{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-10-19-01", "volume": "bmtnabi_1861-10-19_01", "ocr_sha256": "459943b8eab535ce0e7f658d828d00da0894b380cc8b6dbf11d7f0c26e090252", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/10/19_01/bmtnabi_1861-10-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-10-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "329", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 401, "texte": "Inhalt.\nArabische Lieder. 1. Abendlied. 2. Morgenlied. Die Musik der heiligen Woche in Rom. Von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nVincenz Lachner (Lebensskizze), Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Richard Gende, Orgel-Concert —F. Hiller'ö\nneue Oper Die Bach-Orgel zu Arnstadt Baden-Baden, neue Operette Coburg, Entgegnung Stuttgart, Hof-Capellmeister Kücken\nWien, Musik-Aufführungen Pressburg, Jakob Nagy)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-10-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "330", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.2.2", "titre_corps": "Arabische Lieder.", "titre_sommaire": "Arabische Lieder.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.1", "debut_caractere": 403, "fin_caractere_exclue": 2088, "texte": "Arabische Lieder.\n\n1. Abendlied.\n(Dritter Theil der Nuba Hornel)\nC'est le soir. Le soleil jaunissant incline ses feux vers\nle coucliant.\nLes ruisseaux roulent leu\ncampagne verdoyante.\nLes oiseaux gazouillent.\nparfums.\nAujourd'hui sois-moi favorable, tu menteras toute ma\nreconnaissance!\nHdtö-toi! Prends les coupes\nles pendant cette soiree.\nosoleil, pourqwi me fuis-tu?\nSi j'ai part ä ton affection,\nJ' implore celui qui ecoute\npardonne.\nAujourd'hui sois-moi favorable,\nreconnaissance.\nHäte-toi! Prends les coupes\nles pendant cette soiree.\n„Abend ist's. Die vergilbende Sonne senkt ihr Feuer\nzum Untergang. Die Bäche rollen ihre Silberwogen in der\ngrünen Flur dahin, die Vögel zwitschern, die Blumen\nhauchen Düfte; sei mir heute hold, mein ganzer Dank\nwird Dir zu Theil! Eile! nimm die Becher des edeln\nWeins, lass uns sie diesen Abend leeren! 0 Sonne! warum\nfliehst du mich? Kürze dein Verschwinden! Wenn du\nmich liebst, so werde ich deinen Kummer verscheuchen.\nIch flehe zu dem, der jede Klage vernimmt, dass er dir\nverzeihe. Sei mir heute hold, mein ganzer Dank u. s. w.\"\n2. Morgenlied.\n(Erster Theil der JSfuba Mala)\nReveille-toi, o charmante! Chasse bin de toi le souci,\nles chagrins!\nLes oiseaux s'eveillent en chantant. Leur hymne s'e-\nlance des sommets verdoyants comme d'une chaire. lis\nchassent la tristesse.\nLeur voix est eloquente, par Dieu! Elle erneut et ra-\nvit, comme un luih harmonieux.\nLes ruisseaux epanchent leurs ondes, suave liqueur,\ndouce comme l'eau du Paradis.\nLes cöteaux revetent leur parure\nde fleurs!\n„Wach' auf, Geliebte! verbanne Kummer und Sorgen!\nDie Vögel erwachen mit Gesang; ihr Loblied schwingt\nsich von den grünen Höhen wie von einer Kanzel empor;"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2370, "texte": "sie verscheuchen die Traurigkeit. Ihre Stimme ist beredt,\nbei Gott! sie bewegt und entzückt wie eine harmonische\nLaute. Die Bäche ergiessen ihre Wellen, ein köstliches\nNass, süss wie das Wasser des Paradieses. Die Hügel klei-\nden sich in reichen Schmuck von Grün und Blumen.\"\nDie obigen Lieder verdanken wir der Mittheilung des\nHerrn L. Biegeleben in Köln, der sie von seinem Freunde,\nHerrn Alexander Christianowitsch, erhalten hat.\nDieser, ein wissenschaftlich gebildeter Russe und begeister-\nter Freund der Tonkunst (nicht zu verwechseln mit sei-\nnem Bruder Nikolaus, der in Leipzig lebt), hat es sich\nzur Aufgabe gemacht, die Geschichte der arabischen\nMusik zu studiren. Das Material dazu hat er seit Jahren\nauf seinen Reisen im Orient und in Algerien an Ort und\nStelle gesammelt und wird die Resultate seiner Sammlun-\ngen und Forschungen in einem besonderen Werke nieder-\nlegen.\nDas Buch wird in deutscher Sprache erscheinen und\ndie Melodieen zunächst ohne harmonische Begleitung, um\nihre Eigentümlichkeit durch nichts zu beeinträchtigen,\ndann aber auch nach der Auffassung des Herausgebers\nharmonisirt enthalten. Der arabische Original-Text nebst\ndeutscher Uebersetzung wird mit abgedruckt.\nHerr Alex. Christianowitsch, gegenwärtig, so viel wir\nwissen, in Italien, ist zu dem Ergebnisse gekommen, wel-\nches bis jetzt unbekannt war, dass die alte arabische\nMusik in Form einer zusammenhangenden Reihe\nvon Liedern, die eine Art Sinfonie bilden, sich\nentwickelt habe. Eine solche Reihe heisst eine Nuba; das\nerste der oben abgedruckten Liedchen ist ein Bruchstück\neiner Abend-Nuba, einer Art von Serenade, das zweite ist\neiner Morgen-Nuba entnommen. Herr Christianowitsch\nbesitzt sieben dergleichen Nuba's, welche alle (wie auch\ndie zwei gegebenen Proben) der alten arabischen Musik\nangehören. Sein Buch wird sich mit der Darstellung jener\nalten Musik, den Ursachen ihres Verfalls und dem jetzigen\nZustande des arabischen Gesanges beschäftigen; zum Zweck\nder Vergleichung des Neuen und Alten wird er auch einige\nneuere, unmittelbar aus dem gegenwärtigen Leben aufge-\nfasste Lieder mittheilen.\nDas Werk verspricht also für die Geschichte der Ton-\nkunst und für charakteristische Volksmusik ein höchst in-\nteressantes zu werden, worauf wir die Freunde der Ton-\nkunst schon jetzt aufmerksam machen und zur Zeit von\ndem Erscheinen des Buches benachrichtigen werden.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-10-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "330", "page_fin": "334", "image_debut": 2, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.2.3", "titre_corps": "Die Musik der heiligen Woche in Rom.", "titre_sommaire": "Die Musik der heiligen Woche in Rom.", "signature_source": "F. Mendelssohn Bartholdy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.2", "debut_caractere": 2372, "fin_caractere_exclue": 5054, "texte": "Die Musik der heiligen Woche in Rom.\nAn den Herrn Professor Zelter.\nVon F. Mendelssohn Bartholdy\nRom, den 16. Juni 1831.\nLieber Herr Professor!\nEs ist lange her, dass ich Ihnen schreiben wollte, um\nIhnen von der Musik der heiligen Woche Bericht abzu-\nstatten; meine Reise nach Neapel kam aber dazwischen,\nund dort, wo ich mich die meiste Zeit im Freien auf den\nBergen umhertrieb und mir mit dem Meere zu schaffen\nmachte, war auch nicht die rechte Ruhe fürs Schreiben\nzu finden; daher die Verspätung, die ich Sie zu entschul-\ndigen bitten muss. Ich habe seit der Zeit keinen merkwür-\ndigen Ton gehört (in Neapel nur das Allermässigste), und\nso habe ich Ihnen denn wirklich von den letzten Monaten\nnichts zu schreiben, als über die heilige Woche; vergessen\ndenke ich nichts zu haben, und werde es wohl schwerlich\nje! Vom Eindruck des Ganzen habe ich schon an die El-\ntern berichtet, und diese werden es Ihnen mitgetheilt ha-\nben. Es war schön, dass ich mir vornahm, die Sache ganz\nkalt und beobachtend anzuhören, und dass mir dennoch\nschon vor dem Anfange in der Capelle ernsthaft und an-\ndächtig zu Muthe wurde. Solche Stimmung gehört, glaub'\nich, dazu, um irgend etwas Neues recht auffassen zu kön-\nnen; und mir ist von der Wirkung des Ganzen nichts ent-\ngangen, obwohl ich mich zwang, auch auf alle Einzelheiten\naufzupassen. Mittwoch um 4% Uhr fing die Feier mit der\nAntiphona „Zelus domus tuae\"an. Das Büchelchen, wel-\nches die Kirchenordnung der Woche enthält, erklärt, was\ndie ganze Feier eigentlich bedeutet: „es würden in jedem\nNocturno drei Psalmen gesungen, weil Christus für die\nJungfräulichen, die Verheiratheten und die Verwitweten\no 7\ngestorben sei; und auch wegen der drei Gesetze: des na-\ntürlichen, geschriebenen und evangelischen; das\n\n*) „Reiseriefe von F* Mendelssohn Bartholdy aus\nden Jahren 1830—3832. Herausgegeben von Paul Mendels-\nsohn Bartholdy,\" Leipzig, Verlag von Hermann Mendels-\nsohn. 1861. IV und 340 S. in P. Ueber den Inhalt dieser\nSammlung, eines herrlichen Denkmals des verewigten Meisters\nals Künstlers und Menschen und einer unschätzbaren Gabe für\ndie ganze gebildete Welt, werden wir in einer folgenden Num-\nmer berichten. Heute erlauben wir uns, zunächst den grössten\nTheil eines Briefes mitzutheilen, der insbesondere für die mu-\n'\nsicalische Welt von höchstem Interesse ist, weil er eine ge-\nnaue Schilderung jener römischen Kirchenmusik in der Char-\nwoche enthält, über welche, wie F. Hiller in seinem treffli-\nchen Aufsatze über das obige Buch (Kölnische Zeitung, Nr.\n250) mit Recht sagt, ~so viel unklares ästhetisches\nGewäsch verbreitet worden, dass Mendelssohn1 s\nBriefe darüber ein wahrer Gewinn für die Ge-\nschichte der Tonkunst sindu."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4587, "texte": "labia mea und das Dens in adjuiorium würden nicht ge-\nsungen, weil die Gottlosen uns unser Haupt und Anfang\ngeraubt hätten; die fünfzehn Lichter bedeuteten die zwölf\nApostel und drei Marien\" u. s. w. (Das Büchelchen ent-\nhält in dieser Art die allermerkwürdigsten Sachen, und\nich bringe es Ihnen desshalb mit.) Die Psalmen werden\nvon allen Männerstimmen zu zwei Chören abge-\nsungen. Jeder Psalmvers ist nämlich in zwei Theile, wie\nFrage und Antwort, oder vielmehr und abgetheilt; der\nerste Chor singt a,und der zweite antwortet mit Alle\nWorte, ausgenommen das letzte, werden in grosser Schnel-\nligkeit auf einem Tone gesungen, und auf dem letzten ma-\nchen sie ein kurzes Melisma, welches beim ersten und zwei-\nten Verse verschieden ist. Nach dieser Melodie oder tono,\nwie sie es nennen, wird der ganze Psalm mit allen seinen\nVersen gesungen, und ich habe mir sieben verschiedene\ndieser toni nachgeschrieben, mit denen sie in den drei Ta-\ngen abwechselten. Sie können Sich nicht denken, wie er-\nmüdend und monoton sich dies macht, und wie roh und\nhandwerksmässig sie ihre Psalmen herunter singen. Der\nerste tonus, den sie sangen, war z. B.:\nSo geht nun der ganze Psalm von 42 Versen immer\nfort, indem eine Vershälfte und die andere auf\ngeg endigt. Sie singen es genau mit dem Ausdruck,\nund es klingt, als wenn sich viele Männer ernsthaft und\nböslich zankten, so da.ss jeder halsstarrig dem anderen im-\nmer wieder dasselbe zuruft. Im letzten Verse jedes Psal-\nmes singen sie die Worte, mit denen er schliesst, langsa-\nmer und nachdrücklicher, und machen statt des Melisma's\neinen langen Dreiklang piano, z. B. bei dem ersten:\nAm Anfange jedes Psalmes ist als Einleitung eine An-\nliphona oder mehrere; diese werden gewöhnlich von ein\npaar Altstimmen sehr rauh und hart im Cmto fermo ge-\nsungen, eben so die erste Vershälfte \"jedes ersten Psalm-\nverses, und bei der zweiten geht dann das oben beschrie-\nbene Antworten der Männerchöre los. Die einzelnen Anti-\nphonen u. s. w., die ich nachgeschrieben habe, behalte ich\nmir vor, Ihnen zu zeigen, damit Sie sie mit dem Büchel-\nchen zusammenhalten können. Den Mittwoch Abend wird\nerst der 68., dann der 69. und 70. Psalm gesungen. Bei-\nläufig ist diese Eintheilung der Psalmverse und dass sie\nvom Chor und Gegenchor abgesungen werden, eine der\nEinrichtungen, die Bunsen für die evangelische Kirche hier\ngemacht hat; so wie er auch jeden Choral durch eine\nAntiphona einleiten lässt. Diese sind von Georg, einem\nhiesigen Musiker, nach Art der Canti fermi componirt\nund werden erst von einigen Stimmen abgesungen, dann\nfällt der Choral ein, z. B.: Ein' feste Burg ist unser Gott.,\nNach dem 70. Psalm kommt ein\nd. h. Alles steht auf, und es ist eine kurze, stille Pause.\n— Darauf fängt die erste Lamentation des Jeremias ganz\nleise und sanft in G-dur an. Es ist eine schöne und ernst-\nhafte Composition von Palestrina, und wenn sie auf das\nwilde Psalmgeschrei folgt, ohne Bässe, bloss für hohe\nSolostimmen und Tenor, mit dem zartesten Anschwellen\nund Abnehmen, zuweilen fast unhörbar verschwimmend,\nund von einem Tone und Accorde zum anderen sich lang-\nsam hinziehend, so macht es sich ganz himmlisch. —\nSchlimm ist es freilich, dass die Stellen, die sie am rüh-\nrendsten und andächtigsten singen, und die auch offenbar\nmit Vorliebe componirt sind, die Ueberschriften der ein-\nzelnen Capitel oder Verse: Al u. s. w.\nsein müssen, und dass der schöne Anfang, der klingt, als\nkäme er vom Himmel herunter, gerade auf die Worte ist:\nIncipit Lamentatio JeremiaeDage-\ngen muss sich doch ein protestantisches Herz etwas em-\npören, und wenn man die Absicht haben sollte, diese Ge-\nsänge in unsere Kirchen einzuführen, so scheint mir schon\ndarin die Unmöglichkeit davon zu liegen. Denn wenn einer\nsingt: „Erstes Capitel\", so kann man nicht andächtig wer-\nden, es sei auch noch so schön. Mein Büchelchen sagt\nzwar: Vedendo profetizzato il crocifiggimento con gran\npietä si cantano eziandio molto\ne le altre simile parole, che\nEbreo, perclie erano in costume\nin luogo di lamento, come e\nin se tutto il sentimento di\ne come im argomento di esso. Das hilft aber alles nichts.\n— Darauf werden Psalm 71, 72 und 73 in obiger Weise\nabgesungen mit den Antiphonen. Diese sind ganz willkür-\nlich in die verschiedenen Stimmen vertheilt, so dass bei\nder einen die Soprane anfangen: darauf\nfallen die Bässe forte ein: oravit adpatrem:pater u. s. w.\nDann folgen die Lectionen aus dem Tractat des heiligen\nAugustinus über die Psalmen. Die sonderbare Art, wie\ndiese gesungen werden, frappirte mich unsäglich am Palm-\nsonntage, wo ich es zum ersten Male hörte, und ohne zu\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3952, "texte": "wissen, was es war. Eine Stimme allein trägt sie vor, auf\nEinem Tone recitirend, aber nicht wie in den Psalmen,\nsondern langsam, nachdrücklich, indem der lon recht aus-\nklingt. Für die verschiedenen Zeichen der Rede: für Kom-\nma, Frage, Punkt, gibt es nun verschiedene Tonfälle. Viel-\nleicht sind sie Ihnen schon bekannt; mir, dem sie neu wa-\nren, erschienen sie sehr wunderlich. Die erste wurde z. B.\nvon einer schönen Bassstimme auf <7 vorgetragen; kommt\nein Komma, so macht er auf dem letzten Worte:\nbei einem Fragezeichen:\nbei einem Punkte aber so:\nzum Beispiel:\nWie sonderbar sich der Fall von a nach c macht,\nkann ich gar nicht beschreiben, besonders wenn nach dem\nBass ein Sopran kommt, der mit anfängt und nun ganz\ndenselben Fall mit e und g macht; dann ein Alt in seinem\nTone u. s. w.; denn sie sangen drei verschiedene Lectio-\nnen, die immer mit Canto fermo abwechselten. Wie sie\nden Canto fermo ganz ohne Rücksicht auf Wort und Sinn\nvortragen, davon als Beispiel das: „Es wäre ihm besser,\ndass er nie geboren wäre\", was so gesungen wird:\nTutti.\nganz fortissimo und eintönig. Dann kamen die Psalmen\n74, 75, 76. Dann wieder drei Lectionen. Dann das\nserere, aber in derselben Art gesungen, wie alle vorigen\nPsalmen, mit folgendem tonus:\nMan soll sich erst die Ohren tüchtig durchreiben, ehe man\nes besser bekommt! Dann folgen Psalm 8, 62, 66, Can-\niicwn Moysi in seinem eigenen Tone, Psalm 148, 149,\n150. Nun kommen einige Antiphonen; alle Lichter am\nAltare sind inzwischen ausgelöscht, bis auf eines, das unter\ndem Altare versteckt wird; über dem Eingange brennen\nnoch sechs Kerzen ganz hoch; alles Uebrige ist schon däm-\nmerig, und jetzt fängt der ganze Chor unisono den\nticum Zachariaean, während die letzten Lichter ausge-\nlöscht werden. Das grosse For in der Dämmerung und\nder ernsthafte Klang, der von allen Stimmen ausströmt,\nmachen sich wunderschön. Die Melodie in ist auch\nsehr schön. Nach dem Ende ist nun Alles ganz dunkel; eine\nAntiphona kommt auf die Worte: „Und der Verräther\nhatte ihnen ein Zeichen gegeben\" u. s. w., bis: „der ist's,\nden greifet!\" Dann fallen Alle auf die Kniee, und eine\nStimme singt piano: „Christus factus est pro nobis obe-\ndiens usque ad mortem.\"' Am zweiten Tage setzt sie noch\nhinzu: mortem autem crucis;und am Charfreitage:\nter quocl et Deus exaltavit illum\nest super omne Nomen.Nun kommt wieder eine Pause,\nwährend deren jeder das Pater noster für sich sagt. Es\nist eine Todtenstille in der ganzen Capelle während dieses\nPater noster; darauf fängt das Miserere mit einem leisen\nAccord der Stimmen an und breitet sich dann aus in die\nbeiden Chöre. Dieser Anfang und der allererste Klang ha-\nben mir eigentlich den meisten Eindruck gemacht. Man\nhat anderthalb Stunde lang nur einstimmig und fast ohne\nAbwechslung singen hören; nach der Stille kommt nun\nein schön gelegter Accord; das thut ganz herrlich, und\nman fühlt recht innerlich die Gewalt der Musik; die ist\nes eigentlich, welche die grosse Wirkung macht. Sie spa-\nren sich die besten Stimmen zum Miserere auf, singen es\nmit der grössten Abwechselung, mit Anschwellen und Ab-\nnehmen, vom leisesten Piano zur ganzen Kraft der Stimme;\nes ist kein Wunder, wenn das Jeden ergreifen muss. Dazu\nkommt noch, dass sie wieder ihre Contraste nicht verges-\nsen und also Vers um Vers von allen Männerstimmen ganz\neintönig, forte und rauh absingen lassen; dann tritt am\nAnfange des folgenden wieder der schöne, sanfte, volle\nStimmenklang ein, der immer nur kurze Zeit fortdauert\nund dann von dem Männerchor unterbrochen wird. Wäh-\nrend des monotonen Verses weiss man nun schon, wie\nschön der Chor eintreten wird, und dann kommt er auch\nwieder und ist wieder zu kurz, und ehe man recht zur\nBesinnung kommt, ist das Ganze vorbei.—Wenn also z. B.\nwie den ersten Tag, wo man das Miserere von Baini gab,\nder Hauptton H-moll ist, so singen sie Miserere mei Deus\nbis misericordiam tuam nach den Noten mit Solostimmen,\nzwei Chören und allem möglichen Aufwand der Mittel"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4459, "texte": "ihrer Stimmen; dann fallen alle Bässe mit/s ein\nund recitiren auf diesem einen Tone das seeundum\ntitudinem bis imquitatem meam, worauf gleich wieder der\nsanfte 11-moll-A.ccovdfolgt, u. s. w. bis zum letzten Vers,\nden sie immer mit ganzer Kraft singen. Dann folgt wieder\nein stilles, kurzes Gebet, und dann scharren alle Cardinäle\nnach Kräften mit den Füssen; das ist das Ende der Cere-\nmonie. Mein Büchelchen sagt: Der Lärm bedeutet, wie\ndie Hebräer Christus mit grossem Tumult gefangen neh-\nmen. Das mag sein; es klingt aber genau wie das Trom-\nmeln des Parterre, wenn das Stück nicht anfangen will\noder missfallen hat. Dann wird die eine Kerze wieder un-\nter dem Altare hervorgeholt, und bei ihrem Scheine geht\nAlles still aus einander; wobei ich noch erwähnen muss,\ndass es sich wunderschön macht, wenn man aus der Ca-\npelle in den grossen Vorsaal tritt, wo ein gewaltiger Kron-\nleuchter angezündet ist, und wo die Cardinäle mit ihren\nGeistlichen durch die Reihen der Schweizer gehen den er-\nleuchteten Quirinal hindurch. —Das Miserere, das sie den\nersten lag sangen, war von Baini; eine Composition, wie\neben alle von ihm, ohne einen Zug von Leben und Kraft.\nIndess es waren Accorde und Musik, und das machte den\nEindruck. Den zweiten Tag gaben sie einige Stücke von\nAllegri, die anderen von Bai, und den Charfreitag Alles\nvon Bai. Da Allegri nur einen Vers componirt hat, auf\nden sie alle abgesungen werden, so habe ich also jede der\ndrei Compositionen, die sie dort gaben, gehört.— Eigent-\nlich aber ist es ziemlich einerlei, welches sie singen, denn\ndie Embellimenti machen sie beim einen, wie beim ande-\nren, für jeden verschiedenen Accord ein eigenes; und so\nkommt von der Composition nicht viel zum Vorschein. Wie\ndie Embellimenli hineingerathen sind, wollen sie nicht sa-\ngen,— behaupten, es sei Tradition. Das glaube ich ihnen\naber durchaus nicht; denn so wie es überhaupt mit einer\nmusicalischen Tradition ein schlimmes Ding ist, so weiss\nich nicht, wie sich ein fünfstimmiger Satz vom Hörensa-\ngen fortpflanzen soll; so klingt es nicht. Sie sind von\neinem Späteren offenbar hinzugemacht, und mir scheint,\nder Director habe gute, hohe Stimmen gehabt, diese bei\nGelegenheit der heiligen Woche gern produciren wollen,\nund ihnen desshalb Verzierungen zu den einfachen Accor-\nden geschrieben, in denen sie ihre Stimmen recht auslas-\nsen und zeigen könnten. Denn alt sind sie gewiss nicht,\naber mit vielem Geschmack und Geschick gemacht; sie\nwirken vortrefflich. Namentlich ist eine, die oft vorkommt\nund den grössten Effect macht, so dass unter allen Leuten\neine leise Bewegung entsteht, wenn sie anfängt; ja, wenn\nman immer von der besonderen Art des Vortrages spre-\nchen hört, und wenn die Leute erzählen, die Stimmen\nklängen nicht wie Menschen-, sondern wie Engelstimmen\naus der Höhe, und es sei ein Klang, den man sonst nie\nwieder höre, so meinen sie immer diese eine Verzierung.\nWo nämlich im Misereve,sei es von Bai oder Allegri\n(denn sie machen in beiden ganz dieselben Embellimenti;,\ndiese Accordfolge ist:\nWie nun der Sopran das hohe recht rein und sanft fasst\nund lange ausklingen lässt, und dann langsam herabglei-\ntet, während der Alt immer fort sein C hält, so dass ich\nim Anfange sogar getäuscht wurde und glaubte, das hohe\nC bleibe während dessen oben liegen, und wie sich die\nHarmonie so nach und nach aus einander wickelt, das ist\nwirklich ganz prächtig. Die anderen Verzierungen sind in\nderselben Art den Accordfolgen angepasst; aber diese ist\nbei Weitem die schönste. Von einer besonderen Art des\nVortrages wüsste ich sonst nichts zu sagen; auch was ich\neinmal gelesen, dass eine eigene akustische Vorrichtung\nden Schall fortpflanze, ist eine blosse Fabel; eben so, dass\nsie Alles nur so nach Tradition singen, ohne Tact, Einer\ndem Anderen folgend; denn ich habe recht gut den Schat-\nten von Baini's langem Arm auf und ab gehen sehen; zu-\nweilen schlägt er sogar sehr hörbar aufs Pult. Es fehlt\nüberhaupt nicht an Dunst, den die Leute und auch die\nSänger selbst darum verbreiten. Sie sagen z. B. durchaus\nnie vorher, welches Miserere sie singen wollen; das würde\nim Moment selbst entschieden u. s. w. Der Ton, in dem\nsie es singen, hängt übrigens von der Reinheit der Stim-\nmen ab; den ersten Tag war es den zweiten und\ndritten E-moll,schloss aber alle drei Mal fast in\nDer Haupt-Sopran, Mariano, war ausdrücklich aus dem\nGebirge nach Rom gekommen, um mitzusingen, und dem\nhabe ich es zu danken, dass ich die Embellimenti mit ihren"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 717, "texte": "hohen Tönen gehört. So sehr sie sich aber zusammen neh-\nmen, so rächt sich doch die Nachlässigkeit und die üble\nGewohnheit des ganzen übrigen Jahres, und es kommen\noft entsetzliche Detonationen vor. Noch muss ich Ihnen\nerzählen, dass ich am Donnerstag, als das anfan-\ngen sollte, auf eine Leiter stieg, die an der Wand lehnte,\nund so bis dicht an die Decke der Capelle gelangte, so\ndass ich die Musik, die Priester und alle die Zuhörer in\nder Dunkelheit weit unter mir hatte. Wie ich da oben so\nallein sass, ohne langweilige Fremde neben mir, machte\nes mir am meisten Eindruck. Sie werden genug\nrere haben an diesen anderthalb Seiten, und Einzelnes\nbringe ich Ihnen noch mündlich und schriftlich mit.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-19-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-19_01#c015", "volume": "bmtnabi_1861-10-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "334", "page_fin": "335", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.2.4", "titre_corps": "Vincenz Lachner.", "titre_sommaire": "Vincenz Lachner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.6", "debut_caractere": 719, "fin_caractere_exclue": 5245, "texte": "Vincenz Lachner.\n(Yergl. Nr, 29.)\nDie biographischen Notizen, welche die Süddeutsche\nMusik-Zeitung bei Gelegenheit von V. Lachner's Jubelfeier\nüber die Jugend desselben brachte, mögen jedem jungen\nMusiker zur Beherzigung dienen, da sie zeigen, wie trotz\nder Schwierigkeiten der drückendsten Art seltene Ausdauer\neinem angeborenen Talente die riöthige Ausbildung und\nauch die gebührende Anerkennung zu verschaffen ver-\nmögen.\nVincenz Lachner wurde geboren am 19. Juli 1811\nzu Rain, einem kleinen Städtchen Baierns, etwa zehn Stun-\nden von Augsburg entfernt, und genoss, gleich seinen sie-\nben älteren Geschwistern, den Musik-Unterricht seines Va-\nters, der ein vortrefflicher Componist und Organist, zu-\ngleich aber auch Orgelbauer, Maler und Uhrmacher war\nund unter günstigeren Verhältnissen bei seiner ungewöhn-\nlichen und vielseitigen Begabung, bei seiner eisernen Con-\nsequenz und Ausdauer vielleicht ein berühmter Mann ge-\nworden wäre, in dem kleinen, unbedeutenden Landstädt-\nchen aber mit der bittersten Nolh zu kämpfen hatte, indem\ner seiner zahlreichen Familie wohl reichlich die künstleri-\nsche, aber um so spärlicher die leibliche Nahrung zu ver-\nschaffen vermochte. Um so eifriger verfolgte er sein Ziel,\nseinen Kindern eine tüchtige und musicalische Bildung zu\ngeben, indem er wohl einsah, dass dies das einzige Mittel\nsei, sie in die Welt zu bringen und einer über alle Be-\nschreibung gehenden Dürftigkeit zu entreissen. Dieser gros-\nsen Aufgabe widmete er seine ganze Zeit, unterrichtete\nganz allein seine acht Rinder sowohl in der Musik als in\nden Elementar-Gegenständen, und hatte das Glück, bei\nallen, mit Ausnahme eines einzigen unter den fünf Söhnen,\neinen fruchtbaren Boden für seine Bemühungen zu finden.\nAls Vincenz sieben Jahre alt war, und er kaum mit den\nFüssen das Pedal der Orgel zu erreichen vermochte, wurde,\nwie früher bei seinen Brüdern, der bisherige Clavier-Un-\nterricht auch auf die Orgel ausgedehnt, und der wackere\nMeister brachte es dahin, dass seine Rinder mit acht bis\nneun Jahren schon bedeutende Fertigkeit im Clavierspiel\nbesassen, eine bezifferte Orgelstimme ohne Anstand zu\nspielen verstanden und ausserdem noch ein paar andere\nInstrumente behandeln konnten. Inzwischen unternahm\nder Vater auch musicalische Streifzüge mit einigen der\nRinder, wenn die Noth im Hause gar zu gross werden\nwollte, wobei die eine der Schwestern die Violine spielte\nund sang, während der achtjährige Vincenz auf einer zum\nVioloncello umgewandelten Bratsche gar wacker den Bass\nstrich und dem Gesänge seiner Schwester secundirte.\nNoch bevor er das neunte Lebensjahr erreichte, hatte\nVincenz Lachner das Unglück, seinen Vater zu verlieren;\ndoch halte er in den genannten Gegenständen ein so tüch-\ntiges Fundament gewonnen, dass seine älteste Schwester,\nwelche dem Vater als Organistin nachfolgte, mit Erfolg\ndarauf fortbauen konnte. Der Vater hatte es bei Vincenz\nvorzugsweise auf einen Violoncell-Virtuosen abgesehen,\nund wie weit es der achtjährige Rnabe darin gehracht\nhatte, ist daraus zu ersehen, dass er die Rhode'schen Vio-\nlin-Varialionen auf seinem kleinen Violoncell ganz ordent-\nlich und rein zu spielen verstand. Mit eilf Jahren kam er\nan das Gymnasium zu St. Georg in Augsburg, welches er\nsieben Jahre lang frequentirte, und als üeissiger, wohlge-\nsitteter Student seinen Platz stets unter den Ersten behaup-\ntete. Gänzlich unbemittelt, konnte er seine Existenz nur\ndurch wohllhätige Menschen finden, und Entbehrungen\nund Kämpfe der bittersten Art blieben dem jungen Stu-\ndiosus nicht fremd; allein sein ungewöhnliches musicali-\nsches Talent erregte gleichwohl Aufsehen und verschaffte\nihm tüchtige Lehrer im Violin- und Violoncellspiel. Er\nbrachte es auf dem ersten Instrumente so weit, dass er in\nConcerten spielen konnte, und wurde für das Streich-\nQuartett ein gesuchter Violoncellist. An der Pfarrkirche\nzu St. Georg spielte er abwechselnd Orgel, Violine, Violon-\ncell, Flöte, sang auch Sopran und später Alt. In der Har-\nmonielehre erhielt er Unterricht von dem geübten Contra-\npunktisten Pater Jegg. Glücklicher Weise bot sich dem\nsiebenzehnjährigen Jünglinge die erwünschte Gelegenheit,\nsich ausschliesslich der Musik zu widmen. Er erhielt näm-\nlich durch die Vermittlung seines Bruders Franz, welcher\ndamals Capellmeister am k. k. Hoftheater in Wien war,\ndie Stelle eines Musiklehrers bei der kunstsinnigen Familie\ndes Grafen Mycielski im Grossherzogthum Posen. Als ein-\nzige Quelle, woraus er für jetzt schöpfen sollte, gab ihm\nsein Bruder Albrechtberger's Lehrbuch, die Mozart'schen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 998, "texte": "Quartett- und Quintelt-Partituren und Bach's wohltempe-\nrirtes Ciavier mit. Er benutzte diese Quellen auch so fleis-\nsig, dass er bald die Bach'schen Fugen auswendig spielen\nkonnte. Allein der enge Wirkungskreis, in dem er sich\nvon allem Verkehr mit der musicalischen Welt abgeschnit-\nten sah, behagte dem höher strebenden Jüngling nicht,\nund er ging nach drei Jahren nach Wien, wo er auch in\nkurzer Zeit als Vice-Capellmeister an dem k. k. Hof-Opern-\ntheater unter Duport angestellt wurde.\nWie dieser Mann die ihm zinsbringenden Talente aus-\nzubeuten wusste, ist bekannt, und beweis't auch der fünf-\njährige Contract, mit dem er Vincenz Lachner an sich\nknüpfte und ihn mit 240 Fl. C.-M. per Jahr honorirte.\nDoch muss auch zur Ehre Duport's erwähnt werden, dass\ner dieses Verhältniss unaufgefordert lös'te und Lachner\nzum wirklichen Capellmeister mit erhöhtem Gehalt beför-\nderte. Im Jahre 1836 trat er die Capellmeister-Stelle in\nMannheim an, woselbst er am 26. Juni d. J. sein Jubi-\nläum feierte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-19-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-19_01#c016", "volume": "bmtnabi_1861-10-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "335", "page_fin": "336", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.7", "debut_caractere": 1000, "fin_caractere_exclue": 6887, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz« Die Kunst bat auch ihre heitere Seite und auch von\ndieser Seite ihre volle Berechtigung. So hat in der Musik das ko-\nmische Genre zu allen Zeiten eine bedeutende Rolle gespielt. Wir\nbesitzen in unserer Stadt einen in dieser Richtung ganz besonders\nbegabten Künstler, der in seinen komischen Liedern, Duetten, Ter-\nzetten und Quartetten eine so reiche Fülle des pikantesten Humors\nin dichterischer wie in musicalischer Beziehung entfaltet, dass er\nwohl in Deutschland von keinem anderen Componisten im komischen\nFache übertroffen wird. Wir meinen den ehemaligen Theater-Capell-\nmeister Richard Genee, dessen Compositionen sich zahlreiche\nFreunde erobert haben, und der den von Mutter Natur ihm verliehe-\nnen reichen Quell des heitersten Humors in allen Formen springen\nlässt. R. hat aber auch als Opern-Componist schon recht An-\nerkennenswerthes geleistet; sein „Geiger von Tyrol\" ist bereits an\nmehreren deutschen Bühnen mit Erfolg gegeben worden und wird\ndemnächst auf der Hofbühne in Darmstadt zur Aufführung gelan-\ngen. Bei der von der „Mannheimer Tonhalle\" ausgeschriebenen Con-\ncurrenz für die Composition des Operntextes von H. Schmid, betitelt\n„Der Liebesring\", hat die von ihm eingereichte Partitur die ehren-\nvollste Anerkennung von Seiten der Preisrichter gefunden und ist\nebenfalls bei mehreren Bühnen zur Aufführung angenommen. So\neben hat derselbe wieder eine einactige Operette: „Der Musikfeind\",\nvollendet, zu welcher er auch den Text selbst gedichtet hat. Die\nBesetzung verlangt nur drei Personen: Bass-Buffo, Tenor und So-\npran. (Siidd. M.-Z.)\n** Aus Mainz. Am 13. d. M. gab Herr Capellmeister Lux in\nunserer herrlichen Stephanskirche vor einem Auditorium von we-\nnigstens 20U0 Menschen ein Orgel-Concert Da die Einnahme einem\nkirchlichen Zwecke galt, so hatte der Kirchen-Yorstand keinen An-\nstand genommen, die Kirche hierzu zur Verfügung zu stellen. Herr\nLux spielte mit seiner bekannten Virtuosität auf der von Drey-\nmann hier gebauten Orgel Präludium und Fuge von Bach, eine\nFuge seiner eigenen Composition und drei von ihm componirte Pban-\ntasieen über eine Romanze vom Herzog von Coburg, über das Gebet\naus dem Freischiitz und über 0 sanctissima. Wie wir vernehmen,\nsollen diese drei Phantasieen, welche auf seiner Kunstreise in Bel-\ngien schon mit so vielem Beifalle aufgenommen wurden, demnächst\nim Vellage von B, Schott s Söhnen erscheinen. Unterstützt wurde\ndas Concert vom Vereine für Kirchenmusik durch den gelungenen\nVortrag von Ave Maria von Arcadelt (f 1570), zwei Gesängen aus\nSchneidens „Weltgericht\" und Haydn's Motette: , Des Staubes eitle\nSorgen*'. Schliesslich noch die Mittheilung, dass Herr Lux von\nhiesigen Militär-Autoritäten aufgefordert worden ist, seinen preisge-\nkrönten Festmarsch, sobald die Feierlichkeiten in Berlin vorüber,\nhier zur Aufführung zu bringen, und sind ihm hierzu die verwend-\nbaren Kräfte der hiesigen drei preussischen Musikchöre zur Verfü-\ngung gestellt.\nFerdinand Hiller's neue Oper: „Die Katacomben\", Text von\nMoriz Hermann, wird mit Beginn der Winter-Saison in Wiesbaden\nin Scene gehen.\nDie Bach-Orgel zu Arnstadt. Unsere Leser werden sich des\nAufrufs von H. B. Stade, Stadt-Cantor und Organist in Arnstadt,\nvom 10. Januar d. J. (Nr. 3 der Niederrh. Musik-Zeitung dieses\nJahrgangs) erinnern, betreffend die Herstellung der Orgel, die J. S.\nBach von 1703 bis 1707 gespielt, während welcher Zeit die 300\nChoräle zum Freilinghausen'schen Gesangbuche entstanden sind. Die\ndarin versprochene Lithographie der Orgel und ein Facsi-\nmile von J. S. Bach's Handschrift, Beides sauber ausgeführt,\nsind jetzt erschienen und gegen portofreie Einsendung eines belie-\nbigen Beitrags zu obigem Zwecke von Herrn Ssade zu be-\nziehen. Zugleich „wird beabsichtigt, an der Orgel eine Gedenktafel\nmit den Namen aller Betheiligten und im Stadt-Archiv ein Bach-Al-\nbum mit compositionellen oder poetischen kurzgefassten Beiträgen\n(um deren Mittheilung gebeten wird) niederzulegen \" J. S. Bach's\nHandschrifts-Abdruck enthält eine Quittung vom Jahre 1703 über\n„Sechs Gülden 5 Gr. 3 P. Quartal-Besoldung Bach's „..aus dem\nGotteskasten als Organisten wegen der neuen Kirche\"\"! Zwar be-\nsagt eine Anmerkung: „Die übrigen Gehaltstheile wurden aus der\nStadtcasse bezogen\" —, allein wie niedrig sie gewesen sein mögen,\nlässt sich aus dem Gehalt aus der Kirchen-Casse schliessen.\nHoffentlich wird dieses interessante Curiosum recht viele Zusendun-\ngen von Beiträgen veranlassen.\nIn Baden-Baden ist am 25. September eine neue Operette\n(natürlich mit französischem Texte): yLes Amours de Silvio\", Mu-\nsik von Franz Schwab, mit Beifall gegeben worden. x\nDie Bemerkungen eines Ungenannten über die Com posi-\ntionsweise des Herzogs von Coburg-Gotha, welche in\neinigen Blättern abgedruckt worden sind, haben folgende Entgeg-\nnung (in Nr. 41 der Deutschen Musik-Zeitung) hervorgerufen:\n„Nachdem in Nr. 38 der Deutschen Musik-Zeitung vom 23 d.\nMts. mein Name an erster Stelle als künftiger Zeuge über die Com-\npositionsweise Sr. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha\ngenannt worden ist, so stehe ich nicht an, dem unbekannten Frager\nschon jetzt die bestimmte und rückhaltlose Antwort zu geben, dass\nSe. Hoheit der alleinige Compositeur seiner Compositionen ist, und\ndass speciel meine Aufgabe darin bestanden hat, die von dem fürst-\nlichen Autor erfundenen und mehrstimmig zu Papier gebrachten\nCompositionen für grosses Orchester zu in s tr u m e n ti ren , jedoch\nauch dies immer mit Rücksicht auf höchsteigene Notizen des Her-\nzogs bezüglich der Wahl und Benutzung einzelner Instrumente.\n„Die Vorschule Sr. Hoheit, Höchstweicher in Dresden bei Reis-\nsiger die ernstesten Studien in allen Zweigen der Tonkunst, selbst\nin den ältesten Kirchen-Compositionen eines Palestrina, Durante,\nMarcello, Pergolese gemacht hat und vollkommen vertraut mit der\nAnwendung der Harmonielehre ist, setzt ihn in den Stand, die ori-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3826, "texte": "gineilen musicalischen Gedanken, welche seiner reichen Phantasie\nmit seltener Lebhaftigkeit entströmen, gleich einem Componisten von\nFach kunstgerecht an einander zu fügen und regelrecht mehrstim-\nmig zu Papier zu bringen. Dass der hohe Herr nicht die Zeit und\nwohl auch nicht die technische Gewandtheit und Erfahrung eines\nFachmanes zur Instrumentirung besitzt, dürfte sich von selbst\nverstehen. Uebrigens lieben es bekanntlich manche unserer berühm-\ntesten modernen Componisten, sich für diese Arbeit noch eines ge-\nschickten Gehülfen zu bedienen. Se. Hoheit, hat aber auch noch nie-\nmals Anspruch darauf gemacht, der Instrumentirer seiner Opern zu\nsein. So viel hiervon. Was schliesslich den Zweifel des unbekann-\nten Fragestellers betrifft, dass bei Lebzeiten des Herzogs die Wahr-\nheit wohl schwerlich wegen der „„guten Bezahlung\"\" unserer gelei-\nsteten Dienste an den Tag kommen dürfte, so bedaure ich, darauf\nerwidern zu müssen, dass ein Zweifel wohl über letztere (wenn auch\nnicht m einerseits), nicht aber über erstere obwalten kann.\n~Coburg, den 7. October 1861.\n„Ernst Lampe r t.\"\nAus Stuttgart wird gemeldet, dass Hof-Capellmeister Kücken,\nveranlasst durch die Anstellung des Herrn Eckert, seine Entlassung\neingereicht und erhalten hat.\nWien. In den letzten Tagen hat uns ein hier noch ganz un-\nbekanntes, wie wir hören, zwar nicht in Partitur, aber in Stimmen\ngedrucktes, bei Spina verlegtes „Octett für Blas- und Streich-Instru-\nmente\" in F-äur vou Fr. Schubert beschäftigt und viel Genuss\nverschafft. Es existirt nämlich davon ein einstweilen nur handschrift-\nliches vierhändiges Arrangement, welches wir den Herren Verlegern\nsehr empfehlen können Unbegreiflich bleibt es, wie unsere hiesige\nQuartett-Unternehmung eine solche Novität so lange unberücksich-\ntigt 1 assen konnte. (Eben erfahren wir, dass Herr Hellmesberger sie\nin das Programm dieser Saison aufgenommen hat )\nHerr Heinrich Stiehl, Componist aus Petersburg und Orga-\nnist an der protestantischen Kirche daselbst, hat Dinstag den 8.\nOctober im Musikvereins-Saale einige seiner Compositionen unter\nMitwirkung der Herren Hellmesberger, Dobihal und Rover zur Auf-\nführung gebracht, und zwar: Trio für Piano, Violine und Violon-\ncello, Op. 8C; Preis-Sonate für Piano und Violoncello, Op. 37;\nQuartett für Piano, Violine, Viola und Violoncello, Op. 40.\nDie feierliche Grundsteinlegung für das neue Hof-Operntheater\nwird nach den bisherigen Bestimmungen Dinstag den 19. November,\nals dem Namensfeste Ihrer Majestät der Kaiserin, Statt finden\nAn die Stelle des Herrn Schläger wurde der Componist Herr\nFranz Meier zum zweiten Chormeister des wiener Männer-Ge-\nsangvereins gewählt.\nAm 7. October gab Herr Jakob Nagy, von dem es auf dem\nZettel heisst: „erster ungarischer Hirten-Zauberflöten-Virtuose, der\ndieses Instrument in seiner Einsamkeit zu Klausenburg selbst erfun-\nden und verfertigt hat\", in Pressburg ein Concert: Das Instru-\nment, dessen sich der Virtuose bediente, gleicht der Theorie nach\njenen kunstlosen Pfeifen, die in ihrer rohesten Gestalt von fast je-\ndem Knaben aus weichem Hollunderholz geschnitzt, in höherer Voll-\nendung sich auf jedem Wochenmarkte finden. Herr Nagy nun hat\ndieses unstreitig unvollkommenste aller Instrumente (es ist mit sechs\nLöchern versehen und fasst nur 2!/2 Octave) so vollständig in sei-\nner Gewalt, dass es ihm gelingt, die schwierigsten Variationen mit\nLeichtigkeit zu bewältigen. Klingt auch der gellende Ton nament-\nlich in der Höhe, wo des geringen Umfanges wegen ein schrilles\nPfeifen eintritt, nicht gerade angenehm, so ist es doch die erstaun-\nliche Virtuosität und wirklich fabelhafte Technik, welche, indem sie\nnur durch jahrelange Mühen und unausgesetztes Studium erreicht\nwerden konnte, uns Bewunderung abringt. Herr Nagy ärntete, wie\nnatürlich, reichen Beifall und wurde nach jeder Nummer gerufen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nArabische Lieder. 1. Abendlied. 2. Morgenlied. Die Musik der heiligen Woche in Rom. Von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nVincenz Lachner (Lebensskizze), Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Richard Gende, Orgel-Concert —F. Hiller'ö\nneue Oper Die Bach-Orgel zu Arnstadt Baden-Baden, neue Operette Coburg, Entgegnung Stuttgart, Hof-Capellmeister Kücken\nWien, Musik-Aufführungen Pressburg, Jakob Nagy).\n\nArabische Lieder.\n\n1. Abendlied.\n(Dritter Theil der Nuba Hornel)\nC'est le soir. Le soleil jaunissant incline ses feux vers\nle coucliant.\nLes ruisseaux roulent leu\ncampagne verdoyante.\nLes oiseaux gazouillent.\nparfums.\nAujourd'hui sois-moi favorable, tu menteras toute ma\nreconnaissance!\nHdtö-toi! Prends les coupes\nles pendant cette soiree.\nosoleil, pourqwi me fuis-tu?\nSi j'ai part ä ton affection,\nJ' implore celui qui ecoute\npardonne.\nAujourd'hui sois-moi favorable,\nreconnaissance.\nHäte-toi! Prends les coupes\nles pendant cette soiree.\n„Abend ist's. Die vergilbende Sonne senkt ihr Feuer\nzum Untergang. Die Bäche rollen ihre Silberwogen in der\ngrünen Flur dahin, die Vögel zwitschern, die Blumen\nhauchen Düfte; sei mir heute hold, mein ganzer Dank\nwird Dir zu Theil! Eile! nimm die Becher des edeln\nWeins, lass uns sie diesen Abend leeren! 0 Sonne! warum\nfliehst du mich? Kürze dein Verschwinden! Wenn du\nmich liebst, so werde ich deinen Kummer verscheuchen.\nIch flehe zu dem, der jede Klage vernimmt, dass er dir\nverzeihe. Sei mir heute hold, mein ganzer Dank u. s. w.\"\n2. Morgenlied.\n(Erster Theil der JSfuba Mala)\nReveille-toi, o charmante! Chasse bin de toi le souci,\nles chagrins!\nLes oiseaux s'eveillent en chantant. Leur hymne s'e-\nlance des sommets verdoyants comme d'une chaire. lis\nchassent la tristesse.\nLeur voix est eloquente, par Dieu! Elle erneut et ra-\nvit, comme un luih harmonieux.\nLes ruisseaux epanchent leurs ondes, suave liqueur,\ndouce comme l'eau du Paradis.\nLes cöteaux revetent leur parure\nde fleurs!\n„Wach' auf, Geliebte! verbanne Kummer und Sorgen!\nDie Vögel erwachen mit Gesang; ihr Loblied schwingt\nsich von den grünen Höhen wie von einer Kanzel empor;"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.2", "texte": "sie verscheuchen die Traurigkeit. Ihre Stimme ist beredt,\nbei Gott! sie bewegt und entzückt wie eine harmonische\nLaute. Die Bäche ergiessen ihre Wellen, ein köstliches\nNass, süss wie das Wasser des Paradieses. Die Hügel klei-\nden sich in reichen Schmuck von Grün und Blumen.\"\nDie obigen Lieder verdanken wir der Mittheilung des\nHerrn L. Biegeleben in Köln, der sie von seinem Freunde,\nHerrn Alexander Christianowitsch, erhalten hat.\nDieser, ein wissenschaftlich gebildeter Russe und begeister-\nter Freund der Tonkunst (nicht zu verwechseln mit sei-\nnem Bruder Nikolaus, der in Leipzig lebt), hat es sich\nzur Aufgabe gemacht, die Geschichte der arabischen\nMusik zu studiren. Das Material dazu hat er seit Jahren\nauf seinen Reisen im Orient und in Algerien an Ort und\nStelle gesammelt und wird die Resultate seiner Sammlun-\ngen und Forschungen in einem besonderen Werke nieder-\nlegen.\nDas Buch wird in deutscher Sprache erscheinen und\ndie Melodieen zunächst ohne harmonische Begleitung, um\nihre Eigentümlichkeit durch nichts zu beeinträchtigen,\ndann aber auch nach der Auffassung des Herausgebers\nharmonisirt enthalten. Der arabische Original-Text nebst\ndeutscher Uebersetzung wird mit abgedruckt.\nHerr Alex. Christianowitsch, gegenwärtig, so viel wir\nwissen, in Italien, ist zu dem Ergebnisse gekommen, wel-\nches bis jetzt unbekannt war, dass die alte arabische\nMusik in Form einer zusammenhangenden Reihe\nvon Liedern, die eine Art Sinfonie bilden, sich\nentwickelt habe. Eine solche Reihe heisst eine Nuba; das\nerste der oben abgedruckten Liedchen ist ein Bruchstück\neiner Abend-Nuba, einer Art von Serenade, das zweite ist\neiner Morgen-Nuba entnommen. Herr Christianowitsch\nbesitzt sieben dergleichen Nuba's, welche alle (wie auch\ndie zwei gegebenen Proben) der alten arabischen Musik\nangehören. Sein Buch wird sich mit der Darstellung jener\nalten Musik, den Ursachen ihres Verfalls und dem jetzigen\nZustande des arabischen Gesanges beschäftigen; zum Zweck\nder Vergleichung des Neuen und Alten wird er auch einige\nneuere, unmittelbar aus dem gegenwärtigen Leben aufge-\nfasste Lieder mittheilen.\nDas Werk verspricht also für die Geschichte der Ton-\nkunst und für charakteristische Volksmusik ein höchst in-\nteressantes zu werden, worauf wir die Freunde der Ton-\nkunst schon jetzt aufmerksam machen und zur Zeit von\ndem Erscheinen des Buches benachrichtigen werden.\n\nL. B.\n\nDie Musik der heiligen Woche in Rom.\nAn den Herrn Professor Zelter.\nVon F. Mendelssohn Bartholdy\nRom, den 16. Juni 1831.\nLieber Herr Professor!\nEs ist lange her, dass ich Ihnen schreiben wollte, um\nIhnen von der Musik der heiligen Woche Bericht abzu-\nstatten; meine Reise nach Neapel kam aber dazwischen,\nund dort, wo ich mich die meiste Zeit im Freien auf den\nBergen umhertrieb und mir mit dem Meere zu schaffen\nmachte, war auch nicht die rechte Ruhe fürs Schreiben\nzu finden; daher die Verspätung, die ich Sie zu entschul-\ndigen bitten muss. Ich habe seit der Zeit keinen merkwür-\ndigen Ton gehört (in Neapel nur das Allermässigste), und\nso habe ich Ihnen denn wirklich von den letzten Monaten\nnichts zu schreiben, als über die heilige Woche; vergessen\ndenke ich nichts zu haben, und werde es wohl schwerlich\nje! Vom Eindruck des Ganzen habe ich schon an die El-\ntern berichtet, und diese werden es Ihnen mitgetheilt ha-\nben. Es war schön, dass ich mir vornahm, die Sache ganz\nkalt und beobachtend anzuhören, und dass mir dennoch\nschon vor dem Anfange in der Capelle ernsthaft und an-\ndächtig zu Muthe wurde. Solche Stimmung gehört, glaub'\nich, dazu, um irgend etwas Neues recht auffassen zu kön-\nnen; und mir ist von der Wirkung des Ganzen nichts ent-\ngangen, obwohl ich mich zwang, auch auf alle Einzelheiten\naufzupassen. Mittwoch um 4% Uhr fing die Feier mit der\nAntiphona „Zelus domus tuae\"an. Das Büchelchen, wel-\nches die Kirchenordnung der Woche enthält, erklärt, was\ndie ganze Feier eigentlich bedeutet: „es würden in jedem\nNocturno drei Psalmen gesungen, weil Christus für die\nJungfräulichen, die Verheiratheten und die Verwitweten\no 7\ngestorben sei; und auch wegen der drei Gesetze: des na-\ntürlichen, geschriebenen und evangelischen; das\n\n*) „Reiseriefe von F* Mendelssohn Bartholdy aus\nden Jahren 1830—3832. Herausgegeben von Paul Mendels-\nsohn Bartholdy,\" Leipzig, Verlag von Hermann Mendels-\nsohn. 1861. IV und 340 S. in P. Ueber den Inhalt dieser\nSammlung, eines herrlichen Denkmals des verewigten Meisters\nals Künstlers und Menschen und einer unschätzbaren Gabe für\ndie ganze gebildete Welt, werden wir in einer folgenden Num-\nmer berichten. Heute erlauben wir uns, zunächst den grössten\nTheil eines Briefes mitzutheilen, der insbesondere für die mu-\n'\nsicalische Welt von höchstem Interesse ist, weil er eine ge-\nnaue Schilderung jener römischen Kirchenmusik in der Char-\nwoche enthält, über welche, wie F. Hiller in seinem treffli-\nchen Aufsatze über das obige Buch (Kölnische Zeitung, Nr.\n250) mit Recht sagt, ~so viel unklares ästhetisches\nGewäsch verbreitet worden, dass Mendelssohn1 s\nBriefe darüber ein wahrer Gewinn für die Ge-\nschichte der Tonkunst sindu."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.3", "texte": "labia mea und das Dens in adjuiorium würden nicht ge-\nsungen, weil die Gottlosen uns unser Haupt und Anfang\ngeraubt hätten; die fünfzehn Lichter bedeuteten die zwölf\nApostel und drei Marien\" u. s. w. (Das Büchelchen ent-\nhält in dieser Art die allermerkwürdigsten Sachen, und\nich bringe es Ihnen desshalb mit.) Die Psalmen werden\nvon allen Männerstimmen zu zwei Chören abge-\nsungen. Jeder Psalmvers ist nämlich in zwei Theile, wie\nFrage und Antwort, oder vielmehr und abgetheilt; der\nerste Chor singt a,und der zweite antwortet mit Alle\nWorte, ausgenommen das letzte, werden in grosser Schnel-\nligkeit auf einem Tone gesungen, und auf dem letzten ma-\nchen sie ein kurzes Melisma, welches beim ersten und zwei-\nten Verse verschieden ist. Nach dieser Melodie oder tono,\nwie sie es nennen, wird der ganze Psalm mit allen seinen\nVersen gesungen, und ich habe mir sieben verschiedene\ndieser toni nachgeschrieben, mit denen sie in den drei Ta-\ngen abwechselten. Sie können Sich nicht denken, wie er-\nmüdend und monoton sich dies macht, und wie roh und\nhandwerksmässig sie ihre Psalmen herunter singen. Der\nerste tonus, den sie sangen, war z. B.:\nSo geht nun der ganze Psalm von 42 Versen immer\nfort, indem eine Vershälfte und die andere auf\ngeg endigt. Sie singen es genau mit dem Ausdruck,\nund es klingt, als wenn sich viele Männer ernsthaft und\nböslich zankten, so da.ss jeder halsstarrig dem anderen im-\nmer wieder dasselbe zuruft. Im letzten Verse jedes Psal-\nmes singen sie die Worte, mit denen er schliesst, langsa-\nmer und nachdrücklicher, und machen statt des Melisma's\neinen langen Dreiklang piano, z. B. bei dem ersten:\nAm Anfange jedes Psalmes ist als Einleitung eine An-\nliphona oder mehrere; diese werden gewöhnlich von ein\npaar Altstimmen sehr rauh und hart im Cmto fermo ge-\nsungen, eben so die erste Vershälfte \"jedes ersten Psalm-\nverses, und bei der zweiten geht dann das oben beschrie-\nbene Antworten der Männerchöre los. Die einzelnen Anti-\nphonen u. s. w., die ich nachgeschrieben habe, behalte ich\nmir vor, Ihnen zu zeigen, damit Sie sie mit dem Büchel-\nchen zusammenhalten können. Den Mittwoch Abend wird\nerst der 68., dann der 69. und 70. Psalm gesungen. Bei-\nläufig ist diese Eintheilung der Psalmverse und dass sie\nvom Chor und Gegenchor abgesungen werden, eine der\nEinrichtungen, die Bunsen für die evangelische Kirche hier\ngemacht hat; so wie er auch jeden Choral durch eine\nAntiphona einleiten lässt. Diese sind von Georg, einem\nhiesigen Musiker, nach Art der Canti fermi componirt\nund werden erst von einigen Stimmen abgesungen, dann\nfällt der Choral ein, z. B.: Ein' feste Burg ist unser Gott.,\nNach dem 70. Psalm kommt ein\nd. h. Alles steht auf, und es ist eine kurze, stille Pause.\n— Darauf fängt die erste Lamentation des Jeremias ganz\nleise und sanft in G-dur an. Es ist eine schöne und ernst-\nhafte Composition von Palestrina, und wenn sie auf das\nwilde Psalmgeschrei folgt, ohne Bässe, bloss für hohe\nSolostimmen und Tenor, mit dem zartesten Anschwellen\nund Abnehmen, zuweilen fast unhörbar verschwimmend,\nund von einem Tone und Accorde zum anderen sich lang-\nsam hinziehend, so macht es sich ganz himmlisch. —\nSchlimm ist es freilich, dass die Stellen, die sie am rüh-\nrendsten und andächtigsten singen, und die auch offenbar\nmit Vorliebe componirt sind, die Ueberschriften der ein-\nzelnen Capitel oder Verse: Al u. s. w.\nsein müssen, und dass der schöne Anfang, der klingt, als\nkäme er vom Himmel herunter, gerade auf die Worte ist:\nIncipit Lamentatio JeremiaeDage-\ngen muss sich doch ein protestantisches Herz etwas em-\npören, und wenn man die Absicht haben sollte, diese Ge-\nsänge in unsere Kirchen einzuführen, so scheint mir schon\ndarin die Unmöglichkeit davon zu liegen. Denn wenn einer\nsingt: „Erstes Capitel\", so kann man nicht andächtig wer-\nden, es sei auch noch so schön. Mein Büchelchen sagt\nzwar: Vedendo profetizzato il crocifiggimento con gran\npietä si cantano eziandio molto\ne le altre simile parole, che\nEbreo, perclie erano in costume\nin luogo di lamento, come e\nin se tutto il sentimento di\ne come im argomento di esso. Das hilft aber alles nichts.\n— Darauf werden Psalm 71, 72 und 73 in obiger Weise\nabgesungen mit den Antiphonen. Diese sind ganz willkür-\nlich in die verschiedenen Stimmen vertheilt, so dass bei\nder einen die Soprane anfangen: darauf\nfallen die Bässe forte ein: oravit adpatrem:pater u. s. w.\nDann folgen die Lectionen aus dem Tractat des heiligen\nAugustinus über die Psalmen. Die sonderbare Art, wie\ndiese gesungen werden, frappirte mich unsäglich am Palm-\nsonntage, wo ich es zum ersten Male hörte, und ohne zu\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.4", "texte": "wissen, was es war. Eine Stimme allein trägt sie vor, auf\nEinem Tone recitirend, aber nicht wie in den Psalmen,\nsondern langsam, nachdrücklich, indem der lon recht aus-\nklingt. Für die verschiedenen Zeichen der Rede: für Kom-\nma, Frage, Punkt, gibt es nun verschiedene Tonfälle. Viel-\nleicht sind sie Ihnen schon bekannt; mir, dem sie neu wa-\nren, erschienen sie sehr wunderlich. Die erste wurde z. B.\nvon einer schönen Bassstimme auf <7 vorgetragen; kommt\nein Komma, so macht er auf dem letzten Worte:\nbei einem Fragezeichen:\nbei einem Punkte aber so:\nzum Beispiel:\nWie sonderbar sich der Fall von a nach c macht,\nkann ich gar nicht beschreiben, besonders wenn nach dem\nBass ein Sopran kommt, der mit anfängt und nun ganz\ndenselben Fall mit e und g macht; dann ein Alt in seinem\nTone u. s. w.; denn sie sangen drei verschiedene Lectio-\nnen, die immer mit Canto fermo abwechselten. Wie sie\nden Canto fermo ganz ohne Rücksicht auf Wort und Sinn\nvortragen, davon als Beispiel das: „Es wäre ihm besser,\ndass er nie geboren wäre\", was so gesungen wird:\nTutti.\nganz fortissimo und eintönig. Dann kamen die Psalmen\n74, 75, 76. Dann wieder drei Lectionen. Dann das\nserere, aber in derselben Art gesungen, wie alle vorigen\nPsalmen, mit folgendem tonus:\nMan soll sich erst die Ohren tüchtig durchreiben, ehe man\nes besser bekommt! Dann folgen Psalm 8, 62, 66, Can-\niicwn Moysi in seinem eigenen Tone, Psalm 148, 149,\n150. Nun kommen einige Antiphonen; alle Lichter am\nAltare sind inzwischen ausgelöscht, bis auf eines, das unter\ndem Altare versteckt wird; über dem Eingange brennen\nnoch sechs Kerzen ganz hoch; alles Uebrige ist schon däm-\nmerig, und jetzt fängt der ganze Chor unisono den\nticum Zachariaean, während die letzten Lichter ausge-\nlöscht werden. Das grosse For in der Dämmerung und\nder ernsthafte Klang, der von allen Stimmen ausströmt,\nmachen sich wunderschön. Die Melodie in ist auch\nsehr schön. Nach dem Ende ist nun Alles ganz dunkel; eine\nAntiphona kommt auf die Worte: „Und der Verräther\nhatte ihnen ein Zeichen gegeben\" u. s. w., bis: „der ist's,\nden greifet!\" Dann fallen Alle auf die Kniee, und eine\nStimme singt piano: „Christus factus est pro nobis obe-\ndiens usque ad mortem.\"' Am zweiten Tage setzt sie noch\nhinzu: mortem autem crucis;und am Charfreitage:\nter quocl et Deus exaltavit illum\nest super omne Nomen.Nun kommt wieder eine Pause,\nwährend deren jeder das Pater noster für sich sagt. Es\nist eine Todtenstille in der ganzen Capelle während dieses\nPater noster; darauf fängt das Miserere mit einem leisen\nAccord der Stimmen an und breitet sich dann aus in die\nbeiden Chöre. Dieser Anfang und der allererste Klang ha-\nben mir eigentlich den meisten Eindruck gemacht. Man\nhat anderthalb Stunde lang nur einstimmig und fast ohne\nAbwechslung singen hören; nach der Stille kommt nun\nein schön gelegter Accord; das thut ganz herrlich, und\nman fühlt recht innerlich die Gewalt der Musik; die ist\nes eigentlich, welche die grosse Wirkung macht. Sie spa-\nren sich die besten Stimmen zum Miserere auf, singen es\nmit der grössten Abwechselung, mit Anschwellen und Ab-\nnehmen, vom leisesten Piano zur ganzen Kraft der Stimme;\nes ist kein Wunder, wenn das Jeden ergreifen muss. Dazu\nkommt noch, dass sie wieder ihre Contraste nicht verges-\nsen und also Vers um Vers von allen Männerstimmen ganz\neintönig, forte und rauh absingen lassen; dann tritt am\nAnfange des folgenden wieder der schöne, sanfte, volle\nStimmenklang ein, der immer nur kurze Zeit fortdauert\nund dann von dem Männerchor unterbrochen wird. Wäh-\nrend des monotonen Verses weiss man nun schon, wie\nschön der Chor eintreten wird, und dann kommt er auch\nwieder und ist wieder zu kurz, und ehe man recht zur\nBesinnung kommt, ist das Ganze vorbei.—Wenn also z. B.\nwie den ersten Tag, wo man das Miserere von Baini gab,\nder Hauptton H-moll ist, so singen sie Miserere mei Deus\nbis misericordiam tuam nach den Noten mit Solostimmen,\nzwei Chören und allem möglichen Aufwand der Mittel"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.5", "texte": "ihrer Stimmen; dann fallen alle Bässe mit/s ein\nund recitiren auf diesem einen Tone das seeundum\ntitudinem bis imquitatem meam, worauf gleich wieder der\nsanfte 11-moll-A.ccovdfolgt, u. s. w. bis zum letzten Vers,\nden sie immer mit ganzer Kraft singen. Dann folgt wieder\nein stilles, kurzes Gebet, und dann scharren alle Cardinäle\nnach Kräften mit den Füssen; das ist das Ende der Cere-\nmonie. Mein Büchelchen sagt: Der Lärm bedeutet, wie\ndie Hebräer Christus mit grossem Tumult gefangen neh-\nmen. Das mag sein; es klingt aber genau wie das Trom-\nmeln des Parterre, wenn das Stück nicht anfangen will\noder missfallen hat. Dann wird die eine Kerze wieder un-\nter dem Altare hervorgeholt, und bei ihrem Scheine geht\nAlles still aus einander; wobei ich noch erwähnen muss,\ndass es sich wunderschön macht, wenn man aus der Ca-\npelle in den grossen Vorsaal tritt, wo ein gewaltiger Kron-\nleuchter angezündet ist, und wo die Cardinäle mit ihren\nGeistlichen durch die Reihen der Schweizer gehen den er-\nleuchteten Quirinal hindurch. —Das Miserere, das sie den\nersten lag sangen, war von Baini; eine Composition, wie\neben alle von ihm, ohne einen Zug von Leben und Kraft.\nIndess es waren Accorde und Musik, und das machte den\nEindruck. Den zweiten Tag gaben sie einige Stücke von\nAllegri, die anderen von Bai, und den Charfreitag Alles\nvon Bai. Da Allegri nur einen Vers componirt hat, auf\nden sie alle abgesungen werden, so habe ich also jede der\ndrei Compositionen, die sie dort gaben, gehört.— Eigent-\nlich aber ist es ziemlich einerlei, welches sie singen, denn\ndie Embellimenti machen sie beim einen, wie beim ande-\nren, für jeden verschiedenen Accord ein eigenes; und so\nkommt von der Composition nicht viel zum Vorschein. Wie\ndie Embellimenli hineingerathen sind, wollen sie nicht sa-\ngen,— behaupten, es sei Tradition. Das glaube ich ihnen\naber durchaus nicht; denn so wie es überhaupt mit einer\nmusicalischen Tradition ein schlimmes Ding ist, so weiss\nich nicht, wie sich ein fünfstimmiger Satz vom Hörensa-\ngen fortpflanzen soll; so klingt es nicht. Sie sind von\neinem Späteren offenbar hinzugemacht, und mir scheint,\nder Director habe gute, hohe Stimmen gehabt, diese bei\nGelegenheit der heiligen Woche gern produciren wollen,\nund ihnen desshalb Verzierungen zu den einfachen Accor-\nden geschrieben, in denen sie ihre Stimmen recht auslas-\nsen und zeigen könnten. Denn alt sind sie gewiss nicht,\naber mit vielem Geschmack und Geschick gemacht; sie\nwirken vortrefflich. Namentlich ist eine, die oft vorkommt\nund den grössten Effect macht, so dass unter allen Leuten\neine leise Bewegung entsteht, wenn sie anfängt; ja, wenn\nman immer von der besonderen Art des Vortrages spre-\nchen hört, und wenn die Leute erzählen, die Stimmen\nklängen nicht wie Menschen-, sondern wie Engelstimmen\naus der Höhe, und es sei ein Klang, den man sonst nie\nwieder höre, so meinen sie immer diese eine Verzierung.\nWo nämlich im Misereve,sei es von Bai oder Allegri\n(denn sie machen in beiden ganz dieselben Embellimenti;,\ndiese Accordfolge ist:\nWie nun der Sopran das hohe recht rein und sanft fasst\nund lange ausklingen lässt, und dann langsam herabglei-\ntet, während der Alt immer fort sein C hält, so dass ich\nim Anfange sogar getäuscht wurde und glaubte, das hohe\nC bleibe während dessen oben liegen, und wie sich die\nHarmonie so nach und nach aus einander wickelt, das ist\nwirklich ganz prächtig. Die anderen Verzierungen sind in\nderselben Art den Accordfolgen angepasst; aber diese ist\nbei Weitem die schönste. Von einer besonderen Art des\nVortrages wüsste ich sonst nichts zu sagen; auch was ich\neinmal gelesen, dass eine eigene akustische Vorrichtung\nden Schall fortpflanze, ist eine blosse Fabel; eben so, dass\nsie Alles nur so nach Tradition singen, ohne Tact, Einer\ndem Anderen folgend; denn ich habe recht gut den Schat-\nten von Baini's langem Arm auf und ab gehen sehen; zu-\nweilen schlägt er sogar sehr hörbar aufs Pult. Es fehlt\nüberhaupt nicht an Dunst, den die Leute und auch die\nSänger selbst darum verbreiten. Sie sagen z. B. durchaus\nnie vorher, welches Miserere sie singen wollen; das würde\nim Moment selbst entschieden u. s. w. Der Ton, in dem\nsie es singen, hängt übrigens von der Reinheit der Stim-\nmen ab; den ersten Tag war es den zweiten und\ndritten E-moll,schloss aber alle drei Mal fast in\nDer Haupt-Sopran, Mariano, war ausdrücklich aus dem\nGebirge nach Rom gekommen, um mitzusingen, und dem\nhabe ich es zu danken, dass ich die Embellimenti mit ihren"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.6", "texte": "hohen Tönen gehört. So sehr sie sich aber zusammen neh-\nmen, so rächt sich doch die Nachlässigkeit und die üble\nGewohnheit des ganzen übrigen Jahres, und es kommen\noft entsetzliche Detonationen vor. Noch muss ich Ihnen\nerzählen, dass ich am Donnerstag, als das anfan-\ngen sollte, auf eine Leiter stieg, die an der Wand lehnte,\nund so bis dicht an die Decke der Capelle gelangte, so\ndass ich die Musik, die Priester und alle die Zuhörer in\nder Dunkelheit weit unter mir hatte. Wie ich da oben so\nallein sass, ohne langweilige Fremde neben mir, machte\nes mir am meisten Eindruck. Sie werden genug\nrere haben an diesen anderthalb Seiten, und Einzelnes\nbringe ich Ihnen noch mündlich und schriftlich mit.\n(Schluss folgt.)\n\nVincenz Lachner.\n(Yergl. Nr, 29.)\nDie biographischen Notizen, welche die Süddeutsche\nMusik-Zeitung bei Gelegenheit von V. Lachner's Jubelfeier\nüber die Jugend desselben brachte, mögen jedem jungen\nMusiker zur Beherzigung dienen, da sie zeigen, wie trotz\nder Schwierigkeiten der drückendsten Art seltene Ausdauer\neinem angeborenen Talente die riöthige Ausbildung und\nauch die gebührende Anerkennung zu verschaffen ver-\nmögen.\nVincenz Lachner wurde geboren am 19. Juli 1811\nzu Rain, einem kleinen Städtchen Baierns, etwa zehn Stun-\nden von Augsburg entfernt, und genoss, gleich seinen sie-\nben älteren Geschwistern, den Musik-Unterricht seines Va-\nters, der ein vortrefflicher Componist und Organist, zu-\ngleich aber auch Orgelbauer, Maler und Uhrmacher war\nund unter günstigeren Verhältnissen bei seiner ungewöhn-\nlichen und vielseitigen Begabung, bei seiner eisernen Con-\nsequenz und Ausdauer vielleicht ein berühmter Mann ge-\nworden wäre, in dem kleinen, unbedeutenden Landstädt-\nchen aber mit der bittersten Nolh zu kämpfen hatte, indem\ner seiner zahlreichen Familie wohl reichlich die künstleri-\nsche, aber um so spärlicher die leibliche Nahrung zu ver-\nschaffen vermochte. Um so eifriger verfolgte er sein Ziel,\nseinen Kindern eine tüchtige und musicalische Bildung zu\ngeben, indem er wohl einsah, dass dies das einzige Mittel\nsei, sie in die Welt zu bringen und einer über alle Be-\nschreibung gehenden Dürftigkeit zu entreissen. Dieser gros-\nsen Aufgabe widmete er seine ganze Zeit, unterrichtete\nganz allein seine acht Rinder sowohl in der Musik als in\nden Elementar-Gegenständen, und hatte das Glück, bei\nallen, mit Ausnahme eines einzigen unter den fünf Söhnen,\neinen fruchtbaren Boden für seine Bemühungen zu finden.\nAls Vincenz sieben Jahre alt war, und er kaum mit den\nFüssen das Pedal der Orgel zu erreichen vermochte, wurde,\nwie früher bei seinen Brüdern, der bisherige Clavier-Un-\nterricht auch auf die Orgel ausgedehnt, und der wackere\nMeister brachte es dahin, dass seine Rinder mit acht bis\nneun Jahren schon bedeutende Fertigkeit im Clavierspiel\nbesassen, eine bezifferte Orgelstimme ohne Anstand zu\nspielen verstanden und ausserdem noch ein paar andere\nInstrumente behandeln konnten. Inzwischen unternahm\nder Vater auch musicalische Streifzüge mit einigen der\nRinder, wenn die Noth im Hause gar zu gross werden\nwollte, wobei die eine der Schwestern die Violine spielte\nund sang, während der achtjährige Vincenz auf einer zum\nVioloncello umgewandelten Bratsche gar wacker den Bass\nstrich und dem Gesänge seiner Schwester secundirte.\nNoch bevor er das neunte Lebensjahr erreichte, hatte\nVincenz Lachner das Unglück, seinen Vater zu verlieren;\ndoch halte er in den genannten Gegenständen ein so tüch-\ntiges Fundament gewonnen, dass seine älteste Schwester,\nwelche dem Vater als Organistin nachfolgte, mit Erfolg\ndarauf fortbauen konnte. Der Vater hatte es bei Vincenz\nvorzugsweise auf einen Violoncell-Virtuosen abgesehen,\nund wie weit es der achtjährige Rnabe darin gehracht\nhatte, ist daraus zu ersehen, dass er die Rhode'schen Vio-\nlin-Varialionen auf seinem kleinen Violoncell ganz ordent-\nlich und rein zu spielen verstand. Mit eilf Jahren kam er\nan das Gymnasium zu St. Georg in Augsburg, welches er\nsieben Jahre lang frequentirte, und als üeissiger, wohlge-\nsitteter Student seinen Platz stets unter den Ersten behaup-\ntete. Gänzlich unbemittelt, konnte er seine Existenz nur\ndurch wohllhätige Menschen finden, und Entbehrungen\nund Kämpfe der bittersten Art blieben dem jungen Stu-\ndiosus nicht fremd; allein sein ungewöhnliches musicali-\nsches Talent erregte gleichwohl Aufsehen und verschaffte\nihm tüchtige Lehrer im Violin- und Violoncellspiel. Er\nbrachte es auf dem ersten Instrumente so weit, dass er in\nConcerten spielen konnte, und wurde für das Streich-\nQuartett ein gesuchter Violoncellist. An der Pfarrkirche\nzu St. Georg spielte er abwechselnd Orgel, Violine, Violon-\ncell, Flöte, sang auch Sopran und später Alt. In der Har-\nmonielehre erhielt er Unterricht von dem geübten Contra-\npunktisten Pater Jegg. Glücklicher Weise bot sich dem\nsiebenzehnjährigen Jünglinge die erwünschte Gelegenheit,\nsich ausschliesslich der Musik zu widmen. Er erhielt näm-\nlich durch die Vermittlung seines Bruders Franz, welcher\ndamals Capellmeister am k. k. Hoftheater in Wien war,\ndie Stelle eines Musiklehrers bei der kunstsinnigen Familie\ndes Grafen Mycielski im Grossherzogthum Posen. Als ein-\nzige Quelle, woraus er für jetzt schöpfen sollte, gab ihm\nsein Bruder Albrechtberger's Lehrbuch, die Mozart'schen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.7", "texte": "Quartett- und Quintelt-Partituren und Bach's wohltempe-\nrirtes Ciavier mit. Er benutzte diese Quellen auch so fleis-\nsig, dass er bald die Bach'schen Fugen auswendig spielen\nkonnte. Allein der enge Wirkungskreis, in dem er sich\nvon allem Verkehr mit der musicalischen Welt abgeschnit-\nten sah, behagte dem höher strebenden Jüngling nicht,\nund er ging nach drei Jahren nach Wien, wo er auch in\nkurzer Zeit als Vice-Capellmeister an dem k. k. Hof-Opern-\ntheater unter Duport angestellt wurde.\nWie dieser Mann die ihm zinsbringenden Talente aus-\nzubeuten wusste, ist bekannt, und beweis't auch der fünf-\njährige Contract, mit dem er Vincenz Lachner an sich\nknüpfte und ihn mit 240 Fl. C.-M. per Jahr honorirte.\nDoch muss auch zur Ehre Duport's erwähnt werden, dass\ner dieses Verhältniss unaufgefordert lös'te und Lachner\nzum wirklichen Capellmeister mit erhöhtem Gehalt beför-\nderte. Im Jahre 1836 trat er die Capellmeister-Stelle in\nMannheim an, woselbst er am 26. Juni d. J. sein Jubi-\nläum feierte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz« Die Kunst bat auch ihre heitere Seite und auch von\ndieser Seite ihre volle Berechtigung. So hat in der Musik das ko-\nmische Genre zu allen Zeiten eine bedeutende Rolle gespielt. Wir\nbesitzen in unserer Stadt einen in dieser Richtung ganz besonders\nbegabten Künstler, der in seinen komischen Liedern, Duetten, Ter-\nzetten und Quartetten eine so reiche Fülle des pikantesten Humors\nin dichterischer wie in musicalischer Beziehung entfaltet, dass er\nwohl in Deutschland von keinem anderen Componisten im komischen\nFache übertroffen wird. Wir meinen den ehemaligen Theater-Capell-\nmeister Richard Genee, dessen Compositionen sich zahlreiche\nFreunde erobert haben, und der den von Mutter Natur ihm verliehe-\nnen reichen Quell des heitersten Humors in allen Formen springen\nlässt. R. hat aber auch als Opern-Componist schon recht An-\nerkennenswerthes geleistet; sein „Geiger von Tyrol\" ist bereits an\nmehreren deutschen Bühnen mit Erfolg gegeben worden und wird\ndemnächst auf der Hofbühne in Darmstadt zur Aufführung gelan-\ngen. Bei der von der „Mannheimer Tonhalle\" ausgeschriebenen Con-\ncurrenz für die Composition des Operntextes von H. Schmid, betitelt\n„Der Liebesring\", hat die von ihm eingereichte Partitur die ehren-\nvollste Anerkennung von Seiten der Preisrichter gefunden und ist\nebenfalls bei mehreren Bühnen zur Aufführung angenommen. So\neben hat derselbe wieder eine einactige Operette: „Der Musikfeind\",\nvollendet, zu welcher er auch den Text selbst gedichtet hat. Die\nBesetzung verlangt nur drei Personen: Bass-Buffo, Tenor und So-\npran. (Siidd. M.-Z.)\n** Aus Mainz. Am 13. d. M. gab Herr Capellmeister Lux in\nunserer herrlichen Stephanskirche vor einem Auditorium von we-\nnigstens 20U0 Menschen ein Orgel-Concert Da die Einnahme einem\nkirchlichen Zwecke galt, so hatte der Kirchen-Yorstand keinen An-\nstand genommen, die Kirche hierzu zur Verfügung zu stellen. Herr\nLux spielte mit seiner bekannten Virtuosität auf der von Drey-\nmann hier gebauten Orgel Präludium und Fuge von Bach, eine\nFuge seiner eigenen Composition und drei von ihm componirte Pban-\ntasieen über eine Romanze vom Herzog von Coburg, über das Gebet\naus dem Freischiitz und über 0 sanctissima. Wie wir vernehmen,\nsollen diese drei Phantasieen, welche auf seiner Kunstreise in Bel-\ngien schon mit so vielem Beifalle aufgenommen wurden, demnächst\nim Vellage von B, Schott s Söhnen erscheinen. Unterstützt wurde\ndas Concert vom Vereine für Kirchenmusik durch den gelungenen\nVortrag von Ave Maria von Arcadelt (f 1570), zwei Gesängen aus\nSchneidens „Weltgericht\" und Haydn's Motette: , Des Staubes eitle\nSorgen*'. Schliesslich noch die Mittheilung, dass Herr Lux von\nhiesigen Militär-Autoritäten aufgefordert worden ist, seinen preisge-\nkrönten Festmarsch, sobald die Feierlichkeiten in Berlin vorüber,\nhier zur Aufführung zu bringen, und sind ihm hierzu die verwend-\nbaren Kräfte der hiesigen drei preussischen Musikchöre zur Verfü-\ngung gestellt.\nFerdinand Hiller's neue Oper: „Die Katacomben\", Text von\nMoriz Hermann, wird mit Beginn der Winter-Saison in Wiesbaden\nin Scene gehen.\nDie Bach-Orgel zu Arnstadt. Unsere Leser werden sich des\nAufrufs von H. B. Stade, Stadt-Cantor und Organist in Arnstadt,\nvom 10. Januar d. J. (Nr. 3 der Niederrh. Musik-Zeitung dieses\nJahrgangs) erinnern, betreffend die Herstellung der Orgel, die J. S.\nBach von 1703 bis 1707 gespielt, während welcher Zeit die 300\nChoräle zum Freilinghausen'schen Gesangbuche entstanden sind. Die\ndarin versprochene Lithographie der Orgel und ein Facsi-\nmile von J. S. Bach's Handschrift, Beides sauber ausgeführt,\nsind jetzt erschienen und gegen portofreie Einsendung eines belie-\nbigen Beitrags zu obigem Zwecke von Herrn Ssade zu be-\nziehen. Zugleich „wird beabsichtigt, an der Orgel eine Gedenktafel\nmit den Namen aller Betheiligten und im Stadt-Archiv ein Bach-Al-\nbum mit compositionellen oder poetischen kurzgefassten Beiträgen\n(um deren Mittheilung gebeten wird) niederzulegen \" J. S. Bach's\nHandschrifts-Abdruck enthält eine Quittung vom Jahre 1703 über\n„Sechs Gülden 5 Gr. 3 P. Quartal-Besoldung Bach's „..aus dem\nGotteskasten als Organisten wegen der neuen Kirche\"\"! Zwar be-\nsagt eine Anmerkung: „Die übrigen Gehaltstheile wurden aus der\nStadtcasse bezogen\" —, allein wie niedrig sie gewesen sein mögen,\nlässt sich aus dem Gehalt aus der Kirchen-Casse schliessen.\nHoffentlich wird dieses interessante Curiosum recht viele Zusendun-\ngen von Beiträgen veranlassen.\nIn Baden-Baden ist am 25. September eine neue Operette\n(natürlich mit französischem Texte): yLes Amours de Silvio\", Mu-\nsik von Franz Schwab, mit Beifall gegeben worden. x\nDie Bemerkungen eines Ungenannten über die Com posi-\ntionsweise des Herzogs von Coburg-Gotha, welche in\neinigen Blättern abgedruckt worden sind, haben folgende Entgeg-\nnung (in Nr. 41 der Deutschen Musik-Zeitung) hervorgerufen:\n„Nachdem in Nr. 38 der Deutschen Musik-Zeitung vom 23 d.\nMts. mein Name an erster Stelle als künftiger Zeuge über die Com-\npositionsweise Sr. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha\ngenannt worden ist, so stehe ich nicht an, dem unbekannten Frager\nschon jetzt die bestimmte und rückhaltlose Antwort zu geben, dass\nSe. Hoheit der alleinige Compositeur seiner Compositionen ist, und\ndass speciel meine Aufgabe darin bestanden hat, die von dem fürst-\nlichen Autor erfundenen und mehrstimmig zu Papier gebrachten\nCompositionen für grosses Orchester zu in s tr u m e n ti ren , jedoch\nauch dies immer mit Rücksicht auf höchsteigene Notizen des Her-\nzogs bezüglich der Wahl und Benutzung einzelner Instrumente.\n„Die Vorschule Sr. Hoheit, Höchstweicher in Dresden bei Reis-\nsiger die ernstesten Studien in allen Zweigen der Tonkunst, selbst\nin den ältesten Kirchen-Compositionen eines Palestrina, Durante,\nMarcello, Pergolese gemacht hat und vollkommen vertraut mit der\nAnwendung der Harmonielehre ist, setzt ihn in den Stand, die ori-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611019-01.1.8", "texte": "gineilen musicalischen Gedanken, welche seiner reichen Phantasie\nmit seltener Lebhaftigkeit entströmen, gleich einem Componisten von\nFach kunstgerecht an einander zu fügen und regelrecht mehrstim-\nmig zu Papier zu bringen. Dass der hohe Herr nicht die Zeit und\nwohl auch nicht die technische Gewandtheit und Erfahrung eines\nFachmanes zur Instrumentirung besitzt, dürfte sich von selbst\nverstehen. Uebrigens lieben es bekanntlich manche unserer berühm-\ntesten modernen Componisten, sich für diese Arbeit noch eines ge-\nschickten Gehülfen zu bedienen. Se. Hoheit, hat aber auch noch nie-\nmals Anspruch darauf gemacht, der Instrumentirer seiner Opern zu\nsein. So viel hiervon. Was schliesslich den Zweifel des unbekann-\nten Fragestellers betrifft, dass bei Lebzeiten des Herzogs die Wahr-\nheit wohl schwerlich wegen der „„guten Bezahlung\"\" unserer gelei-\nsteten Dienste an den Tag kommen dürfte, so bedaure ich, darauf\nerwidern zu müssen, dass ein Zweifel wohl über letztere (wenn auch\nnicht m einerseits), nicht aber über erstere obwalten kann.\n~Coburg, den 7. October 1861.\n„Ernst Lampe r t.\"\nAus Stuttgart wird gemeldet, dass Hof-Capellmeister Kücken,\nveranlasst durch die Anstellung des Herrn Eckert, seine Entlassung\neingereicht und erhalten hat.\nWien. In den letzten Tagen hat uns ein hier noch ganz un-\nbekanntes, wie wir hören, zwar nicht in Partitur, aber in Stimmen\ngedrucktes, bei Spina verlegtes „Octett für Blas- und Streich-Instru-\nmente\" in F-äur vou Fr. Schubert beschäftigt und viel Genuss\nverschafft. Es existirt nämlich davon ein einstweilen nur handschrift-\nliches vierhändiges Arrangement, welches wir den Herren Verlegern\nsehr empfehlen können Unbegreiflich bleibt es, wie unsere hiesige\nQuartett-Unternehmung eine solche Novität so lange unberücksich-\ntigt 1 assen konnte. (Eben erfahren wir, dass Herr Hellmesberger sie\nin das Programm dieser Saison aufgenommen hat )\nHerr Heinrich Stiehl, Componist aus Petersburg und Orga-\nnist an der protestantischen Kirche daselbst, hat Dinstag den 8.\nOctober im Musikvereins-Saale einige seiner Compositionen unter\nMitwirkung der Herren Hellmesberger, Dobihal und Rover zur Auf-\nführung gebracht, und zwar: Trio für Piano, Violine und Violon-\ncello, Op. 8C; Preis-Sonate für Piano und Violoncello, Op. 37;\nQuartett für Piano, Violine, Viola und Violoncello, Op. 40.\nDie feierliche Grundsteinlegung für das neue Hof-Operntheater\nwird nach den bisherigen Bestimmungen Dinstag den 19. November,\nals dem Namensfeste Ihrer Majestät der Kaiserin, Statt finden\nAn die Stelle des Herrn Schläger wurde der Componist Herr\nFranz Meier zum zweiten Chormeister des wiener Männer-Ge-\nsangvereins gewählt.\nAm 7. October gab Herr Jakob Nagy, von dem es auf dem\nZettel heisst: „erster ungarischer Hirten-Zauberflöten-Virtuose, der\ndieses Instrument in seiner Einsamkeit zu Klausenburg selbst erfun-\nden und verfertigt hat\", in Pressburg ein Concert: Das Instru-\nment, dessen sich der Virtuose bediente, gleicht der Theorie nach\njenen kunstlosen Pfeifen, die in ihrer rohesten Gestalt von fast je-\ndem Knaben aus weichem Hollunderholz geschnitzt, in höherer Voll-\nendung sich auf jedem Wochenmarkte finden. Herr Nagy nun hat\ndieses unstreitig unvollkommenste aller Instrumente (es ist mit sechs\nLöchern versehen und fasst nur 2!/2 Octave) so vollständig in sei-\nner Gewalt, dass es ihm gelingt, die schwierigsten Variationen mit\nLeichtigkeit zu bewältigen. Klingt auch der gellende Ton nament-\nlich in der Höhe, wo des geringen Umfanges wegen ein schrilles\nPfeifen eintritt, nicht gerade angenehm, so ist es doch die erstaun-\nliche Virtuosität und wirklich fabelhafte Technik, welche, indem sie\nnur durch jahrelange Mühen und unausgesetztes Studium erreicht\nwerden konnte, uns Bewunderung abringt. Herr Nagy ärntete, wie\nnatürlich, reichen Beifall und wurde nach jeder Nummer gerufen."}]}