{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-11-09-01", "volume": "bmtnabi_1861-11-09_01", "ocr_sha256": "093770cea09610421dfb0287713e96b190ec9c610309c9bf97038bee68c5a5e3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/11/09_01/bmtnabi_1861-11-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-11-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 328, "texte": "Inhalt.\nReisebriefe von F. 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Nach zwei Briefen\naus München, wo er bei Hofe spielte und ein grosses\nConcert gab, die und die Ouvertüre zum\nSommernachtstraum aufführte, das spielte\nund zum Schlüsse über Non piü andrai phantasirte*),\nenthält die Sammlung eilf Briefe aus Paris vom 19. De-\ncember 1831 bis 31. März 1832**). Diesen schliessen\nsich Auszüge aus einigen Briefen aus London vom 27.\nApril bis 1. Juni 1832 an (S. 331—340).\nIch hole nach, was ich in dem vorigen Abschnitte, wo\nich den Leser gleich nach Rom zu Mendelssohn führte,\nvergessen habe, dass die Reise zunächst von Berlin nach\nWeimar ging, dann über München, Linz, Pressburg,\nnach Venedig und von da über Florenz nach Rom. Aus\nden genannten Orten sind vom 31. Mai bis 30. October\n1830 Briefe da (S. 1—45), unter denen die drei ersten\nüber den Aufenthalt in Weimar und bei Göthe die an-\nziehendsten sind.\nAusser dem lebhaften Interesse, welches die Briefe\nder ganzen Sammlung für alle darin berührten Gegen-\nstände anregen, bleibt doch die Hauptsache für uns und\ndie zukünftigen Leser die Charakteristik Mendelssohn's\nselber, welche sich nach und nach aus diesen Mittheilun-\ngen in einer Weise offenbart, die wohl einzig in ihrer Art\nin der biographischen Literatur sein dürfte. Denn was\nsind—in Bezug auf Wahrheit und natürlichen Erguss der\nEmpfindung und der Ueberzeugung alle Selbstbiogra-\nphieen, Bekenntnisse, und wie sie sonst heissen mögen,\ngegen diese Briefe eines Jünglings an seine Eltern und\nGeschwister, die, ohne dass er selbst jemals bei dem Schrei-\nben derselben nur eine Ahnung davon haben konnte, jetzt\naus dem innersten Ileiliglhume der Familie ans Licht der\nWelt treten! Wenn bei anderen Aufzeichnungen und spä-\nteren Ueberarbeitungen von Erlebnissen und Anschauun-\ngen bedeutender Männer durch sie selbst die Reflexion\neine grosse Rolle spielt, bedingt von tausend Rücksichten\nauf ihre Stellung in der Welt und hundert anderen Din-\ngen, welche Einlluss nicht nur auf Mittheilen und Ver-\nschweigen, sondern selbst auf die Darstellung haben, so\ndass »Wahrheit und Dichtung\" im Grunde der einzig rich-\ntige Titel für sie ist: so strömt hier Alles aus dem reinsten\nBorn der Aufrichtigkeit und Anspruchslosigkeit, und dem\nüberall Maassvollen im Ausdruck der Empfindung und in\n\n*) „Als ich zur Phantasie kam, wurde ich wieder sehr empfan-\ngen ; der König hatte mir Non piu andrai als Thema gege-\nben, und da musste ich denn darauf phantasiren. Ich habe\nmich recht in meiner Meinung bestärkt, dass es ein Unsinn\nsei, öffentlich zu phantasiren. Mir ist selten so närrisch zu\nMuthe gewesen, als wie ich mich da hinsetzte, um meine Phan-\ntasie dem Pnblicum zu produciren. Die Leute waren sehr zu-\nfrieden, wollten mit Klatschen gar nicht endigen riefen mich\nheraus die Königin sagte mir alles Verbindliche; aber ich\nwar ärgerlich, denn mir hatte es missfallen, und ich werde es\nöffentlich nicht wieder thun; es ist ein Missbrauch und ein\nUnsinn zugleich. Das war also mein Concert am 17. (October\n1831), das nun hinter mir liegt. Es waren gegen 1100 Men-\nschen darin, und so können die Armen zufrieden sein (für die\nder Ertrag bestimmt war) u. s. w. Felix.\"\n**) In einem dieser pariser Briefe (vom 13. Februar 1832) erwähnt\ner die Vollendung der Walpurgisnacht noch mit folgenden Wor-\nten: „Meine ul-moZZ-Ouverture ist fertig; sie stellt schlechtes\nWetter vor. Eine Einleitung, in der es thaut und Frühliug\nwird, ist auch vor ein paar Tagen beendigt, und so habe ich\ndenn die Bogen der Walpurgisnacht gezählt, die sieben Num-\nmern noch ein wenig ausgeputzt und dann getrost unten: Mai-\nland, im Juli Paris, im Februar hingeschrieben. Ich\ndenke, es soll Euch gefallen.\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5359, "texte": "der Wiedergabe der Eindrücke, das niemals die natürliche\nEinfachheit überschreitet, mithin nirgends gemacht ist,\nentquillt ein Ton der Wahrheit, der unendlich wohl thut\nund herzgewinnend ist.\nWenn wir es den Lesern des Buches überlassen wol-\nlen, sich die Freude zu machen, das Bild eines hochbe-\ngabten Jünglings von seltener Geistesreife vor ihren Augen\nerwachsen zu sehen, eines Jünglings, der, gesund und frisch\nan Leib und Seele, sich in der grossen Welt, in der und\nfür die er erzogen, bei Unbeschränktheit der Mittel und\njugendlicher Lebenslust ein reines Gemüth und eine hohe\nSittlichkeit bewahrt, wenn wir ihnen überlassen, Mendels-\nsohn als Menschen kennen und lieben zu lernen, so wol-\nlen wir doch noch den Künstler, der bereits in seiner\nJugend als vollständig einig mit sich über den höchsten\nZweck seiner Kunst und seiner Aufgabe für dieselbe\nvor uns hintritt, aus einigen Stellen reden lassen, die ihn\ndem eiteln und ehrsüchtigen Treiben berühmter Kunstge-\nnossen seiner Zeit und der Gegenwart gegenüber auf eine\nhohe Stufe stellen.\nS. 56. Gestern Mittag bei Bunsen gab es unter An-\nderen einen deutschen Musiker; o Herr Gott, o Herr Gott,\nich wollte, ich wäre ein Franzos! Der Musiker sagte mir:\ndie Musik muss man doch eigentlich alle Tage handha-\nben. Warum? antwortete ich darauf, und das setzte ihn\nin Verlegenheit. Er sprach also gleich vom ernsten Stre-\nben, und wie doch Spohr gar kein ernstes Streben habe,\nwie er aber durch mein Tu ganz deutlich ein\nernstes Streben habe durchschimmern sehen. Hätt' es einen\nHasen bei Tisch gegeben, so hätt' ich ihn unterdessen auf-\ngefressen; so musst' ich Maecaroni dafür nehmen. Der\nKerl hat aber ein Gütchen bei Frascati, und ist eben im\nBegriff, die Musik niederzulegen; wer doch auch schon\nso weit wäre!\nS. 77. Mich macht es jedesmal innerlichst grimmig,\nwenn Menschen, die gar keine Richtung haben, sich damit\nabgeben wollen, über Andere zu urtheilen, die etwas wol-\nlen, und sei es das Kleinste, und ich habe desshalb einem\nMusiker hier neulich in einer Gesellschaft nach Kräften\ngedient. Der wollte nun gar über Mozart sprechen, und\nweil Bunsen und seine Schwester Palestrina lieben, suchte\ner sich bei ihnen dadurch einzuschmeicheln, dass er mich\nz. ß. fragte, was ich denn über den guten Mozart mit sei-\nnen Sünden dächte. Ich antwortete ihm aber, ich meines-\ntheils liesse gleich meine 1 ugenden im Stich und nähme\nMozart's Sünden dafür; wie tugendhaft er sei, könne ich\naber nicht bestimmen. Die Leute fingen an zu lachen und\nhatten ihre Freude daran. Dass solch Volk sich nicht ein-\nmal vor den grossen Namen scheuen will! Indess ist es ein\nTrost, dass es in allen Künsten dasselbe ist, da die Maler\nes hier nicht besser machen. Es sind furchtbare Leute,\nwenn man sie in ihrem Cafe Greco sitzen sieht auf den\nBänken umher, mit den breiten Hüten auf, grosse Schläch-\nterhunde neben sich, Hals, Backen, das ganze Gesicht mit\nHaaren zugedeckt, machen einen entsetzlichen Qualm (nur\nauf der einen Seite des Zimmers), sagen einander Grob-\nheiten; die Hunde sorgen für Verbreitung von Ungeziefer;\nund so trinken sie Kaffee und sprechen vön Tizian und\nPordenone, als sässen die neben ihnen und trügen auch\nBärte und Sturmhüte! Und wenn ich mein Leben lang\nnichts weiter thun könnte, so will ich allen denen, die vor\nihren Meistern keinen Respect haben, die herzlichsten\nGrobheiten sagen; dann hätt' ich schon ein gutes Werk\ngethan.\nS. 93. Es fehlt in Italien recht eigentlich an Musikern\nund an rechtem Sinn. Wir mögen etwas Falsches oder\nUnmögliches durchsetzen wollen etwas Anderes ist und\nbleibt es, und wie mir ein Cicisbeo in alle Ewigkeit etwas\nGemeines und Niedriges sein wird, so auch die italiänische\nMusik. Ich mag zu schwerfällig sein, um beide zu verste-\nhen; es ist mir aber nicht darum zu thun, und als neulich\nin der Filarmonica nach allem Pacini und Bellini der Ca-\nvaliere Ricci mich bat, ihm Nzu begleiten,\nund als die ersten Noten anfingen und so innerlichst ver-\nschieden und himmelweit entfernt von allem Anderen wa-\nren, da wurde mir die Sache klar, und es wird sich nicht\nausgleichen, so lange es hier blauen Himmel und solch\nlieblichen Wmter gibt, wie diesen. Können die Schweizer\ndoch auch keine schönen Landschaften machen, eben weil\nsie sie den ganzen Tag vor Augen haben.\ntraitent la musique comme wie affaire d'etat\", sagt Spon-\ntini, und das Omen nehme ich an. Neulich sprachen meh-\nrere Musiker hier von ihren Componisten, und ich hörte\nstill zu. Da citirte einer auch den ****, aber die anderen\nfielen in die Rede und sagten, der sei nicht für einen Ita-\nliener zu rechnen, denn die deutsche Schule klebe ihm im-\nmerfort an, und er habe sie nie recht los werden können;\ndaher sei er auch niemals einheimisch in Italien gewesen.\nWir Deutschen sagen nun das Umgekehrte von ihm, und\nes muss fatal sein, sich so en ohne Vaterland zu\nfinden. Was mich betrifft, so bleibe ich bei der Fahne; die\nist ehrenvoll genug.\nS. 121. Du sagst, *** müsse doch etwas in der Kunst\nwollen; da bin ich gar nicht Deiner Meinung; ich glaube,\ner will sich verheirathen, und ist eigentlich schlimmer, wie\ndie Anderen, weil er affeclirter ist. Ich mag diesen nach\naussen gekehrten Enthusiasmus, diese den Damen präsen-\ntirte Verzweiflung und die Genialität in Fractur Schwarz\nauf Weiss ein für alle Mal nicht ausstehen, und wenn er\nnicht ein Franzose wäre, mit denen es sich immer ange-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5505, "texte": "nehm leben lässt, und die immer was zu sagen und zu in-\nteressiren wissen, so wäre es nicht zum Aushalten.\nS. 189. (Aus einem Briefe an Frau von Pereira in\nWien. Genua, im Juli 1831.) Im Anfange wollte ich nicht\neher antworten; bis ich Deinen Auftrag erfüllt und die\nnächtliche Heerschau componirt hätte, und nun sollte ich\nwieder anfangen, um Verzeihung zu bitten, dass ich es nicht\ngethan; aber es ist damit eine eigene Sache. Ich nehme\nes mit der Musik gern sehr ernsthaft, und halte es- für\nunerlaubt, etwas zu componiren, das ich eben nicht ganz\ndurch und durch fühle. Es ist, als sollte ich eine Lüge sa-\ngen; denn die Noten haben doch einen eben so bestimm-\nten Sinn, wie die Worte, vielleicht einen noch bestimmte-\nren. Nun scheint es mir überhaupt unmöglich, ein be-\nschreibendes Gedicht zu componiren. Die Masse von Com-\npositionen der Art beweis't nicht gegen, sondern für mich,\ndenn ich kenne keine gelungene darunter. Man steht in\nder Milte zwischen einer dramatischen Auffassung oder\neiner bloss erzählenden Weise: der Eine lässt im Erlkönig\ndie Weiden rauschen, das Rind schreien, das Pferd galop-\npiren,— der Andere denkt sich einen Balladensänger, der\ndie schauerliche Geschichte ganz ruhig vorträgt, wie man\neine Gespenster-Geschichte erzählt. Das ist noch das Rich-\ntigste (Reichardt hat es fast immer so genommen), aber es\nsagt mir doch nicht zu; die Musik steht mir im Wege; es\nwird mir phantastischer zu Muthe, wenn ich solches Ge-\ndicht im Stillen für mich lese und mir das Uebrige hinzu-\ndenke, als wenn ich es mir vormalen oder vorerzählen\nlasse.\nDie nächtliche Heerschau nun erzählend aufzufassen,\ngeht nicht, denn es spricht eben keine bestimmte Person;\nund den Balladen-Ton hat das Gedicht gar nicht; es kommt\nmir mehr wie eine geistreiche Idee, als wie ein Gedicht\nvor; mir ist, als hätte der Dichter selbst nicht an seine\nNebelgestalten geglaubt.—Nun hätte ich es freilich be-\nschreibend componiren können, wie es Neukomm und\nFischhof in Wien gethan; ich hätte einen originellen\nTrommelwirbel im Bass und Trompetenstösse im Discant\nund sonst allerlei Spuk anbringen können,—dazu habe ich\naber wieder meine ernsthaften Töne zu lieb; so etwas\nkommt mir immer vor wie ein Spass, etwa wie die Male-\nreien in den Kinderfibeln, wo man die Dächer knallroth\nanstreicht, damit die Kinder merken, dass es ein Dach sein\nsoll. Und etwas Halbes, etwas, das mir selbst nicht gefiele,\nhinzuschreiben und fortzuschicken, würde Dir gegenüber,\nder ich immer das Beste geben möchte, um so weniger\ngegangen sein\nS. 193. Frau Dorothea von Ertmann (in Mailand,\nJuli 1831) nahm mich sehr freundlich auf, war auch sehr\ngefällig, spielte mir gleich die Cis-moll-Sonate von Beet-\nhoven vor und dann die aus D-moll. Der alte General, der\nnun in seinem grauen, stattlichen Commandeurrock mit\nvielen Orden erschien, war ganz glücklich und weinte vor\nFreuden, weil er seine Frau so lange nicht hatte spielen\nhören; es sei in Mailand kein Mensch, der so was anhören\nwolle. Sie sprach von dem B-dur-Trio, dessen sie sich\nnicht entsinnen könne. Ich spielte es und sang die Stimmen\ndazu; das machte dem alten Ehepaare viel Freude, und so\nwar die Bekanntschaft geschlossen. Seitdem sind sie nun\nvon einer Freundlichkeit gegen mich, die mich beschämt.\nDer alte General zeigt mir die Merkwürdigkeiten von Mai-\nland. Nachmittags holt Sie mich im Wagen ab, um auf\nden Corso zu fahren; die Abende bis 1 Uhr machen wir\nMusik; gestern früh führten sie mich in die Umgegend\nspaziren, Mittags musste ich da essen, Abends war Gesell-\nschaft da, und dazu sind es die angenehmsten, gebildetsten\nLeute, die man sich denken kann, Beide in einander ver-\nliebt, als seien sie Brautleute, und sind doch schon vier-\nunddreissig Jahre verheiralhet. Sie spielt die Beethoven'-\nschen Sachen sehr schön, obgleich sie seit langer Zeit nicht\nstudirt hat; oft übertreibt sie es ein wenig mit dem Aus-\ndruck und hält so sehr an und eilt dann wieder; doch\nspielt sie wieder einzelne Stücke herrlich, und ich denke,\nich habe etwas von ihr gelernt. Wenn sie so zuwei-\nlen gar nicht mehr Ton herausdrücken kann und nun dazu\nzu singen anfängt, mit einer Stimme, die so recht aus dem\ntiefsten Innern heraufkommt, so hat sie mich oft an Dich,\no Fanny, erinnert, obwohl Du ihr freilich weit überlegen\nbist. Als ich gegen das Ende des Adagio des\nkam, rief sie: „Das kann man vor Ausdruck gar nicht\nspielen!\" und das ist wirklich wahr von dieser Stelle. Den\nfolgenden Tag, als ich zum zweiten Male da war und ihnen\ndie C-OTo//-Symphonie vorspielte, wollte sie durchaus, ich\nsolle mir den Rock ausziehen, weil es heiss wäre. Zwi-\nschendurch bringt er die schönsten Geschichten von Beet-\nhoven, wie er Abends, wenn sie ihm vorspielte, die Licht-\nputze zum Zahnstocher gebraucht habe u. s. w. Sie er-\nzählte, wie sie ihr letztes Kind verloren habe, da habe der\nBeethoven erst gar nicht mehr ins Haus kommen können;\nendlich habe er sie zu sich eingeladen, und als sie kam,\nsass er am Ciavier und sagle bloss: „Wir werden nun in\nTönen mit einander sprechen\", und spielte so über eine\nStunde immer fort, und, wie sie sich ausdrückte: „er sagte\nmir Alles und gab mir auch zuletzt den Trost\". Kurz, mir\nist wieder einmal so wohl zu Muthe geworden und so be-\nhaglich, und ich brauche so gar nicht zu schminken oder\nzu schweigen, sondern wir verstehen uns so prächtig über\nAlles! Sie hat gestern die Sonate mit Violine an Kreutzer\ngespielt; als aber der Begleiter, ein österreichischer Dra»\ngoner-Officier, im Anfange des Adagio eine lange Verzier\n\n[*]\n• I"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5454, "texte": "rung ä laPaganini machte, da schnitt ihm der alte Gene-\nral eine solche entsetzliche Grimasse, dass ich vor Lachen\nbald vom Stuhle gefallen wäre.\nS. 197. Aus zwei Briefen an Ed. Devrient (1831,\nim Juli und August). Du machst mir Vorwürfe, dass ich\nschon 22 Jahre und doch noch nicht berühmt sei; ich kann\ndarauf nichts Anderes antworten, als: wenn Gott gewollt\nhätte, dass ich zu 22 Jahren berühmt sein sollte, so wäre\nich es wahrscheinlich schon geworden; ich kann nichts\ndafür; denn ich schreibe eben so wenig, um berühmt zu\nwerden, als ich schreibe, um eine Capellmeister-Stelle zu\nerhalten. Es wäre schön, wenn sich Beides einfinden wollte;\nso lange ich aber nicht gerade verhungere, so lange ist es\nPflicht, zu schreiben, was und wie mir es ums Herz ist,\nund die Wirkung davon dem zu überlassen, der für mehr\nund Grösseres sorgt. Nur daran denke ich immer mehr\nund aufrichtiger, so zu componiren, wie ich es fühle, und\nnoch immer weniger äussere Rücksichten zu haben; und\nwenn ich ein Stück gemacht habe, wie es mir aus dem\nHerzen geflossen ist, so habe ich meine Schuldigkeit dabei\ngethan; ob es nachher Ruhm, Ehre, Orden, Schnupftabaks-\nDosen u. dergl. einbringt, kann meine Sorge nicht sein.\nMeinst Du aber, ich hätte in dem Ausbilden meiner Com-\npositionen oder meiner selbst etwas vernachlässigt oder\nversäumt, so sage mir genau und klar, was das ist und\nworin es besieht. Es wäre freilich ein schlimmer Vorwurf.\nDu willst, ich solle nur Opern schreiben, und hätte Un-\nrecht, es nicht schon längst gethan zu haben. Ich antworte:\nGib mir einen rechten Text in die Hand, und in ein paar\nMonaten ist er componirt; denn ich sehne mich jeden Tag\nvon Neuem danach, eine Oper zu schreiben; ich weiss, dass\nes etwas Frisches, Lustiges werden kann, wenn ich es jetzt\nfinde; aber eben die Worte sind nicht da. Und einen Text,\nder mich nicht ganz in Feuer setzt, componire ich nun\neinmal nicht. Wrenn Du einen Mann kennst, der im Stande\nist, eine Oper zu dichten, so nenne ihn mir um Gottes\nwillen; ich suche nichts Anderes. Aber bis ich nun einen\nText habe, soll ich doch nicht etwa lieber nichts thun\n'auch wenn ich es könnte)? Und dass ich gerade jetzt meh-\nrere geistliche Musiken geschrieben habe, das ist mir eben\nso Bedürfniss gewesen, wie es einen manchmal treibt, ge-\nrade ein bestimmtes Buch, die Bibel oder sonst was zu le-\nsen, und wie es einem nur dabei recht wohl wird. Hat es\nAehnlichkeit mit Seb. Bach, so kann ich wieder nichts da-\nfür, denn ich habe es geschrieben, wie es mir zu Muthe\nwar; und wenn mir einmal bei den Worten so zu Muthe\ngeworden ist, wie dem alten Bach, so soll es mir um so\nlieber sein. Denn Du wirst nicht meinen, dass ich seine\nFormen copire, ohne Inhalt; da könnte ich vor Widerwil-\nlen und Leerheit kein Stück zu Ende schreiben. Ich gehe\nnun nach München, wo sie mir eine Oper anboten, um zu\nsehen, ob da ein Mensch als Dichter ist; denn nur einen\nMenschen möchte ich, der ein Bisschen Glulh und Talent\nhätte; ein Riese braucht es gar nicht zu sein; und finde\nich da keinen, so mache ich vielleicht Immermann's Bekannt-\nschaft bloss desswegen; und ist der auch nicht der Mann,\nso versuch' ich es in London. Es kommt mir immer vor,\nals fehle noch der rechte Kerl; aber was soll ich thun,\num ihn herauszufinden? Im Hotel Reichmann wohnt er\nnicht, und nebenan auch nicht, und wo sonst? Darüber\nschreib' mir einmal. Obgleich ich glaube, dass uns der\nliebe Herrgott Alles, also auch Opern-Texte, zuschickt,\nsobald wir es brauchen, so müssen wir dabei doch unsere\nSchuldigkeit thun und uns umsehen, und ich wollte, der\nText wäre schon da!\nS. 201. Wenn Du es erreichst, nicht Sänger, Deco-\nrationen und Situationen, sondern Menschen, Natur und\ndas Leben Dir zu denken und hinzustellen, so bin ich über-\nzeugt, dass Du die besten Opern-Texte schreiben wirst,\ndie wir haben; denn wenn einer die Bühne so kennt, wie\nDu, so kann er schon nichts Undramatisches schreiben,\nund ich wüsste auch gar nicht, was Du von Deinen Ver-\nsen anders wolltest. Ist es von innen heraus für die Natur\nund die Musik gefühlt, so sind die Verse musicalisch, wenn\nsie sich auch im Textbuche noch so hinkend ausnehmen;\nschreib' dann meinethalben Prosa, wir wollen es schon\ncomponiren. Aber wenn Form in Form gegossen werden\nsoll, wenn die Verse musicalisch gemacht und nicht mu-\nsicalisch gedacht sind, wenn äusserlich in schönen Worten\neingebracht werden soll, was innerlich an schönem Leben\nfehlt —da hast Du Recht —, das ist eine Klemme, aus der\nkein Mensch herauskommen kann. Denn so gewiss reines\nMetrum, gute Gedanken, schöne Sprache noch immer kein\nschönes Gedicht machen, ohne einen gewissen Blitz der\nPoesie, der durchs Ganze geht, so gewiss kann nur durch\ndas Gefühl des Lebens in allen Personen eine Oper voll-\nkommen musicalisch und am Ende auch vollkommen dra-\nmatisch werden.\nS. 256. (An W. Taubert, 1831.) Ich wünsche mir\nnichts mehr, als eine rechte Oper. Wo aber der Text her-\nkommen soll, weiss ich noch weniger seit gestern Abend,\nwo ich zum ersten Male seit mehr als einem Jahre ein\ndeutsches Aesthetik-Blatt wieder in die Hände bekam.\nGolt sei bei uns! Ich musste den gespreizten Menzel ver-\ndauen, der damit auftrat, bescheidentlich Göthe schlecht\nzu machen, und den gespreizten Grabbe, der bescheident-\nlich Shakespeare schlecht machte, und die Philosophen,\ndie Schiller doch zu trivial finden! Ist Ihnen denn dies\nneuere hochfahrende, unerfreuliche Wesen, dieser wider-\nwärtige Cynismus auch so fatal, wie mir? Und sind Sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5386, "texte": "mit mir Einer Meinung, dass es die erste Bedingung zu\neinem Künstler sei, dass er Respect vor dem Grossen habe,\nund sich davor heuge und es anerkenne, und nicht die\ngrossen Hammen auszupusten versuche, damit das kleine\nTalglicht ein wenig heller leuchte? Wenn einer das Grosse\nnicht fühlt, so möchte ich wissen, wie er es mich will\nfühlen lassen; und wenn all' die Leute mit ihrer vorneh-\nmen Verachtung endlich selbst nur Nachahmungen dieser\noder jener Aeusserlichkeit hervorzubringen wissen, ohne\nAhnung von jenem freien, frischen Schaffen, unbesorgt\num die Leute und die Aeslhetik und die Urlheile und die\nganze andere Welt: soll man da nicht schimpfen?\nS. 285. (An seinen Vater. Paris, 19. December 1831.\n—Man hatte Mendelssohn in München den Auftrag ge-\ngeben, eine Oper für das Hoftheater zu schreiben. Er\nhatte sich wegen des Textes an Immermann in Düssel-\ndorf gewandt. Der Vater missbilligte dies, hielt Immer-\nmann für unfähig, eine Oper zu schreiben, und schlug vor,\nMendelssohn solle sich von einem französischen Dichter\neinen Text machen lassen und diesen übersetzt für Mün-\nchen componiren.)\nIch glaubte vollkommen zu Deiner Zufriedenheit zu\nhandeln, wenn ich ihm mein Anliegen eröffnete. Dazu kam\nnun noch, dass ich mich nach neueren Sachen, die er mir\nvorlas, nochmals überzeugt hatte, dass er wirklich ein\nDichter sei; ferner, dass ich mich bei gleicher Wahl im-\nmer lieber für den deutschen als den französischen Text\nentscheiden würde, und endlich, dass er ein Sujet genom-\nmen hat, welches mir lange schon im Sinne war, und wel-\nches auch (wenn ich nicht irre) Mutter zu einer Oper sich\ngewünscht: den Sturm von Shakespeare. So war ich denn\nsehr froh darüber, und es sollte mich nun doppelt gereuen,\nwenn Ihr nicht einverstanden wäret mit dem, was ich ge-\nthan. Nach Allem, wie ich Immermann kenne, habe ich\nGrund, einen vortrefflichen Text zu erwarten. WTas ich\nvon seiner Einsamkeit sagte, bezieht sich nur auf sein in-\nneres Leben und Treiben; sonst weiss er sehr genau, wie\nes in der Welt jetzt zugeht, was die Leute wollen, wie\nviel man ihnen geben soll;—vor allen Dingen aber ist er\nein Künstler: das ist die Hauptsache. Doch brauche ich\nnicht zu sagen, dass ich keinen Text componiren kann und\nwerde, den ich nicht für gut halte, und der mich nicht\nerwärmt. Dazu gehört denn auch sehr wesentlich, dass\nIhr damit einverstanden seid. Ich werde mir ihn genau\nüberlegen, ehe ich an die Musik gehe; namentlich das\nDramatisch-Interessirende oder (im guten Sinne) das Thea-\ntralische daran werde ich Euch natürlich sogleich mitlhei-\nlen, kurz, die Sache so ernsthaft nehmen, wie sie ist.\nEinen französischen Text übersetzt zu componiren,\nscheint mir aus mehreren Gründen nicht ausführbar. Vor\nallen Dingen ist mir, als billigtest Du sie mehr nach dem\nErfolge, den sie haben, als nach ihrem wirklichen Wer-\nth c. Auch weiss ich mich zu erinnern, wie unzufrieden\nDu mit dem Sujet der Stummen, einer verführten Stum-\nmen, des Wilhelm Teil, der mit Kunst langweilig gemacht\nist, u. s. w. gewesen bist. Der Erfolg aber, den sie über\nganz Deutschland haben, hängt gewiss nicht davon ab,\ndass sie gut oder dramatisch sind, denn Teil ist keines von\nbeiden, sondern davon, dass sie aus Paris kommen und\ndort gefallen haben. Allerdings ist ein Weg, in Deutsch-\nland anerkannt zu werden, der über Paris und London;\ndoch ist er nicht der einzige; das beweis't nicht allein der\nganze Weber, sondern sogar auch Spohr, dessen Faust\njetzt hier zur classischen Musik gerechnet und nächste Sai-\nson in der grossen Oper in London gegeben wird. Ich\nkönnte ihn auch auf keinen I 1 all einschlagen, da mir meine\ngrosse Oper für München bestellt ist und ich den Auftrag\nangenommen habe. Versuchen will ich es also in Deutsch-\nland und dort bleiben und wirken, so lange ich da wirken\nund mich erhalten kann; denn das ist freilich die erste\nPflicht. Kann ich das nicht, so muss ich wieder fort und\nnach London oder Paris, wo es leichter geht. Kann ich es\naber in Deutschland, so sehe ich freilich, wie man anders-\nwo besser bezahlt und mehr geehrt wird, auch freier und\nlustiger lebt, wie man aber in Deutschland immer fort-\nschreiten, arbeiten und niemals ausruhen muss. Und zum\nLetzten halte ich mich. Jeder der neuen hiesigen Texte,\nzum ersten Male in Deutschland auf die Bühne gebracht,\nwürde meiner Ueberzeugung nach nicht den geringsten\nErfolg gehabt haben. Dazu kommt noch, dass der Haupt-\npunkt bei ihnen allen gerade einer von denen ist, in denen\nman, wenn sie auch die Zeit verlangt, und wenn ich auch\nvollkommen einsehe, dass man im Ganzen genommen mit\nder Zeit, nicht gegen sie gehen müsse, sich ihr geradezu\nentgegen stellen soll: es ist der der Unsittlichkeit. Wenn\nin Robert le diabledie Nonnen eine nach der anderen kom-\nmen und den Helden zu verführen suchen, bis es der Aeb-\ntissin endlich gelingt; wenn der Held durch einen Zauber\nins Schlafzimmer seiner Geliebten kommt und sie zu Bo-\nden wirft, in einer Gruppe, über die das Publicum hier\nklatscht und in ganz Deutschland vielleicht nachklatschen\nwird, und wenn sie ihn dann in einer Arie um Gnade bit-\ntet; wenn in einer anderen Oper das Mädchen sich aus-\nkleidet und dabei ein Lied singt, wie sie morgen um diese\nZeit verheirathet sein werde: es hat Effect gemacht,\naber ich habe keine Musik dafür. 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October 1861.\nSo erfreulich die immer mehr Roden gewinnende Ver-\nbreitung des Geschmacks an musicalischen Aufführungen\nauch in den weniger volkreichen Städten der preussischen\nRheinprovinz im Allgemeinen ist, so ist es uns doch nicht\nwohl möglich, alle Kundgebungen derselben im Einzelnen\nzu verfolgen. Wenn wir durch Besprechung des Concertes\nin Mülheim an der Ruhr eine Ausnahme machen, so ge-\nschieht es desshalb, weil in demselben ein neues Gesang-\nwerk, das den ganzen Abend füllte, von dem dortigen\nMusik-Director Herrn Hubert Engels componirt, zu\nwelchem Moriz Hartmann das Gedicht geliefert hat,\naufgeführt wurde.\nWir müssen bei dieser Gelegenheit die alte Klage wie-\nderholen, dass unsere Componislen bei der Wahl oder\nAnnahme von Texten zu Gesangstücken in der Regel ohne\ndie gehörige Kritik verfahren, welche doch dem Musiker\ndem Dichter gegenüber nothwendig zusteht. Es mag sein,\ndass die meisten deutschen Dichter ihre Verse für unan-\ntastbar halten und in jedem Striche des Tonkünstlers durch\ndiese oder jene Strophe, ja, in jedem Wunsche der Aen-\nderung, Weglassung oder Hinzul ügurig einen Frevel gegen\nihr Werk erblicken, das ihrem Haupte, wie die gerüstete\nMinerva dem Jupiter, fix und fertig entsprungen. Allein\nder Musiker muss sich daran nicht kehren und sich nicht\nscheuen, den Dichter auf die Erfordernisse seiner Kunst\naufmerksam zu machen, denn es ist nun einmal nicht an-\nders: der Text bleibt— und wenn er noch so schön und\npoetisch in Stoff und Ausdruck ist für ein grösseres Ge-\nsangwerk doch immer nur das Mittel zum Zwecke. Der\numgekehrte Grundsatz, der die Musik zur Uebersetzerin\ndes Wortes in Töne, zur Magd der Poesie macht, hat bis\njetzt noch keine thatsächlichen Reweise für seine Richtig-\nkeit geliefert.\nDas Gedicht von M. Hartmann: „Der Untergang\nvon Keris\", rührt wohl aus der Zeit her, in welcher sich\nHartmann mit den Sagen und Volks-Poesieen der Rretagne\nvorzugsweise beschäftigte. Es steht durch seinen halb welt-\nlichen, halb religiösen Inhalt in der Mitte zwischen Orato-\nrium und Cantate. Gradion, der König der Stadt Keris\noder Is (wie sie im Gedichte selbst heisst), ist vom heiligen\nGwenole mit seinem Volke zum Christenlhumc bekehrt\nworden. Er hat aber auch den Weinbau in der Rretagne\neingeführt, und daraus entsteht Unheil. Ein Theil des\nVolkes, an dessen Spitze Dahüt, die eigene Tochter des\nKönigs, und ihr Buhle Alran, versinkt wieder in den Rausch\ndes Wohllebens und der heidnischen Freuden; der heilige\nGwenole prophezeit vergebens den Untergang, denn Da-\nhüt stiehlt ihrem Valer im Schlafe „das goldene Schlüsse-\nlein \", das vermeintlich die Pforte zu den unterirdischen\nSchätzen des Königs erschliesst. Als aber Alran diese öff-\nnet—sie schloss das Thor in dem Meeresdamme—, braus't\ndie Flut unaufhaltsam herein und verschlingt die Stadt mit\nden Sündern, während die Gerechten mit Gvvenole und\ndem Könige gerettet werden und Gott preisen.\nDie Gegensätze der Schwelger und der Frommen, die\nhereinbrechende Katastrophe, am Schlüsse die Rettung der\nGerechten bieten gute musicalische Situationen dar, wäh-\nrend mit Ausnahme des Liedes des Wächters: nO Mitter-\nnacht\" , welches ein hübscher lyrischer Erguss ist, von den\nEinzelgesängen das Gleiche nicht gesagt werden kann. Mit\ndem Ausdruck darf man es auch nicht genau nehmen,\nwas Dinge wie: „Zürne nicht, Dass im Gedicht (?) Die\nRebe unsreLust erhebe\" „schleich' auf stillen Sohlen\"\nu. s. w. zeigen. Wer aber kann folgenden Schluss der\nProphezeiung des Heiligen componiren-:\nWer Fisch verzehrt, ihr Prasserzangen,\nWird werden wie der Fisch verzehrt,\nUnd wer verschlingt, der wird verschlungen!\nWer Wein trinkt aus dem Gold, dem klaren (?),\nWird Wasser trinken, wie ein Fisch,\nUnd wer nicht weiss, der wird erfahren (!).\nDas ist denn doch z. R. eine Stelle, die der Musiker\npflichtmässig streichen musste; denn sie mag componirt\nwerden, wie sie wolle, sie wird immer ans Possierliche\nstreifen.\nHerr Engels hat auf diesen Text eine Musik von\ndreissig meist ziemlich langen Nummern in zwei Abthei-\nlungen geschrieben, und sie bekundet nicht nur ein gedie-\ngenes Streben nach hohem Ziele und einen ernsten, höchst\nehrenwerthen Fleiss, sondern auch eine, wenn auch nicht\nüberall reich quellende, doch mannigfaltige und oft bedeu-\ntende Erfindungsgabe, die sich nur noch mehr abklären\nmuss, nebst musicalischem Wissen und einer regelrechten\nHandhabung der Form. Am besten sind ihm die leiden-\nschaftlichen Gesammt-Chöre gelungen, weniger die düste-\nren Männerchöre, die zu monoton sind. Zu den ersteren\ngehören gleich zu Anfang das üppige Gelage der schwel-\ngenden Hofleute, der Doppelchor der Sünder und der\nFrommen am Schlüsse des ersten Theiles; im zweiten\nTheile der wilde, charakteristische Chor: „Verflucht sei\nalle Russe Nicht wollen wir scheiden von Göttern der\nLust\" u. s. w.; der Chor des Volkes: „Wehe! mit wilder\nWuth bricht ein die Flut\", in welchem der Untergang\nder Stadt im Meere geschildert wird, dann das Solo mit\nChor: „Es ist der Geist des Herrn, der ob den Wassern\n\\\nschwebet\", und der fugirte Schlusschor der Geretteten:\n„Herr, Du bist der ewig Weise!\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1295, "texte": "Von den Solostücken können wir nur das Lied des\nWächters (Tenor) und das Quartett für vier Frauenstim-\nmen (nach dem Chor, der die Ueberflutung schildert) aus-\nzeichnen. Die übrigen haben uns weniger angesprochen.\nDass der König als Tenor behandelt ist (Alran, der Ge-\nliebte der Tochter, ist Bariton, der Heilige Bass), ist ein\nMissgriff, den Halevy's Eleazar nicht entschuldigen kann.\nDie Behandlung des Orchesters dünkt uns im Ganzen\nzu voll und dick; es scheint, als habe der Componist durch\ndie Instrumente neben dem Gesänge zu viel sagen wollen\n—einer von den Fehlern der Neueren, während die man-\ncherlei anderen Fehler, namentlich der Neuesten, in Zu-\nsammenstellung widerhaariger Accorde und quälender Vor-\nhalte hier glücklich vermieden sind. Um über das Zuviel\nund Zuwenig der Instrumentirung beim Gesänge ins Klare\nzu kommen, kann man den jüngeren Componisten nur das\nStudium Mozart'scher Partituren, hauptsächlich von „Fi-\ngaro's Hochzeit\", empfehlen. Freilich dürfen wir nicht\nverschweigen, dass die Ausführung des Werkes gerade\nim Orchester sehr mangelhaft war, während der Chor und\ndie Solisten alles Lob verdienten, und der erstere sehr an-\nerkennungswerthe Beweise von dem Eifer der Mitglieder\nund von dem Directions-Talente und dem Fleisse des Di-\nrigenten, Herrn Engels, gab."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-11-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "359", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.2.4", "titre_corps": "Concert des kölner Männergesang-Vereins.", "titre_sommaire": "Concert des kölner Männergesang-Vereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.7", "debut_caractere": 1297, "fin_caractere_exclue": 6711, "texte": "Concert des kölner Männergesang-Vereins.\nAm Dinstag den 5. d. Mts. gab der Männergesang -Vcr-\nein ein grosses Vocal- und Instrumental-Concert unter Leitung sei-\nnes Dirigenten Franz Weber. Auf dem Programm prangte zum\nersten Male: „Unter dem Protectorate Sr. Majestät des\nKönigs Wilhelm I. von Preussen.\" Ein Theil der Einnahme\nwar zu den wohlthätigen Zwecken der „Meisterschaft\" bestimmt»\nBeethoven's Egmont-Ouverture und Cherubini's Ouvertüre zu\nden Abencerragen wurden vom städtischen Orchester sehr gut aus-\ngeführt; in der eisteren haben wir die charakteristische Accentuation\ndes letzten Viertels vor dem Eintritt des guten Tacttlieils des\nHaupt-Thema's fast noch nie so richtig gehört.\nDer Verein sang in der ersten Abtheilung drei Lieder (von\nFranz Otto, C. M. von Weber und F. Mendelssohn) und\n„Die Sturmesmytheu von Lenau, von F. Lachner für Männerchor\nund vollständiges Orchester zum Feste in Nürnberg componirt; in\nder zweiten Abtheilung die Cantate „An das Vaterland\" von Wolfg.\nMüller, componirt für Nürnberg von Ferd. Hill er.\nIn dem Vortrage der Lieder zeigte der Verein einmal wieder\nzur Freude aller Freunde des Männergesangs seine Meisterschaft im\nschönsten Lichte, sowohl im Gesammttone als im Ausdruck. Das\nWort Präcision ist viel zu wenig sagend, um die vollendete Ueber-\neinstimmung Aller, wie eines einzigen Sängers, zur Darstellung je-\nder, auch der feinsten Farbengebung im Ausdrucke, so zu bezeich-\nnen, wie diese Masse von Sängern sie zu Gehör bringt. Und dabei\ndie Reinheit und der gebildete Ton nichts Rauhes, nichts Hartes,\nEckiges darin —, mit Einem Worte: eine künstlerische Lei-\nstung, zeugend von dem Ernste, mit dem der Verein seine Aufgabe\nverfolgt.\nDie beiden Fest-Compositionen waren ebenfalls sehr sorgfältig\nstudiit und wuiden recht gu£ ausgeführt, Lachner1s Composition ist\nausserordentlich ansprechend und höchst geschickt gemacht; der alte\ngewiegte Meister sieht überall daraus hervor. Die Instrumentirung\nist vortrefflich und muss alle diejenigen versöhnen, welche vom Or-\nchester beim Männergesange nichts wissen wollen. Uns scheint ge-\nrade die Anwendung der Saiten-Instrumente, namentlich auch der\nViolinen, der Begleitung von Männerchören sehr angemessen, weil\nsie in ihrer Ton-Kegion über die tiefere der Männerstimmen einen\nhelleien Duft verbreiten, welcher der Monotonie der letzteren ihre\ndunklere Farbe nimmt. F. Hiller's Cantate ist bloss mit Beglei-\ntung von Blech-Instrumenten geschrieben, was gewiss bei grossen\nMassen von Sängern, für welche die Composition ja auch bestimmt\nwar, ganz zweckmässig ist, wie auch Mendelssohn sein Gesangstück\n„An die Künstler\", das er für das grosse deutsch-vlämische Sänger-\nfest in Köln geschrieben hat, ebenfalls nur von Blech-Instrumenten\nbegleiten liess. Ls aber natürlich, dass diese Begleitung in einem\nkleineren Concertsaale keine gute Wirkung macht, weil sie eben zu\nviel Wiikung macht. Die Composition ist eine schätzenswerthc Be-\nreicherung der Literatur lür Männergesang; die ersten und letzten\nStrophen, in denen das Gedicht dem Musiker geeigneten Stoff bietet,\nsind schwung- und wirkungsvoll, das Ganze ist aber zu lang, wo-\nvon namentlich dei mittlere Abschnitt, der nicht wohl anders aIG\ndeclamatorisch gehalten werden konnte, trotz einiger genial gedach-\nten Stellen die hauptsächliche Schuld trägt. In Bezug auf das Ge-\ndicht verweisen wir auf unsere Bemerkungen in dem obigen Artikel\nüber das Concert in Mülheim an der Kühr. Auf einen Abriss der\ndeutschen Geschichte Musik zu schreiben, ist eine schwierige Aufgabe.\n1 räulein Amalie Bido war lür die Ausführung von Instru-\nmentalsolo-Vorträgen von dem V orstande eingeladen worden, und\ndiese bildeten eine grosse Zierde des Concertes. Die jugendliche und\nliebenswürdige Künstlerin schreitet auf der Bahn des verdienten\nRuhmes mit so rüstigen Schritten voran, dass man ihren Triumphen\nin den Concerten der Städte der Rheinprovinz und Westfalens kaum\nfolgen kann, so sehr häufen sich dieselben. Es freut uns, den glän-\nzenden Berichten aus den Schwesterstädten die vollste Bekräftigung\ndurch Bestätigung des grossen Erfolges geben zu können, den ihr\nViolinspiel auch hier in Köln errungen hat. Sie spielte das Concert\nNr. I von Vieuxtemps, zunächst den erstenSatz, dann (nach den\ndrei Liedern) die beiden letzten Sätze. Da sie, zuerst eine Schülerin\nMayseder's in Wien, ihre höhere Ausbildung der belgischen Schule\nverdankt, so liegt der Wahl der Compositionen von Vieuxtemps,\nLeonard u s. w. eine Art von Pietät zu Grunde, die man nur hoch-\nachten kann, zumal da z. B. das genannte Werk von Vieuxtemps\ndurch das Genre der Composition, durch übermässige Länge des\nGanzen und Ausdehnung einzelner enorm schwieriger Passagen dem\nSpieler wahrlich die Gewinnung des Beifalls nicht so leicht macht,\nwie die Salon- und Virtuosenstüeke, durch welche Andere die Menge\nzu blenden wissen. Das Spiel von 1 räulein Bido zeichnet sich durch\nReinheit und Fülle des Tones, durch eine vollkommene Sicherheit\nin Beherrschung alles Technischen und dabei durch eine Kraft und\nAusdauer aus, die man dem zarten Gescblechte kaum zutrauen\nsollte. Von den gewöhnlichen Virtuosen unterscheidet sie sich durch\nihre Richtung auf das Ernste und Edle in der Kunst auf höchst\nvorteilhafte Weise, und ihr Vortrag der Romanze von Beetho-\nven im zweiten Theile des Concertes gab uns noch besonders schöne\nBürgschaft für ihre richtige Auffassung und seelenvolle Wiedergabo\nclassischer Mutik."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-11-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.7", "debut_caractere": 6713, "fin_caractere_exclue": 6866, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin. Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater werden nach\nAblauf des Gastspiels des Herrn Wachtel zwei neue Opern deut-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6197, "texte": "scher Componisfcen vorgeführt werden: „Die Mühlenhexe\" vom k.\nMusik-Director Neu mann in Berlin und „Wiener Carneval\" vom\nk. Musik-Director Engel in Merseburg. Auch ist die komische Oper\n„Das Gespenst\" von Ad. L'Arronge angenommen worden, und der\nComponist wird die erste Vorstellung dirigiren.\nMainz, 29. October. Unsere Liedertafel in Verbindung mit\ndem Damengesang-Verein hat gestern ihre Winter-Productionen mit\ndem herkömmlicher Weise im Theater abgehaltenen Armen Concerte\neröffnet, in welchem das Oratorium „Belsazer\" von Händel unter\nder Leitung des Herrn Rühl zur Aufführung kam. Der Chor leistete\nin jeder Beziehung Vortreffliches. Herr Schneider von Wiesbaden\nsang die Partie des Belsazer mit bekannter Meisterschaft und sah\nsich durch lebhaften Beifall belohnt. Die übrigen Solo-Partieen wa-\nren in den Händen vorzüglicher Dilettanten. Auch das Orchester\ngab sich sichtlich Mühe, der Auffassung des Dirigenten gerecht zu\nwerden, und so machte denn die ganze Aufführung einen recht er-\nquicklichen und befriedigenden Eindruck, und wir sehen mit Ver-\ngnügen den folgenden Vereins-Concerten entgegen, die uns hoffentlich\nrecht schöne Genüsse bringen werden.\nDas neue Theatergebäude zu Braun schweig, von den Herren\nBaurath Wolff und Professor Ahl bürg erbaut, steht gegenüber\ndem Steinweg jenseit der Wall-Promenade, auf drei Seiten vom\nherzoglichen Park umgeben. Der Steinweg ist durch Abbruch und\nUmbau mehrerer Häuser so weit verbreitert, dass er sich jetzt ganz\ngerade auf das Theater hinzieht, der davor durchfliessende Oker-Arm\nist überbrückt und dadurch unsichtbar. Das Gebäude selbst ist im\nGrundbau aus Dolomit-Quadern, in den Umfangsmauern aus Quader-\nsteinen von Lutter am Barenberge, während die Innenwände aus\nBacksteinen aufgeführt sind. Es nimmt eine Grundfläche von unge-\nfähr 41,000 Quadratfuss ein und hat 2581/2 Fuss Länge, 164 Fuss\nBreite und 110 Fuss Höhe vom untersten Souterrain bis zur höch-\nsten Dachspitze. Die Bedachung ist Zink. Dem Steinwege gegenüber\nist eine bedeckte Unterfahrt mit Balcon; auf dessen Rückwand eine\nGruppe: zwei Sphynxe, eine Leier tragend, auf welcher ein Schwan\nsich befindet, die Vermählung der Dichtkunst mit der Tonkunst dar-\nstellend, auf beiden Seiten die Masken der Tragödie und der Ko-\nmödie. Ausser dem Eingange mit gusseiserner Unterfahrt für den\nHerzog sind acht Eingangsthüren für das Publicum, drei für das\nTheater-Personal und zwei zu den Dienstwohnungen für die Theater-\nBeamten. Die Eingänge zum Parterre, zum ersten und zum zweiten\nRange befinden sich unter dem Balcon an der westlichen, die zum\ndritten Range und zur Galerie auf der nördlichen Fronte, jedoch so\ngeordnet, dass alle Billets aus demselben Cassenzimmer verabreicht\nwerden; die Treppen zum ersten und zweiten Range führen jedoch\nauch noch bis zur Galerie, um in Nothfällen auch benutzt werden\nzu können. Sämmtliche Corridore, Treppenhäuser, Vistibüle sind\nfeuerfest überwölbt, die Treppen aus Sandstein-Quadern und Eisen.\nBei etwaiger Feuersgefahr wird der Zuschauerraum durch einen\nEisendraht-Vorhang von eler Bühne abgesperrt. Letztere umfasst eine\nTiefe von 88 und eine Breite von 84 Fuss, die Prosceniums-Oeff-\nnung erstreckt sich bis zu einer Breite von 46 Fuss. Das Logen-\nhaus erhebt sich in einem Halbmesser von 311/2 Fuss; es umschliesst\ndas Parterre und vier Ränge, die amphitheatralisch zurückspringen;\ndas 16 Fuss breite Proscenium, geschmückt mit mehreren allegori-\nschen Figuren, enthält auf beiden Seiten die grossen herzoglichen\nLogen; die Hof-Loge befindet sich in der Mitte des ersten Ranges.\nDie Logenränge werden durch gusseiserne Säulen unterstützt und\nsind mit goldenen Hautreliefs auf weissem Grunde decorirt, die Dra-\npirungen und Polsterungen der Sitze und Brüstungen sind roth. Das\nAuditorium, welches ungefähr 1500 Menschen fasst, wird durch\neinen Kronleuchter von 150 Flammen erhellt; der Plafond zeigt die\nal fresco gemalten Bildnisse der Musen, Die Erleuchtung geschieht\ndurch etwa 1200 Gasflammen, die Heizung sämmtlicher Bühnen-\nund Zuschauerräume durch Wasserdämpfe. Die Lösch-Vorrichtungen\nbestehen in den erforderlichen, im Erdgeschosse aufgestellten Was-\nserhebungs-Maschinen, von denen sich das Rohr-System durch das\nganze Haus derartig erstreckt, dass auf jedem Punkte desselben mit\nErfolg gespritzt werden kann. Auch die übrigen Localitäten: Probe-\nsäle, Foyers, Büffets, Magazin, Werkstätten, sind eben so elegant\nwie zweckmässig angelegt.\nAfclä iefiÄ. Hans Schläger, der neue Director des Mozarteum*\nin Salzburg, hat Wien verlassen. Der wiener Männergesang-Verein,\ndem Schläger als Chormeister durch mehrere Jahre angehörte, ver-\nanstaltete dem Scheidenden zu Ehren eine Liedertafel, bei welcher\nGelegenheit ihm vom Vorstande des Vereins nach einer herzlichen\nAnsprache als Andenken der Mitglieder ein werthvoller, mit Diaman-\nten, Smaragden, Rubinen und Amethisten (vorstellend die Vereins-\nfarben) geschmückter Ring überreicht wurde.\nDer talentvolle Componist Christian Seidel ist am 18. Sep-\ntember im 30. Lebensjahre in München gestorben.\nAm ungarischen Theater in Pesth concertirte dieser Tage der\njunge Violin-Virtuose Leopold Auer mit grossem Erfolge.\nII e ii t s e Ii e Tonhalle,\nFür die auf diesseitiges Preis-Ausscbreiben vom Februar v. J.\neingelaufenen 27 Trio's für Ciavier, Violine und Violoncell\nhatten die Herren Ferd. David in Leipzig, Ferd. Hiller in Köln und\nFranz Lachner in München die Wahl als Preisrichter gütigst ange-\nnommen, und das uns nun vorliegende Ergebniss ihrer Beurtheilung\ndieser Werke ist folgendes:\nDer Preis wurde durch Stimmenmehrheit der Herren Preisrich-\nter Herrn Julius Scliapler in Thorn zuerkannt. Das Werk des\nHerrn Winand Wiek, Dom-Musik-Directors in Hildesheim, wurde\nbesonders belobt, und die Werke der Herren Dr, Otto Bach in Wien,\nFritz Spindler in Dresden, Emil Büchner, Musik-Directors in Leip-\nzig, und des Fräuleins Emilie Mayer in Stettin, erhielten jedes durch\nzwei Stimmen Belobungen.\nDiejenigen der übrigen Herren Preisbewerber, welche ihre Werke\nzurück begehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an uns er-\ngehen lassen, und zwar in den nächsten sechs Monaten, da wir für\ndie Werke nicht länger haften können.\nMannheim, den 25. October 1861.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nReisebriefe von F. Mendelssohn Bartholdy. 11. Concert in Mülheim an der Rnhr. Concert des kölner Männergesang-\nVereins. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Neue Opern Mainz, Eröffnung der Winter-Productionen Das neue Tbea-\ntergebäude zu Braunschweig Wien, Herr Schläger München, Christian Seidel f Deutsche Tonhalle).\n\nReisebriefe von F. Mendelssohn Bartholdy.\nII.\n(I. S. Nr. 44.)\nVon Italien reis'te Mendelssohn durch die Schweiz\nnach München zurück und von da über Düsseldorf, um\nImmermann zu besuchen, auf den er seine Hoffnung für\neinen Operntext setzte, nach Paris. Auf seinen Wanderun-\ngen zu Fuss durch das Alpenland schickt er von Ende Juli\nbis zum 5. September 1831 Briefe und ein Stück Tage-\nbuch (S. 209 271) an die Seinigen. Nach zwei Briefen\naus München, wo er bei Hofe spielte und ein grosses\nConcert gab, die und die Ouvertüre zum\nSommernachtstraum aufführte, das spielte\nund zum Schlüsse über Non piü andrai phantasirte*),\nenthält die Sammlung eilf Briefe aus Paris vom 19. De-\ncember 1831 bis 31. März 1832**). Diesen schliessen\nsich Auszüge aus einigen Briefen aus London vom 27.\nApril bis 1. Juni 1832 an (S. 331—340).\nIch hole nach, was ich in dem vorigen Abschnitte, wo\nich den Leser gleich nach Rom zu Mendelssohn führte,\nvergessen habe, dass die Reise zunächst von Berlin nach\nWeimar ging, dann über München, Linz, Pressburg,\nnach Venedig und von da über Florenz nach Rom. Aus\nden genannten Orten sind vom 31. Mai bis 30. October\n1830 Briefe da (S. 1—45), unter denen die drei ersten\nüber den Aufenthalt in Weimar und bei Göthe die an-\nziehendsten sind.\nAusser dem lebhaften Interesse, welches die Briefe\nder ganzen Sammlung für alle darin berührten Gegen-\nstände anregen, bleibt doch die Hauptsache für uns und\ndie zukünftigen Leser die Charakteristik Mendelssohn's\nselber, welche sich nach und nach aus diesen Mittheilun-\ngen in einer Weise offenbart, die wohl einzig in ihrer Art\nin der biographischen Literatur sein dürfte. Denn was\nsind—in Bezug auf Wahrheit und natürlichen Erguss der\nEmpfindung und der Ueberzeugung alle Selbstbiogra-\nphieen, Bekenntnisse, und wie sie sonst heissen mögen,\ngegen diese Briefe eines Jünglings an seine Eltern und\nGeschwister, die, ohne dass er selbst jemals bei dem Schrei-\nben derselben nur eine Ahnung davon haben konnte, jetzt\naus dem innersten Ileiliglhume der Familie ans Licht der\nWelt treten! Wenn bei anderen Aufzeichnungen und spä-\nteren Ueberarbeitungen von Erlebnissen und Anschauun-\ngen bedeutender Männer durch sie selbst die Reflexion\neine grosse Rolle spielt, bedingt von tausend Rücksichten\nauf ihre Stellung in der Welt und hundert anderen Din-\ngen, welche Einlluss nicht nur auf Mittheilen und Ver-\nschweigen, sondern selbst auf die Darstellung haben, so\ndass »Wahrheit und Dichtung\" im Grunde der einzig rich-\ntige Titel für sie ist: so strömt hier Alles aus dem reinsten\nBorn der Aufrichtigkeit und Anspruchslosigkeit, und dem\nüberall Maassvollen im Ausdruck der Empfindung und in\n\n*) „Als ich zur Phantasie kam, wurde ich wieder sehr empfan-\ngen ; der König hatte mir Non piu andrai als Thema gege-\nben, und da musste ich denn darauf phantasiren. Ich habe\nmich recht in meiner Meinung bestärkt, dass es ein Unsinn\nsei, öffentlich zu phantasiren. Mir ist selten so närrisch zu\nMuthe gewesen, als wie ich mich da hinsetzte, um meine Phan-\ntasie dem Pnblicum zu produciren. Die Leute waren sehr zu-\nfrieden, wollten mit Klatschen gar nicht endigen riefen mich\nheraus die Königin sagte mir alles Verbindliche; aber ich\nwar ärgerlich, denn mir hatte es missfallen, und ich werde es\nöffentlich nicht wieder thun; es ist ein Missbrauch und ein\nUnsinn zugleich. Das war also mein Concert am 17. (October\n1831), das nun hinter mir liegt. Es waren gegen 1100 Men-\nschen darin, und so können die Armen zufrieden sein (für die\nder Ertrag bestimmt war) u. s. w. Felix.\"\n**) In einem dieser pariser Briefe (vom 13. Februar 1832) erwähnt\ner die Vollendung der Walpurgisnacht noch mit folgenden Wor-\nten: „Meine ul-moZZ-Ouverture ist fertig; sie stellt schlechtes\nWetter vor. Eine Einleitung, in der es thaut und Frühliug\nwird, ist auch vor ein paar Tagen beendigt, und so habe ich\ndenn die Bogen der Walpurgisnacht gezählt, die sieben Num-\nmern noch ein wenig ausgeputzt und dann getrost unten: Mai-\nland, im Juli Paris, im Februar hingeschrieben. Ich\ndenke, es soll Euch gefallen.\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.2", "texte": "der Wiedergabe der Eindrücke, das niemals die natürliche\nEinfachheit überschreitet, mithin nirgends gemacht ist,\nentquillt ein Ton der Wahrheit, der unendlich wohl thut\nund herzgewinnend ist.\nWenn wir es den Lesern des Buches überlassen wol-\nlen, sich die Freude zu machen, das Bild eines hochbe-\ngabten Jünglings von seltener Geistesreife vor ihren Augen\nerwachsen zu sehen, eines Jünglings, der, gesund und frisch\nan Leib und Seele, sich in der grossen Welt, in der und\nfür die er erzogen, bei Unbeschränktheit der Mittel und\njugendlicher Lebenslust ein reines Gemüth und eine hohe\nSittlichkeit bewahrt, wenn wir ihnen überlassen, Mendels-\nsohn als Menschen kennen und lieben zu lernen, so wol-\nlen wir doch noch den Künstler, der bereits in seiner\nJugend als vollständig einig mit sich über den höchsten\nZweck seiner Kunst und seiner Aufgabe für dieselbe\nvor uns hintritt, aus einigen Stellen reden lassen, die ihn\ndem eiteln und ehrsüchtigen Treiben berühmter Kunstge-\nnossen seiner Zeit und der Gegenwart gegenüber auf eine\nhohe Stufe stellen.\nS. 56. Gestern Mittag bei Bunsen gab es unter An-\nderen einen deutschen Musiker; o Herr Gott, o Herr Gott,\nich wollte, ich wäre ein Franzos! Der Musiker sagte mir:\ndie Musik muss man doch eigentlich alle Tage handha-\nben. Warum? antwortete ich darauf, und das setzte ihn\nin Verlegenheit. Er sprach also gleich vom ernsten Stre-\nben, und wie doch Spohr gar kein ernstes Streben habe,\nwie er aber durch mein Tu ganz deutlich ein\nernstes Streben habe durchschimmern sehen. Hätt' es einen\nHasen bei Tisch gegeben, so hätt' ich ihn unterdessen auf-\ngefressen; so musst' ich Maecaroni dafür nehmen. Der\nKerl hat aber ein Gütchen bei Frascati, und ist eben im\nBegriff, die Musik niederzulegen; wer doch auch schon\nso weit wäre!\nS. 77. Mich macht es jedesmal innerlichst grimmig,\nwenn Menschen, die gar keine Richtung haben, sich damit\nabgeben wollen, über Andere zu urtheilen, die etwas wol-\nlen, und sei es das Kleinste, und ich habe desshalb einem\nMusiker hier neulich in einer Gesellschaft nach Kräften\ngedient. Der wollte nun gar über Mozart sprechen, und\nweil Bunsen und seine Schwester Palestrina lieben, suchte\ner sich bei ihnen dadurch einzuschmeicheln, dass er mich\nz. ß. fragte, was ich denn über den guten Mozart mit sei-\nnen Sünden dächte. Ich antwortete ihm aber, ich meines-\ntheils liesse gleich meine 1 ugenden im Stich und nähme\nMozart's Sünden dafür; wie tugendhaft er sei, könne ich\naber nicht bestimmen. Die Leute fingen an zu lachen und\nhatten ihre Freude daran. Dass solch Volk sich nicht ein-\nmal vor den grossen Namen scheuen will! Indess ist es ein\nTrost, dass es in allen Künsten dasselbe ist, da die Maler\nes hier nicht besser machen. Es sind furchtbare Leute,\nwenn man sie in ihrem Cafe Greco sitzen sieht auf den\nBänken umher, mit den breiten Hüten auf, grosse Schläch-\nterhunde neben sich, Hals, Backen, das ganze Gesicht mit\nHaaren zugedeckt, machen einen entsetzlichen Qualm (nur\nauf der einen Seite des Zimmers), sagen einander Grob-\nheiten; die Hunde sorgen für Verbreitung von Ungeziefer;\nund so trinken sie Kaffee und sprechen vön Tizian und\nPordenone, als sässen die neben ihnen und trügen auch\nBärte und Sturmhüte! Und wenn ich mein Leben lang\nnichts weiter thun könnte, so will ich allen denen, die vor\nihren Meistern keinen Respect haben, die herzlichsten\nGrobheiten sagen; dann hätt' ich schon ein gutes Werk\ngethan.\nS. 93. Es fehlt in Italien recht eigentlich an Musikern\nund an rechtem Sinn. Wir mögen etwas Falsches oder\nUnmögliches durchsetzen wollen etwas Anderes ist und\nbleibt es, und wie mir ein Cicisbeo in alle Ewigkeit etwas\nGemeines und Niedriges sein wird, so auch die italiänische\nMusik. Ich mag zu schwerfällig sein, um beide zu verste-\nhen; es ist mir aber nicht darum zu thun, und als neulich\nin der Filarmonica nach allem Pacini und Bellini der Ca-\nvaliere Ricci mich bat, ihm Nzu begleiten,\nund als die ersten Noten anfingen und so innerlichst ver-\nschieden und himmelweit entfernt von allem Anderen wa-\nren, da wurde mir die Sache klar, und es wird sich nicht\nausgleichen, so lange es hier blauen Himmel und solch\nlieblichen Wmter gibt, wie diesen. Können die Schweizer\ndoch auch keine schönen Landschaften machen, eben weil\nsie sie den ganzen Tag vor Augen haben.\ntraitent la musique comme wie affaire d'etat\", sagt Spon-\ntini, und das Omen nehme ich an. Neulich sprachen meh-\nrere Musiker hier von ihren Componisten, und ich hörte\nstill zu. Da citirte einer auch den ****, aber die anderen\nfielen in die Rede und sagten, der sei nicht für einen Ita-\nliener zu rechnen, denn die deutsche Schule klebe ihm im-\nmerfort an, und er habe sie nie recht los werden können;\ndaher sei er auch niemals einheimisch in Italien gewesen.\nWir Deutschen sagen nun das Umgekehrte von ihm, und\nes muss fatal sein, sich so en ohne Vaterland zu\nfinden. Was mich betrifft, so bleibe ich bei der Fahne; die\nist ehrenvoll genug.\nS. 121. Du sagst, *** müsse doch etwas in der Kunst\nwollen; da bin ich gar nicht Deiner Meinung; ich glaube,\ner will sich verheirathen, und ist eigentlich schlimmer, wie\ndie Anderen, weil er affeclirter ist. Ich mag diesen nach\naussen gekehrten Enthusiasmus, diese den Damen präsen-\ntirte Verzweiflung und die Genialität in Fractur Schwarz\nauf Weiss ein für alle Mal nicht ausstehen, und wenn er\nnicht ein Franzose wäre, mit denen es sich immer ange-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.3", "texte": "nehm leben lässt, und die immer was zu sagen und zu in-\nteressiren wissen, so wäre es nicht zum Aushalten.\nS. 189. (Aus einem Briefe an Frau von Pereira in\nWien. Genua, im Juli 1831.) Im Anfange wollte ich nicht\neher antworten; bis ich Deinen Auftrag erfüllt und die\nnächtliche Heerschau componirt hätte, und nun sollte ich\nwieder anfangen, um Verzeihung zu bitten, dass ich es nicht\ngethan; aber es ist damit eine eigene Sache. Ich nehme\nes mit der Musik gern sehr ernsthaft, und halte es- für\nunerlaubt, etwas zu componiren, das ich eben nicht ganz\ndurch und durch fühle. Es ist, als sollte ich eine Lüge sa-\ngen; denn die Noten haben doch einen eben so bestimm-\nten Sinn, wie die Worte, vielleicht einen noch bestimmte-\nren. Nun scheint es mir überhaupt unmöglich, ein be-\nschreibendes Gedicht zu componiren. Die Masse von Com-\npositionen der Art beweis't nicht gegen, sondern für mich,\ndenn ich kenne keine gelungene darunter. Man steht in\nder Milte zwischen einer dramatischen Auffassung oder\neiner bloss erzählenden Weise: der Eine lässt im Erlkönig\ndie Weiden rauschen, das Rind schreien, das Pferd galop-\npiren,— der Andere denkt sich einen Balladensänger, der\ndie schauerliche Geschichte ganz ruhig vorträgt, wie man\neine Gespenster-Geschichte erzählt. Das ist noch das Rich-\ntigste (Reichardt hat es fast immer so genommen), aber es\nsagt mir doch nicht zu; die Musik steht mir im Wege; es\nwird mir phantastischer zu Muthe, wenn ich solches Ge-\ndicht im Stillen für mich lese und mir das Uebrige hinzu-\ndenke, als wenn ich es mir vormalen oder vorerzählen\nlasse.\nDie nächtliche Heerschau nun erzählend aufzufassen,\ngeht nicht, denn es spricht eben keine bestimmte Person;\nund den Balladen-Ton hat das Gedicht gar nicht; es kommt\nmir mehr wie eine geistreiche Idee, als wie ein Gedicht\nvor; mir ist, als hätte der Dichter selbst nicht an seine\nNebelgestalten geglaubt.—Nun hätte ich es freilich be-\nschreibend componiren können, wie es Neukomm und\nFischhof in Wien gethan; ich hätte einen originellen\nTrommelwirbel im Bass und Trompetenstösse im Discant\nund sonst allerlei Spuk anbringen können,—dazu habe ich\naber wieder meine ernsthaften Töne zu lieb; so etwas\nkommt mir immer vor wie ein Spass, etwa wie die Male-\nreien in den Kinderfibeln, wo man die Dächer knallroth\nanstreicht, damit die Kinder merken, dass es ein Dach sein\nsoll. Und etwas Halbes, etwas, das mir selbst nicht gefiele,\nhinzuschreiben und fortzuschicken, würde Dir gegenüber,\nder ich immer das Beste geben möchte, um so weniger\ngegangen sein\nS. 193. Frau Dorothea von Ertmann (in Mailand,\nJuli 1831) nahm mich sehr freundlich auf, war auch sehr\ngefällig, spielte mir gleich die Cis-moll-Sonate von Beet-\nhoven vor und dann die aus D-moll. Der alte General, der\nnun in seinem grauen, stattlichen Commandeurrock mit\nvielen Orden erschien, war ganz glücklich und weinte vor\nFreuden, weil er seine Frau so lange nicht hatte spielen\nhören; es sei in Mailand kein Mensch, der so was anhören\nwolle. Sie sprach von dem B-dur-Trio, dessen sie sich\nnicht entsinnen könne. Ich spielte es und sang die Stimmen\ndazu; das machte dem alten Ehepaare viel Freude, und so\nwar die Bekanntschaft geschlossen. Seitdem sind sie nun\nvon einer Freundlichkeit gegen mich, die mich beschämt.\nDer alte General zeigt mir die Merkwürdigkeiten von Mai-\nland. Nachmittags holt Sie mich im Wagen ab, um auf\nden Corso zu fahren; die Abende bis 1 Uhr machen wir\nMusik; gestern früh führten sie mich in die Umgegend\nspaziren, Mittags musste ich da essen, Abends war Gesell-\nschaft da, und dazu sind es die angenehmsten, gebildetsten\nLeute, die man sich denken kann, Beide in einander ver-\nliebt, als seien sie Brautleute, und sind doch schon vier-\nunddreissig Jahre verheiralhet. Sie spielt die Beethoven'-\nschen Sachen sehr schön, obgleich sie seit langer Zeit nicht\nstudirt hat; oft übertreibt sie es ein wenig mit dem Aus-\ndruck und hält so sehr an und eilt dann wieder; doch\nspielt sie wieder einzelne Stücke herrlich, und ich denke,\nich habe etwas von ihr gelernt. Wenn sie so zuwei-\nlen gar nicht mehr Ton herausdrücken kann und nun dazu\nzu singen anfängt, mit einer Stimme, die so recht aus dem\ntiefsten Innern heraufkommt, so hat sie mich oft an Dich,\no Fanny, erinnert, obwohl Du ihr freilich weit überlegen\nbist. Als ich gegen das Ende des Adagio des\nkam, rief sie: „Das kann man vor Ausdruck gar nicht\nspielen!\" und das ist wirklich wahr von dieser Stelle. Den\nfolgenden Tag, als ich zum zweiten Male da war und ihnen\ndie C-OTo//-Symphonie vorspielte, wollte sie durchaus, ich\nsolle mir den Rock ausziehen, weil es heiss wäre. Zwi-\nschendurch bringt er die schönsten Geschichten von Beet-\nhoven, wie er Abends, wenn sie ihm vorspielte, die Licht-\nputze zum Zahnstocher gebraucht habe u. s. w. Sie er-\nzählte, wie sie ihr letztes Kind verloren habe, da habe der\nBeethoven erst gar nicht mehr ins Haus kommen können;\nendlich habe er sie zu sich eingeladen, und als sie kam,\nsass er am Ciavier und sagle bloss: „Wir werden nun in\nTönen mit einander sprechen\", und spielte so über eine\nStunde immer fort, und, wie sie sich ausdrückte: „er sagte\nmir Alles und gab mir auch zuletzt den Trost\". Kurz, mir\nist wieder einmal so wohl zu Muthe geworden und so be-\nhaglich, und ich brauche so gar nicht zu schminken oder\nzu schweigen, sondern wir verstehen uns so prächtig über\nAlles! Sie hat gestern die Sonate mit Violine an Kreutzer\ngespielt; als aber der Begleiter, ein österreichischer Dra»\ngoner-Officier, im Anfange des Adagio eine lange Verzier\n\n[*]\n• I"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.4", "texte": "rung ä laPaganini machte, da schnitt ihm der alte Gene-\nral eine solche entsetzliche Grimasse, dass ich vor Lachen\nbald vom Stuhle gefallen wäre.\nS. 197. Aus zwei Briefen an Ed. Devrient (1831,\nim Juli und August). Du machst mir Vorwürfe, dass ich\nschon 22 Jahre und doch noch nicht berühmt sei; ich kann\ndarauf nichts Anderes antworten, als: wenn Gott gewollt\nhätte, dass ich zu 22 Jahren berühmt sein sollte, so wäre\nich es wahrscheinlich schon geworden; ich kann nichts\ndafür; denn ich schreibe eben so wenig, um berühmt zu\nwerden, als ich schreibe, um eine Capellmeister-Stelle zu\nerhalten. Es wäre schön, wenn sich Beides einfinden wollte;\nso lange ich aber nicht gerade verhungere, so lange ist es\nPflicht, zu schreiben, was und wie mir es ums Herz ist,\nund die Wirkung davon dem zu überlassen, der für mehr\nund Grösseres sorgt. Nur daran denke ich immer mehr\nund aufrichtiger, so zu componiren, wie ich es fühle, und\nnoch immer weniger äussere Rücksichten zu haben; und\nwenn ich ein Stück gemacht habe, wie es mir aus dem\nHerzen geflossen ist, so habe ich meine Schuldigkeit dabei\ngethan; ob es nachher Ruhm, Ehre, Orden, Schnupftabaks-\nDosen u. dergl. einbringt, kann meine Sorge nicht sein.\nMeinst Du aber, ich hätte in dem Ausbilden meiner Com-\npositionen oder meiner selbst etwas vernachlässigt oder\nversäumt, so sage mir genau und klar, was das ist und\nworin es besieht. Es wäre freilich ein schlimmer Vorwurf.\nDu willst, ich solle nur Opern schreiben, und hätte Un-\nrecht, es nicht schon längst gethan zu haben. Ich antworte:\nGib mir einen rechten Text in die Hand, und in ein paar\nMonaten ist er componirt; denn ich sehne mich jeden Tag\nvon Neuem danach, eine Oper zu schreiben; ich weiss, dass\nes etwas Frisches, Lustiges werden kann, wenn ich es jetzt\nfinde; aber eben die Worte sind nicht da. Und einen Text,\nder mich nicht ganz in Feuer setzt, componire ich nun\neinmal nicht. Wrenn Du einen Mann kennst, der im Stande\nist, eine Oper zu dichten, so nenne ihn mir um Gottes\nwillen; ich suche nichts Anderes. Aber bis ich nun einen\nText habe, soll ich doch nicht etwa lieber nichts thun\n'auch wenn ich es könnte)? Und dass ich gerade jetzt meh-\nrere geistliche Musiken geschrieben habe, das ist mir eben\nso Bedürfniss gewesen, wie es einen manchmal treibt, ge-\nrade ein bestimmtes Buch, die Bibel oder sonst was zu le-\nsen, und wie es einem nur dabei recht wohl wird. Hat es\nAehnlichkeit mit Seb. Bach, so kann ich wieder nichts da-\nfür, denn ich habe es geschrieben, wie es mir zu Muthe\nwar; und wenn mir einmal bei den Worten so zu Muthe\ngeworden ist, wie dem alten Bach, so soll es mir um so\nlieber sein. Denn Du wirst nicht meinen, dass ich seine\nFormen copire, ohne Inhalt; da könnte ich vor Widerwil-\nlen und Leerheit kein Stück zu Ende schreiben. Ich gehe\nnun nach München, wo sie mir eine Oper anboten, um zu\nsehen, ob da ein Mensch als Dichter ist; denn nur einen\nMenschen möchte ich, der ein Bisschen Glulh und Talent\nhätte; ein Riese braucht es gar nicht zu sein; und finde\nich da keinen, so mache ich vielleicht Immermann's Bekannt-\nschaft bloss desswegen; und ist der auch nicht der Mann,\nso versuch' ich es in London. Es kommt mir immer vor,\nals fehle noch der rechte Kerl; aber was soll ich thun,\num ihn herauszufinden? Im Hotel Reichmann wohnt er\nnicht, und nebenan auch nicht, und wo sonst? Darüber\nschreib' mir einmal. Obgleich ich glaube, dass uns der\nliebe Herrgott Alles, also auch Opern-Texte, zuschickt,\nsobald wir es brauchen, so müssen wir dabei doch unsere\nSchuldigkeit thun und uns umsehen, und ich wollte, der\nText wäre schon da!\nS. 201. Wenn Du es erreichst, nicht Sänger, Deco-\nrationen und Situationen, sondern Menschen, Natur und\ndas Leben Dir zu denken und hinzustellen, so bin ich über-\nzeugt, dass Du die besten Opern-Texte schreiben wirst,\ndie wir haben; denn wenn einer die Bühne so kennt, wie\nDu, so kann er schon nichts Undramatisches schreiben,\nund ich wüsste auch gar nicht, was Du von Deinen Ver-\nsen anders wolltest. Ist es von innen heraus für die Natur\nund die Musik gefühlt, so sind die Verse musicalisch, wenn\nsie sich auch im Textbuche noch so hinkend ausnehmen;\nschreib' dann meinethalben Prosa, wir wollen es schon\ncomponiren. Aber wenn Form in Form gegossen werden\nsoll, wenn die Verse musicalisch gemacht und nicht mu-\nsicalisch gedacht sind, wenn äusserlich in schönen Worten\neingebracht werden soll, was innerlich an schönem Leben\nfehlt —da hast Du Recht —, das ist eine Klemme, aus der\nkein Mensch herauskommen kann. Denn so gewiss reines\nMetrum, gute Gedanken, schöne Sprache noch immer kein\nschönes Gedicht machen, ohne einen gewissen Blitz der\nPoesie, der durchs Ganze geht, so gewiss kann nur durch\ndas Gefühl des Lebens in allen Personen eine Oper voll-\nkommen musicalisch und am Ende auch vollkommen dra-\nmatisch werden.\nS. 256. (An W. Taubert, 1831.) Ich wünsche mir\nnichts mehr, als eine rechte Oper. Wo aber der Text her-\nkommen soll, weiss ich noch weniger seit gestern Abend,\nwo ich zum ersten Male seit mehr als einem Jahre ein\ndeutsches Aesthetik-Blatt wieder in die Hände bekam.\nGolt sei bei uns! Ich musste den gespreizten Menzel ver-\ndauen, der damit auftrat, bescheidentlich Göthe schlecht\nzu machen, und den gespreizten Grabbe, der bescheident-\nlich Shakespeare schlecht machte, und die Philosophen,\ndie Schiller doch zu trivial finden! Ist Ihnen denn dies\nneuere hochfahrende, unerfreuliche Wesen, dieser wider-\nwärtige Cynismus auch so fatal, wie mir? Und sind Sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.5", "texte": "mit mir Einer Meinung, dass es die erste Bedingung zu\neinem Künstler sei, dass er Respect vor dem Grossen habe,\nund sich davor heuge und es anerkenne, und nicht die\ngrossen Hammen auszupusten versuche, damit das kleine\nTalglicht ein wenig heller leuchte? Wenn einer das Grosse\nnicht fühlt, so möchte ich wissen, wie er es mich will\nfühlen lassen; und wenn all' die Leute mit ihrer vorneh-\nmen Verachtung endlich selbst nur Nachahmungen dieser\noder jener Aeusserlichkeit hervorzubringen wissen, ohne\nAhnung von jenem freien, frischen Schaffen, unbesorgt\num die Leute und die Aeslhetik und die Urlheile und die\nganze andere Welt: soll man da nicht schimpfen?\nS. 285. (An seinen Vater. Paris, 19. December 1831.\n—Man hatte Mendelssohn in München den Auftrag ge-\ngeben, eine Oper für das Hoftheater zu schreiben. Er\nhatte sich wegen des Textes an Immermann in Düssel-\ndorf gewandt. Der Vater missbilligte dies, hielt Immer-\nmann für unfähig, eine Oper zu schreiben, und schlug vor,\nMendelssohn solle sich von einem französischen Dichter\neinen Text machen lassen und diesen übersetzt für Mün-\nchen componiren.)\nIch glaubte vollkommen zu Deiner Zufriedenheit zu\nhandeln, wenn ich ihm mein Anliegen eröffnete. Dazu kam\nnun noch, dass ich mich nach neueren Sachen, die er mir\nvorlas, nochmals überzeugt hatte, dass er wirklich ein\nDichter sei; ferner, dass ich mich bei gleicher Wahl im-\nmer lieber für den deutschen als den französischen Text\nentscheiden würde, und endlich, dass er ein Sujet genom-\nmen hat, welches mir lange schon im Sinne war, und wel-\nches auch (wenn ich nicht irre) Mutter zu einer Oper sich\ngewünscht: den Sturm von Shakespeare. So war ich denn\nsehr froh darüber, und es sollte mich nun doppelt gereuen,\nwenn Ihr nicht einverstanden wäret mit dem, was ich ge-\nthan. Nach Allem, wie ich Immermann kenne, habe ich\nGrund, einen vortrefflichen Text zu erwarten. WTas ich\nvon seiner Einsamkeit sagte, bezieht sich nur auf sein in-\nneres Leben und Treiben; sonst weiss er sehr genau, wie\nes in der Welt jetzt zugeht, was die Leute wollen, wie\nviel man ihnen geben soll;—vor allen Dingen aber ist er\nein Künstler: das ist die Hauptsache. Doch brauche ich\nnicht zu sagen, dass ich keinen Text componiren kann und\nwerde, den ich nicht für gut halte, und der mich nicht\nerwärmt. Dazu gehört denn auch sehr wesentlich, dass\nIhr damit einverstanden seid. Ich werde mir ihn genau\nüberlegen, ehe ich an die Musik gehe; namentlich das\nDramatisch-Interessirende oder (im guten Sinne) das Thea-\ntralische daran werde ich Euch natürlich sogleich mitlhei-\nlen, kurz, die Sache so ernsthaft nehmen, wie sie ist.\nEinen französischen Text übersetzt zu componiren,\nscheint mir aus mehreren Gründen nicht ausführbar. Vor\nallen Dingen ist mir, als billigtest Du sie mehr nach dem\nErfolge, den sie haben, als nach ihrem wirklichen Wer-\nth c. Auch weiss ich mich zu erinnern, wie unzufrieden\nDu mit dem Sujet der Stummen, einer verführten Stum-\nmen, des Wilhelm Teil, der mit Kunst langweilig gemacht\nist, u. s. w. gewesen bist. Der Erfolg aber, den sie über\nganz Deutschland haben, hängt gewiss nicht davon ab,\ndass sie gut oder dramatisch sind, denn Teil ist keines von\nbeiden, sondern davon, dass sie aus Paris kommen und\ndort gefallen haben. Allerdings ist ein Weg, in Deutsch-\nland anerkannt zu werden, der über Paris und London;\ndoch ist er nicht der einzige; das beweis't nicht allein der\nganze Weber, sondern sogar auch Spohr, dessen Faust\njetzt hier zur classischen Musik gerechnet und nächste Sai-\nson in der grossen Oper in London gegeben wird. Ich\nkönnte ihn auch auf keinen I 1 all einschlagen, da mir meine\ngrosse Oper für München bestellt ist und ich den Auftrag\nangenommen habe. Versuchen will ich es also in Deutsch-\nland und dort bleiben und wirken, so lange ich da wirken\nund mich erhalten kann; denn das ist freilich die erste\nPflicht. Kann ich das nicht, so muss ich wieder fort und\nnach London oder Paris, wo es leichter geht. Kann ich es\naber in Deutschland, so sehe ich freilich, wie man anders-\nwo besser bezahlt und mehr geehrt wird, auch freier und\nlustiger lebt, wie man aber in Deutschland immer fort-\nschreiten, arbeiten und niemals ausruhen muss. Und zum\nLetzten halte ich mich. Jeder der neuen hiesigen Texte,\nzum ersten Male in Deutschland auf die Bühne gebracht,\nwürde meiner Ueberzeugung nach nicht den geringsten\nErfolg gehabt haben. Dazu kommt noch, dass der Haupt-\npunkt bei ihnen allen gerade einer von denen ist, in denen\nman, wenn sie auch die Zeit verlangt, und wenn ich auch\nvollkommen einsehe, dass man im Ganzen genommen mit\nder Zeit, nicht gegen sie gehen müsse, sich ihr geradezu\nentgegen stellen soll: es ist der der Unsittlichkeit. Wenn\nin Robert le diabledie Nonnen eine nach der anderen kom-\nmen und den Helden zu verführen suchen, bis es der Aeb-\ntissin endlich gelingt; wenn der Held durch einen Zauber\nins Schlafzimmer seiner Geliebten kommt und sie zu Bo-\nden wirft, in einer Gruppe, über die das Publicum hier\nklatscht und in ganz Deutschland vielleicht nachklatschen\nwird, und wenn sie ihn dann in einer Arie um Gnade bit-\ntet; wenn in einer anderen Oper das Mädchen sich aus-\nkleidet und dabei ein Lied singt, wie sie morgen um diese\nZeit verheirathet sein werde: es hat Effect gemacht,\naber ich habe keine Musik dafür. Denn es ist ge-\nmein, und wenn das heute die Zeit verlangte und noth-\nwendig fände, so will ich Kirchenmusik schreiben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.6", "texte": "Concert in Mülheim an der Ruhr.\nDen 27. October 1861.\nSo erfreulich die immer mehr Roden gewinnende Ver-\nbreitung des Geschmacks an musicalischen Aufführungen\nauch in den weniger volkreichen Städten der preussischen\nRheinprovinz im Allgemeinen ist, so ist es uns doch nicht\nwohl möglich, alle Kundgebungen derselben im Einzelnen\nzu verfolgen. Wenn wir durch Besprechung des Concertes\nin Mülheim an der Ruhr eine Ausnahme machen, so ge-\nschieht es desshalb, weil in demselben ein neues Gesang-\nwerk, das den ganzen Abend füllte, von dem dortigen\nMusik-Director Herrn Hubert Engels componirt, zu\nwelchem Moriz Hartmann das Gedicht geliefert hat,\naufgeführt wurde.\nWir müssen bei dieser Gelegenheit die alte Klage wie-\nderholen, dass unsere Componislen bei der Wahl oder\nAnnahme von Texten zu Gesangstücken in der Regel ohne\ndie gehörige Kritik verfahren, welche doch dem Musiker\ndem Dichter gegenüber nothwendig zusteht. Es mag sein,\ndass die meisten deutschen Dichter ihre Verse für unan-\ntastbar halten und in jedem Striche des Tonkünstlers durch\ndiese oder jene Strophe, ja, in jedem Wunsche der Aen-\nderung, Weglassung oder Hinzul ügurig einen Frevel gegen\nihr Werk erblicken, das ihrem Haupte, wie die gerüstete\nMinerva dem Jupiter, fix und fertig entsprungen. Allein\nder Musiker muss sich daran nicht kehren und sich nicht\nscheuen, den Dichter auf die Erfordernisse seiner Kunst\naufmerksam zu machen, denn es ist nun einmal nicht an-\nders: der Text bleibt— und wenn er noch so schön und\npoetisch in Stoff und Ausdruck ist für ein grösseres Ge-\nsangwerk doch immer nur das Mittel zum Zwecke. Der\numgekehrte Grundsatz, der die Musik zur Uebersetzerin\ndes Wortes in Töne, zur Magd der Poesie macht, hat bis\njetzt noch keine thatsächlichen Reweise für seine Richtig-\nkeit geliefert.\nDas Gedicht von M. Hartmann: „Der Untergang\nvon Keris\", rührt wohl aus der Zeit her, in welcher sich\nHartmann mit den Sagen und Volks-Poesieen der Rretagne\nvorzugsweise beschäftigte. Es steht durch seinen halb welt-\nlichen, halb religiösen Inhalt in der Mitte zwischen Orato-\nrium und Cantate. Gradion, der König der Stadt Keris\noder Is (wie sie im Gedichte selbst heisst), ist vom heiligen\nGwenole mit seinem Volke zum Christenlhumc bekehrt\nworden. Er hat aber auch den Weinbau in der Rretagne\neingeführt, und daraus entsteht Unheil. Ein Theil des\nVolkes, an dessen Spitze Dahüt, die eigene Tochter des\nKönigs, und ihr Buhle Alran, versinkt wieder in den Rausch\ndes Wohllebens und der heidnischen Freuden; der heilige\nGwenole prophezeit vergebens den Untergang, denn Da-\nhüt stiehlt ihrem Valer im Schlafe „das goldene Schlüsse-\nlein \", das vermeintlich die Pforte zu den unterirdischen\nSchätzen des Königs erschliesst. Als aber Alran diese öff-\nnet—sie schloss das Thor in dem Meeresdamme—, braus't\ndie Flut unaufhaltsam herein und verschlingt die Stadt mit\nden Sündern, während die Gerechten mit Gvvenole und\ndem Könige gerettet werden und Gott preisen.\nDie Gegensätze der Schwelger und der Frommen, die\nhereinbrechende Katastrophe, am Schlüsse die Rettung der\nGerechten bieten gute musicalische Situationen dar, wäh-\nrend mit Ausnahme des Liedes des Wächters: nO Mitter-\nnacht\" , welches ein hübscher lyrischer Erguss ist, von den\nEinzelgesängen das Gleiche nicht gesagt werden kann. Mit\ndem Ausdruck darf man es auch nicht genau nehmen,\nwas Dinge wie: „Zürne nicht, Dass im Gedicht (?) Die\nRebe unsreLust erhebe\" „schleich' auf stillen Sohlen\"\nu. s. w. zeigen. Wer aber kann folgenden Schluss der\nProphezeiung des Heiligen componiren-:\nWer Fisch verzehrt, ihr Prasserzangen,\nWird werden wie der Fisch verzehrt,\nUnd wer verschlingt, der wird verschlungen!\nWer Wein trinkt aus dem Gold, dem klaren (?),\nWird Wasser trinken, wie ein Fisch,\nUnd wer nicht weiss, der wird erfahren (!).\nDas ist denn doch z. R. eine Stelle, die der Musiker\npflichtmässig streichen musste; denn sie mag componirt\nwerden, wie sie wolle, sie wird immer ans Possierliche\nstreifen.\nHerr Engels hat auf diesen Text eine Musik von\ndreissig meist ziemlich langen Nummern in zwei Abthei-\nlungen geschrieben, und sie bekundet nicht nur ein gedie-\ngenes Streben nach hohem Ziele und einen ernsten, höchst\nehrenwerthen Fleiss, sondern auch eine, wenn auch nicht\nüberall reich quellende, doch mannigfaltige und oft bedeu-\ntende Erfindungsgabe, die sich nur noch mehr abklären\nmuss, nebst musicalischem Wissen und einer regelrechten\nHandhabung der Form. Am besten sind ihm die leiden-\nschaftlichen Gesammt-Chöre gelungen, weniger die düste-\nren Männerchöre, die zu monoton sind. Zu den ersteren\ngehören gleich zu Anfang das üppige Gelage der schwel-\ngenden Hofleute, der Doppelchor der Sünder und der\nFrommen am Schlüsse des ersten Theiles; im zweiten\nTheile der wilde, charakteristische Chor: „Verflucht sei\nalle Russe Nicht wollen wir scheiden von Göttern der\nLust\" u. s. w.; der Chor des Volkes: „Wehe! mit wilder\nWuth bricht ein die Flut\", in welchem der Untergang\nder Stadt im Meere geschildert wird, dann das Solo mit\nChor: „Es ist der Geist des Herrn, der ob den Wassern\n\\\nschwebet\", und der fugirte Schlusschor der Geretteten:\n„Herr, Du bist der ewig Weise!\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.7", "texte": "Von den Solostücken können wir nur das Lied des\nWächters (Tenor) und das Quartett für vier Frauenstim-\nmen (nach dem Chor, der die Ueberflutung schildert) aus-\nzeichnen. Die übrigen haben uns weniger angesprochen.\nDass der König als Tenor behandelt ist (Alran, der Ge-\nliebte der Tochter, ist Bariton, der Heilige Bass), ist ein\nMissgriff, den Halevy's Eleazar nicht entschuldigen kann.\nDie Behandlung des Orchesters dünkt uns im Ganzen\nzu voll und dick; es scheint, als habe der Componist durch\ndie Instrumente neben dem Gesänge zu viel sagen wollen\n—einer von den Fehlern der Neueren, während die man-\ncherlei anderen Fehler, namentlich der Neuesten, in Zu-\nsammenstellung widerhaariger Accorde und quälender Vor-\nhalte hier glücklich vermieden sind. Um über das Zuviel\nund Zuwenig der Instrumentirung beim Gesänge ins Klare\nzu kommen, kann man den jüngeren Componisten nur das\nStudium Mozart'scher Partituren, hauptsächlich von „Fi-\ngaro's Hochzeit\", empfehlen. Freilich dürfen wir nicht\nverschweigen, dass die Ausführung des Werkes gerade\nim Orchester sehr mangelhaft war, während der Chor und\ndie Solisten alles Lob verdienten, und der erstere sehr an-\nerkennungswerthe Beweise von dem Eifer der Mitglieder\nund von dem Directions-Talente und dem Fleisse des Di-\nrigenten, Herrn Engels, gab.\n\nConcert des kölner Männergesang-Vereins.\nAm Dinstag den 5. d. Mts. gab der Männergesang -Vcr-\nein ein grosses Vocal- und Instrumental-Concert unter Leitung sei-\nnes Dirigenten Franz Weber. Auf dem Programm prangte zum\nersten Male: „Unter dem Protectorate Sr. Majestät des\nKönigs Wilhelm I. von Preussen.\" Ein Theil der Einnahme\nwar zu den wohlthätigen Zwecken der „Meisterschaft\" bestimmt»\nBeethoven's Egmont-Ouverture und Cherubini's Ouvertüre zu\nden Abencerragen wurden vom städtischen Orchester sehr gut aus-\ngeführt; in der eisteren haben wir die charakteristische Accentuation\ndes letzten Viertels vor dem Eintritt des guten Tacttlieils des\nHaupt-Thema's fast noch nie so richtig gehört.\nDer Verein sang in der ersten Abtheilung drei Lieder (von\nFranz Otto, C. M. von Weber und F. Mendelssohn) und\n„Die Sturmesmytheu von Lenau, von F. Lachner für Männerchor\nund vollständiges Orchester zum Feste in Nürnberg componirt; in\nder zweiten Abtheilung die Cantate „An das Vaterland\" von Wolfg.\nMüller, componirt für Nürnberg von Ferd. Hill er.\nIn dem Vortrage der Lieder zeigte der Verein einmal wieder\nzur Freude aller Freunde des Männergesangs seine Meisterschaft im\nschönsten Lichte, sowohl im Gesammttone als im Ausdruck. Das\nWort Präcision ist viel zu wenig sagend, um die vollendete Ueber-\neinstimmung Aller, wie eines einzigen Sängers, zur Darstellung je-\nder, auch der feinsten Farbengebung im Ausdrucke, so zu bezeich-\nnen, wie diese Masse von Sängern sie zu Gehör bringt. Und dabei\ndie Reinheit und der gebildete Ton nichts Rauhes, nichts Hartes,\nEckiges darin —, mit Einem Worte: eine künstlerische Lei-\nstung, zeugend von dem Ernste, mit dem der Verein seine Aufgabe\nverfolgt.\nDie beiden Fest-Compositionen waren ebenfalls sehr sorgfältig\nstudiit und wuiden recht gu£ ausgeführt, Lachner1s Composition ist\nausserordentlich ansprechend und höchst geschickt gemacht; der alte\ngewiegte Meister sieht überall daraus hervor. Die Instrumentirung\nist vortrefflich und muss alle diejenigen versöhnen, welche vom Or-\nchester beim Männergesange nichts wissen wollen. Uns scheint ge-\nrade die Anwendung der Saiten-Instrumente, namentlich auch der\nViolinen, der Begleitung von Männerchören sehr angemessen, weil\nsie in ihrer Ton-Kegion über die tiefere der Männerstimmen einen\nhelleien Duft verbreiten, welcher der Monotonie der letzteren ihre\ndunklere Farbe nimmt. F. Hiller's Cantate ist bloss mit Beglei-\ntung von Blech-Instrumenten geschrieben, was gewiss bei grossen\nMassen von Sängern, für welche die Composition ja auch bestimmt\nwar, ganz zweckmässig ist, wie auch Mendelssohn sein Gesangstück\n„An die Künstler\", das er für das grosse deutsch-vlämische Sänger-\nfest in Köln geschrieben hat, ebenfalls nur von Blech-Instrumenten\nbegleiten liess. Ls aber natürlich, dass diese Begleitung in einem\nkleineren Concertsaale keine gute Wirkung macht, weil sie eben zu\nviel Wiikung macht. Die Composition ist eine schätzenswerthc Be-\nreicherung der Literatur lür Männergesang; die ersten und letzten\nStrophen, in denen das Gedicht dem Musiker geeigneten Stoff bietet,\nsind schwung- und wirkungsvoll, das Ganze ist aber zu lang, wo-\nvon namentlich dei mittlere Abschnitt, der nicht wohl anders aIG\ndeclamatorisch gehalten werden konnte, trotz einiger genial gedach-\nten Stellen die hauptsächliche Schuld trägt. In Bezug auf das Ge-\ndicht verweisen wir auf unsere Bemerkungen in dem obigen Artikel\nüber das Concert in Mülheim an der Kühr. Auf einen Abriss der\ndeutschen Geschichte Musik zu schreiben, ist eine schwierige Aufgabe.\n1 räulein Amalie Bido war lür die Ausführung von Instru-\nmentalsolo-Vorträgen von dem V orstande eingeladen worden, und\ndiese bildeten eine grosse Zierde des Concertes. Die jugendliche und\nliebenswürdige Künstlerin schreitet auf der Bahn des verdienten\nRuhmes mit so rüstigen Schritten voran, dass man ihren Triumphen\nin den Concerten der Städte der Rheinprovinz und Westfalens kaum\nfolgen kann, so sehr häufen sich dieselben. Es freut uns, den glän-\nzenden Berichten aus den Schwesterstädten die vollste Bekräftigung\ndurch Bestätigung des grossen Erfolges geben zu können, den ihr\nViolinspiel auch hier in Köln errungen hat. Sie spielte das Concert\nNr. I von Vieuxtemps, zunächst den erstenSatz, dann (nach den\ndrei Liedern) die beiden letzten Sätze. Da sie, zuerst eine Schülerin\nMayseder's in Wien, ihre höhere Ausbildung der belgischen Schule\nverdankt, so liegt der Wahl der Compositionen von Vieuxtemps,\nLeonard u s. w. eine Art von Pietät zu Grunde, die man nur hoch-\nachten kann, zumal da z. B. das genannte Werk von Vieuxtemps\ndurch das Genre der Composition, durch übermässige Länge des\nGanzen und Ausdehnung einzelner enorm schwieriger Passagen dem\nSpieler wahrlich die Gewinnung des Beifalls nicht so leicht macht,\nwie die Salon- und Virtuosenstüeke, durch welche Andere die Menge\nzu blenden wissen. Das Spiel von 1 räulein Bido zeichnet sich durch\nReinheit und Fülle des Tones, durch eine vollkommene Sicherheit\nin Beherrschung alles Technischen und dabei durch eine Kraft und\nAusdauer aus, die man dem zarten Gescblechte kaum zutrauen\nsollte. Von den gewöhnlichen Virtuosen unterscheidet sie sich durch\nihre Richtung auf das Ernste und Edle in der Kunst auf höchst\nvorteilhafte Weise, und ihr Vortrag der Romanze von Beetho-\nven im zweiten Theile des Concertes gab uns noch besonders schöne\nBürgschaft für ihre richtige Auffassung und seelenvolle Wiedergabo\nclassischer Mutik.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin. Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater werden nach\nAblauf des Gastspiels des Herrn Wachtel zwei neue Opern deut-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611109-01.1.8", "texte": "scher Componisfcen vorgeführt werden: „Die Mühlenhexe\" vom k.\nMusik-Director Neu mann in Berlin und „Wiener Carneval\" vom\nk. Musik-Director Engel in Merseburg. Auch ist die komische Oper\n„Das Gespenst\" von Ad. L'Arronge angenommen worden, und der\nComponist wird die erste Vorstellung dirigiren.\nMainz, 29. October. Unsere Liedertafel in Verbindung mit\ndem Damengesang-Verein hat gestern ihre Winter-Productionen mit\ndem herkömmlicher Weise im Theater abgehaltenen Armen Concerte\neröffnet, in welchem das Oratorium „Belsazer\" von Händel unter\nder Leitung des Herrn Rühl zur Aufführung kam. Der Chor leistete\nin jeder Beziehung Vortreffliches. Herr Schneider von Wiesbaden\nsang die Partie des Belsazer mit bekannter Meisterschaft und sah\nsich durch lebhaften Beifall belohnt. Die übrigen Solo-Partieen wa-\nren in den Händen vorzüglicher Dilettanten. Auch das Orchester\ngab sich sichtlich Mühe, der Auffassung des Dirigenten gerecht zu\nwerden, und so machte denn die ganze Aufführung einen recht er-\nquicklichen und befriedigenden Eindruck, und wir sehen mit Ver-\ngnügen den folgenden Vereins-Concerten entgegen, die uns hoffentlich\nrecht schöne Genüsse bringen werden.\nDas neue Theatergebäude zu Braun schweig, von den Herren\nBaurath Wolff und Professor Ahl bürg erbaut, steht gegenüber\ndem Steinweg jenseit der Wall-Promenade, auf drei Seiten vom\nherzoglichen Park umgeben. Der Steinweg ist durch Abbruch und\nUmbau mehrerer Häuser so weit verbreitert, dass er sich jetzt ganz\ngerade auf das Theater hinzieht, der davor durchfliessende Oker-Arm\nist überbrückt und dadurch unsichtbar. Das Gebäude selbst ist im\nGrundbau aus Dolomit-Quadern, in den Umfangsmauern aus Quader-\nsteinen von Lutter am Barenberge, während die Innenwände aus\nBacksteinen aufgeführt sind. Es nimmt eine Grundfläche von unge-\nfähr 41,000 Quadratfuss ein und hat 2581/2 Fuss Länge, 164 Fuss\nBreite und 110 Fuss Höhe vom untersten Souterrain bis zur höch-\nsten Dachspitze. Die Bedachung ist Zink. Dem Steinwege gegenüber\nist eine bedeckte Unterfahrt mit Balcon; auf dessen Rückwand eine\nGruppe: zwei Sphynxe, eine Leier tragend, auf welcher ein Schwan\nsich befindet, die Vermählung der Dichtkunst mit der Tonkunst dar-\nstellend, auf beiden Seiten die Masken der Tragödie und der Ko-\nmödie. Ausser dem Eingange mit gusseiserner Unterfahrt für den\nHerzog sind acht Eingangsthüren für das Publicum, drei für das\nTheater-Personal und zwei zu den Dienstwohnungen für die Theater-\nBeamten. Die Eingänge zum Parterre, zum ersten und zum zweiten\nRange befinden sich unter dem Balcon an der westlichen, die zum\ndritten Range und zur Galerie auf der nördlichen Fronte, jedoch so\ngeordnet, dass alle Billets aus demselben Cassenzimmer verabreicht\nwerden; die Treppen zum ersten und zweiten Range führen jedoch\nauch noch bis zur Galerie, um in Nothfällen auch benutzt werden\nzu können. Sämmtliche Corridore, Treppenhäuser, Vistibüle sind\nfeuerfest überwölbt, die Treppen aus Sandstein-Quadern und Eisen.\nBei etwaiger Feuersgefahr wird der Zuschauerraum durch einen\nEisendraht-Vorhang von eler Bühne abgesperrt. Letztere umfasst eine\nTiefe von 88 und eine Breite von 84 Fuss, die Prosceniums-Oeff-\nnung erstreckt sich bis zu einer Breite von 46 Fuss. Das Logen-\nhaus erhebt sich in einem Halbmesser von 311/2 Fuss; es umschliesst\ndas Parterre und vier Ränge, die amphitheatralisch zurückspringen;\ndas 16 Fuss breite Proscenium, geschmückt mit mehreren allegori-\nschen Figuren, enthält auf beiden Seiten die grossen herzoglichen\nLogen; die Hof-Loge befindet sich in der Mitte des ersten Ranges.\nDie Logenränge werden durch gusseiserne Säulen unterstützt und\nsind mit goldenen Hautreliefs auf weissem Grunde decorirt, die Dra-\npirungen und Polsterungen der Sitze und Brüstungen sind roth. Das\nAuditorium, welches ungefähr 1500 Menschen fasst, wird durch\neinen Kronleuchter von 150 Flammen erhellt; der Plafond zeigt die\nal fresco gemalten Bildnisse der Musen, Die Erleuchtung geschieht\ndurch etwa 1200 Gasflammen, die Heizung sämmtlicher Bühnen-\nund Zuschauerräume durch Wasserdämpfe. Die Lösch-Vorrichtungen\nbestehen in den erforderlichen, im Erdgeschosse aufgestellten Was-\nserhebungs-Maschinen, von denen sich das Rohr-System durch das\nganze Haus derartig erstreckt, dass auf jedem Punkte desselben mit\nErfolg gespritzt werden kann. Auch die übrigen Localitäten: Probe-\nsäle, Foyers, Büffets, Magazin, Werkstätten, sind eben so elegant\nwie zweckmässig angelegt.\nAfclä iefiÄ. Hans Schläger, der neue Director des Mozarteum*\nin Salzburg, hat Wien verlassen. Der wiener Männergesang-Verein,\ndem Schläger als Chormeister durch mehrere Jahre angehörte, ver-\nanstaltete dem Scheidenden zu Ehren eine Liedertafel, bei welcher\nGelegenheit ihm vom Vorstande des Vereins nach einer herzlichen\nAnsprache als Andenken der Mitglieder ein werthvoller, mit Diaman-\nten, Smaragden, Rubinen und Amethisten (vorstellend die Vereins-\nfarben) geschmückter Ring überreicht wurde.\nDer talentvolle Componist Christian Seidel ist am 18. Sep-\ntember im 30. Lebensjahre in München gestorben.\nAm ungarischen Theater in Pesth concertirte dieser Tage der\njunge Violin-Virtuose Leopold Auer mit grossem Erfolge.\nII e ii t s e Ii e Tonhalle,\nFür die auf diesseitiges Preis-Ausscbreiben vom Februar v. J.\neingelaufenen 27 Trio's für Ciavier, Violine und Violoncell\nhatten die Herren Ferd. David in Leipzig, Ferd. Hiller in Köln und\nFranz Lachner in München die Wahl als Preisrichter gütigst ange-\nnommen, und das uns nun vorliegende Ergebniss ihrer Beurtheilung\ndieser Werke ist folgendes:\nDer Preis wurde durch Stimmenmehrheit der Herren Preisrich-\nter Herrn Julius Scliapler in Thorn zuerkannt. Das Werk des\nHerrn Winand Wiek, Dom-Musik-Directors in Hildesheim, wurde\nbesonders belobt, und die Werke der Herren Dr, Otto Bach in Wien,\nFritz Spindler in Dresden, Emil Büchner, Musik-Directors in Leip-\nzig, und des Fräuleins Emilie Mayer in Stettin, erhielten jedes durch\nzwei Stimmen Belobungen.\nDiejenigen der übrigen Herren Preisbewerber, welche ihre Werke\nzurück begehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an uns er-\ngehen lassen, und zwar in den nächsten sechs Monaten, da wir für\ndie Werke nicht länger haften können.\nMannheim, den 25. October 1861.\nDer Vorstand."}]}