{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_sha256": "48a830a4c4386c042f4eabede1d054629d409d8f77b36d8db700f1f536226556", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/10/26_01/bmtnabi_1861-10-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 333, "texte": "Inhalt.\nDie Musik der heiligen Woche in Rom. Von F. Mendelssohn Bartlioldy. (Schluss.) Die\nneue Orgel in der St.-Ursula-Kirehe in Köln. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhahuri-.s-\nblatt (Köln, Concert des kölner Männer-Gesangvereins Wien, Sing-Akademie, Bach-Yerein Paris, der elektrische Metronom)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "340", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik der heiligen Woche in Rom.", "titre_sommaire": "Die Musik der heiligen Woche in Rom.", "signature_source": "F. Mendelssohn Bartholdy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.1", "debut_caractere": 335, "fin_caractere_exclue": 3107, "texte": "Die Musik der heiligen Woche in Rom.\nVon F. Mendelssohn Bartholdy.\n(Schluss. S. Nr. 42)\nAm Donnersag um 10'/2 Uhr war feierliche Messe.\nSie sangen eine achtstimmige von Fazzini, die eben nichts\nMerkwürdiges enthielt. Mehrere Canti fermi und Anti-\nphonen, die ich da nachgeschrieben, behalte ich mir vor,\nund die Ordnung des Gottesdienstes, mit Gründen dafür,\nbesagt das Büchlein. Beim Gloria in excelsis werden alle\nGlocken in Rom geläutet, und dann nicht wieder, bis nach\ndem Charfreitag. Die Stunden werden von den Kirchen\nbezeichnet, indem man mit Hölzern gegen einander klap-\npert. Es machte sich schön, dass die Worte des Gloria,\ndie das Signal zum tollen Lärm geben, vom alten Cardi-\nnal Pacca mit schwacher, zitternder Stimme vom Altare\ngesungen wurden, worauf dann alle Glocken und der Chor\neinfielen. Sie legten nach dem Credo das Fratres ego enirn\nvon Palestrina ein, sangen es aber ohne alle Achtung und\nsehr roh. Die Fusswaschung der Pilger, die dann folgt,\nmit der Procession, wo auch die Sänger mitgehen, Baini\naus einem grossen Buche, das vor ihm getragen wird, Tact\nschlagend und bald dem Einen, bald dem Anderen win-\nkend, die Sänger um die Noten gedrängt, im Gehen pau-\nsirend, eintretend, der Papst auf seinem Prachtsessel ge-\ntragen u. s. w., habe ich schon den Eltern beschrieben.\nAm Abende waren wieder die Psalmen, Lamentationen,\nLectionen und das Miserere,wie den vorigen Tag, mit\nwenigem Unterschiede. Eine Lection wurde nach einer\neigenen Melodie, die ich Ihnen mitbringe, von einem So-\npran ganz allein vorgetragen. Es ist Adagio, in langen No-\nten, dauert gewiss über eine Viertelstunde; die Stimme ist\nganz ohne den mindesten Halt, und der Gesang liegt sehr\nhoch; dennoch wurde Alles mit der klarsten, reinsten,\nfestesten Intonation ausgeführt; der Sänger sank nicht um\nein Komma, liess die letzten Töne eben so egal und rund\nanschwellen und abnehmen, wie die im Anfange; es war\nein Meisterstück. Mir fiel auf,-wie sie das Wort Appoggia-\ntur gebrauchen. Geht z. B. die Melodie von c nach d, oder\nvon cnach e,so singen sie:\noder:\noder:\nund diesen Vorschlag nennen sie appoggiatura; es heisse\nübrigens, wie es wolle, so macht es sich fatal, und man\nmuss sich sehr daran gewöhnen, um nicht ganz gestört zu\nwerden durch diese sonderbare Art, die mich sehr an un-\nsere alten Frauen in der Kirche erinnerte. Ausserdem war,\nwie gesagt, die Folge dieselbe. Ich hatte aber im Büchlein\nvorausgesehen, dass das Tenebrae vorkommen würde, und\nda ich mir dachte, es würde Sie interessiren, zu erfahren,\nwie man es in der päpstlichen Capelle singt, so sass ich\nmit gespitztem Bleistift auf der Lauer, bis es herankam,\nund schreibe Ihnen hier die Hauptstellen (sie sangen es\nübrigens wieder ganz schnell, durchaus ohne die\ngeringste Ausnahme). Der Anfang war:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3755, "texte": "Ich kann mir einmal nicht helfen: es empört mich,\nwenn ich die allerheiligsten, schönsten Worte auf so nichts-\nsagende leiermässige Töne muss abgesungen hören. Sie\nsagen, es sei Canto fermo, —es sei Gregorianisch—das ist\nall Eins. Wenn man es damals nicht anders gefühlt hat\noder nicht anders hat machen können, so können wir es\njetzt, und in den Bibelworten steht von dieser monotonen\nHandwerksmässigkeit wahrhaftig nichts; da ist Alles frisch\nund wahr und nebenbei auch so gut und natürlich ausge-\ndrückt, als möglich; warum soll denn das nun klingen wie\neine Formel? Und weiter ist doch wirklich an solchem\nGesänge nichts! Das Pater mit dem kleinen Schnörkel,\ndas meum mit dem Trillerchen, das ut quid me—das soll\nKirchengesang sein? Freilich, ein falscher Ausdruck ist\nnicht darin, denn es ist gar kein Ausdruck darin; aber\nist denn das nicht eben die rechte Entwürdigung der\nWorte? So bin ich hundert Mal wild geworden während\nder Ceremonie hier; und kamen dann die Leute und wa-\nren ausser sich, wie herrlich das doch sei, so wollte es mir\nwie ein schlechter Spass bedünken, und doch war es ihr\nErnst!\nAm Freitag früh zur Messe ist die ganze Capelle ohne\nSchmuck, der Altar entblösst, Papst und Cardinäle in\nTrauer. Nun wurde die Passion sec. Joannem gesungen,\nvon Vittoria componirt. Aber nur die Worte des Volkes\nim Chor sind von ihm; das Uebrige wird schematisch ab-\ngesungen, wovon nachher. Es kam mir zuweilen denn doch\ngar zu kleinlich und einförmig vor; mir wurde sehr bös\nzu Muthe, und eigentlich hat mir auch die ganze Sache\nmissfallen. Denn Eines von Beiden muss sein: die Fassion\nmuss uns entweder vom Priester ruhig erzählend vorgetra-\ngen werden, wie sie uns der Johannes erzählt; dann braucht\nkein Chor einzufallen: Crucifige eum. und keine Altstimme\nden Pilatus vorzustellen; oder sie muss mir vergegenwär-\ntigt werden, dass mir zu Muthe wird, als sei ich dabei\nund sähe Alles mit an. Dann muss Pilatus singen, wie er\nmag gesprochen haben; der Chor muss schreien:\nfige und das freilich nicht im Kirchentone. Aber dann ist\nes schon durch die innerste Wahrheit und durch den Ge-\ngenstand, den es vorstellt, Kirchenmusik. Dann brauche\nich keine „Nebengedanken\" bei der Musik; dann ist mir\ndie Musik nicht „Mittel, um zur Andacht zu erheben\", wie\nsie es hier wollen, sondern dann ist sie eine Sprache, die\nzu mir redet, und der Sinn ist eben durch die Worte nur\nausgedrückt,—nur in ihnen enthalten. So ist Seb. Bach's\nPassion; aber wie sie es hier singen, da ist es nur was\nHalbes, weder einfache Erzählung, noch grosse, dramati-\nsche, ernsthafte Wahrheit. Der Chor singt\nin eben so heiligen Accorden, wie „et in, terra paxu; der\nPilatus spricht nicht auf andere Weise, als der Evangelist;\nund wenn nun der Jesus immer eintritt, um doch\neine Auszeichnung zu haben, und wenn der Chor recht\ntüchtig losschreit mit seinen Kirchen-Accorden, so weiss\nman nicht, was das alles soll. Verzeihen Sie die Bemer-\nkungen, ich will nun gleich wieder historisch berichten.\nDer Evangelist also ist ein Tenor, und die Art des Reciti-\nrens ist, wie bei den Lectionen, für Komma, Frage, Punkt\neigene Schlussfälle. Der Evangelist recitirt auf d und macht\nauf einem Punkt so:\nbei einem Komma:\nund am Ende, wenn eine andere Person eintritt, so:\nDer Christus ist ein Bass, und fängt immer so an:\nDas Schema habe ich nicht herauskriegen können, obwohl\nich mehrere Stellen nachgeschrieben habe, die ich Ihnen\nzeigen kann; unter Anderem die Worte am Kreuze. Alle\nanderen Personen nun: Pilatus, Petrus, die Magd und der\nHohepriester, sind ein Alt auf mit diesem Tone:\nDie Worte des Volkes singt der Chor von oben herab,\nwährend alles Andere am Altare gesungen wird. Der\nMerkwürdigkeit wegen muss ich Ihnen das Crucifige her-\nsetzen, wie ich es mir nachgeschrieben:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4499, "texte": "Auch das „Barrabam\" ist merkwürdig; es sind lauter\nzahme Juden. Aber der Brief ist schon zu lang; also\ndas Weitere hiervon will ich verschweigen.—Es kommen\nnun die Gebete, für alle Völker und Institutionen, jedes\neinzeln genannt. Bei dem Gebete für die Juden wird aber\nnicht gekniet, wie bei den anderen, auch nicht Amen ge-\nsagt; sie belen pro perfidis Judaeis, und das Büchlein\nweiss auch hiefür eine Erklärung zu finden.—Nun kommt\ndie Anbetung des Kreuzes. Es wird in die Mitte der Ca-\npelle ein kleines Crucifix gestellt, und Alle gehen mit blos-\nsen Füssen (d. h. ohne Schuhe), fallen davor nieder und\nküssen es; während dessen werden die Improperien gesun-\ngen. Mir scheint, nach einmaligem Hören, es sei eine der\nschönsten Compositionen von Palestrina, und sie singen sie\nmit ganz besonderer Vorliebe. Es ist da eine bewunde-\nrungswürdige Zartheit und Uebereinstimmung im Vortrage\ndes Chors; sie wissen jeden kleinen Zug ins rechte Licht\nzu stellen und hervorzuheben, ohne ihn vorzudrängen; ein\nAccord verschmilzt sich sanft in den anderen. Dazu ist die\nCeremonie sehr würdig und ernsthaft; in der Capelle die\ntiefste Stille, und das immer wiederkehrende griechische\n„Heilig\" singen sie ausserordentlich schön—jedesmal mit\nderselben Sanftheit und demselben Ausdrucke. Sie wer-\nden Sich aber wundern, es geschrieben zu sehen; denn\nwas sie singen, ist so:\nSolche Sachen, wie der Anfang, wo alle Stimmen zusam-\nmen eine und dieselbe Verzierung machen, kommen sehr\noft vor, und man gewöhnt sich daran. Das Ganze macht\nsich aber wirklich herrlich; ich wollte, Sie könnten den\nTenor des ersten Chors hören, wie er das hohe a auf\nTheos nimmt; sie ziehen da den Ton so durchdringend\nund doch ganz leise hervor, dass es sehr rührend klingt.\nDies wird nun so oft wiederholt, bis alles, was in der Ca-\npelle ist, das Kreuz angebetet hat; und da diesmal der Zu-\ndrang nicht sehr gross war, so habe ich es leider nicht so\noft gehört, als ich gewünscht hätte. Aber ich konnte mir\nwohl erklären, warum die Improperien auf Göthe den\ngrössten Eindruck gemacht haben; es ist wirklich fast das\nVollkommenste, da Musik und Ceremonie und Alles im\ngrössten Einklänge sind. Es folgt nun wieder eine Proces-\nsion zur Abholung der llostie, die Abends vorher in einer\nanderen Capelle des Quirinais beim Lichte von vielen Hun-\ndert Kerzen ausgestellt und angebetet wurde. Dann schloss\nder Vormittags-Gottesdienst um 1 % Uhr (mit einer Hymne\nim Cantofermo). Abends um halb 4 Uhr fing nun wieder\ndas erste Nocturnum mit den Psalmen, Lectionen u. s. w.\nan; ich berichtigte noch Einiges, was ich nachgeschrieben,\nhörte das Miserere von Bai, und gegen Sieben ging man\ndurch den erleuchteten Vorsaal hinter den Cardinälen nach\nHause, und auch das war erlebt und vorbei. Ich habe\nIhnen die heilige Woche genau beschreiben wollen, lieber\nHerr Professor, weil es mir schöne Tage waren, wo ich\njede Stunde etwas längst Erwartetes eintreffen sah und\nkennen lernte,— weil es mich besonders freute, dass trotz\nder Spannung, trotz der vielen Reden darüber hin und her,\nlobend und tadelnd, mir das Ganze einen eben so frischen\nund lebhaften Eindruck machte, als wäre ich unabhängig\n7 o O\nund ohne Befangenheit hingekommen, und weil ich wieder\nbestätigt sah, wie das Vollkommene, und sei es auch in\nder fremdesten Sphäre, vollkommen wirkt. Mögen Sie den\nlangen Brief halb so gern lesen, wie es mir Freude ge-\nmacht hat, mir die Zeit der heiligen Woche in Rom zu-\nrückzurufen. Ihr treuer\nFelix Mendelssol)u - ß a r t h o I d y.\nZur Vervollständigung fügen wir noch einige Stellen\naus dem Briefe an die Eltern aus Horn vom 4. April\n1831 bei.\n„Die Leute haben die Ceremonien der heiligen Woche\nviel gelobt und viel getadelt, und haben, wie es wohl oft\ngeht, immer die Hauptsache zu sagen vergessen, nämlich,\ndass es ein Ganzes ist. Das ist auch das Einzige, wesshalb\nich davon erzählen will. Sonstige Beschreibungen möchten\nVater wieder an Mad. de R. erinnern, die am Ende nur\ndasselbe that, was die meisten thun, die über Musik und\nKunst schreiben, indem sie mit einer heiseren, prosaischen\nStimme bei Tische uns einen Begriff von dem klaren,\nschönen Chor in der päpstlichen Capelle geben wollte.\nViele Andere haben wieder die blosse Musik abgesondert\nund sind darüber hergefallen, weil sie der Aeusserlichkeit\nbedürfe, um zu wirken. Die mögen Recht haben; so lange\naber diese nothwendige Aeusserlichkeit da ist, und zwar\nin ihrer ganzen Vollkommenheit, so lange wirkt sie doch\neben; und so gewiss ich überzeugt bin, dass Ort, Zeit,\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3552, "texte": "Anordnung, die grosse Menschenmenge, die in grösster\nStille den Augenblick des Anfangs erwartet, das Ihrige\nzum Eindruck beitragen, so verbasst ist es mir doch, das,\nwas einmal zusammen gehört, absichtlich zu sondern, um\neinen Theil zu erhalten, den man geringschätzen kann. Es\nmüsste ein unglücklicher Mensch sein, auf den die Andacht\nund Ehrfurcht einer grossen Versammlung nicht auch\neinen andächtigen, ehrfürchtigen Eindruck machte, und\nwenn sie auch das goldene Kalb anbeteten; denn nur der\ndarf's zerschlagen, der was Besseres dafür hinstellen kann,\nüb es nun Einer dem Anderen nachsagt, ob es der ein-\nmal erlangte grosse Ruf thut, ob es bloss in der Einbil-\ndung liegt, ist einerlei; genug, man hat ein vollkommenes\nGanzes, was einen mächtigen Eindruck seit Jahrhunderten\nausgeübt hat und noch jedesmal ausübt, und davor habe\nich Ehrfurcht, wie überhaupt vor jeder wirklichen Voll-\nkommenheit. Die Sphäre zu beurtheilen, möchte ich den\nTheologen überlassen; denn was man darüber so hinsagt,\nkann doch nicht tief gehen. Mit der blossen Ceremonie ist\nes nicht abgethan; mir ist es genug, wie gesagt, dass in\nirgend einer Sphäre etwas mit Treue und Gewissenhaftig-\nkeit nach Kräften vollkommen ausgeführt werde, um Re-\nspect davor zu haben und um mich daran zu freuen.—\nDesshalb also erwartet nicht von mir eine abgemessene\nKritik über den Gesang oft hört man wahrlich kaum\nheraus, was sie singen, und freut sich nur des Klanges.\n„ Auch bei der grossen Procession mögen sie sin-\ngen, was und wie sie wollen, so macht es eine herrliche\nWirkung; und wenn es auch wahr ist, dass es sehr ein-\nförmige, ja, sogar unförmliche Hymnen sind,\nohne rechten Zusammenhang und durchaus fortmimo, so\nberufe ich mich auf den Eindruck, und den muss es auf\nJeden machen. Nach der Procession kommt das Evange-\nlium, im sonderbarsten Tone vorgetragen, und dann die\nMesse. Da muss ich denn auch meines Lieblings-Moments\nerwähnen, nämlich des Credo. Der Priester stellt sich zum\nersten Male mitten vor den Altar und intonirt nach, einer\nkleinen Pause mit seiner heiseren, alten Stimme das Seb.\nliach'sche Credo. So wie er fertig ist, stehen alle Geistli-\nchen auf, die Cardinäle verlassen ihren Sitz, treten in die\nMilte der Capelle, bilden einen Kreis, und Alle sprechen\nganz laut die Fortsetzung: Pa u. s. w.\nZugleich fällt der Chor ein und singt dieselben Worte. Als\nich das erste Mal mein wohlbekanntes:\nhörte und alle die ernsten Mönche um mich her so eifrig\nund laut zu sprechen anfingen, erschrak ich ordentlich,\nund es ist noch immer mein Lieblings-Moment. Das Sta-\nbat mater,welches sie nach dem einlegten, machte\nam wenigsten Eindruck; sie sangen es unsicher, falsch\nund kürzten es ab; die Sing-Akademie singt es ungleich\nbesser. Montag und Dinstag ist nichts, und Mittwoch um\nhalb fünf fingen die Nocturnen an. Nach dem\ncum Zachariaegehen die letzten Kerzen aus; der Papst\nverlässt seinen Thron, wirft sich vor dem Altare auf die\nKniee und Alle mit ihm: sie sagen ein so genanntes\nnoster sub silentio,d. h. es entsteht eine Pause, während\nderen man weiss, dass jeder Katholik das Vater unser be-\ntet; und sogleich nachher fängt das an,\nsimo so:\nDas ist für mich eigentlich der schönste Moment des Gan-\nzen. Was nachher folgt, könnt Ihr Euch leicht denken;\ndiesen Anfang aber nicht wohl. Die Folge des\nvon Allegri ist eine einfache Accordfolge, aul die entweder\nTradition oder, was mir wahrscheinlicher scheint, ein ge-\nschickter Maestro Verzierungen für einige schöne Stim-\nmen und namentlich für einen sehr hohen Sopran, den er\nhatte, gegründet hat u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-26_01#c015", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "340", "page_fin": "342", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.2.3", "titre_corps": "Le Trésor des Pianistes.", "titre_sommaire": "Le Trésor des Pianistes.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.4", "debut_caractere": 3554, "fin_caractere_exclue": 4501, "texte": "Le Trésor des Pianistes.\nSo betitelt sich Sammlung von Ciavierstücken,\nderen erste Lieferung sehr schön ausgestattet in Paris\nerschienen ist.\nEs wird wohl Vielen eben so wie uns selbst ergehen:\nsie werden bei diesem pomphaften Titel an eine Verleger-\nSpeculation, an eine Sammlung französischer Salon- oder\nnoch bezeichnender Lorellen-Musik denken. Sie werden\naber eben so wie wir erstaunen, wenn sie erfahren, dass\nhier von einem wirklichen „Schatz\" für Clavierspieler\nin allem Ernste die Rede und das Ganze ein kolossales und\nsehr kostspieliges Unternehmen eines Tonkünstlers ist, dem\ndie wahre Musik am Herzen liegt.\nIlerr Aristide Farrenc veranstaltet unter Mitwir-\nkung seiner Gattin, Frau Louise Farrenc, der treffli-\nchen Ciavierspielerin und Lehrerin am Conservatoire, eine\nSammlung von ausgezeichneten Ciavierwerken der Meister\naller Länder vom XVI. bis zur Hallte des XIX. Jahrhun-\nderts, begleitet von biographischen und musikgeschicht-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5274, "texte": "liehen Einleitungen, Bemerkungen über die Vortragsweise\nu. s. w. u. s. w. Der Plan des grossen Sammelwerkes\nscheint uns allerdings etwas zu viel zu umfassen, denn von\nden Componisten des XVII. Jahrhunderts an (des „XVI.\"\nscheint wohl ein Schreibfehler zu sein) bis auf Mendelssohn\nund Chopin ist die Literatur der Ciaviermusik so über-\nschwänglich reich, dass auch mit Ausschluss alles Unclas-\nsischen doch eine solche Menge von trefflichen Werken\nübrig bleibt, dass wir nicht begreifen, wie der Herausge-\nber sie bewältigen will, da auch nur die besten unter ih-\nnen eine ganze Reihe von Folianten einnehmen würden.\nIndessen wollen wir darüber unbesorgt sein. Denn erstens\nsteht auf dem Titelblatte: Colleciion des oeuvres'choisies,\nund dadurch hat sich Herr Farrenc freilich das Recht, die\nZahl der Werke zu beschränken oder auszudehnen, vor-\nbehalten, und zweitens wird des Guten namentlich für\nFrankreich schon sehr viel erreicht, wenn auch nur die\nersten Bände, welche die ältere Ciaviermusik enthalten\nwerden, herauskommen und unsere Nachbarn mit einer\nGattung von Musik bekannt machen, deren Componisten\nsie bis jetzt kaum oder höchstens dem Namen nach ge-\nkannt haben.\nDer Plan des Ganzen zählt vierundfünfzig Compo-\nnisten auf, die durch ausgewählte Werke vertreten wer-\nden sollen, darunter z. B. die Italiäner Merulo, Fresco-\nbaldi, Bern. Pasquini, Durante, Domenico Scarlatti, Por-\npora, Marcello, Zipoli, Martini, Clement!; die Deutschen\nJoh. Kühnau, Georg Böhm, Joh. Casp. Kerl, Froberger,\nJ. S. Bach und dessen Söhne, Händel, Mattheson, Schaff-\nrath, Haydn, Mozart, Kirnberger, Albrechtsberger, Dus-\nsek, G. Benda, J. B. Cramer, Hummel, Beethoven, C. M.\nvon Weber, Mendelssohn; die Franzosen Couperin, Ra-\nmeau, Le Begue, d'Azincourt; die Engländer Will. Bird,\nGibbons, Purcell, Field; der Pole Chopin.\nDie erste Lieferung enthält: 1) die Vorrede und Ein-\nleitung (Plan der Sammlung u. s. w.); 2) Abriss der Ge-\nschichte des Claviers; 3) allgemeine Bemerkungen über\nden Vortrag; 4) Erklärung der verschiedenen Appoggia-\nturen und Verzierungen in den älteren Werken.\nDer Abschnitt über den Vortrag enthält viele\nschätzenswerthe Bemerkungen über Ton, gebundenes\nSpiel, Nuancirung, Pedalgebrauch, Stil und Tempo. Der\nHerausgeber warnt nicht nur davor, den älteren Tempo-\nBezeichnungen: Allegretto, Allegro, Presto, dieselbe Bewe-\ngung zu geben, die wir heutzutage damit verbinden, son-\ndern eifert mit vollem Rechte gegen die Uebertreibung der\nTempi, wie sie im modernen Clavierspiel Mode geworden,\nund es ist erfreulich, von einem pariser Musiker zu ver-\nnehmen, dass die maasslose Schnelligkeit den Charakter\nder classischen Musik verunstalte und entwürdige. Dass\nbei den Aufführungen in den Conservaloire-Concerten Ila-\nbeneck nicht frei von dem Vorwurf geblieben sei, für die\nUebertreibung der Tempi ein böses Beispiel gegeben zu\nhaben, ist auch von Anderen, z. B. Fetis, Schindler u. s. w.,\nschon bemerkt worden. Auch dem dieser\nmusicalischen Krankheit der heutigen Pianisten, erklärt\nFarrenc den Krieg. Er sagt ganz richtig, dass Chopin in\ndieser Beziehung einen schlimmen Einfluss auf das Clavier-\nspiel gehabt hat; was bei ihm ein charakteristischer Zug\nwar, der mit seinen romantischen Träumen auf dem Piano-\nforte zusammenhing, wurde bei seinen Nachahmern affec-\ntirte Manier, und eine verschwimmende Tactlosigkeit wurde\nwie so manche andere musicalische Unart bei den Neueren\nbeliebt. Bei den Erläuterungen über die Verzierungen\nist C. Ph. Em. Bach's „Versuch über die wahre Art, das\nCiavier zu spielen\", benutzt; besonders sorgfältig ist der\nAbschnitt über die Appoggiaturen behandelt.\nAn Musikstücken enthält die erste Lieferung zwölf\nSonaten von C. Phil. Eman. Bach, zwei Bücher Cla-\nvierstücke von llameau, sechs Sonaten von Du-\nra nie und sechs Fugen von Porpora.\n„Wie man sieht, ist bei der Beihenfolge die historische\nAnordnung nicht befolgt, denn sonst müssten Durante's\nund Rameau's (1731) Stücke den Sonaten von Bach\n(1742) vorausgehen, abgesehen davon, dass die Liste der\nzu berücksichtigenden Componisten noch ältere, als die hier\naufgenommenen, enthält. Wahrscheinlich hat der Heraus-\ngeber Bach's Sonaten an die Spitze des Ganzen gestellt,\num durch diese trefflichen Compositionen von vorn herein\ndie lebhafteste Theilnahme für sein Unternehmen anzure-\ngen*). Bei der Kritik ist ihm dies bereits vollkommen ge-\nlungen. Es ist interessant, zu lesen, mit welcher Begeiste-\nrung sich der Senior der französischen Kritiker, Fötis\nder Aeltere, über dieses Werk des deutschen Meisters\nausspricht.\n„Man suche nicht\" sagt er unter Anderem „in\nden sechs ersten Sonaten von Bach jene glänzenden Passa-\ngen, welche die Menge beklatscht; die sind nicht da. Hier\nist Musik der Gedanken und Gefühle, innige Musik fürs\nHerz. Sie ist schwer vorzutragen, denn die technische Fer-\ntigkeit reicht dazu nicht hin, wie zu der heutigen Musik;\nes kommt Alles auf die Auffassung des richtigen Charak-\nters an. Und dieser ist in jedem Stücke unendlich ver-\nschieden.\"\nDann heisst es: „Kann man etwas Schöneres, Erhe-\nbenderes, Tief-Pathetischeres hören, als das erste Allegro\nder vierten Sonate in C-molVl Man staunt, wenn man be-\ndenkt, dass so etwas vor hundert und zwanzig Jahren ge-\n\n*) Die Sammlung ist zu haben: Paris, chex M. Farrenc,\nBue Taitbout No. 10."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4073, "texte": "schrieben ist, zur Zeit, wo Haydn erst zehn Jahre alt war!\nAlles ist schön in diesem Satze: die Stimmung des Gan-\nzen, der Ausdruck der Gedanken, die Mannigfaltigkeit der\nFormen, die Harmonieen, die Wirkung der schnellen\nPassagen—man weiss nicht, was man von allem dem mehr\nbewundern soll. Und welch eine Grossartigkeit in dem\nAdagio von nur wenigen Linien! welcher Schwung, wel-\ncher Glanz in dem Presto!\"\n„Diesen grossen Charakter offenbaren dann\nvollends die sechs letzten Sonaten. Ich habe dieses Werk\nnicht gekannt, als ich C. Ph. Eman. Bach's Biographie\nschrieb; ich schäme mich dessen beinahe. Man wird von\nStaunen und Bewunderung ergriffen beim Anblicke des\nReichthums an Gedanken und der Mannigfaltigkeit des\nCharakters und der Form. Welche Kraft im ersten Satze\nder J[-mo//-Sonate! welcher Reiz im Andante, wie schöne\nMotive im Finale! Welche Hoheit in der dritten Sonate\n(E-moll)\\ welch ein pathetischer, ja, dramatischer Aus-\ndruck! Wie majestätisch ist der Charakter der fünften\n[JEs-dur) und der sechsten (H-moll), wozu bei der letzte-\nren noch eine gewisse wilde Schroffheit tritt, welche die\nSeele aufregt und unruhevoll macht. Alles ist Genie und\nschaffende Geisteskraft in diesen Sonaten.\"\nUnd zum Schlüsse die energische Apostrophe an die\nPianisten des Tages:\n„Aber verhehlen wir es uns nicht: die eingewurzelte\nFaulheit und Zerstreuung der jüngeren Musiker unserer\nZeit, ihre fabelhafte Unwissenheit in allen ernsten Dingen\nihrer Kunst, ihre gemeinen Neigungen zu den läppischen\nFlachheiten der Tagesmode, welche sie für Musik halten,\nendlich die Dürre im ausgetrockneten Herzen, welche die\nallgemeine Anbetung des goldenen Kalbes erzeugt hat\ndas alles wird sich dem Erfolg des kühnen Unternehmens\ndes wackeren Herausgebers entgegenstemmen. Wenig-\nstens für den ersten Augenblick; allein die Zeit wird kom-\nmen, in der man des bloss sinnlichen Genusses durch die\nMusik überdrüssig wird, in der man die Tonkunst nicht\nmehr bloss für eine Dienerin der Lust hält und von ihr\nnichts weiter als Amüsement verlangt.\"\nDazu sagen wir von ganzem Herzen Amen beson-\nders wenn wir auch aus den deutschen Verlagshandlungen\nallwöchentlich immer dickere Stösse von „läppischen Flach-\nheiten, welche die Leute für Musik halten\", hervorgehen\nsehen.\nDie Stücke von Rameau haben die Form der Tänze\nund Rondo's, welche der Ciaviermusik vor der Ausbildung\nder Sonate eigen waren. Auch ihre Ueberschriften sind\nmeist den damaligen Modetänzen entnommen, doch spielen\neinige schon in das Gebiet der neueren Charakteristik,\nwenn überhaupt eine solche dadurch zu erzielen ist, hin-\nüber, z. B. La Poule, Le Tamb (wel-\nches denn also wohl die Urgrossmutter der Menge von\n„Zigeunerinnen\" und „Zigeunern\" in der Gesang- und\nCiaviermusik sein dürfte!),\nTriomjrfiante u. s. w. „Das alles war schon einmal da.\"\nEs sind allerliebste Sachen darunter; auch erinnern wir\nuns eines ähnlichen reizenden Stückes von Rameau, wel-\nches Frau Szarvady-Clauss in ihrer letzten Soiree in Köhl\nmit ausserordentlichem Beifalle vortrug. Dabei sind es vor-\ntreffliche Uebungen im gebundenen Spiel und desshalb\nmitunter nicht eben leicht.\nBei den Sonaten von Durante darf man den Titel\nSonaten auch nicht genau nehmen, d. h. nicht in seiner\nspäteren Bedeutung. Die älteren Italiäner nannten alles,\nwas als Musikstück auf einem Instrumente gespielt wurde,\nuna siionata, ein Spielstück. Ein Theil der hier aufgenom-\nmenen sind eine Art von Etüden in contrapunktischem\nStil, zum Theil schwierig; die übrigen sind kürzere, ein-\nfache, meist originelle Stücke.\nDie Fugen von Porpora sind mehr fugirte und imi-\ntirende Präludien, als wirkliche Fugen. Sie sind im Grunde\ndoch mehr historisch interessant, als von absolutem musi-\ncalischem Werthe.\nIm Ganzen ist dem Unternehmen allgemeine Unter-\nstützung zu wünschen, welche ihm bei der prachtvollen\nAusstattung der Ausgabe, dem wirklichen musicalischen\nWerthe der aufgenommenen Werke, ihrer Wichtigkeit\nfür diö Geschichte der Kunst und der Entwicklung der\nFormen der Ciaviermusik, und endlich auch ihrer Selten-\nheit wegen sicherlich auch nicht fehlen werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-26_01#c016", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "342", "page_fin": "343", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.2.4", "titre_corps": "Die neue Orgel in der St.-Ursula-Kirche in Köln.", "titre_sommaire": "Die neue Orgel in der St.-Ursula-Kirche in Köln.", "signature_source": "L. 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Die Orgel ent-\nhält folgende Register:\nHaupt-M a n u a 1.\nPrincipal 16 Fuss.\nBordun 16 Fuss.\nOctav 8 Fuss,\nGamba 8 Fuss.\nFlanto major 8 Fuss.\nOctav 4 Fuss."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2827, "texte": "Quinte 22/3 Fuss.\nS. Octav 2 Fuss.\nGross Cornett fünffach.\nMixtur sechsfach.\nTrompete 8 Fuss.\nZweites Manual.\nPrincipal 8 Fuss.\nLieblich Gedact 8 Fuss.\nViola di bractio 8 Fuss.\nOctav 4 Fuss.\nFlauto traverso4 Fuss.\nS. Octav 2 Fuss.\nBasselhorn 8 Fuss.\nClarinett 8 Fuss.\nPositiv (Echo).\nHohlflöte 8 Fuss.\nQuintatön 8 Fuss.\nFlauto dolce 4 Fuss.\ndornet dreifach.\nFernflöte 8 Fuss.\nVax humanaB Fuss.\nPedal (zwei Octaven).\nContrabass 16 Fuss.\nSubbass 16 Fuss.\nPrincipal 8 Fuss.\nFlöte 8 Fuss.\nPosaune 16 Fuss.\nTrompete 8 Fuss.\nClairon 4 Fuss.\nNebenzüge.\nExpression des Haupt-Manuals.\nExpression des Pedals.\nDecrescendo zum dritten Ciavier.\nKoppel zum zweiten Ciavier.\nKoppel zum Pedal.\nTremulo zum dritten Ciavier.\nIm Ganzen 38 Züge. - Die Orgel hat 2050 Metall-\nPfeifen und nur 117 Holz-Pfeifen; zusammen also 2167\nPfeifen.\nDas Haupt-Manual und das Pedal haben Kegelladen.\nDie Expressiv-Züge, oder besser: Collectiv-Züge, unter-\nscheiden sich von den französischen dadurch, dass räch dem\nAbstossen jedes Register stehen bleibt, welches man vorher\nzum piano auswählte. Sämmtliche Registerzüge bewegen\nsich leicht, wie bei einem Harmonium, und die Spielart\nist ebenfalls auffallend leicht. Sie beträgt auf dem grossen\nManual 10 Loth, auf dem zweiten Manual 8 Loth und\nauf dem dritten Manual 6 Loth per Taste. Der Wind\nwird durch drei grosse Faltenbälge erzeugt und von da\ndurch die Magazinbälge in verschiedenen Graden zu den\nLaden geführt. Die Koppeln, so wie die Schleifen der\nVentil-Laden werden durch pneumatische Hebel bewegt.\nHerr Sonreck war auch der Erste, welcher die pneu-\nmatische Spielmaschine in der Rheinprovinz praktisch an-\nwandte, und zwar an der Dom-Orgel zu Aachen im Jahre\n1856. „ k* g ; j m ü 9*;\nDas Orgelwerk in der St.-Ursula-Kirche ist das zwei-\nund fünfzigste, welches aus Sonreck's Werkstatt her-\nvorgegangen. Im Jahre 1856 lieferte er ein neues Werk\nnach Kiew in Russland und 1859 eines nach Oesterreich\nin die Radetzky-Capelle bei Wien. Die Orgel in der Apol-\nlinaris-Kirche bei Remagen ist im Jahre 1855 ebenfalls\nvon ihm gebaut.\nWir haben uns durch eine sorgfältige Prüfung der\nneuen Orgel in St. Ursula und durch die meisterhaften\nVorträge des Herrn van Eyken, Organisten in Elberfeld,\nder die Vorzüge derselben trefflich zur Geltung brachte,\nüberzeugt, dass Herr Sonreck im Orgelbau durch Verfol-\ngung der neueren Verbesserungen in diesem Fache bedeu-\ntende Fortschritte gemacht hat, die ihm sehr zur Ehre\ngereichen. Mehrere einzelne Stimmen sind vorzüglich ge-\nlungen, einige nach eigentümlicher Construction, wie z. ß.\ndie Viola di braccio,und die Wirkung des vollen Werkes\nist sehr mächtig und klangvoll, was wohl hauptsächlich der\nAnwendung der Kegelladen im Pedal und Haupt-Manual\nzuzuschreiben ist. (Man vergleiche in Bezug hierauf Herrn\nSonreck's eigenen Aufsatz in Nr. 39 dieses Blattes.)\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-26_01#c017", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "343", "page_fin": "344", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.2.5", "titre_corps": "Grstes Gesellschasts-Concert in Küln im Gürzenich. unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Grstes Gesellschasts-Concert in Küln im Gürzenich. unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.7", "debut_caractere": 2829, "fin_caractere_exclue": 3948, "texte": "Grstes Gesellschasts-Concert in Küln im Gürzenich.\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag den 22. October 1861.\nDie Eröffnung der Winter-Concertzeit fand am 22. d. Mts. durch\ndie Aufführung der „Schöpfung\" von Jos. Haydn vor einem\nsehr zahlreichen und höchst eleganten Publicum Statt. Die Theil-\nnahme an den Abonnements-Concerten, deren für dieses Mal zehn\nbestimmt sind, hält sich auf der Höhe der vorigen Jahre, ja, sie ist\nnoch immer im Steigen begriffen. Es sind an 1100 numerirte Plätze\nabonnirt. Der Chor füllte die Sitze auf der geräumigen Tonbühne\nin dichten Reihen und scheint, besonders auch an Männerstimmen,\ngegen vorigen Winter noch zugenommen zu haben; im Orchester\nhaben die Violinen und das ganze Saiten-Quartett an Ton und Kraft\ngewonnen.\nMit diesen Mitteln konnte die Aufführung, obwohl es die erste\nwelche die getheilten Kräfte wieder zu einem Ganzen verei-\nnigte, unter der energischen Leitung Hiller's nicht misslingen, und\ngewährte besonders in den grossen Gesammtstücken des herrlichen\nWerkes einen köstlichen» Genuss, den der volle Saal zu würdigen\nwusste."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1352, "texte": "Die Soli sangen Fräulein Büsch gen aus Crefeld, welche\nerst zwei Tage vor der Aufführung die Sopran-Partieen des Gabriel\nund der Eva übernommen hatte, da Frau Rübsahmen-Veith in Kassel\ndurch Unwohlsein verhindert wurde, ihrem Engagement für unser\nConcert nachzukommen; Herr Karl Schneider aus Wiesbaden\nund Herr Gottfried Becker aus Mannheim. Fräulein Büsch-\ngen hat eine recht wohllautende, in der Höhe besonders einneh-\nmende Stimme und wird bei fortgesetzten Studien und kunstgemäs-\nser Ausbildung ihrer guten Anlagen immer grössere Ruhe und Sicher-\nheit in der Coloratur erlangen, so dass sie, zumal wenn etwas mehr\nWärme im Vortrage hinzutritt, was jetzt noch durch eine gewisse\nganz natürliche Befangenheit verhindert wird, eine Zukunft als\nKünstlerin haben wird. Herr Schneider sang wie immer, d. h. mit\nschönen Mitteln, ganzem Verständniss seiner Aufgabe und höchst\ngebildetem Vortrage. Herr Becker, mit einerfrischen, klangvollen,\nsympathischen Stimme begabt, brachte besonders in der Partie des\nRaphael die Vorzüge derselben zur Geltung und zeigte einen sehr\nerfreulichen Fortschritt in seiner Ausbildung zum Sänger. Die Ein-\nfachgeit und Anspruchslosigkeit des Vortrages war der Würde des\nGegenstandes in den Arien ganz angemessen, während in die Reci-\ntative und in die Partie des Adam etwas mehr Farbe und Wärme\nhätte gelegt werden können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-10-26-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-10-26_01#c018", "volume": "bmtnabi_1861-10-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "344", "page_fin": "344", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.8", "debut_caractere": 1354, "fin_caractere_exclue": 3789, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n£4olil* Der kölner Männer-Gesangverein, dessen Pro-\ntectorat Se. Majestät der König unter huldvoller Anerkennung\nder Leistungen desselben und Uebersendung der grossen goldenen\nMedaille für Kunst Allergnädigst zu übernehmen geruht haben,\nwird am 5. November ein grosses Concert veranstalten, in wel-\nchem die beiden besten Compositionen für das deutsehe Sängerfest\nin Nürnberg, F. Hiller's Cantate: „Das Vaterland\" von Wolfg.\nMüller, und Franz Lachner's „Sturmesmythe\" von Lenau,\nzur Aufführung kommen werden. Ausserdem werden wir die ausge-\nzeichnete Violinspielerin Fräulein Amalie Bido hören und zwei\nOuvertüren, ausgeführt vom Concert-Orchester.\nWien« Die Sing-Akademie hat am 14. d. Mts. ihre General-\nVersammlung abgehalten und die jährliche Wahl ihres Comite's vor-\ngenommen. Gewählt wurden mit 81 Stimmen von 82 Anwesenden\nij\nFürst Georg Czartoryski als Vorstand und Herr Stegmayer\nals Chormeister; ferner Herr Schulz als Cassirer, Herr Martin\nals Schriftführer, und als Comite-Mitglieder die Herren Dr. Breu-\nnings Dr. Egg er, Krenn, Dr. A. Schmidt und Dr. Scholz.\nVom früher bestandenen „Bach-Verein\", den der verstorbene\nFischhof im Mauthner'schen Hause gegründet, und den Herr Sel-\nmar Bagge später fortzusetzen versucht hatte, waren sowohl bei Fr.\nv. Mauthner als auch bei Herrn Bagge eine Anzahl werthvoller Mu-\nsicalien unbenützt verblieben. Die genannte Gönnerin der ernsten\nKunstbestrebungen ist seither gestorben, und die v. Mauthner'schen\nErben haben jenen Musicalienschatz, bestehend aus den zehn bisher\nausgegebenen Bünden der Bach-Ausgabe und anderen werthvollen\nmusicalischen Werken und Schriften, der Sing-Akademie als Ge-\nschenk Übermacht. Dem zufolge hat auch Herr Bagge sich veran-\nlasst gefunden, die bei ihm aufbewahrte übrige Bibliothek des Bach-\nVereins, ebenfalls aus sehr kostbaren Werken bestehend, demselben\nInstitute zuzuwenden.\nParis. Der elektrische Metronom, mit welchem bei den\nBerlioz'scheu Concerten schon gelungene Versuche gemacht wurden»\nwird jetzt in der grossen Oper eingeführt. Der Mechanismus, wel-\ncher vom Capellmeister mittels eines Tastenwerkes mit der linken\nHand dirigirt wird, communicirt mit einem Apparate, der ein Tact-\nstäbchen in Bewegung setzt. Der praktische Zweck dieser Vorrich-\ntung ist die Erzielung genau übereinstimmender Tactangabe für hin-\nter der Scene gleichzeitig mit dem Orchester mitwirkende Chöre,\nMilitärmusik, Orgel u. dgl. •"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik der heiligen Woche in Rom. Von F. Mendelssohn Bartlioldy. (Schluss.) Die\nneue Orgel in der St.-Ursula-Kirehe in Köln. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhahuri-.s-\nblatt (Köln, Concert des kölner Männer-Gesangvereins Wien, Sing-Akademie, Bach-Yerein Paris, der elektrische Metronom).\n\nDie Musik der heiligen Woche in Rom.\nVon F. Mendelssohn Bartholdy.\n(Schluss. S. Nr. 42)\nAm Donnersag um 10'/2 Uhr war feierliche Messe.\nSie sangen eine achtstimmige von Fazzini, die eben nichts\nMerkwürdiges enthielt. Mehrere Canti fermi und Anti-\nphonen, die ich da nachgeschrieben, behalte ich mir vor,\nund die Ordnung des Gottesdienstes, mit Gründen dafür,\nbesagt das Büchlein. Beim Gloria in excelsis werden alle\nGlocken in Rom geläutet, und dann nicht wieder, bis nach\ndem Charfreitag. Die Stunden werden von den Kirchen\nbezeichnet, indem man mit Hölzern gegen einander klap-\npert. Es machte sich schön, dass die Worte des Gloria,\ndie das Signal zum tollen Lärm geben, vom alten Cardi-\nnal Pacca mit schwacher, zitternder Stimme vom Altare\ngesungen wurden, worauf dann alle Glocken und der Chor\neinfielen. Sie legten nach dem Credo das Fratres ego enirn\nvon Palestrina ein, sangen es aber ohne alle Achtung und\nsehr roh. Die Fusswaschung der Pilger, die dann folgt,\nmit der Procession, wo auch die Sänger mitgehen, Baini\naus einem grossen Buche, das vor ihm getragen wird, Tact\nschlagend und bald dem Einen, bald dem Anderen win-\nkend, die Sänger um die Noten gedrängt, im Gehen pau-\nsirend, eintretend, der Papst auf seinem Prachtsessel ge-\ntragen u. s. w., habe ich schon den Eltern beschrieben.\nAm Abende waren wieder die Psalmen, Lamentationen,\nLectionen und das Miserere,wie den vorigen Tag, mit\nwenigem Unterschiede. Eine Lection wurde nach einer\neigenen Melodie, die ich Ihnen mitbringe, von einem So-\npran ganz allein vorgetragen. Es ist Adagio, in langen No-\nten, dauert gewiss über eine Viertelstunde; die Stimme ist\nganz ohne den mindesten Halt, und der Gesang liegt sehr\nhoch; dennoch wurde Alles mit der klarsten, reinsten,\nfestesten Intonation ausgeführt; der Sänger sank nicht um\nein Komma, liess die letzten Töne eben so egal und rund\nanschwellen und abnehmen, wie die im Anfange; es war\nein Meisterstück. Mir fiel auf,-wie sie das Wort Appoggia-\ntur gebrauchen. Geht z. B. die Melodie von c nach d, oder\nvon cnach e,so singen sie:\noder:\noder:\nund diesen Vorschlag nennen sie appoggiatura; es heisse\nübrigens, wie es wolle, so macht es sich fatal, und man\nmuss sich sehr daran gewöhnen, um nicht ganz gestört zu\nwerden durch diese sonderbare Art, die mich sehr an un-\nsere alten Frauen in der Kirche erinnerte. Ausserdem war,\nwie gesagt, die Folge dieselbe. Ich hatte aber im Büchlein\nvorausgesehen, dass das Tenebrae vorkommen würde, und\nda ich mir dachte, es würde Sie interessiren, zu erfahren,\nwie man es in der päpstlichen Capelle singt, so sass ich\nmit gespitztem Bleistift auf der Lauer, bis es herankam,\nund schreibe Ihnen hier die Hauptstellen (sie sangen es\nübrigens wieder ganz schnell, durchaus ohne die\ngeringste Ausnahme). Der Anfang war:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.2", "texte": "Ich kann mir einmal nicht helfen: es empört mich,\nwenn ich die allerheiligsten, schönsten Worte auf so nichts-\nsagende leiermässige Töne muss abgesungen hören. Sie\nsagen, es sei Canto fermo, —es sei Gregorianisch—das ist\nall Eins. Wenn man es damals nicht anders gefühlt hat\noder nicht anders hat machen können, so können wir es\njetzt, und in den Bibelworten steht von dieser monotonen\nHandwerksmässigkeit wahrhaftig nichts; da ist Alles frisch\nund wahr und nebenbei auch so gut und natürlich ausge-\ndrückt, als möglich; warum soll denn das nun klingen wie\neine Formel? Und weiter ist doch wirklich an solchem\nGesänge nichts! Das Pater mit dem kleinen Schnörkel,\ndas meum mit dem Trillerchen, das ut quid me—das soll\nKirchengesang sein? Freilich, ein falscher Ausdruck ist\nnicht darin, denn es ist gar kein Ausdruck darin; aber\nist denn das nicht eben die rechte Entwürdigung der\nWorte? So bin ich hundert Mal wild geworden während\nder Ceremonie hier; und kamen dann die Leute und wa-\nren ausser sich, wie herrlich das doch sei, so wollte es mir\nwie ein schlechter Spass bedünken, und doch war es ihr\nErnst!\nAm Freitag früh zur Messe ist die ganze Capelle ohne\nSchmuck, der Altar entblösst, Papst und Cardinäle in\nTrauer. Nun wurde die Passion sec. Joannem gesungen,\nvon Vittoria componirt. Aber nur die Worte des Volkes\nim Chor sind von ihm; das Uebrige wird schematisch ab-\ngesungen, wovon nachher. Es kam mir zuweilen denn doch\ngar zu kleinlich und einförmig vor; mir wurde sehr bös\nzu Muthe, und eigentlich hat mir auch die ganze Sache\nmissfallen. Denn Eines von Beiden muss sein: die Fassion\nmuss uns entweder vom Priester ruhig erzählend vorgetra-\ngen werden, wie sie uns der Johannes erzählt; dann braucht\nkein Chor einzufallen: Crucifige eum. und keine Altstimme\nden Pilatus vorzustellen; oder sie muss mir vergegenwär-\ntigt werden, dass mir zu Muthe wird, als sei ich dabei\nund sähe Alles mit an. Dann muss Pilatus singen, wie er\nmag gesprochen haben; der Chor muss schreien:\nfige und das freilich nicht im Kirchentone. Aber dann ist\nes schon durch die innerste Wahrheit und durch den Ge-\ngenstand, den es vorstellt, Kirchenmusik. Dann brauche\nich keine „Nebengedanken\" bei der Musik; dann ist mir\ndie Musik nicht „Mittel, um zur Andacht zu erheben\", wie\nsie es hier wollen, sondern dann ist sie eine Sprache, die\nzu mir redet, und der Sinn ist eben durch die Worte nur\nausgedrückt,—nur in ihnen enthalten. So ist Seb. Bach's\nPassion; aber wie sie es hier singen, da ist es nur was\nHalbes, weder einfache Erzählung, noch grosse, dramati-\nsche, ernsthafte Wahrheit. Der Chor singt\nin eben so heiligen Accorden, wie „et in, terra paxu; der\nPilatus spricht nicht auf andere Weise, als der Evangelist;\nund wenn nun der Jesus immer eintritt, um doch\neine Auszeichnung zu haben, und wenn der Chor recht\ntüchtig losschreit mit seinen Kirchen-Accorden, so weiss\nman nicht, was das alles soll. Verzeihen Sie die Bemer-\nkungen, ich will nun gleich wieder historisch berichten.\nDer Evangelist also ist ein Tenor, und die Art des Reciti-\nrens ist, wie bei den Lectionen, für Komma, Frage, Punkt\neigene Schlussfälle. Der Evangelist recitirt auf d und macht\nauf einem Punkt so:\nbei einem Komma:\nund am Ende, wenn eine andere Person eintritt, so:\nDer Christus ist ein Bass, und fängt immer so an:\nDas Schema habe ich nicht herauskriegen können, obwohl\nich mehrere Stellen nachgeschrieben habe, die ich Ihnen\nzeigen kann; unter Anderem die Worte am Kreuze. Alle\nanderen Personen nun: Pilatus, Petrus, die Magd und der\nHohepriester, sind ein Alt auf mit diesem Tone:\nDie Worte des Volkes singt der Chor von oben herab,\nwährend alles Andere am Altare gesungen wird. Der\nMerkwürdigkeit wegen muss ich Ihnen das Crucifige her-\nsetzen, wie ich es mir nachgeschrieben:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.3", "texte": "Auch das „Barrabam\" ist merkwürdig; es sind lauter\nzahme Juden. Aber der Brief ist schon zu lang; also\ndas Weitere hiervon will ich verschweigen.—Es kommen\nnun die Gebete, für alle Völker und Institutionen, jedes\neinzeln genannt. Bei dem Gebete für die Juden wird aber\nnicht gekniet, wie bei den anderen, auch nicht Amen ge-\nsagt; sie belen pro perfidis Judaeis, und das Büchlein\nweiss auch hiefür eine Erklärung zu finden.—Nun kommt\ndie Anbetung des Kreuzes. Es wird in die Mitte der Ca-\npelle ein kleines Crucifix gestellt, und Alle gehen mit blos-\nsen Füssen (d. h. ohne Schuhe), fallen davor nieder und\nküssen es; während dessen werden die Improperien gesun-\ngen. Mir scheint, nach einmaligem Hören, es sei eine der\nschönsten Compositionen von Palestrina, und sie singen sie\nmit ganz besonderer Vorliebe. Es ist da eine bewunde-\nrungswürdige Zartheit und Uebereinstimmung im Vortrage\ndes Chors; sie wissen jeden kleinen Zug ins rechte Licht\nzu stellen und hervorzuheben, ohne ihn vorzudrängen; ein\nAccord verschmilzt sich sanft in den anderen. Dazu ist die\nCeremonie sehr würdig und ernsthaft; in der Capelle die\ntiefste Stille, und das immer wiederkehrende griechische\n„Heilig\" singen sie ausserordentlich schön—jedesmal mit\nderselben Sanftheit und demselben Ausdrucke. Sie wer-\nden Sich aber wundern, es geschrieben zu sehen; denn\nwas sie singen, ist so:\nSolche Sachen, wie der Anfang, wo alle Stimmen zusam-\nmen eine und dieselbe Verzierung machen, kommen sehr\noft vor, und man gewöhnt sich daran. Das Ganze macht\nsich aber wirklich herrlich; ich wollte, Sie könnten den\nTenor des ersten Chors hören, wie er das hohe a auf\nTheos nimmt; sie ziehen da den Ton so durchdringend\nund doch ganz leise hervor, dass es sehr rührend klingt.\nDies wird nun so oft wiederholt, bis alles, was in der Ca-\npelle ist, das Kreuz angebetet hat; und da diesmal der Zu-\ndrang nicht sehr gross war, so habe ich es leider nicht so\noft gehört, als ich gewünscht hätte. Aber ich konnte mir\nwohl erklären, warum die Improperien auf Göthe den\ngrössten Eindruck gemacht haben; es ist wirklich fast das\nVollkommenste, da Musik und Ceremonie und Alles im\ngrössten Einklänge sind. Es folgt nun wieder eine Proces-\nsion zur Abholung der llostie, die Abends vorher in einer\nanderen Capelle des Quirinais beim Lichte von vielen Hun-\ndert Kerzen ausgestellt und angebetet wurde. Dann schloss\nder Vormittags-Gottesdienst um 1 % Uhr (mit einer Hymne\nim Cantofermo). Abends um halb 4 Uhr fing nun wieder\ndas erste Nocturnum mit den Psalmen, Lectionen u. s. w.\nan; ich berichtigte noch Einiges, was ich nachgeschrieben,\nhörte das Miserere von Bai, und gegen Sieben ging man\ndurch den erleuchteten Vorsaal hinter den Cardinälen nach\nHause, und auch das war erlebt und vorbei. Ich habe\nIhnen die heilige Woche genau beschreiben wollen, lieber\nHerr Professor, weil es mir schöne Tage waren, wo ich\njede Stunde etwas längst Erwartetes eintreffen sah und\nkennen lernte,— weil es mich besonders freute, dass trotz\nder Spannung, trotz der vielen Reden darüber hin und her,\nlobend und tadelnd, mir das Ganze einen eben so frischen\nund lebhaften Eindruck machte, als wäre ich unabhängig\n7 o O\nund ohne Befangenheit hingekommen, und weil ich wieder\nbestätigt sah, wie das Vollkommene, und sei es auch in\nder fremdesten Sphäre, vollkommen wirkt. Mögen Sie den\nlangen Brief halb so gern lesen, wie es mir Freude ge-\nmacht hat, mir die Zeit der heiligen Woche in Rom zu-\nrückzurufen. Ihr treuer\nFelix Mendelssol)u - ß a r t h o I d y.\nZur Vervollständigung fügen wir noch einige Stellen\naus dem Briefe an die Eltern aus Horn vom 4. April\n1831 bei.\n„Die Leute haben die Ceremonien der heiligen Woche\nviel gelobt und viel getadelt, und haben, wie es wohl oft\ngeht, immer die Hauptsache zu sagen vergessen, nämlich,\ndass es ein Ganzes ist. Das ist auch das Einzige, wesshalb\nich davon erzählen will. Sonstige Beschreibungen möchten\nVater wieder an Mad. de R. erinnern, die am Ende nur\ndasselbe that, was die meisten thun, die über Musik und\nKunst schreiben, indem sie mit einer heiseren, prosaischen\nStimme bei Tische uns einen Begriff von dem klaren,\nschönen Chor in der päpstlichen Capelle geben wollte.\nViele Andere haben wieder die blosse Musik abgesondert\nund sind darüber hergefallen, weil sie der Aeusserlichkeit\nbedürfe, um zu wirken. Die mögen Recht haben; so lange\naber diese nothwendige Aeusserlichkeit da ist, und zwar\nin ihrer ganzen Vollkommenheit, so lange wirkt sie doch\neben; und so gewiss ich überzeugt bin, dass Ort, Zeit,\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.4", "texte": "Anordnung, die grosse Menschenmenge, die in grösster\nStille den Augenblick des Anfangs erwartet, das Ihrige\nzum Eindruck beitragen, so verbasst ist es mir doch, das,\nwas einmal zusammen gehört, absichtlich zu sondern, um\neinen Theil zu erhalten, den man geringschätzen kann. Es\nmüsste ein unglücklicher Mensch sein, auf den die Andacht\nund Ehrfurcht einer grossen Versammlung nicht auch\neinen andächtigen, ehrfürchtigen Eindruck machte, und\nwenn sie auch das goldene Kalb anbeteten; denn nur der\ndarf's zerschlagen, der was Besseres dafür hinstellen kann,\nüb es nun Einer dem Anderen nachsagt, ob es der ein-\nmal erlangte grosse Ruf thut, ob es bloss in der Einbil-\ndung liegt, ist einerlei; genug, man hat ein vollkommenes\nGanzes, was einen mächtigen Eindruck seit Jahrhunderten\nausgeübt hat und noch jedesmal ausübt, und davor habe\nich Ehrfurcht, wie überhaupt vor jeder wirklichen Voll-\nkommenheit. Die Sphäre zu beurtheilen, möchte ich den\nTheologen überlassen; denn was man darüber so hinsagt,\nkann doch nicht tief gehen. Mit der blossen Ceremonie ist\nes nicht abgethan; mir ist es genug, wie gesagt, dass in\nirgend einer Sphäre etwas mit Treue und Gewissenhaftig-\nkeit nach Kräften vollkommen ausgeführt werde, um Re-\nspect davor zu haben und um mich daran zu freuen.—\nDesshalb also erwartet nicht von mir eine abgemessene\nKritik über den Gesang oft hört man wahrlich kaum\nheraus, was sie singen, und freut sich nur des Klanges.\n„ Auch bei der grossen Procession mögen sie sin-\ngen, was und wie sie wollen, so macht es eine herrliche\nWirkung; und wenn es auch wahr ist, dass es sehr ein-\nförmige, ja, sogar unförmliche Hymnen sind,\nohne rechten Zusammenhang und durchaus fortmimo, so\nberufe ich mich auf den Eindruck, und den muss es auf\nJeden machen. Nach der Procession kommt das Evange-\nlium, im sonderbarsten Tone vorgetragen, und dann die\nMesse. Da muss ich denn auch meines Lieblings-Moments\nerwähnen, nämlich des Credo. Der Priester stellt sich zum\nersten Male mitten vor den Altar und intonirt nach, einer\nkleinen Pause mit seiner heiseren, alten Stimme das Seb.\nliach'sche Credo. So wie er fertig ist, stehen alle Geistli-\nchen auf, die Cardinäle verlassen ihren Sitz, treten in die\nMilte der Capelle, bilden einen Kreis, und Alle sprechen\nganz laut die Fortsetzung: Pa u. s. w.\nZugleich fällt der Chor ein und singt dieselben Worte. Als\nich das erste Mal mein wohlbekanntes:\nhörte und alle die ernsten Mönche um mich her so eifrig\nund laut zu sprechen anfingen, erschrak ich ordentlich,\nund es ist noch immer mein Lieblings-Moment. Das Sta-\nbat mater,welches sie nach dem einlegten, machte\nam wenigsten Eindruck; sie sangen es unsicher, falsch\nund kürzten es ab; die Sing-Akademie singt es ungleich\nbesser. Montag und Dinstag ist nichts, und Mittwoch um\nhalb fünf fingen die Nocturnen an. Nach dem\ncum Zachariaegehen die letzten Kerzen aus; der Papst\nverlässt seinen Thron, wirft sich vor dem Altare auf die\nKniee und Alle mit ihm: sie sagen ein so genanntes\nnoster sub silentio,d. h. es entsteht eine Pause, während\nderen man weiss, dass jeder Katholik das Vater unser be-\ntet; und sogleich nachher fängt das an,\nsimo so:\nDas ist für mich eigentlich der schönste Moment des Gan-\nzen. Was nachher folgt, könnt Ihr Euch leicht denken;\ndiesen Anfang aber nicht wohl. Die Folge des\nvon Allegri ist eine einfache Accordfolge, aul die entweder\nTradition oder, was mir wahrscheinlicher scheint, ein ge-\nschickter Maestro Verzierungen für einige schöne Stim-\nmen und namentlich für einen sehr hohen Sopran, den er\nhatte, gegründet hat u. s. w.\n\nLe Trésor des Pianistes.\nSo betitelt sich Sammlung von Ciavierstücken,\nderen erste Lieferung sehr schön ausgestattet in Paris\nerschienen ist.\nEs wird wohl Vielen eben so wie uns selbst ergehen:\nsie werden bei diesem pomphaften Titel an eine Verleger-\nSpeculation, an eine Sammlung französischer Salon- oder\nnoch bezeichnender Lorellen-Musik denken. Sie werden\naber eben so wie wir erstaunen, wenn sie erfahren, dass\nhier von einem wirklichen „Schatz\" für Clavierspieler\nin allem Ernste die Rede und das Ganze ein kolossales und\nsehr kostspieliges Unternehmen eines Tonkünstlers ist, dem\ndie wahre Musik am Herzen liegt.\nIlerr Aristide Farrenc veranstaltet unter Mitwir-\nkung seiner Gattin, Frau Louise Farrenc, der treffli-\nchen Ciavierspielerin und Lehrerin am Conservatoire, eine\nSammlung von ausgezeichneten Ciavierwerken der Meister\naller Länder vom XVI. bis zur Hallte des XIX. Jahrhun-\nderts, begleitet von biographischen und musikgeschicht-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.5", "texte": "liehen Einleitungen, Bemerkungen über die Vortragsweise\nu. s. w. u. s. w. Der Plan des grossen Sammelwerkes\nscheint uns allerdings etwas zu viel zu umfassen, denn von\nden Componisten des XVII. Jahrhunderts an (des „XVI.\"\nscheint wohl ein Schreibfehler zu sein) bis auf Mendelssohn\nund Chopin ist die Literatur der Ciaviermusik so über-\nschwänglich reich, dass auch mit Ausschluss alles Unclas-\nsischen doch eine solche Menge von trefflichen Werken\nübrig bleibt, dass wir nicht begreifen, wie der Herausge-\nber sie bewältigen will, da auch nur die besten unter ih-\nnen eine ganze Reihe von Folianten einnehmen würden.\nIndessen wollen wir darüber unbesorgt sein. Denn erstens\nsteht auf dem Titelblatte: Colleciion des oeuvres'choisies,\nund dadurch hat sich Herr Farrenc freilich das Recht, die\nZahl der Werke zu beschränken oder auszudehnen, vor-\nbehalten, und zweitens wird des Guten namentlich für\nFrankreich schon sehr viel erreicht, wenn auch nur die\nersten Bände, welche die ältere Ciaviermusik enthalten\nwerden, herauskommen und unsere Nachbarn mit einer\nGattung von Musik bekannt machen, deren Componisten\nsie bis jetzt kaum oder höchstens dem Namen nach ge-\nkannt haben.\nDer Plan des Ganzen zählt vierundfünfzig Compo-\nnisten auf, die durch ausgewählte Werke vertreten wer-\nden sollen, darunter z. B. die Italiäner Merulo, Fresco-\nbaldi, Bern. Pasquini, Durante, Domenico Scarlatti, Por-\npora, Marcello, Zipoli, Martini, Clement!; die Deutschen\nJoh. Kühnau, Georg Böhm, Joh. Casp. Kerl, Froberger,\nJ. S. Bach und dessen Söhne, Händel, Mattheson, Schaff-\nrath, Haydn, Mozart, Kirnberger, Albrechtsberger, Dus-\nsek, G. Benda, J. B. Cramer, Hummel, Beethoven, C. M.\nvon Weber, Mendelssohn; die Franzosen Couperin, Ra-\nmeau, Le Begue, d'Azincourt; die Engländer Will. Bird,\nGibbons, Purcell, Field; der Pole Chopin.\nDie erste Lieferung enthält: 1) die Vorrede und Ein-\nleitung (Plan der Sammlung u. s. w.); 2) Abriss der Ge-\nschichte des Claviers; 3) allgemeine Bemerkungen über\nden Vortrag; 4) Erklärung der verschiedenen Appoggia-\nturen und Verzierungen in den älteren Werken.\nDer Abschnitt über den Vortrag enthält viele\nschätzenswerthe Bemerkungen über Ton, gebundenes\nSpiel, Nuancirung, Pedalgebrauch, Stil und Tempo. Der\nHerausgeber warnt nicht nur davor, den älteren Tempo-\nBezeichnungen: Allegretto, Allegro, Presto, dieselbe Bewe-\ngung zu geben, die wir heutzutage damit verbinden, son-\ndern eifert mit vollem Rechte gegen die Uebertreibung der\nTempi, wie sie im modernen Clavierspiel Mode geworden,\nund es ist erfreulich, von einem pariser Musiker zu ver-\nnehmen, dass die maasslose Schnelligkeit den Charakter\nder classischen Musik verunstalte und entwürdige. Dass\nbei den Aufführungen in den Conservaloire-Concerten Ila-\nbeneck nicht frei von dem Vorwurf geblieben sei, für die\nUebertreibung der Tempi ein böses Beispiel gegeben zu\nhaben, ist auch von Anderen, z. B. Fetis, Schindler u. s. w.,\nschon bemerkt worden. Auch dem dieser\nmusicalischen Krankheit der heutigen Pianisten, erklärt\nFarrenc den Krieg. Er sagt ganz richtig, dass Chopin in\ndieser Beziehung einen schlimmen Einfluss auf das Clavier-\nspiel gehabt hat; was bei ihm ein charakteristischer Zug\nwar, der mit seinen romantischen Träumen auf dem Piano-\nforte zusammenhing, wurde bei seinen Nachahmern affec-\ntirte Manier, und eine verschwimmende Tactlosigkeit wurde\nwie so manche andere musicalische Unart bei den Neueren\nbeliebt. Bei den Erläuterungen über die Verzierungen\nist C. Ph. Em. Bach's „Versuch über die wahre Art, das\nCiavier zu spielen\", benutzt; besonders sorgfältig ist der\nAbschnitt über die Appoggiaturen behandelt.\nAn Musikstücken enthält die erste Lieferung zwölf\nSonaten von C. Phil. Eman. Bach, zwei Bücher Cla-\nvierstücke von llameau, sechs Sonaten von Du-\nra nie und sechs Fugen von Porpora.\n„Wie man sieht, ist bei der Beihenfolge die historische\nAnordnung nicht befolgt, denn sonst müssten Durante's\nund Rameau's (1731) Stücke den Sonaten von Bach\n(1742) vorausgehen, abgesehen davon, dass die Liste der\nzu berücksichtigenden Componisten noch ältere, als die hier\naufgenommenen, enthält. Wahrscheinlich hat der Heraus-\ngeber Bach's Sonaten an die Spitze des Ganzen gestellt,\num durch diese trefflichen Compositionen von vorn herein\ndie lebhafteste Theilnahme für sein Unternehmen anzure-\ngen*). Bei der Kritik ist ihm dies bereits vollkommen ge-\nlungen. Es ist interessant, zu lesen, mit welcher Begeiste-\nrung sich der Senior der französischen Kritiker, Fötis\nder Aeltere, über dieses Werk des deutschen Meisters\nausspricht.\n„Man suche nicht\" sagt er unter Anderem „in\nden sechs ersten Sonaten von Bach jene glänzenden Passa-\ngen, welche die Menge beklatscht; die sind nicht da. Hier\nist Musik der Gedanken und Gefühle, innige Musik fürs\nHerz. Sie ist schwer vorzutragen, denn die technische Fer-\ntigkeit reicht dazu nicht hin, wie zu der heutigen Musik;\nes kommt Alles auf die Auffassung des richtigen Charak-\nters an. Und dieser ist in jedem Stücke unendlich ver-\nschieden.\"\nDann heisst es: „Kann man etwas Schöneres, Erhe-\nbenderes, Tief-Pathetischeres hören, als das erste Allegro\nder vierten Sonate in C-molVl Man staunt, wenn man be-\ndenkt, dass so etwas vor hundert und zwanzig Jahren ge-\n\n*) Die Sammlung ist zu haben: Paris, chex M. Farrenc,\nBue Taitbout No. 10."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.6", "texte": "schrieben ist, zur Zeit, wo Haydn erst zehn Jahre alt war!\nAlles ist schön in diesem Satze: die Stimmung des Gan-\nzen, der Ausdruck der Gedanken, die Mannigfaltigkeit der\nFormen, die Harmonieen, die Wirkung der schnellen\nPassagen—man weiss nicht, was man von allem dem mehr\nbewundern soll. Und welch eine Grossartigkeit in dem\nAdagio von nur wenigen Linien! welcher Schwung, wel-\ncher Glanz in dem Presto!\"\n„Diesen grossen Charakter offenbaren dann\nvollends die sechs letzten Sonaten. Ich habe dieses Werk\nnicht gekannt, als ich C. Ph. Eman. Bach's Biographie\nschrieb; ich schäme mich dessen beinahe. Man wird von\nStaunen und Bewunderung ergriffen beim Anblicke des\nReichthums an Gedanken und der Mannigfaltigkeit des\nCharakters und der Form. Welche Kraft im ersten Satze\nder J[-mo//-Sonate! welcher Reiz im Andante, wie schöne\nMotive im Finale! Welche Hoheit in der dritten Sonate\n(E-moll)\\ welch ein pathetischer, ja, dramatischer Aus-\ndruck! Wie majestätisch ist der Charakter der fünften\n[JEs-dur) und der sechsten (H-moll), wozu bei der letzte-\nren noch eine gewisse wilde Schroffheit tritt, welche die\nSeele aufregt und unruhevoll macht. Alles ist Genie und\nschaffende Geisteskraft in diesen Sonaten.\"\nUnd zum Schlüsse die energische Apostrophe an die\nPianisten des Tages:\n„Aber verhehlen wir es uns nicht: die eingewurzelte\nFaulheit und Zerstreuung der jüngeren Musiker unserer\nZeit, ihre fabelhafte Unwissenheit in allen ernsten Dingen\nihrer Kunst, ihre gemeinen Neigungen zu den läppischen\nFlachheiten der Tagesmode, welche sie für Musik halten,\nendlich die Dürre im ausgetrockneten Herzen, welche die\nallgemeine Anbetung des goldenen Kalbes erzeugt hat\ndas alles wird sich dem Erfolg des kühnen Unternehmens\ndes wackeren Herausgebers entgegenstemmen. Wenig-\nstens für den ersten Augenblick; allein die Zeit wird kom-\nmen, in der man des bloss sinnlichen Genusses durch die\nMusik überdrüssig wird, in der man die Tonkunst nicht\nmehr bloss für eine Dienerin der Lust hält und von ihr\nnichts weiter als Amüsement verlangt.\"\nDazu sagen wir von ganzem Herzen Amen beson-\nders wenn wir auch aus den deutschen Verlagshandlungen\nallwöchentlich immer dickere Stösse von „läppischen Flach-\nheiten, welche die Leute für Musik halten\", hervorgehen\nsehen.\nDie Stücke von Rameau haben die Form der Tänze\nund Rondo's, welche der Ciaviermusik vor der Ausbildung\nder Sonate eigen waren. Auch ihre Ueberschriften sind\nmeist den damaligen Modetänzen entnommen, doch spielen\neinige schon in das Gebiet der neueren Charakteristik,\nwenn überhaupt eine solche dadurch zu erzielen ist, hin-\nüber, z. B. La Poule, Le Tamb (wel-\nches denn also wohl die Urgrossmutter der Menge von\n„Zigeunerinnen\" und „Zigeunern\" in der Gesang- und\nCiaviermusik sein dürfte!),\nTriomjrfiante u. s. w. „Das alles war schon einmal da.\"\nEs sind allerliebste Sachen darunter; auch erinnern wir\nuns eines ähnlichen reizenden Stückes von Rameau, wel-\nches Frau Szarvady-Clauss in ihrer letzten Soiree in Köhl\nmit ausserordentlichem Beifalle vortrug. Dabei sind es vor-\ntreffliche Uebungen im gebundenen Spiel und desshalb\nmitunter nicht eben leicht.\nBei den Sonaten von Durante darf man den Titel\nSonaten auch nicht genau nehmen, d. h. nicht in seiner\nspäteren Bedeutung. Die älteren Italiäner nannten alles,\nwas als Musikstück auf einem Instrumente gespielt wurde,\nuna siionata, ein Spielstück. Ein Theil der hier aufgenom-\nmenen sind eine Art von Etüden in contrapunktischem\nStil, zum Theil schwierig; die übrigen sind kürzere, ein-\nfache, meist originelle Stücke.\nDie Fugen von Porpora sind mehr fugirte und imi-\ntirende Präludien, als wirkliche Fugen. Sie sind im Grunde\ndoch mehr historisch interessant, als von absolutem musi-\ncalischem Werthe.\nIm Ganzen ist dem Unternehmen allgemeine Unter-\nstützung zu wünschen, welche ihm bei der prachtvollen\nAusstattung der Ausgabe, dem wirklichen musicalischen\nWerthe der aufgenommenen Werke, ihrer Wichtigkeit\nfür diö Geschichte der Kunst und der Entwicklung der\nFormen der Ciaviermusik, und endlich auch ihrer Selten-\nheit wegen sicherlich auch nicht fehlen werden.\n\nDie neue Orgel in der St.-Ursula-Kirche in Köln.\n\nDie Kirche ist eine der ältesten byzantinischen Kir-\nchen Kölns und zu Ende des zehnten Jahrhunderts erbaut.\nDas Chor und die Gewölbe des Mittelschiffes sind aus spä-\nterer Zeit. Ihre Akustik ist durch die niedrigen Seiten-\nschiffe, tiefe Lage und geringe Länge der Kirche im Ver-\nhältnisse zu ihrer Breite nicht gerade vorzüglich. Um so\nmehr gereicht der Eindruck des vollen Werkes dem Er-\nbauer, Herrn Sonreck in Köln, zur Ehre. Die Orgel ent-\nhält folgende Register:\nHaupt-M a n u a 1.\nPrincipal 16 Fuss.\nBordun 16 Fuss.\nOctav 8 Fuss,\nGamba 8 Fuss.\nFlanto major 8 Fuss.\nOctav 4 Fuss."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.7", "texte": "Quinte 22/3 Fuss.\nS. Octav 2 Fuss.\nGross Cornett fünffach.\nMixtur sechsfach.\nTrompete 8 Fuss.\nZweites Manual.\nPrincipal 8 Fuss.\nLieblich Gedact 8 Fuss.\nViola di bractio 8 Fuss.\nOctav 4 Fuss.\nFlauto traverso4 Fuss.\nS. Octav 2 Fuss.\nBasselhorn 8 Fuss.\nClarinett 8 Fuss.\nPositiv (Echo).\nHohlflöte 8 Fuss.\nQuintatön 8 Fuss.\nFlauto dolce 4 Fuss.\ndornet dreifach.\nFernflöte 8 Fuss.\nVax humanaB Fuss.\nPedal (zwei Octaven).\nContrabass 16 Fuss.\nSubbass 16 Fuss.\nPrincipal 8 Fuss.\nFlöte 8 Fuss.\nPosaune 16 Fuss.\nTrompete 8 Fuss.\nClairon 4 Fuss.\nNebenzüge.\nExpression des Haupt-Manuals.\nExpression des Pedals.\nDecrescendo zum dritten Ciavier.\nKoppel zum zweiten Ciavier.\nKoppel zum Pedal.\nTremulo zum dritten Ciavier.\nIm Ganzen 38 Züge. - Die Orgel hat 2050 Metall-\nPfeifen und nur 117 Holz-Pfeifen; zusammen also 2167\nPfeifen.\nDas Haupt-Manual und das Pedal haben Kegelladen.\nDie Expressiv-Züge, oder besser: Collectiv-Züge, unter-\nscheiden sich von den französischen dadurch, dass räch dem\nAbstossen jedes Register stehen bleibt, welches man vorher\nzum piano auswählte. Sämmtliche Registerzüge bewegen\nsich leicht, wie bei einem Harmonium, und die Spielart\nist ebenfalls auffallend leicht. Sie beträgt auf dem grossen\nManual 10 Loth, auf dem zweiten Manual 8 Loth und\nauf dem dritten Manual 6 Loth per Taste. Der Wind\nwird durch drei grosse Faltenbälge erzeugt und von da\ndurch die Magazinbälge in verschiedenen Graden zu den\nLaden geführt. Die Koppeln, so wie die Schleifen der\nVentil-Laden werden durch pneumatische Hebel bewegt.\nHerr Sonreck war auch der Erste, welcher die pneu-\nmatische Spielmaschine in der Rheinprovinz praktisch an-\nwandte, und zwar an der Dom-Orgel zu Aachen im Jahre\n1856. „ k* g ; j m ü 9*;\nDas Orgelwerk in der St.-Ursula-Kirche ist das zwei-\nund fünfzigste, welches aus Sonreck's Werkstatt her-\nvorgegangen. Im Jahre 1856 lieferte er ein neues Werk\nnach Kiew in Russland und 1859 eines nach Oesterreich\nin die Radetzky-Capelle bei Wien. Die Orgel in der Apol-\nlinaris-Kirche bei Remagen ist im Jahre 1855 ebenfalls\nvon ihm gebaut.\nWir haben uns durch eine sorgfältige Prüfung der\nneuen Orgel in St. Ursula und durch die meisterhaften\nVorträge des Herrn van Eyken, Organisten in Elberfeld,\nder die Vorzüge derselben trefflich zur Geltung brachte,\nüberzeugt, dass Herr Sonreck im Orgelbau durch Verfol-\ngung der neueren Verbesserungen in diesem Fache bedeu-\ntende Fortschritte gemacht hat, die ihm sehr zur Ehre\ngereichen. Mehrere einzelne Stimmen sind vorzüglich ge-\nlungen, einige nach eigentümlicher Construction, wie z. ß.\ndie Viola di braccio,und die Wirkung des vollen Werkes\nist sehr mächtig und klangvoll, was wohl hauptsächlich der\nAnwendung der Kegelladen im Pedal und Haupt-Manual\nzuzuschreiben ist. (Man vergleiche in Bezug hierauf Herrn\nSonreck's eigenen Aufsatz in Nr. 39 dieses Blattes.)\n\nL. B.\n\nGrstes Gesellschasts-Concert in Küln im Gürzenich.\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag den 22. October 1861.\nDie Eröffnung der Winter-Concertzeit fand am 22. d. Mts. durch\ndie Aufführung der „Schöpfung\" von Jos. Haydn vor einem\nsehr zahlreichen und höchst eleganten Publicum Statt. Die Theil-\nnahme an den Abonnements-Concerten, deren für dieses Mal zehn\nbestimmt sind, hält sich auf der Höhe der vorigen Jahre, ja, sie ist\nnoch immer im Steigen begriffen. Es sind an 1100 numerirte Plätze\nabonnirt. Der Chor füllte die Sitze auf der geräumigen Tonbühne\nin dichten Reihen und scheint, besonders auch an Männerstimmen,\ngegen vorigen Winter noch zugenommen zu haben; im Orchester\nhaben die Violinen und das ganze Saiten-Quartett an Ton und Kraft\ngewonnen.\nMit diesen Mitteln konnte die Aufführung, obwohl es die erste\nwelche die getheilten Kräfte wieder zu einem Ganzen verei-\nnigte, unter der energischen Leitung Hiller's nicht misslingen, und\ngewährte besonders in den grossen Gesammtstücken des herrlichen\nWerkes einen köstlichen» Genuss, den der volle Saal zu würdigen\nwusste."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611026-01.1.8", "texte": "Die Soli sangen Fräulein Büsch gen aus Crefeld, welche\nerst zwei Tage vor der Aufführung die Sopran-Partieen des Gabriel\nund der Eva übernommen hatte, da Frau Rübsahmen-Veith in Kassel\ndurch Unwohlsein verhindert wurde, ihrem Engagement für unser\nConcert nachzukommen; Herr Karl Schneider aus Wiesbaden\nund Herr Gottfried Becker aus Mannheim. Fräulein Büsch-\ngen hat eine recht wohllautende, in der Höhe besonders einneh-\nmende Stimme und wird bei fortgesetzten Studien und kunstgemäs-\nser Ausbildung ihrer guten Anlagen immer grössere Ruhe und Sicher-\nheit in der Coloratur erlangen, so dass sie, zumal wenn etwas mehr\nWärme im Vortrage hinzutritt, was jetzt noch durch eine gewisse\nganz natürliche Befangenheit verhindert wird, eine Zukunft als\nKünstlerin haben wird. Herr Schneider sang wie immer, d. h. mit\nschönen Mitteln, ganzem Verständniss seiner Aufgabe und höchst\ngebildetem Vortrage. Herr Becker, mit einerfrischen, klangvollen,\nsympathischen Stimme begabt, brachte besonders in der Partie des\nRaphael die Vorzüge derselben zur Geltung und zeigte einen sehr\nerfreulichen Fortschritt in seiner Ausbildung zum Sänger. Die Ein-\nfachgeit und Anspruchslosigkeit des Vortrages war der Würde des\nGegenstandes in den Arien ganz angemessen, während in die Reci-\ntative und in die Partie des Adam etwas mehr Farbe und Wärme\nhätte gelegt werden können.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n£4olil* Der kölner Männer-Gesangverein, dessen Pro-\ntectorat Se. Majestät der König unter huldvoller Anerkennung\nder Leistungen desselben und Uebersendung der grossen goldenen\nMedaille für Kunst Allergnädigst zu übernehmen geruht haben,\nwird am 5. November ein grosses Concert veranstalten, in wel-\nchem die beiden besten Compositionen für das deutsehe Sängerfest\nin Nürnberg, F. Hiller's Cantate: „Das Vaterland\" von Wolfg.\nMüller, und Franz Lachner's „Sturmesmythe\" von Lenau,\nzur Aufführung kommen werden. Ausserdem werden wir die ausge-\nzeichnete Violinspielerin Fräulein Amalie Bido hören und zwei\nOuvertüren, ausgeführt vom Concert-Orchester.\nWien« Die Sing-Akademie hat am 14. d. Mts. ihre General-\nVersammlung abgehalten und die jährliche Wahl ihres Comite's vor-\ngenommen. Gewählt wurden mit 81 Stimmen von 82 Anwesenden\nij\nFürst Georg Czartoryski als Vorstand und Herr Stegmayer\nals Chormeister; ferner Herr Schulz als Cassirer, Herr Martin\nals Schriftführer, und als Comite-Mitglieder die Herren Dr. Breu-\nnings Dr. Egg er, Krenn, Dr. A. Schmidt und Dr. Scholz.\nVom früher bestandenen „Bach-Verein\", den der verstorbene\nFischhof im Mauthner'schen Hause gegründet, und den Herr Sel-\nmar Bagge später fortzusetzen versucht hatte, waren sowohl bei Fr.\nv. Mauthner als auch bei Herrn Bagge eine Anzahl werthvoller Mu-\nsicalien unbenützt verblieben. Die genannte Gönnerin der ernsten\nKunstbestrebungen ist seither gestorben, und die v. Mauthner'schen\nErben haben jenen Musicalienschatz, bestehend aus den zehn bisher\nausgegebenen Bünden der Bach-Ausgabe und anderen werthvollen\nmusicalischen Werken und Schriften, der Sing-Akademie als Ge-\nschenk Übermacht. Dem zufolge hat auch Herr Bagge sich veran-\nlasst gefunden, die bei ihm aufbewahrte übrige Bibliothek des Bach-\nVereins, ebenfalls aus sehr kostbaren Werken bestehend, demselben\nInstitute zuzuwenden.\nParis. Der elektrische Metronom, mit welchem bei den\nBerlioz'scheu Concerten schon gelungene Versuche gemacht wurden»\nwird jetzt in der grossen Oper eingeführt. Der Mechanismus, wel-\ncher vom Capellmeister mittels eines Tastenwerkes mit der linken\nHand dirigirt wird, communicirt mit einem Apparate, der ein Tact-\nstäbchen in Bewegung setzt. Der praktische Zweck dieser Vorrich-\ntung ist die Erzielung genau übereinstimmender Tactangabe für hin-\nter der Scene gleichzeitig mit dem Orchester mitwirkende Chöre,\nMilitärmusik, Orgel u. dgl. •"}]}