{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-11-30-01", "volume": "bmtnabi_1861-11-30_01", "ocr_sha256": "78075d210bf2ec90701613cd8dc22c13345276f96c7fbd58777b3f89865c3f82", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/11/30_01/bmtnabi_1861-11-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-11-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "377", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 399, "texte": "Inhalt.\nCherubini. I. Aus Bremen (Eröffnung der Winter-Saison durch den Künstler-Verein). Von F. P. Drittes Ge-\nsellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Magdeburg*, Abonnements-Concerte — Wien, Wag-\nner's Tristan und Isolde — Pesth — Amsterdam, Concert, August Kömpel, C. A. Bertelsmann f — London, Fürst G. 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September 1760 geboren. Die\nallgemeine Annahme dieses Datums stützt sich auf die No-\ntiz, welche der grosse Meister selbst im Jahre 1809 dem\nVerfasser des Dictionnaire hist Cho-\nron, mitgetheilt. Dagegen hat er in dem eigenhändigen\nVerzeichnisse seiner Compositionen, welches von Bottee\nde Touhnon zu Paris im Jahre 1843 aus seinem Nach-\nlasse herausgegeben, den 14. September als seinen Ge-\nburtstag bezeichnet.\nIn demselben Jahre 1760 ernannte der Fürst Ester-\nhazy den achtundzwanzigjährigen Haydn zu seinem Capell-\nmeister; der siebenjährige Mozart wurde drei Jahre später\nzum ersten Male in Paris bewundert, und zehn Jahre spä-\nter als Cherubini erblickte Beethoven (1770) das Licht\nder Welt.\nCherubini's Vater, Bartolomeo, war Musiker. Er gab\nin Florenz Unterricht und war Be-\ngleiter am Ciavier, bei dem Theater der Pergola. Der\njunge Knabe erhielt schon in seinem sechsten Jahre Mu-\nsik-Unterricht. Neun Jahre alt, lernte er Harmonie und\nGeneralbass bei Felici Vater und Sohn und setzte seine\nStudien in der Composition und auch im Gesänge unter\nPietro Bizarri und Joseph Castrucci fort.\nSein ausserordentliches Compositions - Talent ent-\nwickelte sich rasch. Schon in seinem vierzehnten Jahre\nschrieb er eine Messe (die erste in seinem Verzeichnisse)\nund.ein Intermezzo für ein Liebhaber-Theater. Bald da-\nrauf folgten zwei vierstimmige Messen mit Orchester, und\nbis zu seinem siebenzehnten Jahre waren bereits zwei\nxit, mehrere Lamentationen, ein ein Te\nein Oratorium, das in der Peterskirche zu Florenz aufge-\nführt wurde, ein Motetto, ein zweites Intermezzo, eine\nGrosse Cantate und mehrere Opern die Früchte seiner\nschaffenden Tbätigkeit.\nTrotz der Verführungen eines keimenden Ruhmes und\ndes bewundernden Beifalles fühlte der Jüngling das Be-\ndürfniss fortgesetzter, noch tiefer gehender musicalischcr\nStudien, die ihn befähigen konnten, das höchste Ziel zu\nerreichen, zu dem ihn sein Genius unaufhaltsam hintrieb.\nEr sehnte sich danach, unter einem grossen Meister zu ar-\nbeiten, und die Huld Leopold's 11., des Grossherzogs von\nToscana und nachmaligen Kaisers, gewährte ihm die Mit-\ntel dazu. Im Jahre 1777 ging er, im Genuss einer jähr-\nlichen Unterstützung vom Grossherzog, nach Bologna\nzu dem Maestro Sarti, und als dieser im Jahre 1779 als\nNachfolger von Fioroni am Dome zu Mailand nach dieser\nStadt zog, folgte ihm Cherubini auch dahin, so dass er\nbeinahe vier Jahre die Schule dieses berühmten Meisters\nbenutzte.\nDiese Schule war nach der Weise der damaligen ita-\nliänischen Meister weit mehr eine praktische, als eine\nsystematisch theoretische. Das Arbeiten und Schreiben\nnach grossen Mustern war dabei die Hauptsache; dadurch\nwurde das Gebiet der Gesetze der Tonkunst in seinem\nganzen Umfange unter der beständigen Correctur des Mei-\nsters durchgemacht, der aber für diese sich selten auf an-\ndere Gründe als auf die Autorität der Schule einliess. Wir\nfinden daher in dem Verzeichnisse der Compositionen\nCherubini's während dieser Zeit hauptsächlich nur Anti-\nphonien, über den Choralgesang für vier, fünf und sechs\nStimmen, nach Art der alten römischen Kirchen-Compo-\nnisten. Diese Studien-Arbeiten lullen seine Lebens-Periode\nbis zu seinem zwanzigsten Jahre. Er hat also eilf Jahre\nan seiner Ausbildung zum gründlichen Musiker gearbeitet,\neine Ausdauer und ein Ernst, der freilich von der Schnell-\nfertigkeit mancher neueren Componisten gar sehr absticht.\nIndess darf man nicht vergessen, dass diese langen Lehr-\njahre mit dem Brauch und der hergebrachten, oben schon"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5500, "texte": "erwähnten Unterriehlsweise der damaligen Tonsetzer zu-\nsammenhingen, welche ein rationelles, systematisch fort-\nschreitendes Lehr-System nicht kannten, wenigstens nicht\nanwandten. Dass Cherubini aber durch diese Studienweise\nein überall sicherer, vollkommener Meister der Tonsetz-\nkunst geworden, zeigen alle seine nachherigen Compositio-\nnen auf unwiderlegliche Weise; als Lehrer der Theorie\naber blieb ihm von jener Schule her eine gewisse Unbe-\nholfenheit im wissenschaftlichen Erklären. Während er\nfür alle Sätze die vortrefflichsten Beispiele bei der Hand\nhatte, welche den Reichthum und die Gründlichkeit seines\nWissens offenbarten, verschmähte er, oder fiel es ihm auch\nwirklich schwer, dasjenige, was er praktisch in höchster\nVollkommenheit hinstellte, theoretisch zu erläutern, und\ner wurde verdriesslich, wenn man die halben Andeutun-\ngen, die er gab, nicht verstand.\nAber er hat ja doch im Jahre 1835 ein theoretisches\nLehrbuch: „Cours de Contrepoini et de fugue\", heraus-\ngegeben; wie stimmt das mit obigen Angaben?\nDarüber gibt uns in seiner zweiten Ausgabe\nder Biographie universelleAufschluss, der um so zuver-\nlässiger sein dürfte, als Fetis selbst Cherubini's Unterricht\ngenossen hat. Nach ihm hat „Cherubini niemals daran ge-\ndacht, ein Lehrbuch der Art zu schreiben. Wohl aber\nhatte er für seine Schüler Muster-Beispiele über alle Ar-\nten des Contrapunktes, des einfachen und doppelten, der\nImitation, des Canons und der Fuge gemacht. Vor der\nSammlung derselben befanden sich ein paar Blätter Grund-\nregeln, die ziemlich dasselbe enthielten, was Mattei in sei-\nnem Werke*) gegeben hat. Alle Schüler Cherubini's ha-\nben diese Blätter abgeschrieben und wissen, was es damit\nauf sich hat. Nun kam Jemand, ich weiss nicht, wer, auf\nden Gedanken, diese Beispiel-Sammlung zu einer Specu-\nlation zu benutzen. Man musste aber doch einen Text da-\nzu haben. Cherubini wollte keinen schreiben, und so über-\nnahm Haldvy die Aufgabe. Auf diese Weise ist Cherubi-\nni's Cursus über den Contrapunkt entstanden.\" Eben\nso hat sich Cherubini an den verschiedenen „Schulen\"\ndes pariser Conservatoires nur praktisch betheiligt, aber\nallerdings in vortrefflicher Weise, wie namentlich bei der\n„Gesangschule\" durch seine classischen Solfeggien, bei\nder „Violin- und Violoncellschule\" durch die Begleitun-\ngen der Beispiele.\nUebrigens hatte Sarti seinen Lieblingschüler nicht\nbloss mit contrapunktischen Studien beschäftigt, sondern\nman ersieht aus Cherubini's eigenen Aufzeichnungen vor\nseinem Kataloge, dass er ihn auch in die dramatische\nComposition einweihte und ihn die Arien u. s. w. der zwei-\nten Rollen in seinen Opern componiren liess.\nIm Herbste des Jahres 1780 begann Cherubini in\nseinem zwanzigsten Lebensjahre seine Laufbahn als dra-\nmatischer Componist mit der Oper Quinto Fabio, die in\nAlessandria während der Messe aufgeführt wurde. Er ver-\nzeichnet sie mit dem Zusätze: „Das war meine erste Oper;\nich hatte damals mein neunzehntes (zwanzigstes?) Jahr\nvollendet\" ohne irgend eine Bemerkung über den Er-\nfolg, der dem Anscheine nach nicht durchschlagend war,\nda Cherubini für 1781 keine Aufforderung zur Compo-\nsition einer Oper erhielt und während dieses ganzen Jah-\nres nichts für das Theater schrieb, ausser einer Oper, die\ner, für Venedig bestimmt, zwar anfing, aber aus unbe-\nkannten Gründen nicht vollendete.\nDagegen war das Jahr 1782 auffallend reich an Com-\npositionen, die er zum Theil wohl auch schon im vorigen\nJahre vorbereitet haben mag. Es wurden drei grosse drei-\nactige Opern von ihm gegeben : in der Carnevals-\nzeit in Florenz, Adriano in Siria im Frühjahre in Livorno\nzur Eröffnung des neuen Theaters, und im\nHerbste zu Florenz. Ausserdem schrieb er in demselben\nJahre zehn Notturno's für zwei Stimmen, vier Melodieen\nfür eine Stimme, eine Arie mit Orchester für Crescentini,\neine für Bubini (einen älteren Tenoristen dieses Namens)\nund zwei Duette für einen Engländer mit Begleitung von\nzwei CorB d'amour*).\nUnter dem Jahre 1783 erfahren wir aus dem Kata-\nlog die bis dahin unbekannte Thatsache, dass Cherubini\neine zweite Oper Quinto Fabio geschrieben, welche zu Rom\nim Januar jenes Jahres gegeben wurde. In demselben\nJahre führte man in Venedig seine Opera bujfa: „Lo\nSposo di tre, marito di nessuna\", auf.\nAus gleichzeitigen Zeitschriften ersieht man, wie Che-\nrubini damals schon ein gefeierter Name in Italien war.\nDie letztgenannte komische Oper scheint in Venedig Er-\nfolg gehabt zu haben; man nannte ihn dort il Cherubim.\n„weniger aus Anspielung auf seinen Namen, als wegen\nder Schönheit seiner Melodieen\" von\n1784); ja, die Jesuiten in Florenz stellten, um ihre Kir-\n\n*) Pater Matt ei, Martini's treuester Schüler, starb 1825 in sei-\nner Vaterstadt Bologna. Er hintcrliess ein theoretisches Werk:\nJPratica (TAccompagnamento sopra bassi numerati etc. con di-\nverse fughe Bologna, 1825 und 1830, in drei Bänden, in\nwelchem jedoch ebenfalls nur die Beispiele vortrefflich sind.\nSeinen ungeheuren Ruf als Lehrer hat er also auch seiner\npraktischen Unterrichts-Methode zu verdanken gehabt. Fetis\nkann nur dieses Buch meinen, da von Mattei kein anderes\ntheoretisches Werk bekannt ist.\n*) Cor d'amour, Amorshorn oder auch Amorschall, nannte\nder russische Hofmusicus Kol bei sein um 1760 durch Klap-\npen und einen halbrunden Deckel auf dem Schalltrichter ver?\nbessertes Horn. Man verfolgte diese erste Idee eines Klapp-\nhorns nicht weiter, weil die bald darauf erfundenen „Inven-\ntionshörner\" näher zu dem Ziele führten, das man am Ende\ndurch die Ventilhörner erreichte."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5331, "texte": "che zu einem wohlthätigen Zwecke zu füllen, ein Orato-\nrium aus Musikstücken der Opern Cherubini's zusammen,\nund er selbst componirte ihnen zwei neue Chöre dazu\n(1787). In demselben Jahre lieferte er dem Theater in\nFlorenz die Oper L'ldalidein zwei, und dem Theater zu\nMantua den Alessandro nelle in drei Acten.\nIm Herbste 1784 reis'te er nach London. Er schrieb\ndort zuerst einige Gesangslücke für so genannte Pasliccio's,\ndas ist Opern von mehreren Componisten; ein Finale zu\neiner derselben, Demetriogenannt, erregte besonderen\nBeifall. Dann trat er im folgenden Jahre auf dem Theater\nSr. Majestät mit der komischen Oper\nauf und errang einen entschiedenen Erfolg. Weniger glück-\nlich war er 1786 mit seinem Diese Oper\nfiel gänzlich durch und erlebte nicht einmal die zweite\nVorstellung; doch sagt Burney, sie sei durch die Sänger\n„gemordet\" worden. Verdriesslich über dieses Missge-\nschick, verliess er London im Juli 1786 und ging nach\nParis, ohne zu ahnen, dass er hier seinen bleibenden Auf-\nenthalt und den günstigsten Boden für seine künstlerische\nThätigkeit finden würde.\nDoch war sein Anfang in Paris auch kein besonders\nglücklicher. Er schrieb eine grosse Cantate,\nbetitelt (153 Seiten Partitur handschriftlich) für die Loge\nOlympique,allein sie kam nicht zur Aufführung. Für den\nCarneval von 1787 wurde er nach Turin berufen und gab\ndort seine Ifigeniamit glänzendem Erfolg, der sich auf\nden Theatern zu Mailand, Parma und Florenz wiederholte.\nEs war dies die letzte Oper, die er in und für Italien\nschrieb; er reis'te nach den Aufführungen in Turin nach\nParis zurück, um dort seine erste französische Oper zu\nschreiben.\nMit dieser hatte es folgende Bewandtniss. Die Direction\nder grossen Oper halte dem Componisten Vogel, dessen\nMusik zum „goldenen Vliess\" gefallen hatte, die Compo-\nsition der Oper „Demophon\" von Marmontel aufgetra-\ngen. Vogel, ein lebenslustiger Mann, der fröhliche Gesell-\nschaften oft der Arbeit vorzog, liess fast zwei Jahre auf die\nVollendung warten und starb darüber hin (den 28. Juni\n1788). Schon bei seinem Leben hatte man Cherubini statt\nseiner den Text der Oper übergeben, und den 2. Decem-\nber 1788 kam sie zur Aufführung. Sie hatte keinen be-\ndeutenden Erfolg, das Publicum nahm sie im Gegentheil\nkalt genug auf und schrieb ihr im Ganzen den schlimmen\nCharakter der Langweiligkeit zu. Kennern fiel im Vergleich\nzu Cherubini's letzter italiänischer Oper vorzüg-\nlich der Mangel an Melodie auf, die dort in reicher Fülle\nvorhanden war, während Demophon nur ein paar Melo-\ndieen hatte, die Auszeichnung verdienten. Wenn daher\ndie Franzosen von dieser Oper an eine völlige Umwand-\nlung des Stils von Cherubini datiren wollen, so ist das nur\nein Auslluss nationaler Eitelkeit, weil es der erste franzö-\nsische Text war, den der Meister componirte. Richtiger\ndürfte man, wie Felis es auch thut (trotzdem, dass er\neinige Absätze vorher ebenfalls jene Behauptung nach-\nschreibt), gerade in dem Zwange, den der französische\nText und die unrhythmischen Verse Marmontel's ihm an-\nlegten, die Entschuldigung der Schwäche des Werkes zu\nsuchen haben.\nDie wirkliche Umwandlung der Schreibart Cherubi-\nni's, oder richtiger: der vollständige Durchbruch seiner\nVorstellungen von dem Charakter dramatischer Musik, und\ndie Offenbarung eines Genie's, das im Stande war, diesen\nIdeen Leben zu verleihen, traten erst in der Oper Lo-\ndoiska zu Tage. Während er die musicalische Direction\neiner italiänischen Gesellschaft in dem Theater\nSt. Germain (1789) führte und für diese mehrere vor-\ntreffliche Einlagen in Opern von Paesiello, Cimarosa und\nAndere schrieb, auch noch einen anderen Opern-Text:\n„Margaretha von Anjou\", componirte, aber nicht vollen-\ndete (acht Nummern davon befinden sich unter seinem\nNachlass), arbeitete er vorzugsweise an der Lodoiska, die\nim Jahre 1791 aufgeführt wurde und einen ungeheuren\nErfolg hatte. Nach jeder einzelnen Nummer erhob sich\ndas ganze Publicum, um dem Meister Beifall zu klatschen').\nDiese Musik eröffnete eine neue Bahn für die franzö-\nsische Oper. Während Cherubini den Grundsatz der dra-\nmatischen Wahrheit, der Uebereinstimmung der Musik\nmit den Situationen des Drama's und dem poetischen Aus-\ndruck derselben, wie ihn Gluck aufgestellt halle, in der\nMelodie ebenfalls verwirklichte, trat bei ihm eine grössere\nTiefe der Intention, eine vollere und kühnere Harmonie\nund eine Instrumentation hervor, welche durch Reichthum\nund charakteristische Anwendung besonders der Blasin-\nstrumente nach ihren eigenthümlichen Klangfarben das\nOrchester nicht nur als Grundlage des Gesanges, sondern\nzugleich als nothwendige Ergänzung desselben, als gleich-\nberechtigten Factor zu der theatralischen Wirksamkeit des\nGanzen auf eine glänzende Weise einführte. Cherubini\nwurde dadurch für Frankreich der eigentliche Schöpfer\nder neueren dramatischen Musik, derjenigen, welche die\nFranzosen im guten Sinne la musique d'effet nennen. So\ngewiss diese Art der Composition dem musicalischcn Dra-\nma am angemessensten ist und der modernen Anschauungs-\nund Empfindungsweise, im Gegensatz der antiken, am ent-\nsprechendsten, so hoch also Cherubini eben desshalb ge-\n\n*) Nach einer anderen Ueberlieferung soll diese ausserordentliche\nEhrenbezeigung des begeisterten Publicums bei der ersten Auf-\nführung der Delix Journees („Der Wasserträger') einige Jahre\nsnäter Statt erefunden haben.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5423, "texte": "stellt werden muss, so weinig darf man ihn für die Rich-\ntung verantwortlich machen, welche die Effect-Musik nach-\nher und besonders in unserer Zeit durch Meyerbeer ein-\ngeschlagen hat.\nIn wie weit Mozart auf Cherubini und die durch ihn\nin der französischen Musik bewirkte Umwälzung einge-\nwirkt habe, ist eine Frage, welche gewöhnlich, besonders\nin deutschen musikgeschichtlichen Schriften, mit dem all-\ngemeinen Ausspruch abgethan wird, dass „eine nähere\nBekanntschaft mit den Werken Haydn's und Mozart's\" die\nbreitere und tiefere Manier Cherubini's veranlasst habe.\nDer Beweis dieser Annahme dürfte aber schwer fallen, so-\nwohl in historischer als in musicalisch-kritischer Hinsicht.\nDie erstere ist die entscheidendste. Mozart's Figaro wurde\n1786 (den 1. Mai), sein Don Giovanni 1787 (den 4. No-\nvember) zum ersten Male aufgeführt, blieben aber in Frank-\nreich gänzlich unbekannt; die Zauberllöte und das\nquiem schrieb aber Mozart bekanntlich erst im Jahre 1791;\ndiese Meisterwerke konnten also vollends auf Cherubini's\nLodoiska, welche er in den Jahren 1790 und 1791 com-\nponitte und welche ebenfalls 1791 zum ersten Male auf-\ngeführt wurde, keinen Einfluss ausüben. „Figaro's\nHochzeit\" wurde selbst in Wien in den Jahren 1787\nund 1788 gar nicht gegeben und kam erst im August\n1789 wieder auf die Bühne; in Berlin zuerst den 14.\nSeptember 1790. In Paris fand im Jahre 1793 also\nzwei Jahre nach der ersten Aufführung der Lodoiska\nein unglücklicher Versuch Statt, Beaumarchais' Lustspiel\nmit der Musik Mozart's in Verbindung zu setzen und so\naufzuführen*). Nach Italien kam Mozart's Figaro auch erst\nim Jahre 1793, und zwar ohne Erfolg in Mailand, Flo-\nrenz u. s. w. Und nun gar Don Giovanni! Die erste,\nentsetzlich verstümmelte Aufführung dieses Meisterwerkes\ndramatischer Musik erlebte Paris erst im Jahre 1805. In\nseiner ursprünglichen Gestalt gab es die ilaliänische Oper\nzum ersten Male im Jahre 1811.\nHiernach ist es also, da Cherubini seit dem Frühjahre\n1787 bis zur Aufführung der Lodoiska Paris nicht ver-\nlassen, rein unmöglich, dass die Werke des göttlichen\nSchöpfers der deutschen dramatischen Musik dem italiänisch-\nfranzösischen Meister bekannt sein und einen Einfluss auf\nseine neue Richtung haben konnten, zumal wenn man be-\ndenkt, dass diese sich wenigstens im Keime doch schon in\nseinem „Demophon\" (1788) offenbarte.\nIn den folgenden zwölf bis dreizehn Jahren, in denen\nCherubim in Paris für die dortigen Theater thätig war,\nerschienen auf diesen Bühnen die Opern: Elisa ou le Moni\nSt. Bernard,l794, treffliche Musik auf einen ungeniess-\nbaren Text; II Perrucchiero,l796, wahrscheinlich ein\nälteres Intermezzo, für die ilaliänische Gesellschaft in Pa-\nris zurecht gemacht; Medea, 1797, eines seiner gewal-\ntigsten Werke, neuerdings in Deutschland wieder auf die\nBühne gebracht; L'Hötellene portugaise, 1798; die Ope-\nrelten La Punition und La Prisonniere (letztere mit Boiel-\ndieu), 1790; Les deux Journees („Der Wasserträger\"),\n1800, und in demselben Jahre mit Mehul: Ejricure; Ana-\nIi reon 1803 und das Ballet 1804 mit\nganz vorzüglicher Musik, die aber durch den lächerlichen\nInhalt des Ballets (Achilles in Weiberkleidern! nach der\nbekannten Sage) wieder vom Repertoire verschwand.\nDiese Werke, und vor allen „Der Wasserträger\", der\nin Paris selbst weit über 200 und in Deutschland auf al-\nlen Bühnen unzählige Vorstellungen erlebt hat, verbreite-\nten Cherubini's Ruhm durch die ganze gebildete Welt. Das\ngenannte Werk war eine der Lieblings-Opern unseres\nC. M. von Weber. „Stelle Dir meine Freude vor\"\nschreibt er am 30. Juni 1812 aus München an einen\nFreund— „als ich auf der Wirthstafel den Komödien-Zettel\nmit dem Zauberworte Armand liegen sah. Ich war der\nErste im Theater, pflanzte mich voll Erwartung in die Mitte\ndes Parterres und harrte so begierig der Töne, von denen\nich im Voraus wussle, dass sie mich aufs Neue erheben\nund begeistern würden. Dreist glaube ich behaupten zu\nkönnen, dass der Wasserträger ein echt dramatisches, clas-\nsisches Werk ist. Alles ist aufs effectvollste berechnet, alle\nMusikslücke sind so an ihrer Stelle, dass man keines weg-\nlassen und keines dazu thun kann. Lieblicher Reichthum\nvon Melodie, kräftige Declamation und eine Alles ergrei-\nfende Wahrheit in Auffassung der Situationen, ewig neu,\newig gern gesehen und erhalten. Man hat hier Trompeten\nzu der Ouvertüre gesetzt, und ich glaube auch, dass sie\nim Allegro Effect machen können; aber im Einleitungs-\nAdagio sind unstreitig in dem letzten allgewaltigen Cres-\ncendo die einzelnen Stösse, bloss von dem Horn vorgetra-\ngen, von besserer Wirkung und mehr der Steigerung des\nGanzen angemessen, besonders wenn dann mit dem Schlage\nE-dur erst die Trompeten eintreten. Das Duett zwischen\nArmand und Constanze wurde stellenweise vortrefflich ge-\ngeben, der Moment seines Anfangs aber ganz vergriffen.\nHöchst unangenehm ward ich durch eine Verballhornung\nder Composilion im Finale überrascht. Eine der himmlisch-\nsten Stellen ward aus mir völlig unbegreiflichen Ursachen\nganz ihrer Wirkung beraubt. Nachdem der Wasserträger\nmit Marzellinen zankt, unwillig über ihr Widerstreben ist\nund sie in Thränen ausbricht, soll nach diesem Fortissimo\neine Clarinette ganz allein eintreten und die Melodie vor-\ntragen, worauf erst das Fagott und dann das Violoncell\ndazu tritt, der Bruder, seine Schwester tröstend und\nbittend, zu singen anfängt. Diese Stelle ist überall von der\n\n¥;) Vergl. Mozart von O, Jahn. IV. S. 201."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 804, "texte": "höchsten Wirkung. Hier blies nicht nur die Oboe diese\nStelle, auch noch ein Accompagnement hatte man dazu\ngesetzt! Die sehr schwierigen Chöre im zweiten Acte gin-\ngen vortrefflich. Mit Präcision und mit Feuer wurden sie\ngesungen und gespielt. Ueberhaupt war der zweite Act ge-\nrundeter und lebendiger. Im dritten Acte halte ich wieder\nGelegenheit, einige schöne Stellen, die weggelassen wur-\nden, zu bedauern, nämlich die paar Worte der Pachters-\ntochter: „Ach, Antonio kommt noch nicht!\" durch deren\nWegbleiben die Musikstellen so planlos auf einander stos-\nsen. Wenn ich Dir, lieber Freund, viel von dieser Oper\nvorgeplaudert habe, so bedenke, dass man von solchen Mei-\nsterwerken nie genug sagen kann, und dass ein so eifriger\nKunstfreund, wie ich, auf Deine Nachsicht rechnen darf.\"\n- • • i I + , ■■,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-11-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "F. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.5", "debut_caractere": 806, "fin_caractere_exclue": 5312, "texte": "Aus Bremen.\n\nDen 22. November 186J•\nDer hiesige Künstler-Verein hat seine Winter-\nSaison am 13. November eröffnet. In der ersten Ver-\nsammlung trug Herr Professor Gravenhorst Bruchstücke\neiner neuen poetischen Bearbeitung der Odysseus-Sage vor,\nbei welcher er die Homerischen Gesänge in ähnlicher\nWeise, aber noch freier und selbstständiger nachgebildet\nund in moderne Formen gebracht hat, wie er es früher\nbei den griechischen Tragikern gethan. Wie wir verneh-\nmen, ist die Arbeit vollendet und wird bald in ihrer gan-\nzen Ausdehnung dem Publicum zugänglich sein. Nach je-\nnem Vortrage vereinigten sich drei Mitglieder der musica-\nlischen Abtheilung des Vereins, die Herren Streudner,\nC. Schmidt und Cabisiusy?m. zu einem Trio in B-dur\nvon Anton Rubinstein und erwarben sich durch leben-\ndige und treffliche Ausführung der Composition allseitige\nAnerkennung.— Die Versammlung vom 20. war der Er-\ninnerung an Händel gewidmet. Die Veranlassung dazu\ngab vornehmlich die den eifrigen Musikern des Vereins\ndargebotene Gelegenheit, ein fast nie gehörtes Werk des\ngrossen Meisters auszuführen. Es ist das eines oder richti-\nger zwei der so genannten Oboen-Concerte oder concer-\ntirenden Orchesterwerke, welche Händel während der\nJahre 1716 bis 1720 componirt hat, als er Musik-Direc-\ntor beim Herzog von Chandos (zu Cannons bei London),\ndem berühmtesten englischen Kunst-Mäcen seiner Zeit,\nwar. Diese Compositionen sind wahrscheinlich im vorigen\nJahrhundert nie in Deutschland bekannt geworden, im\njetzigen jedenfalls nur einmal in Dresden, und zwar im vo-\nrigen Winter, und jetzt hier zu Gehör gebracht. Der Bio-\ngraph Händel's, Dr. F. Chrysander, hatte die Freund-\nlichkeit, die in seinem Besitze befindliche Partitur dem hie-\nsigen Künstler-Vereine zur Verfügung zu stellen. DieCom-\npositionen sind für Violine, Bratsche, Violoncell, Contra-\nbass, Flöte, Oboe und Fagott gearbeitet, wurden stark\nbesetzt und nach sorgfältigen Vorstudien unter der Leitung\ndes Herrn Musik-Directors Reinthaler ausgeführt. Nicht\nbloss als Proben der Denkweise und Instrumentation der\nZeit und des Meisters sind diese Concertanten von Interesse;\nsie sind gross und bedeutend gedacht und verrathen in der\nAusführung den Geist ihres Schöpfers, der sich in den\nspäteren Zeiten so gewaltig entwickelte. Sie werden in Ge-\nmeinschaft mit anderen verwandten Werken Händel's, den\nOrgel-Concerten, der Wassermusik u. s. w. gerade jetzt\nzusammengestellt und zur Herausgabe vorbereitet. Den\nOboen-Concerten ging der Vortrag einiger der schönsten\nBass-Arien Händel's voran, nachdem im Beginn der Ver-\nsammlung in einer biographischen Einleitung ein Blick in\ndie Thätigkeit des grossen Mannes nach ihren drei Haupt-\nPerioden— den Lehr- und Wanderjahren bis 1720, der\nOpernthätigkeit von da bis 1740, und der grossen Ora-\ntorienzeit von der Entstehung des „Messias\" bis zum Tode\ndes Meisters im Jahre 1759 eröffnet war.\nDas zweite Privat-Concert vom 19. stellte sich durch\ndas Ciavierspiel der Frau Dr. Clara Schumann dem\nersten, in welchem wir Joachim zu begrüssen hatten,\nwürdig zur Seite. Die ausserordentliche Frau, die wir im\nvorigen Winter eben so wie Joachim schmerzlich vermiss-\nten, setzte die Zuhörer, welche sie mit lebhafter Freude\nbegrüssten, in Staunen durch die Schönheit und geistige\nFrische ihres Spiels, das im Laufe der Zeit auch nicht die\ngeringste Einbusse erlitten hat, vielmehr noch immer die-\nselbe Kraft und dieselbe makellose Würde besitzt, die seit\nso vielen Jahren alle Welt entzückt haben. Im Grunde ist\nes überflüssig, zu bemerken, dass die Ausführung des Con-\ncertes in G-dur von Beethoven eine ausgezeichnete, durch\nSauberkeit, Milde und Kraft hervorragende war; allein es\nmag erwähnt werden, damit ein ganz besonders herzlicher\nDank für die Wahl dieses Werkes sich daran schliesse.\nAuch für den Vortrag des Carnevals, einer der ersten\nCompositionen ihres Gatten, sind wir der Meisterin zu\nDank verpflichtet. Die innige Liebe, mit welcher sie durch\nihre Kunst das Gedächtniss des hochbegabten Mannes ehrt,\nan dessen Seite sie so glückliche und so schreckliche Stun-\nden verlebte, hat etwas Rührendes und Ergreifendes. Was\nsie für ihn und seine Werke thut, das ist gewichtiger und\nmächtiger, als alle Anstrengungen Berufener und Unbe-\nrufener für die Verbreitung der Schumann'schen Compo-\nsitionen. Sollen wir offen sein, so hätten wir noch weit\nlieber eines der werthvolleren Ciavierstücke, die er ge-\nschaffen hat, gehört. Wenn man so selten und so wenig\nin dieser herrlichen Weise wiedergegeben erhalten kann."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4526, "texte": "so streckt man gern die Hand nach dem Besten aus, was\nzu haben ist. Dazu wird dieser Carneval nicht zu rechnen\nsein; denn so interessant und pikant er ist, so sehr er be-\nweist, dass ein Scherz, den ein geistreicher Mann macht,\nauch geistreich gemacht wird, so ist er doch eben ein\nScherz, der die Zeit und die Umgebung, unter denen er\nentstand, nicht verläugnet.— Die Ausführung der zweiten\nSchumann'schen Sinfonie in C-dur war eine Huldigung\ndes Orchesters zu Ehren der Frau des Componisten. Wir\nhörten diese Sinfonie im vorigen Winter; sie ist dem Or-\nchester geläufiger geworden, als damals, wo sie für uns\nneu war, und hatte sich einer klaren und sicheren Wie-\ndergabe zu erfreuen. Sähe es nicht wie eine Rechthaberei\naus, so könnte gesagt werden, die erste Sinfonie in\nhabe wohl den Vorrang verdient; gewichtiger und bedeu-\ntender ist sie jedenfalls. Dem Orchester hatten wir weiter\nnoch für die zierlichen und duftigen Klänge der Figaro-\nOuverture von Mozart und die imposante Gewalt der Leo-\nnoren-Ouverture (Nr. 3, C-dur)von Beethoven zu danken.\nNeben solchen Nachbarn hatte der Gesang des von\nLeipzig herübergekommenen Fräuleins Mathilde Ene-\nquist-Biondini aus Paris einen schweren Stand. Die\nSängerin, welche Mendelssohn's Concert-Arie und eine\nelegante Coloratur-Arie von Masse mit Violin-Begleitung\nvortrug, hat eine hohe, kräftige und wohlklingende So-\npranstimme, welche Eindruck machte. Ein Anflug von\nHärte wird sich, da die Sängerin jung ist, gewiss bald ver-\nlieren, und wenn sie neben der Technik auch des seelen-\nvollen Ausdrucks mächtig wird, so kann es ihr an bedeu-\ntenden Erfolgen im Concertsaale nicht fehlen.\nVon der Oper gibt es viel und zwar wesentlich Gutes\nzu berichten. Es musste von Grund aus ein neues Gebäude\naufgerichtet werden, und wir haben so lange gewartet,\nbis die Bausteine zusammengetragen waren. Es nützt nicht\nviel, wenn getreulich berichtet wird, ob dieses oder jenes\nFräulein gut disponirt gewesen sei und vortheilhafte Toilette\ngemacht habe. Es ist weit wichtiger, zu fragen, ob in der\nLeitung von oben herab ein reger und ehrlicher Sinn für\nhöhere Interessen thätig sei und dem zufolge dem gesamm-\nten Treiben des Instituts sich mitlheile. Ein Stadttheater,\ndas ganz auf sich selbst angewiesen ist, mit materiellen\nSchwierigkeiten aller Art zu kämpfen hat, keinen Anhalt\nfindet ausser der Gunst der öffentlichen Meinung eine\nsolche Bühne hat bei beschränkten Mitteln eine ganz un-\nendlich schwierige Stellung. Jeder Abonnent ist ein Kriti-\nker, jeder hat sein eigenes, natürlich immer unumstössli-\nches Urtheil; für das schwere Geld, welches er bezahlt,\nmuss ihm täglich ein anderes Stück, wo möglich mit De-\nvrient oder Dawison, geliefert werden. Wir haben hier zu\nLande alle Leiden und Freuden einer städtischen Theater-\nDirection durchgemacht, alle möglichen Nuancen erlebt.\nEinige Jahre hindurch wurde die Speculalion auf Gast-\nspiele berühmter Künstler durchgeführt und brachte glän-\nzende Besultate, bis diese Richtung sich abgenutzt hatte.\nWir sind jetzt endlich auf einen besseren Weg gekommen,\nund es winkt von fern ein besseres Ziel. Seit acht Jahren\nwird zum ersten Male wieder die Sache der Thalia mit\nErnst und anständigen Vorsätzen gehandhabt; man geht\nauf den gesunden Sinn, der im Publicum stets vorhanden\nist und eben nur geweckt werden muss, zurück und schafft\nsich sofort einen fruchtbaren Boden. Für vernünftige Leute\nist es ein wohllhuendes Gefühl, dass die Direction, der sie\nsich anvertrauen, Anstands-Begriffe und den Aufgaben\ngegenüber, die zu lösen sind, Pietät für das Grosse und\nkünstlerischen Sinn für das Schöne hat. Man muss geste-\nhen, dass nicht bloss vielerlei, sondern auch viel geleistet\nwird, und dass geradezu Mangelhaftes zu den Seltenheiten\ngehört. Die Oper ist zu einer Entwicklung gefördert wor-\nden, der gegenüber nur Unverstand oder eingefleischte\nTadelsucht sich spröde verhalten können. Herr Capellmei-\nster Hentschel hat mit staunenswerter Unermüdlichkeit\nund Arbeitskraft, und dabei mit der Anspruchslosigkeit,\nwelche eine Zierde des echten Fleisses ist, seine unendlich\nschwere Aufgabe gelös't, ohne dabei zu klagen und viel\nvon sich reden zu machen, was überhaupt nur die Leute\nthun, welche ein schlechtes Gewissen haben. Er hat da-\n/\ngegen die Freude, nicht bloss bei allen guten unter den\nseiner Leitung Zugewiesenen, sondern auch im Allgemei-\nnen bei allen Freunden der Sache die Anerkennung zu\nfinden, die ihm in vollem Maasse gebührt, die er nicht ge-\nfordert, aber mit Mühe und Fleiss erworben und ver-\ndient hat.\n\nF. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-11-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "383", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.2.4", "titre_corps": "Drittes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.6", "debut_caractere": 4528, "fin_caractere_exclue": 5526, "texte": "Drittes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag den 26. November 1861.\nProgramm. Erster Theii. 1. Ouvertüre zu Hamlet von\nNiels W. Gade (zum ersten Male). 2. Concert (Nr. 2) für Violon-\ncello von Göltermann, vorgetragen von Herrn A. Schmit, Leh-\nrer am hiesigen Conservatorium. 3. Ave Maria für weiblichen Chor\nmit Orchester-Begleitung von Johannnes Brahms (zum ersten\nMale). 4. Sinfonie in G-moll von W. A. Mozart.\nZweiter Theil. „Die erste Walpurgisnacht\" von Göthe, für\nSoli, Chor und Orchester von F. Mendelssohn-Bar tholdy.\nDie beiden Neuigkeiten hatten sich mehr eines Succfa (Testime,\nals eines enthusiastischen Beifalls zu erfreuen. Gade's Ouvertüre,\nauch abgesehen von der sonderbaren Idee (die freilich auch schon\nein paar andere Componisten ergriffen hat), einen musicalischen Pro-\nlog zu einer Tragödie wie Shakespearers Hamlet zu schreiben, da\ndiese in ihrem Ganzen durchaus keinen Anhalt für einen musi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1600, "texte": "calischen Ausdruck darbietet, ist, auch bloss musicalisch genommen,\nkein Werk der Begeisterung, sondern ein gewöhnliches, hübsch ge-\nmachtes Musikstück, das jedoch die Vorzüge einer originellen In-\nstrumentirung, wodurch Gade's Sinfonieen bestechen, nicht theilt.\nDas Ave Maria von Joh. Brahms verzichtet freiwillig auf den\nEindruck, den ein rein gesungener Frauenchor stets auf uns macht,\ndurqjh Hintansetzung der harmonischen Einfachheit, welche die Chöre\nfür weibliche Stimmen durchaus erfordern. Grelle Modulationen und\nscharf einschneidende durchgehende Noten stören, weil sie den\nschroffen Gegensatz zu der Anvnuth und Milde des weiblichen Cha-\nrakters bilden. Auch die Motive oder vielmehr das Motiv, denn es\nist nur eines da, entbehrt der Sprache der Innigkeit und Andacht,\nwelche das Gebet verlangt.\nDie Ankündigung der Sinfonie in G-moll erfreute schon auf\ndem Programm die Freunde der wahren Musik, und ihre Erwartun-\ngen wurden durch eine vortreffliche, feine und, wo es hingehört, lei-\ndenschaftliche Ausführung vollständig befriedigt.\nMendelssohn's „Walpurgisnacht\" erhielt wie immer den\nlebhaftesten Beifall des Publicums. Wir müssen aber auch sagen,\ndass wir nur selten eine so gelungene Aufführung dieses eigentüm-\nlichen, genialen Werkes gehört haben, wie die am Dinstag. Die bei-\nden Haupt-Solo-Partieen, Tenor und Bass, wurden von den Herren\nA. Pütz von hier und J. Remmertz aus Düsseldorf ebenfalls\nvorzüglich gut gesungen, so dass das Ganze bei den trefflichen Chor-\nund Orchesterkräften unter einer Leitung, wie man sie von F. Hiller\ngewohnt ist, einen grossen Eindruck machte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-11-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-11-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-11-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "384", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "K. A. Mayer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.7", "debut_caractere": 1602, "fin_caractere_exclue": 6971, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\n** 15. November. In unserer musicalischen\nWelt herrscht ein reges Leben. Die Abonnements-Concerte unserer\nvier geschlossenen Gesellschaften' haben bereits begonnen; Laub\nund Johanna Wagner haben grosse Triumphe darin gefeiert. In\nder nächsten Woche kommt hier die Missa solemnis in D von Beet-\nhoven zur Aufführung, wras Sie um so mehr interessiren wird, da\ndie Aufführungen in Köln und Ihre Aufsätze über das herrliche\nWerk in der Niederrheinischen Musik-Zeitung und in der Kölnischen\nZeitung so viel dazu beigetragen haben, dass man endlich überall,\nwo sich die Möglichkeit dazu darbietet, daran denkt, diese heilige\nSchuld an den grossen Meister abzutragen.\nAus Wien wird vom 10. November geschrieben: „Richard\nWagner ist vorgestern nach Venedig abgereis't, wo er einige Zeit\nzu bleiben gedenkt. Die Frage, welche unsere musicalischen Kreise\nso lange in Spannung erhielt, ob nämlich Wagner's Tristan und\nIsolde hier zur Aufführung kommen werde oder nicht, ist factisch\ngelös't. Man kaufte Wagner die Partitur ab, zahlt ihm ein anstän-\ndiges Honorar (gleichsam als Entschädigung seines längeren frucht-\nlosen Aufenthaltes in Wien) und gibt die Oper nicht. Bei ihrer\ngänzlichen Melodieenlosigkeit, ja, ihrem Mangel an jeder melodischen\noder rhythmischen Symmetrie, bietet diese Oper dem Gedächtnisse\nder festesten Sänger so unknackbare Nüsse, dass ein witziger Mu-\nsiker meinte, es miisste Wagner zuvor auch für eigene Zukunfts-\nGedächtnisse sorgen. Vor seiner Abreise liess Wagner in ganz ver-\ntrautem Kreise die Ouvertüre und mehrere Scenen des ersten Actes\nprobiren. Als der Componist einige befremdete Mienen erblickte,\näusserte er, er sei mit der „ „Isolde\"\" allerdings einige Schritte über\nden „„Lohengrin\"\" weiter gegangen. „„Sagen Sie hundert Meilen!\"\"\nerwiderte Ander. In der That hat man sich durch eine Clavier-Probe\nvollkommen überzeugt, dass die Vorbereitung des „„Tristan\"\" durch\nzahllose Proben die Stimmen der Sänger ruiniren und die ersten\nMitglieder durch längere Zeit dem Publicum ganz entziehen würde.\"\nlßestli, 9. November. Ein mit grossem Eclat angezeigter Gast,\nder aber kaum mehr als massigen Erfolg davontrug, war Herr Mu-\nsard, Capellmeister aus Paris. Ein Programm, aus Walzern und\nQuadrillen zusammengesetzt, höchstens noch einigen leichten Ouver-\ntüren, mit Grand Concert zu betiteln, ist denn doch etwas zu frei-\nmüthig, und hätte höchstens in einen Speisesaal, aber nicht ins\nTheater gehört Das einzig Interessante in diesen Concerten waren\ndie von Herrn Legendre auf dem Cornet ä Piston executirten\nSoli, die eine überraschende Virtuosität in der Behandlung dieses\nbeinahe spröde zu nennenden Instrumentes bekundeten.\n*** Amsterdam, 14. November. In dem gestrigen grossen\nVocal- und Instrumental-Concerte im Park-Saale, veranstaltet von\nHerrn J. Ed. Stumpff, hörten wir ein italiänisches Sänger-Quartett,\ndie Damen Pirola und Polachi und die Herren Mea und Bonora, die\nuns mit Soli, Duetten, einem Terzett und Quartett aus Verdi, Flo-\ntow, Donizetti, Rossini und Bellini speis'ten und Beifall erhielten.\nEinen allgemeinen Enthusiasmus aber rief das Violinspiel Ihres\nLandsmannes August Kömpel hervor, der S p ohr's Gesangscene,\nBach s Giaconna und Variationen von David spielte uud das\nganze zahlreiche Publicum durch den hoch künstlerischen Vortrag\ndieser classischen Compositionen hiuriss ein Beweis, wie sehr\nauch unser holländisches Publicum das gediegene Schöne, zumal\nwenn es in so bewundernswerther Ausführung dargeboten wird, zu\nschätzen weiss.\nAm 20. November starb hier C. A. Bertelsmann, Stifter der\nhiesigen Liedertafel „Eutonia\" und langjähriger Dirigent derselben.\nGebürtig aus Soest in Westfalen, gründete er sich durch seine\nmusicalische Tüchtigkeit eine Existenz in Amsterdam und zeichnete\nsich nicht nur als vortrefflicher Dirigent, sondern auch als wissen-\nschaftlich gebildeter Musiker und Contrapunktist und als talentvoller\nComponist besonders für mehrstimmigen Gesang rühmlichst aus.\nILoildoil. In der neuesten Bankerotten-Liste figurirt unter\neiner endlosen Masse so genannter kleiner Leute auch ein Russe\naus altadeligem Geschlechte: „Georg Nikolaus Fürst von Galitzin,\nKammerherr des Kaisers von Russland und Marschall des Gouver-\nnements Tambu, ein Fürst des russischen Reiches, Componist, Mu-\nsikmeister und Director von Concerten.\" Der genannte Fürst lebte\nseit Jahr und Tag in London und hatte zu verschiedenen Malen\nConcerte dirigirt, in denen er russische Musik, darunter viele seiner\neigenen Compositionen, dem englischen Publicum vorführte.\n0 i e JU e ii t s c Sa e Tonhalle\nsetzt auf die Composition beigehenden Preis-Gedichtes für vierstim-\nmigen Männergesang mit Harmonie-Begleitung den Preis von fünf-\nzig Thal e r n.\nMit Ertheiluug des Preises wird auch dieses Gedicht, so wie\nseine Composition, Eigenthum des betreffenden Bewerbers ; bis dahin\naber bleibt es im Besitze unseres Vereins und darf nur zu dieser\nPreisbewerbung benutzt werden.\nDie Bewerbungen sind bis Ende Februar 1862 frei an uns ein-\nzusenden.\nMannheim, im October 1861.\nWer Vorstand der Deutschen Tonhalle«\nPreis-Gedicht.\nSchlag1 deine Augen auf, die blauen,\nGermania L\nDie Herzen, die auf dich vertrauen,\nSind wieder da.\nIn deine blonden Locken flechte*)\n\n*) In einem „Preis* Gedicht\" ein unangenehmer Verstoss gegen\ndie grammatische Form. „Sprich\", „Flicht\" u. s. w. Heisst die\nbefehlende Form."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2453, "texte": "Der Eiche Grün,\nUnd tritt für deine heil'gen Rechte\nZum Kampfe kühn.\n(indem die Sänger die deutsche Fahne entfalten.)\nSchaut herl von uns'rer Hand entrollt,\nErglänzt dein Banner schwarzrothgold,\nUmspielt von Windes Wogen;\n0 schönster Regenbogen!\nWie malen diese Farben gut\nDes deutschen Herzens tiefe Gluth t\nGesunken von dem alten Throne,\nSteh'st du gebückt,\nDie einst war mit der höchsten Krone\nDer Welt geschmückt l\nDoch deine Kraft ist ungebrochen;\nDrum, unverzagt.,\nSprich, wie einst Hutten hat gesprochen :\n„Ich hab's gewagt!**\nDie Nationen sind erwacht\nEin Feuer, das von Gott entfacht.\nDie Geister hoher Ahnen\nUmschweben uns und mahnen:\nHermann's und KaiTs und Luther's Geist,\nUnd Friedrich's, der der Grosse heisst.\nHorch! Schiller's Harfe tönt hernieder\nMit heiligem Klang,\nUnd Freiheitskämpfer singen Lieder\nIm Schlachtendrang.\nAls Erzbild steht am Rheines Ufer\nDer Vater Arndt\nEin Eckart, der als treuer Rufer\nDie Seinen warnt.\n;,Was ist des Deutschen Vaterland?44\nDie Antwort zuckt in unserer Hand,\nWenn unsre guten Degen\nVereint der Gränze pflegen;\nWenn, losgesprengt aus schnöder Haft,\nFrei wieder athmet deutsche Kraft.\nVom Nordmeer bis zur Schweiz zusammen,\nIhr Männer, steht!\nIhr Männer, schürt die heiligen Flammen,\nIhr Greise, fleht\nZu Gott, dass wir die Feinde draussen\nMit Glück besteh'n,\nUnd die in unsern Mauern hausen\nIhr wisst ja, wen !\nAls stolzer Strom dann mächtig eilt\nDie Kraft, in Bäche jetzt getheilt.\nHinweg die alten Dränger!\nWir dulden sie nicht länger.\nVerräther, wer des Fremden Schwert,\nDes Falschen, wider uns begehrt!\nBlickt, Schleswig-Holstein, auf, und Hessen\nAus tiefem Leid;\nIhr seid ja nicht von uns vergessen:\nEs naht die Zeit,\nWo Bruderhülfe heilt die Wunden,\nDie man euch schlug;\nWo Deutschland endlich wird gesunden\nVon Lug und Trug.\n0, Heil dem Fürsten, der euch stützt,\nDer treuen Sinn und Recht beschützt!\nWird er zum Kampf uns\nSo gibt's ein gutes Streiten.\nEs hebt sich hinter Noth und Tod\nDes schönsten Sieges Morgenroth.\nEin neu Geschlecht kommt angezogen,\nDie Brust in Erz.\nUnd diesmal wird es nicht betrogen,\nDas deutsche Herz.\nDie spröde Braut, die unsern Armen\nSich längst entwand,\nAn unsrer Brust muss sie erwarmen:\n„F reih e i tu genannt.\n(indem die deutsche Fahne bewegt wird,)\nSo flatt're, flatt're, Schwarzrothgold !\nVerdeiben Jedem, der dir grollt!\nWo deine Farben blinken,\n• Die andern Fahnen sinken,\nUnd, neugefasst, strahlt voll und rein\nDeutschland, Europa's Edelstein.\n\nK. A. Mayer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCherubini. I. Aus Bremen (Eröffnung der Winter-Saison durch den Künstler-Verein). Von F. P. Drittes Ge-\nsellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Magdeburg*, Abonnements-Concerte — Wien, Wag-\nner's Tristan und Isolde — Pesth — Amsterdam, Concert, August Kömpel, C. A. Bertelsmann f — London, Fürst G. N. von Galitzin —\nDeutsehe Tonhalle, Preis-Ausschreiben).\n\nCherubini.\nI.\nMaria Luigi (Carlo Zenobio Salvadore) Cherubini\nwurde zu Florenz den 8. September 1760 geboren. Die\nallgemeine Annahme dieses Datums stützt sich auf die No-\ntiz, welche der grosse Meister selbst im Jahre 1809 dem\nVerfasser des Dictionnaire hist Cho-\nron, mitgetheilt. Dagegen hat er in dem eigenhändigen\nVerzeichnisse seiner Compositionen, welches von Bottee\nde Touhnon zu Paris im Jahre 1843 aus seinem Nach-\nlasse herausgegeben, den 14. September als seinen Ge-\nburtstag bezeichnet.\nIn demselben Jahre 1760 ernannte der Fürst Ester-\nhazy den achtundzwanzigjährigen Haydn zu seinem Capell-\nmeister; der siebenjährige Mozart wurde drei Jahre später\nzum ersten Male in Paris bewundert, und zehn Jahre spä-\nter als Cherubini erblickte Beethoven (1770) das Licht\nder Welt.\nCherubini's Vater, Bartolomeo, war Musiker. Er gab\nin Florenz Unterricht und war Be-\ngleiter am Ciavier, bei dem Theater der Pergola. Der\njunge Knabe erhielt schon in seinem sechsten Jahre Mu-\nsik-Unterricht. Neun Jahre alt, lernte er Harmonie und\nGeneralbass bei Felici Vater und Sohn und setzte seine\nStudien in der Composition und auch im Gesänge unter\nPietro Bizarri und Joseph Castrucci fort.\nSein ausserordentliches Compositions - Talent ent-\nwickelte sich rasch. Schon in seinem vierzehnten Jahre\nschrieb er eine Messe (die erste in seinem Verzeichnisse)\nund.ein Intermezzo für ein Liebhaber-Theater. Bald da-\nrauf folgten zwei vierstimmige Messen mit Orchester, und\nbis zu seinem siebenzehnten Jahre waren bereits zwei\nxit, mehrere Lamentationen, ein ein Te\nein Oratorium, das in der Peterskirche zu Florenz aufge-\nführt wurde, ein Motetto, ein zweites Intermezzo, eine\nGrosse Cantate und mehrere Opern die Früchte seiner\nschaffenden Tbätigkeit.\nTrotz der Verführungen eines keimenden Ruhmes und\ndes bewundernden Beifalles fühlte der Jüngling das Be-\ndürfniss fortgesetzter, noch tiefer gehender musicalischcr\nStudien, die ihn befähigen konnten, das höchste Ziel zu\nerreichen, zu dem ihn sein Genius unaufhaltsam hintrieb.\nEr sehnte sich danach, unter einem grossen Meister zu ar-\nbeiten, und die Huld Leopold's 11., des Grossherzogs von\nToscana und nachmaligen Kaisers, gewährte ihm die Mit-\ntel dazu. Im Jahre 1777 ging er, im Genuss einer jähr-\nlichen Unterstützung vom Grossherzog, nach Bologna\nzu dem Maestro Sarti, und als dieser im Jahre 1779 als\nNachfolger von Fioroni am Dome zu Mailand nach dieser\nStadt zog, folgte ihm Cherubini auch dahin, so dass er\nbeinahe vier Jahre die Schule dieses berühmten Meisters\nbenutzte.\nDiese Schule war nach der Weise der damaligen ita-\nliänischen Meister weit mehr eine praktische, als eine\nsystematisch theoretische. Das Arbeiten und Schreiben\nnach grossen Mustern war dabei die Hauptsache; dadurch\nwurde das Gebiet der Gesetze der Tonkunst in seinem\nganzen Umfange unter der beständigen Correctur des Mei-\nsters durchgemacht, der aber für diese sich selten auf an-\ndere Gründe als auf die Autorität der Schule einliess. Wir\nfinden daher in dem Verzeichnisse der Compositionen\nCherubini's während dieser Zeit hauptsächlich nur Anti-\nphonien, über den Choralgesang für vier, fünf und sechs\nStimmen, nach Art der alten römischen Kirchen-Compo-\nnisten. Diese Studien-Arbeiten lullen seine Lebens-Periode\nbis zu seinem zwanzigsten Jahre. Er hat also eilf Jahre\nan seiner Ausbildung zum gründlichen Musiker gearbeitet,\neine Ausdauer und ein Ernst, der freilich von der Schnell-\nfertigkeit mancher neueren Componisten gar sehr absticht.\nIndess darf man nicht vergessen, dass diese langen Lehr-\njahre mit dem Brauch und der hergebrachten, oben schon"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.2", "texte": "erwähnten Unterriehlsweise der damaligen Tonsetzer zu-\nsammenhingen, welche ein rationelles, systematisch fort-\nschreitendes Lehr-System nicht kannten, wenigstens nicht\nanwandten. Dass Cherubini aber durch diese Studienweise\nein überall sicherer, vollkommener Meister der Tonsetz-\nkunst geworden, zeigen alle seine nachherigen Compositio-\nnen auf unwiderlegliche Weise; als Lehrer der Theorie\naber blieb ihm von jener Schule her eine gewisse Unbe-\nholfenheit im wissenschaftlichen Erklären. Während er\nfür alle Sätze die vortrefflichsten Beispiele bei der Hand\nhatte, welche den Reichthum und die Gründlichkeit seines\nWissens offenbarten, verschmähte er, oder fiel es ihm auch\nwirklich schwer, dasjenige, was er praktisch in höchster\nVollkommenheit hinstellte, theoretisch zu erläutern, und\ner wurde verdriesslich, wenn man die halben Andeutun-\ngen, die er gab, nicht verstand.\nAber er hat ja doch im Jahre 1835 ein theoretisches\nLehrbuch: „Cours de Contrepoini et de fugue\", heraus-\ngegeben; wie stimmt das mit obigen Angaben?\nDarüber gibt uns in seiner zweiten Ausgabe\nder Biographie universelleAufschluss, der um so zuver-\nlässiger sein dürfte, als Fetis selbst Cherubini's Unterricht\ngenossen hat. Nach ihm hat „Cherubini niemals daran ge-\ndacht, ein Lehrbuch der Art zu schreiben. Wohl aber\nhatte er für seine Schüler Muster-Beispiele über alle Ar-\nten des Contrapunktes, des einfachen und doppelten, der\nImitation, des Canons und der Fuge gemacht. Vor der\nSammlung derselben befanden sich ein paar Blätter Grund-\nregeln, die ziemlich dasselbe enthielten, was Mattei in sei-\nnem Werke*) gegeben hat. Alle Schüler Cherubini's ha-\nben diese Blätter abgeschrieben und wissen, was es damit\nauf sich hat. Nun kam Jemand, ich weiss nicht, wer, auf\nden Gedanken, diese Beispiel-Sammlung zu einer Specu-\nlation zu benutzen. Man musste aber doch einen Text da-\nzu haben. Cherubini wollte keinen schreiben, und so über-\nnahm Haldvy die Aufgabe. Auf diese Weise ist Cherubi-\nni's Cursus über den Contrapunkt entstanden.\" Eben\nso hat sich Cherubini an den verschiedenen „Schulen\"\ndes pariser Conservatoires nur praktisch betheiligt, aber\nallerdings in vortrefflicher Weise, wie namentlich bei der\n„Gesangschule\" durch seine classischen Solfeggien, bei\nder „Violin- und Violoncellschule\" durch die Begleitun-\ngen der Beispiele.\nUebrigens hatte Sarti seinen Lieblingschüler nicht\nbloss mit contrapunktischen Studien beschäftigt, sondern\nman ersieht aus Cherubini's eigenen Aufzeichnungen vor\nseinem Kataloge, dass er ihn auch in die dramatische\nComposition einweihte und ihn die Arien u. s. w. der zwei-\nten Rollen in seinen Opern componiren liess.\nIm Herbste des Jahres 1780 begann Cherubini in\nseinem zwanzigsten Lebensjahre seine Laufbahn als dra-\nmatischer Componist mit der Oper Quinto Fabio, die in\nAlessandria während der Messe aufgeführt wurde. Er ver-\nzeichnet sie mit dem Zusätze: „Das war meine erste Oper;\nich hatte damals mein neunzehntes (zwanzigstes?) Jahr\nvollendet\" ohne irgend eine Bemerkung über den Er-\nfolg, der dem Anscheine nach nicht durchschlagend war,\nda Cherubini für 1781 keine Aufforderung zur Compo-\nsition einer Oper erhielt und während dieses ganzen Jah-\nres nichts für das Theater schrieb, ausser einer Oper, die\ner, für Venedig bestimmt, zwar anfing, aber aus unbe-\nkannten Gründen nicht vollendete.\nDagegen war das Jahr 1782 auffallend reich an Com-\npositionen, die er zum Theil wohl auch schon im vorigen\nJahre vorbereitet haben mag. Es wurden drei grosse drei-\nactige Opern von ihm gegeben : in der Carnevals-\nzeit in Florenz, Adriano in Siria im Frühjahre in Livorno\nzur Eröffnung des neuen Theaters, und im\nHerbste zu Florenz. Ausserdem schrieb er in demselben\nJahre zehn Notturno's für zwei Stimmen, vier Melodieen\nfür eine Stimme, eine Arie mit Orchester für Crescentini,\neine für Bubini (einen älteren Tenoristen dieses Namens)\nund zwei Duette für einen Engländer mit Begleitung von\nzwei CorB d'amour*).\nUnter dem Jahre 1783 erfahren wir aus dem Kata-\nlog die bis dahin unbekannte Thatsache, dass Cherubini\neine zweite Oper Quinto Fabio geschrieben, welche zu Rom\nim Januar jenes Jahres gegeben wurde. In demselben\nJahre führte man in Venedig seine Opera bujfa: „Lo\nSposo di tre, marito di nessuna\", auf.\nAus gleichzeitigen Zeitschriften ersieht man, wie Che-\nrubini damals schon ein gefeierter Name in Italien war.\nDie letztgenannte komische Oper scheint in Venedig Er-\nfolg gehabt zu haben; man nannte ihn dort il Cherubim.\n„weniger aus Anspielung auf seinen Namen, als wegen\nder Schönheit seiner Melodieen\" von\n1784); ja, die Jesuiten in Florenz stellten, um ihre Kir-\n\n*) Pater Matt ei, Martini's treuester Schüler, starb 1825 in sei-\nner Vaterstadt Bologna. Er hintcrliess ein theoretisches Werk:\nJPratica (TAccompagnamento sopra bassi numerati etc. con di-\nverse fughe Bologna, 1825 und 1830, in drei Bänden, in\nwelchem jedoch ebenfalls nur die Beispiele vortrefflich sind.\nSeinen ungeheuren Ruf als Lehrer hat er also auch seiner\npraktischen Unterrichts-Methode zu verdanken gehabt. Fetis\nkann nur dieses Buch meinen, da von Mattei kein anderes\ntheoretisches Werk bekannt ist.\n*) Cor d'amour, Amorshorn oder auch Amorschall, nannte\nder russische Hofmusicus Kol bei sein um 1760 durch Klap-\npen und einen halbrunden Deckel auf dem Schalltrichter ver?\nbessertes Horn. Man verfolgte diese erste Idee eines Klapp-\nhorns nicht weiter, weil die bald darauf erfundenen „Inven-\ntionshörner\" näher zu dem Ziele führten, das man am Ende\ndurch die Ventilhörner erreichte."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.3", "texte": "che zu einem wohlthätigen Zwecke zu füllen, ein Orato-\nrium aus Musikstücken der Opern Cherubini's zusammen,\nund er selbst componirte ihnen zwei neue Chöre dazu\n(1787). In demselben Jahre lieferte er dem Theater in\nFlorenz die Oper L'ldalidein zwei, und dem Theater zu\nMantua den Alessandro nelle in drei Acten.\nIm Herbste 1784 reis'te er nach London. Er schrieb\ndort zuerst einige Gesangslücke für so genannte Pasliccio's,\ndas ist Opern von mehreren Componisten; ein Finale zu\neiner derselben, Demetriogenannt, erregte besonderen\nBeifall. Dann trat er im folgenden Jahre auf dem Theater\nSr. Majestät mit der komischen Oper\nauf und errang einen entschiedenen Erfolg. Weniger glück-\nlich war er 1786 mit seinem Diese Oper\nfiel gänzlich durch und erlebte nicht einmal die zweite\nVorstellung; doch sagt Burney, sie sei durch die Sänger\n„gemordet\" worden. Verdriesslich über dieses Missge-\nschick, verliess er London im Juli 1786 und ging nach\nParis, ohne zu ahnen, dass er hier seinen bleibenden Auf-\nenthalt und den günstigsten Boden für seine künstlerische\nThätigkeit finden würde.\nDoch war sein Anfang in Paris auch kein besonders\nglücklicher. Er schrieb eine grosse Cantate,\nbetitelt (153 Seiten Partitur handschriftlich) für die Loge\nOlympique,allein sie kam nicht zur Aufführung. Für den\nCarneval von 1787 wurde er nach Turin berufen und gab\ndort seine Ifigeniamit glänzendem Erfolg, der sich auf\nden Theatern zu Mailand, Parma und Florenz wiederholte.\nEs war dies die letzte Oper, die er in und für Italien\nschrieb; er reis'te nach den Aufführungen in Turin nach\nParis zurück, um dort seine erste französische Oper zu\nschreiben.\nMit dieser hatte es folgende Bewandtniss. Die Direction\nder grossen Oper halte dem Componisten Vogel, dessen\nMusik zum „goldenen Vliess\" gefallen hatte, die Compo-\nsition der Oper „Demophon\" von Marmontel aufgetra-\ngen. Vogel, ein lebenslustiger Mann, der fröhliche Gesell-\nschaften oft der Arbeit vorzog, liess fast zwei Jahre auf die\nVollendung warten und starb darüber hin (den 28. Juni\n1788). Schon bei seinem Leben hatte man Cherubini statt\nseiner den Text der Oper übergeben, und den 2. Decem-\nber 1788 kam sie zur Aufführung. Sie hatte keinen be-\ndeutenden Erfolg, das Publicum nahm sie im Gegentheil\nkalt genug auf und schrieb ihr im Ganzen den schlimmen\nCharakter der Langweiligkeit zu. Kennern fiel im Vergleich\nzu Cherubini's letzter italiänischer Oper vorzüg-\nlich der Mangel an Melodie auf, die dort in reicher Fülle\nvorhanden war, während Demophon nur ein paar Melo-\ndieen hatte, die Auszeichnung verdienten. Wenn daher\ndie Franzosen von dieser Oper an eine völlige Umwand-\nlung des Stils von Cherubini datiren wollen, so ist das nur\nein Auslluss nationaler Eitelkeit, weil es der erste franzö-\nsische Text war, den der Meister componirte. Richtiger\ndürfte man, wie Felis es auch thut (trotzdem, dass er\neinige Absätze vorher ebenfalls jene Behauptung nach-\nschreibt), gerade in dem Zwange, den der französische\nText und die unrhythmischen Verse Marmontel's ihm an-\nlegten, die Entschuldigung der Schwäche des Werkes zu\nsuchen haben.\nDie wirkliche Umwandlung der Schreibart Cherubi-\nni's, oder richtiger: der vollständige Durchbruch seiner\nVorstellungen von dem Charakter dramatischer Musik, und\ndie Offenbarung eines Genie's, das im Stande war, diesen\nIdeen Leben zu verleihen, traten erst in der Oper Lo-\ndoiska zu Tage. Während er die musicalische Direction\neiner italiänischen Gesellschaft in dem Theater\nSt. Germain (1789) führte und für diese mehrere vor-\ntreffliche Einlagen in Opern von Paesiello, Cimarosa und\nAndere schrieb, auch noch einen anderen Opern-Text:\n„Margaretha von Anjou\", componirte, aber nicht vollen-\ndete (acht Nummern davon befinden sich unter seinem\nNachlass), arbeitete er vorzugsweise an der Lodoiska, die\nim Jahre 1791 aufgeführt wurde und einen ungeheuren\nErfolg hatte. Nach jeder einzelnen Nummer erhob sich\ndas ganze Publicum, um dem Meister Beifall zu klatschen').\nDiese Musik eröffnete eine neue Bahn für die franzö-\nsische Oper. Während Cherubini den Grundsatz der dra-\nmatischen Wahrheit, der Uebereinstimmung der Musik\nmit den Situationen des Drama's und dem poetischen Aus-\ndruck derselben, wie ihn Gluck aufgestellt halle, in der\nMelodie ebenfalls verwirklichte, trat bei ihm eine grössere\nTiefe der Intention, eine vollere und kühnere Harmonie\nund eine Instrumentation hervor, welche durch Reichthum\nund charakteristische Anwendung besonders der Blasin-\nstrumente nach ihren eigenthümlichen Klangfarben das\nOrchester nicht nur als Grundlage des Gesanges, sondern\nzugleich als nothwendige Ergänzung desselben, als gleich-\nberechtigten Factor zu der theatralischen Wirksamkeit des\nGanzen auf eine glänzende Weise einführte. Cherubini\nwurde dadurch für Frankreich der eigentliche Schöpfer\nder neueren dramatischen Musik, derjenigen, welche die\nFranzosen im guten Sinne la musique d'effet nennen. So\ngewiss diese Art der Composition dem musicalischcn Dra-\nma am angemessensten ist und der modernen Anschauungs-\nund Empfindungsweise, im Gegensatz der antiken, am ent-\nsprechendsten, so hoch also Cherubini eben desshalb ge-\n\n*) Nach einer anderen Ueberlieferung soll diese ausserordentliche\nEhrenbezeigung des begeisterten Publicums bei der ersten Auf-\nführung der Delix Journees („Der Wasserträger') einige Jahre\nsnäter Statt erefunden haben.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.4", "texte": "stellt werden muss, so weinig darf man ihn für die Rich-\ntung verantwortlich machen, welche die Effect-Musik nach-\nher und besonders in unserer Zeit durch Meyerbeer ein-\ngeschlagen hat.\nIn wie weit Mozart auf Cherubini und die durch ihn\nin der französischen Musik bewirkte Umwälzung einge-\nwirkt habe, ist eine Frage, welche gewöhnlich, besonders\nin deutschen musikgeschichtlichen Schriften, mit dem all-\ngemeinen Ausspruch abgethan wird, dass „eine nähere\nBekanntschaft mit den Werken Haydn's und Mozart's\" die\nbreitere und tiefere Manier Cherubini's veranlasst habe.\nDer Beweis dieser Annahme dürfte aber schwer fallen, so-\nwohl in historischer als in musicalisch-kritischer Hinsicht.\nDie erstere ist die entscheidendste. Mozart's Figaro wurde\n1786 (den 1. Mai), sein Don Giovanni 1787 (den 4. No-\nvember) zum ersten Male aufgeführt, blieben aber in Frank-\nreich gänzlich unbekannt; die Zauberllöte und das\nquiem schrieb aber Mozart bekanntlich erst im Jahre 1791;\ndiese Meisterwerke konnten also vollends auf Cherubini's\nLodoiska, welche er in den Jahren 1790 und 1791 com-\nponitte und welche ebenfalls 1791 zum ersten Male auf-\ngeführt wurde, keinen Einfluss ausüben. „Figaro's\nHochzeit\" wurde selbst in Wien in den Jahren 1787\nund 1788 gar nicht gegeben und kam erst im August\n1789 wieder auf die Bühne; in Berlin zuerst den 14.\nSeptember 1790. In Paris fand im Jahre 1793 also\nzwei Jahre nach der ersten Aufführung der Lodoiska\nein unglücklicher Versuch Statt, Beaumarchais' Lustspiel\nmit der Musik Mozart's in Verbindung zu setzen und so\naufzuführen*). Nach Italien kam Mozart's Figaro auch erst\nim Jahre 1793, und zwar ohne Erfolg in Mailand, Flo-\nrenz u. s. w. Und nun gar Don Giovanni! Die erste,\nentsetzlich verstümmelte Aufführung dieses Meisterwerkes\ndramatischer Musik erlebte Paris erst im Jahre 1805. In\nseiner ursprünglichen Gestalt gab es die ilaliänische Oper\nzum ersten Male im Jahre 1811.\nHiernach ist es also, da Cherubini seit dem Frühjahre\n1787 bis zur Aufführung der Lodoiska Paris nicht ver-\nlassen, rein unmöglich, dass die Werke des göttlichen\nSchöpfers der deutschen dramatischen Musik dem italiänisch-\nfranzösischen Meister bekannt sein und einen Einfluss auf\nseine neue Richtung haben konnten, zumal wenn man be-\ndenkt, dass diese sich wenigstens im Keime doch schon in\nseinem „Demophon\" (1788) offenbarte.\nIn den folgenden zwölf bis dreizehn Jahren, in denen\nCherubim in Paris für die dortigen Theater thätig war,\nerschienen auf diesen Bühnen die Opern: Elisa ou le Moni\nSt. Bernard,l794, treffliche Musik auf einen ungeniess-\nbaren Text; II Perrucchiero,l796, wahrscheinlich ein\nälteres Intermezzo, für die ilaliänische Gesellschaft in Pa-\nris zurecht gemacht; Medea, 1797, eines seiner gewal-\ntigsten Werke, neuerdings in Deutschland wieder auf die\nBühne gebracht; L'Hötellene portugaise, 1798; die Ope-\nrelten La Punition und La Prisonniere (letztere mit Boiel-\ndieu), 1790; Les deux Journees („Der Wasserträger\"),\n1800, und in demselben Jahre mit Mehul: Ejricure; Ana-\nIi reon 1803 und das Ballet 1804 mit\nganz vorzüglicher Musik, die aber durch den lächerlichen\nInhalt des Ballets (Achilles in Weiberkleidern! nach der\nbekannten Sage) wieder vom Repertoire verschwand.\nDiese Werke, und vor allen „Der Wasserträger\", der\nin Paris selbst weit über 200 und in Deutschland auf al-\nlen Bühnen unzählige Vorstellungen erlebt hat, verbreite-\nten Cherubini's Ruhm durch die ganze gebildete Welt. Das\ngenannte Werk war eine der Lieblings-Opern unseres\nC. M. von Weber. „Stelle Dir meine Freude vor\"\nschreibt er am 30. Juni 1812 aus München an einen\nFreund— „als ich auf der Wirthstafel den Komödien-Zettel\nmit dem Zauberworte Armand liegen sah. Ich war der\nErste im Theater, pflanzte mich voll Erwartung in die Mitte\ndes Parterres und harrte so begierig der Töne, von denen\nich im Voraus wussle, dass sie mich aufs Neue erheben\nund begeistern würden. Dreist glaube ich behaupten zu\nkönnen, dass der Wasserträger ein echt dramatisches, clas-\nsisches Werk ist. Alles ist aufs effectvollste berechnet, alle\nMusikslücke sind so an ihrer Stelle, dass man keines weg-\nlassen und keines dazu thun kann. Lieblicher Reichthum\nvon Melodie, kräftige Declamation und eine Alles ergrei-\nfende Wahrheit in Auffassung der Situationen, ewig neu,\newig gern gesehen und erhalten. Man hat hier Trompeten\nzu der Ouvertüre gesetzt, und ich glaube auch, dass sie\nim Allegro Effect machen können; aber im Einleitungs-\nAdagio sind unstreitig in dem letzten allgewaltigen Cres-\ncendo die einzelnen Stösse, bloss von dem Horn vorgetra-\ngen, von besserer Wirkung und mehr der Steigerung des\nGanzen angemessen, besonders wenn dann mit dem Schlage\nE-dur erst die Trompeten eintreten. Das Duett zwischen\nArmand und Constanze wurde stellenweise vortrefflich ge-\ngeben, der Moment seines Anfangs aber ganz vergriffen.\nHöchst unangenehm ward ich durch eine Verballhornung\nder Composilion im Finale überrascht. Eine der himmlisch-\nsten Stellen ward aus mir völlig unbegreiflichen Ursachen\nganz ihrer Wirkung beraubt. Nachdem der Wasserträger\nmit Marzellinen zankt, unwillig über ihr Widerstreben ist\nund sie in Thränen ausbricht, soll nach diesem Fortissimo\neine Clarinette ganz allein eintreten und die Melodie vor-\ntragen, worauf erst das Fagott und dann das Violoncell\ndazu tritt, der Bruder, seine Schwester tröstend und\nbittend, zu singen anfängt. Diese Stelle ist überall von der\n\n¥;) Vergl. Mozart von O, Jahn. IV. S. 201."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.5", "texte": "höchsten Wirkung. Hier blies nicht nur die Oboe diese\nStelle, auch noch ein Accompagnement hatte man dazu\ngesetzt! Die sehr schwierigen Chöre im zweiten Acte gin-\ngen vortrefflich. Mit Präcision und mit Feuer wurden sie\ngesungen und gespielt. Ueberhaupt war der zweite Act ge-\nrundeter und lebendiger. Im dritten Acte halte ich wieder\nGelegenheit, einige schöne Stellen, die weggelassen wur-\nden, zu bedauern, nämlich die paar Worte der Pachters-\ntochter: „Ach, Antonio kommt noch nicht!\" durch deren\nWegbleiben die Musikstellen so planlos auf einander stos-\nsen. Wenn ich Dir, lieber Freund, viel von dieser Oper\nvorgeplaudert habe, so bedenke, dass man von solchen Mei-\nsterwerken nie genug sagen kann, und dass ein so eifriger\nKunstfreund, wie ich, auf Deine Nachsicht rechnen darf.\"\n- • • i I + , ■■,\n\nAus Bremen.\n\nDen 22. November 186J•\nDer hiesige Künstler-Verein hat seine Winter-\nSaison am 13. November eröffnet. In der ersten Ver-\nsammlung trug Herr Professor Gravenhorst Bruchstücke\neiner neuen poetischen Bearbeitung der Odysseus-Sage vor,\nbei welcher er die Homerischen Gesänge in ähnlicher\nWeise, aber noch freier und selbstständiger nachgebildet\nund in moderne Formen gebracht hat, wie er es früher\nbei den griechischen Tragikern gethan. Wie wir verneh-\nmen, ist die Arbeit vollendet und wird bald in ihrer gan-\nzen Ausdehnung dem Publicum zugänglich sein. Nach je-\nnem Vortrage vereinigten sich drei Mitglieder der musica-\nlischen Abtheilung des Vereins, die Herren Streudner,\nC. Schmidt und Cabisiusy?m. zu einem Trio in B-dur\nvon Anton Rubinstein und erwarben sich durch leben-\ndige und treffliche Ausführung der Composition allseitige\nAnerkennung.— Die Versammlung vom 20. war der Er-\ninnerung an Händel gewidmet. Die Veranlassung dazu\ngab vornehmlich die den eifrigen Musikern des Vereins\ndargebotene Gelegenheit, ein fast nie gehörtes Werk des\ngrossen Meisters auszuführen. Es ist das eines oder richti-\nger zwei der so genannten Oboen-Concerte oder concer-\ntirenden Orchesterwerke, welche Händel während der\nJahre 1716 bis 1720 componirt hat, als er Musik-Direc-\ntor beim Herzog von Chandos (zu Cannons bei London),\ndem berühmtesten englischen Kunst-Mäcen seiner Zeit,\nwar. Diese Compositionen sind wahrscheinlich im vorigen\nJahrhundert nie in Deutschland bekannt geworden, im\njetzigen jedenfalls nur einmal in Dresden, und zwar im vo-\nrigen Winter, und jetzt hier zu Gehör gebracht. Der Bio-\ngraph Händel's, Dr. F. Chrysander, hatte die Freund-\nlichkeit, die in seinem Besitze befindliche Partitur dem hie-\nsigen Künstler-Vereine zur Verfügung zu stellen. DieCom-\npositionen sind für Violine, Bratsche, Violoncell, Contra-\nbass, Flöte, Oboe und Fagott gearbeitet, wurden stark\nbesetzt und nach sorgfältigen Vorstudien unter der Leitung\ndes Herrn Musik-Directors Reinthaler ausgeführt. Nicht\nbloss als Proben der Denkweise und Instrumentation der\nZeit und des Meisters sind diese Concertanten von Interesse;\nsie sind gross und bedeutend gedacht und verrathen in der\nAusführung den Geist ihres Schöpfers, der sich in den\nspäteren Zeiten so gewaltig entwickelte. Sie werden in Ge-\nmeinschaft mit anderen verwandten Werken Händel's, den\nOrgel-Concerten, der Wassermusik u. s. w. gerade jetzt\nzusammengestellt und zur Herausgabe vorbereitet. Den\nOboen-Concerten ging der Vortrag einiger der schönsten\nBass-Arien Händel's voran, nachdem im Beginn der Ver-\nsammlung in einer biographischen Einleitung ein Blick in\ndie Thätigkeit des grossen Mannes nach ihren drei Haupt-\nPerioden— den Lehr- und Wanderjahren bis 1720, der\nOpernthätigkeit von da bis 1740, und der grossen Ora-\ntorienzeit von der Entstehung des „Messias\" bis zum Tode\ndes Meisters im Jahre 1759 eröffnet war.\nDas zweite Privat-Concert vom 19. stellte sich durch\ndas Ciavierspiel der Frau Dr. Clara Schumann dem\nersten, in welchem wir Joachim zu begrüssen hatten,\nwürdig zur Seite. Die ausserordentliche Frau, die wir im\nvorigen Winter eben so wie Joachim schmerzlich vermiss-\nten, setzte die Zuhörer, welche sie mit lebhafter Freude\nbegrüssten, in Staunen durch die Schönheit und geistige\nFrische ihres Spiels, das im Laufe der Zeit auch nicht die\ngeringste Einbusse erlitten hat, vielmehr noch immer die-\nselbe Kraft und dieselbe makellose Würde besitzt, die seit\nso vielen Jahren alle Welt entzückt haben. Im Grunde ist\nes überflüssig, zu bemerken, dass die Ausführung des Con-\ncertes in G-dur von Beethoven eine ausgezeichnete, durch\nSauberkeit, Milde und Kraft hervorragende war; allein es\nmag erwähnt werden, damit ein ganz besonders herzlicher\nDank für die Wahl dieses Werkes sich daran schliesse.\nAuch für den Vortrag des Carnevals, einer der ersten\nCompositionen ihres Gatten, sind wir der Meisterin zu\nDank verpflichtet. Die innige Liebe, mit welcher sie durch\nihre Kunst das Gedächtniss des hochbegabten Mannes ehrt,\nan dessen Seite sie so glückliche und so schreckliche Stun-\nden verlebte, hat etwas Rührendes und Ergreifendes. Was\nsie für ihn und seine Werke thut, das ist gewichtiger und\nmächtiger, als alle Anstrengungen Berufener und Unbe-\nrufener für die Verbreitung der Schumann'schen Compo-\nsitionen. Sollen wir offen sein, so hätten wir noch weit\nlieber eines der werthvolleren Ciavierstücke, die er ge-\nschaffen hat, gehört. Wenn man so selten und so wenig\nin dieser herrlichen Weise wiedergegeben erhalten kann."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.6", "texte": "so streckt man gern die Hand nach dem Besten aus, was\nzu haben ist. Dazu wird dieser Carneval nicht zu rechnen\nsein; denn so interessant und pikant er ist, so sehr er be-\nweist, dass ein Scherz, den ein geistreicher Mann macht,\nauch geistreich gemacht wird, so ist er doch eben ein\nScherz, der die Zeit und die Umgebung, unter denen er\nentstand, nicht verläugnet.— Die Ausführung der zweiten\nSchumann'schen Sinfonie in C-dur war eine Huldigung\ndes Orchesters zu Ehren der Frau des Componisten. Wir\nhörten diese Sinfonie im vorigen Winter; sie ist dem Or-\nchester geläufiger geworden, als damals, wo sie für uns\nneu war, und hatte sich einer klaren und sicheren Wie-\ndergabe zu erfreuen. Sähe es nicht wie eine Rechthaberei\naus, so könnte gesagt werden, die erste Sinfonie in\nhabe wohl den Vorrang verdient; gewichtiger und bedeu-\ntender ist sie jedenfalls. Dem Orchester hatten wir weiter\nnoch für die zierlichen und duftigen Klänge der Figaro-\nOuverture von Mozart und die imposante Gewalt der Leo-\nnoren-Ouverture (Nr. 3, C-dur)von Beethoven zu danken.\nNeben solchen Nachbarn hatte der Gesang des von\nLeipzig herübergekommenen Fräuleins Mathilde Ene-\nquist-Biondini aus Paris einen schweren Stand. Die\nSängerin, welche Mendelssohn's Concert-Arie und eine\nelegante Coloratur-Arie von Masse mit Violin-Begleitung\nvortrug, hat eine hohe, kräftige und wohlklingende So-\npranstimme, welche Eindruck machte. Ein Anflug von\nHärte wird sich, da die Sängerin jung ist, gewiss bald ver-\nlieren, und wenn sie neben der Technik auch des seelen-\nvollen Ausdrucks mächtig wird, so kann es ihr an bedeu-\ntenden Erfolgen im Concertsaale nicht fehlen.\nVon der Oper gibt es viel und zwar wesentlich Gutes\nzu berichten. Es musste von Grund aus ein neues Gebäude\naufgerichtet werden, und wir haben so lange gewartet,\nbis die Bausteine zusammengetragen waren. Es nützt nicht\nviel, wenn getreulich berichtet wird, ob dieses oder jenes\nFräulein gut disponirt gewesen sei und vortheilhafte Toilette\ngemacht habe. Es ist weit wichtiger, zu fragen, ob in der\nLeitung von oben herab ein reger und ehrlicher Sinn für\nhöhere Interessen thätig sei und dem zufolge dem gesamm-\nten Treiben des Instituts sich mitlheile. Ein Stadttheater,\ndas ganz auf sich selbst angewiesen ist, mit materiellen\nSchwierigkeiten aller Art zu kämpfen hat, keinen Anhalt\nfindet ausser der Gunst der öffentlichen Meinung eine\nsolche Bühne hat bei beschränkten Mitteln eine ganz un-\nendlich schwierige Stellung. Jeder Abonnent ist ein Kriti-\nker, jeder hat sein eigenes, natürlich immer unumstössli-\nches Urtheil; für das schwere Geld, welches er bezahlt,\nmuss ihm täglich ein anderes Stück, wo möglich mit De-\nvrient oder Dawison, geliefert werden. Wir haben hier zu\nLande alle Leiden und Freuden einer städtischen Theater-\nDirection durchgemacht, alle möglichen Nuancen erlebt.\nEinige Jahre hindurch wurde die Speculalion auf Gast-\nspiele berühmter Künstler durchgeführt und brachte glän-\nzende Besultate, bis diese Richtung sich abgenutzt hatte.\nWir sind jetzt endlich auf einen besseren Weg gekommen,\nund es winkt von fern ein besseres Ziel. Seit acht Jahren\nwird zum ersten Male wieder die Sache der Thalia mit\nErnst und anständigen Vorsätzen gehandhabt; man geht\nauf den gesunden Sinn, der im Publicum stets vorhanden\nist und eben nur geweckt werden muss, zurück und schafft\nsich sofort einen fruchtbaren Boden. Für vernünftige Leute\nist es ein wohllhuendes Gefühl, dass die Direction, der sie\nsich anvertrauen, Anstands-Begriffe und den Aufgaben\ngegenüber, die zu lösen sind, Pietät für das Grosse und\nkünstlerischen Sinn für das Schöne hat. Man muss geste-\nhen, dass nicht bloss vielerlei, sondern auch viel geleistet\nwird, und dass geradezu Mangelhaftes zu den Seltenheiten\ngehört. Die Oper ist zu einer Entwicklung gefördert wor-\nden, der gegenüber nur Unverstand oder eingefleischte\nTadelsucht sich spröde verhalten können. Herr Capellmei-\nster Hentschel hat mit staunenswerter Unermüdlichkeit\nund Arbeitskraft, und dabei mit der Anspruchslosigkeit,\nwelche eine Zierde des echten Fleisses ist, seine unendlich\nschwere Aufgabe gelös't, ohne dabei zu klagen und viel\nvon sich reden zu machen, was überhaupt nur die Leute\nthun, welche ein schlechtes Gewissen haben. Er hat da-\n/\ngegen die Freude, nicht bloss bei allen guten unter den\nseiner Leitung Zugewiesenen, sondern auch im Allgemei-\nnen bei allen Freunden der Sache die Anerkennung zu\nfinden, die ihm in vollem Maasse gebührt, die er nicht ge-\nfordert, aber mit Mühe und Fleiss erworben und ver-\ndient hat.\n\nF. P.\n\nDrittes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag den 26. November 1861.\nProgramm. Erster Theii. 1. Ouvertüre zu Hamlet von\nNiels W. Gade (zum ersten Male). 2. Concert (Nr. 2) für Violon-\ncello von Göltermann, vorgetragen von Herrn A. Schmit, Leh-\nrer am hiesigen Conservatorium. 3. Ave Maria für weiblichen Chor\nmit Orchester-Begleitung von Johannnes Brahms (zum ersten\nMale). 4. Sinfonie in G-moll von W. A. Mozart.\nZweiter Theil. „Die erste Walpurgisnacht\" von Göthe, für\nSoli, Chor und Orchester von F. Mendelssohn-Bar tholdy.\nDie beiden Neuigkeiten hatten sich mehr eines Succfa (Testime,\nals eines enthusiastischen Beifalls zu erfreuen. Gade's Ouvertüre,\nauch abgesehen von der sonderbaren Idee (die freilich auch schon\nein paar andere Componisten ergriffen hat), einen musicalischen Pro-\nlog zu einer Tragödie wie Shakespearers Hamlet zu schreiben, da\ndiese in ihrem Ganzen durchaus keinen Anhalt für einen musi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.7", "texte": "calischen Ausdruck darbietet, ist, auch bloss musicalisch genommen,\nkein Werk der Begeisterung, sondern ein gewöhnliches, hübsch ge-\nmachtes Musikstück, das jedoch die Vorzüge einer originellen In-\nstrumentirung, wodurch Gade's Sinfonieen bestechen, nicht theilt.\nDas Ave Maria von Joh. Brahms verzichtet freiwillig auf den\nEindruck, den ein rein gesungener Frauenchor stets auf uns macht,\ndurqjh Hintansetzung der harmonischen Einfachheit, welche die Chöre\nfür weibliche Stimmen durchaus erfordern. Grelle Modulationen und\nscharf einschneidende durchgehende Noten stören, weil sie den\nschroffen Gegensatz zu der Anvnuth und Milde des weiblichen Cha-\nrakters bilden. Auch die Motive oder vielmehr das Motiv, denn es\nist nur eines da, entbehrt der Sprache der Innigkeit und Andacht,\nwelche das Gebet verlangt.\nDie Ankündigung der Sinfonie in G-moll erfreute schon auf\ndem Programm die Freunde der wahren Musik, und ihre Erwartun-\ngen wurden durch eine vortreffliche, feine und, wo es hingehört, lei-\ndenschaftliche Ausführung vollständig befriedigt.\nMendelssohn's „Walpurgisnacht\" erhielt wie immer den\nlebhaftesten Beifall des Publicums. Wir müssen aber auch sagen,\ndass wir nur selten eine so gelungene Aufführung dieses eigentüm-\nlichen, genialen Werkes gehört haben, wie die am Dinstag. Die bei-\nden Haupt-Solo-Partieen, Tenor und Bass, wurden von den Herren\nA. Pütz von hier und J. Remmertz aus Düsseldorf ebenfalls\nvorzüglich gut gesungen, so dass das Ganze bei den trefflichen Chor-\nund Orchesterkräften unter einer Leitung, wie man sie von F. Hiller\ngewohnt ist, einen grossen Eindruck machte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\n** 15. November. In unserer musicalischen\nWelt herrscht ein reges Leben. Die Abonnements-Concerte unserer\nvier geschlossenen Gesellschaften' haben bereits begonnen; Laub\nund Johanna Wagner haben grosse Triumphe darin gefeiert. In\nder nächsten Woche kommt hier die Missa solemnis in D von Beet-\nhoven zur Aufführung, wras Sie um so mehr interessiren wird, da\ndie Aufführungen in Köln und Ihre Aufsätze über das herrliche\nWerk in der Niederrheinischen Musik-Zeitung und in der Kölnischen\nZeitung so viel dazu beigetragen haben, dass man endlich überall,\nwo sich die Möglichkeit dazu darbietet, daran denkt, diese heilige\nSchuld an den grossen Meister abzutragen.\nAus Wien wird vom 10. November geschrieben: „Richard\nWagner ist vorgestern nach Venedig abgereis't, wo er einige Zeit\nzu bleiben gedenkt. Die Frage, welche unsere musicalischen Kreise\nso lange in Spannung erhielt, ob nämlich Wagner's Tristan und\nIsolde hier zur Aufführung kommen werde oder nicht, ist factisch\ngelös't. Man kaufte Wagner die Partitur ab, zahlt ihm ein anstän-\ndiges Honorar (gleichsam als Entschädigung seines längeren frucht-\nlosen Aufenthaltes in Wien) und gibt die Oper nicht. Bei ihrer\ngänzlichen Melodieenlosigkeit, ja, ihrem Mangel an jeder melodischen\noder rhythmischen Symmetrie, bietet diese Oper dem Gedächtnisse\nder festesten Sänger so unknackbare Nüsse, dass ein witziger Mu-\nsiker meinte, es miisste Wagner zuvor auch für eigene Zukunfts-\nGedächtnisse sorgen. Vor seiner Abreise liess Wagner in ganz ver-\ntrautem Kreise die Ouvertüre und mehrere Scenen des ersten Actes\nprobiren. Als der Componist einige befremdete Mienen erblickte,\näusserte er, er sei mit der „ „Isolde\"\" allerdings einige Schritte über\nden „„Lohengrin\"\" weiter gegangen. „„Sagen Sie hundert Meilen!\"\"\nerwiderte Ander. In der That hat man sich durch eine Clavier-Probe\nvollkommen überzeugt, dass die Vorbereitung des „„Tristan\"\" durch\nzahllose Proben die Stimmen der Sänger ruiniren und die ersten\nMitglieder durch längere Zeit dem Publicum ganz entziehen würde.\"\nlßestli, 9. November. Ein mit grossem Eclat angezeigter Gast,\nder aber kaum mehr als massigen Erfolg davontrug, war Herr Mu-\nsard, Capellmeister aus Paris. Ein Programm, aus Walzern und\nQuadrillen zusammengesetzt, höchstens noch einigen leichten Ouver-\ntüren, mit Grand Concert zu betiteln, ist denn doch etwas zu frei-\nmüthig, und hätte höchstens in einen Speisesaal, aber nicht ins\nTheater gehört Das einzig Interessante in diesen Concerten waren\ndie von Herrn Legendre auf dem Cornet ä Piston executirten\nSoli, die eine überraschende Virtuosität in der Behandlung dieses\nbeinahe spröde zu nennenden Instrumentes bekundeten.\n*** Amsterdam, 14. November. In dem gestrigen grossen\nVocal- und Instrumental-Concerte im Park-Saale, veranstaltet von\nHerrn J. Ed. Stumpff, hörten wir ein italiänisches Sänger-Quartett,\ndie Damen Pirola und Polachi und die Herren Mea und Bonora, die\nuns mit Soli, Duetten, einem Terzett und Quartett aus Verdi, Flo-\ntow, Donizetti, Rossini und Bellini speis'ten und Beifall erhielten.\nEinen allgemeinen Enthusiasmus aber rief das Violinspiel Ihres\nLandsmannes August Kömpel hervor, der S p ohr's Gesangscene,\nBach s Giaconna und Variationen von David spielte uud das\nganze zahlreiche Publicum durch den hoch künstlerischen Vortrag\ndieser classischen Compositionen hiuriss ein Beweis, wie sehr\nauch unser holländisches Publicum das gediegene Schöne, zumal\nwenn es in so bewundernswerther Ausführung dargeboten wird, zu\nschätzen weiss.\nAm 20. November starb hier C. A. Bertelsmann, Stifter der\nhiesigen Liedertafel „Eutonia\" und langjähriger Dirigent derselben.\nGebürtig aus Soest in Westfalen, gründete er sich durch seine\nmusicalische Tüchtigkeit eine Existenz in Amsterdam und zeichnete\nsich nicht nur als vortrefflicher Dirigent, sondern auch als wissen-\nschaftlich gebildeter Musiker und Contrapunktist und als talentvoller\nComponist besonders für mehrstimmigen Gesang rühmlichst aus.\nILoildoil. In der neuesten Bankerotten-Liste figurirt unter\neiner endlosen Masse so genannter kleiner Leute auch ein Russe\naus altadeligem Geschlechte: „Georg Nikolaus Fürst von Galitzin,\nKammerherr des Kaisers von Russland und Marschall des Gouver-\nnements Tambu, ein Fürst des russischen Reiches, Componist, Mu-\nsikmeister und Director von Concerten.\" Der genannte Fürst lebte\nseit Jahr und Tag in London und hatte zu verschiedenen Malen\nConcerte dirigirt, in denen er russische Musik, darunter viele seiner\neigenen Compositionen, dem englischen Publicum vorführte.\n0 i e JU e ii t s c Sa e Tonhalle\nsetzt auf die Composition beigehenden Preis-Gedichtes für vierstim-\nmigen Männergesang mit Harmonie-Begleitung den Preis von fünf-\nzig Thal e r n.\nMit Ertheiluug des Preises wird auch dieses Gedicht, so wie\nseine Composition, Eigenthum des betreffenden Bewerbers ; bis dahin\naber bleibt es im Besitze unseres Vereins und darf nur zu dieser\nPreisbewerbung benutzt werden.\nDie Bewerbungen sind bis Ende Februar 1862 frei an uns ein-\nzusenden.\nMannheim, im October 1861.\nWer Vorstand der Deutschen Tonhalle«\nPreis-Gedicht.\nSchlag1 deine Augen auf, die blauen,\nGermania L\nDie Herzen, die auf dich vertrauen,\nSind wieder da.\nIn deine blonden Locken flechte*)\n\n*) In einem „Preis* Gedicht\" ein unangenehmer Verstoss gegen\ndie grammatische Form. „Sprich\", „Flicht\" u. s. w. Heisst die\nbefehlende Form."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611130-01.1.8", "texte": "Der Eiche Grün,\nUnd tritt für deine heil'gen Rechte\nZum Kampfe kühn.\n(indem die Sänger die deutsche Fahne entfalten.)\nSchaut herl von uns'rer Hand entrollt,\nErglänzt dein Banner schwarzrothgold,\nUmspielt von Windes Wogen;\n0 schönster Regenbogen!\nWie malen diese Farben gut\nDes deutschen Herzens tiefe Gluth t\nGesunken von dem alten Throne,\nSteh'st du gebückt,\nDie einst war mit der höchsten Krone\nDer Welt geschmückt l\nDoch deine Kraft ist ungebrochen;\nDrum, unverzagt.,\nSprich, wie einst Hutten hat gesprochen :\n„Ich hab's gewagt!**\nDie Nationen sind erwacht\nEin Feuer, das von Gott entfacht.\nDie Geister hoher Ahnen\nUmschweben uns und mahnen:\nHermann's und KaiTs und Luther's Geist,\nUnd Friedrich's, der der Grosse heisst.\nHorch! Schiller's Harfe tönt hernieder\nMit heiligem Klang,\nUnd Freiheitskämpfer singen Lieder\nIm Schlachtendrang.\nAls Erzbild steht am Rheines Ufer\nDer Vater Arndt\nEin Eckart, der als treuer Rufer\nDie Seinen warnt.\n;,Was ist des Deutschen Vaterland?44\nDie Antwort zuckt in unserer Hand,\nWenn unsre guten Degen\nVereint der Gränze pflegen;\nWenn, losgesprengt aus schnöder Haft,\nFrei wieder athmet deutsche Kraft.\nVom Nordmeer bis zur Schweiz zusammen,\nIhr Männer, steht!\nIhr Männer, schürt die heiligen Flammen,\nIhr Greise, fleht\nZu Gott, dass wir die Feinde draussen\nMit Glück besteh'n,\nUnd die in unsern Mauern hausen\nIhr wisst ja, wen !\nAls stolzer Strom dann mächtig eilt\nDie Kraft, in Bäche jetzt getheilt.\nHinweg die alten Dränger!\nWir dulden sie nicht länger.\nVerräther, wer des Fremden Schwert,\nDes Falschen, wider uns begehrt!\nBlickt, Schleswig-Holstein, auf, und Hessen\nAus tiefem Leid;\nIhr seid ja nicht von uns vergessen:\nEs naht die Zeit,\nWo Bruderhülfe heilt die Wunden,\nDie man euch schlug;\nWo Deutschland endlich wird gesunden\nVon Lug und Trug.\n0, Heil dem Fürsten, der euch stützt,\nDer treuen Sinn und Recht beschützt!\nWird er zum Kampf uns\nSo gibt's ein gutes Streiten.\nEs hebt sich hinter Noth und Tod\nDes schönsten Sieges Morgenroth.\nEin neu Geschlecht kommt angezogen,\nDie Brust in Erz.\nUnd diesmal wird es nicht betrogen,\nDas deutsche Herz.\nDie spröde Braut, die unsern Armen\nSich längst entwand,\nAn unsrer Brust muss sie erwarmen:\n„F reih e i tu genannt.\n(indem die deutsche Fahne bewegt wird,)\nSo flatt're, flatt're, Schwarzrothgold !\nVerdeiben Jedem, der dir grollt!\nWo deine Farben blinken,\n• Die andern Fahnen sinken,\nUnd, neugefasst, strahlt voll und rein\nDeutschland, Europa's Edelstein.\n\nK. A. Mayer."}]}