{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_sha256": "2fdc6f3cff1b94e342ee52023101aad69238073b5e5873c89f08d9335db03e5d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/07/06_01/bmtnabi_1861-07-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-07-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nKarl Friedrich Zelter. Eine Lebensbeschreibung. I. Aus Stuttgart (Jahresbericht des Vereins für classische\nKirchenmusik). Ueber Choral-Begleitung auf einer so genannten Viertel-Orgel. Von S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mel-\nlingen, Thüringische Musikfeste Neues deutsches Theater-Archiv Heidelberg, Preis-Entscheidung München, Aufführung des Lohen-\ngrin Hamburg, Musicalische Vereine Paris, Theater-Beleuchtung London, Italiänische Opern Einladung)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-07-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "213", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.2.2", "titre_corps": "Karl Friedrich Zelter", "titre_sommaire": "Karl Friedrich Zelter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.1", "debut_caractere": 462, "fin_caractere_exclue": 4181, "texte": "Karl Friedrich Zelter\nr*).\nI.\nIn den trüben Tagen des Unglücks der preussischen\nMonarchie im Jahre 1806, doppelt gebeugt durch den\nFall des Vaterlandes und durch den Tod einer geliebten\nGattin, begann Zelter eine Selbstbiographie, „für jetzt\nkeines anderen Zweckes sich bewusst, als sich eine Müsse\nzu erheitern, die ihm das schwere Doppelleid auflegte\",\nwie er selbst zu Anfang derselben sagt.\nSein Enkel, der Herausgeber der Lebensbeschreibung\nunter obigem Titel, Herr Dr. Wilhelm Rintel, „fand\nerst vor wenigen Jahren zufällig in der Bodenkammer\neines Gutes in Pommern das Material zur Biographie sei-\nnes Grossvaters\". Es besteht in der Auto-Biographie,\nwelche beinahe zwei Drittel des Buches füllt (S. 1 —191),\nund in Briefen an die Familie, welche Dr. Rintel zur Fort-\nsetzung der Lebensbeschreibung benutzt hat. Wie es uns\nnun vorliegt, bietet das Buch in seinem mässigen Umfange\nein sehr anziehendes Ganzes dar, für dessen Mittheiluns\n7 D\nund Vervollständigung wir dem Bearbeiter zu grossem\nDanke verpflichtet sind; denn ausser dem Fesselnden, was\nZelter's eigene Aufzeichnungen haben, die leider nur bis\nzum Jahre 1800 gehen (Zelter war am 11. December\n1758 während des siebenjährigen Krieges zu Berlin ge-\nboren, er starb den 15. Mai 1832), trifft auch die Er-\ngänzung die richtige Mitte zwischen zu grosser Ausführ-\nlichkeit und zu llüchtiger Skizzirung, und gibt in sorgfäl-\ntiger, einfacher, nirgends gezierter noch gespreizter Dar-\nstellung ein Bild des trefflichen Mannes und seines Wir-\nkens, so dass wir das Buch wohl nicht besser empfehlen\nkönnen, als wenn wir sagen, dass es die würdige Einlei-\ntung, ja, den notwendigen ersten Theil zu Göthe's\nBriefwechsel mit Zelter bildet. Wenn Dr. Rintel in\ndem Vorworte sagt: „Seit Zelter's Hinscheiden sind bei-\nnahe dreissig Jahre verstrichen; die Zahl derer, welche\nihn gekannt, geliebt und verehrt haben, ist beträchtlich\ngeschmolzen; aber dennoch wage ich zu hoffen, dass die-\nses Buch Leser finden werde\" —, so wird diese Hoffnung\ngewiss nicht getäuscht werden.\nAuch ist es eine Wahrheit, wenn der Bearbeiter sagt,\ndass „die Nachwelt Zelter zu früh vergessen und viel an\nseinem Gedächtnisse gut zu machen hat\".\nAber ist es denn Zeller'n allein so ergangen? Sind\nnicht Viele, sehr Viele aus jener Zeit, in welcher die selbst-\nverschuldete Schmach Deutschlands die Wiedergeburt des\nniedergeworfenen Preussen erzeugte, die sich in gemeinsa-\nmem Streben zu neuer Thatkraft ermannten, und bewusst\nund unbewusst, durch sichtbaren Bund und durch geistiges\nBand vereinigt an der Erstarkung des Vaterlandes arbei-\nteten,— sind nicht Viele von ihnen von der Nachwelt zu\nfrüh vergessen worden? Jetzt erst weckt der neue Auf-\nschwung des Staates und die Sehnsucht nach Männern\nihr Andenken wieder auf. Zu jenen energischen Naturen,\nzu jenen gestählten Charakteren, die da wussten, was sie\nwollten, und Muth, Kraft und Ausdauer hatten, um es\ndurchzusetzen, gehörte auch Zelter; sein grosses Verdienst\nbesteht hauptsächlich darin, dass er der Regierung die\nPllege und Unterstützung, die Förderung der Kunst im\nStaate ans Herz legte, und dass er nicht nachliess, bis\ndass es ihm gelang, sein Ziel zu erreichen.\nAber freilich, welch einer Regierung! Wie war sie\ndurchdrungen von dem Grundsatze, dass nur von innen\nheraus der Staat neu geboren werden könne, dass nur der\nGeist lebendig und stark mache; einer Regierung, die auf\nden Trümmern des Staates, von Lasten aller Art erdrückt,\nvon den unerhörten Erpressungen des im Lande schalten-\nden Feindes ausgesogen, dennoch die Mittel fand, die\n\n*) Karl Friedrich Zelter. Eine Lebensbeschreibung.\nNach auto-biographischen Manuscripten bearbeitet von Dr.\nWilhelm Eintel. Berlin, Verlag von Otto Janke. 1861,\n11. und 304 S. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5216, "texte": "Akademie der Künste aufrecht zu erhalten, zu ergän-\nzen und zu lebensvollem Wirken anzuregen, und eine neue\nUniversität zu gründen.\nSchon 1807 wurde der Maurermeister und Director\nder berliner Sing-Akademie zum Assessor und Ehren-Mit-\nö #\ngliede der Akademie der Künste ernannt, und im Juni\n1809 ei ne Prolessur der Tonkunst an derselben\nAkademie gegründet, weil man in Zelter den Mann ge-\nfunden hatte, der für diesen Kunstzweig ein neues Leben,\neine neue Ordnung im Staate schaffen und dadurch auch\nvon dieser Seite aus zu der geistigen Erhebung des Volkes\nwirken könne. Dazu aber musste der Mann sich ganz die-\nsem Berufe hingeben können, er musste sein Handwerk,\ndas er immer noch mit Ehren, wenn auch durch die\nschlechten Zeiten mehr mit Verlust als Gewinn geführt\nhatte, aufgeben: es musste für seine Existenz gesorgt wer-\nden. Und das geschah. Der König ernannte ihn zum Pro-\nfessor der Musik und Referenten beim Ministerium in al-\nlen musicalischen Angelegenheiten (mit Ausnahme der\nOper) mit einem Gehalte, das ihm eine unabhängige und\nsorgenfreie Stellung sicherte, und der Cultus-Minister\nWilhelm von Humboldt hatte Geld für diese Stellung—\nim Jahre 1809—für die Musik!\n„Nun wäre ich in meinem Elemente,\" —schrieb Zel-\nter— „und will sehen, was uns noch in unseren Jahren\nund Zeiten wird gelingen wollen.\"\nVon da an trat in unserem Staate die Musik in die\nReihe der akademischen Künste. Der Staat hatte bisher\ngar nichts für sie gethan, trotzdem dass die Könige Tried-\nrich 11. und Friedrich Wilhelm 11. dieser Kunst sehr zu-\ngethan waren und sie bekanntlich selbst übten, indem je-\nner die Flöte, dieser das Violoncell zum Lieblings-Instru-\nmente gewählt hatte. Die Tonkunst erfreute sich allerdings\ndurch diese Fürsten grosser Unterstützungen aus ihren\nPrivat-Schatullen, aber sie blieb stets Sache des Hofes.\nEs ist höchst interessant, in den Briefen aus dem Jahre\n1809, die Zelter aus Königsberg nach Hause schrieb,\ndie einfachen, ungeschmückten Schilderungen des damali-\ngen Lebens in den höchsten Kreisen in Königsberg wäh-\nrend der schweren Prüfungszeit für das königliche Haus\nund den ganzen Staat zu lesen. Ausser den beiden Maje-\nstäten und der Prinzessin Wilhelm empfing namentlich der\nKronprinz nachher Friedrich Wilhelm IV. den musi-\ncalischen Maurermeister aus Berlin sehr häufig, fast täg-\nlich, und mit Männern wie Fürst Radziwill, Beyme, Dohna,\nKalkreuth, Delbrück, Humboldt, Dönhoff, Stägemann, Hu-\nfeland, Zenker, Altenstein, Scharnhorst u. s. w. war er wäh-\nrend der ganzen Zeit seines Aufenthaltes (von Mitte Juli\nbis Mitte September) in Verkehr, und wurde stets zu den\nReunionen bei Hofe und zu den Kreisen der Prinzen und\nhöchsten Staatsbeamten eingeladen.\nDiese Briefe umfassen S. 223 bis 265 des Buches.\nWir theilen Einiges daraus mit:\n„Den 26. Juli. Das ist ein Herrenleben, oder besser\ngesagt: ein Schlaraffenleben. Gestern Abends war ich bei\nden jungen Prinzen des Königs zum Abendessen, wo man\nrecht vergnügt gewesen ist. Die königlichen Kinder gefal-\nlen mir sehr wohl, besonders der Kronprinz, der ein recht\nwackerer, ernsthafter Jüngling zu werden im Begriffe ist,\nund ich kann recht sagen, dass ich mich darüber höchlich\nfreue, auch Delbrück's wegen. Nach und nach fange ich\nan, mich hier ordentlich an- und einzusiedein, und Ihr\nkönnt nun sehen, wie Ihr ohne mich fertig werdet. Einen\noffenen Freitisch habe ich schon. Der Minister Graf Dohna\nhat mir auf beständig ein Couvert angeboten, welches ich\num so lieber angenommen habe, da ich dicht neben ihm\nwohne und immer alte Bekannte an seiner Tafel finde,\nbesonders den Staatsrath von Humboldt, der mein Chef\nist. Diesen Mittag bin ich beim Feldmarschall Grafen Kalk-\nreuth, den ich noch nicht kenne.\n„Dem Bruder der Königin, Prinzen Georg von Mecklen-\nburg, habe ich gestern aufgewartet, ihn aber nicht geti Ol-\nfen. Den Fürsten Radziwill habe ich gestern in der Kirche\ngesprochen; heute werde ich zu ihm gehen. Wenn nur\nnicht Alles so weit aus einander und das beschwerliche\nLaufen wäre! Man muss beständig vor sich her sehen;\nsieht man sich gar zu viel um und nach den Gesichtern\nder artigen Königsbergerinnen hin, blautz, liegt man auf\nder Nase. Es gibt sehr artige weibliche Gestalten hier,\nhässliche gar nicht, es müssten denn solche sein, die von\nanderswo hergekommen sind; dabei kleiden sich d'.e\nFrauenzimmer mit Geschmack und Sauberkeit; das ge-\nringste Mädchen ist reiidich gekleidet; selbst das Bettelvolk\nist nicht schmutzig. Die Berliner gefallen sich übrigens\nhier wenig.\n„Abends nach 10 Uhr. Vormittags war ich beim Für-\nsten Radziwill, der mich sehr freundschaftlich empfing und\nzu seiner Frau (Tochter des Prinzen Ferdinand) führte,\nmit der ich dann etliche Stunden sehr artig verplaudert\nhabe. Sie zeigte mir alle ihre Kinder und war im höchsten\nGrade herablassend. Das Diner beim Grafen Kalkreuth\nwar von angenehmer Gesellschaft. Ich traf hier den Banco-\nDirector Reichard aus Berlin, und bin mit ihm nach Tisch\naus der Stadt gefahren und habe sehr schöne Gegenden\num Königsberg gesehen.\n„Den 30. Juli. Als ich gestern Abends nach Hause\nkam, fand ich die Cabinets-Ordre des Königs, worin mir\nderselbe die Erlaubniss gibt, meine geistlichen Concerte\nam Charfreitage und am ersten Ostertage im Saale des"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5324, "texte": "königlichen Opernhauses aufzuführen. Dieses zu bewirken,\nwar die Absicht meiner beschwerlichen Reise nach Königs-\nberg. Die Herren Capellmeister in Berlin hatten sich ein-\nfallen lassen, mir den Charfreitag und die Aufführung des\nTodes Jesu wegschnappen und für sich auf beständige Zei-\nten vorbehalten zu wollen, indem sie erklärt hatten, der\nSaal des königlichen Opernhauses gehöre gleichsam ihnen\nausschliesslich, und wenn ich ihnen helfen wolle, ihre Mu-\nsiken aufzuführen, so wollten sie mir auch hellen, d. h.\nich sollte für alle meine Mühe und Arbeit mit den Brosa-\nmen fürlieb nehmen, die von dieser Herren Tische fielen.\nMit Briefen von Berlin aus war die Sache viel zu weitläu-\nfig und unsicher, also war das Kürzeste und Sicherste eine\nReise hieher. Ich kenne die Bequemlichkeit und Unent-\nschlossenheit der Herren Capellmeister von langer Zeit\nher; darum sagte ich keinem Menschen von der Sache\nund reis'te getrosten Muthes hieher, und nun mögen sie\nin Gottes Namen erfahren, was ich in Königsberg will\nund gewollt habe.\n„Auf morgen Abend bin ich wieder zum Kronprinzen\neingeladen, wohin ich sehr gern gehe; es ist ein vor-\ntrefflicher junger Mann.\n„Gestern früh, als ich beim Kronprinzen war, sagte\nmir dieser, die Königin freue sich darauf, mich zu spre-\nchen, und ich könne alle Tage um 12 Uhr zu ihr kommen.\n„Gestern Mittags fuhr ich mit dem Banco-Direclor Rci-\nchardt hinaus vors Thor auf ein Landgut des hiesigen\nBanquiers Oppenheim, wo ich den ganzen Tag recht an-\ngenehm verlebt habe und erst Abends 11 Uhr zu Hause\neingetroffen bin. Man begegnet mir hier überall mit der\ngrössten Achtung. Du darfst über alle diese schönen Dinge\nkeineswegs bange sein um mich; ich weiss sie zu nehmen\nund werde mich, so Gott will, bald wieder in meine alten\nVerhältnisse zu finden wissen. Das ganze Wesen ist wie\nder Schaum des Champagners; er schmeckt gut auf den\nAugenblick, ernährt aber nicht auf die Länge. Das weiss\nich längst und setze also darein keine Hoffnungen; aber da\nes nun sein soll, ist es mir lieber so, als umgekehrt.\n„Den 5. August. Hier ist man in grosser Sorge über\nden Waffenstillstand*). Die Gräfin Voss meinte am Sonn-\ntage, warum sie denn den Krieg angefangen hätten, wenn\nsie so beschliessen wollten?—Das meine ich auch, und Du\nweisst recht gut, dass ich nicht heute erst so denke. Ein\njunger Herr S. aus H., der die Eierschalen noch auf dem\nKopfe sitzen hat, sagte gestern Abends in Gegenwart des\nGrosskanzlers, es sei eine Schande, ein Deutscher zu sein,\nman müsse ganz weggehen aus Deutschland. Da Niemand\nantworten wollte, so sagte ich: „ „Dadurch wird die Luft\nrein werden, und ich werde hier bleiben.\"\" Diese Herren\nII r denken, sie hätten das Heil der Welt in ihrem\nSäckel, und wenn sie davon gingen, wäre Alles aus. Mögen\nsie doch gehen mit ihrem unseligen Gelde und einmal ver-\nsuchen, uns den Regen und den Sonnenschein fortzuneh-\nmen.— Als er ging, nahm er von mir nicht Abschied; das\nhatte ich davon. Vielleicht wird er dadurch vorsichtiger,\nim Angesichte deutscher Männer etwas anständiger zu re-\nden. Adelheid schreibt mir, dass Hellwig krank geworden\nsei. Er hat seine Zeit schlecht gewählt, krank zu sein. Ich\ndarf nur einmal den Rücken wenden, gleich haben sie alle\nkeine Nerven mehr.\n„Dinstag, 15. August. Gestern Abends also—war\nVetter Michel da, wirst Du denken, aber nicht also! Das\nwar ein grosses Wesen! Beim Kronprinzen war der ganze\nHof 'in pleno, König, Königin, alle Prinzen und Prinzessin-\nnen, alle Minister, Kanzler und ersten Honoratioren des\nKönigreichs beisammen, und also, wie sich schon von selbst\nversteht, auch ich. Die Königin erschien unendlich gra-\nziös, und nachdem sie ausgeruht, ihre Kinder und den\nHof begrüsst, ging sie umher und kam auf diese Weise\nauch an mich. Sie frug mich, ob ich gute Nachrichten von\nden Meinigen hätte, welches ich bejahen konnte, da ich\ndie Briefe vom Sonntage halte. Ich sagte, dass meine Kin-\nder am 3. August alle meine Fenster in meinen Häusern\nmit Lichtern und Blumen geziert hätten, und dass meine\nSchwester dabei das Regiment führe. Als ich ihr endlich\nnoch sagte, dass ich gegen vierzig Fenster nach der Strasse\nzu hätte, da wunlerte sie sich und sagte: „ „Dasmuss wohl\neine Menge Geld kosten.\"\" — „ „Wo ein Lichtzieher ist,\nIhro Majestät,\"\" erwiderte ich, „ „hat man solche Sachen\nam wohlfeilsten; aber die Frauen im Hause wissen die\nSachen auch schon so einzurichten, dass das Haus erhalten\nund der Name des Königs nach Würde und Ehre verherr-\nlicht werde, und der Hausvater gibt gern, in der festen\nHoffnung, Gott werde seinen König und ihn nicht ver-\nlassen.\" \"\n„Nun trat der König heran und fragte, wie mir's in\nKönigsberg gefiele. Ich antwortete, es gefalle mir überall\nam besten, wo mein König wäre; so dächten alle Berliner,\ndenen es natürlich auch in Berlin nicht eher wieder ge-\nfallen würde, bis sie ihren Landesvater wieder unter sich\nwi'issten.\"\" Der König schien diese Art, zu reden, nicht\nungnädig aufzunehmen und sprach noch Manches; dann\nging die Musik an. Capellmeister Himmel spielte erst eine\nSonate, dann ward eine italiänische Arie gesungen, und\ndarauf folgte eine Composition von mir: „ „Die Gunst des\nAugenblicks\"\", worin Gern seine tiefe Bassstimme recht\nauslegen konnte.\n„Das Gedicht ist von Schiller, und wie Gern die\nWorte sang:\n\n*) Von Znaym den 14. Juli 18°9, vor dem wiener Frieden.\nI*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5300, "texte": "Aus den Wolken muss es fallen,\nAus der Götter Schooss das Glück ;\nDoch der mächtigste von allen\nHerrschern ist der Augenblick!\nkonnte ich eine tiefe Wirkung dieser herrlichen Worte\nwahrnehmen. Nach der Musik kam die Konigin an mich\nheran, nannte das Gedicht herrlich und meine Compo-\nsition schön. Auch der König kam wieder und fragte, ob\nich diese Composition jetzt gemacht hätte. Ich sagte, ich\nhätte sie in den ersten angstvollen Tagen der letzten Zeiten\nzu meiner Erheiterung und Stärkung in Berlin componirt,\nweil ich aus der Erfahrung wisse, dass thätige Beschäfti-\ngung das einzige und beste Mittel sei, grosse Unglücks-\nfälle, an welchen mein Leben reich sei, männlich zu ertra-\ngen; ja, ich hätte gefunden, dass grosse Leiden auf diese\nArt das Herz bessern, den Willen befestigen und die Kraft\nvergrössern; denn ich hätte seit drei Jahren meine besten\nCompositionen gemacht. Mein Gewerbe habe gelegen und\nliege noch; die Musik habe mir unterdessen Trost, Ehre\nund auch etwas Brod gegeben, mein Haus zu erhalten, und\nnun könne und wolle ich sie auch Zeit meines Lebens nicht\nverlassen, denn sie habe mich in der Zeit der grössten Noth\nnicht verlassen.\n„Endlich wurde in den Garten gegangen und unter\nfreiem Himmel zu Abend gespeis't. Der Hof und die Ge-\nneralität mit den Ministern sass an einer Tafel, und näher\n.\nam Hause waren andere Tafeln servirt, wo denn ordent-\nlich soupirt wurde. Wir hatten an unserem Tische weissen\nund rothen Franzwein. Himmel schlich sich an die könig-\nliche Tafel und stahl sich eine Bouteille Champagner, die\ner im Triumph herbei brachte. Er schenkte mir ein Glas\nein, und ich brachte des Königs Gesundheit aus. Als der\nKönig merkte, dass es an unserer Tafel lustig zuging, stand\ner auf und kam zu uns. Wir mussten sitzen bleiben und\nuns nicht stören lassen; so ging er herum und sprach mit\nDiesem und Jenem. Der Abend war still, heiter und warm.\nDie Geschichte dauerte bis nach 11 Uhr; da stand die\nKönigin auf und somit Alles.\n„Vorgestern, Donnerstag, am 17. August, ward hier\nim Hause des Kronprinzen in der Stille der Todestag\nFriedrich's des Grossen begangen. Die Feier bestand in\nvier Reden, zwischen welchen die Musik abwechselte. Die\nerste Rede hielt Dr. Delbrück, der Erzieher des Kronprin-\nzen, die zweite ein alter Kriegsrath, Namens Scheffner;\ndie dritte Rede wurde von mir gehalten, und die vierte\nvom Professor Heillman. Da jeder von uns Rednern sein\nThema über den grossen König ohne Wissen des Anderen\ngewählt hatte, so kam eine ganz gute Verschiedenheit von\nBetrachtungen zum Vorschein, und ich darf wohl von mei-\nnem ungefähr fünfzehn Minuten langen Vortrage sagen,\ndass er nicht ohne Eindruck war.\n„Gegenwärtig waren: die Königin mit ihren Kindern,\nPrinz Georg, Fürst Badziwill, Minister Dohna und noch\nmehrere Minister und Staatsräte, fast alle Consistorial-\nräthe und Superintendenten, General-Lieutenant Dierken,\nOber-Gouverneur des Königreichs Preussen, der Oberst-\nLieutenant von Gaudi, zweiter Gouverneur desselben, Geh.\n%\nRath Hufeland und eine Menge anderer bedeutender Per-\nsonen. Die Sache hatte nach 6 Uhr angefangen und war\netwa um halb 9 Uhr zu Ende. Nachdem Alles vorbei war,\nkam der alte Scheffner an mich heran, drückte mir die\nHand und sagte, er freue sich, dass es noch Leute in der\nWelt gebe, die den Muth hätten, den Grossen die Wahr-\nheit ins Gesicht zu sagen. Der Geh. Staatsrath Klewitz\nnannte meine Rede originel, und der alte Consistorialrath\nBorowsky schüttelte mir die Hand und sagte: „ „Das war\nkurz, aber kräftig.\"\" Ich weiss nun wirklich selber nicht,\nwie das in meinen schlichten Worten liegen soll, und wie\nman Aufhebens machen kann, wenn ein verständiger\nMann verständig spricht. Ich hatte meine Rede am Don-\nnerstag früh erst aufgeschrieben, wesshalb sie wirklich\nflüchtig genug gerathen ist.\"\nFür Zelter begann nach seiner Rückkehr (23. Sep-\ntember 1809) in Berlin eine amtliche Thätigkeit von so\nungeheurem Umfange, dass man beim Studium der nach-\ngelassenen Papiere sich fragt, wie ein Mann solchen An-\nforderungen habe genügen können. Denn ausser seiner\nsing-akademischen Beschäftigung, ausser einer angestreng-\nten Lehrtätigkeit bearbeitete er das ganze Ressort seiner\nKunst, die Oper abgerechnet. Seine Stellung war etwa die\neines musicalischen Censors, und sämmtliche Prüfungen\nvon Organisten, welche Anstellung suchten, Prüfungen von\nGesuchen um Aufnahme in das Orgel-Institut und Begün-\nstigungen des Musik-Studiums durch königliche Unter-\nstützung, sämmtliche Orgel-Visitationen, alle Referate in\nKunstsachen, die das Ministerium des Unterrichts bedurfte,\ngingen durch seine Hände. Hieran knüpfte sich die Not-\nwendigkeit einer Menge von schriftlichen Arbeiten.\nMehrere Tausende solcher Schriftstücke finden sich in\ndem Nachlasse. Den wichtigsten Briefen ist Antwort im\nConcepte beigefügt, und es gibt keinen Theil seiner Kunst,\nden Zelter nicht überdacht und bearbeitet hat- Aufsätze\nüber Melodie, Rhythmus, einzelne theoretische Streitpunkte\noder Feinheiten, Orchester, Singstimme (eine fast vollen-\ndete Singschule), kritische Aufsätze über bedeutende Mu-\nsiker aller Zeiten und ihre Werke sind vorhanden, zum\nTheil von so hohem Werthe, dass es zu den Wünschen\nund Hoffnungen des Herausgebers dieser Biographie ge-\nhört, das Wichtigste unter diesen Arbeiten später durch\nden Druck zu verbreiten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 834, "texte": "Solche Thätigkeit Zelter's bei dem Einflüsse, welchen\ner als musicalischer Rath auf seine vorgesetzte Behörde\nausübte, bei dem Vertrauen, welches sein ehrenhafter Cha-\nrakter ihm erworben, gab der musicalischen Kunst im\npreussischen Staate eine Stellung, die sie vorher nicht be-\nsessen. Der Staat übernahm es nunmehr, etwas für die\nAusbildung der Musiker zu thun durch Unterricht, Stipen-\ndien und andere Vergünstigungen, wielche schon längst der\nMalerei und Plastik zu Theil geworden waren. Bedenkt\nman, in welcher trüben politischen und financiellen Lage\ndamals das Vaterland sich befand, wie Zelter selbst fort-\nwährend von Sorgen für seine Existenz belagert war, so\nmuss man die Energie des Mannes bewundern, der solchen\nVerhältnissen so wichtige Begünstigungen seiner Kunst\nabrang, dieselben zu erhalten und zu erweitern wusste."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-07-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "213", "page_fin": "214", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.2.3", "titre_corps": "Aus Stuttgart.", "titre_sommaire": "Aus Stuttgart.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.5", "debut_caractere": 836, "fin_caractere_exclue": 4696, "texte": "Aus Stuttgart.\nIm Juni 1861.\nMit dem abgelaufenen Jahre 1860 lB6l hat der\nVerein für classische Kirchenmusik das vierzehnte\nJahr seit seiner Gründung zurückgelegt; er hat sich be-\nstrebt, während dieser langen Reihe von Jahren sein Ziel,\ndie Weckung und Förderung echten Kunstsinnes durch\nEinübung und Aufführung kirchlicher Musikwerke, vor-\nzugsweise älterer Meister, unverrückt im Auge zu behalten.\nDie 66 Aufführungen, welche der Verein seinen Mitglie-\ndern und dem grösseren Publicum bis jetzt gegeben hat,\nmögen dies bezeugen, und neben diesen haben seine Mit-\nglieder bei liturgischen Andachten und verschiedenen Con-\ncerten, insbesondere mehrfach in den Abonnements-Con-\ncerten der königlichen Hofcapelle, mitgewirkt; wogegen\nnun seit einigen Jahren durch das freundliche Entgegen-\nkommen der betreffenden Behörden und Künstler die Er-\nfüllung des längstgehegten Wunsches, die grossen Werke\nunserer Meister mit vollständiger Orchester-Begleitung zur\nAufführung zu bringen, dem Vereine selbst auch ermög-\nlicht worden ist. Neben einer grossen Anzahl kleinerer\nWerke Choräle, Lieder, Psalmen, Motetten, Cantaten\nvon älteren und neueren Meistern (Palestrina, Anini, Gallus,\nEccard, Hassler, Vulpius, Prätorius, Josquin des Pres, Las-\nsus, Durante, Vittoria, Gabrieli, Schütz, Pachelbel, Fresco-\nbaldi, Caldara, Marcello, Carissimi, Pergolese, M. Frank,\nGraun, J. und M. Haydn, Arcadelt, Rosenmüller, Goudi-\nmel, Neumark, Hammerschmidt, Leo, Joh. Mich. Bach,\nJ. Sebastian Bach, Händel, Hasse, Jomelli, Mozart, Beet-\nhoven, B. Klein, Mendelssohn, Homilius, Scarlatti, Gluck,\nBortnianski, Crüger u. s. w.)—sind durch den Verein an\ngrösseren Werken (und zwar mehrere wiederholt) unter\nder Direclion des Professors Dr. Faisst gegeben worden:\nvon Astorga: das Stabat Mater-, J. S. Bach: die Jo-\nhanneische Passionsmusik, die üf-mo/Z-Messe, das Weih-\nnachts-Oratorium;— Händel: Messias, Samson, Macca-\nbäus, Jephta, Te Deum, Josua, Israel, Saul, Athalia;\nMozart: das Requiem,',— Mendelssohn: Paulus, Elias,\nAthalia, Christus; Schneider: Das Weltgericht;\nSpohr: Die letzten Dinge.\nIn dem jüngst abgelaufenen Vereinsjahre fanden fol-\ngende Aufführungen Statt:\n1) am 25. Juni 1860 (in der Stiftskirche): Te Demi\nvon Händel, Hymne von Mendelssohn und Orgel-Vorträge;\n2) am 16. October 1860 (in der Stiftskirche): das\nOratorium Athalia von Händel, unter gefälliger Mitwir-\nkung von Frau Dr.Leisinger, Fräul. Marschalk, Fräul. Pa-\nnocha, Fräul. Trüschler, der Herren Rauscher und Schütky,\nso wie der königlichen Hofcapelle;\n3) am 19. December 1860 (in der Leonhardskirche):\nein Theil des Weihnachts-Oratoriums von J. S. Bach, so\nwie mehrere kleinere Chor- und Orgelstücke;\n4) am 28. Mai 1861 (im Königsbau): das Weih-\nnachts-Oratorium von J. S. Bach, unter gütiger Mitwir-\nkung von Frau Dr. Leisinger, Fräul. Marschalk, Herrn A.\nJäger und der königlichen Hofcapelle.\nWährend beim Beginne des verflossenen Vereinsjahres\ndie Zahl der Mitglieder\na) 26 mit Familienkarte zu 4 Personen = 104 Billette,\nJ) 106 „ „ „ 3 „ =3lB „\nc) 28 „ Einzelkarten =2B „\nzus. 160 mit 450 Billetten\nbetrug, hat sich dieselbe nun auf\n41 zu a = 164 Billette,\n185 zu b=555 „\n109 zu c lO9 „\nzus. 335 mit 828 Billetten\ngestellt.\nNur die durch diese erfreuliche Vermehrung der Mit-\ngliederzahl bewirkte erhebliche Erhöhung der Jahres-Ein-\nnahme machte es möglich, im abgewichenen Vereinsjahre\nzwei Aufführungen unter Mitwirkung des königlichen\nHof-Orchesters zu geben, und gleichwohl hätte man mit\neinem Deficit abschliessen müssen, wenn nicht Seine Kö-\nnigliche Majestät die für die Benutzung der Säle des Kö-\nnigsbaues zu der letzten Aufführung erwachsenen sämmt-\nlichen Kosten (109 Fl. 35 Kr.) gnädigst nachzulassen ge-\nruht hätten.\nAn Vermögen besitzt der Verein ausser seinen Musi-\ncalien so gut wie nichts; Ersparnisse anzulegen ist ihm\nbis jetzt noch nicht vergönnt gewesen. Der Vorstand legt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 440, "texte": "desshalb allen Mitgliedern die dringende Bitte ans Herz,\ndem Vereine fortan ihre thätige Theilnahme erhalten und\nwo immer möglich seine Interessen durch Gewinnung\nneuer Mitglieder fördern zu wollen.\nDie Einnahme des Jahres (1948 Fl.) hat nach Be-\nstreitung aller Kosten nur einen Cassenbestand von 107\nFl. übrig gelassen.\nDer jährliche Beitrag ist für eine Familie von vier\nPersonen 5 Fl., von drei Personen 4 Fl., für Einzelne 2\nFl. 42 Kr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-07-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "214", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.2.4", "titre_corps": "Ueber Choral-Begleitung auf einer so genannten Viertel-Orgel.", "titre_sommaire": "Ueber Choral-Begleitung auf einer so genannten Viertel-Orgel.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.6", "debut_caractere": 442, "fin_caractere_exclue": 3515, "texte": "Ueber Choral-Begleitung auf einer so genannten\nViertel-Orgel.\nS.\nIn der Kunstsprache nennt man bekanntlich eine Or-\ngel eine ganze, wenn sie im Haupt-Manual Principal 16\nFuss, eine halbe, wenn sie im Haupt-Manual Principal\n8 Fuss, und eine Viertel-Orgel, wenn sie im Manual\nPrincipal 4 Fuss hat. Es fehlt diesen letzteren, deren es\nauf dem Lande gar viele gibt, in der Regel leider an einem\nPedale. Das vorhandene Pfeifenwerk ist dazu in den älte-\nren Werken dieser Art herzlich schlecht disponirt. Hat\ndie Orgel etwa zehn Züge, so befinden sich darunter ge-\nwöhnlich ausser Cornet und Trompete auch noch Sex-\nquialter und Mixtur. Unter den übrigen, [lötenartigen Stim-\nmen stehen dann insgemein zwei achtlüssigen ein zweifüs-\nsiges und drei vierfüssige Register gegenüber.\nDie Begleitung des Gemeindegesanges fordert je nach\nden Umständen entweder a)eine recht kraftvolle, oder\neine mittelkräftige, oder c)eine mittelschwache, oder\neine eigentlich schwache Begleitung. Für reicht\neine Viertel-Orgel zur Noth aus, indem für das volle\noder fast volle Werk, für deine oder auch zwei achtfüs-\nsige Flötenstimmen und für czu den beiden letzteren noch\neine vierfüssige sanfte Stimme benutzt werden kann. Aber\nfür beignen sich die vorhandenen Register bei dem Man-\ngel hinreichend deckender Stimmen nicht. Ich schlage dess-\nhalb für diesen Fall folgendes Auskunftsmittel vor:\nMan registrire, wie folgt, und spiele den Choral um\neine Octave tiefer, als vorgeschrieben:\nEntweder: Oder:\nGedact 8 Fuss, Gedact 8 Fuss,\nGedact 4 Fuss, Quintatön 8 Fuss,\nGambe 4 Fuss, Gedact 4 Fuss,\nPrincipal 4 Fuss. Gambe 4 Fuss,\nOctave 2 Fuss ad Hb.Principal 4 Fuss,\nOctave 2 Fuss*).\nEs ist hiedurch viel Tonfülle, so wie eine wirklich schöne\nund frische Klangfarbe gewonnen, wobei obendrein die\nMelodie recht klar hervortritt.\nDie vermehrte Tonfülle, so wie die veränderte Klang-\nfarbe erklären sich durch den Umstand, dass die Register\nhier ihren Charakter als acht-, vier- und zweifüssige gleich-\nsam verlieren und gewisser Maassen den der sechszehn-,\naclit- und vierlussigen Stimmen annehmen. Das klare Her-\nvortreten der Melodie aber rührt, wie es scheint, daher,\ndass gerade in der Region, in welcher sich dieselbe be-\nwegt, namentlich die acht-, vier- und zweifüssigen Stim-\nmen ihre ganze Fülle haben.\nMan kann einwerfen, dass hier, wie bei dem Gesänge\nfür Männerchöre, die Begleitung nur enge Harmonie\nzulässt. Indess besitzen wir einerseits auch vortreffliche\nChoralbücher mit durchweg enger Harmonie, und ande-\nrerseits sind die Organisten unserer Zeit zu solchen Ab-\nänderungen der gewöhnlichen Harmonisirung, welche hier\ndurch die Beschränktheit des Tonumfanges bisweilen nö-\nthig werden, wohl befähigt.\nDie beste Empfehlung des hiedurch mit warmem\nHerzen für die Sache vorgeschlagenen Auskunftsmittels ist\ndie Erfahrung, dass sich die Gemeinde dadurch unwill-\nkürlich und mit erhöhter Freude am Gesänge betheiligt.\nKreis Waldbroel, im Juni 1861.\n*) Sollte das eine oder andere der hier zusammengestellten Re-\ngister nicht vorhanden sein, so nehme man dafür ein entspre-\nchendes anderes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-07-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "216", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.6", "debut_caractere": 3517, "fin_caractere_exclue": 5141, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nVon Spohr's Selbstbiographie ist so eben die dritte Lieferung\ndes zweiten Bandes erschienen, welche das interessante Werk ab-\nschliesst.\nNach einer Nachricht aus Mein in gen in der „Dorfzeitung4\nkönnen wir das Wiederaufleben der thüringischen Musikfeste\nbegrüssen, welche einst die erste Anregung zu den deutschen Mu-\nsikfesten überhaupt gaben. Wenn Herr Capellmeister J. Bott jene\nwieder ins Leben ruft, so wird sein Verdienst um so grösser sein,\nals die Förderung der Kunst es sehr wünschenswerth macht, den\nneuerdings wieder überhand nehmenden Sängerfesten durch Musik-\nfeste die Wage zu halten, auf denen die grossen classischen Werke\nder Tonkunst zur Aufführung kommen. Sind wir doch auf dem\nbesten Wege, nur an vierstimmigen Walzer- und Polka-Liedern und\nOpernmusik aus dem olympischen Freudenhaus des pariser Orpheus-\nOffenbach Geschmack zu finden. Die gedachte Zeitung sagt: »Das\nals eine würdige Nachfeier der heiligen Pfingsttage abgehaltene Ge-\nsangfest entsprach in seiner Ausführung vollkommen dem schönen\nGedanken, der es ins Leben rief, wie den Erwartungen, welche sich\nan die schwierige und langwierige Vorbereitung und an das Zusam-\nmenwirken so vieler und tüchtiger Kräfte knüpften. Der unter Bott's\nLeitung stehende Gesang-Verein, zunächst durch hiesige Liedertafeln\nunterstützt, fand in den vereinigten gemischten Sängerchören von\nEisenach, Hildburg hausen und Rö nihil d der Zahl wie der\nBedeutung nach den erfreulichsten Zuwachs, und unser Orchester\nwar in den Streich-Instrumenten durch die Hofcapellen von Co-\nburg und Rudolstadt wesentlich vervollständigt. So wirkten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7429, "texte": "sechs thüringische und fränkische Städte mit zu einem Werke, wel-\nches, in solcher Weise erfasst und durchgeführt, immer den nachhal-\ntigsten Eindruck hinterlassen muss. Meiningens gastlicher Sinn be-\nwährte sich auch hier, indem die Sängergäste in den Familien die\nfreundlichste Aufnahme fanden. Die Aufführung des Oratoriums\nPaulus von Mendelssohn in der Stadtkirche war im Hinblick\nauf die grosse Anzahl der Mitwirkenden und auf die Unmöglichkeit,\nmehr als eine Gesammtprobe abzuhalten, eine wahrhaft bewundt-\nrungswürdig vollkommene; wie die Chöre, so wurden auch die Solo-\nPartieen, durch unseren beliebten Gast, Kammersänger Reer aus\nCoburg, und durch unser allverehrtes Künstlerpaar, Herrn und Frau\nViala, so wie durch einige Dilettanten vertreten, auf die würdigste\nWeise zur Geltung gebracht; der Eindruck des Ganzen war mächtig\nund ergreifend. Anderen Tages fand im Hoftheater ein Früh-Concert\nStatt, welches, als eine Ergänzung des ersten geistlichen, gediegene\nweltliche Musik darbot und hauptsächlich der Instrumental-Musik\ngewidmet war.\nDas „Deutsche Theater-Archiv®, seit drei Jahren als officielles\nGeschäftsblatt des deutschen Bühnen-Yereins für dessen Rechnung\nim Commissions-Verlage der A. W. Hayn'schen Buchhandlung in\nBerlin herausgegeben, hört mit Ende Juni d. J. zu erscheinen auf.\nIn demselben Verlage erscheint vom 6. Juli an als völlig selbst-\nständiges und unabhängiges Unternehmen ein „Neues deutsches Thea-\nter-Archiv, kritische Blätter für die Bühnen weit*. Das Programm\ndieser dramaturgischen Wochenschrift ist bereits ausgegeben. Von\nberliner Schriftstellern haben sich dem „Neuen deutschen Theater-\nArchiv* bereits als Haupt-Mitarbeiter angeschlossen : Friedrich Adami,\nA. E. Brachvogel, Otto Girndt, Max Ring und Hr. Th. Rötscher.\nEs erscheint wöchentlich eine Nummer in grösserem Formate; der\nAbonnementspreis beträgt vierteljährlich einen Thaler.\nHeitlel?>er|£9 14. Juni, Die Preis-Entscheidung der für das\n„Allgemeine deutsche Commersbuch\" bestimmten und beim heidel-\nberger Preissingen vom mannheimer Quartett theilweise vorgetrage-\nnen Compositionen der „Neuen Lieder aus dem Engern in Heidel-\nberg\" hat bei der grossen Zahl der eingesandten Compositionen (über\n400) erst jetzt erfolgen können. Einstimmig wurde von sämmtlichen\nPreisrichtern (Ausschuss des badischen Sängerbundes) in Ueberein-\nstimmung mit den studentischen Verbindungen den Compositionen\ndes „Liedes fahrender Schüler: Wohlauf, die Luft geht frisch und\nrein4*, so wie von: »Ein ander Lied vom Rodenstein : Wer reit't mit\nzwanzig Knappen ein zu Heidelberg in Hirschen?* Preise von je 5\nDucaten zuerkannt. Als Componisten ergaben sich beim Oeffnen der\nCouverts beim ersteren Herr V. E. Becker, Musik-Director in\nWürzburg, beim zweiten Herr Karl Appel, herzoglicher Concert-\nmeister in Dessau. Fast einstimmig wurde den Compositionen der\nLieder: „Perkeo: Das war der Zwerg Perkeo im heidelberger Schloss*,\nComponist Herr Stephan Gruwe, Referendar in Burgsteinfurt,\nund „Rodenstein's Auszug: Es regt sich was im Odenwald*1, Com-\nponist Herr C. Hering, Musik-Director in Berlin, ebenfalls Preise\nvon je 5 Ducaten zuerkannt. Seitens der Verlagshandlung wurde\nsodann noch der nicht concurrirenden schönen Composition von Herrn\nMusik-Director Zimmermann in Mannheim zu dem Scheffel'schen\nLiede: „Alt-Heidelberg, du feine, du Stadt an Ehren reich*, so wie\nder mit unendlichem Jubel aufgenommenen Composition zu Horn-\nfeck's „Trinke nie ein Glas zu wenig* von Herrn Hof-Capellmeister\nLachner in Mannheim Preise von je 5 Ducaten bestimmt. Der\nSchluss der Redaction der sechsten Auflage des Allgemeinen deut-\nschen Commersbuches wird nunmehr sofort erfolgen, und das Com-\nmersbuch in einigen Wochen wiederum in allen Buchhandlungen zu\nhaben sein.\nDer Violin-Virtuose Grün aus Pesth, welcher seit mehreren Jah-\nren der Weimarer Hofcapelle angehört, ist an Kömpel's Stelle nach\nHannover berufen worden und hat dieses ehrenvolle Engagement\nangenommen. Er wird schon am 1. Sept. nach dorthin abgehen.\nTkHmcheift. Sonntag, 16. Juni: Lohengrin, romantische Oper\nin drei Aufzügen. Text und Musik von R. Wagner. (Lohengrin\nHerr Schnorr von Carolsfeld vom k, Hoftheater zu Dresden.)\nDas Gastspiel des Herrn Schnorr wurde durch einen sehr günstigen\nRuf vorbereitet und eingeleitet, und dieser Ruf hat sich bewährt,\ndenn Herr Schnorr ist im Besitze einer kräftigen, wohlklingenden\nund gutgeschulten Stimme, in welcher wir allerdings weniger einen\neigentlichen Tenor zu erkennen glauben, als einen hohen Bariton.\nSein \\ ortrag ist correct und wohl durchdacht, was dem dramati-\nschen Effecte sehr günstig ist. Er gefiel sehr, wenn auch nicht ge-\nrade enthusiastisch, wozu wohl seine an weiland Breiting erinnernde\nkörperliche Erscheinung schuld sein mochte, die für den schwäne-\ngezogenen Ritter denn doch etwas zu materiel erschien. In den Bei-\nfall theilten sich nach Gebühr Fräul. Stöger als Elsa, Herr Kin-\ndermann und Frau Diez als Telramund und Ortrud; gleichwohl\nwurde uns wieder so recht klar, dass die Richtung des Ganzen, von\nden Einzelheiten abgesehen, nie wirkliche Wurzeln fassen und selbst-\neigenes Leben entwickeln kann. Sie ist Unkunst, weil sie Unnatur\nist, und darüber helfen weder französische Antipathien noch öster-\nreichische Sympathieen hinweg. Nachträglich fügen wir bei, dass\nFräul. Grua, nachdem sie im Trovatore als Leonore ihre ganze\nGesangskunst im vollsten Glänze gezeigt, und zugleich Fräul. Stö-\nger als Azucena Gelegenheit gegeben hatte, sich als treffliche dra-\nmatische Darstellerin und Sängerin zu bewähren, ihr höchst beifällig\naufgenommenes Gastspiel, wie sie begonnen, mit Norma beschloss.\nDie Süddeutsche Musik-Zeitung enthält in ihrer Nr. 25 eine Cor-\nrespondenz aus Hamburg, in welcher die dortigen Musik-Zustände\nund namentlich die Tugenden und Schwächen der Dirigenten der\nverschiedenen Vereine freimüthig besprochen werden. Die in der\ngrössten norddeutschen Handelsstadt vorhandenen musicalischen Ver-\neine sind folgende: 1. An Concert-Instituten, welche Instrumental-\nstücke zur Aufführung bringen: die philharmonische Gesellschaft,\nDirigent Grund; der Musik- und Orchester-Verein, welcher letztere\nunter der Direction Heinrich Schäffer's fast ausschliesslich aus\nDilettanten gebildet ist. 2. An Gesang-Vereinen für gemischten Chor:\ndie Grund'sche Akademie; die Otten'schc, mit dem Musik-Verein\nverbunden; die Bach-Gesellschaft, Dirigent Armbrust; der Voigt1 -\nsche Gesang-Verein; die Grädener'scbe und die Garven'sche Akade-\nmie und einige weniger bekannte.\nIm grossen Operntheater zu Paris hat man vor vierzehn Tagen\neine neue Rampenbeleuchtung des Prosceniums eingeführt. Bei der-\nselben ist die Reihe der Gasflammen nicht mehr sichtbar für das\nPersonal auf der Bühne, denn die Brenner befinden sich unter dem\nParquet und werfen vermöge eines mit Silber belegten Reflectors\ndas Licht durch mattgeschliffenes Glas (wie bei den Lampcnglocken)\nauf die Bühne. Dadurch werden die Augen der Sänger geschont, und\ndie Feuersgefahr für die weiten Kleider der Sängerinnen und die\nGaze-Trachten der Täüzerinnen ist vollständig beseitigt. Die Zuschauer\nhaben den Vortheil, die ganze Figur der Bühnenkünstler sehen zu\nkönnen, da bei dieser rampe a refledeur auch die Erhöhung, welche\ndie Lampen nach dem Parterre hin verdeckte, wegfallt.\nMan will hier in einem deutschen Handlungsbeflisse-\nnen, Namens Braun, eine ganz ausserordentliche Tenorstimme ent-\ndeckt haben. Ein anderer Tenorist, Namens Ecarlat, früher"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3505, "texte": "Scharlach gebeissen, hat schon die Proben zum Wilhelm Teil\ngemacht, ist aber wieder zurückgetreten, um eine andere Debut-\nRolle zu wählen.\nLondon hat auch in dieser Saison wieder zwei italiänische\nOpern, die eine in Coventgarden, die andere im Lyceum. Cov ent-\ngar den zieht besonders durch die Primadonna Patti an, welche\ndie Sonnambula schon acht Mal daselbst gesungen hat. In den\n„Hugenotten\" hat die Grisi („zum letzten Male!\" stand wieder ein-\nmal auf dem Zettel) die Valentine und Mario den Raoul gesungen,\nMad. Mio 1a n- Car va 1h o die Königin, Mad. Nan t i er-Didi6e\nden Pagen, Faure den St. Bries. Auch Mad. Penco und die\nHerren Graziani und Allard sind Mitglieder der Oper. Das\nLyceum eröffnete mit Verdi's Trovatore. Fräulein Tietjens und\nMad. Alboni, die Herren Giuglini, Gassier und Delle\nBed i e hatten die Hauptrollen.\n(R. Wagner ein katholischer Dichter.) Seltsam hat man\nsich in Deutschland so lies't man im „Vaterland\" Nr. 116\ndurch den mittelalterlichen Stoff in Wagner's Opern und durch Auf-\nnahme des Wunderbaren in dieselben täuschen lassen. Das Wunder-\nbare, welches Wagner wie das Kunststückchen eines Taschenspielers\nin Scene setzt, haben Viele für Poesie genommen, und August\nRintel sagt sogar in einer im Jahre 1853 erschienenen, gegen den\nDr. Stahl gerichteten Schrift: „Tannhäuser und Lohengrin, diese\nWunderwerke Richard Wagner's, sind gesättigt von katholischem\nGeiste, sind wahrhaft katholische Kunstwerke, mag ihr grosser Mei-\nster äusserlich der Kirche angehören oder nicht.\" Die Pariser aber,\nverständig, geistreich und aufgeweckt, wie sie sind, liessen sich\ndurch Wagner keinen Sand in die Augen streuen; sie fanden die\nBehandlung der Tannhäuser-Sage sehr unpoetisch, ja, komisch, und\nthaten ihrer einmal erweckten heiteren Laune keinen Zwang an. Die\ndeutsche Kunst hat unserer Meinung nach in der grossen pariser\nOper keine Niederlage erlitten, wohl aber haben gesunder Menschen-\nverstand und guter Geschmack einen Triumph gefeiert. Wagner ist\nkünstlerisch nicht der Ausdruck des deutschen Geistes. Was man\nam deutschen Wesen zu preisen pflegt: Tiefe, Innerlichkeit, Seele,\ndavon ist Wagner fast ganz leer. Er ist eine innerlichst unproduc-\ntive, eine künstliche, reflectirte Natur. Wenn die Franzosen den\ndeutschen Geist in Kunst und Wissenschaft auch nicht immer gründ-\nlich begreifen, so haben sie doch stets, wenn er ihnen in seiner an-\ngeborenen Würde und Schönheit entgegentritt, einen gewaltigen Re-\nspect vor ihm; sie respectiren, sie bewundern, so weit ihre Fähigkeit\nreicht, unsere grossen Denker, Dichter und Künstler. So imponirten\nihnen Mozart, Beethoven, Weber, so bewundern sie auf ihre Weise\nCornelius und Kaulbach, so staunen sfe über die Gedankentiefe und\nKühnheit eines Kant, Schelling, Hegel, und Schiller's und Göthe's\nDichtungen wissen sie bis zu einem gewissen Grade wohl zu wür-\ndigen. Dasselbe Gefühl, welches den Franzosen vor diesen geistigen\nHelden Hochachtung einflösst, musste sie bestimmen, einen Mann\nwie Wagner fallen zu lassen. Und wie es ästhetisch nicht das spe-\ncifisch Deutsche war, was sie von Wagner zurückstiess, so war es\nauch politisch nicht das Deutsche, welches Wagner's Niederlage\nverursachte oder auch nur begünstigte. Wagner blicke nur auf Hector\nBerlioz, einen Künstler, der ungleich bedeutender ist, als er selbst.\nIst er nicht ein Franzose, jeder Zoll ein Franzose? Und doch hat\ner es nach einem mehr als dreissigjährigen erntten Streben noch\nnicht dahin bringen können, in seiner Heimat allgemein anerkannt\nzu sein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-07-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-07-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-07-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.2.6", "titre_corps": "Einladung.", "titre_sommaire": "Einladung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.8", "debut_caractere": 3507, "fin_caractere_exclue": 5377, "texte": "Einladung.\nDie Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiser-\nStaates hat den Beschluss gefasst, in der nächsten Concertzeit\n(1861 —1862) dem wiener musicalischen Publicum zwei neue Sin-\nfonieen vorzuführen. Es ergeht an die Herren Tonsetzer die\nfreundliche Einladung, der Direction Sinfonieen, die aber weder im\nMusikhandel erschienen noch bisher öffentlich aufgeführt sein dür-\nfen, für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.\nDie näheren Modalitäten sind folgende :\n1. Die Einsendung erfolgt an die Kanzlei der Gesellschaft (Wien,\nTuchlauben) bis längstens Ende August 1861, und kann ein später\neinlangendes Tonwerk nicht mehr berücksichtigt werden.\n2. Die Sinfonie wird in Partitur ohne Namen des Verfassers, je-\ndoch mit einem Motto bezeichnet, eingesandt und ihr ein versiegelter,\nmit demselben Motto versehener Zettel beigelegt, welcher den Na-\nmen und die Adresse des Verfassers enthält.\n3. Die eingesandten Tonwerke werden von der Direction fünf\nPreisrichtern übergeben, von deren Urtheil es abhängt, welche\nzwei Sinfonieen zur Aufführung bestimmt werden. Die Herren Dr.\nAmbros in Prag, Ferd. Hiller in Köln, Dr. Franz Liszt in\nWeimar, Karl Reinecke in Leipzig und Robert Volkmann\nin Pesth haben die Prüfung und Begutachtung freundlichst zuge-\nsichert.\n4. Die Aufführung erfolgt in den ersten Monaten des Jahres\n1862. Die Sinfonieen bleiben Eigenthum der Verfasser. Sie werden\nim Concert-Programm bloss mit dem vom Verfasser gewählten Motto\nbezeichnet. Unmittelbar nach der Aufführung erfolgt die Eröffnung\ndes versiegelten Zettels und die Bekanntgebung des Tonsetzers.\n5. Die nicht berücksichtigten Tonwerke werden in der Kanzlei\nder Gesellschaft hinterlegt, und es wird die Zeit bekannt gegeben\nwerden, wann sie dort erhoben werden können.\nWien, am 20. April 1861.\nDie Direction der Gesellschaft\nder Musikfreunde des Österreichischen Kaiserstaates."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nKarl Friedrich Zelter. Eine Lebensbeschreibung. I. Aus Stuttgart (Jahresbericht des Vereins für classische\nKirchenmusik). Ueber Choral-Begleitung auf einer so genannten Viertel-Orgel. Von S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mel-\nlingen, Thüringische Musikfeste Neues deutsches Theater-Archiv Heidelberg, Preis-Entscheidung München, Aufführung des Lohen-\ngrin Hamburg, Musicalische Vereine Paris, Theater-Beleuchtung London, Italiänische Opern Einladung).\n\nKarl Friedrich Zelter\nr*).\nI.\nIn den trüben Tagen des Unglücks der preussischen\nMonarchie im Jahre 1806, doppelt gebeugt durch den\nFall des Vaterlandes und durch den Tod einer geliebten\nGattin, begann Zelter eine Selbstbiographie, „für jetzt\nkeines anderen Zweckes sich bewusst, als sich eine Müsse\nzu erheitern, die ihm das schwere Doppelleid auflegte\",\nwie er selbst zu Anfang derselben sagt.\nSein Enkel, der Herausgeber der Lebensbeschreibung\nunter obigem Titel, Herr Dr. Wilhelm Rintel, „fand\nerst vor wenigen Jahren zufällig in der Bodenkammer\neines Gutes in Pommern das Material zur Biographie sei-\nnes Grossvaters\". Es besteht in der Auto-Biographie,\nwelche beinahe zwei Drittel des Buches füllt (S. 1 —191),\nund in Briefen an die Familie, welche Dr. Rintel zur Fort-\nsetzung der Lebensbeschreibung benutzt hat. Wie es uns\nnun vorliegt, bietet das Buch in seinem mässigen Umfange\nein sehr anziehendes Ganzes dar, für dessen Mittheiluns\n7 D\nund Vervollständigung wir dem Bearbeiter zu grossem\nDanke verpflichtet sind; denn ausser dem Fesselnden, was\nZelter's eigene Aufzeichnungen haben, die leider nur bis\nzum Jahre 1800 gehen (Zelter war am 11. December\n1758 während des siebenjährigen Krieges zu Berlin ge-\nboren, er starb den 15. Mai 1832), trifft auch die Er-\ngänzung die richtige Mitte zwischen zu grosser Ausführ-\nlichkeit und zu llüchtiger Skizzirung, und gibt in sorgfäl-\ntiger, einfacher, nirgends gezierter noch gespreizter Dar-\nstellung ein Bild des trefflichen Mannes und seines Wir-\nkens, so dass wir das Buch wohl nicht besser empfehlen\nkönnen, als wenn wir sagen, dass es die würdige Einlei-\ntung, ja, den notwendigen ersten Theil zu Göthe's\nBriefwechsel mit Zelter bildet. Wenn Dr. Rintel in\ndem Vorworte sagt: „Seit Zelter's Hinscheiden sind bei-\nnahe dreissig Jahre verstrichen; die Zahl derer, welche\nihn gekannt, geliebt und verehrt haben, ist beträchtlich\ngeschmolzen; aber dennoch wage ich zu hoffen, dass die-\nses Buch Leser finden werde\" —, so wird diese Hoffnung\ngewiss nicht getäuscht werden.\nAuch ist es eine Wahrheit, wenn der Bearbeiter sagt,\ndass „die Nachwelt Zelter zu früh vergessen und viel an\nseinem Gedächtnisse gut zu machen hat\".\nAber ist es denn Zeller'n allein so ergangen? Sind\nnicht Viele, sehr Viele aus jener Zeit, in welcher die selbst-\nverschuldete Schmach Deutschlands die Wiedergeburt des\nniedergeworfenen Preussen erzeugte, die sich in gemeinsa-\nmem Streben zu neuer Thatkraft ermannten, und bewusst\nund unbewusst, durch sichtbaren Bund und durch geistiges\nBand vereinigt an der Erstarkung des Vaterlandes arbei-\nteten,— sind nicht Viele von ihnen von der Nachwelt zu\nfrüh vergessen worden? Jetzt erst weckt der neue Auf-\nschwung des Staates und die Sehnsucht nach Männern\nihr Andenken wieder auf. Zu jenen energischen Naturen,\nzu jenen gestählten Charakteren, die da wussten, was sie\nwollten, und Muth, Kraft und Ausdauer hatten, um es\ndurchzusetzen, gehörte auch Zelter; sein grosses Verdienst\nbesteht hauptsächlich darin, dass er der Regierung die\nPllege und Unterstützung, die Förderung der Kunst im\nStaate ans Herz legte, und dass er nicht nachliess, bis\ndass es ihm gelang, sein Ziel zu erreichen.\nAber freilich, welch einer Regierung! Wie war sie\ndurchdrungen von dem Grundsatze, dass nur von innen\nheraus der Staat neu geboren werden könne, dass nur der\nGeist lebendig und stark mache; einer Regierung, die auf\nden Trümmern des Staates, von Lasten aller Art erdrückt,\nvon den unerhörten Erpressungen des im Lande schalten-\nden Feindes ausgesogen, dennoch die Mittel fand, die\n\n*) Karl Friedrich Zelter. Eine Lebensbeschreibung.\nNach auto-biographischen Manuscripten bearbeitet von Dr.\nWilhelm Eintel. Berlin, Verlag von Otto Janke. 1861,\n11. und 304 S. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.2", "texte": "Akademie der Künste aufrecht zu erhalten, zu ergän-\nzen und zu lebensvollem Wirken anzuregen, und eine neue\nUniversität zu gründen.\nSchon 1807 wurde der Maurermeister und Director\nder berliner Sing-Akademie zum Assessor und Ehren-Mit-\nö #\ngliede der Akademie der Künste ernannt, und im Juni\n1809 ei ne Prolessur der Tonkunst an derselben\nAkademie gegründet, weil man in Zelter den Mann ge-\nfunden hatte, der für diesen Kunstzweig ein neues Leben,\neine neue Ordnung im Staate schaffen und dadurch auch\nvon dieser Seite aus zu der geistigen Erhebung des Volkes\nwirken könne. Dazu aber musste der Mann sich ganz die-\nsem Berufe hingeben können, er musste sein Handwerk,\ndas er immer noch mit Ehren, wenn auch durch die\nschlechten Zeiten mehr mit Verlust als Gewinn geführt\nhatte, aufgeben: es musste für seine Existenz gesorgt wer-\nden. Und das geschah. Der König ernannte ihn zum Pro-\nfessor der Musik und Referenten beim Ministerium in al-\nlen musicalischen Angelegenheiten (mit Ausnahme der\nOper) mit einem Gehalte, das ihm eine unabhängige und\nsorgenfreie Stellung sicherte, und der Cultus-Minister\nWilhelm von Humboldt hatte Geld für diese Stellung—\nim Jahre 1809—für die Musik!\n„Nun wäre ich in meinem Elemente,\" —schrieb Zel-\nter— „und will sehen, was uns noch in unseren Jahren\nund Zeiten wird gelingen wollen.\"\nVon da an trat in unserem Staate die Musik in die\nReihe der akademischen Künste. Der Staat hatte bisher\ngar nichts für sie gethan, trotzdem dass die Könige Tried-\nrich 11. und Friedrich Wilhelm 11. dieser Kunst sehr zu-\ngethan waren und sie bekanntlich selbst übten, indem je-\nner die Flöte, dieser das Violoncell zum Lieblings-Instru-\nmente gewählt hatte. Die Tonkunst erfreute sich allerdings\ndurch diese Fürsten grosser Unterstützungen aus ihren\nPrivat-Schatullen, aber sie blieb stets Sache des Hofes.\nEs ist höchst interessant, in den Briefen aus dem Jahre\n1809, die Zelter aus Königsberg nach Hause schrieb,\ndie einfachen, ungeschmückten Schilderungen des damali-\ngen Lebens in den höchsten Kreisen in Königsberg wäh-\nrend der schweren Prüfungszeit für das königliche Haus\nund den ganzen Staat zu lesen. Ausser den beiden Maje-\nstäten und der Prinzessin Wilhelm empfing namentlich der\nKronprinz nachher Friedrich Wilhelm IV. den musi-\ncalischen Maurermeister aus Berlin sehr häufig, fast täg-\nlich, und mit Männern wie Fürst Radziwill, Beyme, Dohna,\nKalkreuth, Delbrück, Humboldt, Dönhoff, Stägemann, Hu-\nfeland, Zenker, Altenstein, Scharnhorst u. s. w. war er wäh-\nrend der ganzen Zeit seines Aufenthaltes (von Mitte Juli\nbis Mitte September) in Verkehr, und wurde stets zu den\nReunionen bei Hofe und zu den Kreisen der Prinzen und\nhöchsten Staatsbeamten eingeladen.\nDiese Briefe umfassen S. 223 bis 265 des Buches.\nWir theilen Einiges daraus mit:\n„Den 26. Juli. Das ist ein Herrenleben, oder besser\ngesagt: ein Schlaraffenleben. Gestern Abends war ich bei\nden jungen Prinzen des Königs zum Abendessen, wo man\nrecht vergnügt gewesen ist. Die königlichen Kinder gefal-\nlen mir sehr wohl, besonders der Kronprinz, der ein recht\nwackerer, ernsthafter Jüngling zu werden im Begriffe ist,\nund ich kann recht sagen, dass ich mich darüber höchlich\nfreue, auch Delbrück's wegen. Nach und nach fange ich\nan, mich hier ordentlich an- und einzusiedein, und Ihr\nkönnt nun sehen, wie Ihr ohne mich fertig werdet. Einen\noffenen Freitisch habe ich schon. Der Minister Graf Dohna\nhat mir auf beständig ein Couvert angeboten, welches ich\num so lieber angenommen habe, da ich dicht neben ihm\nwohne und immer alte Bekannte an seiner Tafel finde,\nbesonders den Staatsrath von Humboldt, der mein Chef\nist. Diesen Mittag bin ich beim Feldmarschall Grafen Kalk-\nreuth, den ich noch nicht kenne.\n„Dem Bruder der Königin, Prinzen Georg von Mecklen-\nburg, habe ich gestern aufgewartet, ihn aber nicht geti Ol-\nfen. Den Fürsten Radziwill habe ich gestern in der Kirche\ngesprochen; heute werde ich zu ihm gehen. Wenn nur\nnicht Alles so weit aus einander und das beschwerliche\nLaufen wäre! Man muss beständig vor sich her sehen;\nsieht man sich gar zu viel um und nach den Gesichtern\nder artigen Königsbergerinnen hin, blautz, liegt man auf\nder Nase. Es gibt sehr artige weibliche Gestalten hier,\nhässliche gar nicht, es müssten denn solche sein, die von\nanderswo hergekommen sind; dabei kleiden sich d'.e\nFrauenzimmer mit Geschmack und Sauberkeit; das ge-\nringste Mädchen ist reiidich gekleidet; selbst das Bettelvolk\nist nicht schmutzig. Die Berliner gefallen sich übrigens\nhier wenig.\n„Abends nach 10 Uhr. Vormittags war ich beim Für-\nsten Radziwill, der mich sehr freundschaftlich empfing und\nzu seiner Frau (Tochter des Prinzen Ferdinand) führte,\nmit der ich dann etliche Stunden sehr artig verplaudert\nhabe. Sie zeigte mir alle ihre Kinder und war im höchsten\nGrade herablassend. Das Diner beim Grafen Kalkreuth\nwar von angenehmer Gesellschaft. Ich traf hier den Banco-\nDirector Reichard aus Berlin, und bin mit ihm nach Tisch\naus der Stadt gefahren und habe sehr schöne Gegenden\num Königsberg gesehen.\n„Den 30. Juli. Als ich gestern Abends nach Hause\nkam, fand ich die Cabinets-Ordre des Königs, worin mir\nderselbe die Erlaubniss gibt, meine geistlichen Concerte\nam Charfreitage und am ersten Ostertage im Saale des"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.3", "texte": "königlichen Opernhauses aufzuführen. Dieses zu bewirken,\nwar die Absicht meiner beschwerlichen Reise nach Königs-\nberg. Die Herren Capellmeister in Berlin hatten sich ein-\nfallen lassen, mir den Charfreitag und die Aufführung des\nTodes Jesu wegschnappen und für sich auf beständige Zei-\nten vorbehalten zu wollen, indem sie erklärt hatten, der\nSaal des königlichen Opernhauses gehöre gleichsam ihnen\nausschliesslich, und wenn ich ihnen helfen wolle, ihre Mu-\nsiken aufzuführen, so wollten sie mir auch hellen, d. h.\nich sollte für alle meine Mühe und Arbeit mit den Brosa-\nmen fürlieb nehmen, die von dieser Herren Tische fielen.\nMit Briefen von Berlin aus war die Sache viel zu weitläu-\nfig und unsicher, also war das Kürzeste und Sicherste eine\nReise hieher. Ich kenne die Bequemlichkeit und Unent-\nschlossenheit der Herren Capellmeister von langer Zeit\nher; darum sagte ich keinem Menschen von der Sache\nund reis'te getrosten Muthes hieher, und nun mögen sie\nin Gottes Namen erfahren, was ich in Königsberg will\nund gewollt habe.\n„Auf morgen Abend bin ich wieder zum Kronprinzen\neingeladen, wohin ich sehr gern gehe; es ist ein vor-\ntrefflicher junger Mann.\n„Gestern früh, als ich beim Kronprinzen war, sagte\nmir dieser, die Königin freue sich darauf, mich zu spre-\nchen, und ich könne alle Tage um 12 Uhr zu ihr kommen.\n„Gestern Mittags fuhr ich mit dem Banco-Direclor Rci-\nchardt hinaus vors Thor auf ein Landgut des hiesigen\nBanquiers Oppenheim, wo ich den ganzen Tag recht an-\ngenehm verlebt habe und erst Abends 11 Uhr zu Hause\neingetroffen bin. Man begegnet mir hier überall mit der\ngrössten Achtung. Du darfst über alle diese schönen Dinge\nkeineswegs bange sein um mich; ich weiss sie zu nehmen\nund werde mich, so Gott will, bald wieder in meine alten\nVerhältnisse zu finden wissen. Das ganze Wesen ist wie\nder Schaum des Champagners; er schmeckt gut auf den\nAugenblick, ernährt aber nicht auf die Länge. Das weiss\nich längst und setze also darein keine Hoffnungen; aber da\nes nun sein soll, ist es mir lieber so, als umgekehrt.\n„Den 5. August. Hier ist man in grosser Sorge über\nden Waffenstillstand*). Die Gräfin Voss meinte am Sonn-\ntage, warum sie denn den Krieg angefangen hätten, wenn\nsie so beschliessen wollten?—Das meine ich auch, und Du\nweisst recht gut, dass ich nicht heute erst so denke. Ein\njunger Herr S. aus H., der die Eierschalen noch auf dem\nKopfe sitzen hat, sagte gestern Abends in Gegenwart des\nGrosskanzlers, es sei eine Schande, ein Deutscher zu sein,\nman müsse ganz weggehen aus Deutschland. Da Niemand\nantworten wollte, so sagte ich: „ „Dadurch wird die Luft\nrein werden, und ich werde hier bleiben.\"\" Diese Herren\nII r denken, sie hätten das Heil der Welt in ihrem\nSäckel, und wenn sie davon gingen, wäre Alles aus. Mögen\nsie doch gehen mit ihrem unseligen Gelde und einmal ver-\nsuchen, uns den Regen und den Sonnenschein fortzuneh-\nmen.— Als er ging, nahm er von mir nicht Abschied; das\nhatte ich davon. Vielleicht wird er dadurch vorsichtiger,\nim Angesichte deutscher Männer etwas anständiger zu re-\nden. Adelheid schreibt mir, dass Hellwig krank geworden\nsei. Er hat seine Zeit schlecht gewählt, krank zu sein. Ich\ndarf nur einmal den Rücken wenden, gleich haben sie alle\nkeine Nerven mehr.\n„Dinstag, 15. August. Gestern Abends also—war\nVetter Michel da, wirst Du denken, aber nicht also! Das\nwar ein grosses Wesen! Beim Kronprinzen war der ganze\nHof 'in pleno, König, Königin, alle Prinzen und Prinzessin-\nnen, alle Minister, Kanzler und ersten Honoratioren des\nKönigreichs beisammen, und also, wie sich schon von selbst\nversteht, auch ich. Die Königin erschien unendlich gra-\nziös, und nachdem sie ausgeruht, ihre Kinder und den\nHof begrüsst, ging sie umher und kam auf diese Weise\nauch an mich. Sie frug mich, ob ich gute Nachrichten von\nden Meinigen hätte, welches ich bejahen konnte, da ich\ndie Briefe vom Sonntage halte. Ich sagte, dass meine Kin-\nder am 3. August alle meine Fenster in meinen Häusern\nmit Lichtern und Blumen geziert hätten, und dass meine\nSchwester dabei das Regiment führe. Als ich ihr endlich\nnoch sagte, dass ich gegen vierzig Fenster nach der Strasse\nzu hätte, da wunlerte sie sich und sagte: „ „Dasmuss wohl\neine Menge Geld kosten.\"\" — „ „Wo ein Lichtzieher ist,\nIhro Majestät,\"\" erwiderte ich, „ „hat man solche Sachen\nam wohlfeilsten; aber die Frauen im Hause wissen die\nSachen auch schon so einzurichten, dass das Haus erhalten\nund der Name des Königs nach Würde und Ehre verherr-\nlicht werde, und der Hausvater gibt gern, in der festen\nHoffnung, Gott werde seinen König und ihn nicht ver-\nlassen.\" \"\n„Nun trat der König heran und fragte, wie mir's in\nKönigsberg gefiele. Ich antwortete, es gefalle mir überall\nam besten, wo mein König wäre; so dächten alle Berliner,\ndenen es natürlich auch in Berlin nicht eher wieder ge-\nfallen würde, bis sie ihren Landesvater wieder unter sich\nwi'issten.\"\" Der König schien diese Art, zu reden, nicht\nungnädig aufzunehmen und sprach noch Manches; dann\nging die Musik an. Capellmeister Himmel spielte erst eine\nSonate, dann ward eine italiänische Arie gesungen, und\ndarauf folgte eine Composition von mir: „ „Die Gunst des\nAugenblicks\"\", worin Gern seine tiefe Bassstimme recht\nauslegen konnte.\n„Das Gedicht ist von Schiller, und wie Gern die\nWorte sang:\n\n*) Von Znaym den 14. Juli 18°9, vor dem wiener Frieden.\nI*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.4", "texte": "Aus den Wolken muss es fallen,\nAus der Götter Schooss das Glück ;\nDoch der mächtigste von allen\nHerrschern ist der Augenblick!\nkonnte ich eine tiefe Wirkung dieser herrlichen Worte\nwahrnehmen. Nach der Musik kam die Konigin an mich\nheran, nannte das Gedicht herrlich und meine Compo-\nsition schön. Auch der König kam wieder und fragte, ob\nich diese Composition jetzt gemacht hätte. Ich sagte, ich\nhätte sie in den ersten angstvollen Tagen der letzten Zeiten\nzu meiner Erheiterung und Stärkung in Berlin componirt,\nweil ich aus der Erfahrung wisse, dass thätige Beschäfti-\ngung das einzige und beste Mittel sei, grosse Unglücks-\nfälle, an welchen mein Leben reich sei, männlich zu ertra-\ngen; ja, ich hätte gefunden, dass grosse Leiden auf diese\nArt das Herz bessern, den Willen befestigen und die Kraft\nvergrössern; denn ich hätte seit drei Jahren meine besten\nCompositionen gemacht. Mein Gewerbe habe gelegen und\nliege noch; die Musik habe mir unterdessen Trost, Ehre\nund auch etwas Brod gegeben, mein Haus zu erhalten, und\nnun könne und wolle ich sie auch Zeit meines Lebens nicht\nverlassen, denn sie habe mich in der Zeit der grössten Noth\nnicht verlassen.\n„Endlich wurde in den Garten gegangen und unter\nfreiem Himmel zu Abend gespeis't. Der Hof und die Ge-\nneralität mit den Ministern sass an einer Tafel, und näher\n.\nam Hause waren andere Tafeln servirt, wo denn ordent-\nlich soupirt wurde. Wir hatten an unserem Tische weissen\nund rothen Franzwein. Himmel schlich sich an die könig-\nliche Tafel und stahl sich eine Bouteille Champagner, die\ner im Triumph herbei brachte. Er schenkte mir ein Glas\nein, und ich brachte des Königs Gesundheit aus. Als der\nKönig merkte, dass es an unserer Tafel lustig zuging, stand\ner auf und kam zu uns. Wir mussten sitzen bleiben und\nuns nicht stören lassen; so ging er herum und sprach mit\nDiesem und Jenem. Der Abend war still, heiter und warm.\nDie Geschichte dauerte bis nach 11 Uhr; da stand die\nKönigin auf und somit Alles.\n„Vorgestern, Donnerstag, am 17. August, ward hier\nim Hause des Kronprinzen in der Stille der Todestag\nFriedrich's des Grossen begangen. Die Feier bestand in\nvier Reden, zwischen welchen die Musik abwechselte. Die\nerste Rede hielt Dr. Delbrück, der Erzieher des Kronprin-\nzen, die zweite ein alter Kriegsrath, Namens Scheffner;\ndie dritte Rede wurde von mir gehalten, und die vierte\nvom Professor Heillman. Da jeder von uns Rednern sein\nThema über den grossen König ohne Wissen des Anderen\ngewählt hatte, so kam eine ganz gute Verschiedenheit von\nBetrachtungen zum Vorschein, und ich darf wohl von mei-\nnem ungefähr fünfzehn Minuten langen Vortrage sagen,\ndass er nicht ohne Eindruck war.\n„Gegenwärtig waren: die Königin mit ihren Kindern,\nPrinz Georg, Fürst Badziwill, Minister Dohna und noch\nmehrere Minister und Staatsräte, fast alle Consistorial-\nräthe und Superintendenten, General-Lieutenant Dierken,\nOber-Gouverneur des Königreichs Preussen, der Oberst-\nLieutenant von Gaudi, zweiter Gouverneur desselben, Geh.\n%\nRath Hufeland und eine Menge anderer bedeutender Per-\nsonen. Die Sache hatte nach 6 Uhr angefangen und war\netwa um halb 9 Uhr zu Ende. Nachdem Alles vorbei war,\nkam der alte Scheffner an mich heran, drückte mir die\nHand und sagte, er freue sich, dass es noch Leute in der\nWelt gebe, die den Muth hätten, den Grossen die Wahr-\nheit ins Gesicht zu sagen. Der Geh. Staatsrath Klewitz\nnannte meine Rede originel, und der alte Consistorialrath\nBorowsky schüttelte mir die Hand und sagte: „ „Das war\nkurz, aber kräftig.\"\" Ich weiss nun wirklich selber nicht,\nwie das in meinen schlichten Worten liegen soll, und wie\nman Aufhebens machen kann, wenn ein verständiger\nMann verständig spricht. Ich hatte meine Rede am Don-\nnerstag früh erst aufgeschrieben, wesshalb sie wirklich\nflüchtig genug gerathen ist.\"\nFür Zelter begann nach seiner Rückkehr (23. Sep-\ntember 1809) in Berlin eine amtliche Thätigkeit von so\nungeheurem Umfange, dass man beim Studium der nach-\ngelassenen Papiere sich fragt, wie ein Mann solchen An-\nforderungen habe genügen können. Denn ausser seiner\nsing-akademischen Beschäftigung, ausser einer angestreng-\nten Lehrtätigkeit bearbeitete er das ganze Ressort seiner\nKunst, die Oper abgerechnet. Seine Stellung war etwa die\neines musicalischen Censors, und sämmtliche Prüfungen\nvon Organisten, welche Anstellung suchten, Prüfungen von\nGesuchen um Aufnahme in das Orgel-Institut und Begün-\nstigungen des Musik-Studiums durch königliche Unter-\nstützung, sämmtliche Orgel-Visitationen, alle Referate in\nKunstsachen, die das Ministerium des Unterrichts bedurfte,\ngingen durch seine Hände. Hieran knüpfte sich die Not-\nwendigkeit einer Menge von schriftlichen Arbeiten.\nMehrere Tausende solcher Schriftstücke finden sich in\ndem Nachlasse. Den wichtigsten Briefen ist Antwort im\nConcepte beigefügt, und es gibt keinen Theil seiner Kunst,\nden Zelter nicht überdacht und bearbeitet hat- Aufsätze\nüber Melodie, Rhythmus, einzelne theoretische Streitpunkte\noder Feinheiten, Orchester, Singstimme (eine fast vollen-\ndete Singschule), kritische Aufsätze über bedeutende Mu-\nsiker aller Zeiten und ihre Werke sind vorhanden, zum\nTheil von so hohem Werthe, dass es zu den Wünschen\nund Hoffnungen des Herausgebers dieser Biographie ge-\nhört, das Wichtigste unter diesen Arbeiten später durch\nden Druck zu verbreiten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.5", "texte": "Solche Thätigkeit Zelter's bei dem Einflüsse, welchen\ner als musicalischer Rath auf seine vorgesetzte Behörde\nausübte, bei dem Vertrauen, welches sein ehrenhafter Cha-\nrakter ihm erworben, gab der musicalischen Kunst im\npreussischen Staate eine Stellung, die sie vorher nicht be-\nsessen. Der Staat übernahm es nunmehr, etwas für die\nAusbildung der Musiker zu thun durch Unterricht, Stipen-\ndien und andere Vergünstigungen, wielche schon längst der\nMalerei und Plastik zu Theil geworden waren. Bedenkt\nman, in welcher trüben politischen und financiellen Lage\ndamals das Vaterland sich befand, wie Zelter selbst fort-\nwährend von Sorgen für seine Existenz belagert war, so\nmuss man die Energie des Mannes bewundern, der solchen\nVerhältnissen so wichtige Begünstigungen seiner Kunst\nabrang, dieselben zu erhalten und zu erweitern wusste.\n\nAus Stuttgart.\nIm Juni 1861.\nMit dem abgelaufenen Jahre 1860 lB6l hat der\nVerein für classische Kirchenmusik das vierzehnte\nJahr seit seiner Gründung zurückgelegt; er hat sich be-\nstrebt, während dieser langen Reihe von Jahren sein Ziel,\ndie Weckung und Förderung echten Kunstsinnes durch\nEinübung und Aufführung kirchlicher Musikwerke, vor-\nzugsweise älterer Meister, unverrückt im Auge zu behalten.\nDie 66 Aufführungen, welche der Verein seinen Mitglie-\ndern und dem grösseren Publicum bis jetzt gegeben hat,\nmögen dies bezeugen, und neben diesen haben seine Mit-\nglieder bei liturgischen Andachten und verschiedenen Con-\ncerten, insbesondere mehrfach in den Abonnements-Con-\ncerten der königlichen Hofcapelle, mitgewirkt; wogegen\nnun seit einigen Jahren durch das freundliche Entgegen-\nkommen der betreffenden Behörden und Künstler die Er-\nfüllung des längstgehegten Wunsches, die grossen Werke\nunserer Meister mit vollständiger Orchester-Begleitung zur\nAufführung zu bringen, dem Vereine selbst auch ermög-\nlicht worden ist. Neben einer grossen Anzahl kleinerer\nWerke Choräle, Lieder, Psalmen, Motetten, Cantaten\nvon älteren und neueren Meistern (Palestrina, Anini, Gallus,\nEccard, Hassler, Vulpius, Prätorius, Josquin des Pres, Las-\nsus, Durante, Vittoria, Gabrieli, Schütz, Pachelbel, Fresco-\nbaldi, Caldara, Marcello, Carissimi, Pergolese, M. Frank,\nGraun, J. und M. Haydn, Arcadelt, Rosenmüller, Goudi-\nmel, Neumark, Hammerschmidt, Leo, Joh. Mich. Bach,\nJ. Sebastian Bach, Händel, Hasse, Jomelli, Mozart, Beet-\nhoven, B. Klein, Mendelssohn, Homilius, Scarlatti, Gluck,\nBortnianski, Crüger u. s. w.)—sind durch den Verein an\ngrösseren Werken (und zwar mehrere wiederholt) unter\nder Direclion des Professors Dr. Faisst gegeben worden:\nvon Astorga: das Stabat Mater-, J. S. Bach: die Jo-\nhanneische Passionsmusik, die üf-mo/Z-Messe, das Weih-\nnachts-Oratorium;— Händel: Messias, Samson, Macca-\nbäus, Jephta, Te Deum, Josua, Israel, Saul, Athalia;\nMozart: das Requiem,',— Mendelssohn: Paulus, Elias,\nAthalia, Christus; Schneider: Das Weltgericht;\nSpohr: Die letzten Dinge.\nIn dem jüngst abgelaufenen Vereinsjahre fanden fol-\ngende Aufführungen Statt:\n1) am 25. Juni 1860 (in der Stiftskirche): Te Demi\nvon Händel, Hymne von Mendelssohn und Orgel-Vorträge;\n2) am 16. October 1860 (in der Stiftskirche): das\nOratorium Athalia von Händel, unter gefälliger Mitwir-\nkung von Frau Dr.Leisinger, Fräul. Marschalk, Fräul. Pa-\nnocha, Fräul. Trüschler, der Herren Rauscher und Schütky,\nso wie der königlichen Hofcapelle;\n3) am 19. December 1860 (in der Leonhardskirche):\nein Theil des Weihnachts-Oratoriums von J. S. Bach, so\nwie mehrere kleinere Chor- und Orgelstücke;\n4) am 28. Mai 1861 (im Königsbau): das Weih-\nnachts-Oratorium von J. S. Bach, unter gütiger Mitwir-\nkung von Frau Dr. Leisinger, Fräul. Marschalk, Herrn A.\nJäger und der königlichen Hofcapelle.\nWährend beim Beginne des verflossenen Vereinsjahres\ndie Zahl der Mitglieder\na) 26 mit Familienkarte zu 4 Personen = 104 Billette,\nJ) 106 „ „ „ 3 „ =3lB „\nc) 28 „ Einzelkarten =2B „\nzus. 160 mit 450 Billetten\nbetrug, hat sich dieselbe nun auf\n41 zu a = 164 Billette,\n185 zu b=555 „\n109 zu c lO9 „\nzus. 335 mit 828 Billetten\ngestellt.\nNur die durch diese erfreuliche Vermehrung der Mit-\ngliederzahl bewirkte erhebliche Erhöhung der Jahres-Ein-\nnahme machte es möglich, im abgewichenen Vereinsjahre\nzwei Aufführungen unter Mitwirkung des königlichen\nHof-Orchesters zu geben, und gleichwohl hätte man mit\neinem Deficit abschliessen müssen, wenn nicht Seine Kö-\nnigliche Majestät die für die Benutzung der Säle des Kö-\nnigsbaues zu der letzten Aufführung erwachsenen sämmt-\nlichen Kosten (109 Fl. 35 Kr.) gnädigst nachzulassen ge-\nruht hätten.\nAn Vermögen besitzt der Verein ausser seinen Musi-\ncalien so gut wie nichts; Ersparnisse anzulegen ist ihm\nbis jetzt noch nicht vergönnt gewesen. Der Vorstand legt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.6", "texte": "desshalb allen Mitgliedern die dringende Bitte ans Herz,\ndem Vereine fortan ihre thätige Theilnahme erhalten und\nwo immer möglich seine Interessen durch Gewinnung\nneuer Mitglieder fördern zu wollen.\nDie Einnahme des Jahres (1948 Fl.) hat nach Be-\nstreitung aller Kosten nur einen Cassenbestand von 107\nFl. übrig gelassen.\nDer jährliche Beitrag ist für eine Familie von vier\nPersonen 5 Fl., von drei Personen 4 Fl., für Einzelne 2\nFl. 42 Kr.\n\nUeber Choral-Begleitung auf einer so genannten\nViertel-Orgel.\nS.\nIn der Kunstsprache nennt man bekanntlich eine Or-\ngel eine ganze, wenn sie im Haupt-Manual Principal 16\nFuss, eine halbe, wenn sie im Haupt-Manual Principal\n8 Fuss, und eine Viertel-Orgel, wenn sie im Manual\nPrincipal 4 Fuss hat. Es fehlt diesen letzteren, deren es\nauf dem Lande gar viele gibt, in der Regel leider an einem\nPedale. Das vorhandene Pfeifenwerk ist dazu in den älte-\nren Werken dieser Art herzlich schlecht disponirt. Hat\ndie Orgel etwa zehn Züge, so befinden sich darunter ge-\nwöhnlich ausser Cornet und Trompete auch noch Sex-\nquialter und Mixtur. Unter den übrigen, [lötenartigen Stim-\nmen stehen dann insgemein zwei achtlüssigen ein zweifüs-\nsiges und drei vierfüssige Register gegenüber.\nDie Begleitung des Gemeindegesanges fordert je nach\nden Umständen entweder a)eine recht kraftvolle, oder\neine mittelkräftige, oder c)eine mittelschwache, oder\neine eigentlich schwache Begleitung. Für reicht\neine Viertel-Orgel zur Noth aus, indem für das volle\noder fast volle Werk, für deine oder auch zwei achtfüs-\nsige Flötenstimmen und für czu den beiden letzteren noch\neine vierfüssige sanfte Stimme benutzt werden kann. Aber\nfür beignen sich die vorhandenen Register bei dem Man-\ngel hinreichend deckender Stimmen nicht. Ich schlage dess-\nhalb für diesen Fall folgendes Auskunftsmittel vor:\nMan registrire, wie folgt, und spiele den Choral um\neine Octave tiefer, als vorgeschrieben:\nEntweder: Oder:\nGedact 8 Fuss, Gedact 8 Fuss,\nGedact 4 Fuss, Quintatön 8 Fuss,\nGambe 4 Fuss, Gedact 4 Fuss,\nPrincipal 4 Fuss. Gambe 4 Fuss,\nOctave 2 Fuss ad Hb.Principal 4 Fuss,\nOctave 2 Fuss*).\nEs ist hiedurch viel Tonfülle, so wie eine wirklich schöne\nund frische Klangfarbe gewonnen, wobei obendrein die\nMelodie recht klar hervortritt.\nDie vermehrte Tonfülle, so wie die veränderte Klang-\nfarbe erklären sich durch den Umstand, dass die Register\nhier ihren Charakter als acht-, vier- und zweifüssige gleich-\nsam verlieren und gewisser Maassen den der sechszehn-,\naclit- und vierlussigen Stimmen annehmen. Das klare Her-\nvortreten der Melodie aber rührt, wie es scheint, daher,\ndass gerade in der Region, in welcher sich dieselbe be-\nwegt, namentlich die acht-, vier- und zweifüssigen Stim-\nmen ihre ganze Fülle haben.\nMan kann einwerfen, dass hier, wie bei dem Gesänge\nfür Männerchöre, die Begleitung nur enge Harmonie\nzulässt. Indess besitzen wir einerseits auch vortreffliche\nChoralbücher mit durchweg enger Harmonie, und ande-\nrerseits sind die Organisten unserer Zeit zu solchen Ab-\nänderungen der gewöhnlichen Harmonisirung, welche hier\ndurch die Beschränktheit des Tonumfanges bisweilen nö-\nthig werden, wohl befähigt.\nDie beste Empfehlung des hiedurch mit warmem\nHerzen für die Sache vorgeschlagenen Auskunftsmittels ist\ndie Erfahrung, dass sich die Gemeinde dadurch unwill-\nkürlich und mit erhöhter Freude am Gesänge betheiligt.\nKreis Waldbroel, im Juni 1861.\n*) Sollte das eine oder andere der hier zusammengestellten Re-\ngister nicht vorhanden sein, so nehme man dafür ein entspre-\nchendes anderes.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nVon Spohr's Selbstbiographie ist so eben die dritte Lieferung\ndes zweiten Bandes erschienen, welche das interessante Werk ab-\nschliesst.\nNach einer Nachricht aus Mein in gen in der „Dorfzeitung4\nkönnen wir das Wiederaufleben der thüringischen Musikfeste\nbegrüssen, welche einst die erste Anregung zu den deutschen Mu-\nsikfesten überhaupt gaben. Wenn Herr Capellmeister J. Bott jene\nwieder ins Leben ruft, so wird sein Verdienst um so grösser sein,\nals die Förderung der Kunst es sehr wünschenswerth macht, den\nneuerdings wieder überhand nehmenden Sängerfesten durch Musik-\nfeste die Wage zu halten, auf denen die grossen classischen Werke\nder Tonkunst zur Aufführung kommen. Sind wir doch auf dem\nbesten Wege, nur an vierstimmigen Walzer- und Polka-Liedern und\nOpernmusik aus dem olympischen Freudenhaus des pariser Orpheus-\nOffenbach Geschmack zu finden. Die gedachte Zeitung sagt: »Das\nals eine würdige Nachfeier der heiligen Pfingsttage abgehaltene Ge-\nsangfest entsprach in seiner Ausführung vollkommen dem schönen\nGedanken, der es ins Leben rief, wie den Erwartungen, welche sich\nan die schwierige und langwierige Vorbereitung und an das Zusam-\nmenwirken so vieler und tüchtiger Kräfte knüpften. Der unter Bott's\nLeitung stehende Gesang-Verein, zunächst durch hiesige Liedertafeln\nunterstützt, fand in den vereinigten gemischten Sängerchören von\nEisenach, Hildburg hausen und Rö nihil d der Zahl wie der\nBedeutung nach den erfreulichsten Zuwachs, und unser Orchester\nwar in den Streich-Instrumenten durch die Hofcapellen von Co-\nburg und Rudolstadt wesentlich vervollständigt. So wirkten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.7", "texte": "sechs thüringische und fränkische Städte mit zu einem Werke, wel-\nches, in solcher Weise erfasst und durchgeführt, immer den nachhal-\ntigsten Eindruck hinterlassen muss. Meiningens gastlicher Sinn be-\nwährte sich auch hier, indem die Sängergäste in den Familien die\nfreundlichste Aufnahme fanden. Die Aufführung des Oratoriums\nPaulus von Mendelssohn in der Stadtkirche war im Hinblick\nauf die grosse Anzahl der Mitwirkenden und auf die Unmöglichkeit,\nmehr als eine Gesammtprobe abzuhalten, eine wahrhaft bewundt-\nrungswürdig vollkommene; wie die Chöre, so wurden auch die Solo-\nPartieen, durch unseren beliebten Gast, Kammersänger Reer aus\nCoburg, und durch unser allverehrtes Künstlerpaar, Herrn und Frau\nViala, so wie durch einige Dilettanten vertreten, auf die würdigste\nWeise zur Geltung gebracht; der Eindruck des Ganzen war mächtig\nund ergreifend. Anderen Tages fand im Hoftheater ein Früh-Concert\nStatt, welches, als eine Ergänzung des ersten geistlichen, gediegene\nweltliche Musik darbot und hauptsächlich der Instrumental-Musik\ngewidmet war.\nDas „Deutsche Theater-Archiv®, seit drei Jahren als officielles\nGeschäftsblatt des deutschen Bühnen-Yereins für dessen Rechnung\nim Commissions-Verlage der A. W. Hayn'schen Buchhandlung in\nBerlin herausgegeben, hört mit Ende Juni d. J. zu erscheinen auf.\nIn demselben Verlage erscheint vom 6. Juli an als völlig selbst-\nständiges und unabhängiges Unternehmen ein „Neues deutsches Thea-\nter-Archiv, kritische Blätter für die Bühnen weit*. Das Programm\ndieser dramaturgischen Wochenschrift ist bereits ausgegeben. Von\nberliner Schriftstellern haben sich dem „Neuen deutschen Theater-\nArchiv* bereits als Haupt-Mitarbeiter angeschlossen : Friedrich Adami,\nA. E. Brachvogel, Otto Girndt, Max Ring und Hr. Th. Rötscher.\nEs erscheint wöchentlich eine Nummer in grösserem Formate; der\nAbonnementspreis beträgt vierteljährlich einen Thaler.\nHeitlel?>er|£9 14. Juni, Die Preis-Entscheidung der für das\n„Allgemeine deutsche Commersbuch\" bestimmten und beim heidel-\nberger Preissingen vom mannheimer Quartett theilweise vorgetrage-\nnen Compositionen der „Neuen Lieder aus dem Engern in Heidel-\nberg\" hat bei der grossen Zahl der eingesandten Compositionen (über\n400) erst jetzt erfolgen können. Einstimmig wurde von sämmtlichen\nPreisrichtern (Ausschuss des badischen Sängerbundes) in Ueberein-\nstimmung mit den studentischen Verbindungen den Compositionen\ndes „Liedes fahrender Schüler: Wohlauf, die Luft geht frisch und\nrein4*, so wie von: »Ein ander Lied vom Rodenstein : Wer reit't mit\nzwanzig Knappen ein zu Heidelberg in Hirschen?* Preise von je 5\nDucaten zuerkannt. Als Componisten ergaben sich beim Oeffnen der\nCouverts beim ersteren Herr V. E. Becker, Musik-Director in\nWürzburg, beim zweiten Herr Karl Appel, herzoglicher Concert-\nmeister in Dessau. Fast einstimmig wurde den Compositionen der\nLieder: „Perkeo: Das war der Zwerg Perkeo im heidelberger Schloss*,\nComponist Herr Stephan Gruwe, Referendar in Burgsteinfurt,\nund „Rodenstein's Auszug: Es regt sich was im Odenwald*1, Com-\nponist Herr C. Hering, Musik-Director in Berlin, ebenfalls Preise\nvon je 5 Ducaten zuerkannt. Seitens der Verlagshandlung wurde\nsodann noch der nicht concurrirenden schönen Composition von Herrn\nMusik-Director Zimmermann in Mannheim zu dem Scheffel'schen\nLiede: „Alt-Heidelberg, du feine, du Stadt an Ehren reich*, so wie\nder mit unendlichem Jubel aufgenommenen Composition zu Horn-\nfeck's „Trinke nie ein Glas zu wenig* von Herrn Hof-Capellmeister\nLachner in Mannheim Preise von je 5 Ducaten bestimmt. Der\nSchluss der Redaction der sechsten Auflage des Allgemeinen deut-\nschen Commersbuches wird nunmehr sofort erfolgen, und das Com-\nmersbuch in einigen Wochen wiederum in allen Buchhandlungen zu\nhaben sein.\nDer Violin-Virtuose Grün aus Pesth, welcher seit mehreren Jah-\nren der Weimarer Hofcapelle angehört, ist an Kömpel's Stelle nach\nHannover berufen worden und hat dieses ehrenvolle Engagement\nangenommen. Er wird schon am 1. Sept. nach dorthin abgehen.\nTkHmcheift. Sonntag, 16. Juni: Lohengrin, romantische Oper\nin drei Aufzügen. Text und Musik von R. Wagner. (Lohengrin\nHerr Schnorr von Carolsfeld vom k, Hoftheater zu Dresden.)\nDas Gastspiel des Herrn Schnorr wurde durch einen sehr günstigen\nRuf vorbereitet und eingeleitet, und dieser Ruf hat sich bewährt,\ndenn Herr Schnorr ist im Besitze einer kräftigen, wohlklingenden\nund gutgeschulten Stimme, in welcher wir allerdings weniger einen\neigentlichen Tenor zu erkennen glauben, als einen hohen Bariton.\nSein \\ ortrag ist correct und wohl durchdacht, was dem dramati-\nschen Effecte sehr günstig ist. Er gefiel sehr, wenn auch nicht ge-\nrade enthusiastisch, wozu wohl seine an weiland Breiting erinnernde\nkörperliche Erscheinung schuld sein mochte, die für den schwäne-\ngezogenen Ritter denn doch etwas zu materiel erschien. In den Bei-\nfall theilten sich nach Gebühr Fräul. Stöger als Elsa, Herr Kin-\ndermann und Frau Diez als Telramund und Ortrud; gleichwohl\nwurde uns wieder so recht klar, dass die Richtung des Ganzen, von\nden Einzelheiten abgesehen, nie wirkliche Wurzeln fassen und selbst-\neigenes Leben entwickeln kann. Sie ist Unkunst, weil sie Unnatur\nist, und darüber helfen weder französische Antipathien noch öster-\nreichische Sympathieen hinweg. Nachträglich fügen wir bei, dass\nFräul. Grua, nachdem sie im Trovatore als Leonore ihre ganze\nGesangskunst im vollsten Glänze gezeigt, und zugleich Fräul. Stö-\nger als Azucena Gelegenheit gegeben hatte, sich als treffliche dra-\nmatische Darstellerin und Sängerin zu bewähren, ihr höchst beifällig\naufgenommenes Gastspiel, wie sie begonnen, mit Norma beschloss.\nDie Süddeutsche Musik-Zeitung enthält in ihrer Nr. 25 eine Cor-\nrespondenz aus Hamburg, in welcher die dortigen Musik-Zustände\nund namentlich die Tugenden und Schwächen der Dirigenten der\nverschiedenen Vereine freimüthig besprochen werden. Die in der\ngrössten norddeutschen Handelsstadt vorhandenen musicalischen Ver-\neine sind folgende: 1. An Concert-Instituten, welche Instrumental-\nstücke zur Aufführung bringen: die philharmonische Gesellschaft,\nDirigent Grund; der Musik- und Orchester-Verein, welcher letztere\nunter der Direction Heinrich Schäffer's fast ausschliesslich aus\nDilettanten gebildet ist. 2. An Gesang-Vereinen für gemischten Chor:\ndie Grund'sche Akademie; die Otten'schc, mit dem Musik-Verein\nverbunden; die Bach-Gesellschaft, Dirigent Armbrust; der Voigt1 -\nsche Gesang-Verein; die Grädener'scbe und die Garven'sche Akade-\nmie und einige weniger bekannte.\nIm grossen Operntheater zu Paris hat man vor vierzehn Tagen\neine neue Rampenbeleuchtung des Prosceniums eingeführt. Bei der-\nselben ist die Reihe der Gasflammen nicht mehr sichtbar für das\nPersonal auf der Bühne, denn die Brenner befinden sich unter dem\nParquet und werfen vermöge eines mit Silber belegten Reflectors\ndas Licht durch mattgeschliffenes Glas (wie bei den Lampcnglocken)\nauf die Bühne. Dadurch werden die Augen der Sänger geschont, und\ndie Feuersgefahr für die weiten Kleider der Sängerinnen und die\nGaze-Trachten der Täüzerinnen ist vollständig beseitigt. Die Zuschauer\nhaben den Vortheil, die ganze Figur der Bühnenkünstler sehen zu\nkönnen, da bei dieser rampe a refledeur auch die Erhöhung, welche\ndie Lampen nach dem Parterre hin verdeckte, wegfallt.\nMan will hier in einem deutschen Handlungsbeflisse-\nnen, Namens Braun, eine ganz ausserordentliche Tenorstimme ent-\ndeckt haben. Ein anderer Tenorist, Namens Ecarlat, früher"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610706-01.1.8", "texte": "Scharlach gebeissen, hat schon die Proben zum Wilhelm Teil\ngemacht, ist aber wieder zurückgetreten, um eine andere Debut-\nRolle zu wählen.\nLondon hat auch in dieser Saison wieder zwei italiänische\nOpern, die eine in Coventgarden, die andere im Lyceum. Cov ent-\ngar den zieht besonders durch die Primadonna Patti an, welche\ndie Sonnambula schon acht Mal daselbst gesungen hat. In den\n„Hugenotten\" hat die Grisi („zum letzten Male!\" stand wieder ein-\nmal auf dem Zettel) die Valentine und Mario den Raoul gesungen,\nMad. Mio 1a n- Car va 1h o die Königin, Mad. Nan t i er-Didi6e\nden Pagen, Faure den St. Bries. Auch Mad. Penco und die\nHerren Graziani und Allard sind Mitglieder der Oper. Das\nLyceum eröffnete mit Verdi's Trovatore. Fräulein Tietjens und\nMad. Alboni, die Herren Giuglini, Gassier und Delle\nBed i e hatten die Hauptrollen.\n(R. Wagner ein katholischer Dichter.) Seltsam hat man\nsich in Deutschland so lies't man im „Vaterland\" Nr. 116\ndurch den mittelalterlichen Stoff in Wagner's Opern und durch Auf-\nnahme des Wunderbaren in dieselben täuschen lassen. Das Wunder-\nbare, welches Wagner wie das Kunststückchen eines Taschenspielers\nin Scene setzt, haben Viele für Poesie genommen, und August\nRintel sagt sogar in einer im Jahre 1853 erschienenen, gegen den\nDr. Stahl gerichteten Schrift: „Tannhäuser und Lohengrin, diese\nWunderwerke Richard Wagner's, sind gesättigt von katholischem\nGeiste, sind wahrhaft katholische Kunstwerke, mag ihr grosser Mei-\nster äusserlich der Kirche angehören oder nicht.\" Die Pariser aber,\nverständig, geistreich und aufgeweckt, wie sie sind, liessen sich\ndurch Wagner keinen Sand in die Augen streuen; sie fanden die\nBehandlung der Tannhäuser-Sage sehr unpoetisch, ja, komisch, und\nthaten ihrer einmal erweckten heiteren Laune keinen Zwang an. Die\ndeutsche Kunst hat unserer Meinung nach in der grossen pariser\nOper keine Niederlage erlitten, wohl aber haben gesunder Menschen-\nverstand und guter Geschmack einen Triumph gefeiert. Wagner ist\nkünstlerisch nicht der Ausdruck des deutschen Geistes. Was man\nam deutschen Wesen zu preisen pflegt: Tiefe, Innerlichkeit, Seele,\ndavon ist Wagner fast ganz leer. Er ist eine innerlichst unproduc-\ntive, eine künstliche, reflectirte Natur. Wenn die Franzosen den\ndeutschen Geist in Kunst und Wissenschaft auch nicht immer gründ-\nlich begreifen, so haben sie doch stets, wenn er ihnen in seiner an-\ngeborenen Würde und Schönheit entgegentritt, einen gewaltigen Re-\nspect vor ihm; sie respectiren, sie bewundern, so weit ihre Fähigkeit\nreicht, unsere grossen Denker, Dichter und Künstler. So imponirten\nihnen Mozart, Beethoven, Weber, so bewundern sie auf ihre Weise\nCornelius und Kaulbach, so staunen sfe über die Gedankentiefe und\nKühnheit eines Kant, Schelling, Hegel, und Schiller's und Göthe's\nDichtungen wissen sie bis zu einem gewissen Grade wohl zu wür-\ndigen. Dasselbe Gefühl, welches den Franzosen vor diesen geistigen\nHelden Hochachtung einflösst, musste sie bestimmen, einen Mann\nwie Wagner fallen zu lassen. Und wie es ästhetisch nicht das spe-\ncifisch Deutsche war, was sie von Wagner zurückstiess, so war es\nauch politisch nicht das Deutsche, welches Wagner's Niederlage\nverursachte oder auch nur begünstigte. Wagner blicke nur auf Hector\nBerlioz, einen Künstler, der ungleich bedeutender ist, als er selbst.\nIst er nicht ein Franzose, jeder Zoll ein Franzose? Und doch hat\ner es nach einem mehr als dreissigjährigen erntten Streben noch\nnicht dahin bringen können, in seiner Heimat allgemein anerkannt\nzu sein.\n\nEinladung.\nDie Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiser-\nStaates hat den Beschluss gefasst, in der nächsten Concertzeit\n(1861 —1862) dem wiener musicalischen Publicum zwei neue Sin-\nfonieen vorzuführen. Es ergeht an die Herren Tonsetzer die\nfreundliche Einladung, der Direction Sinfonieen, die aber weder im\nMusikhandel erschienen noch bisher öffentlich aufgeführt sein dür-\nfen, für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.\nDie näheren Modalitäten sind folgende :\n1. Die Einsendung erfolgt an die Kanzlei der Gesellschaft (Wien,\nTuchlauben) bis längstens Ende August 1861, und kann ein später\neinlangendes Tonwerk nicht mehr berücksichtigt werden.\n2. Die Sinfonie wird in Partitur ohne Namen des Verfassers, je-\ndoch mit einem Motto bezeichnet, eingesandt und ihr ein versiegelter,\nmit demselben Motto versehener Zettel beigelegt, welcher den Na-\nmen und die Adresse des Verfassers enthält.\n3. Die eingesandten Tonwerke werden von der Direction fünf\nPreisrichtern übergeben, von deren Urtheil es abhängt, welche\nzwei Sinfonieen zur Aufführung bestimmt werden. Die Herren Dr.\nAmbros in Prag, Ferd. Hiller in Köln, Dr. Franz Liszt in\nWeimar, Karl Reinecke in Leipzig und Robert Volkmann\nin Pesth haben die Prüfung und Begutachtung freundlichst zuge-\nsichert.\n4. Die Aufführung erfolgt in den ersten Monaten des Jahres\n1862. Die Sinfonieen bleiben Eigenthum der Verfasser. Sie werden\nim Concert-Programm bloss mit dem vom Verfasser gewählten Motto\nbezeichnet. Unmittelbar nach der Aufführung erfolgt die Eröffnung\ndes versiegelten Zettels und die Bekanntgebung des Tonsetzers.\n5. Die nicht berücksichtigten Tonwerke werden in der Kanzlei\nder Gesellschaft hinterlegt, und es wird die Zeit bekannt gegeben\nwerden, wann sie dort erhoben werden können.\nWien, am 20. April 1861.\nDie Direction der Gesellschaft\nder Musikfreunde des Österreichischen Kaiserstaates."}]}