{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-09-28-01", "volume": "bmtnabi_1861-09-28_01", "ocr_sha256": "bf0c2c3e380a72ba55cf3f346ec6053d5e39222ddafef29dd2d1b11bfff12826", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/09/28_01/bmtnabi_1861-09-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-09-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "305", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 418, "texte": "Inhalt.\nUeber die wichtigsten Verbesserungen des Orgelbaues. Von Sonreck. Das dritte westfälische Musikfest in Dortmund.\nVon L. 15. Das Musikfest zu Birmingham. Am 27., 28., 29. und 30. August 1861. Tages- und Unt e r h altun gs bla 11 Berlin,\n1 heater- Angelegenheiten Königsberg, zur Krönungsfeier Hannover, Frau Maria Niemann-Seebach Dresden, Oper Stuttgart,\nTheater-Eröffnung Hamburg, Actien-Theater in St. Pauli)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-28-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-28_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-09-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "307", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.2.2", "titre_corps": "Ueber die wichtigsten Verbesserungen des Orgelbaues.", "titre_sommaire": "Ueber die wichtigsten Verbesserungen des Orgelbaues.", "signature_source": "Sonreck", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.1", "debut_caractere": 420, "fin_caractere_exclue": 4190, "texte": "Ueber die wichtigsten Verbesserungen des\nOrgelbaues.\n\nUnter den so genannten technischen Künsten, welche\nin dem gegenwärtigen Jahrhundert so erstaunliche Fort-\nschritte aufweisen, nimmt auch die Orgelbaukunst eine\nwürdige Stelle ein. Der überaus langsamen Entwicklung\nvom achten bis zum fünfzehnten Jahrhundert wir erin-\nnern nur an die Erfindung des Pedals von Bernhard\ndem Deutschen 1470 folgte der erste Aufschwung in\nder zweiten Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts, von\nwelcher Zeit an wir die bedeutenden Wrerke zu Harlem,\nGörlitz, Freiburg, Dresden u. s. w. und besonders die be-\nrühmte Orgel der Benedictiner zu Weingarten in Schwa-\nben entstehen sehen. Es war diese Zeit die grosse Periode\nder Orgelbaukunst, in welcher nach so manchen Abirrun-\ngen und Ausartungen, welche die steten Begleiter einer\nrein empirischen Entwicklung sind, endlich ein geregeltes\nSystem geschaffen wurde. Die Charakteristik der Orgel-\nstimmen, ihre akustische Wirkung, so wie das Mensur-\nVerhältnrss gelangten zu einem Abschlüsse, welcher eine\nsichere Basis für die weitere Ausbildung ermöglichte.\nMit Recht bewundern wir jetzt noch an jenen alten\nWerken die imposante Wirkung, durch welche die Orgel\nsich zur Königin aller musicalischen Insrumente erhob, und\nnächst ihrer ursprünglichen Bestimmung, das belebende\nOrgan der Andacht zu sein, die gewaltige Sprache unse-\nrer Dome wurde. Nur die Ausbildung der Mechanik der\nOrgel blieb in jener Zeit auf dem noch unentwickelten\nStandpunkte stehen und theilte dieses Geschick mit fast\nallen anderen technischen Werken. Erst in der neuesten\nZeit, als die realen Wissenschaften mehr gepflegt und auf\nalle Zweige der Kunst und Industrie praktisch angewandt\nwurden, erhielt auch die Orgelbaukunst ihren so lange\nentbehrten Antheil an dem allgemeinen Fortschritte, und\nwie es deutsche Meister waren, welche die Orgel aus dem\nrohen Zustande der ursprünglichen Erfindung zur dama-\nligen Entwicklung brachten, so waren es auch in unserer\nZeit meistens Deutsche, die in regem Wetteifer die wei-\ntere Vervollkommnung ihrer Kunst erzielten.\nDer pneumatische Hebel, die Regulatoren, die Bar-\nker'sche Spielmaschine, so wie die von Walker zuerst con-\nstruirten Kegelladen gehören zu den bedeutendsten mecha-\nnischen Verbesserungen, durch welche die Orgel sich im-\nmer mehr aus den beengenden Schranken des alten Systems\nerhebt. Der ersten Anforderung an eine gute Orgel, ,dass\nes dem Haupt-Manual bei der stärksten Besetzung nie an\neinem völligen und gleichmässigen Winddruck fehle, und\ndie Spielart dabei leicht und llüssig bleibe\", entsprechen\nnur die Kegelladen vollkommen, während die Barker'sche\nSpielmaschine (pneumatische Maschine) es andererseits er-\nmöglicht, bei der Beibehaltung des alten Laden-Systems\ndie Ventile beliebig zu verdoppeln oder zu vergrössern.\nDie Regulatoren und Wind-Magazine, als nothwendige\nFactoren zur Ausgleichung der unvermeidlichen Verdün-\nnungen und Verdichtungen des Winddruckes und des zu\nschaffenden Windvorrathes, gehören mit zu den ersten An-\nfängen, einem Hauptfehler unserer alten Orgelwerke, der\nso genannten „ Windstössigkeit\" entgegen zu treten.\nFür Freunde der Orgelbaukunst wird es nicht unin-\nteressant sein, über den Zweck und die Einrichtung der\nKegelladen, so wie über den pneumatischen Hebel einen\nnäheren Aufschluss zu erhalten. Bekanntlich leiden alle\nSchleifladen der grossen Manuale an Windmangel oder\nan zu schwerer Spielart. Wenn zwölf oder fünfzehn Pfei-\nfen, welche durch ein Ventil ihren ausreichenden Luft-\nzufluss erhalten, so voll und kräftig intoniren sollen, wie\ndies bei jeder einzelnen Pfeife erzielt worden ist, so muss\ndieses Ventil (und die Cancelle desselben) schon sehr gross\nsein, oder es müssen mehrere Ventile angelegt werden. In\nbeiden Fällen wird die Spielart zu schwer."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5402, "texte": "Bei den Kegelladen hat jede Pfeife ihr eigenes Ventil,\nwelches die Form eines umgekehrten Kegels hat und beim\nNiederdrücken der Taste gehoben wird. Jede Taste hebt\nso viele Kegel auf, als Register auf der Lade stehen. Ein\njedes Register besitzt seinen eigenen Windcanal (Cancelle),\nwelcher mit einer Klappe geschlossen ist. Beim Spielen\nder Orgel heben sich die Kegel aller Register, es sprechen\naber nur diejenigen, deren Klappe geöffnet wird, und\nzwar geschieht dieses Oeffnen durch den gewöhnlichen\nRegisterzug.\nDie grossen Vortheile dieses Systems sind also, dass\nO v\nerstens jedes Register beim vollen Werke mit derselben\nIntonation und reinen Stimmung erklingt, die es\nbeim Einzelspiel besitzt; zweitens, dass sich die Register-\nzüge bei jeder Temperatur mit der grössten Leichtigkeit\nöffnen und schliessen lassen. Diese leichte Handhabung\ngewährt den weiteren Vortheil, dass durch so genannte\nCombinationszüge mehrere Register zugleich gezogen wer-\nden können, wodurch der Spieler auf einem und demsel-\nben Ciavier mit dem vollen Werke und einigen sanfteren\nRegistern durch An- und Abstossen eines einzigen Zuges\nabwechseln kann. Obwohl bei kleineren Orgelwerken die\nKegellade nicht unbedingt nöthig ist, so gewährt dieselbe\ndoch den grossen Vortheil, dass durch letztere Einrichtung\neine zweite Claviatur ersetzt wird.\nDass die Ausbildung der Kegellade jahrelanger Er-\nfahrungen bedurfte, und dass jeder Meister, welcher sich\ndieses System aneignet, einige derselben von Neuem durch-\nmachen muss, ist selbstverständlich. Um so ungerechter\nist es aber, wenn einem so bedeutenden Fortschritte in der\nOrgelbaukunst die Unzulänglichkeit der Resultate der er-\nsten Versuche fortwährend entgegen gehalten werden.\nConsequenter Weise befänden wir uns bei Gültigkeit sol-\ncher Einwendungen noch anf dem rohen Standpunkte des\nersten Orgelwerkes; denn wahrend in unserer Zeit nur\nwenige Jahre dazu gehören, ein System auszubilden, be-\ndurfte es früher eines ganzen Jahrhunderts, um eine nur\nmässige Verbesserung der Construction zu erzielen.\nNicht minder wichtig ist die Erfindung der Spiel-\nmaschine, welche auf Anwendung des pneumatischen\nHebels beruht. Bekanntlich übt die in den Bälgen einge-\nschlossene Luft, bis zu 35 Grad belastet, auf jeden Quadrat-\nzoll Fläche einen Druck von % Loth aus. Lässt man nun\ndurch Oeflnen eines Ventils diese Luft in einen kleinen\nBlasebalg strömen, so füllt sich derselbe rasch, und die\naufgehende Oberplatte ist im Stande, ein Gewicht zu he-\nben, welches der Anzahl ihrer Quadratzolle entspricht.\nBarker verband hiernach mit den 54 Tasten der Claviatur\neben so viele kleine Bälge, wonach beim Niederdrücken\neiner Taste nur das Ventil des betreffenden Bälgleins ge-\nöffnet wird; mit dem raschen Aufsteigen des letzteren und\nder sich summirenden Kraft ist dasselbe im Stande, das\ngrössere Ventil der Windlade zu öffnen und durch mecha-\nnische Vorrichtungen auch den Koppelungen der verschie-\ndenen Claviere zu dienen. Beim Loslassen der Taste\nschliesst sich das Zugangs-Ventil, und gleichzeitig findet\ndie eingeschlossene Luft einen Auslass, wonach der kleine\nBlasebalg niedersinkt, und das Ventil der W'indlade sich\nwieder schliessen kann. Diese Hin- und Herbewegung ge-\nschieht bei genau ermittelten Grössen-Verhältnissen des\nApparates mit einer so rapiden Schnelligkeit, dass ein Tril-\nler, wie auf dem Ciavier, ohne Stocken ausgeführt wer-\nden kann.\nDie bequemere mechanische Behandlung der Orgel\nist indess nicht die Hauptsache, um die es sich handelt,\nsie ist nur Mittel zu dem grossen Zwecke, den musicali-\nschen Werth der Orgel zu erhöhen und dieselbe abge-\nrundete Fülle und feste Intonation beim vollen Werke wie-\nderzufinden, welche die einzelnen Register erhalten hatten.\nDie Ueberwindung der mechanischen Schwierigkeiten ist\nnur der Schlüssel zu dem umfangreichen Gebiete einer\nmehr charakteristischen freien Intonation und eines unab-\nhängigeren Mensur-Systems, welche sich bisher dem un-\nvollkommenen Apparate unterwerfen mussten.\nAuch in orchestraler Beziehung musste die Orgel ge-\nwinnen, seit es mittels der Kegelladen ermöglicht ist, mit\nden verschiedensten Combinationen zu wechseln und neue,\nbisher ungeahnte Effecte zu erzielen.\nVon dem Zeitpunkte dieser Verbesserungen an sehen\nwir, wie sich die Intonation bald in zwei verschiedene\nHauptrichtungen theilt. Man könnte sie Schulen nennen,\naber es fehlt uns für die jetzigen der Name eines einzel-\nnen Meisters, eines bestimmten Vorgängers. Mit Gott-\nfried Silber man 11 schliesst die mittlere Periode ab, und\nwenn sich jetzt noch einige seine Schüler oder Nachahmer\nnennen, so beweisen sie höchstens nur, dass sie den gegen-\nwärtigen Standpunkt eben so wenig erfassen, als sie dem\nalten Meister wirklich beikommen können.\nDie Intonation dieses Meisters und seiner Zeitgenossen\n(1700 bis 1750) ist äusserst dünn, aber zart zu nennen.\nSchwache, aber liebliche Bässe, enge Mensuren und durch-\nweg ein geringer Windverbrauch charakterisiren sein gan-\nzes System. Silbermann wusste, wie viel er seinen Laden,\nseinem ganzen Apparat zutrauen konnte, er intonirte mit\neiner Oekonomie, wodurch das volle Werk frisch und rein-\nklingend blieb, und eben desshalb gelang es ihm, die be-\nsten Werke seiner Zeit zu schaffen. Fast unübertroffen\nsind seine Principal-Stimmen, die sich durch hellen, ge-\nsangreichen Klang auszeichnen. In allen gedeckten Stim-\nmen ist die Intonation weich und ohne besondere Fülle,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3331, "texte": "die Octav-Register und Mixturen sind sogar spitz und\nscharf zu nennen. Ausser einigen äusserst angenehmen Flö-\ntenstimmen war es weniger die Charakteristik, sondern\neine überaus feine Egalität der einzelnen Register, welche\nseine Intonation unübertroffen liess.\nMit der Verbesserung der Structur machte sich später\nund namentlich in sächsischen und norddeutschen Ländern\neine andere Richtung in der Intonation geltend. Die Dispo-\nsitionen zeigen schon eine verhältnissmässig zu grosse An-\nzahl von sechszehnfüssigen und achtfüssigen Stimmen, die\nKlangfarben werden breiter, voller, und von der grossen\nMasse kleiner, gemischter Stimmen, welche sich mit den\nverschiedensten Intervallen auf allen Ciavieren vorfanden,\nwar hauptsächlich nur die Mixtur noch beibehalten wor-\nden. Man war in das andere Extrem gefallen, denn aus\ndem hellen, frischen Timbre der Silbermann'schen Schule\ngerieth man in eine zwar kräftige, aber rauhe, brausende\nIntonation, die über der grossen Fülle der lieferen Ton-\nlagen die klare, harmonische Wirkung verlor. Die spär-\nliche Anwendung der Zungenwerke und eine zu weit\ngehende Anwendung der Holzpfeifen trugen nicht wenig\ndazu bei, die dunkle und schwere Färbung der Labial-\nStimmen zu erhöhen, und indem man die Pedale mit den\nschwersten Grundbässen überhäufte, entbehrte man noch\nimmer der Mittel, durch die Manuale eine entsprechende\nGegenwirkung zu schaffen.\nGlücklicher Weise machte sich bald ein anderer Ein-\nfluss geltend, und zwar die französisch-niederländische\nRichtung. Obwohl diese Orgelbauer die erste Grundlage\nvon den Deutschen erhielten, gingen sie ihren eigenen\nWeg und vermieden es besonders, in die ernste Richtung\nder Deutschen zu gerathen.\nDer Ton-Charakter ihrer Werke blieb frischer, klin-\ngender. Sie erfanden zu unseren gemischten Stimmen noch\ndas Cornett (ein sehr beliebtes Register zur Begleitung des\nChorals und im vollen Werke eben so wirksam) und ver-\nlegten sich besonders auf die Ausbildung der Zungenwerke.\nIhre vorgeschrittene Technik eine fabrikmässige Theilung\nder Arbeit und, was zu beachten ist, gute, lohnende\nPreise machten es ihnen um so eher möglich, die rasche-\nsten Fortschritte zu erzielen und ausser den Zungenstim-\nmen auch in den Solo-Registern eine gewisse Bravour zu\nzeigen. Wie aus dem ersten bedeutenden Autor über Or-\ngelbau, dem Benedictiner Don Bedox, hervorgeht, hatte\nschon seit der Silbermann'schen Zeit sich der französische\nOrgelbau die jetzige Bahn vorgezeichnet und in Beibehal-\ntung des damaligen Systems an dessen Ausbildung gear-\nbeitet. So finden wir dort bis heute noch die Schleifladen\nfast ausschliesslich angewandt, aber mit solchen mechani-\nschen Einrichtungen und Anwendung des pneumatischen\nHebels verbessert, die den Mangel des deutschen Kegel-\nladen-Systems kaum fühlbar machen. Die Intonation der\nLabial-Stimmen, in welcher die Deutschen bisher den Vor-\nrang beanspruchten, wurde mehr beachtet, und es gestal-\nteten sich in der neuesten Zeit allmählich Dispositionen,\nwelche durchweg dem würdigen Charakter der Or<;el ent-\nsprechen.\nWie wohlthätig dieser Einduss auf uns gewirkt hat,\nbezeugen die letzten zwanzig Jahre, seit welchen wir, von\nden extremen Richtungen befreit, überall neue Werke\nentstehen sehen, die in der Disposition, so wie in Behand-\nlung der Klangfarben eine gemeinsame edle Richtung be-\nkünden.\n\nSonreck."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-09-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "307", "page_fin": "310", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.2.3", "titre_corps": "Das dritte westfälische Musikfest in Dortmund.", "titre_sommaire": "Das dritte westfälische Musikfest in Dortmund.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.3", "debut_caractere": 3333, "fin_caractere_exclue": 5178, "texte": "Das dritte westfälische Musikfest in Dortmund.\nWährend die Sängerfeste in diesem Sommer fast auf\neine bedenkliche Weise überhand genommen haben, ist\nes erfreulich, dass sich für wirkliche Musikfeste wieder ein\nneues Institut begründet hat. Wir wollen den Männer-Ge-\nsangfesten ihre Annehmlichkeit und ihre Bedeutung für\nVereinswesen und vaterländische Verbrüderung nicht ab-\nsprechen; allein das haben doch die meisten, und zuletzt\nauch Nürnberg bei allem äusserlich Herrlichen, das es\ndarbot, bewiesen, dass die Begünstigung einer einzigen\nGattung der Tonkunst durch grossen Aufwand erfordernde\nFeste unmöglich dem Fortschritte, oder richtiger: der\nWahrung des Edeln und Heiligen in der Kunst dienen\nkann. Für diesen Zweck kann der Männergesang, der nicht\neinmal die eine Hauptgattung der Tonkunst, die Vocal-\nmusik, vertritt, sondern wiederum nur einen Theil dersel-\nben, nicht genügen; nur wo alles, was zur Musik gehört,\nzusammenwirkt, Gesang im ganzen Umfange der mensch-\nlichen Stimmen und Instrumente in ganzer Klangfülle des\nOrchesters, kann von einem Feste, das die Tonkunst feiert\nund fördert, die Rede sein.\nDas Beispiel der preussischen Rheinprovinz hatte schon\nvor zehn Jahren in dem Nachbarlande Westfalen das Ver-\nlangen nach einem musikfestlichen Vereine geweckt. Auf\nAnregung des Gymnasiallehrers Gronemeyer in Soest ver-\neinigten sich im Jahre 1851 die musicalischen Kräfte der\nStädte Arnsberg und Soest zu einem Concerte in letzterer\nStadt, wozu auch Hamm und Lippstadt ihre Contingente\nsandten. Im folgenden Jahre traten Dortmund, Unna und\nCamen bei, man veranstaltete ein erstes westfälisches Mu-\nsikfest in Hamm, welchem 1854 ein zweites in Dort-\nmund folgte, beide unter der Leitung des Musik-Directors\nBreidenstein in Dortmund. Mancherlei Zeit- und Orts-\nI\nVerhältnisse stellten sich der Fortsetzung der Feste entge-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5292, "texte": "gen, bis im gegenwärtigen Sommer einige Kunstfreunde\nin Dortmund wieder zusammentraten und das dritte Fest\nnach grösserem Maassstabe als bisher organisirten. Das\nGelingen des Unternehmens hat nun hoffentlich das neue\nInstitut eines westfälischen Musikfestes gehörig begrün-\ndet, und es dürften namentlich die Städte Münster,\nDortmund und Bielefeld die Aufgabe haben, sich\nschwesterlich vereint an die Spitze zu stellen, und es sich\nzur Ehrensache zu machen, das neue Institut aufrecht zu\nerhalten und einem immer kräftigeren Gedeihen entgegen\nzu führen.\nAm 14., 15. und 16. September waren Mitglie-\nder der Gesang- und Musik-Vereine von Arnsberg, Biele-\nfeld, Essen, Hamm, Hagen, Hattingen, Iserlohn, Lippstadt,\nMünster, Paderborn, Soest u. s. w. in Dortmund zu einem\nChor von 83 Sopran- und 56 Altstimmen, 47 Tenören\nund 56 Bässen, und zu einem Orchester von 35 Violinen,\n12 Bratschen, 11 Violoncellen, 7 Contrabässen und den\ndazu gehörigen Blas-lnstrumenten vereinigt zusammen\nan 340 Ausführende, unter der tüchtigen Leitung des\nHerrn Musik-Directors Breidenstein.\nAm ersten Tage (14. September), Abends 6 Uhr, fand\ndie Aufführung des Oratoriums „Elias\" von F. Men-\ndelsso hn-Barth o 1 dy Statt. Die Chöre wurden nichtnur\nmit grosser Präcision gesungen, es war auch Feuer und\nSchwung darin, und alle vier Stimmen entwickelten einen\nschönen, frischen Klang. Das Verhältniss der Stimmen zu\neinander entsprach den Bedingungen eines schönen Ge-\nsammttones, zumal da der Alt keineswegs, wie das sonst\nwohl öfter der Fall ist, an Klang und Sicherheit gegen die\nanderen zurückstand. Freilich bemerkte man eine etwas\nzu geringe Kraft in den Saiten-Instrumenten des Orche-\nsters, namentlich in den Violinen, welche, wie es uns\nschien, aus Mangel an guten Instrumenten, in allen Chö-\nren des Elias, in denen die Figuren stark durch den Ge-\nsang durchklingen müssen, nicht genug Tonstärke ent-\nwickelten.\nDie Haupt-Solo-Partieen wurden von Fräulein Aug.\nEggeling (Sopran) vom lloltheater in Braunschweig,\nFräulein Anna Simon (Alt) aus Stuttgart, Herrn Hof-\nOpernsänger Schneider (Tenor) aus Wiesbaden und\nHerrn Th. Hill aus Frankfurt a. M. gesungen. Fräulein\nEggeling besitzt eine nicht grosse, aber doch ausgiebige,\nin den Mitteltönen etwas scharfe, in der Höhe über dem\nzweigestrichenen Fhinaus jedoch wieder vollere und leicht\nansprechende Stimme, die sie im Ganzen gut zu behandeln\nweiss. Den Hauptnummern der Sopran-Partie (von welcher\nsie Alles sang) war die jugendliche Sängerin indess nicht\nganz gewachsen; dagegen sang sie die Partie des Knaben,\nder nach den Regenwolken ausschaut, und die Oberstimme\nin allen Ensemblotiicken ganz vortrefflich, besonders auch\nin dem Terzett in D-dur: „Hebe deine Augen auf\", in\nwelchem Frau Cornet aus Hamburg, die Lehrerin der\nbeiden jungen Damen, den zweiten Sopran aus Gefälligkeit\nübernommen hatte, was denn mit dem klangvollen Alt des\nFräuleins Simon ein Ganzes bildete, das nichts zu wün-\nschen übrig Hess. Das eigentliche Fach des Fräuleins Eg-\ngeling scheint der naive, schalkhafte Vortrag zu sein, von\ndem sie uns am dritten Tage durch den Gesang eines Lie-\ndes: „Der Kuckuck\", eine reizende Probe gab, nach wel-\ncher wir sie auf der Bühne für eine vortreffliche Soubrette\nhalten müssen. Fräulein Simon hat eine sehr wohlklin-\ngende, volle Altstimme von bedeutendem Umfange, deren\nRegister schon ziemlich ausgeglichen und abgerundet sind,\nund die nach vollendeter Ausbildung zu grossen Hoffnun-\ngen für die künstlerische Laufbahn der bescheidenen und\njetzt freilich noch sehr befangenen jungen Sängerin be-\nrechtigt. Wenn man bedenkt, dass sie hier zum ersten\nMale öffentlich auftrat, so wird man den ermunternden\nBeifall, der ihr zu Theil wurde, gern billigen. Beiden Sän-\ngerinnen ist indess etwas mehr von jener Wärme im Vor-\ntrage zu wünschen, welche aus dem Innern des kunstbe-\ngeisterten Sängers durch den Ton in die äussere Erschei-\nnung tritt und dem musicalischen Talente erst die wahre\nWeihe gibt.\nDas führt uns unmittelbar zu den Leistungen des\nHerrn Schneider hinüber, der wiederum bewies, dass\nsein stets nach dem Vollendeten trachtendes Streben jetzt\njene Stufe in der Gesangkunst erreicht hat, auf welcher\ndie fleissig und streng geschulten Stimmmittel nur der Be-\nstätigung der alten Wahrheit dienstbar sind: „Das Herz\nmacht den Sänger\". Es ist uns noch besonders erfreulich\ngewesen, dass der treffliche Künstler, dessen Talent für\nden Ausdruck lyrischer Empfindung längst anerkannt ist,\nin den Reeitativen der Partie des Händel'schen Samson\n(der am zweiten Tage gegeben wurde) auch das dramati-\nsche Element, da, wo Zorn und Erinnerung der Helden-\nkraft einen heroischen Ausdruck verlangen, zur Geltung\nbrachte.\nIhm stand Herr Hill durch die Art, wie er die schwie-\nrige und anstrengende Haupt-Partie des Elias durchführte,\nin vieler Hinsicht als Sänger würdig zur Seite. Herr Hill,\ndessen klangvolle, egale, frische Baritonstimme wir stets\ngeschätzt haben, hat uns .durch die grossen Fortschritte,\ndie er in der Kunst, zu singen, gemacht hat, recht freudig\nüberrascht. Sein Vortrag wurde an den meisten Stellen\nder Recitative dem Eifer des Propheten vollkommen ge-\nrecht, und auch die Arien sang er recht feurig und, wo\nes hingehörte, mit innigem Ausdruck. Ein fortgesetztes\nStudium der Vocalisation, in Verbindung mit der sorgfäl-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5435, "texte": "tigsten Articulation der Sprachlaute, wird ihn dem Ziele\neines kuustgebildeten Sängers immer näher führen.\nDer zweite Festtag (Sonntag, 15. September) brachte\nin einem Morgen-Concerte, das um 11 Uhr begann, Mo-\nzart's Ouvertüre zu Don Juan, das Trio-Concert für\nPianoforte, Violine und Violonccll mit Orchester von\nBeethoven, eine Zusammenstellung von Chören und Soli\naus dem Oratorium „Samson\" von Händel und die\nSinfonia eroica von Beethoven.\nEinen grossen Genuss gewährte das Trio-Concert\nvon Beethoven, dessen Ausführung noch dadurch einen\nbesonderen Reiz bekam, dass die Violinstimme von einer\nDame gespielt wurde, dem Fräulein Amalie Bidö, welche\ndurch ihre ausgezeichneten Leistungen in Paris und in\nDeutschland, namentlich auch während des Sommers in\nden Bädern am Rheine, bereits einen glänzenden Ruf er-\nlangt und diesen durch ihre Vorträge am zweiten und drit-\nten Tage des dortmunder Musikfestes bedeutend erhöht\nhat. Die junge Künstlerin, deren Bildungsgang vorzugs-\nweise auf brillante Virtuosität berechnet gewesen, hat sich\ndie ernste und gediegene Vortragsweise, welche Beetho-\nven's Concert fordert, so angeeignet, dass sie an Kraft und\nTon ihre Partie vollkommen zur Geltung brachte. Das\nVioloncell spielte Herr Giesenkirchen aus Dortmund,\nein sehr ehrenwerther Künstler, welcher sich den Schwie-\nrigkeiten seiner Partie vollkommen gewachsen zeigte. Mehr\nKraft und Aplomb wäre indess zu wünschen gewesen, was\nübrigens weniger die Schuld des Künstlers als des Instru-\nmentes zu sein schien, das gegen die klangvolle Violine\nund den vortrefflichen Flügel zurückstand. Herr Musik-\nDirector Loos aus Iserlohn behandelte die Clavier-Partie\nauf würdige Weise, wie es der classischen Composition\nziemt, und zeigte sich nicht nur als guten Pianisten, son-\ndern auch als verständigen Musiker. Der Concertllügel\naus der Pianoforte-Fabrik von Gerhard Adam in We-\nsel, ein wahres Pracht-Instrument an Ton und Arbeit,\ngab ein glänzendes Zeugniss ab für den enormen Fort-\nschritt, den die rheinische Kunstgewerbthätigkeit ihren\nfranzösischen und englischen Concurrenten gegenüher ge-\nmacht hat. Wenn die Kraft der Resonanz sich in den Forte-\nstellen und namentlich auch in den Schluss-Passagen und\nTrillern, welche das volle Orchester dominirten, offenbarte,\nso zeigte dagegen der Anschlag der einzelnen Töne, die\nmit den ähnlichen der beiden Streich-Instrumente einander\nnachahmend abwechselten, die Weichheit und Fülle des\nTones in ihrer ganzen Schönheit. Der Flügel fand noch\nan dem Concertabende selbst seinen Käufer.\nDie Auswahl aus dem Oratorium Samson war im\nGanzen zweckmässig. Es wurde der erste Theil ganz, vom\nzweiten die Alt-Arie mit Chor, das Recitativ und Duett\nvon Dalila und Samson, und der Doppelchor: „Ehret auf\nseinem ewigen Thron\", vom dritten die Katastrophe des\nDrama's, von Nr. 17 an bis zum Schlüsse, gegeben, lieber\ndie Ausführung gilt im Ganzen dasselbe, was über die Lei-\nstungen des Chors und der Solisten im „Elias\" bemerkt\nworden ist, nur grillen hier die Saiten-Instrumente im Or-\nchester besser durch, als in der Composition von Mendels-\nsohn. Einige Sologesänge, die in Mosel's Bearbeitung sich\nnicht finden, waren aus der Original-Partitur mit F. Hil-\nler's Instrumentirung hinzugefügt.\nDie Aufführung der Sinfonia eroica mit einem aus so\nverschiedenen Elementen zusammengesetzten Orchester, in\nwelchem eine grosse Anzahl von Dilettanten mitwirkte,\nwar in Betracht der obwaltenden Verhältnisse befriedigend,\nund wir gestehen, dass sie uns manchmal, besonders was\ndie Blas-Instrumente betrifft, z. B. auch die drei Horner,\nwirklich überraschte, obwohl die Feinheit des Ausdrucks\nnatürlich hinter den Leistungen eingespielter Orchester\nzurück blieb, auch hier und da in Einzelheiten Un^enauis:-\no o\nkeiten, namentlich im Vortrage der gebundenen (synkopir-\nten) Noten vorkamen. Eigentliche Verstösse kamen aber\nnicht vor, die Sinfonie ging präcis, die Tempi waren nicht\nübertrieben, sondern dem würdigen Charakter der herrli-\nchen Composition angemessen, und das Ganze machte dem\nDirigenten, wie den Mitwirkenden Ehre. Je mehr der Ver-\nein die Wichtigkeit der Proben und das ernste Studium,\nwelches die Ausführung classischer Orchesterwerke for-\ndert, wird kennen und schätzen lernen, desto mehr wird\nsich auch das Orchester der westfälischen Musikfeste zu\necht künstlerischen Leistungen empor arbeiten.\nIm dritten Concerte (Montag, 16. September) wett-\neiferten die Gesang- und Instrumental-Solisten mit einan-\nder und regten durch ihre Vorträge häufig das Publicum\nzum lebhaftesten Beifalle an.\nFräulein Eggeling sang die grosse Scene aus dem\nFreischütz und zwei Lieder: „G retchen am Spinnrad\", von\nSchubert und den oben erwähnten „Kuckuck\" (von?)*].\nSo vorzüglich der Vortrag des letzteren gelang, so wenig\nkonnte Auffassung und Ausdruck in dem ersten Liede ge-\nnügen. Fräulein Simon ging am dritten Tage schon mehr\nmit der Stimme heraus, zeigte in Schubert's „Wanderer\",\nden sie, wenn wir nicht irren, noch ein paar Töne tiefer\nsang, als er geschrieben, den bedeutenden Klang ihrer\nStimme in den tiefen Brusttönen, welche sie hier auch nicht\n\n*] Bei dieser Gelegenheit wollen wir doch für die Zukunft be-\nmerken, dass die Programme zu einem Musikfeste genauere\nund vollständigere Angaben enthalten müssen, als dies hier\nder Fall war. ..Arie von Mozart, Arie von Rossini, Concert\nvon Yieuxtemps\" u. s. w. Heisst gar nichts, wenn nicht der\nText-Anfang, die Tonart, Opuszahl u. s. w. dabei stehen!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1402, "texte": "so in die Breite zerrte, wie sie es an den beiden vorigen\nTagen nach der leider jetzt von Frankreich herübergekom-\nmenen Unart einige Male that. Ihr Vortrag der Tancred-\nArie bewies, dass ihre Coloratur- und Triller-Studien auch\nschon recht artigen Erfolg gehabt haben, und bestätigte\nunsere Ansicht über die Zukunft dieser jungen Sängerin.\nHerr Schneider sang zwei Lieder von Schubert und auf\necht künstlerische und hinreissende Weise die Arie des\nBelmonte aus Mozart's Entführung: „Constanze, dich soll\nich sehen\" u. s. w. Herr Hill die Arie des Paulus:\n„Herr, sei mir gnädig\", und ein Lied. Von den Instrumen-\ntalisten spielte Herr Loos eine so genannte Phantasie für\nPianoforte über „Heil Dir im Siegerkranz\". Er hätte bes-\nser gethan, etwas Anderes zu wählen. Den Vortrag eige-\nner Compositionen darf das Comite bei einem Musikfeste\nüberhaupt nur anerkannten Celebritäten verstatten, und\nselbst diese machen fast nie darauf Anspruch.\nFräulein Bidö spielte das grosse Concert in\nvon Vieuxtemps (in zwei Abtheilungen) und riss nament-\nlich durch den vortreff lichen Vortrag des Adagio und des\nRondo Alles zu enthusiastischem Beifall hin. Auch den er-\nsten Satz, der im Grunde mehr lang als gross ist, spielte\nsie meisterhaft, so dass wir die Entwicklung ihres schönen\nTalentes bis zu einer bereits so hohen Stufe mit den auf-\nrichtigsten Glückwünschen für ihre fernere Künstler-Lauf-\nbahn begrüssen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-09-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "310", "page_fin": "311", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.2.4", "titre_corps": "Das Musikfest zu Birmingham.", "titre_sommaire": "Das Musikfest zu Birmingham.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.6", "debut_caractere": 1404, "fin_caractere_exclue": 5114, "texte": "Das Musikfest zu Birmingham.\nAm 27., 28., 29. und 30. August 1861.\nIn England geht bekanntlich Alles ins Kolossale, nicht\nbloss die Dimensionen der Dampfschiffe, Docks, Keller,\nMagazine, Zeitungsblätter, Ausstellungen u. s. w., sondern\nauch der Musikfeste. Wiewohl man daran schon gewöhnt\nist, so brachte doch die Einrichtung und Ausführung des\ndiesjährigen Musikfestes in Birmingham in Bezug auf die\nMasse des Dargehotenen selbst die Engländer zu einigem\nStaunen.\nAn vier Tagen hinter einander, Dinstag bis Freitag,\nwurden acht Concerte, jeden Morgen und jeden Abend\neines, gegeben und in diesen die Oratorien Elias, Sam-\nson, Die Schöpfung, Messias, Israel in [Aegyp-\nten, Judas Maccabäus und die grosse Messe in D-dur\nvon Beethoven ausgeführt, und zwar fünf Oratorien und\ndie Messe vollständig und vom „Israel\" 21 Nummern!\nDazwischen zwei „Gemischte Concerte\", eines von 22,\ndas andere von 19 Nummern! Wir armen deutschen\nMusiker, Sänger und Hörer, die wir von drei Concerten\nan drei Tagen schon müde sind, können uns natürlich gar\nkeine Vorstellung von der musicalischen Verdauungskraft\nmachen, welche ein britisches Publicum besitzt, und von\nder Seelenruhe, mit welcher alle Mitwirkenden ihre Par-\ntieen, die sie (diesmal mit Ausnahme der Beethoven'schen\nMesse) fast auswendig können, ohne Gesammt-Probe\nabsingen und abspielen.\nEbenfalls wunderlich kommt uns die Sitte vor, auf\ndem Programm die höchste und hohe Gönnerschalt aufge-\nzählt zu lesen, unter deren Schutz das Fest ins Werk ge-\nsetztwird; wunderlich, weil wir im monarchischen Deutsch-\nland in dieser Hinsicht weit republicanischer denken, als\ndas freie Britenthum, das auch bei der Kunst auf das Pa-\ntronat des hohen Adels so grosses Gewicht legt, dass die\nZuhörer nicht halb so zahlreich in die Tonhalle strömen,\nwenn die Wappenschilder der Aristokratie nicht an ihrer\nPforte hangen. Uebrigens hat die Sache auch ihre sehr\ngute Seite, denn die Aristokratie gibt nicht bloss ihre Na-\nmen zur Förderung der Musikfeste her, sondern auch ihre\nreichen Mittel, und es ist eine sehr erfreuliche und gegen\ndeutsche Adels-Ansi'chten sehr vorteilhaft abstechende\nThatsache, dass die englische Aristokratie es sich zur Ehre\nanrechnet, bei einem Feste der Tonkunst an der Spitze\ndes Comite's zu stehen. So sehen wir denn gern den Earl\nvon Shrewsbury und Talbot als Präsidenten des Festes zu\nBirmingham, und lassen es gelten, dass auf der Rückseite\ndes Titelblattes vom Programm auch die Namen seiner\nneunundachtzig „Vice-Präsidenten\" in Uncial-\nBuchstaben wie auf einer Votiv-Tafel zu lesen sind, und\nzwar in der schönsten Rangordnung, nach welcher erst\nder Herzog von Marlborough, dann ein Marquis, dann 13\nGrafen, 6 Viscounts, 10 Lords, 25 ehrenwerthe Sirs (da-\nrunter ein Admiral und hohe Geistliche) und endlich 30\nEsquires kommen. Ganz oben an stehen aber ein Beweis\nder Achtung vor dem Gesetze und seinen Kepräsentanten\nder Bürgermeister von Birmingham und die beiden\nHigh Sheri/Fs von Warwick- und StafTordsshire. Dass die-\nses Mal auf dem Titelblatte des Programms selbst die Kö-\nnigin, der Prinz-Gemahl, der Prinz von Wales und der\nHerzog von Cambridge als besondere Patrone des Festes\naufgeführt sind, hat seinen Grund zum Theil darin, dass\nder Ueberschuss der Einnahme zur Unterstützung der\nCasse des weltberühmten Allgemeinen Hospitals zu\nBirmingham bestimmt war.\nUeberschuss des Ertrags eines Musikfestes? eines\nviertägigen, nur mit ungeheuren Kosten ins Werk zu\nsetzenden, mit zwölf sehr theuren Solisten und einem Di-\nrigenten aus London ausgestatteten Musikfestes? Wiede-\nrum eine undenkbare Sache auf dem Continente! Nun, ich\nkenne die Kosten in Birmingham nicht, aber wohl die Ein-\nnahmen, und wenn man folgende Tabelle ansieht, so wird"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3584, "texte": "man daraus wohl mit Recht schliesscn dürfen, dass das\nHospital eine ganz artige Beihülfe zur Deckung des Defi-\ncits in seiner Casse erhalten hat. Wir richten die Tabelle\nso ein, dass sie zugleich einen Maassstab der Thcilnahme\ndes Publicums an den verschiedenen Tonwerken abgibt.\nMorgens. Abends. Personen.\nli. feh. F.\nI. Tag. Elias. Gemischtes Concert. 2883 2702 710\n11. Tag. Samson. Die Schöpfung. 2271 1945 10 5\nSumme am I. und 11. Tage: 4647 18 3\n111. Tag. Messias. Gemischtes Concert. 4154 3742 6 6\nSumme am 1., IL und 111. Tage: 8390 4 9\nIV-TaS- Is^efinl^n.Judas Maccabäus. 2553 2117 17 8\nSumme der vier Tage: 10508 2 5\nDazu an 5. L. 5 Sh.-Billets 152 5\nProgramme 310\nTotal-Summe. . 10970 7 5\nAlso eine Einnahme von mehr als 70,000 Thalern! Da-\nvon lassen sich freilich sehr bedeutende Rosten bestreiten,\nund es bleibt doch noch etwas übrig.\nDer Sängerchor zählte 84 Sopran- und 80 Altstim-\nmen (bei den letzteren nach englischer Weise nur 19 Da-\nmen- und 61 Männerstimmen), 80 Tenöre und 88 Bässe,\nim Ganzen 33*2, eine lange nicht so starke Anzahl, als die\nniederrheinischen Musikfeste aufweisen. Dabei befanden\nsich nur 34 Dilettanten und 26 Dilettantinnen; von ihnen\nwar ausdrücklich auf dem Programm bemerkt, dass „sie\nder Birmingham Amateur Harmonie Association angehör-\nten und ihre gefällige Mitwirkung freiwillig (d. h. unent-\ngeltlich) wäre\". Alle übrigen sind bezahlte Choristen. Wie\nnachtheilig die oben angegebene Besetzung des Alts im\nChor wirkt, braucht man deutschen Lesern nicht aus ein-\nander zu setzen. Hoffentlich wird die durchaus notwen-\ndige Aenderung in diesem Punkte bei den englischen Ora-\ntorien-Aufführungen mit der Zeit eintreten; ein grosser\nFortschritt für die gute Sache der Tonkunst liegt schon\ndarin, dass nur überhaupt Dilettanten, namentlich auch\nDamen, mitgesungen haben. Dirigent der Harmonie\nciation ist Herr A. J. Sutton, Chor-Director des Fest-\nchors Herr W. C. Stockley.\nDas Orchester zählte unter den Vorgeigern Sainton\nund Blagrove an der ersten und Willy an der zweiten 54\nViolinen (darunter die Herren Deichmann, Ries u. s. w.),\n18 Bratschen (Vorspieler: Doyle), 17 Violoncelle (Vor-\nspieler: Lucas), 17 Contrabässe (Vorspieler: Howell), je\nvier Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte, 2 Trompeten\nund 2 Cornets, 4 Hörner, 3 Posaunen und 1 Ophikleid,\n2 Serpents, Pauken, grosse Trommel u. s. w., Harfe\nzusammen 140 Instrumentalisten und die Orgel (Herr\nStimpson), ohne welche kein grosser Concertsaal in Eng-\nland denkbar ist.\nDirigent des Ganzen 'aller Oratorien und der Messe)\nwar Costa aus London; auch die meisten Instrumenta-\nlisten waren Mitglieder der londoner Orchester.\nDas Orchester zeichnete sich nur in den Oratorien\naus, hauptsächlich durch die Saiten-Instrumente im Allge-\nmeinen und im Besonderen durch die Kraft der Bässe.\nSinfonieen werden bei diesen Festen gar nicht gemacht.\nDie Wahl der vier Ouvertüren in den gemischten Abend-\nConcerten (Rossini: Belagerung von Korinlh und Wilhelm\nTeil; Weber: Freischütz, und Auber: Stumme von Portici)\nzeigt hinlänglich, was für Orchestermusik das Publicum\nbei den englischen Musikfesten verlangt.\nDie Solo-Partieen waren vertreten im Sopran durch\nFräulein Trtjens, Frau Rudersdorf, IrauLemmens,\nSherrington und Fräulein Adelina Patti; im Alt\ndurch Frau Sainton-Dolby und Miss Palmer; im Te-\nnor durch Sims Reeves, Montem Smith, Giuglini;\nim Bass durch Santley und Beiletti. Im ersten A°bend-\nConcerte spielte Miss Arabella Goddard Mendelssohn's\nPianoforte-Concert in G-mott, im zweiten Beethoven's Con-\ncert in Es-dur.Andere Instrumental-Solo's kamen nicht vor.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-09-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-09-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-09-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "312", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.7", "debut_caractere": 3586, "fin_caractere_exclue": 5373, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nISerl&ii. In Folge der Aufforderung des Herrn Directors Wall-\nne r an deutsche Schriftsteller, bei Gelegenheit der Krönungs-Feier-\nlichkeiten für seine Bühne ein heiteres historisches Original-Volks-\nstück gegen namhaftes Honorar zu liefern, sind 6/ Stücke eingelau-\nfen, von denen 63 gänzlich unbrauchbar sind; die übrigen vier sind\nnicht besonders zur Fest-Vorstellung geeignet. Director Wallner sah\nsich daher veranlasst, den Schriftsteller Herrn Arthur Müller mit\nder Abfassung eines heiteren Volksstückes: r Grossbeeren und Den-\nnewitz\", zu beauftragen.\nHof-Capellmeister Dorn in Berlin hat einen von M, Heydrich\ngedichteten Operntext: „Der Pastetenbäcker\", componirt, welcher in\nder Faschings-Saison in Berlin zur Aufführung kommen soll.\nSchliebner's Oper: „Graf von Santarem\", fand bei ihrer er-\nsten Aufführung in KrolPs Theater in Berlin eine nur kühle Auf-\nnahme; auch die Ausführung wird als eine nicht sonderlich gelun-\ngene bezeichnet.\nDer Director des hiesigen Stadttheaters, Com-\nmissionsrath Woltersdorf, befand sich einige Tage in Ostende,\num mit dem königlichen Hofmarschall-Amte über die theatralischen\nVorstellungen, die während der Krönungszeit in Königsberg gegeben\nwerden sollen, Rücksprache zu nehmen. Am Abende des Einzugs-\ntages soll dort, wie vorläufig bestimmt, die Oper von Flotow: „Der\nMüller von Meran\" (vor mehreren Jahren unter dem Titel ..Albin\"\nin Wien durchgefallen), zur Aufführung kommen. Am Krönungstage\nwird voraussichtlich das Drama von Hans Köster: ~Hermann, der\nBefreier\", mit vorausgebendem Festspiel von F. Tietz gegeben werden.\nFrau Maria Niemann-Seebach ist nach jahrelanger Abwe-\nsenheit wieder in Hannover eingetroffen und alsbald nebst ihrem\nGemahl vom Könige und der Königin in besonderer Audienz empfan-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2422, "texte": "qen wordeil. Die Künstlerin wird nächstens wieder spielen, wodurch\ndenn alle Gerüchte, die sich über ihr beabsichtigtes gänzliches Zu-\nrücktreten ins Privatleben verbreitet hatten, widerlegt werden.\nIJreSilei». Nach mehr als einjähriger Pause wurde am hiesi-\ngen Hoftheater wieder einmal eine neue Oper gegeben, und zwar\nam 31. August der „Faust\" von Gonnod oder wie die Oper hier\nbenannt wurde Die Aufnahme der Oper war für\ndie ausführenden Kräfte eine warme, für das Werk selber aber keine\nbesonders hoffnungsvolle. Als anderweitige Novitäten erschienen\nOffenbach's Gemahl vor der Thür\" und Mozart's „Schaupiel-\nDirector\".\nIn der biographischen Skizze Franz Gläser's findet sich\ndie Angabe, dass Gläser im Jahre 1816 nach Wien kam, und dass\nhier seine Bekanntschaft mit Beethoven von grosser Bedeutung für\nseine Entwicklung war, da ihm Beethoven volles Zutrauen schenkte\nund ihn unter Anderem die Einstudirung des „Fidelio\" leiten liess;\nGläser habe auch unter des schon tauben Meisters scheinbarer Ober-\nleitung die ersten Aufführungen dieser Oper dirigirt. Diese Anga-\nben sind jedoch offenbar unrichtig; denn die Oper „Fidelio\", d. h.\ndie dritte Bearbeitung derselben, wurde am 23. Mai 1814 zum er-\nsten Male gegeben und kam durch mehrere Jahre nicht vom Reper-\ntoire, so dass an eine Einstudirung oder Direction durch den erst\n1816 im Lebensalter von kaum achtzehn Jahren nach Wien gekom-\nmenen Gläser gar nicht zu denken ist. Ich weiss mich recht wohl\nzu erinnern, dass die Oper durch Joseph Weigl einstudirt und\ndirigirt wurde. Es war aber auch zu jener Zeit gar nichts von einem\nnäheren Umgange Beethoven's mit Gläser bekannt, welcher auch mit\nRücksicht auf das jugendliche Alter und die damalige künstlerische\nUnbedeutendheit Gläser's ganz unwahrscheinlich ist. Die obigen An-\ngaben dürften daher auf einer Verwechslung der Personen beruhen.\n(W. Ree.)\nStuttgart* Das Theater ist am ]. September mit Lortzing's\n„Die beiden Schützen\" eröffnet worden. Weder Eckert noch\nKücken hat dirigirt, sondern einer der Herren Musik-Directoren.\nHerr von Gall scheint denn doch Intendant der königlichen Schau-\nspiele zu bleiben; bei dem sonst gewiss geistvollen und talentrei-\nchen Hackländer würde man sich in dem ersten Jahre wohl\nauch auf das Sprüchwort verlassen müssen: „Wrem Gott ein Amt\ngibt, dem gibt er auch die Fachkenntniss nachher dazu.\"\nHiMliburg;« Am 19. September wurde das Actien-Theater in\nSt. Pauli eröffnet."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUeber die wichtigsten Verbesserungen des Orgelbaues. Von Sonreck. Das dritte westfälische Musikfest in Dortmund.\nVon L. 15. Das Musikfest zu Birmingham. Am 27., 28., 29. und 30. August 1861. Tages- und Unt e r h altun gs bla 11 Berlin,\n1 heater- Angelegenheiten Königsberg, zur Krönungsfeier Hannover, Frau Maria Niemann-Seebach Dresden, Oper Stuttgart,\nTheater-Eröffnung Hamburg, Actien-Theater in St. Pauli).\n\nUeber die wichtigsten Verbesserungen des\nOrgelbaues.\n\nUnter den so genannten technischen Künsten, welche\nin dem gegenwärtigen Jahrhundert so erstaunliche Fort-\nschritte aufweisen, nimmt auch die Orgelbaukunst eine\nwürdige Stelle ein. Der überaus langsamen Entwicklung\nvom achten bis zum fünfzehnten Jahrhundert wir erin-\nnern nur an die Erfindung des Pedals von Bernhard\ndem Deutschen 1470 folgte der erste Aufschwung in\nder zweiten Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts, von\nwelcher Zeit an wir die bedeutenden Wrerke zu Harlem,\nGörlitz, Freiburg, Dresden u. s. w. und besonders die be-\nrühmte Orgel der Benedictiner zu Weingarten in Schwa-\nben entstehen sehen. Es war diese Zeit die grosse Periode\nder Orgelbaukunst, in welcher nach so manchen Abirrun-\ngen und Ausartungen, welche die steten Begleiter einer\nrein empirischen Entwicklung sind, endlich ein geregeltes\nSystem geschaffen wurde. Die Charakteristik der Orgel-\nstimmen, ihre akustische Wirkung, so wie das Mensur-\nVerhältnrss gelangten zu einem Abschlüsse, welcher eine\nsichere Basis für die weitere Ausbildung ermöglichte.\nMit Recht bewundern wir jetzt noch an jenen alten\nWerken die imposante Wirkung, durch welche die Orgel\nsich zur Königin aller musicalischen Insrumente erhob, und\nnächst ihrer ursprünglichen Bestimmung, das belebende\nOrgan der Andacht zu sein, die gewaltige Sprache unse-\nrer Dome wurde. Nur die Ausbildung der Mechanik der\nOrgel blieb in jener Zeit auf dem noch unentwickelten\nStandpunkte stehen und theilte dieses Geschick mit fast\nallen anderen technischen Werken. Erst in der neuesten\nZeit, als die realen Wissenschaften mehr gepflegt und auf\nalle Zweige der Kunst und Industrie praktisch angewandt\nwurden, erhielt auch die Orgelbaukunst ihren so lange\nentbehrten Antheil an dem allgemeinen Fortschritte, und\nwie es deutsche Meister waren, welche die Orgel aus dem\nrohen Zustande der ursprünglichen Erfindung zur dama-\nligen Entwicklung brachten, so waren es auch in unserer\nZeit meistens Deutsche, die in regem Wetteifer die wei-\ntere Vervollkommnung ihrer Kunst erzielten.\nDer pneumatische Hebel, die Regulatoren, die Bar-\nker'sche Spielmaschine, so wie die von Walker zuerst con-\nstruirten Kegelladen gehören zu den bedeutendsten mecha-\nnischen Verbesserungen, durch welche die Orgel sich im-\nmer mehr aus den beengenden Schranken des alten Systems\nerhebt. Der ersten Anforderung an eine gute Orgel, ,dass\nes dem Haupt-Manual bei der stärksten Besetzung nie an\neinem völligen und gleichmässigen Winddruck fehle, und\ndie Spielart dabei leicht und llüssig bleibe\", entsprechen\nnur die Kegelladen vollkommen, während die Barker'sche\nSpielmaschine (pneumatische Maschine) es andererseits er-\nmöglicht, bei der Beibehaltung des alten Laden-Systems\ndie Ventile beliebig zu verdoppeln oder zu vergrössern.\nDie Regulatoren und Wind-Magazine, als nothwendige\nFactoren zur Ausgleichung der unvermeidlichen Verdün-\nnungen und Verdichtungen des Winddruckes und des zu\nschaffenden Windvorrathes, gehören mit zu den ersten An-\nfängen, einem Hauptfehler unserer alten Orgelwerke, der\nso genannten „ Windstössigkeit\" entgegen zu treten.\nFür Freunde der Orgelbaukunst wird es nicht unin-\nteressant sein, über den Zweck und die Einrichtung der\nKegelladen, so wie über den pneumatischen Hebel einen\nnäheren Aufschluss zu erhalten. Bekanntlich leiden alle\nSchleifladen der grossen Manuale an Windmangel oder\nan zu schwerer Spielart. Wenn zwölf oder fünfzehn Pfei-\nfen, welche durch ein Ventil ihren ausreichenden Luft-\nzufluss erhalten, so voll und kräftig intoniren sollen, wie\ndies bei jeder einzelnen Pfeife erzielt worden ist, so muss\ndieses Ventil (und die Cancelle desselben) schon sehr gross\nsein, oder es müssen mehrere Ventile angelegt werden. In\nbeiden Fällen wird die Spielart zu schwer."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.2", "texte": "Bei den Kegelladen hat jede Pfeife ihr eigenes Ventil,\nwelches die Form eines umgekehrten Kegels hat und beim\nNiederdrücken der Taste gehoben wird. Jede Taste hebt\nso viele Kegel auf, als Register auf der Lade stehen. Ein\njedes Register besitzt seinen eigenen Windcanal (Cancelle),\nwelcher mit einer Klappe geschlossen ist. Beim Spielen\nder Orgel heben sich die Kegel aller Register, es sprechen\naber nur diejenigen, deren Klappe geöffnet wird, und\nzwar geschieht dieses Oeffnen durch den gewöhnlichen\nRegisterzug.\nDie grossen Vortheile dieses Systems sind also, dass\nO v\nerstens jedes Register beim vollen Werke mit derselben\nIntonation und reinen Stimmung erklingt, die es\nbeim Einzelspiel besitzt; zweitens, dass sich die Register-\nzüge bei jeder Temperatur mit der grössten Leichtigkeit\nöffnen und schliessen lassen. Diese leichte Handhabung\ngewährt den weiteren Vortheil, dass durch so genannte\nCombinationszüge mehrere Register zugleich gezogen wer-\nden können, wodurch der Spieler auf einem und demsel-\nben Ciavier mit dem vollen Werke und einigen sanfteren\nRegistern durch An- und Abstossen eines einzigen Zuges\nabwechseln kann. Obwohl bei kleineren Orgelwerken die\nKegellade nicht unbedingt nöthig ist, so gewährt dieselbe\ndoch den grossen Vortheil, dass durch letztere Einrichtung\neine zweite Claviatur ersetzt wird.\nDass die Ausbildung der Kegellade jahrelanger Er-\nfahrungen bedurfte, und dass jeder Meister, welcher sich\ndieses System aneignet, einige derselben von Neuem durch-\nmachen muss, ist selbstverständlich. Um so ungerechter\nist es aber, wenn einem so bedeutenden Fortschritte in der\nOrgelbaukunst die Unzulänglichkeit der Resultate der er-\nsten Versuche fortwährend entgegen gehalten werden.\nConsequenter Weise befänden wir uns bei Gültigkeit sol-\ncher Einwendungen noch anf dem rohen Standpunkte des\nersten Orgelwerkes; denn wahrend in unserer Zeit nur\nwenige Jahre dazu gehören, ein System auszubilden, be-\ndurfte es früher eines ganzen Jahrhunderts, um eine nur\nmässige Verbesserung der Construction zu erzielen.\nNicht minder wichtig ist die Erfindung der Spiel-\nmaschine, welche auf Anwendung des pneumatischen\nHebels beruht. Bekanntlich übt die in den Bälgen einge-\nschlossene Luft, bis zu 35 Grad belastet, auf jeden Quadrat-\nzoll Fläche einen Druck von % Loth aus. Lässt man nun\ndurch Oeflnen eines Ventils diese Luft in einen kleinen\nBlasebalg strömen, so füllt sich derselbe rasch, und die\naufgehende Oberplatte ist im Stande, ein Gewicht zu he-\nben, welches der Anzahl ihrer Quadratzolle entspricht.\nBarker verband hiernach mit den 54 Tasten der Claviatur\neben so viele kleine Bälge, wonach beim Niederdrücken\neiner Taste nur das Ventil des betreffenden Bälgleins ge-\nöffnet wird; mit dem raschen Aufsteigen des letzteren und\nder sich summirenden Kraft ist dasselbe im Stande, das\ngrössere Ventil der Windlade zu öffnen und durch mecha-\nnische Vorrichtungen auch den Koppelungen der verschie-\ndenen Claviere zu dienen. Beim Loslassen der Taste\nschliesst sich das Zugangs-Ventil, und gleichzeitig findet\ndie eingeschlossene Luft einen Auslass, wonach der kleine\nBlasebalg niedersinkt, und das Ventil der W'indlade sich\nwieder schliessen kann. Diese Hin- und Herbewegung ge-\nschieht bei genau ermittelten Grössen-Verhältnissen des\nApparates mit einer so rapiden Schnelligkeit, dass ein Tril-\nler, wie auf dem Ciavier, ohne Stocken ausgeführt wer-\nden kann.\nDie bequemere mechanische Behandlung der Orgel\nist indess nicht die Hauptsache, um die es sich handelt,\nsie ist nur Mittel zu dem grossen Zwecke, den musicali-\nschen Werth der Orgel zu erhöhen und dieselbe abge-\nrundete Fülle und feste Intonation beim vollen Werke wie-\nderzufinden, welche die einzelnen Register erhalten hatten.\nDie Ueberwindung der mechanischen Schwierigkeiten ist\nnur der Schlüssel zu dem umfangreichen Gebiete einer\nmehr charakteristischen freien Intonation und eines unab-\nhängigeren Mensur-Systems, welche sich bisher dem un-\nvollkommenen Apparate unterwerfen mussten.\nAuch in orchestraler Beziehung musste die Orgel ge-\nwinnen, seit es mittels der Kegelladen ermöglicht ist, mit\nden verschiedensten Combinationen zu wechseln und neue,\nbisher ungeahnte Effecte zu erzielen.\nVon dem Zeitpunkte dieser Verbesserungen an sehen\nwir, wie sich die Intonation bald in zwei verschiedene\nHauptrichtungen theilt. Man könnte sie Schulen nennen,\naber es fehlt uns für die jetzigen der Name eines einzel-\nnen Meisters, eines bestimmten Vorgängers. Mit Gott-\nfried Silber man 11 schliesst die mittlere Periode ab, und\nwenn sich jetzt noch einige seine Schüler oder Nachahmer\nnennen, so beweisen sie höchstens nur, dass sie den gegen-\nwärtigen Standpunkt eben so wenig erfassen, als sie dem\nalten Meister wirklich beikommen können.\nDie Intonation dieses Meisters und seiner Zeitgenossen\n(1700 bis 1750) ist äusserst dünn, aber zart zu nennen.\nSchwache, aber liebliche Bässe, enge Mensuren und durch-\nweg ein geringer Windverbrauch charakterisiren sein gan-\nzes System. Silbermann wusste, wie viel er seinen Laden,\nseinem ganzen Apparat zutrauen konnte, er intonirte mit\neiner Oekonomie, wodurch das volle Werk frisch und rein-\nklingend blieb, und eben desshalb gelang es ihm, die be-\nsten Werke seiner Zeit zu schaffen. Fast unübertroffen\nsind seine Principal-Stimmen, die sich durch hellen, ge-\nsangreichen Klang auszeichnen. In allen gedeckten Stim-\nmen ist die Intonation weich und ohne besondere Fülle,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.3", "texte": "die Octav-Register und Mixturen sind sogar spitz und\nscharf zu nennen. Ausser einigen äusserst angenehmen Flö-\ntenstimmen war es weniger die Charakteristik, sondern\neine überaus feine Egalität der einzelnen Register, welche\nseine Intonation unübertroffen liess.\nMit der Verbesserung der Structur machte sich später\nund namentlich in sächsischen und norddeutschen Ländern\neine andere Richtung in der Intonation geltend. Die Dispo-\nsitionen zeigen schon eine verhältnissmässig zu grosse An-\nzahl von sechszehnfüssigen und achtfüssigen Stimmen, die\nKlangfarben werden breiter, voller, und von der grossen\nMasse kleiner, gemischter Stimmen, welche sich mit den\nverschiedensten Intervallen auf allen Ciavieren vorfanden,\nwar hauptsächlich nur die Mixtur noch beibehalten wor-\nden. Man war in das andere Extrem gefallen, denn aus\ndem hellen, frischen Timbre der Silbermann'schen Schule\ngerieth man in eine zwar kräftige, aber rauhe, brausende\nIntonation, die über der grossen Fülle der lieferen Ton-\nlagen die klare, harmonische Wirkung verlor. Die spär-\nliche Anwendung der Zungenwerke und eine zu weit\ngehende Anwendung der Holzpfeifen trugen nicht wenig\ndazu bei, die dunkle und schwere Färbung der Labial-\nStimmen zu erhöhen, und indem man die Pedale mit den\nschwersten Grundbässen überhäufte, entbehrte man noch\nimmer der Mittel, durch die Manuale eine entsprechende\nGegenwirkung zu schaffen.\nGlücklicher Weise machte sich bald ein anderer Ein-\nfluss geltend, und zwar die französisch-niederländische\nRichtung. Obwohl diese Orgelbauer die erste Grundlage\nvon den Deutschen erhielten, gingen sie ihren eigenen\nWeg und vermieden es besonders, in die ernste Richtung\nder Deutschen zu gerathen.\nDer Ton-Charakter ihrer Werke blieb frischer, klin-\ngender. Sie erfanden zu unseren gemischten Stimmen noch\ndas Cornett (ein sehr beliebtes Register zur Begleitung des\nChorals und im vollen Werke eben so wirksam) und ver-\nlegten sich besonders auf die Ausbildung der Zungenwerke.\nIhre vorgeschrittene Technik eine fabrikmässige Theilung\nder Arbeit und, was zu beachten ist, gute, lohnende\nPreise machten es ihnen um so eher möglich, die rasche-\nsten Fortschritte zu erzielen und ausser den Zungenstim-\nmen auch in den Solo-Registern eine gewisse Bravour zu\nzeigen. Wie aus dem ersten bedeutenden Autor über Or-\ngelbau, dem Benedictiner Don Bedox, hervorgeht, hatte\nschon seit der Silbermann'schen Zeit sich der französische\nOrgelbau die jetzige Bahn vorgezeichnet und in Beibehal-\ntung des damaligen Systems an dessen Ausbildung gear-\nbeitet. So finden wir dort bis heute noch die Schleifladen\nfast ausschliesslich angewandt, aber mit solchen mechani-\nschen Einrichtungen und Anwendung des pneumatischen\nHebels verbessert, die den Mangel des deutschen Kegel-\nladen-Systems kaum fühlbar machen. Die Intonation der\nLabial-Stimmen, in welcher die Deutschen bisher den Vor-\nrang beanspruchten, wurde mehr beachtet, und es gestal-\nteten sich in der neuesten Zeit allmählich Dispositionen,\nwelche durchweg dem würdigen Charakter der Or<;el ent-\nsprechen.\nWie wohlthätig dieser Einduss auf uns gewirkt hat,\nbezeugen die letzten zwanzig Jahre, seit welchen wir, von\nden extremen Richtungen befreit, überall neue Werke\nentstehen sehen, die in der Disposition, so wie in Behand-\nlung der Klangfarben eine gemeinsame edle Richtung be-\nkünden.\n\nSonreck.\n\nDas dritte westfälische Musikfest in Dortmund.\nWährend die Sängerfeste in diesem Sommer fast auf\neine bedenkliche Weise überhand genommen haben, ist\nes erfreulich, dass sich für wirkliche Musikfeste wieder ein\nneues Institut begründet hat. Wir wollen den Männer-Ge-\nsangfesten ihre Annehmlichkeit und ihre Bedeutung für\nVereinswesen und vaterländische Verbrüderung nicht ab-\nsprechen; allein das haben doch die meisten, und zuletzt\nauch Nürnberg bei allem äusserlich Herrlichen, das es\ndarbot, bewiesen, dass die Begünstigung einer einzigen\nGattung der Tonkunst durch grossen Aufwand erfordernde\nFeste unmöglich dem Fortschritte, oder richtiger: der\nWahrung des Edeln und Heiligen in der Kunst dienen\nkann. Für diesen Zweck kann der Männergesang, der nicht\neinmal die eine Hauptgattung der Tonkunst, die Vocal-\nmusik, vertritt, sondern wiederum nur einen Theil dersel-\nben, nicht genügen; nur wo alles, was zur Musik gehört,\nzusammenwirkt, Gesang im ganzen Umfange der mensch-\nlichen Stimmen und Instrumente in ganzer Klangfülle des\nOrchesters, kann von einem Feste, das die Tonkunst feiert\nund fördert, die Rede sein.\nDas Beispiel der preussischen Rheinprovinz hatte schon\nvor zehn Jahren in dem Nachbarlande Westfalen das Ver-\nlangen nach einem musikfestlichen Vereine geweckt. Auf\nAnregung des Gymnasiallehrers Gronemeyer in Soest ver-\neinigten sich im Jahre 1851 die musicalischen Kräfte der\nStädte Arnsberg und Soest zu einem Concerte in letzterer\nStadt, wozu auch Hamm und Lippstadt ihre Contingente\nsandten. Im folgenden Jahre traten Dortmund, Unna und\nCamen bei, man veranstaltete ein erstes westfälisches Mu-\nsikfest in Hamm, welchem 1854 ein zweites in Dort-\nmund folgte, beide unter der Leitung des Musik-Directors\nBreidenstein in Dortmund. Mancherlei Zeit- und Orts-\nI\nVerhältnisse stellten sich der Fortsetzung der Feste entge-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.4", "texte": "gen, bis im gegenwärtigen Sommer einige Kunstfreunde\nin Dortmund wieder zusammentraten und das dritte Fest\nnach grösserem Maassstabe als bisher organisirten. Das\nGelingen des Unternehmens hat nun hoffentlich das neue\nInstitut eines westfälischen Musikfestes gehörig begrün-\ndet, und es dürften namentlich die Städte Münster,\nDortmund und Bielefeld die Aufgabe haben, sich\nschwesterlich vereint an die Spitze zu stellen, und es sich\nzur Ehrensache zu machen, das neue Institut aufrecht zu\nerhalten und einem immer kräftigeren Gedeihen entgegen\nzu führen.\nAm 14., 15. und 16. September waren Mitglie-\nder der Gesang- und Musik-Vereine von Arnsberg, Biele-\nfeld, Essen, Hamm, Hagen, Hattingen, Iserlohn, Lippstadt,\nMünster, Paderborn, Soest u. s. w. in Dortmund zu einem\nChor von 83 Sopran- und 56 Altstimmen, 47 Tenören\nund 56 Bässen, und zu einem Orchester von 35 Violinen,\n12 Bratschen, 11 Violoncellen, 7 Contrabässen und den\ndazu gehörigen Blas-lnstrumenten vereinigt zusammen\nan 340 Ausführende, unter der tüchtigen Leitung des\nHerrn Musik-Directors Breidenstein.\nAm ersten Tage (14. September), Abends 6 Uhr, fand\ndie Aufführung des Oratoriums „Elias\" von F. Men-\ndelsso hn-Barth o 1 dy Statt. Die Chöre wurden nichtnur\nmit grosser Präcision gesungen, es war auch Feuer und\nSchwung darin, und alle vier Stimmen entwickelten einen\nschönen, frischen Klang. Das Verhältniss der Stimmen zu\neinander entsprach den Bedingungen eines schönen Ge-\nsammttones, zumal da der Alt keineswegs, wie das sonst\nwohl öfter der Fall ist, an Klang und Sicherheit gegen die\nanderen zurückstand. Freilich bemerkte man eine etwas\nzu geringe Kraft in den Saiten-Instrumenten des Orche-\nsters, namentlich in den Violinen, welche, wie es uns\nschien, aus Mangel an guten Instrumenten, in allen Chö-\nren des Elias, in denen die Figuren stark durch den Ge-\nsang durchklingen müssen, nicht genug Tonstärke ent-\nwickelten.\nDie Haupt-Solo-Partieen wurden von Fräulein Aug.\nEggeling (Sopran) vom lloltheater in Braunschweig,\nFräulein Anna Simon (Alt) aus Stuttgart, Herrn Hof-\nOpernsänger Schneider (Tenor) aus Wiesbaden und\nHerrn Th. Hill aus Frankfurt a. M. gesungen. Fräulein\nEggeling besitzt eine nicht grosse, aber doch ausgiebige,\nin den Mitteltönen etwas scharfe, in der Höhe über dem\nzweigestrichenen Fhinaus jedoch wieder vollere und leicht\nansprechende Stimme, die sie im Ganzen gut zu behandeln\nweiss. Den Hauptnummern der Sopran-Partie (von welcher\nsie Alles sang) war die jugendliche Sängerin indess nicht\nganz gewachsen; dagegen sang sie die Partie des Knaben,\nder nach den Regenwolken ausschaut, und die Oberstimme\nin allen Ensemblotiicken ganz vortrefflich, besonders auch\nin dem Terzett in D-dur: „Hebe deine Augen auf\", in\nwelchem Frau Cornet aus Hamburg, die Lehrerin der\nbeiden jungen Damen, den zweiten Sopran aus Gefälligkeit\nübernommen hatte, was denn mit dem klangvollen Alt des\nFräuleins Simon ein Ganzes bildete, das nichts zu wün-\nschen übrig Hess. Das eigentliche Fach des Fräuleins Eg-\ngeling scheint der naive, schalkhafte Vortrag zu sein, von\ndem sie uns am dritten Tage durch den Gesang eines Lie-\ndes: „Der Kuckuck\", eine reizende Probe gab, nach wel-\ncher wir sie auf der Bühne für eine vortreffliche Soubrette\nhalten müssen. Fräulein Simon hat eine sehr wohlklin-\ngende, volle Altstimme von bedeutendem Umfange, deren\nRegister schon ziemlich ausgeglichen und abgerundet sind,\nund die nach vollendeter Ausbildung zu grossen Hoffnun-\ngen für die künstlerische Laufbahn der bescheidenen und\njetzt freilich noch sehr befangenen jungen Sängerin be-\nrechtigt. Wenn man bedenkt, dass sie hier zum ersten\nMale öffentlich auftrat, so wird man den ermunternden\nBeifall, der ihr zu Theil wurde, gern billigen. Beiden Sän-\ngerinnen ist indess etwas mehr von jener Wärme im Vor-\ntrage zu wünschen, welche aus dem Innern des kunstbe-\ngeisterten Sängers durch den Ton in die äussere Erschei-\nnung tritt und dem musicalischen Talente erst die wahre\nWeihe gibt.\nDas führt uns unmittelbar zu den Leistungen des\nHerrn Schneider hinüber, der wiederum bewies, dass\nsein stets nach dem Vollendeten trachtendes Streben jetzt\njene Stufe in der Gesangkunst erreicht hat, auf welcher\ndie fleissig und streng geschulten Stimmmittel nur der Be-\nstätigung der alten Wahrheit dienstbar sind: „Das Herz\nmacht den Sänger\". Es ist uns noch besonders erfreulich\ngewesen, dass der treffliche Künstler, dessen Talent für\nden Ausdruck lyrischer Empfindung längst anerkannt ist,\nin den Reeitativen der Partie des Händel'schen Samson\n(der am zweiten Tage gegeben wurde) auch das dramati-\nsche Element, da, wo Zorn und Erinnerung der Helden-\nkraft einen heroischen Ausdruck verlangen, zur Geltung\nbrachte.\nIhm stand Herr Hill durch die Art, wie er die schwie-\nrige und anstrengende Haupt-Partie des Elias durchführte,\nin vieler Hinsicht als Sänger würdig zur Seite. Herr Hill,\ndessen klangvolle, egale, frische Baritonstimme wir stets\ngeschätzt haben, hat uns .durch die grossen Fortschritte,\ndie er in der Kunst, zu singen, gemacht hat, recht freudig\nüberrascht. Sein Vortrag wurde an den meisten Stellen\nder Recitative dem Eifer des Propheten vollkommen ge-\nrecht, und auch die Arien sang er recht feurig und, wo\nes hingehörte, mit innigem Ausdruck. Ein fortgesetztes\nStudium der Vocalisation, in Verbindung mit der sorgfäl-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.5", "texte": "tigsten Articulation der Sprachlaute, wird ihn dem Ziele\neines kuustgebildeten Sängers immer näher führen.\nDer zweite Festtag (Sonntag, 15. September) brachte\nin einem Morgen-Concerte, das um 11 Uhr begann, Mo-\nzart's Ouvertüre zu Don Juan, das Trio-Concert für\nPianoforte, Violine und Violonccll mit Orchester von\nBeethoven, eine Zusammenstellung von Chören und Soli\naus dem Oratorium „Samson\" von Händel und die\nSinfonia eroica von Beethoven.\nEinen grossen Genuss gewährte das Trio-Concert\nvon Beethoven, dessen Ausführung noch dadurch einen\nbesonderen Reiz bekam, dass die Violinstimme von einer\nDame gespielt wurde, dem Fräulein Amalie Bidö, welche\ndurch ihre ausgezeichneten Leistungen in Paris und in\nDeutschland, namentlich auch während des Sommers in\nden Bädern am Rheine, bereits einen glänzenden Ruf er-\nlangt und diesen durch ihre Vorträge am zweiten und drit-\nten Tage des dortmunder Musikfestes bedeutend erhöht\nhat. Die junge Künstlerin, deren Bildungsgang vorzugs-\nweise auf brillante Virtuosität berechnet gewesen, hat sich\ndie ernste und gediegene Vortragsweise, welche Beetho-\nven's Concert fordert, so angeeignet, dass sie an Kraft und\nTon ihre Partie vollkommen zur Geltung brachte. Das\nVioloncell spielte Herr Giesenkirchen aus Dortmund,\nein sehr ehrenwerther Künstler, welcher sich den Schwie-\nrigkeiten seiner Partie vollkommen gewachsen zeigte. Mehr\nKraft und Aplomb wäre indess zu wünschen gewesen, was\nübrigens weniger die Schuld des Künstlers als des Instru-\nmentes zu sein schien, das gegen die klangvolle Violine\nund den vortrefflichen Flügel zurückstand. Herr Musik-\nDirector Loos aus Iserlohn behandelte die Clavier-Partie\nauf würdige Weise, wie es der classischen Composition\nziemt, und zeigte sich nicht nur als guten Pianisten, son-\ndern auch als verständigen Musiker. Der Concertllügel\naus der Pianoforte-Fabrik von Gerhard Adam in We-\nsel, ein wahres Pracht-Instrument an Ton und Arbeit,\ngab ein glänzendes Zeugniss ab für den enormen Fort-\nschritt, den die rheinische Kunstgewerbthätigkeit ihren\nfranzösischen und englischen Concurrenten gegenüher ge-\nmacht hat. Wenn die Kraft der Resonanz sich in den Forte-\nstellen und namentlich auch in den Schluss-Passagen und\nTrillern, welche das volle Orchester dominirten, offenbarte,\nso zeigte dagegen der Anschlag der einzelnen Töne, die\nmit den ähnlichen der beiden Streich-Instrumente einander\nnachahmend abwechselten, die Weichheit und Fülle des\nTones in ihrer ganzen Schönheit. Der Flügel fand noch\nan dem Concertabende selbst seinen Käufer.\nDie Auswahl aus dem Oratorium Samson war im\nGanzen zweckmässig. Es wurde der erste Theil ganz, vom\nzweiten die Alt-Arie mit Chor, das Recitativ und Duett\nvon Dalila und Samson, und der Doppelchor: „Ehret auf\nseinem ewigen Thron\", vom dritten die Katastrophe des\nDrama's, von Nr. 17 an bis zum Schlüsse, gegeben, lieber\ndie Ausführung gilt im Ganzen dasselbe, was über die Lei-\nstungen des Chors und der Solisten im „Elias\" bemerkt\nworden ist, nur grillen hier die Saiten-Instrumente im Or-\nchester besser durch, als in der Composition von Mendels-\nsohn. Einige Sologesänge, die in Mosel's Bearbeitung sich\nnicht finden, waren aus der Original-Partitur mit F. Hil-\nler's Instrumentirung hinzugefügt.\nDie Aufführung der Sinfonia eroica mit einem aus so\nverschiedenen Elementen zusammengesetzten Orchester, in\nwelchem eine grosse Anzahl von Dilettanten mitwirkte,\nwar in Betracht der obwaltenden Verhältnisse befriedigend,\nund wir gestehen, dass sie uns manchmal, besonders was\ndie Blas-Instrumente betrifft, z. B. auch die drei Horner,\nwirklich überraschte, obwohl die Feinheit des Ausdrucks\nnatürlich hinter den Leistungen eingespielter Orchester\nzurück blieb, auch hier und da in Einzelheiten Un^enauis:-\no o\nkeiten, namentlich im Vortrage der gebundenen (synkopir-\nten) Noten vorkamen. Eigentliche Verstösse kamen aber\nnicht vor, die Sinfonie ging präcis, die Tempi waren nicht\nübertrieben, sondern dem würdigen Charakter der herrli-\nchen Composition angemessen, und das Ganze machte dem\nDirigenten, wie den Mitwirkenden Ehre. Je mehr der Ver-\nein die Wichtigkeit der Proben und das ernste Studium,\nwelches die Ausführung classischer Orchesterwerke for-\ndert, wird kennen und schätzen lernen, desto mehr wird\nsich auch das Orchester der westfälischen Musikfeste zu\necht künstlerischen Leistungen empor arbeiten.\nIm dritten Concerte (Montag, 16. September) wett-\neiferten die Gesang- und Instrumental-Solisten mit einan-\nder und regten durch ihre Vorträge häufig das Publicum\nzum lebhaftesten Beifalle an.\nFräulein Eggeling sang die grosse Scene aus dem\nFreischütz und zwei Lieder: „G retchen am Spinnrad\", von\nSchubert und den oben erwähnten „Kuckuck\" (von?)*].\nSo vorzüglich der Vortrag des letzteren gelang, so wenig\nkonnte Auffassung und Ausdruck in dem ersten Liede ge-\nnügen. Fräulein Simon ging am dritten Tage schon mehr\nmit der Stimme heraus, zeigte in Schubert's „Wanderer\",\nden sie, wenn wir nicht irren, noch ein paar Töne tiefer\nsang, als er geschrieben, den bedeutenden Klang ihrer\nStimme in den tiefen Brusttönen, welche sie hier auch nicht\n\n*] Bei dieser Gelegenheit wollen wir doch für die Zukunft be-\nmerken, dass die Programme zu einem Musikfeste genauere\nund vollständigere Angaben enthalten müssen, als dies hier\nder Fall war. ..Arie von Mozart, Arie von Rossini, Concert\nvon Yieuxtemps\" u. s. w. Heisst gar nichts, wenn nicht der\nText-Anfang, die Tonart, Opuszahl u. s. w. dabei stehen!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.6", "texte": "so in die Breite zerrte, wie sie es an den beiden vorigen\nTagen nach der leider jetzt von Frankreich herübergekom-\nmenen Unart einige Male that. Ihr Vortrag der Tancred-\nArie bewies, dass ihre Coloratur- und Triller-Studien auch\nschon recht artigen Erfolg gehabt haben, und bestätigte\nunsere Ansicht über die Zukunft dieser jungen Sängerin.\nHerr Schneider sang zwei Lieder von Schubert und auf\necht künstlerische und hinreissende Weise die Arie des\nBelmonte aus Mozart's Entführung: „Constanze, dich soll\nich sehen\" u. s. w. Herr Hill die Arie des Paulus:\n„Herr, sei mir gnädig\", und ein Lied. Von den Instrumen-\ntalisten spielte Herr Loos eine so genannte Phantasie für\nPianoforte über „Heil Dir im Siegerkranz\". Er hätte bes-\nser gethan, etwas Anderes zu wählen. Den Vortrag eige-\nner Compositionen darf das Comite bei einem Musikfeste\nüberhaupt nur anerkannten Celebritäten verstatten, und\nselbst diese machen fast nie darauf Anspruch.\nFräulein Bidö spielte das grosse Concert in\nvon Vieuxtemps (in zwei Abtheilungen) und riss nament-\nlich durch den vortreff lichen Vortrag des Adagio und des\nRondo Alles zu enthusiastischem Beifall hin. Auch den er-\nsten Satz, der im Grunde mehr lang als gross ist, spielte\nsie meisterhaft, so dass wir die Entwicklung ihres schönen\nTalentes bis zu einer bereits so hohen Stufe mit den auf-\nrichtigsten Glückwünschen für ihre fernere Künstler-Lauf-\nbahn begrüssen.\n\nDas Musikfest zu Birmingham.\nAm 27., 28., 29. und 30. August 1861.\nIn England geht bekanntlich Alles ins Kolossale, nicht\nbloss die Dimensionen der Dampfschiffe, Docks, Keller,\nMagazine, Zeitungsblätter, Ausstellungen u. s. w., sondern\nauch der Musikfeste. Wiewohl man daran schon gewöhnt\nist, so brachte doch die Einrichtung und Ausführung des\ndiesjährigen Musikfestes in Birmingham in Bezug auf die\nMasse des Dargehotenen selbst die Engländer zu einigem\nStaunen.\nAn vier Tagen hinter einander, Dinstag bis Freitag,\nwurden acht Concerte, jeden Morgen und jeden Abend\neines, gegeben und in diesen die Oratorien Elias, Sam-\nson, Die Schöpfung, Messias, Israel in [Aegyp-\nten, Judas Maccabäus und die grosse Messe in D-dur\nvon Beethoven ausgeführt, und zwar fünf Oratorien und\ndie Messe vollständig und vom „Israel\" 21 Nummern!\nDazwischen zwei „Gemischte Concerte\", eines von 22,\ndas andere von 19 Nummern! Wir armen deutschen\nMusiker, Sänger und Hörer, die wir von drei Concerten\nan drei Tagen schon müde sind, können uns natürlich gar\nkeine Vorstellung von der musicalischen Verdauungskraft\nmachen, welche ein britisches Publicum besitzt, und von\nder Seelenruhe, mit welcher alle Mitwirkenden ihre Par-\ntieen, die sie (diesmal mit Ausnahme der Beethoven'schen\nMesse) fast auswendig können, ohne Gesammt-Probe\nabsingen und abspielen.\nEbenfalls wunderlich kommt uns die Sitte vor, auf\ndem Programm die höchste und hohe Gönnerschalt aufge-\nzählt zu lesen, unter deren Schutz das Fest ins Werk ge-\nsetztwird; wunderlich, weil wir im monarchischen Deutsch-\nland in dieser Hinsicht weit republicanischer denken, als\ndas freie Britenthum, das auch bei der Kunst auf das Pa-\ntronat des hohen Adels so grosses Gewicht legt, dass die\nZuhörer nicht halb so zahlreich in die Tonhalle strömen,\nwenn die Wappenschilder der Aristokratie nicht an ihrer\nPforte hangen. Uebrigens hat die Sache auch ihre sehr\ngute Seite, denn die Aristokratie gibt nicht bloss ihre Na-\nmen zur Förderung der Musikfeste her, sondern auch ihre\nreichen Mittel, und es ist eine sehr erfreuliche und gegen\ndeutsche Adels-Ansi'chten sehr vorteilhaft abstechende\nThatsache, dass die englische Aristokratie es sich zur Ehre\nanrechnet, bei einem Feste der Tonkunst an der Spitze\ndes Comite's zu stehen. So sehen wir denn gern den Earl\nvon Shrewsbury und Talbot als Präsidenten des Festes zu\nBirmingham, und lassen es gelten, dass auf der Rückseite\ndes Titelblattes vom Programm auch die Namen seiner\nneunundachtzig „Vice-Präsidenten\" in Uncial-\nBuchstaben wie auf einer Votiv-Tafel zu lesen sind, und\nzwar in der schönsten Rangordnung, nach welcher erst\nder Herzog von Marlborough, dann ein Marquis, dann 13\nGrafen, 6 Viscounts, 10 Lords, 25 ehrenwerthe Sirs (da-\nrunter ein Admiral und hohe Geistliche) und endlich 30\nEsquires kommen. Ganz oben an stehen aber ein Beweis\nder Achtung vor dem Gesetze und seinen Kepräsentanten\nder Bürgermeister von Birmingham und die beiden\nHigh Sheri/Fs von Warwick- und StafTordsshire. Dass die-\nses Mal auf dem Titelblatte des Programms selbst die Kö-\nnigin, der Prinz-Gemahl, der Prinz von Wales und der\nHerzog von Cambridge als besondere Patrone des Festes\naufgeführt sind, hat seinen Grund zum Theil darin, dass\nder Ueberschuss der Einnahme zur Unterstützung der\nCasse des weltberühmten Allgemeinen Hospitals zu\nBirmingham bestimmt war.\nUeberschuss des Ertrags eines Musikfestes? eines\nviertägigen, nur mit ungeheuren Kosten ins Werk zu\nsetzenden, mit zwölf sehr theuren Solisten und einem Di-\nrigenten aus London ausgestatteten Musikfestes? Wiede-\nrum eine undenkbare Sache auf dem Continente! Nun, ich\nkenne die Kosten in Birmingham nicht, aber wohl die Ein-\nnahmen, und wenn man folgende Tabelle ansieht, so wird"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.7", "texte": "man daraus wohl mit Recht schliesscn dürfen, dass das\nHospital eine ganz artige Beihülfe zur Deckung des Defi-\ncits in seiner Casse erhalten hat. Wir richten die Tabelle\nso ein, dass sie zugleich einen Maassstab der Thcilnahme\ndes Publicums an den verschiedenen Tonwerken abgibt.\nMorgens. Abends. Personen.\nli. feh. F.\nI. Tag. Elias. Gemischtes Concert. 2883 2702 710\n11. Tag. Samson. Die Schöpfung. 2271 1945 10 5\nSumme am I. und 11. Tage: 4647 18 3\n111. Tag. Messias. Gemischtes Concert. 4154 3742 6 6\nSumme am 1., IL und 111. Tage: 8390 4 9\nIV-TaS- Is^efinl^n.Judas Maccabäus. 2553 2117 17 8\nSumme der vier Tage: 10508 2 5\nDazu an 5. L. 5 Sh.-Billets 152 5\nProgramme 310\nTotal-Summe. . 10970 7 5\nAlso eine Einnahme von mehr als 70,000 Thalern! Da-\nvon lassen sich freilich sehr bedeutende Rosten bestreiten,\nund es bleibt doch noch etwas übrig.\nDer Sängerchor zählte 84 Sopran- und 80 Altstim-\nmen (bei den letzteren nach englischer Weise nur 19 Da-\nmen- und 61 Männerstimmen), 80 Tenöre und 88 Bässe,\nim Ganzen 33*2, eine lange nicht so starke Anzahl, als die\nniederrheinischen Musikfeste aufweisen. Dabei befanden\nsich nur 34 Dilettanten und 26 Dilettantinnen; von ihnen\nwar ausdrücklich auf dem Programm bemerkt, dass „sie\nder Birmingham Amateur Harmonie Association angehör-\nten und ihre gefällige Mitwirkung freiwillig (d. h. unent-\ngeltlich) wäre\". Alle übrigen sind bezahlte Choristen. Wie\nnachtheilig die oben angegebene Besetzung des Alts im\nChor wirkt, braucht man deutschen Lesern nicht aus ein-\nander zu setzen. Hoffentlich wird die durchaus notwen-\ndige Aenderung in diesem Punkte bei den englischen Ora-\ntorien-Aufführungen mit der Zeit eintreten; ein grosser\nFortschritt für die gute Sache der Tonkunst liegt schon\ndarin, dass nur überhaupt Dilettanten, namentlich auch\nDamen, mitgesungen haben. Dirigent der Harmonie\nciation ist Herr A. J. Sutton, Chor-Director des Fest-\nchors Herr W. C. Stockley.\nDas Orchester zählte unter den Vorgeigern Sainton\nund Blagrove an der ersten und Willy an der zweiten 54\nViolinen (darunter die Herren Deichmann, Ries u. s. w.),\n18 Bratschen (Vorspieler: Doyle), 17 Violoncelle (Vor-\nspieler: Lucas), 17 Contrabässe (Vorspieler: Howell), je\nvier Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte, 2 Trompeten\nund 2 Cornets, 4 Hörner, 3 Posaunen und 1 Ophikleid,\n2 Serpents, Pauken, grosse Trommel u. s. w., Harfe\nzusammen 140 Instrumentalisten und die Orgel (Herr\nStimpson), ohne welche kein grosser Concertsaal in Eng-\nland denkbar ist.\nDirigent des Ganzen 'aller Oratorien und der Messe)\nwar Costa aus London; auch die meisten Instrumenta-\nlisten waren Mitglieder der londoner Orchester.\nDas Orchester zeichnete sich nur in den Oratorien\naus, hauptsächlich durch die Saiten-Instrumente im Allge-\nmeinen und im Besonderen durch die Kraft der Bässe.\nSinfonieen werden bei diesen Festen gar nicht gemacht.\nDie Wahl der vier Ouvertüren in den gemischten Abend-\nConcerten (Rossini: Belagerung von Korinlh und Wilhelm\nTeil; Weber: Freischütz, und Auber: Stumme von Portici)\nzeigt hinlänglich, was für Orchestermusik das Publicum\nbei den englischen Musikfesten verlangt.\nDie Solo-Partieen waren vertreten im Sopran durch\nFräulein Trtjens, Frau Rudersdorf, IrauLemmens,\nSherrington und Fräulein Adelina Patti; im Alt\ndurch Frau Sainton-Dolby und Miss Palmer; im Te-\nnor durch Sims Reeves, Montem Smith, Giuglini;\nim Bass durch Santley und Beiletti. Im ersten A°bend-\nConcerte spielte Miss Arabella Goddard Mendelssohn's\nPianoforte-Concert in G-mott, im zweiten Beethoven's Con-\ncert in Es-dur.Andere Instrumental-Solo's kamen nicht vor.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nISerl&ii. In Folge der Aufforderung des Herrn Directors Wall-\nne r an deutsche Schriftsteller, bei Gelegenheit der Krönungs-Feier-\nlichkeiten für seine Bühne ein heiteres historisches Original-Volks-\nstück gegen namhaftes Honorar zu liefern, sind 6/ Stücke eingelau-\nfen, von denen 63 gänzlich unbrauchbar sind; die übrigen vier sind\nnicht besonders zur Fest-Vorstellung geeignet. Director Wallner sah\nsich daher veranlasst, den Schriftsteller Herrn Arthur Müller mit\nder Abfassung eines heiteren Volksstückes: r Grossbeeren und Den-\nnewitz\", zu beauftragen.\nHof-Capellmeister Dorn in Berlin hat einen von M, Heydrich\ngedichteten Operntext: „Der Pastetenbäcker\", componirt, welcher in\nder Faschings-Saison in Berlin zur Aufführung kommen soll.\nSchliebner's Oper: „Graf von Santarem\", fand bei ihrer er-\nsten Aufführung in KrolPs Theater in Berlin eine nur kühle Auf-\nnahme; auch die Ausführung wird als eine nicht sonderlich gelun-\ngene bezeichnet.\nDer Director des hiesigen Stadttheaters, Com-\nmissionsrath Woltersdorf, befand sich einige Tage in Ostende,\num mit dem königlichen Hofmarschall-Amte über die theatralischen\nVorstellungen, die während der Krönungszeit in Königsberg gegeben\nwerden sollen, Rücksprache zu nehmen. Am Abende des Einzugs-\ntages soll dort, wie vorläufig bestimmt, die Oper von Flotow: „Der\nMüller von Meran\" (vor mehreren Jahren unter dem Titel ..Albin\"\nin Wien durchgefallen), zur Aufführung kommen. Am Krönungstage\nwird voraussichtlich das Drama von Hans Köster: ~Hermann, der\nBefreier\", mit vorausgebendem Festspiel von F. Tietz gegeben werden.\nFrau Maria Niemann-Seebach ist nach jahrelanger Abwe-\nsenheit wieder in Hannover eingetroffen und alsbald nebst ihrem\nGemahl vom Könige und der Königin in besonderer Audienz empfan-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18610928-01.1.8", "texte": "qen wordeil. Die Künstlerin wird nächstens wieder spielen, wodurch\ndenn alle Gerüchte, die sich über ihr beabsichtigtes gänzliches Zu-\nrücktreten ins Privatleben verbreitet hatten, widerlegt werden.\nIJreSilei». Nach mehr als einjähriger Pause wurde am hiesi-\ngen Hoftheater wieder einmal eine neue Oper gegeben, und zwar\nam 31. August der „Faust\" von Gonnod oder wie die Oper hier\nbenannt wurde Die Aufnahme der Oper war für\ndie ausführenden Kräfte eine warme, für das Werk selber aber keine\nbesonders hoffnungsvolle. Als anderweitige Novitäten erschienen\nOffenbach's Gemahl vor der Thür\" und Mozart's „Schaupiel-\nDirector\".\nIn der biographischen Skizze Franz Gläser's findet sich\ndie Angabe, dass Gläser im Jahre 1816 nach Wien kam, und dass\nhier seine Bekanntschaft mit Beethoven von grosser Bedeutung für\nseine Entwicklung war, da ihm Beethoven volles Zutrauen schenkte\nund ihn unter Anderem die Einstudirung des „Fidelio\" leiten liess;\nGläser habe auch unter des schon tauben Meisters scheinbarer Ober-\nleitung die ersten Aufführungen dieser Oper dirigirt. Diese Anga-\nben sind jedoch offenbar unrichtig; denn die Oper „Fidelio\", d. h.\ndie dritte Bearbeitung derselben, wurde am 23. Mai 1814 zum er-\nsten Male gegeben und kam durch mehrere Jahre nicht vom Reper-\ntoire, so dass an eine Einstudirung oder Direction durch den erst\n1816 im Lebensalter von kaum achtzehn Jahren nach Wien gekom-\nmenen Gläser gar nicht zu denken ist. Ich weiss mich recht wohl\nzu erinnern, dass die Oper durch Joseph Weigl einstudirt und\ndirigirt wurde. Es war aber auch zu jener Zeit gar nichts von einem\nnäheren Umgange Beethoven's mit Gläser bekannt, welcher auch mit\nRücksicht auf das jugendliche Alter und die damalige künstlerische\nUnbedeutendheit Gläser's ganz unwahrscheinlich ist. Die obigen An-\ngaben dürften daher auf einer Verwechslung der Personen beruhen.\n(W. Ree.)\nStuttgart* Das Theater ist am ]. September mit Lortzing's\n„Die beiden Schützen\" eröffnet worden. Weder Eckert noch\nKücken hat dirigirt, sondern einer der Herren Musik-Directoren.\nHerr von Gall scheint denn doch Intendant der königlichen Schau-\nspiele zu bleiben; bei dem sonst gewiss geistvollen und talentrei-\nchen Hackländer würde man sich in dem ersten Jahre wohl\nauch auf das Sprüchwort verlassen müssen: „Wrem Gott ein Amt\ngibt, dem gibt er auch die Fachkenntniss nachher dazu.\"\nHiMliburg;« Am 19. September wurde das Actien-Theater in\nSt. Pauli eröffnet."}]}