{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_sha256": "1f76dfcbb29bb8b03185fbf24a9d482e4be579b55f199af6e6074b004980ba59", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/11/02_01/bmtnabi_1861-11-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 457, "texte": "Inhalt.\nReisebriefo von F. Mendelssohn Bartholdy. I. Das Kätbchcn von Heilbronn. Romantische Oper in drei Acten von W.\nKühner. Fr. Schubert's Singspiel: „Die Verschworenen oder der häusliche Krieg\", im Operntheater zu Wien. Rossini an Alphons\nRoyer. Aus Barmen (Concerte). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gesellschaft Humorrhoidaria, Karl Formes Han-\nnover, „Adlers Horst\" Stuttgart, Herr Kücken Petersburg, Errichtung eines Conservatoriums für Musik)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "348", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.2", "titre_corps": "Reisebriefe von F. Mendelssohn Bartholdy", "titre_sommaire": "Reisebriefe von F. 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Mendelssohn, wofür\nihm das Publicum nicht genug danken kann, eine Reihe\nvon Briefen seines Bruders an seine Familie zu veröffent-\nlichen, bei deren Herausgabe er freiere Hand hatte. Er\nwählte dazu die Briefe aus den Jahren 1830 bis 1832,\ndie Felix Mendelssohn von seiner Reise und seinem Auf-\nenthalte in Italien aus, dann aus der Schweiz, aus Paris\nund aus London, wo er Anfangs 1832 zum zweiten Male\nwar, an die Seinigen schrieb.\nDer erste Brief ist aus Weimar vom 21. Mai 1830\n—F. Mendelssohn war damals 21 Jahre alt—•, der letzte\naus London vom 1. Juni 1832. Im Jahre 1829 hatte er\nbereits seine erste Reise nach England gemacht und seit-\ndem eine ausserordentliche Vorliebe für London gefasst,\ndie auch in vielen Stellen seiner Briefe aus Italien durch-\nschimmert. Einige Briefe an befreundete Personen aus\ndemselben Zeiträume sind theils ganz, theils im Auszuge\nhinzugefügt, nämlich zwei an Zelter (von denen wir den\nzweiten aus Rom in Nr. 42 und 43 mitgetheilt haben),\neiner an Frau von Pereira in Wien, zwei an Eduard De-\nvrient, einer an Wilhelm Taubert, einer an Karl Immer-\nmann.\nWenn die Zeit, aus welcher diese Briefe herrühren,\nwie der Herausgeber sagt, gewisser Maassen einen in sich\nabgeschlossenen Lebensabschnitt bildet, der durch die in\nihm empfangenen Eindrücke grossen Einfluss auf Mendels-\nsohn's Entwicklung gehabt hat, so muss man doch, unbe-\nschadet der Richtigkeit jener Bemerkung, erstaunen, wie\nso Vieles in Urtheil und Gesinnung in Bezug auf Kunst\nund Leben bei dem zweiundzwanzigjährigen Jüngling schon\nso fertig ist, dass er, wenn er diese Briefe in seinen spä-\nteren Jahren gedruckt gelesen hätte, sicherlich fast nichts\ndavon hätte zurückzunehmen brauchen. Wie Wenige von\nuns dürften in demselben Falle sein, wenn ihnen in reife-\nren und reifsten Jahren Briefe aus ihrer Jünglingszeit zu\nGesicht kommen! Eben so merkwürdig ist es, dass auch\ndas musicalische Schaffen des genialen Jünglings in jener\nPeriode seinen natürlichen, selbstständigen Gang fortgeht,\nunbeirrt von Einflüssen des Augenblicks und der Umge-\nbungen, jene ausgenommen, welche die Eindrücke der\nNatur und der Monumente und die Anregungen des ge-\nselligen Lebens auf Arbeitslust und Geistesfrische im All-\ngemeinen auf ihn, wie auf jeden Menschen, äussern.\nSo schreibt er gleich im ersten Briefe aus Rom (8.\nNovember 1830): „Mir ist so ruhig und froh und ernst-\nhaft zu Muthe geworden, wie ich's Euch gar nicht be-\nschreiben kann. Was es ist, das so auf mich wirkt, kann\nich wieder nicht genau sagen; denn das furchtbare Coli-\nseum und der heitere Vatican und die milde Frühlingsluft\ntragen dazu bei, wie die freundlichen Leute, mein behag-\nliches Zimmer und Alles. Aber anders ist mir; ich fühle\nmich glücklich und gesund, wie seit Langem nicht, und habe\nam Arbeiten solche Freude und Drang danach, dass ich\nwohl noch viel mehr hier auszuführen gedenke, als ich\nmir vorgesetzt hatte; denn ich bin schon ein ganz Stück\nhinein.\"\nDer Süden und der Himmel Italiens erweitern seine\nBrust, aber Herz und Sinn sind voll von nordischem Ernste,\n\n*) Leipzig, Verlag von Hermann Mendelssohn. 1861. IV. und\n340 8. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5315, "texte": "von nordischer Tiefe des Gefühls, und mitten unter den\nherrlichen Kunstwerken Italiens weilt seine Phantasie bei\nden Anschauungen und Gebilden der Heimat und gestaltet\nsie zu Tonwerken. Es ist desshalb höchst interessant, seine\nmusicalischen Arbeiten in Italien, theils begonnene oder\nselbst nur beabsichtigte, theils vollendete, zu verfolgen.\n„Mein Lieblingswerk, das ich jetzt studire, ist Lili's\nPark von Göthe ich will ein Scherzo für eine Sym-\nphonie daraus machen.\" —Zum Geburtstage schickt er sei-\nner musicalisch hochbegabten Schwester Fanny den Psalm\nNon nobis Domine für Solo, Chor und Orchester, „sammt\nvieler anderen neuen Musik. Nun will ich die Ouvertüre\n(die Hebriden) fertig machen und dann, so Gott will, an\ndie Symphonie gehen. Auch ein Clavier-Concert fängt an,\nmir im Kopfe zu spuken.\" (16. November 1830.)\n„Der Choral „ „Mitten wir im Leben sind\" \" ist ferti g ge-\nworden und wohl eines der besten Kirchenstücke, die ich\ngemacht habe. Nach Beendigung der Hebriden denke ich\nan Salomon von Händel zu gehen und ihn für eine künf-\ntige Aufführung einzurichten mit Abkürzungen und Allem.\n[Mendelssohn gehörte also auch nicht zu denen, die es für\neinen Frevel halten, ein Oratorium von Händel für die\nAufführung abzukürzen!] Sodann denke ich die Weih-\nnachtsmusik: „ „ Vom Himmel hoch\"\", und\nphonie zu schreiben,—vielleicht einige Sachen fürs Cia-\nvier und ein Concert u. s. w., wie es gerade kommen will.\nDabei vermisse ich freilich sehr, dass ich keinen Bekann-\nten habe, dem ich das Neue mittheilen kann—der mit in\ndie Partitur zu kucken versteht, so dass ich ein Stück,\nwenn es fertig ist, in den Kasten legen muss, ohne dass\nsich Einer daran freut. Darin bin ich in London verwöhnt\nworden.\" (Den 23. November.)\nBald darauf ein Ave Maria in A-dur für Tenor und\nChor, und der Choral: „Aus tieferNoth\".— „Die Hebriden\nsind endlich fertig und ein sonderbares Ding geworden\nganz wunderlich. (Den 20. December 1830.) Zu Weih-\nnachten denke ich mir den Luther'schen Choral zu com-\nponiren, denn dieses Mal werde ich ihn mir allein machen\nmüssen.\" —„lch kann hier kein Lied machen; wer soll es\nmir singen? Aber eine grosse Fuge mach' ich: „„Wir\nglauben all'\"\", und singe selbst dazu.\"\n„Ich bin mit der Einrichtung vom Salomon und mit\nmeinem Weihnachtsliede, das aus fünf Nummern besteht,\nschon fast fertig; ich habe aber doch noch die beiden\nSymphonieen, die sich mir immer lebendiger gestalten und\ndie ich gar gern hier in Rom beendigen möchte.\" (Den\n17. Jan. 1831.)\nAn Fanny. „Höre und staune! Die erste Walpurgis-\nnacht von Göthe habe ich seit Wien halb componirt, und\nkeine Courage, sie aufzuschreiben. Nun hat sich das Ding\ngestaltet, ist aber eine grosse Cantate mit ganzem Orche-\nster geworden und kann sich ganz lustig machen; denn\nim Anfange gibt es Frühlingslieder und dergleichen vollauf;\n—dann, wenn die Wächter mit ihren Gabeln und Zacken\nund Eulen Lärm machen, kommt der Hexenspuk dazu,\nund Du weisst, dass ich für den ein besonderes faible\nhabe; dann kommen die opfernden Druiden in C-dur mit\nPosaunen heraus, dann wieder die Wächter, die sich\nfürchten, wo ich dann einen trippelnden, unheimlichen\nChor bringen will; und endlich zum Schlüsse der volle\nOpfergesang meinst Du nicht, das könne eine neue Art\nvon Cantate werden? Eine Instrumental-Einleitung habe\nich umsonst, und lebendig ist das Ganze genug. Bald,\ndenke ich, soll es fertig sein. Ueberhaupt geht es mit dem\nComponiren jetzt wieder frisch. Die italiänische Sympho-\nnie macht grosse Fortschritte; es wird das lustigste Stück,\ndas ich gemacht habe, namentlich das letzte; fürs Adagio\nhabe ich noch nichts Bestimmtes, und glaube, ich will es\nmir für Neapel aufsparen. „„Verleih' uns Frieden\"\" ist\nfertig, und „ „Wir glauben all'\"\" wird es dieser Tage;\nnur die schottische Symphonie kann ich noch nicht recht\nfassen; habe ich in dieser Zeit einen guten Einfall, so will\nich gleich darüber her und sie schnell aufschreiben und\nbeendigen.\" (Den 22. Februar 1831.)\nDann vom 1. März 1831: „Indem ich das Datum\nschreibe, wird mir bange bei dem Gedanken, wie die Zeit\nverfliegt. Ehe der Monat zu Ende ist, fängt die heilige\nWoche an, und nach der heiligen Woche bin ich in Rom\nam längsten gewesen. Nun denke ich nach, ob die Zeit\nrecht benutzt war, und es fehlt mir an allen Ecken. Wenn\nich nur noch die eine von den beiden Symphonieen hier\nfassen könnte! Die italiänische will und muss ich mir auf-\nsparen, bis ich Neapel gesehen habe, denn das muss mit\nspielen; aber auch die andere läuft weg, je näher ich ihr\nkommen möchte; und je näher das Ende dieser römischen,\nruhigen Zeit heranrückt, desto befangener werde ich, und\ndesto weniger will es gehen. Mir ist, als würde ich lange\nnicht wieder so zum behaglichen Schreiben kommen, wie\nhier, und da möchte ich gern noch Alles fertig machen.\nDas geht aber nicht; nur die Walpurgisnacht rückt schnell\nvor und ist bald beendigt, hoff' ich.\"\nWelch eine rastlos schaffende Thätigkeit während der\nfünf Monate in Rom!\nAm 5. April verliess Mendelssohn Rom. Der erste\nBrief aus Neapel ist an seine Schwester Rebekka und\nvom 13. April 1831. Es heisst darin in Bezug auf die\nmusicalischen Arbeiten: „Zu einem ernsthaften, ruhigen\nGedanken habe ich noch nicht kommen können; das Ding\nist gar zu lustig um mich her; es fordert zum Nichtstbun\nund Nichtsdenken auf, und schon das Beispiel so vieler"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5440, "texte": "Tausend Menschen treibt unwiderstehlich dazu an. Ich\nnehme mir zwar vor, dass es bald anders werden soll, aber\ndie ersten Tage wird es schon so fortgehen müssen, das\nsehe ich. Ich stehe jetzt stundenlang auf meinem Balcon\nund gucke den Vesuv und den Golf an.\"\nDoch schon am 27. April schreibt er: „Ich habe mich\nmit Eifer auf die Walpurgisnacht geworfen.\" Also vom\nVesuv auf den Brocken versetzt! Es liegt darin ein grösse-\nrer Beweis für musicalisches Genie, als man denkt.\nMendelssohn fährt dann fort: „Das Ding hat mich immer\nmehr interessirt, so dass ich nun jede freie Minute benutze,\num daran zu arbeiten. In wenig Tagen soll es fertig sein,\ndenke ich, und es kann ein ganz lustiges Stück werden.\nBleibe ich so im Zuge, wie jetzt, so mache ich auch noch\ndie italiänische Symphonie in Italien fertig.\"—Nach einer\nSchilderung neapolitanischer Bettelei und schlechter Musik\nschliesst der Brief: „Ich muss aber zu meinen Hexen zu-\nrück; verzeiht, wenn ich für heute aufhöre. Der ganze\nBrief schwebt eigentlich in Ungewissheit, oder vielmehr\nschwebe ich darin, ob ich die grosse Trommel dabei neh-\nmen darf oder nicht; Zacken, Gabeln und wilde Klapper-\nstöcke treiben mich eigentlich zur grossen Trommel, aber\ndie Mässigkeit räth mir ab. Ich bin auch gewiss der Ein-\nzige, der den Blocksberg ohne kleine Flöte componirt; aber\num die grosse Trommel thäte mir es leid, und ehe Fanny's\nRath ankommt, ist die Walpurgisnacht fertig und einge-\npackt, ich fahre schon wieder durchs Land, und Gott\nweiss, wovon dann die Rede ist. Ich bin überzeugt, Fanny\nsagt Ja, aber ich bin doch unschlüssig. Grosser Lärm\nmuss auf jeden Fall gemacht werden. O Rebekka! kannst\nDu mir nicht einige Liedertexte schaffen und schicken?\nmir ist sehr danach zu Muthe, und Du musst wieder was\nNeues zu singen haben. Wenn Du mir hübsche Verse\nschicken kannst, alte oder neue, lustige, oder saure, oder\nsauersüsse, so schiebe ich sie Dir in Deine Stimme hinein.\nFür sonstige Bestellungen stehe ich zu Diensten. Ich bitte\nDich, schaffe mir was zu arbeiten, für die Reise, in den\nWirthshäusern. Nun aber lebt alle wohl und denkt mein.\"\nIn dem Briefe aus Mailand vom 14. Juli 1831\nschreibt er in der heitersten Stimmung über seinen dorti-\ngen Aufenthalt, der ihm besonders durch die freundliche\nAufnahme, die er im Hause des Generals von Ertmann\nfand, und durch die Bekanntschaft mit dessen Gattin Do-\nrothea, welcher Beethoven bekanntlich seine .A-<Äzr-So-\nnate gewidmet hat, sehr lieb geworden war. Auch „Herrn\nMozart's Bekanntschaft, der dort Beamter, eigentlich aber\nein Musiker ist dem Sinne und Herzen nach\", war ihm\n„eine sehr liebe\".— Hier in Mailand wurde die Walpur-\ngisnacht fertig bis auf die Ouvertüre, „von der ich noch\nnicht weiss, ob ich eine grosse Symphonie oder eine\nkurze Frühlings-Einleitung mache. Hierüber möchte ich\neinen Gelehrten hören. Nun ist das Ende besser cewor-\nden, als ich mir selbst gedacht hatte. Das Ungethüm und\nder bärtige Druide mit seinen Posaunen, die hinter ihm\nstehen und tuten, macht mir königlichen Spass, und so\nbrachte ich ein paar Morgen sehr glücklich zu.\"\nIn dem letzten Briefe aus Italien, von der Isola bel-\nla, den 24. Juli 1831, kommt er noch einmal darauf zu-\nrück: „Die Walpurgisnacht ist fertig und ausgeputzt; auch\ndie Ouvertüre wird wohl bald so weit sein. Der einzige\nMensch, der es bis jetzt kennt, ist Mozart, und der hatte\nso viel Freude daran, dass mir die gewohnten Sachen auch\nwieder neuen Spass machten; er wollte durchaus, ich solle\nes gleich drucken lassen.\"\nUnd doch erschien es erst viel später, als vierundvier-\nzigstes Werk des Meisters.\nUm über die Einwirkung der italiänischen Reise auf\nMendelssohn's Entwicklung als Künstler zum Abschluss zu\nkommen, gibt er uns selbst die deutlichsten Winke, haupt-\nsächlich an zwei Stellen des Buches. Zuerst in dem Briefe\naus Neapel vom 17. Mai 1831 :\n„Ich bin an Eindrücken und Erfahrungen sehr viel\nreicher, war auch fleissig in Rom und hier; aber Aeusser-\nliches ist nichts geschehen. Darum ist mir aber doch die\nZeit nicht weniger lieb, als andere, wo ich äusserlich und\nin der Meinung der Leute vorwärts kam; denn das hängt\ndoch immer zusammen. Habe ich was Rechtes erlebt, so\nwird es schon auch nach aussen wirken, und ich will ge-\nwiss keine Gelegenheit dazu vorübergehen lassen. Hoffent-\nlich wird diese auch noch vor Ende dieser Reise ein paar\nMal kommen; desshalb kann ich die Monate, die mir noch\nfür Italien bleiben, fortfahren, die Natur und den blauen\nHimmel zu geniessen, ohne an was Anderes zu denken.\nNur da ist jetzt die Kunst von Italien,—da und in Monu-\nmenten; aber da bleibt sie auch ewig, und da wird unser\neins zu lernen und zu bewundern finden, so lange der\nVesuv stehen bleibt und so lange die milde Luft und das\nMeer und die Bäume nicht vergehen. Trotz dessen bin ich\nStock-Musiker genug, um mich herzlich wieder einmal\nnach einem Orchester oder einem vollen Chor zu sehnen.\nEs ist doch auch Klang darin, und solchen gibt's hier\nnicht; das ist jetzt unsere Sache geworden, und wenn\nman so lange ganz ohne dieses Element hat sein müssen,\nso fehlt es einem sehr. Die Glorie vom „ „Lande der\nMusik\"\" kann Italien nicht behalten; in der That hat es\nsie schon verloren. Die Zeit, wo jeder Italiäner gebore-\nner Musiker war, ist, wenn sie jemals gewesen, lange vor-\nbei. Sie behandeln es wie jeden Mode-Artikel, kalt, gleich-\ngültig, kaum mit dem Interesse des äusseren Auslandes,\nund da ist es nicht zu verwundern, wenn jedes einzelne\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Talent, wie es aufkommt, gleich in die Fremde zieht, wo\nes besser anerkannt, besser an seinen Platz gestellt wird\nund was Ordentliches, Herzstärkendes hören und lernen\nkann.\"\nDann am Schlüsse des Briefes aus Mailand vom 14.\nJuli 1831: „Die Deutschen wollen par force hier singen,\nspielen, Gedanken bekommen, und sagen, Italien sei das\nLand der Begeisterung, während ich behaupte, es gebe\nüberhaupt kein Land der Begeisterung, sondern diese fliege\nin der Luft herum.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "348", "page_fin": "349", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.3", "titre_corps": "Das Käthchen von Heilbronn.", "titre_sommaire": "Das Käthchen von Heilbronn.", "signature_source": "F. L. (W. Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.4", "debut_caractere": 468, "fin_caractere_exclue": 5091, "texte": "Das Käthchen von Heilbronn.\nRomantische Oper in drei Acten, von W. Kühner.\n\nAus Wiesbaden, 20. October 1861.\n„Der Wagende gewinnt\", sagt man, und „Dem Küh-\nnen lächelt das Glück\".—Kühn ist der, welcher im trotzi-\ngen Vertrauen auf erprobte Kraft die Gefahr nicht\nscheut; kühner der, welcher, ohne seine Stärke zu ken-\nnen, den Erstlingskampf mit dem riesigen Gegner auf-\nnimmt. Kühner ist der, der eine Oper schreibt, ohne\nWerke geringerer Gattung vorher dem Publicum gezeigt\nzu haben, der aber trotzdem der maliciösen Gegnerin,\nöffentliche Meinung genannt, munter und naiv zum ersten\nMale ins Auge schaut. Und in der That, es ist ein gewis-\nser Zauber darin, einem Muthigen zuzusehen. Wenn er\nallerdings der Lächerlichkeit verfällt, nachdem er bewie-\nsen, dass gar keine Mittel seine Vermessenheit rechtfertig-\nten, so ist man umgekehrt gar leicht geneigt, jeden Vor-\ntheil, den er mit ungeübten Kräften erkämpft hat, mit\ngünstigem Auge zu verfolgen, ja, durch Applaudiren und\nZuwinken seinen Muth noch anzustacheln.\nBei dem oben genannten Werke wird das der Stand-\npunkt sein, von welchem aus die Beurtheilung ihre freiesten\nund unbefangensten Blicke werfen kann; jeder andere\nStandpunkt, der vielleicht durch Rücksichten auf gewisse\nVerhältnisse, die weiter unten ihre Besprechung finden\nsollen, getragen würde, widerstrebt der Würde der Kritik\nund möchte für den Componisten beleidigend sein.\nZuvörderst erlaube mir der geehrte Leser die Bemer-\nkung, dass er sich ja nicht einbilden solle, eine Oper zu\nschreiben, sei eine Kleinigkeit für den, der nach Erlan-\ngung musicalischer Kenntnisse den Drang dazu empfindet,\netwa so, wie man ungefähr wohl einem Manne, der rich-\ntig denken und orthographisch schreiben gelernt, auch das\nTheater oft besucht hat, zutrauen dürfe, dass er ein Schau-\nspiel schreiben könne, natürlich abgesehen davon, ob es\netwas werth sei oder nicht. 0 nein, mein sehr Verehrter!\neine Oper ist schon formel an und für sich ein recht re-\nputables Kunststück.\nHier kommt es nicht bloss darauf an, gutes Gehör zu\nhaben, ein Instrument etwa dilettantenmässig, ja, selbst\nvirtuos spielen zu können, musicalische Literatur aus Con-\ncert und Oper kennen gelernt und im Clavier-Auszuge re-\nproducirt zu haben; hier gehört ein tiefinnerer Drang\n(man möchte diesen schon Talent nennen), ein heisses In-\nteresse für das Schaffen dazu, um einen oft aufreibenden\nKampf mit der Arbeit zu beginnen, mit einer Arbeit, die\nsich theilt in das Kennenlernen aller einzelnen Instrumente\nihrer Behandlung und ihren Wirkungen nach, in die voll-\nständigste Aneignung der wissenschaftlichen Regeln der\nMusik, des Generalbasses und der Contrapunktik, in ein\nemsiges Studium der Werke, die man sich zum Muster\nnimmt, und in ein kunsternstes Belauschen der Auffüh-\nrungen derselben. Dazu gehört noch ausserdem eine ge-\nwisse allgemeine Kenntniss der Gesetze des Drama's, und\nwenn man mit Richard Wagner will, auch die Selbstbear-\nbeitung des Libretto. Nach all diesem Streben geht nun\nbei der wirklichen Schöpfung einer Oper erst jetzt die\nrechte, weil subalterne, Arbeit an. Der Gedanke, im Kopfe\ndes Poeten entsprungen, kostet demselben zur Fixirung\nwenige Federstriche; ganz anders ist es beim Musiker; die\nSecunden, die der Dichter braucht für eine Sprach-Phrase,\ndehnen sich für den Musiker zu Stunden aus; so und so\nviele Instrumente, so und so viele Gesangstimmen verlan-\ngen ihre besondere Bearbeitung für einen und denselben\nin der Aufführung schnell dahinrauschenden Gedanken.\nWie mancher Componist hat mit seiner Gesundheit die Voll-\nendung seines dramatischen Werkes bezahlt!—Und wenn\nnun alle Vorbereitung, alle wirkliche Arbeit endlich über-\nwunden ist, dann kann noch immer die Oper herzlich\nschlecht sein. Wahrlich, man muss schon Achtung vor der\nkühnen Hingebungeines dramatischen Componisten füh-\nlen!— Von dieser Empfindung kann sich natürlich die\nKritik nicht allein leiten lassen; sie ist ziemlich kalter Na-\ntur und hat es mit dem Fertigen zu thun.\nDie am Sonntag gehörte Oper war ein Erstlingswerk.\nWir hätten bei dieser Oper Eines gewünscht: nämlich,\ndass es keine Oper wäre. Eine Masse schöner, hüb-\nscher und anmuthender Melodieen-Motive war gesammelt\nund an einander gereiht. Diese Motive waren aber fast\ndurchweg lyrischer Natur, sie gingen aus einfachen, na-\ntürlichen Empfindungen hervor, bewegten sich in den ur-\nsprünglichsten Rhythmen, und das Leichtverständliche in\nihnen wurde noch durch die oft mehr als einfache Be-\nhandlung des Orchesters potenzirt. Darin würde nicht der\nentfernteste Vorwurf liegen, wenn nicht die Oper ein dra-\nmatisches Kunstwerk sein sollte, ein Ganzes, eine Einheit,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2889, "texte": "in welchem die einzelnen Theile Glieder eines Organismus\nsein müssen. Eine dramatische Steigerung wird nicht da-\ndurch hervorgebracht, dass man aus der Liedform im\njähen Sturz in irgend einen contrastirenden Accord oder\nins Recitativ springt, wenn irgend ein herausforderndes\nWort des Libretto's unumgänglich zur Aenderung des\nregelmässigen Tact-Systems nöthigt; die Musik muss sich\neben so wie das Drama in allen ihren Theilen zu einer\ngewissen Katastrophe entwickeln. Bestrebungen solcher\nArt waren wohl im Finale des zweiten Actes vorhanden,\naber sie waren etwas kindlicher Natur. Die musicalische\nEinheit der Oper wird auch nicht allein durch eine wie-\nderkehrende Melodie befestigt, nicht durch die Hinneigung\nzu einer und derselben musicalischen Form constatirt; sie\nzeigt sich vielmehr trotz der verschiedenartigsten Formen\nin einem durchgehenden Stile, der getragen ist von den\nAbsichten des poetischen Sujets.\nDie Oper als Kunstwerk ist bis heute durch die zwei\nletzten Jahrhunderte das höchste Ziel strebender und ge-\nnialer Musiker gewesen. Ihr Genius hat stets auf den dazu\nführenden Stufen vorher Schöpfungen geringerer Intention\nniedergelegt; es scheint daher gerathen, da jede Entwick-\nlung nur gradatim vor sich geht, diesem Beispiele nach-\nzuahmen.\nWenn man die Piecen der vorliegenden Oper einzeln\nbetrachtet, so wird das Urtheil jeder Kritik ein viel gün-\nstigeres sein. Die einfachen Weisen, die zum Theil sehr\nhübsch, aber nicht frei von sehr bekannten Wendungen\nsind, prägen sich leicht und gern dem Gedächtnisse ein,\nund der Referent würde die Partitur, wenn sie ihm vor-\nliegen könnte, nicht ohne Genuss durchgehen. Einige\nStücke, wie die erste Arie des Käthchen, die Walzer-Arie\nKälhchen's, die Polacca, welche Fräulein Lehmann manche\nGelegenheit für Fiorituren bot, und das Lied des Gott-\nschalk: „Juchhe! wer hat Recht behalten!\" fanden beim\nPublicum vielen Beifall. Ueberhaupt sind die ursprüng-\nlichen Formen, die Lied- und Tanzform, mit Glück behan-\ndelt. So finden wir einige recht gute Würfe in den aller-\nliebsten Melodieen des grossen Ballets. Anerkennende\nErwähnung verdient noch die duftige Introduction zum\ndritten Acte, welche die Träume Kätbchen's unter dem\nHolunderstrauche vergegenwärtigt.\nEs war dem Referenten nicht weniger bekannt als den\nsämmtlichen übrigen Zuhörern, dass der Name des Com-\nponisten ein angenommener sei. Natürlich kann das keinen\nEiniluss auf die Beurtheilung haben, und der hohe Ver-\nfasser [dem Vernehmen nach Prinz Peter von Oldenburg]\nwird uns das Dank wissen. Ein abermaliger Beweis ist\ngeliefert, dass die edelste, die sittlichste der Künste ihre\nKeime tief in den Busen unserer Nation gelegt hat. In\nHütten und Palästen findet man eine Freude daran, Musik\nnicht nur zu gemessen, sondern auch zu bebauen, und das\nZeitalter Walther's von der Vogelweide zählt längst nicht\nmehr allein durchlauchtige Sänger.\n\nF. L. (W. Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "350", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.4", "titre_corps": "Fr. Schubert’s Singspiel: „Die Verschworenen oder der häusliche Krieg“, im Operntheater zu Wien.", "titre_sommaire": "Fr. Schubert’s Singspiel: „Die Verschworenen oder der häusliche Krieg“, im Operntheater zu Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.5", "debut_caractere": 2891, "fin_caractere_exclue": 5037, "texte": "Fr. Schubert’s Singspiel: „Die Verschworenen oder\nder häusliche Krieg“, im Operntheater zu Wien.\nIm Anfange des Märzmonates d. J. wurde in einem\nConcerte der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien auf\nHerbeck's Anregung und unter dessen Direction eine Ope-\nrette oder ein Singspiel: „Der häusliche Krieg\", von Ca-\nstelli, mit Musik von Franz Schubert aus dem Jahre\n1819, aufgeführt; die reizende Musik liess die Mängel\nD\ndes Textes aus der alten wiener Schule der derbkomischen\nSingspiele vergessen und wurde von Kennern und der\nganzen Zuhörerschaft mit Enthusiasmus aufgenommen,\nworüber alle Blätter einstimmig berichteten.\nDie Handlung ist eher läppisch als komisch. Ein Graf\nkehrt mit seinem Gefolge von Rittern aus dem gelobten\nLande zurück; ihre Frauen beschliessen, die so lange aus-\ngebliebenen Männer zur Strafe kalt zu empfangen. Der\nPlan wird verrathen, der Graf und die Ritter spielen das\nPrävenire, erklären, binnen Kurzem einen neuen Zug un-\nternehmen zu müssen und bis dahin nicht mit ihren Frauen\nverkehren zu dürfen. Dass am Ende eine Versöhnung folgt,\nversteht sich von selbst. Auch die Ausdrucksweise ist im\nStile der älteren wiener Posse gehalten, z. B.: „Bei Karl\ndem Dicken! sie ist hübsch und rund, Noch immer küss-\nlich ist ihr Mund.\" Die Moral im Finale richtet sich an\ndie Frauen:\n„Suchet keine stärkern Waffen,\nFrauen, euch zum Ehestreit;\nEure angebornen siegen\nImmer: Lieb1 und Zärtlichkeit.\"\nUnd dennoch hat Schubert eine köstliche Musik dazu\ngeschrieben. Das Ganze hat sechszehn Scenen. Eine\nOuvertüre fehlt; ob Schubert keine dazu geschrieben, oder\nob sie verloren gegangen, vielleicht auch noch irgendwo\nsteckt, darüber verlautet nichts Bestimmtes.\nDie Operette ist nun endlich auch, nachdem sie zwei-\nundvierzig Jahre im Staube vergraben gelegen, auf die\nBühne gekommen. Die Deutsche Musik-Zeitung berichtet\nüber die Aufführung, wie folgt:\nS.B.Endlich nach monatelangem Harren ist dieses rei-\nzende Stück in unserem Hof-Operntheater über die Scene\ngegangen. Zur Ergänzung unseres Berichts über die concert-\nweise Aufführung im März d. J. haben wir für heute nur\nWeniges beizufügen. Vor Allem das, dass die scenische"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2213, "texte": "Darstellung alle Besorgnisse niedergeschlagen hat, als ob\ndas Werk wegen seiner schönen Musik und seines unbe-\ndeutenden Libretto sich im Concertsaale besser ausnehmen\nwerde, als im Theater. Im Gegentheil: gewisse Schwach-\nheiten des Sujets und der Sprache schwanden in Folge le-\nbendiger Darstellung, oder man nahm sie wenigstens\nleicht hin.\n%\nDie Galtung, zu der das Textbuch gehört, nämlich\ndas Lustspiel, gestattet manches, was in der Opera seria\nnicht am Platze wäre, und was man im Concertsaale, mit\ndem Textbuche in der Hand, übel vermerkt. Genug: die\nOper hatte einen vollständigen Erfolg; der musicalische\nTheil des Auditoriums erquickte sich an der überaus köst-\nlichen Musik, und für den Janhagel ist durch die komi-\nschen Scenen, die derbe Sprache, die Vermummungen und\ndergleichen bestens gesorgt.\nWie heiter und graziös ist doch diese Musik, die ohne\nTanz-Rhythmen das blühendste Leben vcrsinnlicht, nir-\ngends an den Geschmack des Pöbels appellirt und doch so\nsehr „gefällt\"!\nMit Einem Worte: wir haben ein populäres, echt\ndeutsches Singspiel vor uns, in Hinsicht den\nAnforderungen der Zeit entsprechend, ohne Spur von Zopf,\nund man kann nur beklagen, dass Schubert nicht mehr\nauch in dieser Art geschrieben hat.\nUm die Ausführung des Ganzen hat sich Herr Capell-\nmeister Dessoff ein bleibendes Verdienst erworben. Es\nklappte schon bei der ersten Vorstellung Alles recht präcis\nzusammen, und die Tempi waren uns im Allgemeinen zu-\nsagend. Genauere Kenner der Partitur fanden Manches zu\nschnell, vielleicht weniger aus ästhetischen Gründen, als\nweil sie sich's anders gedacht hatten. Die Bühne verträgt\neben wegen des deutlichen Klanges schnellere Tempi, als\nder Concertsaal.—Fräul. Holfmann sang und spielte die\nGräfin recht nett, Fräulein Krauss konnte sich in die ein-\nfache Partie der Helene nicht finden, auch klingt ihre\nStimme krank und angegriffen. Herr Mayerhofer war\nals Graf ganz trefflich, die Herren Erl und Walter für\nihre Partieen nicht jugendlich genug. Ueberraschend wirk-\nten die Doppelchöre der Ritter und Edelfrauen durch Prä-\ncision und richtige Pointirung.\nWir bemerken schliesslich, dass die Firma Spina in\nWien bereits einen Clavier-Auszugdes »Häuslichen Kriegs\"\nvorbereitet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "351", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.5", "titre_corps": "Rossini an Alphons Royer", "titre_sommaire": "Rossini an Alphons Royer", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.6", "debut_caractere": 2215, "fin_caractere_exclue": 4536, "texte": "Rossini an Alphons Royer\n*)•\nMein Herr und Freund!\nAuf eine von mir an die Gesellschaft der Concerte des\nConservatoires gerichtete Anfrage habe ich so eben die\nVergünstigung erhalten, ein kleines Gesangstück von mei-\nner Composition aufführen zu lassen [in dem Concerte**)],\nwelches die genannte Gesellschaft für die Errichtung eines\nDenkmals zur Ehre und zum Andenken des gelehrten und\nberühmten Cherubini geben wird.\nIch habe mein Stück für vier hohe Bassstimmen\nim Unisono gesetzt. Betitelt ist es: Der Gesang der\nTitanen {Le Chant des Titans),und für die Ausführung\nbrauche ich vier tüchtige Kerle ich bitte sie\nmir von Ihnen aus, da Sie ihr glücklicher Director sind.\nHier sind ihre Namen:\nBelval\nFaure* ü perfetta vicenda***).\nObin\nWie Sie sehen, führe ich sie nach dem Alphabet auf,\num Ihnen zu beweisen, dass ich le convenienzs teatrali\nnicht vergessen habe.\nWollten Sie nun wohl so gut sein, mein lieber Herr\nRoyer, und mir einen neuen Beweis Ihrer Sympathie da-\ndurch geben, dass Sie der Dolmetscher meiner Bitte bei\ndiesen Herren werden und sie in meinem Namen ersuchen,\nmir ihre Mitwirkung bei der Ausführung meines Tita-\nnengesanges zu gewähren, in welchem seien Sie\nunbesorgt—weder irgend eine Roulade, noch eine chro-\nmatische Tonleiter, noch Triller, noch Arpeggien vorkom-\nmen; es ist eine einfache Melodie mit titanischem und etwas\nweniges tollem Rhythmus [t Eine\nkleine Probe bei mir, und die Sache ist fertig.\nWenn meine Gesundheit es mir erlaubte, so würde\nich sehr gern, wie es meine Schuldigkeit wäre, persönlich\nIhre tapferen Sänger um die Gunst bitten, die ich bean-\nspruche; aber ach, mein theurer Freund! meine \"Beine\nwerden schwach, so stark auch mein Herz noch schlägt,\nund dieses Herz bezeigt Ihnen im Voraus die lebhafteste\nDankbarkeit; es führt mir die Hand, um Ihnen zu wie-\n\n*) Die France Musicale theilt in ihrer Nr. 43 einen Brief von\nRossini an den Director der grossen Oper, Herrn A. Roy er,\nmit, den wir in wortgetreuer Uebersetzung wiedergeben, weil\ner in mehr als Einer Hinsicht ein sehr interessantes Curiosum\nist, dessen Echtheit jedoch kaum zu beweifeln sein dürfte.\nDie Redaction.\n**) Diese Worte sind wahrscheinlich, entweder vom Schreiber oder\nvom Setzer, ausgelassen, wie der Zusammenhang zeigt.\nDie Redaction.\n***) „Die vollkommen Einer für den Anderen einstehen können.44"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 184, "texte": "derholen, wie ich mit den Gefühlen der grössten Hoch-\nachtung und aufrichtiger Freundschaft bleibe\nIhr ergebener\nGioachino Rossini,\nPianist vierter Ciasse.\nPassy, den 15. October 1861."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "351", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.6", "titre_corps": "Aus Barmen.", "titre_sommaire": "Aus Barmen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.7", "debut_caractere": 186, "fin_caractere_exclue": 5139, "texte": "Aus Barmen.\nDas erste Abonnements-Concert im grossen Saale der Concordia\nunter der Leitung des Musik-Directors Anton Krause fand am\n26. October Statt und brachte „Die Jahreszeiten\" von Jos.\nHaydn. Die Chöre wurden vom städtischen Singverein in Verbin-\ndung mit der Liedertafel von 120—130 in schönem Verhältnisse\nwirkenden Stimmen ausgeführt. Die Solisten bildeten ein recht schö-\nnes, passendes Ensemble. Hanne, Fräulein Julie Rottenberger\naus Köln, eine junge, talentvolle Sängerin mit schöner, frischer,\nechter Sopranstimme von bedeutendem Umfange, Schülerin des Kam-\nmersängers Herrn Koch, sang die Partie mit naivem Ausdrucke\nunter allgemeinem Beifalle. Ihre eifrigen Studien, der frische Klang\nund die Reinheit ihrer Stimme, namentlich ihre Sicherheit in den\nhöchsten Lagen, versprechen ihr eine bedeutende Zukunft. Herr\nKarl Hill aus Frankfurt sang die Partie des Simon mit seiner\naohonen, vollen Bass-Baritonstimme mit edlem Vortrage. Seine vom\nhohen F bis zum tiefen Es gleichmässige Stimme ist sehr wohllau-\ntend und biegsam und in den Kraftstellen von grosser Wirkung; in\nder „Schöpfung\" und den „Jahreszeiten\" dürfte er nicht leicht über-\ntroffen werden. Zu Hanne und Simon gesellte sich Lucas, Herr An-\ndreas Pütz, der die Barmer nach längerer Zeit einmal wieder mit\nseiner ewig frischen und herrlichen Tenorstimme erfreute und durch\nseinen seelenvollen Gesang alle Herzen gewann. Das Auditorium\nwar in freudiger Stimmung und spendete reichen Beifall.\nBesonders ausgezeichnet wurden: die Tenor-Arie: „Dem Druck\nerlieget die Natur\"— die Sopran-Arie: „Welche Labung für die\nSinne\" das Duett (Hanne und Lucas) das Lied der Hanne:\n„Ein Mädchen, das auf Ehre hielt\", und die Arie des Simon: „Er-\nblicke hier, bethörter Mensch\"; die Chöre: „Komm, holder Lenz\",\n„Uns spriesset Ueberfluss\", „Dir jauchzen alle Stimmen\"; der Ge-\nwitter-Chor, der Jagd-, Wein- und Schluss-Chor, in welchen die\nOrgel bei den Stellen: „Ein ew'ger Frühling herrscht und gränzen-\nlose Seligkeit wird der Gerechten Lohn\", und: „Dann geh'n wir ein\nin Deines Reiches Herrlichkeit\" mit bezaubernder Wirkung ein-\nfiel. So wirkten in dem herrlichen Werke Soli, Chor und Orchester\n(in welchem wir unter Anderen Bernhard Breuer [Cello] und\nAdolph Breuer [Contrabass] von Köln erblickten), Frische und\nPräcision der Ausführung und die schöne Akustik des Saales zu-\nsammen, um diesen Concert-Abend zu einem unvergesslichen zu\nmachen.\nHerr Musik-Director Krause leitete das Ganze mit sichtbarer\nFreude und grossem Verständnisse, und der ihm gebührende Dank\nfür die Ehren des Abends wurde ihm nach dem Concerte bei einem\nfröhlichen Mahle, das 2—300 Personen (Damen und Herren) ver-\neinigte, und wo der kölner Humor in den Herren Adolph Breuer\nund Andreas Pütz wieder seine würdigen Vertreter fand, in einem\nbegeisterten Trinkspruche gebracht, dem die ganze Versammlung\naus vollem Herzen beistimmte.\nWir fügen diesem Berichte die Erwähnung des Concertes am\n28. September bei, welches zur Einweihung der Orgel in\ndem neuen Saale der Concordia veranstaltet wurde. Das Programm\nbrachte vier Orgel-Vorträge: Toccata in F-dury Fuge in Cis-moll\nvon J. S. Bach, Sonate Nr. 111. von van Eyken, Präludinm in\nF-dur von N. W. Gade, welche sämmtlich von Herrn van Eyken\nmit bekannter Meisterschaft ausgeführt wurden. Ferner sang Fräu-\nlein Mann die Kirchen-Arie von Stradclla und die Solostimme\nin M endelss ob n's Hymne für Sopran und Chor mit Begleitung\nder Orgel beides mit schönem Ausdruck und verdientem Beifall.\nIn der Motette von Mendelssohn für Frauenstimmen hätten wir\ndie Orgelbegleitung weniger monoton gewünscht, zumal da das treff-\nliche Werk von Ibach Söhne gar manche schöne weiche Stimmen\nzur Unterstützung des Gesanges enthält, die aber nicht so benutzt\nwurden, wie beim Solospiel. Der Chor war nicht stark besetzt,\nmachte aber doch in der Mendelssohn'schen Hymne mit dem vollen\nWerke der Orgel zusammen einen mächtigen Eindruck.\nDie hauptsächliche Bedeutung dieses Concertes lag darin, das®\ndurch dasselbe die erste vollständige Concert-0rgel in\nDeutschland und wohl überhaupt auf dem Festlande von Europa\neingeweiht wurde. Die Vollendung derjenigen im Concertsaale zu\nElberfeld wird in den nächsten Wochen folgen, ferner Brüssel\nmit der Orgel in der Salle ducale, die zwar schon inaugurirt, aber\nnoch nicht ganz vollendet ist. Und Köln? Eine Stadt, die an Reich-\nthum der Mittel alle die genannten überragt, wie lange wird sie\nihren prachtvollen Saal im Gürzenich, dessen Baustyl schon zur\nVervollständigung des Ganzen eine Orgel fordert, ohne eine solche\nlassen ?\nDie Orgel in der Concordia zu Barmen ist ein Werk von 44\nStimmen, welches seinem Erbauer auch besonders in der Hinsicht\nEhre macht, dass er bei der Disposition und vorzüglich bei der In-\ntonation wohl zu berücksichtigen verstanden hat, was einer Orgel\nim Concertsaale angemessen ist, für deren Gebrauch und Bestimmung\nzum Theil ganz andere Verhältnisse geltend gemacht werden müs-\nsen, als für eine Kirchenorgel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-02-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-02_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-11-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "352", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.7", "debut_caractere": 5141, "fin_caractere_exclue": 6857, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf&oln* Am 26. October feierte die Gesellschaft Humorrhoi-\ndaria, deren Wahlspruch Grillen Vertreibung durch frohe Laune\nund Ergötzung durch musicalisch-theatralische Darstellungen komi-\nscher und humoristischer Gattung ist, in ihrem festlich geschmück-\nten Locale im Dom-Hotel ein schönes Fest der Heiterkeit und Dank-\nbarkeit. Die Mitglieder hatten sich nämlich zahlreich versammelt,\num ihrem Dirigenten, Herrn Hermann Kipper, einen Ehrentag\nzu bereiten und ihm ihren Dank für sein unermüdliches und un-\neigennütziges Wirken für die Gesellschaft auf herzliche und zugleich\nden Charakter des Vereins getreue Weise an den Tag zu legen. Denn\nmit ernster Rede wechselten gemüthliche Scherze und Lieder, die\ndas Festessen würzten, werthvolle Geschenke, darunter ein prächti-\nger silberner Pocal, wurden dem Gefeierten überreicht, dann ein al-\nlegorisches Festspiel von Ziegler: „Kipper im 01ympu, auf der hüb-\nschen liühne im Fond des Saales, und zum Schlüsse eine neue ko-\nmische Operette von Kipper: „Der todte Schneider\" *), aufgeführt,\nwelche die talentvollen darstellenden Mitglieder dieses Mal ohne\nihren Musik-Director einstudirt hatten und diesen damit überrasch-\nten. Dass das Fest bis spät nach Mitternacht in ungetrübter Heiter-\nkeit dauerte, versteht sich bei dem jovialen Tone und dem charak-\nteristischen Ausdruck des echten kölnischen Humors, der in dieser\nGesellschaft herrscht, von selbst.\nAm Sonntag den 27. October sang Karl Form es hier aus Ge-\nfälligkeit für den Besitzer der Königshalle vor einem Auditorium\n\n*) Köln, Verlag von M. Schloss. Achte Lieferung der „Di-\nlettanten-Oper\". — Wir kommen nächstens auf die humoristi-\n«chen Compoßitionen von H. Kipper zurück."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3696, "texte": "▼on beinahe 2000 Personen, Der grosse Sänger wurde bei jedesma-\nligem Auftreten mit stürmischem Jubel begrüsst und am Schlüsse\njedes Gesanges wiederholt gerufen, nach dem Vortrage des Liedes\nRäuber\" von Anton Meyer mit dem Componisten zugleich,\nder ihn auch am Pianoforte begleitet hatte.\nAm 20. October gab Karl Formes zum Besten des Baufonds\nder neuen katholischen Kirche in seiner Vaterstadt Mülheim am\nRheine ein Concert, in welchem er Schubert's „Wanderer\", Mo-\nzart's „In diesen heiligen Hallen\" und einige Lieder mit Pianoforte\"\nBegleitung vortrug und in der gedrängt gefüllten Schützenhalle, in\nwelcher auch aus Köln eine Menge von Zuhörern anwesend war,\neinen wahren Enthusiasmus hervorrief. Und mit Recht. Denn seine\nganz exccptionelle Bassstimme hat noch immer dieselbe reiche Klang-\nfülle und wohllautende Kraft, welche ihm seinen Ruf in zwei Welt-\n\"V\ntheilen geschaffen haben. In dem Concerte wirkte der Sängerbund\nyon Köln mit, der unter der geschickten Leitung seines jetzigen\nDirigenten, des Herrn W. Bitter, mehrere Stücke vortrug, von de-\nnen Abt's „Waldnacht\" und ein Volkslied: „Ritters-Abschied\", das\nuns neu war, vorzüglich gut gesungen wurde. Herr Bonewitz aus\nWiesbaden spielte Beethoven's Clavier-Sonate in F-moll mit befrie-\ndigender Technik. Das Concert brachte 500 Thlr. ein.\nK. Formes hat von Sr. Hoheit dem Herzoge von Nassau\nden Adolfs-Orden erhalten. Am 31. October reis'te er über\nKöln und Aachen nach London, wo er schon am Abende des 1.\nNovember in St. Martins Hall auftritt; für die dortigen Concerte\nhat er ein Engagement bis zum Januar k. J. angenommen.\nMan schreibt aus Hannover: In Gläser's „Adlers Horst\" fan-\nden besonders Herr Niemann und Fräulein Ferrari reichen Bei-\nfall. In der Partie des Anton hörten wir ein neugewonnenes Mitglied\nunserer Bühne, Herrn Schüller, der, ein noch junger Mann, bei\ndem Gesanglehrer Koch in Köln seine Schule gemacht hat. Die\nStimme ist nicht stark, aber umfangreich und wohllautend. Vortrag\nund Spiel Hessen jedoch nicht gerade auf besonderen Beruf für die\nBühne schliessen.\nUeber Kücken's Entlassung in Stuttgart erfährt man jetzt\nNäheres. Er hat das betreffende Gesuch bereits am 26. September\neingereicht, und am 30. erfolgte die königliche Erschliessung, welche\ndie Entlassung gewährte. Als einzigen Grund gibt Kücken selbst\nden an, er habe sich durch die Art und Weise, wie ohne sein Wis-\nsen, gleichsam hinter seinem Rücken, ein weiterer Capellmeister an-\ngestellt worden, gekränkt gefühlt, und ziehe es vor, zu gehen, statt\nsich weiteren Kränkungen auszusetzen. Durch seinen Abgang und\nden damit verbundenen Verzicht auf ein fixes, bedeutendes Einkom-\nmen hat er ein in jetziger Zeit seltenes Beispiel gegeben, wie es\ndoch noch Männer gibt, denen Geld und Geldeswerth nicht als das\nHöchste erscheint.\nI®eter«f*us*g« Die Errichtung eines grossartigen Conservato-\nriums für Musik in Petersburg Seitens der durch ihre bedeutenden\nConcertleistungen bekannten und bisher unter der Leitung Rubin-\nstein's gestandenen „russischen Musik-Gesellschaft\" ist von allen be-\ntreffenden Ministerien genehmigt worden und wird nach erfolgter\nRückkehr des Kaisers aus der Krim dessen schliessliclie Bestätigung\nerlangen. Rubinstein hat bereits die förmliche Einladung erhalten,\ndie Organisation und oberste Direction dieses neuen, auf reiche Geld-\nmittel sich stützenden Instituts zu übernehmen. Demnach hat sich\nRubinstein entschlossen, seinen Plan einer mehrjährigen Concert-Tour\naufzugeben und nach Petersburg zurückzukehren.\nEinen Bericht über die Aufführung der oratorischen Composition\nvon Hub. Engels zu M. Hartmann's Gedicht „Der Untergang\nvon lveris\" in Mülheim an der Ruhr müssen wir bis zur näch-\nsten Nummer versparen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nReisebriefo von F. Mendelssohn Bartholdy. I. Das Kätbchcn von Heilbronn. Romantische Oper in drei Acten von W.\nKühner. Fr. Schubert's Singspiel: „Die Verschworenen oder der häusliche Krieg\", im Operntheater zu Wien. Rossini an Alphons\nRoyer. Aus Barmen (Concerte). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gesellschaft Humorrhoidaria, Karl Formes Han-\nnover, „Adlers Horst\" Stuttgart, Herr Kücken Petersburg, Errichtung eines Conservatoriums für Musik).\n\nReisebriefe von F. Mendelssohn Bartholdy\n*).\nI.\nHerr Paul Mendelssohn Bartholdy erliess im vorigen\nJahre in öffentlichen Blättern einen Aufruf, welcher die\nBitte an die Besitzer von Briefen Felix Mendelssohn's ent-\nhielt, dieselben dem Professor Droysen oder ihm zum Be-\nhuf einer vollständigen Herausgabe mitzutheilen.\nEs stellten sich aber der baldigen Erfüllung dieser\nAbsicht, wie sich leicht ermessen lässt, Bedenken entgegen,\nund wenn auch der Plan nicht aufgegeben ist, so musste\ner doch wenigstens vertagt werden.\nDagegen entschloss sich Herr P. Mendelssohn, wofür\nihm das Publicum nicht genug danken kann, eine Reihe\nvon Briefen seines Bruders an seine Familie zu veröffent-\nlichen, bei deren Herausgabe er freiere Hand hatte. Er\nwählte dazu die Briefe aus den Jahren 1830 bis 1832,\ndie Felix Mendelssohn von seiner Reise und seinem Auf-\nenthalte in Italien aus, dann aus der Schweiz, aus Paris\nund aus London, wo er Anfangs 1832 zum zweiten Male\nwar, an die Seinigen schrieb.\nDer erste Brief ist aus Weimar vom 21. Mai 1830\n—F. Mendelssohn war damals 21 Jahre alt—•, der letzte\naus London vom 1. Juni 1832. Im Jahre 1829 hatte er\nbereits seine erste Reise nach England gemacht und seit-\ndem eine ausserordentliche Vorliebe für London gefasst,\ndie auch in vielen Stellen seiner Briefe aus Italien durch-\nschimmert. Einige Briefe an befreundete Personen aus\ndemselben Zeiträume sind theils ganz, theils im Auszuge\nhinzugefügt, nämlich zwei an Zelter (von denen wir den\nzweiten aus Rom in Nr. 42 und 43 mitgetheilt haben),\neiner an Frau von Pereira in Wien, zwei an Eduard De-\nvrient, einer an Wilhelm Taubert, einer an Karl Immer-\nmann.\nWenn die Zeit, aus welcher diese Briefe herrühren,\nwie der Herausgeber sagt, gewisser Maassen einen in sich\nabgeschlossenen Lebensabschnitt bildet, der durch die in\nihm empfangenen Eindrücke grossen Einfluss auf Mendels-\nsohn's Entwicklung gehabt hat, so muss man doch, unbe-\nschadet der Richtigkeit jener Bemerkung, erstaunen, wie\nso Vieles in Urtheil und Gesinnung in Bezug auf Kunst\nund Leben bei dem zweiundzwanzigjährigen Jüngling schon\nso fertig ist, dass er, wenn er diese Briefe in seinen spä-\nteren Jahren gedruckt gelesen hätte, sicherlich fast nichts\ndavon hätte zurückzunehmen brauchen. Wie Wenige von\nuns dürften in demselben Falle sein, wenn ihnen in reife-\nren und reifsten Jahren Briefe aus ihrer Jünglingszeit zu\nGesicht kommen! Eben so merkwürdig ist es, dass auch\ndas musicalische Schaffen des genialen Jünglings in jener\nPeriode seinen natürlichen, selbstständigen Gang fortgeht,\nunbeirrt von Einflüssen des Augenblicks und der Umge-\nbungen, jene ausgenommen, welche die Eindrücke der\nNatur und der Monumente und die Anregungen des ge-\nselligen Lebens auf Arbeitslust und Geistesfrische im All-\ngemeinen auf ihn, wie auf jeden Menschen, äussern.\nSo schreibt er gleich im ersten Briefe aus Rom (8.\nNovember 1830): „Mir ist so ruhig und froh und ernst-\nhaft zu Muthe geworden, wie ich's Euch gar nicht be-\nschreiben kann. Was es ist, das so auf mich wirkt, kann\nich wieder nicht genau sagen; denn das furchtbare Coli-\nseum und der heitere Vatican und die milde Frühlingsluft\ntragen dazu bei, wie die freundlichen Leute, mein behag-\nliches Zimmer und Alles. Aber anders ist mir; ich fühle\nmich glücklich und gesund, wie seit Langem nicht, und habe\nam Arbeiten solche Freude und Drang danach, dass ich\nwohl noch viel mehr hier auszuführen gedenke, als ich\nmir vorgesetzt hatte; denn ich bin schon ein ganz Stück\nhinein.\"\nDer Süden und der Himmel Italiens erweitern seine\nBrust, aber Herz und Sinn sind voll von nordischem Ernste,\n\n*) Leipzig, Verlag von Hermann Mendelssohn. 1861. IV. und\n340 8. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.2", "texte": "von nordischer Tiefe des Gefühls, und mitten unter den\nherrlichen Kunstwerken Italiens weilt seine Phantasie bei\nden Anschauungen und Gebilden der Heimat und gestaltet\nsie zu Tonwerken. Es ist desshalb höchst interessant, seine\nmusicalischen Arbeiten in Italien, theils begonnene oder\nselbst nur beabsichtigte, theils vollendete, zu verfolgen.\n„Mein Lieblingswerk, das ich jetzt studire, ist Lili's\nPark von Göthe ich will ein Scherzo für eine Sym-\nphonie daraus machen.\" —Zum Geburtstage schickt er sei-\nner musicalisch hochbegabten Schwester Fanny den Psalm\nNon nobis Domine für Solo, Chor und Orchester, „sammt\nvieler anderen neuen Musik. Nun will ich die Ouvertüre\n(die Hebriden) fertig machen und dann, so Gott will, an\ndie Symphonie gehen. Auch ein Clavier-Concert fängt an,\nmir im Kopfe zu spuken.\" (16. November 1830.)\n„Der Choral „ „Mitten wir im Leben sind\" \" ist ferti g ge-\nworden und wohl eines der besten Kirchenstücke, die ich\ngemacht habe. Nach Beendigung der Hebriden denke ich\nan Salomon von Händel zu gehen und ihn für eine künf-\ntige Aufführung einzurichten mit Abkürzungen und Allem.\n[Mendelssohn gehörte also auch nicht zu denen, die es für\neinen Frevel halten, ein Oratorium von Händel für die\nAufführung abzukürzen!] Sodann denke ich die Weih-\nnachtsmusik: „ „ Vom Himmel hoch\"\", und\nphonie zu schreiben,—vielleicht einige Sachen fürs Cia-\nvier und ein Concert u. s. w., wie es gerade kommen will.\nDabei vermisse ich freilich sehr, dass ich keinen Bekann-\nten habe, dem ich das Neue mittheilen kann—der mit in\ndie Partitur zu kucken versteht, so dass ich ein Stück,\nwenn es fertig ist, in den Kasten legen muss, ohne dass\nsich Einer daran freut. Darin bin ich in London verwöhnt\nworden.\" (Den 23. November.)\nBald darauf ein Ave Maria in A-dur für Tenor und\nChor, und der Choral: „Aus tieferNoth\".— „Die Hebriden\nsind endlich fertig und ein sonderbares Ding geworden\nganz wunderlich. (Den 20. December 1830.) Zu Weih-\nnachten denke ich mir den Luther'schen Choral zu com-\nponiren, denn dieses Mal werde ich ihn mir allein machen\nmüssen.\" —„lch kann hier kein Lied machen; wer soll es\nmir singen? Aber eine grosse Fuge mach' ich: „„Wir\nglauben all'\"\", und singe selbst dazu.\"\n„Ich bin mit der Einrichtung vom Salomon und mit\nmeinem Weihnachtsliede, das aus fünf Nummern besteht,\nschon fast fertig; ich habe aber doch noch die beiden\nSymphonieen, die sich mir immer lebendiger gestalten und\ndie ich gar gern hier in Rom beendigen möchte.\" (Den\n17. Jan. 1831.)\nAn Fanny. „Höre und staune! Die erste Walpurgis-\nnacht von Göthe habe ich seit Wien halb componirt, und\nkeine Courage, sie aufzuschreiben. Nun hat sich das Ding\ngestaltet, ist aber eine grosse Cantate mit ganzem Orche-\nster geworden und kann sich ganz lustig machen; denn\nim Anfange gibt es Frühlingslieder und dergleichen vollauf;\n—dann, wenn die Wächter mit ihren Gabeln und Zacken\nund Eulen Lärm machen, kommt der Hexenspuk dazu,\nund Du weisst, dass ich für den ein besonderes faible\nhabe; dann kommen die opfernden Druiden in C-dur mit\nPosaunen heraus, dann wieder die Wächter, die sich\nfürchten, wo ich dann einen trippelnden, unheimlichen\nChor bringen will; und endlich zum Schlüsse der volle\nOpfergesang meinst Du nicht, das könne eine neue Art\nvon Cantate werden? Eine Instrumental-Einleitung habe\nich umsonst, und lebendig ist das Ganze genug. Bald,\ndenke ich, soll es fertig sein. Ueberhaupt geht es mit dem\nComponiren jetzt wieder frisch. Die italiänische Sympho-\nnie macht grosse Fortschritte; es wird das lustigste Stück,\ndas ich gemacht habe, namentlich das letzte; fürs Adagio\nhabe ich noch nichts Bestimmtes, und glaube, ich will es\nmir für Neapel aufsparen. „„Verleih' uns Frieden\"\" ist\nfertig, und „ „Wir glauben all'\"\" wird es dieser Tage;\nnur die schottische Symphonie kann ich noch nicht recht\nfassen; habe ich in dieser Zeit einen guten Einfall, so will\nich gleich darüber her und sie schnell aufschreiben und\nbeendigen.\" (Den 22. Februar 1831.)\nDann vom 1. März 1831: „Indem ich das Datum\nschreibe, wird mir bange bei dem Gedanken, wie die Zeit\nverfliegt. Ehe der Monat zu Ende ist, fängt die heilige\nWoche an, und nach der heiligen Woche bin ich in Rom\nam längsten gewesen. Nun denke ich nach, ob die Zeit\nrecht benutzt war, und es fehlt mir an allen Ecken. Wenn\nich nur noch die eine von den beiden Symphonieen hier\nfassen könnte! Die italiänische will und muss ich mir auf-\nsparen, bis ich Neapel gesehen habe, denn das muss mit\nspielen; aber auch die andere läuft weg, je näher ich ihr\nkommen möchte; und je näher das Ende dieser römischen,\nruhigen Zeit heranrückt, desto befangener werde ich, und\ndesto weniger will es gehen. Mir ist, als würde ich lange\nnicht wieder so zum behaglichen Schreiben kommen, wie\nhier, und da möchte ich gern noch Alles fertig machen.\nDas geht aber nicht; nur die Walpurgisnacht rückt schnell\nvor und ist bald beendigt, hoff' ich.\"\nWelch eine rastlos schaffende Thätigkeit während der\nfünf Monate in Rom!\nAm 5. April verliess Mendelssohn Rom. Der erste\nBrief aus Neapel ist an seine Schwester Rebekka und\nvom 13. April 1831. Es heisst darin in Bezug auf die\nmusicalischen Arbeiten: „Zu einem ernsthaften, ruhigen\nGedanken habe ich noch nicht kommen können; das Ding\nist gar zu lustig um mich her; es fordert zum Nichtstbun\nund Nichtsdenken auf, und schon das Beispiel so vieler"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.3", "texte": "Tausend Menschen treibt unwiderstehlich dazu an. Ich\nnehme mir zwar vor, dass es bald anders werden soll, aber\ndie ersten Tage wird es schon so fortgehen müssen, das\nsehe ich. Ich stehe jetzt stundenlang auf meinem Balcon\nund gucke den Vesuv und den Golf an.\"\nDoch schon am 27. April schreibt er: „Ich habe mich\nmit Eifer auf die Walpurgisnacht geworfen.\" Also vom\nVesuv auf den Brocken versetzt! Es liegt darin ein grösse-\nrer Beweis für musicalisches Genie, als man denkt.\nMendelssohn fährt dann fort: „Das Ding hat mich immer\nmehr interessirt, so dass ich nun jede freie Minute benutze,\num daran zu arbeiten. In wenig Tagen soll es fertig sein,\ndenke ich, und es kann ein ganz lustiges Stück werden.\nBleibe ich so im Zuge, wie jetzt, so mache ich auch noch\ndie italiänische Symphonie in Italien fertig.\"—Nach einer\nSchilderung neapolitanischer Bettelei und schlechter Musik\nschliesst der Brief: „Ich muss aber zu meinen Hexen zu-\nrück; verzeiht, wenn ich für heute aufhöre. Der ganze\nBrief schwebt eigentlich in Ungewissheit, oder vielmehr\nschwebe ich darin, ob ich die grosse Trommel dabei neh-\nmen darf oder nicht; Zacken, Gabeln und wilde Klapper-\nstöcke treiben mich eigentlich zur grossen Trommel, aber\ndie Mässigkeit räth mir ab. Ich bin auch gewiss der Ein-\nzige, der den Blocksberg ohne kleine Flöte componirt; aber\num die grosse Trommel thäte mir es leid, und ehe Fanny's\nRath ankommt, ist die Walpurgisnacht fertig und einge-\npackt, ich fahre schon wieder durchs Land, und Gott\nweiss, wovon dann die Rede ist. Ich bin überzeugt, Fanny\nsagt Ja, aber ich bin doch unschlüssig. Grosser Lärm\nmuss auf jeden Fall gemacht werden. O Rebekka! kannst\nDu mir nicht einige Liedertexte schaffen und schicken?\nmir ist sehr danach zu Muthe, und Du musst wieder was\nNeues zu singen haben. Wenn Du mir hübsche Verse\nschicken kannst, alte oder neue, lustige, oder saure, oder\nsauersüsse, so schiebe ich sie Dir in Deine Stimme hinein.\nFür sonstige Bestellungen stehe ich zu Diensten. Ich bitte\nDich, schaffe mir was zu arbeiten, für die Reise, in den\nWirthshäusern. Nun aber lebt alle wohl und denkt mein.\"\nIn dem Briefe aus Mailand vom 14. Juli 1831\nschreibt er in der heitersten Stimmung über seinen dorti-\ngen Aufenthalt, der ihm besonders durch die freundliche\nAufnahme, die er im Hause des Generals von Ertmann\nfand, und durch die Bekanntschaft mit dessen Gattin Do-\nrothea, welcher Beethoven bekanntlich seine .A-<Äzr-So-\nnate gewidmet hat, sehr lieb geworden war. Auch „Herrn\nMozart's Bekanntschaft, der dort Beamter, eigentlich aber\nein Musiker ist dem Sinne und Herzen nach\", war ihm\n„eine sehr liebe\".— Hier in Mailand wurde die Walpur-\ngisnacht fertig bis auf die Ouvertüre, „von der ich noch\nnicht weiss, ob ich eine grosse Symphonie oder eine\nkurze Frühlings-Einleitung mache. Hierüber möchte ich\neinen Gelehrten hören. Nun ist das Ende besser cewor-\nden, als ich mir selbst gedacht hatte. Das Ungethüm und\nder bärtige Druide mit seinen Posaunen, die hinter ihm\nstehen und tuten, macht mir königlichen Spass, und so\nbrachte ich ein paar Morgen sehr glücklich zu.\"\nIn dem letzten Briefe aus Italien, von der Isola bel-\nla, den 24. Juli 1831, kommt er noch einmal darauf zu-\nrück: „Die Walpurgisnacht ist fertig und ausgeputzt; auch\ndie Ouvertüre wird wohl bald so weit sein. Der einzige\nMensch, der es bis jetzt kennt, ist Mozart, und der hatte\nso viel Freude daran, dass mir die gewohnten Sachen auch\nwieder neuen Spass machten; er wollte durchaus, ich solle\nes gleich drucken lassen.\"\nUnd doch erschien es erst viel später, als vierundvier-\nzigstes Werk des Meisters.\nUm über die Einwirkung der italiänischen Reise auf\nMendelssohn's Entwicklung als Künstler zum Abschluss zu\nkommen, gibt er uns selbst die deutlichsten Winke, haupt-\nsächlich an zwei Stellen des Buches. Zuerst in dem Briefe\naus Neapel vom 17. Mai 1831 :\n„Ich bin an Eindrücken und Erfahrungen sehr viel\nreicher, war auch fleissig in Rom und hier; aber Aeusser-\nliches ist nichts geschehen. Darum ist mir aber doch die\nZeit nicht weniger lieb, als andere, wo ich äusserlich und\nin der Meinung der Leute vorwärts kam; denn das hängt\ndoch immer zusammen. Habe ich was Rechtes erlebt, so\nwird es schon auch nach aussen wirken, und ich will ge-\nwiss keine Gelegenheit dazu vorübergehen lassen. Hoffent-\nlich wird diese auch noch vor Ende dieser Reise ein paar\nMal kommen; desshalb kann ich die Monate, die mir noch\nfür Italien bleiben, fortfahren, die Natur und den blauen\nHimmel zu geniessen, ohne an was Anderes zu denken.\nNur da ist jetzt die Kunst von Italien,—da und in Monu-\nmenten; aber da bleibt sie auch ewig, und da wird unser\neins zu lernen und zu bewundern finden, so lange der\nVesuv stehen bleibt und so lange die milde Luft und das\nMeer und die Bäume nicht vergehen. Trotz dessen bin ich\nStock-Musiker genug, um mich herzlich wieder einmal\nnach einem Orchester oder einem vollen Chor zu sehnen.\nEs ist doch auch Klang darin, und solchen gibt's hier\nnicht; das ist jetzt unsere Sache geworden, und wenn\nman so lange ganz ohne dieses Element hat sein müssen,\nso fehlt es einem sehr. Die Glorie vom „ „Lande der\nMusik\"\" kann Italien nicht behalten; in der That hat es\nsie schon verloren. Die Zeit, wo jeder Italiäner gebore-\nner Musiker war, ist, wenn sie jemals gewesen, lange vor-\nbei. Sie behandeln es wie jeden Mode-Artikel, kalt, gleich-\ngültig, kaum mit dem Interesse des äusseren Auslandes,\nund da ist es nicht zu verwundern, wenn jedes einzelne\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.4", "texte": "Talent, wie es aufkommt, gleich in die Fremde zieht, wo\nes besser anerkannt, besser an seinen Platz gestellt wird\nund was Ordentliches, Herzstärkendes hören und lernen\nkann.\"\nDann am Schlüsse des Briefes aus Mailand vom 14.\nJuli 1831: „Die Deutschen wollen par force hier singen,\nspielen, Gedanken bekommen, und sagen, Italien sei das\nLand der Begeisterung, während ich behaupte, es gebe\nüberhaupt kein Land der Begeisterung, sondern diese fliege\nin der Luft herum.\"\n\nDas Käthchen von Heilbronn.\nRomantische Oper in drei Acten, von W. Kühner.\n\nAus Wiesbaden, 20. October 1861.\n„Der Wagende gewinnt\", sagt man, und „Dem Küh-\nnen lächelt das Glück\".—Kühn ist der, welcher im trotzi-\ngen Vertrauen auf erprobte Kraft die Gefahr nicht\nscheut; kühner der, welcher, ohne seine Stärke zu ken-\nnen, den Erstlingskampf mit dem riesigen Gegner auf-\nnimmt. Kühner ist der, der eine Oper schreibt, ohne\nWerke geringerer Gattung vorher dem Publicum gezeigt\nzu haben, der aber trotzdem der maliciösen Gegnerin,\nöffentliche Meinung genannt, munter und naiv zum ersten\nMale ins Auge schaut. Und in der That, es ist ein gewis-\nser Zauber darin, einem Muthigen zuzusehen. Wenn er\nallerdings der Lächerlichkeit verfällt, nachdem er bewie-\nsen, dass gar keine Mittel seine Vermessenheit rechtfertig-\nten, so ist man umgekehrt gar leicht geneigt, jeden Vor-\ntheil, den er mit ungeübten Kräften erkämpft hat, mit\ngünstigem Auge zu verfolgen, ja, durch Applaudiren und\nZuwinken seinen Muth noch anzustacheln.\nBei dem oben genannten Werke wird das der Stand-\npunkt sein, von welchem aus die Beurtheilung ihre freiesten\nund unbefangensten Blicke werfen kann; jeder andere\nStandpunkt, der vielleicht durch Rücksichten auf gewisse\nVerhältnisse, die weiter unten ihre Besprechung finden\nsollen, getragen würde, widerstrebt der Würde der Kritik\nund möchte für den Componisten beleidigend sein.\nZuvörderst erlaube mir der geehrte Leser die Bemer-\nkung, dass er sich ja nicht einbilden solle, eine Oper zu\nschreiben, sei eine Kleinigkeit für den, der nach Erlan-\ngung musicalischer Kenntnisse den Drang dazu empfindet,\netwa so, wie man ungefähr wohl einem Manne, der rich-\ntig denken und orthographisch schreiben gelernt, auch das\nTheater oft besucht hat, zutrauen dürfe, dass er ein Schau-\nspiel schreiben könne, natürlich abgesehen davon, ob es\netwas werth sei oder nicht. 0 nein, mein sehr Verehrter!\neine Oper ist schon formel an und für sich ein recht re-\nputables Kunststück.\nHier kommt es nicht bloss darauf an, gutes Gehör zu\nhaben, ein Instrument etwa dilettantenmässig, ja, selbst\nvirtuos spielen zu können, musicalische Literatur aus Con-\ncert und Oper kennen gelernt und im Clavier-Auszuge re-\nproducirt zu haben; hier gehört ein tiefinnerer Drang\n(man möchte diesen schon Talent nennen), ein heisses In-\nteresse für das Schaffen dazu, um einen oft aufreibenden\nKampf mit der Arbeit zu beginnen, mit einer Arbeit, die\nsich theilt in das Kennenlernen aller einzelnen Instrumente\nihrer Behandlung und ihren Wirkungen nach, in die voll-\nständigste Aneignung der wissenschaftlichen Regeln der\nMusik, des Generalbasses und der Contrapunktik, in ein\nemsiges Studium der Werke, die man sich zum Muster\nnimmt, und in ein kunsternstes Belauschen der Auffüh-\nrungen derselben. Dazu gehört noch ausserdem eine ge-\nwisse allgemeine Kenntniss der Gesetze des Drama's, und\nwenn man mit Richard Wagner will, auch die Selbstbear-\nbeitung des Libretto. Nach all diesem Streben geht nun\nbei der wirklichen Schöpfung einer Oper erst jetzt die\nrechte, weil subalterne, Arbeit an. Der Gedanke, im Kopfe\ndes Poeten entsprungen, kostet demselben zur Fixirung\nwenige Federstriche; ganz anders ist es beim Musiker; die\nSecunden, die der Dichter braucht für eine Sprach-Phrase,\ndehnen sich für den Musiker zu Stunden aus; so und so\nviele Instrumente, so und so viele Gesangstimmen verlan-\ngen ihre besondere Bearbeitung für einen und denselben\nin der Aufführung schnell dahinrauschenden Gedanken.\nWie mancher Componist hat mit seiner Gesundheit die Voll-\nendung seines dramatischen Werkes bezahlt!—Und wenn\nnun alle Vorbereitung, alle wirkliche Arbeit endlich über-\nwunden ist, dann kann noch immer die Oper herzlich\nschlecht sein. Wahrlich, man muss schon Achtung vor der\nkühnen Hingebungeines dramatischen Componisten füh-\nlen!— Von dieser Empfindung kann sich natürlich die\nKritik nicht allein leiten lassen; sie ist ziemlich kalter Na-\ntur und hat es mit dem Fertigen zu thun.\nDie am Sonntag gehörte Oper war ein Erstlingswerk.\nWir hätten bei dieser Oper Eines gewünscht: nämlich,\ndass es keine Oper wäre. Eine Masse schöner, hüb-\nscher und anmuthender Melodieen-Motive war gesammelt\nund an einander gereiht. Diese Motive waren aber fast\ndurchweg lyrischer Natur, sie gingen aus einfachen, na-\ntürlichen Empfindungen hervor, bewegten sich in den ur-\nsprünglichsten Rhythmen, und das Leichtverständliche in\nihnen wurde noch durch die oft mehr als einfache Be-\nhandlung des Orchesters potenzirt. Darin würde nicht der\nentfernteste Vorwurf liegen, wenn nicht die Oper ein dra-\nmatisches Kunstwerk sein sollte, ein Ganzes, eine Einheit,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.5", "texte": "in welchem die einzelnen Theile Glieder eines Organismus\nsein müssen. Eine dramatische Steigerung wird nicht da-\ndurch hervorgebracht, dass man aus der Liedform im\njähen Sturz in irgend einen contrastirenden Accord oder\nins Recitativ springt, wenn irgend ein herausforderndes\nWort des Libretto's unumgänglich zur Aenderung des\nregelmässigen Tact-Systems nöthigt; die Musik muss sich\neben so wie das Drama in allen ihren Theilen zu einer\ngewissen Katastrophe entwickeln. Bestrebungen solcher\nArt waren wohl im Finale des zweiten Actes vorhanden,\naber sie waren etwas kindlicher Natur. Die musicalische\nEinheit der Oper wird auch nicht allein durch eine wie-\nderkehrende Melodie befestigt, nicht durch die Hinneigung\nzu einer und derselben musicalischen Form constatirt; sie\nzeigt sich vielmehr trotz der verschiedenartigsten Formen\nin einem durchgehenden Stile, der getragen ist von den\nAbsichten des poetischen Sujets.\nDie Oper als Kunstwerk ist bis heute durch die zwei\nletzten Jahrhunderte das höchste Ziel strebender und ge-\nnialer Musiker gewesen. Ihr Genius hat stets auf den dazu\nführenden Stufen vorher Schöpfungen geringerer Intention\nniedergelegt; es scheint daher gerathen, da jede Entwick-\nlung nur gradatim vor sich geht, diesem Beispiele nach-\nzuahmen.\nWenn man die Piecen der vorliegenden Oper einzeln\nbetrachtet, so wird das Urtheil jeder Kritik ein viel gün-\nstigeres sein. Die einfachen Weisen, die zum Theil sehr\nhübsch, aber nicht frei von sehr bekannten Wendungen\nsind, prägen sich leicht und gern dem Gedächtnisse ein,\nund der Referent würde die Partitur, wenn sie ihm vor-\nliegen könnte, nicht ohne Genuss durchgehen. Einige\nStücke, wie die erste Arie des Käthchen, die Walzer-Arie\nKälhchen's, die Polacca, welche Fräulein Lehmann manche\nGelegenheit für Fiorituren bot, und das Lied des Gott-\nschalk: „Juchhe! wer hat Recht behalten!\" fanden beim\nPublicum vielen Beifall. Ueberhaupt sind die ursprüng-\nlichen Formen, die Lied- und Tanzform, mit Glück behan-\ndelt. So finden wir einige recht gute Würfe in den aller-\nliebsten Melodieen des grossen Ballets. Anerkennende\nErwähnung verdient noch die duftige Introduction zum\ndritten Acte, welche die Träume Kätbchen's unter dem\nHolunderstrauche vergegenwärtigt.\nEs war dem Referenten nicht weniger bekannt als den\nsämmtlichen übrigen Zuhörern, dass der Name des Com-\nponisten ein angenommener sei. Natürlich kann das keinen\nEiniluss auf die Beurtheilung haben, und der hohe Ver-\nfasser [dem Vernehmen nach Prinz Peter von Oldenburg]\nwird uns das Dank wissen. Ein abermaliger Beweis ist\ngeliefert, dass die edelste, die sittlichste der Künste ihre\nKeime tief in den Busen unserer Nation gelegt hat. In\nHütten und Palästen findet man eine Freude daran, Musik\nnicht nur zu gemessen, sondern auch zu bebauen, und das\nZeitalter Walther's von der Vogelweide zählt längst nicht\nmehr allein durchlauchtige Sänger.\n\nF. L. (W. Z.)\n\nFr. Schubert’s Singspiel: „Die Verschworenen oder\nder häusliche Krieg“, im Operntheater zu Wien.\nIm Anfange des Märzmonates d. J. wurde in einem\nConcerte der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien auf\nHerbeck's Anregung und unter dessen Direction eine Ope-\nrette oder ein Singspiel: „Der häusliche Krieg\", von Ca-\nstelli, mit Musik von Franz Schubert aus dem Jahre\n1819, aufgeführt; die reizende Musik liess die Mängel\nD\ndes Textes aus der alten wiener Schule der derbkomischen\nSingspiele vergessen und wurde von Kennern und der\nganzen Zuhörerschaft mit Enthusiasmus aufgenommen,\nworüber alle Blätter einstimmig berichteten.\nDie Handlung ist eher läppisch als komisch. Ein Graf\nkehrt mit seinem Gefolge von Rittern aus dem gelobten\nLande zurück; ihre Frauen beschliessen, die so lange aus-\ngebliebenen Männer zur Strafe kalt zu empfangen. Der\nPlan wird verrathen, der Graf und die Ritter spielen das\nPrävenire, erklären, binnen Kurzem einen neuen Zug un-\nternehmen zu müssen und bis dahin nicht mit ihren Frauen\nverkehren zu dürfen. Dass am Ende eine Versöhnung folgt,\nversteht sich von selbst. Auch die Ausdrucksweise ist im\nStile der älteren wiener Posse gehalten, z. B.: „Bei Karl\ndem Dicken! sie ist hübsch und rund, Noch immer küss-\nlich ist ihr Mund.\" Die Moral im Finale richtet sich an\ndie Frauen:\n„Suchet keine stärkern Waffen,\nFrauen, euch zum Ehestreit;\nEure angebornen siegen\nImmer: Lieb1 und Zärtlichkeit.\"\nUnd dennoch hat Schubert eine köstliche Musik dazu\ngeschrieben. Das Ganze hat sechszehn Scenen. Eine\nOuvertüre fehlt; ob Schubert keine dazu geschrieben, oder\nob sie verloren gegangen, vielleicht auch noch irgendwo\nsteckt, darüber verlautet nichts Bestimmtes.\nDie Operette ist nun endlich auch, nachdem sie zwei-\nundvierzig Jahre im Staube vergraben gelegen, auf die\nBühne gekommen. Die Deutsche Musik-Zeitung berichtet\nüber die Aufführung, wie folgt:\nS.B.Endlich nach monatelangem Harren ist dieses rei-\nzende Stück in unserem Hof-Operntheater über die Scene\ngegangen. Zur Ergänzung unseres Berichts über die concert-\nweise Aufführung im März d. J. haben wir für heute nur\nWeniges beizufügen. Vor Allem das, dass die scenische"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.6", "texte": "Darstellung alle Besorgnisse niedergeschlagen hat, als ob\ndas Werk wegen seiner schönen Musik und seines unbe-\ndeutenden Libretto sich im Concertsaale besser ausnehmen\nwerde, als im Theater. Im Gegentheil: gewisse Schwach-\nheiten des Sujets und der Sprache schwanden in Folge le-\nbendiger Darstellung, oder man nahm sie wenigstens\nleicht hin.\n%\nDie Galtung, zu der das Textbuch gehört, nämlich\ndas Lustspiel, gestattet manches, was in der Opera seria\nnicht am Platze wäre, und was man im Concertsaale, mit\ndem Textbuche in der Hand, übel vermerkt. Genug: die\nOper hatte einen vollständigen Erfolg; der musicalische\nTheil des Auditoriums erquickte sich an der überaus köst-\nlichen Musik, und für den Janhagel ist durch die komi-\nschen Scenen, die derbe Sprache, die Vermummungen und\ndergleichen bestens gesorgt.\nWie heiter und graziös ist doch diese Musik, die ohne\nTanz-Rhythmen das blühendste Leben vcrsinnlicht, nir-\ngends an den Geschmack des Pöbels appellirt und doch so\nsehr „gefällt\"!\nMit Einem Worte: wir haben ein populäres, echt\ndeutsches Singspiel vor uns, in Hinsicht den\nAnforderungen der Zeit entsprechend, ohne Spur von Zopf,\nund man kann nur beklagen, dass Schubert nicht mehr\nauch in dieser Art geschrieben hat.\nUm die Ausführung des Ganzen hat sich Herr Capell-\nmeister Dessoff ein bleibendes Verdienst erworben. Es\nklappte schon bei der ersten Vorstellung Alles recht präcis\nzusammen, und die Tempi waren uns im Allgemeinen zu-\nsagend. Genauere Kenner der Partitur fanden Manches zu\nschnell, vielleicht weniger aus ästhetischen Gründen, als\nweil sie sich's anders gedacht hatten. Die Bühne verträgt\neben wegen des deutlichen Klanges schnellere Tempi, als\nder Concertsaal.—Fräul. Holfmann sang und spielte die\nGräfin recht nett, Fräulein Krauss konnte sich in die ein-\nfache Partie der Helene nicht finden, auch klingt ihre\nStimme krank und angegriffen. Herr Mayerhofer war\nals Graf ganz trefflich, die Herren Erl und Walter für\nihre Partieen nicht jugendlich genug. Ueberraschend wirk-\nten die Doppelchöre der Ritter und Edelfrauen durch Prä-\ncision und richtige Pointirung.\nWir bemerken schliesslich, dass die Firma Spina in\nWien bereits einen Clavier-Auszugdes »Häuslichen Kriegs\"\nvorbereitet.\n\nRossini an Alphons Royer\n*)•\nMein Herr und Freund!\nAuf eine von mir an die Gesellschaft der Concerte des\nConservatoires gerichtete Anfrage habe ich so eben die\nVergünstigung erhalten, ein kleines Gesangstück von mei-\nner Composition aufführen zu lassen [in dem Concerte**)],\nwelches die genannte Gesellschaft für die Errichtung eines\nDenkmals zur Ehre und zum Andenken des gelehrten und\nberühmten Cherubini geben wird.\nIch habe mein Stück für vier hohe Bassstimmen\nim Unisono gesetzt. Betitelt ist es: Der Gesang der\nTitanen {Le Chant des Titans),und für die Ausführung\nbrauche ich vier tüchtige Kerle ich bitte sie\nmir von Ihnen aus, da Sie ihr glücklicher Director sind.\nHier sind ihre Namen:\nBelval\nFaure* ü perfetta vicenda***).\nObin\nWie Sie sehen, führe ich sie nach dem Alphabet auf,\num Ihnen zu beweisen, dass ich le convenienzs teatrali\nnicht vergessen habe.\nWollten Sie nun wohl so gut sein, mein lieber Herr\nRoyer, und mir einen neuen Beweis Ihrer Sympathie da-\ndurch geben, dass Sie der Dolmetscher meiner Bitte bei\ndiesen Herren werden und sie in meinem Namen ersuchen,\nmir ihre Mitwirkung bei der Ausführung meines Tita-\nnengesanges zu gewähren, in welchem seien Sie\nunbesorgt—weder irgend eine Roulade, noch eine chro-\nmatische Tonleiter, noch Triller, noch Arpeggien vorkom-\nmen; es ist eine einfache Melodie mit titanischem und etwas\nweniges tollem Rhythmus [t Eine\nkleine Probe bei mir, und die Sache ist fertig.\nWenn meine Gesundheit es mir erlaubte, so würde\nich sehr gern, wie es meine Schuldigkeit wäre, persönlich\nIhre tapferen Sänger um die Gunst bitten, die ich bean-\nspruche; aber ach, mein theurer Freund! meine \"Beine\nwerden schwach, so stark auch mein Herz noch schlägt,\nund dieses Herz bezeigt Ihnen im Voraus die lebhafteste\nDankbarkeit; es führt mir die Hand, um Ihnen zu wie-\n\n*) Die France Musicale theilt in ihrer Nr. 43 einen Brief von\nRossini an den Director der grossen Oper, Herrn A. Roy er,\nmit, den wir in wortgetreuer Uebersetzung wiedergeben, weil\ner in mehr als Einer Hinsicht ein sehr interessantes Curiosum\nist, dessen Echtheit jedoch kaum zu beweifeln sein dürfte.\nDie Redaction.\n**) Diese Worte sind wahrscheinlich, entweder vom Schreiber oder\nvom Setzer, ausgelassen, wie der Zusammenhang zeigt.\nDie Redaction.\n***) „Die vollkommen Einer für den Anderen einstehen können.44"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.7", "texte": "derholen, wie ich mit den Gefühlen der grössten Hoch-\nachtung und aufrichtiger Freundschaft bleibe\nIhr ergebener\nGioachino Rossini,\nPianist vierter Ciasse.\nPassy, den 15. October 1861.\n\nAus Barmen.\nDas erste Abonnements-Concert im grossen Saale der Concordia\nunter der Leitung des Musik-Directors Anton Krause fand am\n26. October Statt und brachte „Die Jahreszeiten\" von Jos.\nHaydn. Die Chöre wurden vom städtischen Singverein in Verbin-\ndung mit der Liedertafel von 120—130 in schönem Verhältnisse\nwirkenden Stimmen ausgeführt. Die Solisten bildeten ein recht schö-\nnes, passendes Ensemble. Hanne, Fräulein Julie Rottenberger\naus Köln, eine junge, talentvolle Sängerin mit schöner, frischer,\nechter Sopranstimme von bedeutendem Umfange, Schülerin des Kam-\nmersängers Herrn Koch, sang die Partie mit naivem Ausdrucke\nunter allgemeinem Beifalle. Ihre eifrigen Studien, der frische Klang\nund die Reinheit ihrer Stimme, namentlich ihre Sicherheit in den\nhöchsten Lagen, versprechen ihr eine bedeutende Zukunft. Herr\nKarl Hill aus Frankfurt sang die Partie des Simon mit seiner\naohonen, vollen Bass-Baritonstimme mit edlem Vortrage. Seine vom\nhohen F bis zum tiefen Es gleichmässige Stimme ist sehr wohllau-\ntend und biegsam und in den Kraftstellen von grosser Wirkung; in\nder „Schöpfung\" und den „Jahreszeiten\" dürfte er nicht leicht über-\ntroffen werden. Zu Hanne und Simon gesellte sich Lucas, Herr An-\ndreas Pütz, der die Barmer nach längerer Zeit einmal wieder mit\nseiner ewig frischen und herrlichen Tenorstimme erfreute und durch\nseinen seelenvollen Gesang alle Herzen gewann. Das Auditorium\nwar in freudiger Stimmung und spendete reichen Beifall.\nBesonders ausgezeichnet wurden: die Tenor-Arie: „Dem Druck\nerlieget die Natur\"— die Sopran-Arie: „Welche Labung für die\nSinne\" das Duett (Hanne und Lucas) das Lied der Hanne:\n„Ein Mädchen, das auf Ehre hielt\", und die Arie des Simon: „Er-\nblicke hier, bethörter Mensch\"; die Chöre: „Komm, holder Lenz\",\n„Uns spriesset Ueberfluss\", „Dir jauchzen alle Stimmen\"; der Ge-\nwitter-Chor, der Jagd-, Wein- und Schluss-Chor, in welchen die\nOrgel bei den Stellen: „Ein ew'ger Frühling herrscht und gränzen-\nlose Seligkeit wird der Gerechten Lohn\", und: „Dann geh'n wir ein\nin Deines Reiches Herrlichkeit\" mit bezaubernder Wirkung ein-\nfiel. So wirkten in dem herrlichen Werke Soli, Chor und Orchester\n(in welchem wir unter Anderen Bernhard Breuer [Cello] und\nAdolph Breuer [Contrabass] von Köln erblickten), Frische und\nPräcision der Ausführung und die schöne Akustik des Saales zu-\nsammen, um diesen Concert-Abend zu einem unvergesslichen zu\nmachen.\nHerr Musik-Director Krause leitete das Ganze mit sichtbarer\nFreude und grossem Verständnisse, und der ihm gebührende Dank\nfür die Ehren des Abends wurde ihm nach dem Concerte bei einem\nfröhlichen Mahle, das 2—300 Personen (Damen und Herren) ver-\neinigte, und wo der kölner Humor in den Herren Adolph Breuer\nund Andreas Pütz wieder seine würdigen Vertreter fand, in einem\nbegeisterten Trinkspruche gebracht, dem die ganze Versammlung\naus vollem Herzen beistimmte.\nWir fügen diesem Berichte die Erwähnung des Concertes am\n28. September bei, welches zur Einweihung der Orgel in\ndem neuen Saale der Concordia veranstaltet wurde. Das Programm\nbrachte vier Orgel-Vorträge: Toccata in F-dury Fuge in Cis-moll\nvon J. S. Bach, Sonate Nr. 111. von van Eyken, Präludinm in\nF-dur von N. W. Gade, welche sämmtlich von Herrn van Eyken\nmit bekannter Meisterschaft ausgeführt wurden. Ferner sang Fräu-\nlein Mann die Kirchen-Arie von Stradclla und die Solostimme\nin M endelss ob n's Hymne für Sopran und Chor mit Begleitung\nder Orgel beides mit schönem Ausdruck und verdientem Beifall.\nIn der Motette von Mendelssohn für Frauenstimmen hätten wir\ndie Orgelbegleitung weniger monoton gewünscht, zumal da das treff-\nliche Werk von Ibach Söhne gar manche schöne weiche Stimmen\nzur Unterstützung des Gesanges enthält, die aber nicht so benutzt\nwurden, wie beim Solospiel. Der Chor war nicht stark besetzt,\nmachte aber doch in der Mendelssohn'schen Hymne mit dem vollen\nWerke der Orgel zusammen einen mächtigen Eindruck.\nDie hauptsächliche Bedeutung dieses Concertes lag darin, das®\ndurch dasselbe die erste vollständige Concert-0rgel in\nDeutschland und wohl überhaupt auf dem Festlande von Europa\neingeweiht wurde. Die Vollendung derjenigen im Concertsaale zu\nElberfeld wird in den nächsten Wochen folgen, ferner Brüssel\nmit der Orgel in der Salle ducale, die zwar schon inaugurirt, aber\nnoch nicht ganz vollendet ist. Und Köln? Eine Stadt, die an Reich-\nthum der Mittel alle die genannten überragt, wie lange wird sie\nihren prachtvollen Saal im Gürzenich, dessen Baustyl schon zur\nVervollständigung des Ganzen eine Orgel fordert, ohne eine solche\nlassen ?\nDie Orgel in der Concordia zu Barmen ist ein Werk von 44\nStimmen, welches seinem Erbauer auch besonders in der Hinsicht\nEhre macht, dass er bei der Disposition und vorzüglich bei der In-\ntonation wohl zu berücksichtigen verstanden hat, was einer Orgel\nim Concertsaale angemessen ist, für deren Gebrauch und Bestimmung\nzum Theil ganz andere Verhältnisse geltend gemacht werden müs-\nsen, als für eine Kirchenorgel.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf&oln* Am 26. October feierte die Gesellschaft Humorrhoi-\ndaria, deren Wahlspruch Grillen Vertreibung durch frohe Laune\nund Ergötzung durch musicalisch-theatralische Darstellungen komi-\nscher und humoristischer Gattung ist, in ihrem festlich geschmück-\nten Locale im Dom-Hotel ein schönes Fest der Heiterkeit und Dank-\nbarkeit. Die Mitglieder hatten sich nämlich zahlreich versammelt,\num ihrem Dirigenten, Herrn Hermann Kipper, einen Ehrentag\nzu bereiten und ihm ihren Dank für sein unermüdliches und un-\neigennütziges Wirken für die Gesellschaft auf herzliche und zugleich\nden Charakter des Vereins getreue Weise an den Tag zu legen. Denn\nmit ernster Rede wechselten gemüthliche Scherze und Lieder, die\ndas Festessen würzten, werthvolle Geschenke, darunter ein prächti-\nger silberner Pocal, wurden dem Gefeierten überreicht, dann ein al-\nlegorisches Festspiel von Ziegler: „Kipper im 01ympu, auf der hüb-\nschen liühne im Fond des Saales, und zum Schlüsse eine neue ko-\nmische Operette von Kipper: „Der todte Schneider\" *), aufgeführt,\nwelche die talentvollen darstellenden Mitglieder dieses Mal ohne\nihren Musik-Director einstudirt hatten und diesen damit überrasch-\nten. Dass das Fest bis spät nach Mitternacht in ungetrübter Heiter-\nkeit dauerte, versteht sich bei dem jovialen Tone und dem charak-\nteristischen Ausdruck des echten kölnischen Humors, der in dieser\nGesellschaft herrscht, von selbst.\nAm Sonntag den 27. October sang Karl Form es hier aus Ge-\nfälligkeit für den Besitzer der Königshalle vor einem Auditorium\n\n*) Köln, Verlag von M. Schloss. Achte Lieferung der „Di-\nlettanten-Oper\". — Wir kommen nächstens auf die humoristi-\n«chen Compoßitionen von H. Kipper zurück."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611102-01.1.8", "texte": "▼on beinahe 2000 Personen, Der grosse Sänger wurde bei jedesma-\nligem Auftreten mit stürmischem Jubel begrüsst und am Schlüsse\njedes Gesanges wiederholt gerufen, nach dem Vortrage des Liedes\nRäuber\" von Anton Meyer mit dem Componisten zugleich,\nder ihn auch am Pianoforte begleitet hatte.\nAm 20. October gab Karl Formes zum Besten des Baufonds\nder neuen katholischen Kirche in seiner Vaterstadt Mülheim am\nRheine ein Concert, in welchem er Schubert's „Wanderer\", Mo-\nzart's „In diesen heiligen Hallen\" und einige Lieder mit Pianoforte\"\nBegleitung vortrug und in der gedrängt gefüllten Schützenhalle, in\nwelcher auch aus Köln eine Menge von Zuhörern anwesend war,\neinen wahren Enthusiasmus hervorrief. Und mit Recht. Denn seine\nganz exccptionelle Bassstimme hat noch immer dieselbe reiche Klang-\nfülle und wohllautende Kraft, welche ihm seinen Ruf in zwei Welt-\n\"V\ntheilen geschaffen haben. In dem Concerte wirkte der Sängerbund\nyon Köln mit, der unter der geschickten Leitung seines jetzigen\nDirigenten, des Herrn W. Bitter, mehrere Stücke vortrug, von de-\nnen Abt's „Waldnacht\" und ein Volkslied: „Ritters-Abschied\", das\nuns neu war, vorzüglich gut gesungen wurde. Herr Bonewitz aus\nWiesbaden spielte Beethoven's Clavier-Sonate in F-moll mit befrie-\ndigender Technik. Das Concert brachte 500 Thlr. ein.\nK. Formes hat von Sr. Hoheit dem Herzoge von Nassau\nden Adolfs-Orden erhalten. Am 31. October reis'te er über\nKöln und Aachen nach London, wo er schon am Abende des 1.\nNovember in St. Martins Hall auftritt; für die dortigen Concerte\nhat er ein Engagement bis zum Januar k. J. angenommen.\nMan schreibt aus Hannover: In Gläser's „Adlers Horst\" fan-\nden besonders Herr Niemann und Fräulein Ferrari reichen Bei-\nfall. In der Partie des Anton hörten wir ein neugewonnenes Mitglied\nunserer Bühne, Herrn Schüller, der, ein noch junger Mann, bei\ndem Gesanglehrer Koch in Köln seine Schule gemacht hat. Die\nStimme ist nicht stark, aber umfangreich und wohllautend. Vortrag\nund Spiel Hessen jedoch nicht gerade auf besonderen Beruf für die\nBühne schliessen.\nUeber Kücken's Entlassung in Stuttgart erfährt man jetzt\nNäheres. Er hat das betreffende Gesuch bereits am 26. September\neingereicht, und am 30. erfolgte die königliche Erschliessung, welche\ndie Entlassung gewährte. Als einzigen Grund gibt Kücken selbst\nden an, er habe sich durch die Art und Weise, wie ohne sein Wis-\nsen, gleichsam hinter seinem Rücken, ein weiterer Capellmeister an-\ngestellt worden, gekränkt gefühlt, und ziehe es vor, zu gehen, statt\nsich weiteren Kränkungen auszusetzen. Durch seinen Abgang und\nden damit verbundenen Verzicht auf ein fixes, bedeutendes Einkom-\nmen hat er ein in jetziger Zeit seltenes Beispiel gegeben, wie es\ndoch noch Männer gibt, denen Geld und Geldeswerth nicht als das\nHöchste erscheint.\nI®eter«f*us*g« Die Errichtung eines grossartigen Conservato-\nriums für Musik in Petersburg Seitens der durch ihre bedeutenden\nConcertleistungen bekannten und bisher unter der Leitung Rubin-\nstein's gestandenen „russischen Musik-Gesellschaft\" ist von allen be-\ntreffenden Ministerien genehmigt worden und wird nach erfolgter\nRückkehr des Kaisers aus der Krim dessen schliessliclie Bestätigung\nerlangen. Rubinstein hat bereits die förmliche Einladung erhalten,\ndie Organisation und oberste Direction dieses neuen, auf reiche Geld-\nmittel sich stützenden Instituts zu übernehmen. Demnach hat sich\nRubinstein entschlossen, seinen Plan einer mehrjährigen Concert-Tour\naufzugeben und nach Petersburg zurückzukehren.\nEinen Bericht über die Aufführung der oratorischen Composition\nvon Hub. Engels zu M. Hartmann's Gedicht „Der Untergang\nvon lveris\" in Mülheim an der Ruhr müssen wir bis zur näch-\nsten Nummer versparen."}]}