{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_sha256": "20f6fb9bdf343f08b45991526f895e461a5cc22ae782fdae4f32d8207dce0c0e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/11/16_01/bmtnabi_1861-11-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 409, "texte": "Inhalt.\nDie Harmonielehre der neuen Schule, An Herrn J. C. Lobe in Leipzig. Der neue Concertsaal in Frankfurt am\nMain. Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Herr Smetana Mainz, Herr Rieh. Gende Frankfurt am Main, Concerte Stuttgart, Oper Wien, ..Der\nfliegende Holländer\", „Hans Heiling\", Herr Georg Hellmesberger)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "364", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.2", "titre_corps": "Die Harmonielehre der neuen Schule.", "titre_sommaire": "Die Harmonielehre der neuen Schule.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.1", "debut_caractere": 411, "fin_caractere_exclue": 3916, "texte": "Die Harmonielehre der neuen Schule.\nBekanntlich hatten die Führer oder Anhänger der\nZukunftsmusik im vorigen Jahre das Gelüste gespürt, ne-\nben dem ästhetischen und weltphilosophischen Geschwätz,\nWelches ihre bereits entbundenen oder noch in den Wehen\nbegriffenen Kunstgeburten als nie da gewesene Wunderkin-\nder anzukündigen strebte, auch einmal durch musikwissen-\nschaftliches Raisonnement ihre Zeugungsweise darlegen zu\nlassen und der erstaunten Welt die Gliederung und Ge-\nstaltung der dadurch entstandenen Geschöpfe als erwach-\nsen aus einer rationel begründeten, nagelneuen Theorie\neinzureden.\nIhr allzeit fertiger Herold verkündete darauf Lohn\nund Ruhm dem Kämpfer, der für die Freiheit der Ton-\nkunst in die Schranken treten und nachweisen würde, dass\ndie Harmonie nie geahnte Fortschritte gemacht und na-\nmentlich durch Wagner und Liszt eine ganz neue ge-\nworden sei.\nJedermann weiss, dass C. F. Weitzmann dem Rufe\nfolgte und dass seine Schrift gekrönt wurde;—von wem?\ndarauf kommt nichts an, da ohne Zweifel angenommen\nwerden kann, dass die (Jeberzeugung des einen Preis-\nrichters Satz für Satz mit der des Verfassers überein-\nstimmte.\nWir hielten es für überflüssig, kritisches Geschütz ge-\ngen ein Gebäude zu richten, das, weil ohne alles Funda-\nment aufgeführt, vor jedem gelinden Windstosse zusam-\nmenstürzen musste, freuten uns jedoch, dass andere Blät-\nter— namentlich die „Deutsche Musik-Zeitung\" —die\nHaltlosigkeit des so genannten neuen Harmonie-Systems\nnachwiesen.\nIndess beruhigte sich Herr Weitzmann nicht mit dem\nerrungenen Lorber, zumal da man die Krönung für eine\nabgekartete Theater-Demonstration hielt, sondern er\nschickte eine zweite Flugschrift in die Welt: „Die neue\nHarmonielehre im Streite mit der alten\", worin\ner sich bemühte, die losen Blätter des Kranzes wieder fest-\nzunähen und die Krone mit neuem Firniss zu überziehen.\nAuch dagegen sind S. Bagge und van Bruvk in der „Deut-\nschen Musik-Zeitung\" (Nr. 20, 23, 24) in sehr lesens-\nwerten Artikeln aufgetreten.\nDennoch fehlt es bis jetzt an einer Schrift, welche\nWeitzmann's so genannte Harmonielehre mit sittlichem\nErnste vornimmt, sie Zug um Zug verfolgt und das Ganze\nals ein falsches Spiel der Welt schlagend vor Augen legt.\nDazu hat sich Herr F. J. liunkel in Frankfurt am\nMain entschlossen. Von ihm liegt uns im Manuscript eine\nausführliche Abhandlung vor: „Kritische Beleuch-\ntung des Weitzmann'schen Harmonie-Systems,\nnebst Versuch einer rationellen Entwicklung\nund Darstellung der Tonarten-Verwandtschaft\nund ihrer Gradation zwischen r und\nEin Nachtrag berücksichtigt auch die zweite Schrift von\nWeitzmann: „Die neue Harmonielehre im Streite mit der\nalten.\"\nHerr Kunkel tritt hier eben so energisch als gründ-\nlich auf. Er charakterisirt gleich von vorn herein seine\nSchrift als „kunstwissenschaftliche Nach Weisung mit Be-\nlegen aus älteren musicalischen Schriften (und Noten-Bei-\nspielen), dass die Weitzmann'sche „„erklärende Erläute-\nrung und musicalisch-theoretische Begründung der durch\ndie neuesten Kunstschöpfungen bewirkten Umgestaltung\nund Weiterbildung der Harmonik\"\" auf Irrthum und Un-\nkenntniss oder absichtlichem Ignoriren der früheren theo-\nretischen Werke beruhen, so wie als gebührende Abwehr\ngegen die unbegründete Ansicht, als seien die Lehrsätze\nder bisherigen musicalischen Theorieen zu mangelhaft, um\nalle vorkommenden harmonischen und melodischen Ton-\ngestaltungen erklären zu können.\"\nDer Verfasser hält Wort und gibt in zwölf Ab-\nschnitten eine genaue, ins Einzelne gehende Kritik der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5287, "texte": "Schrift Weitzmann's, dessen Gange er Schritt für Schritt\nfolgt und keinen Fehltritt und keinen Sprung unbemerkt,\nkeinen Widerspruch ungerügt, keinen Winkelzug unauf-\ngedeckt, keine willkürliche Annahme unwiderlegt lässt.\nSo kommt er denn zu folgendem Schlussworte, welches\ndas Ergebniss der ganzen Kritik enthält:\n„Mittels unserer Beleuchtung glauben wir aber dage-\ngen zur Evidenz nachgewiesen zu haben: Erstens, dass\ndiese Grundlage des harmonischenTheiles der Zukunfts-\nmusik kein oder doch nur ein höchst mangel- und\nlückenhaftes System ist, weil die hierzu bedingte\nwissenschaftliche Entfaltung und b) die logisch-geordnete\nFolge des Lehrstoffes an vielen Stellen fehlen, um das\nWerkchen zu einem einheitlichen Ganzen zu er-\nheben. Wir wollen hier, abgesehen von manchem ande-\nren verworrenen Gemenge unklarer Begriffe, falscher Ar-\ngumentationen, missverstandener Beispiele aus classischen\nCompositionen, Widersprüche fast aller Art u. s. w., nur\nnoch einmal auf den bereits erwähnten Mangel hindeuten,\ndass in diesem so genannten Harmonie-System nicht ein-\nmal eine Maxime für die Bildung der Accorde angegeben\nwird, und der Verfasser bei der Aufstellung seines ver-\nmeintlichen Systems, resp. bei der ungeschickten Aneinan-\nderreihung der Lehr-Objecte, dem von ihm misskannten\nWerke Hauptmann's folgte, ohne zu bedenken, dass dem\nletzteren Buche eine ganz andere Tendenz zu Grunde lag,\nnamentlich die Bildung der Accorde in demselben, so wie\nnoch manches Andere als hinreichend Bekanntes voraus-\ngesetzt werden konnte. Zweitens entbehren die vermeint-\nlichen „Begründungen\" entweder das wesentlich Fun-\ndamentale, d. h. triftige, haltbare und einleuch-\ntende Beweise, worauf wir ebenfalls mehrfach hinge-\ndeutet, so dass jene Bezeichnung geradezu unstatthaft ist,\noder diese sonderbaren Begründungen sind ober-\nflächlich, wie z. B. bei der Entwicklung des Ton-Sy-\nstems, oder auch verkehrt, wie zum Theil bei der\nErklärung der Tonleitern, der Aufstellung der Tonarten-\nVerwandtschaft, der Gradation derselben u. s. w., wie wir\nebenfalls nachgewiesen haben. Drittens ist, obgleich mit\neiner ungewöhnlich kecken Marktschreierei angekündigt,\nvon einer „ „durch die neuesten Kunstschöpfungen bewirk-\nten Umgestaltung und Weiterbildung der Harmonik\"\" im\nganzen Büchlein nichts zu finden, und eben so ist\nauch die Aufgabe, „ „die Gesetze u. s. w. in früheren theo-\nretischen Werken über noch nicht erklärte Zusammen-\nklänge und Accordfolgen zu ergründen\"'', ganz und gar\nungelös't geblieben, denn es kommt in diesem ver-\nmeintlichen Harmonie-System auch nicht ein\neinziger Accord vor, der nicht seine Erklärung in\nder älteren Musik-Theorie lande. Und selbst die Accord-\nfolgen und weiteren Gestaltungen mittels harmoniefremder\nTöne, so grell und schroff dieselben hier und da vorkom-\nmen, sind der alten Musik-Theorie in technischer Bezie-\nhung nicht fremd: sie warnt nur vor dem Gebrauche sol-\no 7\neher Folgen und resp. Tongestaltungen, weil dieselben dem\nkunstgebildeten Gehör und einem geläuterten Geschmack\nmissfallen und mit dem Begriffe schöner Tonforma-\ntionen im Widerspruche stehen. Ueberhaupt ist dann\nauch mit Ausnahme eines Beispiels von Liszt, welches\naber nicht sowohl der ohnehin ganz bekannten Accorde\nhalber, sondern vielmehr wegen der Führungen der Sep-\ntime und der Terz im Dominant- und verminderten Sep-\ntimen-Accord herbeigezogen wurde, kein einziges Bei-\nspiel von einem Zukunftsmusik-Componisten\nden „„anerkannten praktischen Meistern\"\" —, weder\ngebracht, noch erklärt oder begründet; es wer-\nden nur, freilich nicht selten, Accord-Verbindungen, oft\nohne kunstvernünftigen Sinn und Plan, angegeben und von\ndenselben im Allgemeinen gesagt, dass sie „„der neueren\nMusik angehörende Harmonieen\"\" seien. Solche anmaass-\nliche Aneignungen sind aber desshalb noch lange keine\nBegründungen oder Rechtfertigungen, ja, nicht einmal\nNachweisungen, ob solche Errungenschaften von Harmo-\nnieen und Accordfolgen nicht schon anderwärts früher\nvorkamen und als wirkliche Eunstgebilde sich bewährt\nhaben.\n„Reiht man dann zu solchem, theils durchaus unge-\nrechtfertigten, theils anmaasslichen Verhallen noch die\nhäufig kundgegebene Geringschätzung gegen die ältere\nMusik-Theorie, aus welcher man aber gerade das noch\nHaltbare wenn nicht ungeschickter Weise verunstaltet\nbeibehalten oder entnommen, so wie die Aufstellung\nvon Regeln und Beispielen, zuerst als allgemein Gültiges\nbezeichnet, dann aber wieder vor dem Gebrauche dersel-\nben warnt oder das Aufgestellte fast ganz aulhebt; endlich,\ndass man absichtlich das Auffallendste, Bizarre und Extra-\nvagante quasi als musterhafte, harmonische Gestaltungen,\nund zwar gleich einem Eroberer oder Erfinder, „„mit\nRecht\"\" der „„neueren Tonkunst\"\" einräumt, so\nkonnte freilich für das neue musicalische Schisma, die Zu-\nkunftsmusik, kaum ein Harmonie-System aufgestellt wer-\nden, welches diese abnorme Kunstrichtung hätte besser\ncharakterisiren können, als eben die Weitzmann'sche de-\nstruetive Musiklehre.\n„Die „ „früheren theoretischen Werke\"\", welche nach\ndes Verfassers Meinung Zusammenklänge und Accordfolgen\nunerklärt gelassen, tragen wohl auch mehr oder weniger\nSpuren der Unvollkommenheit an sich, und wir haben an\nmehreren Stellen unserer Beleuchtung gegen Unhaltbares\nund Mangelhaftes mit gleichem Freimuthe uns geäussert,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5228, "texte": "wie gegen den exorbitanten Charlatanismus im Harmonie-\nSystem der Zukunftsmusik; dagegen verfolgen doch alle\njene älteren Werke vorwiegend eine instructive Rich-\ntung, zielen nicht nach Zerstörung, sondern streben viel-\nmehr nach Verbesserung unserer Musik-Theorie, welche\nletztere allerdings nicht wie ein Pilz nach dem Begen plötz-\nlich aus der Erde gewachsen ist, sondern seit Jahrhunder-\nten nach und nach von begabten und hochverdienten Män-\nnern geordnet und aufgestellt wurde, und die wohl mit\nder Zeit auch zu einer immer noch grösseren Vollkom-\nmenheit gelangen wird.\n„Aber selbst diese Unvollkommenheit unserer Musik-\nTheorie findet sich gerade am wenigsten im Harmoni-\nschen, sondern vielmehr in anderen Zweigen derselben,\nwovon zu reden hier keine Veranlassung gegeben war;\ndenn jedes rationelle Lehrbuch der Harmonie, Tonsetz-\nkunst, Compositionslehre u. s. w. stellt, worauf wir in un-\nserer Beleuchtung mehrfach hingedeutet, auf Grundlage\nunseres allgemein angenommenen Ton-Systems und der\nbeiden Ton-Geschlechter bestimmte Principien auf zur Bil-\ndung der Accorde, classificirt dieselben in Grund-Ac-\ncorde und abgeleitete (umgestaltete), in Harmo-\nnieen mit chromatischer Erhöhung oder Erniedri-\ngung einzelner Accord-Bestandtheile, ferner in\ndurch die Betardation und durch Anwendung des Or-\ngelpunktes und liegender Stimmen sich bildende\nHarmonieen und in Zusammenklänge mit Ausschmückung\nnoch anderer harmoniefremder Nebentöne. Das\nGebiet des harmonischen Theiles unserer Musik-Theorie\nist daher in seinen wichtigsten oder Haupttheilen, wie man\nsich nach Durchsicht des einen oder des anderen der von\nuns mehrerwähnten theoretischen Werke selbst und voll-\nkommen überzeugen kann, nicht nur längst entdeckt, son-\ndern auch hinlänglich und tüchtig angebaut, so dass wohl\nin formeller Beziehung, namentlich in didaktischer oder\nmethodologischer, und, wenn man will, auch in kunstphilo-\nsophischer Hinsicht, noch verschiedenartigere andere Sy-\nsteme sich aufstellen lassen mögen; jedoch in materiel-\nler Beziehung dürfte, obgleich die Accord-Formationen\nund die Accord-Verbindungen in fast unendlicher Mannig-\nfaltigkeit zur Erscheinung kommen können, keine oder\nkaum eine kunstvernünftig gebildete und verwendbare\nTongestaltung vorgeführt werden, die nicht nach den\nSatzungen unserer seitherigen Musik-Theorie zu erklären\nwäre.\"\nAuf Herrn Weitzmann werden übrigens die gründ-\nlichsten Beweisführungen des Verfassers, wenn sie i m\nDruck erschienen sind, was um der guten Sache der rei-\nnen Tonkunst willen sehr zu wünschen ist, keinen Eindruck\nmachen, denn er theilt sowohl die Selbstüberschätzung als\ndie Mittel zur Abwehr aller Kritik mit seinen Herren und\nMeistern. Er erklärt (in dem „Streit der neuen Harmonie-\nlehre\" u. s. w.), dass die Aufgabe seiner Preisschrift ge-\nwesen, „die harmonischen Freiheiten, die anerkannte\nTonmeister wie Beethoven, Schumann, Berlioz,\nWagner, Liszt u. A. bereits erkämpft haben, nun auch\nals rechtlich (?) begründet darzustellen\".— Ferner: „dass\nsein Harmonie-S y s t e m (?) überhaupt seine Entstehung (?)\nnur der Ueberzeugung verdanke, dass geweihte Künst-\nler wie Mozart, Beethoven, Schumann, Liszt und\nWagner nicht unlogisch schreiben können\".\nWie man nun eine so schamlose Schmeichelei gegen\nLebende, wie Berlioz, Wagner und Liszt, üben kann, dass\nman sie in Einem Athem neben Mozart und Beethoven als\nGeweihte nennt, das lässt sich auch dann kaum becrei-\nfen, wenn man weiss, dass Liszt der eigentliche Bichter\ngewesen, der Weitzmann's Schrift gekrönt hat.\nAber eben auf diese Krönung thut sich Weitzmann\ndreist genug wirklich etwas zu Gut. Er sagt selbst:\n„Viele der (in der Versammlung zu Leipzig im Jahre\n1859) anwesenden Tonkünstler drückten den Wunsch\naus, dass ich selbst mich bei der (wegen jener Schrift\nzur rechtlichen Begründung der neuen harmonischen Frei-\nheiten) eröffneten Concurrenz betheiligen möchte. Auf meine\nErwiderung, dass ich schon als Preisrichter bei dieser An-\ngelegenheit betheiligt sei, wurde mir nachgewiesen,\ndass in der Einladung zu dieser Concurrenz etwaige Ar-\nbeiten der drei Preisrichter nicht ausgeschlossen seien, da,\nwenn auch einer derselben die Beurlheilung eines bestimm-\nten Werkes ablehnen sollte, den beiden anderen Bichtern\nimmer dennoch das Auszeichnen oder Verwerfen desselben\nfrei stehe. Hiedurch ermuthigt, unternahm ich die Ausar-\nbeitung meines Harmonie-Systems, welche das Glück hatte,\nvon den beiden anderen Herren Preisrichtern als die beste\nerkannt und mit dem Preise gekrönt zu werden.\"\nEin köstlicher arithmetischer Quinten- oder vielmehr\nFinten-Cirkel, um die Identität von 2 und 3 zu beweisen!\nWer sieht hiernach nicht ein, dass die Dreizahl für jeden\nBichterspruch nach Stimmenmehrheit unnöthig ist? Fer-\nner, dass die zwei übrigen Collegen gar keine Ahnung da-\nvon haben konnten, dass der Ausscheidende ein zweiter\nTeil war:\n„Was Ihr auch thut, lasst mich aus Eurem Rath:\nBedürft Ihr meiner zur bestimmten That\nso will ich mein Harmonie-System Euch vorlegen.\"\nAllein Herr Weitzmann hat vergessen, zu erwähnen, dass\nder Preisrichter Hauptmann, wie man zu sagen pflegt,\nden Braten roch, während er geschmort wurde, und sprach:\n„Ich erkläre, dass ieh's mir verbitte,\nZu sein in Eurem Bunde der Dritte.\"\n• .\n\n[S]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2893, "texte": "Hierauf ward Herr Lobe in Aussicht genommen, an dem\nman neuerdings eine kleine Schwankung oder Schwen-\nkung bemerkt hatte*), und er war glücklicher Weise mit\nLiszt einig, Herrn Weitzmann zu krönen. Schade, dass\nnicht auch einer von diesen beiden Collegen ebenfalls con-\ncurrirt hat, wodurch Weitzmann, von Neuem ins Richter-\namt berufen, in einige Verlegenheit gekommen sein dürfte!\nKomödie über Komödie!\nEndlich verlangt Weitzmann für sein Harmonie-Sy-\nstem und die Gleichstellung von Wagner und Liszt mit\n(\nBeethoven gerade so wie diese für sich selbst einen neuen\nStandpunkt, erklärt die bisherigen kritischen Bedenken für\n„oberflächliche und grundlose Angriffe\" und spricht dem\n„einseitigen und befangenen Kritiker\" jede Befugniss zur\nEntscheidung der „von ihm angeregten Streitfragen\" ab.\nWenn demnach auch nicht zu erwarten, dass Weitz-\nmann durch die Kritik von seinem „so herrlich weit\" vor-\ngeschobenen Standpunkte zurückgebracht werden könne,\nso ist es doch sehr an der Zeit, dass den jüngeren Musi-\nkern namentlich die Augen geöffnet werden, damit sie den\nAbgrund gewahr werden, in welchen die Verschmähung\nund Zerstörung der harmonischen Grundgesetze führt, und\ndesshalb empfehlen wir den Verlagshandlungen musicali-\nscher Schriften angelegentlich die Veröffentlichung von\nF. J. Kunk el'skritischer Beleuchtung des Weitz-\nmann'schen Systems. Die ganze Schrift enthält mit\ndem Anhang nur 56 geschriebene Folioseiten; die Kosten\nder Herausgabe können also kaum in Betracht kommen\ngegenüber der zu erwartenden Theilnahme und dem Nutzen\nfür vernunftgemässe Kunstlehre.\n\n*) J, C. Lobe sagt in dem Anhang, „Aphorismen\" zu seinem\nLehrbuehe der musicalischen Composition, 1. Auflage, S. 431,\nüber den Vierklang auf der ersten Stufe der Moll-Tonleiter:\nrZ. B. der Sept-Accord der ersten Stufe in Moll:\n„Wer kann wissen, ob nicht ein künftiger Tondichter eine\ndieser Harmoniefolgen, selbst ohne Vorbereitung angeschla-\ngen, für irgend einen besonderen Ausdruckszweck, zu irgend\neiner herben, bitteren, in das Gemüth (soll heissen: ins Ge-\nhör!) schneidenden Gefühls-Nuance wirkungsvoll zu benutzen\nweiss; ob nicht einer eine Periode oder gar ein Stück in fol-\ngender Weise anzufangen sich gedrungen fühlen mag:\n,.Oder gemildert durch einen vorhergehenden Accord:\n„Freilich wird man das gis (in b) für eine Durchgangs-\nnote erklären wollen, aber ich sehe die Nothwendigkeit davon\nnicht ein, da man dieselbe Harmonie (bei a) als selbstständi-\ngen Accord gelten lassen muss.\" Dieser ganze Passus\nkönnte auch in Weitzmann's Schrift stehen, und die Lehre\n„von dem wirkungsvollen Ausdruck einer bitter ins Gemüth\nschneidenden Gefühls-Nuance\" durch einen gehörwidrigen Ac-\ncord, mithin der Grundsatz: je hässlicher, desto bes-\nser, wird der neuesten Schule sehr willkommen sein und\neine längst vermisste Ergänzung der Theorie vom Schönen\nin der Kunst darbieten! Vergl. unten: „An Herrn J. C.\nLobe.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "365", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.3", "titre_corps": "An Herrn J. C. Lobe in Leipzig.", "titre_sommaire": "An Herrn J. C. Lobe in Leipzig.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.4", "debut_caractere": 2895, "fin_caractere_exclue": 3990, "texte": "An Herrn J. C. Lobe in Leipzig.\nGeehrter Herr!.\nIn Ihrem in so vieler Hinsicht äusserst interessanten,\nkürzlich erschienenen Werke: „Vereinfachte Harmonie-\nlehre\", finden die Unterzeichneten mit Befremden folgende\nStelle:\n„Wie oft bei S. Bach offenbare Octaven vorkommen\nund wie wenig er sie scheut, wenn mehrere polyphone (?)\nStimmen melodisch selbstständig geführt werden sollen,\nwäre an vielen Stellen in seinem „ „wohltemperirten\nCiavier\"\" allein schon zu zeigen. Einige Beweise aus der\nH-moll-Fuge mögen genügen:\n„Da alle harmoniefremden Noten bei Harmonieschrit-\nten nicht mitzählen und verbotene Fortschreitungen nicht\nbeseitigen, so klingt die vorstehende Stelle, wie folgt:\nDas vorgehaltene hverwischt die Octave, wie sie hier\nnackt vorliegt, natürlich nicht.\"\nDie folgende, von Ihnen als „ähnlich\" citirte Stelle ist\nganz und gar dieselbe, nach Fis-moll transponirt.\nDie Unterzeichneten erlauben sich, die Meinung aus-\nzusprechen, dass von einem octavenhaften Eindrucke in\ndiesen Stellen nicht die Spur vorliegt—dass die Septime\nh der entscheidende Ton für die zweite Hälfte des Tactes"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 606, "texte": "ist—dass das eis als durchgehende Note gar nicht gehört\nwird, und dass die Stelle klingt, wie folgt:\nDie Unterzeichneten gehen aber weiter und bieten\neinen Friedrichsd'or für jede offenbare, von der\nRegel verpönte Octave, welche Sie denselben in einer gu-\nten Ausgabe des wohltemperirten Claviers nachzuweisen\nim Stande sind. Da Ihrem Ausspruche nach deren „viele\"\nvorkommen, so muss das Anerbieten der Unterzeichneten\nein financiel günstiges Resultat darbieten, über dessen Ver-\nwendung Sie gänzlich zu verfügen haben werden.\nHochachtungsvoll\nEin Kreis hiesiger Tonkünstler.\n• Köln, den 14. November 1861."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c010", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "365", "page_fin": "365", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.4", "titre_corps": "Der neue Concertsaal in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Der neue Concertsaal in Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.5", "debut_caractere": 608, "fin_caractere_exclue": 4345, "texte": "Der neue Concertsaal in Frankfurt am Main.\nNach Ueberwindung vieler Hindernisse, nach Beseiti-\ngung so mancher Schwierigkeiten ist es endlich dahin ge-\nkommen, dass das von der hiesigen Saalbau-Actien-Ge-\nselischaft hingestellte Gebäude oder vielmehr die grösste\nRäumlichkeit in demselben, der grosse Concertsaal, der\nOeffentlichkeit übergeben werden kann.\nDa es jedenfalls von Interesse ist, von den Räumlich-\nkeiten des Gebäudes etwas Näheres zu erfahren, so theilen\nwir Nachstehendes mit.\nDurch ein geräumiges Vorhaus, das die Casse, die\nPortierwohnung und eine für circa 1600 Personen berech-\nnete Garderobe enthält, gelangt man an die steinerne\nHaupttreppe, deren Hauptarm 19 Fuss breit ist und de-\nren Seitenarme je 10% —ll Fuss Breite haben.\nIm ersten Stock gelangt man aus einem 42 Fuss brei-\nten und 16 Fuss tiefen Vorraum (Vestibüle) in den gros-\nsen Concertsaal, der 150 Fuss lang, 50 Fuss hoch\nund 57 Fuss breit ist. Um ihn herum zieht sich eine Ga-\nlerie, unter welcher sich 26 Logen befinden. Zu der Ga-\nlerie führt vom Vorraum aus eine 7 Fuss breite Verbin-\ndungstreppe. Auf der Galerie gemessen, betragen die\ngrössten Dimensionen des Saales 177 Fuss Länge und\n80 Fuss Breite.\nFür die Sänger bei den Concert-Aufführungen ist ein\nPodium errichtet, dessen einer Theil feststeht, während\nder andere beweglich ist. Oberhalb desselben ist der Raum\nfür das Orchester, dem gegenüber am Eingange des Saa-\nles sich eine weitere Galerie (letzter Rang) befindet.\nSämmtliche Räumlichkeiten des Saales, Galerieen mit-\ngerechnet, können circa 2500 Menschen fassen.\nSowohl der Saal selbst als die Galerieen stehen in Ver-\nbindung mit grösseren und kleineren Zimmern, die sowohl\nzu Restaurations- als Garderobe- u. s. w. Zimmern benutzt\nwerden können.\nFür Ausgänge ist hinlänglich gesorgt, da die neun\nHaupt-Ausgänge des Saales, welche auf die verschiedenen\nCorridore und den Vorraum führen, ausser mit der Haupt-\ntreppe noch mit einer auf die Schiessinger Gasse munden-\nden und der sieben Fuss .breiten, so genannten Ellipsen-\nTreppe, die in die. neue Strasse führt, in Verbindung stehen.\nUeber dem Hauptgebäude befindet sich eine Platt-\nform, zu der eine besondere Treppe führt und von welcher\naus man eine entzückende Aussicht geniesst. In der Grösse\nfolgt dem grossen Concertsaale der im Nebengebäude lie-\ngende kleine Concertsaal, welcher 36 Fuss breit, 62\nFuss lang und 36 Fuss hoch ist und mit seiner Galerie\ncirca 3236 Quadratfuss Flächenraum einnimmt. Eine be-\nsondere Treppe führt zu demselben.\nNächst diesem kommt der über der Durchfahrt lie-\ngende dritte Saal, welcher 45 Fuss breit, 57 Fuss lang,\n25 Fuss hoch und mit einfallendem Lichte versehen ist.\nDas zu ebener Erde gelegene Restaurations-Local um-\nfasst fünf verschiedene Räumlichkeiten, darunter zwei Säle,\nvon denen einer 47 Fuss lang und 27 Fuss breit ist.\nDie Heizung der Räumlichkeiten geschieht mittels heis-\nser Luft; der Ventilations-Apparat ist von Haak in Augs-\nburg gefertigt. Die Beleuchtung sämmtlicher Räumlichkei-\nten geschieht durch B—9oo8—900 Gasflammen.\nMontag den 18. November wird der Saal durch\nein Fest-Concert eröffnet werden, in welchem die\n„Schöpfung\" von Jos. Haydn durch die vereinigten\nKräfte des Cäcilien-Vereins und des Rühl'schen Vereins,\nunter gefälliger Mitwirkung der Frau Zottmayr-llart-\nmann, des Herrn Karl Schneider aus Wiesbaden und\ndes Herrn Karl Hill, so wie des Theater-Orchesters, un-\nter Leitung der Herren Musik-Directoren Franz Frie-\nderich und Karl Müller zur Aufführung kommen wird.\nDie Eintritts-Preise betragen: für einen numerirten Silz\nim Saale 2 Fl.; für einen Logenplatz 2 Fl. 30 Kr.; für\ndie Galerie 1 Fl. u. s. w.\nEintritts-Karten sind vom 8. November an bei Herrn\nH. Buzzi, grosse Bockenheimergasse 37, zu haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c011", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "365", "page_fin": "367", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.5", "titre_corps": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.5", "debut_caractere": 4347, "fin_caractere_exclue": 4479, "texte": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nAus dem 23. Jahresberichte des Verwaltungs-\nAusschusses der Mozart-Stiftung an den Lieder-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5265, "texte": "Kranz, deren Begründer, in Frankfurt am Main über das\nJahr 1860—1861 theilen wir Folgendes mit.\nDr. G iar, der als Mitglied des Liederkranzes bei der\nGründung der Mozart-Stiftung in den Verwaltungs-Aus-\nschuss berufen, ist im vergangenen Sommer gestorben. Er\nhat 23 Jahre lang mit Hingebung für dieselbe gewirkt.\n„Das Vermögen der Stiftung betrug am Schlüsse des\nvergangenen Jahres 37,822 Fl. 52 Kr. Von Seiten des\nLiederkranzes ward uns als Ertrag des noch vom vorigen\nJahre rückständigen Concertes die Summe von 338 Fl.\n19 Kr. behändigt.—Wieder hat der treu bewährte Gön-\nner unserer Stiftung, Herr K. S., uns mit einem Geschenke\nvon 100 Fr. erfreut. Von den Erben unseres leider zu\nfrüh heimgegangenen früheren Mitgliedes der Verwaltung,\nHerrn Wilhelm Heimberger, erhielten wir ein Geschenk\nvon 25 Fl.— Herr Schobert hat durch eine testamentari-\nsche Verfügung der Mozart-Stiftung ein Legat von 50 Fl.\nzugewiesen. Möge dieser schöne Act zu freundlicher Be-\nachtung und öfterer rühmlicher Nachahmung anregen!\nEinen besonders freudigen Eindruck hat uns eine von Mei-\nningen erfolgte Zusendung im Betrage von 119 Fl. 36\nKr. hervorgerufen. Sie ist das Ergebniss einer Concert-\nAufführung der Musik-Vereine von Meiningen, Eisenach,\nHildburghausen u. s. w., und der Einsender Herr Bott in\nMeiningen, unter dessen Direction die Concert-Aufführung\nStatt gefunden. Aber in diesem Einsender und Director\nvereinigt sich noch ein Drittes, und das ist's gerade, was\nuns noch mit besonderer Freude erfüllt. Er ist nämlich\nzugleich der erste Stipendiat unserer Stillung, der seiner\nZeit den Reigen so glänzend eröffnet und durch seine\nStrebsamkeit und Tüchtigkeit sich bis zu seiner jetzigen\nhochgeachteten Stellung emporgearbeitet hat. Wir fühlen\nuns verpflichtet, auch an dieser Stelle nochmals ihm, wie\nden verehrten Vereinen und deren Mitgliedern, welche\nihn bei der Concert-Aufführung unterstützten, unseren\naufrichtigen Dank öffentlich auszusprechen, und bewahren\ndie von dem geehrten Einsender beigefügte freundliche\nZusage auf baldige ähnliche Ueberraschung mit froher\nHofl'nung und mit den besten Wünschen in dankbarem\nHerzen.\n„Auch der Bereicherung unserer Bibliothek haben wir\nzu gedenken. Von Seiten der Ad. Becher'schen Verlags-\nhandlung in Stuttgart sind wir durch Zusendung des ver-\ndienstlichen Werkes von Ulibischeff: „Mozart's Leben\",\nerfreut worden. Hiefür und für alle oben erwähnten\nfreundlichen Zuweisungen, so wie für mehrere andere\nmeist von Mitgliedern des Liederkranzes herrührende Ge-\nschenke statten wir sämmtlichen verehrten Gebern unseren\nverbindlichsten Dank ab.\n„Durch die oben bezeichneten baaren Geschenke ist\nnebst dem Zuwachs an Zinsen das Capital-Vermögen un-\nserer Stiftung bis zum Betrage von 39,183 Fl. 37 Kr.\nherangewachsen.\n„ Wenn wir im Eingange unseres Berichtes dem schmerz-\nlichen Gefühle der Trauer um einen heimgegangenen lie-\nben Freund und dem dadurch erlittenen Verluste für un-\nsere Stiftung rückhaltlosen aufrichtigen Ausdruck geben\nmussten, so haben wir andererseits eben so die ermuthi-\ncende Thatsache hervorzuheben, wie nach den ausserdem\nr* 7\ndargelegten Verhältnissen unsere Stiftung sich mancher\nschätzbaren Sympathie und manches wohlwollenden Freun-\ndes zu erfreuen hat, und wie sie dadurch in ihrer Ent-\nwicklung ruhig und stetig sicher voranschreitet. Bieten\ndazu die financiellen Verhältnisse schon freudigen Anlass,\nso dürfen wir es mit nicht minderer Berechtigung von un-\nseren Stipendiaten sagen. Der mit dem Schlüsse des ver-\ngangenen Jahres proclamirte neue Stipendiat, Ernst Deu-\nrer von Giessen, ist der musicalischen Leitung des Herrn\nCapellmeisters Vincenz Lachner in Mannheim anver-\ntraut. Das noch zarte jugendliche Alter des Erwählten for-\ndert ausser der musicalischen Unterweisung noch manche\nandere Fürsorge zur Regelung und Entwicklung der ge-\nsammten geistigen Thätigkeit. Vincenz Lachner, der Mann\nvon Kopf und Herz, ist ganz von dem hohen Ernste der\nAufgabe durchdrungen und mit voller Hingebung ihr zu-\ngewandt.\n„Noch dürfen wir aber auch nicht vergessen, unseren\nim vergangenen Jahre aus dem Slipendien-Bezuge ausge-\ntretenen vorletzten Stipendiaten Brambach in Köln zu\nerwähnen. Unter Ferdinand Hiller's gediegener Lei-\ntung halte er sich herangebildet und hatte im letzten Jahre\nseiner Stipendienzeit sich noch in Leipzig aufgehalten, um\ndurch Anhörung vieler und guter Musik Geschmack und\nUrtheil noch weiter auszubilden. Er hat uns mit einem in\ndieser Zeit componirten Sextett für Pianoforte und Streich-\nQuintett erfreut, welches von Breitkopf und Härtel sogleich\nzum Verlag übernommen wurde. Nicht lange war Bram-\nbach von Leipzig heimgekehrt, um sich in Köln (wo er als\nLehrer am Conservatorium der Musik angestellt wurde)\nder weiteren Pflege der Musik zu widmen, als ihm die be-\nsondere Auszeichnung zu Theil wurde, sein ernstes Stre-\nben und seine bewährte Tüchtigkeit durch die Berufung\nzur Stelle als städtischer Capellmeister in seiner Vaterstadt\nBonn anerkannt zu sehen. Es dürfte wohl gerechtfertigt\nsein, hier wörtlich dessen zu gedenken, was Brambach\nsagt in dem Briefe, in welchem er der Verwaltung dieses\nfreudige Ereigniss mitlheilt: „Wenn ich jetzt mein Leben\nals Stipendiat der schönen Stiftung überschaue, so wird\nmir mehr als je klar, welch ein grosser Vortheil mir da-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 288, "texte": "durch geworden, und ich sage gewiss nicht zu viel, wenn\nich diese Zeil für immer als die folgenreichste meines Le-\nbens anerkennen muss.\"\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung und\nin dessen Namen: Dr. Ponfick, Präsident. Dr. Eckhard,\nSecretär. Frankfurt a. M., 30. September 1861."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c012", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "367", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.6", "titre_corps": "Zweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.7", "debut_caractere": 290, "fin_caractere_exclue": 3796, "texte": "Zweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich.\nDinstag den 12. November 1861.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zu Uriel Acosta von\nSchindelmeisser. 2 Concert für das Pianoforte in Es-dur von\nC. M. von Weber, vorgetragen von Herrn Isidor Seiss. 3.\nOpferlied für eine Solostimme (Fräulein Lüdecke), Chor und Or-\nchester von Beethoven. 4. Othello-Phantasie\"von Ernst, vorge-\ntragen von Herrn Concertmeister Ju 1. Grunwald. 5. Credo und\nAgnus Dei aus der Krönungsmesse von Cherubini. Zweiter\nTheil Sinfonie in F-dur, Nr. Vlii., von Beethoven.\nHerr Isidor Seiss, seit Kurzem als Lehrer am hiesigen Con-\nservatorium der Musik angestellt, errang durch den Vortrag des mit\nUnrecht von den Pianisten vernachlässigten JEs-cZwr-Concertes von\nC. M. von Weber einen schönen Erfolg. Eine sehr bedeutende Fer-\ntigkeit, ein Anschlag, der die Nuancirung des Tones namentlich in\nden Stellen, die nicht so sehr Kraft als vielmehr Milde und Zart-\nheit des Ausdrucks verlangen, in der Gewalt hat, ein reinliches und\ngeschmackvolles Passagenspiel sind Vorzüge, die dem jungen Künst-\nler mit Recht grossen Beifall und Hervorruf erwarben.\nHerr Concertmeister Grunwald wurde mit lautem Applaus em-\npfangen, in welchem sich die Freude des Publicums offenbarte,\neinen so gediegenen Künstler und einen der Koryphäen unseres Or-\nchesters wiederum als frisch und kräftig begrüssen zu können, nach-\ndem er durch einen längeren Aufenthalt auf dem Lande seine Ge-\nsundheit von Neuem gestärkt. Sein vortreffliches Spiel und die edle\nAuffassung einer nicht überall edeln Composition (Herr Grunwald\nwurde erst Tags vorher ersucht, in dem Concerte am 12. d. Mts.\nstatt einer auswärtigen Sängerin, welche krank geworden, aufzutre-\nten) verschafften ihm stürmischen Beifall und Hervorruf.\nDas Opferlied von Matthisson, als Opus 121 von Beethoven\nbei Schott in Mainz im Jahre 1826 in Partitur gedruckt, ist ein\nGelegenheitsstück, das im Jahre 1822 für den Tenoristen Ehlers\nzu dessen Benefiz-Concert in Pressburg geschrieben wurde (Schind-\nler, Biographie Beethoven's, 11. 152). Wir wissen nicht, warum man\nvorgezogen hat, das Solo hier durch eine Altstimme singen zu\nlassen, zumal da der Text von einem „Jüngling\" und „Greis\" in\nder ersten Person spricht. Vielleicht hat, dass die Solostimme in der\nPartitur im Discantschlüssel geschrieben ist, dazu verleitet. Es ist\neine einfach schöne, innige Melodie.\nDie glänzendste Leistung des Abends war die Aufführung der\nzwei Sätze aus der grossen Messe in A-dur von Cherubini. Herrn\nMusik-Director Weber, der wegen Unwohlseins des Herrn Capell-\nmeisters Hiller das Concert dirigirte, gebührt der volle Dank des\nPublicums für die sorgfältige Einübung und die sichere, energische\nLeitung der trefflichen Ausführung dieser grossartigen Composition,\nwelche einen ungemeinen Eindruck auf alle Kenner und Kunstfreunde\nmachte. Wahrlich, diese Krönungsmesse, welche der Meister in sei-\nnem fünfundsechszigsten Jahre schrieb, steht als vollberechtigt in\nder Reihe der monumentalen Werke der Tonkunst da, welche der\nJahrhunderte spotten. Sie wurde den 29. Mai 1825 zum ersten\nMale aufgeführt; ein Jahr früher, den 7. Mai 1824, hatte man in\nWTien zum ersten Male die Hauptsätze aus Beethoven's Missa so-\nlemnis in D gehört. Welch' eine Zeit, der solche Werke entspran-\ngen! Lnd im Angesichte solcher Thaten wagen die Leute jetzt\nvon neuen „Bahnbrechern in der Tonkunst\" zu reden!\nDie achte Sinfonie von Beethoven wurde recht gut ausgeführt;\nmit den genommenen Tempo's waren wir vollkommen einverstanden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-16-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-16_01#c013", "volume": "bmtnabi_1861-11-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.7", "debut_caractere": 3798, "fin_caractere_exclue": 6886, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n84so* Am letzten Samstage hatten wir in der musicalischen\nGesellschaft das Vergnügen, in Herrn Smetana aus Prag einen\nganz ausgezeichneten Ciavierspieler kennen zu lernen. Herr Sme-\ntana, der die letzten sechs Jahre als Capellmeister in Gothenburg\ngelebt hat, besuchte Köln auf der Rückkehr in seine Heimat. Er\ntrug Beethoven's C-moZZ-Concert auf gediegene, edle und geschmack-\nvolle Weise vor und entwickelte dabei das Spiel einer sehr soliden,\nkünstlerisch und nicht bloss virtuosenmässig gebildeten Schule. —-\nAber auch als Virtuose im Vortrage moderner Bravourstücke\nzweier eigenen Compositionen, von denen besonders die Etüde allge-\nmein ansprach, und der Phantasie von Liszt über Motive aus Rigo-\nletto zeigte er sich auf der Höhe eines Meisters des Pianoforte.\nRieh. hat vom Hoftheater-Intendanten in\nSchwerin, Herrn v. Flotow, die dringende Aufforderung erhalten,\ndie Direction der dortigen Oper, so wie der abonnirten Concerte für\ndie Dauer der Winter-Saison zu übernehmen, da der dortige Hof-\nMusik-Director, Herr Aloys Schmitt, zur Wiederherstellung seiner\ngeschwächten Gesundheit einige Monate in seinem elterlichen Hause\nzuzubringen genöthigt ist. Herr wird diesem ehrenvollen Rufe\nFolge leisten, doch dürfen wir hoffen, dass er nach Beendigung der\nSaison wieder nach Mainz zurückkehren wird, wo er sich durch sein\nschönes Compositions-Talent, so wie durch sein bescheidenes und\ngemüthliches Wesen so viele Freunde erworben hat.\n(Südd. Musik-Ztg.)\n** Frafliki'sKrt a. M» Die Concerte des Museums werden\nam 22. November, dem Cäcilien-Tage, wieder beginnen. Es sind de-\nren zehn für den Winter in Aussicht genommen und die Direction\nderselben wiederum dem Herrn Musik-Director Karl Müller über-\ntragen worden.\nDie Concerte des philharmonischen Vereins unter der Di-\nrection des Musik-Directors Heinrich Henkel haben bereits am\nDinstag den 5. d. Mts. im Saale des Hofes von Holland begonneu.\nDie Orchesterstücke waren Catel's Semiramis- und Cherubini's Ana-\nkreon-Onverture, ferner Ph. Em. Bach's Sinfonie in D (1776). Fräu-\nlein Mathilde Schneider aus Darmstadt sang Mozart's „Ombra\nfelice\" und drei Lieder von Hauptmann (Göthe's „Fischer\" mit Vio-\nlin-Begleitung), 11. Henkel und R. Schumann. Herr Alexander\nSchmit, „Professor des Conservatoriums zu Köln\", trug G. Gol-\ntermann's Concert Nr. 11. für Violoncell und zwei Salonstücke eige-\nner Composition vor. Seine aussergewöhnliche Beherrschung des Me-\nchanismus erregte Aufsehen; über den Vortrag wollen wir unser\nUrtheil suspendiren, da, wie wir hören, Herr Schmit an dem Abende\nsehr unwohl war. Der Verein wird vier Concerte geben j der Abon-\nnements-Preis beträgt 4 Fl. die einzelne Karte.\nAm Stuttgarter Theater kommt Benedict's Oper: „Die Kreuz-\nfahrer oder der Alte vom Berge\", nach einer Frist von acht Jahren\nwieder ins Repertoire.\nWien. Die Vorstellung des Wagner'schen „Fliegenden Hollän-\nder\" am 29. v. Mts. gestaltete sich in Folge der dem Componisten\nzu Theil gewordenen Ovationen zu einer gleichsam improvisirten\nFestlichkeit. Wodurch diese Kundgebungen, zu welchen eine eigent-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2184, "texte": "liebe äussere Veranlassung nicht vorlag, hervorgerufen wurden, füh-\nlen wir uns ausser Stande, eine authentische Erklärung zu geben.\nAuch dürfte es in Bezug auf die Sache selbst ziemlich gleichgültig\nsein, ob der Impuls wie die Einen wissen wollen dadurch ge-\ngeben wurde, dass die Vorstellung auf besonderen Wunsch der Frau\nFürstin Metternich Statt gefanden hat, man also durch demonstra-\ntive Auszeichnungen ihres Proteges der anwesenden fürstlichen\nschützerin der Wagner'schen Kunst eine Art Vertrauens-Votum zu-\nerkannte, oder ob man nach der Ansicht Anderer Wagner\ndurch diese Beweise der Sympathie revanchiren wollte für die An-\ngriffe, die ihm kürzlich von Herrn Dr. Hanslik in einer Vorlesung\nüber Geschichte der deutschen Musik widerfuhren. Das Factum war,\ndass die Vorstellung ein sehr zahlreiches Publicum versammelte,\nwelches sich für die Wirkungen des Werkes ungewöhnlich empfäng-\nlich zeigte und den Componisten zu sehen verlangte, der indessen\ndiesem schmeichelhaften Ansinnen keine Folge leistete.\nIm Hofburgtheater wird Benedix's vieractiges Lustspiel: „Der\nStörefried\", zur Aufführung vorbereitet. Frau Haitzinger erhielt\ndie Hauptrolle.\nDas für den 2. d. Mts anberaumt gewesene Benefiz Ascher's\nmusste auf die kommende Woche verschoben werden, da Benedix's\nfür diesen Abend bestimmtes Lustspiel: „Die Crinolinen-Verschwö-\nrung\", von der Präventiv-Censur mit Interdict belegt worden ist.\nAn Marschner's romantischer Zauber-Oper: „Hans HeilingS\nwird im Hof-Operntheater unter Leitung des Herrn Hof-Capellmei-\nsters Esser studirt. Die Besetzung ist folgende: Geisterfürstin, Frau\nEllinger; Heiling, Herr Beck; Anna, Frau Dustmann; ihre Mutter,\nFräulein Sulzer; Conrad, Herr Walter.\nDem Professor am wiener Conservatorium für Musik und ersten\nDirector des Hof-Opern-Orchesters Georg Helmeäberger wurde\nin Anerkennung seines vieljährigen verdienstlichen Wirkens als\nKünstler und Lehrer der Musik das goldene Verdienstkreuz mit der\nKrone verliehen.\nHerr Selmar Bagge, Redacteur der „Deutschen Musik-Zei-\ntung\", hat in „Oesterreichischen Zeitung\" das Musik-Referat\nübernommen.\nIn der Correspondenz aus Berlin im Tagsblatt in Nr. 45 d. 81.\nlies Emil Naumann, statt Neumann."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Harmonielehre der neuen Schule, An Herrn J. C. Lobe in Leipzig. Der neue Concertsaal in Frankfurt am\nMain. Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Herr Smetana Mainz, Herr Rieh. Gende Frankfurt am Main, Concerte Stuttgart, Oper Wien, ..Der\nfliegende Holländer\", „Hans Heiling\", Herr Georg Hellmesberger).\n\nDie Harmonielehre der neuen Schule.\nBekanntlich hatten die Führer oder Anhänger der\nZukunftsmusik im vorigen Jahre das Gelüste gespürt, ne-\nben dem ästhetischen und weltphilosophischen Geschwätz,\nWelches ihre bereits entbundenen oder noch in den Wehen\nbegriffenen Kunstgeburten als nie da gewesene Wunderkin-\nder anzukündigen strebte, auch einmal durch musikwissen-\nschaftliches Raisonnement ihre Zeugungsweise darlegen zu\nlassen und der erstaunten Welt die Gliederung und Ge-\nstaltung der dadurch entstandenen Geschöpfe als erwach-\nsen aus einer rationel begründeten, nagelneuen Theorie\neinzureden.\nIhr allzeit fertiger Herold verkündete darauf Lohn\nund Ruhm dem Kämpfer, der für die Freiheit der Ton-\nkunst in die Schranken treten und nachweisen würde, dass\ndie Harmonie nie geahnte Fortschritte gemacht und na-\nmentlich durch Wagner und Liszt eine ganz neue ge-\nworden sei.\nJedermann weiss, dass C. F. Weitzmann dem Rufe\nfolgte und dass seine Schrift gekrönt wurde;—von wem?\ndarauf kommt nichts an, da ohne Zweifel angenommen\nwerden kann, dass die (Jeberzeugung des einen Preis-\nrichters Satz für Satz mit der des Verfassers überein-\nstimmte.\nWir hielten es für überflüssig, kritisches Geschütz ge-\ngen ein Gebäude zu richten, das, weil ohne alles Funda-\nment aufgeführt, vor jedem gelinden Windstosse zusam-\nmenstürzen musste, freuten uns jedoch, dass andere Blät-\nter— namentlich die „Deutsche Musik-Zeitung\" —die\nHaltlosigkeit des so genannten neuen Harmonie-Systems\nnachwiesen.\nIndess beruhigte sich Herr Weitzmann nicht mit dem\nerrungenen Lorber, zumal da man die Krönung für eine\nabgekartete Theater-Demonstration hielt, sondern er\nschickte eine zweite Flugschrift in die Welt: „Die neue\nHarmonielehre im Streite mit der alten\", worin\ner sich bemühte, die losen Blätter des Kranzes wieder fest-\nzunähen und die Krone mit neuem Firniss zu überziehen.\nAuch dagegen sind S. Bagge und van Bruvk in der „Deut-\nschen Musik-Zeitung\" (Nr. 20, 23, 24) in sehr lesens-\nwerten Artikeln aufgetreten.\nDennoch fehlt es bis jetzt an einer Schrift, welche\nWeitzmann's so genannte Harmonielehre mit sittlichem\nErnste vornimmt, sie Zug um Zug verfolgt und das Ganze\nals ein falsches Spiel der Welt schlagend vor Augen legt.\nDazu hat sich Herr F. J. liunkel in Frankfurt am\nMain entschlossen. Von ihm liegt uns im Manuscript eine\nausführliche Abhandlung vor: „Kritische Beleuch-\ntung des Weitzmann'schen Harmonie-Systems,\nnebst Versuch einer rationellen Entwicklung\nund Darstellung der Tonarten-Verwandtschaft\nund ihrer Gradation zwischen r und\nEin Nachtrag berücksichtigt auch die zweite Schrift von\nWeitzmann: „Die neue Harmonielehre im Streite mit der\nalten.\"\nHerr Kunkel tritt hier eben so energisch als gründ-\nlich auf. Er charakterisirt gleich von vorn herein seine\nSchrift als „kunstwissenschaftliche Nach Weisung mit Be-\nlegen aus älteren musicalischen Schriften (und Noten-Bei-\nspielen), dass die Weitzmann'sche „„erklärende Erläute-\nrung und musicalisch-theoretische Begründung der durch\ndie neuesten Kunstschöpfungen bewirkten Umgestaltung\nund Weiterbildung der Harmonik\"\" auf Irrthum und Un-\nkenntniss oder absichtlichem Ignoriren der früheren theo-\nretischen Werke beruhen, so wie als gebührende Abwehr\ngegen die unbegründete Ansicht, als seien die Lehrsätze\nder bisherigen musicalischen Theorieen zu mangelhaft, um\nalle vorkommenden harmonischen und melodischen Ton-\ngestaltungen erklären zu können.\"\nDer Verfasser hält Wort und gibt in zwölf Ab-\nschnitten eine genaue, ins Einzelne gehende Kritik der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.2", "texte": "Schrift Weitzmann's, dessen Gange er Schritt für Schritt\nfolgt und keinen Fehltritt und keinen Sprung unbemerkt,\nkeinen Widerspruch ungerügt, keinen Winkelzug unauf-\ngedeckt, keine willkürliche Annahme unwiderlegt lässt.\nSo kommt er denn zu folgendem Schlussworte, welches\ndas Ergebniss der ganzen Kritik enthält:\n„Mittels unserer Beleuchtung glauben wir aber dage-\ngen zur Evidenz nachgewiesen zu haben: Erstens, dass\ndiese Grundlage des harmonischenTheiles der Zukunfts-\nmusik kein oder doch nur ein höchst mangel- und\nlückenhaftes System ist, weil die hierzu bedingte\nwissenschaftliche Entfaltung und b) die logisch-geordnete\nFolge des Lehrstoffes an vielen Stellen fehlen, um das\nWerkchen zu einem einheitlichen Ganzen zu er-\nheben. Wir wollen hier, abgesehen von manchem ande-\nren verworrenen Gemenge unklarer Begriffe, falscher Ar-\ngumentationen, missverstandener Beispiele aus classischen\nCompositionen, Widersprüche fast aller Art u. s. w., nur\nnoch einmal auf den bereits erwähnten Mangel hindeuten,\ndass in diesem so genannten Harmonie-System nicht ein-\nmal eine Maxime für die Bildung der Accorde angegeben\nwird, und der Verfasser bei der Aufstellung seines ver-\nmeintlichen Systems, resp. bei der ungeschickten Aneinan-\nderreihung der Lehr-Objecte, dem von ihm misskannten\nWerke Hauptmann's folgte, ohne zu bedenken, dass dem\nletzteren Buche eine ganz andere Tendenz zu Grunde lag,\nnamentlich die Bildung der Accorde in demselben, so wie\nnoch manches Andere als hinreichend Bekanntes voraus-\ngesetzt werden konnte. Zweitens entbehren die vermeint-\nlichen „Begründungen\" entweder das wesentlich Fun-\ndamentale, d. h. triftige, haltbare und einleuch-\ntende Beweise, worauf wir ebenfalls mehrfach hinge-\ndeutet, so dass jene Bezeichnung geradezu unstatthaft ist,\noder diese sonderbaren Begründungen sind ober-\nflächlich, wie z. B. bei der Entwicklung des Ton-Sy-\nstems, oder auch verkehrt, wie zum Theil bei der\nErklärung der Tonleitern, der Aufstellung der Tonarten-\nVerwandtschaft, der Gradation derselben u. s. w., wie wir\nebenfalls nachgewiesen haben. Drittens ist, obgleich mit\neiner ungewöhnlich kecken Marktschreierei angekündigt,\nvon einer „ „durch die neuesten Kunstschöpfungen bewirk-\nten Umgestaltung und Weiterbildung der Harmonik\"\" im\nganzen Büchlein nichts zu finden, und eben so ist\nauch die Aufgabe, „ „die Gesetze u. s. w. in früheren theo-\nretischen Werken über noch nicht erklärte Zusammen-\nklänge und Accordfolgen zu ergründen\"'', ganz und gar\nungelös't geblieben, denn es kommt in diesem ver-\nmeintlichen Harmonie-System auch nicht ein\neinziger Accord vor, der nicht seine Erklärung in\nder älteren Musik-Theorie lande. Und selbst die Accord-\nfolgen und weiteren Gestaltungen mittels harmoniefremder\nTöne, so grell und schroff dieselben hier und da vorkom-\nmen, sind der alten Musik-Theorie in technischer Bezie-\nhung nicht fremd: sie warnt nur vor dem Gebrauche sol-\no 7\neher Folgen und resp. Tongestaltungen, weil dieselben dem\nkunstgebildeten Gehör und einem geläuterten Geschmack\nmissfallen und mit dem Begriffe schöner Tonforma-\ntionen im Widerspruche stehen. Ueberhaupt ist dann\nauch mit Ausnahme eines Beispiels von Liszt, welches\naber nicht sowohl der ohnehin ganz bekannten Accorde\nhalber, sondern vielmehr wegen der Führungen der Sep-\ntime und der Terz im Dominant- und verminderten Sep-\ntimen-Accord herbeigezogen wurde, kein einziges Bei-\nspiel von einem Zukunftsmusik-Componisten\nden „„anerkannten praktischen Meistern\"\" —, weder\ngebracht, noch erklärt oder begründet; es wer-\nden nur, freilich nicht selten, Accord-Verbindungen, oft\nohne kunstvernünftigen Sinn und Plan, angegeben und von\ndenselben im Allgemeinen gesagt, dass sie „„der neueren\nMusik angehörende Harmonieen\"\" seien. Solche anmaass-\nliche Aneignungen sind aber desshalb noch lange keine\nBegründungen oder Rechtfertigungen, ja, nicht einmal\nNachweisungen, ob solche Errungenschaften von Harmo-\nnieen und Accordfolgen nicht schon anderwärts früher\nvorkamen und als wirkliche Eunstgebilde sich bewährt\nhaben.\n„Reiht man dann zu solchem, theils durchaus unge-\nrechtfertigten, theils anmaasslichen Verhallen noch die\nhäufig kundgegebene Geringschätzung gegen die ältere\nMusik-Theorie, aus welcher man aber gerade das noch\nHaltbare wenn nicht ungeschickter Weise verunstaltet\nbeibehalten oder entnommen, so wie die Aufstellung\nvon Regeln und Beispielen, zuerst als allgemein Gültiges\nbezeichnet, dann aber wieder vor dem Gebrauche dersel-\nben warnt oder das Aufgestellte fast ganz aulhebt; endlich,\ndass man absichtlich das Auffallendste, Bizarre und Extra-\nvagante quasi als musterhafte, harmonische Gestaltungen,\nund zwar gleich einem Eroberer oder Erfinder, „„mit\nRecht\"\" der „„neueren Tonkunst\"\" einräumt, so\nkonnte freilich für das neue musicalische Schisma, die Zu-\nkunftsmusik, kaum ein Harmonie-System aufgestellt wer-\nden, welches diese abnorme Kunstrichtung hätte besser\ncharakterisiren können, als eben die Weitzmann'sche de-\nstruetive Musiklehre.\n„Die „ „früheren theoretischen Werke\"\", welche nach\ndes Verfassers Meinung Zusammenklänge und Accordfolgen\nunerklärt gelassen, tragen wohl auch mehr oder weniger\nSpuren der Unvollkommenheit an sich, und wir haben an\nmehreren Stellen unserer Beleuchtung gegen Unhaltbares\nund Mangelhaftes mit gleichem Freimuthe uns geäussert,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.3", "texte": "wie gegen den exorbitanten Charlatanismus im Harmonie-\nSystem der Zukunftsmusik; dagegen verfolgen doch alle\njene älteren Werke vorwiegend eine instructive Rich-\ntung, zielen nicht nach Zerstörung, sondern streben viel-\nmehr nach Verbesserung unserer Musik-Theorie, welche\nletztere allerdings nicht wie ein Pilz nach dem Begen plötz-\nlich aus der Erde gewachsen ist, sondern seit Jahrhunder-\nten nach und nach von begabten und hochverdienten Män-\nnern geordnet und aufgestellt wurde, und die wohl mit\nder Zeit auch zu einer immer noch grösseren Vollkom-\nmenheit gelangen wird.\n„Aber selbst diese Unvollkommenheit unserer Musik-\nTheorie findet sich gerade am wenigsten im Harmoni-\nschen, sondern vielmehr in anderen Zweigen derselben,\nwovon zu reden hier keine Veranlassung gegeben war;\ndenn jedes rationelle Lehrbuch der Harmonie, Tonsetz-\nkunst, Compositionslehre u. s. w. stellt, worauf wir in un-\nserer Beleuchtung mehrfach hingedeutet, auf Grundlage\nunseres allgemein angenommenen Ton-Systems und der\nbeiden Ton-Geschlechter bestimmte Principien auf zur Bil-\ndung der Accorde, classificirt dieselben in Grund-Ac-\ncorde und abgeleitete (umgestaltete), in Harmo-\nnieen mit chromatischer Erhöhung oder Erniedri-\ngung einzelner Accord-Bestandtheile, ferner in\ndurch die Betardation und durch Anwendung des Or-\ngelpunktes und liegender Stimmen sich bildende\nHarmonieen und in Zusammenklänge mit Ausschmückung\nnoch anderer harmoniefremder Nebentöne. Das\nGebiet des harmonischen Theiles unserer Musik-Theorie\nist daher in seinen wichtigsten oder Haupttheilen, wie man\nsich nach Durchsicht des einen oder des anderen der von\nuns mehrerwähnten theoretischen Werke selbst und voll-\nkommen überzeugen kann, nicht nur längst entdeckt, son-\ndern auch hinlänglich und tüchtig angebaut, so dass wohl\nin formeller Beziehung, namentlich in didaktischer oder\nmethodologischer, und, wenn man will, auch in kunstphilo-\nsophischer Hinsicht, noch verschiedenartigere andere Sy-\nsteme sich aufstellen lassen mögen; jedoch in materiel-\nler Beziehung dürfte, obgleich die Accord-Formationen\nund die Accord-Verbindungen in fast unendlicher Mannig-\nfaltigkeit zur Erscheinung kommen können, keine oder\nkaum eine kunstvernünftig gebildete und verwendbare\nTongestaltung vorgeführt werden, die nicht nach den\nSatzungen unserer seitherigen Musik-Theorie zu erklären\nwäre.\"\nAuf Herrn Weitzmann werden übrigens die gründ-\nlichsten Beweisführungen des Verfassers, wenn sie i m\nDruck erschienen sind, was um der guten Sache der rei-\nnen Tonkunst willen sehr zu wünschen ist, keinen Eindruck\nmachen, denn er theilt sowohl die Selbstüberschätzung als\ndie Mittel zur Abwehr aller Kritik mit seinen Herren und\nMeistern. Er erklärt (in dem „Streit der neuen Harmonie-\nlehre\" u. s. w.), dass die Aufgabe seiner Preisschrift ge-\nwesen, „die harmonischen Freiheiten, die anerkannte\nTonmeister wie Beethoven, Schumann, Berlioz,\nWagner, Liszt u. A. bereits erkämpft haben, nun auch\nals rechtlich (?) begründet darzustellen\".— Ferner: „dass\nsein Harmonie-S y s t e m (?) überhaupt seine Entstehung (?)\nnur der Ueberzeugung verdanke, dass geweihte Künst-\nler wie Mozart, Beethoven, Schumann, Liszt und\nWagner nicht unlogisch schreiben können\".\nWie man nun eine so schamlose Schmeichelei gegen\nLebende, wie Berlioz, Wagner und Liszt, üben kann, dass\nman sie in Einem Athem neben Mozart und Beethoven als\nGeweihte nennt, das lässt sich auch dann kaum becrei-\nfen, wenn man weiss, dass Liszt der eigentliche Bichter\ngewesen, der Weitzmann's Schrift gekrönt hat.\nAber eben auf diese Krönung thut sich Weitzmann\ndreist genug wirklich etwas zu Gut. Er sagt selbst:\n„Viele der (in der Versammlung zu Leipzig im Jahre\n1859) anwesenden Tonkünstler drückten den Wunsch\naus, dass ich selbst mich bei der (wegen jener Schrift\nzur rechtlichen Begründung der neuen harmonischen Frei-\nheiten) eröffneten Concurrenz betheiligen möchte. Auf meine\nErwiderung, dass ich schon als Preisrichter bei dieser An-\ngelegenheit betheiligt sei, wurde mir nachgewiesen,\ndass in der Einladung zu dieser Concurrenz etwaige Ar-\nbeiten der drei Preisrichter nicht ausgeschlossen seien, da,\nwenn auch einer derselben die Beurlheilung eines bestimm-\nten Werkes ablehnen sollte, den beiden anderen Bichtern\nimmer dennoch das Auszeichnen oder Verwerfen desselben\nfrei stehe. Hiedurch ermuthigt, unternahm ich die Ausar-\nbeitung meines Harmonie-Systems, welche das Glück hatte,\nvon den beiden anderen Herren Preisrichtern als die beste\nerkannt und mit dem Preise gekrönt zu werden.\"\nEin köstlicher arithmetischer Quinten- oder vielmehr\nFinten-Cirkel, um die Identität von 2 und 3 zu beweisen!\nWer sieht hiernach nicht ein, dass die Dreizahl für jeden\nBichterspruch nach Stimmenmehrheit unnöthig ist? Fer-\nner, dass die zwei übrigen Collegen gar keine Ahnung da-\nvon haben konnten, dass der Ausscheidende ein zweiter\nTeil war:\n„Was Ihr auch thut, lasst mich aus Eurem Rath:\nBedürft Ihr meiner zur bestimmten That\nso will ich mein Harmonie-System Euch vorlegen.\"\nAllein Herr Weitzmann hat vergessen, zu erwähnen, dass\nder Preisrichter Hauptmann, wie man zu sagen pflegt,\nden Braten roch, während er geschmort wurde, und sprach:\n„Ich erkläre, dass ieh's mir verbitte,\nZu sein in Eurem Bunde der Dritte.\"\n• .\n\n[S]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.4", "texte": "Hierauf ward Herr Lobe in Aussicht genommen, an dem\nman neuerdings eine kleine Schwankung oder Schwen-\nkung bemerkt hatte*), und er war glücklicher Weise mit\nLiszt einig, Herrn Weitzmann zu krönen. Schade, dass\nnicht auch einer von diesen beiden Collegen ebenfalls con-\ncurrirt hat, wodurch Weitzmann, von Neuem ins Richter-\namt berufen, in einige Verlegenheit gekommen sein dürfte!\nKomödie über Komödie!\nEndlich verlangt Weitzmann für sein Harmonie-Sy-\nstem und die Gleichstellung von Wagner und Liszt mit\n(\nBeethoven gerade so wie diese für sich selbst einen neuen\nStandpunkt, erklärt die bisherigen kritischen Bedenken für\n„oberflächliche und grundlose Angriffe\" und spricht dem\n„einseitigen und befangenen Kritiker\" jede Befugniss zur\nEntscheidung der „von ihm angeregten Streitfragen\" ab.\nWenn demnach auch nicht zu erwarten, dass Weitz-\nmann durch die Kritik von seinem „so herrlich weit\" vor-\ngeschobenen Standpunkte zurückgebracht werden könne,\nso ist es doch sehr an der Zeit, dass den jüngeren Musi-\nkern namentlich die Augen geöffnet werden, damit sie den\nAbgrund gewahr werden, in welchen die Verschmähung\nund Zerstörung der harmonischen Grundgesetze führt, und\ndesshalb empfehlen wir den Verlagshandlungen musicali-\nscher Schriften angelegentlich die Veröffentlichung von\nF. J. Kunk el'skritischer Beleuchtung des Weitz-\nmann'schen Systems. Die ganze Schrift enthält mit\ndem Anhang nur 56 geschriebene Folioseiten; die Kosten\nder Herausgabe können also kaum in Betracht kommen\ngegenüber der zu erwartenden Theilnahme und dem Nutzen\nfür vernunftgemässe Kunstlehre.\n\n*) J, C. Lobe sagt in dem Anhang, „Aphorismen\" zu seinem\nLehrbuehe der musicalischen Composition, 1. Auflage, S. 431,\nüber den Vierklang auf der ersten Stufe der Moll-Tonleiter:\nrZ. B. der Sept-Accord der ersten Stufe in Moll:\n„Wer kann wissen, ob nicht ein künftiger Tondichter eine\ndieser Harmoniefolgen, selbst ohne Vorbereitung angeschla-\ngen, für irgend einen besonderen Ausdruckszweck, zu irgend\neiner herben, bitteren, in das Gemüth (soll heissen: ins Ge-\nhör!) schneidenden Gefühls-Nuance wirkungsvoll zu benutzen\nweiss; ob nicht einer eine Periode oder gar ein Stück in fol-\ngender Weise anzufangen sich gedrungen fühlen mag:\n,.Oder gemildert durch einen vorhergehenden Accord:\n„Freilich wird man das gis (in b) für eine Durchgangs-\nnote erklären wollen, aber ich sehe die Nothwendigkeit davon\nnicht ein, da man dieselbe Harmonie (bei a) als selbstständi-\ngen Accord gelten lassen muss.\" Dieser ganze Passus\nkönnte auch in Weitzmann's Schrift stehen, und die Lehre\n„von dem wirkungsvollen Ausdruck einer bitter ins Gemüth\nschneidenden Gefühls-Nuance\" durch einen gehörwidrigen Ac-\ncord, mithin der Grundsatz: je hässlicher, desto bes-\nser, wird der neuesten Schule sehr willkommen sein und\neine längst vermisste Ergänzung der Theorie vom Schönen\nin der Kunst darbieten! Vergl. unten: „An Herrn J. C.\nLobe.\"\n\nAn Herrn J. C. Lobe in Leipzig.\nGeehrter Herr!.\nIn Ihrem in so vieler Hinsicht äusserst interessanten,\nkürzlich erschienenen Werke: „Vereinfachte Harmonie-\nlehre\", finden die Unterzeichneten mit Befremden folgende\nStelle:\n„Wie oft bei S. Bach offenbare Octaven vorkommen\nund wie wenig er sie scheut, wenn mehrere polyphone (?)\nStimmen melodisch selbstständig geführt werden sollen,\nwäre an vielen Stellen in seinem „ „wohltemperirten\nCiavier\"\" allein schon zu zeigen. Einige Beweise aus der\nH-moll-Fuge mögen genügen:\n„Da alle harmoniefremden Noten bei Harmonieschrit-\nten nicht mitzählen und verbotene Fortschreitungen nicht\nbeseitigen, so klingt die vorstehende Stelle, wie folgt:\nDas vorgehaltene hverwischt die Octave, wie sie hier\nnackt vorliegt, natürlich nicht.\"\nDie folgende, von Ihnen als „ähnlich\" citirte Stelle ist\nganz und gar dieselbe, nach Fis-moll transponirt.\nDie Unterzeichneten erlauben sich, die Meinung aus-\nzusprechen, dass von einem octavenhaften Eindrucke in\ndiesen Stellen nicht die Spur vorliegt—dass die Septime\nh der entscheidende Ton für die zweite Hälfte des Tactes"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.5", "texte": "ist—dass das eis als durchgehende Note gar nicht gehört\nwird, und dass die Stelle klingt, wie folgt:\nDie Unterzeichneten gehen aber weiter und bieten\neinen Friedrichsd'or für jede offenbare, von der\nRegel verpönte Octave, welche Sie denselben in einer gu-\nten Ausgabe des wohltemperirten Claviers nachzuweisen\nim Stande sind. Da Ihrem Ausspruche nach deren „viele\"\nvorkommen, so muss das Anerbieten der Unterzeichneten\nein financiel günstiges Resultat darbieten, über dessen Ver-\nwendung Sie gänzlich zu verfügen haben werden.\nHochachtungsvoll\nEin Kreis hiesiger Tonkünstler.\n• Köln, den 14. November 1861.\n\nDer neue Concertsaal in Frankfurt am Main.\nNach Ueberwindung vieler Hindernisse, nach Beseiti-\ngung so mancher Schwierigkeiten ist es endlich dahin ge-\nkommen, dass das von der hiesigen Saalbau-Actien-Ge-\nselischaft hingestellte Gebäude oder vielmehr die grösste\nRäumlichkeit in demselben, der grosse Concertsaal, der\nOeffentlichkeit übergeben werden kann.\nDa es jedenfalls von Interesse ist, von den Räumlich-\nkeiten des Gebäudes etwas Näheres zu erfahren, so theilen\nwir Nachstehendes mit.\nDurch ein geräumiges Vorhaus, das die Casse, die\nPortierwohnung und eine für circa 1600 Personen berech-\nnete Garderobe enthält, gelangt man an die steinerne\nHaupttreppe, deren Hauptarm 19 Fuss breit ist und de-\nren Seitenarme je 10% —ll Fuss Breite haben.\nIm ersten Stock gelangt man aus einem 42 Fuss brei-\nten und 16 Fuss tiefen Vorraum (Vestibüle) in den gros-\nsen Concertsaal, der 150 Fuss lang, 50 Fuss hoch\nund 57 Fuss breit ist. Um ihn herum zieht sich eine Ga-\nlerie, unter welcher sich 26 Logen befinden. Zu der Ga-\nlerie führt vom Vorraum aus eine 7 Fuss breite Verbin-\ndungstreppe. Auf der Galerie gemessen, betragen die\ngrössten Dimensionen des Saales 177 Fuss Länge und\n80 Fuss Breite.\nFür die Sänger bei den Concert-Aufführungen ist ein\nPodium errichtet, dessen einer Theil feststeht, während\nder andere beweglich ist. Oberhalb desselben ist der Raum\nfür das Orchester, dem gegenüber am Eingange des Saa-\nles sich eine weitere Galerie (letzter Rang) befindet.\nSämmtliche Räumlichkeiten des Saales, Galerieen mit-\ngerechnet, können circa 2500 Menschen fassen.\nSowohl der Saal selbst als die Galerieen stehen in Ver-\nbindung mit grösseren und kleineren Zimmern, die sowohl\nzu Restaurations- als Garderobe- u. s. w. Zimmern benutzt\nwerden können.\nFür Ausgänge ist hinlänglich gesorgt, da die neun\nHaupt-Ausgänge des Saales, welche auf die verschiedenen\nCorridore und den Vorraum führen, ausser mit der Haupt-\ntreppe noch mit einer auf die Schiessinger Gasse munden-\nden und der sieben Fuss .breiten, so genannten Ellipsen-\nTreppe, die in die. neue Strasse führt, in Verbindung stehen.\nUeber dem Hauptgebäude befindet sich eine Platt-\nform, zu der eine besondere Treppe führt und von welcher\naus man eine entzückende Aussicht geniesst. In der Grösse\nfolgt dem grossen Concertsaale der im Nebengebäude lie-\ngende kleine Concertsaal, welcher 36 Fuss breit, 62\nFuss lang und 36 Fuss hoch ist und mit seiner Galerie\ncirca 3236 Quadratfuss Flächenraum einnimmt. Eine be-\nsondere Treppe führt zu demselben.\nNächst diesem kommt der über der Durchfahrt lie-\ngende dritte Saal, welcher 45 Fuss breit, 57 Fuss lang,\n25 Fuss hoch und mit einfallendem Lichte versehen ist.\nDas zu ebener Erde gelegene Restaurations-Local um-\nfasst fünf verschiedene Räumlichkeiten, darunter zwei Säle,\nvon denen einer 47 Fuss lang und 27 Fuss breit ist.\nDie Heizung der Räumlichkeiten geschieht mittels heis-\nser Luft; der Ventilations-Apparat ist von Haak in Augs-\nburg gefertigt. Die Beleuchtung sämmtlicher Räumlichkei-\nten geschieht durch B—9oo8—900 Gasflammen.\nMontag den 18. November wird der Saal durch\nein Fest-Concert eröffnet werden, in welchem die\n„Schöpfung\" von Jos. Haydn durch die vereinigten\nKräfte des Cäcilien-Vereins und des Rühl'schen Vereins,\nunter gefälliger Mitwirkung der Frau Zottmayr-llart-\nmann, des Herrn Karl Schneider aus Wiesbaden und\ndes Herrn Karl Hill, so wie des Theater-Orchesters, un-\nter Leitung der Herren Musik-Directoren Franz Frie-\nderich und Karl Müller zur Aufführung kommen wird.\nDie Eintritts-Preise betragen: für einen numerirten Silz\nim Saale 2 Fl.; für einen Logenplatz 2 Fl. 30 Kr.; für\ndie Galerie 1 Fl. u. s. w.\nEintritts-Karten sind vom 8. November an bei Herrn\nH. Buzzi, grosse Bockenheimergasse 37, zu haben.\n\nDie Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nAus dem 23. Jahresberichte des Verwaltungs-\nAusschusses der Mozart-Stiftung an den Lieder-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.6", "texte": "Kranz, deren Begründer, in Frankfurt am Main über das\nJahr 1860—1861 theilen wir Folgendes mit.\nDr. G iar, der als Mitglied des Liederkranzes bei der\nGründung der Mozart-Stiftung in den Verwaltungs-Aus-\nschuss berufen, ist im vergangenen Sommer gestorben. Er\nhat 23 Jahre lang mit Hingebung für dieselbe gewirkt.\n„Das Vermögen der Stiftung betrug am Schlüsse des\nvergangenen Jahres 37,822 Fl. 52 Kr. Von Seiten des\nLiederkranzes ward uns als Ertrag des noch vom vorigen\nJahre rückständigen Concertes die Summe von 338 Fl.\n19 Kr. behändigt.—Wieder hat der treu bewährte Gön-\nner unserer Stiftung, Herr K. S., uns mit einem Geschenke\nvon 100 Fr. erfreut. Von den Erben unseres leider zu\nfrüh heimgegangenen früheren Mitgliedes der Verwaltung,\nHerrn Wilhelm Heimberger, erhielten wir ein Geschenk\nvon 25 Fl.— Herr Schobert hat durch eine testamentari-\nsche Verfügung der Mozart-Stiftung ein Legat von 50 Fl.\nzugewiesen. Möge dieser schöne Act zu freundlicher Be-\nachtung und öfterer rühmlicher Nachahmung anregen!\nEinen besonders freudigen Eindruck hat uns eine von Mei-\nningen erfolgte Zusendung im Betrage von 119 Fl. 36\nKr. hervorgerufen. Sie ist das Ergebniss einer Concert-\nAufführung der Musik-Vereine von Meiningen, Eisenach,\nHildburghausen u. s. w., und der Einsender Herr Bott in\nMeiningen, unter dessen Direction die Concert-Aufführung\nStatt gefunden. Aber in diesem Einsender und Director\nvereinigt sich noch ein Drittes, und das ist's gerade, was\nuns noch mit besonderer Freude erfüllt. Er ist nämlich\nzugleich der erste Stipendiat unserer Stillung, der seiner\nZeit den Reigen so glänzend eröffnet und durch seine\nStrebsamkeit und Tüchtigkeit sich bis zu seiner jetzigen\nhochgeachteten Stellung emporgearbeitet hat. Wir fühlen\nuns verpflichtet, auch an dieser Stelle nochmals ihm, wie\nden verehrten Vereinen und deren Mitgliedern, welche\nihn bei der Concert-Aufführung unterstützten, unseren\naufrichtigen Dank öffentlich auszusprechen, und bewahren\ndie von dem geehrten Einsender beigefügte freundliche\nZusage auf baldige ähnliche Ueberraschung mit froher\nHofl'nung und mit den besten Wünschen in dankbarem\nHerzen.\n„Auch der Bereicherung unserer Bibliothek haben wir\nzu gedenken. Von Seiten der Ad. Becher'schen Verlags-\nhandlung in Stuttgart sind wir durch Zusendung des ver-\ndienstlichen Werkes von Ulibischeff: „Mozart's Leben\",\nerfreut worden. Hiefür und für alle oben erwähnten\nfreundlichen Zuweisungen, so wie für mehrere andere\nmeist von Mitgliedern des Liederkranzes herrührende Ge-\nschenke statten wir sämmtlichen verehrten Gebern unseren\nverbindlichsten Dank ab.\n„Durch die oben bezeichneten baaren Geschenke ist\nnebst dem Zuwachs an Zinsen das Capital-Vermögen un-\nserer Stiftung bis zum Betrage von 39,183 Fl. 37 Kr.\nherangewachsen.\n„ Wenn wir im Eingange unseres Berichtes dem schmerz-\nlichen Gefühle der Trauer um einen heimgegangenen lie-\nben Freund und dem dadurch erlittenen Verluste für un-\nsere Stiftung rückhaltlosen aufrichtigen Ausdruck geben\nmussten, so haben wir andererseits eben so die ermuthi-\ncende Thatsache hervorzuheben, wie nach den ausserdem\nr* 7\ndargelegten Verhältnissen unsere Stiftung sich mancher\nschätzbaren Sympathie und manches wohlwollenden Freun-\ndes zu erfreuen hat, und wie sie dadurch in ihrer Ent-\nwicklung ruhig und stetig sicher voranschreitet. Bieten\ndazu die financiellen Verhältnisse schon freudigen Anlass,\nso dürfen wir es mit nicht minderer Berechtigung von un-\nseren Stipendiaten sagen. Der mit dem Schlüsse des ver-\ngangenen Jahres proclamirte neue Stipendiat, Ernst Deu-\nrer von Giessen, ist der musicalischen Leitung des Herrn\nCapellmeisters Vincenz Lachner in Mannheim anver-\ntraut. Das noch zarte jugendliche Alter des Erwählten for-\ndert ausser der musicalischen Unterweisung noch manche\nandere Fürsorge zur Regelung und Entwicklung der ge-\nsammten geistigen Thätigkeit. Vincenz Lachner, der Mann\nvon Kopf und Herz, ist ganz von dem hohen Ernste der\nAufgabe durchdrungen und mit voller Hingebung ihr zu-\ngewandt.\n„Noch dürfen wir aber auch nicht vergessen, unseren\nim vergangenen Jahre aus dem Slipendien-Bezuge ausge-\ntretenen vorletzten Stipendiaten Brambach in Köln zu\nerwähnen. Unter Ferdinand Hiller's gediegener Lei-\ntung halte er sich herangebildet und hatte im letzten Jahre\nseiner Stipendienzeit sich noch in Leipzig aufgehalten, um\ndurch Anhörung vieler und guter Musik Geschmack und\nUrtheil noch weiter auszubilden. Er hat uns mit einem in\ndieser Zeit componirten Sextett für Pianoforte und Streich-\nQuintett erfreut, welches von Breitkopf und Härtel sogleich\nzum Verlag übernommen wurde. Nicht lange war Bram-\nbach von Leipzig heimgekehrt, um sich in Köln (wo er als\nLehrer am Conservatorium der Musik angestellt wurde)\nder weiteren Pflege der Musik zu widmen, als ihm die be-\nsondere Auszeichnung zu Theil wurde, sein ernstes Stre-\nben und seine bewährte Tüchtigkeit durch die Berufung\nzur Stelle als städtischer Capellmeister in seiner Vaterstadt\nBonn anerkannt zu sehen. Es dürfte wohl gerechtfertigt\nsein, hier wörtlich dessen zu gedenken, was Brambach\nsagt in dem Briefe, in welchem er der Verwaltung dieses\nfreudige Ereigniss mitlheilt: „Wenn ich jetzt mein Leben\nals Stipendiat der schönen Stiftung überschaue, so wird\nmir mehr als je klar, welch ein grosser Vortheil mir da-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.7", "texte": "durch geworden, und ich sage gewiss nicht zu viel, wenn\nich diese Zeil für immer als die folgenreichste meines Le-\nbens anerkennen muss.\"\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung und\nin dessen Namen: Dr. Ponfick, Präsident. Dr. Eckhard,\nSecretär. Frankfurt a. M., 30. September 1861.\n\nZweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich.\nDinstag den 12. November 1861.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zu Uriel Acosta von\nSchindelmeisser. 2 Concert für das Pianoforte in Es-dur von\nC. M. von Weber, vorgetragen von Herrn Isidor Seiss. 3.\nOpferlied für eine Solostimme (Fräulein Lüdecke), Chor und Or-\nchester von Beethoven. 4. Othello-Phantasie\"von Ernst, vorge-\ntragen von Herrn Concertmeister Ju 1. Grunwald. 5. Credo und\nAgnus Dei aus der Krönungsmesse von Cherubini. Zweiter\nTheil Sinfonie in F-dur, Nr. Vlii., von Beethoven.\nHerr Isidor Seiss, seit Kurzem als Lehrer am hiesigen Con-\nservatorium der Musik angestellt, errang durch den Vortrag des mit\nUnrecht von den Pianisten vernachlässigten JEs-cZwr-Concertes von\nC. M. von Weber einen schönen Erfolg. Eine sehr bedeutende Fer-\ntigkeit, ein Anschlag, der die Nuancirung des Tones namentlich in\nden Stellen, die nicht so sehr Kraft als vielmehr Milde und Zart-\nheit des Ausdrucks verlangen, in der Gewalt hat, ein reinliches und\ngeschmackvolles Passagenspiel sind Vorzüge, die dem jungen Künst-\nler mit Recht grossen Beifall und Hervorruf erwarben.\nHerr Concertmeister Grunwald wurde mit lautem Applaus em-\npfangen, in welchem sich die Freude des Publicums offenbarte,\neinen so gediegenen Künstler und einen der Koryphäen unseres Or-\nchesters wiederum als frisch und kräftig begrüssen zu können, nach-\ndem er durch einen längeren Aufenthalt auf dem Lande seine Ge-\nsundheit von Neuem gestärkt. Sein vortreffliches Spiel und die edle\nAuffassung einer nicht überall edeln Composition (Herr Grunwald\nwurde erst Tags vorher ersucht, in dem Concerte am 12. d. Mts.\nstatt einer auswärtigen Sängerin, welche krank geworden, aufzutre-\nten) verschafften ihm stürmischen Beifall und Hervorruf.\nDas Opferlied von Matthisson, als Opus 121 von Beethoven\nbei Schott in Mainz im Jahre 1826 in Partitur gedruckt, ist ein\nGelegenheitsstück, das im Jahre 1822 für den Tenoristen Ehlers\nzu dessen Benefiz-Concert in Pressburg geschrieben wurde (Schind-\nler, Biographie Beethoven's, 11. 152). Wir wissen nicht, warum man\nvorgezogen hat, das Solo hier durch eine Altstimme singen zu\nlassen, zumal da der Text von einem „Jüngling\" und „Greis\" in\nder ersten Person spricht. Vielleicht hat, dass die Solostimme in der\nPartitur im Discantschlüssel geschrieben ist, dazu verleitet. Es ist\neine einfach schöne, innige Melodie.\nDie glänzendste Leistung des Abends war die Aufführung der\nzwei Sätze aus der grossen Messe in A-dur von Cherubini. Herrn\nMusik-Director Weber, der wegen Unwohlseins des Herrn Capell-\nmeisters Hiller das Concert dirigirte, gebührt der volle Dank des\nPublicums für die sorgfältige Einübung und die sichere, energische\nLeitung der trefflichen Ausführung dieser grossartigen Composition,\nwelche einen ungemeinen Eindruck auf alle Kenner und Kunstfreunde\nmachte. Wahrlich, diese Krönungsmesse, welche der Meister in sei-\nnem fünfundsechszigsten Jahre schrieb, steht als vollberechtigt in\nder Reihe der monumentalen Werke der Tonkunst da, welche der\nJahrhunderte spotten. Sie wurde den 29. Mai 1825 zum ersten\nMale aufgeführt; ein Jahr früher, den 7. Mai 1824, hatte man in\nWTien zum ersten Male die Hauptsätze aus Beethoven's Missa so-\nlemnis in D gehört. Welch' eine Zeit, der solche Werke entspran-\ngen! Lnd im Angesichte solcher Thaten wagen die Leute jetzt\nvon neuen „Bahnbrechern in der Tonkunst\" zu reden!\nDie achte Sinfonie von Beethoven wurde recht gut ausgeführt;\nmit den genommenen Tempo's waren wir vollkommen einverstanden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n84so* Am letzten Samstage hatten wir in der musicalischen\nGesellschaft das Vergnügen, in Herrn Smetana aus Prag einen\nganz ausgezeichneten Ciavierspieler kennen zu lernen. Herr Sme-\ntana, der die letzten sechs Jahre als Capellmeister in Gothenburg\ngelebt hat, besuchte Köln auf der Rückkehr in seine Heimat. Er\ntrug Beethoven's C-moZZ-Concert auf gediegene, edle und geschmack-\nvolle Weise vor und entwickelte dabei das Spiel einer sehr soliden,\nkünstlerisch und nicht bloss virtuosenmässig gebildeten Schule. —-\nAber auch als Virtuose im Vortrage moderner Bravourstücke\nzweier eigenen Compositionen, von denen besonders die Etüde allge-\nmein ansprach, und der Phantasie von Liszt über Motive aus Rigo-\nletto zeigte er sich auf der Höhe eines Meisters des Pianoforte.\nRieh. hat vom Hoftheater-Intendanten in\nSchwerin, Herrn v. Flotow, die dringende Aufforderung erhalten,\ndie Direction der dortigen Oper, so wie der abonnirten Concerte für\ndie Dauer der Winter-Saison zu übernehmen, da der dortige Hof-\nMusik-Director, Herr Aloys Schmitt, zur Wiederherstellung seiner\ngeschwächten Gesundheit einige Monate in seinem elterlichen Hause\nzuzubringen genöthigt ist. Herr wird diesem ehrenvollen Rufe\nFolge leisten, doch dürfen wir hoffen, dass er nach Beendigung der\nSaison wieder nach Mainz zurückkehren wird, wo er sich durch sein\nschönes Compositions-Talent, so wie durch sein bescheidenes und\ngemüthliches Wesen so viele Freunde erworben hat.\n(Südd. Musik-Ztg.)\n** Frafliki'sKrt a. M» Die Concerte des Museums werden\nam 22. November, dem Cäcilien-Tage, wieder beginnen. Es sind de-\nren zehn für den Winter in Aussicht genommen und die Direction\nderselben wiederum dem Herrn Musik-Director Karl Müller über-\ntragen worden.\nDie Concerte des philharmonischen Vereins unter der Di-\nrection des Musik-Directors Heinrich Henkel haben bereits am\nDinstag den 5. d. Mts. im Saale des Hofes von Holland begonneu.\nDie Orchesterstücke waren Catel's Semiramis- und Cherubini's Ana-\nkreon-Onverture, ferner Ph. Em. Bach's Sinfonie in D (1776). Fräu-\nlein Mathilde Schneider aus Darmstadt sang Mozart's „Ombra\nfelice\" und drei Lieder von Hauptmann (Göthe's „Fischer\" mit Vio-\nlin-Begleitung), 11. Henkel und R. Schumann. Herr Alexander\nSchmit, „Professor des Conservatoriums zu Köln\", trug G. Gol-\ntermann's Concert Nr. 11. für Violoncell und zwei Salonstücke eige-\nner Composition vor. Seine aussergewöhnliche Beherrschung des Me-\nchanismus erregte Aufsehen; über den Vortrag wollen wir unser\nUrtheil suspendiren, da, wie wir hören, Herr Schmit an dem Abende\nsehr unwohl war. Der Verein wird vier Concerte geben j der Abon-\nnements-Preis beträgt 4 Fl. die einzelne Karte.\nAm Stuttgarter Theater kommt Benedict's Oper: „Die Kreuz-\nfahrer oder der Alte vom Berge\", nach einer Frist von acht Jahren\nwieder ins Repertoire.\nWien. Die Vorstellung des Wagner'schen „Fliegenden Hollän-\nder\" am 29. v. Mts. gestaltete sich in Folge der dem Componisten\nzu Theil gewordenen Ovationen zu einer gleichsam improvisirten\nFestlichkeit. Wodurch diese Kundgebungen, zu welchen eine eigent-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611116-01.1.8", "texte": "liebe äussere Veranlassung nicht vorlag, hervorgerufen wurden, füh-\nlen wir uns ausser Stande, eine authentische Erklärung zu geben.\nAuch dürfte es in Bezug auf die Sache selbst ziemlich gleichgültig\nsein, ob der Impuls wie die Einen wissen wollen dadurch ge-\ngeben wurde, dass die Vorstellung auf besonderen Wunsch der Frau\nFürstin Metternich Statt gefanden hat, man also durch demonstra-\ntive Auszeichnungen ihres Proteges der anwesenden fürstlichen\nschützerin der Wagner'schen Kunst eine Art Vertrauens-Votum zu-\nerkannte, oder ob man nach der Ansicht Anderer Wagner\ndurch diese Beweise der Sympathie revanchiren wollte für die An-\ngriffe, die ihm kürzlich von Herrn Dr. Hanslik in einer Vorlesung\nüber Geschichte der deutschen Musik widerfuhren. Das Factum war,\ndass die Vorstellung ein sehr zahlreiches Publicum versammelte,\nwelches sich für die Wirkungen des Werkes ungewöhnlich empfäng-\nlich zeigte und den Componisten zu sehen verlangte, der indessen\ndiesem schmeichelhaften Ansinnen keine Folge leistete.\nIm Hofburgtheater wird Benedix's vieractiges Lustspiel: „Der\nStörefried\", zur Aufführung vorbereitet. Frau Haitzinger erhielt\ndie Hauptrolle.\nDas für den 2. d. Mts anberaumt gewesene Benefiz Ascher's\nmusste auf die kommende Woche verschoben werden, da Benedix's\nfür diesen Abend bestimmtes Lustspiel: „Die Crinolinen-Verschwö-\nrung\", von der Präventiv-Censur mit Interdict belegt worden ist.\nAn Marschner's romantischer Zauber-Oper: „Hans HeilingS\nwird im Hof-Operntheater unter Leitung des Herrn Hof-Capellmei-\nsters Esser studirt. Die Besetzung ist folgende: Geisterfürstin, Frau\nEllinger; Heiling, Herr Beck; Anna, Frau Dustmann; ihre Mutter,\nFräulein Sulzer; Conrad, Herr Walter.\nDem Professor am wiener Conservatorium für Musik und ersten\nDirector des Hof-Opern-Orchesters Georg Helmeäberger wurde\nin Anerkennung seines vieljährigen verdienstlichen Wirkens als\nKünstler und Lehrer der Musik das goldene Verdienstkreuz mit der\nKrone verliehen.\nHerr Selmar Bagge, Redacteur der „Deutschen Musik-Zei-\ntung\", hat in „Oesterreichischen Zeitung\" das Musik-Referat\nübernommen.\nIn der Correspondenz aus Berlin im Tagsblatt in Nr. 45 d. 81.\nlies Emil Naumann, statt Neumann."}]}