in dem neu\ngeschmückten, schönen Speisesaale des Herrn Clement im Victoria-\nHotel am Heumarkte. Nach einer ernsten, warmen Ansprache des\nVorsitzenden des Vorstandes, Herrn Professors Vack, folgten vier-\nstimmige Gesänge von Sutor, F. Hill er (»Die schöne Zeit\"),\nMendelssohn („Stiftungsfeier\", in Es-dur), Reinecke und Ande-\nren, und mehrere, theils musicalische, theils rednerische Toaste auf\nden Verein, auf seinen Dirigenten Franz Weber u. s.w. Auch\nan komischen Intermezzo's fehlte es nicht, von denen besonders ein\nConversations-Duett über die brennende, durch Brand veranlasste\nund bis jetzt weder gelös'te, noch gelöschte Theaterbau-Frage weid-\nlich ergötzte.\nIffalnz» Herr Rühl, der Gründer und bisherige Leiter des\nRühl'schen Gesang-Vereins in Frankfurt am Main, ist an die Stelle\ndes abgetretenen Capellmeisters Fr. Marpurg zum Director der main-\nzer Liedertafel und des mit derselben verbundenen Damen-Gesang-\nvereins gewählt worden.\nAm 17. v. Mts. starb hier die Sängerin Agnes\nPirscher, die einst zu den ersten Zierden der mannheimer Bühne\ngehörte, dann auf der Höhe ihres Ruhmes dem künstlerischen Be-\nrufe entsagte und sich in die Stille einer rastlosen landwirtschaft-\nlichen Thätigkeit zurückzog; eine Frau von dem vortrefflichsten\nCharakter, der die allgemeine Verehrung und Liebe ihrer Mitbürger\nzu Theil wurde. Sie hat auch ein paar Mal auf den niederrheini-\nschen Musikfesten gesungen.\nEin neues grösseres Werk von unserem\nCapellmeister Franz Abt ist kürzlich hier in einem Concerte des\nMännergesang-Vereins zur Ausführung gelangt. Es ist ein\nCyklus von zwölf Gesängen mit verbindender Declamation, unter\ndem Titel »Frühlingsfeier'*, der Text ist von Hermann Prancke. Die\nzwölf Lieder tragen die Aufschriften: „Herein\", „Hinauf zu Berge\",\nrFrühlings-llymne', rPhilister% rFrühlingsnacht-i, „Der Gesang vom\ndeutschen Rhein ', „Frühlingswanderung% „Liedertafel im Grünen*4,\n„Waldröslein-4, ~Frühlings-Botschafta, „Pfingsten** und „Frühling im\nHerzenu. Man ersieht hieraus, dass.alle Elemente, die sich für hei-\nteren Männergesang eignen, darin vertreten sind. Einen sehr guten\nEffect machte namentlich der humoristische Zwiegesang des Chors\nmit dem Philister; ferner war die Nummer: rFrüblingsnachtu, ein\nTenor-Solo mit Chor, von schöner Wirkung. Der Componist, der zu-\ngleich Dirigent des Ganzen war, ärntete reichlichen Beifall.\nDie Sängerfeste sind in diesem Sommer wieder in voller\nBlüthe. Am 23. Juni wird ein solches Fest zu Wesel, veranstaltet\ndurch die Liedertafel „Concordia\", unter der Leitung des Lehrers\nHerrn Jakobs in dem grossen Saale des Schützenhauses gefeiert;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610615-01.1.8", "texte": "am 29. und 30. desselben Monats zu Düsseldorf in der Tonhalle,\nveranstaltet durch den Männergesang Verein #Concordia\" unter Di-\nrection des Herrn W. Schauseil. Wettstreite und Preisverteilun-\ngen finden unseres Wissens glücklicher Weise dabei nicht Statt.\nDas Sängerfest in Bielefeld vom 26 —2B. Juli wird noch glänzen-\nder werden, als im vorigen Jahre. So wird z. B. der ganze Johan-\nnisberg für die Festnächte mit Gasflammen versehen. ln Nürn-\nberg vollends haben sich bereits 121 Sänger-Vereine gemeldet, von\ndenen 98 schon ein Verzeichniss von 2200 Mann eingesandt haben.\nMit der Aufrichtung der Festhalle ist begonnen. Es sind zur Deckung\nder Kosten 48,000 Gulden gezeichnet! Eine prachtvolle deutsche\nFahne wird für 400 Gulden angefertigt. Möge nur bei allen die-\nsen Festen das musicalisch Schöne, Edle und Geschmackvolle eben\nso gut vertreten sein, wie das Gesellige und Prunkvolle und\nMaterielle!\nAuf dem königsberger Musikfeste vom 22. bis 24. Mai bil-\ndeten Händers „Samson* und Mendelssohns rElias* die Hauptwerke\nam ersten und dritten Tage in der festlich geschmückten Domkirche,\nderen Chor weiter ausgebaut worden war. Der mittelste Tag brachte\nein Instrumental- und Solovortrags-Concert, das mit der Schumann'-\nschen Ouvertüre zu „Genovefa\" begann und mit Beethoven's C-moll-\nSinfonie (von Stern dirigirt) sehloss Dazwischen waren Concert-\nArien von Mozart und Händel gestellt, ferner Lieder von Franz\nSchubert, sehr wirksam für Orchester gesetzt, so wie auch ein Con-\ncertstück für Violine, im Charakter einer Serenade von Herrn Dam-\nrosch componirt und vorgetragen.\nVom 20. bis 22. Juni findet hierselbst in Vereini-\ngung mit den Städten Schwerin, Wismar, Güstrow, Par-\nchim u. s. w. das zweite mecklenburgische Musik fest\nStatt. Zur Aufführung kommen am ersten Tage: Ouvertüre von\nBeethoven in C und HändeTs „Josua*; am zweiten Tage: Kirch-\nliche Ouvertüre von Nicolai, Andante aus der neunten Sinfonie\nvon Beethoven, eine Orgel-Fuge von Bach, Sologesang und das\nRequiem von Cherubini; beide Concerte in der St.-Jacobi-Kirche.\nWegen Mangels eines passenden Locals musste von einem weltlichen\nConcerte abgesehen und dafür als Entschädigung am dritten Tage\neine Matinee bestimmt werden. Die Soli haben übernommen : Frau\nvon Milde aus Weimar, Fräulein Jenny Meyer und die Herren\nOtto und Sabbath aus Berlin.\nWenn jemals eine Nachricht das Gelächter aller Gebil-\ndeten erregte, so war es die, als man vernahm, der divino Maestro\nVerdi sei mit der Composition eines „Macbeth\" beschäftigt; sie\nkonnte an drastischer Wirkung nur noch von jener anderen über-\nboten werden, als später verlautete, derselbe göttliche Meister com-\nponire auch einen „König Lear*. Unser Hof-Operntheater nun will\nden Maestro Verdi jene Lächerlichkeit nicht umsonst unternommen\nhaben lassen, denn wie es heisst, so soll die mit 15. Juli beginnende\nneue Saison mit gedachtem „Macbeth\" eröffnet werden. Das wäre\ndann allerdings noch eine sechste Novität zu den bereits versproche-\nnen fünf: „Glöcklein des Eremiten\", komische Oper von Maillart,\n„Gräfin Egmont\", Ballet von Rotta, „Medea\" von Cherubini,\n„Tristan und Isolde\" von R. Wagner und „Faust* von Gounod.\nUebrigens sind dem divino Maestro Verdi allein in der verflossenen\nSaison mehr Abende eingeräumt gewesen (25 nämlich), als Mozart,\nBeethoven und Gluck zusammengenommen (nämlich nur 23). Es ist\nnun Aussicht vorhanden, dass sich dieses Verhältniss in der kom-\nmenden Saison noch charmanter gestalte.\nDie Operetten-Gesellschaft der rßouffes parisiens* eröffnete ge-\nstern (8. d. Mts.) im Kai-Theater ihre Vorstellungen mit Offenbach's\n*Orphee aux Enfers\". Die neueste Operette Offenbach's: „Pont des\nSoupirs 3 kommt erst in der zweiten Junihälfte zur Aufführung.\nNach beendigtem wiener Gastspiel wird die Gesellschaft nach Ber-\nlin gehen.\nDie Concert-Saison beginnt am I.Juli. Clara Schumann\nwird den Reigen eröffnen. Unter den für die laufende Saison weiter\nangekündigten Concertgebern sind zu nennen die Damen : Escudier-\nKastner und Marimon, ferner die Herren Servais, Sivori, Louis Bras-\nsin, Dupuis, Delabarre u. m. A. Eine „Salon-Oper\", eigens com-\nponirt von Julius Beer, einem Neffen Meyerbeer's, kommt im\nLaufe dieses Sommers durch pariser Gesangeskräfte zur Aufführung*\nDas Theater wird am 15. Juni wieder eröffnet.\nXiOiAfloil* Der Besuch der pariser Orpheonisten in London\nim vorigen Jahre, der mit so grossem Pomp angekündigt und in\nallen französischen Blättern als höchst erfolgreich und international\nbedeutend gefeiert wurde, hat einen unangenehmen Handel hinter-\nlassen, der jetzt erst zur Sprache kommt. Der Dirigent und (wie es\nsich jetzt zeigt) auch Unternehmer der Sängerfahrt, Herr Dela-\nporte, verlangt von der städtischen Behörde zu London eine Rück-\nerstattung der Summe von 350 Pf. St., die er an dieselbe für Hotel-\nkosten in London gezahlt habe Er sagte vor dem Common Council\naus, dass unvorhergesehene Ausgaben, die bei dem Arrangement\neiner ganz neuen Unternehmung unvermeidlich wären, ein Deficit in\nder Einnahme erzeugt hätten, zu dessen Deckung er 11GI Pf. St.\nhabe aufnehmen müssen, eine Schuld, welche die Orpheonisten-Ver-\neine sehr drücke, da sie sich aus den weniger bemittelten Classen\nder Gesellschaft recrutirten. Desshalb ersuche er, auf frühere Ver-\nsprechungen gestützt, um die Rückzahlung der 350 Pf. St. Die\nSache ist noch nicht entschieden.\nEine Ciavierstunde. Während die Lehrerin S. der Tochter\nClavier-Unterricht gibt, sitzt die Mutter in dem Musikzimmer neben\ndem Comptoir des Vaters, um jene mit ihren methodischen und pä-\ndagogischen Rathschlägen zu unterstützen, und wohl Acht zu geben,\ndass die arme Markensclavin keine Minute von der bedungenen\nStunde wegstipitzt. Da hört sie folgendes Gespräch;\nDie Lehrerin: Fis, mein Fräulein, fis\\\nL)ie Schülerin: Es steht aber / da und nicht fis.\nDie Lehrerin: Das ist ein Kehler. Nehmen Sie Ihren Bleistift\nund machen Sie ein Kreuz davor.\nDie Mutter (nach der offenen Comptoirthür ge-\nwandt): Mann! hörst Du wohl? Du lässt Dir auch Alles in die\nHand stecken, wenn Du Musik kaufst. Dein Musicalienhändler lässt\nüberall die Kreuze weg; ich glaub' es wohl das ist offenba-\nrer Profit für ihn !"}]}