{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-12-07-01", "volume": "bmtnabi_1861-12-07_01", "ocr_sha256": "112bf0dc4facdc13061ba3d33d6d9f4be547cc100a74fdde3c83a6c5bee59bc6", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/12/07_01/bmtnabi_1861-12-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-12-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 346, "texte": "Inhalt.\nDie fünfzigjährige Jubelfeier des Elberfelder Gesangvereins. 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December die Herren Bredt, Berger, Nielo,\nReusch, Sasse, Schornstein, Wolff und Willem-\nsen zum Entwürfe der Statuten zusammen, nach welchen\nbestimmt wurde, dass sich die zwanzig Theilnehmer zur\nBildung einer Singschule vereinigen, um jeden Mittwoch\nunter Leitung der Herren Sasse und Schornstein\nmehrstimmige Werke einzuüben.\nEs bestand die Elberfelder Singschule aus zehn Da-\nmen und eilf Herren mit zwei technischen Leitern. Als\nVorstand wurden die Herren P. M. Bredt und Secretär\nReusch gewählt. Da sämmtliche Mitglieder bereits wohl-\ngeschulte Sänger waren, so ging das Einstudiren der Chöre\nmit solcher Leichtigkeit von Statten, dass schon vier Mo-\nnate später in dem Uebungs-Locale eine Aufführung von\nHaydn's „Jahreszeiten\" mit Orchester-Begleitung Statt\nfinden konnte, wozu aber bloss die Angehörigen und einige\nbesondere Musikfreunde eingeladen waren. Am 15. August\n1812 trat der Verein zum ersten Male in die Oeffentlich-\nkeit, indem er bei der gebotenen Feier des Napoleons-\nFestes die C-dur-Messe von Haydn in der katholischen\nKirche aufführte. Im darauf folgenden Winter kam die\n„Schöpfung\" von Haydn an die Reihe, welche ebenfalls\nmit Orchester-Begleitung, aber auch nur vor einem enge-\nren Kreise Eingeladener gegeben wurde. Eben so feierte\nder Verein den Napoleons-Tag im Jahre 1813, laut einer\nnoch vorliegenden Aufforderung von der Mairie, durch\neine musicalische Aufführung in der katholischen Kirche.\nEs war, Gott sei Dank, die letzte derartige Feier auf deut-\nschem Grund und Boden.\nIm Herbste des Jahres 1813 erdröhnten die Donner\nder Schlacht bei Leipzig. Auch in unseren Bergen wurde\ndie Fremdherrschaft gebrochen, Alles stand auf, um sich\ndem Siegeszuge nach Frankreich anzuschliessen. Das wa-\nren keine Zeiten für Pflege des Gesanges. Nachdem der\nVerein noch in einer Festlichkeit mitgewirkt hatte, welche\ndie Stadt beim Einzüge des General-Gouverneurs vom\nRhein-Departement, Justus Gruner, im Winter 1813\n1814 veranstaltete, lös'te sich die Singschule auf. Im\nHerbste 1814 aber gestaltete sich der Verein auf's Neue,\ndie Zahl der Mitglieder stieg sofort auf das Doppelte. Der\nZweck war nun nicht bloss, grössere Gesangwerke einzu-\nüben, sondern auch, sie zur öffentlichen Aufführung zu\nbringen. Die Singschule war verschwunden und an ihre\nStelle ein Gesangverein getreten, als dessen alleiniger Lei-\nter Johannes Schornstein gewählt wurde.\nDieser strebsame Künstler war bereits im Jahre 1808\nals Organist der reformirten Kirche hieher berufen worden.\nIm Lehrer-Seminar zu Kassel gebildet, im Umgange mit\nGrossheim in die unsterblichen Werke eines Bach und\nHändel eingeweiht, war nun sein rastloses Streben vor-\nzugsweise dahin gerichtet, in der neugewonnenen Heimat\neinen Kreis gleichgesinnter Musikfreunde zu bilden, um\ndie Schöpfungen jener grossen Meister wieder ins Leben\nzu rufen. In diesem Sinne hatte er bereits drei Jahre früher\ndie hauptsächlichste Anregung zur Gründung der Sing-\nschule gegeben. Als nun aber in Folge der gehobenem\nStimmung der frühere Kreis sich erweiterte und die öffent-\nliche Aufführung des Einstudirten zur ausgesprochenen\nAufgabe des Vereins wurde, da fühlte er, dass jetzt die\nStunde gekommen, um das längst Ersehnte zur Wirklich-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5436, "texte": "keit zu gestalten. Es gab in Elberfeld eine Partei, welche\nan dem italiänischen Gesänge hing und die strengere deut-\nsche Schule verhöhnte. Mit kluger Vorsicht wusste Schorn-\nstein kleine Zugeständnisse zu machen, ohne desshalb seine\nbessere Richtung zum Opfer zu bringen. Die frühesten\nConcert-Programme weisen noch zahlreiche Opernsätze\nvon Paer, Righini, Mair u. s. w. nach, worin Schorn-\nstein selbst durch seinen herrlichen Vortrag als Bassist\nglänzte, während aus Händel'schen Werken nur einzelne\nNummern ausgehoben wurden, deren Erfolg nicht zwei-\nfelhaft sein konnte, wie der Empfang der Sieger im Josua,\ndas Halleluja im Messias und ähnliche. In dem Grade, in\nwelchem derartige Sätze aufe älteren Werken häufiger wer-\nden, verringert sich die Zahl der Opernstücke.\nDie jährlichen Abonnements-Concerte hatten in dem\nnoch jetzt unverändert bestehenden Saale des Hotel Her-\nminghausen Statt, bis sie im Jahre 1819 ins Casino ver-\nlegt wurden. Im Jahre 1817 fand ein musicalisches Er-\neigniss Statt, welches für die ganze Rheinprovinz die be-\ndeutsamsten Folgen haben sollte. Schornstein hatte sich\nlängst danach gesehnt, dem Publicum auch einmal ein\ngrosses classisches Werk vorzuführen, wie er es früher mit\nder Singschule schon versucht hatte. Da er das Gewagte\ndes Unternehmens sehr wohl erkannte, so war er darauf\nbedacht, durch ein möglichst populäres Werk und die\nglänzendste Ausstattung den Erfolg auf jede Weise sicher\nzu stellen. Die Wahl fiel auf Haydn's „Schöpfung\",\nwelche zunächst mit aller erdenklichen Sorgfalt einstudirt\nwurde; hieraufsuchte man nach allen Seiten hin auswär-\ntige Musikfreunde zur Mitwirkung zu gewinnen. Einen be-\nsonders starken Zuzug leistete Düsseldorf auf Burgmül-\nler's besonders tbätige Verwendung, eben so Crefeld mit\nder Familie VVolff an der Spitze. Schornstein, der nie\nvorher ein Pferd bestiegen hatte, ritt selbst nach Dort-\nmund, um Fräulein Eilking, spätere Frau Pottgieser,\nfür die Sopran-Soli zu gewinnen. Herr Scheibler aus\nCreield halle die Tenor-Soli übernommen. Auf diese Weise\nwurden 110 Mitwirkende zusammengebracht und die Auf-\nführung am 1. November im grossen Saale der damaligen\nso genannten ersten Gesellschaft (im jetzigen Gymnasium)\nabgehalten. Der Zudrang des Publicums war ein ausser-\nordentlicher. Die Aufführung selbst übertraf alle Erwar-\ntungen; eine so grossartige Wirkung hatte Niemand ge-\nahnt, und bei Allen stand der Entschluss fest, diesen Hoch-\ngenuss um jeden Preis durch ähnliche Aufführungen in\nZukunft zu erneuern. Schon Tags darauf traten die ein-\nflussreichsten Musikfreunde der verschiedenen Städte zu\neiner Berathung zusammen, und das Resultat derselben\nwar die Gründung der niederrheinischen Musik-\nfeste.—Man vereinigte sich zu zweitägigen Aufführungen,\nwelche alljährlich, zwischen Elberfeld und Düsseldorf ab-\nwechselnd, an den Pfingsttagen Statt finden sollten, um\ngrossartige Tonwerke durch Zusammenfassen sämmtlicher\nmusicalischer Kräfte zur würdigen Darstellung zu bringen.\nSo fand denn schon sechs Monate später unter Burgmül-\nler's Leitung das erste niederrheinische Musikfest in Düs-\nseldorf Statt. Seit der elberfelder Anregung war man so\nsehr von der Hoheit der Oratorien-Musik ergriffen, \"dass\nman des Guten kaum zu viel thun konnte und desshalb\nbei dieser Gelegenheit gleich zwei Oratorien auf einmal\nzur Aufführung brachte, nämlich am ersten Tage die „Jah-\nreszeiten\", am zweiten die „Schöpfung\" von Haydn. Die\nrasche Wiederholung des letzteren Werkes mag als Be-\nweis dienen, wie mächtig die Wirkung bei der ersten Auf-\nführung gewesen sein musste.\nZu Pfingsten 1819 war die Reihe an Elberfeld ge-\nkommen, und nun endlich nach zehnjährigem unablässigem\nStreben sollte Schornstein's heissester Wunsch in Er-\nfüllung gehen und ein vollständiges Oratorium von Hän-\ndel zur Aufführung gelangen. Man wählte die Krone sei-\nner Werke, das Oratorium aller Oratorien, den unsterb-\nlichen „Messias\", und somit war es abermals Elberfeld,\nwelchem unter allen Städten der Rheinlande die Ehre ge-\nbührt, zuerst ein vollständiges Händel'sches Werk zur\nAufführung gebracht zu haben. Aus dem Programme des\nzweiten Tages strahlen uns die e und die\ngrosse Leonoren-Ouverture von Beethoven entgegen;\nwir sehen demnach, dass Elberfeld auch in Bezug auf die\nProgramme für die niederrheinischen Musikfeste bis auf\nden heutigen Tag maassgebend geworden ist, denn die gan-\nzen 42Jahre hindurch blieb Händel der Haupt-Factor\nfür den ersten Tag und Beethoven für den zweiten.\nDas dritte Musikfest fiel wieder auf Düsseldorf und\nbrachte unter Burgmüller's Leitung am ersten Tage\nden Samson von Händel und am zweiten Beethoven's\nEroica. Mit dieser dritten Feier waren die Musikfeste, weil\nlediglich aus dem Schoosse des Volkes ohne Schutz und\nBeeinflussung von aussen hervorgegangen, bereits so sehr\nNational-Angelegenheit geworden, dass Köln nicht länger\nzurückbleiben konnte. Noch in demselben Jahre schloss es\nsich dem Verbände an, um die Ehre zu haben, das vierte\nMusikfest in seinen Mauern zu feiern. Dasselbe fand im\nJahre 1821 Statt und brachte unter Burgmüller's Lei-\ntung das Weltgericht von Friedr. Schneider (bereits\nein Jahr früher in einem elberfelder Concerte aufgeführt}\nund Beethoven's C-7wo//-Sinfonie.— Das fünfte Musikfest\nfiel auf Düsseldorf, wobei Burgmüller das befreite Je-\nrusalem vonStadler und nochmals Beethoven's D-dur-\nSinfonie auf das Programm brachte. Das sechste Musik-\nfest fand in Elberfeld unter Schornstein's Leitung Statt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5385, "texte": "und überstrahlte durch HändePs Jephta und Beetho-\nve n's siebente Sinfonie bei Weitem das Programm des\nvorhergegangenen Jahres.—Das siebente Musikfest wurde\nin Köln mit Schneider's Sündllulh, von\nRies und Beethoven's Coriolan-Ouverture gefeiert. Die\nStadt Aachen schloss sich noch im Jahre 1824 an und\nfeierte im nächsten Jahre unter der Leitung von Ries das\nachte Musikfest mit HändePs Alexandeifest, Beetho-\nven's neunter Sinfonie und Christus am Oelberge.—\nDas neunte Musikfest wurde in Düsseldorf unter Ries und\nSpohr abgehalten und brachte „Die letzten Dinge\" von\nSpohr, eine Vocalmesse von Schneid er, 16 Nummern\naus dem Messias und die D-t/wr-Sinfonie von Ries. —lm\nJahre 1827 war wieder die Reihe an Elberfeld, welches\ndas zehnte Musikfest unter Schornstein's Leitung mit\nSchneider's „Verlornem Paradies\", mit dem Kyrie und\nGbria aus der grossen D- von Beetho-\nven und dessen C-moll-Sinfonie ausschmückte*). Dies war\naber auch das letzte Musikfest, welches hier gehalten wurde.\nWährend für die früheren Jahre unser Casinosaal ausge-\nreicht halte, mussten das letzte Mal bereits die Räumlich-\nkeiten der Reilbahn in Anspruch genommen werden; aber\nauch diese würden für die Folge nicht mehr ausgereicht\nhaben, abgesehen davon, dass es der Stadt an Gasthöfen\nzur Unterbringung der massenhaft zuströmenden Fremden\ngebrach. Als daher drei Jahre später wieder die Reihe an\nElberfeld kam, sah sich dieses gezwungen, mit tiefem Be-\ndauern aus dem Verbände zu scheiden. Aber die Hebung\nunseres Gesangvereins war bereits vollständig erreicht.\nEs galt jetzt nur, die eingeschlagene Richtung unwan-\ndelbar festzuhalten und bei den eigenen Concerten den\nProgrammen der späteren Musikfeste als Leitsternen zu\nfolgen. Diese Aufgabe lag ganz im Sinne Schornstein's\nund wurde von ihm mit treuer Beharrlichkeit durchsre-\no\nführt. Ueberdies hatte der Gesangverein von Jahr zu Jahr\nan Mitgliedern zugenommen, so dass man wohl im Stande\nwar, selbst die grössten Werke ohne fremde Unterstützung\nzur würdigen Darstellung zu bringen. So zeigen denn\nauch die Concert-Programme der nächstfolgenden Jahre\ndas treue Verfolgen der classischen Richtung. Wir be-\ngegnen fast ausschliesslich nur Compositionen von Händel,\nHaydn, Mozart, Beethoven, Spohr, Weber, Klein,\nSchneider und Fesca. Unter Anderen wurde im Jahre\n1834 David von Klein, im Jahre 1835 das Alexander-\nlest von Händel aufgeführt. Für die Programme der\nspäteren Zeit wurde das düsseldorfer Musikfest im Jahre\n1836 von ganz besonderer Bedeutung. Es war da Men-\nPaulus zum ersten Male aufgeführt worden\nund hatte einen ganz unbeschreiblichen Enthusiasmus her-\nvorgerufen. Einem jungen, bis dahin unbekannten Künst-\nler war es gelungen, was seit 30 Jahren so viele gewiegle\nMeister vergebens erstrebt hatten, ein Oratorium zu schaf-\nfen, welches den grossen Schöpfungen des vorigen Jahr-\nhunderts würdig an die Seite treten durfte, ein Werk,\nwelches mit der Würde und Strenge der alten Schule die\nglänzenden Errungenschaften der Neuzeit aufs glücklichste\nzu vereinen wusste. Von diesem Augenblicke an war Men-\ndelssohn der entschiedene Liebling in den Rheinlanden\nund ist es bis heute geblieben. Schon im Jahre 1837\nführte der hiesige Gesangverein den Paulus auf und von\nda an bildeten die Mendelssohn sehen Gesangwerke\nden Hauptbestandtheil unserer Programme. Sie sind alle\nohne Ausnahme, viele sogar mehrfach, zur Aufführung\ngelangt und zwar meistens sofort nach Erscheinen, so z. B.\nMendelssohn's Schwanengesang, der Elias, schon drei\nWochen nach erfolgter Herausgabe. Es war ein eigen-\ntümlicher Vorzug Schornstein's, der gar nicht hoch\ngenug angeschlagen werden kann, dass er trotz des streng-\nsten unverbrüchlichsten Festhaltens an dem alten Bewähr-\nten, sich dennoch die leichte Empfänglichkeit der Jugend\nfür neue Eindrücke in ihrer ganzen Frische bis ins spä-\nteste Alter bewahrte. Ja, diese Empfänglichkeit schien\nsogar mit den Jahren zuzunehmen. Ein glänzender Beleg\nhierfür ist die liebevolle Hingabe des bereits 60 Jahre\nalten Mannes an Schumann gleich nach dessen Auftre-\nten. Die unergründliche Gemüthstiefe dieses wunderbaren\nTondichters ist leider von Aussen oft so schwer zugänglich,\ndass es selbst bis zur heutigen Stunde nur wenige Orte\ngibt, wo er zur vollen Geltung gelangte, aber desto mehr,\nwo er bisher ganz unverstanden geblieben. Hier in Elberfeld\nwurde sein Paradies und Peri bereits im Jahre 1845 auf-\ngeführt und sogar bald darauf wiederholt. Dieses Jahr\nwar überhaupt sehr reich an musicalischen Erscheinungen ;\nes brachte uns ausserdem noch die Walpurgisnacht und\ndie Musik zum Sommernachtstraum von Mendelssohn\nund das Oratorium Moses von Marx. Sie alle wurden\nschon in der nächsten Zeit hier aufgeführt und haben alle\nzum Theil mehrfache Wiederholungen erlebt.\nSo schritten Dirigent und Verein auf der Künstler-\nbahn rüstig voran, treu am bewährten Alten festhaltend\nund das bedeutende Neue mit warmem Herzen aufneh-\nmend und der Oeffentlichkeit vermittelnd, bis plötzlich das\nJahr 1853 das schöne Verhältniss zerriss. Der unver-\ngleichliche Mann, der den Verein seit 41 Jahren mit bei-\nspielloser Hingebung und Einsicht geleitet hatte, der, ob-\ngleich bereits im 65. Lebensjahre stehend, sich noch des\nVollbesitzes geistiger Kraft erfreute, wurde uns am 2.\n\n•*) Hiernach ist die irrige Meinung zu berichtigen, als habe\nSchornstein damals die gan z 6 D-dur-Messe von Beet h o-\nven aufgeführt. Die Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4071, "texte": "December durch einen ganz unvermutheten Tod entrissen.\nNie war eine Trauer tiefer und allgemeiner! Der ganze\nVerein, gefolgt von allen übrigen musicalischen Corpora-\ntionen der Stadt, geleitete den theuren Entschlafenen zur\nletzten Ruhestätte, und am 9 December fand eine ergrei-\nfende Todtenfeier im grossen Saale des Casino Statt. Ein\neinziger Trost milderte den herben Verlust. Hermann,\nder älteste Sohn des Entschlafenen, unter dem berühmten\nHummel zum trefflichen Künstler gebildet, hatte bereits\nseit 22 Jahren ganz im Geiste des Vaters den Gesang-\nverein und die Concerte in Barmen geleitet. Niemand\nausser ihm war im Stande, so sichere Bürgschaft für die\nfernere Leitung des Vereins im Sinne des Gründers zu\ngeben, und da er selbst dieses Fortführen als ein theures\nVermächtniss betrachtete, welches nicht abgelehnt werden\ndürfte, so nahm er die einstimmige Wahl freudig an\nund kehrte Anfangs 1854 in seine Geburtsstadt zurück.\nDer Verein, um dem neuen Dirigenten Gelegenheit zu\ngeben, seine Fähigkeiten sofort in ihrem ganzen Umfange\nzu bewähren, veranstaltete im Juli ein Musikfest, an des-\nsen erstem Tage Haydn's Jahreszeiten zur Aufführung\nkamen. Fräulein Nathalie Eschborn, die berühmten\nOratoriensänger Schneider und Kindermann aus Mün-\nchen hatten die Solo-Partieen übernommen. Es war eine\nAufführung, wie Elberfeld noch keine ähnliche erlebt hatte.\nIm Herbste 1854 nahmen die Abonnements-Concerte\nihren gewohnten Anfang, und gar bald zeigte es sich in\nden Programmen und ihrer Ausführung, dass der neue\nDirigent die gehegten Erwartungen glänzend zu rechtfer-\ntigen verstand. In Bezug auf Vorführung neuer bedeu-\ntender Werke sind zu erwähnen: Sängers Fluch von Schu-\nmann, Jephla von Reinthaler, Erlkönigs Tochter von\nGade, Lucifer von van Eyken und andere.\nMitten unter den Vorbereitungen zu Schumann's\nFaust brannte in der Neujahrsnacht 1858 das Casino ab,\nmit ihm der in akustischer Vollendung unvergleichliche\nConcertsaal. Ausserdem verlor unser Verein nicht allein\nsein Uebungslocal, sondern zum grossen Theile auch seine\ntreffliche seit 40 Jahren angesammelte Bibliothek. Der\nempfindlichste Schlag wurde uns aber dadurch versetzt,\ndass zwei Jahre hindurch keine öffentlichen Aufführungen\nmöglich waren. Erst im vorigen Jahre war der Neubau\nso weit gefördert, dass im März der bedeutend vergrösserte\nConcertsaal mit Mendelssohn's Paulus eingeweiht wer-\nden konnte. Die Concerte des verflossenen Winters wur-\nden mit dem Elias eröffnet und zeigten in ihren weiteren\nProgrammen und deren Ausführung, dass der erlittene\nSchaden bereits völlig verschmerzt und der Verein die\nfrühere Höhe seiner Leistungsfähigkeit wieder eingenom-\nmen hatte.\nDer Verein, welcher vor 50 Jahren von 21 Verehrern\ndes edlen Gesanges begrüridet wurde, weis't heute einen\nBestand von 200 Mitgliedern nach und H a y d n' s Schöpfung,\nwelche vor 44 Jahren von 110 Musikfreunden aufgeführt\nwurde, die aus allen Städten der Rheinprovinz zusammen-\ngerafft werden mussten, wurde am 30. November von mehr\nals 240 Mitwirkenden gegeben, die sämmtlich der Stadt\nElberfeld selbst angehören. Um auch das Fest durch eine\nThat des Fortschrittes zu bezeichnen, hat der Verein in\ndem Concertsaale ein grossartiges Orgelwerk von 36 klin-\ngenden Stimmen, drei Manualen und freiem Pedal aus der\nWerkstatt von Ibach Söhne in Barmen aufgestellt, wel-\nches seine brausenden Accorde zum ersten Male bei den\nWorten: „Und es ward Licht\", ertönen liess.\nIn den letzten fünfzehn Jahren haben sich die Herren\nF. Heyer, A. Wülfing und J. H. Zapp durch thätigste\nUnterstützung des technischen Dirigenten die höchsten An-\nsprüche auf dankbare Anerkennung erworben. Auch hat\nHerr Zapp mit besonderer Aufopferung das Material zu\nvorliegender Darstellung gesammelt.\nUnd so trete denn der Verein unter glücklichen Auspi-\ncien die zweite Hälfte seines Jahrhunderts an und mögen\nam Schlüsse desselben unsere Nachkommen mit gerechtem\nSelbstbewusstsein aussprechen dürfen, dass sie das Erbe\nder Väter redlich verwaltet und einer immer höheren\nVollendung entgegengeführt haben!\n*).\n(Schluss folgt.)\n\nDr. F. W. Arnold"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-12-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "388", "page_fin": "391", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.2.3", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.4", "debut_caractere": 4073, "fin_caractere_exclue": 5076, "texte": "Aus Münster.\n[Athalia von Händel Leistungen des Musik-Vereins.]\nDen 30. November 1861.\nDie Feier des diesjährigen Cäcilienfestes (22. Novem-\nber) durch den hiesigen Musik-Verein verdient einer be-\nsonderen Erwähnung. Zur Aufführung kam die Athalia\nvon Händel. Dieselbe gehört zu den weniger bekannten\nHändel'schen Oratorien. Aufführungen derselben vor ihrem\nErscheinen in der von der Händel-Gesellschaft veranstalteten\nAusgabe der Werke Händel's im Jahre 1859 (Lieferung 5)\nmögen in Deutschland wohl nur seilen vorgekommen sein.\nMrs. Trollope erzählt in ihrem Werke: „Wien und die\nOesterreicher\", von einer solchen, der sie im wiener Burg-\nTheater im Winter 1836—1837 beigewohnt und in\nwelcher sich nur die Bass-Partie, von Staudigl gesungen,\nausgezeichnet habe. Seit dem Jahre 1859 ist das Oralo-\nriurti am 16. October 1860 vom Vereine für classische\nKirchenmusik in Stuttgart und ausserdem, so viel bekannt\n\n*) Auszug aus dem „Gedenkblatt zur fünfzigjährigen Jubelfeier\ndes Elberfelder Gesangvereins.\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5533, "texte": "geworden, in München aufgeführt. Ob dasselbe bei diesen\nAufführungen mit Orchester-Begleitung gegeben wurde,\nlässt sich bezweifeln, da eine solche bis dahin nicht ver-\nöffentlicht worden ist, wenn gleich in der Biographie Mo-\nzart's von O. Jahn, Band 4, S. 457, einer Bearbeitung der\nAthalia von van Swieten Erwähnung geschieht. Um für\nden hiesigen Musik-Verein die Aufführung möglich zu ma-\nchen, hatte der Dirigent desselben, Herr Musik-Director\nJ. O. Grimm, nach den Andeutungen Händel's in der\ngedachten Ausgabe die Orchesterstimmen dazu geschrieben.\nDiese Orchestrirung ist durchgängig sehr schön. Voll herr-\nlicher Klang-Effecte und überall dem Charakter der Sing-\nstimme entsprechend, macht sie sich nirgends auf eigene\nHand geltend. Sie benutzt alle Mittel des Orchesters mit\ngrosser Kenntniss ihrer Wirkung und bleibt doch dem\nGesänge untergeordnet; insbesondere bedient sie sich der\nBlech-Instrumente mit weiser Sparsamkeit, dann aber mit\num so grösserem Effecte, und trägt und hebt somit die\nGesang-Partieen. Sie verdient, auch abgesehen davon, dass\nsie die Aufführung des schönen Werkes an anderen Orten\nohne Weiteres möglich macht, dieses ihres musicalischen\nWerthes halber weiter bekannt zu werden.\nDas Oratorium selbst wurde von Händel für eine aka-\ndemische Feier der Universität Oxford componirt und dort\nunter seiner Leitung zum ersten Male am 10. Juli 1733\nin Gegenwart von 3700 Zuhörern mit höchstem Beifallc\naufgeführt. Der Stoff des der Composition zum Grunde\nliegenden Gedichtes Sam. Humphrey's ist der Geschichte\ndes jüdischen Volkes, unter Benutzung der „Athalie\" von\nRacine, entnommen und hat den Streit Athalia's, der dem\nBaalsdienste ergebenen Königin Juda's, mit den Anhän-\ngern des Jehovahdienstes, den Sieg der letzteren über\nAthalia und ihre Anhänger und die Errettung und Erhe-\nbung des Enkels derselben, des von ihr bis auf den Tod\nverfolgten Joas, auf den Königsthron von Juda zum Gegen-\nstande. Das Gedicht, welches aus drei Acten besteht, die\nwieder in Scenen zerfallen, bietet durch die gegensätz-\nliche Stellung der auftretenden Personen und Chöre, die\nIreilich die Entwicklung nur in loser Verbindung weiter-\nführen, vielfach Veranlassung zu charakteristisch-musicali-\nscher Behandlung. Obwohl das Werk zu den früheren\nOratorien-Compositionen Händel's gehört, so offenbart sich\ndarin doch bereits nach allen Seilen hin der Meister. Die\nSolo-Partieen sind sämmtlich höchst ansprechend, und häu-\nfig, wie z. B. die Arien des Hohenpriesters Joad: „0\nHerr, zu dem wir flehen\", der Josabeth, des Hohen-\npriesters Gattin und Pflegerin des Joas: „Treue Pfleg',\numsonst gespendet\", des Math an, Heerführers der Atha-\nlia: „Holder Sang, melodisch Lied\", mit sehr schöner\nVioloncello-Begleitung, das Duett zwischen Josabeth\nund Joas: „Der Himmel beschirmt mich\", die Arie des\nJoad: „Begleitet mich mit Harfenklang\", u. s. w. von\nreizender Melodie. Mit vortrefflicher Charakteristik sind\ndie Particcn der Athalia und des dem Jehovahdienste\nergebenen Heerführers Abner ausgeführt. Auch ist die\nSteigerung des Ausdrucks in den Schluss-Arien des Ab-\nner: „Nicht länger erschreckt deine Wuth mich\", des\nMathan: „Horch, horch, wie dumpf sein Donner rollt\",\nund der Athalia: „Zum Grauen der Hölle\", von grosser\nWirkung. Dennoch liegt auch schon in diesem Werke der\nmusicalische Schwerpunkt in den Chören. Mannigfach wer-\nden dieselben von den Solo-Partieen als Chorführern ein-\ngeleitet. Der Chor nimmt dann dasselbe Thema auf und\nführt es in weiteren und reicheren Gestaltungen fort. Die\nbreite Anlage und Ausführung der Chöre in den späteren\nOratorien Händel's haben diese Chöre der Athalia nicht;\ndagegen bieten sie auch in ihrer Kürze durch die grosse\nMannigfaltigkeit ihres musicalischen Charakters hohes In-\nteresse. Es wechseln Chöre der israelitischen Jungfrauen,\nder Israeliten und der israelitischen Priester und Leviten\nmit Chören der Begleiter der Athalia und der sidoniseben\nPriester. Der Ernst und das oft Herbe des musicalischen\nAusdrucks jener bildet mit dem leichten, in lieblichen Mo-\ntiven dahinziehenden Flusse dieser Chöre einen wirksamen\nContrast. Es stehen sich in solcher Art der Chor der israe-\nlitischen Jungfrauen und Israeliten: „Wie krönte Gott Je-\nhovah's Macht die Welt mit Herrlichkeit und Pracht\"\nmoll, %), ein in ruhigem Ernste fortschreitender Lobge-\nsang aul Jehovah, der fernere Chor der Israeliten: „Zwing-\nherrn, nicht beugt uns euer Zwang\" 3/4, Allegro),\nvoll kräftiger Entschiedenheit, und der ganz besonders\nausdrucksvolle, durch prächtige Harmonisirung ausgezeich-\nnete Klagechor der Israeliten: „0 hör' von Deinen Höh'n\"\n(iC-moll, 12/3, Largo), auf der einen Seite, und die Chöre\nder sidonischen Priester: „Die Macht, die gnad- und se-\ngenreich\" [F dur, 12/ s, Allegro), von frischem, lieblichem\nEindrucke, „Reich' ihr, o Baal, deine Hand\" {A-dur, 4A)»\neine Fuge, lebendig und voll Bewegung, und der Chor:\n„Ergreifst du den Verräther dort\" (G-clur, %), wirksam\ndurch originellen, lebendigen Rhythmus auf der anderen\nSeite gegenüber. Die Chöre der Jehovah-Diener ergreifen\ndurch diesen Ernst; aber der den Sinn fesselnde Duft,\nwelcher die Chöre der Baals-Diener durchzieht, lässt bei\nManchen die Frage, welche die schöneren seien, eben so\noffen, wie dies bei manchen Darstellungen der klugen und\nder thörichten Jungfrauen durch die bildende Kunst der\nFall ist. Der Schluss des ersten Actes, ein in lebendigem\n2/4-Tact dahinfliessendes Hallelujah vereinigt\ndiese Gegensätze. In den folgenden Acten treten dieselben\nzurück gegen ein anderes musicalisches Medium, dessen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5409, "texte": "sich hier Händel bedient. Während nämlich sämratliche\nChöre des ersten Actes nur vierstimmig sind, beginnt der\nzweite Act mit einem achtstimmigen Doppelchor, welcher\nin breitem 4/4-Bhythmus [D-duprachtvoll einherschrei-\ntet und besonders in seinem Schlüsse: „Hoch feiert uns'ren\nheil'gen Bund\", von grossartiger Wirkung ist. Nachdem\nein vierstimmiges Tutti: „Sing' freudig, Juda, deinem Gott\"\n(V 4, D-moll), welches das Fugen-Thema der vorhergehen-\nden Chöre der Jungfrauen und Priester weiter ausführt,\nden zweiten Act geschlossen, folgen im dritten der schöne\nachtstimmige Chor: „Sprich, heil'ger Mann\"\nGrave),der vierstimmige: „0 Licht der Gnade\"\nV 4), der achtstimmige: „Wir steh'n zu Dir voll Muth\"\n[B-dur, % Andante allegro), und der achtstimmige: „Laut\nauf voll Jubel jauchzen wir\" [D-dur, k/£), alle zwar kurz,\naber keiner ohne eigentümliche Schönheit. Das Ganze\nschliesst mit der Wiederholung des letzten Theiles des er-\nwähnten Eingangs-Chors des zweiten Actes und erhöht\ndadurch nicht nur das Gefühl des Zusammenhangs der\neinzelnen Theile, sondern hinterlässt auch durch die Pracht\nund Schönheit dieses Chors einen grossen Eindruck.\nDiese klanglosen Umrisse des Werkes vermögen zwar\nvon seinem musicalischen Inhalte keine Vorstellung zu ge-\nben. Sie erreichen ihren Zweck, wenn sie auf seine Schön-\nheiten aufmerksam machen und anderen Vereinen die Auf-\nführung empfehlen. Alle erwähnten Eigenschaften machen\ndasselbe für die Aufführung zu einem sehr dankbaren;\nauch bietet es weder in den Solo-Partieen, noch in den\nChören, im Vergleich mit den bekannteren späteren Ora-\ntorien Händel's, besondere Schwierigkeiten.\nSonach war die Wahl dieses Werkes für die diesjäh-\nrige Cäcilien-Feier eine glückliche. An der Aufführung nah-\nmen Theil ein Chor von 142 Stimmen und ein Orchester\nvon 17 Violinen, 6 Violen, 6 Violoncellen, 4 Contrabäs-\nsen, 17 Bläsern und 1 Pauker, sämmtlich Mitgliedern des\nhiesigen Musik-Vereins. Die Solo-Partie der Athalia (Mez-\nzo-Sopran) wurde von Frau Bertha Bargheer, geb.\nWagner, aus Detmold, die des Abner (Bass) von Herrn\nAlbes, Sänger der hiesigen Oper, die der Josabeth und\ndes Joas (beide Sopran) und die des Joad (Alt) und des\nMalhan (Tenor) von Mitgliedern des Vereins gesungen.\nHerr Musik-Director J. 0. Grimm leitete die Aufführung,\nwie sich nach dessen vorzüglichen Dirigenten-Eigenschaften\nerwarten liess, nach allen Seiten hin in vortrefflicher Weise.\nAlle Chöre ohne Ausnahme gingen sehr gut. Voller, schö-\nner Ton, Reinheit der Stimmen, besonders auch in den\nhohen Tönen des Soprans, präcises Einsetzen und ein Vor-\ntrag, in welchem das Verständniss dieser Chöre und das\nErgriffensein von ihrer Schönheit zu Tage trat, zeichneten\nden Chor, schöner Klang, accurales Spiel und genaue Be-\nAchtung der Dynamik das Orchester aus. Frau B. Barg-\nheer, eine Schülerin des Musik-Directors Grimm, sang die\nPartie der Athalia mit tiefem Verständnisse; ihre prächtige\nDeclamation, ihr seelenvoller und dramatisch-lebendiger\nVortrag hoben den Klang ihrer kraftvollen Stimme und\ngewährten einen grossen Genuss. Herr Albes, ein gebilde-\nter Sänger, war seiner Partie vollkommen gewachsen; lei-\nder halte sein kräftiger Bass in Folge von Heiserkeit nicht\nseinen vollen Klang. Die übrigen Solo-Partieen waren\ndurch schöne, klangvolle, jugendliche Stimmen vertreten,\nvon denen einzelne bei sorgfältiger Ausbildung Vorzügli-\nches zu leisten versprechen.\nFür die nach alledem sehr gelungene Aufführung des\nbis dahin hier unbekannten schönen Werkes sind die hie-\nsigen Kunstfreunde dem Vereine und seinem Dirigenten\nzu grossem Danke verpflichtet.\nSchliesslich möge eine Mittheilung über die Leistun-\ngen des Vereins seit meinen Berichten in Nr. 24 und 50\ndes vorigen Jahrgangs dieser Blätter, hier noch eine Stelle\nfinden. Es wurden seitdem in achtzehn Concerten folgende\nTonwerke aufgeführt: I. Sinfonieen: von Beethoven in C-\ndur (Nr. 1), Eroica(Nr. 3), (Nr. 5),\n(Nr. 6), A-dur (Nr. 7) und F-dur (Nr. 8); von Mozart in\nG-moll und in C-durmit der Fuge; von Haydn in fer-\nner in Es mit dem Paukenwirbel; in G mit dem Pauken-\nschlag; von Franz Schubert in C-dur; von Schumann in\nB-dur (Nr. 1) und eine Sinfonie von J. O. Grimm. 11.\nOuvertüren und Orchesterslücke: Ouvertüre zum Frei-\nschütz, zu Oberon, zu Euryanthe und Jubel-Ouverlure von\nC. M. von Weber ; zur Zauberflöte und zu Figaro's Hoch-\nzeit von Mozart; zu Ruy Blas und Meeresstille und glück-\nliche Fahrt, Concert-Ouverture von Mendelssohn; zur Stum-\nmen von Porliei von Auber; zu Anakreon, zur Medea und\nzu den Abencerragen von Cherubini; zu Wilhelm Teil von\nHossini; zu Genovefa von ß. Schumann; Ouvertüre und\nZwischenacte zu Göthe's Egmont von Beethoven; Ouver-\ntüre zu Coriolan von Beethoven; Trauermarsch aus der\nSonate Op. 26 von Beethoven, orchestrirt von Mendels-\nsohn; Musik zu Shakespeare's Sommernachtstraum von\nMendelssohn, mit verbindendem Texte von Gisb. Freiherrn\nVincke; Suite in Dvon J. Seb. Bach: Ouvertüre, Air, Ga-\nvotte I. und 11., Bourree und Gique; Pastorale aus der\nWeihnachts-Cantate von J. S. Bach. 111. Für Chor und\nOrchester: Chöre und Soli Nr. 9 bis 16 aus Elias von\nMendelssohn; Cantate „0 weint um sie\" von F. Hiller;\n„Meeresstille und glückliche Fahrt\" von Karl Ludw. Fi-\nscher; Elegischer Gesang für kleinen Chor und Streich-\nQuartett von Beethoven (Op. 118); „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" von Beethoven (Op. 112); Schlachtge-\nsang von J. Rietz (Op. 12); Scene aus dem zweiten Acte"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3689, "texte": "der Iphigenie in Tauris von Gluck; Cantate zum Oster-\nfeste: „Christ lag in Todesbanden\", von J. S. Bach, die\nOrgelbegleitung I ür Orchester eingerichtet von J. 0. Grimm;\nMesse in C-dur von Beethoven (op. 86); Opferlied von\nMatthisson, für Solo, Chor und Orchester componirt von\nBeethoven (op. 121); erste Scene des zweiten Actes aus\nOrpheus von Gluck; Motette: „Ihr Kinder Israels\", von\nMendelssohn; Musik zu dem Festspiel „Die Ruinen von\nAthen\" von Beethoven. IV. Solostücke und Kammermu-\nsik: Variationen für Pianoforte zu vier Händen von F.\nSchubert (op. 35), vorgetragen von J. O. Grimm und des-\nsen Gattin, Frau Philippine Grimm; Canon für Pianoforte,\ncomponirt und vorgetragen von J. O. Grimm; Der Ab-\nschied, Adagio für Waldhorn von Lübeck, vorgetragen\nvon Herrn Heck; Trio für Pianoforte, Clarinette und Vio-\nloncell von Beethoven (Op. 11); Concert für Pianoforte\nin C-mollvon Mozart, vorgetragen von Frau Ph. Grimm;\nQuintett lür Pianoforte, Oboe, Clarinette, Horn und Fa-\ngott von Beethoven (Op. 16); Serenade in für zwei\nOboen, zwei Clarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte\nvon Mozart; Concertstück für Pianoforte, mit Begleitung\ndes Orchesters von C. M. von Weber, vorgetragen von\nFrau Ph. Grimm; Hommage ä Händel für zwei Piano-\n(orte's von Moscheies, vorgetragen von Frau Ph. Grimm\nund Herrn J. 0. Grimm; Septett für Violine, Viole, Violon-\ncell, Contrabass, Clarinette, Horn und Fagott von Beetho-\nven (Op. 20); Romanze in Ffür die Violine von Beetho-\nven; Ciaconna für die Violine von J. S. Bach; Concert für\nPianoforte [C-moll)von Beethoven, vorgetragen von Frau\nPh. Grimm; Concert für Violine (Gesangscene) von L.\nSpohr; Quintett für Pianoforte, zwei Violinen, Viola und\nCello von R. Schumann (Op. 44). Hierzu kommreine\nnicht unbedeutende Zahl kleinerer Stücke für Sologesang\nund dergleichen.\nDer Standpunkt und die Richtung des Vereins sind\ndurch die Wahl dieser Werke von selbst bezeichnet. Einer\nbesonderen Erwähnung verdient die Sinfonie von J. 0.\nGrimm. Bekannt durch zarte und innige Compositionen\nmannigfacher Lieder, hat er sich hier mit Glück auf dem\ninstrumentalen Gebiete versucht und sein entschiedenes\nlalent auch dafür durch schöne, breite thematische Arbeit\nund originelle Durchführung dargethan. Alle vier.Sätze\nder Sinfonie haben Marcia-Motive zur Grundlage, deren\nverschiedener Charakter zu Steigerungen des Ausdrucks\nund zu überraschenden Klangwirkungen sehr glücklich be-\nnutzt ist. Unter den Aufführungen zeichneten sich die der\nherrlichen Osterlest-Cantate von Bach und der\nMesse von Beethoven besonders aus. Diese Cantate war\ndas erste grössere Werk Bach s, welches der Verein auf-\nlührtc. Der Beifall der Kunstfreunde und die Begeisterung\ndes VereiiiS'Dirigenten für diesen Meister lassen hoffen,\ndass dieses Gebiet weiter werde cultivirt werden. In der\nGattin des Dirigenten hat der Verein eine vorzügliche Pia-\nnistin gewonnen. Die Wahl der angezeigten, von ihr vor-\ngetragenen Musikstücke zeugt von ihrer classischen Rich-\ntung. Damit gehen gesunde, frische Auffassung, zarter, in-\nniger Ausdruck und ausserordentlich sichere und saubere\nTechnik Hand in Hand, so dass ihre Vorträge zu den ge-\nnussreichsten Productionen in den Vereins-Concerten ge-\nhören. Von grossem Werthe für die Orchesterkräfte des\nVereins ist die Anstellung des Concertmeisters Herrn G. A.\nBarg beer als ersten Violinisten. Durch den Vortrag der\noben erwähnten Solostücke bekundete er seelenvollen Aus-\ndruck, verbunden mit schönem, breitem Tone, reinem Spiel\nund grosser Bravour.\nLinter solchen Verhältnissen steht dem Vereine eine\nfernere Blüthezeit in Aussicht. Möge sich dieselbe auch\nseinem keine Mühe scheuenden, uneigennützigen Dirigen-\nten zum Lohne erfüllen! ***"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-12-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "392", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.7", "debut_caractere": 3691, "fin_caractere_exclue": 5855, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSterin. Das hiesige Con servatorium der Musik hat für\ndiesen Winter Musik-Abende in dem grossen Saale desselben an-\ngeordnet, in welchen die Schüler vor einem eingeladenen Publicum,\ndas aus Unterzeichnern für den Fonds und sonstigen Kunst-\nfreunden besteht, an das öffentliche Auftreten gewöhnt werden und\ndie Anstalt zugleich eine Einsicht in ihre Leistungen gewährt. Der\nerste Musik-Abend (am 2. d. Mts.) brachte in zehn Nummern für\nVioline (Concertsatz von Rode, Quartettsatz von Beethoven), Piano-\nforte (Capriccio in E-dur von Mendelssohn, Concertsatz in As-dur\nvon Hummel, Sonate mit Violine in Es von Beethoven, Suite von\nJ. S. Bach) und Gesang (Sopran-Arie in F aus Don Juan, Frauen-\nchor von Cherubini, Alt-Arie aus Herakles von Händel, zwei zwei-\nstimmige Gesänge neu von F„ Hiller) sehr erfreuliche Beweise\nder Fortschritte der Zöglinge.\nf 3. December. Gestern liess sich im Saale der\nvereinigten Gesellschaft, gelegentlich des ersten philharmonischen\nConcertes der Hofcapelle, ein junger frankfurter Ciavier-Virtuose,\nHerr Martin Wallenstein, hörenj dem es gelang, unser etwas\nphlegmatisches Publicum in gelinde nervöse Aufregung zu versetzen.\nDer junge Mann spielte den zweiten und letzten Satz aus Hummers\n11-moll-Concevt mit einer solchen Bravour und zu gleicher Zeit mit\neiner solchen Gediegenheit und Solidität, die ihm einen für Darm-\nstadt unerhörten Beifall einbrachte. Im zweiten Theile spielte Herr\nWallenstein einige Sachen von Thalberg und Chopin und wusste die\nTheilnahme des Publicums wo möglich noch zu steigern. Der enorme\nBeifall, der ihm zu Theil wurde, war eben so lärmend als vollkom-\nmen verdient, und der Wunsch wurde allgemein rege, Herr Wallen-\nstein möge recht bald ein eigenes Concert veranstalten An Or-\nchesterwerken hörten wir Beethoven's Pastoral-Sinfonie und We-\nber1 s Jubel-Ouverture; beide wurden mit gewohnter Präcision aus-\ngeführt.\nDer 29. Dec ember (Sonntag) ist jetzt unwiderruflich für die\nerste Vorstellung von Schind elmeisser's neuer Oper Melusine\nbestimmt, zu deren Aufführung in jeder Beziehung die umfassend-\nsten Vorbereitungen getroffen werden. Die Haupt-Partieen befinden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1736, "texte": "sieh in den Händen der Pamen Emilie Schmidt, Langlois, Limbach\nund der Herren Künzel, Becker und Trapp.\nGera. In dem Concerte des musicalischen Vereins am 25. Oc-\ntober wurde F. Hiller's „Lorelei\" aufgeführt. Der Violoncellist\nDavid off aus Leipzig spielte ein Concert von Goltermann und eine\nPhantasie von Servais.\nDie D- d ur-Messe von Beethoven betreffend. In einem\nuns mitgetheilten Privatbriefe über die neuliche Aufführung der\nMissa äolemnis in Hamburg (vgl. Nr. 47) wird die besondere Wir-\nkung hervorgehoben, welche die Ausführung des Pleni sunt coeli im\nSanctus durch den ganzen Chor gemacht habe. Das glauben\nwir sehr gern und wissen es aus Erfahrung, da bei allen Auffüh-\nrungen hier in Köln, eben so bei dem diesjährigen Musikfeste in\nAachen, das fragliche Ällegro pesante mit dem folgenden Presto\nimmer vom ganzen Chor gesungen worden ist, wie wir denn auch\nschon längst in diesen Blättern den Wunsch ausgesprochen haben,\ndass dies überall geschehen möge. Was die uns ebenfalls mitge-\nteilte Angabe einer Aufführung der ganzen Messe schon im Jahre\n? 827 zu Elberfeld betrifft, to beruht diese auf einem Irrthum (s.\noben S. 887); es wurde nur das Kyrie und Gloria gemacht, wie\ndies in Nr. 53 des vorigen Jahrgangs und schon früher in Nr. 50\ndes I. Jahrgangs 1851 unserer Zeitung richtig angegeben ist.\nHaag* Am 27. November gab die unter dem Protectorate des\nKönigs bestehende Gesellschaft De Toekomst (für Unterstützung von\nTonkünstler-Witwen und Waisen) ein grosses Coneert im Theater,\nin welchem EJerr August Kömpel durch seine Vorträge auf der\nVioline 8. Concert von Spohr und Phantasie von David das\n»ahlreiche Publicum zur Bewunderung hinriss. Die gedachte Gesell-\nschaft überreichte ihm das Diplom als Ehren-Mitglied."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie fünfzigjährige Jubelfeier des Elberfelder Gesangvereins. Aus Münster (Athalia von Händel Leistungen des\nMusik-Vereins). Von ***. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Abende im Conservatorium Darmstadt, Martin Wal-\nlenstein, Schindelmeisser's neue Oper „Melusine\" Gera, Concert Die D-dur-Messe von Beethoven Haag, August Kömpel),\n\nDie fünfzigjährige Jubelfeier des Elberfelder\nGesangvereins.\n\nIn der Epoche von Deutschlands tiefster Erniedrigung,\nim Winter 1811, erliessen mehrere Musikfreunde in El-\nberfeld einen Aufruf zur Bildung eines Vereins für Pflege\ndes Chorgesanges, weil wie es in dem Rundschreiben\nvom 1. December wörtlich heisst— „das Grosse, das Er-\nhabene, das Herzergreifende, Rührende, Erschütternde un-\nstreitig mehr in den Chören liegt, als in den brillantesten\nBravour-Arien\". Nachdem das Rundschreiben zwanzig zu-\nstimmende Unterschriften gefunden hatte, traten unterm\n22. December die Herren Bredt, Berger, Nielo,\nReusch, Sasse, Schornstein, Wolff und Willem-\nsen zum Entwürfe der Statuten zusammen, nach welchen\nbestimmt wurde, dass sich die zwanzig Theilnehmer zur\nBildung einer Singschule vereinigen, um jeden Mittwoch\nunter Leitung der Herren Sasse und Schornstein\nmehrstimmige Werke einzuüben.\nEs bestand die Elberfelder Singschule aus zehn Da-\nmen und eilf Herren mit zwei technischen Leitern. Als\nVorstand wurden die Herren P. M. Bredt und Secretär\nReusch gewählt. Da sämmtliche Mitglieder bereits wohl-\ngeschulte Sänger waren, so ging das Einstudiren der Chöre\nmit solcher Leichtigkeit von Statten, dass schon vier Mo-\nnate später in dem Uebungs-Locale eine Aufführung von\nHaydn's „Jahreszeiten\" mit Orchester-Begleitung Statt\nfinden konnte, wozu aber bloss die Angehörigen und einige\nbesondere Musikfreunde eingeladen waren. Am 15. August\n1812 trat der Verein zum ersten Male in die Oeffentlich-\nkeit, indem er bei der gebotenen Feier des Napoleons-\nFestes die C-dur-Messe von Haydn in der katholischen\nKirche aufführte. Im darauf folgenden Winter kam die\n„Schöpfung\" von Haydn an die Reihe, welche ebenfalls\nmit Orchester-Begleitung, aber auch nur vor einem enge-\nren Kreise Eingeladener gegeben wurde. Eben so feierte\nder Verein den Napoleons-Tag im Jahre 1813, laut einer\nnoch vorliegenden Aufforderung von der Mairie, durch\neine musicalische Aufführung in der katholischen Kirche.\nEs war, Gott sei Dank, die letzte derartige Feier auf deut-\nschem Grund und Boden.\nIm Herbste des Jahres 1813 erdröhnten die Donner\nder Schlacht bei Leipzig. Auch in unseren Bergen wurde\ndie Fremdherrschaft gebrochen, Alles stand auf, um sich\ndem Siegeszuge nach Frankreich anzuschliessen. Das wa-\nren keine Zeiten für Pflege des Gesanges. Nachdem der\nVerein noch in einer Festlichkeit mitgewirkt hatte, welche\ndie Stadt beim Einzüge des General-Gouverneurs vom\nRhein-Departement, Justus Gruner, im Winter 1813\n1814 veranstaltete, lös'te sich die Singschule auf. Im\nHerbste 1814 aber gestaltete sich der Verein auf's Neue,\ndie Zahl der Mitglieder stieg sofort auf das Doppelte. Der\nZweck war nun nicht bloss, grössere Gesangwerke einzu-\nüben, sondern auch, sie zur öffentlichen Aufführung zu\nbringen. Die Singschule war verschwunden und an ihre\nStelle ein Gesangverein getreten, als dessen alleiniger Lei-\nter Johannes Schornstein gewählt wurde.\nDieser strebsame Künstler war bereits im Jahre 1808\nals Organist der reformirten Kirche hieher berufen worden.\nIm Lehrer-Seminar zu Kassel gebildet, im Umgange mit\nGrossheim in die unsterblichen Werke eines Bach und\nHändel eingeweiht, war nun sein rastloses Streben vor-\nzugsweise dahin gerichtet, in der neugewonnenen Heimat\neinen Kreis gleichgesinnter Musikfreunde zu bilden, um\ndie Schöpfungen jener grossen Meister wieder ins Leben\nzu rufen. In diesem Sinne hatte er bereits drei Jahre früher\ndie hauptsächlichste Anregung zur Gründung der Sing-\nschule gegeben. Als nun aber in Folge der gehobenem\nStimmung der frühere Kreis sich erweiterte und die öffent-\nliche Aufführung des Einstudirten zur ausgesprochenen\nAufgabe des Vereins wurde, da fühlte er, dass jetzt die\nStunde gekommen, um das längst Ersehnte zur Wirklich-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.2", "texte": "keit zu gestalten. Es gab in Elberfeld eine Partei, welche\nan dem italiänischen Gesänge hing und die strengere deut-\nsche Schule verhöhnte. Mit kluger Vorsicht wusste Schorn-\nstein kleine Zugeständnisse zu machen, ohne desshalb seine\nbessere Richtung zum Opfer zu bringen. Die frühesten\nConcert-Programme weisen noch zahlreiche Opernsätze\nvon Paer, Righini, Mair u. s. w. nach, worin Schorn-\nstein selbst durch seinen herrlichen Vortrag als Bassist\nglänzte, während aus Händel'schen Werken nur einzelne\nNummern ausgehoben wurden, deren Erfolg nicht zwei-\nfelhaft sein konnte, wie der Empfang der Sieger im Josua,\ndas Halleluja im Messias und ähnliche. In dem Grade, in\nwelchem derartige Sätze aufe älteren Werken häufiger wer-\nden, verringert sich die Zahl der Opernstücke.\nDie jährlichen Abonnements-Concerte hatten in dem\nnoch jetzt unverändert bestehenden Saale des Hotel Her-\nminghausen Statt, bis sie im Jahre 1819 ins Casino ver-\nlegt wurden. Im Jahre 1817 fand ein musicalisches Er-\neigniss Statt, welches für die ganze Rheinprovinz die be-\ndeutsamsten Folgen haben sollte. Schornstein hatte sich\nlängst danach gesehnt, dem Publicum auch einmal ein\ngrosses classisches Werk vorzuführen, wie er es früher mit\nder Singschule schon versucht hatte. Da er das Gewagte\ndes Unternehmens sehr wohl erkannte, so war er darauf\nbedacht, durch ein möglichst populäres Werk und die\nglänzendste Ausstattung den Erfolg auf jede Weise sicher\nzu stellen. Die Wahl fiel auf Haydn's „Schöpfung\",\nwelche zunächst mit aller erdenklichen Sorgfalt einstudirt\nwurde; hieraufsuchte man nach allen Seiten hin auswär-\ntige Musikfreunde zur Mitwirkung zu gewinnen. Einen be-\nsonders starken Zuzug leistete Düsseldorf auf Burgmül-\nler's besonders tbätige Verwendung, eben so Crefeld mit\nder Familie VVolff an der Spitze. Schornstein, der nie\nvorher ein Pferd bestiegen hatte, ritt selbst nach Dort-\nmund, um Fräulein Eilking, spätere Frau Pottgieser,\nfür die Sopran-Soli zu gewinnen. Herr Scheibler aus\nCreield halle die Tenor-Soli übernommen. Auf diese Weise\nwurden 110 Mitwirkende zusammengebracht und die Auf-\nführung am 1. November im grossen Saale der damaligen\nso genannten ersten Gesellschaft (im jetzigen Gymnasium)\nabgehalten. Der Zudrang des Publicums war ein ausser-\nordentlicher. Die Aufführung selbst übertraf alle Erwar-\ntungen; eine so grossartige Wirkung hatte Niemand ge-\nahnt, und bei Allen stand der Entschluss fest, diesen Hoch-\ngenuss um jeden Preis durch ähnliche Aufführungen in\nZukunft zu erneuern. Schon Tags darauf traten die ein-\nflussreichsten Musikfreunde der verschiedenen Städte zu\neiner Berathung zusammen, und das Resultat derselben\nwar die Gründung der niederrheinischen Musik-\nfeste.—Man vereinigte sich zu zweitägigen Aufführungen,\nwelche alljährlich, zwischen Elberfeld und Düsseldorf ab-\nwechselnd, an den Pfingsttagen Statt finden sollten, um\ngrossartige Tonwerke durch Zusammenfassen sämmtlicher\nmusicalischer Kräfte zur würdigen Darstellung zu bringen.\nSo fand denn schon sechs Monate später unter Burgmül-\nler's Leitung das erste niederrheinische Musikfest in Düs-\nseldorf Statt. Seit der elberfelder Anregung war man so\nsehr von der Hoheit der Oratorien-Musik ergriffen, \"dass\nman des Guten kaum zu viel thun konnte und desshalb\nbei dieser Gelegenheit gleich zwei Oratorien auf einmal\nzur Aufführung brachte, nämlich am ersten Tage die „Jah-\nreszeiten\", am zweiten die „Schöpfung\" von Haydn. Die\nrasche Wiederholung des letzteren Werkes mag als Be-\nweis dienen, wie mächtig die Wirkung bei der ersten Auf-\nführung gewesen sein musste.\nZu Pfingsten 1819 war die Reihe an Elberfeld ge-\nkommen, und nun endlich nach zehnjährigem unablässigem\nStreben sollte Schornstein's heissester Wunsch in Er-\nfüllung gehen und ein vollständiges Oratorium von Hän-\ndel zur Aufführung gelangen. Man wählte die Krone sei-\nner Werke, das Oratorium aller Oratorien, den unsterb-\nlichen „Messias\", und somit war es abermals Elberfeld,\nwelchem unter allen Städten der Rheinlande die Ehre ge-\nbührt, zuerst ein vollständiges Händel'sches Werk zur\nAufführung gebracht zu haben. Aus dem Programme des\nzweiten Tages strahlen uns die e und die\ngrosse Leonoren-Ouverture von Beethoven entgegen;\nwir sehen demnach, dass Elberfeld auch in Bezug auf die\nProgramme für die niederrheinischen Musikfeste bis auf\nden heutigen Tag maassgebend geworden ist, denn die gan-\nzen 42Jahre hindurch blieb Händel der Haupt-Factor\nfür den ersten Tag und Beethoven für den zweiten.\nDas dritte Musikfest fiel wieder auf Düsseldorf und\nbrachte unter Burgmüller's Leitung am ersten Tage\nden Samson von Händel und am zweiten Beethoven's\nEroica. Mit dieser dritten Feier waren die Musikfeste, weil\nlediglich aus dem Schoosse des Volkes ohne Schutz und\nBeeinflussung von aussen hervorgegangen, bereits so sehr\nNational-Angelegenheit geworden, dass Köln nicht länger\nzurückbleiben konnte. Noch in demselben Jahre schloss es\nsich dem Verbände an, um die Ehre zu haben, das vierte\nMusikfest in seinen Mauern zu feiern. Dasselbe fand im\nJahre 1821 Statt und brachte unter Burgmüller's Lei-\ntung das Weltgericht von Friedr. Schneider (bereits\nein Jahr früher in einem elberfelder Concerte aufgeführt}\nund Beethoven's C-7wo//-Sinfonie.— Das fünfte Musikfest\nfiel auf Düsseldorf, wobei Burgmüller das befreite Je-\nrusalem vonStadler und nochmals Beethoven's D-dur-\nSinfonie auf das Programm brachte. Das sechste Musik-\nfest fand in Elberfeld unter Schornstein's Leitung Statt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.3", "texte": "und überstrahlte durch HändePs Jephta und Beetho-\nve n's siebente Sinfonie bei Weitem das Programm des\nvorhergegangenen Jahres.—Das siebente Musikfest wurde\nin Köln mit Schneider's Sündllulh, von\nRies und Beethoven's Coriolan-Ouverture gefeiert. Die\nStadt Aachen schloss sich noch im Jahre 1824 an und\nfeierte im nächsten Jahre unter der Leitung von Ries das\nachte Musikfest mit HändePs Alexandeifest, Beetho-\nven's neunter Sinfonie und Christus am Oelberge.—\nDas neunte Musikfest wurde in Düsseldorf unter Ries und\nSpohr abgehalten und brachte „Die letzten Dinge\" von\nSpohr, eine Vocalmesse von Schneid er, 16 Nummern\naus dem Messias und die D-t/wr-Sinfonie von Ries. —lm\nJahre 1827 war wieder die Reihe an Elberfeld, welches\ndas zehnte Musikfest unter Schornstein's Leitung mit\nSchneider's „Verlornem Paradies\", mit dem Kyrie und\nGbria aus der grossen D- von Beetho-\nven und dessen C-moll-Sinfonie ausschmückte*). Dies war\naber auch das letzte Musikfest, welches hier gehalten wurde.\nWährend für die früheren Jahre unser Casinosaal ausge-\nreicht halte, mussten das letzte Mal bereits die Räumlich-\nkeiten der Reilbahn in Anspruch genommen werden; aber\nauch diese würden für die Folge nicht mehr ausgereicht\nhaben, abgesehen davon, dass es der Stadt an Gasthöfen\nzur Unterbringung der massenhaft zuströmenden Fremden\ngebrach. Als daher drei Jahre später wieder die Reihe an\nElberfeld kam, sah sich dieses gezwungen, mit tiefem Be-\ndauern aus dem Verbände zu scheiden. Aber die Hebung\nunseres Gesangvereins war bereits vollständig erreicht.\nEs galt jetzt nur, die eingeschlagene Richtung unwan-\ndelbar festzuhalten und bei den eigenen Concerten den\nProgrammen der späteren Musikfeste als Leitsternen zu\nfolgen. Diese Aufgabe lag ganz im Sinne Schornstein's\nund wurde von ihm mit treuer Beharrlichkeit durchsre-\no\nführt. Ueberdies hatte der Gesangverein von Jahr zu Jahr\nan Mitgliedern zugenommen, so dass man wohl im Stande\nwar, selbst die grössten Werke ohne fremde Unterstützung\nzur würdigen Darstellung zu bringen. So zeigen denn\nauch die Concert-Programme der nächstfolgenden Jahre\ndas treue Verfolgen der classischen Richtung. Wir be-\ngegnen fast ausschliesslich nur Compositionen von Händel,\nHaydn, Mozart, Beethoven, Spohr, Weber, Klein,\nSchneider und Fesca. Unter Anderen wurde im Jahre\n1834 David von Klein, im Jahre 1835 das Alexander-\nlest von Händel aufgeführt. Für die Programme der\nspäteren Zeit wurde das düsseldorfer Musikfest im Jahre\n1836 von ganz besonderer Bedeutung. Es war da Men-\nPaulus zum ersten Male aufgeführt worden\nund hatte einen ganz unbeschreiblichen Enthusiasmus her-\nvorgerufen. Einem jungen, bis dahin unbekannten Künst-\nler war es gelungen, was seit 30 Jahren so viele gewiegle\nMeister vergebens erstrebt hatten, ein Oratorium zu schaf-\nfen, welches den grossen Schöpfungen des vorigen Jahr-\nhunderts würdig an die Seite treten durfte, ein Werk,\nwelches mit der Würde und Strenge der alten Schule die\nglänzenden Errungenschaften der Neuzeit aufs glücklichste\nzu vereinen wusste. Von diesem Augenblicke an war Men-\ndelssohn der entschiedene Liebling in den Rheinlanden\nund ist es bis heute geblieben. Schon im Jahre 1837\nführte der hiesige Gesangverein den Paulus auf und von\nda an bildeten die Mendelssohn sehen Gesangwerke\nden Hauptbestandtheil unserer Programme. Sie sind alle\nohne Ausnahme, viele sogar mehrfach, zur Aufführung\ngelangt und zwar meistens sofort nach Erscheinen, so z. B.\nMendelssohn's Schwanengesang, der Elias, schon drei\nWochen nach erfolgter Herausgabe. Es war ein eigen-\ntümlicher Vorzug Schornstein's, der gar nicht hoch\ngenug angeschlagen werden kann, dass er trotz des streng-\nsten unverbrüchlichsten Festhaltens an dem alten Bewähr-\nten, sich dennoch die leichte Empfänglichkeit der Jugend\nfür neue Eindrücke in ihrer ganzen Frische bis ins spä-\nteste Alter bewahrte. Ja, diese Empfänglichkeit schien\nsogar mit den Jahren zuzunehmen. Ein glänzender Beleg\nhierfür ist die liebevolle Hingabe des bereits 60 Jahre\nalten Mannes an Schumann gleich nach dessen Auftre-\nten. Die unergründliche Gemüthstiefe dieses wunderbaren\nTondichters ist leider von Aussen oft so schwer zugänglich,\ndass es selbst bis zur heutigen Stunde nur wenige Orte\ngibt, wo er zur vollen Geltung gelangte, aber desto mehr,\nwo er bisher ganz unverstanden geblieben. Hier in Elberfeld\nwurde sein Paradies und Peri bereits im Jahre 1845 auf-\ngeführt und sogar bald darauf wiederholt. Dieses Jahr\nwar überhaupt sehr reich an musicalischen Erscheinungen ;\nes brachte uns ausserdem noch die Walpurgisnacht und\ndie Musik zum Sommernachtstraum von Mendelssohn\nund das Oratorium Moses von Marx. Sie alle wurden\nschon in der nächsten Zeit hier aufgeführt und haben alle\nzum Theil mehrfache Wiederholungen erlebt.\nSo schritten Dirigent und Verein auf der Künstler-\nbahn rüstig voran, treu am bewährten Alten festhaltend\nund das bedeutende Neue mit warmem Herzen aufneh-\nmend und der Oeffentlichkeit vermittelnd, bis plötzlich das\nJahr 1853 das schöne Verhältniss zerriss. Der unver-\ngleichliche Mann, der den Verein seit 41 Jahren mit bei-\nspielloser Hingebung und Einsicht geleitet hatte, der, ob-\ngleich bereits im 65. Lebensjahre stehend, sich noch des\nVollbesitzes geistiger Kraft erfreute, wurde uns am 2.\n\n•*) Hiernach ist die irrige Meinung zu berichtigen, als habe\nSchornstein damals die gan z 6 D-dur-Messe von Beet h o-\nven aufgeführt. Die Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.4", "texte": "December durch einen ganz unvermutheten Tod entrissen.\nNie war eine Trauer tiefer und allgemeiner! Der ganze\nVerein, gefolgt von allen übrigen musicalischen Corpora-\ntionen der Stadt, geleitete den theuren Entschlafenen zur\nletzten Ruhestätte, und am 9 December fand eine ergrei-\nfende Todtenfeier im grossen Saale des Casino Statt. Ein\neinziger Trost milderte den herben Verlust. Hermann,\nder älteste Sohn des Entschlafenen, unter dem berühmten\nHummel zum trefflichen Künstler gebildet, hatte bereits\nseit 22 Jahren ganz im Geiste des Vaters den Gesang-\nverein und die Concerte in Barmen geleitet. Niemand\nausser ihm war im Stande, so sichere Bürgschaft für die\nfernere Leitung des Vereins im Sinne des Gründers zu\ngeben, und da er selbst dieses Fortführen als ein theures\nVermächtniss betrachtete, welches nicht abgelehnt werden\ndürfte, so nahm er die einstimmige Wahl freudig an\nund kehrte Anfangs 1854 in seine Geburtsstadt zurück.\nDer Verein, um dem neuen Dirigenten Gelegenheit zu\ngeben, seine Fähigkeiten sofort in ihrem ganzen Umfange\nzu bewähren, veranstaltete im Juli ein Musikfest, an des-\nsen erstem Tage Haydn's Jahreszeiten zur Aufführung\nkamen. Fräulein Nathalie Eschborn, die berühmten\nOratoriensänger Schneider und Kindermann aus Mün-\nchen hatten die Solo-Partieen übernommen. Es war eine\nAufführung, wie Elberfeld noch keine ähnliche erlebt hatte.\nIm Herbste 1854 nahmen die Abonnements-Concerte\nihren gewohnten Anfang, und gar bald zeigte es sich in\nden Programmen und ihrer Ausführung, dass der neue\nDirigent die gehegten Erwartungen glänzend zu rechtfer-\ntigen verstand. In Bezug auf Vorführung neuer bedeu-\ntender Werke sind zu erwähnen: Sängers Fluch von Schu-\nmann, Jephla von Reinthaler, Erlkönigs Tochter von\nGade, Lucifer von van Eyken und andere.\nMitten unter den Vorbereitungen zu Schumann's\nFaust brannte in der Neujahrsnacht 1858 das Casino ab,\nmit ihm der in akustischer Vollendung unvergleichliche\nConcertsaal. Ausserdem verlor unser Verein nicht allein\nsein Uebungslocal, sondern zum grossen Theile auch seine\ntreffliche seit 40 Jahren angesammelte Bibliothek. Der\nempfindlichste Schlag wurde uns aber dadurch versetzt,\ndass zwei Jahre hindurch keine öffentlichen Aufführungen\nmöglich waren. Erst im vorigen Jahre war der Neubau\nso weit gefördert, dass im März der bedeutend vergrösserte\nConcertsaal mit Mendelssohn's Paulus eingeweiht wer-\nden konnte. Die Concerte des verflossenen Winters wur-\nden mit dem Elias eröffnet und zeigten in ihren weiteren\nProgrammen und deren Ausführung, dass der erlittene\nSchaden bereits völlig verschmerzt und der Verein die\nfrühere Höhe seiner Leistungsfähigkeit wieder eingenom-\nmen hatte.\nDer Verein, welcher vor 50 Jahren von 21 Verehrern\ndes edlen Gesanges begrüridet wurde, weis't heute einen\nBestand von 200 Mitgliedern nach und H a y d n' s Schöpfung,\nwelche vor 44 Jahren von 110 Musikfreunden aufgeführt\nwurde, die aus allen Städten der Rheinprovinz zusammen-\ngerafft werden mussten, wurde am 30. November von mehr\nals 240 Mitwirkenden gegeben, die sämmtlich der Stadt\nElberfeld selbst angehören. Um auch das Fest durch eine\nThat des Fortschrittes zu bezeichnen, hat der Verein in\ndem Concertsaale ein grossartiges Orgelwerk von 36 klin-\ngenden Stimmen, drei Manualen und freiem Pedal aus der\nWerkstatt von Ibach Söhne in Barmen aufgestellt, wel-\nches seine brausenden Accorde zum ersten Male bei den\nWorten: „Und es ward Licht\", ertönen liess.\nIn den letzten fünfzehn Jahren haben sich die Herren\nF. Heyer, A. Wülfing und J. H. Zapp durch thätigste\nUnterstützung des technischen Dirigenten die höchsten An-\nsprüche auf dankbare Anerkennung erworben. Auch hat\nHerr Zapp mit besonderer Aufopferung das Material zu\nvorliegender Darstellung gesammelt.\nUnd so trete denn der Verein unter glücklichen Auspi-\ncien die zweite Hälfte seines Jahrhunderts an und mögen\nam Schlüsse desselben unsere Nachkommen mit gerechtem\nSelbstbewusstsein aussprechen dürfen, dass sie das Erbe\nder Väter redlich verwaltet und einer immer höheren\nVollendung entgegengeführt haben!\n*).\n(Schluss folgt.)\n\nDr. F. W. Arnold\n\nAus Münster.\n[Athalia von Händel Leistungen des Musik-Vereins.]\nDen 30. November 1861.\nDie Feier des diesjährigen Cäcilienfestes (22. Novem-\nber) durch den hiesigen Musik-Verein verdient einer be-\nsonderen Erwähnung. Zur Aufführung kam die Athalia\nvon Händel. Dieselbe gehört zu den weniger bekannten\nHändel'schen Oratorien. Aufführungen derselben vor ihrem\nErscheinen in der von der Händel-Gesellschaft veranstalteten\nAusgabe der Werke Händel's im Jahre 1859 (Lieferung 5)\nmögen in Deutschland wohl nur seilen vorgekommen sein.\nMrs. Trollope erzählt in ihrem Werke: „Wien und die\nOesterreicher\", von einer solchen, der sie im wiener Burg-\nTheater im Winter 1836—1837 beigewohnt und in\nwelcher sich nur die Bass-Partie, von Staudigl gesungen,\nausgezeichnet habe. Seit dem Jahre 1859 ist das Oralo-\nriurti am 16. October 1860 vom Vereine für classische\nKirchenmusik in Stuttgart und ausserdem, so viel bekannt\n\n*) Auszug aus dem „Gedenkblatt zur fünfzigjährigen Jubelfeier\ndes Elberfelder Gesangvereins.\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.5", "texte": "geworden, in München aufgeführt. Ob dasselbe bei diesen\nAufführungen mit Orchester-Begleitung gegeben wurde,\nlässt sich bezweifeln, da eine solche bis dahin nicht ver-\nöffentlicht worden ist, wenn gleich in der Biographie Mo-\nzart's von O. Jahn, Band 4, S. 457, einer Bearbeitung der\nAthalia von van Swieten Erwähnung geschieht. Um für\nden hiesigen Musik-Verein die Aufführung möglich zu ma-\nchen, hatte der Dirigent desselben, Herr Musik-Director\nJ. O. Grimm, nach den Andeutungen Händel's in der\ngedachten Ausgabe die Orchesterstimmen dazu geschrieben.\nDiese Orchestrirung ist durchgängig sehr schön. Voll herr-\nlicher Klang-Effecte und überall dem Charakter der Sing-\nstimme entsprechend, macht sie sich nirgends auf eigene\nHand geltend. Sie benutzt alle Mittel des Orchesters mit\ngrosser Kenntniss ihrer Wirkung und bleibt doch dem\nGesänge untergeordnet; insbesondere bedient sie sich der\nBlech-Instrumente mit weiser Sparsamkeit, dann aber mit\num so grösserem Effecte, und trägt und hebt somit die\nGesang-Partieen. Sie verdient, auch abgesehen davon, dass\nsie die Aufführung des schönen Werkes an anderen Orten\nohne Weiteres möglich macht, dieses ihres musicalischen\nWerthes halber weiter bekannt zu werden.\nDas Oratorium selbst wurde von Händel für eine aka-\ndemische Feier der Universität Oxford componirt und dort\nunter seiner Leitung zum ersten Male am 10. Juli 1733\nin Gegenwart von 3700 Zuhörern mit höchstem Beifallc\naufgeführt. Der Stoff des der Composition zum Grunde\nliegenden Gedichtes Sam. Humphrey's ist der Geschichte\ndes jüdischen Volkes, unter Benutzung der „Athalie\" von\nRacine, entnommen und hat den Streit Athalia's, der dem\nBaalsdienste ergebenen Königin Juda's, mit den Anhän-\ngern des Jehovahdienstes, den Sieg der letzteren über\nAthalia und ihre Anhänger und die Errettung und Erhe-\nbung des Enkels derselben, des von ihr bis auf den Tod\nverfolgten Joas, auf den Königsthron von Juda zum Gegen-\nstande. Das Gedicht, welches aus drei Acten besteht, die\nwieder in Scenen zerfallen, bietet durch die gegensätz-\nliche Stellung der auftretenden Personen und Chöre, die\nIreilich die Entwicklung nur in loser Verbindung weiter-\nführen, vielfach Veranlassung zu charakteristisch-musicali-\nscher Behandlung. Obwohl das Werk zu den früheren\nOratorien-Compositionen Händel's gehört, so offenbart sich\ndarin doch bereits nach allen Seilen hin der Meister. Die\nSolo-Partieen sind sämmtlich höchst ansprechend, und häu-\nfig, wie z. B. die Arien des Hohenpriesters Joad: „0\nHerr, zu dem wir flehen\", der Josabeth, des Hohen-\npriesters Gattin und Pflegerin des Joas: „Treue Pfleg',\numsonst gespendet\", des Math an, Heerführers der Atha-\nlia: „Holder Sang, melodisch Lied\", mit sehr schöner\nVioloncello-Begleitung, das Duett zwischen Josabeth\nund Joas: „Der Himmel beschirmt mich\", die Arie des\nJoad: „Begleitet mich mit Harfenklang\", u. s. w. von\nreizender Melodie. Mit vortrefflicher Charakteristik sind\ndie Particcn der Athalia und des dem Jehovahdienste\nergebenen Heerführers Abner ausgeführt. Auch ist die\nSteigerung des Ausdrucks in den Schluss-Arien des Ab-\nner: „Nicht länger erschreckt deine Wuth mich\", des\nMathan: „Horch, horch, wie dumpf sein Donner rollt\",\nund der Athalia: „Zum Grauen der Hölle\", von grosser\nWirkung. Dennoch liegt auch schon in diesem Werke der\nmusicalische Schwerpunkt in den Chören. Mannigfach wer-\nden dieselben von den Solo-Partieen als Chorführern ein-\ngeleitet. Der Chor nimmt dann dasselbe Thema auf und\nführt es in weiteren und reicheren Gestaltungen fort. Die\nbreite Anlage und Ausführung der Chöre in den späteren\nOratorien Händel's haben diese Chöre der Athalia nicht;\ndagegen bieten sie auch in ihrer Kürze durch die grosse\nMannigfaltigkeit ihres musicalischen Charakters hohes In-\nteresse. Es wechseln Chöre der israelitischen Jungfrauen,\nder Israeliten und der israelitischen Priester und Leviten\nmit Chören der Begleiter der Athalia und der sidoniseben\nPriester. Der Ernst und das oft Herbe des musicalischen\nAusdrucks jener bildet mit dem leichten, in lieblichen Mo-\ntiven dahinziehenden Flusse dieser Chöre einen wirksamen\nContrast. Es stehen sich in solcher Art der Chor der israe-\nlitischen Jungfrauen und Israeliten: „Wie krönte Gott Je-\nhovah's Macht die Welt mit Herrlichkeit und Pracht\"\nmoll, %), ein in ruhigem Ernste fortschreitender Lobge-\nsang aul Jehovah, der fernere Chor der Israeliten: „Zwing-\nherrn, nicht beugt uns euer Zwang\" 3/4, Allegro),\nvoll kräftiger Entschiedenheit, und der ganz besonders\nausdrucksvolle, durch prächtige Harmonisirung ausgezeich-\nnete Klagechor der Israeliten: „0 hör' von Deinen Höh'n\"\n(iC-moll, 12/3, Largo), auf der einen Seite, und die Chöre\nder sidonischen Priester: „Die Macht, die gnad- und se-\ngenreich\" [F dur, 12/ s, Allegro), von frischem, lieblichem\nEindrucke, „Reich' ihr, o Baal, deine Hand\" {A-dur, 4A)»\neine Fuge, lebendig und voll Bewegung, und der Chor:\n„Ergreifst du den Verräther dort\" (G-clur, %), wirksam\ndurch originellen, lebendigen Rhythmus auf der anderen\nSeite gegenüber. Die Chöre der Jehovah-Diener ergreifen\ndurch diesen Ernst; aber der den Sinn fesselnde Duft,\nwelcher die Chöre der Baals-Diener durchzieht, lässt bei\nManchen die Frage, welche die schöneren seien, eben so\noffen, wie dies bei manchen Darstellungen der klugen und\nder thörichten Jungfrauen durch die bildende Kunst der\nFall ist. Der Schluss des ersten Actes, ein in lebendigem\n2/4-Tact dahinfliessendes Hallelujah vereinigt\ndiese Gegensätze. In den folgenden Acten treten dieselben\nzurück gegen ein anderes musicalisches Medium, dessen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.6", "texte": "sich hier Händel bedient. Während nämlich sämratliche\nChöre des ersten Actes nur vierstimmig sind, beginnt der\nzweite Act mit einem achtstimmigen Doppelchor, welcher\nin breitem 4/4-Bhythmus [D-duprachtvoll einherschrei-\ntet und besonders in seinem Schlüsse: „Hoch feiert uns'ren\nheil'gen Bund\", von grossartiger Wirkung ist. Nachdem\nein vierstimmiges Tutti: „Sing' freudig, Juda, deinem Gott\"\n(V 4, D-moll), welches das Fugen-Thema der vorhergehen-\nden Chöre der Jungfrauen und Priester weiter ausführt,\nden zweiten Act geschlossen, folgen im dritten der schöne\nachtstimmige Chor: „Sprich, heil'ger Mann\"\nGrave),der vierstimmige: „0 Licht der Gnade\"\nV 4), der achtstimmige: „Wir steh'n zu Dir voll Muth\"\n[B-dur, % Andante allegro), und der achtstimmige: „Laut\nauf voll Jubel jauchzen wir\" [D-dur, k/£), alle zwar kurz,\naber keiner ohne eigentümliche Schönheit. Das Ganze\nschliesst mit der Wiederholung des letzten Theiles des er-\nwähnten Eingangs-Chors des zweiten Actes und erhöht\ndadurch nicht nur das Gefühl des Zusammenhangs der\neinzelnen Theile, sondern hinterlässt auch durch die Pracht\nund Schönheit dieses Chors einen grossen Eindruck.\nDiese klanglosen Umrisse des Werkes vermögen zwar\nvon seinem musicalischen Inhalte keine Vorstellung zu ge-\nben. Sie erreichen ihren Zweck, wenn sie auf seine Schön-\nheiten aufmerksam machen und anderen Vereinen die Auf-\nführung empfehlen. Alle erwähnten Eigenschaften machen\ndasselbe für die Aufführung zu einem sehr dankbaren;\nauch bietet es weder in den Solo-Partieen, noch in den\nChören, im Vergleich mit den bekannteren späteren Ora-\ntorien Händel's, besondere Schwierigkeiten.\nSonach war die Wahl dieses Werkes für die diesjäh-\nrige Cäcilien-Feier eine glückliche. An der Aufführung nah-\nmen Theil ein Chor von 142 Stimmen und ein Orchester\nvon 17 Violinen, 6 Violen, 6 Violoncellen, 4 Contrabäs-\nsen, 17 Bläsern und 1 Pauker, sämmtlich Mitgliedern des\nhiesigen Musik-Vereins. Die Solo-Partie der Athalia (Mez-\nzo-Sopran) wurde von Frau Bertha Bargheer, geb.\nWagner, aus Detmold, die des Abner (Bass) von Herrn\nAlbes, Sänger der hiesigen Oper, die der Josabeth und\ndes Joas (beide Sopran) und die des Joad (Alt) und des\nMalhan (Tenor) von Mitgliedern des Vereins gesungen.\nHerr Musik-Director J. 0. Grimm leitete die Aufführung,\nwie sich nach dessen vorzüglichen Dirigenten-Eigenschaften\nerwarten liess, nach allen Seiten hin in vortrefflicher Weise.\nAlle Chöre ohne Ausnahme gingen sehr gut. Voller, schö-\nner Ton, Reinheit der Stimmen, besonders auch in den\nhohen Tönen des Soprans, präcises Einsetzen und ein Vor-\ntrag, in welchem das Verständniss dieser Chöre und das\nErgriffensein von ihrer Schönheit zu Tage trat, zeichneten\nden Chor, schöner Klang, accurales Spiel und genaue Be-\nAchtung der Dynamik das Orchester aus. Frau B. Barg-\nheer, eine Schülerin des Musik-Directors Grimm, sang die\nPartie der Athalia mit tiefem Verständnisse; ihre prächtige\nDeclamation, ihr seelenvoller und dramatisch-lebendiger\nVortrag hoben den Klang ihrer kraftvollen Stimme und\ngewährten einen grossen Genuss. Herr Albes, ein gebilde-\nter Sänger, war seiner Partie vollkommen gewachsen; lei-\nder halte sein kräftiger Bass in Folge von Heiserkeit nicht\nseinen vollen Klang. Die übrigen Solo-Partieen waren\ndurch schöne, klangvolle, jugendliche Stimmen vertreten,\nvon denen einzelne bei sorgfältiger Ausbildung Vorzügli-\nches zu leisten versprechen.\nFür die nach alledem sehr gelungene Aufführung des\nbis dahin hier unbekannten schönen Werkes sind die hie-\nsigen Kunstfreunde dem Vereine und seinem Dirigenten\nzu grossem Danke verpflichtet.\nSchliesslich möge eine Mittheilung über die Leistun-\ngen des Vereins seit meinen Berichten in Nr. 24 und 50\ndes vorigen Jahrgangs dieser Blätter, hier noch eine Stelle\nfinden. Es wurden seitdem in achtzehn Concerten folgende\nTonwerke aufgeführt: I. Sinfonieen: von Beethoven in C-\ndur (Nr. 1), Eroica(Nr. 3), (Nr. 5),\n(Nr. 6), A-dur (Nr. 7) und F-dur (Nr. 8); von Mozart in\nG-moll und in C-durmit der Fuge; von Haydn in fer-\nner in Es mit dem Paukenwirbel; in G mit dem Pauken-\nschlag; von Franz Schubert in C-dur; von Schumann in\nB-dur (Nr. 1) und eine Sinfonie von J. O. Grimm. 11.\nOuvertüren und Orchesterslücke: Ouvertüre zum Frei-\nschütz, zu Oberon, zu Euryanthe und Jubel-Ouverlure von\nC. M. von Weber ; zur Zauberflöte und zu Figaro's Hoch-\nzeit von Mozart; zu Ruy Blas und Meeresstille und glück-\nliche Fahrt, Concert-Ouverture von Mendelssohn; zur Stum-\nmen von Porliei von Auber; zu Anakreon, zur Medea und\nzu den Abencerragen von Cherubini; zu Wilhelm Teil von\nHossini; zu Genovefa von ß. Schumann; Ouvertüre und\nZwischenacte zu Göthe's Egmont von Beethoven; Ouver-\ntüre zu Coriolan von Beethoven; Trauermarsch aus der\nSonate Op. 26 von Beethoven, orchestrirt von Mendels-\nsohn; Musik zu Shakespeare's Sommernachtstraum von\nMendelssohn, mit verbindendem Texte von Gisb. Freiherrn\nVincke; Suite in Dvon J. Seb. Bach: Ouvertüre, Air, Ga-\nvotte I. und 11., Bourree und Gique; Pastorale aus der\nWeihnachts-Cantate von J. S. Bach. 111. Für Chor und\nOrchester: Chöre und Soli Nr. 9 bis 16 aus Elias von\nMendelssohn; Cantate „0 weint um sie\" von F. Hiller;\n„Meeresstille und glückliche Fahrt\" von Karl Ludw. Fi-\nscher; Elegischer Gesang für kleinen Chor und Streich-\nQuartett von Beethoven (Op. 118); „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" von Beethoven (Op. 112); Schlachtge-\nsang von J. Rietz (Op. 12); Scene aus dem zweiten Acte"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.7", "texte": "der Iphigenie in Tauris von Gluck; Cantate zum Oster-\nfeste: „Christ lag in Todesbanden\", von J. S. Bach, die\nOrgelbegleitung I ür Orchester eingerichtet von J. 0. Grimm;\nMesse in C-dur von Beethoven (op. 86); Opferlied von\nMatthisson, für Solo, Chor und Orchester componirt von\nBeethoven (op. 121); erste Scene des zweiten Actes aus\nOrpheus von Gluck; Motette: „Ihr Kinder Israels\", von\nMendelssohn; Musik zu dem Festspiel „Die Ruinen von\nAthen\" von Beethoven. IV. Solostücke und Kammermu-\nsik: Variationen für Pianoforte zu vier Händen von F.\nSchubert (op. 35), vorgetragen von J. O. Grimm und des-\nsen Gattin, Frau Philippine Grimm; Canon für Pianoforte,\ncomponirt und vorgetragen von J. O. Grimm; Der Ab-\nschied, Adagio für Waldhorn von Lübeck, vorgetragen\nvon Herrn Heck; Trio für Pianoforte, Clarinette und Vio-\nloncell von Beethoven (Op. 11); Concert für Pianoforte\nin C-mollvon Mozart, vorgetragen von Frau Ph. Grimm;\nQuintett lür Pianoforte, Oboe, Clarinette, Horn und Fa-\ngott von Beethoven (Op. 16); Serenade in für zwei\nOboen, zwei Clarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte\nvon Mozart; Concertstück für Pianoforte, mit Begleitung\ndes Orchesters von C. M. von Weber, vorgetragen von\nFrau Ph. Grimm; Hommage ä Händel für zwei Piano-\n(orte's von Moscheies, vorgetragen von Frau Ph. Grimm\nund Herrn J. 0. Grimm; Septett für Violine, Viole, Violon-\ncell, Contrabass, Clarinette, Horn und Fagott von Beetho-\nven (Op. 20); Romanze in Ffür die Violine von Beetho-\nven; Ciaconna für die Violine von J. S. Bach; Concert für\nPianoforte [C-moll)von Beethoven, vorgetragen von Frau\nPh. Grimm; Concert für Violine (Gesangscene) von L.\nSpohr; Quintett für Pianoforte, zwei Violinen, Viola und\nCello von R. Schumann (Op. 44). Hierzu kommreine\nnicht unbedeutende Zahl kleinerer Stücke für Sologesang\nund dergleichen.\nDer Standpunkt und die Richtung des Vereins sind\ndurch die Wahl dieser Werke von selbst bezeichnet. Einer\nbesonderen Erwähnung verdient die Sinfonie von J. 0.\nGrimm. Bekannt durch zarte und innige Compositionen\nmannigfacher Lieder, hat er sich hier mit Glück auf dem\ninstrumentalen Gebiete versucht und sein entschiedenes\nlalent auch dafür durch schöne, breite thematische Arbeit\nund originelle Durchführung dargethan. Alle vier.Sätze\nder Sinfonie haben Marcia-Motive zur Grundlage, deren\nverschiedener Charakter zu Steigerungen des Ausdrucks\nund zu überraschenden Klangwirkungen sehr glücklich be-\nnutzt ist. Unter den Aufführungen zeichneten sich die der\nherrlichen Osterlest-Cantate von Bach und der\nMesse von Beethoven besonders aus. Diese Cantate war\ndas erste grössere Werk Bach s, welches der Verein auf-\nlührtc. Der Beifall der Kunstfreunde und die Begeisterung\ndes VereiiiS'Dirigenten für diesen Meister lassen hoffen,\ndass dieses Gebiet weiter werde cultivirt werden. In der\nGattin des Dirigenten hat der Verein eine vorzügliche Pia-\nnistin gewonnen. Die Wahl der angezeigten, von ihr vor-\ngetragenen Musikstücke zeugt von ihrer classischen Rich-\ntung. Damit gehen gesunde, frische Auffassung, zarter, in-\nniger Ausdruck und ausserordentlich sichere und saubere\nTechnik Hand in Hand, so dass ihre Vorträge zu den ge-\nnussreichsten Productionen in den Vereins-Concerten ge-\nhören. Von grossem Werthe für die Orchesterkräfte des\nVereins ist die Anstellung des Concertmeisters Herrn G. A.\nBarg beer als ersten Violinisten. Durch den Vortrag der\noben erwähnten Solostücke bekundete er seelenvollen Aus-\ndruck, verbunden mit schönem, breitem Tone, reinem Spiel\nund grosser Bravour.\nLinter solchen Verhältnissen steht dem Vereine eine\nfernere Blüthezeit in Aussicht. Möge sich dieselbe auch\nseinem keine Mühe scheuenden, uneigennützigen Dirigen-\nten zum Lohne erfüllen! ***\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSterin. Das hiesige Con servatorium der Musik hat für\ndiesen Winter Musik-Abende in dem grossen Saale desselben an-\ngeordnet, in welchen die Schüler vor einem eingeladenen Publicum,\ndas aus Unterzeichnern für den Fonds und sonstigen Kunst-\nfreunden besteht, an das öffentliche Auftreten gewöhnt werden und\ndie Anstalt zugleich eine Einsicht in ihre Leistungen gewährt. Der\nerste Musik-Abend (am 2. d. Mts.) brachte in zehn Nummern für\nVioline (Concertsatz von Rode, Quartettsatz von Beethoven), Piano-\nforte (Capriccio in E-dur von Mendelssohn, Concertsatz in As-dur\nvon Hummel, Sonate mit Violine in Es von Beethoven, Suite von\nJ. S. Bach) und Gesang (Sopran-Arie in F aus Don Juan, Frauen-\nchor von Cherubini, Alt-Arie aus Herakles von Händel, zwei zwei-\nstimmige Gesänge neu von F„ Hiller) sehr erfreuliche Beweise\nder Fortschritte der Zöglinge.\nf 3. December. Gestern liess sich im Saale der\nvereinigten Gesellschaft, gelegentlich des ersten philharmonischen\nConcertes der Hofcapelle, ein junger frankfurter Ciavier-Virtuose,\nHerr Martin Wallenstein, hörenj dem es gelang, unser etwas\nphlegmatisches Publicum in gelinde nervöse Aufregung zu versetzen.\nDer junge Mann spielte den zweiten und letzten Satz aus Hummers\n11-moll-Concevt mit einer solchen Bravour und zu gleicher Zeit mit\neiner solchen Gediegenheit und Solidität, die ihm einen für Darm-\nstadt unerhörten Beifall einbrachte. Im zweiten Theile spielte Herr\nWallenstein einige Sachen von Thalberg und Chopin und wusste die\nTheilnahme des Publicums wo möglich noch zu steigern. Der enorme\nBeifall, der ihm zu Theil wurde, war eben so lärmend als vollkom-\nmen verdient, und der Wunsch wurde allgemein rege, Herr Wallen-\nstein möge recht bald ein eigenes Concert veranstalten An Or-\nchesterwerken hörten wir Beethoven's Pastoral-Sinfonie und We-\nber1 s Jubel-Ouverture; beide wurden mit gewohnter Präcision aus-\ngeführt.\nDer 29. Dec ember (Sonntag) ist jetzt unwiderruflich für die\nerste Vorstellung von Schind elmeisser's neuer Oper Melusine\nbestimmt, zu deren Aufführung in jeder Beziehung die umfassend-\nsten Vorbereitungen getroffen werden. Die Haupt-Partieen befinden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611207-01.1.8", "texte": "sieh in den Händen der Pamen Emilie Schmidt, Langlois, Limbach\nund der Herren Künzel, Becker und Trapp.\nGera. In dem Concerte des musicalischen Vereins am 25. Oc-\ntober wurde F. Hiller's „Lorelei\" aufgeführt. Der Violoncellist\nDavid off aus Leipzig spielte ein Concert von Goltermann und eine\nPhantasie von Servais.\nDie D- d ur-Messe von Beethoven betreffend. In einem\nuns mitgetheilten Privatbriefe über die neuliche Aufführung der\nMissa äolemnis in Hamburg (vgl. Nr. 47) wird die besondere Wir-\nkung hervorgehoben, welche die Ausführung des Pleni sunt coeli im\nSanctus durch den ganzen Chor gemacht habe. Das glauben\nwir sehr gern und wissen es aus Erfahrung, da bei allen Auffüh-\nrungen hier in Köln, eben so bei dem diesjährigen Musikfeste in\nAachen, das fragliche Ällegro pesante mit dem folgenden Presto\nimmer vom ganzen Chor gesungen worden ist, wie wir denn auch\nschon längst in diesen Blättern den Wunsch ausgesprochen haben,\ndass dies überall geschehen möge. Was die uns ebenfalls mitge-\nteilte Angabe einer Aufführung der ganzen Messe schon im Jahre\n? 827 zu Elberfeld betrifft, to beruht diese auf einem Irrthum (s.\noben S. 887); es wurde nur das Kyrie und Gloria gemacht, wie\ndies in Nr. 53 des vorigen Jahrgangs und schon früher in Nr. 50\ndes I. Jahrgangs 1851 unserer Zeitung richtig angegeben ist.\nHaag* Am 27. November gab die unter dem Protectorate des\nKönigs bestehende Gesellschaft De Toekomst (für Unterstützung von\nTonkünstler-Witwen und Waisen) ein grosses Coneert im Theater,\nin welchem EJerr August Kömpel durch seine Vorträge auf der\nVioline 8. Concert von Spohr und Phantasie von David das\n»ahlreiche Publicum zur Bewunderung hinriss. Die gedachte Gesell-\nschaft überreichte ihm das Diplom als Ehren-Mitglied."}]}