{"numero_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_sha256": "a44ad711478fc7843da6c167344bfb1f43d402f163be7f7a1577291800cf96d8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1861/12/28_01/bmtnabi_1861-12-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 263, "texte": "Inhalt.\nCherubini. 11. Holle's Verlag. Von E. K. Aus Aachen (Concert-Saison). Von N. Aus Frankfurt am\nMain (Die Loeal-Kritik). Von A. S. Aus Rotterdam (Die deutsche Oper). Von x. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gür-\nzenich. 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Nr. 48)\nWährend Cherubini auf der Scheide des Jahrhunderts\nbereits einen weit verbreiteten Huf errungen hatte, war\ndie französische Nation in so fern undankbar gegen ihn,\nals ihm die Regierung der Republik nur die unbedeutende\nStelle eines Inspectors am Conservatorium übertrug, von\nderen Ertrag es ihm kaum möglich war, seine zahlreiche\nFamilie zu unterhalten. Und doch wäre es eine doppelte\nPflicht der Republik gewesen, Cherubini hoch zu stellen,\nda offenbar die Revolution einen grossen Einfluss auf sei-\nnen neuen Stil gehabt hatte, und er in gewisser Hinsicht\nder Apostel der neuen Zeit durch Werke geworden war,\nin welchen er das Hergebrachte verschmähte, freiere Bah-\nnen verfolgte und die neuen Ideen durch geniale Erfin-\ndungskraft und wahre Charakteristik der menschlichen\nGefühle und Leidenschaften in Tönen gewisser Maassen\nverkörperte. Allein sowohl das Directorium als das nach-\nherige Haupt des Staates, der erste Consul, vernachlässig-\nten und vergassen den grossen Tondichter, den Italien,\nFrankreich und Deutschland kannten und vereinten.\nEs dürfte indess wohl ausgemacht sein, dass Bona-\nparte ihn nicht vergass, sondern absichtlich nicht beför-\nderte, weil er ihn und seine Musik nicht leiden konnte.\nAuch als Kaiser vermochte er nicht, dieses Vorurtheil zu\nunterdrücken, und Cherubini that, seinem Charakter ge-\nmäss, auch nichts, um es dem Machthaber zu benehmen.\nEs scheint, als hätte der gewaltige Herrscher, Kriegsheld\nund eiserne Mensch in seinem Innern zuweilen ein Be-\ndürfniss gefühlt, sich alles Grossen auf Augenblicke zu\nentschlagen, also auch dem Eindrucke des grossen Stils in\nder Kunst, wesshalb er denn die leichtere, angenehm un-\nterhaltende Musik vorzog, und jede Aufregung des Gemü-\nthes durch die Kunst für unwürdig eines Staatsmannes\nund Feldherrn halten mochte.\nDass Napoleon Aeusserungen und Freiheiten, die ihm\nals Tacllosigkeiten oder noch Schlimmeres erschienen und\nmissliebig wurden, lange nachtrug, ist bekannt, und so\nmag es denn wohl wahr sein, dass der Ursprung seiner\nAbneigung gegen Cherubini in folgendem Vorfalle zu su-\nchen sei."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5236, "texte": "Nach der Rückkehr von einem der siegreichen Feld-\nzüge in Italien halte Bonaparte gewünscht, einen Marsch,\nden Paisiello zur Verherrlichung seines Ruhmes componirt\nhatte, im Conservatorium zu hören. Die Composition soll\nsehr mittelmässig gewesen sein. Der Vorstand glaubte die\nGelegenheit wahrnehmen zu müssen, auch von Cherubini's\nComposition etwas aufzuführen, und wählte dazu, in der\nMeinung, dass etwas Kriegerisches dem grossen Feldherrn\nam besten gefallen würde, eine Cantate und einen Trauer-\nmarsch, den Cherubini auf den Tod des Generals Hoche\ngeschrieben hatte. Das war freilich ein Missgriff im Gegen-\nstande; die Verherrlichung einer anderen militärischen\nGrösse neben ihm konnte ihm nicht angenehm sein, und\nman konnte dem damals schon Allgewaltigen seine Ver-\nstimmung ansehen. Nach dem Concerte trat er zu Cheru-\nbini, sagte ihm aber kein Wort über die Cantate und den\nTrauermarsch, hob dagegen Paisiello und Zingarelli in\nden Himmel und nannte sie die beiden grössten Compo-\nnisten des Jahrhunderts. Das war dem Meister denn doch\nzu arg, und er erwiderte: „Paisiello, allenfalls! aber Zin-\ngarelli!'' und begleitete diese Antwort natürlich mit ent-\nsprechenden Geberden. Damit hatte die Unterhaltung ein\nEnde.\nNach dem Mordversuche mit der Höllenmaschine am\n3. Nivose empfing der erste Consul Abgesandtschaften von\nallen Behörden u. s. w. Unter den Abgeordneten des Con-\nservatoriums war auch Cherubini, hielt sich aber im Hin-\ntergrunde. Auf einmal sagte Napoleon: „Ich sehe ja Herrn\nCherubini nicht!\" Cherubini trat hervor und verbeugte\nsich, ohne ein Wort zu sagen.\nEinige Tage darauf erhielt er eine Einladung zur\nTafel. Nach Tische ging Napoleon mit grossen Schritten\nim Saale auf und ab und begann mit Cherubini, der ihm\nkaum folgen konnte, ein Gespräch über Musik, welches\ner bald französisch, bald italiänisch führte. Er kam wieder\nauf Paisiello und Zingarelli, und da Cherubini widersprach\nund seine Gründe ihm aus einander setzte, rief er plötz-\nlich aus: „Ich sage Ihnen aber, dass ich Paisiello's Musik\nliebe, sie ist sanft und ruhig. Sie haben Talent, aber Ihr\nOrchester ist zu stark.\" —Bürger Consul, entgegnete der\nMaestro, ich habe mich nach dem Geschmacke der Fran-\nzosen gerichtet.— „Ihre Musik ist viel zu lärmend und ge-\nräuschvoll; sprechen Sie mir von Paisiello's Musik! die\nwiegt einen so sanft und lieblich.\"\nsagte Cherubini, Sie lieben die Musik, die Sie nicht in\nIhren Gedanken an Staatsgeschäfte stört. Auch diese\nAntwort vergass ihm Napoleon nie.\nIm Jahre 1803 wurde eine neue Oper in zwei Acten\nvon Cherubini: Anakreon oder gege-\nben. Sie enthielt mehrere vortreffliche Nummern und die\nbekannte, überall mit Beifall aufgenommene Ouvertüre.\nAusser der Ouvertüre werden in Deutschland auch noch\nein sehr schönes Quartett (auch für Männerstimmen ein-\ngerichtet) und das reizende Finale in Concerten aufge-\nführt. Der schlechte Text hinderte den Erfolg der Oper,\ndie zwar mehrere Vorstellungen erlebte, aber beim Pu-\nblicum nicht durchschlug. Die Partitur wurde indess doch\ngestochen.\nAuch die Musik zu dem oben (Art. I.) schon erwähn-\nten Ballet: „Achilles auf Scyros\", das 1804 in Scene ging,\nerlag dem geschmacklosen Inhalt; man bewunderte darin\nbesonders ein Bacchanal und mehrere höchst ausdrucks-\nvolle Nummern zur Pantomime.\nIm Jahre 1805 erhielt Cherubini von dem Hof-Opern-\ntheater in Wien die Einladung, nach Wien zn kommen\nund dort eine Oper für dasselbe zu schreiben. Da die An-\nerbietungen sehr günstig waren, so zögerte er nicht, sie\nanzunehmen, und reis'te mit seiner Gattin nach der öster-\nreichischen Kaiserstadt, während sein Kaiser Napoleon\nsich schon rüstete, Oesterreich mit Krieg zu überziehen.\nCherubini kam im Juli nach Wien. Seine erste Thätigkeit\nwidmete er der Aufführung seiner Oper „Lodoiska\", wo-\nzu er eine neue Arie für die Sängerin Campi und zwei\nZwischenacte schrieb. So berichtet Felis. Nach einer Notiz\nin der Allg. Musik-Zeitung vom 5. August 1805 dirigirte\nCherubini in Wien zuerst seinen „Wasserträger\", wurde\nvom Publicum mit Enthusiasmus empfangen und hatte auch\nmehrere Aenderungen in den Tempi vorgenommen; na-\nmentlich nahm er das Allegro der Ouvertüre langsamer,\nals man es bisher gethan, „wodurch dieses schwierige\nMusikstück an Deutlichkeit gewann\". Dann ging er an die\nComposition der Oper „Faniska\".\nIndessen hatte der Sieg bei Elchingen, die Capitulation\nbei Ulm (den 17. October) mit ihren Folgen die Franzo-\nsen nach Wien geführt; Murat zog am 13. November in\ndie Hauptstadt ein und Napoleon schlug sein Hauptquar-\ntier in dem Lustschlosse Schönbrunn auf.\nEr hörte, dass Cherubini in Wien sei und liess ihn\nnach Schönbrunn kommen. Der ungnädige Consul wurde\nihm ein gnädiger Kaiser—wenigstens für den Augenblick\nund redete ihn sehr freundlich an: „Ah, Herr Cheru-\nbini! Gut, dass Sie hier sind; wir wollen zusammen mu-\nsiciren; Sie sollen meine Concerte dirigiren.\" —Es kamen\nin der That mehrere musicalische Soireen, theils in Schön-\nbrunn, theils in Wien zu Stande, welche Cherubini orga-\nnisirte und leitete. Er erhielt dafür eine bedeutende Sum-\nme, aber dabei blieb es. Von einer kaiserlichen Anstellung\nin Paris war nicht die Rede.\nDie Schlacht bei Austerlitz und der Friede zu Press-\nburg (den 26. December) machten dem Kriege ein Ende,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5430, "texte": "und schon acht Wochen danach fand die erste Auffüh-\nrung der Oper „Faniska\" Statt am 25. Februar\n1806. Die herrliche Musik erregte die Bewunderung aller\nKenner, in welche auch Beethoven und, wie man sagt,\nauch Haydn vollkommen einstimmten. Es scheint indess\nkaum wahrscheinlich, dass Haydn in seinem damals schon\nhohen Alter noch das Theater besucht habe; er mag in-\ndess die Partitur gesehen haben. Das Urtheil der Kunst-\nverständigen erklärte Cherubini einstimmig für den gröss-\nten dramatischen Componisten seiner Zeit. liinen gleichen\nErfolg beim grossen Publicum hatte indess die Oper nicht;\nes erging ihr eben so, wie Beethoven's „Fidelio\", der nicht\nlange vorher, eine Woche nach dem Einzüge der Franzo-\nsen, in Wien zum ersten Male gegeben worden war (am\n20. November 1805).\nFreilich war damals in Wien keine Zeit zu Triumphen\nder Kunst und der Künstler, während von den Feinden\ndes Vaterlandes ganz andere Triumphe und mit einem\nUebermuthe gefeiert wurden, der die Bevölkerung theils\naus der Stadt verscheuchte, theils dermaassen einschüch-\nterte, dass sie an den Besuch der Theater nicht im ent-\nferntesten dachte. Der reiche Adel hatte schon bei der An-\nnäherung der Franzosen grösstentheils die Stadt verlassen,\nund was in Wien geblieben war, befand sich nicht in der\nStimmung, mit den Siegern zusammen die Oper zu besu-\nchen. So bestand denn auch bei den Vorstellungen des\nFidelio das Publicum fast nur aus französischem Militär.\nHöchst merkwürdig bleibt es, dass zwei so bedeutende\ndramatische Compositionen, wie Beethoven'« „Fidelio\" und\nCherubini's „Faniska\", zu gleicher Zeit und unabhängig\nvon einander entstanden, dass beide Werke vor ihrer Zeit\nvoraus waren, beide eine auffallende Aehnlichkeit im Stil\nund namentlich in der Behandlung des Orchesters zeigen,\nund beide unter dem Vorwurf der zu grossen Gelehrsam-\nkeit ihrer Musik für die damaligen Zuhörer litten. Von\nFidelio ist es bekannt, dass auch die späteren Wiederho-\nlungen in Wien nicht durchschlugen und es erst unserer\nZeit vorbehalten war, das herrliche Werk in allen Ländern\nzur Geltung zu bringen. Faniska hatte Anfangs ein besse-\nres Schicksal; die Oper wurde zwar in Wien auch nicht\noft wiederholt, allein sie erlebte doch Vorstellungen auf\nanderen deutschen Bühnen (Schreiber dieses erinnert sich\naus seiner Jugendzeit der Aufführungen auf den Hofthea-\ntern zu Dresden und zu Dessau); diese machten grosse\nWirkung und wurden von der Kritik sehr anerkennend\nbesprochen, wenngleich, woran auch der ungenügende Text\nschuld war, das Werk ebenfalls nicht allgemein durch-\ndrang. Und dennoch gehört die Musik desselben zu dem\nBesten und am meisten Dramatischen, was die Gattung\naufzuweisen hat, und es wäre wohl der Mühe werth, die\nOper —vielleicht mit einer neuen Textes-Bearbeitung\nwieder auf die Scene zu bringen, wie man es neuerdings\nmit der „Medea\" desselben Componisten in Frankfurt am\nMain und in München (?) mit Erfolg versucht hat.\nCherubini blieb neun Monate lang in Wien. Was sein\nVerhältniss zu Beethoven betrifft, so behauptet A. Schindler\n(Biographie B.'s, 1., S. 114 ff.), Cherubini habe gegen ihn\nstets eine scharfe Kritik geübt; Beethoven's Benehmen die-\nser Kritik gegenüber sei nicht immer zu loben gewesen,\nhabe aber an der Gattin Cherubini's noch im Jahre 1841\nund 1842 eine warme Vertheidigerin gefunden. Ihr Mann\naber habe, wenn er von Beethoven gesprochen, stets mit\nden Worten geschlossen: „Mais brusque\"\n(barsch, schroff), und darin mag er auch wohl nicht ganz\nUnrecht gehabt haben. Wenn Schindler hinzufügt: „Wie\nCherubini die Muse seines Zeitgenossen beurtheilt, wäre\nallein schon aus seinen Mittheilungen über Fidelio nach\nseiner Zurückkunft zu entnehmen, hätte er nicht seine ge-\nringe Theilnahme dafür bei jeder Gelegenheit rückhaltlos\nzu erkennen gegeben\", so wird er gewiss die letzte Be-\nhauptung auf die eigene Erfahrung in seinen Unterhaltun-\ngen mit Cherubini stützen können; allein in Betreff von\nCherubini's „Miltheilungen über Fidelio nach seiner Rück-\nkehr\" ist es uns nicht gelungen, Näheres in den damaligen\npariser Blättern aufzufinden, wonach ein Freund der Mu-\nsikgeschichte für uns dort gesucht hat. Es scheint also, als\nberuhe diese Angabe auch nur auf mündlicher Ueberliefe-\nrung, wie die Anmerkung S. 128 bekundet: „Cherubini,\nder den erstmaligen Aufführungen des Fidelio 1804 und\nauch 1805 (soll heissen 1805 und auch 1806) bei-\nwohnte, sagte den pariser Musikern von der Ouvertüre\n(Leonore, Nr. 3), dass er wegen Bunterlei an Mo-\ndulationen darin die Haupt -Tonart nicht zu er-\nkennen vermocht.\" Den Gewährsmann für diese aller-\ndings sehr sonderbare Aeusserung gibt Schindler nicht an.\nWas man aber auf Anekdoten und Aeusserungen von be-\nrühmten Componisten, wie dergleichen durch Gerüchte\nverbreitet werden, zu geben hat, das hat Schindler selbst\nja oft genug in Bezug auf Beethoven erfahren.\nFerner berichtet Schindler noch S. 135, „dass Che-\nrubini nach der Anhörung des Fidelio zu dem Schlüsse\ngelangt, Beethoven habe sich noch zu wenig mit dem Stu-\ndium der Gesangkunst befasst, und sich desshalb „erlaubte\",\nihm das Gesangwesen nachdrücklich anzuempfehlen, zu\nwelchem Zwecke er die Schule des pariser Conservatoriums\nkommen liess, um sie ihm zu verehren.\" Dies ist denn\ndoch ein offenbarer Beweis, dass Cherubini, der bereits\nhochberühmte und zehn Jahre ältere Kunstgenosse, der\ndem jüngeren zum ersten Male auf einem Felde, auf wel-\nchem er längst zu Hause war, begegnete, diesen jüngeren"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1525, "texte": "mit Theilnahme und Wohlwollen behandelte. Und so muss\nes auch Beethoven selbst angesehen haben, sonst würde\ner nicht dies von Cherubini erhaltene Exemplar „bis in\nseine letzten Lebenstage in seiner kleinen Bibliothek auf-\nbewahrt\" haben. (Sch. I. 135. Anm.)\nEndlich hat man es Cherubini auch Beethoven gegen-\nüber zum Vorwurf gemacht, dass er diesem auf den be-\nkannten Brief, in welchem er ihm seine\nempfahl (Schindler, 11., S. 352. Niederrh. Musik-Zeitung,\n1860, Nr. 49), nicht geantwortet habe. Cherubini hat\naber 1841 Schindler erklärt, dass er diesen Brief gar nicht\nerhalten habe, und da auch von Schindler die wirkliche\nAbsendung desselben nicht bestätigt wird, das Concept von\nBeethoven's Hand aber vorhanden ist, so wird es sehr\nwahrscheinlich, dass Beethoven den Brief selbst niemals\nabgeschickt hat.\nWenn wir das Gesagte ruhig erwägen, und uns dann\nerinnern, dass Cherubini später als Director des Conser-\nvatoires die Aufführungen der Sinfonieen Beethoven's in\nden Conservatoire-Concerten gebilligt und begünstigt hat,\nso wird es uns schwer, ihn für einen Verächter der Beet-\nhoveirschen Musik zu halten, wie man es leider von C. M.\nvon Weber annehmen muss.\nDie Oper „Fariiska\" nahm Cherubini etwa 20 Jahre\nnach ihrer Erscheinung noch einmal wieder vor; der dra-\nmatische Dichter Guilbert de Pixerecourt begann eine\nUebersetzung und Bearbeitung des Textes für die komische\nOper in Paris. Allein mitten in der Arbeit besann sich der\nComponist anders, untersagte die weitere Fortsetzung und\ngab den ganzen Plan auf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "412", "page_fin": "413", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.2.3", "titre_corps": "Holle’s Verlag.", "titre_sommaire": "Holle’s Verlag.", "signature_source": "E. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.4", "debut_caractere": 1527, "fin_caractere_exclue": 5092, "texte": "Holle’s Verlag.\n\nHolle hat wiederum zur Weihnachtsfreude ein Er-\nkleckliches an Beiträgen geliefert. Zur Anzeige kommen\nwir nun freilich post festum zu spät: wenn nicht der\nHasllose längst seine Sendboten entlassen hätte in europäi-\nschen und überseeischen Rundschreiben. Es mag ein be-\ndenkliches oder bedeutsames Zeichen der Zeit sein, wenn\nin dieser theuren Zeit, wo mancher Hausvater mit Sorge\nauf Leibes Nahrung und Nothdurft sinnt, urplötzlich die\ndeutschen Geistes-Erzeugnisse so wohlfeil werden, als\nsollte er darüber das theure Brod vergessen und die bittere\nAngst der Wohnungsnoth am Ciavier verklimpern. Nun\nkommt noch hinzu, dass, durch Holle's Beispiel angeregt,\nsich wohlfeile Concurrenten in Nord- und Süddeutschland\nentgegenstellen; doch hört man nicht, dass wie in den\nweiland dampffahrigen Societäten bis jetzt Einer den An-\nderen todt gelaufen hätte. Gleichläufig hiermit, gehen die\n[berliner Volks-Concerte von Liebig und die kölner bei\nDickopf, die für 5 Silbergroschen gute classische Ton-\nstücke hören lassen, in besserer Execution, als manche\nVirtuosen-Concerte, die aus königlichen oder Staats-Do-\nmainen gefüttert werden. Wer deutet mir diese Zeichen\nder Zeit? Wo jenseits der Meere der Yankee dem Pflanzer,\nder um Brod schreit, entgegenruft: „Fresst Baumwolle!\"\n—wo in Europia Wagner's Nibelungen zu 36 Thlr. einige,\nBeethoven's Opera, omnia zu 39 Thlr. viele Käufer fin-\nden*)—: ist das die Zeit des Materialismus? Ist Holle ein\nMaterialist, der mit ziemlichen Opfern und vielem Geschick\ndie Verbreitung der Classiker fördert, dafür angegriffen,\nverklagt, als Nachdrucker verurtheilt wird und dennoch\nunermüdet bleibt und alle Jahre neue Unternehmungen\nausführt, dass dem soliden—Philister die Haare zu Berge\nsteigen ?\nDie Sache kann scherzhaft genommen werden, hat\naber eine ernste Seite, der wir nicht aus dem Wege gehen\nwollen. Ist es wahr, dass solche Unternehmungen unge-\nrecht erworbenes Gut sind, so würden wir trotz des Vor-\ntheils, den wir geniessen, unser Gewissen beschwert füh-\nlen. Gewiss ist aber, dass Seb. Bach's Werke längst als\nGemeingut gegolten und sehr namhafte Verleger bereits\nseit 30—50 Jahren ungestraft eine Auflage auf die an-\ndere gepfropft haben; Mozart und Haydn, bei denen\nweder Privilegien noch Erb-Ansprüche widersprechen,\nsind gleicher Weise von Hand zu Hand gegangen. Von\nden übrigen, z. B. Beethoven und Weber, schweigen wir\njetzt, da uns die Verlags- und Vertrags-Verhältnisse nicht\ngenau bekannt sind und dem Vernehmen nach bald eine\nausführliche Darlegung der vielbesprochenen Angelegen-\nheit zu erwarten ist.\nGehen wir lieber auf den Inhalt ein. Die letztgedruck-\nten Hefte enthalten: Fr. Schubert's Lieder, Band 5 und\n6. Der fünfte bringt manches wenig Bekannte, Vieles aus\ndem Nachlass, der sechste Transpositionen für Alt oder\nBass, doch auch sieben Lieder, originaliter für diese Stim-\nmen gesetzt. Ferner drei Hefte Beethoven, nämlich:\nBand 9: Lieder für eine Stimme mit Ciavier; Band 10:\nein Oratorium und zwei Messen im Clavier-Auszuge; Band\n14: die 17 Geigen-Quartette, Partitur 3 Thlr., Stimmen\n5% Thr. An den letzteren ist zu loben, dass einige wich-\ntige Druckfehler corrigirt sind, die in der sonst sehr schätz-\nbaren mannheimer Partitur-Ausgabe stehen geblieben wa-\nren, nämlich: Bd. 14, Heft 1, S. 18, Z. 4, Tact 8, wo\ndie Viola richtig ghat, nicht —Heft 2, S. 12, Z. 3, T.\n\n*) Bisher sind durch Holle ausgegeben: Beethoven1» Werke\nfür 39, Mozart's für 15, Schubert's für 14 Thlr., insge-\nsammt an Classikern, nebst einigen poetat minores, für 99\nThlr., was sonst 300— Thlr. kostete."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 917, "texte": "10, wo Violine I. zweigestrichen e haben muss, nicht zwei-\ngestrichen es;— Heft 4, S. 2,Z. 3, T. 7, wo die 1. Note des\nVioloncells lauten muss Des, nicht C. Stehen geblieben\nsind, wie in der mannheimer Ausgabe, zwei Fehler, näm-\nlich: Holle, Heft 2, S. 11, Z. 4, T. 0, wo die drei letzten\nNoten des Violoncells lauten müssen: GesFEs, wie in den\nvorangehenden Parallelstellen Z. 2 und 3;— ferner Heft 2,\nS. 29, Z. 5. T. 3, wo bei der vorletzten Note der Viola\ndas t} vergessen ist; eingestrichen statt ist sinn-\nlos.— Es ist begreiflich, dass bei so umfangreichen Wer-\nken einzelne Versehen stehen bleiben, und manche mögen\nauch uns entgangen sein; trage nun Jeder das Seine bei,\num völlige Correctheit zu erreichen. Uebrigens soll mit\ndieser Bemerkung die mannheimer Ausgabe nicht verklei-\nnert werden; sie ist sehr sorgfältig behandelt und trotz\nihres kleinen Druckes lesbarer, als manche grössere\nSchriftart.\n\nE. K."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.2.4", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.5", "debut_caractere": 919, "fin_caractere_exclue": 5174, "texte": "Aus Aachen.\n\nQui tacet, consentit—„Wer schweigt, ist einverstan-\nden\" —: diesen Schluss können Sie dreist aus meinem län-\ngeren Stillschweigen über unsere musicalischen Zustände\nwährend dieses Winters ziehen. Wir sind schon bis zur\nHälfte der Abonnements-Concerte gekommen, und können\nohne allen Vorbehalt unsere Befriedigung sowohl über die\ngeschmackvolle Zusammenstellung der Programme, als\nüber die Ausführung derselben aussprechen. Ihr trefflicher\nCapellmeister Hiller hat als Pianist und Componist die\nEröffnung unserer Concerte eingeweiht. Sein Ciavierspiel\nhörten wir hier öffentlich zum ersten Male, und ich über-\ntreibe keineswegs, wenn ich sage, dass sein classisch ruhi-\nger, reiner und edler Vortrag des prächtigen B-dur-Con-\ncertes von Mozart die ganze Zuhörerschaft elektrisirt hat;\nwer auf solche Weise die Werke unserer grossen Meister\nwiedergibt, theilt ihren Ruhm. Die noch nicht in Druck\nerschienenen Variationen, welche Hiller nachher spielte,\nerhielten eben so lebhaften Beifall, als seine schöne „Lo-\nrelei\", die wir an demselben Abende hörten, und in wel-\ncher unsere liebenswürdige Sängerin Frau N.-Deutz einen\nausserordentlichen Erfolg hatte. Herr Hiller dürfte über-\nhaupt mit der Aufführung seines Werkes zufrieden gewe-\nsen sein, da auch die Chöre, namentlich die Frauenchöre,\ndenen der Componist eine Hauptrolle zugetheilt hat, an\nGenauigkeit des Zusammengesanges und an Nuancirung\nganz vortrefflich waren.\nWeil ich vom Chor spreche, so muss ich hier gleich\nanfügen, dass unsere Sänger uns im dritten Concerte durch\ndie Ausführung des prachtvollen Meisterwerkes „Israel\nin Aegypten\" von Händel einen neuen Beweis ihrer\nBegabung und musicalischen Tüchtigkeit gegeben haben.\nDie Wirkung der 260 Sänger und Instrumentalisten war\ngrossartig und ergreifend, namentlich in den Chören: „Er\nsandte dicke Finsterniss\", wo das wunderbar schön\nfestgehalten wurde und dadurch den folgenden: „Er schlug\nalle Erstgeburt\", im vollsten Gegensatz der Kraft hervor-\ntreten liess; in dem über alle Maassen grossen und maje-\nstätischen: „Das hören die Völker\", u. s. w. u. s. w.\nDie Solo-Partieen, denen bekanntlich nur eine unter-\ngeordnete Rolle in diesem Oratorium zugetheilt ist, waren\nin guten Händen. Fräulein Schreck vor Allen errang\ndurch die Arie: „Bringe sie hinein\", einen ausserordent-\nlichen Erfolg; dann auch Fräulein Büschgens aus Cre-\nfeld, welche mit vielem Talente das Undankbare ihrer\nPartie überwand, und besonders die Arie: „Erhebet hoch\nden Herrn\", und Mirjam's Siegesgesang sehr gut vor-\ntrug. Herr Göbbels zeichnete sich in der heroischen\nArie in G-duraus, und Herr Bergstein erhielt warmen\nBeilall nach dem Duette: „Der Herr ist der starke Held\",\nwelchen ein junger Dilettant mit edler und fester Stimme,\nHerr K., so theilte, dass ein grosser Theil der Begeiste-\nrung des Publicums auch auf seine Rechnung kommt.\nBrauchen wir noch hinzuzufügen, dass die Ehre des\nAbends Herrn Director Wüllner zukam, dessen Talent\nund Eifer von Tag zu Tag immer mehr anerkannt wer-\nden? Seinem Verdienste müssen wir vorzüglich den stei-\ngenden Geschmack des Publicums an den Concerten zu-\nschreiben, da noch niemals die Theilnahme für dieselben\neine so allgemeine gewesen ist, als jetzt. Die Zahl der\nAbonnenten ist dermaassen gestiegen, dass der Saal im\nCurhause nicht mehr genügte und das eben erwähnte dritte\nConcert in dem geräumigen Bernaert'schen Saale gegeben\nwurde, der dann auch im buchstäblichen Sinne überfüllt\nwar. Diese Thatsachen zeugen am besten für den Mann,\ndem die Geschicke unseres Musiklebens anvertraut sind.\nIn dem zweiten Concerte hatten wir Gelegenheit, Ihren\nVioloncellisten Herrn A. Schmitt zu bewundern, der in\ndem Concerte in D-mollvon Goltermann und in Variatio-\nnen von Servais durch die Reinheit und enorme Fertigkeit\nseines Spiels grossen Beifall und Hervorruf erhielt. In der\nHymne für Alt-Solo und Chor von Mendelssohn hörten\nwir nach langer Abwesenheit eine unserer besten Sängerin-\nnen, Frau Henriette Wickop, einmal wieder; ihr\nWiedererscheinen wurde wie ihr Gesang mit warmem\nApplaus begrüsst; ihre schöne Stimme hat keineswegs\nverloren, sondern sie ist im Gegentheil noch frischer ge-\nworden.\nVon reinen Orchesterstücken hörten wir in den beiden\nersten Concerten in sorgfältigster Ausführung Beetho-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 139, "texte": "ven's Ouvertüre Op. 124, Schumann's Ouvertüre,\nScherzo und Finale, Mendelsso hn's Sinfonie in A-moll\nund Beethoven's Pastoral-Sinfonie.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "415", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. 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Es ist derselbe, der\neine Biographie von Spohr herausgegeben und auch das\nMeisterstück geliefert hat, sämmtliche Sätze einer Messe\nmit Begleitung von Blas-Instrumenten in zu compo-\nniren, von deren Aufführung diese Zeitung Kunde gege-\nben. Herr Malibran versteht es, in diesen Berichten mit sei-\nnen pariser Collegen im Journal Jules Janin und\nBerlioz, sowohl was räumliche Ausdehnung als stilistische\nEigenschaften betrifft, bestens zu rivalisiren. Wir begegnen\ndemnach derselben gelehrten Scfiwatzhaftigkeit, die wir\nan den eben genannten Feuilletonisten bewundern; und\nwarum sollte er es ihnen nicht gleich thun, da er doch für\nFranzosen schreibt, die, wie man sagt, aller Orten die Ge-\nschicklichkeit besitzen, das beim Gelesene beim\nDiner schon vergessen zu haben?\nAnders stände es um die gefällten Kunst-Urtheile,\nwenn dem Gerüchte zu trauen, dass die nunmehr im Feuille-\nton der Neuen Frankfurter Zeitung erscheinenden Kritiken,\nmit einem R. gezeichnet, ebenfalls aus der Feder des Herrn\nMalibran herrühren. Die in musicalischen Kritiken der\nFranzosen fast stereotypen Ausdrücke, auch Redewendun-\ngen, Rückblicke auf italiänische Gesangesgrössen und der-\ngleichen unter französischen Componisten, lassen offenbar\nauf ein französiches Original-Manuscript jchliessen, das der\nUebersetzer stellenweise nur zu getreu ins Deutsche über-\nträgt. Der Verfasser selbst nennt sich einen „Musiker von\nFach\". Sein Augenmerk ist fast ausschliesslich auf die So-\nlisten gerichtet, während Chor und Orchester ihn nur sehr\nwenig beschäftigen; dies ist sehr begreiflich, da den Kriti-\nker, wenn er selber Virtuose, vorzugsweise nur die Virtuo-\nsität afficirt, wie den Franzosen überhaupt. In der Auffüh-\nrung des Judas Maccabäus hat derselbe Kritiker einige\nüberraschende Entdeckungen gemacht, und zwar, dass die\nTenorstimme von Karl Schneider aus Wiesbaden etwas\nCastratenartiges habe, und dass dieser Sänger Alles in müh-\nseliger Weise herausbringe, was dem Zuhörer Unbehagen\nmache. Ferner hat unser Mann entdeckt, dass der Anfän-\nger in Leitung grosser Massen, Herr Friedrich, noch kein\nfertiger Dirigent ist, darüber er sich sehr erbos't hat, weil\ner überdies noch gefunden, dass die Singstimmen des Rühl'-\nschen Vereins unter Friedrich's Leitung an Wohlklang ein-\ngebüsst haben*). Endlich hat er noch entdeckt, dass der\nMusik-Director Müller seit vorigem Jahre bedeutende Fort-\nschritte gemacht habe. Für Mittheilung dieser gewiss sehr\nwichtigen, unbezweifelt wahren Entdeckungen sind wir dem\nR. zu Dank verpachtet, erlauben uns nur auf die zuletzt\nangeführte zu bemerken, dass Herr Müller unseres Wis-\nsens bereits an 300 Concerte zu Münster dirigirt hatte, be-\nvor er nach Frankfurt gekommen.\nIn der Didaskalia hat sich gleichfalls eine kritische\nStimme wiederholt vernehmen lassen, die augenscheinlich\neinem Fachmusiker angehört. Dieser fassl sich im Gegen-\nsatze zu den anderen Neulingen kurz, fast zu kurz, und steht\nauch in seinen Auschauungen ziemlich weit ab von jenen.\nEr schwärmt für Schumann's Musik, darum wir ihn kei-\nneswegs beneiden wollen. So viel ist gewiss, dass die Ru-\nbrik „Stoppellese\" dieser Musik-Zeitung aus den über eine\nund dieselbe Kunstleistung gefällten Urtheilen der genann-\nten Rlätter ziemlich viel Stoff ziehen könnte.\nZweierlei möchten wir diesen Herren zunächst zu be-\ndenken geben, nämlich: ob es wohl klug zu nennen, wenn\nausübende, auch componirende Musiker sich mit Kritik be-\nfassen; ferner, ob jeder von ihnen wohl den unerlässlichen\nGrad von innerer und äusserer Unabhängigkeit zu dem Kunst-\nrichter-Amte besitze und sich frei wisse von aller Coterie\noder cameradschaftlichen Einflüssen. In dritter Reihe mag\nnoch ein Anderes ihrem Nachdenken empfohlen sein. Wir\ndürfen wohl für sicher annehmen, dass den Herren die ver-\ndienter Maassen schon lange bestehende Creditlosigkeit der\nfrankfurterLocal-Kritik bei allen intelligenten und redlich\ngesinnten Musikern und Musikfreunden nicht unbekannt\ngeblieben; darum wollen wir sie denn bescheiden fragen,\nob sie wirklich glauben, auf dem eingeschlagenen Wege\ndie musicalische Kritik hier zu Ehren zu bringen und der\nfrankfurter Tonmuse zu nützen? Alle Wege führen zwar\nnach Rom, nicht aber (unseres Wissens) nach Frankfurt,\njene gewiss nicht, auf denen sich schwatzhafte Feuilletoni-\nsten in pariser Manier bewegen, mit dem deutschen Musik-\nwesen nicht bekannt und keinen soliden deutschen Stand-\npunkt unter den Füssen. Dergleichen, was bis jetzt zu Tage\ngefördert worden, zielt augenscheinlich nur auf Erreichung\n\n*) Herr Malibran gibt in seinem „Courrier musicalu vom 20.\nDecember sogar Herrn Friedrich die Schuld, dass die Contra-\nbässe gräulich gekratzt haben."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 717, "texte": "materieller Zwecke und hilft Anderen noch in deren För-\nderung, verfehlt daher sicher und gewiss die höheren Ziele\nder Kunst. —Mit musicalischer Kritik befassen sich hierorts\nnoch das Conversationsblatt und der Volksfreund, beide\nfast immer vom Partei-Standpunkte aus; ferner das Intelli-\ngenzblatt, von gar keinem oder, wenn man will, vom kosmo-\npolitischen Standpunkte aus; die Rlätter für Theater, von\nentschieden kosmopolitischem Standpunkte aus; Familien-\nblätter, mit von respectabler Gesinnung zeugenden Rendi-\nten, und andere Rlätter noch. Arme, beklagenswerthe\nMusica, so erlaubt sich Jeder, an dir hin und her zu zer-\nren, als wärest du die gefürchtetste Widersacherin des\ndeutschen National-Vereins!\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "416", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.2.6", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.7", "debut_caractere": 719, "fin_caractere_exclue": 5081, "texte": "Aus Rotterdam.\n\n[Die deutsche Oper]\nDen 20. December 1861.\nGestatten Sie uns, Ihnen über die diesjährige hiesige\ndeutsche Oper einen Rericht zu senden, dessen Aufnahme\nwir um so mehr wünschen, als die Reurtheilungen dersel-\nben in der hiesigen Nieuwe Courant keineswegs geeignet\nsind, eine richtige Vorstellung davon zu geben.\nIm Ganzen können wir mit unserer Oper zufrieden\nsein. Sopranistinnen zählen wir fünf: Fräulein Günther,\nFrau Zadamack-Doria, Fräulein Geisthardt, Frei\nund Kluge. Vor Allen verdient Fräulein Günther hervor-\ngehoben zu werden, welche trotz allen Anfeindungen des\nder Liebling des Publicums geworden.\nEs ist wahr, sie ist nicht mehr im Resitze einer jugendli-\nchen frischen Stimme, wie wir sie im vergangenen Jahre\nbei Frau Kainz gewohnt waren; jedoch ihre Schule, ihr\nmeisterhaftes Spiel, ihr künstlerisches Rewusstsein bei an-\nspruchslosem Wesen lassen gern diesen Mangel vergessen.\nIhre Zigeunerin im Troubadour, Elisabeth, Fidelio, dann\nauch die Rolle der Raronin im Wildschütz waren Leistun-\ngen, die uns unvergesslich sein werden. Ihr Fidelio war\nein Meisterstück und erweckte einen Enthusiasmus, wie\nwir ihn hier noch selten gesehen.\nFrau Zadamack-Doria ist eine vortreffliche Sän-\ngerin; Stimme und Schule gleich gut. Ihre besten Rollen\nscheinen bis jetzt Leonore im Troubadour und die Norma\ngewesen zu sein. Sie sang auch nach Fräulein Günther\nden Fidelio. Wie gesagt, sie sang ihn; denn ihr Spiel liess\ngegen das des Fräuleins Günther kalt. Die grosse Arie in\njEsang sie vortrefflich und wurde mit anhaltendem Applaus\nund zweimaligem Hervorruf anerkannt. Dagegen drang sie\nim ersten Quartett weniger durch, was leider auch in der\nKerkerscene der Fall war. Die ganze Scene liess kalt. Wir\nkönnen nicht unterlassen, Frau Doria den Rath zu ertbei-\nlen, sich von derartigen hochdramatischen Rollen fern zu\nhalten und sich nur den rein gesanglichen Partieen zuzu-\nwenden.\nFräulein Geisthardt ist als Coloralur-Sängerin in\nDeutschland von Hannover aus genugsam bekannt. Ihr Ruf\nhat sich auch hier bewährt. Da sie erst seit kurzer Zeit\nhier ist, so können wir nur von Susanne, Königin der\nNacht, Margarethe in den Hugenotten und Martha spre-\nchen. Wiewohl ihrem Gesänge etwas Wärme fehlt, so\nwird dies durch ihre vortreffliche Schule und anmulhiges\nSpiel ausgeglichen. Ihre Susanne war eben so naiv, wie\nihre Martha schwärmerisch; die beiden Arien der Königin\nder Nacht, wie der zweite Act der Hugenotten wurden\nmeisterhaft gesungen. Fräulein Geisthardt ist eine Zierde\nunserer Ruhne.\nFräulein Frei, noch von früher hier in gutem An-\ndenken, ist eine gute Soubrette und dabei im Nothfalle für\nalle Partieen verwendbar, wesshalb sie für unsere Rühne\nunersetzlich sein dürfte.\nUeber Fräulein Kluge ist nichts weiter zu sagen, als\ndass dieses Miniatur-Figürchen ein niedliches Gretchen im\n„Wildschütz\" war.\nUnsere Rühne leidet, wie so viele anderen, Mangel an\nguten Tenören. Wir haben drei Tenöre, die Herren\nGrimminger, Arnurius und Stiegele. Es thut uns\nleid, Herrn Grimminger als ersten Tenoristen nicht s«\nanerkennen zu können, wie der Recensent der N. R. C.\nEin Tenorist, welchem das g schon Anstrengung kostet, ist\nnicht als erster Tenorist anzuerkennen. Stände seine Stimme\nmit seinem Restreben in gleichem Verhältnisse, so würde\ner als bedeutender Sänger zu begrüssen sein. Seine besten\nRollen waren Tannhäuser und Florestan. Wiewohl die\nEingangs-Arie transponirt werden musste, so ist sein Flo-\nrestan doch eine sehr gelungene Leistung. Weniger er-\nquickend war sein Raoul, wiewohl er diese Partie für seine\nbeste hält. Wir haben selten die erste Romanze so unge-\nnügend singen hören, wie von Herrn Grimminger, was so-\ngar Zischen veranlasste. Es mangelt Herrn Grimminger\ndurchaus an Höhe, was um so unangenehmer wirkt, als\ndieser Sänger über nur schwaches Falset zu gebieten hat,\ndas mit den Brusttönen wenig harmonirt. Hierzu kommt\nnoch das fehlerhafte Athemholen, so dass es nicht Wunder\nnehmen konnte, dass sein Raoul Fiasco machte. Ein Gleiches\nwar im vergangenen Jahre mit der Partie des Arnold im\nTeil der Fall, wiewohl einige Nummern transponirt waren.\nLeider scheint es Herrn Grimminger an Selbsterkenntniss\nzu fehlen, und durch Lobhudeleien wird er immer mehr\nverdorben. Davon nur Ein Reispiel. Vor etwa drei Wochen\nerhielt Herr Grimminger ein Telegramm von Richard\nWagner, wie die N. R. C. meldete, in welchem derselbe"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2198, "texte": "ihn nach Wien berief, „um daselbst das Repertoire auf-\nrecht zu erhalten\". (!)\nHerrn Arnurius' Stimme ist für lyrische Sachen sehr\ngeeignet, die Höhe leicht und nicht unangenehm; doch\nscheint er noch ein Neuling zu sein, und eine gute Leitung\ntbäte ihm wohl.\nVon Herrn Sliegele ist nichts zu sagen, als dass er\naus Schwaben und ein ungleicher Bruder des Tenoristen\nStigelli ist.\nBaritonisten: die Herren Brassin und Duschnitz.\nErsterer ist Ihnen bekannt. Die jugendlichen Partieen über-\nnimmt Herr Duschnitz, begabt mit kräftiger, klangvoller,\nhöchst angenehmer Stimme und guter Schule. Es ist zu\nbedauern, dass dieser sonst so vortreff liche Sänger so we-\nnig Spiel-Talent besitzt.\nDie Perle unserer Bühne bleibt Herr Dalle Aste,\nwelcher durch seine Natürlichkeit in Spiel und Gesang das\nPublicum hinreisst. Wir haben leider auf das Vergnügen,\nihn in dieser Saison begrüssen zu können, längere Zeit ver-\nzichten müssen, da ein ernstliches Unwohlsein ihn beinahe\nzwei Monate von der Bühne fern hielt. Um so glänzender\nwar der Empfang, der sich in einem nicht enden wollen-\nden Applaus und Ueberreichung eines Lorberkranzes kund\ngab. Wir übersehen bei diesem beliebten Künstler kleine\nSchwächen im Vortrage, da sich bei ihm Alles: gefälliges\nAeussere, stattliche Figur, schöne Stimme und gewandtes,\nnatürliches Spiel vereinigt.\nHerr Abiger wird als Bass-Buffb auf jeder Bühne\nwillkommen sein. Wir bedauern nur, dass derselbe hier\nseinen Wirkungskreis nicht gefunden, da zu wenig komi-\nsche Opern gegeben werden. Seine hervorragendste Partie\nwar die des Schulmeisters im „Wildschütz\" von Lorlzing,\ndie nicht leicht charakteristischer dargestellt werden kann.\nDas Orchester ist unter der Leitung unseres Papa\nScraup vortrefflich. Ein wenig mehr Energie könnte bis-\nweilen nicht schaden. Doch haben wir alle Ursache, zu-\nfrieden zu sein. Anders verhält es sich mit dem Chor.\nWir vermissen vergleichsweise die Präcision vom vorigen\nJahre; auch mangelt mitunter das gehörige Feuer.\nMit der Kritik sieht es hier, wie ich oben schon an-\ngedeutet habe, traurig aus; es fehlt ganz und gar an\neigentlichem Kunstverständniss bei dem hiesigen Kritiker.\nDas ist schlimm für die Künstler und für das Publicum.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1861-12-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1861-12-28_01#c007", "volume": "bmtnabi_1861-12-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.2.7", "titre_corps": "Viertes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.8", "debut_caractere": 2200, "fin_caractere_exclue": 5699, "texte": "Viertes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag den 17. December 1861.\nProgramm: Erster Theil. 1. Concert-Ouverture von F.\nHiller (neu Manuscript)» 2. Arie aus HändeTs „Samson\", ge-\nsungen von Frau Offermans van Hove aus dem Haag. 3. Weih'\nnachtslied, sechsstimmig, von Sethus Calvisius (1587). 4. Vio-\nlin-Concert Nr. VII. von L. Spohr, gespielt von August Köm-\npel. 5. Erstes Finale aus Weber's „Euryanthe\". Zweiter\nTheil. 6. Neunte Sinfonie von Beethoven.\nHill er*s neue Ouvertüre besteht aus einem einzigen feurigen\nAllegro ohne Introduction oder anderen Tempowechsel. Sie ist der\nErguss einer lebhaften Phantasie, welche von der Sicherheit des\nmusicalischen Wissens innerhalb der Gränzen einer schönen Form\ngehalten wird und sich schwung- und geistvoll im Reiche melodi-\nscher Gedanken ergeht. Sie fand bei allen Kennern und unbefange-\nnen Hörern grossen Beifall und ist ohne Zweifel eines der schönsten\nOrchesterstücke, welche Hiller's Muse geschaffen.\nFrau Offermans van Hove geniesst in Holland seit Jahren\neines ausgebreiteten und wohlverdienten Rufes als kunstgebildete\nSängerin. Sie hat denselben auch hier, wo sie zum ersten Male auf-\ntrat, gerechtfertigt und sich namentlich in dem Vortrage der kleinen\nHänderscben Triller-Arie aus Samson: „Mit Klagelaut und Liebes-\ngirren\" (mit obligater Violine) als Sängerin von vortrefflicher Schule,\ncorrectem und sehr schön nuancirtem Triller bewahrt. Ihre Stimme\nhat bei einem bedeutenden Umfange und leicht ansprechender Höhe\nnoch frischen Ton, der auch in der neunten Sinfonie durchdrang,\nwie sie sich denn überhaupt durch die Ausfuhrung der Sopran-Solo-\nPartie in diesem Werke als eine tüchtige Musikerin zeigte.\nDas „Weihnachtslied\" vom alten berühmten Musikgelehrten,\nAstrologen und Chronologen Sethus Kaiwitz (1556—i6lsj aas\nThüringen sang der Chor a capella sehr rein und anmuthig.\nAugust Kömpel, von seinen Concerten in Holland her an\nglänzende Ovationen gewöhnt, riss auch hier das Publicum, das\nsonst an diesem Abende nicht eben sehr beifallslustig war, durch\nden vortrefflichen Vortrag des siebenten Violin-Concertes von Spohr\nzu reichlichem, lebhaftem Applaus und Hervorruf hin.\nDas Finale aus der Euryanthe machte nicht den Eindruck, den\nes mit seiner anmuthigen Musik auf der Bühne niemals verfehlt. Es\nlag dies in der Natur der Sache, nieht an der Ausführung. Die Soli\nwaren in den Händen der Frau Offermans, die indess die Partie\nder Euryanthe nicht so vorzüglich sang, als die Iländel'sche Arie,\ndes Fräuleins Adele Assmann aus Barmen, Schülerin des hiesi-\ngen Conservatoriums, eines recht gut musicalischen Dilettanten (Te-\nnor) aus Crefeld und des Herrn Karl Bergstein aus Aachen,\nwelcher sowohl die Partie des Lysiart, als nachher die schwierige\nBass-Partie im Finale der neunten Sinfonie mit einer wohllautenden,\nkräftigen Baritonstimme und ausdrucksvollem Vortrage, der den\ntüchtigen Musiker bekundete, sang.\nDie Wahl der neunten Sinfonie auf dem Programm war eine\nHuldigung, die man dem 17. December, dem Geburtstage Beetho-\nven's, brachte. Die Ausführung war eine treffliche, im* ersten Alle-\ngro, im Scherzo und im Finale ausgezeichnet gelungene, welche dem\nhocherhabenen und zugleich in vollster Tonpracht glänzenden Werke\nwieder, wie immer bei unserem Publicum, eine enthusiastische An-\n-7 '\nerkennung verschaffte. Die Soli wurden von dem oben genannten\nSänger-Quartett ausgeführt; der Chor war hinreissend schön, kräftig\nund voll Feuer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCherubini. 11. Holle's Verlag. Von E. K. Aus Aachen (Concert-Saison). Von N. Aus Frankfurt am\nMain (Die Loeal-Kritik). Von A. S. Aus Rotterdam (Die deutsche Oper). Von x. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gür-\nzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt.\n\nCherubini.\nII.\n(I. s. Nr. 48)\nWährend Cherubini auf der Scheide des Jahrhunderts\nbereits einen weit verbreiteten Huf errungen hatte, war\ndie französische Nation in so fern undankbar gegen ihn,\nals ihm die Regierung der Republik nur die unbedeutende\nStelle eines Inspectors am Conservatorium übertrug, von\nderen Ertrag es ihm kaum möglich war, seine zahlreiche\nFamilie zu unterhalten. Und doch wäre es eine doppelte\nPflicht der Republik gewesen, Cherubini hoch zu stellen,\nda offenbar die Revolution einen grossen Einfluss auf sei-\nnen neuen Stil gehabt hatte, und er in gewisser Hinsicht\nder Apostel der neuen Zeit durch Werke geworden war,\nin welchen er das Hergebrachte verschmähte, freiere Bah-\nnen verfolgte und die neuen Ideen durch geniale Erfin-\ndungskraft und wahre Charakteristik der menschlichen\nGefühle und Leidenschaften in Tönen gewisser Maassen\nverkörperte. Allein sowohl das Directorium als das nach-\nherige Haupt des Staates, der erste Consul, vernachlässig-\nten und vergassen den grossen Tondichter, den Italien,\nFrankreich und Deutschland kannten und vereinten.\nEs dürfte indess wohl ausgemacht sein, dass Bona-\nparte ihn nicht vergass, sondern absichtlich nicht beför-\nderte, weil er ihn und seine Musik nicht leiden konnte.\nAuch als Kaiser vermochte er nicht, dieses Vorurtheil zu\nunterdrücken, und Cherubini that, seinem Charakter ge-\nmäss, auch nichts, um es dem Machthaber zu benehmen.\nEs scheint, als hätte der gewaltige Herrscher, Kriegsheld\nund eiserne Mensch in seinem Innern zuweilen ein Be-\ndürfniss gefühlt, sich alles Grossen auf Augenblicke zu\nentschlagen, also auch dem Eindrucke des grossen Stils in\nder Kunst, wesshalb er denn die leichtere, angenehm un-\nterhaltende Musik vorzog, und jede Aufregung des Gemü-\nthes durch die Kunst für unwürdig eines Staatsmannes\nund Feldherrn halten mochte.\nDass Napoleon Aeusserungen und Freiheiten, die ihm\nals Tacllosigkeiten oder noch Schlimmeres erschienen und\nmissliebig wurden, lange nachtrug, ist bekannt, und so\nmag es denn wohl wahr sein, dass der Ursprung seiner\nAbneigung gegen Cherubini in folgendem Vorfalle zu su-\nchen sei."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.2", "texte": "Nach der Rückkehr von einem der siegreichen Feld-\nzüge in Italien halte Bonaparte gewünscht, einen Marsch,\nden Paisiello zur Verherrlichung seines Ruhmes componirt\nhatte, im Conservatorium zu hören. Die Composition soll\nsehr mittelmässig gewesen sein. Der Vorstand glaubte die\nGelegenheit wahrnehmen zu müssen, auch von Cherubini's\nComposition etwas aufzuführen, und wählte dazu, in der\nMeinung, dass etwas Kriegerisches dem grossen Feldherrn\nam besten gefallen würde, eine Cantate und einen Trauer-\nmarsch, den Cherubini auf den Tod des Generals Hoche\ngeschrieben hatte. Das war freilich ein Missgriff im Gegen-\nstande; die Verherrlichung einer anderen militärischen\nGrösse neben ihm konnte ihm nicht angenehm sein, und\nman konnte dem damals schon Allgewaltigen seine Ver-\nstimmung ansehen. Nach dem Concerte trat er zu Cheru-\nbini, sagte ihm aber kein Wort über die Cantate und den\nTrauermarsch, hob dagegen Paisiello und Zingarelli in\nden Himmel und nannte sie die beiden grössten Compo-\nnisten des Jahrhunderts. Das war dem Meister denn doch\nzu arg, und er erwiderte: „Paisiello, allenfalls! aber Zin-\ngarelli!'' und begleitete diese Antwort natürlich mit ent-\nsprechenden Geberden. Damit hatte die Unterhaltung ein\nEnde.\nNach dem Mordversuche mit der Höllenmaschine am\n3. Nivose empfing der erste Consul Abgesandtschaften von\nallen Behörden u. s. w. Unter den Abgeordneten des Con-\nservatoriums war auch Cherubini, hielt sich aber im Hin-\ntergrunde. Auf einmal sagte Napoleon: „Ich sehe ja Herrn\nCherubini nicht!\" Cherubini trat hervor und verbeugte\nsich, ohne ein Wort zu sagen.\nEinige Tage darauf erhielt er eine Einladung zur\nTafel. Nach Tische ging Napoleon mit grossen Schritten\nim Saale auf und ab und begann mit Cherubini, der ihm\nkaum folgen konnte, ein Gespräch über Musik, welches\ner bald französisch, bald italiänisch führte. Er kam wieder\nauf Paisiello und Zingarelli, und da Cherubini widersprach\nund seine Gründe ihm aus einander setzte, rief er plötz-\nlich aus: „Ich sage Ihnen aber, dass ich Paisiello's Musik\nliebe, sie ist sanft und ruhig. Sie haben Talent, aber Ihr\nOrchester ist zu stark.\" —Bürger Consul, entgegnete der\nMaestro, ich habe mich nach dem Geschmacke der Fran-\nzosen gerichtet.— „Ihre Musik ist viel zu lärmend und ge-\nräuschvoll; sprechen Sie mir von Paisiello's Musik! die\nwiegt einen so sanft und lieblich.\"\nsagte Cherubini, Sie lieben die Musik, die Sie nicht in\nIhren Gedanken an Staatsgeschäfte stört. Auch diese\nAntwort vergass ihm Napoleon nie.\nIm Jahre 1803 wurde eine neue Oper in zwei Acten\nvon Cherubini: Anakreon oder gege-\nben. Sie enthielt mehrere vortreffliche Nummern und die\nbekannte, überall mit Beifall aufgenommene Ouvertüre.\nAusser der Ouvertüre werden in Deutschland auch noch\nein sehr schönes Quartett (auch für Männerstimmen ein-\ngerichtet) und das reizende Finale in Concerten aufge-\nführt. Der schlechte Text hinderte den Erfolg der Oper,\ndie zwar mehrere Vorstellungen erlebte, aber beim Pu-\nblicum nicht durchschlug. Die Partitur wurde indess doch\ngestochen.\nAuch die Musik zu dem oben (Art. I.) schon erwähn-\nten Ballet: „Achilles auf Scyros\", das 1804 in Scene ging,\nerlag dem geschmacklosen Inhalt; man bewunderte darin\nbesonders ein Bacchanal und mehrere höchst ausdrucks-\nvolle Nummern zur Pantomime.\nIm Jahre 1805 erhielt Cherubini von dem Hof-Opern-\ntheater in Wien die Einladung, nach Wien zn kommen\nund dort eine Oper für dasselbe zu schreiben. Da die An-\nerbietungen sehr günstig waren, so zögerte er nicht, sie\nanzunehmen, und reis'te mit seiner Gattin nach der öster-\nreichischen Kaiserstadt, während sein Kaiser Napoleon\nsich schon rüstete, Oesterreich mit Krieg zu überziehen.\nCherubini kam im Juli nach Wien. Seine erste Thätigkeit\nwidmete er der Aufführung seiner Oper „Lodoiska\", wo-\nzu er eine neue Arie für die Sängerin Campi und zwei\nZwischenacte schrieb. So berichtet Felis. Nach einer Notiz\nin der Allg. Musik-Zeitung vom 5. August 1805 dirigirte\nCherubini in Wien zuerst seinen „Wasserträger\", wurde\nvom Publicum mit Enthusiasmus empfangen und hatte auch\nmehrere Aenderungen in den Tempi vorgenommen; na-\nmentlich nahm er das Allegro der Ouvertüre langsamer,\nals man es bisher gethan, „wodurch dieses schwierige\nMusikstück an Deutlichkeit gewann\". Dann ging er an die\nComposition der Oper „Faniska\".\nIndessen hatte der Sieg bei Elchingen, die Capitulation\nbei Ulm (den 17. October) mit ihren Folgen die Franzo-\nsen nach Wien geführt; Murat zog am 13. November in\ndie Hauptstadt ein und Napoleon schlug sein Hauptquar-\ntier in dem Lustschlosse Schönbrunn auf.\nEr hörte, dass Cherubini in Wien sei und liess ihn\nnach Schönbrunn kommen. Der ungnädige Consul wurde\nihm ein gnädiger Kaiser—wenigstens für den Augenblick\nund redete ihn sehr freundlich an: „Ah, Herr Cheru-\nbini! Gut, dass Sie hier sind; wir wollen zusammen mu-\nsiciren; Sie sollen meine Concerte dirigiren.\" —Es kamen\nin der That mehrere musicalische Soireen, theils in Schön-\nbrunn, theils in Wien zu Stande, welche Cherubini orga-\nnisirte und leitete. Er erhielt dafür eine bedeutende Sum-\nme, aber dabei blieb es. Von einer kaiserlichen Anstellung\nin Paris war nicht die Rede.\nDie Schlacht bei Austerlitz und der Friede zu Press-\nburg (den 26. December) machten dem Kriege ein Ende,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.3", "texte": "und schon acht Wochen danach fand die erste Auffüh-\nrung der Oper „Faniska\" Statt am 25. Februar\n1806. Die herrliche Musik erregte die Bewunderung aller\nKenner, in welche auch Beethoven und, wie man sagt,\nauch Haydn vollkommen einstimmten. Es scheint indess\nkaum wahrscheinlich, dass Haydn in seinem damals schon\nhohen Alter noch das Theater besucht habe; er mag in-\ndess die Partitur gesehen haben. Das Urtheil der Kunst-\nverständigen erklärte Cherubini einstimmig für den gröss-\nten dramatischen Componisten seiner Zeit. liinen gleichen\nErfolg beim grossen Publicum hatte indess die Oper nicht;\nes erging ihr eben so, wie Beethoven's „Fidelio\", der nicht\nlange vorher, eine Woche nach dem Einzüge der Franzo-\nsen, in Wien zum ersten Male gegeben worden war (am\n20. November 1805).\nFreilich war damals in Wien keine Zeit zu Triumphen\nder Kunst und der Künstler, während von den Feinden\ndes Vaterlandes ganz andere Triumphe und mit einem\nUebermuthe gefeiert wurden, der die Bevölkerung theils\naus der Stadt verscheuchte, theils dermaassen einschüch-\nterte, dass sie an den Besuch der Theater nicht im ent-\nferntesten dachte. Der reiche Adel hatte schon bei der An-\nnäherung der Franzosen grösstentheils die Stadt verlassen,\nund was in Wien geblieben war, befand sich nicht in der\nStimmung, mit den Siegern zusammen die Oper zu besu-\nchen. So bestand denn auch bei den Vorstellungen des\nFidelio das Publicum fast nur aus französischem Militär.\nHöchst merkwürdig bleibt es, dass zwei so bedeutende\ndramatische Compositionen, wie Beethoven'« „Fidelio\" und\nCherubini's „Faniska\", zu gleicher Zeit und unabhängig\nvon einander entstanden, dass beide Werke vor ihrer Zeit\nvoraus waren, beide eine auffallende Aehnlichkeit im Stil\nund namentlich in der Behandlung des Orchesters zeigen,\nund beide unter dem Vorwurf der zu grossen Gelehrsam-\nkeit ihrer Musik für die damaligen Zuhörer litten. Von\nFidelio ist es bekannt, dass auch die späteren Wiederho-\nlungen in Wien nicht durchschlugen und es erst unserer\nZeit vorbehalten war, das herrliche Werk in allen Ländern\nzur Geltung zu bringen. Faniska hatte Anfangs ein besse-\nres Schicksal; die Oper wurde zwar in Wien auch nicht\noft wiederholt, allein sie erlebte doch Vorstellungen auf\nanderen deutschen Bühnen (Schreiber dieses erinnert sich\naus seiner Jugendzeit der Aufführungen auf den Hofthea-\ntern zu Dresden und zu Dessau); diese machten grosse\nWirkung und wurden von der Kritik sehr anerkennend\nbesprochen, wenngleich, woran auch der ungenügende Text\nschuld war, das Werk ebenfalls nicht allgemein durch-\ndrang. Und dennoch gehört die Musik desselben zu dem\nBesten und am meisten Dramatischen, was die Gattung\naufzuweisen hat, und es wäre wohl der Mühe werth, die\nOper —vielleicht mit einer neuen Textes-Bearbeitung\nwieder auf die Scene zu bringen, wie man es neuerdings\nmit der „Medea\" desselben Componisten in Frankfurt am\nMain und in München (?) mit Erfolg versucht hat.\nCherubini blieb neun Monate lang in Wien. Was sein\nVerhältniss zu Beethoven betrifft, so behauptet A. Schindler\n(Biographie B.'s, 1., S. 114 ff.), Cherubini habe gegen ihn\nstets eine scharfe Kritik geübt; Beethoven's Benehmen die-\nser Kritik gegenüber sei nicht immer zu loben gewesen,\nhabe aber an der Gattin Cherubini's noch im Jahre 1841\nund 1842 eine warme Vertheidigerin gefunden. Ihr Mann\naber habe, wenn er von Beethoven gesprochen, stets mit\nden Worten geschlossen: „Mais brusque\"\n(barsch, schroff), und darin mag er auch wohl nicht ganz\nUnrecht gehabt haben. Wenn Schindler hinzufügt: „Wie\nCherubini die Muse seines Zeitgenossen beurtheilt, wäre\nallein schon aus seinen Mittheilungen über Fidelio nach\nseiner Zurückkunft zu entnehmen, hätte er nicht seine ge-\nringe Theilnahme dafür bei jeder Gelegenheit rückhaltlos\nzu erkennen gegeben\", so wird er gewiss die letzte Be-\nhauptung auf die eigene Erfahrung in seinen Unterhaltun-\ngen mit Cherubini stützen können; allein in Betreff von\nCherubini's „Miltheilungen über Fidelio nach seiner Rück-\nkehr\" ist es uns nicht gelungen, Näheres in den damaligen\npariser Blättern aufzufinden, wonach ein Freund der Mu-\nsikgeschichte für uns dort gesucht hat. Es scheint also, als\nberuhe diese Angabe auch nur auf mündlicher Ueberliefe-\nrung, wie die Anmerkung S. 128 bekundet: „Cherubini,\nder den erstmaligen Aufführungen des Fidelio 1804 und\nauch 1805 (soll heissen 1805 und auch 1806) bei-\nwohnte, sagte den pariser Musikern von der Ouvertüre\n(Leonore, Nr. 3), dass er wegen Bunterlei an Mo-\ndulationen darin die Haupt -Tonart nicht zu er-\nkennen vermocht.\" Den Gewährsmann für diese aller-\ndings sehr sonderbare Aeusserung gibt Schindler nicht an.\nWas man aber auf Anekdoten und Aeusserungen von be-\nrühmten Componisten, wie dergleichen durch Gerüchte\nverbreitet werden, zu geben hat, das hat Schindler selbst\nja oft genug in Bezug auf Beethoven erfahren.\nFerner berichtet Schindler noch S. 135, „dass Che-\nrubini nach der Anhörung des Fidelio zu dem Schlüsse\ngelangt, Beethoven habe sich noch zu wenig mit dem Stu-\ndium der Gesangkunst befasst, und sich desshalb „erlaubte\",\nihm das Gesangwesen nachdrücklich anzuempfehlen, zu\nwelchem Zwecke er die Schule des pariser Conservatoriums\nkommen liess, um sie ihm zu verehren.\" Dies ist denn\ndoch ein offenbarer Beweis, dass Cherubini, der bereits\nhochberühmte und zehn Jahre ältere Kunstgenosse, der\ndem jüngeren zum ersten Male auf einem Felde, auf wel-\nchem er längst zu Hause war, begegnete, diesen jüngeren"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.4", "texte": "mit Theilnahme und Wohlwollen behandelte. Und so muss\nes auch Beethoven selbst angesehen haben, sonst würde\ner nicht dies von Cherubini erhaltene Exemplar „bis in\nseine letzten Lebenstage in seiner kleinen Bibliothek auf-\nbewahrt\" haben. (Sch. I. 135. Anm.)\nEndlich hat man es Cherubini auch Beethoven gegen-\nüber zum Vorwurf gemacht, dass er diesem auf den be-\nkannten Brief, in welchem er ihm seine\nempfahl (Schindler, 11., S. 352. Niederrh. Musik-Zeitung,\n1860, Nr. 49), nicht geantwortet habe. Cherubini hat\naber 1841 Schindler erklärt, dass er diesen Brief gar nicht\nerhalten habe, und da auch von Schindler die wirkliche\nAbsendung desselben nicht bestätigt wird, das Concept von\nBeethoven's Hand aber vorhanden ist, so wird es sehr\nwahrscheinlich, dass Beethoven den Brief selbst niemals\nabgeschickt hat.\nWenn wir das Gesagte ruhig erwägen, und uns dann\nerinnern, dass Cherubini später als Director des Conser-\nvatoires die Aufführungen der Sinfonieen Beethoven's in\nden Conservatoire-Concerten gebilligt und begünstigt hat,\nso wird es uns schwer, ihn für einen Verächter der Beet-\nhoveirschen Musik zu halten, wie man es leider von C. M.\nvon Weber annehmen muss.\nDie Oper „Fariiska\" nahm Cherubini etwa 20 Jahre\nnach ihrer Erscheinung noch einmal wieder vor; der dra-\nmatische Dichter Guilbert de Pixerecourt begann eine\nUebersetzung und Bearbeitung des Textes für die komische\nOper in Paris. Allein mitten in der Arbeit besann sich der\nComponist anders, untersagte die weitere Fortsetzung und\ngab den ganzen Plan auf.\n\nHolle’s Verlag.\n\nHolle hat wiederum zur Weihnachtsfreude ein Er-\nkleckliches an Beiträgen geliefert. Zur Anzeige kommen\nwir nun freilich post festum zu spät: wenn nicht der\nHasllose längst seine Sendboten entlassen hätte in europäi-\nschen und überseeischen Rundschreiben. Es mag ein be-\ndenkliches oder bedeutsames Zeichen der Zeit sein, wenn\nin dieser theuren Zeit, wo mancher Hausvater mit Sorge\nauf Leibes Nahrung und Nothdurft sinnt, urplötzlich die\ndeutschen Geistes-Erzeugnisse so wohlfeil werden, als\nsollte er darüber das theure Brod vergessen und die bittere\nAngst der Wohnungsnoth am Ciavier verklimpern. Nun\nkommt noch hinzu, dass, durch Holle's Beispiel angeregt,\nsich wohlfeile Concurrenten in Nord- und Süddeutschland\nentgegenstellen; doch hört man nicht, dass wie in den\nweiland dampffahrigen Societäten bis jetzt Einer den An-\nderen todt gelaufen hätte. Gleichläufig hiermit, gehen die\n[berliner Volks-Concerte von Liebig und die kölner bei\nDickopf, die für 5 Silbergroschen gute classische Ton-\nstücke hören lassen, in besserer Execution, als manche\nVirtuosen-Concerte, die aus königlichen oder Staats-Do-\nmainen gefüttert werden. Wer deutet mir diese Zeichen\nder Zeit? Wo jenseits der Meere der Yankee dem Pflanzer,\nder um Brod schreit, entgegenruft: „Fresst Baumwolle!\"\n—wo in Europia Wagner's Nibelungen zu 36 Thlr. einige,\nBeethoven's Opera, omnia zu 39 Thlr. viele Käufer fin-\nden*)—: ist das die Zeit des Materialismus? Ist Holle ein\nMaterialist, der mit ziemlichen Opfern und vielem Geschick\ndie Verbreitung der Classiker fördert, dafür angegriffen,\nverklagt, als Nachdrucker verurtheilt wird und dennoch\nunermüdet bleibt und alle Jahre neue Unternehmungen\nausführt, dass dem soliden—Philister die Haare zu Berge\nsteigen ?\nDie Sache kann scherzhaft genommen werden, hat\naber eine ernste Seite, der wir nicht aus dem Wege gehen\nwollen. Ist es wahr, dass solche Unternehmungen unge-\nrecht erworbenes Gut sind, so würden wir trotz des Vor-\ntheils, den wir geniessen, unser Gewissen beschwert füh-\nlen. Gewiss ist aber, dass Seb. Bach's Werke längst als\nGemeingut gegolten und sehr namhafte Verleger bereits\nseit 30—50 Jahren ungestraft eine Auflage auf die an-\ndere gepfropft haben; Mozart und Haydn, bei denen\nweder Privilegien noch Erb-Ansprüche widersprechen,\nsind gleicher Weise von Hand zu Hand gegangen. Von\nden übrigen, z. B. Beethoven und Weber, schweigen wir\njetzt, da uns die Verlags- und Vertrags-Verhältnisse nicht\ngenau bekannt sind und dem Vernehmen nach bald eine\nausführliche Darlegung der vielbesprochenen Angelegen-\nheit zu erwarten ist.\nGehen wir lieber auf den Inhalt ein. Die letztgedruck-\nten Hefte enthalten: Fr. Schubert's Lieder, Band 5 und\n6. Der fünfte bringt manches wenig Bekannte, Vieles aus\ndem Nachlass, der sechste Transpositionen für Alt oder\nBass, doch auch sieben Lieder, originaliter für diese Stim-\nmen gesetzt. Ferner drei Hefte Beethoven, nämlich:\nBand 9: Lieder für eine Stimme mit Ciavier; Band 10:\nein Oratorium und zwei Messen im Clavier-Auszuge; Band\n14: die 17 Geigen-Quartette, Partitur 3 Thlr., Stimmen\n5% Thr. An den letzteren ist zu loben, dass einige wich-\ntige Druckfehler corrigirt sind, die in der sonst sehr schätz-\nbaren mannheimer Partitur-Ausgabe stehen geblieben wa-\nren, nämlich: Bd. 14, Heft 1, S. 18, Z. 4, Tact 8, wo\ndie Viola richtig ghat, nicht —Heft 2, S. 12, Z. 3, T.\n\n*) Bisher sind durch Holle ausgegeben: Beethoven1» Werke\nfür 39, Mozart's für 15, Schubert's für 14 Thlr., insge-\nsammt an Classikern, nebst einigen poetat minores, für 99\nThlr., was sonst 300— Thlr. kostete."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.5", "texte": "10, wo Violine I. zweigestrichen e haben muss, nicht zwei-\ngestrichen es;— Heft 4, S. 2,Z. 3, T. 7, wo die 1. Note des\nVioloncells lauten muss Des, nicht C. Stehen geblieben\nsind, wie in der mannheimer Ausgabe, zwei Fehler, näm-\nlich: Holle, Heft 2, S. 11, Z. 4, T. 0, wo die drei letzten\nNoten des Violoncells lauten müssen: GesFEs, wie in den\nvorangehenden Parallelstellen Z. 2 und 3;— ferner Heft 2,\nS. 29, Z. 5. T. 3, wo bei der vorletzten Note der Viola\ndas t} vergessen ist; eingestrichen statt ist sinn-\nlos.— Es ist begreiflich, dass bei so umfangreichen Wer-\nken einzelne Versehen stehen bleiben, und manche mögen\nauch uns entgangen sein; trage nun Jeder das Seine bei,\num völlige Correctheit zu erreichen. Uebrigens soll mit\ndieser Bemerkung die mannheimer Ausgabe nicht verklei-\nnert werden; sie ist sehr sorgfältig behandelt und trotz\nihres kleinen Druckes lesbarer, als manche grössere\nSchriftart.\n\nE. K.\n\nAus Aachen.\n\nQui tacet, consentit—„Wer schweigt, ist einverstan-\nden\" —: diesen Schluss können Sie dreist aus meinem län-\ngeren Stillschweigen über unsere musicalischen Zustände\nwährend dieses Winters ziehen. Wir sind schon bis zur\nHälfte der Abonnements-Concerte gekommen, und können\nohne allen Vorbehalt unsere Befriedigung sowohl über die\ngeschmackvolle Zusammenstellung der Programme, als\nüber die Ausführung derselben aussprechen. Ihr trefflicher\nCapellmeister Hiller hat als Pianist und Componist die\nEröffnung unserer Concerte eingeweiht. Sein Ciavierspiel\nhörten wir hier öffentlich zum ersten Male, und ich über-\ntreibe keineswegs, wenn ich sage, dass sein classisch ruhi-\nger, reiner und edler Vortrag des prächtigen B-dur-Con-\ncertes von Mozart die ganze Zuhörerschaft elektrisirt hat;\nwer auf solche Weise die Werke unserer grossen Meister\nwiedergibt, theilt ihren Ruhm. Die noch nicht in Druck\nerschienenen Variationen, welche Hiller nachher spielte,\nerhielten eben so lebhaften Beifall, als seine schöne „Lo-\nrelei\", die wir an demselben Abende hörten, und in wel-\ncher unsere liebenswürdige Sängerin Frau N.-Deutz einen\nausserordentlichen Erfolg hatte. Herr Hiller dürfte über-\nhaupt mit der Aufführung seines Werkes zufrieden gewe-\nsen sein, da auch die Chöre, namentlich die Frauenchöre,\ndenen der Componist eine Hauptrolle zugetheilt hat, an\nGenauigkeit des Zusammengesanges und an Nuancirung\nganz vortrefflich waren.\nWeil ich vom Chor spreche, so muss ich hier gleich\nanfügen, dass unsere Sänger uns im dritten Concerte durch\ndie Ausführung des prachtvollen Meisterwerkes „Israel\nin Aegypten\" von Händel einen neuen Beweis ihrer\nBegabung und musicalischen Tüchtigkeit gegeben haben.\nDie Wirkung der 260 Sänger und Instrumentalisten war\ngrossartig und ergreifend, namentlich in den Chören: „Er\nsandte dicke Finsterniss\", wo das wunderbar schön\nfestgehalten wurde und dadurch den folgenden: „Er schlug\nalle Erstgeburt\", im vollsten Gegensatz der Kraft hervor-\ntreten liess; in dem über alle Maassen grossen und maje-\nstätischen: „Das hören die Völker\", u. s. w. u. s. w.\nDie Solo-Partieen, denen bekanntlich nur eine unter-\ngeordnete Rolle in diesem Oratorium zugetheilt ist, waren\nin guten Händen. Fräulein Schreck vor Allen errang\ndurch die Arie: „Bringe sie hinein\", einen ausserordent-\nlichen Erfolg; dann auch Fräulein Büschgens aus Cre-\nfeld, welche mit vielem Talente das Undankbare ihrer\nPartie überwand, und besonders die Arie: „Erhebet hoch\nden Herrn\", und Mirjam's Siegesgesang sehr gut vor-\ntrug. Herr Göbbels zeichnete sich in der heroischen\nArie in G-duraus, und Herr Bergstein erhielt warmen\nBeilall nach dem Duette: „Der Herr ist der starke Held\",\nwelchen ein junger Dilettant mit edler und fester Stimme,\nHerr K., so theilte, dass ein grosser Theil der Begeiste-\nrung des Publicums auch auf seine Rechnung kommt.\nBrauchen wir noch hinzuzufügen, dass die Ehre des\nAbends Herrn Director Wüllner zukam, dessen Talent\nund Eifer von Tag zu Tag immer mehr anerkannt wer-\nden? Seinem Verdienste müssen wir vorzüglich den stei-\ngenden Geschmack des Publicums an den Concerten zu-\nschreiben, da noch niemals die Theilnahme für dieselben\neine so allgemeine gewesen ist, als jetzt. Die Zahl der\nAbonnenten ist dermaassen gestiegen, dass der Saal im\nCurhause nicht mehr genügte und das eben erwähnte dritte\nConcert in dem geräumigen Bernaert'schen Saale gegeben\nwurde, der dann auch im buchstäblichen Sinne überfüllt\nwar. Diese Thatsachen zeugen am besten für den Mann,\ndem die Geschicke unseres Musiklebens anvertraut sind.\nIn dem zweiten Concerte hatten wir Gelegenheit, Ihren\nVioloncellisten Herrn A. Schmitt zu bewundern, der in\ndem Concerte in D-mollvon Goltermann und in Variatio-\nnen von Servais durch die Reinheit und enorme Fertigkeit\nseines Spiels grossen Beifall und Hervorruf erhielt. In der\nHymne für Alt-Solo und Chor von Mendelssohn hörten\nwir nach langer Abwesenheit eine unserer besten Sängerin-\nnen, Frau Henriette Wickop, einmal wieder; ihr\nWiedererscheinen wurde wie ihr Gesang mit warmem\nApplaus begrüsst; ihre schöne Stimme hat keineswegs\nverloren, sondern sie ist im Gegentheil noch frischer ge-\nworden.\nVon reinen Orchesterstücken hörten wir in den beiden\nersten Concerten in sorgfältigster Ausführung Beetho-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.6", "texte": "ven's Ouvertüre Op. 124, Schumann's Ouvertüre,\nScherzo und Finale, Mendelsso hn's Sinfonie in A-moll\nund Beethoven's Pastoral-Sinfonie.\n\nN.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n(Die Local-Kritik.)\nDie seit Eröffnung der neuen Musiksäle über unsere\nStadt hereingebrochene Sturmflut von Concerten hat auch\nin die musicalische Local-Kritik eine Rührigkeit gebracht,\ndie Erscheinungen zu Tage fördert, wie sie hier noch nicht\nerlebt worden. Kaum sind die letzten Accorde einer Auf-\nführung verklungen, als schon das\ndas bekanntlich in französischer Sprache geschrieben wird,\nmit einem kritischen Berichte darüber seinen Lesern auf-\nwartet, gezeichnet „A. Malibran\". Es ist derselbe, der\neine Biographie von Spohr herausgegeben und auch das\nMeisterstück geliefert hat, sämmtliche Sätze einer Messe\nmit Begleitung von Blas-Instrumenten in zu compo-\nniren, von deren Aufführung diese Zeitung Kunde gege-\nben. Herr Malibran versteht es, in diesen Berichten mit sei-\nnen pariser Collegen im Journal Jules Janin und\nBerlioz, sowohl was räumliche Ausdehnung als stilistische\nEigenschaften betrifft, bestens zu rivalisiren. Wir begegnen\ndemnach derselben gelehrten Scfiwatzhaftigkeit, die wir\nan den eben genannten Feuilletonisten bewundern; und\nwarum sollte er es ihnen nicht gleich thun, da er doch für\nFranzosen schreibt, die, wie man sagt, aller Orten die Ge-\nschicklichkeit besitzen, das beim Gelesene beim\nDiner schon vergessen zu haben?\nAnders stände es um die gefällten Kunst-Urtheile,\nwenn dem Gerüchte zu trauen, dass die nunmehr im Feuille-\nton der Neuen Frankfurter Zeitung erscheinenden Kritiken,\nmit einem R. gezeichnet, ebenfalls aus der Feder des Herrn\nMalibran herrühren. Die in musicalischen Kritiken der\nFranzosen fast stereotypen Ausdrücke, auch Redewendun-\ngen, Rückblicke auf italiänische Gesangesgrössen und der-\ngleichen unter französischen Componisten, lassen offenbar\nauf ein französiches Original-Manuscript jchliessen, das der\nUebersetzer stellenweise nur zu getreu ins Deutsche über-\nträgt. Der Verfasser selbst nennt sich einen „Musiker von\nFach\". Sein Augenmerk ist fast ausschliesslich auf die So-\nlisten gerichtet, während Chor und Orchester ihn nur sehr\nwenig beschäftigen; dies ist sehr begreiflich, da den Kriti-\nker, wenn er selber Virtuose, vorzugsweise nur die Virtuo-\nsität afficirt, wie den Franzosen überhaupt. In der Auffüh-\nrung des Judas Maccabäus hat derselbe Kritiker einige\nüberraschende Entdeckungen gemacht, und zwar, dass die\nTenorstimme von Karl Schneider aus Wiesbaden etwas\nCastratenartiges habe, und dass dieser Sänger Alles in müh-\nseliger Weise herausbringe, was dem Zuhörer Unbehagen\nmache. Ferner hat unser Mann entdeckt, dass der Anfän-\nger in Leitung grosser Massen, Herr Friedrich, noch kein\nfertiger Dirigent ist, darüber er sich sehr erbos't hat, weil\ner überdies noch gefunden, dass die Singstimmen des Rühl'-\nschen Vereins unter Friedrich's Leitung an Wohlklang ein-\ngebüsst haben*). Endlich hat er noch entdeckt, dass der\nMusik-Director Müller seit vorigem Jahre bedeutende Fort-\nschritte gemacht habe. Für Mittheilung dieser gewiss sehr\nwichtigen, unbezweifelt wahren Entdeckungen sind wir dem\nR. zu Dank verpachtet, erlauben uns nur auf die zuletzt\nangeführte zu bemerken, dass Herr Müller unseres Wis-\nsens bereits an 300 Concerte zu Münster dirigirt hatte, be-\nvor er nach Frankfurt gekommen.\nIn der Didaskalia hat sich gleichfalls eine kritische\nStimme wiederholt vernehmen lassen, die augenscheinlich\neinem Fachmusiker angehört. Dieser fassl sich im Gegen-\nsatze zu den anderen Neulingen kurz, fast zu kurz, und steht\nauch in seinen Auschauungen ziemlich weit ab von jenen.\nEr schwärmt für Schumann's Musik, darum wir ihn kei-\nneswegs beneiden wollen. So viel ist gewiss, dass die Ru-\nbrik „Stoppellese\" dieser Musik-Zeitung aus den über eine\nund dieselbe Kunstleistung gefällten Urtheilen der genann-\nten Rlätter ziemlich viel Stoff ziehen könnte.\nZweierlei möchten wir diesen Herren zunächst zu be-\ndenken geben, nämlich: ob es wohl klug zu nennen, wenn\nausübende, auch componirende Musiker sich mit Kritik be-\nfassen; ferner, ob jeder von ihnen wohl den unerlässlichen\nGrad von innerer und äusserer Unabhängigkeit zu dem Kunst-\nrichter-Amte besitze und sich frei wisse von aller Coterie\noder cameradschaftlichen Einflüssen. In dritter Reihe mag\nnoch ein Anderes ihrem Nachdenken empfohlen sein. Wir\ndürfen wohl für sicher annehmen, dass den Herren die ver-\ndienter Maassen schon lange bestehende Creditlosigkeit der\nfrankfurterLocal-Kritik bei allen intelligenten und redlich\ngesinnten Musikern und Musikfreunden nicht unbekannt\ngeblieben; darum wollen wir sie denn bescheiden fragen,\nob sie wirklich glauben, auf dem eingeschlagenen Wege\ndie musicalische Kritik hier zu Ehren zu bringen und der\nfrankfurter Tonmuse zu nützen? Alle Wege führen zwar\nnach Rom, nicht aber (unseres Wissens) nach Frankfurt,\njene gewiss nicht, auf denen sich schwatzhafte Feuilletoni-\nsten in pariser Manier bewegen, mit dem deutschen Musik-\nwesen nicht bekannt und keinen soliden deutschen Stand-\npunkt unter den Füssen. Dergleichen, was bis jetzt zu Tage\ngefördert worden, zielt augenscheinlich nur auf Erreichung\n\n*) Herr Malibran gibt in seinem „Courrier musicalu vom 20.\nDecember sogar Herrn Friedrich die Schuld, dass die Contra-\nbässe gräulich gekratzt haben."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.7", "texte": "materieller Zwecke und hilft Anderen noch in deren För-\nderung, verfehlt daher sicher und gewiss die höheren Ziele\nder Kunst. —Mit musicalischer Kritik befassen sich hierorts\nnoch das Conversationsblatt und der Volksfreund, beide\nfast immer vom Partei-Standpunkte aus; ferner das Intelli-\ngenzblatt, von gar keinem oder, wenn man will, vom kosmo-\npolitischen Standpunkte aus; die Rlätter für Theater, von\nentschieden kosmopolitischem Standpunkte aus; Familien-\nblätter, mit von respectabler Gesinnung zeugenden Rendi-\nten, und andere Rlätter noch. Arme, beklagenswerthe\nMusica, so erlaubt sich Jeder, an dir hin und her zu zer-\nren, als wärest du die gefürchtetste Widersacherin des\ndeutschen National-Vereins!\n\nA. S.\n\nAus Rotterdam.\n\n[Die deutsche Oper]\nDen 20. December 1861.\nGestatten Sie uns, Ihnen über die diesjährige hiesige\ndeutsche Oper einen Rericht zu senden, dessen Aufnahme\nwir um so mehr wünschen, als die Reurtheilungen dersel-\nben in der hiesigen Nieuwe Courant keineswegs geeignet\nsind, eine richtige Vorstellung davon zu geben.\nIm Ganzen können wir mit unserer Oper zufrieden\nsein. Sopranistinnen zählen wir fünf: Fräulein Günther,\nFrau Zadamack-Doria, Fräulein Geisthardt, Frei\nund Kluge. Vor Allen verdient Fräulein Günther hervor-\ngehoben zu werden, welche trotz allen Anfeindungen des\nder Liebling des Publicums geworden.\nEs ist wahr, sie ist nicht mehr im Resitze einer jugendli-\nchen frischen Stimme, wie wir sie im vergangenen Jahre\nbei Frau Kainz gewohnt waren; jedoch ihre Schule, ihr\nmeisterhaftes Spiel, ihr künstlerisches Rewusstsein bei an-\nspruchslosem Wesen lassen gern diesen Mangel vergessen.\nIhre Zigeunerin im Troubadour, Elisabeth, Fidelio, dann\nauch die Rolle der Raronin im Wildschütz waren Leistun-\ngen, die uns unvergesslich sein werden. Ihr Fidelio war\nein Meisterstück und erweckte einen Enthusiasmus, wie\nwir ihn hier noch selten gesehen.\nFrau Zadamack-Doria ist eine vortreffliche Sän-\ngerin; Stimme und Schule gleich gut. Ihre besten Rollen\nscheinen bis jetzt Leonore im Troubadour und die Norma\ngewesen zu sein. Sie sang auch nach Fräulein Günther\nden Fidelio. Wie gesagt, sie sang ihn; denn ihr Spiel liess\ngegen das des Fräuleins Günther kalt. Die grosse Arie in\njEsang sie vortrefflich und wurde mit anhaltendem Applaus\nund zweimaligem Hervorruf anerkannt. Dagegen drang sie\nim ersten Quartett weniger durch, was leider auch in der\nKerkerscene der Fall war. Die ganze Scene liess kalt. Wir\nkönnen nicht unterlassen, Frau Doria den Rath zu ertbei-\nlen, sich von derartigen hochdramatischen Rollen fern zu\nhalten und sich nur den rein gesanglichen Partieen zuzu-\nwenden.\nFräulein Geisthardt ist als Coloralur-Sängerin in\nDeutschland von Hannover aus genugsam bekannt. Ihr Ruf\nhat sich auch hier bewährt. Da sie erst seit kurzer Zeit\nhier ist, so können wir nur von Susanne, Königin der\nNacht, Margarethe in den Hugenotten und Martha spre-\nchen. Wiewohl ihrem Gesänge etwas Wärme fehlt, so\nwird dies durch ihre vortreffliche Schule und anmulhiges\nSpiel ausgeglichen. Ihre Susanne war eben so naiv, wie\nihre Martha schwärmerisch; die beiden Arien der Königin\nder Nacht, wie der zweite Act der Hugenotten wurden\nmeisterhaft gesungen. Fräulein Geisthardt ist eine Zierde\nunserer Ruhne.\nFräulein Frei, noch von früher hier in gutem An-\ndenken, ist eine gute Soubrette und dabei im Nothfalle für\nalle Partieen verwendbar, wesshalb sie für unsere Rühne\nunersetzlich sein dürfte.\nUeber Fräulein Kluge ist nichts weiter zu sagen, als\ndass dieses Miniatur-Figürchen ein niedliches Gretchen im\n„Wildschütz\" war.\nUnsere Rühne leidet, wie so viele anderen, Mangel an\nguten Tenören. Wir haben drei Tenöre, die Herren\nGrimminger, Arnurius und Stiegele. Es thut uns\nleid, Herrn Grimminger als ersten Tenoristen nicht s«\nanerkennen zu können, wie der Recensent der N. R. C.\nEin Tenorist, welchem das g schon Anstrengung kostet, ist\nnicht als erster Tenorist anzuerkennen. Stände seine Stimme\nmit seinem Restreben in gleichem Verhältnisse, so würde\ner als bedeutender Sänger zu begrüssen sein. Seine besten\nRollen waren Tannhäuser und Florestan. Wiewohl die\nEingangs-Arie transponirt werden musste, so ist sein Flo-\nrestan doch eine sehr gelungene Leistung. Weniger er-\nquickend war sein Raoul, wiewohl er diese Partie für seine\nbeste hält. Wir haben selten die erste Romanze so unge-\nnügend singen hören, wie von Herrn Grimminger, was so-\ngar Zischen veranlasste. Es mangelt Herrn Grimminger\ndurchaus an Höhe, was um so unangenehmer wirkt, als\ndieser Sänger über nur schwaches Falset zu gebieten hat,\ndas mit den Brusttönen wenig harmonirt. Hierzu kommt\nnoch das fehlerhafte Athemholen, so dass es nicht Wunder\nnehmen konnte, dass sein Raoul Fiasco machte. Ein Gleiches\nwar im vergangenen Jahre mit der Partie des Arnold im\nTeil der Fall, wiewohl einige Nummern transponirt waren.\nLeider scheint es Herrn Grimminger an Selbsterkenntniss\nzu fehlen, und durch Lobhudeleien wird er immer mehr\nverdorben. Davon nur Ein Reispiel. Vor etwa drei Wochen\nerhielt Herr Grimminger ein Telegramm von Richard\nWagner, wie die N. R. C. meldete, in welchem derselbe"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18611228-01.1.8", "texte": "ihn nach Wien berief, „um daselbst das Repertoire auf-\nrecht zu erhalten\". (!)\nHerrn Arnurius' Stimme ist für lyrische Sachen sehr\ngeeignet, die Höhe leicht und nicht unangenehm; doch\nscheint er noch ein Neuling zu sein, und eine gute Leitung\ntbäte ihm wohl.\nVon Herrn Sliegele ist nichts zu sagen, als dass er\naus Schwaben und ein ungleicher Bruder des Tenoristen\nStigelli ist.\nBaritonisten: die Herren Brassin und Duschnitz.\nErsterer ist Ihnen bekannt. Die jugendlichen Partieen über-\nnimmt Herr Duschnitz, begabt mit kräftiger, klangvoller,\nhöchst angenehmer Stimme und guter Schule. Es ist zu\nbedauern, dass dieser sonst so vortreff liche Sänger so we-\nnig Spiel-Talent besitzt.\nDie Perle unserer Bühne bleibt Herr Dalle Aste,\nwelcher durch seine Natürlichkeit in Spiel und Gesang das\nPublicum hinreisst. Wir haben leider auf das Vergnügen,\nihn in dieser Saison begrüssen zu können, längere Zeit ver-\nzichten müssen, da ein ernstliches Unwohlsein ihn beinahe\nzwei Monate von der Bühne fern hielt. Um so glänzender\nwar der Empfang, der sich in einem nicht enden wollen-\nden Applaus und Ueberreichung eines Lorberkranzes kund\ngab. Wir übersehen bei diesem beliebten Künstler kleine\nSchwächen im Vortrage, da sich bei ihm Alles: gefälliges\nAeussere, stattliche Figur, schöne Stimme und gewandtes,\nnatürliches Spiel vereinigt.\nHerr Abiger wird als Bass-Buffb auf jeder Bühne\nwillkommen sein. Wir bedauern nur, dass derselbe hier\nseinen Wirkungskreis nicht gefunden, da zu wenig komi-\nsche Opern gegeben werden. Seine hervorragendste Partie\nwar die des Schulmeisters im „Wildschütz\" von Lorlzing,\ndie nicht leicht charakteristischer dargestellt werden kann.\nDas Orchester ist unter der Leitung unseres Papa\nScraup vortrefflich. Ein wenig mehr Energie könnte bis-\nweilen nicht schaden. Doch haben wir alle Ursache, zu-\nfrieden zu sein. Anders verhält es sich mit dem Chor.\nWir vermissen vergleichsweise die Präcision vom vorigen\nJahre; auch mangelt mitunter das gehörige Feuer.\nMit der Kritik sieht es hier, wie ich oben schon an-\ngedeutet habe, traurig aus; es fehlt ganz und gar an\neigentlichem Kunstverständniss bei dem hiesigen Kritiker.\nDas ist schlimm für die Künstler und für das Publicum.\n\nX.\n\nViertes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag den 17. December 1861.\nProgramm: Erster Theil. 1. Concert-Ouverture von F.\nHiller (neu Manuscript)» 2. Arie aus HändeTs „Samson\", ge-\nsungen von Frau Offermans van Hove aus dem Haag. 3. Weih'\nnachtslied, sechsstimmig, von Sethus Calvisius (1587). 4. Vio-\nlin-Concert Nr. VII. von L. Spohr, gespielt von August Köm-\npel. 5. Erstes Finale aus Weber's „Euryanthe\". Zweiter\nTheil. 6. Neunte Sinfonie von Beethoven.\nHill er*s neue Ouvertüre besteht aus einem einzigen feurigen\nAllegro ohne Introduction oder anderen Tempowechsel. Sie ist der\nErguss einer lebhaften Phantasie, welche von der Sicherheit des\nmusicalischen Wissens innerhalb der Gränzen einer schönen Form\ngehalten wird und sich schwung- und geistvoll im Reiche melodi-\nscher Gedanken ergeht. Sie fand bei allen Kennern und unbefange-\nnen Hörern grossen Beifall und ist ohne Zweifel eines der schönsten\nOrchesterstücke, welche Hiller's Muse geschaffen.\nFrau Offermans van Hove geniesst in Holland seit Jahren\neines ausgebreiteten und wohlverdienten Rufes als kunstgebildete\nSängerin. Sie hat denselben auch hier, wo sie zum ersten Male auf-\ntrat, gerechtfertigt und sich namentlich in dem Vortrage der kleinen\nHänderscben Triller-Arie aus Samson: „Mit Klagelaut und Liebes-\ngirren\" (mit obligater Violine) als Sängerin von vortrefflicher Schule,\ncorrectem und sehr schön nuancirtem Triller bewahrt. Ihre Stimme\nhat bei einem bedeutenden Umfange und leicht ansprechender Höhe\nnoch frischen Ton, der auch in der neunten Sinfonie durchdrang,\nwie sie sich denn überhaupt durch die Ausfuhrung der Sopran-Solo-\nPartie in diesem Werke als eine tüchtige Musikerin zeigte.\nDas „Weihnachtslied\" vom alten berühmten Musikgelehrten,\nAstrologen und Chronologen Sethus Kaiwitz (1556—i6lsj aas\nThüringen sang der Chor a capella sehr rein und anmuthig.\nAugust Kömpel, von seinen Concerten in Holland her an\nglänzende Ovationen gewöhnt, riss auch hier das Publicum, das\nsonst an diesem Abende nicht eben sehr beifallslustig war, durch\nden vortrefflichen Vortrag des siebenten Violin-Concertes von Spohr\nzu reichlichem, lebhaftem Applaus und Hervorruf hin.\nDas Finale aus der Euryanthe machte nicht den Eindruck, den\nes mit seiner anmuthigen Musik auf der Bühne niemals verfehlt. Es\nlag dies in der Natur der Sache, nieht an der Ausführung. Die Soli\nwaren in den Händen der Frau Offermans, die indess die Partie\nder Euryanthe nicht so vorzüglich sang, als die Iländel'sche Arie,\ndes Fräuleins Adele Assmann aus Barmen, Schülerin des hiesi-\ngen Conservatoriums, eines recht gut musicalischen Dilettanten (Te-\nnor) aus Crefeld und des Herrn Karl Bergstein aus Aachen,\nwelcher sowohl die Partie des Lysiart, als nachher die schwierige\nBass-Partie im Finale der neunten Sinfonie mit einer wohllautenden,\nkräftigen Baritonstimme und ausdrucksvollem Vortrage, der den\ntüchtigen Musiker bekundete, sang.\nDie Wahl der neunten Sinfonie auf dem Programm war eine\nHuldigung, die man dem 17. December, dem Geburtstage Beetho-\nven's, brachte. Die Ausführung war eine treffliche, im* ersten Alle-\ngro, im Scherzo und im Finale ausgezeichnet gelungene, welche dem\nhocherhabenen und zugleich in vollster Tonpracht glänzenden Werke\nwieder, wie immer bei unserem Publicum, eine enthusiastische An-\n-7 '\nerkennung verschaffte. Die Soli wurden von dem oben genannten\nSänger-Quartett ausgeführt; der Chor war hinreissend schön, kräftig\nund voll Feuer."}]}