{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-10-12-01", "volume": "bmtnabi_1861-10-12_01", "ocr_sha256": "b47b1f83de4d6358b8d445f93cf22e18ebe7555c0817133068a03afe207399c9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/10/12_01/bmtnabi_1861-10-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-10-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nDer Beethoven'sche Nachlass in der königlichen Bibliothek zu Berlin. Von Anton Schindler. (Schluss.) Das Mu-\nsikfest zu Birmingham. Am 27., 28., 29. und 30. August 1861. (Schluss.) Von A. - Aus Aachen (Sommer-Saison). Von N. - Aus\nWien (■nLes Dragons de Villars\"). 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S. Nr. 40.)\nII.\nDer in das Jahr 1845 fallende zweite Abschnitt\nunserer Geschichte, jeden Moments der Gegenwirkung,\nfolglich auch der Gemüths-Erregungen bei den Handeln-\nden entbehrend, lässt sich gleich einer Geschäftssache ab-\nwickeln, jedoch gleich einer, der ein edles Nationalgefühl,\nnicht minder das Gefühl hoher Kunstbedeutung als Beweg-\ngründe zur Seite gehen. Ausserordentliche Begebenheiten,\ndie sich für die Mitte des Augustmonats am Niederrheine\nvorbereitet hatten und Contingente des musicalischen Pu-\nblicums aus ganz Europa, selbst die Königin des grossen\nBritenreiches, zu einer dem Andenken Beethoven's gewid-\nmeten Feier in Bonn vereinigen sollten, scheinen zumeist\ndas Wunder bewirkt zu haben, dass, was zwei Jahre vor-\nher bei so bedeutendem Aufwände von Klugheit erfahre-\nner Hofmänner dennoch gescheitert war, nun fast plötzlich\n•\"iur vollendeten Thatsache geworden, ohne dass von mei-\nner Seite ein Schritt gethan wurde. Directen Impuls hat\nFolgendes hierzu gegeben:\nMan kennt aus Beethoven's Biographie den londoner\nMusiker Charles Neate, gegenwärtig, wie ich vernom-\nmen, in Brighton wohnend. Dass derselbe mit Beethoven\npersönlich bekannt war und mit ihm in Correspondenz ge-\nstanden, ist dort im Buche mehrfach gezeigt. In der zwei-\nten Hälfte des Juli 1845 ward mir das Vergnügen zu\nTheil, Herrn Ch. Neate bei mir in Aachen eintreten zu\nsehen. Er eröffnete mir sogleich den Wunsch, den in mei-\nnem Besitze befindlichen Nachlass Beethoven's kennen zu\nlernen, von dessen berliner Schicksal er durch öffentliche\nBlätter Kunde habe. Nachdem er Verschiedenes durchge-\nmustert hatte, erklärte er, er sei vom Directorium des\nBritish Museum entsandt, um einen Bericht über alles\nVorhandene zu erstatten, die Frage anknüpfend, ob ich\ngeneigt wäre, sämmtliche Gegenstände genanntem Museum\nkäuflich zu überlassen. Da ich jedoch längst die Notwen-\ndigkeit erkannt hatte, mich von der Abtheilung, welche die\nDocumente, Correspondenzen und sonstige Papiere, die\ngrossentheils als Belege zu Daten und Thatsachen in des\nMeisters Lebensgeschichte dienen, zur Zeit noch nicht tren-\nnen zu sollen, so konnte die Beantwortung dieser Frage\nnur die musicalischen Bestandteile und Anderes noch be-\ntreffen. Neate aber sprach die Vermuthung aus, man werde\nin London auf Ueberlassung des Gesammten bestehen, so-\ngar mit Einschluss scheinbarer Geringfügigkeiten. Nach\neiner Berathung diesfalls mit Herrn Hansemann und dem\nlondoner Künstler ward dieser ersucht, die Unterhandlung\nmit dem Directorium des British Museum anzubahnen.\nInzwischen war der Tag zur Inaugurations-Feier von\nBeethoven's Monument schon ganz nahe gerückt; ich be-\ngab mich daher nach Bonn, und Neate trat gleichzeitig\nseine Bückreise nach London an.\nDie am ersten Festtage Abends in Bonn ausgegebene\nKölnische Zeitung brachte an ihrer Spitze die amtliche An-\nzeige, dass Se. Majestät der König den Beethoven'schen\nNachlass von mir erworben habe. Diese alle Welt über-\nraschende Nachricht musste natürlicher Weise am meisten\nmich überraschen, da ich keine Idee hatte, wie das zuge-\ngangen sein konnte; ich erklärte sie daher den Fragern\ngegenüber für eine Mystification. Da ward mir aber gegen\nEnde des Concertes im Saale ein Schreiben von Hanse-\nmann's Hand zugestellt, das in wenig Worten die Nach-\nricht in der Kölnischen Zeitung bestätigte. Was war vor-\ngegangen? Hier die Aufklärung. Herr Hansemann, beseelt\nvon echt vaterländischen Gefühlen, das Unehrenhafte für\nganz Deutschland erkennend, wenn der Beethoven'sche\nNachlass nach all dem Gerede und Geschreibe darüber\nzwei Jahre zurück—nun doch in den Besitz des Auslandes"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5295, "texte": "kommen solle, meldete ohne mein Vorwissen dem Staats-\nMinister von Bodelschwingh, der den König auf dessen\nunmittelbar vor den bonner Festlichkeiten unternommenen\nBereisung der Rheinprovinz begleitet hatte, welches Schick-\nsal diesem Kunstschatze bevorstehe. Schon nach wenigen\nTagen übersandte der Minister Herrn Hansemann die kö-\nnigliche Entschliessung, diesen Kunstschatz unter beige-\nfügten Bedingungen für den Staat erwerben zu wollen;\nzugleich ward Herr Hansemann ersucht, die betreffenden\nGegenstände von mir in Empfang zu nehmen und selbe bis\nauf weitere Anordnung aus Berlin bei sich verwahren zu\nwollen.\nIn so unverhoffter Weise war nun die eine Hälfte der\neinst so schwierigen Aufgabe gelös't, die Lösung der an-\nderen sollte von mir abhangen, und zwar mittels Zustim-\nmung zu dem Geschehenen. Dass diese nicht so leicht von\nStatten gegangen, darf ich nicht verhehlen, indem die kö-\nnigliche Entschliessung über den Punkt des von den ber-\nliner Fachmännern festgestellten Werthes dieses Ivunst-\nschalzes ziemlich abweichend lautete. Indess, da mir ge-\nstattet worden, den oben berührten 1 heil der Documente\nu. s. w. als mein Eigenthum behalten zu dürfen (der hof-\nfentlich auch seine bleibende Stätte in der königlichen Bi-\nbliothek zu Berlin finden wird), so zögerte ich nicht, freu-\ndigen Gefühls meine Zustimmung abzugeben, säumte aber\nauch nicht, Herrn von Humboldt von dem Ereignisse in\nKenntniss zu setzen.\nIII.\nDies die geschichtlichen Haupt-Momente der in Rede\nsiehenden „monumentalen Erinnerungen\" um Hum-\nboldt's Bezeichnung dafür zu gebrauchen —, wie sie sich\nin den Jahren 1843 und 1845 ergeben haben. Wäre in-\ndess mit dem Letztangeführten schon der völlige Schluss\nder Geschichte gegeben, so dürfte aus dem Vorstehenden\nkaum ein Grund zu entnehmen sein, warum im Eingange\ndieses Aufsatzes von lügenhaften und verunglimpfenden\nBerichten und Aussagen über diese Gegenstände, wie auch\n\\on Gegenwirkungen bei den Verhandlungen mit dem kö-\nniglichen Cabinette gesprochen worden. Darin aber haupt-\nsächlich findet der Verfasser die Motive, die ihn veranlas-\nsen und im Interesse der Sache selbst bemüssigen, auch\nden Anhang der Geschichte aufzuzeichnen, damit fürder-\nhin kein Dunkel mehr obwalte, das die Urlheilenden zu\nirrthümlichen Aussagen verleiten könne.\nEinige Zeit, nachdem Herr Hansemann auf Ersuchen\nder königlichen Regierung zu Aachen derselben die be-\ntreffenden Gegenstände zur Beförderung nach Berlin über-\ngeben hatte (es geschah im Januar 1846), erinnerte ich\nden Cuslos Dehn an die zwischen uns schon 1843 ge-\ntroffene Verabredung, nämlich an das in seinem amtlichen\nBerichte bereits angedeutete „systematische und kritische\nOrdnen des Gesammt-Inhalts\" bald gehen zu wollen, und\nfragte auch zugleich an, wann ich zum Behufe der Mitwir-\nkung hierbei in Berlin einzutreffen habe. Denn als unbe-\ndingt nothwendig war meine Mitwirkung beim Ausbeuten\nder Conversationsbücher zu Kunst- und biographischen\nZwecken anerkannt. Eingeschaltet muss hier werden, dass\nhinsichtlich der letzteren Herr von Humboldt sehr zu be-\nachtende Winke gegeben hatte, die sich mitunter auch\nauf meine damals noch frische Erinnerung in Bezug aul\ndas Aphoristische darin bezogen haben. Ferner gehört\ndem grossen Naturforscher die Idee an, die Ihtroduetion\ndes dritten Actes zu Fidelio (es handelt sich um die erste\nBearbeitung der Oper) und Anderes noch mit den zahllo-\nsen Correcturen von Beethoven's Hand faesimiliren zu\nlassen, damit die Kunstwelt mit eigenen Augen daraus er-\nsehe, wie der grosse Meister seine Werke durchfeilt habe,\nbevor er selbe als vollendet der Oeffentlichkeit übergeben;\nHumboldt erbot sich sogar, dafür sorgen zu wollen, dass\ndiese Facsimiles von einem ihm bekannten Künstler in\nLondon angefertigt würden. Diese Idee hatte bei dem\nCustos so anregend gewirkt, dass er den Vorsatz hören\nliess, eine Reihe von Facsimiles von gleicher Wichtigkeit\nfür den Kunsthandel anfertigen lassen zu wollen. —Unterm\n21. Mai 1846 schreibt er mir, dass berliner und auch\nleipziger Musik-Verleger, unter Letzteren auch Breitkopf\n& Härtel, von den zum Verlag angebotenen schottischen\nu. s. w. Volksliedern nichts wissen wollten; von Beantwor-\ntung meiner oben berührten Anfrage hinsichtlich der ge-\nmeinschaftlich vorzunehmenden Arbeit findet sich kein\nWort in dem Briefe.\nFast gleichzeitig mit diesem Briefe ging mir von einem\nder bedeutendsten Musiker Berlins die Nachricht zu, dass\nunser Custos sich über die Erwerbung des BeethoAen-\nschen Nachlasses gegen Jedermann despectiriich auszulas-\nsen pflege, das Ganze für Schund erkläre, nicht des Auf-\nbewahrens werth, der Staat sei damit betrogen woiden,\nund dergleichen feine Ausdrücke mehr. Als mir aber bald\ndarauf dieselbe Nachricht von Herrn Eduard Hüffer in\nMünster, dem Verleger von Beethoven's Biographie, zu-\nging, der bei einem der königlichen Bibliothek gemachten\nBesuche aus dem Munde des Custos dieselben Ausfälle zu\nhören bekam, ohne von ihm gekannt zu sein, da hielt ich\nes an der Zeit, den gelehrten Mann von dem Vernomme-\nnen in Kenntniss zu setzen und zu bemerken, bei Fort-\nsetzung seiner Schmähungen mich bemüssigt zu sehen, sei-\nnen amtlichen Bericht über den Nachlass der Oeffentlich-\nkeit zu übergeben. Von da ab blieb es still in der könig-\nlichen Bibliothek, so still, dass, hätte nicht Herr Professor"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4736, "texte": "Otto Jahn 1851 den ursprünglichen Fidelio zur An-\nfertigung eines Clavier-Auszuges für Breitkopf & Härtel's\nVerlag benutzt, die Musikwelt bis jetzt, bei Gelegenheit\nder Herausgabe einer neuen Reihenfolge von schottischen\nu. s. w. Volksliedern nach der dort aufbewahrten Ur-\nschrift Beethoven's, nichts von jenen kunstgeschichtlich\nmerkwürdigen Reliquien mehr gehört haben würde. Die\nHaupt-Aufgabe jedoch, in Dehn's Bericht darüber ganz\nrichtig erkannt, bleibt noch zu lösen, und da gebe ich mich\n—beigehend bemerkt—der Hoffnung hin, dass diese an\nHerrn Professor A. ß. Marx, dem ob seiner lange an-\ndauernden schiefen Stellung zu dem Custos dieser Kunst-\nschatz verschlossen geblieben, in nicht ferner Zeit den ge-\neigneten Bearbeiter gefunden haben werde.\nUrsachen und Beweggründe zu so unbegreiflichem,\nden Amtspflichten keineswegs entsprechenden Benehmen\nkonnten gewiss nur von aussergewöhnlicher Art gewesen\nsein! Vielleicht. Man erwäge.\nDer Leser erinnert sich wohl des im Eingange Ange-\nführten in Betreff der Zeitschrift Cäcilia. Wie begreiflich,\nwar dieses Punktum bei unserem persönlichen Verkehr in\nBerlin wiederholt scharf aufs Korn genommen worden.\nWährend der Redacteur der Cäcilia die darin eingeschla-\ngene Richtung vertheidigt und die Beistimmung von mir\nwünschte, konnte ich meinerseits nicht umhin, diese\nRichtung als eine entschieden zeitwidrige, demnach falsche,\nzu bezeichnen, womit ich zugleich die Beurtheilung von\nanderen Fachmännern ausgesprochen hatte. Ich konnte in\nder nach neunjähriger Ruhe wieder erstandenen Zeitschrift\nnichts als ein Repositorium antiquarischer Abhandlungen\naus den reichen Sammlungen der berliner und wiener\nHof-Bibliotheken erblicken, für welche die in argen We-\nben liegende Kunst-Periode unserer Tage am wenigsten\nVerständniss, folglich auch kein Interesse haben konnte.\nEine Zeitschrift soll ja zu allernächst den Bedürfnissen der\nGegenwart dienen und dort eingreifen, wo es am meisten\nnoth thut. Auf jedes Honorar , für meine Mitwirkung ver-\nzichtend, wie dies stets bei mir der Fall war, stellte ich\nals einzige Bedingung, dass zunächst mit Bekämpfung des\nvielköpfigen, die Kunstzustände am meisten verwüstenden\nUngethüms, Virtuosenthum genannt, begonnen werden\nsolle*). Denn ausser der N. Zeitschrift für Musik, unter\nSchumann'sßedaction, die diesem Ungethüm oftmals scharf\nzu Leibe gegangen, hatte sich kein anderes Musikblatt die-\nsen jämmerlichen Zuständen mit einiger Energie entgegen-\ngestellt, im Gegentheil, die Verblüffung über jene frechen\nAusschreitungen, von den Fürsten mit hohen Ordens-De-\ncorationen, von Universitäten mit dem Doctor-Diplom\nsanetionirt, hatte sogar die Urtheilskraft der Tüchtigsten\ngelähmt. Leider hatte auch der in den strengen Kunst-\nwissenschaften, dessgleichen in der Kunstgeschichte so sat-\ntelfeste Dehn das Gleichgewicht verloren und war zu den\nverzückten Bewunderern des Virtuosenthums übergegan-\ngen. Ein kurz zuvor intimer Verkehr mit Herrn Fr. Liszt\nwährend dessen längeren Aufenthalts in Berlin soll diese\nUmwandlung der Gesinnung bewirkt haben. (Eine ähnliche\nUmwandlung ist bald darauf in Bezug auf Meyerbeer's\nMusik erfolgt, deren kräftigster Gegner Dehn gewesen.)\nDieser Umstand hatte zur Folge, dass Dehn, wenngleich\nmomentan von der Notwendigkeit einer Aenderung der\neingeschlagenen Richtung in seiner Zeitschrift überzeugt,\ndoch sofort wieder die Unmöglichkeit einer baldigen Um-\nkehr erkannt haben wollte. Ein Vergleich zwischen uns\ngehörte sonach ebenfalls zu dem Unmöglichen. Dass mein\nWiderstreben den Groll des Redacteurs erregt, war schon\nin Berlin zu merkbar, dass dieser Groll aber sich alsbald\nauf die Beethoven'schen Autographen ablagern würde, um\nandauernd darauf lasten zu bleiben, das stand nicht zu er-\nwarten. Habent sua fata libelli— aber auch die Reliquien\neines grossen Künstlers. Ein Verfahren damit, wie das\ngeschilderte, wäre unmöglich gewesen, wenn der Custos\neine höhere, sachverständige Controle über sich gewusst\nhätte; er war völlig autonom in seinem Departement und\nkonnte thun und lassen, was ihm beliebte. Sollen wir uns\nbei diesem abermaligen Beispiele von Willkürherrschaft\nnicht auch an das oben angeführte mit der königlichen\nMusikschule erinnern dürfen? Möge Gegenwärtiges auch\nbeitragen, diesen Uebelständen, falls sie noch bestehen,\nim Interesse von Kunst und Wissenschaft ein baldiges\nv , ' l 4\"* - * ' . * , - f * > >.. v - «\nEnde zu bereiten.\n*) Auf dieses allerdringendste Tagesbedürfniss hatte ich bereits\nam Schlüsse der Ergänzung zur ersten Ausgabe der Biogra-\nphie unseres Meisters: „Beethoven in Paris\", S. 99 und 100,\nhingewiesen. Darauf stützte sich mein von Dehn so genannter\nr Absagebrief\" aus dem Jahre 1842, der ihn bange gemacht,\nwie wir aus dem Citat seines Briefes erfahren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-10-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "323", "page_fin": "325", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest zu Birmingham", "titre_sommaire": "Das Musikfest zu Birmingham", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.3", "debut_caractere": 4738, "fin_caractere_exclue": 5270, "texte": "Das Musikfest zu Birmingham\n\nAm 27., 28., 29. und 30. August 1861.\n(Schluss. S. Nr. 39 und 40.)\nDie Neuerung, dass an zwei Festtagen im Abend-\nConcerte statt des Mischmasches von Operngesängen wie-\nderum ein Oratorium gegeben werden sollte, hatte die\nganze Bevölkerung in Aufregung gebracht. Denn, den re-\nligiösen und musicalischen Sinn der Engländer in allen\nEhren, ein Haupt-Zugmittel der Musikfeste in der Provinz\nwaren für einen grossen Theil der Zuhörerschaft doch im-\nmer die Programme der Abend-Concerte, weil sie Gele-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "genhcit boten, die Fürsten und Fürstinnen der londoner\nOpern in ihren glänzendsten Leistungen zu hören, nebenbei\neine Menge Bruchstücke aus italiänischen und französi-\nschen Opern kennen zu lernen und danach über die gan-\nzen Werke mitzusprechen, als wäre man in Coventgarden\noder in Ihrer Majestät Theater wie zu llause.\nNun kündigte das Comite auf einmal am zweiten Fest-\nabende nach dem „Samson\" am Morgen für den Abend\nHaydn's „Schöpfung\", und am vierten Tage gar nach der\nMissa solemnis und „Israel\" am Morgen für den Abend\nden „Judas Maccabäus\" an!\n„Zwei Oratorien an Einem Tage—das ist zu viel für\ndie Sänger und für die Zuhörer!\" Und so brachte denn\nauch in der That die „Schöpfung\" 642 L. 10 Sh. we-\nniger auf, als das Gemisch-Concert am vorigen Abende.\nCharakteristisch genug! Aber noch charakteristischer war\nes, dass das anwesende Publicum die wirklich treffliche\nAufführung durchaus kalt aufnahm und ohne sichtbaren\nEindruck an sich vorüber gehen liess. So sehr gibt hier\ndas Geld in allen Dingen für die Menge den Ausschlag:\ndie Tonhalle war ja so leer, die Guinee-Plätze wenig oder\ngar nicht besetzt—: wie konnte da die künstlerische Lei-\nstung schön sein??\nFräulein Titjens sang den Gabriel, Madame Lemmens\ndie Eva; den Uriel im ersten Theile Monthem Smith, im\nzweiten und dritten Sims Reeves; den Raphael Belletti,\nden Adam Santley. Fräulein Tiljens sang die Partie zum\ndritten Male in England (im Krystallpalaste und in Exeter\nHall) und war in der ersten C-dur-Arie und in der in\nF-dur („Auf stolzem Fittich\") ganz vorzüglich, während\nsie in der B-dur-Arie („Neu beut die Flur\") freilich nicht\nden Schmelz und Zauber einer Jenny Lind erreichte.\nDer dritte Festtag (Donnerstag den 29. August)\nbrachte Vormittags den Messias und Abends ein Misch-\nConcert von 20 Nummern, folglich auch die grösste\nTages-Einnahme: 3742 L. 6 Sh., wovon jedoch 2653 L.\n(über 16,000 Thlr.!) auf den „Messias\" kommen, was\ndem Publicum allerdings zur Ehre gereicht. Alle Solisten\n(ausser dem Tenor Giuglini, welcher in keinem Orato-\nrium gesungen hat) waren im „Messias\" betheiligt; Fräu-\nlein Titjens sang die Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\", oratorischer und ausdrucksvoller, als wir erwartet\nhatten; sie stand hinter der Novello, ihrer Vorgängerin,\nnur in Bezug auf die feinere und sicherere Nuancirung des\nTones im Piano zurück. Das „Halleluja\" wurde (vom Prä-\nsidenten) da capo verlangt und wiederholt.\nIm Abend-Concerte glänzten und flimmerten neben\neinander Mozart, Adam, Ricci, Kücken, Rossini, Donizetti,\nBalfe, Spohr („Schönes Mädchen\", das neueste Duett aus\nJessonda—Frau Rudersdorff und Monthem Smith!), Verdi,\nMeyerbeer, Mendelssohn und Beethoven's -\ncert! Es war doch nicht so arg, wie am Dinstag; denn\nman begann mit Mozart's reizendem Terzett aus\ntutte und schloss mit dem Sextett aus Und\nvon Mendelssohn kam sogar das Lorelei-Finale am Schlüsse\nder ersten Abtheilung vor, in welchem Fräulein Titjens\ndie Lorelei mit Sturm- und Donner-Applaus sang, wie sie\ndenn überhaupt die Prima Donna des Festes war. Miss\nGoddard trug das Beethoven'sche Concert auf recht edle\nWeise vor, nur war das Tempo des letzten Satzes etwas\nzu schnell. Alles, was gediegene Fertigkeit verlangte, war\nunübertrefflich.\nDie Unsitte des Da-Capo-Rufens fing leider schon\nnach der Ouvertüre zur Stummen von Portici an, womit\ndas Concert begann, und wurde bei den meisten Solo-\nstücken fortgesetzt; nur Sims Reeves wagte es, dem Ruf\nnicht Folge zu geben, und das Publicum war auch mit\nseinem blossen Wiedererscheinen und seiner Verbeugung\nzufrieden gestellt. Warum geben sich also die Künstler\nnicht das Wort darauf, kein Stück zu wiederholen? Aber\nfreilich, der Präsident!\nNach drei so gewaltigen Feldzugstagen kam nun erst\nder furchtbare, inhaltsschwere, entscheidende Sehlachttag,\nder vierte, an welchem Costa die tapferen, wirklich uner-\nhört ausdauernden Scharen zum Sturme auf das Publicum\nmit den Massen der D-dur-Messe Beethoven's, dem gan-\nzen Volke Israels, das aus Aegypten zieht, und noch am\nspäten Abende mit den Heerscharen Juda's unter dem\nMaccabäer-Helden ins Feld führte. Kolossal! Und doch\nam vierten Tage 2553 Zuhörer!\nWeil über die J Tissa soleund deren Eindruck\nauf das grosse Publicum selbst in Deutschland noch ver-\nschiedene Ansichten herrschen, so theile ich Ihren Lesern\nüber die Aufführung in Birmingham den wörtlichen Inhalt\ndes londoner Berichterstatters für Musical World mit, um\nganz unparteiisch zu sein, und füge nur hinzu, dass diese\nZeitschrift es sonst eben nicht an der Art hat, die Provin-\ncial-Aufführungen und Chorkräfte zu loben.\n„Das gestrige Morgen-Concert (heisst es in Nr. 36\nvom 7. September) hat einen grossen, vielleicht den gröss-\nten Erfolg in der ganzen Festwoche gehabt. Wie soll ich\ndie Grossartigkeit, die Erhabenheit der Aufführung des\ngewaltigen Werkes von Beethoven schildern! Die Sprache,\nwenigstens so weit sie mir zu Gebote steht, ist zu schwach\ndazu. Die Ausführung war in der That der Composition\nwürdig, und der Chor von Birmingham hat die sanguinisch-\nsten Erwartungen seiner Bewunderer übertroffen. Alle\nMitwirkenden haben den wärmsten Dank von allen Freun-\nden edler, classischer Musik höchster Gattung verdient.\nNoch niemals ist in unserem Lande eine solche Musik-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1654, "texte": "Aufführung gehört worden. Man denkt vielleicht, ich sei\netwas gar zu sehr begeistert; allein ich kann versichern,\ndass meine Begeisterung guten und hinreichenden Grund\nhat. Mein Lob ist frei von dem geringsten Anklang von\nUebertreibung oder Schmeichelei. Die Sänger von Bir-\nmingham haben sich als Mustersänger von England ge-\nzeigt. Den grössten Dank sind wir den Männern schuldig,\nden Herren Sutton und Stockley, welche solch ein Wrerk\nso einstudirt haben, und ich hege das Vertrauen, dass die\nwarmen und glänzenden Berichte über diese Leistung un-\nsere Gesang-Vereine in London anregen werden, dem\nEifer ihrer Brüder in der Provinz gleich zu kommen.—\nIch muss wiederholen, dass ich noch nie eine solche Auf-\nführung gehört habe, wie die von gestern Morgen.\"\nIch kann das im Ganzen nur bestätigen; der Eindruck\nO 7\ndes Werkes war ein ganz ausserordentlicher. Das Solo-\nQuartett war den Damen Rudersdorff und Sainton-\nDolby, den Herren Monthem-Smith und Santley\nübergeben, den am meisten musicalisch gebildeten und\nsicheren Künstlerinnen und Künstlern, und sie haben sich\ndes Vertrauens des Comite's würdig gezeigt.\nNach der Missa solemnisverliess ich den Saal; ich\nmochte und konnte physisch genommen—nichts weiter\nhören. Es wurde noch eine Motette von Hummel: „Alma\nvirgo\", für Sopran (Adeline Patti) und Chor gesungen,\nund darauf eine grosse Auswahl aus Händel's „Israel\".\nAuch der Aufführung des „Judas Maccabäus\" am\nAbende konnte ich nicht beiwohnen.\nUeberall hört man das Urtheil aussprechen, dass das\ndiesjährige Musikfest zu Birmingham in künstlerischer und\nökonomischer Rücksicht das erfolgreichste gewesen, das\ndort je gefeiert worden sei.\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-10-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "325", "page_fin": "326", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.2.4", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.5", "debut_caractere": 1656, "fin_caractere_exclue": 5108, "texte": "Aus Aachen.\n\nDie Sommerzeit unserer Concertmusik ist reich an\nKunstgenüssen gewesen und wurde am 22. v. Mts. mit\neinem glänzenden Concerte geschlossen. Eingeweiht durch\ndas Concert des Herrn Wüllner, in welchem unser ge-\nschickter Dirigent durch den Vortrag des 6r-efer-Concertes\nvon Beethoven uns einen neuen Beweis seines schönen Ta-\nlentes als Ciavierspieler und Dolmetscher classischer Mu-\nsik gab, erhielt dieser Concert-Abend noch einen beson-\nderen Reiz durch die freundliche und für unseren Musik-\nDirector sehr ehrenvolle Mitwirkung der Frau Clara\nSchumann, welche mit ihm die prächtige Sonate für zwei\nClaviere von Mozart vortrug, deren Ausführung durch das\nvortreffliche, in jeder kleinen Färbung vollkommen har-\nmonirende Zusammenspiel war.\nLouis Brassin erregle durch seine fabelhafte Tech-\nnik und unumschränkte Beherrschung des Instrumentes\nallgemeines Erstaunen; er zählt durch die Art und Weise,\nwie er die Melodie mitten durch die schwierigsten ein-\nund doppelgriffigen I'iguren, welche sie oft in den reich-\nsten und dichtesten Kränzen umschlingen, stets klar hin-\ndurchglänzen lässt, ohne dabei bei dem Zuhörer die Em-\npfindung zu erregen, als würde sie mit einem Hammer\nvon Eisen angeschlagen, jedenfalls zu den Pianisten ersten\nRanges. Er gab zuerst ein besonderes Concert, welchem\ndie liebenswürdige Sängerin Frau N., geb. Deutz, deren\nMitwirkung, auf die freundlichste Weise gewährt, stets des\nErfolges sicher ist, durch den seelenvollen Vortrag von\nLiedern von Schumann, Schubert und Mendelssohn gros-\nses Interesse verlieh. Dann spielte Brassin in dem Concerte\nunseres Concertmeisters Fritz Wenigmann, in welchem\nwir unter Anderem auch Gelegenheit hatten, uns an der\nschönen Altstimme der Frau F. D. von Neuem zu erfreuen\nund an dem trefflichen Vortrage eines Doppel-Concertes\nvon L. Spohr, das von den Herren Wenig mann und\nFleischh au er ausgeführt wurde.\nZum dritten Male hörten wir Brassin in einer reich\nausgestatteten Soiree der Liedertafel, deren Glanz der\nberühmte Geiger Sivori, der Paganini unserer Zeit, fer-\nner Fräulein Marie Cruvelli, welche auch durch ihr\nGastspiel am Theater einen wahren Triumph feierte, und\nHerr Thelen, der vortreffliche Bassist des Hoftheaters\nvon Braunschweig, vermehrte. Frau Schumann und Bras-\nsin spielten Flügel aus der Fabrik von Klems in Düssel-\ndorf, welche von Neuem Beweise von den ausserordentli-\nchen Fortschritten des Ciavierbaues in Deutschland und\nnamentlich in Rheinpreussen gaben, so dass die Erzeug-\nnisse unserer Provinz mit allen ausländischen Instrumen-\nten concurriren können.\nWie ich schon gesagt habe, hat das Concert am 22.\nv. Mts. die musicalische Sommerzeit geschlossen und die\nWinterzeit eröffnet. Letztere verspricht sehr reich zu wer-\nden, wenn Alles den Eifer des Directors Wüllner theilt.\nWie es heisst, werden wir in einem der nächsten Concerte\ndas lange vergebens erwartete Glück haben, Ferdinand\nHiller auch als Clarierspieler zu bewundern. Die Instru-\nmental-Partie des erwähnten Concertes bildeten die einfach\ngrossartige Ouvertüre Gluck's zur Iphigenie und die präch-\ntige -4-Är-Sinfonie von Beethoven; Scbumann's frisches\n„Zigeunerleben\" und J. Haydn's „Des Staubes eitle Sor-\ngen\" wurden von dem nicht eben zahlreichen Chor recht\ngut gesungen. Herr Lauterbach, gegenwärtig Concert-\nmeister an der Hofcapelle zu Dresden, war der einzige\nSolist an diesem Abende, aber man kann wohl sagen, dass\ndie Qualität die Quantität reichlich ersetzte. Der höchst"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1913, "texte": "bescheidene und anspruchslose Künstler fand die ehren-\nvollste Aufnahme. Er ist ein Künstler von echt deutscher\nArt, der seinem Instrumente den Platz, den es in der mu-\nsicalischen Hierarchie einnimmt, zu wahren versteht, ohne\nManier und ohne Coquetterie; ein edles und elegantes Spiel\nbei vollendeter Technik, Reinheit auch in den schwierig-\nsten Lagen, Wärme des Ausdrucks bei vollem Tone, das\nsind die Eigenschaften, die wir beim Spiele eines Con-\ncertes von Spohr wahrgenommen haben, in dessen Vor-\ntrag besonders die Doppelgriffe und die Staccato's im\nRondo vortrefflich waren. Eine Phantasie über Motive aus\nder „diebischen Elster\", eigene Composition des Künst-\nlers, hat uns weniger angesprochen ; die blosse Anhäufung\nvon Schwierigkeiten, wenn diese auch ganz vorzüglich aus-\ngeführt werden, kann heutzutage doch nicht mehr interes-\nsiren*).\nWenn ich neulich Aachen ob des Raubes Glück ge-\nwünscht habe, den es an Köln durch Entführung einer\nseiner besten Sängerinnen und Ihrer Schülerin begangen\nhat, deren Talent ich auch in dem gegenwärtigen Artikel\nvon Neuem zu bestätigen Gelegenheit hatte, so hat Aachen\njetzt seinerseits die Wiedervergeltung zu beklagen, die einer\nIhrer Mitbürger ausübt, der uns die beste Stütze unserer\nAlt-Partie entführt, aus einer musicalischen Familie, in\nwelcher der Bruder der jungen Dame einer der ausge-\nzeichnetsten Schüler Hiller's ist. Bei dieser Gelegenheit\nmuss ich Ihnen nur sagen, dass das F'euer, mit welchem\nunser Chor seine Aufgaben durchführt, wie Sie und ich\nöfter behauptet haben, arg zu zünden beginnt, so dass es\nlür unsere Concert-Znkunft bedenklich macht; ich kann\nIhnen nur so viel sagen, dass, wenn die Sänger, welche\nwährend dieses Jahres von jenem Feuer verzehrt worden\nsind, nach ihrem Werthe versichert gewesen wären, die\nActien der Aachen-Münchener Assecuranz-Gesellschaft be-\ndeutend gefallen sein würden.\nist bei uns eine Wahrheit geworden.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-10-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.6", "debut_caractere": 1915, "fin_caractere_exclue": 5112, "texte": "Aus Wien.\n<r\nDie komische Oper „Les Dragons de Villars* von\nAime Maillart in Paris, welche neuerlich auf einigen\ndeutschen Bühnen unter dem Titel „Das Glöckchen des\nEremiten\" gegeben worden, hat in Wien ganz und gar\nFiasco gemacht. Die „Recensionen\" drücken sich unter\nAnderem folgender Maassen darüber aus:\n„Es hat dem Director unseres Hof-Opernlheaters,\nHerrn Salvi, beliebt, SchubertY reizende Operette „Der\nhäusliche Krieg\" wenigstens vorläufig zurückzulegen und\nuns statt dessen ein Gericht aus französischer Küche vor-\nzusetzen, das wir ihm gern geschenkt hätten, indem wir\nes unschmackhaft finden bis zur völligen Ungeniessbarkeit.\nIn der That, wenn diese so genannte komische Oper in\nParis, wo sie unter dein Namen „Les Dragons de Villars\"\nim Theätre lyrique gegeben wird, so sehr gefallen hat,\ndass sie sich seit 1857 bis heute auf dem Repertoire er-\nhält, so können wir uns dies höchstens noch aus der Be-\nschaffenheit des Libretto erklären und aus der grösseren\nGewandtheit der Franzosen, dergleichen inScene zu setzen;\ndie Musik kann auch in Paris unmöglich ein Verdienst um\ndiesen Erfolg gehabt haben.\n„Das Ganze mag sich in der feinen Sprache des Ori-\nginals vielleicht wirklich nicht übel ausnehmen, in der\netwas plumpen des Uebersetzers haben wir ihm nur ein\nsehr mässiges Interesse abgewinnen können.\n„Ueber die Musik des Herrn Aime Maillart wüssten\nwir, und wenn wir unser Gehirn unter die Schrauben-\npresse legten, nichts Anderes zu sagen, als dass sie eigent-\nlich gar nicht von Maillart ist, sondern dass sie ihre Ent-\nstehung eigentlich allen Componisten des letzten Jahrhun-\nderts, den schlechten namentlich, ferner der Theater-Casse\nund dem zufälligen Vorhandensein eines Libretto verdankt.\nIm Guten ist Maillart seinen Vorbildern nirgend auch nur\nvon ferne nahe gekommen, im Gemeinen und Trivialen\ndagegen nimmt er es mit jedem auf, und darin leistet er\nganz Kolossales, so dass es für gebildete Ohren eine wahre\nTortur ist, diese Oper bis zu Ende auszuhalten. Man ver-\nzeihe uns, wenn wir nicht dabei verweilen, hier und da\netwas annehmbarere Einzelheiten aufzustechen (z. B. das\nTrinklied im vierten Acte), denn was will dergleichen be-\ndeuten, wo das Ganze so kläglich und miserabel ist? Uns\nwill ein solches Verfahren immer erscheinen, als wenn\nman z. B. einen Maler noch lobte, weil in seinem Genre-\nGemälde die Kleider seiner Figuren ganz ordentlich aus-\ngeführt sind und auch vielleicht keines derselben um ein\npaar Zoll zu gross oder zu klein gerathen ist.\n„Die Aufführung dieser Novität, die auch nur eine\nhöchst laue Aufnahme fand, war eine lobenswerthe. Be-\nsonders verdient machte sich um dieselbe Fräulein Wil-\ndauer; aber auch Fräulein Liebhart und die Herren\nWalter, Mayrhofer und Holzel leisteten Anerken-\nnenswerthes. Die Oper war sorgfältig einstudirt und ging\nunter der Leitung des Herrn Capellmeisters Proch gut\nzusammen. Aber die dritte Vorstellung konnte nicht über\nden ersten Act hinaus fortgeführt werden. Fräulein Wil-\ndauer hatte schon während dieses Actes in Spiel und Ge-\n\n*) Das ist für das Publicum eines Badeortes eine ehrenvolle\nAeusserung; in den Bädern am Mittel- und Oberrbeine macht\nman ganz entgegengesetzte Erfahrungen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 737, "texte": "sang nur zur Noth markirl; die Herren May er hofer und\nWalter gaben sich alle Mühe, etwas Leben in die Dar-\nstellung zu bringen, und Letztgenannter namentlich sang\nseine Romanze, die einzige nicht ganz unbedeutende Num-\nmer dieses Actes, mit hübschem Ausdruck. Chor und Or-\nchester dagegen schienen von einer bevorstehenden Abän-\nderung unterrichtet zu sein; es wurde mit seltener Nach-\nlässigkeit und Unaufmerksamkeit gesungen und gespielt.\nNach einem langen Zwischen-Acte erschien nicht etwa\nHerr Regisseur Schober—, sondern der neue Chorfüh-\nrer Herr Kreuzer und kündigte an, dass wegen Unwohl-\nseins des Fräuleins Wildauer statt der noch fehlenden\nActe des „ „Glöckchen\"\" der erste und der vierte Act aus\n„„Martha\"14 gegeben würden.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-10-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "328", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.7", "debut_caractere": 739, "fin_caractere_exclue": 6850, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKohl* Ihre Majestäten der König und die Königin haben ge-\nruht, den Herren Capellmeister Ferdinand Hiller, Musik-Director\nFr. Weber und Andreas Pütz „in Anerkennung der Leistungen\nim Concerte vom 15. September\" Ehrengeschenke durch den Herrn\nRegierungs-Präsidenten v. Möller zustellen zu lassen. Dieselben be-\nstehen fü£ Herrn F. Hiller in einer goldenen Medaille von etwa 21/2\nZoll Durchmesser, welche auf der Vorderseite die Brustbilder Ihrer\nMajestäten und auf der Rückseite das Datum des Concertes enthält;\nfür Herrn F. Weber in einer Brustnadel, auf deren Medaillon sich\ndie Portraits Ihrer Majestäten befinden; für Herrn A. Pütz in einer\nBrustnädel mit Brillanten.\nAm 22. October werden unsere Gürzenich-Goncerte wieder\neröffnet und zwar zur Freude aller Musikfreunde mit Haydn's\n„Schöpfung\". Die Solo-Partieen werden von Frau Rübsamen-\nVeith aus Kassel, Herrn Karl Sohn ei der aus Wiesbaden und\nHerrn Becker aus Mannheim ausgeführt werden.\nüerliii« Roderich Benedix hat ein neues Lustspiel: „Der\nStörenfried\" geschrieben, das zuerst am hiesigen Hoftheater zur Auf-\nführung gelangt.\nIn Folge eines von dem Hof-Musikhändler Gustav Bock in\nBerlin ergangenen Preis-Ausschreibens für einen Fest- oder Triumph-\nMarsch im grossen symphonischen Stile zur Verherrlichung des Krö-\nnungsfestes waren im Ganzen 83 Concurrenz-Arbeiten eingegangen,\nderen Beurtheilung Lachner in München, so wie Taubert und Dorn\nin Berlin übernommen hatten. Nach dem Urtheile der Preisrichter\nist die Composition, welche das Motto trägt:\n* „Der Herr hat Ihn beschirmt;\nEr geb' Ihm echten deutschen Mutb,\nSo kann der Sieg nicht fehlen!\"\nals die beste anerkannt und ihr der ausgesetzte Preis von zwanzig\nDucaten zugesprochen worden. Bei Eröffnung des versiegelten Cou-\nverts ergab sich als Componist des Wrerkes Capellmeister Fried-\nrich Lux aus Mainz.\nBei Kroll erschien Schliebnei's Oper: „Der Graf von San-\ntarem\". Das Libretto ähnelt entfernt dem „Hinko\", nur dass sich\nhier der Freiknecht in einen Strassensänger Riccardo umgewandelt\nhat, der die stolze Bianca von Villareal liebt und unter vornehmer\nHülle heirathet dann aber, entlarvt, in sein Nichts zurückge-\nschleudert, endlich durch Edelmuth und den glücklichen Ausgang\neiner Verschwörung vom Herzoge von Braganza mit dem Grafen-\nTitel belohnt, seine Bianca wieder empfängt. Die Musik zeugt von\nAneignungs-Talent und Geschick in der Instrumentation, führt einige\nhübsche Melodieen, ohne originel zu sein, und huldigt im Ganzen\nder Menge. Mit dem zweiten Acte jedoch erlischt das Interesse.\nFrau Schütz-Witt (Bianca) und Herr Zellmann (Riccardoy san-\ngen anerkennungswertli\nAm 30. September ist die bisher als dramatische Sängerin be-\nrühmte Johanna Wagner mit Darstellung der Göthe'schen ..Iphi-\ngenie\" zum Schauspiel übergetreten. Viel muss die Darstellerin noch\nzuleinen, jNlanches, z. 13. die übermässige Fonschattirung, verlernen 5\naber das Talent ist da, und die Mittel sind glänzend. Vieles Ein-\nzelne gelang vortrefflich, und vom Ganzen empfing man einen durch-\naus künstlerischen Eindruck. Frau Wagner hatte sich am 21. Sep-\ntember in Gluck's von der Oper verabschiedet. Herr\nZschiesche, seit 4. September 1829 Mitglied der königlichen\nOper, hat als Sarastro sein „letztes Auftreten\" gefeiert.\nMeyerbeer's Geburtstag. In berliner Blättern findet sich\nfolgende (auch in die Kölnische Zeitung vom 23. September über-\ngegangene) Notiz: „Meyerbeer wird am 23. September 70 Jahre\nalt\" u. s. w. Der berühmte Meister ist aber am 5. September\n1791 geboren, wie Gathy in seinem kleinen Künstler-Lexikon rich-\ntig angibt. Gassner nennt in dem seinigen nur das Jahr 1791\nohne Datum; das neue „Universal-Lexikon der Tonkunst*' von Ed.\nBernsdorf, bei J. AndrtS in Offenbach verlegt, kümmert sich nicht\num den Tag der Geburt des berühmtesten Componisten unserer\nTage und lässt ihn gar erst im Jahre 1794 geboren werden!\nDas erste diesjährige Gewandhaus-Concert in Leipzig fand am\n29. September Statt und brachte Folgendes: I. ..Meeresstille und\nglückliche Fahrt\", Ouvertüre von Felix Mendelssohn-Bartholdy.\nVariationen von Marie Malibran, gesungen von Signora Trebel li.\nConcert-Allegro (D-moll, Nr. 1) für die Violine von Kode, vorge-\ntragen von Concertmeister Ferd. David. Bolero aus der Oper\n„Die sicilianische Vesper\" von Verdi, gesungen von Signora Tre-\nbelli. Andante und Scherzo capriccioso für die Violine, compo-\nnirt und vorgetragen von Concertmeister Ferd. David. Lied,\naus „Lucrezia Borgia\" von Donizetti, gesungen von Signora Tre-\nbelli. 2. Theil: Sinfonie (C-dur) von Franz Schubert. (!)\nMfcsiiiovei*« Am 1. September ist die Bühne wieder eröffnet\nworden. Besonders bietet die Oper günstige Aussichten. Herr Nie-\nmann scheint gleichmässig der Intendanz wie dem Publicum gegen-\nüber eine freundliche Stellung nehmen zu wollen; er ist bereits vier\nMal in einer Woche aufgetreten: in den „Hugenotten\", ..Joseph in\nAegypten\", „Troubadour\", „Templer und Jüdin\", und hat sich die\neinmüthige Anerkennung erworben, dass er während seines Aufent-\nhaltes in Paris und fortgesetzt auch während der Ferien eben so\neifrig wie erfolgreich seiner künstlerischen Ausbildung obgelegen\nhat. Sein Vortrag ist überall durchaus maassvoll gehalten und hat\nsehr an Innigkeit gewonnen, während die Stimme ihren früheren\nGlanz ungeschwächt bewahrt hat. Hoffen wir nun, dass das Be-\nwusstsein gehobener Tüchtigkeit des Sängers nicht die Quelle neuer\nDifferenzen wird.\nSaltDie erste interessante Opern-Vorstellung war die\nam 15. September, wo Herr Eckert zum ersten Male dirigirte, und\nzwar den Rossini'schen „Teil\". Er wurde in dem Augenblicke, als\ner an das Dirigirpult trat, von dem zahlreich versammelten Publi-\ncum lebhaft begrüsst, und am Schlüsse der Ouvertüre entstand ein\nLärm und Beifallsgeschrei, wie man es hier nur selten zu hören be-\nkommt. Das ist nun doch einmal wieder ein Capellmeister, wo-\nbei ich bitte, den Nachdruck auf den „Meister* zu legen. Bei ihm\nhat man die Ueberzeugung, dass er das Ganze beherrscht, weil\ner es aus dem Fundament kennt. Dass das aus dieser Ueberzeugung\nhervorgehende Gefühl der Sicherheit den Gcnuss des Hörers bedeu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3387, "texte": "tend erhöbt, ist klar, und dass sich die Mitwirkenden Mühe geben,\nmit einem solchen Manne zu bestehen, eben so einleuchtend. So war\ndie Gesammt-Aufführung eine höchst befriedigende, und Eckert hat\nes mit diesem Einen Abende, was man so heisst, vollständig ge-\nwonnen. In welcher Weise sich sein Verhältniss zu Kücken, ich\nmeine sein dienstliches», gestalten wird, lässt sich noch nicht sagen;\nbeide Herren sind formel gleichberechtigt. Indessen ist Herr v. Gall\nnach wie vor Intendant unserer Bühne und scheint auch nicht daran\nzu denken, sich zurückzuziehen, und Herr Hackländer erklärt, er\nhabe nie Intendant werden wollen.\nDer bisherige Capellmeister in Frankfurt am Main Gustav\nSchmidt componirt so eben eine neue Oper, zu welcher Frau\nBirch-Pfeiffer den Text geliefert hat.\nMiinelteil* Fräulein Hänisch aus Braunschweig, Schülerin\ndes Prof. Böhme in Köln, gastirt hier auf Engagement. Sie tritt\nzunächst in „Dinorah\" und in „Don Sebastian6' auf. Im November\nsoll Maillard's „Glöckchen des Eremiten\" und im December Gou-\nnod's „Faust\" gegeben werden.\nWien« Die Sing-Akadcmie hat ihre Uebungen begonnen, und\nzwar unter zahlreichem Zuspruch und in lebhaft theilnehmender\nStimmung. Die bisherigen ausübenden Mitglieder sammeln sich all-\nmählich unter der Führung des Herrn Stegmayer und manche\nneu eintretende schliessen sich ihnen an. Das erste Coricert der Sing-\nAkademie findet am 15. November Abends Statt und bringt Chöre\nvon Bach, Lotti, Stobäus, Eccard, Hiller und eine Nummer aus dem\nneuen Oratorium „Abraham\" von Blumner. Im zweiten Concerte\nsollen nebst den Werken der Alt-Deutschen und Alt-Italiäner auch\nCherubini, Schubert, Spohr u. A. vertreten sein, im dritten aber, am\nChardinstag Abends, die „Matthäus-Passion\" von J. S. Bach, für\nWien ein wahres Ereigniss, zur Aufführung kommen.\nDie Philharmonische Concert-Unternehmung kündigt vorläufig\nvier Concerte an, die am 3. und 24. November, dann am 26. De-\ncember und am 21. Januar 1862 Statt finden werden. Folgende\nWerke werden in denselben zur Aufführung kommen : von S. Bach\nein Concert für Streich-Instrumente, von Mozart die 6r-moZZ-Sinfonie,\nvon Beethoven die Fest-Ouverture und die neunte Sinfonie, von Che-\nrubini die Anakreon-Ouverture, von Spohr die „Weihe der Töne\",\nvon Mendelssohn die ,4-dwr-Sinfonie und die Concert-Ouverture „Mee-\nresstille und glückliehe Fahrt\", von Schumann die C-ciur-Sinfonie,\ndann „Ouvertüre, Scherzo und Finale\" und die Manfred-Ouverture,\nvon Reinecke die Ouvertüre zu „Dame Kobold\", von Herbeck eine\nManuscript-Sinfonie in C-dur u. s. w.\nSt* Galleil* Die Stelle eines Musik-Directors des Sänger-Ver-\neins „Frohsinn\" in St. Gallen ist erledigt. Allenfallsige Bewerber\nsind eingeladen, sich bis Ende October schriftlich an das Präsidium\ndes Vereins, Herrn Dr. Moosheer, zu wenden, welcher denselben\nsowohl über die vom Vereine gestellten Anforderungen und das da-\nhier ausgezahlte Gehalt, als auch über die Stellung, welche ein mit\ngründlichen Kenntnissen in der Vocal- und Instrumental-Musik ver-\nsehener Musiker sich durch Privat-Unterricht in St. Gallen erwerben\nkann, Aufschluss ertheilen wird.\nDie wiener Recensionen vom 22. September lassen sich aus Rom\nschreiben: „Im nächsten Monat findet in Rom eine merkwürdige\nHeirath Statt. Die Fürstin von Wittgenstein heirathet den Pia-\nnisten Liszt, Für das Brautpaar werden auf der Piazza di Spagna\nprachtvolle Appartements eingerichtet."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer Beethoven'sche Nachlass in der königlichen Bibliothek zu Berlin. Von Anton Schindler. (Schluss.) Das Mu-\nsikfest zu Birmingham. Am 27., 28., 29. und 30. August 1861. (Schluss.) Von A. - Aus Aachen (Sommer-Saison). Von N. - Aus\nWien (■nLes Dragons de Villars\"). Tages- und ünte r h al tun gs bla 11 (Köln, Ehrengeschenke, Gürzenich-Concerte Berlin,\nFestmarsch, Johanna Wagner Meyerbeer's Geburtstag Leipzig, Gewandhaus-Concerte Hannover, Theater Stuttgart).\n\nDer Beethoven’sehe Nachlass in der königlichen\nBibliothek zu Berlin.\nVon Anton Schindler.\n(Schluss. S. Nr. 40.)\nII.\nDer in das Jahr 1845 fallende zweite Abschnitt\nunserer Geschichte, jeden Moments der Gegenwirkung,\nfolglich auch der Gemüths-Erregungen bei den Handeln-\nden entbehrend, lässt sich gleich einer Geschäftssache ab-\nwickeln, jedoch gleich einer, der ein edles Nationalgefühl,\nnicht minder das Gefühl hoher Kunstbedeutung als Beweg-\ngründe zur Seite gehen. Ausserordentliche Begebenheiten,\ndie sich für die Mitte des Augustmonats am Niederrheine\nvorbereitet hatten und Contingente des musicalischen Pu-\nblicums aus ganz Europa, selbst die Königin des grossen\nBritenreiches, zu einer dem Andenken Beethoven's gewid-\nmeten Feier in Bonn vereinigen sollten, scheinen zumeist\ndas Wunder bewirkt zu haben, dass, was zwei Jahre vor-\nher bei so bedeutendem Aufwände von Klugheit erfahre-\nner Hofmänner dennoch gescheitert war, nun fast plötzlich\n•\"iur vollendeten Thatsache geworden, ohne dass von mei-\nner Seite ein Schritt gethan wurde. Directen Impuls hat\nFolgendes hierzu gegeben:\nMan kennt aus Beethoven's Biographie den londoner\nMusiker Charles Neate, gegenwärtig, wie ich vernom-\nmen, in Brighton wohnend. Dass derselbe mit Beethoven\npersönlich bekannt war und mit ihm in Correspondenz ge-\nstanden, ist dort im Buche mehrfach gezeigt. In der zwei-\nten Hälfte des Juli 1845 ward mir das Vergnügen zu\nTheil, Herrn Ch. Neate bei mir in Aachen eintreten zu\nsehen. Er eröffnete mir sogleich den Wunsch, den in mei-\nnem Besitze befindlichen Nachlass Beethoven's kennen zu\nlernen, von dessen berliner Schicksal er durch öffentliche\nBlätter Kunde habe. Nachdem er Verschiedenes durchge-\nmustert hatte, erklärte er, er sei vom Directorium des\nBritish Museum entsandt, um einen Bericht über alles\nVorhandene zu erstatten, die Frage anknüpfend, ob ich\ngeneigt wäre, sämmtliche Gegenstände genanntem Museum\nkäuflich zu überlassen. Da ich jedoch längst die Notwen-\ndigkeit erkannt hatte, mich von der Abtheilung, welche die\nDocumente, Correspondenzen und sonstige Papiere, die\ngrossentheils als Belege zu Daten und Thatsachen in des\nMeisters Lebensgeschichte dienen, zur Zeit noch nicht tren-\nnen zu sollen, so konnte die Beantwortung dieser Frage\nnur die musicalischen Bestandteile und Anderes noch be-\ntreffen. Neate aber sprach die Vermuthung aus, man werde\nin London auf Ueberlassung des Gesammten bestehen, so-\ngar mit Einschluss scheinbarer Geringfügigkeiten. Nach\neiner Berathung diesfalls mit Herrn Hansemann und dem\nlondoner Künstler ward dieser ersucht, die Unterhandlung\nmit dem Directorium des British Museum anzubahnen.\nInzwischen war der Tag zur Inaugurations-Feier von\nBeethoven's Monument schon ganz nahe gerückt; ich be-\ngab mich daher nach Bonn, und Neate trat gleichzeitig\nseine Bückreise nach London an.\nDie am ersten Festtage Abends in Bonn ausgegebene\nKölnische Zeitung brachte an ihrer Spitze die amtliche An-\nzeige, dass Se. Majestät der König den Beethoven'schen\nNachlass von mir erworben habe. Diese alle Welt über-\nraschende Nachricht musste natürlicher Weise am meisten\nmich überraschen, da ich keine Idee hatte, wie das zuge-\ngangen sein konnte; ich erklärte sie daher den Fragern\ngegenüber für eine Mystification. Da ward mir aber gegen\nEnde des Concertes im Saale ein Schreiben von Hanse-\nmann's Hand zugestellt, das in wenig Worten die Nach-\nricht in der Kölnischen Zeitung bestätigte. Was war vor-\ngegangen? Hier die Aufklärung. Herr Hansemann, beseelt\nvon echt vaterländischen Gefühlen, das Unehrenhafte für\nganz Deutschland erkennend, wenn der Beethoven'sche\nNachlass nach all dem Gerede und Geschreibe darüber\nzwei Jahre zurück—nun doch in den Besitz des Auslandes"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.2", "texte": "kommen solle, meldete ohne mein Vorwissen dem Staats-\nMinister von Bodelschwingh, der den König auf dessen\nunmittelbar vor den bonner Festlichkeiten unternommenen\nBereisung der Rheinprovinz begleitet hatte, welches Schick-\nsal diesem Kunstschatze bevorstehe. Schon nach wenigen\nTagen übersandte der Minister Herrn Hansemann die kö-\nnigliche Entschliessung, diesen Kunstschatz unter beige-\nfügten Bedingungen für den Staat erwerben zu wollen;\nzugleich ward Herr Hansemann ersucht, die betreffenden\nGegenstände von mir in Empfang zu nehmen und selbe bis\nauf weitere Anordnung aus Berlin bei sich verwahren zu\nwollen.\nIn so unverhoffter Weise war nun die eine Hälfte der\neinst so schwierigen Aufgabe gelös't, die Lösung der an-\nderen sollte von mir abhangen, und zwar mittels Zustim-\nmung zu dem Geschehenen. Dass diese nicht so leicht von\nStatten gegangen, darf ich nicht verhehlen, indem die kö-\nnigliche Entschliessung über den Punkt des von den ber-\nliner Fachmännern festgestellten Werthes dieses Ivunst-\nschalzes ziemlich abweichend lautete. Indess, da mir ge-\nstattet worden, den oben berührten 1 heil der Documente\nu. s. w. als mein Eigenthum behalten zu dürfen (der hof-\nfentlich auch seine bleibende Stätte in der königlichen Bi-\nbliothek zu Berlin finden wird), so zögerte ich nicht, freu-\ndigen Gefühls meine Zustimmung abzugeben, säumte aber\nauch nicht, Herrn von Humboldt von dem Ereignisse in\nKenntniss zu setzen.\nIII.\nDies die geschichtlichen Haupt-Momente der in Rede\nsiehenden „monumentalen Erinnerungen\" um Hum-\nboldt's Bezeichnung dafür zu gebrauchen —, wie sie sich\nin den Jahren 1843 und 1845 ergeben haben. Wäre in-\ndess mit dem Letztangeführten schon der völlige Schluss\nder Geschichte gegeben, so dürfte aus dem Vorstehenden\nkaum ein Grund zu entnehmen sein, warum im Eingange\ndieses Aufsatzes von lügenhaften und verunglimpfenden\nBerichten und Aussagen über diese Gegenstände, wie auch\n\\on Gegenwirkungen bei den Verhandlungen mit dem kö-\nniglichen Cabinette gesprochen worden. Darin aber haupt-\nsächlich findet der Verfasser die Motive, die ihn veranlas-\nsen und im Interesse der Sache selbst bemüssigen, auch\nden Anhang der Geschichte aufzuzeichnen, damit fürder-\nhin kein Dunkel mehr obwalte, das die Urlheilenden zu\nirrthümlichen Aussagen verleiten könne.\nEinige Zeit, nachdem Herr Hansemann auf Ersuchen\nder königlichen Regierung zu Aachen derselben die be-\ntreffenden Gegenstände zur Beförderung nach Berlin über-\ngeben hatte (es geschah im Januar 1846), erinnerte ich\nden Cuslos Dehn an die zwischen uns schon 1843 ge-\ntroffene Verabredung, nämlich an das in seinem amtlichen\nBerichte bereits angedeutete „systematische und kritische\nOrdnen des Gesammt-Inhalts\" bald gehen zu wollen, und\nfragte auch zugleich an, wann ich zum Behufe der Mitwir-\nkung hierbei in Berlin einzutreffen habe. Denn als unbe-\ndingt nothwendig war meine Mitwirkung beim Ausbeuten\nder Conversationsbücher zu Kunst- und biographischen\nZwecken anerkannt. Eingeschaltet muss hier werden, dass\nhinsichtlich der letzteren Herr von Humboldt sehr zu be-\nachtende Winke gegeben hatte, die sich mitunter auch\nauf meine damals noch frische Erinnerung in Bezug aul\ndas Aphoristische darin bezogen haben. Ferner gehört\ndem grossen Naturforscher die Idee an, die Ihtroduetion\ndes dritten Actes zu Fidelio (es handelt sich um die erste\nBearbeitung der Oper) und Anderes noch mit den zahllo-\nsen Correcturen von Beethoven's Hand faesimiliren zu\nlassen, damit die Kunstwelt mit eigenen Augen daraus er-\nsehe, wie der grosse Meister seine Werke durchfeilt habe,\nbevor er selbe als vollendet der Oeffentlichkeit übergeben;\nHumboldt erbot sich sogar, dafür sorgen zu wollen, dass\ndiese Facsimiles von einem ihm bekannten Künstler in\nLondon angefertigt würden. Diese Idee hatte bei dem\nCustos so anregend gewirkt, dass er den Vorsatz hören\nliess, eine Reihe von Facsimiles von gleicher Wichtigkeit\nfür den Kunsthandel anfertigen lassen zu wollen. —Unterm\n21. Mai 1846 schreibt er mir, dass berliner und auch\nleipziger Musik-Verleger, unter Letzteren auch Breitkopf\n& Härtel, von den zum Verlag angebotenen schottischen\nu. s. w. Volksliedern nichts wissen wollten; von Beantwor-\ntung meiner oben berührten Anfrage hinsichtlich der ge-\nmeinschaftlich vorzunehmenden Arbeit findet sich kein\nWort in dem Briefe.\nFast gleichzeitig mit diesem Briefe ging mir von einem\nder bedeutendsten Musiker Berlins die Nachricht zu, dass\nunser Custos sich über die Erwerbung des BeethoAen-\nschen Nachlasses gegen Jedermann despectiriich auszulas-\nsen pflege, das Ganze für Schund erkläre, nicht des Auf-\nbewahrens werth, der Staat sei damit betrogen woiden,\nund dergleichen feine Ausdrücke mehr. Als mir aber bald\ndarauf dieselbe Nachricht von Herrn Eduard Hüffer in\nMünster, dem Verleger von Beethoven's Biographie, zu-\nging, der bei einem der königlichen Bibliothek gemachten\nBesuche aus dem Munde des Custos dieselben Ausfälle zu\nhören bekam, ohne von ihm gekannt zu sein, da hielt ich\nes an der Zeit, den gelehrten Mann von dem Vernomme-\nnen in Kenntniss zu setzen und zu bemerken, bei Fort-\nsetzung seiner Schmähungen mich bemüssigt zu sehen, sei-\nnen amtlichen Bericht über den Nachlass der Oeffentlich-\nkeit zu übergeben. Von da ab blieb es still in der könig-\nlichen Bibliothek, so still, dass, hätte nicht Herr Professor"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.3", "texte": "Otto Jahn 1851 den ursprünglichen Fidelio zur An-\nfertigung eines Clavier-Auszuges für Breitkopf & Härtel's\nVerlag benutzt, die Musikwelt bis jetzt, bei Gelegenheit\nder Herausgabe einer neuen Reihenfolge von schottischen\nu. s. w. Volksliedern nach der dort aufbewahrten Ur-\nschrift Beethoven's, nichts von jenen kunstgeschichtlich\nmerkwürdigen Reliquien mehr gehört haben würde. Die\nHaupt-Aufgabe jedoch, in Dehn's Bericht darüber ganz\nrichtig erkannt, bleibt noch zu lösen, und da gebe ich mich\n—beigehend bemerkt—der Hoffnung hin, dass diese an\nHerrn Professor A. ß. Marx, dem ob seiner lange an-\ndauernden schiefen Stellung zu dem Custos dieser Kunst-\nschatz verschlossen geblieben, in nicht ferner Zeit den ge-\neigneten Bearbeiter gefunden haben werde.\nUrsachen und Beweggründe zu so unbegreiflichem,\nden Amtspflichten keineswegs entsprechenden Benehmen\nkonnten gewiss nur von aussergewöhnlicher Art gewesen\nsein! Vielleicht. Man erwäge.\nDer Leser erinnert sich wohl des im Eingange Ange-\nführten in Betreff der Zeitschrift Cäcilia. Wie begreiflich,\nwar dieses Punktum bei unserem persönlichen Verkehr in\nBerlin wiederholt scharf aufs Korn genommen worden.\nWährend der Redacteur der Cäcilia die darin eingeschla-\ngene Richtung vertheidigt und die Beistimmung von mir\nwünschte, konnte ich meinerseits nicht umhin, diese\nRichtung als eine entschieden zeitwidrige, demnach falsche,\nzu bezeichnen, womit ich zugleich die Beurtheilung von\nanderen Fachmännern ausgesprochen hatte. Ich konnte in\nder nach neunjähriger Ruhe wieder erstandenen Zeitschrift\nnichts als ein Repositorium antiquarischer Abhandlungen\naus den reichen Sammlungen der berliner und wiener\nHof-Bibliotheken erblicken, für welche die in argen We-\nben liegende Kunst-Periode unserer Tage am wenigsten\nVerständniss, folglich auch kein Interesse haben konnte.\nEine Zeitschrift soll ja zu allernächst den Bedürfnissen der\nGegenwart dienen und dort eingreifen, wo es am meisten\nnoth thut. Auf jedes Honorar , für meine Mitwirkung ver-\nzichtend, wie dies stets bei mir der Fall war, stellte ich\nals einzige Bedingung, dass zunächst mit Bekämpfung des\nvielköpfigen, die Kunstzustände am meisten verwüstenden\nUngethüms, Virtuosenthum genannt, begonnen werden\nsolle*). Denn ausser der N. Zeitschrift für Musik, unter\nSchumann'sßedaction, die diesem Ungethüm oftmals scharf\nzu Leibe gegangen, hatte sich kein anderes Musikblatt die-\nsen jämmerlichen Zuständen mit einiger Energie entgegen-\ngestellt, im Gegentheil, die Verblüffung über jene frechen\nAusschreitungen, von den Fürsten mit hohen Ordens-De-\ncorationen, von Universitäten mit dem Doctor-Diplom\nsanetionirt, hatte sogar die Urtheilskraft der Tüchtigsten\ngelähmt. Leider hatte auch der in den strengen Kunst-\nwissenschaften, dessgleichen in der Kunstgeschichte so sat-\ntelfeste Dehn das Gleichgewicht verloren und war zu den\nverzückten Bewunderern des Virtuosenthums übergegan-\ngen. Ein kurz zuvor intimer Verkehr mit Herrn Fr. Liszt\nwährend dessen längeren Aufenthalts in Berlin soll diese\nUmwandlung der Gesinnung bewirkt haben. (Eine ähnliche\nUmwandlung ist bald darauf in Bezug auf Meyerbeer's\nMusik erfolgt, deren kräftigster Gegner Dehn gewesen.)\nDieser Umstand hatte zur Folge, dass Dehn, wenngleich\nmomentan von der Notwendigkeit einer Aenderung der\neingeschlagenen Richtung in seiner Zeitschrift überzeugt,\ndoch sofort wieder die Unmöglichkeit einer baldigen Um-\nkehr erkannt haben wollte. Ein Vergleich zwischen uns\ngehörte sonach ebenfalls zu dem Unmöglichen. Dass mein\nWiderstreben den Groll des Redacteurs erregt, war schon\nin Berlin zu merkbar, dass dieser Groll aber sich alsbald\nauf die Beethoven'schen Autographen ablagern würde, um\nandauernd darauf lasten zu bleiben, das stand nicht zu er-\nwarten. Habent sua fata libelli— aber auch die Reliquien\neines grossen Künstlers. Ein Verfahren damit, wie das\ngeschilderte, wäre unmöglich gewesen, wenn der Custos\neine höhere, sachverständige Controle über sich gewusst\nhätte; er war völlig autonom in seinem Departement und\nkonnte thun und lassen, was ihm beliebte. Sollen wir uns\nbei diesem abermaligen Beispiele von Willkürherrschaft\nnicht auch an das oben angeführte mit der königlichen\nMusikschule erinnern dürfen? Möge Gegenwärtiges auch\nbeitragen, diesen Uebelständen, falls sie noch bestehen,\nim Interesse von Kunst und Wissenschaft ein baldiges\nv , ' l 4\"* - * ' . * , - f * > >.. v - «\nEnde zu bereiten.\n*) Auf dieses allerdringendste Tagesbedürfniss hatte ich bereits\nam Schlüsse der Ergänzung zur ersten Ausgabe der Biogra-\nphie unseres Meisters: „Beethoven in Paris\", S. 99 und 100,\nhingewiesen. Darauf stützte sich mein von Dehn so genannter\nr Absagebrief\" aus dem Jahre 1842, der ihn bange gemacht,\nwie wir aus dem Citat seines Briefes erfahren.\n\nDas Musikfest zu Birmingham\n\nAm 27., 28., 29. und 30. August 1861.\n(Schluss. S. Nr. 39 und 40.)\nDie Neuerung, dass an zwei Festtagen im Abend-\nConcerte statt des Mischmasches von Operngesängen wie-\nderum ein Oratorium gegeben werden sollte, hatte die\nganze Bevölkerung in Aufregung gebracht. Denn, den re-\nligiösen und musicalischen Sinn der Engländer in allen\nEhren, ein Haupt-Zugmittel der Musikfeste in der Provinz\nwaren für einen grossen Theil der Zuhörerschaft doch im-\nmer die Programme der Abend-Concerte, weil sie Gele-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.4", "texte": "genhcit boten, die Fürsten und Fürstinnen der londoner\nOpern in ihren glänzendsten Leistungen zu hören, nebenbei\neine Menge Bruchstücke aus italiänischen und französi-\nschen Opern kennen zu lernen und danach über die gan-\nzen Werke mitzusprechen, als wäre man in Coventgarden\noder in Ihrer Majestät Theater wie zu llause.\nNun kündigte das Comite auf einmal am zweiten Fest-\nabende nach dem „Samson\" am Morgen für den Abend\nHaydn's „Schöpfung\", und am vierten Tage gar nach der\nMissa solemnis und „Israel\" am Morgen für den Abend\nden „Judas Maccabäus\" an!\n„Zwei Oratorien an Einem Tage—das ist zu viel für\ndie Sänger und für die Zuhörer!\" Und so brachte denn\nauch in der That die „Schöpfung\" 642 L. 10 Sh. we-\nniger auf, als das Gemisch-Concert am vorigen Abende.\nCharakteristisch genug! Aber noch charakteristischer war\nes, dass das anwesende Publicum die wirklich treffliche\nAufführung durchaus kalt aufnahm und ohne sichtbaren\nEindruck an sich vorüber gehen liess. So sehr gibt hier\ndas Geld in allen Dingen für die Menge den Ausschlag:\ndie Tonhalle war ja so leer, die Guinee-Plätze wenig oder\ngar nicht besetzt—: wie konnte da die künstlerische Lei-\nstung schön sein??\nFräulein Titjens sang den Gabriel, Madame Lemmens\ndie Eva; den Uriel im ersten Theile Monthem Smith, im\nzweiten und dritten Sims Reeves; den Raphael Belletti,\nden Adam Santley. Fräulein Tiljens sang die Partie zum\ndritten Male in England (im Krystallpalaste und in Exeter\nHall) und war in der ersten C-dur-Arie und in der in\nF-dur („Auf stolzem Fittich\") ganz vorzüglich, während\nsie in der B-dur-Arie („Neu beut die Flur\") freilich nicht\nden Schmelz und Zauber einer Jenny Lind erreichte.\nDer dritte Festtag (Donnerstag den 29. August)\nbrachte Vormittags den Messias und Abends ein Misch-\nConcert von 20 Nummern, folglich auch die grösste\nTages-Einnahme: 3742 L. 6 Sh., wovon jedoch 2653 L.\n(über 16,000 Thlr.!) auf den „Messias\" kommen, was\ndem Publicum allerdings zur Ehre gereicht. Alle Solisten\n(ausser dem Tenor Giuglini, welcher in keinem Orato-\nrium gesungen hat) waren im „Messias\" betheiligt; Fräu-\nlein Titjens sang die Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\", oratorischer und ausdrucksvoller, als wir erwartet\nhatten; sie stand hinter der Novello, ihrer Vorgängerin,\nnur in Bezug auf die feinere und sicherere Nuancirung des\nTones im Piano zurück. Das „Halleluja\" wurde (vom Prä-\nsidenten) da capo verlangt und wiederholt.\nIm Abend-Concerte glänzten und flimmerten neben\neinander Mozart, Adam, Ricci, Kücken, Rossini, Donizetti,\nBalfe, Spohr („Schönes Mädchen\", das neueste Duett aus\nJessonda—Frau Rudersdorff und Monthem Smith!), Verdi,\nMeyerbeer, Mendelssohn und Beethoven's -\ncert! Es war doch nicht so arg, wie am Dinstag; denn\nman begann mit Mozart's reizendem Terzett aus\ntutte und schloss mit dem Sextett aus Und\nvon Mendelssohn kam sogar das Lorelei-Finale am Schlüsse\nder ersten Abtheilung vor, in welchem Fräulein Titjens\ndie Lorelei mit Sturm- und Donner-Applaus sang, wie sie\ndenn überhaupt die Prima Donna des Festes war. Miss\nGoddard trug das Beethoven'sche Concert auf recht edle\nWeise vor, nur war das Tempo des letzten Satzes etwas\nzu schnell. Alles, was gediegene Fertigkeit verlangte, war\nunübertrefflich.\nDie Unsitte des Da-Capo-Rufens fing leider schon\nnach der Ouvertüre zur Stummen von Portici an, womit\ndas Concert begann, und wurde bei den meisten Solo-\nstücken fortgesetzt; nur Sims Reeves wagte es, dem Ruf\nnicht Folge zu geben, und das Publicum war auch mit\nseinem blossen Wiedererscheinen und seiner Verbeugung\nzufrieden gestellt. Warum geben sich also die Künstler\nnicht das Wort darauf, kein Stück zu wiederholen? Aber\nfreilich, der Präsident!\nNach drei so gewaltigen Feldzugstagen kam nun erst\nder furchtbare, inhaltsschwere, entscheidende Sehlachttag,\nder vierte, an welchem Costa die tapferen, wirklich uner-\nhört ausdauernden Scharen zum Sturme auf das Publicum\nmit den Massen der D-dur-Messe Beethoven's, dem gan-\nzen Volke Israels, das aus Aegypten zieht, und noch am\nspäten Abende mit den Heerscharen Juda's unter dem\nMaccabäer-Helden ins Feld führte. Kolossal! Und doch\nam vierten Tage 2553 Zuhörer!\nWeil über die J Tissa soleund deren Eindruck\nauf das grosse Publicum selbst in Deutschland noch ver-\nschiedene Ansichten herrschen, so theile ich Ihren Lesern\nüber die Aufführung in Birmingham den wörtlichen Inhalt\ndes londoner Berichterstatters für Musical World mit, um\nganz unparteiisch zu sein, und füge nur hinzu, dass diese\nZeitschrift es sonst eben nicht an der Art hat, die Provin-\ncial-Aufführungen und Chorkräfte zu loben.\n„Das gestrige Morgen-Concert (heisst es in Nr. 36\nvom 7. September) hat einen grossen, vielleicht den gröss-\nten Erfolg in der ganzen Festwoche gehabt. Wie soll ich\ndie Grossartigkeit, die Erhabenheit der Aufführung des\ngewaltigen Werkes von Beethoven schildern! Die Sprache,\nwenigstens so weit sie mir zu Gebote steht, ist zu schwach\ndazu. Die Ausführung war in der That der Composition\nwürdig, und der Chor von Birmingham hat die sanguinisch-\nsten Erwartungen seiner Bewunderer übertroffen. Alle\nMitwirkenden haben den wärmsten Dank von allen Freun-\nden edler, classischer Musik höchster Gattung verdient.\nNoch niemals ist in unserem Lande eine solche Musik-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.5", "texte": "Aufführung gehört worden. Man denkt vielleicht, ich sei\netwas gar zu sehr begeistert; allein ich kann versichern,\ndass meine Begeisterung guten und hinreichenden Grund\nhat. Mein Lob ist frei von dem geringsten Anklang von\nUebertreibung oder Schmeichelei. Die Sänger von Bir-\nmingham haben sich als Mustersänger von England ge-\nzeigt. Den grössten Dank sind wir den Männern schuldig,\nden Herren Sutton und Stockley, welche solch ein Wrerk\nso einstudirt haben, und ich hege das Vertrauen, dass die\nwarmen und glänzenden Berichte über diese Leistung un-\nsere Gesang-Vereine in London anregen werden, dem\nEifer ihrer Brüder in der Provinz gleich zu kommen.—\nIch muss wiederholen, dass ich noch nie eine solche Auf-\nführung gehört habe, wie die von gestern Morgen.\"\nIch kann das im Ganzen nur bestätigen; der Eindruck\nO 7\ndes Werkes war ein ganz ausserordentlicher. Das Solo-\nQuartett war den Damen Rudersdorff und Sainton-\nDolby, den Herren Monthem-Smith und Santley\nübergeben, den am meisten musicalisch gebildeten und\nsicheren Künstlerinnen und Künstlern, und sie haben sich\ndes Vertrauens des Comite's würdig gezeigt.\nNach der Missa solemnisverliess ich den Saal; ich\nmochte und konnte physisch genommen—nichts weiter\nhören. Es wurde noch eine Motette von Hummel: „Alma\nvirgo\", für Sopran (Adeline Patti) und Chor gesungen,\nund darauf eine grosse Auswahl aus Händel's „Israel\".\nAuch der Aufführung des „Judas Maccabäus\" am\nAbende konnte ich nicht beiwohnen.\nUeberall hört man das Urtheil aussprechen, dass das\ndiesjährige Musikfest zu Birmingham in künstlerischer und\nökonomischer Rücksicht das erfolgreichste gewesen, das\ndort je gefeiert worden sei.\n\nA.\n\nAus Aachen.\n\nDie Sommerzeit unserer Concertmusik ist reich an\nKunstgenüssen gewesen und wurde am 22. v. Mts. mit\neinem glänzenden Concerte geschlossen. Eingeweiht durch\ndas Concert des Herrn Wüllner, in welchem unser ge-\nschickter Dirigent durch den Vortrag des 6r-efer-Concertes\nvon Beethoven uns einen neuen Beweis seines schönen Ta-\nlentes als Ciavierspieler und Dolmetscher classischer Mu-\nsik gab, erhielt dieser Concert-Abend noch einen beson-\nderen Reiz durch die freundliche und für unseren Musik-\nDirector sehr ehrenvolle Mitwirkung der Frau Clara\nSchumann, welche mit ihm die prächtige Sonate für zwei\nClaviere von Mozart vortrug, deren Ausführung durch das\nvortreffliche, in jeder kleinen Färbung vollkommen har-\nmonirende Zusammenspiel war.\nLouis Brassin erregle durch seine fabelhafte Tech-\nnik und unumschränkte Beherrschung des Instrumentes\nallgemeines Erstaunen; er zählt durch die Art und Weise,\nwie er die Melodie mitten durch die schwierigsten ein-\nund doppelgriffigen I'iguren, welche sie oft in den reich-\nsten und dichtesten Kränzen umschlingen, stets klar hin-\ndurchglänzen lässt, ohne dabei bei dem Zuhörer die Em-\npfindung zu erregen, als würde sie mit einem Hammer\nvon Eisen angeschlagen, jedenfalls zu den Pianisten ersten\nRanges. Er gab zuerst ein besonderes Concert, welchem\ndie liebenswürdige Sängerin Frau N., geb. Deutz, deren\nMitwirkung, auf die freundlichste Weise gewährt, stets des\nErfolges sicher ist, durch den seelenvollen Vortrag von\nLiedern von Schumann, Schubert und Mendelssohn gros-\nses Interesse verlieh. Dann spielte Brassin in dem Concerte\nunseres Concertmeisters Fritz Wenigmann, in welchem\nwir unter Anderem auch Gelegenheit hatten, uns an der\nschönen Altstimme der Frau F. D. von Neuem zu erfreuen\nund an dem trefflichen Vortrage eines Doppel-Concertes\nvon L. Spohr, das von den Herren Wenig mann und\nFleischh au er ausgeführt wurde.\nZum dritten Male hörten wir Brassin in einer reich\nausgestatteten Soiree der Liedertafel, deren Glanz der\nberühmte Geiger Sivori, der Paganini unserer Zeit, fer-\nner Fräulein Marie Cruvelli, welche auch durch ihr\nGastspiel am Theater einen wahren Triumph feierte, und\nHerr Thelen, der vortreffliche Bassist des Hoftheaters\nvon Braunschweig, vermehrte. Frau Schumann und Bras-\nsin spielten Flügel aus der Fabrik von Klems in Düssel-\ndorf, welche von Neuem Beweise von den ausserordentli-\nchen Fortschritten des Ciavierbaues in Deutschland und\nnamentlich in Rheinpreussen gaben, so dass die Erzeug-\nnisse unserer Provinz mit allen ausländischen Instrumen-\nten concurriren können.\nWie ich schon gesagt habe, hat das Concert am 22.\nv. Mts. die musicalische Sommerzeit geschlossen und die\nWinterzeit eröffnet. Letztere verspricht sehr reich zu wer-\nden, wenn Alles den Eifer des Directors Wüllner theilt.\nWie es heisst, werden wir in einem der nächsten Concerte\ndas lange vergebens erwartete Glück haben, Ferdinand\nHiller auch als Clarierspieler zu bewundern. Die Instru-\nmental-Partie des erwähnten Concertes bildeten die einfach\ngrossartige Ouvertüre Gluck's zur Iphigenie und die präch-\ntige -4-Är-Sinfonie von Beethoven; Scbumann's frisches\n„Zigeunerleben\" und J. Haydn's „Des Staubes eitle Sor-\ngen\" wurden von dem nicht eben zahlreichen Chor recht\ngut gesungen. Herr Lauterbach, gegenwärtig Concert-\nmeister an der Hofcapelle zu Dresden, war der einzige\nSolist an diesem Abende, aber man kann wohl sagen, dass\ndie Qualität die Quantität reichlich ersetzte. Der höchst"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.6", "texte": "bescheidene und anspruchslose Künstler fand die ehren-\nvollste Aufnahme. Er ist ein Künstler von echt deutscher\nArt, der seinem Instrumente den Platz, den es in der mu-\nsicalischen Hierarchie einnimmt, zu wahren versteht, ohne\nManier und ohne Coquetterie; ein edles und elegantes Spiel\nbei vollendeter Technik, Reinheit auch in den schwierig-\nsten Lagen, Wärme des Ausdrucks bei vollem Tone, das\nsind die Eigenschaften, die wir beim Spiele eines Con-\ncertes von Spohr wahrgenommen haben, in dessen Vor-\ntrag besonders die Doppelgriffe und die Staccato's im\nRondo vortrefflich waren. Eine Phantasie über Motive aus\nder „diebischen Elster\", eigene Composition des Künst-\nlers, hat uns weniger angesprochen ; die blosse Anhäufung\nvon Schwierigkeiten, wenn diese auch ganz vorzüglich aus-\ngeführt werden, kann heutzutage doch nicht mehr interes-\nsiren*).\nWenn ich neulich Aachen ob des Raubes Glück ge-\nwünscht habe, den es an Köln durch Entführung einer\nseiner besten Sängerinnen und Ihrer Schülerin begangen\nhat, deren Talent ich auch in dem gegenwärtigen Artikel\nvon Neuem zu bestätigen Gelegenheit hatte, so hat Aachen\njetzt seinerseits die Wiedervergeltung zu beklagen, die einer\nIhrer Mitbürger ausübt, der uns die beste Stütze unserer\nAlt-Partie entführt, aus einer musicalischen Familie, in\nwelcher der Bruder der jungen Dame einer der ausge-\nzeichnetsten Schüler Hiller's ist. Bei dieser Gelegenheit\nmuss ich Ihnen nur sagen, dass das F'euer, mit welchem\nunser Chor seine Aufgaben durchführt, wie Sie und ich\nöfter behauptet haben, arg zu zünden beginnt, so dass es\nlür unsere Concert-Znkunft bedenklich macht; ich kann\nIhnen nur so viel sagen, dass, wenn die Sänger, welche\nwährend dieses Jahres von jenem Feuer verzehrt worden\nsind, nach ihrem Werthe versichert gewesen wären, die\nActien der Aachen-Münchener Assecuranz-Gesellschaft be-\ndeutend gefallen sein würden.\nist bei uns eine Wahrheit geworden.\n\nN.\n\nAus Wien.\n<r\nDie komische Oper „Les Dragons de Villars* von\nAime Maillart in Paris, welche neuerlich auf einigen\ndeutschen Bühnen unter dem Titel „Das Glöckchen des\nEremiten\" gegeben worden, hat in Wien ganz und gar\nFiasco gemacht. Die „Recensionen\" drücken sich unter\nAnderem folgender Maassen darüber aus:\n„Es hat dem Director unseres Hof-Opernlheaters,\nHerrn Salvi, beliebt, SchubertY reizende Operette „Der\nhäusliche Krieg\" wenigstens vorläufig zurückzulegen und\nuns statt dessen ein Gericht aus französischer Küche vor-\nzusetzen, das wir ihm gern geschenkt hätten, indem wir\nes unschmackhaft finden bis zur völligen Ungeniessbarkeit.\nIn der That, wenn diese so genannte komische Oper in\nParis, wo sie unter dein Namen „Les Dragons de Villars\"\nim Theätre lyrique gegeben wird, so sehr gefallen hat,\ndass sie sich seit 1857 bis heute auf dem Repertoire er-\nhält, so können wir uns dies höchstens noch aus der Be-\nschaffenheit des Libretto erklären und aus der grösseren\nGewandtheit der Franzosen, dergleichen inScene zu setzen;\ndie Musik kann auch in Paris unmöglich ein Verdienst um\ndiesen Erfolg gehabt haben.\n„Das Ganze mag sich in der feinen Sprache des Ori-\nginals vielleicht wirklich nicht übel ausnehmen, in der\netwas plumpen des Uebersetzers haben wir ihm nur ein\nsehr mässiges Interesse abgewinnen können.\n„Ueber die Musik des Herrn Aime Maillart wüssten\nwir, und wenn wir unser Gehirn unter die Schrauben-\npresse legten, nichts Anderes zu sagen, als dass sie eigent-\nlich gar nicht von Maillart ist, sondern dass sie ihre Ent-\nstehung eigentlich allen Componisten des letzten Jahrhun-\nderts, den schlechten namentlich, ferner der Theater-Casse\nund dem zufälligen Vorhandensein eines Libretto verdankt.\nIm Guten ist Maillart seinen Vorbildern nirgend auch nur\nvon ferne nahe gekommen, im Gemeinen und Trivialen\ndagegen nimmt er es mit jedem auf, und darin leistet er\nganz Kolossales, so dass es für gebildete Ohren eine wahre\nTortur ist, diese Oper bis zu Ende auszuhalten. Man ver-\nzeihe uns, wenn wir nicht dabei verweilen, hier und da\netwas annehmbarere Einzelheiten aufzustechen (z. B. das\nTrinklied im vierten Acte), denn was will dergleichen be-\ndeuten, wo das Ganze so kläglich und miserabel ist? Uns\nwill ein solches Verfahren immer erscheinen, als wenn\nman z. B. einen Maler noch lobte, weil in seinem Genre-\nGemälde die Kleider seiner Figuren ganz ordentlich aus-\ngeführt sind und auch vielleicht keines derselben um ein\npaar Zoll zu gross oder zu klein gerathen ist.\n„Die Aufführung dieser Novität, die auch nur eine\nhöchst laue Aufnahme fand, war eine lobenswerthe. Be-\nsonders verdient machte sich um dieselbe Fräulein Wil-\ndauer; aber auch Fräulein Liebhart und die Herren\nWalter, Mayrhofer und Holzel leisteten Anerken-\nnenswerthes. Die Oper war sorgfältig einstudirt und ging\nunter der Leitung des Herrn Capellmeisters Proch gut\nzusammen. Aber die dritte Vorstellung konnte nicht über\nden ersten Act hinaus fortgeführt werden. Fräulein Wil-\ndauer hatte schon während dieses Actes in Spiel und Ge-\n\n*) Das ist für das Publicum eines Badeortes eine ehrenvolle\nAeusserung; in den Bädern am Mittel- und Oberrbeine macht\nman ganz entgegengesetzte Erfahrungen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.7", "texte": "sang nur zur Noth markirl; die Herren May er hofer und\nWalter gaben sich alle Mühe, etwas Leben in die Dar-\nstellung zu bringen, und Letztgenannter namentlich sang\nseine Romanze, die einzige nicht ganz unbedeutende Num-\nmer dieses Actes, mit hübschem Ausdruck. Chor und Or-\nchester dagegen schienen von einer bevorstehenden Abän-\nderung unterrichtet zu sein; es wurde mit seltener Nach-\nlässigkeit und Unaufmerksamkeit gesungen und gespielt.\nNach einem langen Zwischen-Acte erschien nicht etwa\nHerr Regisseur Schober—, sondern der neue Chorfüh-\nrer Herr Kreuzer und kündigte an, dass wegen Unwohl-\nseins des Fräuleins Wildauer statt der noch fehlenden\nActe des „ „Glöckchen\"\" der erste und der vierte Act aus\n„„Martha\"14 gegeben würden.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKohl* Ihre Majestäten der König und die Königin haben ge-\nruht, den Herren Capellmeister Ferdinand Hiller, Musik-Director\nFr. Weber und Andreas Pütz „in Anerkennung der Leistungen\nim Concerte vom 15. September\" Ehrengeschenke durch den Herrn\nRegierungs-Präsidenten v. Möller zustellen zu lassen. Dieselben be-\nstehen fü£ Herrn F. Hiller in einer goldenen Medaille von etwa 21/2\nZoll Durchmesser, welche auf der Vorderseite die Brustbilder Ihrer\nMajestäten und auf der Rückseite das Datum des Concertes enthält;\nfür Herrn F. Weber in einer Brustnadel, auf deren Medaillon sich\ndie Portraits Ihrer Majestäten befinden; für Herrn A. Pütz in einer\nBrustnädel mit Brillanten.\nAm 22. October werden unsere Gürzenich-Goncerte wieder\neröffnet und zwar zur Freude aller Musikfreunde mit Haydn's\n„Schöpfung\". Die Solo-Partieen werden von Frau Rübsamen-\nVeith aus Kassel, Herrn Karl Sohn ei der aus Wiesbaden und\nHerrn Becker aus Mannheim ausgeführt werden.\nüerliii« Roderich Benedix hat ein neues Lustspiel: „Der\nStörenfried\" geschrieben, das zuerst am hiesigen Hoftheater zur Auf-\nführung gelangt.\nIn Folge eines von dem Hof-Musikhändler Gustav Bock in\nBerlin ergangenen Preis-Ausschreibens für einen Fest- oder Triumph-\nMarsch im grossen symphonischen Stile zur Verherrlichung des Krö-\nnungsfestes waren im Ganzen 83 Concurrenz-Arbeiten eingegangen,\nderen Beurtheilung Lachner in München, so wie Taubert und Dorn\nin Berlin übernommen hatten. Nach dem Urtheile der Preisrichter\nist die Composition, welche das Motto trägt:\n* „Der Herr hat Ihn beschirmt;\nEr geb' Ihm echten deutschen Mutb,\nSo kann der Sieg nicht fehlen!\"\nals die beste anerkannt und ihr der ausgesetzte Preis von zwanzig\nDucaten zugesprochen worden. Bei Eröffnung des versiegelten Cou-\nverts ergab sich als Componist des Wrerkes Capellmeister Fried-\nrich Lux aus Mainz.\nBei Kroll erschien Schliebnei's Oper: „Der Graf von San-\ntarem\". Das Libretto ähnelt entfernt dem „Hinko\", nur dass sich\nhier der Freiknecht in einen Strassensänger Riccardo umgewandelt\nhat, der die stolze Bianca von Villareal liebt und unter vornehmer\nHülle heirathet dann aber, entlarvt, in sein Nichts zurückge-\nschleudert, endlich durch Edelmuth und den glücklichen Ausgang\neiner Verschwörung vom Herzoge von Braganza mit dem Grafen-\nTitel belohnt, seine Bianca wieder empfängt. Die Musik zeugt von\nAneignungs-Talent und Geschick in der Instrumentation, führt einige\nhübsche Melodieen, ohne originel zu sein, und huldigt im Ganzen\nder Menge. Mit dem zweiten Acte jedoch erlischt das Interesse.\nFrau Schütz-Witt (Bianca) und Herr Zellmann (Riccardoy san-\ngen anerkennungswertli\nAm 30. September ist die bisher als dramatische Sängerin be-\nrühmte Johanna Wagner mit Darstellung der Göthe'schen ..Iphi-\ngenie\" zum Schauspiel übergetreten. Viel muss die Darstellerin noch\nzuleinen, jNlanches, z. 13. die übermässige Fonschattirung, verlernen 5\naber das Talent ist da, und die Mittel sind glänzend. Vieles Ein-\nzelne gelang vortrefflich, und vom Ganzen empfing man einen durch-\naus künstlerischen Eindruck. Frau Wagner hatte sich am 21. Sep-\ntember in Gluck's von der Oper verabschiedet. Herr\nZschiesche, seit 4. September 1829 Mitglied der königlichen\nOper, hat als Sarastro sein „letztes Auftreten\" gefeiert.\nMeyerbeer's Geburtstag. In berliner Blättern findet sich\nfolgende (auch in die Kölnische Zeitung vom 23. September über-\ngegangene) Notiz: „Meyerbeer wird am 23. September 70 Jahre\nalt\" u. s. w. Der berühmte Meister ist aber am 5. September\n1791 geboren, wie Gathy in seinem kleinen Künstler-Lexikon rich-\ntig angibt. Gassner nennt in dem seinigen nur das Jahr 1791\nohne Datum; das neue „Universal-Lexikon der Tonkunst*' von Ed.\nBernsdorf, bei J. AndrtS in Offenbach verlegt, kümmert sich nicht\num den Tag der Geburt des berühmtesten Componisten unserer\nTage und lässt ihn gar erst im Jahre 1794 geboren werden!\nDas erste diesjährige Gewandhaus-Concert in Leipzig fand am\n29. September Statt und brachte Folgendes: I. ..Meeresstille und\nglückliche Fahrt\", Ouvertüre von Felix Mendelssohn-Bartholdy.\nVariationen von Marie Malibran, gesungen von Signora Trebel li.\nConcert-Allegro (D-moll, Nr. 1) für die Violine von Kode, vorge-\ntragen von Concertmeister Ferd. David. Bolero aus der Oper\n„Die sicilianische Vesper\" von Verdi, gesungen von Signora Tre-\nbelli. Andante und Scherzo capriccioso für die Violine, compo-\nnirt und vorgetragen von Concertmeister Ferd. David. Lied,\naus „Lucrezia Borgia\" von Donizetti, gesungen von Signora Tre-\nbelli. 2. Theil: Sinfonie (C-dur) von Franz Schubert. (!)\nMfcsiiiovei*« Am 1. September ist die Bühne wieder eröffnet\nworden. Besonders bietet die Oper günstige Aussichten. Herr Nie-\nmann scheint gleichmässig der Intendanz wie dem Publicum gegen-\nüber eine freundliche Stellung nehmen zu wollen; er ist bereits vier\nMal in einer Woche aufgetreten: in den „Hugenotten\", ..Joseph in\nAegypten\", „Troubadour\", „Templer und Jüdin\", und hat sich die\neinmüthige Anerkennung erworben, dass er während seines Aufent-\nhaltes in Paris und fortgesetzt auch während der Ferien eben so\neifrig wie erfolgreich seiner künstlerischen Ausbildung obgelegen\nhat. Sein Vortrag ist überall durchaus maassvoll gehalten und hat\nsehr an Innigkeit gewonnen, während die Stimme ihren früheren\nGlanz ungeschwächt bewahrt hat. Hoffen wir nun, dass das Be-\nwusstsein gehobener Tüchtigkeit des Sängers nicht die Quelle neuer\nDifferenzen wird.\nSaltDie erste interessante Opern-Vorstellung war die\nam 15. September, wo Herr Eckert zum ersten Male dirigirte, und\nzwar den Rossini'schen „Teil\". Er wurde in dem Augenblicke, als\ner an das Dirigirpult trat, von dem zahlreich versammelten Publi-\ncum lebhaft begrüsst, und am Schlüsse der Ouvertüre entstand ein\nLärm und Beifallsgeschrei, wie man es hier nur selten zu hören be-\nkommt. Das ist nun doch einmal wieder ein Capellmeister, wo-\nbei ich bitte, den Nachdruck auf den „Meister* zu legen. Bei ihm\nhat man die Ueberzeugung, dass er das Ganze beherrscht, weil\ner es aus dem Fundament kennt. Dass das aus dieser Ueberzeugung\nhervorgehende Gefühl der Sicherheit den Gcnuss des Hörers bedeu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611012-01.1.8", "texte": "tend erhöbt, ist klar, und dass sich die Mitwirkenden Mühe geben,\nmit einem solchen Manne zu bestehen, eben so einleuchtend. So war\ndie Gesammt-Aufführung eine höchst befriedigende, und Eckert hat\nes mit diesem Einen Abende, was man so heisst, vollständig ge-\nwonnen. In welcher Weise sich sein Verhältniss zu Kücken, ich\nmeine sein dienstliches», gestalten wird, lässt sich noch nicht sagen;\nbeide Herren sind formel gleichberechtigt. Indessen ist Herr v. Gall\nnach wie vor Intendant unserer Bühne und scheint auch nicht daran\nzu denken, sich zurückzuziehen, und Herr Hackländer erklärt, er\nhabe nie Intendant werden wollen.\nDer bisherige Capellmeister in Frankfurt am Main Gustav\nSchmidt componirt so eben eine neue Oper, zu welcher Frau\nBirch-Pfeiffer den Text geliefert hat.\nMiinelteil* Fräulein Hänisch aus Braunschweig, Schülerin\ndes Prof. Böhme in Köln, gastirt hier auf Engagement. Sie tritt\nzunächst in „Dinorah\" und in „Don Sebastian6' auf. Im November\nsoll Maillard's „Glöckchen des Eremiten\" und im December Gou-\nnod's „Faust\" gegeben werden.\nWien« Die Sing-Akadcmie hat ihre Uebungen begonnen, und\nzwar unter zahlreichem Zuspruch und in lebhaft theilnehmender\nStimmung. Die bisherigen ausübenden Mitglieder sammeln sich all-\nmählich unter der Führung des Herrn Stegmayer und manche\nneu eintretende schliessen sich ihnen an. Das erste Coricert der Sing-\nAkademie findet am 15. November Abends Statt und bringt Chöre\nvon Bach, Lotti, Stobäus, Eccard, Hiller und eine Nummer aus dem\nneuen Oratorium „Abraham\" von Blumner. Im zweiten Concerte\nsollen nebst den Werken der Alt-Deutschen und Alt-Italiäner auch\nCherubini, Schubert, Spohr u. A. vertreten sein, im dritten aber, am\nChardinstag Abends, die „Matthäus-Passion\" von J. S. Bach, für\nWien ein wahres Ereigniss, zur Aufführung kommen.\nDie Philharmonische Concert-Unternehmung kündigt vorläufig\nvier Concerte an, die am 3. und 24. November, dann am 26. De-\ncember und am 21. Januar 1862 Statt finden werden. Folgende\nWerke werden in denselben zur Aufführung kommen : von S. Bach\nein Concert für Streich-Instrumente, von Mozart die 6r-moZZ-Sinfonie,\nvon Beethoven die Fest-Ouverture und die neunte Sinfonie, von Che-\nrubini die Anakreon-Ouverture, von Spohr die „Weihe der Töne\",\nvon Mendelssohn die ,4-dwr-Sinfonie und die Concert-Ouverture „Mee-\nresstille und glückliehe Fahrt\", von Schumann die C-ciur-Sinfonie,\ndann „Ouvertüre, Scherzo und Finale\" und die Manfred-Ouverture,\nvon Reinecke die Ouvertüre zu „Dame Kobold\", von Herbeck eine\nManuscript-Sinfonie in C-dur u. s. w.\nSt* Galleil* Die Stelle eines Musik-Directors des Sänger-Ver-\neins „Frohsinn\" in St. Gallen ist erledigt. Allenfallsige Bewerber\nsind eingeladen, sich bis Ende October schriftlich an das Präsidium\ndes Vereins, Herrn Dr. Moosheer, zu wenden, welcher denselben\nsowohl über die vom Vereine gestellten Anforderungen und das da-\nhier ausgezahlte Gehalt, als auch über die Stellung, welche ein mit\ngründlichen Kenntnissen in der Vocal- und Instrumental-Musik ver-\nsehener Musiker sich durch Privat-Unterricht in St. Gallen erwerben\nkann, Aufschluss ertheilen wird.\nDie wiener Recensionen vom 22. September lassen sich aus Rom\nschreiben: „Im nächsten Monat findet in Rom eine merkwürdige\nHeirath Statt. Die Fürstin von Wittgenstein heirathet den Pia-\nnisten Liszt, Für das Brautpaar werden auf der Piazza di Spagna\nprachtvolle Appartements eingerichtet."}]}