{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-09-21-01", "volume": "bmtnabi_1861-09-21_01", "ocr_sha256": "f74e3ef74060fcf2c677a42a40172a063db68c3876a43489ca563f9998bf0cca", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/09/21_01/bmtnabi_1861-09-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "294", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 490, "texte": "Inhalt.\nFranz Gläser (Nekrolog). Beurtheilendo Anzeigen: 1. Capriccio für das Pianoforte. Op. 88. 2. Toccata, Adagio und\nCapriccio, Violinstücke mit Clavicrbegleitung. Op. 87. W. H. Veit, Symphonie für Orchester, Op. 49. D. W. Volkmar, Orgelschule.\nOp. 50. Von M. —* J. H. Lützel, Kirchliche Chorgesänge des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts. H. M. Schletterer, Chorgesang-\nschule für Männerstimmen. Op. 20. Von L. An die Redaction. Von A. Schindler. 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April 1798. Gest. 29. August 1861.\nFranz Gläser, der Componist der Oper: „Des Ad-\nlers Horst\", ist nicht mehr; ehe das Publicum es ahnte,\nist er plötzlich seinen grossen dänischen Mitstrebenden 0 e h -\nlenschläger,Heiberg, Anna und P. N. Nielsen ins\nGrab gefolgt, das herrliche Orchester, welches er zu clas-\nsischer Höhe gebracht und zwanzig Jahre angeführt, ver-\nwais't hinterlassend. Gläser ward nur etwas über 62 Jahre\nalt. Er war ein geborener Böhme und mit gleich grosser\nWärme seinem ersten Vaterlande als seinem zweiten, Dä-\nnemark, zugethan. Schon als Kind, geboren in dem Dorfe\nOber-Georgenthal im saazer Kreise von armen Eltern, er-\nregte er Aufsehen durch sein seltenes musicalisches Talent\nund namentlich durch seine wunderbar liebliche Stimme.\nUm sich auszubilden, ging er nach Dresden und genoss\ndort den Gesang-Unterricht des bekannten alten „Vater\nMiksch\"; leider aber verlor er seine Stimme während der\nZeit des Ueberganges, und musste nun den Plan, Sänger\nzu werden, aufgeben. Er wählte darauf die Geige und\nging ans Conservatorium in Prag, wo Pixis sein Lehrer\nwurde. Allein bald ward der Drang, selbst zu schaffen,\nübermächtig in ihm, und er ruhte nicht, bis er endlich\n1816 nach Wien kam, wo er unter Heidenreich's Lei-\ntung den Contrapunkt studirte und nun zu componiren an-\nfing. Von grosser Bedeutung für seine Entwicklung ward\nhier seine Bekanntschaft mit Beethoven. Der misstraui-\nsche, unzugängliche Meister schenkte Gläser sein volles\nZutrauen und liess ihn unter Anderem die Einstudirung\ndes „Fidelio\" leiten. Gläser dirigirte auch unter des schon\ntauben Meisters scheinbarer Oberleitung die ersten Auf-\nführungen dieser unsterblichen Oper.\nSeine ersten dramatischen Arbeiten wurden auf dem\nLeopoldstädter Theater aufgeführt; 1818 wurde er Ca-\npellmeister am Josephstädter Theater und 1827 erster Ca-\nPellmeister am Theater an der Wien. Zahlreiche Arbeiten\nliess er in Wien auffuhren und hatte auch Glück dabei;\nallein der locale, temporäre Charakter der meisten Texte\nhinderte deren weitere Ausbreitung und dauernde Auf-\nnahme ins Repertoire. 1830 wurde er als Capellmeister\nan das Königsstädter Theater in Berlin berufen und erlebte\nhier mit Karl von Holtei, Henriette Sontag und Anderen\ndie Glanz-Periode dieser Bühne und eine Zeit des Kunst-\nstrebens, an die Kenner und Gönner der Kunst gegenwär-\ntig nicht ohne wehmüthigen Neid zurückdenken können.\nHoltei erwähnt Gläser's in rühmlichster Weise in seinen\n„Vierzig Jahren\" und erzählt mehrere Charakterzüge zum\nBeweise der seltenen Rechtlichkeit und Anspruchslosigkeit\nGläser's, wie sie der jetzigen Welt fast als Fabel klingen.\n„Des Adlers Horst\" mit HolteiVText brach dem Com-\nponisten überall Bahn (1832) und machte seinen Namen\nauch über Deutschlands Gränzen hinaus bekannt.\nDer kunstsinnige König Christian VIII., welcher 1839\nden dänischen Thron bestiegen hatte, berief Gläser, nach-\ndem Heinrich Marschner es ausgeschlagen hatte, als\nersten Capellmeister an das königliche Nationaltheater in\nKopenhagen, und zwar mit einem Gehalte von 3000 Rthlr.\nHier entfaltete er eine rastlose Wirksamkeit und brachte\ndie damals etwas in Verfall gerathene königliche Capelle\nbald zu neuer Blüthe und einer Höhe der Vollendung,\nwelche sie nun seit zwanzig Jahren zu einer der ersten\nder Welt gemacht hat. Und nicht bloss der Capelle und\nder Oper wandte er seine unermüdliche Thätigkeit zu, son-\ndern bewirkte auch als vieljähriger Dirigent der Musik-\nVereins-Concerte die Aufführung vieler grösseren, hier\nzum Theil nicht gehörten Oratorien. Seine Productivität\nverminderte sich in Folge dessen einiger Maassen. Er hat\nin dieser Zeit drei Opern zu Texten von 11. C. Ander-\nsen: „Die Hochzeit am Comersee\", „Der Flussgeist\" und\n„Der vergoldete Schwan\" componirt, Werke, welche hier\nzwar anständigen Erfolg hatten, allein nicht weiter gingen,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4785, "texte": "ja, sich selbst hier nicht auf dem Repertoire behaupteten.\nAusserdem schrieb er mehrfach Gelegenheits-Musik, na-\nmentlich zwei Trauer-Cantaten zu Thorwaldsen's und Chri-\nstian's VIII. Beisetzung; ferner verschiedene Ouvertüren.\nSein letztes Werk war für sein Vaterland Böhmen, eine\nJubel-Ouverture, welche er zum vorigjährigen Musikfeste\nin Prag zu componiren aufgefordert wurde.\nWährend Gläser's Verdienste hier Anfangs in unum-\nwundenster Weise anerkannt wurden, blieb es ihm doch\nauch nicht erspart, in Folge der Zeitverhältnisse darin\neine Reaction zu erleben. Als der Absolutismus 1848 ge-\nfallen war, sahen Manche in ihm einen Günstling dessel-\nben, der auf Kosten einheimischer Talente den höchsten\nmusicalischen Posten bekleidete. Er konnte sich nur un-\nvollkommen in dänischer Sprache ausdrücken, und seine\nbestimmten, in deutscher Sprache gegebenen Befehle erin-\nnerten stets daran, dass er ein Ausländer sei. Die Achtung,\nwelche seine Persönlichkeit einflösste, hielt jedoch seine\nNeider in Schranken, und die wahrhaft väterliche Fürsorge,\nwelche er seinen Musikern angedeihen liess, die uneigen-\nnützige Wärme, womit er stets gerecht für ihr Interesse\nzu wirken bemüht war, verschafften ihm die unbedingteste\nLiebe und Hingebung aller Besseren. Als Gade 1848\nvon Leipzig hieher kam, trat Gläser, dem grösseren ein-\nheimischen, obschon viel jüngeren, Talente Platz machend,\nzurück von der Direction des Musik-Vereins und zeigte die\nneidloseste Freude über den noch grösseren Aufschwung,\nden dieser ausgezeichnete Verein unter den jungen Kräf-\nten seines Nebenbuhlers nahm.\nSeit einigen Jahren kränkelte Gläser; er besuchte ein\nBad im vorigen Sommer und erholte sich wieder. Die un-\nmittelbare Ursache seines Todes soll eine Kränkung gewe-\nsen sein, die ihm von dem Cultus-Ministerium, welches die\nOber-Behörde des Theaters und der Capelle ist, zugefügt\nworden sein soll. Gläser hatte nämlich einen langjährigen\nViolinisten der Capelle zur vacanten Stelle eines ersten in\nder Nummer eingestellt, und sah diesem einen jüngeren\nvorgezogen, der zwar gleich tüchtig war, aber sich nicht\nin der Capelle selbst emporgedient hatte. Dem lebhaften\nGerechtigkeitsgefühle Gläser's war dies unerträglich, sein\nUnwille rief einen apoplektischen Anfall hervor, und die-\nser, mehrmals zurückkehrend, endete sein thätiges Leben.\nEs verlautet nichts davon, wer sein Nachfolger wer-\nden wird. Dänemark hat drei bedeutende Componisten\nund Dirigenten in J. P. C. II artmann, H. Rung und\nN. W. Gade. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Gade\nGläser's Nachfolger, und seine Stelle dann freilich vollkom-\nmen ausgefüllt sein. E. L. (W. Ree.)\nNachschrift. Die Oper „Des Adlers Horst\" hatte\ngleich bei den ersten Vorstellungen in Berlin einen ent-\nschiedenen Erfolg. Viel trug allerdings dazu bei, dass der\nComponist das Glück halte, sein Werk von einem Vereine\nvon Sängern dargestellt zu sehen, wie sie für die Spiel-\nOper wohl seitdem nicht wieder an irgend einer Bühne in\nDeutschland gefunden worden sind. Alle bei der damali-\ngen königsstädtischen Oper beschäftigten Künstler waren\nnicht nur stimmhegabte Sänger mit vortrefflicher Schule,\nsondern auch vollendete Schauspieler. Durch solch ein echt\nkünstlerisches Personal eingeführt, schlug die Oper durch,\nund es gelang der vornehmen Kritik und ihrem Hauptver-\ntreter Rellstab, die nur gelten Hessen, was auf den Bret-\ntern der königlichen Oper zur Erscheinung kam, nicht,\ndurch Ignoriren der Gläser'schen Oper sie todt zu schwei-\ngen. Neuerlich hatte man sie für Johanna Wagner in\nBerlin wieder in Scene gesetzt, worauf sie denn auch auf\nanderen Bühnen hier und da wieder zum Vorschein kam.\nDa die berühmte Künstlerin der Opernbühne entsagt hat,\nso wird „Des Adlers Horst\", in Berlin wenigstens, wohl\nauch wieder auf seinem Felsennest vergessen werden. Glä-\nser und Lortzing werden zu wenig von ihren Landsleuten\ngeschätzt, und doch sind sie in unserem Jahrhundert die\nEinzigen gewesen, welche Musik dieser Gattung geschrie-\nben haben, die deutschen Charakter trägt. Freilich scha-\nden auch ihren dramatischen Werken die Schwächen der\nTexte, die sie componirt haben—das allgemeine Loos der\ndeutschen Opern-Componisten.\nFranz Gläser ist nicht zu verwechseln mit Karl Gott-\nheit Gläser, welcher (geboren 1784 zu Weissenfeis in\nSachsen) sich in unserer Provinz, in Barmen, niederliess,\ndort als Musiklehrer und tüchtiger Ciavier- und Violinspie-\nler geschätzt wurde und wenn wir uns recht erinnern\nauch eine Musicalienhandlung gegründet hat. Er starb da-\nselbst den 16. April 1829. Er hat mehrere Compositio-\nnen herausgegeben, Sonaten u. s. w. für Ciavier, Motetten,\nChoräle, Schullieder u. s. w., auch ein Choralbuch für das\nGrossherzogthum Niederrhein und mehrere didaktische\nSchriften für den musicalischen Elementar-Unterricht.\n(Die Redaction.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "299", "image_debut": 2, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilende Anzeigen.", "titre_sommaire": "Beurtheilende Anzeigen.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.2", "debut_caractere": 4787, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "Beurtheilende Anzeigen.\n\nHiller, F., 1. Capriccio für das Pianoforte, für\nClara Schumann componirt. Op. 88. Leipzig,\nBreilkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\n2. Toccata, Adagio und Capriccio, Violin-\nstücke mit Ciavierbegleitung für seinen Freund\nJoachim. Op. 87. Ebendas. Pr. 1 Thlr. 15 Ngr.\nNoch ganz begeistert von der meisterhaften Cantate\n„Das Vaterland\", welche Hiller, dieser ausgewählte Lieb-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5580, "texte": "[*]\n\nling der Tonmuse, für Nürnberg componirt hat einer\nComposition, die ich nach sorgfältigster Prüfung für die\nmusicalisch werthvollste aller auf jenem Sängerfeste ge-\nbotenen Leistungen zu erklären keinen Anstand nehme—,\nerhalte ich die vorbezeichneten Werke zur Ansicht; ich\nspielte das Capriccio durch und hörte von einem tüchtigen\nGeiger die Violinstücke. Ich gehöre nämlich nicht zu jenen,\nwelche nach blossem flüchtigem Durchsehen eines Stückes,\nselbst eines Werkes für mehrere Instrumente, sich für beru-\nfen halten, darüber abzuurtheilen; ich bin vielmehr der\nUeberzeugung, dass nur ein vollständiges Vorführen einer\nComposition, wo möglich ganz nach dem Sinne und den\nAngaben des Tonsetzers, und ein wiederholtes Hören zu\neinem Urtheile berechtigen kann. In den genannten Com-\npositionen ist Hiller wie sonst origincl und interessant; er\nüberrascht auch hier durch Frische der Gedanken, ver-\njüngte Formen, süsse Melodieen, geistreiche Passagen,\nfrappante Harmonieenfolgen; er bietet immer Neues, es ist\nunmöglich, ihm nachzuweisen: „Dies oder Jenes ist schon\nda gewesen bei Anderen oder bei Dir selbst.\" Das gerade\naber macht ihn zu dem grossen Meister, als der er aner-\nkannt ist. Das Geheimniss seiner Geistes-Werkstätte? Werde\nich es errathen, wenn ich es darin finde, dass er nur schafft,\nwenn er vom Genius dazu innerlich gedrängt wird? Da-\ndurch erhält all sein Schaffen eine Weihe, welche das\nhandwerksmässigeThun in Ewigkeit entbehren muss. Nach\ndem Gesagten kann ich mich eines Eingehens in die obigen\nWerke für überhoben halten; es gilt bis ins Kleinste von\njedem derselben. Also nur ein paar Worte. Das Capriccio\nist ein geistreiches Spiel mit Gedanken und Gefühlen, dem\nsich zur Erholung von schwerer Geistesarbeit bisweilen der\ngereifte JVlann in trauter Abendstunde hingibt. Die Violin-\nstücke scheinen in einem inneren Zusammenhange zu ste-\nhen, ein psychisches Erlebniss anzudeuten. Der Künstler\ntritt nach jahrelanger unsäglicher Mühe in die Welt; er\nwill seine neuen Errungenschaften in der Kunst draussen\nverwerthen und sich den Lohn seines Strebens holen. Aber\ndie Welt erkennt ihn nicht; sie jubelt nur den äusseren\nVorzügen etwa seines Spiels zu, in seinen Geist, in seine\nIdeen dringt sie nicht ein, ja, sie verkennt ihn sogar bitter\nund tastet sein geheimstes Wesen an mit kalter Hand. Da\nzieht er sich wieder in sich selbst zurück, traurig, wehmü-\nthig, voll Gram und Kummer. Endlich rafft er sich wieder\nauf und stürmt, trotzig grollend auf die unverständige\nMenge, ins Leben; er geht jetzt, nur sich und seiner Kunst\nvertrauend und nichts Anderes suchend, seinen Weg.\nDer Weg ist voll Steine und Dornen, aber auch manche\nRose werthvoller Anerkennung erblüht ihm; und je weiter\ner vordringt, und je muthiger er schreitet, desto zahlrei-\ncher werden die Rosen der Freude, desto mehr verschwin-\nden die Dornen. Will der Spieler diese Phantasie festhal-\nten, so mag sie ihm vielleicht zur Ueberwindung der\nSchwierigkeiten in dieser Musik, zur Ermunterung dienen.\nW. H. Veit, Symphonie für Orchester. Seinem\nFreunde Dr. Rietz zugeeignet. Op. 49. Partitur.\nLeipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 5 Thlr.\nIch kenne diesen begabten Componisten bereits aus\nseinen Quartetten und habe ihn aufrichtig lieb gewonnen.\nEs wohnt in ihm ein solcher Ernst für die Kunst, dass\nschon dieser im Gegensatz gegen viele Eintagsfliegen, wel-\nche die Tonkunst zur Magd ihrer Sinne, Launen und Ver-\ngnügungen herabwürdigen, uns mit hoher Achtung für ihn\nerfüllen muss. Dabei geht er in seinen Veröffentlichungen\nso besonnen zu Werke, dass man das\nannumfast aus jedem Werke herausfühlt, ganz dem Thun\nso vieler entgegen, welche ein Verbrechen zu begeben\nvermeinen, wenn sie der Welt nicht gleich jede Note prä-\nsentiren, gleichviel, wann und wie sie entstanden ist. Doch\ngehen wir zum vorliegenden Werke selbst. Es zeichnet\nsich vorweg aus durch eine Klarheit und Durchsichtigkeit,\nwelche man bei vielen neueren derartigen Werken um-\nsonst sucht, die aber gerade der Stempel der Tüchtigkeit\nist. Ein einheitliches, schönes, symmetrisches Ganzes aus\nEinem Gedanken zu erbauen, ist etwas ganz Anderes, als\nThemata nach den Regeln des Satzes, aber ohne Phanta-\nsie, durchführen, oder phantastische Bilder an einander\nreihen, ohne der Schönheit der Form gerecht zu werden.\nBeides zu vereinigen, ist nur den Geweihten gegeben.\n„Maasshalten\" ist ein kurzes Wort, aber wie selten findet\nman es beobachtet! Da spinnen sie, denen dieses Wort\nfremd ist, ein endloses Gewebe von confusen Gedanken zu-\nsammen, oft künstlich genug, dass man über die Combi-\nnationen staunen muss; aber es langweilt am Ende selbst\nden Verstand des Hörers, und das Herz hat gar nichts da-\nvon. Veit versteht, zur rechten Zeit aufzuhören, ein grosser\nVorzug, der wohl in Anschlag zu bringen ist. Er thürmt\nnicht Gedanken auf Gedanken, so dass zuletzt ein Instru-\nment nicht mehr weiss, was das andere will. Bei ihm ist\nAlles an seinem Platze, es ist Alles überdacht; er schafft\nmit Wissen und Gewissen, spielt nicht mit Ideen und gibt\nsich noch weniger zum Spielballe derselben her. Daher ist\nAlles natürlich, nichts überspannt, nichts geschraubt. Er\nhascht nicht nach frappanten Themen, bizarren Melodieen\nund schroffen Harmoniefolgen; seine Gedanken und deren\nVerwerthung sind einfach, aber er macht viel aus ihnen\ntrotz ihrer Anspruchslosigkeit. Darin bewährt sich der Mei-\nster, dass er aus dem Einfachen Grosses zu entwickeln ver-\nmag. Die grandiosen gothischen Bauten mit ihren zahllo-\nsen Ausläufen, Spitzen, Blumen, Blüthen beruhen auf dem\neinfachsten Gesetze, und also ist es auch bei einem musi-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5380, "texte": "calischen Bauwerke. Man muss aus den scheinbar ver-\nwickeltsten Tonverbindungen den leitenden Gedanken auf\nden ersten Blick herausfinden können, und dass man dies\nbei Veit's Werke vermag, ist sicher ein wesentliches Ver-\ndienst desselben. Dass Melodie und Harmonie sich gegen*\nseitig tragen, sich stützen und heben und in inniger Ver-\nmählung Eins werden, ist ein eben so lobenswerthes\ncharakteristisches Merkmal des vorliegenden Werkes. Man\nkennt ja heutzutage Symphonieen, in denen vor lauter\nAccordfolgen nicht eine ordentliche Melodie aufkommen\nkann, und umgekehrt solche, in denen vor lauter Melo-\ndieen einem die Ohren und Augen zufallen möchten. Bei\nVeit ist das rechte Maass festgehalten. Endlich ist noch\nzu rühmen, dass er die Instrumente je nach ihrem Werthe\nzur Geltung kommen lässt; er hat nicht stereotype Phra-\nsen und Gruppirungen für jede Gattung, er häuft nicht\nKlang-Effecte ohne Sinn und Verstand auf einander, da-\nmit es nur recht krache und brause. Er sucht die Indivi-\ndualität der Instrumente, namentlich der Blas-Instrumente,\ndie so oft nur zum Füllen und Lärmmachen gebraucht\nwerden, hervortreten zu lassen. Mit Einem Worte: Das\nWerk lobt den Meister.\nD. W. Volkmar, Orgel schule von den ersten\nAnfängen bis zur höheren Ausbildung. Mit 460\nUebungsstücken. Op. 50. Leipzig, Breitkopf &\nHärtel. Preis 9 Thlr.\nMan kann von dem Fortschritte der Musik in techni-\nscher Hinsicht in neuester Zeit die beste Ueberzeugung\nhaben und doch, ohne den Namen eines Finsterlings zu\nverdienen, selbst in dieser Beziehung in manchen Stücken\neinen Bückschritt erblicken. Denken wir zum Beispiel nur\nan das Orgelspiel. Kann man da Lügen gestraft werden,\nwenn man, einzelne glänzende Ausnahmen bei Seite ge-\nsetzt, im Allgemeinen von einem argen Verfall redet?\nWorin diese beklagenswerthe Erscheinung ihre verschie-\ndenen Gründe habe, soll jetzt nicht untersucht werden;\naber dass ein mächtiger Factor des Verfalls die Unlust am\nStudium der strengen contrapunktischen Formen ist, ohne\ndie doch ein gutes Orgelspiel undenkbar, wer könnte dies\nläugnen? Man wird wehmüthig gestimmt, sieht man so\nmanches grosse, prächtige Orgelwerk in Süddeutschland,\ndem frühere Meister so gewaltige Wirkungen abgewon-\nnen, verfallen. Ich werde nie vergessen, wie schmerzlich\nes mich berührt hat, als ich in Komburg bei Schwäbisch-\nHall, in Weingarten, in Frauenzell, Ober- und Nieder-\nAlteich und in gar vielen anderen Orten in den Kirchen\ndie einst so herrlichen Orgeln sah, vom Zahn der Zeit be-\nnagt, von Staub bedeckt, mit dem Wurm am Herzen!\nUnd wie muthet es einen erst an, wenn man ein Meister-\nwerk, wie z. B. im Neresheimer Kloster, vom Spieler so\nmisshandelt hört, wie ich das einmal erlebte, oder wenn\nman, wie ich in einer berühmten Kirche in Salzburg und\nin einer noch berühmteren in Wien erlebte, die Orgel\nzum Vortrage von mehr als weltlichen, dem Geiste und\nder Technik derselben ganz heterogenen Dingen herabge-\nwürdigt sieht! Und leider könnte ich über dieses Thema\nans vielfacher Erfahrung auf meinen Keisen tausend im-\nmer traurigere Variationen singen!\nDoch gehen wir lieber zu dem vorliegenden Werke\nüber. Ich begrüsse es mit Freuden; es ist nach Anlage\nund Durchführung ganz dazu angethan, die Orgel und\ndas Orgelspiel wieder zu ihrer alten Würde und Höhe\nemporzubringen. Ich kann es daher auch nicht lebhaft und\nwarm genug empfehlen, und wünsche recht eindringlich\nseinen hohen Werth, seine grosse Bedeutsamkeit zu ver-\nkünden. Wir haben in neuerer Zeit manches ähnliche\nWerk; aber so systematisch, gründlich, immer geradezu\nauf die Sache losgehend, ist keines. Es vereinigt alle Vor-\nzüge der bisher erschienenen, ohne ihre Schwächen zu\ntheilen. Das Orgelspiel hat seine Schwierigkeiten einer-\nseits in dem Mechanismus der Orgel, andererseits in der\ndurch den Zweck der Orgel bestimmten und durch deren\nMechanismus bedingten Gattung von Tonstücken—die tech-\nnischen Schwierigkeiten erzeugt erstens der Widerstand,\nden die Orgeltasten dem Drucke der Finger entgegen-\nsetzen, alsdann in der Stabilität des Orgeltones—stabil in\nHinsicht auf seine Eigenschaft des Fortklingens, so lange\ndie betreffende Taste angehalten wird, und in Hinsicht auf\ndie stets gleiche Tonstärke. Jede dieser Schwierigkeiten\nbedarf zu ihrer Ueberwindung eines bestimmten Kreises\nvon Uebungen. Diese Uebungeu sind in reichlicher Fülle\nund stets systematisch in dem Werke gegeben. Dazu sind,\nwas sonst in Orgelschulen weniger beachtet ist, noch\nUebungen hinzugefügt, weiche der in der Neuzeit so sehr\nvervollkommneten Technik des Ciavierspiels, so weit das-\nselbe für das Orgelspiel anwendbar ist, Bechnung tragend,\nden möglichsten Grad der Fertigkeit des Orgelspielers\nerzielen sollen. Dem Haupt-Factor einer so bald als mög-\nlich und sicher zu erreichenden Bewältigung der Technik\nder Orgel, dem Spielen der Tonleiter, ist darum eine\nbesondere Berücksichtigung zu Theil geworden, und ist\ndabei der für die Tonleiter auf der Orgel eigenthümliche\nFingersatz streng beibehalten. Der Lehre von den wesent-\nlichen und unwesentlichen Verzierungen ist eine etwas\numständlichere Betrachtung gewidmet, als man sie sonst\nfindet, da sie für ein gutes Orgelspiel wesentlich nothwen-\ndig sind. Hinsichtlich der Begistrirung sind (mit Aus-\nnahme einiger Fälle) keine bestimmten Andeutungen ge-\ngeben, da die Orgeln hinsichtlich der Anzahl der Stimmen\nzu verschiedenartig disponirt sind. Indess dürften Anwei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5264, "texte": "sungen zu gewissen Combinationen der Stimmen nicht\nüberflüssig gewesen sein. Die allgemeine Musiklehre u. s. w.\nist mit Recht ausgeschlossen. Was die Gattung der\nTonstücke betrifft, so ist dem Choral eine besonders\nbevorzugte Stelle eingeräumt, und sind die dazu gehörigen\nUebungen vom Verfasser selbst componirt. Die Anord-\nnung des Stoffes ist sehr zweckmässig, und wir wün-\nschen nur, dass dieses echt methodische Werk in den\nConservatorien und Seminarien Wurzel fasse. M.\nJ. H. Lützel, Kirchliche Chorgesänge der vor-\nzüglichsten Meister des XVI., XVII. und\nXVIII. Jahrhunderts. Zweibrücken, 1861.\nVerlag von J. C. Herbart (Ritter'sche Buchhand-\nlung). Partitur. Kl. Fol. 94 S. Preis 2 Thlr.\nDas erste Heft dieser Chorgesänge haben wir bereits\nin Nr. 21 des Jahrgangs 1857 dieser Zeitung angezeigt.\nJetzt liegt die ganze Sammlung vollständig vor uns, und\nwir bezeichnen sie mit Freuden als eine durch vorzügliche\nAuswahl und durch treffliche Ausstattung in Druck und\nPapier gleich sehr empfehlenswerthe. Wenn der Heraus-\ngeber die Bestimmung derselben mit dem Zusätze auf dem\nTitel: „Zum Gebrauche bei dem evangelischen Gottes-\ndienste\" bezeichnet, so zieht er die Gränzen für ihre\nBrauchbarkeit zu enge, indem dieselbe auch Gesang-Ver-\neinen und solchen Gymnasien und Realschulen, welche\neine Chorclasse haben (und eine solche sollten alle haben\nund können alle haben, wenn es nur recht angefangen\nwird), sehr willkommen sein wird. Ja, was dergleichen\nGesänge alter Meister, ohne Instrumental-Begleitung von\neinem schönen Chor vorgetragen, selbst in grossen Concer-\nten für eine herrliche Wirkung hervorbringen, das haben\nwir hier in Köln schon oft und noch vor acht Tagen in\ndem Fest-Concerte gesehen, das die Stadt Ihren Majestä-\nten dem Könige und der Königin zu geben die hohe Ehre\nhatte, wo der Vortrag des alten italiänischen Kirchenge-\nsanges Atta Trinita beata grossen Eindruck machte. Wenn\nHerr Lützel in Zweibrücken sich einen Kirchenchor gebil-\ndet hat, mit welchem er im Stande ist, diese schönen Ge-\nsänge seit einer Reihe von Jahren beim Gottesdienste der\nevangelischen Gemeinde zur Aufführung zu bringen, so\nwünschen wir ihm und der Gemeinde Glück dazu, ihm,\ndass er den Sinn für die Erbauung durch die edelsten Er-\nzeugnisse der Tonkunst geweckt hat und ihn fortwährend\nnährt und stärkt, und der Gemeinde, dass sie so ver-\nnünftige Presbyterialen und Geistliche hat, die\nder Erhöhung der gottesdienstlichen Feier durch den Ge-\nsang nicht mit starrer Fühllosigkeit und gänzlichem Man-\ngel an Sinn für das Kunstschöne und Erhebende entgegen\ntreten. Dass Letzteres häufig von Seiten protestantischer\nGeistlicher und Kirchen-Vorstände geschieht, welche den\nwunden Fleck in ihrem Herzen durch puritanische Ascetik\nzu verdecken suchen, ist leider eine Wahrheit. Es ist in\nder Kirche, wie im Staate; wie es hier Leute gibt, die\nköniglicher sein wollen, als der König, so haben wir auch\ndort Menschen, die protestantischer sein wollen, als der\nStifter des Protestantismus, von dem wir auch in dieser\nSammlung die herrliche Melodie „Ein' feste Burg\" finden.\nDer Herausgeber ist in confessioneller Hinsicht von Ein-\nseitigkeit frei; mit Recht stehen die Gesänge der protestan-\ntischen Meister neben denen der katholischen der früheren\nJahrhunderte,— der Ausdruck wahrhafter Frömmigkeit\nin Verbindung mit dem musicalisch Schönen hat ihn allein\nbei der Auswahl geleitet.\nWir haben in den zwölf Heften sechszig kirchliche\nGesänge, unter denen wir keinen einzigen wüssten, der\nnicht seinen Platz verdiente. Es sind darunter nur sieben\neigentliche Choräle (dabei die von J. S. Bach ausgesetzten:\n„Wenn ich einmal soll scheiden\" und „Jesu, meine\nFreude\"); alle übrigen Stücke sind vier-, fünf-, sechsstim-\nmige, auch zweichörige, zum Theil kürzere, zum Theil\nlänger ausgeführte, motettenartige Gesänge. Die Ueber-\nsetzung der ursprünglich lateinischen Texte ist gut; wir\nbedauern aber, dass da, wo diese die Original-Texte sind,\nsie nicht mit der Uebersetzung zugleich abgedruckt sind,\nwie wir das schon früher dem Herausgeber geratben hat-\nten. Dadurch würde der historische und musicalische Stand-\npunkt vollkommener gewahrt worden sein.\nWir finden von Allegri 2 Stücke (auch das Mise-\nrere)', Anerio 1; Joh. Christoph Bach 1 (das acht-\nstimmige „Ich lasse Dich nicht\"); Joh. Mich. Bach 2\n(„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", und die grössere Mo-\ntette: „Das Blut Jesu Christi\", beide fünfstimmig); Joh.\nSeb. Bach 2 (Choräle); Melchior Bischoff 1; Bort-\nniansky 2 (die grosse Doxologie); Joh. Eccard 11\n(„Maria wallt zum Heiligthum\",sechsstimmig, „oFreud'\",\nachtstimmig, „Zu dieser österlichen Zeit\", sechsstimmig,\nu. s. w.); Jakob Gallus 2; Hans Leo Hassler 2; G.\nAug. Homilius 1 (die schöne Motette in Es: „Sehet,\nwelch' eine Liebe,\" mit dem des Chorals:\n„0 Gott, der freundlich,\" in der Bassstimme); Orl. Las-\nsus 2; Palestrina 10 („Adoramus teu, zwei Passions-\ngesänge, Improperia);Mich. Prätorius 3; Joh. Ro-\nsenmüller 1; Leonh. Schröter 1 (Weihnachtslied);\nHeinr. Schütz 2 („Ehre sei Dir, Christe,\"); Vittoria\nu. s. w.\nDie Sammlung ist den Herren Prof. Dr. J. Faisst in\nStuttgart und J. G. Herzog in Erlangen gewidmet.\nH. M. Schletterer (Capellmeister an den prote-\nstantischen Kirchen in Augsburg), Chorgesang-\nschule für Männerstimmen. Op. 20. Kai-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3104, "texte": "serslautern, bei J. J. Tascher. 1861. XII und\n126 S. kl. 8. Preis 15 Ngr.\nEs ist dies ein Büchlein, das für den Zweck, die Män-\nner-Gesangvereine der künstlerischen Behandlung ihrer\nAufgabe näher zu bringen, ganz praktisch eingerichtet ist.\nDer populäre Ton mag denn auch darin seine Rechtferti-\ngung finden, dass der Verfasser wohl besonders die vielen\nLieder-Vereine in kleineren Städten und in Ortschaften auf\ndem Lande vor Augen gehabt hat, die im südlichen\nDeutschland zahlreich zu finden sind. Der Zusatz : Op. 20,\nauf dem Titel bezieht sich wahrscheinlich auf die Lieder-\nCompositionen, die als Beispiele in ziemlicher Anzahl ein-\ngefügt sind und dem didaktischen Zwecke entsprechen.\nEinige kleine Irrthümer in den technischen Ausdrücken\nsind zu berichtigen. S. 67 ist Messa di voce mit Porta-\nmentogleichbedeutend angegeben; ersteres bedeutet aber\ndas An- und Abschwellen eines und desselben Tones, letz-\nteres das Verbinden zweier verschiedener Töne. S. 70,\nCantus Brmus (Plein chant), muss heissen Piain cliant,\nvon Cantus planus, nicht plenus. DieUebersicht der mu-\nsicalischen Literatur für Männergesang ist eine gute Zu-\ngabe. Die wackere Gesinnung des Verfassers bekundet\ndas Schlusswort, aus dem wir Folgendes gern unter-\nschreiben :\n„Alle diejenigen, welche es ernstlich mit der Sache\nmeinen, werden bekennen müssen, dass die Erfolge der\nzahlreichen Männer-Gesangvereine mit den aufgebotenen\nKräften in keinem Vergleiche stehen. Einerseits beginnt\nes ganz empfindlich an gut geschulten hohen und tiefen\nStimmen zu mangeln; dann ist in der Composition für den\nMännerchor ein entschiedener Rückschritt eingetreten; die\nWürde, der Ernst, die Kraft, ein gesunder Humor, Frische\nund Heiterkeit, die wir in älteren Werken antreffen, schei-\nnen fast verloren zu sein; krankhafte Sentimentalität, kin-\ndische Spielereien, läppische Spässe haben mancher Orten\nlast alles verdrängt, was sonst uns die Leistungen der Män-\nner-Gesangvereine so feierlich anregend, so woblthuend\nerheiternd machte. Der gesunde Sinn des deutschen Man-\nnes, der denn doch dem Ernste mehr zugewandt ist, als\ndem platten, kindischen Spasse, der sich so breit zu ma-\nchen beginnt, wird auch hier bald wieder den rechten\nWeg erkennen; und wie es auch der Ernst der Zeit, das\nwieder erwachende Interesse für die Sache des Männerge-\nsanges und die tüchtigen Vorbilder, die wir auf diesem Ge-\nbiete besitzen, nicht anders erwarten lassen, so werden\nauch die Leiter der Liedertafeln und Gesang-Vereine dem\nVerfasser dieses Werkes beipflichten, wenn er offen den\ninnigen Wunsch ausspricht, dass der Männergesang in eine\nseiner würdige Bahn wieder einlenken möge. Stoff und\nMaterial ist genug vorhanden; es handelt sich bloss darum,\nDass durch kundige Hand gesichtet wird, und hier möge\nzunächst auch auf die reichen Schätze geistlicher Compo-\nsitionen aufmerksam gemacht werden, die wir besitzen.\nIm Interesse der Tonkunst überhaupt dürfte es auch lie-\ngen, wenn die Gemüthlichkeit weniger und ernstes Stre-\nben nach musicalischer Tüchtigkeit und Vervollkommnung\nmehr Platz und Aufmerksamkeit in den Gesang-Vereinen\ngewänne.\"\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "299", "page_fin": "300", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.2.4", "titre_corps": "An die Redaction.", "titre_sommaire": "An die Redaction.", "signature_source": "A. 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Der Irrthum desfalls in Beethoven's\nBiographie, 11., 86, rührt daher, dass in dem durch ver-\nschiedene Zeitungen veröffentlichten Programme zu jenem\nJubelfeste unter Anderem auch deutlich zu lesen war:\n„Missa in D von Beethoven\", was möglicher Weise ein\nDruckfehler gewesen sein konnte. Diese Angabe des Pro-\ngramms ward mir aber späterhin von einem freiburger\nGelehrten, der sich auch mit Musik beschäftigt, für wahr\nbestätigt, worauf ich erst jene nun als unwahr sich heraus-\nstellende Thatsache niedergeschrieben habe.\nZum Ersatz für diesen Wegfall einer vollständigen\nAufführung der Missa in D beim Gottesdienste soll bei-\ngehend von zwei anderen nähere Kunde gegeben werden.\nDiese hatten Statt zu Reichenberg und Warmsdorf\nim nördlichen Böhmen. Der Chor-Rector in ersterer Stadt,\nHerr F. Schmidt, schreibt mir unterm 29. April d. J.\ndarüber: „Ich gab Beethoven's in am 7. Octo-\nber 1832 mit der Besetzung von 150 Sängern und Mu-\nsikern, und zwar in der Kirche bei einem Hochamte. Die\nBesetzung hatte ich, wie folgt: 12 erste Violinen, 12zweite\nViolinen, 10 Violen, 8 Celli, 6 Bässe, 20 Blas-Instrumen-\ntisten, 4 Solisten und 80 Choristen. Trotzdem damals und\nnoch heute unser orchestraler und gesanglicher Körper nur\nlauter Dilettanten zählt, erzielte ich doch in acht Wochen\nund durch strebsame Proben eine Aufführung, welche je-\nder strengen Kritik entgegengeführt werden konnte\"*).\n\n*) Von Aufführung der Missa in Reichenberg hatte Herr Schmidt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "Ferner schreibt Herr F. Schmidt:\n„In Betreff Warmsdorfs diene Ihnen, dass auch dort\nBeethoven's Missa in D bei einem Hochamte am 20. Juni\n1831 unter Leitung des dortigen, jetzt verstorbenen, Leh-\nrers Vincenz Richter gegeben wurde.\"\nDies wären also die zwei einzigen Aufführungen der\nMissa beim Gottesdienste nach vierunddreissigjährigem\nBestehen des Werkes in der OefFentlichkeit.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "300", "page_fin": "301", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.7", "debut_caractere": 398, "fin_caractere_exclue": 6981, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄolil. Ihre Majestäten der König und die Königin hat-\nten auf die ehrfurchtsvolle Bitte der Stadt Köln um Allergnädigste\nAnnahme von Festlichkeiten zur Feier des Allerhöchsten Besuches\nein Concert auf dem Gürzenich am 15. September, Abends acht\nUhr, anderen Festlichkeiten vorgezogen und damit den hiesigen mu-\nsicalischen Zuständen Allerhöchstihre Anerkennung auf die gnädigste\nund für jene höchst ehrenvolle Weise auszusprechen geruht.\nIn dem Augenblicke, als Ihre Majestäten, Höchst welche aus dem\nHoflager auf dem königliehen Schlosse zu Brühl mit einem beson-\nderen Eisenbahnzuge nach Köln gekommen waren, im Saale erschie-\nnen, erschallte der Ruf: Ihre Majestäten, der König und die Köni-\ngin! Sie leben hoch! Sofort, wie das hierauf mit stürmischem Jubel\nerschallende dreimalige Hoch und ein Orchester-Tusch verklungen\nwaren, spielte das Orchester die preussische National-Hymne. Nach-\ndem die erlauchten Gäste Sich niedergelassen und das Ihnen über-\nreichte Programm des Concertes entgegen genommen hatten, nahm\nletzteres mit der Ouvertüre zur Olympia von Spontini seinen\nAnfang. Hiernach wurde ein geistliches Lied (rAlla trinita beata\")\naus dem XV. Jahrhundert a Capellen gesungen, sodann „Lorelei\"\n(Gedicht von Wolfgang Müller von Königswinter, componirt und\nIhrer Königlichen Hoheit Louise, Grossherzogin von Baden, zugeeig-\nnet von F Hill er) und hierauf die Ouvertüre zu C. M. von We-\nbers „Euryanthe\" vorgetragen, womit der erste Theil des Concer-\ntes zu Ende ging. Während der Pause geruhten Ihre Majestäten Sich\nan das Orchester zu begeben und Sich auf das freundlichste gegen\nden Capellmeister F. Hiller sowohl über die Statt gehabten Auffüh-\nrungen als über die Composition der „Lorelei\" zu äussern, einige\nAufklärungen über die Zusammensetzung des Chors zu verlangen\nund freundliche Worte an die Solosänger zu richten, und schliesslich\nden Capellmeister Hiller zu beauftragen, allen Mitwirkenden, wobei\nder König mit der Hand besonders auf die jungen Damen des Chors\ndeutete, seine Freude und seinen Dank auszusprechen. Der zweite\nTheil des Concertes bestand zunächst aus drei vom kölner Männer-\nGesangvereine unter Direction des königlichen Musik-Directors Fr.\nWeber vorgetragenen Liedern, wovon das erste „Dem Könige\",\ndas zweite „Der Königin\" gewidmet war (die Texte beider ver-\nfasst von A. Pütz). Nach dem ersten Liede brachte der Ober-Bür-\ngermeister Justizrath Stupp Ihren Majestäten dem Könige und der\nKönigin ein dreimaliges Hoch, in das wiederum die Versammlung\nmit Begeisterung einstimmte. Eine Hymne für Chor und Orchester,\nzur Krönungsfeier Georg's 11, componirt von G. F. Händel (1727),\nbildete den Schluss des Concertes.\nHierauf verliessen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften\nden Saal und geruhten auf einer Fahrt durch die Stadt die überaus\nglänzende Illumination in Augenschein zu nehmen, welche unmittel-\nbar nach der Ankunft Höchstderselben auf dem Centrai-Bahnhofe\ndurch die plötzlich zauberisch aufstrahlende Beleuchtung des Nord-\nportals des Domes beschlossen wurde.\nBerlin. Der hiesigen königlichen Bibliothek ist ein sehr werth-\nvolles Musik-Geschenk zu Theil geworden. Von Verehrern Beetho-\nven's ist nämlich bei dessen Lebzeiten ein Instrumental-Quartett,\nbestehend aus einer Violine von Nicolas Amati vom Jahre 1690,\neiner Violine von Joseph Guarneri vom Jahre 1718, einer Viola von\nVincent Regeri vom Jahre 1690 und einem Cello von Andreas Guar-\nneri vom Jahre 1712, zusammengestellt worden, auf welchem Werke\ndes Componisten in dessen. Gegenwart von damals bekannten Mei-\nstern ausgeführt wurden. Der Grosshändler Peter Jokits zu Wien\nhat diese Instrumente, welche allmählich in verschiedene Hände ge-\nrathen waren, sämmtlich erworben und sodann Sr. Maj. dem Könige\nmit dem Wunsche dargebracht, dass dieselben unter dem Namen\n„Jokits-Stiftung\" in der königlichen Bibliothek zu Berlin, deren mu-\nsicalische Abtheilung einen grossen Theil des Beethoven'schen Nach-\nlasses enthält, einen Platz finden und bei besonderen Gelegenheiten\nAusfühlung Beethoven scher Stücke benutzt werden möchten.\nAuf den Bericht des Herrn Ministers der geistlichen u. s. w. Ange-\nlegenheiten haben Se. Majestät der König durch Allerhöchsten Er-\nlass vom 22. Juli 1861 das in kunstgeschichtlicher Hinsicht werth-\nvolle Geschenk anzunehmen und dessen Aufbewahrung in der Bi-\nbliothek zu Berlin unter der Bezeichnung ..Jokits-St iftun g\" zu\ngestatten geruht.\nBramiscltwefg. Am 1. September wurde das alte Schau-\nspielhaus geschlossen, und das neuerbaute wird Anfangs October,\nund zwar, wie vorläufig bestimmt ist, mit „Iphigenia\" und einem\nFestspiel eröffnet werden. Als erste Opern-Vorstellung wurde der\n„Tannhäuser\" gewählt, für Braunschweig noch eine Novität; dann\nsoll der Gounod'sche „Faust\" folgen.\nAm 16. August fand ein grosses Concert im Cursaale zu Hom-\nburg Statt, bei welchem Fräulein Dory, erste Sängeriu am Thea-\nter zu San Carlo in Neapel, der Baritonist Hill aus Frankfurt.\nAlfred Jacll und der Violoncellist Selig mann mitwirkten.\nStuttgart, 11. September. Herr Karl Eckert, der frühere\nDirector des Kärnthnerthor-Theaters in Wien, ist zum königlichen\nHof-Capellmeister ernannt, befindet sich auch bereits in unseren\nMauern. Wer ihn hergebracht, ob sein Engagement mit oder ohne\nWissen des Intendanten erfolgt, ob Herr Kücken neben ihm blei-\nben, ob, nachdem die Eine Nachricht wahr geworden, nunmehr auch\nHerr Hackländer demnächst Herrn v. Gall ersetzen wird\ndiese und noch viele andere Fragen zu beantworten, ist bis jetzt\nnicht möglich. Als vor einem Decennium die Stuttgarter mit der\nNachricht überrascht wurden, es sei neben dem Capellmeister Lind-\npaintner in der Person des Herrn Kücken ein zweiter Capellmeister\nengagirt, da wusste man, dass Lindpaintner durch rücksichtsloses\nAuftreten sich da und dort an einflussreichen Orten Feinde gemacht\nhatte; er war zudem bereits ziemlich bei Jahren, man konnte also\ndie Ernennung eines jungen Mannes wie eine Art Diensterleichterung\nansehen; in den Augen der Vernünftigen blieb Lindpaintner unbe-\ndingt der Leiter unserer Oper. Aber heute ? Herr Kücken hat bis\njetzt durch ein geschicktes Laviren sich so ziemlich mit allen maass-\ngebenden Parteien gehalten; man kannte ihn als Schoosskind des\nIntendanten, als intimen Freund der Herren Löwe und Hackländer,\nals gut angeschrieben beim Könige u. s. w.; er ist ein Mann in\nder Blüthe der Jahre, hat sich erst nach und nach in das Dirigiren\nhineingeschickt, und jetzt wird neben ihm (oder etwa gar über ihm?)\n\nkurz vor der an mich gerichteten Zuschrift auch der Deut-\nschen Musik-Zeitung Nachricht gegeben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4677, "texte": "ein Musiker angestellt, der, wenn auch als Componist weniger be-\nrühmt, doch als Lenker eines Orchesters ein Renommee geniesst, vor\ndem das Kücken'sche geradezu verschwindet. Wird sich der Schleier,\nder über diesem Geheimnisse schwebt, lüften? Die Chorproben\nvon Gounod's „Faust\", der auf den Geburtstag des Königs (27. Sep-\ntember) einstudirt wird, sind in vollem Gange.\nFrankfurt »• 9. September. Nachdem Capellmeister\nGustav Schmidt, welcher während eines Zeitraumes von zehn Jah-\nren die Direction der hiesigen Oper geleitet hat, am l.d. Mts. seine\nStellung verlassen, wurde der neue Capellmeister Ignaz Lachner\ndem Personal der Oper vorgestellt. Herr Dr. v. Guiata hielt eine\ndem Zwecke entsprechende Rede, welche Letzterer dahin erwiederte,\ndass man ihm mit demselben Vertrauen, welches er bringe, entge-\ngen kommen möge. Am vergangenen Samstag dirigirte Herr Lachner\nzum ersten Male die Oper „Fidelio\", und nach der zweiten Ouver-\ntüre wurden ihm lebhafte Zeichen der Zufriedenheit und des Beifalls\nkund gegeben.\nDer Pianist Eduard Rosenhain, als Lehrer und Künstler,\nso wie als Mensch allgemein geachtet und geliebt, ist nach längerer\nKrankheit seinen Leiden vor einigen Tagen erlegen. Die zahlreiche\nTheilnahme an seinem Begräbnisse von Seiten der jüdischen und\nchristlichen Bewohner Frankfurts und die dabei sich kundgebende\nallgemeine tiefe Rührung lieferten den besten Beweis dafür, dass der\nDahingegangene in den Herzen aller, die ihn kannten, sich ein blei-\nbendes, liebevolles Andenken erobert hatte. Durch ein ernstes, edles\nKunststreben zeichnete Ed. Rosenhain sich vor vielen seines Standes\naus, und er hat sich im Verein mit seinem in Paris jetzt lebenden\nBruder Jakob Rosenhain und einigen anderen Künstlern von seinem\nersten Auftreten in Frankfurt an die unzweifelhaftesten Verdienste\num die Beförderung des guten Geschmacks in musicalischen Dingen\nerworben.\nFrau Sophie Förster in Dresden ist unter sehr günstigen\nBedingungen am meininger Hoftheater engagirt worden.\n6. September. Wahrscheinlich in nächster Woche schon\nwerden Rubinstein und Wagner Wien wieder verlassen. Erste-\nrer, um vor der Hand nach Leipzig und Berlin zu gehen, Letzterer,\num nach Karlsruhe zurückzukehren. Durch die noch immer andau-\nernde stimmliche Indisposition Anderes wurde beiden Componisten\nder Zweck ihres diesmaligen wiener Aufenthaltes vereitelt. Rubinstein\nverlässt Wien aberirials, ohne seine Oper gehört zu haben, und Wag-\nner wird eine gelegenere Zeit abwarten müssen, um mit dem Stu-\ndium seines „Tristan\" beginnen zu können. Nach ärztlichen Urthei-\nlen soll das Wiederauftreten Ander's, den man sehr schmerzlich ver-\nmisst, vor einem Monate kaum zu erwarten sein.\nProfessor Dr. Eduard Hanslick ist, wie das Abendblatt der\n„Presse\" vom 5. d. Mts. meldet, auf sein wiederholtes Ansuchen\nvon der Function eines artistischen Beirathes des k. k. Hof-Opern-\ntheaters enthoben worden.\nIn Nizza starb dieser Tage der Componist Vincent No-\nvello, Vater der berühmten Sängerin Clara Novello und des Musik-\nVerlegers John Alfred Novello. Er war lange Zeit bei der Capelle\nder spanischen Gesandtschaft in London angestellt und Vorstände-\nMitglied der philharmonischen Gesellschaft. Er erreichte ein Alter\nvon 80 Jahren.\nDer Kaiser von Russland hat die Dedication der Rubinstein'schen\nOper: „Die Kinder der Haide\", anzunehmen und dem Verleger der-\nselben, dem k. k. Hof-Musicalienhändler C. A. Spina in Wien, als\nAnerkennung die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft mit\nder Umschrift: „Praemii digno\", zu verleihen geruht.\nDer Pianist Wilhelm Krüger in Paris hat vom Herzog Ernst\nvon Coburg-Gotha die Medaille für Kunst und Wissenschaft erhal-\nten. Dem Violoncellisten Batta ist von dem Könige von Preussen\nder Rothe Adler-Orden verliehen worden.\nAus X-stedt, d. d. August. Hier mehr wie irgendwo steht es\ngründlich schlecht um die Kritik. Freilich, wo die Corruption so\ngross ist, wie in den höchsten Verwaltungsspitzen des Hoftheaters,\nda lässt sich auch nichts Besseres erwarten. Hierbei Ein Beispiel\nfür viele, zu dessen Kenntniss ich auf ziemlich directem Wege ge-\nkommen bin. Der Intendant lässt den Tenor ***** zu einer persön-\nlichen Mittheilung bitten und insinuirt ihm, dass er sich doch zu\ndem herkömmlichen Gebrauche, „die Herren Recensenten zu hono-\nriren\", verstehen möge; die Kritik nehme in Folge der bisherigen\nAusserachtlassung dieser Sitte (!) zu wenig Notiz von ihm, und da-\nmit sei weder ihm, dem Intendanten, noch ihm, dem Sänger, ge-\ndient. Herr ***** wies dieses Ansinnen natürlich mit gebührender\nEntrüstung zurück, und die nächste Folge ist, dass sich die Gegen-\npartei tagtäglich aufs Neue mit ihren bisherigen abgesungenen Hel-\nden breit macht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Gläser (Nekrolog). Beurtheilendo Anzeigen: 1. Capriccio für das Pianoforte. Op. 88. 2. Toccata, Adagio und\nCapriccio, Violinstücke mit Clavicrbegleitung. Op. 87. W. H. Veit, Symphonie für Orchester, Op. 49. D. W. Volkmar, Orgelschule.\nOp. 50. Von M. —* J. H. Lützel, Kirchliche Chorgesänge des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts. H. M. Schletterer, Chorgesang-\nschule für Männerstimmen. Op. 20. Von L. An die Redaction. Von A. Schindler. Tages- und Unte r h al tun gs b latt.\n\nFranz Gläser.\nGeb. 19. April 1798. Gest. 29. August 1861.\nFranz Gläser, der Componist der Oper: „Des Ad-\nlers Horst\", ist nicht mehr; ehe das Publicum es ahnte,\nist er plötzlich seinen grossen dänischen Mitstrebenden 0 e h -\nlenschläger,Heiberg, Anna und P. N. Nielsen ins\nGrab gefolgt, das herrliche Orchester, welches er zu clas-\nsischer Höhe gebracht und zwanzig Jahre angeführt, ver-\nwais't hinterlassend. Gläser ward nur etwas über 62 Jahre\nalt. Er war ein geborener Böhme und mit gleich grosser\nWärme seinem ersten Vaterlande als seinem zweiten, Dä-\nnemark, zugethan. Schon als Kind, geboren in dem Dorfe\nOber-Georgenthal im saazer Kreise von armen Eltern, er-\nregte er Aufsehen durch sein seltenes musicalisches Talent\nund namentlich durch seine wunderbar liebliche Stimme.\nUm sich auszubilden, ging er nach Dresden und genoss\ndort den Gesang-Unterricht des bekannten alten „Vater\nMiksch\"; leider aber verlor er seine Stimme während der\nZeit des Ueberganges, und musste nun den Plan, Sänger\nzu werden, aufgeben. Er wählte darauf die Geige und\nging ans Conservatorium in Prag, wo Pixis sein Lehrer\nwurde. Allein bald ward der Drang, selbst zu schaffen,\nübermächtig in ihm, und er ruhte nicht, bis er endlich\n1816 nach Wien kam, wo er unter Heidenreich's Lei-\ntung den Contrapunkt studirte und nun zu componiren an-\nfing. Von grosser Bedeutung für seine Entwicklung ward\nhier seine Bekanntschaft mit Beethoven. Der misstraui-\nsche, unzugängliche Meister schenkte Gläser sein volles\nZutrauen und liess ihn unter Anderem die Einstudirung\ndes „Fidelio\" leiten. Gläser dirigirte auch unter des schon\ntauben Meisters scheinbarer Oberleitung die ersten Auf-\nführungen dieser unsterblichen Oper.\nSeine ersten dramatischen Arbeiten wurden auf dem\nLeopoldstädter Theater aufgeführt; 1818 wurde er Ca-\npellmeister am Josephstädter Theater und 1827 erster Ca-\nPellmeister am Theater an der Wien. Zahlreiche Arbeiten\nliess er in Wien auffuhren und hatte auch Glück dabei;\nallein der locale, temporäre Charakter der meisten Texte\nhinderte deren weitere Ausbreitung und dauernde Auf-\nnahme ins Repertoire. 1830 wurde er als Capellmeister\nan das Königsstädter Theater in Berlin berufen und erlebte\nhier mit Karl von Holtei, Henriette Sontag und Anderen\ndie Glanz-Periode dieser Bühne und eine Zeit des Kunst-\nstrebens, an die Kenner und Gönner der Kunst gegenwär-\ntig nicht ohne wehmüthigen Neid zurückdenken können.\nHoltei erwähnt Gläser's in rühmlichster Weise in seinen\n„Vierzig Jahren\" und erzählt mehrere Charakterzüge zum\nBeweise der seltenen Rechtlichkeit und Anspruchslosigkeit\nGläser's, wie sie der jetzigen Welt fast als Fabel klingen.\n„Des Adlers Horst\" mit HolteiVText brach dem Com-\nponisten überall Bahn (1832) und machte seinen Namen\nauch über Deutschlands Gränzen hinaus bekannt.\nDer kunstsinnige König Christian VIII., welcher 1839\nden dänischen Thron bestiegen hatte, berief Gläser, nach-\ndem Heinrich Marschner es ausgeschlagen hatte, als\nersten Capellmeister an das königliche Nationaltheater in\nKopenhagen, und zwar mit einem Gehalte von 3000 Rthlr.\nHier entfaltete er eine rastlose Wirksamkeit und brachte\ndie damals etwas in Verfall gerathene königliche Capelle\nbald zu neuer Blüthe und einer Höhe der Vollendung,\nwelche sie nun seit zwanzig Jahren zu einer der ersten\nder Welt gemacht hat. Und nicht bloss der Capelle und\nder Oper wandte er seine unermüdliche Thätigkeit zu, son-\ndern bewirkte auch als vieljähriger Dirigent der Musik-\nVereins-Concerte die Aufführung vieler grösseren, hier\nzum Theil nicht gehörten Oratorien. Seine Productivität\nverminderte sich in Folge dessen einiger Maassen. Er hat\nin dieser Zeit drei Opern zu Texten von 11. C. Ander-\nsen: „Die Hochzeit am Comersee\", „Der Flussgeist\" und\n„Der vergoldete Schwan\" componirt, Werke, welche hier\nzwar anständigen Erfolg hatten, allein nicht weiter gingen,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.2", "texte": "ja, sich selbst hier nicht auf dem Repertoire behaupteten.\nAusserdem schrieb er mehrfach Gelegenheits-Musik, na-\nmentlich zwei Trauer-Cantaten zu Thorwaldsen's und Chri-\nstian's VIII. Beisetzung; ferner verschiedene Ouvertüren.\nSein letztes Werk war für sein Vaterland Böhmen, eine\nJubel-Ouverture, welche er zum vorigjährigen Musikfeste\nin Prag zu componiren aufgefordert wurde.\nWährend Gläser's Verdienste hier Anfangs in unum-\nwundenster Weise anerkannt wurden, blieb es ihm doch\nauch nicht erspart, in Folge der Zeitverhältnisse darin\neine Reaction zu erleben. Als der Absolutismus 1848 ge-\nfallen war, sahen Manche in ihm einen Günstling dessel-\nben, der auf Kosten einheimischer Talente den höchsten\nmusicalischen Posten bekleidete. Er konnte sich nur un-\nvollkommen in dänischer Sprache ausdrücken, und seine\nbestimmten, in deutscher Sprache gegebenen Befehle erin-\nnerten stets daran, dass er ein Ausländer sei. Die Achtung,\nwelche seine Persönlichkeit einflösste, hielt jedoch seine\nNeider in Schranken, und die wahrhaft väterliche Fürsorge,\nwelche er seinen Musikern angedeihen liess, die uneigen-\nnützige Wärme, womit er stets gerecht für ihr Interesse\nzu wirken bemüht war, verschafften ihm die unbedingteste\nLiebe und Hingebung aller Besseren. Als Gade 1848\nvon Leipzig hieher kam, trat Gläser, dem grösseren ein-\nheimischen, obschon viel jüngeren, Talente Platz machend,\nzurück von der Direction des Musik-Vereins und zeigte die\nneidloseste Freude über den noch grösseren Aufschwung,\nden dieser ausgezeichnete Verein unter den jungen Kräf-\nten seines Nebenbuhlers nahm.\nSeit einigen Jahren kränkelte Gläser; er besuchte ein\nBad im vorigen Sommer und erholte sich wieder. Die un-\nmittelbare Ursache seines Todes soll eine Kränkung gewe-\nsen sein, die ihm von dem Cultus-Ministerium, welches die\nOber-Behörde des Theaters und der Capelle ist, zugefügt\nworden sein soll. Gläser hatte nämlich einen langjährigen\nViolinisten der Capelle zur vacanten Stelle eines ersten in\nder Nummer eingestellt, und sah diesem einen jüngeren\nvorgezogen, der zwar gleich tüchtig war, aber sich nicht\nin der Capelle selbst emporgedient hatte. Dem lebhaften\nGerechtigkeitsgefühle Gläser's war dies unerträglich, sein\nUnwille rief einen apoplektischen Anfall hervor, und die-\nser, mehrmals zurückkehrend, endete sein thätiges Leben.\nEs verlautet nichts davon, wer sein Nachfolger wer-\nden wird. Dänemark hat drei bedeutende Componisten\nund Dirigenten in J. P. C. II artmann, H. Rung und\nN. W. Gade. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Gade\nGläser's Nachfolger, und seine Stelle dann freilich vollkom-\nmen ausgefüllt sein. E. L. (W. Ree.)\nNachschrift. Die Oper „Des Adlers Horst\" hatte\ngleich bei den ersten Vorstellungen in Berlin einen ent-\nschiedenen Erfolg. Viel trug allerdings dazu bei, dass der\nComponist das Glück halte, sein Werk von einem Vereine\nvon Sängern dargestellt zu sehen, wie sie für die Spiel-\nOper wohl seitdem nicht wieder an irgend einer Bühne in\nDeutschland gefunden worden sind. Alle bei der damali-\ngen königsstädtischen Oper beschäftigten Künstler waren\nnicht nur stimmhegabte Sänger mit vortrefflicher Schule,\nsondern auch vollendete Schauspieler. Durch solch ein echt\nkünstlerisches Personal eingeführt, schlug die Oper durch,\nund es gelang der vornehmen Kritik und ihrem Hauptver-\ntreter Rellstab, die nur gelten Hessen, was auf den Bret-\ntern der königlichen Oper zur Erscheinung kam, nicht,\ndurch Ignoriren der Gläser'schen Oper sie todt zu schwei-\ngen. Neuerlich hatte man sie für Johanna Wagner in\nBerlin wieder in Scene gesetzt, worauf sie denn auch auf\nanderen Bühnen hier und da wieder zum Vorschein kam.\nDa die berühmte Künstlerin der Opernbühne entsagt hat,\nso wird „Des Adlers Horst\", in Berlin wenigstens, wohl\nauch wieder auf seinem Felsennest vergessen werden. Glä-\nser und Lortzing werden zu wenig von ihren Landsleuten\ngeschätzt, und doch sind sie in unserem Jahrhundert die\nEinzigen gewesen, welche Musik dieser Gattung geschrie-\nben haben, die deutschen Charakter trägt. Freilich scha-\nden auch ihren dramatischen Werken die Schwächen der\nTexte, die sie componirt haben—das allgemeine Loos der\ndeutschen Opern-Componisten.\nFranz Gläser ist nicht zu verwechseln mit Karl Gott-\nheit Gläser, welcher (geboren 1784 zu Weissenfeis in\nSachsen) sich in unserer Provinz, in Barmen, niederliess,\ndort als Musiklehrer und tüchtiger Ciavier- und Violinspie-\nler geschätzt wurde und wenn wir uns recht erinnern\nauch eine Musicalienhandlung gegründet hat. Er starb da-\nselbst den 16. April 1829. Er hat mehrere Compositio-\nnen herausgegeben, Sonaten u. s. w. für Ciavier, Motetten,\nChoräle, Schullieder u. s. w., auch ein Choralbuch für das\nGrossherzogthum Niederrhein und mehrere didaktische\nSchriften für den musicalischen Elementar-Unterricht.\n(Die Redaction.)\n\nBeurtheilende Anzeigen.\n\nHiller, F., 1. Capriccio für das Pianoforte, für\nClara Schumann componirt. Op. 88. Leipzig,\nBreilkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\n2. Toccata, Adagio und Capriccio, Violin-\nstücke mit Ciavierbegleitung für seinen Freund\nJoachim. Op. 87. Ebendas. Pr. 1 Thlr. 15 Ngr.\nNoch ganz begeistert von der meisterhaften Cantate\n„Das Vaterland\", welche Hiller, dieser ausgewählte Lieb-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.3", "texte": "[*]\n\nling der Tonmuse, für Nürnberg componirt hat einer\nComposition, die ich nach sorgfältigster Prüfung für die\nmusicalisch werthvollste aller auf jenem Sängerfeste ge-\nbotenen Leistungen zu erklären keinen Anstand nehme—,\nerhalte ich die vorbezeichneten Werke zur Ansicht; ich\nspielte das Capriccio durch und hörte von einem tüchtigen\nGeiger die Violinstücke. Ich gehöre nämlich nicht zu jenen,\nwelche nach blossem flüchtigem Durchsehen eines Stückes,\nselbst eines Werkes für mehrere Instrumente, sich für beru-\nfen halten, darüber abzuurtheilen; ich bin vielmehr der\nUeberzeugung, dass nur ein vollständiges Vorführen einer\nComposition, wo möglich ganz nach dem Sinne und den\nAngaben des Tonsetzers, und ein wiederholtes Hören zu\neinem Urtheile berechtigen kann. In den genannten Com-\npositionen ist Hiller wie sonst origincl und interessant; er\nüberrascht auch hier durch Frische der Gedanken, ver-\njüngte Formen, süsse Melodieen, geistreiche Passagen,\nfrappante Harmonieenfolgen; er bietet immer Neues, es ist\nunmöglich, ihm nachzuweisen: „Dies oder Jenes ist schon\nda gewesen bei Anderen oder bei Dir selbst.\" Das gerade\naber macht ihn zu dem grossen Meister, als der er aner-\nkannt ist. Das Geheimniss seiner Geistes-Werkstätte? Werde\nich es errathen, wenn ich es darin finde, dass er nur schafft,\nwenn er vom Genius dazu innerlich gedrängt wird? Da-\ndurch erhält all sein Schaffen eine Weihe, welche das\nhandwerksmässigeThun in Ewigkeit entbehren muss. Nach\ndem Gesagten kann ich mich eines Eingehens in die obigen\nWerke für überhoben halten; es gilt bis ins Kleinste von\njedem derselben. Also nur ein paar Worte. Das Capriccio\nist ein geistreiches Spiel mit Gedanken und Gefühlen, dem\nsich zur Erholung von schwerer Geistesarbeit bisweilen der\ngereifte JVlann in trauter Abendstunde hingibt. Die Violin-\nstücke scheinen in einem inneren Zusammenhange zu ste-\nhen, ein psychisches Erlebniss anzudeuten. Der Künstler\ntritt nach jahrelanger unsäglicher Mühe in die Welt; er\nwill seine neuen Errungenschaften in der Kunst draussen\nverwerthen und sich den Lohn seines Strebens holen. Aber\ndie Welt erkennt ihn nicht; sie jubelt nur den äusseren\nVorzügen etwa seines Spiels zu, in seinen Geist, in seine\nIdeen dringt sie nicht ein, ja, sie verkennt ihn sogar bitter\nund tastet sein geheimstes Wesen an mit kalter Hand. Da\nzieht er sich wieder in sich selbst zurück, traurig, wehmü-\nthig, voll Gram und Kummer. Endlich rafft er sich wieder\nauf und stürmt, trotzig grollend auf die unverständige\nMenge, ins Leben; er geht jetzt, nur sich und seiner Kunst\nvertrauend und nichts Anderes suchend, seinen Weg.\nDer Weg ist voll Steine und Dornen, aber auch manche\nRose werthvoller Anerkennung erblüht ihm; und je weiter\ner vordringt, und je muthiger er schreitet, desto zahlrei-\ncher werden die Rosen der Freude, desto mehr verschwin-\nden die Dornen. Will der Spieler diese Phantasie festhal-\nten, so mag sie ihm vielleicht zur Ueberwindung der\nSchwierigkeiten in dieser Musik, zur Ermunterung dienen.\nW. H. Veit, Symphonie für Orchester. Seinem\nFreunde Dr. Rietz zugeeignet. Op. 49. Partitur.\nLeipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 5 Thlr.\nIch kenne diesen begabten Componisten bereits aus\nseinen Quartetten und habe ihn aufrichtig lieb gewonnen.\nEs wohnt in ihm ein solcher Ernst für die Kunst, dass\nschon dieser im Gegensatz gegen viele Eintagsfliegen, wel-\nche die Tonkunst zur Magd ihrer Sinne, Launen und Ver-\ngnügungen herabwürdigen, uns mit hoher Achtung für ihn\nerfüllen muss. Dabei geht er in seinen Veröffentlichungen\nso besonnen zu Werke, dass man das\nannumfast aus jedem Werke herausfühlt, ganz dem Thun\nso vieler entgegen, welche ein Verbrechen zu begeben\nvermeinen, wenn sie der Welt nicht gleich jede Note prä-\nsentiren, gleichviel, wann und wie sie entstanden ist. Doch\ngehen wir zum vorliegenden Werke selbst. Es zeichnet\nsich vorweg aus durch eine Klarheit und Durchsichtigkeit,\nwelche man bei vielen neueren derartigen Werken um-\nsonst sucht, die aber gerade der Stempel der Tüchtigkeit\nist. Ein einheitliches, schönes, symmetrisches Ganzes aus\nEinem Gedanken zu erbauen, ist etwas ganz Anderes, als\nThemata nach den Regeln des Satzes, aber ohne Phanta-\nsie, durchführen, oder phantastische Bilder an einander\nreihen, ohne der Schönheit der Form gerecht zu werden.\nBeides zu vereinigen, ist nur den Geweihten gegeben.\n„Maasshalten\" ist ein kurzes Wort, aber wie selten findet\nman es beobachtet! Da spinnen sie, denen dieses Wort\nfremd ist, ein endloses Gewebe von confusen Gedanken zu-\nsammen, oft künstlich genug, dass man über die Combi-\nnationen staunen muss; aber es langweilt am Ende selbst\nden Verstand des Hörers, und das Herz hat gar nichts da-\nvon. Veit versteht, zur rechten Zeit aufzuhören, ein grosser\nVorzug, der wohl in Anschlag zu bringen ist. Er thürmt\nnicht Gedanken auf Gedanken, so dass zuletzt ein Instru-\nment nicht mehr weiss, was das andere will. Bei ihm ist\nAlles an seinem Platze, es ist Alles überdacht; er schafft\nmit Wissen und Gewissen, spielt nicht mit Ideen und gibt\nsich noch weniger zum Spielballe derselben her. Daher ist\nAlles natürlich, nichts überspannt, nichts geschraubt. Er\nhascht nicht nach frappanten Themen, bizarren Melodieen\nund schroffen Harmoniefolgen; seine Gedanken und deren\nVerwerthung sind einfach, aber er macht viel aus ihnen\ntrotz ihrer Anspruchslosigkeit. Darin bewährt sich der Mei-\nster, dass er aus dem Einfachen Grosses zu entwickeln ver-\nmag. Die grandiosen gothischen Bauten mit ihren zahllo-\nsen Ausläufen, Spitzen, Blumen, Blüthen beruhen auf dem\neinfachsten Gesetze, und also ist es auch bei einem musi-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.4", "texte": "calischen Bauwerke. Man muss aus den scheinbar ver-\nwickeltsten Tonverbindungen den leitenden Gedanken auf\nden ersten Blick herausfinden können, und dass man dies\nbei Veit's Werke vermag, ist sicher ein wesentliches Ver-\ndienst desselben. Dass Melodie und Harmonie sich gegen*\nseitig tragen, sich stützen und heben und in inniger Ver-\nmählung Eins werden, ist ein eben so lobenswerthes\ncharakteristisches Merkmal des vorliegenden Werkes. Man\nkennt ja heutzutage Symphonieen, in denen vor lauter\nAccordfolgen nicht eine ordentliche Melodie aufkommen\nkann, und umgekehrt solche, in denen vor lauter Melo-\ndieen einem die Ohren und Augen zufallen möchten. Bei\nVeit ist das rechte Maass festgehalten. Endlich ist noch\nzu rühmen, dass er die Instrumente je nach ihrem Werthe\nzur Geltung kommen lässt; er hat nicht stereotype Phra-\nsen und Gruppirungen für jede Gattung, er häuft nicht\nKlang-Effecte ohne Sinn und Verstand auf einander, da-\nmit es nur recht krache und brause. Er sucht die Indivi-\ndualität der Instrumente, namentlich der Blas-Instrumente,\ndie so oft nur zum Füllen und Lärmmachen gebraucht\nwerden, hervortreten zu lassen. Mit Einem Worte: Das\nWerk lobt den Meister.\nD. W. Volkmar, Orgel schule von den ersten\nAnfängen bis zur höheren Ausbildung. Mit 460\nUebungsstücken. Op. 50. Leipzig, Breitkopf &\nHärtel. Preis 9 Thlr.\nMan kann von dem Fortschritte der Musik in techni-\nscher Hinsicht in neuester Zeit die beste Ueberzeugung\nhaben und doch, ohne den Namen eines Finsterlings zu\nverdienen, selbst in dieser Beziehung in manchen Stücken\neinen Bückschritt erblicken. Denken wir zum Beispiel nur\nan das Orgelspiel. Kann man da Lügen gestraft werden,\nwenn man, einzelne glänzende Ausnahmen bei Seite ge-\nsetzt, im Allgemeinen von einem argen Verfall redet?\nWorin diese beklagenswerthe Erscheinung ihre verschie-\ndenen Gründe habe, soll jetzt nicht untersucht werden;\naber dass ein mächtiger Factor des Verfalls die Unlust am\nStudium der strengen contrapunktischen Formen ist, ohne\ndie doch ein gutes Orgelspiel undenkbar, wer könnte dies\nläugnen? Man wird wehmüthig gestimmt, sieht man so\nmanches grosse, prächtige Orgelwerk in Süddeutschland,\ndem frühere Meister so gewaltige Wirkungen abgewon-\nnen, verfallen. Ich werde nie vergessen, wie schmerzlich\nes mich berührt hat, als ich in Komburg bei Schwäbisch-\nHall, in Weingarten, in Frauenzell, Ober- und Nieder-\nAlteich und in gar vielen anderen Orten in den Kirchen\ndie einst so herrlichen Orgeln sah, vom Zahn der Zeit be-\nnagt, von Staub bedeckt, mit dem Wurm am Herzen!\nUnd wie muthet es einen erst an, wenn man ein Meister-\nwerk, wie z. B. im Neresheimer Kloster, vom Spieler so\nmisshandelt hört, wie ich das einmal erlebte, oder wenn\nman, wie ich in einer berühmten Kirche in Salzburg und\nin einer noch berühmteren in Wien erlebte, die Orgel\nzum Vortrage von mehr als weltlichen, dem Geiste und\nder Technik derselben ganz heterogenen Dingen herabge-\nwürdigt sieht! Und leider könnte ich über dieses Thema\nans vielfacher Erfahrung auf meinen Keisen tausend im-\nmer traurigere Variationen singen!\nDoch gehen wir lieber zu dem vorliegenden Werke\nüber. Ich begrüsse es mit Freuden; es ist nach Anlage\nund Durchführung ganz dazu angethan, die Orgel und\ndas Orgelspiel wieder zu ihrer alten Würde und Höhe\nemporzubringen. Ich kann es daher auch nicht lebhaft und\nwarm genug empfehlen, und wünsche recht eindringlich\nseinen hohen Werth, seine grosse Bedeutsamkeit zu ver-\nkünden. Wir haben in neuerer Zeit manches ähnliche\nWerk; aber so systematisch, gründlich, immer geradezu\nauf die Sache losgehend, ist keines. Es vereinigt alle Vor-\nzüge der bisher erschienenen, ohne ihre Schwächen zu\ntheilen. Das Orgelspiel hat seine Schwierigkeiten einer-\nseits in dem Mechanismus der Orgel, andererseits in der\ndurch den Zweck der Orgel bestimmten und durch deren\nMechanismus bedingten Gattung von Tonstücken—die tech-\nnischen Schwierigkeiten erzeugt erstens der Widerstand,\nden die Orgeltasten dem Drucke der Finger entgegen-\nsetzen, alsdann in der Stabilität des Orgeltones—stabil in\nHinsicht auf seine Eigenschaft des Fortklingens, so lange\ndie betreffende Taste angehalten wird, und in Hinsicht auf\ndie stets gleiche Tonstärke. Jede dieser Schwierigkeiten\nbedarf zu ihrer Ueberwindung eines bestimmten Kreises\nvon Uebungen. Diese Uebungeu sind in reichlicher Fülle\nund stets systematisch in dem Werke gegeben. Dazu sind,\nwas sonst in Orgelschulen weniger beachtet ist, noch\nUebungen hinzugefügt, weiche der in der Neuzeit so sehr\nvervollkommneten Technik des Ciavierspiels, so weit das-\nselbe für das Orgelspiel anwendbar ist, Bechnung tragend,\nden möglichsten Grad der Fertigkeit des Orgelspielers\nerzielen sollen. Dem Haupt-Factor einer so bald als mög-\nlich und sicher zu erreichenden Bewältigung der Technik\nder Orgel, dem Spielen der Tonleiter, ist darum eine\nbesondere Berücksichtigung zu Theil geworden, und ist\ndabei der für die Tonleiter auf der Orgel eigenthümliche\nFingersatz streng beibehalten. Der Lehre von den wesent-\nlichen und unwesentlichen Verzierungen ist eine etwas\numständlichere Betrachtung gewidmet, als man sie sonst\nfindet, da sie für ein gutes Orgelspiel wesentlich nothwen-\ndig sind. Hinsichtlich der Begistrirung sind (mit Aus-\nnahme einiger Fälle) keine bestimmten Andeutungen ge-\ngeben, da die Orgeln hinsichtlich der Anzahl der Stimmen\nzu verschiedenartig disponirt sind. Indess dürften Anwei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.5", "texte": "sungen zu gewissen Combinationen der Stimmen nicht\nüberflüssig gewesen sein. Die allgemeine Musiklehre u. s. w.\nist mit Recht ausgeschlossen. Was die Gattung der\nTonstücke betrifft, so ist dem Choral eine besonders\nbevorzugte Stelle eingeräumt, und sind die dazu gehörigen\nUebungen vom Verfasser selbst componirt. Die Anord-\nnung des Stoffes ist sehr zweckmässig, und wir wün-\nschen nur, dass dieses echt methodische Werk in den\nConservatorien und Seminarien Wurzel fasse. M.\nJ. H. Lützel, Kirchliche Chorgesänge der vor-\nzüglichsten Meister des XVI., XVII. und\nXVIII. Jahrhunderts. Zweibrücken, 1861.\nVerlag von J. C. Herbart (Ritter'sche Buchhand-\nlung). Partitur. Kl. Fol. 94 S. Preis 2 Thlr.\nDas erste Heft dieser Chorgesänge haben wir bereits\nin Nr. 21 des Jahrgangs 1857 dieser Zeitung angezeigt.\nJetzt liegt die ganze Sammlung vollständig vor uns, und\nwir bezeichnen sie mit Freuden als eine durch vorzügliche\nAuswahl und durch treffliche Ausstattung in Druck und\nPapier gleich sehr empfehlenswerthe. Wenn der Heraus-\ngeber die Bestimmung derselben mit dem Zusätze auf dem\nTitel: „Zum Gebrauche bei dem evangelischen Gottes-\ndienste\" bezeichnet, so zieht er die Gränzen für ihre\nBrauchbarkeit zu enge, indem dieselbe auch Gesang-Ver-\neinen und solchen Gymnasien und Realschulen, welche\neine Chorclasse haben (und eine solche sollten alle haben\nund können alle haben, wenn es nur recht angefangen\nwird), sehr willkommen sein wird. Ja, was dergleichen\nGesänge alter Meister, ohne Instrumental-Begleitung von\neinem schönen Chor vorgetragen, selbst in grossen Concer-\nten für eine herrliche Wirkung hervorbringen, das haben\nwir hier in Köln schon oft und noch vor acht Tagen in\ndem Fest-Concerte gesehen, das die Stadt Ihren Majestä-\nten dem Könige und der Königin zu geben die hohe Ehre\nhatte, wo der Vortrag des alten italiänischen Kirchenge-\nsanges Atta Trinita beata grossen Eindruck machte. Wenn\nHerr Lützel in Zweibrücken sich einen Kirchenchor gebil-\ndet hat, mit welchem er im Stande ist, diese schönen Ge-\nsänge seit einer Reihe von Jahren beim Gottesdienste der\nevangelischen Gemeinde zur Aufführung zu bringen, so\nwünschen wir ihm und der Gemeinde Glück dazu, ihm,\ndass er den Sinn für die Erbauung durch die edelsten Er-\nzeugnisse der Tonkunst geweckt hat und ihn fortwährend\nnährt und stärkt, und der Gemeinde, dass sie so ver-\nnünftige Presbyterialen und Geistliche hat, die\nder Erhöhung der gottesdienstlichen Feier durch den Ge-\nsang nicht mit starrer Fühllosigkeit und gänzlichem Man-\ngel an Sinn für das Kunstschöne und Erhebende entgegen\ntreten. Dass Letzteres häufig von Seiten protestantischer\nGeistlicher und Kirchen-Vorstände geschieht, welche den\nwunden Fleck in ihrem Herzen durch puritanische Ascetik\nzu verdecken suchen, ist leider eine Wahrheit. Es ist in\nder Kirche, wie im Staate; wie es hier Leute gibt, die\nköniglicher sein wollen, als der König, so haben wir auch\ndort Menschen, die protestantischer sein wollen, als der\nStifter des Protestantismus, von dem wir auch in dieser\nSammlung die herrliche Melodie „Ein' feste Burg\" finden.\nDer Herausgeber ist in confessioneller Hinsicht von Ein-\nseitigkeit frei; mit Recht stehen die Gesänge der protestan-\ntischen Meister neben denen der katholischen der früheren\nJahrhunderte,— der Ausdruck wahrhafter Frömmigkeit\nin Verbindung mit dem musicalisch Schönen hat ihn allein\nbei der Auswahl geleitet.\nWir haben in den zwölf Heften sechszig kirchliche\nGesänge, unter denen wir keinen einzigen wüssten, der\nnicht seinen Platz verdiente. Es sind darunter nur sieben\neigentliche Choräle (dabei die von J. S. Bach ausgesetzten:\n„Wenn ich einmal soll scheiden\" und „Jesu, meine\nFreude\"); alle übrigen Stücke sind vier-, fünf-, sechsstim-\nmige, auch zweichörige, zum Theil kürzere, zum Theil\nlänger ausgeführte, motettenartige Gesänge. Die Ueber-\nsetzung der ursprünglich lateinischen Texte ist gut; wir\nbedauern aber, dass da, wo diese die Original-Texte sind,\nsie nicht mit der Uebersetzung zugleich abgedruckt sind,\nwie wir das schon früher dem Herausgeber geratben hat-\nten. Dadurch würde der historische und musicalische Stand-\npunkt vollkommener gewahrt worden sein.\nWir finden von Allegri 2 Stücke (auch das Mise-\nrere)', Anerio 1; Joh. Christoph Bach 1 (das acht-\nstimmige „Ich lasse Dich nicht\"); Joh. Mich. Bach 2\n(„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", und die grössere Mo-\ntette: „Das Blut Jesu Christi\", beide fünfstimmig); Joh.\nSeb. Bach 2 (Choräle); Melchior Bischoff 1; Bort-\nniansky 2 (die grosse Doxologie); Joh. Eccard 11\n(„Maria wallt zum Heiligthum\",sechsstimmig, „oFreud'\",\nachtstimmig, „Zu dieser österlichen Zeit\", sechsstimmig,\nu. s. w.); Jakob Gallus 2; Hans Leo Hassler 2; G.\nAug. Homilius 1 (die schöne Motette in Es: „Sehet,\nwelch' eine Liebe,\" mit dem des Chorals:\n„0 Gott, der freundlich,\" in der Bassstimme); Orl. Las-\nsus 2; Palestrina 10 („Adoramus teu, zwei Passions-\ngesänge, Improperia);Mich. Prätorius 3; Joh. Ro-\nsenmüller 1; Leonh. Schröter 1 (Weihnachtslied);\nHeinr. Schütz 2 („Ehre sei Dir, Christe,\"); Vittoria\nu. s. w.\nDie Sammlung ist den Herren Prof. Dr. J. Faisst in\nStuttgart und J. G. Herzog in Erlangen gewidmet.\nH. M. Schletterer (Capellmeister an den prote-\nstantischen Kirchen in Augsburg), Chorgesang-\nschule für Männerstimmen. Op. 20. Kai-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.6", "texte": "serslautern, bei J. J. Tascher. 1861. XII und\n126 S. kl. 8. Preis 15 Ngr.\nEs ist dies ein Büchlein, das für den Zweck, die Män-\nner-Gesangvereine der künstlerischen Behandlung ihrer\nAufgabe näher zu bringen, ganz praktisch eingerichtet ist.\nDer populäre Ton mag denn auch darin seine Rechtferti-\ngung finden, dass der Verfasser wohl besonders die vielen\nLieder-Vereine in kleineren Städten und in Ortschaften auf\ndem Lande vor Augen gehabt hat, die im südlichen\nDeutschland zahlreich zu finden sind. Der Zusatz : Op. 20,\nauf dem Titel bezieht sich wahrscheinlich auf die Lieder-\nCompositionen, die als Beispiele in ziemlicher Anzahl ein-\ngefügt sind und dem didaktischen Zwecke entsprechen.\nEinige kleine Irrthümer in den technischen Ausdrücken\nsind zu berichtigen. S. 67 ist Messa di voce mit Porta-\nmentogleichbedeutend angegeben; ersteres bedeutet aber\ndas An- und Abschwellen eines und desselben Tones, letz-\nteres das Verbinden zweier verschiedener Töne. S. 70,\nCantus Brmus (Plein chant), muss heissen Piain cliant,\nvon Cantus planus, nicht plenus. DieUebersicht der mu-\nsicalischen Literatur für Männergesang ist eine gute Zu-\ngabe. Die wackere Gesinnung des Verfassers bekundet\ndas Schlusswort, aus dem wir Folgendes gern unter-\nschreiben :\n„Alle diejenigen, welche es ernstlich mit der Sache\nmeinen, werden bekennen müssen, dass die Erfolge der\nzahlreichen Männer-Gesangvereine mit den aufgebotenen\nKräften in keinem Vergleiche stehen. Einerseits beginnt\nes ganz empfindlich an gut geschulten hohen und tiefen\nStimmen zu mangeln; dann ist in der Composition für den\nMännerchor ein entschiedener Rückschritt eingetreten; die\nWürde, der Ernst, die Kraft, ein gesunder Humor, Frische\nund Heiterkeit, die wir in älteren Werken antreffen, schei-\nnen fast verloren zu sein; krankhafte Sentimentalität, kin-\ndische Spielereien, läppische Spässe haben mancher Orten\nlast alles verdrängt, was sonst uns die Leistungen der Män-\nner-Gesangvereine so feierlich anregend, so woblthuend\nerheiternd machte. Der gesunde Sinn des deutschen Man-\nnes, der denn doch dem Ernste mehr zugewandt ist, als\ndem platten, kindischen Spasse, der sich so breit zu ma-\nchen beginnt, wird auch hier bald wieder den rechten\nWeg erkennen; und wie es auch der Ernst der Zeit, das\nwieder erwachende Interesse für die Sache des Männerge-\nsanges und die tüchtigen Vorbilder, die wir auf diesem Ge-\nbiete besitzen, nicht anders erwarten lassen, so werden\nauch die Leiter der Liedertafeln und Gesang-Vereine dem\nVerfasser dieses Werkes beipflichten, wenn er offen den\ninnigen Wunsch ausspricht, dass der Männergesang in eine\nseiner würdige Bahn wieder einlenken möge. Stoff und\nMaterial ist genug vorhanden; es handelt sich bloss darum,\nDass durch kundige Hand gesichtet wird, und hier möge\nzunächst auch auf die reichen Schätze geistlicher Compo-\nsitionen aufmerksam gemacht werden, die wir besitzen.\nIm Interesse der Tonkunst überhaupt dürfte es auch lie-\ngen, wenn die Gemüthlichkeit weniger und ernstes Stre-\nben nach musicalischer Tüchtigkeit und Vervollkommnung\nmehr Platz und Aufmerksamkeit in den Gesang-Vereinen\ngewänne.\"\n\nL.\n\nAn die Redaction.\n\nNach längerer Abwesenheit von Hause kommt mir\nnun Nr. 35 dieser Musik-Zeitung mit der Berichtigung\naus Freiburg, Beethoven's Misin betreffend, zu Ge-\nsicht. Schon unterm 27. Juni d. J. war mir eine briefliche\nMittheilung aus Freiburg, „Franz Hutter\" gezeichnet, zu-\ngegangen, die meldete, dass bei dem dortigen Universitäts-\nJubelfeste am 7. August 1857 nicht die Messe in D beim\nHochamte im Dome zur Aufführung gekommen, sondern\ndie in Cvon Beelhoven, und zwar, „wie stets, mit Abkür-\nzungen im Gloria und Credo\" u. s. w. Es wäre die Zeit\ngekommen, von dieser Mittheilung den geeigneten Ge-\nbrauch zu machen. Der Irrthum desfalls in Beethoven's\nBiographie, 11., 86, rührt daher, dass in dem durch ver-\nschiedene Zeitungen veröffentlichten Programme zu jenem\nJubelfeste unter Anderem auch deutlich zu lesen war:\n„Missa in D von Beethoven\", was möglicher Weise ein\nDruckfehler gewesen sein konnte. Diese Angabe des Pro-\ngramms ward mir aber späterhin von einem freiburger\nGelehrten, der sich auch mit Musik beschäftigt, für wahr\nbestätigt, worauf ich erst jene nun als unwahr sich heraus-\nstellende Thatsache niedergeschrieben habe.\nZum Ersatz für diesen Wegfall einer vollständigen\nAufführung der Missa in D beim Gottesdienste soll bei-\ngehend von zwei anderen nähere Kunde gegeben werden.\nDiese hatten Statt zu Reichenberg und Warmsdorf\nim nördlichen Böhmen. Der Chor-Rector in ersterer Stadt,\nHerr F. Schmidt, schreibt mir unterm 29. April d. J.\ndarüber: „Ich gab Beethoven's in am 7. Octo-\nber 1832 mit der Besetzung von 150 Sängern und Mu-\nsikern, und zwar in der Kirche bei einem Hochamte. Die\nBesetzung hatte ich, wie folgt: 12 erste Violinen, 12zweite\nViolinen, 10 Violen, 8 Celli, 6 Bässe, 20 Blas-Instrumen-\ntisten, 4 Solisten und 80 Choristen. Trotzdem damals und\nnoch heute unser orchestraler und gesanglicher Körper nur\nlauter Dilettanten zählt, erzielte ich doch in acht Wochen\nund durch strebsame Proben eine Aufführung, welche je-\nder strengen Kritik entgegengeführt werden konnte\"*).\n\n*) Von Aufführung der Missa in Reichenberg hatte Herr Schmidt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.7", "texte": "Ferner schreibt Herr F. Schmidt:\n„In Betreff Warmsdorfs diene Ihnen, dass auch dort\nBeethoven's Missa in D bei einem Hochamte am 20. Juni\n1831 unter Leitung des dortigen, jetzt verstorbenen, Leh-\nrers Vincenz Richter gegeben wurde.\"\nDies wären also die zwei einzigen Aufführungen der\nMissa beim Gottesdienste nach vierunddreissigjährigem\nBestehen des Werkes in der OefFentlichkeit.\n\nA. Schindler.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄolil. Ihre Majestäten der König und die Königin hat-\nten auf die ehrfurchtsvolle Bitte der Stadt Köln um Allergnädigste\nAnnahme von Festlichkeiten zur Feier des Allerhöchsten Besuches\nein Concert auf dem Gürzenich am 15. September, Abends acht\nUhr, anderen Festlichkeiten vorgezogen und damit den hiesigen mu-\nsicalischen Zuständen Allerhöchstihre Anerkennung auf die gnädigste\nund für jene höchst ehrenvolle Weise auszusprechen geruht.\nIn dem Augenblicke, als Ihre Majestäten, Höchst welche aus dem\nHoflager auf dem königliehen Schlosse zu Brühl mit einem beson-\nderen Eisenbahnzuge nach Köln gekommen waren, im Saale erschie-\nnen, erschallte der Ruf: Ihre Majestäten, der König und die Köni-\ngin! Sie leben hoch! Sofort, wie das hierauf mit stürmischem Jubel\nerschallende dreimalige Hoch und ein Orchester-Tusch verklungen\nwaren, spielte das Orchester die preussische National-Hymne. Nach-\ndem die erlauchten Gäste Sich niedergelassen und das Ihnen über-\nreichte Programm des Concertes entgegen genommen hatten, nahm\nletzteres mit der Ouvertüre zur Olympia von Spontini seinen\nAnfang. Hiernach wurde ein geistliches Lied (rAlla trinita beata\")\naus dem XV. Jahrhundert a Capellen gesungen, sodann „Lorelei\"\n(Gedicht von Wolfgang Müller von Königswinter, componirt und\nIhrer Königlichen Hoheit Louise, Grossherzogin von Baden, zugeeig-\nnet von F Hill er) und hierauf die Ouvertüre zu C. M. von We-\nbers „Euryanthe\" vorgetragen, womit der erste Theil des Concer-\ntes zu Ende ging. Während der Pause geruhten Ihre Majestäten Sich\nan das Orchester zu begeben und Sich auf das freundlichste gegen\nden Capellmeister F. Hiller sowohl über die Statt gehabten Auffüh-\nrungen als über die Composition der „Lorelei\" zu äussern, einige\nAufklärungen über die Zusammensetzung des Chors zu verlangen\nund freundliche Worte an die Solosänger zu richten, und schliesslich\nden Capellmeister Hiller zu beauftragen, allen Mitwirkenden, wobei\nder König mit der Hand besonders auf die jungen Damen des Chors\ndeutete, seine Freude und seinen Dank auszusprechen. Der zweite\nTheil des Concertes bestand zunächst aus drei vom kölner Männer-\nGesangvereine unter Direction des königlichen Musik-Directors Fr.\nWeber vorgetragenen Liedern, wovon das erste „Dem Könige\",\ndas zweite „Der Königin\" gewidmet war (die Texte beider ver-\nfasst von A. Pütz). Nach dem ersten Liede brachte der Ober-Bür-\ngermeister Justizrath Stupp Ihren Majestäten dem Könige und der\nKönigin ein dreimaliges Hoch, in das wiederum die Versammlung\nmit Begeisterung einstimmte. Eine Hymne für Chor und Orchester,\nzur Krönungsfeier Georg's 11, componirt von G. F. Händel (1727),\nbildete den Schluss des Concertes.\nHierauf verliessen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften\nden Saal und geruhten auf einer Fahrt durch die Stadt die überaus\nglänzende Illumination in Augenschein zu nehmen, welche unmittel-\nbar nach der Ankunft Höchstderselben auf dem Centrai-Bahnhofe\ndurch die plötzlich zauberisch aufstrahlende Beleuchtung des Nord-\nportals des Domes beschlossen wurde.\nBerlin. Der hiesigen königlichen Bibliothek ist ein sehr werth-\nvolles Musik-Geschenk zu Theil geworden. Von Verehrern Beetho-\nven's ist nämlich bei dessen Lebzeiten ein Instrumental-Quartett,\nbestehend aus einer Violine von Nicolas Amati vom Jahre 1690,\neiner Violine von Joseph Guarneri vom Jahre 1718, einer Viola von\nVincent Regeri vom Jahre 1690 und einem Cello von Andreas Guar-\nneri vom Jahre 1712, zusammengestellt worden, auf welchem Werke\ndes Componisten in dessen. Gegenwart von damals bekannten Mei-\nstern ausgeführt wurden. Der Grosshändler Peter Jokits zu Wien\nhat diese Instrumente, welche allmählich in verschiedene Hände ge-\nrathen waren, sämmtlich erworben und sodann Sr. Maj. dem Könige\nmit dem Wunsche dargebracht, dass dieselben unter dem Namen\n„Jokits-Stiftung\" in der königlichen Bibliothek zu Berlin, deren mu-\nsicalische Abtheilung einen grossen Theil des Beethoven'schen Nach-\nlasses enthält, einen Platz finden und bei besonderen Gelegenheiten\nAusfühlung Beethoven scher Stücke benutzt werden möchten.\nAuf den Bericht des Herrn Ministers der geistlichen u. s. w. Ange-\nlegenheiten haben Se. Majestät der König durch Allerhöchsten Er-\nlass vom 22. Juli 1861 das in kunstgeschichtlicher Hinsicht werth-\nvolle Geschenk anzunehmen und dessen Aufbewahrung in der Bi-\nbliothek zu Berlin unter der Bezeichnung ..Jokits-St iftun g\" zu\ngestatten geruht.\nBramiscltwefg. Am 1. September wurde das alte Schau-\nspielhaus geschlossen, und das neuerbaute wird Anfangs October,\nund zwar, wie vorläufig bestimmt ist, mit „Iphigenia\" und einem\nFestspiel eröffnet werden. Als erste Opern-Vorstellung wurde der\n„Tannhäuser\" gewählt, für Braunschweig noch eine Novität; dann\nsoll der Gounod'sche „Faust\" folgen.\nAm 16. August fand ein grosses Concert im Cursaale zu Hom-\nburg Statt, bei welchem Fräulein Dory, erste Sängeriu am Thea-\nter zu San Carlo in Neapel, der Baritonist Hill aus Frankfurt.\nAlfred Jacll und der Violoncellist Selig mann mitwirkten.\nStuttgart, 11. September. Herr Karl Eckert, der frühere\nDirector des Kärnthnerthor-Theaters in Wien, ist zum königlichen\nHof-Capellmeister ernannt, befindet sich auch bereits in unseren\nMauern. Wer ihn hergebracht, ob sein Engagement mit oder ohne\nWissen des Intendanten erfolgt, ob Herr Kücken neben ihm blei-\nben, ob, nachdem die Eine Nachricht wahr geworden, nunmehr auch\nHerr Hackländer demnächst Herrn v. Gall ersetzen wird\ndiese und noch viele andere Fragen zu beantworten, ist bis jetzt\nnicht möglich. Als vor einem Decennium die Stuttgarter mit der\nNachricht überrascht wurden, es sei neben dem Capellmeister Lind-\npaintner in der Person des Herrn Kücken ein zweiter Capellmeister\nengagirt, da wusste man, dass Lindpaintner durch rücksichtsloses\nAuftreten sich da und dort an einflussreichen Orten Feinde gemacht\nhatte; er war zudem bereits ziemlich bei Jahren, man konnte also\ndie Ernennung eines jungen Mannes wie eine Art Diensterleichterung\nansehen; in den Augen der Vernünftigen blieb Lindpaintner unbe-\ndingt der Leiter unserer Oper. Aber heute ? Herr Kücken hat bis\njetzt durch ein geschicktes Laviren sich so ziemlich mit allen maass-\ngebenden Parteien gehalten; man kannte ihn als Schoosskind des\nIntendanten, als intimen Freund der Herren Löwe und Hackländer,\nals gut angeschrieben beim Könige u. s. w.; er ist ein Mann in\nder Blüthe der Jahre, hat sich erst nach und nach in das Dirigiren\nhineingeschickt, und jetzt wird neben ihm (oder etwa gar über ihm?)\n\nkurz vor der an mich gerichteten Zuschrift auch der Deut-\nschen Musik-Zeitung Nachricht gegeben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610921-01.1.8", "texte": "ein Musiker angestellt, der, wenn auch als Componist weniger be-\nrühmt, doch als Lenker eines Orchesters ein Renommee geniesst, vor\ndem das Kücken'sche geradezu verschwindet. Wird sich der Schleier,\nder über diesem Geheimnisse schwebt, lüften? Die Chorproben\nvon Gounod's „Faust\", der auf den Geburtstag des Königs (27. Sep-\ntember) einstudirt wird, sind in vollem Gange.\nFrankfurt »• 9. September. Nachdem Capellmeister\nGustav Schmidt, welcher während eines Zeitraumes von zehn Jah-\nren die Direction der hiesigen Oper geleitet hat, am l.d. Mts. seine\nStellung verlassen, wurde der neue Capellmeister Ignaz Lachner\ndem Personal der Oper vorgestellt. Herr Dr. v. Guiata hielt eine\ndem Zwecke entsprechende Rede, welche Letzterer dahin erwiederte,\ndass man ihm mit demselben Vertrauen, welches er bringe, entge-\ngen kommen möge. Am vergangenen Samstag dirigirte Herr Lachner\nzum ersten Male die Oper „Fidelio\", und nach der zweiten Ouver-\ntüre wurden ihm lebhafte Zeichen der Zufriedenheit und des Beifalls\nkund gegeben.\nDer Pianist Eduard Rosenhain, als Lehrer und Künstler,\nso wie als Mensch allgemein geachtet und geliebt, ist nach längerer\nKrankheit seinen Leiden vor einigen Tagen erlegen. Die zahlreiche\nTheilnahme an seinem Begräbnisse von Seiten der jüdischen und\nchristlichen Bewohner Frankfurts und die dabei sich kundgebende\nallgemeine tiefe Rührung lieferten den besten Beweis dafür, dass der\nDahingegangene in den Herzen aller, die ihn kannten, sich ein blei-\nbendes, liebevolles Andenken erobert hatte. Durch ein ernstes, edles\nKunststreben zeichnete Ed. Rosenhain sich vor vielen seines Standes\naus, und er hat sich im Verein mit seinem in Paris jetzt lebenden\nBruder Jakob Rosenhain und einigen anderen Künstlern von seinem\nersten Auftreten in Frankfurt an die unzweifelhaftesten Verdienste\num die Beförderung des guten Geschmacks in musicalischen Dingen\nerworben.\nFrau Sophie Förster in Dresden ist unter sehr günstigen\nBedingungen am meininger Hoftheater engagirt worden.\n6. September. Wahrscheinlich in nächster Woche schon\nwerden Rubinstein und Wagner Wien wieder verlassen. Erste-\nrer, um vor der Hand nach Leipzig und Berlin zu gehen, Letzterer,\num nach Karlsruhe zurückzukehren. Durch die noch immer andau-\nernde stimmliche Indisposition Anderes wurde beiden Componisten\nder Zweck ihres diesmaligen wiener Aufenthaltes vereitelt. Rubinstein\nverlässt Wien aberirials, ohne seine Oper gehört zu haben, und Wag-\nner wird eine gelegenere Zeit abwarten müssen, um mit dem Stu-\ndium seines „Tristan\" beginnen zu können. Nach ärztlichen Urthei-\nlen soll das Wiederauftreten Ander's, den man sehr schmerzlich ver-\nmisst, vor einem Monate kaum zu erwarten sein.\nProfessor Dr. Eduard Hanslick ist, wie das Abendblatt der\n„Presse\" vom 5. d. Mts. meldet, auf sein wiederholtes Ansuchen\nvon der Function eines artistischen Beirathes des k. k. Hof-Opern-\ntheaters enthoben worden.\nIn Nizza starb dieser Tage der Componist Vincent No-\nvello, Vater der berühmten Sängerin Clara Novello und des Musik-\nVerlegers John Alfred Novello. Er war lange Zeit bei der Capelle\nder spanischen Gesandtschaft in London angestellt und Vorstände-\nMitglied der philharmonischen Gesellschaft. Er erreichte ein Alter\nvon 80 Jahren.\nDer Kaiser von Russland hat die Dedication der Rubinstein'schen\nOper: „Die Kinder der Haide\", anzunehmen und dem Verleger der-\nselben, dem k. k. Hof-Musicalienhändler C. A. Spina in Wien, als\nAnerkennung die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft mit\nder Umschrift: „Praemii digno\", zu verleihen geruht.\nDer Pianist Wilhelm Krüger in Paris hat vom Herzog Ernst\nvon Coburg-Gotha die Medaille für Kunst und Wissenschaft erhal-\nten. Dem Violoncellisten Batta ist von dem Könige von Preussen\nder Rothe Adler-Orden verliehen worden.\nAus X-stedt, d. d. August. Hier mehr wie irgendwo steht es\ngründlich schlecht um die Kritik. Freilich, wo die Corruption so\ngross ist, wie in den höchsten Verwaltungsspitzen des Hoftheaters,\nda lässt sich auch nichts Besseres erwarten. Hierbei Ein Beispiel\nfür viele, zu dessen Kenntniss ich auf ziemlich directem Wege ge-\nkommen bin. Der Intendant lässt den Tenor ***** zu einer persön-\nlichen Mittheilung bitten und insinuirt ihm, dass er sich doch zu\ndem herkömmlichen Gebrauche, „die Herren Recensenten zu hono-\nriren\", verstehen möge; die Kritik nehme in Folge der bisherigen\nAusserachtlassung dieser Sitte (!) zu wenig Notiz von ihm, und da-\nmit sei weder ihm, dem Intendanten, noch ihm, dem Sänger, ge-\ndient. Herr ***** wies dieses Ansinnen natürlich mit gebührender\nEntrüstung zurück, und die nächste Folge ist, dass sich die Gegen-\npartei tagtäglich aufs Neue mit ihren bisherigen abgesungenen Hel-\nden breit macht."}]}