{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-09-07-01", "volume": "bmtnabi_1861-09-07_01", "ocr_sha256": "bf058161d1f7b2676c7723c65a46cbe3270eb00aa9db351b4e2e45f95feb1eba", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/09/07_01/bmtnabi_1861-09-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 352, "texte": "Inhalt.\nRichard Wagner. Von F. Müller. — Die Tonkünstler-Versammlung in Weimar und die Deutsche Musik-Zeitung in Wien.\n— Tages- und Unter h alt ungsblatt (Köln, Concert auf dem Gürzenich zu Ehren Ihrer Majestäten des Königs und der Königin —\nCrefeld, I. Winter-Abonnements-Concert — Mainz, Concert — Ostende, Fest-Concert — Kopenhagen, F. J. Gläser +)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "285", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.2.2", "titre_corps": "Richard Wagner. Von F. Müller.", "titre_sommaire": "Richard Wagner. Von F. 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Weimar ist seit etwa zehn\nJahren der Heerd der neuzeitlichen Bewegung im Bereich\nder schönen Kunst geworden, zunächst freilich der in Ho-\nheit und Niedrigkeit weltbewegenden Kunst der Töne.\nDenn dort hat sich seit der Verbrüderung des Ungarn\nLiszt (den unser Verfasser zwar einen echt deutschen\nKünstler nennt) mit dem weltlichen Fürstenthume auf dem\nclassischen Boden der literarischen Blüthezeit eine gleich-\nsam aristokratische Herrschaft des modernen Geschmacks\nfestgesetzt, die mit kirchlichen und politischen Agitationen\nHand in Hand verschlungen geht. Oben und unten beför-\ndert und gehegt, erscheint ihr Reich dort bereits unbestrit-\nten [o nein!], während es in Leipzig denn doch neben\nFranz Brendel noch andere Leute gibt, die dem Neu-\nzeitlichen das Widerspiel halten und nicht, bloss um Bach'-\nsche oder Mendelssohn'sche Traditionen, sondern um wirk-\nliches Geist-Erlebniss kämpfend, feste Positionen behaupten.\nDie Wa gner'sche Partei aber bekundet ihren Beruf,\ndes unbedingten Fortschrittes zu pflegen, durch die Rüh-\nrigkeit, welche den Agitatoren aller Zeiten gemein ist.\nSchon seit der Römer Zeiten ward der conservativen Partei\nvorgeworfen, dass sie solcher Rührigkeit nichts Gleiches\nentgegensetze, sei es aus Trägheit in der Gewissheit ihrer\nErrungenschaften, oder aus Ueberzeugung, dass die Schei-\ndung des Streites nicht der Partei zufalle, sondern der ob-\nwaltenden Macht, die alle Parteien verzehrt. Dabei freilich\nverliert die erhaltende Partei manche Position: die Zeit\nbricht manche Burg, die für unbezwinglich galt, wenn die\nHüter schlafen. Was wahrhaft lebenswerth ist, behaup-\ntet sich, und was wahrhaft neu, blicht durch den Kampf\nsich Bahn. Lebenswerth aber ist, was den Gehalt der Ewig-\nkeit in sich trägt, darum eben Vergangenheit und Zukunft\nverknüpft; eine innerliche Versöhnung, welche nicht mit\nPhrasen a priori zurecht zu machen ist, sondern erst als\nErgebniss der Geschichte hervortritt. Wer nun solches Er-\ngebniss, wie B. Wagner und seine Secundanlen Brendel,\nMüller, Bülow, Baff, Liszt, Bronsard, Ambros, Köhler,\nLaurencin u. s. w., vorweg nehmen will, entweder prophe-\ntisch*) der Zukunft ihre Bahn zeichnend oder in histori-\nschem Bückblick sich des Schicksals verkannter Grössen\ngetröstend, deren heisses Bingen nach leuchtendem Ziele\ndoch endlich Krone und Lohn getragen, der sehe wohl zu,\nob ihm der Geist wahrhaft bezeugt, was er aussagt; das\nselbstständige Gewissen redet am letzten Ende doch ver-\n\n*) Eichard Wagner und das Musik-Drama. Ein Cha-\nrakterbild. Von Franz Müller. Leipzig, Verlag von Hein*\nrieh Matthes. 1861. VI und 202 S. in Octav.\n*) Es ziemt sich, die falsche Prophetie zu geissein, die sich in\nwitzigen Parallelen ergeht, um vergnüglich zu schwätzen von\nverkannten Genieen und gekreuzigten Märtyrern ihrer Par-\ntei! Non poena sed causa facit martyrem. So gar dicht ge-\nsäet, wie der weimar'sche Jockeyclub phantasirt, sind die mar-\ntyrischen Kreuzträger doch nicht; auch begannen die wirkli-\nchen Märtyrer ihre Bahn insgemein nicht mit Weltgenuss, son-\ndern mit Entsagung, trotzten dem Pöbel, statt ihm zu dienen,\ntrachteten eher nach der himmlischen als nach der Welt-Krone,\nbrachen Bahn mit tbätigen Ideen und idealen Thaten, nicht\nmit Zeitungs-Spectakel und Epistolae ad familiäres. Der\nseiner Zeit berühmte Bahnbrecher, Umwälzer und Verächter\ndes Alterthums Mattheson war bei Lebzeiten fast Sieger,\nobwohl nicht unbestritten; nach seinem Tode kam die „Zu-\nkunft\" und brachte nicht Mattheson, sondern die verachteten\nAlten zu Ehren. Mattheson ward vergessen, so sehr, dass so-\ngar die gelehrten Alexandriner in Weimar seines Schicksals\nnicht gedenken, um sich daran zu spiegeln."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5586, "texte": "nehmlich, und zwar in der Gegenwart, nicht bloss in der\nZukunft.\nDie Bewegung dieser Zeit aber dreht sich keineswegs\num Rückschritt und Fortschritt, Alt und Neu, Aclion und\nlieaction u. s. w., denn diese Gegensätze gehören jedem\nZeitalter und sind die allgemeine Formel der Polarität al-\nles Lebendigen. Will man die Kämpfe unserer Tage in\nein Zauberwort bannen, so scheint vielmehr der Gegensatz\nvon Subject und Object der bestimmende zu sein, aus\ndem die übrigen abgeleitet sind; Majorität und Autorität,\nAtomistik und Organismus, Willkür und Gesetz daher\nim Seelen- und Kunstleben Pathos und Ethos, Effect und\nSchönheit, Lüsternheit und Liebe, Fanatismus und Begei-\nsterung. Wie aber diese Gegensätze wieder auf den tief-\nsten Grund alles Geistlebens zurückdeuten und die Wurzel\ndes Lebens anrühren, das wollen zwar manche Zeitsinnige\nnicht erkennen, weil es ein wenig düster lautet; und doch\nbezeugen sie es unwillkürlich durch die Grimmigkeit des\nStreites, dass es hier nicht um Geringes gilt, sondern um\nden Kampf mit den Geistern unter dem Himmel.\nDie vorliegende Schrift ist gegliedert in: 1. Einleitung\n(Wagnerfrage. Pariser Urtheile). 2. Lebensfügungen und\nEntwicklungsgang (Wagner's Leben, Schicksale, Tendenz\nund Ruhm). 3. Streiflichter (von Kritik, Zukunftsmusik,\nMozart, Beethoven u. s. w.). 4. Rückblick und Umblick\n(Geist und Verlauf der Oper. Musik-Drama. Testimonia\ndoctorum virorumu. s. w.j. 5. Wagner, Liszt (Melodie,\nTannhäuser, Berlioz). 6. Der Fortschritt: das Musik-Dra-\nma.—Die Uebersicht zeigt, dass das Persönliche und Kri-\ntische den Haupt-Inhalt bildet, daher Polemik und Par-\nteiung in den Vordergrund tritt. Ungern fügen wir uns\nder Notwendigkeit, diesem Gange zu folgen, nicht bloss\num dem Verfasser gerecht zu werden, sondern um den\nneuzeitlichen Maximen und Reflexionen ins Auge zu sehen,\ndie hier wie auf einer Tafel ausgebreitet liegen. Trägt doch\nauch der Verfasser den polemischen Standpunkt unverhoh-\nlen zur Schau (z. B. S. 9, 10, 11, 38, 40, 50), freilich\nauch zuweilen die Geberde annehmend, als stände, was er\nsagt, jenseit aller Parteiung bereits fest (52), und als wäre\ndas classisch Gültige das seiner Theorie gemässe, welche\nR. Wagner den „grössten Tondichter unserer Zeit\"\nnennt (2, 5, 9, vgl. BrendeTs Mus. Zeitung. 1858, Nr. 4).\nAber selbst wer dieses Letztere zugestände, in so fern die\nEp igonenzeit überhaupt keine grossen schöpferischen\nKünstler zeuge, er würde doch nicht ohne Weiteres der\nBeweisführung unseres \\erlassers sich unterwerfen, welche\nnirgend beweis't, sondern nur unermüdlich wiederholt:\n„Wagner ist gross, und Müller ist sein Prophet; wer daran\nzweifelt, der gehört zur negativen, zerstörenden, absicht-\nlich verkennenden, handwerksmässigen Kritik\" (30, 33,\n57, 58, 160...*). Seiner eigenen Sache gefährlich ist,\nsich und die Seinen um ihre Ehrlichkeit zu rühmen\n(10,11), selbige aber dem Gegner Berlioz abzusprechen\n(178). Um nun den Partei-Thesen einen breiten Hinter-\ngrund zu sichern, wird das ganze Buch hindurch (vornehm-\nlich aber im vierten Capitel: „Rückblick und Umblick\"\n67 —142), eine Wolke von Zeugen aufgerufen, als Eides-\nhelfer für die Wahrheit, dass man sich um die negative\nKritik nicht zu kümmern habe, dass der Fortschritt doch\nkomme, dass grosse Geister verkannt werden u. s. w.\nSolchen Gegnern gegenüber vertritt nun der Verfasser\ndie positive Kritik, d. h. zunächst die Darstellung vom\nFortschritt, von Alt und Neu, vom Drama der Zukunft,\nzwischenein die unermüdliche Lobpreisung des gefeierten\nHelden. Welches ist aber der Kern jener Position, die uns\ndargebracht wird? Das Alte habe sich ausgelebt, habe\nseine Zeit gehabt, es sei ein gewesener Standpunkt, über\nden man hinausgehen müsse, um ein Neues zu finden, das\nzeitgemäss und zukünftig sei. Dieses Neue aber bestehe in\nder Vollendung der Oper zum Drama, dem Kunstwerke\nder Zukunft, und Wagner habe die That des Genius voll-\nbracht, den Weg dahin zu bahnen. Das ist der Kern.\nWie wenig nun die Kategorieen Alt und Neu an sich\nbesagen, ist jedem deutlich, der die Aufgabe aller Kunst\nerkennt, Ewiges ans Tageslicht heraus zu bilden, was die\nSpuren zeitlicher Vergänglichkeit abgestreift hat. Definiren,\nwas Zukunft sei (45), ist vollkommen überflüssig, weil\ndas Jedermann weiss**); den absoluten Fortschritt noth-\nwendig nennen (45), ist, wir wagen nicht, zu sagen:\nUnsinn, aber es ist mindestens ungeschichtlich, da erweis-\nlich manche Kunst und Wissenschaft stillständig geworden\nist oder verblüht und versunken. Ob der Spitzname Zu-\nkunftsmusik richtig oder übel gewählt sei (46), trägt\nzur Antwort auf die Hauptfrage nichts aus. Die Haupt-\nfrage aber ist, übereinstimmend mit Göthe's Rathschlag\n(30), zuerst auf das Was zu richten; ist diese Frage be-\nantwortet, so sehe man auf das Wie. Beides zu erkennen\nund deutlich aufzustellen, ist mühevoll und verdienstlicher\nals der gemalte Kriegslärm der Fanatiker und das eitle\nGezänk über Kritik, Verkennung, Gegenwart, Vergangen-\nheit, Zukunft u. s. w.\n\n*) Etwas pikanter benennt Brendel in seinem Werke „Die Mu-\nsik der Gegenwart und die Gesammtkunst der Zukunft\" (Leip-\nzig, 1855) dieselben Zweifler „seichte, bornirte, gehässige Geg-\nner*' (S. 219). Dies ist, nur in anderer Mundart, dasselbe, was\nbei Müller „Schimpfen, Denunciren, Brutalität\" u. s w. (50).\n**) Dennoch widmet A. B. Marx in seiner „Musik des 19. Jahr-\nhunderts\" diesen und ähnlichen tiefsinnigen Begriffen weit und\nbreite Erläuterungen von Zukunft (173), Fortschritt (16'5);\nStandpunkten (288) u. dglM deren Spitze enthalten ist in dem\nSatze: „Wenn die neue Idee ins Leben tritt; so ist der Fort-\nschritt da!!\" (182.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5538, "texte": "Was hat Wagner sich vorgesetzt? Seine früheren\nSchriften bis zur neuesten herab, welche so eben mit dem\nTitel „Zukunftsmusik\" (Leipzig, 1861) erschienen ist,\nsprechen das Was nicht so bestimmt aus, als dessen Ge-\ngentheil, nämlich was Wagner nicht will. Er will nicht\ndie absolute Musik, die absolute Melodie, die Schablone,\ndie Regeln, den Trödelkram der Scene, die DrehorgeU\nMelodieen, die unpoetischen Operntexte. Er will dagegen\nden fortwährenden Fluss der Melodie und erstrebt die\nVereinigung aller Künste in ein Gcsammt-Kunstwerk, wo\nWort und Ton einander decken in völliger Einheit, die\nübrigen Künste aber als dienende oder helfende hinzutre-\nten (188). Dies ist das so genannte Drama der Zukunft.\nMan sieht leicht, dass die negativen Partieen nur in\nallgemeinster Abstraction aussagen, was Niemand bestrei-\ntet; dass das Böse schwinde, das Gute werde, wünscht die\ngesunde Vernunft überall. Welches nun aber insbesondere\ndie Schwächen und Sünden des Opernwesens sind, als:\nDrehorgel-Melodieen, Trödelkram u. dgl.,— auch darin\nmöchten viele Gegner sogar dem Wagner ohne Hinterhalt\nbeistimmen, daher sicherlich mit ihm beklagen, dass er\nneulich in Paris sogar das tief verachtete Ballet einschwär-\nzen musste, um seine Oper möglich zu machen, freilich\nohne sie damit vom Falle zu retten.\nDie übrigen Negationen sind mehrdeutig. Der Feld-\nzug gegen die absolute Melodie und gegen die Regeln,\nSchablonen u. s. w., das Losungswort des Kampfes, ist\nnun einmal drohend genug geworden, um bei ihm zu ver-\nweilen*).— Also zuerst: was im Sinne der Schule abso-\nlute Melodie genannt wird, ist eben das Kernhafte, das-\njenige, wesswegen die Tonwelt überhaupt eine eigene\nKunst besonderen Lebens erzeugt hat: es ist das Tonbild\nmenschlicher Lebendigkeit, welches sich erhebt auf\ndem elementaren Grunde der Natur-Gestalten des Drei-\nklanges und der Grund-Harmonieen. Hier ruht der We-\nsens-Unterschied**) von Harmonie und Melodie, nicht in\ndem plattverständigen, ja, zufälligen Unterschiede des Zu-\nsammen und Nacheinander der Töne; denn es gibt\nzusammenklingende Melodieen im polyphonen Satze (190),\nund es gibt fortschreitend bewegte harmonische Gänge.—\nA n\nNun, diese absolute, d. h. sich selbst genügende, vollkom-\nmene Melodie soll ein Nichtiges heissen; das will sagen,\nes sei verkehrt, sich nur sinnlich «rgötzen zu wollen an\nsüssen Schmeichelklängen (was u. A. dem Ulibischelf fälsch-\nlich nachgesagt wird 64); die blosse Trällerei thut's frei-\nlich nicht u. s. w. (197). Gut das. Soll aber absolute\nMusik bedeuten die an sich ohne Wort und Commentar\nverständliche, so nimmt es mindestens Wunder, dass Wag-\nner selbst glücklicher ist in manchen absolut musicalischen\nInstrumentalsätzen, die sogar mit seiner Bewilligung durch\nseine Freunde und Genossen öffentlich aufgeführt sind,\nwährend manche seiner dramatischen Tonsätze unklar und\nausser der geschworenen Partei nirgend anerkannt sind.\nDie so genannte unendliche oder fortlaufende\nMelodie (144), welche an die Stelle der alten schablo-\nnenhaften treten soll, ist ein Unding, nicht darum, weil sie\netwa irgend einer vorurtheiligen Definition widerspräche,\nsondern weil aller menschlichen Kunst nothwendig ist,\nwirkliche, d. h. begränzte Bilder zu geben, um überhaupt\nbegriffen zu werden.\nHat dieses Gerede wider ,Regel, Schablone, Schlen-\ndrian, Gewohnheit\" u. s. w. überhaupt Sinn, so bedarf es\ndoch nicht so vielen Getöses, um zu sagen, was Jedermann\nweiss, dass nicht die Regel den Künstler macht. Uebrigens\nwerden diese Stichwörter gar oft mehrdeutig gebraucht,\nob aus eigenem Unverstände, oder um Anderer Unverstand\nzu blenden, urtheilen wir nicht. Unrichtig aber ist, alle\ngegnerische Kritik zu bezichtigen, als verdamme sie Wag-\nner nur, weil er gewisse grammatische Regeln über-\nschritten, obendrein solche, die niemals allgemein bindende\nGesetzeskraft gehabt, z. B. das Verbot der Quinten-Paral-\nlelen. Wenn der Verfasser (auch den Gegnern?) freie Mei-\nnung zu äussern vergönnt (50), so bemerken wir beschei-\ndentlich, dass die wissenschaftliche Kritik mehrmal versucht\nhat, nachzuweisen, wo nicht die Schul-Grammatik, son-\ndern höhere Kunst- und Geistgesetze verletzt sind. Wenn\nz. B. Wagner mit dem mystischen Geheimnisse der Enhar-\nmonie*) ein luftiges Spiel treibt, wenn die Modulation mit\noder ohne Anlass des Wort-Textes in ewiger Unruhe durch\ndie 24 Tonarten dahin flackert, wenn die fremdartigen\nModulationen überwiegen über die organischen einan-\nder ablösenden Verwandtschaften, wenn gährende und gäh-\nnende Tonreihen ohne rhythmische und harmonische Hall-\npunkte endlos hin und wieder ziehen: dann ist es nicht\netwa nur eine Schulregel aus dem Donatus, die verletzt\n\n*) Denn wir verschmähen die scherzhafte Wendung, welche Jean\nPaul einmal gebraucht: „Ich wollte, es wäre hier der Ort,\nvon der Hauptsache zu reden; hiervon ein andermal!\"\nderen Wagner sich in vollem Ernste bedient, Zuk.-M., S. 22,\nja, die unser eifriger Wagner-Herold nicht verschmäht, wo es\ngalt, den Kern seiner Theorie klar zu machen! S. 44,\nZ. 16. S. 67.\n**) Welchen Wagner selbst sehr treffend ausdrückt in: rOper und\nDrama\", 1, 173, hier im Buche S, 143.\n*) Welche ja keineswegs, wie A. B Marx wiederholt versichert,\neine blosse ort b ograph isch e Variation ist! Comp.-Lehre,\nEd. 11., 1, 180 u. öfter. Mozart's und besonders Beet-\nlioven's Enharmonieen beweisen das Gegentheil; bei Chopin\nsind die Enharmonieen oft tiefsinnig herrlich, und zwar eben\ndarum mystisch wirksam, weil eis und des u. s. w. grund-\nverschiedene Töne sind; bei Liszt freilich klingen sie lin-\nkisch und verrückt.\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5547, "texte": "wird, sondern der gesunde Verstand; und es sind nicht\nnegativ kritische Schrullen, sondern ewige Gesetze, welche\nlehren, dass in der schönen Kunst Schönheit walte, und\ndass die Schönheit vor Allem gesund sein soll, um Leben\nzu wirken. Eben so steht es mit der gefürchteten Scha-\nblone. Ist damit gemeint irgend ein todtes Gehäuse ab-\ngebrauchter Rahmen, so taugt sie freilich zur Schönheit\nnichts und wird wohl von aller echten Kritik verurtheilt\nwerden. Ist aber damit gemeint im Allgemeinen das Ty-\npische, der Typus einer Zeit, eines Stiles, eines Künstlers,\nz. B. die rhythmische Periode, die in Bach, Mozart und\nBeethoven die klarste Vollendung errungen hat, so gehört\ndieses Typische allerdings zum Wesen der Kunst. Typus\nund Freiheit verhalten sich wie Ethos und Pathos, die im\norganisch gesunden Zustande untrennbar verbunden sind.\nFreilich gibt es der Schablonen gar mancherlei, selbst bei\nWa gner, der u. A. nicht erröthet, des Königs Ankunft\njedesmal mit der stehenden Formel vorzutrompeten, die\naul Nüchterne lächerlich, auf Fanatiker verzückend wirkt.\nYV orin sich nun diese erstarrten Typen von lebendigen un-\nterscheiden, erläutert der Verfasser nicht. Wir aber halten\nan dem fest, was uns vielhundertjährige Geschichte zeigt:\nder gesunde Organismus hat feste Typen, z. B. den archi-\ntektonischen Rhythmus sowohl im Steinbau als im Tonbild\nund in der Menschengestalt*). Gibt es nun überall Trivia-\nles neben dem Genialen, oder Schablonen neben den Ty-\npen in der Welt, so erkenne man deren psychischen Le-\nbens-Unterschied, vermeine aber nicht, ein triviales Ge-\nsieht dadurch vom Fluche der Schablone zu lösen, dass\nman die Nase nach hinten malt.\nDie positiven Postulate Wagner's zielen dahin,\nein edles Werk der Vollkommenheit im Vereine aller\nKünste herzustellen (122). Löbliche Absicht! aber wir\nmöchten Thaten sehen. Nicht solche „Thaten**) des be-\nfreienden Geistes\", wie die zeitweise abgelassenen Episteln,\nnach unserem Verfasser „kunstgeschichtliche Denkmäler,\ngediegene Worte der neuen Aera\" u. s. w. (4, 8, 37, 40,\n57, 133 u. a.), sondern wirkliche Thaten, d. h. Werke,\ndie jene Vollkommenheiten darstellen. Dass Wagner\ndiese noch nicht geleistet, gestand er früher selbst; da hiess\nes, man müsse nicht das Werk, sondern die Absicht, die\nTendenz erwägen. Wiederum, wer die Tendenz tadelte,\nward auf die Werke verwiesen; und wer Beides nicht be-\ngriff, dem rieth man, wie noch heule geschieht, mehr-\nmal zu hören; seien doch auch Mozart's und Beethoven's\nWerke das erste Mal nicht verstanden! Diese Lehre ist\nfein ausgedacht. Dass Mozart's Don Juan in Prag, Beetho-\nven's C-mo//-Sinfonie in Wien gleich das erste Mal wie ein\nhimmlisches Wetter eingeschlagen Beides anerkannte\nThatsacben! wird hier ignorirt. Was das mehrmal Hö-\nren angeht, so ist es wie mit der Liebe. Wo nicht beim\nersten Blicke ein Strahl gezündet, der eben die Sehn-\nsucht nach dem Mehrmal erweckt, was hilft mir des\nklugen Meisters Rath: Du musst die Schöne erst zehn Mal\ngesehen haben, um sie schön zu finden! Da würde ich\nerstlich fragen, ob der kluge Meister wirklich so gar klug\nsei, und selbst dann noch langsam glauben an die Mehr-\nmaligkeit, die mir ein hässliches Gesicht—etwa durch Ge-\nwöhnung?— schön machen soll. Nein! wer nicht wie die\nalten Schüler der Weisheit beim ersten Vernehmen\nmit Ohr, Auge und allen Sinnen leise fühlt:\n%l Xt'yeiv dem hilft die Wiederholung nicht. Mag sein,\ndass die Schuld oft auf Künstlers und Hörers Seite gleich\nvertheilt und über ernste Dinge überhaupt ein Endurlheil\nschwer findbar ist, niemals werden wir mit dem Franzo-\nsen sprechen: La repeUtion c\nWie weit es möglich sei, jene „Gesammtkunst\" her-\nzustellen, darüber bat sich früherhin Brendel treffend ge-\näussert: die Sonderkünste seien nolhwendige Entwicklun-\ngen und durch keinen Machtspruch auszulöschen. Auch\nHerder's Postulate (186) werden diese Wahrheit nicht\naufheben. Wort und Ton in mögliche Uebereinstimmung\nzu bringen, ist eine vernünftige Forderung; unwahr ist,\nzu sagen, dass sie sich je völlig decken, so dass Poesie\nund Musik Eins seien. Nirgend decken einander zwei In-\ndividuen völlig, wie schon die Mathematik lehrt, indem sie\nselbst nur mit fingirten oder relativ gleichen Grössen ope-\nrirt; denn nichts ist absolut gleich, als a a, jede Grösse\nist sich selbst gleich. Poesie und Musik sind niemals so\neinig, dass auf keiner Seite ein Ueberschuss des Sonderle-\nbens bleibe (171). Die gesprochene Rede wird nie und\nnimmer durch blosse Selbstentwicklung und Steigerung\nzum Gesänge (147, 153), so wenig, als ein Malthisson'-\nsches Gedicht durch Selhstentwicklung zum Oelbilde wird.\nVersuche doch einer, R. Burn's oder Göthe's Lieder\nohne Kenntniss anderer Compositionen einmal selbst für\nsich zu singen; niemals werden zwei, seien sie begable\nKünstler oder nicht, denselben Ton bringen, den irgend\nein Anderer bereits getroffen. Vergleiche z. B. die Worte:\n„Zu welchem von den Engeln hat er je gesagt\", in Hän-\n\n*) Iin lonbiJde gehört dahin allerdings die von unserem Verfas-\nser geachtete achttactige Periode der Liedform, welche nicht auf\nrationalistischer Zählung beruht (178), sondern auf ursprüng-\nlichen Naturgesetzen. Der Tannhäuser-Marsch, der überall\nBeifall findet, hat solche typische Periode.\n**) Sonderbar, dass der vielgeschmähte Wolfgang Menzel die-\nsen Terminus, in dem sich die neuzeitliche Rede so wohl fühlt,\nzuerst gebraucht hat, vor dreissig Jahren, im Eingange seiner\nLiteratur-Geschichte: „Das deutsche Volk ist arm an dem,\nwas man sonst Thaten zu nennen pflegt .. .; doch Worte gibt\nes, die selber Thaten sind lu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2185, "texte": "dePs Messias und Bach's Weihnachts-Oratorium, wie grund-\nverschieden sind sie betont, beide Mal trefflich! Und wo\nbliebe, jenes Princip zugestanden, das Postulat der Künst-\nler-Individualität? (45.) —Ob es richtig sei, dass je-\ndesmal das Wort, worin das Haupt-Thema des Gespräches\nliegt, hoch und stark gesprochen werde (153), darüber\nbefrage man die Schwerhörigen, die auch vom besten\nRedner meist eher das Accidentielle als das Substantielle\nverstehen. Wie aber Rede und Gesang wesentlich ver-\nschieden seien, das bezeugt wider des Verfassers Absicht\nsein Gewährsmann Heinse (147), und längst hat es Ari-\nstoxenus bezeugt (ed. Meibom, S. 18), indem er den\nUnterschied des Loyiodagund aus Intervallen-\nVerhältnissen nachweis't: tö de\nfitJ.og ty. d'iaorrjuä>to)v ovvtotrjxev.\nDen Uebergang aus der logischen in die musicalische\nRede bildet das Recitativ, welches nicht mehr reiner\n\\oyogund noch nicht reines ist. Dagegen die Me-\nlodie, das eigenlebige Tonbild menschlich seelhaften In-\nhalts, ist in feste Umrisse Typen, nicht Schablonen\ngeschlossen. Diese Grundwesenheit verwerfen und an ihrer\nStatt die gränzenlose Qotjbringen, ist der Kern der neu-\ndeutschen Schul-Doctrin! Der Wechselbalg der Unlied-\nlorm, die endlose, mit zwischenein getröpfelten Melismen\ndurchwirkte Recitation ist eine Entwicklungskrankheit, ein\nmisslungener und ewig misslingender Versuch, den platten\nVerstand mit kunstherrlichem Tonbilde zu vermitteln.\nWie bedeutsam auch die reinen nnd die ariosen Recita-\ntive bei Bach, Händel, Mozart u. s. w. ausgestattet seien,\nbei aller Gedanken-Schönheit kann doch das Herz nicht\ndarin weilen; sie sind treibende Elemente, die wir, allein\nerscheinend, ohne typisch melodische Tongestalten, gar\nnicht ertragen könnten. Ein grösseres Tonstück ohne Re-\ncitative ist möglich, ohne Melodieen unerträglich.—Fort-\nlaufende Melodie in vernünftigem Sinne könnte nur\nbedeuten die polyphone (contrapunktische) Durchführung\neiner oder mehrerer Melodieen, dergleichen aufs herrlichste\ndie heiligen Lieder Palestrina's enthalten; einen Ansatz\ndazu zeigt auch Wagner in dem Lohengrin-Chor, der den\nankommenden Schwanen-Rilter begrüsst, seinem gelun-\ngensten Werke.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "287", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.2.3", "titre_corps": "Die Tonkünstler-Versammlung in Weimar und die Deutsche Musik-Zeitung in Wien.", "titre_sommaire": "Die Tonkünstler-Versammlung in Weimar und die Deutsche Musik-Zeitung in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.5", "debut_caractere": 2187, "fin_caractere_exclue": 5044, "texte": "Die Tonkünstler-Versammlung in Weimar und die\nDeutsche Musik-Zeitung in Wien.\nDie Nummer 33 der Deutschen Musik-Zeitung ent-\nhält eine Correspondenz aus Weimar vom 5. Au-\ngust über die dortige Tonkünstler-Versammlung\nund die musicalischen Aufführungen bei dieser Gelegen-\nheit, welcher wir einige INoiizen entnehmen, da man uns\nvon Weimar aus nicht schreibt —die Einen aus löblichen\nGründen, weil sie die Hoffnung aufgeben, uns zu bekeh-\nren, die Anderen aus Feigheit, um es mit Diesem und Je-\nnem nicht zu verderben.\nWir ersehen daraus, dass am o. August nach Anhö-\nrung der doppelchörigen Motette: „Singet dem Herrn\nein neues Lied\", von J. S. Bach sämmtliche Anwesende\nsich zur ersten Sitzung versammelten.\n„Die Versammlung beschäftigte sich in der ersten\nSitzung nach einigen einleitenden Worten des Herrn Hof-\nCapellmeisters Dr. Liszt und dem Eröffnungs-Vortrage\ndes Herrn Kedacteurs Brendel mit der Berathung der\nStatuten für den zu gründenden Musik-, Tonkünst-\nler-Verein, wie dieselben in der Nummer vom 7. Septem-\nber 1860 der Neuen Zeitschrift und in einem nachträglich\ngedruckten, hier vertheilten Zusätze enthalten sind.\"\nUeber die Zwecke der Versammlung seit 1859 erfah-\nren wir Folgendes:\n„Bei der Versammlung in Leipzig im Jahre 1859\nstanden drei grosse Concert-Aufführungen mit Chor und\nOrchester im Programm, nebenbei Seb. Bach's 11-mott-\nMesse, die Messe Liszt's, neben Schumann's Manfred-\nOuverture R. Wagner's Einleitung zu Tristan und Isolde\nstellend. Das kostspielige Unternehmen wurde nur aus-\nführbar durch die Munificenz eines (ungenannten) Kunst-\nMäcen s. Neben dem Schönen und Interessanten, das diese\nAuswahl bot, trat aber zugleich die Absicht der Unterneh-\nmer, vorzugsweise neue Kunsterscheinungen zu verbreiten,\ndeutlich hervor; ein von Herrn Louis Köhler aus Kö-\nnigsberg eingebrachter Antrag sprach dies entschieden und\numfassend aus. Er verlangte die Bildung eines allgemeinen\ndeutschen Tonkünstler-Vereins. Durch jährlich zu zahlende\nBeiträge der Mitglieder sollte die Aufführung neuer Kunst-\nwerke bei den regelmässig abzuhaltenden Versammlungen\nermöglicht, zugleich aber auch allmählich ein Capital zur\nUnterstützung hülfsbedürftiger Künstler angesammelt wer-\nden. Das Besultat war die Bestimmung: eine Commission\nsollte die Statuten entwerfen und der nächsten Versamm-\nlung zur Berathung vorlegen. Zugleich aber unterzeichne-\nten gegen hundert Anwesende diesen Beschluss und bilde-\nten also zunächst den Stamm des Verbandes. Die zweite\nVersammlung ist nun in diesem Jahre zu Stande gekom-\nmen. Wie in der vorigen ist die Ausführung grösserer\nKunstwerke durch die Munificenz eines Mäcen's ermöglicht\nworden. Der eine Zweck des Vereins: Verbreitung der\nWerke jüngerer Künstler, spricht sich in den für das 3.\nFest-Concert bestimmten Vorträgen von Manuscriptwerken\nvon Componisten der Jetztzeit unumwunden aus. (S. unten.)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5213, "texte": "„Die ersle Besprechung nahm gleich Anfangs, trotz\nder Bemühungen des Herrn Brendel, eine zu grosse\nBreite an, indem sie mehr als nöthig mit Einzelheiten sich\nbefasste, und man so nach langer Sitzung nur über die\nallerersten Paragraphen hinweg kam.\n„Um 4 /iUhr war die Aufführung von Beethoven's\nMissa solemnis unter der Direction des Herrn Musik-Di-\nrectors Biedel aus Leipzig. Ausführende waren: die\ngrossherzoglich weimar'sche Hofcapelle unter Mitwirkung\nauswärtiger Künstler, der Biedel'sche Gesang-Verein aus\nLeipzig, der Montag'sche Gesang-Verein aus Weimar, Frau\nDr. Beclam, Fräul. Lessiak, beide aus Leipzig, Herr\nJohn aus Halle (statt des im Programm aufgeführten\nHerrn Dr. Geyer aus Berlin), Herr Wallenreiter aus\nWeimar, Herr Dr. Damrosch (Violin-Solo). Die Auf-\nführung darf man in ihrer Gesammlheit als eine gelungene\nbezeichnen, wiewohl die Schwierigkeiten des noch unbe-\nkannten Werkes sehr erheblich sind, und die Thätigkeit\nder Sänger und Spieler, die ohnedies durch die drückende\nHitze in dem mit Zuhörern überfüllten Baume genug zu\nleiden halten, durch den Einfluss der Akustik der Kirche\neher gehemmt als gefördert wurde. Dass manche Mängel\nvorkamen, dass namentlich der Sopran einige Mal deto-\nnirte, nimmt dem obigen Urtheil nichts; genug, dass die\nSängerinnen das fast Unmögliche beinahe möglich gemacht\nhaben. Insbesondere verdient die Sicherheit, mit welcher\nFrau Dr. Beclam ihre Partie vollkommen beherrschte\nund mit Kraft, Entschiedenheit und Geschmack ausführte,\ndie rühmlichste Erwähnung.\"\nBald danach bricht die Correspondenz mit „Fort-\nsetzung folgt\" ab.\nDas oben erwähnte Programm des dritten Tages macht\nuns mit folgenden Werken der neuen Schule (nicht: „der\nneudeutschen Schule\", wie die Correspondenz, der\nAnmaassung der Jünger derselben gemäss, sagt, denn ge-\ngen diesen Ausdruck muss jeder deutsche Componist ener-\ngisch protestiren!) bekannt:\nErster Theil: „Germania\", Hymne von Strachwitz,\nvon Felix Dräseke; Orchester-Phantasie von Otto\nSinger; „Das Grab im Busento\", Ballade von Platen,\nvon Wendelin Weissheimer; Concertstück für Vio-\nline in Form einer Serenade von Herrn Dr. Leop. Dam-\nrosch; Lieder von H. v. Bülow und E. Lassen. Zwei-\nter Theil: Ouvertüre Pastorale von Karl Stör; „Helge's\nTreue\", Ballade von Strachwitz, von Felix Dräse ke;\nTerzelt aus „Der Barbier von Bagdad\" von Peter Cor-\nnelius; zweites Concert (A-dur) für Pianoforte und Or-\nchester von Franz Liszt, gespielt von Herrn Karl Tau-\nsig. Dritter Theil: Scherzo von Otto Bach; „Ariadne\naufNaxos\", dramatisches Gedicht von Ph. Krebs, Musik\nvon Max Seifriz, erster Act, Nr. 1 und 2. —Eine\nschöne Musterkarte der Zukunft!\nBegierig auf die „Fortsetzung\", lasen wir in Nr. 34\nder Deutschen Musik-Zeitung auf einmal:\n„Die Bedaction dieses Blattes ist nicht in der Lage,\nihren Lesern die eben eingelaufene Fortsetzung und den\nSchluss des in der vorigen Nummer begonnenen Correspon-\ndenz-Berichtes mitzutheilen, aus Gründen, welche eben so-\nwohl der Herr Einsender wie unsere geehrten Leser er-\nrathen werden nach dem Pröbchen in der vorigen Num-\n%\nmer, das wir leider wir bekennen: es geschah in einer\nschwachen Stunde mitgelheilt haben. Der Erstgenannte\nverkennt thatsächlich die Tendenz dieser Zeitschrift, wenn\ner meint, wir vermöchten den Bestrebungen der Weima-\nraner und gar dem jetzt gegründeten „ „Tonkünstler-Ver-\nein\"\" auch nur die geringste Berechtigung zuzugestehen,\noder wenn er glaubt, wir müssten die in unserem Pro-\ngramm verheissene „„Gerechtigkeit\"\" bis zur Schwäche\ngegenüber kunstmörderischen Tendenzen und pfiffig ange-\nlegten Anstalten ausdehnen. Mit so genannten „„libe-\nralen\" \" Gesinnungen, mit milden Ansichten über gewisse\nSpelunken, welchen Bach und Beethoven als lockende\nund imponiren sollende Aushängeschilder dienen müssen,\nist unserer Zeitung nicht gedient.\"\nWir gestehen, dass wir mit diesem Verfahren der ge»\nehrten Collegin in Wien nicht übereinstimmen. Wir hal-\nten es für sehr erspriesslich und nothwendig für die gute\nSache der Musik, oder richtiger für die Sache der guten\nMusik, dass unsere Leser über das Wesen der „neuen\"\nTonkunst und über die Art und Weise, wie die Neu-\nbündler sich und ihr Treiben an- und herausstreichen,\ndirect aufgeklärt werden, und das kann nicht wirksamer\ngeschehen, als durch Mittheilung ihrer eigenen Manifeste\nund Offenbarungen. Es verlauten selbst aus den Kreisen\nder Freunde der „Niederrheinischen\" und der „Deutschen\nM.-Z.\" doch hier und da vereinzelte Stimmen, die da mei-\nnen, wir thäten den Neubiindlern zuweilen Unrecht, wir\nwären zu unnachsichtig und rücksichtslos gegen die Leute,\ndie in bescheidenem Vertrauen auf ihre Werke den besten\nWillen für die Zukunft der Musik hegten.\nDergleichen gutmüthig Schwankende sind durch nichts\nbesser zu kräftigen, als durch Autopsie, durch Einsicht in\ndie Literatur- und Correspondenz-Werkstätten jener Her-\nren. Wenn sie z. B. über F. Dräseke's Composition der\nBallade „Helge's Treue\" lesen (laut Mittheilung des\nDresdener Journals): „Ein ausgezeichnetes Werk, reich\nan classischen (!) Schönheiten, allgemein anerkannt und\nselbst von den Gegnern bewundert, durch tiefe Innigkeit\nder Empfindung und freie Selbstständigkeit der Form (!?)\nin hohem Grade ausgezeichnet, bietet diese von keinem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 421, "texte": "Componisten der Vergangenheit oder der Gegenwart\nund wahrscheinlich auch nicht der Zukunft übertroff'ene\ngeniale Tonschöpfung die sichere Bürgschaft für die\ngrosse Zukunft, welche der Heros Dräseke\ndurch seine Arbeiten der Tonkunst verschaffe»\nwird\" —, so wird dies sicherlich ein Trunk sein, „der eilig\nnüchtern macht\" und besser wirkt, als die gründlichste\nZergliederung der Missgeburt selbst, von welcher die\nHede ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "287", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.2.4", "titre_corps": "Nach Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Nach Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.7", "debut_caractere": 423, "fin_caractere_exclue": 4030, "texte": "Nach Frankfurt am Main.\n(Mu s i ks c h u 1 e.)\nAuf das Schreiben des geehrten Vorstandes der frankfurter Mu-\nsikschule vom 28. August d. J., in welchem wir ersucht werden,\ndie Erwiderung auf F. J. Kunkel's Kritik (in Nr. 17 und 18 der\nSüddeutschen Musik Zeitung) der Prüfung u. s. w., die der Vorstand\nin jener Zeitung Nr. 28 und 29 habe drucken lassen, auch in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung mitzutheilen, müssen wir erklären,\ndass wir dergleichen Aufsätzen, die nur locales und persönliches In-\nteresse haben, keinen Platz einräumen können. Wir haben aus Kun-\nkel's Kritik nur das aufgenommen, „was für Einrich tu n g von\nMusiksc hui en überhaupt Interesse haben konnte\", und\nhaben ausdrücklich gesagt, die scharfe Kritik der Prüfung könne\nweitere Kreise nicht interessiren (Nr. 20, S. 158). Aus demselben\nGrunde haben wir auch einer uns zugesandten „Replik\" auf die\nErwiderung des Vorstandes in der Süddeutschen Musik-Zeitung die\nAufnahme verweigern müssen.\nGern sind wir indessen bereit, Berichtigungen von Thatsächli-\nchem aus der „Erwiderung\" mitzutheilen, wie hiermit geschieht.\n„Folgen wir der Berechnung KunkeFs und nehmen dabei das\ngünstige Anwachsen des Fonds der Mozart-Stiftung in den letzten\nJahren als Maassstab an, so wird es voraussichtlich noch mindestens\n8 bis 10 Jahre dauern, bevor das Conservatorium ins Leben tritt,\nund so lange braucht unsere Stadt doch nicht ohne Musikschule\nzu sein.\n„Wir werden einer Vereinigung mit der Mozart-Stiftung durch-\naus nicht abgeneigt sein, wenn sie sich thunlich erweis't; wenn\nnicht, so bestehen die beiden Anstalten, so lange sie bestehen kön-\nnen; und wir wüssten nicht, warum, wenn sich Frankfurt noch zehn\nJahre lang so vergrössert, wie in den letzten Jahren, nicht alsdann\nhier sowohl wie in Berlin oder Dresden zwei solche Anstalten soll-\nten bestehen können.\n„Unserem Plane macht nun Kunkel ferner den Vorwurf, dass er\nmehr verspreche, als geleistet werde. Unser jetziger gedruckter Plan\nenthält, das sieht jeder Unbefangene, nur das Ailernothwendigste.\nEinen ausführlichen, ins Einzelne gehenden Plan werden wir erst\ndann drucken lassen, wenn wir noch ein paar Jahre Erfahrung ge-\nsammelt haben.\n„Ein gemeinsames Schullocal ist, das bestreiten wir gewiss nicht,\nder Würde eines solchen Instituts angemessen, und wir werden un-\nser Möglichstes thun, unseren eigenen Wünschen nach einem solchen\nzu genügen; aber von so grosser praktischer Wichtigkeit ist es\nnicht.\n„Unsere Einnahme besteht nicht, wie Kunkel sie berechnet, aus\n11 Mal 154 Fl.; denn unser Plan besagt: Einheimische können sich\ngegen ein Honorar von 42 Fl. an einem einzelnen Fache betheiligen.\nHat denn Herr Kunkel bei der Prüfung genau darauf geachtet, wie\nviele Schüler in einem Fache und wie viele in mehreren ge-\nprüft wurden? Wenn er dies gethan, dann urtheile er, ob man uns\nbis jetzt zumutben konnte, ein Local zu miethen.\n„Dass wir den theoretischen Unterricht bei Schülern und Schü-\nlerinnen verschieden behandeln, würde ein Wohlwollender ganz an-\nders auszulegen wissen, als Kunkel.\n„Dass noch keine Creschicbte der Musik gelehrt wurde, geschah\nim Einverständnisse mit den Eltern der betreffenden Schüler. Dieje-\nnigen, welche Anspruch darauf haben, erhalten den Untenicht noch,*\ner hat nur einjährigen Curaus, und da jene Schüler der Anstalt drei\nJahre angehören, so ist noch Zeit genug dazu. Zum Ensemblespiel\nwird sich selten im ersten Halbjahre Gelegenheit finden. Chorge-\nsang ? ... Ein singendes Mädchen und ein paar Knaben im Alter\nder Mutation?? . . .\n„„Nicht einmal ein Prüfungsplan kam am 28. März zu Gesicht\n„Prüfungspläne waren im Saale angeschlagen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "288", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.7", "debut_caractere": 4032, "fin_caractere_exclue": 6868, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nfioln« Se. Majestät der König haben statt des von Sei-\nten der Stadt angebotenen Bai pare ein Concert auf dem Gürze-\nnich gewünscht, welches am Sonntag den 15. September unter Lei-\ntung des Herrn Capellmeisters Hiller und Mitwirkung sämmtlicher\nhiesiger musicalischen Kräfte Statt finden wird.\nCVefeld, 2. Sept. Gestern wurden unsere Winter-Abonne-\nments- C o n c er t e durch eine sehr gelungene Aufführung von J.\nHaydn's „Schöpfung\" unter der tüchtigen Leitung des k. Mu-\nsik-Directors Herrn Herrn. Wolff vor einem ungewöhnlich zahlrei-\nchen Zuhörerkreise eröffnet. Das Orchester bestand aus 50 lngtru-\nmentalisten, im Chor zählten wir im Sopran 40, im Alt (durch Kna-\nbenstimmen verstärkt) ungefähr eben so viel, im Tenor 35, im Baäs\n40 Mitwirkende. Die Chöre wurden mit Sicherheit und schönem\nStimmenklange ausgeführt und machten einen herrlichen Eindruck.\nDie Solo-Partieen sangen Frftal. Marie Büschgens von hier, Herr\nHill von Frankfurt am Main (Bass) und ein hiesiger Dilettant (Te-\nnor). Fräul. Büschgens hat bedeutende Schritte zur künstlerisch voll-\nkommenen Ausbildung ihrer schönen Stimme und ihres Gesang-Ta-\nlentes gemacht. Herrn Hilles Leistungen sind rühmlichst bekannt;\ner gehört jetzt zu den besten Oratoriensängern. Mit dankbarer Be-\nfriedigung wurde die sehr ansprechende Ausführung der Tenor-Partie\naufgenommen.\nMainz« Die Liedertafel veranstaltete am 18. August ein Mor-\ngen-Concert, in welchem Herr Rühl zum ersten Male als Dirigent\nderselben auftrat. Da wir zur Sommerzeit dahier kein vollständiges\nOrchester zur Verfügnng haben, so wurden nur kleinere Compositio-\nnen mit Ciavierbegleitung vorgeführt, bei denen jedoch Herr Rühl\nsein bedeutendes Directions-Talent, sowohl was das Einstudiren als\ndie Executirung betrifft, recht glänzend bewährte, indem sämmtliche\nGesangs-Vorträge in richtiger Auffassung und fein nuancirter, ge-\nschmackvoller Ausführung nichts zu wünschen übrig Hessen. Die\nbedeutendste Nummer des Programms war Hymne für\neine Sopranstimme mit Chor und Orgelbegleitung, an welche sich\nanschlössen: Gebet von J. N. Schelble, Salve Regina von Haupt-\nmann, Wanderer's Nachtlicd von Schnyder von Wartensee und zwei\nQuartette von Niels Gade, sämmtlich für gemischten Chor. Das Solo\nin der Mendelssohn'schen Hymne sang Fräulein A. Litschner,\nwelche ausserdem noch eine Arie aus den Puritanern und Variatio-\nnen über deu Carneval de Vevortrug und den Ruf einer aus-\ngezeichneten Coloratursängerin rechtfertigte. Herr Leopold Bras-\nsin (jüngerer Bruder des rühmlichst bekannten Pianisten, trug Beet-\nhoven's i'-moZZ-Sonate und einige Salonstücke eigener Composition\nvor. Wir lernten in Herrn Brassin einen talentvollen, mit einem ho-\nhen Grade von technischer Fertigkeit begabten jungen Künstler ken-\nnen, der nicht nur die in jeder Beziehung schwierige Sonate Beetho-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2500, "texte": "ven's grösstenteils mit richtigem Verständnis« und tadelloser Tech-\nnik vortrug — nur die nöthige Kraft schien an manchen Stellen zu\nfehlen —, sondern auch in den kleineren Sachen sich als gewandter\nund eleganter Salonspieler bewährte. Eine Bemerkung können wir\nnicht unterdrücken, wenn sie auch voraussichtlich nichts nützen wird,\ndenn sie bezieht sich auf die meisten Pianisten der neueren Schule;\ndieselbe betrifft nämlich die von Herrn Brassin, wie von so vielen\nseiner Kunstgenossen angenommene unleidliche Manier, mit dem\nganzen Körper zu spielen. AVer je die älteren Meister, Hümmel,\nMoscheles, Thalberg u. s. w gehört und gesehen hat, wird sich mit\nVergnügen der noblen Ruhe erinnern, mit der sie nicht nur die gross-\nten Schwierigkeiten überwanden, sondern auch dem tiefsten Gefühle\nAusdruck zu geben wussten, ohne diesen Ausdruck durch convulsi-\nvische und im höchsten Grade störende Bewegungen des ganzen Kör-\npers verstärken zu wollen. (Südd. M.-Z.)\nIn Graz ist die Stelle eines artistischen Directors des\ns t e i e r m ä r k i s c h e n Musik-Verein s mit 600 Fl. W. W» Gehalt\nzu besetzen. Auskunft ertheilt die Direction d. st. M.-V,, Graz5 Burg-\nstrasse 9. Anmeldung bis 30. October d. J.\nOstentie. Am Samstag den 24. August fand hier ein festliches\nConcert im Casino unter der Direction des Herrn J de Glimes,\nProfessors der Gesangkunst in Brüssel, Statt. Se. Majestät dei Kö-\nnig von Preussen, Prinz Georg von Preussen und der Grossher-\nzog von Baden beehrten die Versammlung der bedeutendsten und\ngewähltesten Kunstfreunde mit ihrer hohen Gegenwart. Die Nach-\nfrage nach Eintrittskarten war so gross, dass mehr als 400 Perso-\nnen abgewiesen werden mussten, wesshalb Herr de Glimes auf Mon-\ntag ein zweites Concert veranstaltete, welches dasselbe Programm\nhatte, aber nicht dieselben allerhöchsten und hohen Kunstgönner zu\nZuhörern. Die ausführenden Künstler waren Signora Trebel Ii und\nHerr Theodor Form es, der k. Hof-Opernsänger von Berlin (Te-\nnor), die Gebrüder de Munck aus Brüssel, Violinist und Violon-\ncellist, und ein Herr Gouchon (?), Pianist. Herr de Glimes hatte\ndas Ganze vortrefflich organisirt und begleitete am Piano. Die Palme\nerrangen die Gesanges-Vorträge, namentlich machte die Verschmel-\nzung der schönen Stimmen der Signora Trebelli und des Herrn For-\nmes einen ausserordentlich schönen Eindruck.\nAm 30. August starb hier Franz Joseph\nGläser, k. Hof-Capellmeister, geboren 1798 zu Obergeorgenthal in\nBöhmen, am bekanntesten durch seine Oper „Des Adlers Horst\"."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nRichard Wagner. Von F. Müller. — Die Tonkünstler-Versammlung in Weimar und die Deutsche Musik-Zeitung in Wien.\n— Tages- und Unter h alt ungsblatt (Köln, Concert auf dem Gürzenich zu Ehren Ihrer Majestäten des Königs und der Königin —\nCrefeld, I. Winter-Abonnements-Concert — Mainz, Concert — Ostende, Fest-Concert — Kopenhagen, F. J. Gläser +).\n\nRichard Wagner. Von F. Müller.\nDiese Schrift*) wird wohl auf die meisten Leser den\nEindruck eines Partei-Manifestes machen. Es ist ihr Ver-\ndienst, die Fragen, Sagen und Meinungen der Wagner'-\nschen Partei auf einen Fleck zu versammeln, nicht ohne\nWitz, Geist und Zorn, wie sich gebührt bei solchem Streite,\nder heute droht, ein europäischer., d. h. deutsch-französi-\n\\\nscher zu werden, da es sich handelt um die Rhcingränze\nvon I{. Wagners Ruhm. Weimar ist seit etwa zehn\nJahren der Heerd der neuzeitlichen Bewegung im Bereich\nder schönen Kunst geworden, zunächst freilich der in Ho-\nheit und Niedrigkeit weltbewegenden Kunst der Töne.\nDenn dort hat sich seit der Verbrüderung des Ungarn\nLiszt (den unser Verfasser zwar einen echt deutschen\nKünstler nennt) mit dem weltlichen Fürstenthume auf dem\nclassischen Boden der literarischen Blüthezeit eine gleich-\nsam aristokratische Herrschaft des modernen Geschmacks\nfestgesetzt, die mit kirchlichen und politischen Agitationen\nHand in Hand verschlungen geht. Oben und unten beför-\ndert und gehegt, erscheint ihr Reich dort bereits unbestrit-\nten [o nein!], während es in Leipzig denn doch neben\nFranz Brendel noch andere Leute gibt, die dem Neu-\nzeitlichen das Widerspiel halten und nicht, bloss um Bach'-\nsche oder Mendelssohn'sche Traditionen, sondern um wirk-\nliches Geist-Erlebniss kämpfend, feste Positionen behaupten.\nDie Wa gner'sche Partei aber bekundet ihren Beruf,\ndes unbedingten Fortschrittes zu pflegen, durch die Rüh-\nrigkeit, welche den Agitatoren aller Zeiten gemein ist.\nSchon seit der Römer Zeiten ward der conservativen Partei\nvorgeworfen, dass sie solcher Rührigkeit nichts Gleiches\nentgegensetze, sei es aus Trägheit in der Gewissheit ihrer\nErrungenschaften, oder aus Ueberzeugung, dass die Schei-\ndung des Streites nicht der Partei zufalle, sondern der ob-\nwaltenden Macht, die alle Parteien verzehrt. Dabei freilich\nverliert die erhaltende Partei manche Position: die Zeit\nbricht manche Burg, die für unbezwinglich galt, wenn die\nHüter schlafen. Was wahrhaft lebenswerth ist, behaup-\ntet sich, und was wahrhaft neu, blicht durch den Kampf\nsich Bahn. Lebenswerth aber ist, was den Gehalt der Ewig-\nkeit in sich trägt, darum eben Vergangenheit und Zukunft\nverknüpft; eine innerliche Versöhnung, welche nicht mit\nPhrasen a priori zurecht zu machen ist, sondern erst als\nErgebniss der Geschichte hervortritt. Wer nun solches Er-\ngebniss, wie B. Wagner und seine Secundanlen Brendel,\nMüller, Bülow, Baff, Liszt, Bronsard, Ambros, Köhler,\nLaurencin u. s. w., vorweg nehmen will, entweder prophe-\ntisch*) der Zukunft ihre Bahn zeichnend oder in histori-\nschem Bückblick sich des Schicksals verkannter Grössen\ngetröstend, deren heisses Bingen nach leuchtendem Ziele\ndoch endlich Krone und Lohn getragen, der sehe wohl zu,\nob ihm der Geist wahrhaft bezeugt, was er aussagt; das\nselbstständige Gewissen redet am letzten Ende doch ver-\n\n*) Eichard Wagner und das Musik-Drama. Ein Cha-\nrakterbild. Von Franz Müller. Leipzig, Verlag von Hein*\nrieh Matthes. 1861. VI und 202 S. in Octav.\n*) Es ziemt sich, die falsche Prophetie zu geissein, die sich in\nwitzigen Parallelen ergeht, um vergnüglich zu schwätzen von\nverkannten Genieen und gekreuzigten Märtyrern ihrer Par-\ntei! Non poena sed causa facit martyrem. So gar dicht ge-\nsäet, wie der weimar'sche Jockeyclub phantasirt, sind die mar-\ntyrischen Kreuzträger doch nicht; auch begannen die wirkli-\nchen Märtyrer ihre Bahn insgemein nicht mit Weltgenuss, son-\ndern mit Entsagung, trotzten dem Pöbel, statt ihm zu dienen,\ntrachteten eher nach der himmlischen als nach der Welt-Krone,\nbrachen Bahn mit tbätigen Ideen und idealen Thaten, nicht\nmit Zeitungs-Spectakel und Epistolae ad familiäres. Der\nseiner Zeit berühmte Bahnbrecher, Umwälzer und Verächter\ndes Alterthums Mattheson war bei Lebzeiten fast Sieger,\nobwohl nicht unbestritten; nach seinem Tode kam die „Zu-\nkunft\" und brachte nicht Mattheson, sondern die verachteten\nAlten zu Ehren. Mattheson ward vergessen, so sehr, dass so-\ngar die gelehrten Alexandriner in Weimar seines Schicksals\nnicht gedenken, um sich daran zu spiegeln."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.2", "texte": "nehmlich, und zwar in der Gegenwart, nicht bloss in der\nZukunft.\nDie Bewegung dieser Zeit aber dreht sich keineswegs\num Rückschritt und Fortschritt, Alt und Neu, Aclion und\nlieaction u. s. w., denn diese Gegensätze gehören jedem\nZeitalter und sind die allgemeine Formel der Polarität al-\nles Lebendigen. Will man die Kämpfe unserer Tage in\nein Zauberwort bannen, so scheint vielmehr der Gegensatz\nvon Subject und Object der bestimmende zu sein, aus\ndem die übrigen abgeleitet sind; Majorität und Autorität,\nAtomistik und Organismus, Willkür und Gesetz daher\nim Seelen- und Kunstleben Pathos und Ethos, Effect und\nSchönheit, Lüsternheit und Liebe, Fanatismus und Begei-\nsterung. Wie aber diese Gegensätze wieder auf den tief-\nsten Grund alles Geistlebens zurückdeuten und die Wurzel\ndes Lebens anrühren, das wollen zwar manche Zeitsinnige\nnicht erkennen, weil es ein wenig düster lautet; und doch\nbezeugen sie es unwillkürlich durch die Grimmigkeit des\nStreites, dass es hier nicht um Geringes gilt, sondern um\nden Kampf mit den Geistern unter dem Himmel.\nDie vorliegende Schrift ist gegliedert in: 1. Einleitung\n(Wagnerfrage. Pariser Urtheile). 2. Lebensfügungen und\nEntwicklungsgang (Wagner's Leben, Schicksale, Tendenz\nund Ruhm). 3. Streiflichter (von Kritik, Zukunftsmusik,\nMozart, Beethoven u. s. w.). 4. Rückblick und Umblick\n(Geist und Verlauf der Oper. Musik-Drama. Testimonia\ndoctorum virorumu. s. w.j. 5. Wagner, Liszt (Melodie,\nTannhäuser, Berlioz). 6. Der Fortschritt: das Musik-Dra-\nma.—Die Uebersicht zeigt, dass das Persönliche und Kri-\ntische den Haupt-Inhalt bildet, daher Polemik und Par-\nteiung in den Vordergrund tritt. Ungern fügen wir uns\nder Notwendigkeit, diesem Gange zu folgen, nicht bloss\num dem Verfasser gerecht zu werden, sondern um den\nneuzeitlichen Maximen und Reflexionen ins Auge zu sehen,\ndie hier wie auf einer Tafel ausgebreitet liegen. Trägt doch\nauch der Verfasser den polemischen Standpunkt unverhoh-\nlen zur Schau (z. B. S. 9, 10, 11, 38, 40, 50), freilich\nauch zuweilen die Geberde annehmend, als stände, was er\nsagt, jenseit aller Parteiung bereits fest (52), und als wäre\ndas classisch Gültige das seiner Theorie gemässe, welche\nR. Wagner den „grössten Tondichter unserer Zeit\"\nnennt (2, 5, 9, vgl. BrendeTs Mus. Zeitung. 1858, Nr. 4).\nAber selbst wer dieses Letztere zugestände, in so fern die\nEp igonenzeit überhaupt keine grossen schöpferischen\nKünstler zeuge, er würde doch nicht ohne Weiteres der\nBeweisführung unseres \\erlassers sich unterwerfen, welche\nnirgend beweis't, sondern nur unermüdlich wiederholt:\n„Wagner ist gross, und Müller ist sein Prophet; wer daran\nzweifelt, der gehört zur negativen, zerstörenden, absicht-\nlich verkennenden, handwerksmässigen Kritik\" (30, 33,\n57, 58, 160...*). Seiner eigenen Sache gefährlich ist,\nsich und die Seinen um ihre Ehrlichkeit zu rühmen\n(10,11), selbige aber dem Gegner Berlioz abzusprechen\n(178). Um nun den Partei-Thesen einen breiten Hinter-\ngrund zu sichern, wird das ganze Buch hindurch (vornehm-\nlich aber im vierten Capitel: „Rückblick und Umblick\"\n67 —142), eine Wolke von Zeugen aufgerufen, als Eides-\nhelfer für die Wahrheit, dass man sich um die negative\nKritik nicht zu kümmern habe, dass der Fortschritt doch\nkomme, dass grosse Geister verkannt werden u. s. w.\nSolchen Gegnern gegenüber vertritt nun der Verfasser\ndie positive Kritik, d. h. zunächst die Darstellung vom\nFortschritt, von Alt und Neu, vom Drama der Zukunft,\nzwischenein die unermüdliche Lobpreisung des gefeierten\nHelden. Welches ist aber der Kern jener Position, die uns\ndargebracht wird? Das Alte habe sich ausgelebt, habe\nseine Zeit gehabt, es sei ein gewesener Standpunkt, über\nden man hinausgehen müsse, um ein Neues zu finden, das\nzeitgemäss und zukünftig sei. Dieses Neue aber bestehe in\nder Vollendung der Oper zum Drama, dem Kunstwerke\nder Zukunft, und Wagner habe die That des Genius voll-\nbracht, den Weg dahin zu bahnen. Das ist der Kern.\nWie wenig nun die Kategorieen Alt und Neu an sich\nbesagen, ist jedem deutlich, der die Aufgabe aller Kunst\nerkennt, Ewiges ans Tageslicht heraus zu bilden, was die\nSpuren zeitlicher Vergänglichkeit abgestreift hat. Definiren,\nwas Zukunft sei (45), ist vollkommen überflüssig, weil\ndas Jedermann weiss**); den absoluten Fortschritt noth-\nwendig nennen (45), ist, wir wagen nicht, zu sagen:\nUnsinn, aber es ist mindestens ungeschichtlich, da erweis-\nlich manche Kunst und Wissenschaft stillständig geworden\nist oder verblüht und versunken. Ob der Spitzname Zu-\nkunftsmusik richtig oder übel gewählt sei (46), trägt\nzur Antwort auf die Hauptfrage nichts aus. Die Haupt-\nfrage aber ist, übereinstimmend mit Göthe's Rathschlag\n(30), zuerst auf das Was zu richten; ist diese Frage be-\nantwortet, so sehe man auf das Wie. Beides zu erkennen\nund deutlich aufzustellen, ist mühevoll und verdienstlicher\nals der gemalte Kriegslärm der Fanatiker und das eitle\nGezänk über Kritik, Verkennung, Gegenwart, Vergangen-\nheit, Zukunft u. s. w.\n\n*) Etwas pikanter benennt Brendel in seinem Werke „Die Mu-\nsik der Gegenwart und die Gesammtkunst der Zukunft\" (Leip-\nzig, 1855) dieselben Zweifler „seichte, bornirte, gehässige Geg-\nner*' (S. 219). Dies ist, nur in anderer Mundart, dasselbe, was\nbei Müller „Schimpfen, Denunciren, Brutalität\" u. s w. (50).\n**) Dennoch widmet A. B. Marx in seiner „Musik des 19. Jahr-\nhunderts\" diesen und ähnlichen tiefsinnigen Begriffen weit und\nbreite Erläuterungen von Zukunft (173), Fortschritt (16'5);\nStandpunkten (288) u. dglM deren Spitze enthalten ist in dem\nSatze: „Wenn die neue Idee ins Leben tritt; so ist der Fort-\nschritt da!!\" (182.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.3", "texte": "Was hat Wagner sich vorgesetzt? Seine früheren\nSchriften bis zur neuesten herab, welche so eben mit dem\nTitel „Zukunftsmusik\" (Leipzig, 1861) erschienen ist,\nsprechen das Was nicht so bestimmt aus, als dessen Ge-\ngentheil, nämlich was Wagner nicht will. Er will nicht\ndie absolute Musik, die absolute Melodie, die Schablone,\ndie Regeln, den Trödelkram der Scene, die DrehorgeU\nMelodieen, die unpoetischen Operntexte. Er will dagegen\nden fortwährenden Fluss der Melodie und erstrebt die\nVereinigung aller Künste in ein Gcsammt-Kunstwerk, wo\nWort und Ton einander decken in völliger Einheit, die\nübrigen Künste aber als dienende oder helfende hinzutre-\nten (188). Dies ist das so genannte Drama der Zukunft.\nMan sieht leicht, dass die negativen Partieen nur in\nallgemeinster Abstraction aussagen, was Niemand bestrei-\ntet; dass das Böse schwinde, das Gute werde, wünscht die\ngesunde Vernunft überall. Welches nun aber insbesondere\ndie Schwächen und Sünden des Opernwesens sind, als:\nDrehorgel-Melodieen, Trödelkram u. dgl.,— auch darin\nmöchten viele Gegner sogar dem Wagner ohne Hinterhalt\nbeistimmen, daher sicherlich mit ihm beklagen, dass er\nneulich in Paris sogar das tief verachtete Ballet einschwär-\nzen musste, um seine Oper möglich zu machen, freilich\nohne sie damit vom Falle zu retten.\nDie übrigen Negationen sind mehrdeutig. Der Feld-\nzug gegen die absolute Melodie und gegen die Regeln,\nSchablonen u. s. w., das Losungswort des Kampfes, ist\nnun einmal drohend genug geworden, um bei ihm zu ver-\nweilen*).— Also zuerst: was im Sinne der Schule abso-\nlute Melodie genannt wird, ist eben das Kernhafte, das-\njenige, wesswegen die Tonwelt überhaupt eine eigene\nKunst besonderen Lebens erzeugt hat: es ist das Tonbild\nmenschlicher Lebendigkeit, welches sich erhebt auf\ndem elementaren Grunde der Natur-Gestalten des Drei-\nklanges und der Grund-Harmonieen. Hier ruht der We-\nsens-Unterschied**) von Harmonie und Melodie, nicht in\ndem plattverständigen, ja, zufälligen Unterschiede des Zu-\nsammen und Nacheinander der Töne; denn es gibt\nzusammenklingende Melodieen im polyphonen Satze (190),\nund es gibt fortschreitend bewegte harmonische Gänge.—\nA n\nNun, diese absolute, d. h. sich selbst genügende, vollkom-\nmene Melodie soll ein Nichtiges heissen; das will sagen,\nes sei verkehrt, sich nur sinnlich «rgötzen zu wollen an\nsüssen Schmeichelklängen (was u. A. dem Ulibischelf fälsch-\nlich nachgesagt wird 64); die blosse Trällerei thut's frei-\nlich nicht u. s. w. (197). Gut das. Soll aber absolute\nMusik bedeuten die an sich ohne Wort und Commentar\nverständliche, so nimmt es mindestens Wunder, dass Wag-\nner selbst glücklicher ist in manchen absolut musicalischen\nInstrumentalsätzen, die sogar mit seiner Bewilligung durch\nseine Freunde und Genossen öffentlich aufgeführt sind,\nwährend manche seiner dramatischen Tonsätze unklar und\nausser der geschworenen Partei nirgend anerkannt sind.\nDie so genannte unendliche oder fortlaufende\nMelodie (144), welche an die Stelle der alten schablo-\nnenhaften treten soll, ist ein Unding, nicht darum, weil sie\netwa irgend einer vorurtheiligen Definition widerspräche,\nsondern weil aller menschlichen Kunst nothwendig ist,\nwirkliche, d. h. begränzte Bilder zu geben, um überhaupt\nbegriffen zu werden.\nHat dieses Gerede wider ,Regel, Schablone, Schlen-\ndrian, Gewohnheit\" u. s. w. überhaupt Sinn, so bedarf es\ndoch nicht so vielen Getöses, um zu sagen, was Jedermann\nweiss, dass nicht die Regel den Künstler macht. Uebrigens\nwerden diese Stichwörter gar oft mehrdeutig gebraucht,\nob aus eigenem Unverstände, oder um Anderer Unverstand\nzu blenden, urtheilen wir nicht. Unrichtig aber ist, alle\ngegnerische Kritik zu bezichtigen, als verdamme sie Wag-\nner nur, weil er gewisse grammatische Regeln über-\nschritten, obendrein solche, die niemals allgemein bindende\nGesetzeskraft gehabt, z. B. das Verbot der Quinten-Paral-\nlelen. Wenn der Verfasser (auch den Gegnern?) freie Mei-\nnung zu äussern vergönnt (50), so bemerken wir beschei-\ndentlich, dass die wissenschaftliche Kritik mehrmal versucht\nhat, nachzuweisen, wo nicht die Schul-Grammatik, son-\ndern höhere Kunst- und Geistgesetze verletzt sind. Wenn\nz. B. Wagner mit dem mystischen Geheimnisse der Enhar-\nmonie*) ein luftiges Spiel treibt, wenn die Modulation mit\noder ohne Anlass des Wort-Textes in ewiger Unruhe durch\ndie 24 Tonarten dahin flackert, wenn die fremdartigen\nModulationen überwiegen über die organischen einan-\nder ablösenden Verwandtschaften, wenn gährende und gäh-\nnende Tonreihen ohne rhythmische und harmonische Hall-\npunkte endlos hin und wieder ziehen: dann ist es nicht\netwa nur eine Schulregel aus dem Donatus, die verletzt\n\n*) Denn wir verschmähen die scherzhafte Wendung, welche Jean\nPaul einmal gebraucht: „Ich wollte, es wäre hier der Ort,\nvon der Hauptsache zu reden; hiervon ein andermal!\"\nderen Wagner sich in vollem Ernste bedient, Zuk.-M., S. 22,\nja, die unser eifriger Wagner-Herold nicht verschmäht, wo es\ngalt, den Kern seiner Theorie klar zu machen! S. 44,\nZ. 16. S. 67.\n**) Welchen Wagner selbst sehr treffend ausdrückt in: rOper und\nDrama\", 1, 173, hier im Buche S, 143.\n*) Welche ja keineswegs, wie A. B Marx wiederholt versichert,\neine blosse ort b ograph isch e Variation ist! Comp.-Lehre,\nEd. 11., 1, 180 u. öfter. Mozart's und besonders Beet-\nlioven's Enharmonieen beweisen das Gegentheil; bei Chopin\nsind die Enharmonieen oft tiefsinnig herrlich, und zwar eben\ndarum mystisch wirksam, weil eis und des u. s. w. grund-\nverschiedene Töne sind; bei Liszt freilich klingen sie lin-\nkisch und verrückt.\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.4", "texte": "wird, sondern der gesunde Verstand; und es sind nicht\nnegativ kritische Schrullen, sondern ewige Gesetze, welche\nlehren, dass in der schönen Kunst Schönheit walte, und\ndass die Schönheit vor Allem gesund sein soll, um Leben\nzu wirken. Eben so steht es mit der gefürchteten Scha-\nblone. Ist damit gemeint irgend ein todtes Gehäuse ab-\ngebrauchter Rahmen, so taugt sie freilich zur Schönheit\nnichts und wird wohl von aller echten Kritik verurtheilt\nwerden. Ist aber damit gemeint im Allgemeinen das Ty-\npische, der Typus einer Zeit, eines Stiles, eines Künstlers,\nz. B. die rhythmische Periode, die in Bach, Mozart und\nBeethoven die klarste Vollendung errungen hat, so gehört\ndieses Typische allerdings zum Wesen der Kunst. Typus\nund Freiheit verhalten sich wie Ethos und Pathos, die im\norganisch gesunden Zustande untrennbar verbunden sind.\nFreilich gibt es der Schablonen gar mancherlei, selbst bei\nWa gner, der u. A. nicht erröthet, des Königs Ankunft\njedesmal mit der stehenden Formel vorzutrompeten, die\naul Nüchterne lächerlich, auf Fanatiker verzückend wirkt.\nYV orin sich nun diese erstarrten Typen von lebendigen un-\nterscheiden, erläutert der Verfasser nicht. Wir aber halten\nan dem fest, was uns vielhundertjährige Geschichte zeigt:\nder gesunde Organismus hat feste Typen, z. B. den archi-\ntektonischen Rhythmus sowohl im Steinbau als im Tonbild\nund in der Menschengestalt*). Gibt es nun überall Trivia-\nles neben dem Genialen, oder Schablonen neben den Ty-\npen in der Welt, so erkenne man deren psychischen Le-\nbens-Unterschied, vermeine aber nicht, ein triviales Ge-\nsieht dadurch vom Fluche der Schablone zu lösen, dass\nman die Nase nach hinten malt.\nDie positiven Postulate Wagner's zielen dahin,\nein edles Werk der Vollkommenheit im Vereine aller\nKünste herzustellen (122). Löbliche Absicht! aber wir\nmöchten Thaten sehen. Nicht solche „Thaten**) des be-\nfreienden Geistes\", wie die zeitweise abgelassenen Episteln,\nnach unserem Verfasser „kunstgeschichtliche Denkmäler,\ngediegene Worte der neuen Aera\" u. s. w. (4, 8, 37, 40,\n57, 133 u. a.), sondern wirkliche Thaten, d. h. Werke,\ndie jene Vollkommenheiten darstellen. Dass Wagner\ndiese noch nicht geleistet, gestand er früher selbst; da hiess\nes, man müsse nicht das Werk, sondern die Absicht, die\nTendenz erwägen. Wiederum, wer die Tendenz tadelte,\nward auf die Werke verwiesen; und wer Beides nicht be-\ngriff, dem rieth man, wie noch heule geschieht, mehr-\nmal zu hören; seien doch auch Mozart's und Beethoven's\nWerke das erste Mal nicht verstanden! Diese Lehre ist\nfein ausgedacht. Dass Mozart's Don Juan in Prag, Beetho-\nven's C-mo//-Sinfonie in Wien gleich das erste Mal wie ein\nhimmlisches Wetter eingeschlagen Beides anerkannte\nThatsacben! wird hier ignorirt. Was das mehrmal Hö-\nren angeht, so ist es wie mit der Liebe. Wo nicht beim\nersten Blicke ein Strahl gezündet, der eben die Sehn-\nsucht nach dem Mehrmal erweckt, was hilft mir des\nklugen Meisters Rath: Du musst die Schöne erst zehn Mal\ngesehen haben, um sie schön zu finden! Da würde ich\nerstlich fragen, ob der kluge Meister wirklich so gar klug\nsei, und selbst dann noch langsam glauben an die Mehr-\nmaligkeit, die mir ein hässliches Gesicht—etwa durch Ge-\nwöhnung?— schön machen soll. Nein! wer nicht wie die\nalten Schüler der Weisheit beim ersten Vernehmen\nmit Ohr, Auge und allen Sinnen leise fühlt:\n%l Xt'yeiv dem hilft die Wiederholung nicht. Mag sein,\ndass die Schuld oft auf Künstlers und Hörers Seite gleich\nvertheilt und über ernste Dinge überhaupt ein Endurlheil\nschwer findbar ist, niemals werden wir mit dem Franzo-\nsen sprechen: La repeUtion c\nWie weit es möglich sei, jene „Gesammtkunst\" her-\nzustellen, darüber bat sich früherhin Brendel treffend ge-\näussert: die Sonderkünste seien nolhwendige Entwicklun-\ngen und durch keinen Machtspruch auszulöschen. Auch\nHerder's Postulate (186) werden diese Wahrheit nicht\naufheben. Wort und Ton in mögliche Uebereinstimmung\nzu bringen, ist eine vernünftige Forderung; unwahr ist,\nzu sagen, dass sie sich je völlig decken, so dass Poesie\nund Musik Eins seien. Nirgend decken einander zwei In-\ndividuen völlig, wie schon die Mathematik lehrt, indem sie\nselbst nur mit fingirten oder relativ gleichen Grössen ope-\nrirt; denn nichts ist absolut gleich, als a a, jede Grösse\nist sich selbst gleich. Poesie und Musik sind niemals so\neinig, dass auf keiner Seite ein Ueberschuss des Sonderle-\nbens bleibe (171). Die gesprochene Rede wird nie und\nnimmer durch blosse Selbstentwicklung und Steigerung\nzum Gesänge (147, 153), so wenig, als ein Malthisson'-\nsches Gedicht durch Selhstentwicklung zum Oelbilde wird.\nVersuche doch einer, R. Burn's oder Göthe's Lieder\nohne Kenntniss anderer Compositionen einmal selbst für\nsich zu singen; niemals werden zwei, seien sie begable\nKünstler oder nicht, denselben Ton bringen, den irgend\nein Anderer bereits getroffen. Vergleiche z. B. die Worte:\n„Zu welchem von den Engeln hat er je gesagt\", in Hän-\n\n*) Iin lonbiJde gehört dahin allerdings die von unserem Verfas-\nser geachtete achttactige Periode der Liedform, welche nicht auf\nrationalistischer Zählung beruht (178), sondern auf ursprüng-\nlichen Naturgesetzen. Der Tannhäuser-Marsch, der überall\nBeifall findet, hat solche typische Periode.\n**) Sonderbar, dass der vielgeschmähte Wolfgang Menzel die-\nsen Terminus, in dem sich die neuzeitliche Rede so wohl fühlt,\nzuerst gebraucht hat, vor dreissig Jahren, im Eingange seiner\nLiteratur-Geschichte: „Das deutsche Volk ist arm an dem,\nwas man sonst Thaten zu nennen pflegt .. .; doch Worte gibt\nes, die selber Thaten sind lu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.5", "texte": "dePs Messias und Bach's Weihnachts-Oratorium, wie grund-\nverschieden sind sie betont, beide Mal trefflich! Und wo\nbliebe, jenes Princip zugestanden, das Postulat der Künst-\nler-Individualität? (45.) —Ob es richtig sei, dass je-\ndesmal das Wort, worin das Haupt-Thema des Gespräches\nliegt, hoch und stark gesprochen werde (153), darüber\nbefrage man die Schwerhörigen, die auch vom besten\nRedner meist eher das Accidentielle als das Substantielle\nverstehen. Wie aber Rede und Gesang wesentlich ver-\nschieden seien, das bezeugt wider des Verfassers Absicht\nsein Gewährsmann Heinse (147), und längst hat es Ari-\nstoxenus bezeugt (ed. Meibom, S. 18), indem er den\nUnterschied des Loyiodagund aus Intervallen-\nVerhältnissen nachweis't: tö de\nfitJ.og ty. d'iaorrjuä>to)v ovvtotrjxev.\nDen Uebergang aus der logischen in die musicalische\nRede bildet das Recitativ, welches nicht mehr reiner\n\\oyogund noch nicht reines ist. Dagegen die Me-\nlodie, das eigenlebige Tonbild menschlich seelhaften In-\nhalts, ist in feste Umrisse Typen, nicht Schablonen\ngeschlossen. Diese Grundwesenheit verwerfen und an ihrer\nStatt die gränzenlose Qotjbringen, ist der Kern der neu-\ndeutschen Schul-Doctrin! Der Wechselbalg der Unlied-\nlorm, die endlose, mit zwischenein getröpfelten Melismen\ndurchwirkte Recitation ist eine Entwicklungskrankheit, ein\nmisslungener und ewig misslingender Versuch, den platten\nVerstand mit kunstherrlichem Tonbilde zu vermitteln.\nWie bedeutsam auch die reinen nnd die ariosen Recita-\ntive bei Bach, Händel, Mozart u. s. w. ausgestattet seien,\nbei aller Gedanken-Schönheit kann doch das Herz nicht\ndarin weilen; sie sind treibende Elemente, die wir, allein\nerscheinend, ohne typisch melodische Tongestalten, gar\nnicht ertragen könnten. Ein grösseres Tonstück ohne Re-\ncitative ist möglich, ohne Melodieen unerträglich.—Fort-\nlaufende Melodie in vernünftigem Sinne könnte nur\nbedeuten die polyphone (contrapunktische) Durchführung\neiner oder mehrerer Melodieen, dergleichen aufs herrlichste\ndie heiligen Lieder Palestrina's enthalten; einen Ansatz\ndazu zeigt auch Wagner in dem Lohengrin-Chor, der den\nankommenden Schwanen-Rilter begrüsst, seinem gelun-\ngensten Werke.\n(Schluss folgt.)\n\nDie Tonkünstler-Versammlung in Weimar und die\nDeutsche Musik-Zeitung in Wien.\nDie Nummer 33 der Deutschen Musik-Zeitung ent-\nhält eine Correspondenz aus Weimar vom 5. Au-\ngust über die dortige Tonkünstler-Versammlung\nund die musicalischen Aufführungen bei dieser Gelegen-\nheit, welcher wir einige INoiizen entnehmen, da man uns\nvon Weimar aus nicht schreibt —die Einen aus löblichen\nGründen, weil sie die Hoffnung aufgeben, uns zu bekeh-\nren, die Anderen aus Feigheit, um es mit Diesem und Je-\nnem nicht zu verderben.\nWir ersehen daraus, dass am o. August nach Anhö-\nrung der doppelchörigen Motette: „Singet dem Herrn\nein neues Lied\", von J. S. Bach sämmtliche Anwesende\nsich zur ersten Sitzung versammelten.\n„Die Versammlung beschäftigte sich in der ersten\nSitzung nach einigen einleitenden Worten des Herrn Hof-\nCapellmeisters Dr. Liszt und dem Eröffnungs-Vortrage\ndes Herrn Kedacteurs Brendel mit der Berathung der\nStatuten für den zu gründenden Musik-, Tonkünst-\nler-Verein, wie dieselben in der Nummer vom 7. Septem-\nber 1860 der Neuen Zeitschrift und in einem nachträglich\ngedruckten, hier vertheilten Zusätze enthalten sind.\"\nUeber die Zwecke der Versammlung seit 1859 erfah-\nren wir Folgendes:\n„Bei der Versammlung in Leipzig im Jahre 1859\nstanden drei grosse Concert-Aufführungen mit Chor und\nOrchester im Programm, nebenbei Seb. Bach's 11-mott-\nMesse, die Messe Liszt's, neben Schumann's Manfred-\nOuverture R. Wagner's Einleitung zu Tristan und Isolde\nstellend. Das kostspielige Unternehmen wurde nur aus-\nführbar durch die Munificenz eines (ungenannten) Kunst-\nMäcen s. Neben dem Schönen und Interessanten, das diese\nAuswahl bot, trat aber zugleich die Absicht der Unterneh-\nmer, vorzugsweise neue Kunsterscheinungen zu verbreiten,\ndeutlich hervor; ein von Herrn Louis Köhler aus Kö-\nnigsberg eingebrachter Antrag sprach dies entschieden und\numfassend aus. Er verlangte die Bildung eines allgemeinen\ndeutschen Tonkünstler-Vereins. Durch jährlich zu zahlende\nBeiträge der Mitglieder sollte die Aufführung neuer Kunst-\nwerke bei den regelmässig abzuhaltenden Versammlungen\nermöglicht, zugleich aber auch allmählich ein Capital zur\nUnterstützung hülfsbedürftiger Künstler angesammelt wer-\nden. Das Besultat war die Bestimmung: eine Commission\nsollte die Statuten entwerfen und der nächsten Versamm-\nlung zur Berathung vorlegen. Zugleich aber unterzeichne-\nten gegen hundert Anwesende diesen Beschluss und bilde-\nten also zunächst den Stamm des Verbandes. Die zweite\nVersammlung ist nun in diesem Jahre zu Stande gekom-\nmen. Wie in der vorigen ist die Ausführung grösserer\nKunstwerke durch die Munificenz eines Mäcen's ermöglicht\nworden. Der eine Zweck des Vereins: Verbreitung der\nWerke jüngerer Künstler, spricht sich in den für das 3.\nFest-Concert bestimmten Vorträgen von Manuscriptwerken\nvon Componisten der Jetztzeit unumwunden aus. (S. unten.)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.6", "texte": "„Die ersle Besprechung nahm gleich Anfangs, trotz\nder Bemühungen des Herrn Brendel, eine zu grosse\nBreite an, indem sie mehr als nöthig mit Einzelheiten sich\nbefasste, und man so nach langer Sitzung nur über die\nallerersten Paragraphen hinweg kam.\n„Um 4 /iUhr war die Aufführung von Beethoven's\nMissa solemnis unter der Direction des Herrn Musik-Di-\nrectors Biedel aus Leipzig. Ausführende waren: die\ngrossherzoglich weimar'sche Hofcapelle unter Mitwirkung\nauswärtiger Künstler, der Biedel'sche Gesang-Verein aus\nLeipzig, der Montag'sche Gesang-Verein aus Weimar, Frau\nDr. Beclam, Fräul. Lessiak, beide aus Leipzig, Herr\nJohn aus Halle (statt des im Programm aufgeführten\nHerrn Dr. Geyer aus Berlin), Herr Wallenreiter aus\nWeimar, Herr Dr. Damrosch (Violin-Solo). Die Auf-\nführung darf man in ihrer Gesammlheit als eine gelungene\nbezeichnen, wiewohl die Schwierigkeiten des noch unbe-\nkannten Werkes sehr erheblich sind, und die Thätigkeit\nder Sänger und Spieler, die ohnedies durch die drückende\nHitze in dem mit Zuhörern überfüllten Baume genug zu\nleiden halten, durch den Einfluss der Akustik der Kirche\neher gehemmt als gefördert wurde. Dass manche Mängel\nvorkamen, dass namentlich der Sopran einige Mal deto-\nnirte, nimmt dem obigen Urtheil nichts; genug, dass die\nSängerinnen das fast Unmögliche beinahe möglich gemacht\nhaben. Insbesondere verdient die Sicherheit, mit welcher\nFrau Dr. Beclam ihre Partie vollkommen beherrschte\nund mit Kraft, Entschiedenheit und Geschmack ausführte,\ndie rühmlichste Erwähnung.\"\nBald danach bricht die Correspondenz mit „Fort-\nsetzung folgt\" ab.\nDas oben erwähnte Programm des dritten Tages macht\nuns mit folgenden Werken der neuen Schule (nicht: „der\nneudeutschen Schule\", wie die Correspondenz, der\nAnmaassung der Jünger derselben gemäss, sagt, denn ge-\ngen diesen Ausdruck muss jeder deutsche Componist ener-\ngisch protestiren!) bekannt:\nErster Theil: „Germania\", Hymne von Strachwitz,\nvon Felix Dräseke; Orchester-Phantasie von Otto\nSinger; „Das Grab im Busento\", Ballade von Platen,\nvon Wendelin Weissheimer; Concertstück für Vio-\nline in Form einer Serenade von Herrn Dr. Leop. Dam-\nrosch; Lieder von H. v. Bülow und E. Lassen. Zwei-\nter Theil: Ouvertüre Pastorale von Karl Stör; „Helge's\nTreue\", Ballade von Strachwitz, von Felix Dräse ke;\nTerzelt aus „Der Barbier von Bagdad\" von Peter Cor-\nnelius; zweites Concert (A-dur) für Pianoforte und Or-\nchester von Franz Liszt, gespielt von Herrn Karl Tau-\nsig. Dritter Theil: Scherzo von Otto Bach; „Ariadne\naufNaxos\", dramatisches Gedicht von Ph. Krebs, Musik\nvon Max Seifriz, erster Act, Nr. 1 und 2. —Eine\nschöne Musterkarte der Zukunft!\nBegierig auf die „Fortsetzung\", lasen wir in Nr. 34\nder Deutschen Musik-Zeitung auf einmal:\n„Die Bedaction dieses Blattes ist nicht in der Lage,\nihren Lesern die eben eingelaufene Fortsetzung und den\nSchluss des in der vorigen Nummer begonnenen Correspon-\ndenz-Berichtes mitzutheilen, aus Gründen, welche eben so-\nwohl der Herr Einsender wie unsere geehrten Leser er-\nrathen werden nach dem Pröbchen in der vorigen Num-\n%\nmer, das wir leider wir bekennen: es geschah in einer\nschwachen Stunde mitgelheilt haben. Der Erstgenannte\nverkennt thatsächlich die Tendenz dieser Zeitschrift, wenn\ner meint, wir vermöchten den Bestrebungen der Weima-\nraner und gar dem jetzt gegründeten „ „Tonkünstler-Ver-\nein\"\" auch nur die geringste Berechtigung zuzugestehen,\noder wenn er glaubt, wir müssten die in unserem Pro-\ngramm verheissene „„Gerechtigkeit\"\" bis zur Schwäche\ngegenüber kunstmörderischen Tendenzen und pfiffig ange-\nlegten Anstalten ausdehnen. Mit so genannten „„libe-\nralen\" \" Gesinnungen, mit milden Ansichten über gewisse\nSpelunken, welchen Bach und Beethoven als lockende\nund imponiren sollende Aushängeschilder dienen müssen,\nist unserer Zeitung nicht gedient.\"\nWir gestehen, dass wir mit diesem Verfahren der ge»\nehrten Collegin in Wien nicht übereinstimmen. Wir hal-\nten es für sehr erspriesslich und nothwendig für die gute\nSache der Musik, oder richtiger für die Sache der guten\nMusik, dass unsere Leser über das Wesen der „neuen\"\nTonkunst und über die Art und Weise, wie die Neu-\nbündler sich und ihr Treiben an- und herausstreichen,\ndirect aufgeklärt werden, und das kann nicht wirksamer\ngeschehen, als durch Mittheilung ihrer eigenen Manifeste\nund Offenbarungen. Es verlauten selbst aus den Kreisen\nder Freunde der „Niederrheinischen\" und der „Deutschen\nM.-Z.\" doch hier und da vereinzelte Stimmen, die da mei-\nnen, wir thäten den Neubiindlern zuweilen Unrecht, wir\nwären zu unnachsichtig und rücksichtslos gegen die Leute,\ndie in bescheidenem Vertrauen auf ihre Werke den besten\nWillen für die Zukunft der Musik hegten.\nDergleichen gutmüthig Schwankende sind durch nichts\nbesser zu kräftigen, als durch Autopsie, durch Einsicht in\ndie Literatur- und Correspondenz-Werkstätten jener Her-\nren. Wenn sie z. B. über F. Dräseke's Composition der\nBallade „Helge's Treue\" lesen (laut Mittheilung des\nDresdener Journals): „Ein ausgezeichnetes Werk, reich\nan classischen (!) Schönheiten, allgemein anerkannt und\nselbst von den Gegnern bewundert, durch tiefe Innigkeit\nder Empfindung und freie Selbstständigkeit der Form (!?)\nin hohem Grade ausgezeichnet, bietet diese von keinem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.7", "texte": "Componisten der Vergangenheit oder der Gegenwart\nund wahrscheinlich auch nicht der Zukunft übertroff'ene\ngeniale Tonschöpfung die sichere Bürgschaft für die\ngrosse Zukunft, welche der Heros Dräseke\ndurch seine Arbeiten der Tonkunst verschaffe»\nwird\" —, so wird dies sicherlich ein Trunk sein, „der eilig\nnüchtern macht\" und besser wirkt, als die gründlichste\nZergliederung der Missgeburt selbst, von welcher die\nHede ist.\n\nNach Frankfurt am Main.\n(Mu s i ks c h u 1 e.)\nAuf das Schreiben des geehrten Vorstandes der frankfurter Mu-\nsikschule vom 28. August d. J., in welchem wir ersucht werden,\ndie Erwiderung auf F. J. Kunkel's Kritik (in Nr. 17 und 18 der\nSüddeutschen Musik Zeitung) der Prüfung u. s. w., die der Vorstand\nin jener Zeitung Nr. 28 und 29 habe drucken lassen, auch in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung mitzutheilen, müssen wir erklären,\ndass wir dergleichen Aufsätzen, die nur locales und persönliches In-\nteresse haben, keinen Platz einräumen können. Wir haben aus Kun-\nkel's Kritik nur das aufgenommen, „was für Einrich tu n g von\nMusiksc hui en überhaupt Interesse haben konnte\", und\nhaben ausdrücklich gesagt, die scharfe Kritik der Prüfung könne\nweitere Kreise nicht interessiren (Nr. 20, S. 158). Aus demselben\nGrunde haben wir auch einer uns zugesandten „Replik\" auf die\nErwiderung des Vorstandes in der Süddeutschen Musik-Zeitung die\nAufnahme verweigern müssen.\nGern sind wir indessen bereit, Berichtigungen von Thatsächli-\nchem aus der „Erwiderung\" mitzutheilen, wie hiermit geschieht.\n„Folgen wir der Berechnung KunkeFs und nehmen dabei das\ngünstige Anwachsen des Fonds der Mozart-Stiftung in den letzten\nJahren als Maassstab an, so wird es voraussichtlich noch mindestens\n8 bis 10 Jahre dauern, bevor das Conservatorium ins Leben tritt,\nund so lange braucht unsere Stadt doch nicht ohne Musikschule\nzu sein.\n„Wir werden einer Vereinigung mit der Mozart-Stiftung durch-\naus nicht abgeneigt sein, wenn sie sich thunlich erweis't; wenn\nnicht, so bestehen die beiden Anstalten, so lange sie bestehen kön-\nnen; und wir wüssten nicht, warum, wenn sich Frankfurt noch zehn\nJahre lang so vergrössert, wie in den letzten Jahren, nicht alsdann\nhier sowohl wie in Berlin oder Dresden zwei solche Anstalten soll-\nten bestehen können.\n„Unserem Plane macht nun Kunkel ferner den Vorwurf, dass er\nmehr verspreche, als geleistet werde. Unser jetziger gedruckter Plan\nenthält, das sieht jeder Unbefangene, nur das Ailernothwendigste.\nEinen ausführlichen, ins Einzelne gehenden Plan werden wir erst\ndann drucken lassen, wenn wir noch ein paar Jahre Erfahrung ge-\nsammelt haben.\n„Ein gemeinsames Schullocal ist, das bestreiten wir gewiss nicht,\nder Würde eines solchen Instituts angemessen, und wir werden un-\nser Möglichstes thun, unseren eigenen Wünschen nach einem solchen\nzu genügen; aber von so grosser praktischer Wichtigkeit ist es\nnicht.\n„Unsere Einnahme besteht nicht, wie Kunkel sie berechnet, aus\n11 Mal 154 Fl.; denn unser Plan besagt: Einheimische können sich\ngegen ein Honorar von 42 Fl. an einem einzelnen Fache betheiligen.\nHat denn Herr Kunkel bei der Prüfung genau darauf geachtet, wie\nviele Schüler in einem Fache und wie viele in mehreren ge-\nprüft wurden? Wenn er dies gethan, dann urtheile er, ob man uns\nbis jetzt zumutben konnte, ein Local zu miethen.\n„Dass wir den theoretischen Unterricht bei Schülern und Schü-\nlerinnen verschieden behandeln, würde ein Wohlwollender ganz an-\nders auszulegen wissen, als Kunkel.\n„Dass noch keine Creschicbte der Musik gelehrt wurde, geschah\nim Einverständnisse mit den Eltern der betreffenden Schüler. Dieje-\nnigen, welche Anspruch darauf haben, erhalten den Untenicht noch,*\ner hat nur einjährigen Curaus, und da jene Schüler der Anstalt drei\nJahre angehören, so ist noch Zeit genug dazu. Zum Ensemblespiel\nwird sich selten im ersten Halbjahre Gelegenheit finden. Chorge-\nsang ? ... Ein singendes Mädchen und ein paar Knaben im Alter\nder Mutation?? . . .\n„„Nicht einmal ein Prüfungsplan kam am 28. März zu Gesicht\n„Prüfungspläne waren im Saale angeschlagen.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nfioln« Se. Majestät der König haben statt des von Sei-\nten der Stadt angebotenen Bai pare ein Concert auf dem Gürze-\nnich gewünscht, welches am Sonntag den 15. September unter Lei-\ntung des Herrn Capellmeisters Hiller und Mitwirkung sämmtlicher\nhiesiger musicalischen Kräfte Statt finden wird.\nCVefeld, 2. Sept. Gestern wurden unsere Winter-Abonne-\nments- C o n c er t e durch eine sehr gelungene Aufführung von J.\nHaydn's „Schöpfung\" unter der tüchtigen Leitung des k. Mu-\nsik-Directors Herrn Herrn. Wolff vor einem ungewöhnlich zahlrei-\nchen Zuhörerkreise eröffnet. Das Orchester bestand aus 50 lngtru-\nmentalisten, im Chor zählten wir im Sopran 40, im Alt (durch Kna-\nbenstimmen verstärkt) ungefähr eben so viel, im Tenor 35, im Baäs\n40 Mitwirkende. Die Chöre wurden mit Sicherheit und schönem\nStimmenklange ausgeführt und machten einen herrlichen Eindruck.\nDie Solo-Partieen sangen Frftal. Marie Büschgens von hier, Herr\nHill von Frankfurt am Main (Bass) und ein hiesiger Dilettant (Te-\nnor). Fräul. Büschgens hat bedeutende Schritte zur künstlerisch voll-\nkommenen Ausbildung ihrer schönen Stimme und ihres Gesang-Ta-\nlentes gemacht. Herrn Hilles Leistungen sind rühmlichst bekannt;\ner gehört jetzt zu den besten Oratoriensängern. Mit dankbarer Be-\nfriedigung wurde die sehr ansprechende Ausführung der Tenor-Partie\naufgenommen.\nMainz« Die Liedertafel veranstaltete am 18. August ein Mor-\ngen-Concert, in welchem Herr Rühl zum ersten Male als Dirigent\nderselben auftrat. Da wir zur Sommerzeit dahier kein vollständiges\nOrchester zur Verfügnng haben, so wurden nur kleinere Compositio-\nnen mit Ciavierbegleitung vorgeführt, bei denen jedoch Herr Rühl\nsein bedeutendes Directions-Talent, sowohl was das Einstudiren als\ndie Executirung betrifft, recht glänzend bewährte, indem sämmtliche\nGesangs-Vorträge in richtiger Auffassung und fein nuancirter, ge-\nschmackvoller Ausführung nichts zu wünschen übrig Hessen. Die\nbedeutendste Nummer des Programms war Hymne für\neine Sopranstimme mit Chor und Orgelbegleitung, an welche sich\nanschlössen: Gebet von J. N. Schelble, Salve Regina von Haupt-\nmann, Wanderer's Nachtlicd von Schnyder von Wartensee und zwei\nQuartette von Niels Gade, sämmtlich für gemischten Chor. Das Solo\nin der Mendelssohn'schen Hymne sang Fräulein A. Litschner,\nwelche ausserdem noch eine Arie aus den Puritanern und Variatio-\nnen über deu Carneval de Vevortrug und den Ruf einer aus-\ngezeichneten Coloratursängerin rechtfertigte. Herr Leopold Bras-\nsin (jüngerer Bruder des rühmlichst bekannten Pianisten, trug Beet-\nhoven's i'-moZZ-Sonate und einige Salonstücke eigener Composition\nvor. Wir lernten in Herrn Brassin einen talentvollen, mit einem ho-\nhen Grade von technischer Fertigkeit begabten jungen Künstler ken-\nnen, der nicht nur die in jeder Beziehung schwierige Sonate Beetho-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610907-01.1.8", "texte": "ven's grösstenteils mit richtigem Verständnis« und tadelloser Tech-\nnik vortrug — nur die nöthige Kraft schien an manchen Stellen zu\nfehlen —, sondern auch in den kleineren Sachen sich als gewandter\nund eleganter Salonspieler bewährte. Eine Bemerkung können wir\nnicht unterdrücken, wenn sie auch voraussichtlich nichts nützen wird,\ndenn sie bezieht sich auf die meisten Pianisten der neueren Schule;\ndieselbe betrifft nämlich die von Herrn Brassin, wie von so vielen\nseiner Kunstgenossen angenommene unleidliche Manier, mit dem\nganzen Körper zu spielen. AVer je die älteren Meister, Hümmel,\nMoscheles, Thalberg u. s. w gehört und gesehen hat, wird sich mit\nVergnügen der noblen Ruhe erinnern, mit der sie nicht nur die gross-\nten Schwierigkeiten überwanden, sondern auch dem tiefsten Gefühle\nAusdruck zu geben wussten, ohne diesen Ausdruck durch convulsi-\nvische und im höchsten Grade störende Bewegungen des ganzen Kör-\npers verstärken zu wollen. (Südd. M.-Z.)\nIn Graz ist die Stelle eines artistischen Directors des\ns t e i e r m ä r k i s c h e n Musik-Verein s mit 600 Fl. W. W» Gehalt\nzu besetzen. Auskunft ertheilt die Direction d. st. M.-V,, Graz5 Burg-\nstrasse 9. Anmeldung bis 30. October d. J.\nOstentie. Am Samstag den 24. August fand hier ein festliches\nConcert im Casino unter der Direction des Herrn J de Glimes,\nProfessors der Gesangkunst in Brüssel, Statt. Se. Majestät dei Kö-\nnig von Preussen, Prinz Georg von Preussen und der Grossher-\nzog von Baden beehrten die Versammlung der bedeutendsten und\ngewähltesten Kunstfreunde mit ihrer hohen Gegenwart. Die Nach-\nfrage nach Eintrittskarten war so gross, dass mehr als 400 Perso-\nnen abgewiesen werden mussten, wesshalb Herr de Glimes auf Mon-\ntag ein zweites Concert veranstaltete, welches dasselbe Programm\nhatte, aber nicht dieselben allerhöchsten und hohen Kunstgönner zu\nZuhörern. Die ausführenden Künstler waren Signora Trebel Ii und\nHerr Theodor Form es, der k. Hof-Opernsänger von Berlin (Te-\nnor), die Gebrüder de Munck aus Brüssel, Violinist und Violon-\ncellist, und ein Herr Gouchon (?), Pianist. Herr de Glimes hatte\ndas Ganze vortrefflich organisirt und begleitete am Piano. Die Palme\nerrangen die Gesanges-Vorträge, namentlich machte die Verschmel-\nzung der schönen Stimmen der Signora Trebelli und des Herrn For-\nmes einen ausserordentlich schönen Eindruck.\nAm 30. August starb hier Franz Joseph\nGläser, k. Hof-Capellmeister, geboren 1798 zu Obergeorgenthal in\nBöhmen, am bekanntesten durch seine Oper „Des Adlers Horst\"."}]}