{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_sha256": "1495beeb5d338df1942635433f29ca27c0588b9e1e9d939e567c910e0db7c283", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/11/23_01/bmtnabi_1861-11-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 373, "texte": "Inhalt.\nAus Hamburg (Beethoven's Messe in D). Von L. Aus Wien (Sing-Akademie, Sängerbund). Aus Frankfurt\nam Main (Eröffnungsfeier des neuen Concertsaales). Von A. S. Aus C. M. von Weber's Nachlass. John Lodge Ellerton.\nDie Concerte im Cirque Napoleon in Paris. Von B. P. 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November 1861.\nGestatten Sie mir, Ihnen ü'ber eine bedeutungsvolle\nmusicalische Feier, die Aufführung der grossen Beetho-\nven'schen Messe in D, die am gestrigen Abende zum er-\nsten Male hier Statt fand, zu berichten. Unser unermüd-\nlich strebsamer und für seine Kunst wahrhaft begeisterter\nMitbürger, Herr Otten, hatte, ohne sich von den man-\nnigfachen und grossen Schwierigkeiten einer solchen Auf-\nführung abschrecken zu lassen, es schon im Laufe des\nSommers unternommen, die musicalischen Kräfte unserer\nStadt zu vereinigen, und dieselben seitdem mit ausdauern-\ndem Eifer auf die Lösung einer der grössten musicalischen\nAufgaben vorbereitet. Was ihn dabei ermuthigen durfte,\nwar das schöne, der grössten Anstrengungen werthe Ziel,\ndas er sich gesteckt hatte, wie er denn bereits seit Jahren\nsich durch die erste Aufführung anderer, wenn auch nicht\ngleich schwieriger Meisterwerke um unser musicalisches\nLeben verdient gemacht hatte. Mendelssohn's Walpurgis-\nnacht, die ud-mo//-Symphonie desselben Componisten, Che-\nrubini's Messe, Schumann's Musik zu Byron's Manfred und\nAnderes hatte Herr Otten schon früher den hiesigen Mu-\nsikfreunden zu dankbarem Genüsse zum ersten Male vor-\ngeführt. D ieses Mal freilich galt es nicht nur einem hier\nnoch nicht gehörten, sondern einem Werke, das, wiewohl\nder Meister selbst es für sein vollendetstes erklärt hatte,\nerst seit wenigen Jahren an wenigen Orten zur Auffüh-\nrung gelangt, der Ausführung und dem Verständnisse die\nausserordentlichsten Schwierigkeiten bietet. Der Erfolg hat\naber gezeigt, dass Herr Otten sich weder in seinem Ver-\ntrauen auf die mächtige Wirkung, welche diese Riesen-\nschöpfung schon bei dem ersten Anhören auf jedes em-\npfängliche Gemüth ausüben muss, noch in der Ueberzeu-\ngung getäuscht hat, dass es seinem Eifer und seiner Ein-\nsicht gelingen werde, diese Schöpfung in einer durchaus\nwürdigen Gestalt vorzuführen. Dass die hiesigen, wenn\nauch sehr achtungswerthen, Kräfte nicht ausreichen wür-\nden, dem auf das Zusammenwirken grosser Chormassen\nin grossen kirchlichen Räumen berechneten Werke gerecht\nzu werden, war Herrn Otten von vornherein klar gewe-\nsen. Er war daher zeitig darauf bedacht, auch auswärtige\nKräfte aus näheren und entfernteren Orten für sein Un-\nternehmen zu gewinnen, und halte sich zu dem Ende die\nbereitwillige Zusage der Musik-Directoren von Kiel, Braun-\nschweig, Rostock, Schwerin, Magdeburg und anderen Or-\nten verschafft, die von ihnen geleiteten musicalischen Ver-\neine zur Mitwirkung zu veranlassen. Zu dem Interesse, das\ndie Aufführung eines noch unbekannten Beethoven'schen\nMeisterwerkes an und für sich bieten musste, gesellte sich\nin Folge dessen noch der Reiz eines kleinen Musikfestes,\ndas die Gemüther der musicalischen Welt schon mehrere\nTage vor der Aufführung in grosse Spannung versetzte.\nWas dieses Interesse für Viele noch erhöhte, war der\nwohlthätige Zweck, dem der Ertrag des Concertes be-\nstimmt war: der Erbauung einer ersten protestantischen\nKirche in Neapel.\nAm 5. und 6. d. Mts. fanden zwei Proben in der Mi-\nchaelis-Kirche Statt, von denen die zweite bereits dem Pu-\nblicum zugänglich gemacht war. Am Abende des 8. end-\nlich fand die Aufführung in der erleuchteten, mit nahe an\n5000 Hörern gefüllten Kirche Statt. Ist die aus der Ro-\ncocozeit des vorigen Jahrhunderts stammende Architektur\nderselben einer Versenkung des Gemüthes in die Myste-\nrien der Religion und der ihrer Verherrlichung gewidme-\nten Kunstwerke auch nicht eben besonders förderlich, so\ngewährte dieselbe doch andererseits gerade durch die Ab-\nwesenheit der gothischen Pfeiler in ihrer weiten Rundung\nmit zu beiden Seiten der Orgel amphitheatralisch aufstei-\ngenden Sitzreihen eine für die Anhörung einer musicali-\nschen Aufführung besonders günstige Räumlichkeit. Das\nOrchester und die Chöre waren auf dem Orgelchor und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2414, "texte": "unter demselben auf einem eigens für diesen Abend er-\nrichteten Vorbau, die Sänger auf jenem, die Sängerinnen\nund das Orchester—nicht zum Vortheil des letzteren, das\nüberhaupt im Verhältnisse zu den bedeutenden Gesanges-\nkräften zu schwach erschien auf diesem aufgestellt. Die\nSoli hatten Frau Michal-Michaeli aus Stockholm (So-\npran), Fräulein Jenny Meyer aus Berlin (Alt), Herr\nKarl Baumann aus Kassel (Tenor) und Herr Ad.\nSchulze von hier (Bass) übernommen und bildeten ein\nOuartelt, dessen verschiedenen Stimmen man hier und da\neine grössere Uebereinstimmung der Klangfarbe hätte\nwünschen mögen, das aber doch im Ganzen eine der Auf-\nführung zu grosser Zierde gereichende Vereinigung selte-\nner Kräfte darbot. Das Hauptgewicht aber ruht bei die-\nser, wie bei allen grösseren Kirchenmusiken, auf dem Chor,\ndessen Leistungen wir als in hohem Grade befriedigend\nbezeichnen dürfen, wenn wir, wie billig, bei einem uns so\nneuen Werke den im Ganzen auf uns und die übrigen\nversammelten Hörer hervorgebrachten Eindruck zum\nMaassstabe seiner Leistungen nehmen. Dieser Eindruck\nwar ein mächtiger, überwältigender, und der Chor, der\nihn hervorzubringen wusste mit einem Werke, das an die\nmusicalische Technik die kühnsten und gesteigertsten For-\nderungen stellt, muss ein durchaus tüchtiger, trefflich ge-\nleiteter gewesen sein. Eines freilich, und zwar „das Eine-,\nwas noth thut\", kam bei diesem gewaltigen Eindruck\nSängern und Hörern gleichmässig zu Statten: das tief\nmenschliche, vom Herzen strömende und zum Herzen\ndringende Element, das wie alle Beethoven'schen Schö-\npfungen, so diese noch in erhöhtem Maasse durchdringt,\nund sich durch alle noch so ungewöhnlichen harmonischen\nVerwicklungen, durch alle von der kirchlichen Bestimmung\ndes Werkes gebotenen, zum Theil befremdlichen Formen\nhindurch dem Gemüthe jedes unbefangenen Hörers mit\nzwingender Gewalt einprägt. Zu einer Beurtheilung der\nEinzelheiten dieses uns bisher unbekannten Riesenwerkes\nfühlen wir uns nicht im Stande, den Gesammt-Eindruck\naber dürfen wir freudig dahin zusammenfassen, dass der\nunsterbliche Meister in diesem Werke ein neues und viel-\nleicht das schönste Zeugniss für die grosse, von den extre-\nmen Kunstrichtungen unserer Tage so oft verkannte Wahr-\nheit abgelegt hat, dass die wahre Kunst, auch wo sie sich\nder sprödesten Stoffe bemächtigt, eine rein menschliche,\ndas Gemüth erhebende und verklärende Wirkung zu er-\nzielen weiss.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "370", "page_fin": "371", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.2", "debut_caractere": 2416, "fin_caractere_exclue": 4826, "texte": "Aus Wien.\nDen 16, November 18G1.\nGestern fand im grossen Redoutensaale das erste dies-\njährige Concert der wiener Sing-Akademie Statt.\nWenn auch der ungeheure Saal nicht in allen Räumen\ngefüllt war, so war doch der Besuch ein sehr zahlreicher,\nund ein Blick auf das Programm mag Ihnen sagen, wie\nehrenvoll es für das Institut und das Publicum war, dass\nletzteres sich in so grosser Anzahl eingefunden und so\nlebhafte Theilnahme an Musik von so ernster Gattung\nbewies.\nProgramm: 1. „Magnificat\" von Francesco Du-\nrante. 2. „Crucifixus11 (sechsstimmig) von Antonio\nLotti. 3. „Christe eleison\" von Orazio Benevoli. 4.\n„0 Freud' über Freud'\", Festlied von J. Eccardt für\nzwei Chöre a capella. 5. Eingangschor aus der Cantate:\n„Bleib' bei uns, denn es will Abend werden\", von Joh.\nSeb. Bach. 6. „Tenebrae von Michael\nHaydn. 7. „Ave Maria\" von F. Mendelssohn-Bar-\ntholdy. 8. Weihnachtslied: „Joseph, lieber Joseph mein\"\nund „Eia sunt impleta\" von Sethus Calvisius. 9.\nArioso für Bass mit Chor aus „Abraham\", Oratorium\nvon Blumner (in Berlin). 10. „Heilig ist Gott, Hallelu-\njah!\" aus einer Kirchen-Cantate von Händel.\nDas Bestreben der Sing-Akademie, welches Anfangs\nvon deren Feinden verspottet, vom Publicum wenig unter-\nstützt wurde, hat sich durch Ausdauer Bahn gebrochen.\nDas dritte Jahr ihres Bestehens zeigt, dass die gesunde\nPflanze Wurzel geschlagen hat und dass die Früchte gern\ngenossen werden. Der Beifall, den gestern die einzelnen\nChöre erhielten, das Verlangen der Wiederholung von\nLotti's Crucifixus, von M. Haydn's Tenebrae und von Men-\ndelssohn's Ave Maria zeigten deutlich genug, wie richtig\ndas Publicum urtheilte. Der Beifall begeisterte den Chor und\nbefeuert ihn gewiss zu fortgesetzten künstlerischen Leistun-\ngen; schon freut sich Alles auf die im dritten Concerte zur\nAufführung kommende Matthäus-Passionsmusik\nvon J. S. Bach, am 15. April, dem Dinstage der Char-\nwoche, zum ersten Male in Wien.\nDas zweite Concert, am 6. Januar 1862, soll meist\nWrerke neuerer Tondichter bringen, jedoch ist noch nicht\nbekannt, was zur Aufführung kommt. Professor Steg-\nmayer, der jetzt wieder mit ganzer Kraft für die Sing-\nAkademie wirkt, kann mit dem ersten diesjährigen Erfolge\nzufrieden sein.\nDer wiener Sängerbund veranstaltete am 14. d.\nMts. Abends eine Liedertafel nur für seine Mitglieder, bei\nwelcher der k. k. Hof-Opernsänger Hrabanek, der Pia-\nnist Rud. Schweida und mehrere andere Künstler mit-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5134, "texte": "wirkten und die Gesellschaft bis spät nach Mitternacht in\nheiterster Stimmung erhielten. Diese so genannten Vergnü-\ngungs-Abende, zu denen kein fremdes Publicum Zutritt\nhat, haben den Sängerbund sehr beliebt gemacht, weil sie\nkünstlet ische Vorträge und heitere Scherze in reicher Ab-\nwechslung bieten. Die erste diesjährige Liedertafel dieses\nBundes findet im December Statt, und es haben zu dersel-\nben Künstler ersten Ranges ihre Mitwirkung zugesagt. Es\nsollen darin nur solche Chöre gesungen werden, welche\ndem Sängerbunde gewidmet sind, und zwar von J. Netzer,\nA. Wöckl, J. E. Schmölzer, J. Offenbach, A. M. Storch,\nA. Methfessel u. s. w. x>\nNachschrift. Je mehr wir uns über den neuen Auf-\nschwung des musicalischen Lebens in Wien, welches da-\ndurch den Manen der drei Fürsten der Geister im Reiche\nder Tonkunst die lange verzögerte Schuld abzutragen be-\nginnt, freuen und die wirklichen Kundgebungen dieses\nAufschwungs in der Niederrheinischen Musik-Zeitung gern\nverfolgen, desto mehr fällt uns in dem Berichte des geehr-\nten Herrn Correspondenten die Ankündigung auf, dass das\nzweite Concert der Sing-Akademie wohl meist Werke\nneuerer Tondichter bringen werde. Wir glauben nicht,\ndass dergleichen Concessionen die ernste Aufgabe einer\nSing-Akademie fördern können, ja, sie scheinen uns eines\nsolchen Instituts kaum würdig zu sein. Die Akademieen\nin Berlin und in Breslau, der Cäcilien-Verein in Frankfurt\nam Main und einige andere in der Tendenz sich ihnen an-\nschliessende Vereine beweisen, dass die Durchführung\neiner bestimmten Richtung recht wohl möglich ist und\ndass eine Concentrirung der Art allem Geschrei über Ein-\nseitigkeit zum Trotz dennoch der Tonkunst und den An-\nstalten selbst allein zu wirklicher Förderung gereicht. Wir\nsind daher vollkommen mit den Ansichten einverstanden,\nwelche die „Recensionen\" (in Nr. 45) über die Sing-Aka-\ndemie zu Wien aussprechen und welche mehr oder weni-\nger für alle ähnliche Institute in grossen Städten, wo\nmehrere Richtungen neben einander ihre Vertretung\nfinden können, Geltung haben.\n„Mit der Uebertreibung der Classicität in der Sing-\nAkademie hat es wohl keine Gefahr. Theoretisch ist die\nAufgabe der Sing-Akademie allseitig immer darin erblickt\nworden, dass durch dieses Institut das ganze, bis dahin\nfast vollständig brach gelegene Feld altitaliänischer und\naltdeutscher Chorwerke urbar gemacht und mit Hinzuzie-\nhung des gediegeneren Neueren im Fache des gemisch-\nten Chorgesanges gepflegt werden solle. In der Ausfüh-\nrung aber war die-Sing-Akademie nicht immer mit glei-\ncher Consequenz diesem Programm treu geblieben. Man\nwar geneigt, durch Aufnahme heiterer Chorlieder und\nsentimentaler Liedertafel-Producte einem Theile des Publi-\ncums, einem I heile der Kritik, einem 1 heile der ausüben-\nden Mitglieder selbst einige Concessionen zu machen. Die\ngegenwärtige Leitung ist, wie das Programm des ersten\nConcertes und die in Aussicht gestellte „ „ Passionsmusik\"\"\nbeweisen, nicht gesonnen, diesem angeblich „ „prakti-\nschen\" '• Verlangen ferner nachzugeben, und wir glauben\nnicht, dass einsichtsvolle Freunde guter Musik sie darum\ntadeln werden. Von Exclusivität kann nicht die Rede\nsein, wo die reichsten und verschiedensten Schätze dieser\nspeciellen Literatur verwerthet werden sollen, von Se-\nbastian Bach bis Haydn, von Palestrina bis Cherubini, von\nHändel bis Mendelssohn. Bildet diese Beihe von Heroen,\nwie es doch nicht anders denkbar ist, den vorherrschenden\nStamm des Repertoires, welchen Eindruck können daneben,\nwir sagen nicht: das bedeutendere Neue, wohl aber kleine\nStrophenchöre von Bust, Grimm, Mayr u. s. w. oder schwä-\nchere Werke von Schumann hervorbringen? Wer Ver-\nständniss hat für jenen Hauptstamm des Sing-Akademie-\nRepertoires, ja, wer auch nur Sinn hat für eine einheit-\nliche Gesammtlcistung, wird sich von solchen an\nanderem Orte ganz schätzbaren Zugaben in den Con-\ncerten der Sing-Akademie förmlich verletzt fühlen. Bei der\nSchwierigkeit aber, moderne Sachen zu bieten, welche un-\nter jenen uralten Stämmen nicht geradezu verschwinden,\nwenn sie nicht gar augenfällig stören, war durch die Ab-\nweichung vom ursprünglichen Programm auch kein prak-\ntischer, kein Cassen-Vorlheil gewonnen. Eine solche Zu-\ngabe zieht keinen Gleichgültigen an und verdriesst vielmehr\ndiejenigen, welche unter den Ausübenden den echten Kern,\nunter den Beitragenden das ausdauernde Publicum bilden.\nGerade die Sing-Akademie hat den seltenen Vortheil, dass\nihr Ursprung und ihre natürliche Richtung sie anweisen,\nlür Wien eine Specialität zu werden, d. h. in möglich-\nster Vollendung etwas zu leisten, was kein anderer\nVerein leistet. Gerade die Sing-Akademie hat das seltene\nGlück, dass sie genau weiss, was sie will und soll, und\ndass es nur bei ihr steht, daran festzuhalten. Innerhalb\ndieser Specialität, man kann es nicht genug betonen,\nist Raum für so viel Mannigfaltigkeit, als eine Beihe von\nChören überhaupt verträgt. Ausserhalb derselben wird es\nimmer schwerer, sich zurecht zu finden. Mag der Kreis\nein ausgedehnter oder ein engerer sein, wenn er nur klar\nabgegränzt ist und ihr ihn auszufüllen wisst, so habt\nihr viel, so habt ihr Alles gethan.\"\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "372", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. 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Diese Fachmänner arbeiteten nach einem\ndurch Concurrenz-Ausschreiben eingegangenen Plane des\nungarischen Architekten Skalnizki, dem der für den\nbesten Plan ausgesetzte Preis von 200 Ducaten zuerkannt\nworden war. Grosses Verdienst um das Zustandekommen\nhaben auch die Mitglieder des Verwaltungsrathes der\nActien-Bau-Gesellschaft, und zwar die Herren: Dr.Spiess,\nDr. Hartmann, H. Buzzi, Wilhelm Speyer, Wil-\nhelm Metzler, Ph. Petsch und Kohn-Speyer, die\nvereint den mit einem so bedeutenden Unternehmen ver-\nknüpften Schwierigkeiten sich willfährig unterzogen und\ndasselbe in dem verhältnissmässig kurzen Zeiträume von\nzwei Jahren der Vollendung nahe bringen halfen.\nWas bei einem neu aufgeführten Baue zu solchem\nZwecke zunächst in Frage kommt, betrifft das Ergebniss\nhinsichtlich der akustischen Anforderungen. Dieses hat\nsich in den Proben wie bei der Aufführung als ein er-\nwünschtes herausgestellt. Allerdings war die Zahl der Aus-\nführenden in Folge der Vereinigung der beiden Gesangs-\nkörper, des Cäcilien- und des Rühl'schen Vereins, mit un-\ngefähr 350 Stimmen zusammen, eine sehr grosse, und\ndürfte zur Feststellung eines Urtheils über erreichte Aku-\nstik erst die Wirkung des Orchesters allein, und zwar ver-\nstärkt und aufgestellt auf dem für selbes bestimmten Platze\nin der Nische des Hintergrundes, abzuwarten sein. Bei der\ngestrigen Aufführung war dem Orchester der Platz auf\ndem für den Chor vorgeschobenen Podium angewiesen,\nwährend Tenöre und Bässe den eigentlichen Orchesterraum\neingenommen hatten; das sitzende Orchester war somit\nvon allen Seiten vom stehend singenden Chor umgeben\nund wurde im begeisterten Zusammenwirken der Massen\nfast erdrückt.\nDie künstlerische Ausführung des ewigen Tonwerkes\nbetreffend, so wollen unsere Leser den Berichterstatter\nvon einer eingehenden Besprechung gefälligst dispensiren,\ndamit sich in diese in freudiger Erregung niedergeschrie-\nbenen Zeilen kein kritischer Missklang einschleiche. Alle\nMitwirkenden bezeugten sich von der Bedeutung des Mo-\nments gehoben, demnach bei so tüchtig geschulten Kräften\nim Allgemeinen nur Gutes geleistet werden konnte und\nwirklich geleistet worden ist. Wo thatsächlich eine Abwei-\nchung davon sich kundgegeben, da liegen die Gründe auf\neiner Seite, die bei einer anderen Gelegenheit im Interesse\nder frankfurter Concert-Aufführungen grosser Werke des\nNäheren besprochen werden soll. Um den beiden Gesang-\nVereinen und ihren resp. Dirigenten zu gleichen Theilen\ndie Honneurs zu bezeigen, ward für gut |?| befunden, die\nTheilung mitten in der Partitur geschehen zu lassen, dem-\nnach Herrn Musik-Director Müller die erste Hälfte bis\nnach dem Terzett mit Chor in „Der Herr ist\ngross\", dem Herrn Musik-Director Friedrich aber alles\nUebrige zur Leitung überwiesen war. Die Solo-Partieen\nwurden, wie neulich schon bemerkt, von Frau Zottmayr-\nHartmann, dann den Herrn Schneider und Hill vor-\ngetragen.\nSchliesslich sei noch der nicht hoch genug zu schätzen-\nden Thatsache erwähnt, dass nun erst auch den wenig be-\nmittelten Musikfreunden Frankfurts die Gelegenheit gebo-\nten ist, sich an grossen, für den Concertsaal bestimmten\nWerken der Tonkunst erfreuen zu können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "373", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.5", "titre_corps": "Aus C. M. von Weber’s Nachlass.", "titre_sommaire": "Aus C. M. von Weber’s Nachlass.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.4", "debut_caractere": 3677, "fin_caractere_exclue": 4890, "texte": "Aus C. M. von Weber’s Nachlass.\nBei C. F. Peters (Leipzig und Berlin) ist eine in-\nteressante Composition erschienen, interessant durch den\nAutor und durch das Instrument, für welches sie bestimmt\nist. Es ist ein\nAdagio und Rondo für das Harmonichord (oder\nHarmonium) mit Begleitung des Orchesters u.s.w.\nvon C. M. von Weber. Nachgelassenes Werk.\nNr. 15. Partitur (40 S. in gr. 8.) 1 Thlr. (Auch\nin Stimmen und mit Clavier-Begleitung zu haben.)\nC. M. von Weber hat dieses allerliebste Concertino in\n„München, den 31. Mai 1811\" —so lautet die Notiz auf\nder Partitur—für Friedr. Kaufmann geschrieben, mit\nwelchem er wahrscheinlich auf einer seiner Kunstreisen\ndort zusammentraf. Es besteht aus einem in\nF, 2/4, (9 S.) und einem Ällegretto in F, 6/8» zwei sehr\nlieblichen Sätzen mit anmuthigen Melodieen und einigen\necht Weber'schen Effecten, z. B. dem Uebergange nach\nDes in der Principalstimme mit dem Solo des Paukenwir-\nbels. Das Orchester ist besetzt mit dem Geigen-Quartett,\nzwei Flöten, zwei Oboen, zwei Fagotten, zwei Hörnern,\nTrompeten und Pauken.\nAber was ist das Harmonichord für ein Instrument?\nEin Tasten-Instrument, der Form nach einem aufrecht-\nstehenden Flügel (Piano-Giraff'e) ähnlich, dessen Saiten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4098, "texte": "aber nicht durch Hammerwerk, sondern durch Reibung\neines mit Leder überzogenen und mit Colophonium durch-\narbeiteten Cylinders zum Ertönen gebracht werden. Es\nwurde von dem berühmten Mechaniker und Akustiker\nFriedrich Kaufmann*) (geb. 1785 zu Dresden) er-\nfunden und zuerst in den Jahren 1811 und 1812 durch\nihn mit anderen akustisch-mechanischen Kunstwerken dem\nPublicum vorgeführt. Für diesen Künstler componirte We-\nber das jetzt erschienene Concertstück, in welchem er die\nEigentümlichkeit des Tones und der Spielart jenes Instru-\nmentes berücksichtigte und dessen Klangfarbe mit derje-\nnigen der Orchester-Instrumente (mit Ausnahme der ihr\nähnlichen Clarinetten) in Einklang und Gegensatz zn brin-\ngen verstand. Das jetzt in seinem Bau sehr vervollkomm-\nnete Harmonium (aus der Physharmonika, auch Aeoline\ngenannt, hervorgegangen) ist zwar von dem ursprünglichen\nHarmonichord verschieden, jedoch durch seinen Klang und\ndas Anhalten der Töne eben so geeignet zum Vortrage\ndes Concertino's, als jenes.\nNach dem Tode seines Vaters im Jahre 1818 erhielt\nFriedrich Kaufmann vom Grossherzog von Darmstadt einen\nRuf als Harmonichordspieler in dessen Capelle, schlug den-\nselben jedoch aus, da ihm vom Könige von Sachsen ein\nlebenslängliches Jahrgehalt bewilligt ward, wenn er wieder\nnach Dresden zurückkehre. liier lebte er in glücklichen\nFamilien-Verhältnissen beinahe zwanzig Jahre der Vervoll-\nkommnung seiner Kunst und vollendete 1839 ein neues\ngrosses, selbstthätiges Instrument, Symphonion von ihm\ngenannt, welches Fortepiano, Clarinetten, Flöten, Piccolo,\nSchallstäbe und Pauke in sich vereinigte, und von dem z. B.\nProf. Schafhäutl in München schreibt: „Das Spiel dieser\nMaschine ist wirklich entzückend, der Vortrag brillant, der\nAnschlag des Fortepiano selbst so frisch und rund, dass\nman unwillkürlich den Spieler und die Hände sucht, welche\nbald energisch in die Saiten greifen, bald sich zart und\nleise begleitend den brillanten Clarinett- oder Flöten-Pas-\nsagen anschliessend —Mit dem Symphonion, einem Chord-\naulodion, dem Harmonichord und dem Trompeter unter-\nnahm Friedrich Kaufmann, begleitet von seinem Sohne\nFriedrich Theodor Kaufmann, geboren 1823 zu\nDresden, dessen angeborenes Talent in diesem Fache der\nKunst einen seltenen Wirkungskreis fand, eine längere\nKunstreise durch Deutschland, Russland, Schweden und\nDänemark. Namentlich in Petersburg fanden sie glänzende\nAufnahme. Leider verunglückten die genannten Instru-\nmente, die Frucht jahrelanger Anstrengungen und Arbei-\nten, zur See auf der Rückreise von Kopenhagen im De-\ncember 1843. Nach Dresden zurückgekehrt, begann nun-\nmehr Friedrich Kaufmann und sein Sohn Friedrich Theo-\ndor gemeinschaftlich neue Instrumente und Kunstwerke\nan Stelle der verunglückten zu erbauen und dabei sowohl\ndie früher gemachten Erfindungen anzuwenden, als auch\nneue Ideen und Verbesserungen dabei auszuführen. So\nentstand ein neues, wesentlich verbessertes Harmonichord,\nein Chordaulodion, ein Symphonion und ein Belloneon,\nund auch der Trompet-Automat ward wieder hergestellt.\nNachdem diese Arbeiten vollendet, schritt der jüngere Kauf-\nmann zur Ausführung eines möglichst vollständigen, selbst-\nspielenden Orchesterwerkes nach eigener Idee, welches\nnach fünfjähriger angestrengter Arbeit 1851 vollendet\nward und Clarinetten, Flöten, Flageoletts, Horner, Cor-\nnets, Trompeten, Fagotts, Tuba, Pauken, Trommeln, Tri-\nangel und Becken in sich vereinigt. Es ward Orchestrion\ngenannt und machte auf einer damit nach England u. s. vv.\nunternommcnnen Kunstreise zur Zeit der londoner Indu-\nstrie-Ausstellung Sensation. Zurückgekehrt von dieser\nKunstreise, gründeten Kaufmann, Vater und Sohn, in\nDresden eine permanente Ausstellung ihrer Erfindungen\nunter dem Namen „Akustisches Cabinet\" und verbanden\ndamit eine Fabrik musicalischer Instrumente, aus der zahl-\nreiche selbstthätige Kunstwerke und namentlich auch Har-\nmoniums hervorgehen und weithin versandt werden.\n*) Dessen Vater Job. Gottfr. Kaufmann (geboren 1752 auf\neinem Dorfe bei Chemnitz, zu Frankfurt am\nMain) war der Gründer dieser durch 'mechanische Genie's aus-\ngezeichneten Familie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "375", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.6", "titre_corps": "John Lodge Ellerton.", "titre_sommaire": "John Lodge Ellerton.", "signature_source": "Bf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.5", "debut_caractere": 4100, "fin_caractere_exclue": 5261, "texte": "John Lodge Ellerton.\n\nJe weniger in einem Lande sich nach einer gewissen\nRichtung hin, sei es in Wissenschaft, sei es in Kunst, pro-\nduetive Geister finden, um so mehr hebt sich der Einzelne,\ndem angeborenes Talent und energische Studien eine grös-\nsere Bedeutsamkeit verliehen, von dem weniger beleuch-\nteten Hintergrunde ab. Während es in England schon\neiner ganz aussergewöhnlichen Befähigung bedarf, um aus\nder Reihe staatskluger Köpfe als hervorstechendes Por-\ntrait zu glänzen, ist das Gebiet der musicalischen Kunst\nleichter überschaubar; es ist eine Ebene, die in ihrer Ste-\nrilität jeden hervorragenden Gegenstand einer schärferen\nBeleuchtung aussetzt. Steril ist wohl der musicalische Bo-\nden Englands zu nennen; es fehlt hier sogar das Nationale.\nVon dem deutschen Volksliede gar nicht zu reden, hat fast\njedes andere Land in dieser Richtung mehr des nationalen\nElementes, als England. Und das, was gerade hierin vor-\nliegt, gehört den Annexen Englands, Irland und Schott-\nland, an, die in den Zeiten grösserer politischer Selbststän-\ndigkeit und nationaler Kämpfe auch ein particularistisch-\nnationales musicalisches Bewusstsein in ihren Volksgesän-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5513, "texte": "gen zu Tage legten. Die Jacobiter-Gesänge Schottlands,\ndie „Irish Melodies\", denen Th. Moore in seinen gleich-\nbenannten poesievollen, bilderreichen, freiheitglühenden\nDichtungen eine unsterbliche Unterlage geschaffen, haben\nkeine Rivalen auf eigentlich englischem Boden. Auch in\nder Composition grösserer Gesang- oder Instrumentalwerke\nhat England noch wenig Classisches aufzuweisen. Und was\nstimmbegabte und gesangeskundige Sänger betrifft, so ist\nes bekannt genug, dass London seine besten Theater mit\nfremden Sängern recrutirt. Wenn nun also, wie schon\noben erwähnt, eine einzelne Kraft auf solchem Boden zur\nGrösse und Bedeutsamkeit strebt, so ist sie um so be-\nmerkbarer, aber auch um so beachtungswerther. John\nField, geboren 1782, ein Irländer, eröffnete den kurzen\nReigen englischer Tonkünstler. Und wollen wir Litollf als\nEngländer betrachten —er ist mindestens in London gebo-\nren und studirte daselbst unter Moscheies—, so haben wir\nnebst ihm in Balfe (Balph) und Wallace rasch die gekann-\ntesten Erscheinungen vorgeführt. Nicht minder beach-\ntungswerth als diese Letztgenannten, ja, in mancher Be-\nziehung noch, vom Standpunkte der reinen, wahren Kunst,\ninteressanter, obgleich viel weniger gekannt (die meisten\nmusicalischen Handbücher führen noch nicht einmal den\nNamen in ihrer Nomenclatur auf), ist der Mann, dessen\nName an der Spitze dieses Artikels steht, und dem wir\nhiermit die verdiente Aufmerksamkeit widmen wollen\nJohnLodge Eilerton. Aelter als seine compatriotischen\nCollegen Eilerton ist 1807 in der County of Chesier,\nBalfe 1808, Wallace 1815 und Litollf 1820 geboren\nund reicher in seiner Productivität, resp. der Opuszahl sei-\nner Werke, hätte Eilerton wohl schon hiedurch eine Priori-\ntät in der allgemeinen Kenntnissnahme zu erwarten gehabt,\nwenn nicht der in der T(jat allzu bescheidene, fast in mi-\nmosenhaftem Insichgezogensein sich darlegende Charakter\ndes Mannes sich selbst im Wege gestanden hätte. Voll\ntiefer Begeisterung für die Kunst, voll wahren und edlen\nStrebens, voll warmen Gefühls und reicher Ideen, deren\nGrundzug Lieblichkeit und Melodik ist, weiss Eilerton dies\nalles nur in seinen stillen Noten durch das Medium der\nFeder auszusprechen. Doch hier bleibt der gehobene Schatz\nin ruhiger Verborgenheit. Was der Maler mit seinem Pin-\nsel auf die Leinwand gegossen, das ist für Jeden und in\njede Sprache übersetzt; doch das, was der Componist am\nschweigsamen Schreibpulte auf das Papier gebracht, das\nist nur für wenig Eingeweihte erkennbar, für das grosse\nPublicum bedarf es erst der Uebersetzung durch die Hände\ndes Quartetts, durch den Athem der Bläser, durch die\nKehle der Sänger. Und diese Uebersetzung fehlt allzumal\nden Werken Ellerton's. Die für einen Componisten selten\näusserlich günstige Lage dieses Künstlers hat nicht das\ndrängende, gewaltsam sich Weg bahnende Agens, das die\nnölhigen Hebel mit unabwendbarer Notwendigkeit in Be-\nwegung setzt, und dazu kommt das schon berührte mimo-\nsenhafte Zurückziehen, das Insichselbstverschliessen des\nCharakters, der bei einer jeden rauhen Berührung, einem\njeden scharfen Luftzuge die Harfe verstummen lässt, um\nzu jener Uebersetzung den in unserer Zeit so nölhigen\nunaufhörlichen Anstoss nicht energisch genug zu geben.\nEllerton's schönste Compositionen, seine Trio's, Quar-\ntette, Quintette, erklingen meist nur im häuslichen Salon\nvor den Ohren weniger geladener Kunstfreunde, die den\nComponisten in seiner Kunst und als Menschen verstehen,\nund von den besten ausübenden, berufenen Künstlern des\njezeitigen Aufenthaltsortes des Componisten ausgeführt. Sel-\ntener kommt ein solches Werk in den grösseren, aber\ndoch ausgewählten Cirkel einer „>Shiree musicale\", oder\nnimmt eine Symphonie, ein Oratorium vor das bewegli-\nchere Publicum des grossen Concertsaales seinen Weg.\nObgleich schon viele einzelne Werke durch den Druck\no\nleichter zugänglich gemacht sind, so fehlt doch zur Errei-\nchung des Hauptzweckes, wie schon bemerkt, die drän-\ngende Notwendigkeit.\nIn Ellerton finden wir eine eigene Mischung der Far-\nben und des Stils. Als Abkömmling einer alt-irischen Fa-\nmilie lebt in ihm die tiefgreifende Poesie, die gerade den\nIrländer so vorteilhaft auszeichnet, und die sich bei ihm\nauch schon in einer grösseren, trefflichen Dichtung, einem\nnationalen Epos in sechs Gesängen, „ The bridal of Sa-\nlerno\", kund gab. Diese seine literarische wie musicalische\nund allgemeine Bildung erwarb ihm schon 1828 auf der\nUniversität zu Oxford die mit unserer Doctorwürde ana-\nloge, doch in England viel seltener ertheilte Würde eines\nMagister artium.Von hier begab er sich nach Rom, um\ndort unter dem berühmten M Perziani\nden Contrapunkt zu studiren. Der Unterricht dieses Man-\nnes und die italiänischen Anschauungen haben entschie-\nden auf Ellerton's musicalische Stimmung gewirkt und sei-\nnen Compositionen jene angenehme Weiche verliehen, die,\nfern von eigentlich italiänischer Weichlichkeit, dem deut-\nschen Typws der Gemüthlichkeit und des tiefen Gefühls so\nnahe liegt. Nach vollendeten Studien begab er sich in die\nHeimat zurück und heiratete dort 1837 die Tochter des\nsiebenten Earls of Scarbrough, eines Peers von England.\nVerschiedene grössere Reisen auf dem Continente und län-\ngerer Aufenthalt in Frankreich und namentlich Deutsch-\nland gaben ihm hinreichend Gelegenheit, seine musicali-\nschen Anschauungen zu erweitern und den Charakter frem-\nder Conceptionen kennen zu lernen. Seine musicalische\nAusbildung erhielt hiedurch und durch die damit in Ver-\nbindung stehende Ideen-Assimilation eine innere Vollen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3023, "texte": "Dung und Allseitigkeit, die seinem Compositions-Talente\nsehr zu Statten kamen. Es entstanden jetzt allmählich 12\nOpern, 7 italiänische (Issipil\nAnnibale in Capua, 11 Sacrifisio cl'Epito, Andromaco, 11\nMarito a Rista, II Carnevale di 'Venezia), 4 englische\nWoman's wit, Lucinda, Domeni\nund eine deutsche (Carlo Rosa), ein Oratorium, „Pa-\nradise lost\", Text nachMilton, ein Werk voll melodischen\nAufschwungs, 6 Messen, 6 Anthems, viele Hymnen\nund Motetten und an 300 einzelne Gesänge und\nPiecen für drei, vier und fünf Stimmen. Von grösserer\nBedeutung sind Ellerton's rnstrumental-Compositionen, un-\nter denen zu nennen sind: 5 Symphonieen für Orche-\nster, 42 Streich-Quartette, 3 Streich-Quintette,\n18 Trio's für Pianoforte, 3 Trio's für Violine, Alt und\nCello, 8 Concert-Ouverturen u. s. w. Verschiedene dieser\nSachen wurden schon öffentlich aufgeführt, so z. B. einige\nSymphonieen in Aachen,» eine Symphonie in Köln und in\nDresden, andere Werke in Brüssel und London, einige\nQuartette in Wiesbaden, das Oratorium in London [Cry-\nstal Palace), einige Opern in Italien und in England, und\nüberall wurden sie von dem Publicum wie von der Kritik\nfreundlich aufgenommen, so dass deren grössere Verbrei-\ntung gewiss nur wünschenswerth sein möchte.\nUnter so manchen Aeusserungen der Presse wollen\nwir nur ein englisches Urtheil (von Ed. Holmes, dem be-\nkannten Verfasser von „Life of Mozart\" und „Asamble\namongst the musicians of Germany) aus der durch die Ge-\ndiegenheit ihrer Kritiken bekannten Zeitschrift „Atlas\"\nanführen, die sich bei Gelegenheit der Beurtheilung eini-\nger Hymnen folgender Maassen vernehmen lüsst: „Selten\nentfalten Amateur Compositionssolch eine Trefflichkeit\nin der Verschiedenheit des Stiles und eine so genaue Un-\nterscheidung desselben, als Ellerton's Arbeiten. Es ist un-\nmöglich, dass ein Musiker einen Blick auf dieselben wer-\nfen könnte, ohne die Eleganz der Melodie, die kräftige\nAccentuirung und die anmuthige Harmonisirung, die ein\nsehr hohes Talent für Vocal-Composition bekunden, zu er-\nkennen. Gleichzeitig spricht sich auch ein streng kirchli-\ncher Ernst in denselben aus, der gleichwohl der Phantasie\nund dem Gefühle, die einer Composition den Charakter\nihrer Zeit aufdrücken müssen, hinreichend Spielraum lässt.\"\nDieselbe Zeitschrift rühmt auch bei anderen Gelegenheiten\nan den weltlichen Compositionen Ellerton's dessen Ge-\nschmacks-Feinheit, die sich eben sowohl in der Melo-\ndieenführung als in der Natürlichkeit der Harmonieen,\nder charakteristischen Schilderung der Scene, der roman-\ntischen und doch solennen Haltung des jedesmaligen Gan-\nzen offenbaren. Auch von Ellerton's Orchesterwerken ist\nAehnliches zu sagen. In der äusseren Behandlung lässt\nsich ein ernstes Studium Mozart's, Haydn's, Beethoven's\nnicht verkennen, und so reich auch unsere Literatur an\ngrossartigen Erzeugnissen der classischen Periode ist, so\nglauben wir doch, dass Ellerton's Werke als einfach an-\nmuthige Erscheinungen wohl verdienen, in der deutschen\nKunstwelt eine freundliche Aufnahme zu finden*).\n\nBf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.7", "titre_corps": "Die Concerte im Cirque Napoléon in Paris.", "titre_sommaire": "Die Concerte im Cirque Napoléon in Paris.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.7", "debut_caractere": 3025, "fin_caractere_exclue": 6101, "texte": "Die Concerte im Cirque Napoléon in Paris.\n\nDie Leser der Niederrheinischen Musik-Zeitung wissen aus den\nfrüheren Briefen aus Paris, dass sich neben der Gesellschaft der\nConcerte des Conservatoriums eine Societe des jeunes Artistes du\nConservatoire gebildet hatte. Herr Pasdeloup dirigirte ihre Auffüh-\nrungen, die sich eines meist zahlreichen Besuches zu erfreuen hatten.\nAllein der Saal Herz, vortrefflich für Kammermusik, eignet sich\nnicht eben so für eine grosse Orchester-Aufstellung, und sein Raum\nfasst nur eine verhältnissmässig kleine Anzahl vou Zuhörern. Pas-\ndeloup musste also auch die Eintrittspreise auf einer gewissen Höhe\nhalten, und so blieb auch dieses zweite Concert-Institut immer\nnoch ziemlich ausschliesslich, wenn auch nicht in dem Maasse, wie\ndas ältere.\nDie Stimmung des Publicums gegen die Conservatoire-Gesell-\nschaft sprach sich immer lauter aus. Freilich war man ihr dankbar\nund erkannte vollkommen an, was sie für unschätzbare Verdienste\num die Bilduug des Geschmacks habe. Allein einer grossen Menge\nvon Leuten aus der Classe der gebildeten Welt waren die Pforten\nzu diesem geweihten Kunsttempel auf ewig verschlossen; der Raum\nwar zu enge, und die Plätze vererbten sich von Vater auf Sohn.\nDie Losung der glücklichen Besitzer war, auf ihrem Posten zu ster-\nben und ihn selbst nach ihrem Tode einem der Ihrigen zu sichern.\nEs ist bekannt, dass aus allen Gegenden der Welt fremde Kunst-\nfreunde bloss desswegen nach Paris kamen, um ein Concert im Con-\nservatoire zu hören, und dass sie oft wieder abreisen mussten, ohne\nihren Zweck zu erreichen.\nWer den richtigen Zeitpunkt zu ergreifen versteht, der ist seines\nGlückes Schmied. Pasdeloup kam auf den Gedanken, den Inhalt der\nConservatoire-Concerte, namentlich die Aufführungen der Orchester-\nwerke der grossen deutschen Meister, beizubehalten, aber, im Ge-\ngensatz gegen die aristokratische Beschränkung im Aeussern, die\nSchranken zu erweitern und einen Concertsaal für classische Musik\nder grossen Menge vou Besuchern zu öffnen, die sich bisher verge-\nbens nach diesem Kunstgenüsse gesehnt hatten. Er fand bei den\nBesitzern der beiden Circus in den Chcimps Ulysses bereitwilliges\nEingehen auf seinen Plan, der Cirque Napoleon, dieses gewaltige,\ngrosse Amphitheater, wurde in einen prachtvollen Concertsaal für\nden Winter umgeschaffen, und so entstanden die Concerts popu-\nlairesy eine Unternehmung, die einen beispiellosen Erfolg gehabt hat.\nDer Saal fasst Tausende von Zuhörern, die auf bequemen Sitzen\nPlatz finden. Der Eintrittspreis beträgt auf dem ersten Platze 2 Fr.\n50 C., auf dem zweiten 1 Fr. 25 C., auf dem dritten gar nur 75\nCentimes! Also für 20, 10 oder 6 Silbergroschen hört man Haydn,\nMozart, Beethoven, Weber, Mendelssohn in schöner, künstlerisch\n\n*) Wir halben obigen uns eingesandten Aufsatz über einen sehr\nachtungswerthen Musikfreund und Componisten der OeÖent-\nliehkeit nicht entziehen wollen, behalten uns aber das Urtheil\nüber einige Compositionen Ellerton's, namentlich des Pa-\nradise lost und der „Wald-Sinfonie\" (Op. 120, bei Breit-\nkopf und Härtel) vor. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3379, "texte": "vollkommener Ausführung. Die Concerte finden Sonntags um zwei\nUhr Statt und sind vorläufig auf die Monate October bis Januar\nbestimmt. Die Conservatoire-Concerte beginnen bekanntlich erst im\nJanuar.\nMan muss sich aber durch den Namen Concerts populaires nicht\nzu irrigen Vorstellungen von dem inneren und äusseren Charakter\nderselben verleiten lassen und etwa glauben, dass Mozart und Beet-\nhoven hier im Promeniren oder bei einer Tasse Kaffee oder einem\nSchoppen Wein genossen würden. Keineswegs. Das ganze Publicum\nsitzt, und zwar bequem und unbelästigt von Zugluft und in der an-\ngenehmsten Temperatur, und es ist eine wahre Freude, die Stille,\ndie andächtige Stille, kann man sagen, zu beobachten, welche wäh-\nrend der Aufführung eines jeden Musikstückes herrscht. Ich kann\nin Wahrheit sagen, man hat so etwas noch nicht iu Paris erlebt\nund hatte es auch kaum erwartet. Die musicalische Bildung hat bei\nder Masse ungeheure Fortschritte gemacht. Keinem in der ganzen\nZuhörerschaft fällt es ein, mitten in einem Stücke zu applaudiren,\naber mit dem letzten Accord bricht ein Beifall aus, der gross-\nartig ist.\nDas erste Concert begann mit Weber's Oberon-Ouverture. Dann\nfolgte die Pastoral-Sinfonie von Beethoven, Mendelssohn's Violin-\nConcert, gespielt von Alard, die Variationen aus Haydn's F-dur-\nQuartett, von sämmtlichen Saiten-Instrumentalisten vorgetragen, und\nzum Schlüsse Mehul's Ouvertüre zu Le jeune Henri Die letztge-\nnannte hatte den wenigsten Erfolg, was wir Deutsche nach den\ngrossen Eindrücken der vorhergegangenen Nummern ganz natürlich\nfanden, aber in Paris nicht erwartet hätten; es sprach für die Em-\npfänglichkeit des Publicums.\nDas Programm des zweiten Concertes brachte Mozart s Ouver-\ntüre zur Zauberflöte, Beethoven's Sinfonie Nr. V. in C-moll, im Vio-\nloncell-Solo gespielt von Jacquard, Weber's „Aufforderung zum\nTanze\", instrumentirt von Berlioz, und Rossini's Ouvertüre zu\nWilhelm Teil»\nIm dritten Concerte hörten wir Weber's Jubel-Ouverture, Haydn's\nSinfonie in B-dur, Mendelssohn's Concert für Pianoforte in G-moll,\ngespielt von Ernst Lübeck, aus Beethoven's Septett die Variationen,\ndas Scherzo und das Finale (in originaler Gestalt), und zum Schlüsse\ndie Ouvertüre zur Semiramis. Auch hier nahm das Publicum die\nletzte kühler auf, während alle übrigen Nummern stürmischen Bei-\nfall erhielten, das Finale der Haydn'schen Sinfonie sogar wiederholt\nwerden musste, und selbst das Pianoforte in dem grossen Saale einen\nvollständigen Sieg über die Gegner des Claviers in grossen Concer-\nten davon trug. Das Mendelssohn'sche Concert wurde aber auch\nvon Lübeck auf einem vortrefflichen Instrumente ganz ausgezeichnet\nschön, mit Feuer und Kraft und doch künstlerischem Maasshalten\nvorgetragen.\nDer Erfolg der populären Concerte ist hiernach vollständig ge-\nsichert. Alles begünstigt das Unternehmen, namentlich auch die vor-\nzügliche Akustik des Circus; die Klänge verbreiten sich in dem\nweiten Räume der hohen luftigen Halle nach allen Seiten hin mit\nGleichheit, Reinheit und Genauigkeit, ohne irgend ein Durcheinan-\nderhallen, so dass man jede instrumentale Einzelheit mit Leichtigkeit\nvernimmt. So verbreitet sich denn der Ruhm der deutschen Musik\ndurch diese Concerte in unendlich weitere Kreise der Bevölkerung\nvon Paris, als bisher, und an ihrem Einflüsse auf die Geschmacks-\nbildung des musicalischen Publicums dürfte kaum zu zweifeln sein.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-23-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-23_01#c008", "volume": "bmtnabi_1861-11-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "376", "page_fin": "376", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.8", "debut_caractere": 3381, "fin_caractere_exclue": 6128, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\ni&öln. D ie Soireen für Kammermusik im Saale des Ho-\ntel Disch, veranstaltet durch den Verein der hiesigen am Conserva-\ntorium angestellten Künstler, haben am Dinstag den 19. d. Mts.\nwieder begonnen. Wir hörten das Quartett in C-dur von Haydn,\nbekannt durch das reizende Andante mit Variationen, das G-moll-\nQuartett von Mozart für Pianoforte n. s. w. und das originelle\nViolin-Quartett Nr. 11, Op. 95, in F-moll von Beethoven. Die\nAusführenden waren die Herren Grunwald, Derckum, von\nKönig slow und Schmit; die Clavier-Partie in Mozart's Quartett\nspielte Herr Isidor Seiss. Die Ausführung des Haydn'schen und\ndes Beethoven'schen Quartetts (namentlich des ersten Satzes dessel-\nben) war sehr präcis und in der Leistung jedes einzelnen Instru-\nmentes in technischer Hinsicht vorzüglich. Der Eindruck des Ge-\nsammttones wurde aber häufig durch den sehnarrenden Ton der bei-\nden tiefen Saiten des Violoncells gestört, was den Wunsch veran-\nlasste, dass Herrn Schmit's Virtuosität bald auf einem recht schönen\nklangvollen Instrumente sich möge geltend machen können. Allen\nRespect vor der reinlichen und sicheren Ausführung der Figuren,\naber die Hauptsache im Quartett bleibt der Ton; nirgends so wie\nhier ist das Wort eine Wahrheit: „C'est le ton qui fait la musique.\"\nHerr Seiss trug die Clavier-Partie des herrlichen Mozart'sehen Quar-\ntetts mit schönem Anschlag und hübschem Tone vor. Er wird sich\nüberzeugt haben, dass Mozart's Musik, so wenig technische Schwie-\nrigkeiten sie auch dem heutigen Pianisten bietet, dennoch der gross-\nten Aufmerksamkeit beim Vortrage bedarf. Auch der Ausdruck be-\ndarf derselben in Verbindung mit einem richtigen Gefühl, da Mozart\nnicht jede Note, die zu betonen ist (z. B. in dem Mittel-Thema des\nletzten Satzes) mit einem oder sfz, wie die Neueren, bezeichnet.\nFräulein Niethen sang zwischen den Quartetten drei Lieder von\nund Mendelssohn mit ihrer frischen, lieblichen Salonstimme\nund einfachem Vortrage; sie brachten ihr verdienten Beifall ein.\nHailiiovei*. Herr Kammermusicus Heinemeyer sen. Hier-\nselbst beabsichtigt dem Vernehmen nach, in der nächsten Zeit die\nMethode seiner Kunst zu veröffentlichen und einen Lehr-Cursus\nfür Flötenspieler von Fach zu veranstalten. Wir glauben, darauf\num so mehr aufmerksam machen zu sollen, als Heinemeyer ohne\nZweifel gegenwärtig, mit Ausnahme etwa von Tulou in Paris, als\nder Einzige dasteht, dem man das höchste Virtuosenthum in seinem\nFache zusprechen darf, sowohl was Ton und Technik als geniale\nBehandlung des Instrumentes und Gediegenheit des Vortrages anbe-\nlangt. Es ist gewiss im höchsten Grade zu wünschen, dass die rei-\nchen Früchte seiner gründlichen Studien durch Mittheilung an jün-\ngere Fachgenossen der Welt zu Gute kommen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Hamburg (Beethoven's Messe in D). Von L. Aus Wien (Sing-Akademie, Sängerbund). Aus Frankfurt\nam Main (Eröffnungsfeier des neuen Concertsaales). Von A. S. Aus C. M. von Weber's Nachlass. John Lodge Ellerton.\nDie Concerte im Cirque Napoleon in Paris. Von B. P. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erste Soiree für Kammermusik\nHannover, Kammermusicus Heinemeyer).\n\nAus Hamburg.\n\nDen 9. November 1861.\nGestatten Sie mir, Ihnen ü'ber eine bedeutungsvolle\nmusicalische Feier, die Aufführung der grossen Beetho-\nven'schen Messe in D, die am gestrigen Abende zum er-\nsten Male hier Statt fand, zu berichten. Unser unermüd-\nlich strebsamer und für seine Kunst wahrhaft begeisterter\nMitbürger, Herr Otten, hatte, ohne sich von den man-\nnigfachen und grossen Schwierigkeiten einer solchen Auf-\nführung abschrecken zu lassen, es schon im Laufe des\nSommers unternommen, die musicalischen Kräfte unserer\nStadt zu vereinigen, und dieselben seitdem mit ausdauern-\ndem Eifer auf die Lösung einer der grössten musicalischen\nAufgaben vorbereitet. Was ihn dabei ermuthigen durfte,\nwar das schöne, der grössten Anstrengungen werthe Ziel,\ndas er sich gesteckt hatte, wie er denn bereits seit Jahren\nsich durch die erste Aufführung anderer, wenn auch nicht\ngleich schwieriger Meisterwerke um unser musicalisches\nLeben verdient gemacht hatte. Mendelssohn's Walpurgis-\nnacht, die ud-mo//-Symphonie desselben Componisten, Che-\nrubini's Messe, Schumann's Musik zu Byron's Manfred und\nAnderes hatte Herr Otten schon früher den hiesigen Mu-\nsikfreunden zu dankbarem Genüsse zum ersten Male vor-\ngeführt. D ieses Mal freilich galt es nicht nur einem hier\nnoch nicht gehörten, sondern einem Werke, das, wiewohl\nder Meister selbst es für sein vollendetstes erklärt hatte,\nerst seit wenigen Jahren an wenigen Orten zur Auffüh-\nrung gelangt, der Ausführung und dem Verständnisse die\nausserordentlichsten Schwierigkeiten bietet. Der Erfolg hat\naber gezeigt, dass Herr Otten sich weder in seinem Ver-\ntrauen auf die mächtige Wirkung, welche diese Riesen-\nschöpfung schon bei dem ersten Anhören auf jedes em-\npfängliche Gemüth ausüben muss, noch in der Ueberzeu-\ngung getäuscht hat, dass es seinem Eifer und seiner Ein-\nsicht gelingen werde, diese Schöpfung in einer durchaus\nwürdigen Gestalt vorzuführen. Dass die hiesigen, wenn\nauch sehr achtungswerthen, Kräfte nicht ausreichen wür-\nden, dem auf das Zusammenwirken grosser Chormassen\nin grossen kirchlichen Räumen berechneten Werke gerecht\nzu werden, war Herrn Otten von vornherein klar gewe-\nsen. Er war daher zeitig darauf bedacht, auch auswärtige\nKräfte aus näheren und entfernteren Orten für sein Un-\nternehmen zu gewinnen, und halte sich zu dem Ende die\nbereitwillige Zusage der Musik-Directoren von Kiel, Braun-\nschweig, Rostock, Schwerin, Magdeburg und anderen Or-\nten verschafft, die von ihnen geleiteten musicalischen Ver-\neine zur Mitwirkung zu veranlassen. Zu dem Interesse, das\ndie Aufführung eines noch unbekannten Beethoven'schen\nMeisterwerkes an und für sich bieten musste, gesellte sich\nin Folge dessen noch der Reiz eines kleinen Musikfestes,\ndas die Gemüther der musicalischen Welt schon mehrere\nTage vor der Aufführung in grosse Spannung versetzte.\nWas dieses Interesse für Viele noch erhöhte, war der\nwohlthätige Zweck, dem der Ertrag des Concertes be-\nstimmt war: der Erbauung einer ersten protestantischen\nKirche in Neapel.\nAm 5. und 6. d. Mts. fanden zwei Proben in der Mi-\nchaelis-Kirche Statt, von denen die zweite bereits dem Pu-\nblicum zugänglich gemacht war. Am Abende des 8. end-\nlich fand die Aufführung in der erleuchteten, mit nahe an\n5000 Hörern gefüllten Kirche Statt. Ist die aus der Ro-\ncocozeit des vorigen Jahrhunderts stammende Architektur\nderselben einer Versenkung des Gemüthes in die Myste-\nrien der Religion und der ihrer Verherrlichung gewidme-\nten Kunstwerke auch nicht eben besonders förderlich, so\ngewährte dieselbe doch andererseits gerade durch die Ab-\nwesenheit der gothischen Pfeiler in ihrer weiten Rundung\nmit zu beiden Seiten der Orgel amphitheatralisch aufstei-\ngenden Sitzreihen eine für die Anhörung einer musicali-\nschen Aufführung besonders günstige Räumlichkeit. Das\nOrchester und die Chöre waren auf dem Orgelchor und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.2", "texte": "unter demselben auf einem eigens für diesen Abend er-\nrichteten Vorbau, die Sänger auf jenem, die Sängerinnen\nund das Orchester—nicht zum Vortheil des letzteren, das\nüberhaupt im Verhältnisse zu den bedeutenden Gesanges-\nkräften zu schwach erschien auf diesem aufgestellt. Die\nSoli hatten Frau Michal-Michaeli aus Stockholm (So-\npran), Fräulein Jenny Meyer aus Berlin (Alt), Herr\nKarl Baumann aus Kassel (Tenor) und Herr Ad.\nSchulze von hier (Bass) übernommen und bildeten ein\nOuartelt, dessen verschiedenen Stimmen man hier und da\neine grössere Uebereinstimmung der Klangfarbe hätte\nwünschen mögen, das aber doch im Ganzen eine der Auf-\nführung zu grosser Zierde gereichende Vereinigung selte-\nner Kräfte darbot. Das Hauptgewicht aber ruht bei die-\nser, wie bei allen grösseren Kirchenmusiken, auf dem Chor,\ndessen Leistungen wir als in hohem Grade befriedigend\nbezeichnen dürfen, wenn wir, wie billig, bei einem uns so\nneuen Werke den im Ganzen auf uns und die übrigen\nversammelten Hörer hervorgebrachten Eindruck zum\nMaassstabe seiner Leistungen nehmen. Dieser Eindruck\nwar ein mächtiger, überwältigender, und der Chor, der\nihn hervorzubringen wusste mit einem Werke, das an die\nmusicalische Technik die kühnsten und gesteigertsten For-\nderungen stellt, muss ein durchaus tüchtiger, trefflich ge-\nleiteter gewesen sein. Eines freilich, und zwar „das Eine-,\nwas noth thut\", kam bei diesem gewaltigen Eindruck\nSängern und Hörern gleichmässig zu Statten: das tief\nmenschliche, vom Herzen strömende und zum Herzen\ndringende Element, das wie alle Beethoven'schen Schö-\npfungen, so diese noch in erhöhtem Maasse durchdringt,\nund sich durch alle noch so ungewöhnlichen harmonischen\nVerwicklungen, durch alle von der kirchlichen Bestimmung\ndes Werkes gebotenen, zum Theil befremdlichen Formen\nhindurch dem Gemüthe jedes unbefangenen Hörers mit\nzwingender Gewalt einprägt. Zu einer Beurtheilung der\nEinzelheiten dieses uns bisher unbekannten Riesenwerkes\nfühlen wir uns nicht im Stande, den Gesammt-Eindruck\naber dürfen wir freudig dahin zusammenfassen, dass der\nunsterbliche Meister in diesem Werke ein neues und viel-\nleicht das schönste Zeugniss für die grosse, von den extre-\nmen Kunstrichtungen unserer Tage so oft verkannte Wahr-\nheit abgelegt hat, dass die wahre Kunst, auch wo sie sich\nder sprödesten Stoffe bemächtigt, eine rein menschliche,\ndas Gemüth erhebende und verklärende Wirkung zu er-\nzielen weiss.\n\nL.\n\nAus Wien.\nDen 16, November 18G1.\nGestern fand im grossen Redoutensaale das erste dies-\njährige Concert der wiener Sing-Akademie Statt.\nWenn auch der ungeheure Saal nicht in allen Räumen\ngefüllt war, so war doch der Besuch ein sehr zahlreicher,\nund ein Blick auf das Programm mag Ihnen sagen, wie\nehrenvoll es für das Institut und das Publicum war, dass\nletzteres sich in so grosser Anzahl eingefunden und so\nlebhafte Theilnahme an Musik von so ernster Gattung\nbewies.\nProgramm: 1. „Magnificat\" von Francesco Du-\nrante. 2. „Crucifixus11 (sechsstimmig) von Antonio\nLotti. 3. „Christe eleison\" von Orazio Benevoli. 4.\n„0 Freud' über Freud'\", Festlied von J. Eccardt für\nzwei Chöre a capella. 5. Eingangschor aus der Cantate:\n„Bleib' bei uns, denn es will Abend werden\", von Joh.\nSeb. Bach. 6. „Tenebrae von Michael\nHaydn. 7. „Ave Maria\" von F. Mendelssohn-Bar-\ntholdy. 8. Weihnachtslied: „Joseph, lieber Joseph mein\"\nund „Eia sunt impleta\" von Sethus Calvisius. 9.\nArioso für Bass mit Chor aus „Abraham\", Oratorium\nvon Blumner (in Berlin). 10. „Heilig ist Gott, Hallelu-\njah!\" aus einer Kirchen-Cantate von Händel.\nDas Bestreben der Sing-Akademie, welches Anfangs\nvon deren Feinden verspottet, vom Publicum wenig unter-\nstützt wurde, hat sich durch Ausdauer Bahn gebrochen.\nDas dritte Jahr ihres Bestehens zeigt, dass die gesunde\nPflanze Wurzel geschlagen hat und dass die Früchte gern\ngenossen werden. Der Beifall, den gestern die einzelnen\nChöre erhielten, das Verlangen der Wiederholung von\nLotti's Crucifixus, von M. Haydn's Tenebrae und von Men-\ndelssohn's Ave Maria zeigten deutlich genug, wie richtig\ndas Publicum urtheilte. Der Beifall begeisterte den Chor und\nbefeuert ihn gewiss zu fortgesetzten künstlerischen Leistun-\ngen; schon freut sich Alles auf die im dritten Concerte zur\nAufführung kommende Matthäus-Passionsmusik\nvon J. S. Bach, am 15. April, dem Dinstage der Char-\nwoche, zum ersten Male in Wien.\nDas zweite Concert, am 6. Januar 1862, soll meist\nWrerke neuerer Tondichter bringen, jedoch ist noch nicht\nbekannt, was zur Aufführung kommt. Professor Steg-\nmayer, der jetzt wieder mit ganzer Kraft für die Sing-\nAkademie wirkt, kann mit dem ersten diesjährigen Erfolge\nzufrieden sein.\nDer wiener Sängerbund veranstaltete am 14. d.\nMts. Abends eine Liedertafel nur für seine Mitglieder, bei\nwelcher der k. k. Hof-Opernsänger Hrabanek, der Pia-\nnist Rud. Schweida und mehrere andere Künstler mit-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.3", "texte": "wirkten und die Gesellschaft bis spät nach Mitternacht in\nheiterster Stimmung erhielten. Diese so genannten Vergnü-\ngungs-Abende, zu denen kein fremdes Publicum Zutritt\nhat, haben den Sängerbund sehr beliebt gemacht, weil sie\nkünstlet ische Vorträge und heitere Scherze in reicher Ab-\nwechslung bieten. Die erste diesjährige Liedertafel dieses\nBundes findet im December Statt, und es haben zu dersel-\nben Künstler ersten Ranges ihre Mitwirkung zugesagt. Es\nsollen darin nur solche Chöre gesungen werden, welche\ndem Sängerbunde gewidmet sind, und zwar von J. Netzer,\nA. Wöckl, J. E. Schmölzer, J. Offenbach, A. M. Storch,\nA. Methfessel u. s. w. x>\nNachschrift. Je mehr wir uns über den neuen Auf-\nschwung des musicalischen Lebens in Wien, welches da-\ndurch den Manen der drei Fürsten der Geister im Reiche\nder Tonkunst die lange verzögerte Schuld abzutragen be-\nginnt, freuen und die wirklichen Kundgebungen dieses\nAufschwungs in der Niederrheinischen Musik-Zeitung gern\nverfolgen, desto mehr fällt uns in dem Berichte des geehr-\nten Herrn Correspondenten die Ankündigung auf, dass das\nzweite Concert der Sing-Akademie wohl meist Werke\nneuerer Tondichter bringen werde. Wir glauben nicht,\ndass dergleichen Concessionen die ernste Aufgabe einer\nSing-Akademie fördern können, ja, sie scheinen uns eines\nsolchen Instituts kaum würdig zu sein. Die Akademieen\nin Berlin und in Breslau, der Cäcilien-Verein in Frankfurt\nam Main und einige andere in der Tendenz sich ihnen an-\nschliessende Vereine beweisen, dass die Durchführung\neiner bestimmten Richtung recht wohl möglich ist und\ndass eine Concentrirung der Art allem Geschrei über Ein-\nseitigkeit zum Trotz dennoch der Tonkunst und den An-\nstalten selbst allein zu wirklicher Förderung gereicht. Wir\nsind daher vollkommen mit den Ansichten einverstanden,\nwelche die „Recensionen\" (in Nr. 45) über die Sing-Aka-\ndemie zu Wien aussprechen und welche mehr oder weni-\nger für alle ähnliche Institute in grossen Städten, wo\nmehrere Richtungen neben einander ihre Vertretung\nfinden können, Geltung haben.\n„Mit der Uebertreibung der Classicität in der Sing-\nAkademie hat es wohl keine Gefahr. Theoretisch ist die\nAufgabe der Sing-Akademie allseitig immer darin erblickt\nworden, dass durch dieses Institut das ganze, bis dahin\nfast vollständig brach gelegene Feld altitaliänischer und\naltdeutscher Chorwerke urbar gemacht und mit Hinzuzie-\nhung des gediegeneren Neueren im Fache des gemisch-\nten Chorgesanges gepflegt werden solle. In der Ausfüh-\nrung aber war die-Sing-Akademie nicht immer mit glei-\ncher Consequenz diesem Programm treu geblieben. Man\nwar geneigt, durch Aufnahme heiterer Chorlieder und\nsentimentaler Liedertafel-Producte einem Theile des Publi-\ncums, einem I heile der Kritik, einem 1 heile der ausüben-\nden Mitglieder selbst einige Concessionen zu machen. Die\ngegenwärtige Leitung ist, wie das Programm des ersten\nConcertes und die in Aussicht gestellte „ „ Passionsmusik\"\"\nbeweisen, nicht gesonnen, diesem angeblich „ „prakti-\nschen\" '• Verlangen ferner nachzugeben, und wir glauben\nnicht, dass einsichtsvolle Freunde guter Musik sie darum\ntadeln werden. Von Exclusivität kann nicht die Rede\nsein, wo die reichsten und verschiedensten Schätze dieser\nspeciellen Literatur verwerthet werden sollen, von Se-\nbastian Bach bis Haydn, von Palestrina bis Cherubini, von\nHändel bis Mendelssohn. Bildet diese Beihe von Heroen,\nwie es doch nicht anders denkbar ist, den vorherrschenden\nStamm des Repertoires, welchen Eindruck können daneben,\nwir sagen nicht: das bedeutendere Neue, wohl aber kleine\nStrophenchöre von Bust, Grimm, Mayr u. s. w. oder schwä-\nchere Werke von Schumann hervorbringen? Wer Ver-\nständniss hat für jenen Hauptstamm des Sing-Akademie-\nRepertoires, ja, wer auch nur Sinn hat für eine einheit-\nliche Gesammtlcistung, wird sich von solchen an\nanderem Orte ganz schätzbaren Zugaben in den Con-\ncerten der Sing-Akademie förmlich verletzt fühlen. Bei der\nSchwierigkeit aber, moderne Sachen zu bieten, welche un-\nter jenen uralten Stämmen nicht geradezu verschwinden,\nwenn sie nicht gar augenfällig stören, war durch die Ab-\nweichung vom ursprünglichen Programm auch kein prak-\ntischer, kein Cassen-Vorlheil gewonnen. Eine solche Zu-\ngabe zieht keinen Gleichgültigen an und verdriesst vielmehr\ndiejenigen, welche unter den Ausübenden den echten Kern,\nunter den Beitragenden das ausdauernde Publicum bilden.\nGerade die Sing-Akademie hat den seltenen Vortheil, dass\nihr Ursprung und ihre natürliche Richtung sie anweisen,\nlür Wien eine Specialität zu werden, d. h. in möglich-\nster Vollendung etwas zu leisten, was kein anderer\nVerein leistet. Gerade die Sing-Akademie hat das seltene\nGlück, dass sie genau weiss, was sie will und soll, und\ndass es nur bei ihr steht, daran festzuhalten. Innerhalb\ndieser Specialität, man kann es nicht genug betonen,\nist Raum für so viel Mannigfaltigkeit, als eine Beihe von\nChören überhaupt verträgt. Ausserhalb derselben wird es\nimmer schwerer, sich zurecht zu finden. Mag der Kreis\nein ausgedehnter oder ein engerer sein, wenn er nur klar\nabgegränzt ist und ihr ihn auszufüllen wisst, so habt\nihr viel, so habt ihr Alles gethan.\"\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.4", "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nA. S.\n(Eröffnungsfeier des neuen Concertsaales.J\nGestern, den 18. d. Mts., hat die in der vorigen Num-\nmer dieses Blattes in Aussicht gestellte Eröffnungsfeier des\nneuen Concertsaales mit Haydn's unvergänglicher „Schö-\npfung\" Statt gefunden. Wonach die Musikfreunde Frank-\nfurts sich seit so lange gesehnt, was in Wahrheit ein drin-\ngendes Bedürfniss geworden das Werk steht nun fast\nganz vollendet da und lobt seinen Meister, Herrn Archi-\ntekten Burnitz, und die Herren Baumeister Kayser\nund Schaffner. Diese Fachmänner arbeiteten nach einem\ndurch Concurrenz-Ausschreiben eingegangenen Plane des\nungarischen Architekten Skalnizki, dem der für den\nbesten Plan ausgesetzte Preis von 200 Ducaten zuerkannt\nworden war. Grosses Verdienst um das Zustandekommen\nhaben auch die Mitglieder des Verwaltungsrathes der\nActien-Bau-Gesellschaft, und zwar die Herren: Dr.Spiess,\nDr. Hartmann, H. Buzzi, Wilhelm Speyer, Wil-\nhelm Metzler, Ph. Petsch und Kohn-Speyer, die\nvereint den mit einem so bedeutenden Unternehmen ver-\nknüpften Schwierigkeiten sich willfährig unterzogen und\ndasselbe in dem verhältnissmässig kurzen Zeiträume von\nzwei Jahren der Vollendung nahe bringen halfen.\nWas bei einem neu aufgeführten Baue zu solchem\nZwecke zunächst in Frage kommt, betrifft das Ergebniss\nhinsichtlich der akustischen Anforderungen. Dieses hat\nsich in den Proben wie bei der Aufführung als ein er-\nwünschtes herausgestellt. Allerdings war die Zahl der Aus-\nführenden in Folge der Vereinigung der beiden Gesangs-\nkörper, des Cäcilien- und des Rühl'schen Vereins, mit un-\ngefähr 350 Stimmen zusammen, eine sehr grosse, und\ndürfte zur Feststellung eines Urtheils über erreichte Aku-\nstik erst die Wirkung des Orchesters allein, und zwar ver-\nstärkt und aufgestellt auf dem für selbes bestimmten Platze\nin der Nische des Hintergrundes, abzuwarten sein. Bei der\ngestrigen Aufführung war dem Orchester der Platz auf\ndem für den Chor vorgeschobenen Podium angewiesen,\nwährend Tenöre und Bässe den eigentlichen Orchesterraum\neingenommen hatten; das sitzende Orchester war somit\nvon allen Seiten vom stehend singenden Chor umgeben\nund wurde im begeisterten Zusammenwirken der Massen\nfast erdrückt.\nDie künstlerische Ausführung des ewigen Tonwerkes\nbetreffend, so wollen unsere Leser den Berichterstatter\nvon einer eingehenden Besprechung gefälligst dispensiren,\ndamit sich in diese in freudiger Erregung niedergeschrie-\nbenen Zeilen kein kritischer Missklang einschleiche. Alle\nMitwirkenden bezeugten sich von der Bedeutung des Mo-\nments gehoben, demnach bei so tüchtig geschulten Kräften\nim Allgemeinen nur Gutes geleistet werden konnte und\nwirklich geleistet worden ist. Wo thatsächlich eine Abwei-\nchung davon sich kundgegeben, da liegen die Gründe auf\neiner Seite, die bei einer anderen Gelegenheit im Interesse\nder frankfurter Concert-Aufführungen grosser Werke des\nNäheren besprochen werden soll. Um den beiden Gesang-\nVereinen und ihren resp. Dirigenten zu gleichen Theilen\ndie Honneurs zu bezeigen, ward für gut |?| befunden, die\nTheilung mitten in der Partitur geschehen zu lassen, dem-\nnach Herrn Musik-Director Müller die erste Hälfte bis\nnach dem Terzett mit Chor in „Der Herr ist\ngross\", dem Herrn Musik-Director Friedrich aber alles\nUebrige zur Leitung überwiesen war. Die Solo-Partieen\nwurden, wie neulich schon bemerkt, von Frau Zottmayr-\nHartmann, dann den Herrn Schneider und Hill vor-\ngetragen.\nSchliesslich sei noch der nicht hoch genug zu schätzen-\nden Thatsache erwähnt, dass nun erst auch den wenig be-\nmittelten Musikfreunden Frankfurts die Gelegenheit gebo-\nten ist, sich an grossen, für den Concertsaal bestimmten\nWerken der Tonkunst erfreuen zu können.\n\nAus C. M. von Weber’s Nachlass.\nBei C. F. Peters (Leipzig und Berlin) ist eine in-\nteressante Composition erschienen, interessant durch den\nAutor und durch das Instrument, für welches sie bestimmt\nist. Es ist ein\nAdagio und Rondo für das Harmonichord (oder\nHarmonium) mit Begleitung des Orchesters u.s.w.\nvon C. M. von Weber. Nachgelassenes Werk.\nNr. 15. Partitur (40 S. in gr. 8.) 1 Thlr. (Auch\nin Stimmen und mit Clavier-Begleitung zu haben.)\nC. M. von Weber hat dieses allerliebste Concertino in\n„München, den 31. Mai 1811\" —so lautet die Notiz auf\nder Partitur—für Friedr. Kaufmann geschrieben, mit\nwelchem er wahrscheinlich auf einer seiner Kunstreisen\ndort zusammentraf. Es besteht aus einem in\nF, 2/4, (9 S.) und einem Ällegretto in F, 6/8» zwei sehr\nlieblichen Sätzen mit anmuthigen Melodieen und einigen\necht Weber'schen Effecten, z. B. dem Uebergange nach\nDes in der Principalstimme mit dem Solo des Paukenwir-\nbels. Das Orchester ist besetzt mit dem Geigen-Quartett,\nzwei Flöten, zwei Oboen, zwei Fagotten, zwei Hörnern,\nTrompeten und Pauken.\nAber was ist das Harmonichord für ein Instrument?\nEin Tasten-Instrument, der Form nach einem aufrecht-\nstehenden Flügel (Piano-Giraff'e) ähnlich, dessen Saiten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.5", "texte": "aber nicht durch Hammerwerk, sondern durch Reibung\neines mit Leder überzogenen und mit Colophonium durch-\narbeiteten Cylinders zum Ertönen gebracht werden. Es\nwurde von dem berühmten Mechaniker und Akustiker\nFriedrich Kaufmann*) (geb. 1785 zu Dresden) er-\nfunden und zuerst in den Jahren 1811 und 1812 durch\nihn mit anderen akustisch-mechanischen Kunstwerken dem\nPublicum vorgeführt. Für diesen Künstler componirte We-\nber das jetzt erschienene Concertstück, in welchem er die\nEigentümlichkeit des Tones und der Spielart jenes Instru-\nmentes berücksichtigte und dessen Klangfarbe mit derje-\nnigen der Orchester-Instrumente (mit Ausnahme der ihr\nähnlichen Clarinetten) in Einklang und Gegensatz zn brin-\ngen verstand. Das jetzt in seinem Bau sehr vervollkomm-\nnete Harmonium (aus der Physharmonika, auch Aeoline\ngenannt, hervorgegangen) ist zwar von dem ursprünglichen\nHarmonichord verschieden, jedoch durch seinen Klang und\ndas Anhalten der Töne eben so geeignet zum Vortrage\ndes Concertino's, als jenes.\nNach dem Tode seines Vaters im Jahre 1818 erhielt\nFriedrich Kaufmann vom Grossherzog von Darmstadt einen\nRuf als Harmonichordspieler in dessen Capelle, schlug den-\nselben jedoch aus, da ihm vom Könige von Sachsen ein\nlebenslängliches Jahrgehalt bewilligt ward, wenn er wieder\nnach Dresden zurückkehre. liier lebte er in glücklichen\nFamilien-Verhältnissen beinahe zwanzig Jahre der Vervoll-\nkommnung seiner Kunst und vollendete 1839 ein neues\ngrosses, selbstthätiges Instrument, Symphonion von ihm\ngenannt, welches Fortepiano, Clarinetten, Flöten, Piccolo,\nSchallstäbe und Pauke in sich vereinigte, und von dem z. B.\nProf. Schafhäutl in München schreibt: „Das Spiel dieser\nMaschine ist wirklich entzückend, der Vortrag brillant, der\nAnschlag des Fortepiano selbst so frisch und rund, dass\nman unwillkürlich den Spieler und die Hände sucht, welche\nbald energisch in die Saiten greifen, bald sich zart und\nleise begleitend den brillanten Clarinett- oder Flöten-Pas-\nsagen anschliessend —Mit dem Symphonion, einem Chord-\naulodion, dem Harmonichord und dem Trompeter unter-\nnahm Friedrich Kaufmann, begleitet von seinem Sohne\nFriedrich Theodor Kaufmann, geboren 1823 zu\nDresden, dessen angeborenes Talent in diesem Fache der\nKunst einen seltenen Wirkungskreis fand, eine längere\nKunstreise durch Deutschland, Russland, Schweden und\nDänemark. Namentlich in Petersburg fanden sie glänzende\nAufnahme. Leider verunglückten die genannten Instru-\nmente, die Frucht jahrelanger Anstrengungen und Arbei-\nten, zur See auf der Rückreise von Kopenhagen im De-\ncember 1843. Nach Dresden zurückgekehrt, begann nun-\nmehr Friedrich Kaufmann und sein Sohn Friedrich Theo-\ndor gemeinschaftlich neue Instrumente und Kunstwerke\nan Stelle der verunglückten zu erbauen und dabei sowohl\ndie früher gemachten Erfindungen anzuwenden, als auch\nneue Ideen und Verbesserungen dabei auszuführen. So\nentstand ein neues, wesentlich verbessertes Harmonichord,\nein Chordaulodion, ein Symphonion und ein Belloneon,\nund auch der Trompet-Automat ward wieder hergestellt.\nNachdem diese Arbeiten vollendet, schritt der jüngere Kauf-\nmann zur Ausführung eines möglichst vollständigen, selbst-\nspielenden Orchesterwerkes nach eigener Idee, welches\nnach fünfjähriger angestrengter Arbeit 1851 vollendet\nward und Clarinetten, Flöten, Flageoletts, Horner, Cor-\nnets, Trompeten, Fagotts, Tuba, Pauken, Trommeln, Tri-\nangel und Becken in sich vereinigt. Es ward Orchestrion\ngenannt und machte auf einer damit nach England u. s. vv.\nunternommcnnen Kunstreise zur Zeit der londoner Indu-\nstrie-Ausstellung Sensation. Zurückgekehrt von dieser\nKunstreise, gründeten Kaufmann, Vater und Sohn, in\nDresden eine permanente Ausstellung ihrer Erfindungen\nunter dem Namen „Akustisches Cabinet\" und verbanden\ndamit eine Fabrik musicalischer Instrumente, aus der zahl-\nreiche selbstthätige Kunstwerke und namentlich auch Har-\nmoniums hervorgehen und weithin versandt werden.\n*) Dessen Vater Job. Gottfr. Kaufmann (geboren 1752 auf\neinem Dorfe bei Chemnitz, zu Frankfurt am\nMain) war der Gründer dieser durch 'mechanische Genie's aus-\ngezeichneten Familie.\n\nJohn Lodge Ellerton.\n\nJe weniger in einem Lande sich nach einer gewissen\nRichtung hin, sei es in Wissenschaft, sei es in Kunst, pro-\nduetive Geister finden, um so mehr hebt sich der Einzelne,\ndem angeborenes Talent und energische Studien eine grös-\nsere Bedeutsamkeit verliehen, von dem weniger beleuch-\nteten Hintergrunde ab. Während es in England schon\neiner ganz aussergewöhnlichen Befähigung bedarf, um aus\nder Reihe staatskluger Köpfe als hervorstechendes Por-\ntrait zu glänzen, ist das Gebiet der musicalischen Kunst\nleichter überschaubar; es ist eine Ebene, die in ihrer Ste-\nrilität jeden hervorragenden Gegenstand einer schärferen\nBeleuchtung aussetzt. Steril ist wohl der musicalische Bo-\nden Englands zu nennen; es fehlt hier sogar das Nationale.\nVon dem deutschen Volksliede gar nicht zu reden, hat fast\njedes andere Land in dieser Richtung mehr des nationalen\nElementes, als England. Und das, was gerade hierin vor-\nliegt, gehört den Annexen Englands, Irland und Schott-\nland, an, die in den Zeiten grösserer politischer Selbststän-\ndigkeit und nationaler Kämpfe auch ein particularistisch-\nnationales musicalisches Bewusstsein in ihren Volksgesän-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.6", "texte": "gen zu Tage legten. Die Jacobiter-Gesänge Schottlands,\ndie „Irish Melodies\", denen Th. Moore in seinen gleich-\nbenannten poesievollen, bilderreichen, freiheitglühenden\nDichtungen eine unsterbliche Unterlage geschaffen, haben\nkeine Rivalen auf eigentlich englischem Boden. Auch in\nder Composition grösserer Gesang- oder Instrumentalwerke\nhat England noch wenig Classisches aufzuweisen. Und was\nstimmbegabte und gesangeskundige Sänger betrifft, so ist\nes bekannt genug, dass London seine besten Theater mit\nfremden Sängern recrutirt. Wenn nun also, wie schon\noben erwähnt, eine einzelne Kraft auf solchem Boden zur\nGrösse und Bedeutsamkeit strebt, so ist sie um so be-\nmerkbarer, aber auch um so beachtungswerther. John\nField, geboren 1782, ein Irländer, eröffnete den kurzen\nReigen englischer Tonkünstler. Und wollen wir Litollf als\nEngländer betrachten —er ist mindestens in London gebo-\nren und studirte daselbst unter Moscheies—, so haben wir\nnebst ihm in Balfe (Balph) und Wallace rasch die gekann-\ntesten Erscheinungen vorgeführt. Nicht minder beach-\ntungswerth als diese Letztgenannten, ja, in mancher Be-\nziehung noch, vom Standpunkte der reinen, wahren Kunst,\ninteressanter, obgleich viel weniger gekannt (die meisten\nmusicalischen Handbücher führen noch nicht einmal den\nNamen in ihrer Nomenclatur auf), ist der Mann, dessen\nName an der Spitze dieses Artikels steht, und dem wir\nhiermit die verdiente Aufmerksamkeit widmen wollen\nJohnLodge Eilerton. Aelter als seine compatriotischen\nCollegen Eilerton ist 1807 in der County of Chesier,\nBalfe 1808, Wallace 1815 und Litollf 1820 geboren\nund reicher in seiner Productivität, resp. der Opuszahl sei-\nner Werke, hätte Eilerton wohl schon hiedurch eine Priori-\ntät in der allgemeinen Kenntnissnahme zu erwarten gehabt,\nwenn nicht der in der T(jat allzu bescheidene, fast in mi-\nmosenhaftem Insichgezogensein sich darlegende Charakter\ndes Mannes sich selbst im Wege gestanden hätte. Voll\ntiefer Begeisterung für die Kunst, voll wahren und edlen\nStrebens, voll warmen Gefühls und reicher Ideen, deren\nGrundzug Lieblichkeit und Melodik ist, weiss Eilerton dies\nalles nur in seinen stillen Noten durch das Medium der\nFeder auszusprechen. Doch hier bleibt der gehobene Schatz\nin ruhiger Verborgenheit. Was der Maler mit seinem Pin-\nsel auf die Leinwand gegossen, das ist für Jeden und in\njede Sprache übersetzt; doch das, was der Componist am\nschweigsamen Schreibpulte auf das Papier gebracht, das\nist nur für wenig Eingeweihte erkennbar, für das grosse\nPublicum bedarf es erst der Uebersetzung durch die Hände\ndes Quartetts, durch den Athem der Bläser, durch die\nKehle der Sänger. Und diese Uebersetzung fehlt allzumal\nden Werken Ellerton's. Die für einen Componisten selten\näusserlich günstige Lage dieses Künstlers hat nicht das\ndrängende, gewaltsam sich Weg bahnende Agens, das die\nnölhigen Hebel mit unabwendbarer Notwendigkeit in Be-\nwegung setzt, und dazu kommt das schon berührte mimo-\nsenhafte Zurückziehen, das Insichselbstverschliessen des\nCharakters, der bei einer jeden rauhen Berührung, einem\njeden scharfen Luftzuge die Harfe verstummen lässt, um\nzu jener Uebersetzung den in unserer Zeit so nölhigen\nunaufhörlichen Anstoss nicht energisch genug zu geben.\nEllerton's schönste Compositionen, seine Trio's, Quar-\ntette, Quintette, erklingen meist nur im häuslichen Salon\nvor den Ohren weniger geladener Kunstfreunde, die den\nComponisten in seiner Kunst und als Menschen verstehen,\nund von den besten ausübenden, berufenen Künstlern des\njezeitigen Aufenthaltsortes des Componisten ausgeführt. Sel-\ntener kommt ein solches Werk in den grösseren, aber\ndoch ausgewählten Cirkel einer „>Shiree musicale\", oder\nnimmt eine Symphonie, ein Oratorium vor das bewegli-\nchere Publicum des grossen Concertsaales seinen Weg.\nObgleich schon viele einzelne Werke durch den Druck\no\nleichter zugänglich gemacht sind, so fehlt doch zur Errei-\nchung des Hauptzweckes, wie schon bemerkt, die drän-\ngende Notwendigkeit.\nIn Ellerton finden wir eine eigene Mischung der Far-\nben und des Stils. Als Abkömmling einer alt-irischen Fa-\nmilie lebt in ihm die tiefgreifende Poesie, die gerade den\nIrländer so vorteilhaft auszeichnet, und die sich bei ihm\nauch schon in einer grösseren, trefflichen Dichtung, einem\nnationalen Epos in sechs Gesängen, „ The bridal of Sa-\nlerno\", kund gab. Diese seine literarische wie musicalische\nund allgemeine Bildung erwarb ihm schon 1828 auf der\nUniversität zu Oxford die mit unserer Doctorwürde ana-\nloge, doch in England viel seltener ertheilte Würde eines\nMagister artium.Von hier begab er sich nach Rom, um\ndort unter dem berühmten M Perziani\nden Contrapunkt zu studiren. Der Unterricht dieses Man-\nnes und die italiänischen Anschauungen haben entschie-\nden auf Ellerton's musicalische Stimmung gewirkt und sei-\nnen Compositionen jene angenehme Weiche verliehen, die,\nfern von eigentlich italiänischer Weichlichkeit, dem deut-\nschen Typws der Gemüthlichkeit und des tiefen Gefühls so\nnahe liegt. Nach vollendeten Studien begab er sich in die\nHeimat zurück und heiratete dort 1837 die Tochter des\nsiebenten Earls of Scarbrough, eines Peers von England.\nVerschiedene grössere Reisen auf dem Continente und län-\ngerer Aufenthalt in Frankreich und namentlich Deutsch-\nland gaben ihm hinreichend Gelegenheit, seine musicali-\nschen Anschauungen zu erweitern und den Charakter frem-\nder Conceptionen kennen zu lernen. Seine musicalische\nAusbildung erhielt hiedurch und durch die damit in Ver-\nbindung stehende Ideen-Assimilation eine innere Vollen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.7", "texte": "Dung und Allseitigkeit, die seinem Compositions-Talente\nsehr zu Statten kamen. Es entstanden jetzt allmählich 12\nOpern, 7 italiänische (Issipil\nAnnibale in Capua, 11 Sacrifisio cl'Epito, Andromaco, 11\nMarito a Rista, II Carnevale di 'Venezia), 4 englische\nWoman's wit, Lucinda, Domeni\nund eine deutsche (Carlo Rosa), ein Oratorium, „Pa-\nradise lost\", Text nachMilton, ein Werk voll melodischen\nAufschwungs, 6 Messen, 6 Anthems, viele Hymnen\nund Motetten und an 300 einzelne Gesänge und\nPiecen für drei, vier und fünf Stimmen. Von grösserer\nBedeutung sind Ellerton's rnstrumental-Compositionen, un-\nter denen zu nennen sind: 5 Symphonieen für Orche-\nster, 42 Streich-Quartette, 3 Streich-Quintette,\n18 Trio's für Pianoforte, 3 Trio's für Violine, Alt und\nCello, 8 Concert-Ouverturen u. s. w. Verschiedene dieser\nSachen wurden schon öffentlich aufgeführt, so z. B. einige\nSymphonieen in Aachen,» eine Symphonie in Köln und in\nDresden, andere Werke in Brüssel und London, einige\nQuartette in Wiesbaden, das Oratorium in London [Cry-\nstal Palace), einige Opern in Italien und in England, und\nüberall wurden sie von dem Publicum wie von der Kritik\nfreundlich aufgenommen, so dass deren grössere Verbrei-\ntung gewiss nur wünschenswerth sein möchte.\nUnter so manchen Aeusserungen der Presse wollen\nwir nur ein englisches Urtheil (von Ed. Holmes, dem be-\nkannten Verfasser von „Life of Mozart\" und „Asamble\namongst the musicians of Germany) aus der durch die Ge-\ndiegenheit ihrer Kritiken bekannten Zeitschrift „Atlas\"\nanführen, die sich bei Gelegenheit der Beurtheilung eini-\nger Hymnen folgender Maassen vernehmen lüsst: „Selten\nentfalten Amateur Compositionssolch eine Trefflichkeit\nin der Verschiedenheit des Stiles und eine so genaue Un-\nterscheidung desselben, als Ellerton's Arbeiten. Es ist un-\nmöglich, dass ein Musiker einen Blick auf dieselben wer-\nfen könnte, ohne die Eleganz der Melodie, die kräftige\nAccentuirung und die anmuthige Harmonisirung, die ein\nsehr hohes Talent für Vocal-Composition bekunden, zu er-\nkennen. Gleichzeitig spricht sich auch ein streng kirchli-\ncher Ernst in denselben aus, der gleichwohl der Phantasie\nund dem Gefühle, die einer Composition den Charakter\nihrer Zeit aufdrücken müssen, hinreichend Spielraum lässt.\"\nDieselbe Zeitschrift rühmt auch bei anderen Gelegenheiten\nan den weltlichen Compositionen Ellerton's dessen Ge-\nschmacks-Feinheit, die sich eben sowohl in der Melo-\ndieenführung als in der Natürlichkeit der Harmonieen,\nder charakteristischen Schilderung der Scene, der roman-\ntischen und doch solennen Haltung des jedesmaligen Gan-\nzen offenbaren. Auch von Ellerton's Orchesterwerken ist\nAehnliches zu sagen. In der äusseren Behandlung lässt\nsich ein ernstes Studium Mozart's, Haydn's, Beethoven's\nnicht verkennen, und so reich auch unsere Literatur an\ngrossartigen Erzeugnissen der classischen Periode ist, so\nglauben wir doch, dass Ellerton's Werke als einfach an-\nmuthige Erscheinungen wohl verdienen, in der deutschen\nKunstwelt eine freundliche Aufnahme zu finden*).\n\nBf.\n\nDie Concerte im Cirque Napoléon in Paris.\n\nDie Leser der Niederrheinischen Musik-Zeitung wissen aus den\nfrüheren Briefen aus Paris, dass sich neben der Gesellschaft der\nConcerte des Conservatoriums eine Societe des jeunes Artistes du\nConservatoire gebildet hatte. Herr Pasdeloup dirigirte ihre Auffüh-\nrungen, die sich eines meist zahlreichen Besuches zu erfreuen hatten.\nAllein der Saal Herz, vortrefflich für Kammermusik, eignet sich\nnicht eben so für eine grosse Orchester-Aufstellung, und sein Raum\nfasst nur eine verhältnissmässig kleine Anzahl vou Zuhörern. Pas-\ndeloup musste also auch die Eintrittspreise auf einer gewissen Höhe\nhalten, und so blieb auch dieses zweite Concert-Institut immer\nnoch ziemlich ausschliesslich, wenn auch nicht in dem Maasse, wie\ndas ältere.\nDie Stimmung des Publicums gegen die Conservatoire-Gesell-\nschaft sprach sich immer lauter aus. Freilich war man ihr dankbar\nund erkannte vollkommen an, was sie für unschätzbare Verdienste\num die Bilduug des Geschmacks habe. Allein einer grossen Menge\nvon Leuten aus der Classe der gebildeten Welt waren die Pforten\nzu diesem geweihten Kunsttempel auf ewig verschlossen; der Raum\nwar zu enge, und die Plätze vererbten sich von Vater auf Sohn.\nDie Losung der glücklichen Besitzer war, auf ihrem Posten zu ster-\nben und ihn selbst nach ihrem Tode einem der Ihrigen zu sichern.\nEs ist bekannt, dass aus allen Gegenden der Welt fremde Kunst-\nfreunde bloss desswegen nach Paris kamen, um ein Concert im Con-\nservatoire zu hören, und dass sie oft wieder abreisen mussten, ohne\nihren Zweck zu erreichen.\nWer den richtigen Zeitpunkt zu ergreifen versteht, der ist seines\nGlückes Schmied. Pasdeloup kam auf den Gedanken, den Inhalt der\nConservatoire-Concerte, namentlich die Aufführungen der Orchester-\nwerke der grossen deutschen Meister, beizubehalten, aber, im Ge-\ngensatz gegen die aristokratische Beschränkung im Aeussern, die\nSchranken zu erweitern und einen Concertsaal für classische Musik\nder grossen Menge vou Besuchern zu öffnen, die sich bisher verge-\nbens nach diesem Kunstgenüsse gesehnt hatten. Er fand bei den\nBesitzern der beiden Circus in den Chcimps Ulysses bereitwilliges\nEingehen auf seinen Plan, der Cirque Napoleon, dieses gewaltige,\ngrosse Amphitheater, wurde in einen prachtvollen Concertsaal für\nden Winter umgeschaffen, und so entstanden die Concerts popu-\nlairesy eine Unternehmung, die einen beispiellosen Erfolg gehabt hat.\nDer Saal fasst Tausende von Zuhörern, die auf bequemen Sitzen\nPlatz finden. Der Eintrittspreis beträgt auf dem ersten Platze 2 Fr.\n50 C., auf dem zweiten 1 Fr. 25 C., auf dem dritten gar nur 75\nCentimes! Also für 20, 10 oder 6 Silbergroschen hört man Haydn,\nMozart, Beethoven, Weber, Mendelssohn in schöner, künstlerisch\n\n*) Wir halben obigen uns eingesandten Aufsatz über einen sehr\nachtungswerthen Musikfreund und Componisten der OeÖent-\nliehkeit nicht entziehen wollen, behalten uns aber das Urtheil\nüber einige Compositionen Ellerton's, namentlich des Pa-\nradise lost und der „Wald-Sinfonie\" (Op. 120, bei Breit-\nkopf und Härtel) vor. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611123-01.1.8", "texte": "vollkommener Ausführung. Die Concerte finden Sonntags um zwei\nUhr Statt und sind vorläufig auf die Monate October bis Januar\nbestimmt. Die Conservatoire-Concerte beginnen bekanntlich erst im\nJanuar.\nMan muss sich aber durch den Namen Concerts populaires nicht\nzu irrigen Vorstellungen von dem inneren und äusseren Charakter\nderselben verleiten lassen und etwa glauben, dass Mozart und Beet-\nhoven hier im Promeniren oder bei einer Tasse Kaffee oder einem\nSchoppen Wein genossen würden. Keineswegs. Das ganze Publicum\nsitzt, und zwar bequem und unbelästigt von Zugluft und in der an-\ngenehmsten Temperatur, und es ist eine wahre Freude, die Stille,\ndie andächtige Stille, kann man sagen, zu beobachten, welche wäh-\nrend der Aufführung eines jeden Musikstückes herrscht. Ich kann\nin Wahrheit sagen, man hat so etwas noch nicht iu Paris erlebt\nund hatte es auch kaum erwartet. Die musicalische Bildung hat bei\nder Masse ungeheure Fortschritte gemacht. Keinem in der ganzen\nZuhörerschaft fällt es ein, mitten in einem Stücke zu applaudiren,\naber mit dem letzten Accord bricht ein Beifall aus, der gross-\nartig ist.\nDas erste Concert begann mit Weber's Oberon-Ouverture. Dann\nfolgte die Pastoral-Sinfonie von Beethoven, Mendelssohn's Violin-\nConcert, gespielt von Alard, die Variationen aus Haydn's F-dur-\nQuartett, von sämmtlichen Saiten-Instrumentalisten vorgetragen, und\nzum Schlüsse Mehul's Ouvertüre zu Le jeune Henri Die letztge-\nnannte hatte den wenigsten Erfolg, was wir Deutsche nach den\ngrossen Eindrücken der vorhergegangenen Nummern ganz natürlich\nfanden, aber in Paris nicht erwartet hätten; es sprach für die Em-\npfänglichkeit des Publicums.\nDas Programm des zweiten Concertes brachte Mozart s Ouver-\ntüre zur Zauberflöte, Beethoven's Sinfonie Nr. V. in C-moll, im Vio-\nloncell-Solo gespielt von Jacquard, Weber's „Aufforderung zum\nTanze\", instrumentirt von Berlioz, und Rossini's Ouvertüre zu\nWilhelm Teil»\nIm dritten Concerte hörten wir Weber's Jubel-Ouverture, Haydn's\nSinfonie in B-dur, Mendelssohn's Concert für Pianoforte in G-moll,\ngespielt von Ernst Lübeck, aus Beethoven's Septett die Variationen,\ndas Scherzo und das Finale (in originaler Gestalt), und zum Schlüsse\ndie Ouvertüre zur Semiramis. Auch hier nahm das Publicum die\nletzte kühler auf, während alle übrigen Nummern stürmischen Bei-\nfall erhielten, das Finale der Haydn'schen Sinfonie sogar wiederholt\nwerden musste, und selbst das Pianoforte in dem grossen Saale einen\nvollständigen Sieg über die Gegner des Claviers in grossen Concer-\nten davon trug. Das Mendelssohn'sche Concert wurde aber auch\nvon Lübeck auf einem vortrefflichen Instrumente ganz ausgezeichnet\nschön, mit Feuer und Kraft und doch künstlerischem Maasshalten\nvorgetragen.\nDer Erfolg der populären Concerte ist hiernach vollständig ge-\nsichert. Alles begünstigt das Unternehmen, namentlich auch die vor-\nzügliche Akustik des Circus; die Klänge verbreiten sich in dem\nweiten Räume der hohen luftigen Halle nach allen Seiten hin mit\nGleichheit, Reinheit und Genauigkeit, ohne irgend ein Durcheinan-\nderhallen, so dass man jede instrumentale Einzelheit mit Leichtigkeit\nvernimmt. So verbreitet sich denn der Ruhm der deutschen Musik\ndurch diese Concerte in unendlich weitere Kreise der Bevölkerung\nvon Paris, als bisher, und an ihrem Einflüsse auf die Geschmacks-\nbildung des musicalischen Publicums dürfte kaum zu zweifeln sein.\n\nB. P.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\ni&öln. D ie Soireen für Kammermusik im Saale des Ho-\ntel Disch, veranstaltet durch den Verein der hiesigen am Conserva-\ntorium angestellten Künstler, haben am Dinstag den 19. d. Mts.\nwieder begonnen. Wir hörten das Quartett in C-dur von Haydn,\nbekannt durch das reizende Andante mit Variationen, das G-moll-\nQuartett von Mozart für Pianoforte n. s. w. und das originelle\nViolin-Quartett Nr. 11, Op. 95, in F-moll von Beethoven. Die\nAusführenden waren die Herren Grunwald, Derckum, von\nKönig slow und Schmit; die Clavier-Partie in Mozart's Quartett\nspielte Herr Isidor Seiss. Die Ausführung des Haydn'schen und\ndes Beethoven'schen Quartetts (namentlich des ersten Satzes dessel-\nben) war sehr präcis und in der Leistung jedes einzelnen Instru-\nmentes in technischer Hinsicht vorzüglich. Der Eindruck des Ge-\nsammttones wurde aber häufig durch den sehnarrenden Ton der bei-\nden tiefen Saiten des Violoncells gestört, was den Wunsch veran-\nlasste, dass Herrn Schmit's Virtuosität bald auf einem recht schönen\nklangvollen Instrumente sich möge geltend machen können. Allen\nRespect vor der reinlichen und sicheren Ausführung der Figuren,\naber die Hauptsache im Quartett bleibt der Ton; nirgends so wie\nhier ist das Wort eine Wahrheit: „C'est le ton qui fait la musique.\"\nHerr Seiss trug die Clavier-Partie des herrlichen Mozart'sehen Quar-\ntetts mit schönem Anschlag und hübschem Tone vor. Er wird sich\nüberzeugt haben, dass Mozart's Musik, so wenig technische Schwie-\nrigkeiten sie auch dem heutigen Pianisten bietet, dennoch der gross-\nten Aufmerksamkeit beim Vortrage bedarf. Auch der Ausdruck be-\ndarf derselben in Verbindung mit einem richtigen Gefühl, da Mozart\nnicht jede Note, die zu betonen ist (z. B. in dem Mittel-Thema des\nletzten Satzes) mit einem oder sfz, wie die Neueren, bezeichnet.\nFräulein Niethen sang zwischen den Quartetten drei Lieder von\nund Mendelssohn mit ihrer frischen, lieblichen Salonstimme\nund einfachem Vortrage; sie brachten ihr verdienten Beifall ein.\nHailiiovei*. Herr Kammermusicus Heinemeyer sen. Hier-\nselbst beabsichtigt dem Vernehmen nach, in der nächsten Zeit die\nMethode seiner Kunst zu veröffentlichen und einen Lehr-Cursus\nfür Flötenspieler von Fach zu veranstalten. Wir glauben, darauf\num so mehr aufmerksam machen zu sollen, als Heinemeyer ohne\nZweifel gegenwärtig, mit Ausnahme etwa von Tulou in Paris, als\nder Einzige dasteht, dem man das höchste Virtuosenthum in seinem\nFache zusprechen darf, sowohl was Ton und Technik als geniale\nBehandlung des Instrumentes und Gediegenheit des Vortrages anbe-\nlangt. Es ist gewiss im höchsten Grade zu wünschen, dass die rei-\nchen Früchte seiner gründlichen Studien durch Mittheilung an jün-\ngere Fachgenossen der Welt zu Gute kommen."}]}