{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-09-14-01", "volume": "bmtnabi_1861-09-14_01", "ocr_sha256": "d098ab2f15c1fe53ec3db29beb5f89c75b8bff75bc8398d873775fa5b967fb67", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/09/14_01/bmtnabi_1861-09-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-09-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 322, "texte": "Inhalt.\nEichard Wagner. Von F. Müller (Scbluss). Von E. Krüger. — Theodor Zimmers (Nekrolog. — Der rnnsicalischp\nTheil der Feste in Antwerpen — Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Press-Angelegenheit — Das voigtländische Sängerfest zu\nSchleiz — Paderborn, Concert — Weimar, Dr. Franz Liszt — Musik-Director von Herzberg)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-09-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "292", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.2.2", "titre_corps": "Richard Wagner. Von F. Müller.", "titre_sommaire": "Richard Wagner. Von F. Müller.", "signature_source": "E. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.1", "debut_caractere": 324, "fin_caractere_exclue": 4166, "texte": "Richard Wagner. Von F. Müller.\n\n(Schluss S. Nr. 36.)\nStellt nun die neudeutsche Schule diesen Bemerkun-\ngen entgegen was Wagner erreicht hat, den Erfolg\nund die Wirkung seiner Werke auf die Masse, so achten\nwir diese keineswegs für verächtliche Zeugnisse, sobald\ndie Thatsache festgestellt ist. Als vollendet (9. 160) erken-\nnen wir die Thatsache aber nicht an; wozu wäre dann\ndas ganze Buch von Franz Müller geschrieben, wenn\nnicht er und die Seinen dürsteten und schrieen nach der\nzu erobernden Anerkennung? wozu der Oberschimpf auf\n„die\" Kritik (54), nämlich die abfällige, wenn sie nicht\nunbequeme Wahrheiten enthielte? Auch finden wir in\nFr. Müller's Schrift wenig von den verheissenen Quellen\nund Urkunden (8), desto mehr Citate, Motto's, Reminiscen-\nzen von dem, was vor ihm ein weiser Mann gedacht.\nWarum sind übrigens von den sehr zahlreichen ungün-\nstigen pariser Zeugnissen, welche die Niederrheinische\nMusik-Ztg. d. J. Nr. 13 —l5 ausführlich wiedergibt, gar\nkeine mitgetheilt? sie gehören doch auch zum Quellen-\nStudium der Wolke von Zeugen, und der verzückt lobende\nGas per in i steht allein. Bisher befinden wir uns noch im\nhitzigen Stadium des Parteifiebers, welches durch die wan-\nkelmüthige Presse nur erhöht, nicht auf sein wahres Maass\ngebracht ist. Wir legen nicht zu viel Gewicht auf Aeusser-\nlichkeiten, wenn wir dennoch bemerken, dass wir ein mit\nköniglichem Pompe aufzuführendes Werk, das der Meister\nselbst noch nicht vollkommen gehört zu haben bekennt,\nnicht für volksthümlich halten. Ueber die pariser und\nwiener Spectakel-Scenen, was ihr wahrer Gehalt gewesen,\nist noch kein Schiedsrichter gefunden. Der Eine sagt, es\nRancune im Spiel, der Andere, etwas salzi-\nger, es habe sich beider Orten um die Claque gehandelt,\ndiese wiederum hange mit zarten Fäden an den Winken\nder morgenländischen Banquiers, die in Paris dem\nabendländischen Mogul zum Trotz eine Baisse veranstaltet\nhätten, worauf dann die wiener Bluts- und Muthsfreunde\npcT antithesin die Hausse gewollt. Beide Inzichten, an sich\nzwar seltsam genug, aber bezeugt von gleich respectabeln\nStimmen, erscheinen desshalb nicht ganz grundlos, weil sie\nwiederholt schon da gewesen seit der neuen Aera, die mit\nH. Heine beginnt. Sei dem, wie ihm wolle: der Verfasser\nselbst gibt Anlass, ihrer zu gedenken, wenn er den Ber-\n1i o z patriotisch geisselt für die Undankbarkeit am gast-\nlichen Deutschland, das ihn einst erkannte und aufmun-\nterte („aufmunterungsbedürftig\", vgl. S. 40), als er im\neigenen Mutterlande verkannt und verfehmt war (180,\n181]; für solche Güte hätte er sich erkenntlich heweisen\nmüssen—laiidare laudatorem, laudari a laudato .... und\nnicht den deutschen Gegnern Wagner's Waffen zum Streite,\nStroh zum Brande liefern sollen! Aber die Nemesis naht!\nLiszt wird vielleicht eine Antwort ablassen, um die\nheuchlerische Perfidie und Blasphemie des Franzosen auf-\nzudecken (179—183)!—Was über Claque und Banquiers\nhier weiter zu sagen wäre, ist so geheimnissvoll offenbar,\ndass wir unsere Leser damit nicht ermüden und es ihrem\nScharfsinne überlassen, mit eigenen Augen zu sehen, wie\nehrlich und unparteiisch die Sache zugeht, wo Lob und\nTadel contractmässig auf Wechsel ausgezahlt wird, seit-\ndem Jakob Meyer Beer diese Kunst systematisch gelehrt\nhat. Uebrigens können wir-Beweise bringen dafür, wie\nschon seit dreissig Jahren leider auch in deutschen Re-\nsidenzen der organisirte Beifall von oben herab be-\nstellt und geleitet war, ganz wie zu Nero's des Tyrannen\nZeit, der dieses Gift in die Kunst zuerst einschwärzte.\nWagner's Streben nach würdigen Opernstoffen\nist vernünftig und löblich. Eine volkstümliche Oper, die\nnicht französisch und italiänisch, sondern deutsch sei nach\nInhalt und Form, das ist ein grosses Ziel, dessen Errei-\nchung zwar schon Händel und Mozart im Sinne trugen,\naber nicht durchführen konnten. Gut, wenn ein Grösserer"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5464, "texte": "kommt, dem es gelinge. „Wagner ist es bereits gelungen\",\nso lautet die oft wiederkehrende Thesis der Partei, bald\nunbedingt, bald zart limitirt. —Ob nun zu diesem Zwecke\ndie Kunst selbst von Grund aus umzugestalten und die bei-\nden schwesterlichen, aber grundverschiedenen Künste des\nWortes und des Tones in untrennbare Einheit zu binden\nseien: diese Frage fühlten wir uns genöthigt, aller Ge-\nschichtserfahrung gemäss zu verneinen. Die theoretische\nBehauptung von der Möglichkeit bringt uns nicht weiter.\nVorerst genügt uns, in den vorhandenen Werken der wah-\nren Meister die specifische, in sich vollendete Kunst zu ge-\nmessen, welche die Mutter der Theorie ist, nicht deren\nTochter. Shakespeares Dramen würden nicht vollkomme-\nner, wenn man durch Musik und bengalische Flammen\nein Gesammtkunstwerk darauf pfropfte; und umgekehrt,\nauch die echte, weil specifische, dramatische Musik ist\nwahrlich vorhanden in den herrlichen Opern von Scar-\nlatti, Purcell und Händel, lange bevor Gluck die\nprosaische Illusion zum Princip erhob. Der aber war bes-\nser als sein Princip, und seine Opern sagen mehr und Hö-\nheres, als seine Dedications-Vorreden.\nJene subjectiven Principien bis ins Einzelne hinein gül-\ntig zu stellen, wie die neudeutsche Schule versucht, ist\nnicht minder consequent, wie manche Irrthümer es schon\ngewesen, die sich durch die äussere Energie ihrer Verthei-\ndiger eine Weile lang behaupten, bis sie vor einem ande-\nren Zeitgeiste zerschellen und die Geschichte sie richtet.\nDass der Genius Wahres und Falsches früher erblicke,\nals Andere, daher zu Zeiten Zukünftiges ahne und weis-\nsage (94, Anm.), ist ganz richtig gesagt, insonderheit vom\nechten, weltbewegenden Genius, der hierin nur die Einfalt\nund Tiefe seines Gemüthes bezeugt. Falsch ist, dass jeder\nGenius nur der Zukunft arbeite, nur von ihr erkannt werde\n(55, 56 u. a.); vielmehr haben Sophokles, Raphael, Shake-\nspeare, Göthe, Mozart ihrer Gegenwart ihre Werke zu-\ngedacht und sind von ihrer Gegenwart mit Begeiste-\nrung empfangen. Wenn es aber wahr sein sollte, dass\nder Genius nur vom Genius verstanden würde (55), so\nwäre das doch bedenklich; ob nun unser Verfasser selbst\nein Genius, oder ob er selbst Wagner nicht verstanden—\nso indiscret sind wir nicht, danach zu fragen; wie aber\nsoll's mit dem süssen Pöbel werden, mit der „Mitwelt und\nNachwelt, die zur Assimilirung des Kunstwerkes ver-\npflichtet sind\" (168)?—Die „Wagner-Frage\" ist eine\nernste Sache, für die Gegner nicht minder, als für Wag-\nner's Freunde. Möge darum auch mit ernster, gründlicher\nForschung in die Sache eingedrungen werden, um die es\nsich handelt. Eben diesen Ernst vermissen wir bei dem\nsonst gewandten, geistreich schreibferligen Verfasser, vor-\nnehmlich in dem Hauptstück IV7., wo eine Reihe von Zeug-\nnissen (darunter einige obscure Namen, z. B. de St. Mard,\nCallieres u. s. w., 75, 76) zusammengestellt wird, ohne\nirgend eine systematische Ordnung weder der Zeit, noch\nder Nationen, noch der Ideen. Und lässt man dies allen-\nfalls hingehen des sonst schätzbaren Materials wegen: so\nnimmt es Wunder, dass der Verfasser getrost alle durch\neinander hinschreibt, mögen sie für oder gegen die\nWagner'sche Thesis von der dramatischen Musik (45, 46)\nzeugen. Denn wenn auch Gluck und Herder, und Les-\nsing theilweise, die Thesis stützen, so spricht dagegen\nWieland offenherzig aus: „Handlung kann nicht gesun-\ngen werden\" (100); Artaud, obwohl dem griechischen\nDeclamations-Principe hingegeben, gesteht doch zu, dass\nnicht alle Prolation, d. h. Mehrtonigkeit, einer Sprech-\nsilbe verwerflich sei (108); Beaumarchais zeigt, wie\ndie Oper weder Tragödie noch Komödie sei (113), und\ndoch dramatisch?! ja, er lobt gar ein einfaches, rührendes\nund fröhliches Lied (117, 118); und H einse, die Haupt-\nAutorität geistreicher Dilettanten, dem bei manchen Unge-\nheuerlichkeiten doch nachzurühmen ist, dass er die Dinge,\nwovon er spricht, selbst erlebt und geschaut hat, behaup-\ntet gar, der Sprach-Accent sei nicht die Quelle der Mu-\nsik (153), schnurstracks zuwider der Auffassung von Ra-\nmeau's Neffen bei Diderot: Musices seminarium accen-\ntus! (15*2.)\nDas platte Illusions-Princip, welches bald geprie-\nsen, bald verworfen wird, sollte billig nach Tieck's und der\nRomantiker emsigen Untersuchungen sein Urtheil empfan-\ngen haben; dessen ungeachtet macht der Verfasser diesen\nüberwundenen Standpunkt wiederholt geltend mit Hülfe\nvieler Citate (105, 113, 125, 149), während unvermerkt\nWieland's Wort einschleicht, wonach die Musik die\nSprache des Singspiels ist, und nach platter Natürlich-\nkeit nicht fragt (99). Will also Jemand durchaus wis-\nsen (wie Muratori, S. 78), ob es je erhört sei, dass eine\nPerson dieselben Worte im gemeinen Leben öfter wieder-\nhole, so lautet unsere Antwort freilich: Ja; aber auch die\n„unwahrscheinliche Wort-Wiederholung\" (79, 80) hat\nmindestens so viel Recht, wie der grüne Wald bei Lam-\npenlicht auf den Brettern, welche die Welt bedeuten.\nWas hier ausführlich über Wagner's Person gesagt\nist im zweiten Hauptstücke, trägt durchaus den Stempel\neifriger Parteiliebe und gibt mehr Reflexionen als That-\nsachen. Die alte Lehre, die sich bei manchem Genius, z. B.\nHomer, Herodot, Tacitus, Wolfram v. Eschenbach u. A.,\nso ziemlich bewährt hat, dass man nämlich das Werk ohne\nWissen vom Schöpfer aus sich selbst verstehen müsse, wird\nhier „relativ berechtigt\" (14) genannt; dagegen ist es\nWagner's—'„solchen Künstlers!\" „gerechte Anforde-\nrung, dass, wer ihn verstehen wolle, ihn so sehe, wie"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5528, "texte": "er nach Leben und Gemüth u. s. w. wirklich ist\" 14,\n16, 22). Nun, wir erfahren denn —zwar nicht alle ante\nacta von Dresden bis zur Schweiz, wo er, gastlich aufge-\nnommen, ungastlichen Dank erwies u. s. vv. aber doch\ndas Wichtigere: er findet seine „ideale Richtung\"\ndurch die Schriften 11. Heine's und Jung-Deutschlands (16),\ner emplindet Drang nach einer glänzenden Zukunft in Pa-\nris (der nationale deutsche, den Ruhm verschmähende Ge-\nnius! S. 17 —163), fühlt Sehnsucht und heisses Liebes-\nVerlangen (18, 21). Es scheint uns die Sache seines\nSchützlings nicht zu gewinnen, wenn der Verfasser ge-\nwöhnliches Menschenleid, dergleichen auch Andere und\nBessere, als er, durchgekämpft haben, zu einer ungeheu-\nren Windhose aufbläht, die zur Erklärung des Tannhäu-\nser nicht so viel hilft wie das ABC. Unser einem wird die\n„Analyse\" als lieblos verboten (53); der Verfasser dage-\ngen leistet nicht bloss diese, sondern gar eine analytisch-\nsynthetische Exegese (161) des Lohengrin, wo, was wir\ndankbar erkennen, der Versuch einer Position nach jenen\nlangen Verneinungen gemacht wird. Die Thesis zu erwei-\nsen, welche nicht erweisbar ist, gelingt auch hier nicht;\nsonst ist dies die gelungenste Partie des Buches. Die\nganze Persönlichkeit Wagner's aus dem Spiele lassend,\nbemerken wir über seine künstlerische Bedeutung nur\nFolgendes, was ausser der geschlossenen Partei für gültig\nerkannt ist. Die Begabung Wagner's im Ganzen genom-\nmen ist eine mehr dilettantische als künstlerische. Von sei-\nnen poetischen Erzeugnissen ist zuzugestehen, dass sie\nstellenweise zündend oder entzündlich, öfter eintönig, sehr\noft wunderlich und unverständlich, ohne Nachlesen im\nTextbuche kaum zu begreifen sind. Wie kernlos die Ideen\nund unklar die Anlage, zeigt unter Anderem Lohengrin,\ndem es gänzlich an der dramatischen Exposition fehlt. Denn\nden Gral, den das heutige Volk nicht kennt, soll es von\nvorn herein voraussetzen, glauben, ohne zu schauen! Der\nganze Gral-Mythus wird nicht, wie die gesunde Vernunft\n(im Drama) fordert, vor Augen gestellt, sondern hin-\nterdrein—gelegentlich recitativisch erzählt; das Ge-\nll ei mniss des Gral-Ritterthums, der Knotenpunkt der Ka-\ntastrophe, wird nicht motivirt, wie in Wolfram's Parci-\nval, sondern octroyirt. Das soll dramatisch sein? —ln\nWagner's so genannt philosophischen, eigentlich nur dis-\ncursiv kritischen Schriften sind manche geistreiche\ntreffend ausgesprochene Wahrheiten; dennoch das Ganze,\nz.B. in „Oper und Drama\", von ungenügender Wirkung,\nweil Phrase und Subject überwaltet, Object und Gehalt\naber nebelig und unentwickelt sind; daher muss man den\nKern seiner agitatorischen Thesen mehr errathen oder\nselbst hinzudichten, nämlich den Inhalt des Ideals einer\nkommenden Zeit, dessen Notwendigkeit darzustellen\nüberdies ganz andere philosophische Kunst und Gaben for-\ndert, als ihm gegeben sind. lleisst es aber auch bei sei-\nnen theoretischen Werken: „Ihr müsst es zwei Mal le-\nsen!\" so möchten wir einen Preis darauf setzen, wer sich\nals Doppelleser auswiese. Bei diesen sichtbaren und fühl-\nbaren Mängeln, die mehr Schwäche als Uebermuth und\nUeberkralt bedeuten, lassen .wir übrigens Wagner's wirk-\nliches Verdienst ungeschmälert, dass er nicht allein die\nUnwürdigkeit der heutigen Opern-Misere darlegt und geis-\nselt, sondern auch den Weg des Besseren andeutet:\ndie Ausbeutung vaterländischer Sagcnstofle. Solche gute\nAndeutung ist aber noch keine Anbahnung. Wagner ist,\nim besten Sinne genommen, ein Vorläufer, vielleicht der\nVorbote eines neuen Ideals; dass er ein solches mit gestal-\nten helle, wird denen, die sein bisheriges Wirken und Lei-\nsten durchschaut, immer unwahrscheinlicher.\nHaben wir länger als billig bei einem Buche verweilt,\nwelches mehr der Farbe als des Gehaltes willen merkens-\nwerth ist, so scbliessen wir nun, um nicht bloss zu vernei-\nnen, mit dem gegenteiligen Manifeste derer, die für Geg-\nner des Fortschrittes gelten, sich selbst aber für beschei-\ndene Freunde der Kunst hallen. Dass die Kunst in Ehren\nstehe, ist ein Wunsch, den sie mit den Gegnern gemein\nhaben. Solche ehrenwerthe Kunst aber scheint ihnen die-\njenige, welche, wie alles, was grösser ist, als der Mensch,\nzugleich demüthigt und erhebt, die Seele befreit und er-\n✓\nhöht, ein beseligtes Dasein der Verklärung vorstellt. Und\ndas echte Kunstwerk soll die Leidenschaften reinigen, sänf-\ntigen, versöhnen*). Wo es Leidenschaften erregt, führt es\ndieselben auch zum Ziele, welches nicht Zerreissung ist,\nsondern Friede; das gesunde Leben des Ganzen fordert,\ndass das Ethos überwalte, das Pathos aus dem Ethos\nhervorgehe und dahin zurückkehre. Ethos ohne Pathos ist\nmöglich, Pathos ohne Ethos ist Krankheit und Unsinn.—\nWie man von einer vernünftigen Rede verlangt, dass sie\nheute verstanden werde, nicht übers Jahr, so ist es auch\nkein unbilliges Verlangen, das Kunstwerk in der Gegen-\nwart zu verstehen und nicht monumental aufs Elysium\nvertröstet zu werden. Die echte Kritik—z. B. die von 0.\nJahn und Fr. Chrysander geübte—, welche »von\neinem festen, klaren Ideal getragen wird\" (3*2), kann nichts\nAnderes wollen, als dass das gesunde Schöne ins Leben\ntrete. Darum strebt sie im Kunstwerke vor Allem das\nSeiende zu erkennen, das substantielle Ethos, den\nLebenskern; erst nach ihm wird das accidentielle Beiher-\nwerk, die Zierathen, Effecte und Zufälligkeiten erwogen.\nUnbekümmert, so weit das möglich, um den Geist der Zeit\n(136), trachtet sie gleichwie der echte Künstler dem\n\n*) S. 78 wird Quintilian als Gewährsmann dieses Satzes aufge-\nführt, den zuerst Aristoteles gesprochen hat.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 751, "texte": "Ewigen nach. Ihrer Schranke wöhl bewusst, sucht sie, dem\nGegner gerecht zu werden, ihn zu hören, innerlich zu ver-\nnehmen, und fühlt diese „musicalische Pflicht\"*) eben\njetzt um so dringender, je mehr sich die Tonkunst bethä-\ntigt als grosse, ja, dämonische Lebensmacht zum Heil und\nVerderben der Seelen.\nDamit wir den Verfasser überzeugen, dass wir sein\nBuch nicht flüchtig gelesen, führen wir zum Behuf einer\nverbesserten zweiten Auflage diejenigen Druck- oder\nSchreibfehler auf, die uns aufgefallen sind in dem übrigens\nsehr wohl ausgestatteten Drucke:\nS. 165, 7 hervorquillend, statt quellend, vergl. 197,\n5, und S. 187, 17 Musik, statt Poesie. S. 164, 18,\n19 ist eine unverständliche Stelle, ob verdruckt, ist uns\nnicht klar geworden.\n\nE. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-09-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "294", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.2.3", "titre_corps": "Theodor Zimmers.", "titre_sommaire": "Theodor Zimmers.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.4", "debut_caractere": 753, "fin_caractere_exclue": 5250, "texte": "Theodor Zimmers.\n(Nekrolog.)\n\nVor wenigen Tagen geleiteten die Bürger Aachens\nin grosser Anzahl einen Mann zu seiner letzten Ruhestätte,\nder seit sechszig Jahren als braver, wackerer Künstler un-\nter ihnen lebte und wirkte, und dessen Bedeutung für die\nStadt Aachen und ihren musicalischen Fortschritt nicht\nunterschätzt werden darf.\nTheodor Zimmers ist es, von dem wir reden,\nTheodor Zimmers, dessen Compositionen seit vierzig Jah-\nren in allen Kirchenchören gesungen wurden, und die\nsich sowohl durch Deutschland, als durch Belgien und\nFrankreich weit verbreitet haben, Theodor Zimmers, des-\nsen hervorragendes Unterrichts-Talent eine grosse Menge\nvon musicalischen Schülern und Schülerinnen in unseren\nMauern und auswärts herangebildet hat, von denen sehr\nviele Tüchtiges leisten und ihrem Lehrer Ehre bereiten.\nZimmers erblickte das Licht der Welt am 6. Decem-\nber 1783 in Aachen und verliess diese Stadt nie bis zu\nseinem am 24. August d. J. erfolgten Lebensende, brachte\nalso 78 Jahre unter uns zu. Einer achtbaren Bürgerfa-\nmilie entsprossen, wandte er sich bald durch Neigung und\ninneren Trieb zur Musik hin, die er Anfangs als Dilettant\nbetrieb und erst dann als Lebenszweck erfasste, als äussere\nUmstände und der Rath seiner vielen Freunde, die seine\nüber das Gewöhnliche hervorstechende musicalische Bega-\nbung erkannten, ihn in die Bahn führten, in welcher er\nspäter so schöne Erfolge errang. Mit dem musicalischen\nUnterrichte sah es in den Jahren, wo Zimmers zu lernen\nbegann, ziemlich schlecht in unseren Mauern aus; die stür-\nmische, allem künstlerischen Streben abgeneigte Zeit liess\nweder Lehrer noch Lernende aufkommen. Er war daher\nfür sein Fortkommen in der musicalischen Kunst mehr auf\nseinen eigenen Fleiss angewiesen, und man könnte ihn\nnicht mit Unrecht sowohl in Bezug auf Composition als\nauf Clavierspiel einen Autodidakten nennen.\nAls er es dahin gebracht hatte, dass er am Clavier\ngeläufig und mit Sicherheit den Gesang begleiten konnte,\nzog ihn der damalige musicalische Mäcen Aachens, der\nauch in weiteren Kreisen bekannt gewordene Dr. Sol-\nders, zu seinen häuslichen musicalischen Aufführungen\nheran, und hier war es, wo das aufstrebende Talent des\njungen Mannes Nahrung und Entwicklung fand. Hier\nwurde viele und gute Musik gemacht, hier war der Cen-\ntraipunkt, wo sich fremde nnd einheimische Künstler ver-\nsammelten; und so wie er dadurch das Beste jener Zeit zu\nhören bekam und selbst thätig mit eingriff, so bot ihm auf\nder anderen Seite die reichhaltige musicalische Bibliothek\nseines Gönners Gelegenheit, zu lernen, die Meisterwerke\nMozart's, Haydn's und ihrer Zeitgenossen Winter, Martini,\nPaesiello, Cimarosa, Righini u. s. w. zu studiren und seine\nKenntnisse der musicalischen Composition zu vermehren.\nDer öffentlichen Aufführungen waren damals wenige, das\nVereinswesen war so gut wie gar nicht ausgebildet; allein\nzuweilen versammelten sich die zerstreuten Kräfte doch zu\neiner musicalischen Gesammt-Production. So hatten wir\nnoch vor Kurzem Gelegenheit, einen Concert-Zettel aus\ndem Jahre 1803 oder 1804 zu sehen, laut welchem im\nRedoutensaale „Die Schöpfung\" von Haydn durch ein Or-\nchester von etwa dreissig und einen Chor von zwölf Mit-\ngliedern, Herren und Damen, aufgeführt wurde. Solche\nConcerte dirigirte damals Herr Dr. Solders, und Zim-\nmers war am Clavier.\nAllein nicht immer blieb er am Clavier. Während des\naachener Congresses 1818, so wie lange vor und nach\ndieser Zeit, sehen wir ihn selbständig die Concerte\nAachens vorbereiten und leiten, sehen ihn, wie er vor den\ngekrönten Häuptern des Congresses in kurzen Beinkleidern,\nweissseidenen Strümpfen u. s. w. seine Stellung am Diri-\n\n*) H. v. Bronsard hat ein Buch dieses Titels geschrieben, wel-\nches in Leipzig bei Matthes die zweite Auflage erlebt hat. Wir\nempfehlen das Büchlein allen denen, die über die „Ehrlichkeit,\nHoheit und Uneigennützigkeit des Triumvirats Berlioz, Liszt\nund Wagner\" sich näher unterrichten wollen. Berlioz, das\nist das Spasshafte bei der Sache, ist hier bei Bronsard noch\n(ganz richtig) zur Wagner'schen Richtung gerechnet, während\nFr. Müller ihn schon als Abtrünnigen ächtet, ja, eigentlich\nals nimmer Freund gewesenen brandmarkt. Wagner contra Ber-\nlioz ist übrigens schon zu lesen in der augsb. Allg. Zeitung,\n1852, Nr. 351, nach einem Aufsatze in den Grenzboten. Was\nwäre an dieser kritischen Misere zu erwähnen, wenn nicht\njene Zuklinftler in Einem fort docirten und excerpirten und\nregistrirten, was dieser und jener über diesen und jenen ein-\nmal gesagt!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5407, "texte": "gentenpulie einnimmt und Concerte zum Besten der Armen\nleitet, die unserem Armen-Budget einen Reinertrag von\n7000 Fr. zuführten, wie er unter Anderen die Sängerin\nGatalani so vortrefflich begleitet, dass diese ihm glän-\nzende Proposilionen macht, um mit ihr nach Italien zu rei-\nsen, welche Propositionen ihn zwar einen Augenblick\nschwanken machten, jedoch nicht bewegen konnten, seinen\nheimatlichen Heerd zu verlassen.\nIn diese Zeit fällt auch seine Berufung als Organist\nan St. Peter, welche Stellung ihm Veranlassung gab, sich\nmit Kirchenmusik mehr zu beschäftigen, als es vielleicht\nbis dahin der Fall gewesen. Denn war auch Oratorien-\nund Kirchenmusik dem Kreise, welcher sich um Dr. Sol-\nders gebildet, nicht fremd, so war doch das dramatische\nElement, die Opernmusik, vorherrschend. Die neue Stel-\nlung als Organist aber wurde ihm ein Anfeuerungsmittel,\nsich zunächst mit den Compositionen für die Orgel und\ndem. was die grossen Meister seit Seb. Bach uns für die-\nses Instrument aller Instrumente überliefert haben, näher\nbekannt zu machen, dann auch die Gesangwerke für die\nKirche eifriger zu studiren, indem ihn von vorn herein die\nIdee beschäftigte, zu St. Peter einen tüchtigen Gesangchor\nzu schaffen und heranzubilden. Und dieser edleren, ernste-\nren Muse der Kirchenmusik ist er dann auch bis an sein\nEnde treu geblieben; in ihr lebte und webte er, und in\nihrer Sphäre hat er sich auch für die Nachwelt verdient\ngemacht.\nZunächst für seinen heranwachsenden Kirchenchor\nschreibend, schuf er eine Menge vom Leichteren zum Schwe-\nreren fortschreitender drei- und vierstimmiger Messen, Can-\ntaten, Tedeums, Benedictionen u. s. w., welche er nachher\nzum Theil in Druck herausgab, und die vermöge ihrer im\nGanzen leichten Ausführbarkeit, ihrer schönen rhythmi-\nschen und melodischen Gestaltung bald Gemeingut aller\nKirchenchöre wurden und noch heute in vielen derselben,\nnamentlich aul dem Lande, das Haupt-Repertorium bilden.\nDiese Werke schrieb er meist mit Orgelbegleitung, instru-\nmentirte jedoch manche derselben für den Gebrauch in\nunserer Domkirche, wo bekanntlich an jedem Sonntage\neine musicalische Messe mit ganzem Orchester aufgeführt\nwird. Ja, später, als er Dom-Organist wurde und mit die-\nsen regelmässigen sonntägigen Aufführungen in nähere Be-\nrührung trat, componirte er noch mehrere grössere Messen\nund Cantaten mit vollständigem Orchester für diesen Zweck,\ndie zum Theil noch im Gebrauche sind. Alle diese Werke\ncharakterisirt der Stempel inniger Frömmigkeit, starken\nGlaubens und freudiger Hoffnung. Vom Standpunkte der\nKunst aber begegnen wir in denselben einem frischen,\nproductiven Geiste, abgerundeten künstlerischen Formen,\nschönen, wenn auch nicht immer neuen, Melodieen, vielem\nFluss und Schwung und mitunter werthvollen contrapunk-\ntischen Gestaltungen.\nIndess beschäftigte er semen Kirchenchor zu St. Peter\nnicht bloss mit seinen Werken; er benutzte diese eigent-\nlich nur als Uebungsstufen zu den schwierigeren Messen\nund Cantaten von Haydn, Mozart, Beethoven (C-dur), Che-\nrubini u. s. w., die später in dem Ilepertorium seines Chors\nvorherrschten. Der Chor wuchs aber nach und nach so\nan, dass die Räumlichkeiten zu enge wurden, und die\nLebung, welche Sänger und Sängerinnen hier genossen,\nkam anderen musicalischen Bestrebungen unserer Stadt, so\nwie auch den damals entstehenden rheinischen Musikfesten\nzu Gut. Gegen das Jahr 1825 oder 1826 wurde die Stelle\ndes Dom-Organisten vacant und Zimmers alsbald zu der-\nselben berufen, da man auch nicht leicht einen Würdige-\nren zu diesem Posten hätte finden können. Denn in der\nBehandlung der Orgel war er Meister, und seine Impro-\nvisationen auf derselben waren derart interessant, dass viele\nMusikfreunde unsere Domkirche desshalb vorzugsweise be-\nsuchten, um ihn prä- und interludiren zu hören. Das neue\nAmt hielt ihn indess nicht ab, seiner Schöpfung, dem Chor\nvon St. Peter, zugleich seiner Pfarrkirche, die nöthige Auf-\nmerksamkeit zn widmen. Er studirte mit demselben fort\nund leitete seine Aufführungen vor wie.nach, bis er end-\nlich einen tüchtigen Nachfolger auf diesem Orgelstuhle\nfand und seine öffentliche Wirksamkeit nun auf den Dom\nbeschränkte.\nAls man im Jahre 1819 zur Bildung eines städtischen\nVereins für Gesangmusik schritt, war es Zimmers, der die\nUebungen am Flügel zu leiten übernahm, und seinem Eifer\nverdanken wir es zum Theil, wenn das ungünstiger situirte\nAachen mit seinen Nachbarstädten gleichen Schritt hielt\nund gleich bei den ersten zu Aachen gegebenen rheini-\nschen Musikfesten (1825, 1829 und 1834) Beweise einer\ntüchtigen Vorbildung im Chor ablegen konnte.\nAls Musiklehrer schon lange vorher thätig, gebührt\nihm der erste Rang unter seinen damaligen Collegen. Viele\nerinnern sich noch dankbar seines Wirkens als Lehrer\nbeim hiesigen St.-Leonhards-Institut, an dem er viele Jahre\nhindurch mit Erfolg thätig war. Zuletzt widmete er noch\neine Zeit lang seine Thätigkeit als Musiklehrer dem Insti-\ntut des Sacre cocur zu Blumenthal bei Vaels auf den be-\nsonderen Wunsch der Obern desselben, bis endlich das\nAlter ihm Ruhe gebot, ihn sogar zeitweilig an der Aus-\nübung seiner Dom-Functionen hinderte, und ihn vor we-\nnigen Tagen nach kurzer Krankheit zu den Vätern bettete.\nSeinem Leichenzuge schloss sich, obgleich die dazu\ngewählte Zeit, Morgens lOV2 Uhr, für Viele eine unge-\nlegene war, eine grosse, unabsehbare Reihe seiner Freunde,\nVerehrer und Schüler an. Die musicalischen Ehrenbezei-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 592, "texte": "gungen hatte die Concordia übernommen; sie sang auf\ndem Wege, den der Zug durch die Stadt nahm, das\nserere nach der gebräuchlichen Choral-Melodie vierstim-\nmig mit Blechmusik-Begleitung, und am Grabe brachte\nsie noch eine Dreizahl innig empfundener Lieder dem An-\ndenken des Mannes dar, dessen Wirksamkeit eine Epoche\nin der Geschichte der musicalischen Zustände Aachens\nbildet.\nEr war ein von allen, die ihn kannten, geachteter und\ngeliebter Mann, dabei anspruchslos und bescheiden. Er\nwar ein tüchtiger Künstler und ein edler Mensch.\nEhre seinem Andenken!\nAachen, den 5. September 1861.\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-09-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "295", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.2.4", "titre_corps": "Der musicalische Theil der Feste in Antwerpen.", "titre_sommaire": "Der musicalische Theil der Feste in Antwerpen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.6", "debut_caractere": 594, "fin_caractere_exclue": 5128, "texte": "Der musicalische Theil der Feste in Antwerpen.\nDie alte, berühmte Künstlerstadl Antwerpen in\nBelgien hatte an den Tagen des 18., 19. und 20. August\neine Reihe von Festen zu Ehren des dorthin berufenen\nCongresses von Malern, Bildhauern und Architekten ver-\n. . *\nanstaltet, die mit seltenem Glänze ins Werk gesetzt wur-\nden. Einen Hauptbestandteil derselben machte das grosse\nInstrumental- und Vocal-Concert aus, welches am 19.\nAugust im Theätre Royal gegeben wurde.\nDas Ganze hatte den Charakter eines Musikfestes. Der\nAusführenden waren 80 Soprane, 72 Alte, 72 Tenöre,\n85 Bässe und 115 Instrumentalisten, dazu eine glänzende\nZuhörerschaft auch der König Max von Baiern war in-\ncognito anwesend in allen Logen und auf den Estraden\nder Bühne, denn der Chor und das Orchester befanden\nsich in der Mitte des Saales auf dem Räume, den sonst das\nParterre und das Orchester einnehmen, und der mit dem\nProscenium auf gleiche Höhe gebracht worden war. We-\nder für den Anblick noch für den Klang war diese salon-\nmässige Einrichtung vortheilhaft, und sie hatte noch das\nKomische, dass die Solisten nach dem Publicum auf der\nScene Front machen und den Zuhörern in den Logen den\nRücken zuwenden mussten. Bei zweckmässiger Raumbe-\nnutzung wäre es ganz gut möglich gewesen, die 424 Sän-\nger und Instrumentalisten auf der Bühne aufzustellen. Die\nWirkung der Musik würde dadurch bei Weitem concen-\ntrirter und noch erfolgreicher gewesen sein, als sie es\nohnedies schon war.\nEs war allerdings ein Wagestück, mit musicalischen\nKräften, die aus ihrer bisherigen Zerstreuung zum ersten\nMale zu einem grossen Ganzen vereinigt waren, Meister-\nwerke deutscher Tonkunst auszuführen und vor einem Pu-\nblicum, das zum grossen Theile aus Deutschen bestand.\nEs hatte denn auch in Antwerpen selbst nicht an Gegnern\ndes projectirten Concertes gefehlt, die einer solchen Nach-\nahmung der deutschen Musikfeste die Möglichkeit des Ge-\nlingens absprachen. Allein das Fest-Comite liess sich nicht\nabschrecken; die Willenskraft des Ausschusses für die rnu-\nsicalische Abiheilung, an deren Spitze Herr Ch. Will-\nmotte stand, so wie der Eifer des Dirigenten, Herrn J.\nCallaerts, setzten das Concert durch, und der Erfolg\nrechtfertigte vollkommen ihre Anstrengungen.\nEs wäre unartig, bei der Beurtheilung der Leistungen\nin den Gesammt-Aufführungen von Werken wie Beetho-\nven's „heroische Sinfonie\", Men delssoh n's -erste Wal-\npurgisnacht\" (mit deutschem Text gesungen), dem XVI!!.\nPsalm von Marcello, einer Weihnachls-Canlate\nvon Orlandus Lassus, dem Ilalleluja von Händel (eben-\nfalls mit deutschem Texte) auf die oben erwähnten Ver-\nhältnisse nicht Rücksicht zu nehmen. Wir können aber\nversichern, dass, auch abgesehen davon, die Aufführungen\npräcis und an allen Stellen, welche Kraft und Feuer ver-\nlangen, schwungvoll von Statten gingen; die Feinheit und\nVollendung der Ausführung, welche ein eingespieltes Or-\nchester oder ein Verein von Künstlern, wie ihn unsere nie-\nderrheinischen Musikfeste versammeln, erreichen können,\ndurfte man natürlich nicht erwarten. Was den Gesang be-\ntrifft, so muss man es in der That bewundern, dass ein\nChor-Verein, der bloss für das Fest gebildet worden, und\ndem zum ersten Male Damen beigetreten waren, die dann\nalle an diesem Abende auch zum ersten Male öffentlich\nsangen, dass ein solcher Verein die Chöre in den ge-\nnannten Werken und sogar ein nicht kurzes Gesangstück\nohne Begleitung so präcis vortrug. Das gereicht den Mit-\ngliedern des Chors und dem Dirigenten, der auch die Ein-\nübung geleitet hat, zu grosser Ehre. Freilich herrschten\ndie Männerstimmen, namentlich die Bässe, vor, wie das\nda gewöhnlich der Fall ist, wo dieselben zum grössten\nTheile aus Mitgliedern von Liedertafeln u. s. w. bestehen,\ndie gewohnt sind, nur in Männerchören zu singen. Aber\nim Ganzen hat der Chor bewiesen, dass Antwerpen auch\neine musicalische Stadt sein kann, wenn es nur will.\nDie Elemente dazu sind vorhanden, und unser aufrichtiger\nWunsch ist, dass die begonnene Cultur des bisher unbe-\nnutzten Bodens fortschreite, dass der jetzt gelegte Keim\ndauernd gepflegt werde, um reiche Früchte zu tragen.\nFreilich würden auch feststehende Uebungen des Orchesters\n(es soll nur wenige auswärtige Mitglieder gezählt haben)\nsehr wünschenswerth sein, wodurch nach und nach bei der\nkünstlerischen Fertigkeit, welche dasselbe zeigte, auch die\nschärfere Accentuation, die richtigere Phrasirung, die Ge-\nnauigkeit des Vortrages der Figuren, Weichheit und Adel\ndes Tones in den Blas-Instrumenten und die feinere Nuan-\ncirung bald heimisch werden würden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1952, "texte": "Als Kometen an dem Sternenhimmel des Concert-\nAbends glänzten Fräulein Artot und Joachim.\nFräulein Artot, eine Belgierin aus Gent, in Deutseh-\nland besonders durch die Triumphe bekannt, welche sie\nals Mitglied der italiänischen Oper in Berlin gefeiert hat,\nbesitzt bei einer umfangreichen und besonders in den tie-\nferen und mittleren Regionen sehr klangvollen Stimme\nEigenschaften, die sie zu einer grossen Sängerin machen\nund ihren Ruf vollkommen rechtfertigen. Dahin gehört be-\nsonders auch eine messa di voce, wie sie heutzutage nur\nnoch sehr selten zu finden ist, da die meisten Sängerin-\nnen— von den Sängern kann in dieser Beziehung gar nicht\ndie Rede sein! nur das schmetternde und vibrirende Aus-\nhalten des Tones kennen, jenen wunderbaren Zauber des\nallmählichen Anschwellens und des nach und nach wie in\nweiter Ferne verhallenden Tones aber hervorzubringen\nnicht mehr im Stande sind. Fräulein Artot hat diese herr-\nliche Wirkung, die einst der Stolz der italiänischen Sänger\nwar, vollkommen in der Gewalt und verbindet damit einen\nSchmelz des Ausdrucks, der für uns ihren Vortrag der Arie\naus Mozart's Figaro: „Deh v(in unvergess-\nlich macht. Alle Coloraturen und Variationen von Rode,\ndie sie später auch sang, geben wir gern hin für jenen rein\nkünstlerischen, Mozart's Töne streng gewissenhaft, ohne ir-\ngend einen Zusatz wiedergebenden Vortrag einer Melodie,\nin der wir die tiefe Innigkeit des Gefühls, verbunden mit\ndem Adel des Ausdrucks, nach langer Entbehrung einmal\nwieder recht im Herzen empfunden haben.\nJoachim spielte das Concert von Beethoven, d. h. er-\nweckte Beethoven's Geist aus dem Todesschlafe in der Par-\ntitur und trug uns auf dessen Schwingen zu den Regionen\ndes ewig Schönen und Grossen empor. Der deutsche Mei-\nster der Violine, an dem „jeder Zoll ein Künstler\" ist,\nwurde mit ehrenvollstem Applaus empfangen und mit wie-\nderholtem Jubel, Hervorruf und Ueberreichung von Krän-\nzen (durch die Damen vom Chor) gefeiert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-09-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "296", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.7", "debut_caractere": 1954, "fin_caractere_exclue": 6694, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* Wien. Press-Angelegenheit. Von Frankfurt am Main\naus war der verantwortliche Herausgeber der Zeitschrift „Recensio-\nnen über Theater und Musik\", Herr Jos. Klemm, wegen einer\nCorrespondenz aus Frankfurt (die bekannten Theater-Scandale be-\ntreffend) gerichtlich belangt worden. Das k. k. Landesgericht wies die\nKlage ab und erklärte namentlich den Antrag der frankfurter Staats-\nAnwaltschaft (!) auf Nennung des Namens des Correspon-\ndenten lür unstatthaft. Das Obergericht hingegen entschied die-\nsem Antrage gemäss. (!) Auf die Berufung des Herausgebers er-\nfolgte indess folgende Entscheidung vom k. k obersten Justizhofe:\n„Ueber die Berufung des Josef Klemm, Buchhändlers und\nReaacteurs der „„Recensionen über Theater und Musik\"\", durch Dr.\nBergei gegen die obergerichtliche Verordnung vom 9. Juli 1861,\nNr. 7208, zufolge welcher mit Abänderung des Beschlusses des k. k\nLandesgerichtes in \\\\ ien vom 18. Juli 1861 angeordnet wurde, der\nRequisition der Staats-Anwaltschaft in Frankfurt am Main gemäss,\nden Josef Klemm als Zeugen zur Namhaftmachung des Verfassers\nund Einsenders eines in Nr. 12 des Jahrgangs 1861 des von ihm\nredigirten Blattes abgedruckten Correspondenz-Artikels zu verhalten,\nhat der hohe k. k. oberste Gerichtshof in der Erwägung, dass die\nzwangsweise Verhaltung eines Zeugen zur Ablegung eines Zeugnis-\nses nach §. 119 der St.-P.-O. nur in so fern Statt findet, als der\nZeuge zur Ablegung des Zeugnisses verpflichtet ist, dass aber eine\nVerpflichtung des Josef Klemm als Redacteur der .. ..Recensionen\nüber Theater und Musik\"\", den Verfasser und Einsender des in\nRede stehenden Correspondenz-Artikels namhaft zu machen, weder\nin den Bestimmungen des allgemeinen Strafgesetzes, noch in jenen\nder Press-Ordnung vom 27. Mai 1852 als begründet angesehen wer-\nden kann, der Berufung des Josef Klemm Statt zu geben und den\nBeschluss des k. k. Landesgerichtes in Wien vom 18. Juni d J\nNr. 10,901, zu bestätigen befunden.\n„Wien, den 27. August 1861.\"\nDas voigtländisclie Sängerfest zu Schleiz am 29.\nund 30. Juli. Es waren folgende Vereine mit ungefähr 1000 Mit-\ngliedern zugegen : zwei Vereine von Gera, drei Vereine zu Pössneck.\ndrei Vereine von Zeulenroda, zwei Vereine von Neustadt, zwei Ver-\neine von Jena, sodann je ein Verein von Greiz, Gefell, Ranis, Hirsch-\nberg, Tanna, Hohenleuben, Ziegenrück, Kahla, Volksmannsdorf,\nWeida, Auma mit Triptis, Reichenbach, Rudolstadt, Saalburg, Ron-\nneburg, Lengenfeld, Gräfenwarth, Lobenstein, Elsterberg, Mühltroff,\nEbersdorf, Köstritz, Marktneukirchen, Kirchenlamitz, zwei Vereine\nvon Schleiz. Das Begrüssungslied von W. Alberti, componirt von\nMusik-Director Graner, wurde vorgetragen, und darauf folgte eine\nAnsprache des Hofrathes Bürgermeister Knoch, an die Sänger.\nDas Kirchen-Concert, welches lll/2 Uhr begann, war gut besucht\nund darf wohl wegen der ausgezeichneten Ausführung als der Glanz-\npunkt des Festes betrachtet werden. Der volle Chor der Sänger\nmachte den herrlichsten Eindruck; auch die Soli, namentlich in der\n„Harmonie\" von Tschirch und in der Gran er'sehen „Hymne\",\nwurden sehr gut vorgetragen. Nachmittags ging der feierliche Zug\nnach Heinrichsruhe und wandte sieh zunächst nach dem so genann-\nten Gothischen Hause, wo sich Se. Durchlaucht der Erbprinz be-\nfand. Der Durchlauchtigste Erbprinz richtete an die Versammelten\neinige herzliche und von hohem Patriotismus zeugende Worte, die,\nvon Allen verstanden, den erhebendsten und freudigsten Eindruck\nhervorbrachten. Im Namen der Sänger sprach Capellmeister Tschirch\naus Gera den Dank für die huldvolle Begünstigung aus, den die\nSänger durch ein donnerndes Hoch bekräftigten. Abends nach 8 Uhr\nbegann in der Sängerhalle ein Haupttheil des Festes, der Wett-\ngesang, an dem sich 26 Vereine mit ernsten und heiteren Gesän-\ngen betheiligten. Die Vorträge der Vereine waren fast durchweg ge-\nlungen und legten ein schönes Zeugniss von der steigenden Ent-\nwicklung des Männergesanges ab. Am zweiten Tage um 3 Uhr be-\ngann ein grosses Concert in der Sängerhalle, ausgeführt von der\nschleizer fürstliehen Capelle und dem Plauischen Stadt-Musikcorps.\nJede Nummer, namentlich aber die Ouvertüre zu „Meister Martin\nund seine Gesellen\" von Tschirch und die beiden Fest-Reveillen von\nGraner und Schiffner fanden den verdientesten Beifall. Um 6 Uhr\nwurde der Ausspruch der Preisrichter vom Vorsitzenden des Comi-\nte's, Hofrath Knoch, verkündigt. Es erhielt die Liedertafel zu\nGera den Hauptpreis, bestehend in einem von Sr. Durchlaucht dem\nErbprinzen dazn bestimmten silbernen Pocal, ferner der Gesang-Ver-\nein Ressource zu Plauen das erste, der Gesang-Verein zu Rei-\nchenbach das zweite, der Gesang-Verein zu Zeulenroda das\ndritte Ehrenzeugniss. Das voigtländische Sängerfest bat jedenfalls"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2248, "texte": "zur Hebung des Männergesanges und zum Näherbringen der in\nneun Staaten vertheilten Vereine Vieles beigetragen.\nPa<l6rlloril9 3. September. Die Violin-Virtuosin Fräulein\nAmelie Bido, welche seit Kurzem in unserer Stadt anwesend ist,\nhat sich in dem gestrigen Concerte, welches der Musik-Verein, um\netwas zur Linderung der durch ein Brandunglück in jüngster Zeit\nhervorgerufenen Noth beizutragen, veranstaltet hatte, durch den Vor-\ntrag mehrerer Solostücke, namentlich des Rondo aus dem dritten\nConcerte von Vieuxtemps und einer Phantasie über Motive aus Faust\nvon Ch. Gounod neben der enthusiastischen Anerkennuug ihrer voll-\nendeten Leistungen den wärmsten Dank für ihre liebenswürdige Un-\neigennützigkeit erworben.\nWeimar. Se. K. Hoheit der Grossherzog von Sachsen-Wei-\nmar haben dem Hof-Capellmeister Dr. Franz Liszt als Ritter von\nLiszt die Kammerherrn-Würde verliehen.\nSicherem Vernehmen nach beabsichtigt Dr. Fr. Liszt nach seiner\nRückkehr aus dem Bade Reichenhall zunächst nach Schlesien zu\nreisen, woselbst ein Besuch bei der Frau Prinzessin Hohenzollern\nStatt haben soll. Von dort aus reis't Liszt nach Griechenland, wo\ner seinen Wohnsitz zu Athen nehmen wird, um dort mit Muse der\nAusführung einiger neuen musicalischen Schöpfungs-Ideen, unter an-\nderen der eines Oratoriums, obliegen zu können. Liszt's Abwesen-\nheit von Weimar, wo der Meister in allen Volksschichten, hohen\nund niederen, geliebt und hochgeehrt ist, soll zunächst auf die\nDauer eines Jahres festgesetzt sein. Man wünscht nicht nur in den\nallerhöchsten, sondern überhaupt in allen Kreisen, dass dies der\näusserste Termin der Rückkehr sei, und hofft, die Besorgniss (welche\nallerdings von Manchen gehegt wird), der verehrte Künstler werde\nWeimar nicht wieder zum bleibenden Wohnsitze wählen, sei eine\nnicht gegründete. (B. M.-Z.)\nDer Musik-Director von Herzberg, seit Neithardt's Tode in-\nterimistischer Dirigent des berliner Dom-Chors, begibt sich im Aller-\nhöchsten Auftrage auf einige Wochen nach Petersburg, um die Lei-\nstungen des berühmten dortigen Kirchenchors kennen zu lernen.\nWährend seiner Abwesenheit übernimmt der Gesanglehrer und kö-\nnigliche Domsänger Kotzolt die Leitung sowohl in den Uebungs-\nstunden als bei den liturgischen Aufführungen in der Domkirche."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEichard Wagner. Von F. Müller (Scbluss). Von E. Krüger. — Theodor Zimmers (Nekrolog. — Der rnnsicalischp\nTheil der Feste in Antwerpen — Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Press-Angelegenheit — Das voigtländische Sängerfest zu\nSchleiz — Paderborn, Concert — Weimar, Dr. Franz Liszt — Musik-Director von Herzberg).\n\nRichard Wagner. Von F. Müller.\n\n(Schluss S. Nr. 36.)\nStellt nun die neudeutsche Schule diesen Bemerkun-\ngen entgegen was Wagner erreicht hat, den Erfolg\nund die Wirkung seiner Werke auf die Masse, so achten\nwir diese keineswegs für verächtliche Zeugnisse, sobald\ndie Thatsache festgestellt ist. Als vollendet (9. 160) erken-\nnen wir die Thatsache aber nicht an; wozu wäre dann\ndas ganze Buch von Franz Müller geschrieben, wenn\nnicht er und die Seinen dürsteten und schrieen nach der\nzu erobernden Anerkennung? wozu der Oberschimpf auf\n„die\" Kritik (54), nämlich die abfällige, wenn sie nicht\nunbequeme Wahrheiten enthielte? Auch finden wir in\nFr. Müller's Schrift wenig von den verheissenen Quellen\nund Urkunden (8), desto mehr Citate, Motto's, Reminiscen-\nzen von dem, was vor ihm ein weiser Mann gedacht.\nWarum sind übrigens von den sehr zahlreichen ungün-\nstigen pariser Zeugnissen, welche die Niederrheinische\nMusik-Ztg. d. J. Nr. 13 —l5 ausführlich wiedergibt, gar\nkeine mitgetheilt? sie gehören doch auch zum Quellen-\nStudium der Wolke von Zeugen, und der verzückt lobende\nGas per in i steht allein. Bisher befinden wir uns noch im\nhitzigen Stadium des Parteifiebers, welches durch die wan-\nkelmüthige Presse nur erhöht, nicht auf sein wahres Maass\ngebracht ist. Wir legen nicht zu viel Gewicht auf Aeusser-\nlichkeiten, wenn wir dennoch bemerken, dass wir ein mit\nköniglichem Pompe aufzuführendes Werk, das der Meister\nselbst noch nicht vollkommen gehört zu haben bekennt,\nnicht für volksthümlich halten. Ueber die pariser und\nwiener Spectakel-Scenen, was ihr wahrer Gehalt gewesen,\nist noch kein Schiedsrichter gefunden. Der Eine sagt, es\nRancune im Spiel, der Andere, etwas salzi-\nger, es habe sich beider Orten um die Claque gehandelt,\ndiese wiederum hange mit zarten Fäden an den Winken\nder morgenländischen Banquiers, die in Paris dem\nabendländischen Mogul zum Trotz eine Baisse veranstaltet\nhätten, worauf dann die wiener Bluts- und Muthsfreunde\npcT antithesin die Hausse gewollt. Beide Inzichten, an sich\nzwar seltsam genug, aber bezeugt von gleich respectabeln\nStimmen, erscheinen desshalb nicht ganz grundlos, weil sie\nwiederholt schon da gewesen seit der neuen Aera, die mit\nH. Heine beginnt. Sei dem, wie ihm wolle: der Verfasser\nselbst gibt Anlass, ihrer zu gedenken, wenn er den Ber-\n1i o z patriotisch geisselt für die Undankbarkeit am gast-\nlichen Deutschland, das ihn einst erkannte und aufmun-\nterte („aufmunterungsbedürftig\", vgl. S. 40), als er im\neigenen Mutterlande verkannt und verfehmt war (180,\n181]; für solche Güte hätte er sich erkenntlich heweisen\nmüssen—laiidare laudatorem, laudari a laudato .... und\nnicht den deutschen Gegnern Wagner's Waffen zum Streite,\nStroh zum Brande liefern sollen! Aber die Nemesis naht!\nLiszt wird vielleicht eine Antwort ablassen, um die\nheuchlerische Perfidie und Blasphemie des Franzosen auf-\nzudecken (179—183)!—Was über Claque und Banquiers\nhier weiter zu sagen wäre, ist so geheimnissvoll offenbar,\ndass wir unsere Leser damit nicht ermüden und es ihrem\nScharfsinne überlassen, mit eigenen Augen zu sehen, wie\nehrlich und unparteiisch die Sache zugeht, wo Lob und\nTadel contractmässig auf Wechsel ausgezahlt wird, seit-\ndem Jakob Meyer Beer diese Kunst systematisch gelehrt\nhat. Uebrigens können wir-Beweise bringen dafür, wie\nschon seit dreissig Jahren leider auch in deutschen Re-\nsidenzen der organisirte Beifall von oben herab be-\nstellt und geleitet war, ganz wie zu Nero's des Tyrannen\nZeit, der dieses Gift in die Kunst zuerst einschwärzte.\nWagner's Streben nach würdigen Opernstoffen\nist vernünftig und löblich. Eine volkstümliche Oper, die\nnicht französisch und italiänisch, sondern deutsch sei nach\nInhalt und Form, das ist ein grosses Ziel, dessen Errei-\nchung zwar schon Händel und Mozart im Sinne trugen,\naber nicht durchführen konnten. Gut, wenn ein Grösserer"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.2", "texte": "kommt, dem es gelinge. „Wagner ist es bereits gelungen\",\nso lautet die oft wiederkehrende Thesis der Partei, bald\nunbedingt, bald zart limitirt. —Ob nun zu diesem Zwecke\ndie Kunst selbst von Grund aus umzugestalten und die bei-\nden schwesterlichen, aber grundverschiedenen Künste des\nWortes und des Tones in untrennbare Einheit zu binden\nseien: diese Frage fühlten wir uns genöthigt, aller Ge-\nschichtserfahrung gemäss zu verneinen. Die theoretische\nBehauptung von der Möglichkeit bringt uns nicht weiter.\nVorerst genügt uns, in den vorhandenen Werken der wah-\nren Meister die specifische, in sich vollendete Kunst zu ge-\nmessen, welche die Mutter der Theorie ist, nicht deren\nTochter. Shakespeares Dramen würden nicht vollkomme-\nner, wenn man durch Musik und bengalische Flammen\nein Gesammtkunstwerk darauf pfropfte; und umgekehrt,\nauch die echte, weil specifische, dramatische Musik ist\nwahrlich vorhanden in den herrlichen Opern von Scar-\nlatti, Purcell und Händel, lange bevor Gluck die\nprosaische Illusion zum Princip erhob. Der aber war bes-\nser als sein Princip, und seine Opern sagen mehr und Hö-\nheres, als seine Dedications-Vorreden.\nJene subjectiven Principien bis ins Einzelne hinein gül-\ntig zu stellen, wie die neudeutsche Schule versucht, ist\nnicht minder consequent, wie manche Irrthümer es schon\ngewesen, die sich durch die äussere Energie ihrer Verthei-\ndiger eine Weile lang behaupten, bis sie vor einem ande-\nren Zeitgeiste zerschellen und die Geschichte sie richtet.\nDass der Genius Wahres und Falsches früher erblicke,\nals Andere, daher zu Zeiten Zukünftiges ahne und weis-\nsage (94, Anm.), ist ganz richtig gesagt, insonderheit vom\nechten, weltbewegenden Genius, der hierin nur die Einfalt\nund Tiefe seines Gemüthes bezeugt. Falsch ist, dass jeder\nGenius nur der Zukunft arbeite, nur von ihr erkannt werde\n(55, 56 u. a.); vielmehr haben Sophokles, Raphael, Shake-\nspeare, Göthe, Mozart ihrer Gegenwart ihre Werke zu-\ngedacht und sind von ihrer Gegenwart mit Begeiste-\nrung empfangen. Wenn es aber wahr sein sollte, dass\nder Genius nur vom Genius verstanden würde (55), so\nwäre das doch bedenklich; ob nun unser Verfasser selbst\nein Genius, oder ob er selbst Wagner nicht verstanden—\nso indiscret sind wir nicht, danach zu fragen; wie aber\nsoll's mit dem süssen Pöbel werden, mit der „Mitwelt und\nNachwelt, die zur Assimilirung des Kunstwerkes ver-\npflichtet sind\" (168)?—Die „Wagner-Frage\" ist eine\nernste Sache, für die Gegner nicht minder, als für Wag-\nner's Freunde. Möge darum auch mit ernster, gründlicher\nForschung in die Sache eingedrungen werden, um die es\nsich handelt. Eben diesen Ernst vermissen wir bei dem\nsonst gewandten, geistreich schreibferligen Verfasser, vor-\nnehmlich in dem Hauptstück IV7., wo eine Reihe von Zeug-\nnissen (darunter einige obscure Namen, z. B. de St. Mard,\nCallieres u. s. w., 75, 76) zusammengestellt wird, ohne\nirgend eine systematische Ordnung weder der Zeit, noch\nder Nationen, noch der Ideen. Und lässt man dies allen-\nfalls hingehen des sonst schätzbaren Materials wegen: so\nnimmt es Wunder, dass der Verfasser getrost alle durch\neinander hinschreibt, mögen sie für oder gegen die\nWagner'sche Thesis von der dramatischen Musik (45, 46)\nzeugen. Denn wenn auch Gluck und Herder, und Les-\nsing theilweise, die Thesis stützen, so spricht dagegen\nWieland offenherzig aus: „Handlung kann nicht gesun-\ngen werden\" (100); Artaud, obwohl dem griechischen\nDeclamations-Principe hingegeben, gesteht doch zu, dass\nnicht alle Prolation, d. h. Mehrtonigkeit, einer Sprech-\nsilbe verwerflich sei (108); Beaumarchais zeigt, wie\ndie Oper weder Tragödie noch Komödie sei (113), und\ndoch dramatisch?! ja, er lobt gar ein einfaches, rührendes\nund fröhliches Lied (117, 118); und H einse, die Haupt-\nAutorität geistreicher Dilettanten, dem bei manchen Unge-\nheuerlichkeiten doch nachzurühmen ist, dass er die Dinge,\nwovon er spricht, selbst erlebt und geschaut hat, behaup-\ntet gar, der Sprach-Accent sei nicht die Quelle der Mu-\nsik (153), schnurstracks zuwider der Auffassung von Ra-\nmeau's Neffen bei Diderot: Musices seminarium accen-\ntus! (15*2.)\nDas platte Illusions-Princip, welches bald geprie-\nsen, bald verworfen wird, sollte billig nach Tieck's und der\nRomantiker emsigen Untersuchungen sein Urtheil empfan-\ngen haben; dessen ungeachtet macht der Verfasser diesen\nüberwundenen Standpunkt wiederholt geltend mit Hülfe\nvieler Citate (105, 113, 125, 149), während unvermerkt\nWieland's Wort einschleicht, wonach die Musik die\nSprache des Singspiels ist, und nach platter Natürlich-\nkeit nicht fragt (99). Will also Jemand durchaus wis-\nsen (wie Muratori, S. 78), ob es je erhört sei, dass eine\nPerson dieselben Worte im gemeinen Leben öfter wieder-\nhole, so lautet unsere Antwort freilich: Ja; aber auch die\n„unwahrscheinliche Wort-Wiederholung\" (79, 80) hat\nmindestens so viel Recht, wie der grüne Wald bei Lam-\npenlicht auf den Brettern, welche die Welt bedeuten.\nWas hier ausführlich über Wagner's Person gesagt\nist im zweiten Hauptstücke, trägt durchaus den Stempel\neifriger Parteiliebe und gibt mehr Reflexionen als That-\nsachen. Die alte Lehre, die sich bei manchem Genius, z. B.\nHomer, Herodot, Tacitus, Wolfram v. Eschenbach u. A.,\nso ziemlich bewährt hat, dass man nämlich das Werk ohne\nWissen vom Schöpfer aus sich selbst verstehen müsse, wird\nhier „relativ berechtigt\" (14) genannt; dagegen ist es\nWagner's—'„solchen Künstlers!\" „gerechte Anforde-\nrung, dass, wer ihn verstehen wolle, ihn so sehe, wie"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.3", "texte": "er nach Leben und Gemüth u. s. w. wirklich ist\" 14,\n16, 22). Nun, wir erfahren denn —zwar nicht alle ante\nacta von Dresden bis zur Schweiz, wo er, gastlich aufge-\nnommen, ungastlichen Dank erwies u. s. vv. aber doch\ndas Wichtigere: er findet seine „ideale Richtung\"\ndurch die Schriften 11. Heine's und Jung-Deutschlands (16),\ner emplindet Drang nach einer glänzenden Zukunft in Pa-\nris (der nationale deutsche, den Ruhm verschmähende Ge-\nnius! S. 17 —163), fühlt Sehnsucht und heisses Liebes-\nVerlangen (18, 21). Es scheint uns die Sache seines\nSchützlings nicht zu gewinnen, wenn der Verfasser ge-\nwöhnliches Menschenleid, dergleichen auch Andere und\nBessere, als er, durchgekämpft haben, zu einer ungeheu-\nren Windhose aufbläht, die zur Erklärung des Tannhäu-\nser nicht so viel hilft wie das ABC. Unser einem wird die\n„Analyse\" als lieblos verboten (53); der Verfasser dage-\ngen leistet nicht bloss diese, sondern gar eine analytisch-\nsynthetische Exegese (161) des Lohengrin, wo, was wir\ndankbar erkennen, der Versuch einer Position nach jenen\nlangen Verneinungen gemacht wird. Die Thesis zu erwei-\nsen, welche nicht erweisbar ist, gelingt auch hier nicht;\nsonst ist dies die gelungenste Partie des Buches. Die\nganze Persönlichkeit Wagner's aus dem Spiele lassend,\nbemerken wir über seine künstlerische Bedeutung nur\nFolgendes, was ausser der geschlossenen Partei für gültig\nerkannt ist. Die Begabung Wagner's im Ganzen genom-\nmen ist eine mehr dilettantische als künstlerische. Von sei-\nnen poetischen Erzeugnissen ist zuzugestehen, dass sie\nstellenweise zündend oder entzündlich, öfter eintönig, sehr\noft wunderlich und unverständlich, ohne Nachlesen im\nTextbuche kaum zu begreifen sind. Wie kernlos die Ideen\nund unklar die Anlage, zeigt unter Anderem Lohengrin,\ndem es gänzlich an der dramatischen Exposition fehlt. Denn\nden Gral, den das heutige Volk nicht kennt, soll es von\nvorn herein voraussetzen, glauben, ohne zu schauen! Der\nganze Gral-Mythus wird nicht, wie die gesunde Vernunft\n(im Drama) fordert, vor Augen gestellt, sondern hin-\nterdrein—gelegentlich recitativisch erzählt; das Ge-\nll ei mniss des Gral-Ritterthums, der Knotenpunkt der Ka-\ntastrophe, wird nicht motivirt, wie in Wolfram's Parci-\nval, sondern octroyirt. Das soll dramatisch sein? —ln\nWagner's so genannt philosophischen, eigentlich nur dis-\ncursiv kritischen Schriften sind manche geistreiche\ntreffend ausgesprochene Wahrheiten; dennoch das Ganze,\nz.B. in „Oper und Drama\", von ungenügender Wirkung,\nweil Phrase und Subject überwaltet, Object und Gehalt\naber nebelig und unentwickelt sind; daher muss man den\nKern seiner agitatorischen Thesen mehr errathen oder\nselbst hinzudichten, nämlich den Inhalt des Ideals einer\nkommenden Zeit, dessen Notwendigkeit darzustellen\nüberdies ganz andere philosophische Kunst und Gaben for-\ndert, als ihm gegeben sind. lleisst es aber auch bei sei-\nnen theoretischen Werken: „Ihr müsst es zwei Mal le-\nsen!\" so möchten wir einen Preis darauf setzen, wer sich\nals Doppelleser auswiese. Bei diesen sichtbaren und fühl-\nbaren Mängeln, die mehr Schwäche als Uebermuth und\nUeberkralt bedeuten, lassen .wir übrigens Wagner's wirk-\nliches Verdienst ungeschmälert, dass er nicht allein die\nUnwürdigkeit der heutigen Opern-Misere darlegt und geis-\nselt, sondern auch den Weg des Besseren andeutet:\ndie Ausbeutung vaterländischer Sagcnstofle. Solche gute\nAndeutung ist aber noch keine Anbahnung. Wagner ist,\nim besten Sinne genommen, ein Vorläufer, vielleicht der\nVorbote eines neuen Ideals; dass er ein solches mit gestal-\nten helle, wird denen, die sein bisheriges Wirken und Lei-\nsten durchschaut, immer unwahrscheinlicher.\nHaben wir länger als billig bei einem Buche verweilt,\nwelches mehr der Farbe als des Gehaltes willen merkens-\nwerth ist, so scbliessen wir nun, um nicht bloss zu vernei-\nnen, mit dem gegenteiligen Manifeste derer, die für Geg-\nner des Fortschrittes gelten, sich selbst aber für beschei-\ndene Freunde der Kunst hallen. Dass die Kunst in Ehren\nstehe, ist ein Wunsch, den sie mit den Gegnern gemein\nhaben. Solche ehrenwerthe Kunst aber scheint ihnen die-\njenige, welche, wie alles, was grösser ist, als der Mensch,\nzugleich demüthigt und erhebt, die Seele befreit und er-\n✓\nhöht, ein beseligtes Dasein der Verklärung vorstellt. Und\ndas echte Kunstwerk soll die Leidenschaften reinigen, sänf-\ntigen, versöhnen*). Wo es Leidenschaften erregt, führt es\ndieselben auch zum Ziele, welches nicht Zerreissung ist,\nsondern Friede; das gesunde Leben des Ganzen fordert,\ndass das Ethos überwalte, das Pathos aus dem Ethos\nhervorgehe und dahin zurückkehre. Ethos ohne Pathos ist\nmöglich, Pathos ohne Ethos ist Krankheit und Unsinn.—\nWie man von einer vernünftigen Rede verlangt, dass sie\nheute verstanden werde, nicht übers Jahr, so ist es auch\nkein unbilliges Verlangen, das Kunstwerk in der Gegen-\nwart zu verstehen und nicht monumental aufs Elysium\nvertröstet zu werden. Die echte Kritik—z. B. die von 0.\nJahn und Fr. Chrysander geübte—, welche »von\neinem festen, klaren Ideal getragen wird\" (3*2), kann nichts\nAnderes wollen, als dass das gesunde Schöne ins Leben\ntrete. Darum strebt sie im Kunstwerke vor Allem das\nSeiende zu erkennen, das substantielle Ethos, den\nLebenskern; erst nach ihm wird das accidentielle Beiher-\nwerk, die Zierathen, Effecte und Zufälligkeiten erwogen.\nUnbekümmert, so weit das möglich, um den Geist der Zeit\n(136), trachtet sie gleichwie der echte Künstler dem\n\n*) S. 78 wird Quintilian als Gewährsmann dieses Satzes aufge-\nführt, den zuerst Aristoteles gesprochen hat.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.4", "texte": "Ewigen nach. Ihrer Schranke wöhl bewusst, sucht sie, dem\nGegner gerecht zu werden, ihn zu hören, innerlich zu ver-\nnehmen, und fühlt diese „musicalische Pflicht\"*) eben\njetzt um so dringender, je mehr sich die Tonkunst bethä-\ntigt als grosse, ja, dämonische Lebensmacht zum Heil und\nVerderben der Seelen.\nDamit wir den Verfasser überzeugen, dass wir sein\nBuch nicht flüchtig gelesen, führen wir zum Behuf einer\nverbesserten zweiten Auflage diejenigen Druck- oder\nSchreibfehler auf, die uns aufgefallen sind in dem übrigens\nsehr wohl ausgestatteten Drucke:\nS. 165, 7 hervorquillend, statt quellend, vergl. 197,\n5, und S. 187, 17 Musik, statt Poesie. S. 164, 18,\n19 ist eine unverständliche Stelle, ob verdruckt, ist uns\nnicht klar geworden.\n\nE. Krüger.\n\nTheodor Zimmers.\n(Nekrolog.)\n\nVor wenigen Tagen geleiteten die Bürger Aachens\nin grosser Anzahl einen Mann zu seiner letzten Ruhestätte,\nder seit sechszig Jahren als braver, wackerer Künstler un-\nter ihnen lebte und wirkte, und dessen Bedeutung für die\nStadt Aachen und ihren musicalischen Fortschritt nicht\nunterschätzt werden darf.\nTheodor Zimmers ist es, von dem wir reden,\nTheodor Zimmers, dessen Compositionen seit vierzig Jah-\nren in allen Kirchenchören gesungen wurden, und die\nsich sowohl durch Deutschland, als durch Belgien und\nFrankreich weit verbreitet haben, Theodor Zimmers, des-\nsen hervorragendes Unterrichts-Talent eine grosse Menge\nvon musicalischen Schülern und Schülerinnen in unseren\nMauern und auswärts herangebildet hat, von denen sehr\nviele Tüchtiges leisten und ihrem Lehrer Ehre bereiten.\nZimmers erblickte das Licht der Welt am 6. Decem-\nber 1783 in Aachen und verliess diese Stadt nie bis zu\nseinem am 24. August d. J. erfolgten Lebensende, brachte\nalso 78 Jahre unter uns zu. Einer achtbaren Bürgerfa-\nmilie entsprossen, wandte er sich bald durch Neigung und\ninneren Trieb zur Musik hin, die er Anfangs als Dilettant\nbetrieb und erst dann als Lebenszweck erfasste, als äussere\nUmstände und der Rath seiner vielen Freunde, die seine\nüber das Gewöhnliche hervorstechende musicalische Bega-\nbung erkannten, ihn in die Bahn führten, in welcher er\nspäter so schöne Erfolge errang. Mit dem musicalischen\nUnterrichte sah es in den Jahren, wo Zimmers zu lernen\nbegann, ziemlich schlecht in unseren Mauern aus; die stür-\nmische, allem künstlerischen Streben abgeneigte Zeit liess\nweder Lehrer noch Lernende aufkommen. Er war daher\nfür sein Fortkommen in der musicalischen Kunst mehr auf\nseinen eigenen Fleiss angewiesen, und man könnte ihn\nnicht mit Unrecht sowohl in Bezug auf Composition als\nauf Clavierspiel einen Autodidakten nennen.\nAls er es dahin gebracht hatte, dass er am Clavier\ngeläufig und mit Sicherheit den Gesang begleiten konnte,\nzog ihn der damalige musicalische Mäcen Aachens, der\nauch in weiteren Kreisen bekannt gewordene Dr. Sol-\nders, zu seinen häuslichen musicalischen Aufführungen\nheran, und hier war es, wo das aufstrebende Talent des\njungen Mannes Nahrung und Entwicklung fand. Hier\nwurde viele und gute Musik gemacht, hier war der Cen-\ntraipunkt, wo sich fremde nnd einheimische Künstler ver-\nsammelten; und so wie er dadurch das Beste jener Zeit zu\nhören bekam und selbst thätig mit eingriff, so bot ihm auf\nder anderen Seite die reichhaltige musicalische Bibliothek\nseines Gönners Gelegenheit, zu lernen, die Meisterwerke\nMozart's, Haydn's und ihrer Zeitgenossen Winter, Martini,\nPaesiello, Cimarosa, Righini u. s. w. zu studiren und seine\nKenntnisse der musicalischen Composition zu vermehren.\nDer öffentlichen Aufführungen waren damals wenige, das\nVereinswesen war so gut wie gar nicht ausgebildet; allein\nzuweilen versammelten sich die zerstreuten Kräfte doch zu\neiner musicalischen Gesammt-Production. So hatten wir\nnoch vor Kurzem Gelegenheit, einen Concert-Zettel aus\ndem Jahre 1803 oder 1804 zu sehen, laut welchem im\nRedoutensaale „Die Schöpfung\" von Haydn durch ein Or-\nchester von etwa dreissig und einen Chor von zwölf Mit-\ngliedern, Herren und Damen, aufgeführt wurde. Solche\nConcerte dirigirte damals Herr Dr. Solders, und Zim-\nmers war am Clavier.\nAllein nicht immer blieb er am Clavier. Während des\naachener Congresses 1818, so wie lange vor und nach\ndieser Zeit, sehen wir ihn selbständig die Concerte\nAachens vorbereiten und leiten, sehen ihn, wie er vor den\ngekrönten Häuptern des Congresses in kurzen Beinkleidern,\nweissseidenen Strümpfen u. s. w. seine Stellung am Diri-\n\n*) H. v. Bronsard hat ein Buch dieses Titels geschrieben, wel-\nches in Leipzig bei Matthes die zweite Auflage erlebt hat. Wir\nempfehlen das Büchlein allen denen, die über die „Ehrlichkeit,\nHoheit und Uneigennützigkeit des Triumvirats Berlioz, Liszt\nund Wagner\" sich näher unterrichten wollen. Berlioz, das\nist das Spasshafte bei der Sache, ist hier bei Bronsard noch\n(ganz richtig) zur Wagner'schen Richtung gerechnet, während\nFr. Müller ihn schon als Abtrünnigen ächtet, ja, eigentlich\nals nimmer Freund gewesenen brandmarkt. Wagner contra Ber-\nlioz ist übrigens schon zu lesen in der augsb. Allg. Zeitung,\n1852, Nr. 351, nach einem Aufsatze in den Grenzboten. Was\nwäre an dieser kritischen Misere zu erwähnen, wenn nicht\njene Zuklinftler in Einem fort docirten und excerpirten und\nregistrirten, was dieser und jener über diesen und jenen ein-\nmal gesagt!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.5", "texte": "gentenpulie einnimmt und Concerte zum Besten der Armen\nleitet, die unserem Armen-Budget einen Reinertrag von\n7000 Fr. zuführten, wie er unter Anderen die Sängerin\nGatalani so vortrefflich begleitet, dass diese ihm glän-\nzende Proposilionen macht, um mit ihr nach Italien zu rei-\nsen, welche Propositionen ihn zwar einen Augenblick\nschwanken machten, jedoch nicht bewegen konnten, seinen\nheimatlichen Heerd zu verlassen.\nIn diese Zeit fällt auch seine Berufung als Organist\nan St. Peter, welche Stellung ihm Veranlassung gab, sich\nmit Kirchenmusik mehr zu beschäftigen, als es vielleicht\nbis dahin der Fall gewesen. Denn war auch Oratorien-\nund Kirchenmusik dem Kreise, welcher sich um Dr. Sol-\nders gebildet, nicht fremd, so war doch das dramatische\nElement, die Opernmusik, vorherrschend. Die neue Stel-\nlung als Organist aber wurde ihm ein Anfeuerungsmittel,\nsich zunächst mit den Compositionen für die Orgel und\ndem. was die grossen Meister seit Seb. Bach uns für die-\nses Instrument aller Instrumente überliefert haben, näher\nbekannt zu machen, dann auch die Gesangwerke für die\nKirche eifriger zu studiren, indem ihn von vorn herein die\nIdee beschäftigte, zu St. Peter einen tüchtigen Gesangchor\nzu schaffen und heranzubilden. Und dieser edleren, ernste-\nren Muse der Kirchenmusik ist er dann auch bis an sein\nEnde treu geblieben; in ihr lebte und webte er, und in\nihrer Sphäre hat er sich auch für die Nachwelt verdient\ngemacht.\nZunächst für seinen heranwachsenden Kirchenchor\nschreibend, schuf er eine Menge vom Leichteren zum Schwe-\nreren fortschreitender drei- und vierstimmiger Messen, Can-\ntaten, Tedeums, Benedictionen u. s. w., welche er nachher\nzum Theil in Druck herausgab, und die vermöge ihrer im\nGanzen leichten Ausführbarkeit, ihrer schönen rhythmi-\nschen und melodischen Gestaltung bald Gemeingut aller\nKirchenchöre wurden und noch heute in vielen derselben,\nnamentlich aul dem Lande, das Haupt-Repertorium bilden.\nDiese Werke schrieb er meist mit Orgelbegleitung, instru-\nmentirte jedoch manche derselben für den Gebrauch in\nunserer Domkirche, wo bekanntlich an jedem Sonntage\neine musicalische Messe mit ganzem Orchester aufgeführt\nwird. Ja, später, als er Dom-Organist wurde und mit die-\nsen regelmässigen sonntägigen Aufführungen in nähere Be-\nrührung trat, componirte er noch mehrere grössere Messen\nund Cantaten mit vollständigem Orchester für diesen Zweck,\ndie zum Theil noch im Gebrauche sind. Alle diese Werke\ncharakterisirt der Stempel inniger Frömmigkeit, starken\nGlaubens und freudiger Hoffnung. Vom Standpunkte der\nKunst aber begegnen wir in denselben einem frischen,\nproductiven Geiste, abgerundeten künstlerischen Formen,\nschönen, wenn auch nicht immer neuen, Melodieen, vielem\nFluss und Schwung und mitunter werthvollen contrapunk-\ntischen Gestaltungen.\nIndess beschäftigte er semen Kirchenchor zu St. Peter\nnicht bloss mit seinen Werken; er benutzte diese eigent-\nlich nur als Uebungsstufen zu den schwierigeren Messen\nund Cantaten von Haydn, Mozart, Beethoven (C-dur), Che-\nrubini u. s. w., die später in dem Ilepertorium seines Chors\nvorherrschten. Der Chor wuchs aber nach und nach so\nan, dass die Räumlichkeiten zu enge wurden, und die\nLebung, welche Sänger und Sängerinnen hier genossen,\nkam anderen musicalischen Bestrebungen unserer Stadt, so\nwie auch den damals entstehenden rheinischen Musikfesten\nzu Gut. Gegen das Jahr 1825 oder 1826 wurde die Stelle\ndes Dom-Organisten vacant und Zimmers alsbald zu der-\nselben berufen, da man auch nicht leicht einen Würdige-\nren zu diesem Posten hätte finden können. Denn in der\nBehandlung der Orgel war er Meister, und seine Impro-\nvisationen auf derselben waren derart interessant, dass viele\nMusikfreunde unsere Domkirche desshalb vorzugsweise be-\nsuchten, um ihn prä- und interludiren zu hören. Das neue\nAmt hielt ihn indess nicht ab, seiner Schöpfung, dem Chor\nvon St. Peter, zugleich seiner Pfarrkirche, die nöthige Auf-\nmerksamkeit zn widmen. Er studirte mit demselben fort\nund leitete seine Aufführungen vor wie.nach, bis er end-\nlich einen tüchtigen Nachfolger auf diesem Orgelstuhle\nfand und seine öffentliche Wirksamkeit nun auf den Dom\nbeschränkte.\nAls man im Jahre 1819 zur Bildung eines städtischen\nVereins für Gesangmusik schritt, war es Zimmers, der die\nUebungen am Flügel zu leiten übernahm, und seinem Eifer\nverdanken wir es zum Theil, wenn das ungünstiger situirte\nAachen mit seinen Nachbarstädten gleichen Schritt hielt\nund gleich bei den ersten zu Aachen gegebenen rheini-\nschen Musikfesten (1825, 1829 und 1834) Beweise einer\ntüchtigen Vorbildung im Chor ablegen konnte.\nAls Musiklehrer schon lange vorher thätig, gebührt\nihm der erste Rang unter seinen damaligen Collegen. Viele\nerinnern sich noch dankbar seines Wirkens als Lehrer\nbeim hiesigen St.-Leonhards-Institut, an dem er viele Jahre\nhindurch mit Erfolg thätig war. Zuletzt widmete er noch\neine Zeit lang seine Thätigkeit als Musiklehrer dem Insti-\ntut des Sacre cocur zu Blumenthal bei Vaels auf den be-\nsonderen Wunsch der Obern desselben, bis endlich das\nAlter ihm Ruhe gebot, ihn sogar zeitweilig an der Aus-\nübung seiner Dom-Functionen hinderte, und ihn vor we-\nnigen Tagen nach kurzer Krankheit zu den Vätern bettete.\nSeinem Leichenzuge schloss sich, obgleich die dazu\ngewählte Zeit, Morgens lOV2 Uhr, für Viele eine unge-\nlegene war, eine grosse, unabsehbare Reihe seiner Freunde,\nVerehrer und Schüler an. Die musicalischen Ehrenbezei-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.6", "texte": "gungen hatte die Concordia übernommen; sie sang auf\ndem Wege, den der Zug durch die Stadt nahm, das\nserere nach der gebräuchlichen Choral-Melodie vierstim-\nmig mit Blechmusik-Begleitung, und am Grabe brachte\nsie noch eine Dreizahl innig empfundener Lieder dem An-\ndenken des Mannes dar, dessen Wirksamkeit eine Epoche\nin der Geschichte der musicalischen Zustände Aachens\nbildet.\nEr war ein von allen, die ihn kannten, geachteter und\ngeliebter Mann, dabei anspruchslos und bescheiden. Er\nwar ein tüchtiger Künstler und ein edler Mensch.\nEhre seinem Andenken!\nAachen, den 5. September 1861.\n\nA.\n\nDer musicalische Theil der Feste in Antwerpen.\nDie alte, berühmte Künstlerstadl Antwerpen in\nBelgien hatte an den Tagen des 18., 19. und 20. August\neine Reihe von Festen zu Ehren des dorthin berufenen\nCongresses von Malern, Bildhauern und Architekten ver-\n. . *\nanstaltet, die mit seltenem Glänze ins Werk gesetzt wur-\nden. Einen Hauptbestandteil derselben machte das grosse\nInstrumental- und Vocal-Concert aus, welches am 19.\nAugust im Theätre Royal gegeben wurde.\nDas Ganze hatte den Charakter eines Musikfestes. Der\nAusführenden waren 80 Soprane, 72 Alte, 72 Tenöre,\n85 Bässe und 115 Instrumentalisten, dazu eine glänzende\nZuhörerschaft auch der König Max von Baiern war in-\ncognito anwesend in allen Logen und auf den Estraden\nder Bühne, denn der Chor und das Orchester befanden\nsich in der Mitte des Saales auf dem Räume, den sonst das\nParterre und das Orchester einnehmen, und der mit dem\nProscenium auf gleiche Höhe gebracht worden war. We-\nder für den Anblick noch für den Klang war diese salon-\nmässige Einrichtung vortheilhaft, und sie hatte noch das\nKomische, dass die Solisten nach dem Publicum auf der\nScene Front machen und den Zuhörern in den Logen den\nRücken zuwenden mussten. Bei zweckmässiger Raumbe-\nnutzung wäre es ganz gut möglich gewesen, die 424 Sän-\nger und Instrumentalisten auf der Bühne aufzustellen. Die\nWirkung der Musik würde dadurch bei Weitem concen-\ntrirter und noch erfolgreicher gewesen sein, als sie es\nohnedies schon war.\nEs war allerdings ein Wagestück, mit musicalischen\nKräften, die aus ihrer bisherigen Zerstreuung zum ersten\nMale zu einem grossen Ganzen vereinigt waren, Meister-\nwerke deutscher Tonkunst auszuführen und vor einem Pu-\nblicum, das zum grossen Theile aus Deutschen bestand.\nEs hatte denn auch in Antwerpen selbst nicht an Gegnern\ndes projectirten Concertes gefehlt, die einer solchen Nach-\nahmung der deutschen Musikfeste die Möglichkeit des Ge-\nlingens absprachen. Allein das Fest-Comite liess sich nicht\nabschrecken; die Willenskraft des Ausschusses für die rnu-\nsicalische Abiheilung, an deren Spitze Herr Ch. Will-\nmotte stand, so wie der Eifer des Dirigenten, Herrn J.\nCallaerts, setzten das Concert durch, und der Erfolg\nrechtfertigte vollkommen ihre Anstrengungen.\nEs wäre unartig, bei der Beurtheilung der Leistungen\nin den Gesammt-Aufführungen von Werken wie Beetho-\nven's „heroische Sinfonie\", Men delssoh n's -erste Wal-\npurgisnacht\" (mit deutschem Text gesungen), dem XVI!!.\nPsalm von Marcello, einer Weihnachls-Canlate\nvon Orlandus Lassus, dem Ilalleluja von Händel (eben-\nfalls mit deutschem Texte) auf die oben erwähnten Ver-\nhältnisse nicht Rücksicht zu nehmen. Wir können aber\nversichern, dass, auch abgesehen davon, die Aufführungen\npräcis und an allen Stellen, welche Kraft und Feuer ver-\nlangen, schwungvoll von Statten gingen; die Feinheit und\nVollendung der Ausführung, welche ein eingespieltes Or-\nchester oder ein Verein von Künstlern, wie ihn unsere nie-\nderrheinischen Musikfeste versammeln, erreichen können,\ndurfte man natürlich nicht erwarten. Was den Gesang be-\ntrifft, so muss man es in der That bewundern, dass ein\nChor-Verein, der bloss für das Fest gebildet worden, und\ndem zum ersten Male Damen beigetreten waren, die dann\nalle an diesem Abende auch zum ersten Male öffentlich\nsangen, dass ein solcher Verein die Chöre in den ge-\nnannten Werken und sogar ein nicht kurzes Gesangstück\nohne Begleitung so präcis vortrug. Das gereicht den Mit-\ngliedern des Chors und dem Dirigenten, der auch die Ein-\nübung geleitet hat, zu grosser Ehre. Freilich herrschten\ndie Männerstimmen, namentlich die Bässe, vor, wie das\nda gewöhnlich der Fall ist, wo dieselben zum grössten\nTheile aus Mitgliedern von Liedertafeln u. s. w. bestehen,\ndie gewohnt sind, nur in Männerchören zu singen. Aber\nim Ganzen hat der Chor bewiesen, dass Antwerpen auch\neine musicalische Stadt sein kann, wenn es nur will.\nDie Elemente dazu sind vorhanden, und unser aufrichtiger\nWunsch ist, dass die begonnene Cultur des bisher unbe-\nnutzten Bodens fortschreite, dass der jetzt gelegte Keim\ndauernd gepflegt werde, um reiche Früchte zu tragen.\nFreilich würden auch feststehende Uebungen des Orchesters\n(es soll nur wenige auswärtige Mitglieder gezählt haben)\nsehr wünschenswerth sein, wodurch nach und nach bei der\nkünstlerischen Fertigkeit, welche dasselbe zeigte, auch die\nschärfere Accentuation, die richtigere Phrasirung, die Ge-\nnauigkeit des Vortrages der Figuren, Weichheit und Adel\ndes Tones in den Blas-Instrumenten und die feinere Nuan-\ncirung bald heimisch werden würden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.7", "texte": "Als Kometen an dem Sternenhimmel des Concert-\nAbends glänzten Fräulein Artot und Joachim.\nFräulein Artot, eine Belgierin aus Gent, in Deutseh-\nland besonders durch die Triumphe bekannt, welche sie\nals Mitglied der italiänischen Oper in Berlin gefeiert hat,\nbesitzt bei einer umfangreichen und besonders in den tie-\nferen und mittleren Regionen sehr klangvollen Stimme\nEigenschaften, die sie zu einer grossen Sängerin machen\nund ihren Ruf vollkommen rechtfertigen. Dahin gehört be-\nsonders auch eine messa di voce, wie sie heutzutage nur\nnoch sehr selten zu finden ist, da die meisten Sängerin-\nnen— von den Sängern kann in dieser Beziehung gar nicht\ndie Rede sein! nur das schmetternde und vibrirende Aus-\nhalten des Tones kennen, jenen wunderbaren Zauber des\nallmählichen Anschwellens und des nach und nach wie in\nweiter Ferne verhallenden Tones aber hervorzubringen\nnicht mehr im Stande sind. Fräulein Artot hat diese herr-\nliche Wirkung, die einst der Stolz der italiänischen Sänger\nwar, vollkommen in der Gewalt und verbindet damit einen\nSchmelz des Ausdrucks, der für uns ihren Vortrag der Arie\naus Mozart's Figaro: „Deh v(in unvergess-\nlich macht. Alle Coloraturen und Variationen von Rode,\ndie sie später auch sang, geben wir gern hin für jenen rein\nkünstlerischen, Mozart's Töne streng gewissenhaft, ohne ir-\ngend einen Zusatz wiedergebenden Vortrag einer Melodie,\nin der wir die tiefe Innigkeit des Gefühls, verbunden mit\ndem Adel des Ausdrucks, nach langer Entbehrung einmal\nwieder recht im Herzen empfunden haben.\nJoachim spielte das Concert von Beethoven, d. h. er-\nweckte Beethoven's Geist aus dem Todesschlafe in der Par-\ntitur und trug uns auf dessen Schwingen zu den Regionen\ndes ewig Schönen und Grossen empor. Der deutsche Mei-\nster der Violine, an dem „jeder Zoll ein Künstler\" ist,\nwurde mit ehrenvollstem Applaus empfangen und mit wie-\nderholtem Jubel, Hervorruf und Ueberreichung von Krän-\nzen (durch die Damen vom Chor) gefeiert.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* Wien. Press-Angelegenheit. Von Frankfurt am Main\naus war der verantwortliche Herausgeber der Zeitschrift „Recensio-\nnen über Theater und Musik\", Herr Jos. Klemm, wegen einer\nCorrespondenz aus Frankfurt (die bekannten Theater-Scandale be-\ntreffend) gerichtlich belangt worden. Das k. k. Landesgericht wies die\nKlage ab und erklärte namentlich den Antrag der frankfurter Staats-\nAnwaltschaft (!) auf Nennung des Namens des Correspon-\ndenten lür unstatthaft. Das Obergericht hingegen entschied die-\nsem Antrage gemäss. (!) Auf die Berufung des Herausgebers er-\nfolgte indess folgende Entscheidung vom k. k obersten Justizhofe:\n„Ueber die Berufung des Josef Klemm, Buchhändlers und\nReaacteurs der „„Recensionen über Theater und Musik\"\", durch Dr.\nBergei gegen die obergerichtliche Verordnung vom 9. Juli 1861,\nNr. 7208, zufolge welcher mit Abänderung des Beschlusses des k. k\nLandesgerichtes in \\\\ ien vom 18. Juli 1861 angeordnet wurde, der\nRequisition der Staats-Anwaltschaft in Frankfurt am Main gemäss,\nden Josef Klemm als Zeugen zur Namhaftmachung des Verfassers\nund Einsenders eines in Nr. 12 des Jahrgangs 1861 des von ihm\nredigirten Blattes abgedruckten Correspondenz-Artikels zu verhalten,\nhat der hohe k. k. oberste Gerichtshof in der Erwägung, dass die\nzwangsweise Verhaltung eines Zeugen zur Ablegung eines Zeugnis-\nses nach §. 119 der St.-P.-O. nur in so fern Statt findet, als der\nZeuge zur Ablegung des Zeugnisses verpflichtet ist, dass aber eine\nVerpflichtung des Josef Klemm als Redacteur der .. ..Recensionen\nüber Theater und Musik\"\", den Verfasser und Einsender des in\nRede stehenden Correspondenz-Artikels namhaft zu machen, weder\nin den Bestimmungen des allgemeinen Strafgesetzes, noch in jenen\nder Press-Ordnung vom 27. Mai 1852 als begründet angesehen wer-\nden kann, der Berufung des Josef Klemm Statt zu geben und den\nBeschluss des k. k. Landesgerichtes in Wien vom 18. Juni d J\nNr. 10,901, zu bestätigen befunden.\n„Wien, den 27. August 1861.\"\nDas voigtländisclie Sängerfest zu Schleiz am 29.\nund 30. Juli. Es waren folgende Vereine mit ungefähr 1000 Mit-\ngliedern zugegen : zwei Vereine von Gera, drei Vereine zu Pössneck.\ndrei Vereine von Zeulenroda, zwei Vereine von Neustadt, zwei Ver-\neine von Jena, sodann je ein Verein von Greiz, Gefell, Ranis, Hirsch-\nberg, Tanna, Hohenleuben, Ziegenrück, Kahla, Volksmannsdorf,\nWeida, Auma mit Triptis, Reichenbach, Rudolstadt, Saalburg, Ron-\nneburg, Lengenfeld, Gräfenwarth, Lobenstein, Elsterberg, Mühltroff,\nEbersdorf, Köstritz, Marktneukirchen, Kirchenlamitz, zwei Vereine\nvon Schleiz. Das Begrüssungslied von W. Alberti, componirt von\nMusik-Director Graner, wurde vorgetragen, und darauf folgte eine\nAnsprache des Hofrathes Bürgermeister Knoch, an die Sänger.\nDas Kirchen-Concert, welches lll/2 Uhr begann, war gut besucht\nund darf wohl wegen der ausgezeichneten Ausführung als der Glanz-\npunkt des Festes betrachtet werden. Der volle Chor der Sänger\nmachte den herrlichsten Eindruck; auch die Soli, namentlich in der\n„Harmonie\" von Tschirch und in der Gran er'sehen „Hymne\",\nwurden sehr gut vorgetragen. Nachmittags ging der feierliche Zug\nnach Heinrichsruhe und wandte sieh zunächst nach dem so genann-\nten Gothischen Hause, wo sich Se. Durchlaucht der Erbprinz be-\nfand. Der Durchlauchtigste Erbprinz richtete an die Versammelten\neinige herzliche und von hohem Patriotismus zeugende Worte, die,\nvon Allen verstanden, den erhebendsten und freudigsten Eindruck\nhervorbrachten. Im Namen der Sänger sprach Capellmeister Tschirch\naus Gera den Dank für die huldvolle Begünstigung aus, den die\nSänger durch ein donnerndes Hoch bekräftigten. Abends nach 8 Uhr\nbegann in der Sängerhalle ein Haupttheil des Festes, der Wett-\ngesang, an dem sich 26 Vereine mit ernsten und heiteren Gesän-\ngen betheiligten. Die Vorträge der Vereine waren fast durchweg ge-\nlungen und legten ein schönes Zeugniss von der steigenden Ent-\nwicklung des Männergesanges ab. Am zweiten Tage um 3 Uhr be-\ngann ein grosses Concert in der Sängerhalle, ausgeführt von der\nschleizer fürstliehen Capelle und dem Plauischen Stadt-Musikcorps.\nJede Nummer, namentlich aber die Ouvertüre zu „Meister Martin\nund seine Gesellen\" von Tschirch und die beiden Fest-Reveillen von\nGraner und Schiffner fanden den verdientesten Beifall. Um 6 Uhr\nwurde der Ausspruch der Preisrichter vom Vorsitzenden des Comi-\nte's, Hofrath Knoch, verkündigt. Es erhielt die Liedertafel zu\nGera den Hauptpreis, bestehend in einem von Sr. Durchlaucht dem\nErbprinzen dazn bestimmten silbernen Pocal, ferner der Gesang-Ver-\nein Ressource zu Plauen das erste, der Gesang-Verein zu Rei-\nchenbach das zweite, der Gesang-Verein zu Zeulenroda das\ndritte Ehrenzeugniss. Das voigtländische Sängerfest bat jedenfalls"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610914-01.1.8", "texte": "zur Hebung des Männergesanges und zum Näherbringen der in\nneun Staaten vertheilten Vereine Vieles beigetragen.\nPa<l6rlloril9 3. September. Die Violin-Virtuosin Fräulein\nAmelie Bido, welche seit Kurzem in unserer Stadt anwesend ist,\nhat sich in dem gestrigen Concerte, welches der Musik-Verein, um\netwas zur Linderung der durch ein Brandunglück in jüngster Zeit\nhervorgerufenen Noth beizutragen, veranstaltet hatte, durch den Vor-\ntrag mehrerer Solostücke, namentlich des Rondo aus dem dritten\nConcerte von Vieuxtemps und einer Phantasie über Motive aus Faust\nvon Ch. Gounod neben der enthusiastischen Anerkennuug ihrer voll-\nendeten Leistungen den wärmsten Dank für ihre liebenswürdige Un-\neigennützigkeit erworben.\nWeimar. Se. K. Hoheit der Grossherzog von Sachsen-Wei-\nmar haben dem Hof-Capellmeister Dr. Franz Liszt als Ritter von\nLiszt die Kammerherrn-Würde verliehen.\nSicherem Vernehmen nach beabsichtigt Dr. Fr. Liszt nach seiner\nRückkehr aus dem Bade Reichenhall zunächst nach Schlesien zu\nreisen, woselbst ein Besuch bei der Frau Prinzessin Hohenzollern\nStatt haben soll. Von dort aus reis't Liszt nach Griechenland, wo\ner seinen Wohnsitz zu Athen nehmen wird, um dort mit Muse der\nAusführung einiger neuen musicalischen Schöpfungs-Ideen, unter an-\nderen der eines Oratoriums, obliegen zu können. Liszt's Abwesen-\nheit von Weimar, wo der Meister in allen Volksschichten, hohen\nund niederen, geliebt und hochgeehrt ist, soll zunächst auf die\nDauer eines Jahres festgesetzt sein. Man wünscht nicht nur in den\nallerhöchsten, sondern überhaupt in allen Kreisen, dass dies der\näusserste Termin der Rückkehr sei, und hofft, die Besorgniss (welche\nallerdings von Manchen gehegt wird), der verehrte Künstler werde\nWeimar nicht wieder zum bleibenden Wohnsitze wählen, sei eine\nnicht gegründete. (B. M.-Z.)\nDer Musik-Director von Herzberg, seit Neithardt's Tode in-\nterimistischer Dirigent des berliner Dom-Chors, begibt sich im Aller-\nhöchsten Auftrage auf einige Wochen nach Petersburg, um die Lei-\nstungen des berühmten dortigen Kirchenchors kennen zu lernen.\nWährend seiner Abwesenheit übernimmt der Gesanglehrer und kö-\nnigliche Domsänger Kotzolt die Leitung sowohl in den Uebungs-\nstunden als bei den liturgischen Aufführungen in der Domkirche."}]}