{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-08-31-01", "volume": "bmtnabi_1861-08-31_01", "ocr_sha256": "17ef857f6064ef000df6552c4e1afc19b95caab344cca6674917e4cb14cb69c8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/08/31_01/bmtnabi_1861-08-31_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-08-31-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-08-31_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-08-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "273", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nAus Lorenzo da Ponte's Denkwürdigkeiten. 11. Weiterer Aufenthalt in Wien. Operntexte für Martini und Mozart. Aus\nWiesbaden (Rückblicke). Schluss. Von W. Wülfinghoff. Beurtheilungen: Wilhelm Greef, Chorlieder für Gymnasien A.\nHaupt, Sammlung zweistimmiger Lieder E. Kuhn, 25 neue dreistimmige Jugendlieder, Op. 43 Unsere Lieder. Dritte Auflage. Agen-\ntur des Rauhen Hauses Dr. E. Hauschild, Schweizerisches Volkslieder-Büchlein. 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Operntexte für Martini\nund Mozart.\nNach der Abreise meines Verfolgers Casti nahm ich\nmir vor, meinen neidischen Kritikern einen Streich zu spie-\nlen, nämlich zwei Dramen zugleich zu schreiben, eines öf-\nfentlich, das andere geheim. Martini*) beklagte sich über\nmeine Faulheit, ihm einen Stoff zu liefern; andererseits\nliess mich die Storace, die von ihren Vorurtheilen gegen\nmich zurückgekommen war, durch die Kaiserin um ein\nLibretto für ihren Bruder bitten. Die Gelegenheit war\nalso günstig. Ich nahm das für Storace bestimmte Sujet\naus einer Shakespeare'schen Komödie, während ich zu-\ngleich Martini aufsuchte und ihm das Versprechen abnahm,\nNiemandem auf der Welt davon zu sagen, dass ich et-\nwas für ihn schrieb.\nUm ihm sowohl, wie der Gesandtin von Spanien an-\ngenehm zu sein, gedachte ich einen Stoff aus der spani-\nschen Geschichte zu wählen. Diese Idee gefiel Martini und\ndem Kaiser ungemein, welchen letzteren ich in das Ge-\nheimniss gezogen hatte, und der mich mit seiner Billigung\nzu ermuthigen geruhte. Ich begann demnach mehrere spa-\nnische Komödien zu lesen, um mich in den dramatischen\nCharakter dieser Nation hinein zu denken. Endlich fand\nich ein Sujet, das mir vollständig gefiel. Es war von Cal-\nderon und führte den Titel: „Der Mond der Sierra.\" Ich\nentwarf mein Stück; die Fahel davon war einfach:\nBei eifier Jagd in den Gebirgen verliebt sich der In-\nfant von Spanien in eine Schäferin, die, tugendhaft und\nleidenschaftlich für einen Bergbewohner eingenommen,\nallen Verführungen des Prinzen widersteht. Ich gab ihm\nden Titel: La rosa rara, oder Tugend und Schönheit.\nSei es nun, dass ich von einem Gefühle zärtlicher Par-\nteinahme für einen Componisten angespornt wurde, dem\nich die ersten Strahlen meines dramatischen Ruhmes ver-\ndankte, oder war es das Verlangen, mit einem einzigen\nSchlage alle meine Verlästerer zu beschämen, sei es viel-\nleicht die Natur des so poetischen und hiedurch so an-\nziehenden Stoffes, kurz, dieser Operntext war in dreissig\nTagen fertig. Der Maestro schrieb hierauf die Musik dazu.\nIch hatte es so eingerichtet, dass die tüchtigsten Kräfte der\nTruppe in der Oper beschäftigt waren. Aber diese italiäni-\nschen Tigellius,ein allezeit unruhiger und schwer zu be-\nfriedigender Haufe, richteten schon ihre Erbärmlichkeiten\ngegen den Componisten, bevor noch die Rollen verlheilt\nwaren. Sie konnten dieses eine Mal, da sie nicht wussten,\ndass ich den Text geschrieben, sich nicht an mich halten.\nSic me servavit Apollo.\nNachdem die Rollen vertheilt waren, brach der Sturm\nlos. Der Eine hatte zu viel Recitative, der Andere zu we-\nnig; für diesen war der Tonumfang zu hoch, für diesen\nlag er zu tief. Ein Dritter setzte nicht bei den Ensemble-\nstücken ein, ein Vierter sang viel zu viel. Die Anarchie war\nauf der höchsten Stufe. Indessen sagte man doch, da man\nunser Zusammenarbeiten nicht kannte, die Verse wären\nwohlklingend, die Charaktere gut gezeichnet, das Sujet\nneu; kurz, das Stück wäre ein Meisterwerk, die Musik\n\n*) Martini, eigentlich Vincenze* Martin, gewöhnlich lo\nSpagnuolo (der Spanier) genannt, weil er 1754 zu Valencia\ngeboren war, kam 1781 nach Italien, wo er bald durch seine\nOpern Ruf erlangte, den er in Wien, wo er sich während der\nJahre 1785 —l7BB aufhielt, vergrösserte. Seine berühmtesten\nOpern waren La Cosa rara („Lilla, oder Schönheit und Tu-\ngend\") und L\" Ar bore cli Diana („Der Baum der Diana\"). Zu\nbeiden hatte da Ponte das Buch geschrieben. Wie wir aus\ndessen Angaben gleich sehen werden, ist das Sujet zu Cosa\nrara dasselbe, welches nachher im „Nachtlager zu Granada\"\nvon Conradin Kreutzer benutzt worden ist. Martini's Cosa rara\nist vergessen, nach allen Zeugnissen der Zeitgenossen und Mo-\nzart's selbst mit Unrecht. Dass er neben Cimarosa, Paesiello\nund Mozart im grössten Ansehen und in hoher Gunst bei dem\nKaiser Joseph 11. stand, spricht für den Werth seiner Leistun-\ngen. Er starb im Jahre 1810 in Petersburg."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5257, "texte": "aber schwach und trivial. „Signore da Ponte,'• sagte eines\nTages bei dieser Gelegenheit ein Sänger zu mir, „da Sie\nDichter sind, so nehmen Sie Sich ein Beispiel an diesem\nWerke, das ein Muster ist, dem man nacheifern soll; so\nmuss eine Opera buffa geschrieben werden.\"\nIch lachte in das Fäustchen. Endlich brach der Vul-\ncan aber los. Fast alle Schauspieler sandten ihre Rollen\nzurück und weigerten sich, eine solche Musik zu singen;\ndas Haupt der Cabale war der erste BufFo, der speciel we-\ngen einer galanten Nebenbuhlerei Feind mit Martini war.\nDer Lärm dieser Revolution drang bis zum Kaiser, der\nvon Martini und von mir die Einzelheiten darüber zu er-\nfahren wünschte; ich nahm mir die Freiheit, ihm zu ver-\nsichern, dass niemals die Sänger besser Gelegenheit gehabt\nhätten, sich zu zeigen, als in dieser Oper, und dass Wien\nnoch nie eine so liebliche und so hinreissende Musik ge-\nhört habe. Er verlangte nach dem Libretto, das ich aus\nVorsicht eingesteckt halte, und als er es zufällig auf blät-\nterte, fiel sein Blick auf das erste Finale, das mit den\nWorten schloss:\nrWas geschehen, ist gesclieh'n,\nDa ist nichts mehr zu ändern.\"\n„Ich konnte nichts Passenderes finden,\" sagte er lä-\nclfelnd. Dann nahm er eine Feder und schrieb auf ein\nBlatt:\n„Mein lieber Graf! Sagen Sie meinen Schauspielern,\ndass ich ihre Klagen über Martini gehört hätte und sehr\nungehalten darüber wäre; aber:\n„Was geschehen, ist gescheh'n,\nDa ist nichts mehr zu ändern.\"\nDas Billet wurde auf der Stelle an Bosenberg abge-\nsandt.\nAm Abende der ersten Aufführung war das Haus\nzum Erdrücken voll, die Mehrzahl der Zuschauer war aber\nzum Auspfeifen geneigt. Man fand indessen gleich in den\nersten Arien so viel Anmuth, Liebreiz und Melodie in die-\nser Musik, so viel Unerwartetes und Interessantes im Dia-\nlog, dass das Auditorium einer günstigeren Meinung Raum\nzu gönnen schien. Hierauf erfolgten nach einem Stillschwei-\ngen, wie man nie seines Gleichen bei einer anderen italiä-\nnischen Oper gehört hat, rasende Beifallsbezeigungen. Nach\nBeendigung des ersten Actes verlangte man nach dein Ver-\nfasser. Einige Anhänger Casti's ergriffen diese Gelegenheit\nund setzten seinen Namen in Umlauf. Im ganzen Hause\nwar Kelly der Einzige, der, neben mir sitzend, mir ins\nOhr flüsterte: „Ich wette, dieser Text ist von Ihnen.\" Ich\nbat ihn, zu schweigen. Einzig und allein hatte ich den\nHerrn von Lerchenheim, Secretär im kaiserlichen Cabi-\nnette, meinen inlügsteu Freund, ins Vertrauen gezogen.\nEr wohnte der Vorstellung mit einigen Damen der höch-\nsten Gesellschaft bei. Ganz natürlich drehte sich die Unter-\nhaltung um das Stück, und die Damen richteten die Frage\nan ihn, ob er nicht den Verfasser kenne: Er antwortete\nmit Ja. Jetzt trieben sie ihre Neugier weiter und wollten\nden Namen wissen. Er sagte ihnen, es wäre ein Venetia-\nner, der sich jetzt in Wien aufhielte, und den er ihnen am\nEnde des Schauspiels vorstellen wolle. „Desto besser,\"\nerwiderten sie; „das ist der einzige Dichter, der für unser\nTheater passt; wir werden selbst um seine Ernennung,\nwenn nöthig, beim Kaiser anhalten.\" „Das dürfte nicht\nnöthig sein; Se. Majestät hat ihn bereits engagirt.\" Sie\näusserten darüber ihre höchste Zufriedenheit. Der zweite\nAct begann; er hatte einen gleich günstigen Erfolg, wenn\ner nicht noch grösser als der erstere war. Namentlich elek-\ntrisirte ein Duett das ganze Haus; der Kaiser verlangte\nmit Hand und Mund die Wiederholung desselben gegen\nden üblichen, von ihm selbst eingeführten Gebrauch, keine\nEnsemble-Stücke wiederholen zu lassen.\nNach beendigter Vorstellung hielt Herr von Lerchen-\nheim Wort und stellte mich jenen Damen vor. Ich kann\nnicht sagen, was grösser war, ihr Erstaunen oder meine\nGenugthuung. Man wollte wissen, wesshalb ich so sorg-\nlich meinen Namen verheimlicht hätte. „Um die Cabale\nnicht erröthen zu machen\", erwiderte der Herr von Lcr-\nchenheim freundlich.\nDie von Natur guten, aber von meinen Verlästerern\nbeeinflussten Deutschen, die ihr Unrecht einsahen, suchten\nes wieder gut zu machen. Ich war Gegenstand von Lobes-\nerhebungen, welche alle Gränzen überstiegen. Namentlich\nwollten die Damen nur von meiner Oper sprechen hören.\nSie hatten eine Mode a la Cosa rara erfunden und be-\ntrachteten uns, Martini und mich, wie zwei Phönixe. Diese\nOper hatte uns umgewandelt und ein Verdienst, wie Eigen-\nschaften in uns geweckt, die bisher im Dunkel geblieben\nwaren. Ich beschloss, ein noch besseres Stück zu schrei-\nben, zumal als mir der Kaiser, nachdem er mir unzwei-\ndeutige Zeichen seiner Zufriedenheit gegeben, unablässig\nrieth, ein neues Werk für seinen lieben Spanier zu schrei-\nben. Ich warf mich mit Eifer auf das Auffinden eines neuen,\nMartini's würdigen Stoffes. Aber allzu viele Maestri baten\nmich um einen solchen und stützten sich dabei auf die\nEmpfehlungen der angesehensten wiener Edelleute. Aus\nBücksicht auf diese Empfehlungen liess ich mich hinreis-\nsen, zwei Opern-Texte zu schreiben, einen für Bighini,\nden anderen für Peticchio. Sie machten Fiasco. Die An-\nhänger dieser Componisten schrieben mir die Ehre der\nNiederlage zu; ich gab der Musik, welche mein Genie er-\nstickt habe, die Schuld. Die Frage wird niemals entschie-\nden werden. Zwei Tage darauf begegnete ich dem Kaiser.\n„Da Ponte,\" sagte er zu mir, „schreiben Sie für Mozart,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5416, "texte": "Martini und Salieri, denken Sie aber nicht mehr an Pe-\nticchio und Righini, die nur Gassen-Musiker sind. Casti\nwar gescheiter; er arbeitete nur für einen Paesiello und\nfür einen Salieri, zwei Meister, die sich gellend zu machen\nwussten und sich nie blossstellten.\" Beide Opern gingen\nnunmehr in die grosse Mappe zu ihren Vorgängern, wäh-\nrend man fortwährend die „Hochzeit des Figaro\" und\n„Cosa rara\" gab.\nJene drei vom Kaiser erwähnten Maestri boten mir die\nGelegenheit dazu dar, indem sie mich gleichzeitig um ein\nLibretto baten. Ich wusste kein anderes Mittel, sie gleich-\nzeitig zufrieden zu stellen, als dass ich drei Dramen zu-\ngleich verfertigte. Salieri verlangte kein Originalstück. Er\nhatte in Paris die Musik zur Oper geschrieben\nund wünschte nun diese Musik einem italiänischen Texte\nanzupassen. Er brauchte also nur eine freie Uebersetzung.\nWas Mozart und Martini betrifft, so überliessen diese mir\ndie Wahl des Sujets. Ich bestimmte für den ersten „Don\nJuan\", der entzückt davon war, und für den zweiten den\n„Baum der Diana\", einen mythologischen Stoff, der\naber mit seinem Talente in Einklang stand, denn dieses\nwar voll von jenem süssen Melodieen-Reichthum, welcher\nzwar mehr als Einem Componisten angeboren ist, den aber\nnur seltene Ausnahmen wiederzugeben verstehen.\nNachdem ich meine drei Stoffe gefunden, stellte ich\nmich dem Kaiser vor und gab ihm meine Absicht zu er-\nkennen, sie neben einander vorzuführen. Er schrie laut\nauf. „Sie werden scheitern!\" sagte er zu mir.\n„Vielleicht, aber ich will den Versuch wagen. Ich\nwerde für Mozart schreiben, zuvor aber einige Seiten in\nDante's Hölle lesen, um in die rechte Stimmung zu ge-\nrathen.\"\nGegen Mitternacht setzte ich mich an meinen Arbeits-\ntisch; eine Flasche vortrefflicher Tokayerwein stand rechts\nvon mir, mein Schreibzeug links, eine Tabaksdose voll Ta-\nbak aus Sevilla vor mir. Um jene Zeit wohnte ein junges\nund schönes Mädchen von sechszehn Jahren, die ich nur\nhätte wie ein Vater lieben mögen, mit ihrer Mutter in mei-\nnem Hause; sie kam stets in mein Zimmer zur Verrich-\ntung kleiner innerer Dienste, sobald ich mit der Klingel\nschellte, um etwas zu verlangen; ich missbrauchte etwas\ndiese Klingel, zumal wenn ich meine Wärme schwinden\nund ein Erkalten fühlte. Dieses reizende Mädchen brachte\nmir dann bald etwas Biscuit, bald eine Tasse Chocolade,\nbald nur ihr stets heiteres, stets lächelndes Antlitz, das\neigens geschaffen war, um den ermüdeten Geist wieder zu\nerheitern und die poetische Begeisterung neu zu erwecken.\nIch unterzog mich also zwölf Stunden täglich hinter einan-\nder mit nur kurzen Unterbrechungen zu arbeiten, und\nführte dies zwei Monate lang durch. Während dieser gan-\nzen Zeit blieb mein schönes junges Mädchen mit ihrer\nMutter in dem benachbarten Zimmer, entweder mit Lec-\nture oder Stickerei oder einer Nadelarbeit beschäftigt, um\nstets bereit zu sein, beim ersten Glockenklang vor mir zu\nerscheinen. Da sie fürchtete, mich in meiner Arbeit zu\nstören, so sass sie zuweilen unbeweglich, ohne den Mund\nzu öffnen, ohne mit den Augenlidern zu blinzeln, den Blick\nstarr auf meine Schreiberei geheftet, sanft athmend, an-\nmuthig lächelnd und zu Zeiten selbst zu Thränen geneigt\nscheinend über den Ausgang der Arbeit, in welche ich\nvertieft schien. Ich klingelte schliesslich weniger häufig,\n. i ~\num ihrer Dienste zu entbehren und mich nicht zu zer-\nstreuen oder meine Zeit bei ihrem Anschauen zu verlieren.\nSo zwischen dem Weine von Tokay, dem Schnupftabak\nvon Sevilla, der Klingel auf meinem Tische und der schö-\nnen Deutschen, die der jüngsten der Musen glich, schrieb\nich die erste Nacht für Mozart die beiden ersten Scenen\ndes „Don Juan\", zwei Acte vom „Baum der Diana\" und\nmehr als die Hälfte des ersten Actes von „ Tarare\", wel-\nchen Titel ich jedoch in den von „Axur\" umänderte. Am\nnächsten Morgen trug ich die Arbeit zu meinen drei Com-\nponisten, die ihren Augen nicht recht trauen wollten. In\nzwei Monaten waren „Don Juan\" und der „Baum der\nDiana\" beendigt, auch bereits mehr als das Drittel der\nOper „Axur\" fertig. Der „Baum der Diana\" wurde zu-\nerst aufgeführt; er wurde eben so glänzend wie\naufgenommen.\nDiana, die Göttin der Keuschheit, hat in ihrem Gar-\nten einen Baum, welcher Aepfel von wunderbarer Schön-\nheit trägt; sobald eine Nymphe, die keusch ist, unter sei-\nnen Aesten vorübergeht, werden die Aepfel durchsichtig,\nund von jedem Zweige des Baumes ertönt eine himmlische\nMelodie; wenn sie dagegen, und wäre es auch nur in Ge-\ndanken, dieses unbedingte Gesetz überschritten hat, so ver-\nliert die Frucht ihre Durchsichtigkeit, wird schwarz, ver-\nkohlt und lässt auf das Haupt der Schuldigen unvertilgbare\nFlecken, welche Narben zurücklassen, herabfallen. Cupido,\ngegen Diana aufgebracht, hat sich in Frauenkleidern in\nden Garten geschlichen; er entflammt das Herz des Gärt-\nners zur Liebe und lehret ihn, wie er es anzufangen habe,\num alle Nymphen in sich verliebt zu machen; noch nicht\nzufrieden mit diesem Triumphe, öffnet er die Pforten dem\nschönen Endymion, von dem die Göttin selbst im höchsten\nGrade bezaubert wird. Der Oberpriester entdeckt während\neines Opfers die Entweihung des Heiligthums und verord-\nnet kraft der höchsten Autorität, womit er bekleidet ist,\ndass alle Nymphen und die Göttin selbst sich der Probe\nunterziehen sollen; um diesem Beschlüsse zu entgehen, lässt\nDiana den Baum umhauen, und der besänftigte Cupido\nerscheint in einer leuchtenden Wolke und verwandelt den\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2631, "texte": "Garten in einen prachtvollen Palast, der fortan dem Amor\ngeheiligt bleibt.\nDer Kaiser liess mir hundert Zechinen zustellen.\nMan hatte eben die erste Vorstellung vom „Baum der\nDiana\" gegeben, als ich nach Prag gerufen wurde, wo\ndie erste des „Don Juan\" von Mozart bei Ankunft der\nGrossherzogin von Toscana in dieser Stadt aufgeführt wer-\nden sollte. Ich hielt mich hier acht Tage auf, um den\nSchauspielern ihre Rollen einzustudiren; bevor diese Oper\naber in Scene ging, musste ich nach Wien zurückkehren,\nda man, wie mir ein dringender Brief Sclieri's meldete,\ndie Aufführung des „Axur\" zur Vermählung des Erzher-\nzogs Franz befohlen und der Kaiser gebieterisch meine\nAnwesenheit verlangt habe.\nIch hatte in Prag der Darstellung des „Don Juan\"\nnicht beiwohnen können, allein Mozart hatte mich sofort\nunterrichtet, dass sie ausserordentlich schön ausgefallen sei.\nIn gleicher Weise schrieb mir der Impresario Guardassoni\nhierüber Folgendes:\n„Es lebe da Ponte! Es lebe Mozart! Die Impresari\nwie die Künstler können sich Glück wünschen. So lange\nSie leben, wird die Misere nicht wieder wagen, sich den\nTheatern zu nahen!\"\nDer Kaiser liess mich rufen und machte mir unter den\nverbindlichsten Lobsprüchen ein neues Geschenk von hun-\ndert Zechinen, wobei er äusserte, er brenne vor Verlan-\ngen, den Don Juan zu hören. Ich schrieb an Mozart; die-\nser traf ein und gab die Rollen an den Abschreiber, der\nsich beeilte, sie zu vertheilen. Die bevorstehende Abreise\ndes Kaisers Joseph 11. beschleunigte die und\nwas soll ich sagen? Don Juan gefiel nicht! Alle Welt,\nMozart allein ausgenommen, war der Ansicht, das Stück\nmüsse umgearbeitet werden. Wir machten Zusätze dazu,\nänderten mehrere Stücke, und zum zweiten Male: Don\nJuan gefiel nicht! Dies hinderte den Kaiser aber nicht,\nsich zu äussern: „Dieses Werk ist himmlisch; es ist noch\nschöner als die Hochzeit des Figaro; aber es ist kein Bissen\nfür meine Wiener.\" Ich erzählte Mozart diese Worte, der\nmir, ohne sich irre machen zu lassen, antwortete: „Lasst\nihnen nur Zeit, ihn zu kosten.\" Er irrte sich nicht. Auf\nseinen Rath liess ich den Don Juan so oft als möglich auf-\nführen; mit jeder Darstellung steigerte sich der Erfolg.\nNach und nach gewöhnten sich die Wiener daran, diesen\nBissen schmackhaft zu finden und seinen Werth einzu-\nsehen; endlich schmeckte er ihnen so wohl, dass sie den\nDon Juan zu dem Range dramatischer Meisterwerke er-\nhoben.\nDie grosse Kunst ist im Allgemeinen zu hoch für die\nMenge; sie bedarf zuweilen eines oder zweier Jahrhun-\nderte, um jene Jury des Genie's zu bilden, welche endlich\nmit Kenntniss der Sache ohne Appellation und für die\nNachwelt entscheidet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-08-31-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-08-31_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-08-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "276", "page_fin": "277", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "W. Wülfinghoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.4", "debut_caractere": 2633, "fin_caractere_exclue": 4911, "texte": "Aus Wiesbaden.\n\n(Schluss. S. Nr. 34.)\nDas zweite Concert der Administration führte uns\nFräul. E. Schmidt von Darmstadt, Herrn Dr. Schmid\nvon Wien (Bass), Herrn Laub, Herrn Jaell (den nim-\nmer müden Wanderer) und auch Herrn Folz (Flöte) vor.\nLaub und Jaell errangen die Palme des Abends durch\nihren vollendeten Vortrag der Kreutzer-Sonate von Beet-\nhoven. Herr Laub spielte noch ein Impromptu und eine\nPolonaise eigener Composition, die kühn und keck erfun-\nden und eben so vorgetragen wurden. Herr Jaell spielte\nnoch eine Gavotte vom alten Sebastian, Chopin's bekann-\nten Des-dur-Walzer und den Tannhäuser-Marsch. Seine\nFinger werden ihm vor lauter Beweglichkeit noch auf und\ndavon laufen, so enorm ist seine Fertigkeit; mit dem Tem-\npo, d. h. dem ganz richtigen, gehen die nicht ruhen wol-\nlenden Finger Herrn Jaell zum öfteren schon durch. -\nSämmtliche Vorträge fanden grossen Beifall; selbst Herr\nFolz verschaffte sich Theilnahme für sein Instrument.\nIm ersten Concerte der Administration ragten Herr\nJ. J. Bott und Herr G. Aloys Schmitt durch ihre mei-\nsterhafte Ausführung der Kreutzer-Sonate von Beethoven\n(also zwei Mal in Einer Saison dem Publicum geboten!)\nhervor. Auch die übrigen Nummern des Concertes fanden\nverdiente Anerkennung. Herr Caffieri, unser neu enga-\ngirter, vorzüglicher Tenor, erregte Aufsehen mit seinen\nschönen Mitteln, die er in günstiges Licht zu stellen weiss.\nHerr Abiger (Bass unserer Oper) veranstaltete ein\nConcert, in welchem der Geiger Gleichauf\nHerr Gleichauf gefällt sich in geringfügigen Compositio-\nnen. Herr Wachtel war wieder der Held des Abends.\nEine frischere, jugendlichere Stimme, wie die des Herrn\nWachtel, hörten wir noch nicht. Indessen muss der Held\nsein natürliches Feuer des Zuviel den Gesetzen der Singe-\nkunst, den ästhetischen Gesetzen anzupassen noch lernen.\nEs ist eine Macht der Naturwüchsigkeit, ein so genannter\nWildschlag in Wachtel's Singen, der zwar Alles mit sich\nfortreisst, allein auf die Dauer ermüdend und abspannend\nwirkt. Auch Fräul. Lehmann und Herr Abiger wirk-\nten an dem Abende mit; Fräul. Lehmann liess mit Effect\n_ i\nden Venzano'schen Walzer (!) los.\nMeinen Krebsgang verfolgend, komme ich zu dem\nvierten Vereins-Concerte unseres Cäcilien-Vereins\nhier einen erfreulichen Fortschritt bezeugend—, welches"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3018, "texte": "HändeTs Judas Maccabäus sehr würdig, mit Unterstützung\nvon Fräul. Deinet, Fräul. Schönchen, der Herren Iv.\nSchneider und Abiger zu Gehör brachte. Das dritte\nCäcilien-Vereins Concerl brachte zwei unsterbliche Werke:\nMozarl's Requiem und Beethoven's Pastoral-Sinfonie. Auch\ndieses Programm bekundete den steten Fortschritt des\nVereins, den gediegenen Geschmack seines Führers, und\nwar ein glänzendes Zeugniss von der Meisterschaft unseres\nTheater-Orchesters.\nWeiter zurückschreitend, muss ich der neunten, ach-\nten, siebenten und sechsten Soiree für Kammermusik\nehrende Erwähnung thun, in welchen Haydn,\nQuartett, Spohr, Quartett in D-moll, Beethoven, Quintett\nC-dur,Op. 29, Haydn, (7-efer-Quartett, Mozart,\nQuarlett, Beethoven, Trio Op. 70, (mit Herrn Pal-\nlat), Mendelssohn, Sonate für Clavier und Violoncello, Op.\n58, D-dur,Schubert's Beethoven's Op.\n74, Es-dur (Harfen-Quartett),' Haydn's Kaiser-Quartett,\nMozart's D-dur- und Beethoven's (Op. 95) F-moll-Quar-\ntett sehr achtunggebietend ausgeführt wurden. Dann\nhatten der frankfurter Liederkranz und der hiesiee\no\nMännergesang-Verein zum Vorlheil der Hinterlasse-\nnen Karl Zöllner's ein Concert veranstaltet; Mitglieder\nder Oper und des Theater-Orchesters veranstalteten ein\nConcert zum Besten der Kleinkinder-Bewahr-Anstalt, und\nwenn ich Ihnen nun noch erzähle, dass der Rhein-Main-\nSängerbund am 15. Juni sein erstes (!) Sängerfest hier\nabhielt gegen 400 Sänger sollen hier getagt haben —,\nso werden Sie den Hut lüften vor einem solchen musicali-\nschen Leben, wie es die Capitale Nassau's entfaltet. Dabei\nstreiten zwei grosse Mililär-Musikkörper (die Musik des\nk. k. österreichischen 16. Linien-Infanterie-Regiments Ba-\nron Wernhardt und jene des k. Preussischen 38. Linien-\nInfanterie-Regiments) um die Hegemonie hinter dem Cur-\nsaale, in jenen bezaubernden duftigen Gärten, in denen\newiger Lenz, Liebe und Jugend weilt und die Freude ihren\nraffinirtesten, ausgedehntesten Cultus findet.\nFrau Bürde-Ney erregte allgemeine Bewunderung\nals Dinorah, Rosine und Fidelio. In letzterer und ersterer\nOper habe ich sie gehört; der seelenvolle, vollendete, keu-\nsche Gesang und ihr geniales, hinreissendes Spiel üben eine\ngleiche magische Wirkung auf das Herz des Zuhörers. Da\nkann man auch sagen: Der Ton kommt vom Herzen und\ndringt auch wieder mit Allgewalt zum Herzen.\nDas Opern-Repertoire durchläuft immer seinen ge-\nwohnten buntfarbigen Kreis: Dinorah, Faust (von Gounod),\nRienzi, Rigeletto, Robert wechseln mit Martha, Zampa,\nNachtlager, Freischütz, Norma u. s. w. Indess taucht noch\nam Schlüsse meines Berichtes ein leuchtendes Gestirn vor\nmeinem Geiste auf: Signore Manuel Carrion de An-\nguiano, der hier im März d. J. als Edgardo in Lucia\nvon Lammermoor eine unerhörte, in Wahrheit hier noch\nnicht da gewesene Beifalls-Raserei wach rief. Zur Hand-\nhabung der Oi dnung im Hause hätte bald der Schutz der\nhohen Policei angerufen werden müssen. Die Stadt wim-\nmelt von Itahani, Russi, Americani, Olandesi, Franccsi,\nInglesi, aber wenigen Deutschen.\n\nW. Wülfinghoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-08-31-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-08-31_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-08-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "277", "page_fin": "279", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.5", "debut_caractere": 3020, "fin_caractere_exclue": 5012, "texte": "Beurtheilungen.\nFür Gesang in Schulen.\n1. Wilhelm Greef, der unermüdliche, ehrenwerthe\nArbeiter 1 ur Förderung des Gesanges im deutschen Volke,\nhat durch eine Sammlung: Chorlieder für Gymna-\nsien und andere höhere Schulen. I. Heft. Partitur:\nSopran, Alt, Tenor, Bass. Essen, bei G. D. Bädekcr. 1862.\n48 S. Quer-8. Preis 5 Sgr. von Neuem seine Befähi-\ngung und den richtigen Tact für Auswahl und Bearbei-\ntung von dergleichen Hülfsmitteln zur musicalischen Bil-\ndung der Jugend bewährt. Wer aus ErfahVung die Be-\ndürfnisse der Gymnasien kennt, der weiss auch von der\n.Noth und Mühe zu sagen, womit nicht selten für Chor-\nkräfte höherer Schulen ansprechendes Vierstimmiges ge-\nsucht wird, das neben der Gediegenheit des Stoft'es in Wort\nund Ton auch für die Schüler und für ihre Stimmen, na-\nmentlich in Betreff des Tonumfanges, sich eignet. Das vor-\nliegende erste lieft enthält vorzugsweise Lieder im Volks-\ntone; in dieser Gattung liegt der wahre Kern von deut-\nscher Art und Kunst, wesshalb sie für die musicalische\nBildung der Jugend von unschätzbarem Werthe sind. Die\ndurch ganz Deutschland in vielen Tausenden Exemplaren\nverbreiteten „Männerlieder\" (Essen, bei Bädeker), von\ndenen noch kürzlich bedeutende Sendungen wieder nach\nNordamerica wanderten, geben ein erfreuliches Zeugniss\nfür die günstige Aufnahme des einfachen deutschen Lie-\ndes. Das erste Heft derselben ist bereits in eilfler Aufläse\nzu 3500 Exemplaren erschienen.\nDie „Chorlieder\" enthalten eine Auswahl von 66 ern-\nsten und heiteren Liedern (darunter 15 zum ersten Male\ngedruckte von Wilhelm, W. Greef, Flügel u. s. w.),\nderen Zweckmässigkeit volle Anerkennung verdient. Lie-\nder, welche in vierstimmiger Bearbeitung in dem von Ge-\nbrüder Erk und W. Greef herausgegebenen „Sängerhain\"\nenthalten sind, wurden von der Aufnahme in diese „Chor-\nlieder\" ausgeschlossen, und sind somit die vorliegenden\n„Chorlieder\" eine selbstständige, neue Sammlung, welche\nneben dem „Sängerhain\" besteht und diesen gewisser\nMaassen ergänzt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5166, "texte": "Die Anordnung der Lieder ist nach dem Text-In-\nhalte bestimmt. Der Anhang (Nr. 54 66) enthält meist\nCh oräle in alter und neuer Form und in Bearbeitung von\nSeth Calvisius, Seb. Bach und dem Herausgeber.\nWas die harmonische Bearbeitung betrifft, so ist mit\nvollem Rechte von dem fünfstimmigen Tonsatze für den\nSchulgebrauch ganz abgesehen. Bei der vierstimmigen Be-\narbeitung ist zunächst der angemessene Tonumfang be-\nachtet, nicht nur der Stimmumfang der meist noch in der\nEntwicklung begriffenen Tenor- und Bassstimmen, sondern\neben so sehr die Alt- und namentlich die Sopranstimme.\nDie so häufig vorkommende Nichtberücksichtigung des na-\ntürlichen Tonumfangs des Soprans bei Knaben ist ein Ruin\nfür die Stimme.\nWas den eigentlichen Tonsatz betrifft, so ist nament-\nlich, worauf es hier am meisten ankommt, die Stimmfüh-\nrung fliessend, ungezwungen und sangbar. Bei den aus\nden „Männerliedern\" entnommenen und hier für den ge-\nmischten Chor bearbeiteten Liedern sind die Harmonieen\nmöglichst beibehalten, was den Vortheil hat, dass die Schü-\nler nach eingetretenem Stimmwechsel diese Lieder alsdann\nin der Bearbeitung für Männerstimmen bald mit zu singen\nvermögen.\nEine für alle ähnlichen Sammlungen sehr empfehlens-\nwerthe Zugabe ist es, dass im alphabetischen Register die\nZeit der Entstehung der Texte und Melodieen angegeben\nist. Auch finden sich auf Seite 2 und 3 des Umschlags\nbiographische Notizen über die Dichter uud Componisten.\nFür die hübsche Ausstattung, den deutlichen (correcten)\nDruck und den billigen Preis verdient die Verlagshandlung\nlobende Anerkennung.\n2. A. Haupt, Sammlung zweistimmiger Lieder\nund Gesänge mit Ciavierbegleitung für\nhöhere Töchterschulen. Zweite Aufl. Berlin,\n1860, bei Ferd. Schneider. 9 S. 8. (Preis?)\nDiese kleine Sammlung enthält in der zweiten Auflage\n50 Lieder, meist von bekannten Componisten, in guter\nAuswahl. Das Brauchbare derselben besteht besonders in\nder Clavierbegleitung, die in grosser Einfachheit dennoch\ndie vollständige Harmonie des Tonstückes darstellt, auch\nwenn es nur einstimmig gesungen wird, und auch von we-\nnig geübten Spielern leicht auszuführen ist. Das Heft ist\ndesshalb Schulen und Erziehungs-Anstalten von Töchtern,\nso wie Familienkreisen zu empfehlen.\n3. E. Kuhn, 25 neue dreistimmige Jugend-\nlieder. Op. 43. Erfurt und Leipzig, bei G. W.\nKörner. 38 S. kl. 8. Preis 2 Sgr.\nDer als Lieder-Componist geschätzte Organist Kuhn\nin Mannheim gibt auch in diesem Heftchen recht anspre-\nchende, fliessend melodische und leicht singbare Lieder auf\nzweckmässig gewählte Texte. Dass die Namen der Dichter\nüberall fehlen, ist ein Mangel, der besonders bei Jugend-\nund Schulliedern nicht wohl zu entschuldigen ist.\n4. Unsere Lieder. Dritte Auflage. Hamburg, 1861.\nAgentur des Rauhen Hauses. 319 S. kl. 8.\n1. Ausgabe auf Schreibpapier, zierlich gebunden;\n2. auf Druckpapier. (Preis?)\nDas Vorwort, von dem Vorsteher des Rauhen Hauses,\nDr. Wichern, unterzeichnet, belehrt uns, dass die Samm-\nlung ursprünglich nicht in der Absicht vorgenommen ist,\nsie zu veröffentlichen. „Das Büchlein ist kein gemachtes,\nsondern ein aus dem Zusammenleben einer grossen Haus-\ngenossenschaft, die jetzt an 200 Glieder familienmässig\numschliesst (September 1860), herausgewachsenes und zu-\nsammengesungenes.\" Dadurch mag denn gerechtfertigt\nsein, dass von einem eigentlichen Plane in der Sammlung\nnicht die Rede ist. Die 264 Lieder nebst einem Anhange\nvon geistlichen Liedern (Nr. 267 304) sind theils ein-\nstimmig, theils zwei-, drei- und selbst vierstimmig gesetzt,\nohne Clavierbegleitung, die geistlichen Gesänge des An-\nhangs alle vierstimmig. Ein Vorzug der Sammlung ist ihr\nReichthum. Dass die Auswahl in Bezug auf die Texte\ndurchweg eine christlich sittliche Tendenz hat, braucht bei\nden bekannten Erziehungs-Grundsätzen des Rauhen Hau-\nses nicht erst versichert zu werden ; nöthiger dürfte es sein,\nder Sammlung das Zeugniss zu geben, dass sie den Cha-\nrakter der Pietisterei oder trüber Ascetik nicht trägt, son-\ndern recht gesunde und frische Lieder in grosser Anzahl\ngibt, vor deren Klang nicht nur „der Teufel weichen\nwird, dem Singen wehe thut\", wie K. Dormann in dem\nzweiten Vorworte in Versen sagt, sondern hoffentlich auch\nderjenige, welcher der Jugend und der Menschheit über-\nhaupt die freie Lebenslust verkümmern möchte.\n5. Dr. Ernst Hauschild, Schweizerisches Volks-\nlieder-Büchlein für Schule und Haus u. s. w.\nDritte Auflage. Mühlhausen im Elsass, bei J. P.\nRisler. 1860. 284 S. Gr. 8.\nHerr Dr. Hauschild, „Candidat der Theologie, Privat-\ndocent der Philosophie an der Universität und Lehrer am\nGymnasium zu Basel\", bekannt durch rühmliche prakti-\nsche Wirksamkeit für Gesang im Elsass, so wie durch\nmehrere musicalisch-didaktische Schriften (auch Verfasser\nder Broschüre: „Ueber den so genannten rhythmischen\nChoral\" [Mühlhausen, 1854. 33 S. Gr. B], gegen dessen\nEinführung er sich erklärt), gibt hier eine reichhaltige\nSammlung von Liedern für Sopran- und Altstimmen, in\ndenen wir mit Befriedigung viele schöne alte Melodieen\nfinden, die über das neue Kunst- und Declamationslied fast\n. **\"■ «\nschon so gut wie vergessen sind, von Mozart, J. A. P.\nSchulze, Dittersdorf, C. M. von Weber, Reichardt, Fink"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3170, "texte": "u. s. w. Die Anordnung ist progressiv und ganz zweck-\nmässig: auf 35 einstimmige Lieder folgen 9 zwei- bis vier-\nstimmige Canons (darunter auch der Mozart'sche dreistim-\nmige: „Ich armes vvälsches Teuflein\", mit anderem Text);\ndann zählt der dritte Abschnitt, der reichhaltigste, einige\nund siebenzig zweistimmige, der vierte Abschnitt 52 drei-\nund der fünfte Abschnittt 18 vierstimmige Lieder und\nGesänge.\nDie zweite (kleinere) Abtheilung enthält 40 Choräle\n(S. 215 bis 264), deren Druck praktisch eingerichtet ist,\nindem das obere Noten-System den zweistimmigen Tonsatz\nenthält, das untere die Mittel- und Unterstimme des drei-\nstimmigen, wozu dann vom oberen Systeme nur die erste\nmelodiel ührende Stimme hinzuzunehmen ist. Dieser zwei-\nund dreistimmige Salz ist eigene Arbeit des Herausgebers,\nder sich auch durch einige Compositionen in den früheren\nAbschnitten als ein guter Musiker bewährt.\nDas Beiwort „schweizerisch\" zeigt allerdings die spe-\ncielle Bestimmung der Sammlung' an, daher auch manche\nTexte deutscher Vaterlandslieder dieser Bestimmung ange-\npasst worden sind. Es sind sogar einige französische Ge-\nsänge (z. B. von Mehul) aulgenommen. Uebrigens ist das\nBuch auch über den Bereich der Schweiz und der Schule\nhinaus zu empfehlen. Unangenehm und der Verbreitung\nhinderlich ist bei solchen Büchern stets der Mangel der\nAngabe des Preises. Während der Zeit zwischen der er-\nsten Auflage von 1847 und der dritten lässt sich der Gang\nder Richtung des Herausgebers durch die Schlüsse seiner\nVorreden verfolgen; indem er zuerst den „Wunsch freund-\nlicher Aufnahme\", dann die Hoffnung auf „Erhaltung und\nErhöhung der Theilnahme\" ausspricht, ruft er jetzt „die\nGnade des Herrn an, die Arbeit mit reichem Segen zu\nkrönen\".\n6. J. Heinrich Lützel, Geistliche und weltliche\nMännerchöre, zum Gebrauche für Lehrer-Con-\nferenzen, Seminarien und Gesang-Vereine bear-\nbeitet und herausgegeben. Kaiserslautern, bei J. J.\nTascher. 1861. 182 S. 8. Preis 20 Ngr.\nHerr Lützel, dessen „Kirchliche Chorgesänge\nder vorzüglichsten Meister des XVI., XVII. und XVIII.\nJahrhunderts für gemischten Chor\" (Zweibrücken, bei\nRitter) bereits bekannt geworden sind, fährt fort, in den\nihm zunächst gelegenen Kreisen den Sinn für die Tonwerke\nder älteren Meister zu wecken und zu nähren. Die vorliegende\nSammlung vierstimmiger Männerchöre ist darauf berech-\nnet, wird aber auch über den engeren Kreis hinaus im\ndeutschen Vaterlande sich Freunde verschaffen, denn sie\ntritt der Einseitigkeit, die sich nur mit den Erzeugnissen\nder Gegenwart beschäftigt, und die leider in so vielen\nMännergesang-Vereinen herrschend geworden ist, entge-\ngen. Der geistlichen Gesänge sind 59, von Prätorius, J.\nEccard, Bortniansky, J. Gallus, Orlandus Lassus, Pale-\nstrina, Lolti, Melchior I'rank, Graun u. s. w., denen einige\nvon neueren Componisten in ähnlichem Geiste geschrie-\nbene (Bernh. Klein, Spohr, Rinck, Grell, Neukomm u. s. w.)\nhinzugefügt sind. Der weltlichen Lieder sind nur dreissig.\nmeist \\ aterlandslieder. Empfehlenswerth ist die Sammlung\naber hauptsächlich durch die erste Abtheilung (S. 1 —120).\nDruck von Noten und lext sind scharf auf weissem Pa-\npier, die Ausstattung überhaupt artig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-08-31-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-08-31_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-08-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "280", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.7", "debut_caractere": 3172, "fin_caractere_exclue": 5977, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi« Unser Männergesang-Verein ist, wie wir hören,\nmit der Einübung der grösseren Compositionen, die für das deut-\nsche Sänger fest in Nürnberg geschrieben worden sind, be-\nschäftigt und wird mit Nächstem ein Concert zur Aufführung der-\nselben veranstalten, was sicherlich sowohl durch das Programm, als\ndurch die kunstgerechte Ausführung allgemeines Interesse erregen\nwird.\nAm Donnerstag den 29. d. Mts., Nachmittags, fand die Ueber-\ngabe der neuen, von Herrn Fr. W. Sonreck hierselbst gebauten\nOrgel in der Pfarrkirche zur heiligen Ursula Statt. Das schöne\nWerk wurde durch die trefflichen Vorträge des Herrn van Eyken\naus Elberfeld und der hiesigen Organisten Herrn Bisping und\nGerbracht zu grosser Befriedigung der eingeladenen Zuhörer in\nder Mannigfaltigkeit seiner Stimmen vorgeführt.\nMassel, 21. August. Die gestern Abends zur Feier des Ge-\nburtsfestes Sr. K. Hoheit des Kurfürsten zum ersten Male aufge-\nführte Oper „Otto der Schütz** von unserem Hof-Capellmeister C.\nReiss hat einen sehr ehrenvollen Erfolg gehabt; es ist eine solide,\nfein durchgearbeitete Musik, vorherrschend lyrischen Charakters,\nwelche nicht so sehr durch frappante Effecte als eine Reihe von\ninstrumentalen und gesanglichen Schönheiten wirkt, die auf einem\necht deutschen Stile beruhen, last alle Gesangs-Nummern sprachen\nlebhaft an, die frischen Chöre fanden verdienten Beifall, und wir\ndürfen im Allgemeinen jetzt schon sagen, dass dem Repertoire ein\nhöchst schätzenswertlies Werk gewonnen ist. Das Textbuch besitzt\ngleichfalls die Vorzüge einer gediegenen Durcharbeitung. Die deco-\nrativ sorgsam ausgestattete Aufführung ging frisch und präcis von\nStatten. Die Träger der Haupt-Partieen, Frau R ü b s a m en - Veit h ,\nHerr Rübsamen und Herr Wagner, wurden mehrfach gerufen.\nMorgen findet bereits eine Wiederholung der Oper Statt.\nWie verlautet, wird ain 1. September die Wie-\ndereröffnung unserer Bühne, und zwar mit dem „Propheten\", Statt\nfinden. Im darstellenden Personale, namentlich der Oper, haben mehr-\nfache Veränderungen Statt gefunden. Abgegangen sind die Herren\nPatzelt, Strobel und Hellmerth und Frau Patzelt, neu engagirt die\nDamen Langlois (Coloratursängcrin), Christinus (Altistin) und die\nHerren Horn (Tenor), Griebel (Buffo) und Schmidt (BassJ. Ausser-\ndem wird noch Fräul. Krebs für zweite Opern- und Vaudeville-Sou-\nbretten genannt. Das schon seit zwei Jahren verwais'te Fach einer\njugendlichen Sängerin scheint abermals unberücksichtigt zu bleiben.\n—■ Von irgend welchen Verbesserungen im Schauspiel hören wir\nnichts, und so haben wir denn die schöne Hoffnung, dasselbe in\nseinem verwilderten Zustande abermals eine ganze Saison zu sehen,\nwenn es nicht etwa dem Himmel gefallen hat, durch ein ungeahntes\nWunder während der Ferien aus unserem Helden oder ernsten Lieb-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3547, "texte": "Haber anständige Schauspieler, aus unserem tanzenden und springen-\nden Komiker Butterwerk einen spielenden Komiker und aus Herrn\nPirscher einen brauchbaren Regisseur zu machen.\nEine der ersten zur Aufführung gelangenden Novitäten wird\nSchindelmeisser's neue vieractige Ozer „Melusine\" sein, deren\nText jedoch nicht, wie mehrere Blätter irrthümlieh bemerkten, von\nDr äxler-M an fr ed, sondern von Ernst Pasque ist. Die Proben\nzur Oper werden in diesen Tagen beginnen\nWeimar, 21. August. Franz Liszt hat nun wirklich Wei-\nmarverlassen. Doch ist derselbe nicht, wie es anfänglich hiess, nach\nParis gegangen, sondern nach Löwenberg in Schlesien, wo bekannt-\nlich der Fürst zu Hohenzollern-Hechingen eine Privat-Capelle in\ngrossartigem Stil unterhält. Seinem Rufe ist der berühmte Musiker\ngefolgt. Uebrigens hat derselbe, so viel verlautet, hier in Weimar\nnicht die definitive Entlassung von seiner Stelle als Capellmeister,\nsondern nur einen längeren Urlaub erbeten und erhalten. (K. Z.)\nHerliii* Seitens des deutschen Bühnen-Vereins sind demnächst\ndie Neuwahlen der Vereins-Organe (Präsident, Vice-Präsident und\nSchiedsrichter) vorzunehmen. Der Verein zählt gegenwärtig auf Grund\ndes in diesem Jahre festgestellten Statuts folgende Bühnen zu Mit-\ngliedern: Berlin, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dessau, Dresden,\nFrankfurt a. M., Hamburg (Stadttheater), Hamburg (Thalia-Theater),\nHannover, Karlsruhe, Kassel, Koburg-Gotha, Königsberg in Pr.,\nLeipzig, Mannheim, Meiningen, Prag, Schwerin, Stuttgart, Weimar\nund Wiesbaden.\nWien« Gegen das Engagement des Fiäul. Lichtm ay im k. k.\nHof-Operntheater wird von Seiten der Direction des prager Thea-\nters, gegen welche Fräul. Lichtmay seit einem Jahre contractbrti-\nchig ist, eine Entschädigungsklage anhängig gemacht, so wie auch\nvon dem Präsidium des Cartel-Vereins bei dem k. k. Oberstkämme-\nrer-Amte Protest gegen dieses Engagement eingelegt wird. Sind auch\ndie k. k. Hofbühnen nicht im Cartel-Verbande, so ist es doch im\nAllgemeinen dieser Hofbühne unwürdig, eontraetbriiehige Mitglieder\nzu engagiren, insbesondere aber, wenn der Contractbruch gegen eine\nösterreichische Provinz-Bühne geschah. Noch drastischer illustrirt\ndas Abendblatt der „Presse\" vom 19. d. Mts. den Gegenstand in\nfolgender Weise: „Künstlerischer Steckbrief. Folgende Anzeige wird\nin mehreren Blättern veröffentlicht: Fräul. Louise Lichtmay, Sän-\ngerin beim Hof-Operntheater in Wien, Ist gegen die unterzeichnete\nDirection contractbrtichig geworden, und wird hiedurch aufgefordert,\nihren früher eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die Di-\nrection des königlichen Landes-Theaters in Prag.\"\nJSS e r i e h t i g ii ii g.\nGeehrtebter Herr! In Nr. 30 der von Ihnen herausgegebenen\nNiederrheinischen Musik-Zeitung sagen Sie mit Bestimmtheit, dass\nhier im Jahre 1857 bei der Jubiläumsfeier die grosse D-dur-Messe\nvon Beethoven im Münster ganz zur Aufführung gekommen sei. —\nWenn Sie bekannt wären mit den hiesigen Musik-Verhältnissen —,\nso würden Sie, als man Ihnen von dieser Aufführung berichtete,\nausgerufen haben : DAS ist unmöglich! Und so verhält es sich\nauöh. Die Messe, die damals aufgeführt wurde, war die kleine C-\ncZur-Messe von Beethoven, und auch diese mit Auslassungen.\nEs thut mir leid, Sie aus so angenehmer Täuschung reissen zu\nmüssen, aber Wahrheit geht über Alles. Ihr ergebenster Diener\nJ. Her man uz, Musiker.\nFreiburg im Breisgau, den 25. August 1861.\n[AU3 Obigem geht hervor, dass die Angabe bei A. Schindler\n(Beethoven's Biographie, II, S. 86), der wir gefolgt sind, auf\neinem Irrthume beruht. Die Redaction]"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Lorenzo da Ponte's Denkwürdigkeiten. 11. Weiterer Aufenthalt in Wien. Operntexte für Martini und Mozart. Aus\nWiesbaden (Rückblicke). Schluss. Von W. Wülfinghoff. Beurtheilungen: Wilhelm Greef, Chorlieder für Gymnasien A.\nHaupt, Sammlung zweistimmiger Lieder E. Kuhn, 25 neue dreistimmige Jugendlieder, Op. 43 Unsere Lieder. Dritte Auflage. Agen-\ntur des Rauhen Hauses Dr. E. Hauschild, Schweizerisches Volkslieder-Büchlein. Tages- und Unterhaltungsblatt.\n\nAus Lorenzo da Ponte’s Denkwürdigkeiten.\nII.\nWeiterer Aufenthalt in Wien. Operntexte für Martini\nund Mozart.\nNach der Abreise meines Verfolgers Casti nahm ich\nmir vor, meinen neidischen Kritikern einen Streich zu spie-\nlen, nämlich zwei Dramen zugleich zu schreiben, eines öf-\nfentlich, das andere geheim. Martini*) beklagte sich über\nmeine Faulheit, ihm einen Stoff zu liefern; andererseits\nliess mich die Storace, die von ihren Vorurtheilen gegen\nmich zurückgekommen war, durch die Kaiserin um ein\nLibretto für ihren Bruder bitten. Die Gelegenheit war\nalso günstig. Ich nahm das für Storace bestimmte Sujet\naus einer Shakespeare'schen Komödie, während ich zu-\ngleich Martini aufsuchte und ihm das Versprechen abnahm,\nNiemandem auf der Welt davon zu sagen, dass ich et-\nwas für ihn schrieb.\nUm ihm sowohl, wie der Gesandtin von Spanien an-\ngenehm zu sein, gedachte ich einen Stoff aus der spani-\nschen Geschichte zu wählen. Diese Idee gefiel Martini und\ndem Kaiser ungemein, welchen letzteren ich in das Ge-\nheimniss gezogen hatte, und der mich mit seiner Billigung\nzu ermuthigen geruhte. Ich begann demnach mehrere spa-\nnische Komödien zu lesen, um mich in den dramatischen\nCharakter dieser Nation hinein zu denken. Endlich fand\nich ein Sujet, das mir vollständig gefiel. Es war von Cal-\nderon und führte den Titel: „Der Mond der Sierra.\" Ich\nentwarf mein Stück; die Fahel davon war einfach:\nBei eifier Jagd in den Gebirgen verliebt sich der In-\nfant von Spanien in eine Schäferin, die, tugendhaft und\nleidenschaftlich für einen Bergbewohner eingenommen,\nallen Verführungen des Prinzen widersteht. Ich gab ihm\nden Titel: La rosa rara, oder Tugend und Schönheit.\nSei es nun, dass ich von einem Gefühle zärtlicher Par-\nteinahme für einen Componisten angespornt wurde, dem\nich die ersten Strahlen meines dramatischen Ruhmes ver-\ndankte, oder war es das Verlangen, mit einem einzigen\nSchlage alle meine Verlästerer zu beschämen, sei es viel-\nleicht die Natur des so poetischen und hiedurch so an-\nziehenden Stoffes, kurz, dieser Operntext war in dreissig\nTagen fertig. Der Maestro schrieb hierauf die Musik dazu.\nIch hatte es so eingerichtet, dass die tüchtigsten Kräfte der\nTruppe in der Oper beschäftigt waren. Aber diese italiäni-\nschen Tigellius,ein allezeit unruhiger und schwer zu be-\nfriedigender Haufe, richteten schon ihre Erbärmlichkeiten\ngegen den Componisten, bevor noch die Rollen verlheilt\nwaren. Sie konnten dieses eine Mal, da sie nicht wussten,\ndass ich den Text geschrieben, sich nicht an mich halten.\nSic me servavit Apollo.\nNachdem die Rollen vertheilt waren, brach der Sturm\nlos. Der Eine hatte zu viel Recitative, der Andere zu we-\nnig; für diesen war der Tonumfang zu hoch, für diesen\nlag er zu tief. Ein Dritter setzte nicht bei den Ensemble-\nstücken ein, ein Vierter sang viel zu viel. Die Anarchie war\nauf der höchsten Stufe. Indessen sagte man doch, da man\nunser Zusammenarbeiten nicht kannte, die Verse wären\nwohlklingend, die Charaktere gut gezeichnet, das Sujet\nneu; kurz, das Stück wäre ein Meisterwerk, die Musik\n\n*) Martini, eigentlich Vincenze* Martin, gewöhnlich lo\nSpagnuolo (der Spanier) genannt, weil er 1754 zu Valencia\ngeboren war, kam 1781 nach Italien, wo er bald durch seine\nOpern Ruf erlangte, den er in Wien, wo er sich während der\nJahre 1785 —l7BB aufhielt, vergrösserte. Seine berühmtesten\nOpern waren La Cosa rara („Lilla, oder Schönheit und Tu-\ngend\") und L\" Ar bore cli Diana („Der Baum der Diana\"). Zu\nbeiden hatte da Ponte das Buch geschrieben. Wie wir aus\ndessen Angaben gleich sehen werden, ist das Sujet zu Cosa\nrara dasselbe, welches nachher im „Nachtlager zu Granada\"\nvon Conradin Kreutzer benutzt worden ist. Martini's Cosa rara\nist vergessen, nach allen Zeugnissen der Zeitgenossen und Mo-\nzart's selbst mit Unrecht. Dass er neben Cimarosa, Paesiello\nund Mozart im grössten Ansehen und in hoher Gunst bei dem\nKaiser Joseph 11. stand, spricht für den Werth seiner Leistun-\ngen. Er starb im Jahre 1810 in Petersburg."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.2", "texte": "aber schwach und trivial. „Signore da Ponte,'• sagte eines\nTages bei dieser Gelegenheit ein Sänger zu mir, „da Sie\nDichter sind, so nehmen Sie Sich ein Beispiel an diesem\nWerke, das ein Muster ist, dem man nacheifern soll; so\nmuss eine Opera buffa geschrieben werden.\"\nIch lachte in das Fäustchen. Endlich brach der Vul-\ncan aber los. Fast alle Schauspieler sandten ihre Rollen\nzurück und weigerten sich, eine solche Musik zu singen;\ndas Haupt der Cabale war der erste BufFo, der speciel we-\ngen einer galanten Nebenbuhlerei Feind mit Martini war.\nDer Lärm dieser Revolution drang bis zum Kaiser, der\nvon Martini und von mir die Einzelheiten darüber zu er-\nfahren wünschte; ich nahm mir die Freiheit, ihm zu ver-\nsichern, dass niemals die Sänger besser Gelegenheit gehabt\nhätten, sich zu zeigen, als in dieser Oper, und dass Wien\nnoch nie eine so liebliche und so hinreissende Musik ge-\nhört habe. Er verlangte nach dem Libretto, das ich aus\nVorsicht eingesteckt halte, und als er es zufällig auf blät-\nterte, fiel sein Blick auf das erste Finale, das mit den\nWorten schloss:\nrWas geschehen, ist gesclieh'n,\nDa ist nichts mehr zu ändern.\"\n„Ich konnte nichts Passenderes finden,\" sagte er lä-\nclfelnd. Dann nahm er eine Feder und schrieb auf ein\nBlatt:\n„Mein lieber Graf! Sagen Sie meinen Schauspielern,\ndass ich ihre Klagen über Martini gehört hätte und sehr\nungehalten darüber wäre; aber:\n„Was geschehen, ist gescheh'n,\nDa ist nichts mehr zu ändern.\"\nDas Billet wurde auf der Stelle an Bosenberg abge-\nsandt.\nAm Abende der ersten Aufführung war das Haus\nzum Erdrücken voll, die Mehrzahl der Zuschauer war aber\nzum Auspfeifen geneigt. Man fand indessen gleich in den\nersten Arien so viel Anmuth, Liebreiz und Melodie in die-\nser Musik, so viel Unerwartetes und Interessantes im Dia-\nlog, dass das Auditorium einer günstigeren Meinung Raum\nzu gönnen schien. Hierauf erfolgten nach einem Stillschwei-\ngen, wie man nie seines Gleichen bei einer anderen italiä-\nnischen Oper gehört hat, rasende Beifallsbezeigungen. Nach\nBeendigung des ersten Actes verlangte man nach dein Ver-\nfasser. Einige Anhänger Casti's ergriffen diese Gelegenheit\nund setzten seinen Namen in Umlauf. Im ganzen Hause\nwar Kelly der Einzige, der, neben mir sitzend, mir ins\nOhr flüsterte: „Ich wette, dieser Text ist von Ihnen.\" Ich\nbat ihn, zu schweigen. Einzig und allein hatte ich den\nHerrn von Lerchenheim, Secretär im kaiserlichen Cabi-\nnette, meinen inlügsteu Freund, ins Vertrauen gezogen.\nEr wohnte der Vorstellung mit einigen Damen der höch-\nsten Gesellschaft bei. Ganz natürlich drehte sich die Unter-\nhaltung um das Stück, und die Damen richteten die Frage\nan ihn, ob er nicht den Verfasser kenne: Er antwortete\nmit Ja. Jetzt trieben sie ihre Neugier weiter und wollten\nden Namen wissen. Er sagte ihnen, es wäre ein Venetia-\nner, der sich jetzt in Wien aufhielte, und den er ihnen am\nEnde des Schauspiels vorstellen wolle. „Desto besser,\"\nerwiderten sie; „das ist der einzige Dichter, der für unser\nTheater passt; wir werden selbst um seine Ernennung,\nwenn nöthig, beim Kaiser anhalten.\" „Das dürfte nicht\nnöthig sein; Se. Majestät hat ihn bereits engagirt.\" Sie\näusserten darüber ihre höchste Zufriedenheit. Der zweite\nAct begann; er hatte einen gleich günstigen Erfolg, wenn\ner nicht noch grösser als der erstere war. Namentlich elek-\ntrisirte ein Duett das ganze Haus; der Kaiser verlangte\nmit Hand und Mund die Wiederholung desselben gegen\nden üblichen, von ihm selbst eingeführten Gebrauch, keine\nEnsemble-Stücke wiederholen zu lassen.\nNach beendigter Vorstellung hielt Herr von Lerchen-\nheim Wort und stellte mich jenen Damen vor. Ich kann\nnicht sagen, was grösser war, ihr Erstaunen oder meine\nGenugthuung. Man wollte wissen, wesshalb ich so sorg-\nlich meinen Namen verheimlicht hätte. „Um die Cabale\nnicht erröthen zu machen\", erwiderte der Herr von Lcr-\nchenheim freundlich.\nDie von Natur guten, aber von meinen Verlästerern\nbeeinflussten Deutschen, die ihr Unrecht einsahen, suchten\nes wieder gut zu machen. Ich war Gegenstand von Lobes-\nerhebungen, welche alle Gränzen überstiegen. Namentlich\nwollten die Damen nur von meiner Oper sprechen hören.\nSie hatten eine Mode a la Cosa rara erfunden und be-\ntrachteten uns, Martini und mich, wie zwei Phönixe. Diese\nOper hatte uns umgewandelt und ein Verdienst, wie Eigen-\nschaften in uns geweckt, die bisher im Dunkel geblieben\nwaren. Ich beschloss, ein noch besseres Stück zu schrei-\nben, zumal als mir der Kaiser, nachdem er mir unzwei-\ndeutige Zeichen seiner Zufriedenheit gegeben, unablässig\nrieth, ein neues Werk für seinen lieben Spanier zu schrei-\nben. Ich warf mich mit Eifer auf das Auffinden eines neuen,\nMartini's würdigen Stoffes. Aber allzu viele Maestri baten\nmich um einen solchen und stützten sich dabei auf die\nEmpfehlungen der angesehensten wiener Edelleute. Aus\nBücksicht auf diese Empfehlungen liess ich mich hinreis-\nsen, zwei Opern-Texte zu schreiben, einen für Bighini,\nden anderen für Peticchio. Sie machten Fiasco. Die An-\nhänger dieser Componisten schrieben mir die Ehre der\nNiederlage zu; ich gab der Musik, welche mein Genie er-\nstickt habe, die Schuld. Die Frage wird niemals entschie-\nden werden. Zwei Tage darauf begegnete ich dem Kaiser.\n„Da Ponte,\" sagte er zu mir, „schreiben Sie für Mozart,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.3", "texte": "Martini und Salieri, denken Sie aber nicht mehr an Pe-\nticchio und Righini, die nur Gassen-Musiker sind. Casti\nwar gescheiter; er arbeitete nur für einen Paesiello und\nfür einen Salieri, zwei Meister, die sich gellend zu machen\nwussten und sich nie blossstellten.\" Beide Opern gingen\nnunmehr in die grosse Mappe zu ihren Vorgängern, wäh-\nrend man fortwährend die „Hochzeit des Figaro\" und\n„Cosa rara\" gab.\nJene drei vom Kaiser erwähnten Maestri boten mir die\nGelegenheit dazu dar, indem sie mich gleichzeitig um ein\nLibretto baten. Ich wusste kein anderes Mittel, sie gleich-\nzeitig zufrieden zu stellen, als dass ich drei Dramen zu-\ngleich verfertigte. Salieri verlangte kein Originalstück. Er\nhatte in Paris die Musik zur Oper geschrieben\nund wünschte nun diese Musik einem italiänischen Texte\nanzupassen. Er brauchte also nur eine freie Uebersetzung.\nWas Mozart und Martini betrifft, so überliessen diese mir\ndie Wahl des Sujets. Ich bestimmte für den ersten „Don\nJuan\", der entzückt davon war, und für den zweiten den\n„Baum der Diana\", einen mythologischen Stoff, der\naber mit seinem Talente in Einklang stand, denn dieses\nwar voll von jenem süssen Melodieen-Reichthum, welcher\nzwar mehr als Einem Componisten angeboren ist, den aber\nnur seltene Ausnahmen wiederzugeben verstehen.\nNachdem ich meine drei Stoffe gefunden, stellte ich\nmich dem Kaiser vor und gab ihm meine Absicht zu er-\nkennen, sie neben einander vorzuführen. Er schrie laut\nauf. „Sie werden scheitern!\" sagte er zu mir.\n„Vielleicht, aber ich will den Versuch wagen. Ich\nwerde für Mozart schreiben, zuvor aber einige Seiten in\nDante's Hölle lesen, um in die rechte Stimmung zu ge-\nrathen.\"\nGegen Mitternacht setzte ich mich an meinen Arbeits-\ntisch; eine Flasche vortrefflicher Tokayerwein stand rechts\nvon mir, mein Schreibzeug links, eine Tabaksdose voll Ta-\nbak aus Sevilla vor mir. Um jene Zeit wohnte ein junges\nund schönes Mädchen von sechszehn Jahren, die ich nur\nhätte wie ein Vater lieben mögen, mit ihrer Mutter in mei-\nnem Hause; sie kam stets in mein Zimmer zur Verrich-\ntung kleiner innerer Dienste, sobald ich mit der Klingel\nschellte, um etwas zu verlangen; ich missbrauchte etwas\ndiese Klingel, zumal wenn ich meine Wärme schwinden\nund ein Erkalten fühlte. Dieses reizende Mädchen brachte\nmir dann bald etwas Biscuit, bald eine Tasse Chocolade,\nbald nur ihr stets heiteres, stets lächelndes Antlitz, das\neigens geschaffen war, um den ermüdeten Geist wieder zu\nerheitern und die poetische Begeisterung neu zu erwecken.\nIch unterzog mich also zwölf Stunden täglich hinter einan-\nder mit nur kurzen Unterbrechungen zu arbeiten, und\nführte dies zwei Monate lang durch. Während dieser gan-\nzen Zeit blieb mein schönes junges Mädchen mit ihrer\nMutter in dem benachbarten Zimmer, entweder mit Lec-\nture oder Stickerei oder einer Nadelarbeit beschäftigt, um\nstets bereit zu sein, beim ersten Glockenklang vor mir zu\nerscheinen. Da sie fürchtete, mich in meiner Arbeit zu\nstören, so sass sie zuweilen unbeweglich, ohne den Mund\nzu öffnen, ohne mit den Augenlidern zu blinzeln, den Blick\nstarr auf meine Schreiberei geheftet, sanft athmend, an-\nmuthig lächelnd und zu Zeiten selbst zu Thränen geneigt\nscheinend über den Ausgang der Arbeit, in welche ich\nvertieft schien. Ich klingelte schliesslich weniger häufig,\n. i ~\num ihrer Dienste zu entbehren und mich nicht zu zer-\nstreuen oder meine Zeit bei ihrem Anschauen zu verlieren.\nSo zwischen dem Weine von Tokay, dem Schnupftabak\nvon Sevilla, der Klingel auf meinem Tische und der schö-\nnen Deutschen, die der jüngsten der Musen glich, schrieb\nich die erste Nacht für Mozart die beiden ersten Scenen\ndes „Don Juan\", zwei Acte vom „Baum der Diana\" und\nmehr als die Hälfte des ersten Actes von „ Tarare\", wel-\nchen Titel ich jedoch in den von „Axur\" umänderte. Am\nnächsten Morgen trug ich die Arbeit zu meinen drei Com-\nponisten, die ihren Augen nicht recht trauen wollten. In\nzwei Monaten waren „Don Juan\" und der „Baum der\nDiana\" beendigt, auch bereits mehr als das Drittel der\nOper „Axur\" fertig. Der „Baum der Diana\" wurde zu-\nerst aufgeführt; er wurde eben so glänzend wie\naufgenommen.\nDiana, die Göttin der Keuschheit, hat in ihrem Gar-\nten einen Baum, welcher Aepfel von wunderbarer Schön-\nheit trägt; sobald eine Nymphe, die keusch ist, unter sei-\nnen Aesten vorübergeht, werden die Aepfel durchsichtig,\nund von jedem Zweige des Baumes ertönt eine himmlische\nMelodie; wenn sie dagegen, und wäre es auch nur in Ge-\ndanken, dieses unbedingte Gesetz überschritten hat, so ver-\nliert die Frucht ihre Durchsichtigkeit, wird schwarz, ver-\nkohlt und lässt auf das Haupt der Schuldigen unvertilgbare\nFlecken, welche Narben zurücklassen, herabfallen. Cupido,\ngegen Diana aufgebracht, hat sich in Frauenkleidern in\nden Garten geschlichen; er entflammt das Herz des Gärt-\nners zur Liebe und lehret ihn, wie er es anzufangen habe,\num alle Nymphen in sich verliebt zu machen; noch nicht\nzufrieden mit diesem Triumphe, öffnet er die Pforten dem\nschönen Endymion, von dem die Göttin selbst im höchsten\nGrade bezaubert wird. Der Oberpriester entdeckt während\neines Opfers die Entweihung des Heiligthums und verord-\nnet kraft der höchsten Autorität, womit er bekleidet ist,\ndass alle Nymphen und die Göttin selbst sich der Probe\nunterziehen sollen; um diesem Beschlüsse zu entgehen, lässt\nDiana den Baum umhauen, und der besänftigte Cupido\nerscheint in einer leuchtenden Wolke und verwandelt den\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.4", "texte": "Garten in einen prachtvollen Palast, der fortan dem Amor\ngeheiligt bleibt.\nDer Kaiser liess mir hundert Zechinen zustellen.\nMan hatte eben die erste Vorstellung vom „Baum der\nDiana\" gegeben, als ich nach Prag gerufen wurde, wo\ndie erste des „Don Juan\" von Mozart bei Ankunft der\nGrossherzogin von Toscana in dieser Stadt aufgeführt wer-\nden sollte. Ich hielt mich hier acht Tage auf, um den\nSchauspielern ihre Rollen einzustudiren; bevor diese Oper\naber in Scene ging, musste ich nach Wien zurückkehren,\nda man, wie mir ein dringender Brief Sclieri's meldete,\ndie Aufführung des „Axur\" zur Vermählung des Erzher-\nzogs Franz befohlen und der Kaiser gebieterisch meine\nAnwesenheit verlangt habe.\nIch hatte in Prag der Darstellung des „Don Juan\"\nnicht beiwohnen können, allein Mozart hatte mich sofort\nunterrichtet, dass sie ausserordentlich schön ausgefallen sei.\nIn gleicher Weise schrieb mir der Impresario Guardassoni\nhierüber Folgendes:\n„Es lebe da Ponte! Es lebe Mozart! Die Impresari\nwie die Künstler können sich Glück wünschen. So lange\nSie leben, wird die Misere nicht wieder wagen, sich den\nTheatern zu nahen!\"\nDer Kaiser liess mich rufen und machte mir unter den\nverbindlichsten Lobsprüchen ein neues Geschenk von hun-\ndert Zechinen, wobei er äusserte, er brenne vor Verlan-\ngen, den Don Juan zu hören. Ich schrieb an Mozart; die-\nser traf ein und gab die Rollen an den Abschreiber, der\nsich beeilte, sie zu vertheilen. Die bevorstehende Abreise\ndes Kaisers Joseph 11. beschleunigte die und\nwas soll ich sagen? Don Juan gefiel nicht! Alle Welt,\nMozart allein ausgenommen, war der Ansicht, das Stück\nmüsse umgearbeitet werden. Wir machten Zusätze dazu,\nänderten mehrere Stücke, und zum zweiten Male: Don\nJuan gefiel nicht! Dies hinderte den Kaiser aber nicht,\nsich zu äussern: „Dieses Werk ist himmlisch; es ist noch\nschöner als die Hochzeit des Figaro; aber es ist kein Bissen\nfür meine Wiener.\" Ich erzählte Mozart diese Worte, der\nmir, ohne sich irre machen zu lassen, antwortete: „Lasst\nihnen nur Zeit, ihn zu kosten.\" Er irrte sich nicht. Auf\nseinen Rath liess ich den Don Juan so oft als möglich auf-\nführen; mit jeder Darstellung steigerte sich der Erfolg.\nNach und nach gewöhnten sich die Wiener daran, diesen\nBissen schmackhaft zu finden und seinen Werth einzu-\nsehen; endlich schmeckte er ihnen so wohl, dass sie den\nDon Juan zu dem Range dramatischer Meisterwerke er-\nhoben.\nDie grosse Kunst ist im Allgemeinen zu hoch für die\nMenge; sie bedarf zuweilen eines oder zweier Jahrhun-\nderte, um jene Jury des Genie's zu bilden, welche endlich\nmit Kenntniss der Sache ohne Appellation und für die\nNachwelt entscheidet.\n\nAus Wiesbaden.\n\n(Schluss. S. Nr. 34.)\nDas zweite Concert der Administration führte uns\nFräul. E. Schmidt von Darmstadt, Herrn Dr. Schmid\nvon Wien (Bass), Herrn Laub, Herrn Jaell (den nim-\nmer müden Wanderer) und auch Herrn Folz (Flöte) vor.\nLaub und Jaell errangen die Palme des Abends durch\nihren vollendeten Vortrag der Kreutzer-Sonate von Beet-\nhoven. Herr Laub spielte noch ein Impromptu und eine\nPolonaise eigener Composition, die kühn und keck erfun-\nden und eben so vorgetragen wurden. Herr Jaell spielte\nnoch eine Gavotte vom alten Sebastian, Chopin's bekann-\nten Des-dur-Walzer und den Tannhäuser-Marsch. Seine\nFinger werden ihm vor lauter Beweglichkeit noch auf und\ndavon laufen, so enorm ist seine Fertigkeit; mit dem Tem-\npo, d. h. dem ganz richtigen, gehen die nicht ruhen wol-\nlenden Finger Herrn Jaell zum öfteren schon durch. -\nSämmtliche Vorträge fanden grossen Beifall; selbst Herr\nFolz verschaffte sich Theilnahme für sein Instrument.\nIm ersten Concerte der Administration ragten Herr\nJ. J. Bott und Herr G. Aloys Schmitt durch ihre mei-\nsterhafte Ausführung der Kreutzer-Sonate von Beethoven\n(also zwei Mal in Einer Saison dem Publicum geboten!)\nhervor. Auch die übrigen Nummern des Concertes fanden\nverdiente Anerkennung. Herr Caffieri, unser neu enga-\ngirter, vorzüglicher Tenor, erregte Aufsehen mit seinen\nschönen Mitteln, die er in günstiges Licht zu stellen weiss.\nHerr Abiger (Bass unserer Oper) veranstaltete ein\nConcert, in welchem der Geiger Gleichauf\nHerr Gleichauf gefällt sich in geringfügigen Compositio-\nnen. Herr Wachtel war wieder der Held des Abends.\nEine frischere, jugendlichere Stimme, wie die des Herrn\nWachtel, hörten wir noch nicht. Indessen muss der Held\nsein natürliches Feuer des Zuviel den Gesetzen der Singe-\nkunst, den ästhetischen Gesetzen anzupassen noch lernen.\nEs ist eine Macht der Naturwüchsigkeit, ein so genannter\nWildschlag in Wachtel's Singen, der zwar Alles mit sich\nfortreisst, allein auf die Dauer ermüdend und abspannend\nwirkt. Auch Fräul. Lehmann und Herr Abiger wirk-\nten an dem Abende mit; Fräul. Lehmann liess mit Effect\n_ i\nden Venzano'schen Walzer (!) los.\nMeinen Krebsgang verfolgend, komme ich zu dem\nvierten Vereins-Concerte unseres Cäcilien-Vereins\nhier einen erfreulichen Fortschritt bezeugend—, welches"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.5", "texte": "HändeTs Judas Maccabäus sehr würdig, mit Unterstützung\nvon Fräul. Deinet, Fräul. Schönchen, der Herren Iv.\nSchneider und Abiger zu Gehör brachte. Das dritte\nCäcilien-Vereins Concerl brachte zwei unsterbliche Werke:\nMozarl's Requiem und Beethoven's Pastoral-Sinfonie. Auch\ndieses Programm bekundete den steten Fortschritt des\nVereins, den gediegenen Geschmack seines Führers, und\nwar ein glänzendes Zeugniss von der Meisterschaft unseres\nTheater-Orchesters.\nWeiter zurückschreitend, muss ich der neunten, ach-\nten, siebenten und sechsten Soiree für Kammermusik\nehrende Erwähnung thun, in welchen Haydn,\nQuartett, Spohr, Quartett in D-moll, Beethoven, Quintett\nC-dur,Op. 29, Haydn, (7-efer-Quartett, Mozart,\nQuarlett, Beethoven, Trio Op. 70, (mit Herrn Pal-\nlat), Mendelssohn, Sonate für Clavier und Violoncello, Op.\n58, D-dur,Schubert's Beethoven's Op.\n74, Es-dur (Harfen-Quartett),' Haydn's Kaiser-Quartett,\nMozart's D-dur- und Beethoven's (Op. 95) F-moll-Quar-\ntett sehr achtunggebietend ausgeführt wurden. Dann\nhatten der frankfurter Liederkranz und der hiesiee\no\nMännergesang-Verein zum Vorlheil der Hinterlasse-\nnen Karl Zöllner's ein Concert veranstaltet; Mitglieder\nder Oper und des Theater-Orchesters veranstalteten ein\nConcert zum Besten der Kleinkinder-Bewahr-Anstalt, und\nwenn ich Ihnen nun noch erzähle, dass der Rhein-Main-\nSängerbund am 15. Juni sein erstes (!) Sängerfest hier\nabhielt gegen 400 Sänger sollen hier getagt haben —,\nso werden Sie den Hut lüften vor einem solchen musicali-\nschen Leben, wie es die Capitale Nassau's entfaltet. Dabei\nstreiten zwei grosse Mililär-Musikkörper (die Musik des\nk. k. österreichischen 16. Linien-Infanterie-Regiments Ba-\nron Wernhardt und jene des k. Preussischen 38. Linien-\nInfanterie-Regiments) um die Hegemonie hinter dem Cur-\nsaale, in jenen bezaubernden duftigen Gärten, in denen\newiger Lenz, Liebe und Jugend weilt und die Freude ihren\nraffinirtesten, ausgedehntesten Cultus findet.\nFrau Bürde-Ney erregte allgemeine Bewunderung\nals Dinorah, Rosine und Fidelio. In letzterer und ersterer\nOper habe ich sie gehört; der seelenvolle, vollendete, keu-\nsche Gesang und ihr geniales, hinreissendes Spiel üben eine\ngleiche magische Wirkung auf das Herz des Zuhörers. Da\nkann man auch sagen: Der Ton kommt vom Herzen und\ndringt auch wieder mit Allgewalt zum Herzen.\nDas Opern-Repertoire durchläuft immer seinen ge-\nwohnten buntfarbigen Kreis: Dinorah, Faust (von Gounod),\nRienzi, Rigeletto, Robert wechseln mit Martha, Zampa,\nNachtlager, Freischütz, Norma u. s. w. Indess taucht noch\nam Schlüsse meines Berichtes ein leuchtendes Gestirn vor\nmeinem Geiste auf: Signore Manuel Carrion de An-\nguiano, der hier im März d. J. als Edgardo in Lucia\nvon Lammermoor eine unerhörte, in Wahrheit hier noch\nnicht da gewesene Beifalls-Raserei wach rief. Zur Hand-\nhabung der Oi dnung im Hause hätte bald der Schutz der\nhohen Policei angerufen werden müssen. Die Stadt wim-\nmelt von Itahani, Russi, Americani, Olandesi, Franccsi,\nInglesi, aber wenigen Deutschen.\n\nW. Wülfinghoff.\n\nBeurtheilungen.\nFür Gesang in Schulen.\n1. Wilhelm Greef, der unermüdliche, ehrenwerthe\nArbeiter 1 ur Förderung des Gesanges im deutschen Volke,\nhat durch eine Sammlung: Chorlieder für Gymna-\nsien und andere höhere Schulen. I. Heft. Partitur:\nSopran, Alt, Tenor, Bass. Essen, bei G. D. Bädekcr. 1862.\n48 S. Quer-8. Preis 5 Sgr. von Neuem seine Befähi-\ngung und den richtigen Tact für Auswahl und Bearbei-\ntung von dergleichen Hülfsmitteln zur musicalischen Bil-\ndung der Jugend bewährt. Wer aus ErfahVung die Be-\ndürfnisse der Gymnasien kennt, der weiss auch von der\n.Noth und Mühe zu sagen, womit nicht selten für Chor-\nkräfte höherer Schulen ansprechendes Vierstimmiges ge-\nsucht wird, das neben der Gediegenheit des Stoft'es in Wort\nund Ton auch für die Schüler und für ihre Stimmen, na-\nmentlich in Betreff des Tonumfanges, sich eignet. Das vor-\nliegende erste lieft enthält vorzugsweise Lieder im Volks-\ntone; in dieser Gattung liegt der wahre Kern von deut-\nscher Art und Kunst, wesshalb sie für die musicalische\nBildung der Jugend von unschätzbarem Werthe sind. Die\ndurch ganz Deutschland in vielen Tausenden Exemplaren\nverbreiteten „Männerlieder\" (Essen, bei Bädeker), von\ndenen noch kürzlich bedeutende Sendungen wieder nach\nNordamerica wanderten, geben ein erfreuliches Zeugniss\nfür die günstige Aufnahme des einfachen deutschen Lie-\ndes. Das erste Heft derselben ist bereits in eilfler Aufläse\nzu 3500 Exemplaren erschienen.\nDie „Chorlieder\" enthalten eine Auswahl von 66 ern-\nsten und heiteren Liedern (darunter 15 zum ersten Male\ngedruckte von Wilhelm, W. Greef, Flügel u. s. w.),\nderen Zweckmässigkeit volle Anerkennung verdient. Lie-\nder, welche in vierstimmiger Bearbeitung in dem von Ge-\nbrüder Erk und W. Greef herausgegebenen „Sängerhain\"\nenthalten sind, wurden von der Aufnahme in diese „Chor-\nlieder\" ausgeschlossen, und sind somit die vorliegenden\n„Chorlieder\" eine selbstständige, neue Sammlung, welche\nneben dem „Sängerhain\" besteht und diesen gewisser\nMaassen ergänzt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.6", "texte": "Die Anordnung der Lieder ist nach dem Text-In-\nhalte bestimmt. Der Anhang (Nr. 54 66) enthält meist\nCh oräle in alter und neuer Form und in Bearbeitung von\nSeth Calvisius, Seb. Bach und dem Herausgeber.\nWas die harmonische Bearbeitung betrifft, so ist mit\nvollem Rechte von dem fünfstimmigen Tonsatze für den\nSchulgebrauch ganz abgesehen. Bei der vierstimmigen Be-\narbeitung ist zunächst der angemessene Tonumfang be-\nachtet, nicht nur der Stimmumfang der meist noch in der\nEntwicklung begriffenen Tenor- und Bassstimmen, sondern\neben so sehr die Alt- und namentlich die Sopranstimme.\nDie so häufig vorkommende Nichtberücksichtigung des na-\ntürlichen Tonumfangs des Soprans bei Knaben ist ein Ruin\nfür die Stimme.\nWas den eigentlichen Tonsatz betrifft, so ist nament-\nlich, worauf es hier am meisten ankommt, die Stimmfüh-\nrung fliessend, ungezwungen und sangbar. Bei den aus\nden „Männerliedern\" entnommenen und hier für den ge-\nmischten Chor bearbeiteten Liedern sind die Harmonieen\nmöglichst beibehalten, was den Vortheil hat, dass die Schü-\nler nach eingetretenem Stimmwechsel diese Lieder alsdann\nin der Bearbeitung für Männerstimmen bald mit zu singen\nvermögen.\nEine für alle ähnlichen Sammlungen sehr empfehlens-\nwerthe Zugabe ist es, dass im alphabetischen Register die\nZeit der Entstehung der Texte und Melodieen angegeben\nist. Auch finden sich auf Seite 2 und 3 des Umschlags\nbiographische Notizen über die Dichter uud Componisten.\nFür die hübsche Ausstattung, den deutlichen (correcten)\nDruck und den billigen Preis verdient die Verlagshandlung\nlobende Anerkennung.\n2. A. Haupt, Sammlung zweistimmiger Lieder\nund Gesänge mit Ciavierbegleitung für\nhöhere Töchterschulen. Zweite Aufl. Berlin,\n1860, bei Ferd. Schneider. 9 S. 8. (Preis?)\nDiese kleine Sammlung enthält in der zweiten Auflage\n50 Lieder, meist von bekannten Componisten, in guter\nAuswahl. Das Brauchbare derselben besteht besonders in\nder Clavierbegleitung, die in grosser Einfachheit dennoch\ndie vollständige Harmonie des Tonstückes darstellt, auch\nwenn es nur einstimmig gesungen wird, und auch von we-\nnig geübten Spielern leicht auszuführen ist. Das Heft ist\ndesshalb Schulen und Erziehungs-Anstalten von Töchtern,\nso wie Familienkreisen zu empfehlen.\n3. E. Kuhn, 25 neue dreistimmige Jugend-\nlieder. Op. 43. Erfurt und Leipzig, bei G. W.\nKörner. 38 S. kl. 8. Preis 2 Sgr.\nDer als Lieder-Componist geschätzte Organist Kuhn\nin Mannheim gibt auch in diesem Heftchen recht anspre-\nchende, fliessend melodische und leicht singbare Lieder auf\nzweckmässig gewählte Texte. Dass die Namen der Dichter\nüberall fehlen, ist ein Mangel, der besonders bei Jugend-\nund Schulliedern nicht wohl zu entschuldigen ist.\n4. Unsere Lieder. Dritte Auflage. Hamburg, 1861.\nAgentur des Rauhen Hauses. 319 S. kl. 8.\n1. Ausgabe auf Schreibpapier, zierlich gebunden;\n2. auf Druckpapier. (Preis?)\nDas Vorwort, von dem Vorsteher des Rauhen Hauses,\nDr. Wichern, unterzeichnet, belehrt uns, dass die Samm-\nlung ursprünglich nicht in der Absicht vorgenommen ist,\nsie zu veröffentlichen. „Das Büchlein ist kein gemachtes,\nsondern ein aus dem Zusammenleben einer grossen Haus-\ngenossenschaft, die jetzt an 200 Glieder familienmässig\numschliesst (September 1860), herausgewachsenes und zu-\nsammengesungenes.\" Dadurch mag denn gerechtfertigt\nsein, dass von einem eigentlichen Plane in der Sammlung\nnicht die Rede ist. Die 264 Lieder nebst einem Anhange\nvon geistlichen Liedern (Nr. 267 304) sind theils ein-\nstimmig, theils zwei-, drei- und selbst vierstimmig gesetzt,\nohne Clavierbegleitung, die geistlichen Gesänge des An-\nhangs alle vierstimmig. Ein Vorzug der Sammlung ist ihr\nReichthum. Dass die Auswahl in Bezug auf die Texte\ndurchweg eine christlich sittliche Tendenz hat, braucht bei\nden bekannten Erziehungs-Grundsätzen des Rauhen Hau-\nses nicht erst versichert zu werden ; nöthiger dürfte es sein,\nder Sammlung das Zeugniss zu geben, dass sie den Cha-\nrakter der Pietisterei oder trüber Ascetik nicht trägt, son-\ndern recht gesunde und frische Lieder in grosser Anzahl\ngibt, vor deren Klang nicht nur „der Teufel weichen\nwird, dem Singen wehe thut\", wie K. Dormann in dem\nzweiten Vorworte in Versen sagt, sondern hoffentlich auch\nderjenige, welcher der Jugend und der Menschheit über-\nhaupt die freie Lebenslust verkümmern möchte.\n5. Dr. Ernst Hauschild, Schweizerisches Volks-\nlieder-Büchlein für Schule und Haus u. s. w.\nDritte Auflage. Mühlhausen im Elsass, bei J. P.\nRisler. 1860. 284 S. Gr. 8.\nHerr Dr. Hauschild, „Candidat der Theologie, Privat-\ndocent der Philosophie an der Universität und Lehrer am\nGymnasium zu Basel\", bekannt durch rühmliche prakti-\nsche Wirksamkeit für Gesang im Elsass, so wie durch\nmehrere musicalisch-didaktische Schriften (auch Verfasser\nder Broschüre: „Ueber den so genannten rhythmischen\nChoral\" [Mühlhausen, 1854. 33 S. Gr. B], gegen dessen\nEinführung er sich erklärt), gibt hier eine reichhaltige\nSammlung von Liedern für Sopran- und Altstimmen, in\ndenen wir mit Befriedigung viele schöne alte Melodieen\nfinden, die über das neue Kunst- und Declamationslied fast\n. **\"■ «\nschon so gut wie vergessen sind, von Mozart, J. A. P.\nSchulze, Dittersdorf, C. M. von Weber, Reichardt, Fink"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.7", "texte": "u. s. w. Die Anordnung ist progressiv und ganz zweck-\nmässig: auf 35 einstimmige Lieder folgen 9 zwei- bis vier-\nstimmige Canons (darunter auch der Mozart'sche dreistim-\nmige: „Ich armes vvälsches Teuflein\", mit anderem Text);\ndann zählt der dritte Abschnitt, der reichhaltigste, einige\nund siebenzig zweistimmige, der vierte Abschnitt 52 drei-\nund der fünfte Abschnittt 18 vierstimmige Lieder und\nGesänge.\nDie zweite (kleinere) Abtheilung enthält 40 Choräle\n(S. 215 bis 264), deren Druck praktisch eingerichtet ist,\nindem das obere Noten-System den zweistimmigen Tonsatz\nenthält, das untere die Mittel- und Unterstimme des drei-\nstimmigen, wozu dann vom oberen Systeme nur die erste\nmelodiel ührende Stimme hinzuzunehmen ist. Dieser zwei-\nund dreistimmige Salz ist eigene Arbeit des Herausgebers,\nder sich auch durch einige Compositionen in den früheren\nAbschnitten als ein guter Musiker bewährt.\nDas Beiwort „schweizerisch\" zeigt allerdings die spe-\ncielle Bestimmung der Sammlung' an, daher auch manche\nTexte deutscher Vaterlandslieder dieser Bestimmung ange-\npasst worden sind. Es sind sogar einige französische Ge-\nsänge (z. B. von Mehul) aulgenommen. Uebrigens ist das\nBuch auch über den Bereich der Schweiz und der Schule\nhinaus zu empfehlen. Unangenehm und der Verbreitung\nhinderlich ist bei solchen Büchern stets der Mangel der\nAngabe des Preises. Während der Zeit zwischen der er-\nsten Auflage von 1847 und der dritten lässt sich der Gang\nder Richtung des Herausgebers durch die Schlüsse seiner\nVorreden verfolgen; indem er zuerst den „Wunsch freund-\nlicher Aufnahme\", dann die Hoffnung auf „Erhaltung und\nErhöhung der Theilnahme\" ausspricht, ruft er jetzt „die\nGnade des Herrn an, die Arbeit mit reichem Segen zu\nkrönen\".\n6. J. Heinrich Lützel, Geistliche und weltliche\nMännerchöre, zum Gebrauche für Lehrer-Con-\nferenzen, Seminarien und Gesang-Vereine bear-\nbeitet und herausgegeben. Kaiserslautern, bei J. J.\nTascher. 1861. 182 S. 8. Preis 20 Ngr.\nHerr Lützel, dessen „Kirchliche Chorgesänge\nder vorzüglichsten Meister des XVI., XVII. und XVIII.\nJahrhunderts für gemischten Chor\" (Zweibrücken, bei\nRitter) bereits bekannt geworden sind, fährt fort, in den\nihm zunächst gelegenen Kreisen den Sinn für die Tonwerke\nder älteren Meister zu wecken und zu nähren. Die vorliegende\nSammlung vierstimmiger Männerchöre ist darauf berech-\nnet, wird aber auch über den engeren Kreis hinaus im\ndeutschen Vaterlande sich Freunde verschaffen, denn sie\ntritt der Einseitigkeit, die sich nur mit den Erzeugnissen\nder Gegenwart beschäftigt, und die leider in so vielen\nMännergesang-Vereinen herrschend geworden ist, entge-\ngen. Der geistlichen Gesänge sind 59, von Prätorius, J.\nEccard, Bortniansky, J. Gallus, Orlandus Lassus, Pale-\nstrina, Lolti, Melchior I'rank, Graun u. s. w., denen einige\nvon neueren Componisten in ähnlichem Geiste geschrie-\nbene (Bernh. Klein, Spohr, Rinck, Grell, Neukomm u. s. w.)\nhinzugefügt sind. Der weltlichen Lieder sind nur dreissig.\nmeist \\ aterlandslieder. Empfehlenswerth ist die Sammlung\naber hauptsächlich durch die erste Abtheilung (S. 1 —120).\nDruck von Noten und lext sind scharf auf weissem Pa-\npier, die Ausstattung überhaupt artig.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi« Unser Männergesang-Verein ist, wie wir hören,\nmit der Einübung der grösseren Compositionen, die für das deut-\nsche Sänger fest in Nürnberg geschrieben worden sind, be-\nschäftigt und wird mit Nächstem ein Concert zur Aufführung der-\nselben veranstalten, was sicherlich sowohl durch das Programm, als\ndurch die kunstgerechte Ausführung allgemeines Interesse erregen\nwird.\nAm Donnerstag den 29. d. Mts., Nachmittags, fand die Ueber-\ngabe der neuen, von Herrn Fr. W. Sonreck hierselbst gebauten\nOrgel in der Pfarrkirche zur heiligen Ursula Statt. Das schöne\nWerk wurde durch die trefflichen Vorträge des Herrn van Eyken\naus Elberfeld und der hiesigen Organisten Herrn Bisping und\nGerbracht zu grosser Befriedigung der eingeladenen Zuhörer in\nder Mannigfaltigkeit seiner Stimmen vorgeführt.\nMassel, 21. August. Die gestern Abends zur Feier des Ge-\nburtsfestes Sr. K. Hoheit des Kurfürsten zum ersten Male aufge-\nführte Oper „Otto der Schütz** von unserem Hof-Capellmeister C.\nReiss hat einen sehr ehrenvollen Erfolg gehabt; es ist eine solide,\nfein durchgearbeitete Musik, vorherrschend lyrischen Charakters,\nwelche nicht so sehr durch frappante Effecte als eine Reihe von\ninstrumentalen und gesanglichen Schönheiten wirkt, die auf einem\necht deutschen Stile beruhen, last alle Gesangs-Nummern sprachen\nlebhaft an, die frischen Chöre fanden verdienten Beifall, und wir\ndürfen im Allgemeinen jetzt schon sagen, dass dem Repertoire ein\nhöchst schätzenswertlies Werk gewonnen ist. Das Textbuch besitzt\ngleichfalls die Vorzüge einer gediegenen Durcharbeitung. Die deco-\nrativ sorgsam ausgestattete Aufführung ging frisch und präcis von\nStatten. Die Träger der Haupt-Partieen, Frau R ü b s a m en - Veit h ,\nHerr Rübsamen und Herr Wagner, wurden mehrfach gerufen.\nMorgen findet bereits eine Wiederholung der Oper Statt.\nWie verlautet, wird ain 1. September die Wie-\ndereröffnung unserer Bühne, und zwar mit dem „Propheten\", Statt\nfinden. Im darstellenden Personale, namentlich der Oper, haben mehr-\nfache Veränderungen Statt gefunden. Abgegangen sind die Herren\nPatzelt, Strobel und Hellmerth und Frau Patzelt, neu engagirt die\nDamen Langlois (Coloratursängcrin), Christinus (Altistin) und die\nHerren Horn (Tenor), Griebel (Buffo) und Schmidt (BassJ. Ausser-\ndem wird noch Fräul. Krebs für zweite Opern- und Vaudeville-Sou-\nbretten genannt. Das schon seit zwei Jahren verwais'te Fach einer\njugendlichen Sängerin scheint abermals unberücksichtigt zu bleiben.\n—■ Von irgend welchen Verbesserungen im Schauspiel hören wir\nnichts, und so haben wir denn die schöne Hoffnung, dasselbe in\nseinem verwilderten Zustande abermals eine ganze Saison zu sehen,\nwenn es nicht etwa dem Himmel gefallen hat, durch ein ungeahntes\nWunder während der Ferien aus unserem Helden oder ernsten Lieb-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610831-01.1.8", "texte": "Haber anständige Schauspieler, aus unserem tanzenden und springen-\nden Komiker Butterwerk einen spielenden Komiker und aus Herrn\nPirscher einen brauchbaren Regisseur zu machen.\nEine der ersten zur Aufführung gelangenden Novitäten wird\nSchindelmeisser's neue vieractige Ozer „Melusine\" sein, deren\nText jedoch nicht, wie mehrere Blätter irrthümlieh bemerkten, von\nDr äxler-M an fr ed, sondern von Ernst Pasque ist. Die Proben\nzur Oper werden in diesen Tagen beginnen\nWeimar, 21. August. Franz Liszt hat nun wirklich Wei-\nmarverlassen. Doch ist derselbe nicht, wie es anfänglich hiess, nach\nParis gegangen, sondern nach Löwenberg in Schlesien, wo bekannt-\nlich der Fürst zu Hohenzollern-Hechingen eine Privat-Capelle in\ngrossartigem Stil unterhält. Seinem Rufe ist der berühmte Musiker\ngefolgt. Uebrigens hat derselbe, so viel verlautet, hier in Weimar\nnicht die definitive Entlassung von seiner Stelle als Capellmeister,\nsondern nur einen längeren Urlaub erbeten und erhalten. (K. Z.)\nHerliii* Seitens des deutschen Bühnen-Vereins sind demnächst\ndie Neuwahlen der Vereins-Organe (Präsident, Vice-Präsident und\nSchiedsrichter) vorzunehmen. Der Verein zählt gegenwärtig auf Grund\ndes in diesem Jahre festgestellten Statuts folgende Bühnen zu Mit-\ngliedern: Berlin, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dessau, Dresden,\nFrankfurt a. M., Hamburg (Stadttheater), Hamburg (Thalia-Theater),\nHannover, Karlsruhe, Kassel, Koburg-Gotha, Königsberg in Pr.,\nLeipzig, Mannheim, Meiningen, Prag, Schwerin, Stuttgart, Weimar\nund Wiesbaden.\nWien« Gegen das Engagement des Fiäul. Lichtm ay im k. k.\nHof-Operntheater wird von Seiten der Direction des prager Thea-\nters, gegen welche Fräul. Lichtmay seit einem Jahre contractbrti-\nchig ist, eine Entschädigungsklage anhängig gemacht, so wie auch\nvon dem Präsidium des Cartel-Vereins bei dem k. k. Oberstkämme-\nrer-Amte Protest gegen dieses Engagement eingelegt wird. Sind auch\ndie k. k. Hofbühnen nicht im Cartel-Verbande, so ist es doch im\nAllgemeinen dieser Hofbühne unwürdig, eontraetbriiehige Mitglieder\nzu engagiren, insbesondere aber, wenn der Contractbruch gegen eine\nösterreichische Provinz-Bühne geschah. Noch drastischer illustrirt\ndas Abendblatt der „Presse\" vom 19. d. Mts. den Gegenstand in\nfolgender Weise: „Künstlerischer Steckbrief. Folgende Anzeige wird\nin mehreren Blättern veröffentlicht: Fräul. Louise Lichtmay, Sän-\ngerin beim Hof-Operntheater in Wien, Ist gegen die unterzeichnete\nDirection contractbrtichig geworden, und wird hiedurch aufgefordert,\nihren früher eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die Di-\nrection des königlichen Landes-Theaters in Prag.\"\nJSS e r i e h t i g ii ii g.\nGeehrtebter Herr! In Nr. 30 der von Ihnen herausgegebenen\nNiederrheinischen Musik-Zeitung sagen Sie mit Bestimmtheit, dass\nhier im Jahre 1857 bei der Jubiläumsfeier die grosse D-dur-Messe\nvon Beethoven im Münster ganz zur Aufführung gekommen sei. —\nWenn Sie bekannt wären mit den hiesigen Musik-Verhältnissen —,\nso würden Sie, als man Ihnen von dieser Aufführung berichtete,\nausgerufen haben : DAS ist unmöglich! Und so verhält es sich\nauöh. Die Messe, die damals aufgeführt wurde, war die kleine C-\ncZur-Messe von Beethoven, und auch diese mit Auslassungen.\nEs thut mir leid, Sie aus so angenehmer Täuschung reissen zu\nmüssen, aber Wahrheit geht über Alles. Ihr ergebenster Diener\nJ. Her man uz, Musiker.\nFreiburg im Breisgau, den 25. August 1861.\n[AU3 Obigem geht hervor, dass die Angabe bei A. Schindler\n(Beethoven's Biographie, II, S. 86), der wir gefolgt sind, auf\neinem Irrthume beruht. Die Redaction]"}]}