{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-01-04-01", "volume": "bmtnabi_1862-01-04_01", "ocr_sha256": "1368f728d2dca74807fbda3afe03cfb830ec403812df03bb76ce5009d843939a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/01/04_01/bmtnabi_1862-01-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-01-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 416, "texte": "Inhalt.\nCherubini. 111. Aus Paris (Rossini's Charit des Titans). Von B. P. Aus Stuttgart (Verein für classische\nKirchenmusik). Von —6 —. Karl Proske (Nekrolog). Von Dr. Mettenleiter. Tages- und Unte r h al tun gsbl at t (Köln\nMusicalische Gesellschaft Bonn, Musik-Zustände, Kammermusik Barmen, Drittes Abonnements-Concert Mannheim, Musicaliscbe\nAkademie Hannover. 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Nr, 48 und 52 vor. Jahrg )\nAm 9. März 1806 verliess Cherubini Wien und kam\nam 1. April wieder in Paris an*). Das Conservatoire ver-\nanstaltete zur Feier seiner Rückkehr eine musicalische\nFestlichkeit. Er wurde mit begeistertem Applaus empfan-\ngen, und man führte mehrere Stücke von seiner Compo-\nsition auf. Alles, was Paris von bedeutenden Musikern\naufzuweisen hatte, war anwesend, und die ganze jüngere\nGeneration der Künstler ergoss sich in enthusiastischen\nOvationen.\nAuf Napoleon machten diese Huldigungen keinen gün-\nstigen Eindruck; er liess Cherubini in seiner untergeord-\nneten Stellung am Conservatoire und blieb mehr als gleich-\ngültig gegen den Ruhin des grossen Meisters.\nBei diesem trat, vielleicht oder wenigstens zum Theil\nganz gewiss, in Folge solcher Zurücksetzung eine Periode\nder Unthätigkeit im Schaffen ein, die drei Jahre lang an-\ndauerte. Bis Ende 1808 zeigt das Verzeichniss seiner\nWerke nur unbedeutende Bruchstücke oder gleich wieder\naufgegebene Skizzen. Dagegen beschäftigte er sich in die-\nser Zeit mit einer wunderlichen Liebhaberei. Er zeichnete\nnämlich mit der Feder auf Spielkarten allerlei Figuren\nund Scenen, bei welchen die Piques, Trefles, Carrcaux\nund Coeurs vom Ass bis zur Zehn als Bestandteile der\nFiguren u. s. w. angebracht wurden. Er soll manchmal\nsieben bis acht Stunden des Tages auf diese Zeichnungen,\ndie er an seine Freunde verschenkte, verwandt haben.\nIridess hatten sich mehrere Verehrer Cherubini's die\nmissliche Aufgabe gestellt, die Antipathie des Kaisers ge-\ngen ihn zu überwinden. Sie bewogen den Meister, eine\n\n*) Diase Angaben finden sich bei (Biographie univerteile,\n2me. Edit.). Sind sie richtig, woran nicht wohl zu zweifeln,\nso hat Cherubini Beethoven's Fidelio nur in einer der drei\nersten Aufführungen (20., 21. und 22. November 3805) ge-\nhört, nicht aber bei der Wiederaufnahme der Oper am 29.\nMärz 1806 und deren Wiederholung am 10. April. Demnach\nkannte er auch die grosse Leonoren-Ouverture (Nr. 3), mit\nwelcher Fidelio am 29. März in Scene ging, gar nicht, als er\nnach Paris zurück kam, konnte folglich auch nicht das Urtheil\ndarüber aussprechen, das wir im 11. Artikel (Nr, 52 v. J., S.\n411) erwähnt und bezweifelt haben."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5264, "texte": "italiänische Oper für das Theater der Tuilerieen zu schrei-\nben; Crescentini versprach, die Hauptrolle zu singen, und\nden Componisten wollte man erst nennen, wenn man\nwahrnähme, dass die Musik dem Kaiser gefalle.\nSo entstand die Oper „Pygmalion\"\nbinnen einigen Monaten und wurde in den Tuilerieen auf-\ngeführt (1808). Cherubini war darin, wie glaubwürdige\nNachrichten versichern, gewisser Maassen auf seinen frü-\nheren italiänischen Stil zurückgegangen. Die Musik war\nreich an Melodieen; die grosse, für Crescentini geschrie-\nbene Scene wurde berühmt, auch andere Nummern gefie-\nlen, und Napoleon zeigte eine Ueberraschung, die offenbar\neinen für den Componisten günstigen Ausdruck annahm,\nals ihm der Name Cherubini genannt wurde. Trotzdem\nerfolgte nichts für eine bessere Stellung Cherubini's, wäh-\nrend Napoleon bald darauf dem Sänger Crescentini in der\nVorstellung von Zingarelli's R den Orden\nder eisernen Krone auf die Bühne sandte! So mochte denn\nauch wohl der Vortrag des Pygmalion durch diesen be-\nrühmten Mezzo-Sopranisten den Kaiser vorzüglich zu Gun-\nsten der Composition bestochen haben; denn es ist be-\nkannt, dass Crescentini's Gesang ihn stets bezauberte. Er\nhatte ihn 1805 von Wien, wo Crescentini Singmeister der\nkaiserlichen Familie war, mit nach Paris genommen; ein\nglänzendes Gehalt und Auszeichnungen aller Art wurden\nhm zu Theil und fesselten ihn dort bis 1813, wo er noch\nvor der Katastrophe des Kaiserreiches seinen Abschied\nnahm und nach Bologna, später nach Neapel, als Gesang-\nlehrer (ging (j* den 24. April 1846, 78 Jahre alt).\nCherubini gab es nach diesem letzten Versuche, zu\ndem er sich bei seinem unabhängigen Charakter schon\nschwer genug entschlossen haben mochte, ganz und gar\nauf, den Kaiser mit seiner Musik zu versöhnen, denn er\nsah wohl ein, dass der Held des Jahrhunderts in seinem\nkünstlerischen Geschmacke keineswegs auf der Höhe eines\nJahrhunderts stand, welches ein Beethoven und Cherubini\nverherrlichten. Er vcrliess für den Augenblick Paris, um\nsich durch den Aufenthalt auf dem Lande bei dem Für-\nsten von Chimay Erholung von Arbeit und Verdruss zu\ngönnen.\nDiese Episode in seinem Leben war aber bestimmt,\nden schöpferischen Geist des grossen Componisten zu einer\nGattung der Tonkunst hinzuführen, in welcher er alle\nZeitgenossen und selbst berühmte Vorgänger überragen\nsollte, zur Kirchenmusik.\nIn Chimay schien Cherubini der Kunst ganz entsagt\nzu haben. Eine neue Liebhaberei nahm ihn ausschliesslich\nin Anspruch, die Beschäftigung mit der Botanik. Das Fest\nder heiligen Cacilia kam heran, und man wünschte, eine\nmusicalische Messe in der Kirche des Ortes aufzuführen.\nDer musicalische Verein fasste den kühnen Entschlus«,\nCherubini zu ersuchen, eine Messe zu dem genannten\nZwecke zu schreiben. Der Vorstand fragte bei ihm an,\nerhielt aber die barsche Antwort: „Nein, daraus wird\nnichts!\" —die mit sehr entschieden ablehnenden Geberden\nbegleitet wurde. Im Schlosse des Fürsten betrachtete man\nden Plan als vollkommen gescheitert.\nIndess bemerkte die Fürstin am anderen Tage, das»\nCherubini seine gewöhnliche botanische Excursion nicht\nmachte, sondern im Park nachdenkend auf und ab ging.\nSie liess auf den kleinen Tisch im Salon, an welchem Che-\nrubini sein Herbarium zu ordnen pflegte, einige Bogen\nNotenpapier legen, um zu versuchen, was diese Blätter für\nEindruck auf den Sonderling machen würden, der von\nMusik nichts mehr wissen wollte. Er kam, setzte sich wie\ngewöhnlich an den kleinen Tisch am Kamin. Niemand\nbekümmerte sich um ihn, da es hergebracht war, dass Je-\nder in der Abendgesellschaft that, was ihm beliebte. Die\nFürstin aber beobachtete ihn still und sah mit heimlicher\nFreude, dass er das Partiturpapier vor sich genommen\nhatte und Noten schrieb. Am folgenden Tage blieb er bis\nzur Stunde der Tafel auf seinem Zimmer.\nNach einigen Tagen liess er den jungen Auber rufen,\num am Ciavier zu begleiten, und probirte ein Kyrie, wo-\nbei Madame Duchambge den Sopran, der Fürst von Cbi-\nmay den Bass und er selbst den Tenor sang. Es war die-\nses Kyrie der erste Satz der Messe in F., die seitdem so\nberühmt geworden. Darauf schrieb er das in wel-\nchem er zum ersten Male den concertirenden Kirchenstil\nanwandte, der von da an allen seinen geistlichen Compo-\nsitionen das charakteristische Gepräge gab. Er musste sich\nnach den musicalischen Mitteln richten, welche der Ort\ndarbot; daher ist die Messe nur dreistimmig und das Or-\nchester ausser dem Geigen-Quartett nur mit einer Flöte,\neinem Fagott, zwei Clarinetten und zwei Hörnern besetzt.\nDas Kyrie und Gloria wurden bis zu dem Cäcilien-Tage\nfertig und am 22. November 1808 in Chimay so gut, als\nes sich thun liess, gegeben. In Paris vollendete er das\nWerk in den ersten Monaten des Jahres 1809, und das\nGanze wurde im Hotel des Fürsten von Chimay aufge-\nführt.\ndem wir diese Einzelheiten entnehmen, war zu-\ngegen und schreibt darüber, wie folgt: „Die Sänger wa-\nren nicht zahlreich, aber musicalisch und mit guten Stim-\nmen begabt. An den Violinen im Orchester bemerkte man\nBaillotj, Rode, Libon, Kreutzer, Habeneck, Mazas, Grasset\nu. s. w., an den Violoncell-Pulten sassen Lamare, Duport,\nLevasseur, Boudiot und Norblin; Tulou blies die Flöte,\nDelcambre das Fagott, Lefebvre und Dacosta die Clari-\nnetten, Fr. Duvernoy und Domnich die Horner. Ich werde"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5313, "texte": "nie den Eindruck vergessen, den das auf so* treffliche\nWeise ausgeführte Werk auf mich machte. Alle Berühmt-\nheiten von Paris waren als Zuhörer anwesend; es war\neiner der ruhmglänzendsten Tage im Leben des Meislers.\"\nDem Erfol ge dieses Werkes, das überall Bewunde-\nrung erregte, hat es Cherubini hauptsächlich zu danken,\ndass er nach der Restauration eine hohe Stellung bei Hofe\nerhielt, wie wir gleich sehen werden.\nFür das Theater schrieb er bald darauf eine einactige\nOperette: „Crescendo\", welche am 1. September 1810\nin der Opera comiquegegeben wurde. Die Musik war für\ndie Handlung eines kleinen Lustspiels viel zu ausgedehnt\nund entwickelt: die Partitur enthält 522 Seiten! Eine\nmerkwürdige Arie, von dem Komiker Martin vortrefflich\nvorgetragen, die Schilderung eines Streites vor den Ohren\neines abgesagten Feindes von allem Geräusch, daher durch-\nweg mit halber Stimme gesungen und vom Orchester im\nPianissimo begleitet, hielt die Operette eine Weile auf\ndem Repertoire.\nAm 6. April 1813 brachte Cherubini seine „Aben-\nceragen\" in drei Acten auf dem Theater der grossen\nOper zur Aufführung. Sie hatten trotz grosser Schönhei-\nten in melodischer und harmonischer Hinsicht keinen Er-\nfolg, was grösstentheils Schuld der langweiligen Handlung\nwar, die Niemanden interessiren und erwärmen konnte.\nIn Deutschland ist nur die Ouvertüre bekannt, welche, wie\nfast alle Cherubinischen, noch immer vielfach in Concer-\nten gespielt wird.\nUebrigens war die Zeit der Kunst in Paris nicht gün-\nstig. Die ungeheuren Verluste in Russland und die neuen\nRüstungen für den Feldzug in Deutschland machten die\nLeute nachdenkend. Talleyrand's Wort: „C'est le com-\nmencement de la fin!*gewann in den Gemülhern immer\nmehr Boden und wurde im März des Jahres 1814 eine\nWahrheit.\nDie Restauration der Bourbonen wurde für Cherubini's\näussere Stellung erfolgreich. Im Jahre 1816 wurde er zum\nIntendanten der Hofmusik des Königs ernannt, zu gleicher\nZeit zum Professorder Composition am Conservatoire (oder,\nwie es damals umgetauft wurde, der Ecole royale de mn-\nsique ei de declamation),und im Jahre 1821 berief man\nihn endlich zur Direction dieser Anstalt, welche er denn\nauch bis zu seinem Tode im Jahre 1842 geführt hat.\nEr brachte in seinen neuen Wirkungskreis den Geist\nder Ordnung und der gewissenhaftesten Pflichterfüllung\nmit, der ihm in allen seinen Lebens-Verhältnissen eigen\nwar. Er war streng in allem, was den Dienst der Capelle\nbetraf, unnachsichtig als Vorgesetzter gegen alle Unter-\ngebenen, so wie er es gegen sich selbst war; er verlangte\nviel von ihnen und war nicht eben freundlich und zugäng-\nlieh in amtlichen Dingen. Bitten und Gesuche schlug er\nfast immer rund ab; oft entfuhr ihm ein schroffes „Nein!*\nnoch ehe der Ansuchende ausgeredet halte. Jedoch war\nsein Rechtsgefühl unzweifelhaft; liess man sich nicht ab-\nschrecken und gab ihm überzeugende Aufschlüsse, so be-\nharrte er keineswegs bei der ersten schroffen Entschei-\ndung, sondern ging auf die Sache ein. Sein Ordnungssinn\nmachte ihn zu einem Manne nach der Uhr: jeden Augen-\nblick sah er nach dem Zeiger, um die Minuten zu zählen,\ndie für dieses oder jenes, was gethan werden musste, be-\nstimmt waren. Wer nicht pünktlich war in allen Dingen,\nkonnte versichert sein, dass er ihn gehörig abkanzelte.\nDabei kannte er keinen Unterschied in der Person. Als\nder Marquis von Lauriston, Minister des Königlichen Hau-\nses, einmal bei einer Preis-Vertheilung im Conservatorium\nauf sich warten liess, empfing er ihn mit den Worten:\n„Sie kommen sehr spät, Excellenz!\" — So derb, wie er\nsein konnte, so fein und geistreich war er aber auch häufig\nin seinen Bemerkungen über Dinge, die ihm nicht recht\nwaren, die er aber nicht ändern konnte.\nWiewohl man ihm den Vorwurf machte, in der Lei-\ntung des Conservatoriums sich gar zu sehr um das Detail\nzu bekümmern und oft bis ins Kleinliche zu gehen, was\nnach den eben geschilderten Eigenheiten seines Charakters\nsehr wohl denkbar ist, so ist es doch keine Frage, dass\ner die Anstalt, welche unter der Ober-Aufsicht des Inten-\ndanten der Mcnus plaisirs des Königs, eines Herrn Pa-\npillen de la Ferte, sehr heruntergekommen war, wieder\nempor und sowohl durch seine wirkliche Leitui j, als\ndurch den Glanz seines Namens zu der Berühmtheit brachte,\ndie sie im Ganzen genommen noch immer geniesst.\nDie Zeit der Umgestaltung des Kaiserreiches in das\nKönjgthum von Goltes Gnaden brachte in alle Verhält-\nnisse so viel Unruhe und Veränderung, dass es sich leicht\nerklären lässt, wenn wir in Cherubini's Katalog seit der\nAufführung der „Abenceragen\" bis Februar 1814 nur\neine einzige Romanze verzeichnet finden. Seitdem erscheint\ner wieder thätiger, wenn auch meist nur bei Gelegenheits-\nstücken und „bestellter Arbeit\", wie man zu sagen pflegt.\nDahin gehörte seine Mitwirkung mit Catel, Boieldieu und\nNicolo an der komischen Oper Bayavd meh-\nrere Märsche für die pariser Nationalgarde und auch ein\nMarsch für ein prcussisches Regiment, endlich\neinige Gelegenheits-Cantaten mit Orchester.\nMerkwürdig ist es aber, dass er in demselben Jahre\nO T\n1814 sein erstes Violin-Quartett (in Es-dur) schrieb,\ndas erst viel später mit fünf anderen zusammen gedruckt\nwurde. Es scheint, als habe er sich durch das Arbeiten in\nder edelsten Gattung der Kammermusik gleichsam in dem\nHeiligthumc der reinen Tonkunst erholen wollen von den\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4111, "texte": "Forderungen der profanen Welt, die er vermöge seiner\näusseren Stellung nicht abweisen konnte.\nDie philharmonische Gesellschaft in London lud ihn\nEnde 1814 ein, nach London zu kommen, um Orchester-\nwerke für ihre Concerte zu schreiben und sie zu dirigiren.\nCherubini folgte linde Februar 1815 dieser Einladung\nund componirte binnen einigen Monaten in London eine\nConcert-Ouvertüre, eine Si n fon i e und eine „Hymne\nan den Frühling\" für vier Gesangstimmen und Or-\nchester, welche letztere einige Jahre später in Paris in\nDruck erschien.\nNach seiner Zurückkunft nach Paris im Juli dessel-\nben Jahres verlor er durch die Aufhebung der\nmusique das Gehalt, das mit der Inspector-Stelle verbun-\nden war, wurde aber im folgenden Jahre 1816, wie schon\noben erwähnt, zum Intendanten der Hofcapelle ernannt,\nwas ihm eine so bedeutende äussere Stellung verschaffte,\nwie er sie noch nicht gehabt hatte.\nEr war jetzt schon sechsundfünfzig Jahre alt, aber\ndennoch begann mit dieser Stellung eine Periode der ge-\nnialsten Tonschöpfungen bei ihm, und seine Thätigkeit und\nGeistesirische in diesem und den nächsten Jahren sind\nwahrhaft Staunenswerth.\nDer gewöhnliche Gottesdienst in der Capelle Ludwig's\nXVIII. und Karl's X. bestand in einer stillen Messe, wäh-\nrend deren die Capelle einige Gesänge vortrug, deren\nDauer nur so lang sein durfte, als der Priester die Messe\nlas. Diese Beschränkung war neu und unangenehm für\nCherubini, da sein Genie und seine Arbeitsweise im Ge-\ngentheil zu ausgedehnter Entwicklung der musicalischen\nGedanken hinneigten und er dieser Neigung manchmal bis\nzum Nachtheil in Bezug auf den Erfolg bei der Menge\nwenigstens in den Opern—nachgab. Dennoch brachte er\nes in Kurzem zu einem grossen Geschick in der vorge-\nschriebenen Form, und es ist während der vierzehn Jahre,\nin welchen er für den Dienst der Capelle schrieb, kein\nMusikstück aus seiner Feder hervorgegangen, das nicht\nvon den Kennern bewundert worden wäre. Die erwähn-\nten Umstände erklären den geringen Umfang und die we-\nniger durchgeführte Ausarbeitung der Motive in den Mes-\nsen Nr. 174, 196, 202, 211 im Kataloge seiner Werke\nund Nr. 8 des Supplements, wenn man sie mit den gros-\nsen Messen in F und in D-moll vergleicht.\nSelten wurde eine vollständige Messe in der Capelle\ndes Königs aufgeführt; die ganze Musik beim Gottesdienste\nbeschränkte sich sehr häufig auf ein Kyrie und ein Mo-\ntetto. Daraus erklärt sich denn auch die beträchtliche An-\nzahl von vereinzelten kirchlichen Gesängen, welche der\nKatalog aufführt. Man findet darin z. B. dreizehn Kyrie\nverzeichnet, die zu keiner Partitur einer Messe gehören;\ndessgleichen zwei Gloria,ein neun zwei\nSandus, zwei Agnus Dei,zwei vollständige Litaneien der\nheiligen Jungfrau, zwei Pater noster, zwei Tantum ergo,\nendlich siebenzehn mehr oder weniger ausgeführte Mo-\ntetten.\nZu dieser grossen Zahl von kirchlichen Compositionen\nkleineren Umfangs, welche übrigens hinreichten, einen\nTonkünstler berühmt zu machen, kamen nun noch die\nzwei grossen Meisterwerke, das erste Requiem, vierstim-\nmig mit vollem Orchester, zur Feier des Todestages Lud-\nwig's XVI., und die Messe zur Krönung Karl's X.\nWenn man auch in dem Requiem das Dies irae etwas zu\ndramatisch oder gar theatralisch und zu geräuschvoll fin-\nden kann, so ist doch der Stil aller übrigen Sätze so er-\nhaben und edel und voll tiefer Andacht, dass man das\nWerk zu den besten Compositionen des Meisters und über-\nhaupt der ganzen neueren Kirchenmusik zählen muss. Der\nletzte Satz drückt namentlich die Auflösung der mensch-\nlichen Lebenskraft und den Uebergang {zur ewigen Ruhe\nmit einer Einfachheit der Mittel und Tiefe der Empfin-\ndung aus, dass es die Seele ergreift und erbeben macht.\nEben so grossartig und, dem Charakter ihrer Bestim-\nmung gemäss, noch weil pomphafter und glänzender ist\ndie Krönungs-Messe. Als sie in einem Saale der Tuilerieen\nprobirt wurde, waren alle Anwesende auf der Stelle von\nS\nBewunderung ergriffen. Und doch war sie die Schöpfung\neines sechsundsechszigjährigen Mannes! Hummel, der in\nder Probe gegenwärtig war, rief ihm begeistert und un-\nwillkürlich zu: »Ihre Messe ist Gold, reines Gold!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-01-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "5", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.2.3", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.4", "debut_caractere": 4113, "fin_caractere_exclue": 4960, "texte": "Aus Paris.\n\n[Rössings Charit des Titans]\nDen 28. December 186 J.\nDer Ausschuss des Vereins für ein Denkmal Cheru-\nbini's in seiner Geburtsstadt Florenz hat bekanntlich einen\nAufruf zu Beiträgen für dasselbe erlassen. Die Concert-\nGesellschaft des Conservatoires hielt es für ihre Pflicht,\ndieser Aufforderung zu Ehren des langjährigen Directors\ndes pariser Conservatoires zu entsprechen, und veranstal-\ntete zu dem Zwecke ein grosses Concert, das am Sonntag\nden 22. December d. J. Statt fand. Alles, was Paris an\nKünstlern und Kunstfreunden aufzuweisen hat, strömte\nnach dem Concertsaale, der zu klein war, um den ganzen\nZudrang zu fassen.\nVon Cherubini selbst wurde die Ouvertüre zu\nAnakreon, der bekannte liebliche Frauenchor aus\nBlanche de Provence*)und die Introduction der Oper\n\n*) In Deutschland neuerdings mit Ciavier- oder Orgel-Begleitung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3878, "texte": "Elisa ou le Mont St Bernard gemacht. Dazu Beetho-\nven's C-moll-Sinfonie, eine Nummer aus der Balletmusik\nzum Prometheus und eine neue Composition von Ros-\nsini: Le Chant des Titans.\nDie Sinfonie, welche den Schluss machte, wurde, wie\nimmer, vortrefflich ausgeführt; die Ouvertüre zu Ana-\nkreon liess das Publicum kalt, wogegen es, bei seiner Vor-\nliebe für Virtuosenleistungen, die Nummer aus Prometheus\nmit dem Flöten- und Violoncell-Solo, von Dorus und Fran-\nchomme vorgetragen, da capo rief. Doch zur Hauptsache,\nzu Rossini's neuem, für dieses Concert und dessen Zweck\neigens geschriebenen „Titanen-Gesang\".\nFreilich konnte das Publicum schon aus dem Titel\nschliessen, dass hier keine anmulhige, süsse Tändelei und\nmelodische Verführung zu erwarten sein dürfte; allein der\nName Rossini schien einmal von dergleichen Gedanken\nunzertrennlich, und so wurde denn die Zuhörerschaft durch\nden losgelassenen furchtbaren Lärm und die diabolische\nKraftwirkung des Stückes dermaassen verblüfft, dass es\nvor Erstaunen und Schrecken die Wiederholung verlangte,\num vielleicht beim zweiten Male besser zur Besinnung zu\nkommen.\nDer Text des Unisono-Gesanges war auf dem Pro-\ngramme nicht abgedruckt; zu verstehen war davon kein\nWort, denn die vier „tüchtigen Kerle\", die sich Rossini\nvon der Direction der grossen Oper ausgebeten [vgl. Nr.\n44 vor. Jahrg., S. 350], sangen gratis und frustra, „um-\nsonst\" für Cherubini und für's Publicum, ein ganzer Chor\nvon Bassisten hätte seine Noth gehabt, um durchzudringen.\nDas Gedicht (?), nachher in der Musicalischen Zeitung ver-\nöffentlicht, beginnt gleich mit:\nGuerre! Massacre! Mort! Carnage!\nFils de Titan, que votre rage\nVenge enfin un trop long outrage\nPar le glaive exterminateur!\nHyperion! Coelus! Polypheme! Encelade!\nTous du ciel tentons l'escalade\nPour en chasser l'usurpateur:\nA Jupiter malheurl\nund endigt mit:\nEntassons sur Ossa,\nAtlas sur Etna (!),\nEn guerre!\nA nous le feu, le fer!\nMort k Jupiter!\nNun, Rossini hat sich nicht lumpen lassen, er hat dem\nDichter nichts geschenkt; Richard Wagner ist ein Pygmäe\ngegen den Titanen Rossini, der hier mit wahren Klang-\nExplosionen und wildem Wuthgeschrei, das wie das Ge-\nbrüll des verwundeten Kriegsgottes im Homer das Schlacht-\ngetümmel zweier Heere übertönt, den Himmel stürmt, so\ndass, wenn das Haus davon einstürzte, dies immer nur\neine kleine Wirkung der kolossalen Intention des Compo-\nnisten gegenüber sein würde. Die furchtbaren Accorde,\ndie Schroffheit und Härte der Modulation, der brutale\nCharakter der Figuren in allen Instrumenten, die sich\nhartnäckig wiederholen, weil die Titanen nicht nachlas-\nsen; dabei statt des Gesanges, von dem keine Rede ist,\nein wilder Schrei nach dem anderen, endlich ein chroma-\ntisches Aufklimmen der Sänger bis zu den höchsten Gi-\npfeln der Baritonstimmen, dazu ein Orchester, das auf\njeder Stufe der Leiter mit immer krachenderen Accorden\nauf jedem Halbtone nachrückt und endlich am Schlüsse\nwie aus dem Krater eines Vulcans mit Pauken und gros-\nser Trommel und Becken und Tamtam und Trompeten\nund Posaunen losbricht: kann es ein schreckhafteres\nTonbild der Giganten-Arbeit geben, die Berge aufthürmt?\nTriumph! Rossini, der Hohepriester der Melodie, der be-\nzaubernde Sänger, der sich seit Jahren in Schweigen ge-\nhüllt, „er ist unser!\" rufen die Realisten und Program-\nmatisten, und Verdi und Wagner neigen wohlwollend ihr\nHaupt dem Dritten im Bunde!\nGlücklicher Weise ist das Stück sehr kurz, wirkt aber\ndadurch um so betäubender, weil man nicht Zeit hat, sich\nan den Lärm zu gewöhnen, wie bei den anderen Klang-\nund Schall-Fabricanten. Mit Einem Worte: das Ding ist\nein Tonmeer-Wunder, und von dem Orchester kann man\nsagen:\nLe flot qui l'apporta,\n\n\\\nund deutscher Uebersetzung des Textes herausgegeben vom\nBureau de Musique von C. F. Peters. Berlin und Leipzig.\n11 S. kl. Fol. 12 Ngr. Die drei Stimmen 5 Ngr.\n- * *x ! 1 Die Redaction.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-01-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "6", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.2.4", "titre_corps": "Aus Stuttgart.", "titre_sommaire": "Aus Stuttgart.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.5", "debut_caractere": 3880, "fin_caractere_exclue": 4548, "texte": "Aus Stuttgart.\nDen 25. December 1861.\nDie Erwähnung der hiesigen Aufführung von Hän-\nders „Athalia\" am 16. October 1860 in Nr. 49 Ihres\nBlattes (S. 388) veranlasst mich, Ihnen einige Mittheilun-\ngen über die Wirksamkeit des Vereins für classische\nKirchenmusik, der hier unter der Leitung des Herrn\nProfessors Dr. Faisst steht und zu den wenigen Gesang-\nInstituten Deutschlands gehört, die sich auf die Pflege\neiner bestimmten Gattung höherer Musik concentriren, zu\nmachen, wodurch die früheren Nachrichten über diesen\nVerein in Ihrer Zeitung sich ergänzen dürften.\nDie Aufführungen Händel'seher Oratorien durch den-\nselben finden seit dem Jahre 1858 immer mit der ori-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4039, "texte": "ginalen Instrumentirung unter Mitwirkung der Or-\ngel in einer Kirche Statt. In solcher Weise ist bis jetzt\nder „Messias\", der „Saul\" (beide zu wiederholten Malen),\n„Israel in Aegypten\" und „Athalia\" aufgeführt worden.\nMit Ausnahme des Israel, bei welchem die in der Ausgabe\nder Handel Society veröffentlichte Mendelssohn'sche Or-\ngel-Begleitung benutzt wurde, sind die Orgel-Partieen zu\njenen Oratorien, so wie auch zur Johannes-Passion,\nMesse und Weihnachts-Oratorium von J. Seb. Bach und\nzum Stabat Mater von Astorga, welche von dem Ver-\neine ebenfalls mit Orchester und Orgel aufgeführt worden\nsind, von Prof. Faisst bearbeitet worden. Wir haben\n7 /\ndurch die Wirkung dieser Aufführungen die Ansicht, die\nMendelssohn einmal gegen Dr. Faisst aussprach: „Die\nHändel'schen Oratorien sollte man eigentlich gar nicht\nanders als mit der Orgel aufführen, ausgenommen etwa\nden Messias, der von einem Meister wie Mozart instrumen-\ntirt ist\" vollkommen und sogar ohne die bezeichnete\nAusnahme bestätigt gefunden, womit aber natürlich ein\nErsatz der Orgel, wo sie nun einmal nicht zu haben ist,\ndurch andere Instrumente, also eine bis auf einen gewis-\nsen Grad neue Instrumentirung, nicht getadelt werden soll.\nIn diesem Winter ist am 10. September 1861 Hän-\nders „Saul\" in erwähnter Weise aufgeführt worden und am\nз. Dec. 1861 ein gemischtes geistliches Concert (in der\nLconhards-Kirche). Das Programm brachte im ersten\nf heile folgende Nummern: 1. Präludium und Fuge\nmoll) für die Orgel von Joh. Seb. Bach; 2. Motette,\nvierstimmig, Adoramm te,von Pal es Irina; 3. Festlied\nauf Maria Heimsuchung, fünfstimmig, von Johann Ec-\ncard, 1508: „Ueber's Gebirg' Maria geht\"; 4. Choral\n(jetzt auch unter dem Namen: „Mir nach, spricht Christus\"\nи. s. w.), fünfstimmig, von Joh. Herrn. Schein, 1628:\n„Mach's mit mir, Goltt nach Deiner Güt'\" ; 5. Motette,\nfünfstimmig mit Orgel-Begleitung, von Andreas Ham-\nmerschmidt (geb. 1611 zu Brix in Böhmen, gest. 1675\nzu Zittau): „0 Domine Jesu Chrisfe\"; 6. Sanctus, fünf-\nslimmig, ..von Alessandro Scarlatti (geb. 1658 zu\nNeapel, gest. 1725 ebendaselbst). Im zweiten Theile: 7.\nDen VIII. Psalm, für Alt (Solo und Chor) mit Orgel-\nBegleilung, von Benedetto Marcello (geb. 1680 in\nVenedig, gesl. 1739 in Brescia); 8. Cantate für Chor\nund Solostimmen mit Orgel-Begleitung (ursprünglich mit\nOrchester-Begleitung), von Joh. Seb. Bach: „Bleib' bei\nuns, denn es will Abend werden\"*). —6\n*) Es ist eine schöne Sache, wenn eine Kirchengemeinde und ihr\nVorstand es nicht für Vcrunheiligung halten, dass die reli-\ngiöse Tonkunst in ihrer Kirche eine Freistatt findet. Man frage\njeden Menschen, der die höchste Gabe Gottes: Vernunft und\nmenschliches Gefühl, nicht in Blödsinn oder Heuchelei ertödtefc\nhat, ob die gute Ausführung eines Programms, wie das obige,\nnicht trotz aller mangelnden Formen des äusseren Gottesdien-\nstes eine Verehrung Gottes, eine Erhebung der Seele zur An-\ndacht ist? Freilich, um eine solche musicalische Kirchen-\nfeier anzustellen, bedarf es nicht bloss der Orgel, sondern\nhauptsächlich auch eines Organisten, der als ein Musiker\nvon Fach die grossen deutschen Meister versteht und ihnen\nnachzueifern durch Talent, Fähigkeit und Fertigkeit im Stande\nist. Wo sind aber jeUt die Gemeinden, die wirkliche Or-\nganisten anstellen? Haben wir es nicht erlebt und erleben\nes noch täglich, dass fundirte Organisten-Gehälter eingezo-\ngen werden, um dadurch die Seh ullelrrer-Ste lle n zu\nverbessern? Dass die Lehrerstellen so schlecht sind, ist eine\nSchande für den Staat und für die betreffenden Gemeinden;\naber den Mageren dadurch kräftigen wollen, dass man dem\nGesunden die Nahrung entzieht, ucn jenen zu sättigen, das ist\ndie schlechteste Wirthschaft von der Welt. In Köln sind wir\njetzt um eine vortreffliche Orgel reicher: wir meinen die in\nder Trinitatiskirche der evangelischen Gemeinde; hoffentlich\nsteht zu erwarten, dass das schöne Werk nicht ein blosses\nSchaustück bleibt, sondern dass das Presbyterium alle Mittel\nin Anwendung bringt, um demselben eine würdige Behandlung\nEU sichern. Die Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-01-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "7", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.2.5", "titre_corps": "Karl Proske.", "titre_sommaire": "Karl Proske.", "signature_source": "Mettenleiter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.6", "debut_caractere": 4041, "fin_caractere_exclue": 5541, "texte": "Karl Proske.\n\n(Nekrolog.)\nt-m ' • - . * ' V\nRegensburg, 26. Deceraber 1861.\nDr. Karl P roske war der Sohn eines Oekonomen\nzu Gröbnig in Schlesien, wo er im Februar 1794 gebo-\nren wurde. Seine bedeutenden Anlagen verschafften sich\ntrotz der hemmenden Verhältnisse, die ihn zum Stande\ndes Vaters drängten, Geltung, und er absolvirte mit acht-\nzehn Jahren zu Wien das Studium der Medicin. Als Feld-,\nspäter Begiments-Arzt machte er die Befreiungskriege mit\nund wurde dann, heimgekehrt, zum Kreisphysikus in Pless\nernannt, eine Stelle, die er eine Reihe von Jahren hin-\ndurch würdig ausfüllte. Die Bekanntschaft mit dem ver-\nstorbenen Bischöfe Sailer von Regensburg steigerte sei-\nnen Trieb zum Priesterstande zur That, so dass er im\nJahre 1826 Priester und im Jahre 1830 Canonicus am\nCollegiatstifle zur alten Capelle wurde, eine Würde, die\ner bis zu seinem Tode, trotz mehrerer, sehr ehrender An-\nerbieten, die ihm Aussicht auf die glänzendste kirchliche\nLaufbahn eröffnet hätten, bekleidete. Nun konnte er sich\nungestört der Erforschung und Wiederbelebung der Jahr-\nhunderte lang vergrabenen alten classischen Tonwerke\nwidmen. Er unternahm eine grosse Kunstreise, die fast alle\nbedeutenden Orte des Continerits, wo er Ausbeute lür sei-\nnen Zweck hoffen konnte, zumeist aber Italien, berührte.\nWas er allein in Rom, unterstützt durch Empfehlungen\nvon allen Seiten, leistete, klingt, beinahe unglaublich, in-\ndem er alles in den dortigen grossen Bibliotheken vorhan-\ndene Bedeutende eigenhändig copirte."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2755, "texte": "So hatte er denn unermessliche Schätze gesammelt,\nund nun stellte er sich zur Aufgabe, die Welt mit den\nFrüchten seines Fleisses zu beglücken. Wer kennt nicht\ndie weltberühmten, bei Pustet in Regensburg erschienenen\nSammelwerke: Musica divina und Selectus novus, wahre\nFundgruben der köstlichsten Producte der Blülhezeit clas-\nsischer Kirchenmusik. Der Umfang dieser Sammelwerke\nbeläuft sich auf mehrere Tausende von Folioseiten. In den\ndie einzelnen Bände begleitenden Vorreden ist eine Fülle\nder reichsten Erfahrungen und der scharfsinnigsten Be-\nobachtungen über Inhalt, Zweck und Aufführung jener\nMeisterwerke enthalten. Ausserdem gab Proske noch Scar-\nlatli's grosse Messe (Regensburg, bei Manz) und Palestrina's\nMissa Papae Marcelli (Mainz, bei Schott) authentisch\nnach den Originalien heraus.\nWie gewissenhaft er bei seinen Editionen verfuhr,\nweiss Referent zu beurtheilen, indem ihm vergönnt war,\nnebst seinem leider zu früh verstorbenen Bruder Georg,\nin näheren Beziehungen zu dem Verewigten zu stehen.\nUnterstützt von einer Bibliothek, deren Reichhaltigkeit im\nGebiete classischer Kirchenmusik keine Nebenbuhlerin\ndulden dürfte, war es ihm ermöglicht, die Kritik seiner\nEditionen durch Vergleichungen und ausschliessliches Be-\nnutzen von Originalien auf die strengste und correcteste\nWeise zu üben. Von seinen Compositionen, deren leider\nwenige sind, bewundern wir insbesondere einen Psalm\nprofundis. ,ganz im Geiste und der Weise der altclassischen\nTonschöpfungen. Dass einem Manne wie Proske auch das\nGebiet der neueren Tonwelt in Theorie und Praxis (er\nwar ausgezeichneter Ciavierspieler) völlig erschlossen da\nlag, brauchen wir kaum beizufügen.\nSein Wirken als Arzt, Priester und edler Menschen-\nfreund wird noch lange in unserer Stadt in gesegnetem\nAndenken bleiben. Sein Charakter war edel und gross,\nseine Liebenswürdigkeit und feingebildete Zuvorkommen-\nheit bezaubernd. Seit länger denn einem Jahre war er\nperiodisch wiederkehrenden schlagartigen Brustkrämpfen\nausgesetzt. Ein solcher raubte denn auch unerwartet schnell\nam 20. December, Abends 10 Uhr, der echt classischen\nKunst einen begeisterten Vorkämpfer, seiner Umgebung\neinen theuren, unvergesslichen Freund und unserer Stadt\neinen ihrer edelsten Männer.\nBei seiner Beerdigung sang der hiesige Liederkranz\ndas wundersam trostvolle Lied, welches der berühmte\nHand! (Gallus) sich selbst nach einem altdeutschen Texte\ndes Corner componirt hatte. Da in der Eile nur die Me-\nlodie zu finden war, ergänzte Referent das Fehlende und\nsetzte es für fünfstimmigen Männerchor, in Form und\nGeist jenes grossen Tonmeisters des Mittelalters, wohl\ndie passendste Nänie für den kunstbegeisterten Todten.\nBeim Gottesdienste wurde das fünfstimmige von\nOrlando di Lasso gesungen.\n\nDr. Mettenleiter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-01-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.7", "debut_caractere": 2757, "fin_caractere_exclue": 6093, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliolilt In der „Musicalischen Gesellschaft\" haben wir in den\nletzten Versammlungen öfter Gelegenheit gehabt, fremde und einhei-\nmische Künstler in Solo-Vorträgen zu hören, was eine sehr ange-\nnehme Abwechslung in die Programme brachte, die sonst in der\nRegel nur Orchesterwerke bringen. So erregte der meisterhafte Vor-\ntrag des Violin-Concertes Nr. 11 von Spohr durch Herrn Concert-\nmeister Grunwald einen Enthusiasmus, wie er in diesem Verein©\nfast noch nicht erlebt war. ln einer anderen Sitzung (den 21.\nDecember v. J.) trug ein junger Künstler aus Madrid, Herr J. de\nMonasterio, Mitglied der Capelle der Königin und Professor am\ndortigen Conservatorium, Mendelssohn's Violin-Concert und eine mau-\nrische Elegie für die Violine von seiner eigenen Composition mit\ngrossem Beifalle vor. Er wurde für das sechste Gürzenich-Concert\n(den 28. Januar) engagirt. Ausserdem gewährte an demselben Abende\nder vortreffliche Vortrag der grossen Sonate von Mozart und der\nVariationen von Schumann für zwei Flügel durch die Herren\nSciss und Breunung einen grossen künstlerischen Genuss. ln\nder letzten Sitzung des vorigen Jahres (am 28. December) lernten\nwir in Herrn Giese, Professor am Conservatorium im Haag, einen\nsehr tüchtigen Violoncellspieler kennen. Er spielte den ersten Sata\neines Violoncell-Conccrtes von Moli quo und das Finale aus dem\nConcert militaire von Scrvais, beides mit ausgezeichneter Fertig-\nkeit und grossem Tone; jedoch ist seinem Vortrage etwas mehr\nFarbe und Wärme des Ausdrucks zu wünschen.\n-J- Unsere musicalischen Zustände haben sich seit der\nAnstellung des Herrn Brambach als städtischen Musik-Directors\nauf die erfreulichste Weise neu belebt und gehoben. Ueber die\nAbonnements-Concerte werde ich mir erlauben, Ihnen nächstens aus-\nführlicher zu berichten. Ausser denselben haben wir aber durch den\nzeitweiligen Aufenthalt des Herrn August Kömpel, der für den\nWinter sein Domicil bei uns gewählt hat und von hier aus seine\nKunstreisen macht, auch einen ausgezeichneten Cirkel für Kam-\nmermusik gewonnen, welchen mit diesem berühmten Violinisten\ndie Herren Brambach, W a 1 d b r ü 1, Reimers und Gerhards\nbilden. Die erste, sehr gut besuchte Soiree fand im Saale des gol-\ndenen Sterns am 5. December v. J. Statt und brachte zu Gehör: L\nViolin-Quartett von Mozart Nr. 10, D-dur. 2. Sextett für Piano-\nforte, zwei Violinen, Violen und Bass von C. J. Brambach, Op. 5.\n3. Violin-Quartett von Beethoven, Op. 95, F-moll. Das Zusam-\nmenspiel war vorzüglich ; man fühlte allgemein, dass sich lauter\ntüchtige Musiker brüderlich zu wahrhaft künstlerischer Leistung\nvereinigt hatten. Die Zuhörerschaft lohnte die Ausführung mit leb-\nhaftem Beifall und bis zum Schlüsse steigender Theilnahme; na-\nmentlich wurde auch der schönen, gediegenen Composition Bram-\nbachs der wohlverdiente rauschendste Applaus zu Theil.\n** Barmen. Das dritte Abonnements-Concert fand\nam 28. December v. J. Statt und bewies von Neuem durch die Wahl\nder Musikstücke und die Ausführung, dass unrer Concert-lnstitut\nim Fortschritt begriffen ist. Das Programm enthielt zur Eröffnung\ndie Sinfonie Nr. 8, F-dur, von Beethoven. Hierauf sang Herr\nKarl Schneider aus Wiesbaden den „Liederkreis an die ferne\nGeliebte\" von Beethoven mit Pianoforte-Begleitung. Den aweiten\nTheil füllte die Messe in C-dur, ebenfalls von Beethoven. E*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6150, "texte": "war also, wie Sie sehen, ein Beethoven-Concert zu Ehren des am\n17. desselben Monats geborenen Meisters. Die Auffassung der Sin-\nfonio im Allgemeinen und der Tempi im Besonderen durch Herrn\nMusik-Director Krause waren dem Geiste der Composition ent-\nsprechend; in der Leitung selbst hätte vielleicht etwas mehr Feuer\nnnd Leben sein können. Der sonst wackeren Capelle müssen wir\naber den Wunsch zu erkennen geben, sich den Ausdruckszeichen,\ndie ja bei Beethoven sehr zahlreich bestimmt sind und von aufmerk-\nsamen Musikern gar nicht übersehen werden können, etwas mehr\nau fügen, als dies besonders von den Blas-Instrumenten geschah.\nDie Trompeten machen im Orchester eine schöne Wirkung, wenn\nsie sich bewusst bleiben, dass sie Orchester-Trompeten sind, nicht\naber Militär-Signal-Instrumente!\nHerr Schneider trug den Kranz Beetboven'scher Lieder vor-\ntrefflich vor; doch dürfte die Composition schon durch ihre Länge\nmehr für einen engeren musicalischen Kreis, als für ein grosses\nConcert-Publicum passend sein.\nDie schöne Messe in C-dur gewährte einen rechten Genuss.\nDie Chöre waren sehr gut, und die Mitwirkung der Orgel (gespielt\nvon Herrn Gustav Ewald von hier) blieb in einem schönen Ver-\nhältnisse zum Klange des Ganzen. Viele Menschen haben freilich\nüber die Orgel bei kirchlichen Werken eine ganz verkehrte Mei-\nnung, indem sie an den Gemeindegesang in der Kirche denken und\ndemnach auch in der Messe oder dem Oratorium die Orgel durch-\ntönen oder vor schreien hören wollen. Das würde aber im Concert-\nsaale die Wirkung des Ensembles ganz und gar aufheben. Darin\nim Gegentheil, dass sich die Klangfarbe der Orgeltöne dermaassen\nmit don Chorstimmen und den Bass-Instrumenten vermählt, dass der\nLaie sie kaum unterscheiden kann, liegt eben das Schöne ihrer\nWirkung. Dio Solo-Partieen wurden von Fräulein Mann von hier,\nFräulein Niethon aus Köln, Herrn Karl Schneider aus Wies-\nbaden und Herrn Bergstein aus Aachen gesungen, wobei die So-\npranstimme durch ihre musicalische Sicherheit im Zusammenwirken\nersetzte, was ihr an Klangfülle gegen die übrigen zum Theil abging.\nAm folgenden Tage, einem Sonntage, hatten wir den grossen Ge-\nnuss, das Orgelspiel des Herrn Ferdinand Breunung aus Köln\nin der Kirche zu bewundern, wo dieser treffliche Künstler durch\nden Vortrag des Präludiums und der Fuge in C-moll von J. Seb.\nBach und einer Orgel-Sonate von Mendelssohn wahrhaft in Er-\nstaunen setzte.\nA OTaiinßaeiiM, 26. Deceiuber 1861. Gestern fand hier von\nden drei musicalischen Akademieen, welche unser Opern-\nOrohester unter V. Lachner's Leitung auf Abonnement im grossen\nSaale des Theaters veranstaltet hat, die zweite Statt. Das Orchester\nspielte eine interessante Suite von Franz Lachner für Orche-\nster, welche, wenn ich nicht irre, beim letzten Musikfeste in Aa-\nchen aufgeführt worden ist, und am Schlüsse Mende ls so h n's\nOuverturo zu Ruy Blas. An Gesangsachen hörten wir dio Solo-Vor-\nträge von Fräulein Anna Reiss (Mirjam's Siegsgesang von K.\nReine ckc und eine Arie aus Rossini's Semiramis) und drei Chöre\nvon Palestrina, Heinrich Schütz und Arcadelt. Eine ganz\nbesondere Zierde des Abends waren die Vorträge des Herrn Au-\ngust Kömpel, der Beethoven's Violin-Concert und ein Solo-\nstück mit ausserordentlichem Beifall spielte, so dass er allgemein\naufgefordert wurde, ein besonderes Concert zu geben, wozu ihm Ca-\npellmeistcr Lachner und das Orchester, von seinem Spiel entbusias-\nmiit, ihre unentgeltliche Mitwirkung zur Verfügung stellten. Für\njeUt haben ihn aber die in Holland eingegangenen Verbindlichkeiten\nwieder dorthin zurückgerufen. Wir erwarten aber, ihn Ende Januar\nwieder tu sehen.\n** im December 1861. Die auch in weiteren\nKreisen oft besprochene Differenz zwischen den Herren Niemann\nund Scholz ist dieser Tage in ein neues Stadium getreten und\ndamit hoffentlich beendet. Bekanntlich ist Herr Niemann vor IV?\nJahre wegen Beleidigung des Capellmeisters Scholz zu vier Wochen\nGefängniss verurtheilt worden und hat drei Wochen davon wirklich\nabgebüsst, während ihm die letzte Woche auf Fürbitte seines Geg-\nners im Wege der Gnade erlassen wurde. Nun wollte Herr Niemanu\nnicht mehr unter der Direction des Capellmeisters Scholz auftreten,\nund dieser erklärte dagegen, falls Herrn Niemann diese Forderung\nbewilligt werde, von der k. Hofbühno abgehen zu wollen. Se. Ma-\njestät der König entschied, Herr Niemann solle nach wie vor unter\nLeitung des Herrn Scholz singen, Herr Niemann blieb jedoch gegen\nden Befehl des Königs renitent, und es wäre voraussichtlich zu\nneuen Conflicten gekommen, wenn nicht Capellmeister Scholz, nach-\ndem sein gutes Recht Allerhöchsten Orts bestätigt war, darauf hin\nselbst beantragt hätte, man möge ihn von der Direction der Opern,\nin welchen Herr Niemann beschäftigt sei, dispensiren. Die Intendan»\nhat diesem Wunsche entsprochen und Herrn Scholz für die abgetre-\ntenen Opern eine Anzahl anderer zur Direction überwiesen. Se. Ma-\njestät der König hat dieses Arrangement der Angelegenheit geneh-\nmigt, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass dadurch an\nden dienstlichen Verpflichtungen der Herren Niemann und Scholz\nnichts geändert sei, und dass erforderlichen Falls Herr Scholz auch\ndiejenigen Opern zu dirigiren habe, in denen Herr Niemann singen\nmüsse. Es ist sehr zu wünschen, dass damit diese Angelegenheit,\nunter deren Einfluss das Repertoire der Oper bisher sehr gelitten\nhat, definitiv erledigt sei.\nAlfred Jaell hat in den letzten acht Wochen einen siegrei-\nchen Virtuosen-Feldzug durch die Schweiz gemacht und ist in\nden bedeutenderen Städten der deutschen und namentlich der fran-\nzösischen Cantone mit Beifall und Auszeichnungen aller Art über»\nhäuft worden ; auch an Serenaden und Deputationen der musicali-\nschen Vereine hat es nicht gefehlt. Der eminente Pianist hat über\ndreissig Concerte in Genf, Lausanne, Vevay, Neufchatel,\nBiel, Bern, Solothurn, Zürich, Zofingen, Chur, St.\nGallen, Schaffhausen, Winterthur u. a. w. gegeben. Er ist\nEnde des Jahres nach Deutschland zurückgekehrt, wird über Mainz\nnach Hannover gehen und nach einigem Aufenthalte daselbst in\nHamburg (im philharmonischen Concerte den 14. Februar), Leip-\nzig, Berlin, Braunsch weig} Breslau u. s. w. spielen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCherubini. 111. Aus Paris (Rossini's Charit des Titans). Von B. P. Aus Stuttgart (Verein für classische\nKirchenmusik). Von —6 —. Karl Proske (Nekrolog). Von Dr. Mettenleiter. Tages- und Unte r h al tun gsbl at t (Köln\nMusicalische Gesellschaft Bonn, Musik-Zustände, Kammermusik Barmen, Drittes Abonnements-Concert Mannheim, Musicaliscbe\nAkademie Hannover. Capellmeister Scholz und Herr Niemann Alfred Jaell).\n\nCherubini.\nIII.\n(S. Nr, 48 und 52 vor. Jahrg )\nAm 9. März 1806 verliess Cherubini Wien und kam\nam 1. April wieder in Paris an*). Das Conservatoire ver-\nanstaltete zur Feier seiner Rückkehr eine musicalische\nFestlichkeit. Er wurde mit begeistertem Applaus empfan-\ngen, und man führte mehrere Stücke von seiner Compo-\nsition auf. Alles, was Paris von bedeutenden Musikern\naufzuweisen hatte, war anwesend, und die ganze jüngere\nGeneration der Künstler ergoss sich in enthusiastischen\nOvationen.\nAuf Napoleon machten diese Huldigungen keinen gün-\nstigen Eindruck; er liess Cherubini in seiner untergeord-\nneten Stellung am Conservatoire und blieb mehr als gleich-\ngültig gegen den Ruhin des grossen Meisters.\nBei diesem trat, vielleicht oder wenigstens zum Theil\nganz gewiss, in Folge solcher Zurücksetzung eine Periode\nder Unthätigkeit im Schaffen ein, die drei Jahre lang an-\ndauerte. Bis Ende 1808 zeigt das Verzeichniss seiner\nWerke nur unbedeutende Bruchstücke oder gleich wieder\naufgegebene Skizzen. Dagegen beschäftigte er sich in die-\nser Zeit mit einer wunderlichen Liebhaberei. Er zeichnete\nnämlich mit der Feder auf Spielkarten allerlei Figuren\nund Scenen, bei welchen die Piques, Trefles, Carrcaux\nund Coeurs vom Ass bis zur Zehn als Bestandteile der\nFiguren u. s. w. angebracht wurden. Er soll manchmal\nsieben bis acht Stunden des Tages auf diese Zeichnungen,\ndie er an seine Freunde verschenkte, verwandt haben.\nIridess hatten sich mehrere Verehrer Cherubini's die\nmissliche Aufgabe gestellt, die Antipathie des Kaisers ge-\ngen ihn zu überwinden. Sie bewogen den Meister, eine\n\n*) Diase Angaben finden sich bei (Biographie univerteile,\n2me. Edit.). Sind sie richtig, woran nicht wohl zu zweifeln,\nso hat Cherubini Beethoven's Fidelio nur in einer der drei\nersten Aufführungen (20., 21. und 22. November 3805) ge-\nhört, nicht aber bei der Wiederaufnahme der Oper am 29.\nMärz 1806 und deren Wiederholung am 10. April. Demnach\nkannte er auch die grosse Leonoren-Ouverture (Nr. 3), mit\nwelcher Fidelio am 29. März in Scene ging, gar nicht, als er\nnach Paris zurück kam, konnte folglich auch nicht das Urtheil\ndarüber aussprechen, das wir im 11. Artikel (Nr, 52 v. J., S.\n411) erwähnt und bezweifelt haben."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.2", "texte": "italiänische Oper für das Theater der Tuilerieen zu schrei-\nben; Crescentini versprach, die Hauptrolle zu singen, und\nden Componisten wollte man erst nennen, wenn man\nwahrnähme, dass die Musik dem Kaiser gefalle.\nSo entstand die Oper „Pygmalion\"\nbinnen einigen Monaten und wurde in den Tuilerieen auf-\ngeführt (1808). Cherubini war darin, wie glaubwürdige\nNachrichten versichern, gewisser Maassen auf seinen frü-\nheren italiänischen Stil zurückgegangen. Die Musik war\nreich an Melodieen; die grosse, für Crescentini geschrie-\nbene Scene wurde berühmt, auch andere Nummern gefie-\nlen, und Napoleon zeigte eine Ueberraschung, die offenbar\neinen für den Componisten günstigen Ausdruck annahm,\nals ihm der Name Cherubini genannt wurde. Trotzdem\nerfolgte nichts für eine bessere Stellung Cherubini's, wäh-\nrend Napoleon bald darauf dem Sänger Crescentini in der\nVorstellung von Zingarelli's R den Orden\nder eisernen Krone auf die Bühne sandte! So mochte denn\nauch wohl der Vortrag des Pygmalion durch diesen be-\nrühmten Mezzo-Sopranisten den Kaiser vorzüglich zu Gun-\nsten der Composition bestochen haben; denn es ist be-\nkannt, dass Crescentini's Gesang ihn stets bezauberte. Er\nhatte ihn 1805 von Wien, wo Crescentini Singmeister der\nkaiserlichen Familie war, mit nach Paris genommen; ein\nglänzendes Gehalt und Auszeichnungen aller Art wurden\nhm zu Theil und fesselten ihn dort bis 1813, wo er noch\nvor der Katastrophe des Kaiserreiches seinen Abschied\nnahm und nach Bologna, später nach Neapel, als Gesang-\nlehrer (ging (j* den 24. April 1846, 78 Jahre alt).\nCherubini gab es nach diesem letzten Versuche, zu\ndem er sich bei seinem unabhängigen Charakter schon\nschwer genug entschlossen haben mochte, ganz und gar\nauf, den Kaiser mit seiner Musik zu versöhnen, denn er\nsah wohl ein, dass der Held des Jahrhunderts in seinem\nkünstlerischen Geschmacke keineswegs auf der Höhe eines\nJahrhunderts stand, welches ein Beethoven und Cherubini\nverherrlichten. Er vcrliess für den Augenblick Paris, um\nsich durch den Aufenthalt auf dem Lande bei dem Für-\nsten von Chimay Erholung von Arbeit und Verdruss zu\ngönnen.\nDiese Episode in seinem Leben war aber bestimmt,\nden schöpferischen Geist des grossen Componisten zu einer\nGattung der Tonkunst hinzuführen, in welcher er alle\nZeitgenossen und selbst berühmte Vorgänger überragen\nsollte, zur Kirchenmusik.\nIn Chimay schien Cherubini der Kunst ganz entsagt\nzu haben. Eine neue Liebhaberei nahm ihn ausschliesslich\nin Anspruch, die Beschäftigung mit der Botanik. Das Fest\nder heiligen Cacilia kam heran, und man wünschte, eine\nmusicalische Messe in der Kirche des Ortes aufzuführen.\nDer musicalische Verein fasste den kühnen Entschlus«,\nCherubini zu ersuchen, eine Messe zu dem genannten\nZwecke zu schreiben. Der Vorstand fragte bei ihm an,\nerhielt aber die barsche Antwort: „Nein, daraus wird\nnichts!\" —die mit sehr entschieden ablehnenden Geberden\nbegleitet wurde. Im Schlosse des Fürsten betrachtete man\nden Plan als vollkommen gescheitert.\nIndess bemerkte die Fürstin am anderen Tage, das»\nCherubini seine gewöhnliche botanische Excursion nicht\nmachte, sondern im Park nachdenkend auf und ab ging.\nSie liess auf den kleinen Tisch im Salon, an welchem Che-\nrubini sein Herbarium zu ordnen pflegte, einige Bogen\nNotenpapier legen, um zu versuchen, was diese Blätter für\nEindruck auf den Sonderling machen würden, der von\nMusik nichts mehr wissen wollte. Er kam, setzte sich wie\ngewöhnlich an den kleinen Tisch am Kamin. Niemand\nbekümmerte sich um ihn, da es hergebracht war, dass Je-\nder in der Abendgesellschaft that, was ihm beliebte. Die\nFürstin aber beobachtete ihn still und sah mit heimlicher\nFreude, dass er das Partiturpapier vor sich genommen\nhatte und Noten schrieb. Am folgenden Tage blieb er bis\nzur Stunde der Tafel auf seinem Zimmer.\nNach einigen Tagen liess er den jungen Auber rufen,\num am Ciavier zu begleiten, und probirte ein Kyrie, wo-\nbei Madame Duchambge den Sopran, der Fürst von Cbi-\nmay den Bass und er selbst den Tenor sang. Es war die-\nses Kyrie der erste Satz der Messe in F., die seitdem so\nberühmt geworden. Darauf schrieb er das in wel-\nchem er zum ersten Male den concertirenden Kirchenstil\nanwandte, der von da an allen seinen geistlichen Compo-\nsitionen das charakteristische Gepräge gab. Er musste sich\nnach den musicalischen Mitteln richten, welche der Ort\ndarbot; daher ist die Messe nur dreistimmig und das Or-\nchester ausser dem Geigen-Quartett nur mit einer Flöte,\neinem Fagott, zwei Clarinetten und zwei Hörnern besetzt.\nDas Kyrie und Gloria wurden bis zu dem Cäcilien-Tage\nfertig und am 22. November 1808 in Chimay so gut, als\nes sich thun liess, gegeben. In Paris vollendete er das\nWerk in den ersten Monaten des Jahres 1809, und das\nGanze wurde im Hotel des Fürsten von Chimay aufge-\nführt.\ndem wir diese Einzelheiten entnehmen, war zu-\ngegen und schreibt darüber, wie folgt: „Die Sänger wa-\nren nicht zahlreich, aber musicalisch und mit guten Stim-\nmen begabt. An den Violinen im Orchester bemerkte man\nBaillotj, Rode, Libon, Kreutzer, Habeneck, Mazas, Grasset\nu. s. w., an den Violoncell-Pulten sassen Lamare, Duport,\nLevasseur, Boudiot und Norblin; Tulou blies die Flöte,\nDelcambre das Fagott, Lefebvre und Dacosta die Clari-\nnetten, Fr. Duvernoy und Domnich die Horner. Ich werde"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.3", "texte": "nie den Eindruck vergessen, den das auf so* treffliche\nWeise ausgeführte Werk auf mich machte. Alle Berühmt-\nheiten von Paris waren als Zuhörer anwesend; es war\neiner der ruhmglänzendsten Tage im Leben des Meislers.\"\nDem Erfol ge dieses Werkes, das überall Bewunde-\nrung erregte, hat es Cherubini hauptsächlich zu danken,\ndass er nach der Restauration eine hohe Stellung bei Hofe\nerhielt, wie wir gleich sehen werden.\nFür das Theater schrieb er bald darauf eine einactige\nOperette: „Crescendo\", welche am 1. September 1810\nin der Opera comiquegegeben wurde. Die Musik war für\ndie Handlung eines kleinen Lustspiels viel zu ausgedehnt\nund entwickelt: die Partitur enthält 522 Seiten! Eine\nmerkwürdige Arie, von dem Komiker Martin vortrefflich\nvorgetragen, die Schilderung eines Streites vor den Ohren\neines abgesagten Feindes von allem Geräusch, daher durch-\nweg mit halber Stimme gesungen und vom Orchester im\nPianissimo begleitet, hielt die Operette eine Weile auf\ndem Repertoire.\nAm 6. April 1813 brachte Cherubini seine „Aben-\nceragen\" in drei Acten auf dem Theater der grossen\nOper zur Aufführung. Sie hatten trotz grosser Schönhei-\nten in melodischer und harmonischer Hinsicht keinen Er-\nfolg, was grösstentheils Schuld der langweiligen Handlung\nwar, die Niemanden interessiren und erwärmen konnte.\nIn Deutschland ist nur die Ouvertüre bekannt, welche, wie\nfast alle Cherubinischen, noch immer vielfach in Concer-\nten gespielt wird.\nUebrigens war die Zeit der Kunst in Paris nicht gün-\nstig. Die ungeheuren Verluste in Russland und die neuen\nRüstungen für den Feldzug in Deutschland machten die\nLeute nachdenkend. Talleyrand's Wort: „C'est le com-\nmencement de la fin!*gewann in den Gemülhern immer\nmehr Boden und wurde im März des Jahres 1814 eine\nWahrheit.\nDie Restauration der Bourbonen wurde für Cherubini's\näussere Stellung erfolgreich. Im Jahre 1816 wurde er zum\nIntendanten der Hofmusik des Königs ernannt, zu gleicher\nZeit zum Professorder Composition am Conservatoire (oder,\nwie es damals umgetauft wurde, der Ecole royale de mn-\nsique ei de declamation),und im Jahre 1821 berief man\nihn endlich zur Direction dieser Anstalt, welche er denn\nauch bis zu seinem Tode im Jahre 1842 geführt hat.\nEr brachte in seinen neuen Wirkungskreis den Geist\nder Ordnung und der gewissenhaftesten Pflichterfüllung\nmit, der ihm in allen seinen Lebens-Verhältnissen eigen\nwar. Er war streng in allem, was den Dienst der Capelle\nbetraf, unnachsichtig als Vorgesetzter gegen alle Unter-\ngebenen, so wie er es gegen sich selbst war; er verlangte\nviel von ihnen und war nicht eben freundlich und zugäng-\nlieh in amtlichen Dingen. Bitten und Gesuche schlug er\nfast immer rund ab; oft entfuhr ihm ein schroffes „Nein!*\nnoch ehe der Ansuchende ausgeredet halte. Jedoch war\nsein Rechtsgefühl unzweifelhaft; liess man sich nicht ab-\nschrecken und gab ihm überzeugende Aufschlüsse, so be-\nharrte er keineswegs bei der ersten schroffen Entschei-\ndung, sondern ging auf die Sache ein. Sein Ordnungssinn\nmachte ihn zu einem Manne nach der Uhr: jeden Augen-\nblick sah er nach dem Zeiger, um die Minuten zu zählen,\ndie für dieses oder jenes, was gethan werden musste, be-\nstimmt waren. Wer nicht pünktlich war in allen Dingen,\nkonnte versichert sein, dass er ihn gehörig abkanzelte.\nDabei kannte er keinen Unterschied in der Person. Als\nder Marquis von Lauriston, Minister des Königlichen Hau-\nses, einmal bei einer Preis-Vertheilung im Conservatorium\nauf sich warten liess, empfing er ihn mit den Worten:\n„Sie kommen sehr spät, Excellenz!\" — So derb, wie er\nsein konnte, so fein und geistreich war er aber auch häufig\nin seinen Bemerkungen über Dinge, die ihm nicht recht\nwaren, die er aber nicht ändern konnte.\nWiewohl man ihm den Vorwurf machte, in der Lei-\ntung des Conservatoriums sich gar zu sehr um das Detail\nzu bekümmern und oft bis ins Kleinliche zu gehen, was\nnach den eben geschilderten Eigenheiten seines Charakters\nsehr wohl denkbar ist, so ist es doch keine Frage, dass\ner die Anstalt, welche unter der Ober-Aufsicht des Inten-\ndanten der Mcnus plaisirs des Königs, eines Herrn Pa-\npillen de la Ferte, sehr heruntergekommen war, wieder\nempor und sowohl durch seine wirkliche Leitui j, als\ndurch den Glanz seines Namens zu der Berühmtheit brachte,\ndie sie im Ganzen genommen noch immer geniesst.\nDie Zeit der Umgestaltung des Kaiserreiches in das\nKönjgthum von Goltes Gnaden brachte in alle Verhält-\nnisse so viel Unruhe und Veränderung, dass es sich leicht\nerklären lässt, wenn wir in Cherubini's Katalog seit der\nAufführung der „Abenceragen\" bis Februar 1814 nur\neine einzige Romanze verzeichnet finden. Seitdem erscheint\ner wieder thätiger, wenn auch meist nur bei Gelegenheits-\nstücken und „bestellter Arbeit\", wie man zu sagen pflegt.\nDahin gehörte seine Mitwirkung mit Catel, Boieldieu und\nNicolo an der komischen Oper Bayavd meh-\nrere Märsche für die pariser Nationalgarde und auch ein\nMarsch für ein prcussisches Regiment, endlich\neinige Gelegenheits-Cantaten mit Orchester.\nMerkwürdig ist es aber, dass er in demselben Jahre\nO T\n1814 sein erstes Violin-Quartett (in Es-dur) schrieb,\ndas erst viel später mit fünf anderen zusammen gedruckt\nwurde. Es scheint, als habe er sich durch das Arbeiten in\nder edelsten Gattung der Kammermusik gleichsam in dem\nHeiligthumc der reinen Tonkunst erholen wollen von den\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.4", "texte": "Forderungen der profanen Welt, die er vermöge seiner\näusseren Stellung nicht abweisen konnte.\nDie philharmonische Gesellschaft in London lud ihn\nEnde 1814 ein, nach London zu kommen, um Orchester-\nwerke für ihre Concerte zu schreiben und sie zu dirigiren.\nCherubini folgte linde Februar 1815 dieser Einladung\nund componirte binnen einigen Monaten in London eine\nConcert-Ouvertüre, eine Si n fon i e und eine „Hymne\nan den Frühling\" für vier Gesangstimmen und Or-\nchester, welche letztere einige Jahre später in Paris in\nDruck erschien.\nNach seiner Zurückkunft nach Paris im Juli dessel-\nben Jahres verlor er durch die Aufhebung der\nmusique das Gehalt, das mit der Inspector-Stelle verbun-\nden war, wurde aber im folgenden Jahre 1816, wie schon\noben erwähnt, zum Intendanten der Hofcapelle ernannt,\nwas ihm eine so bedeutende äussere Stellung verschaffte,\nwie er sie noch nicht gehabt hatte.\nEr war jetzt schon sechsundfünfzig Jahre alt, aber\ndennoch begann mit dieser Stellung eine Periode der ge-\nnialsten Tonschöpfungen bei ihm, und seine Thätigkeit und\nGeistesirische in diesem und den nächsten Jahren sind\nwahrhaft Staunenswerth.\nDer gewöhnliche Gottesdienst in der Capelle Ludwig's\nXVIII. und Karl's X. bestand in einer stillen Messe, wäh-\nrend deren die Capelle einige Gesänge vortrug, deren\nDauer nur so lang sein durfte, als der Priester die Messe\nlas. Diese Beschränkung war neu und unangenehm für\nCherubini, da sein Genie und seine Arbeitsweise im Ge-\ngentheil zu ausgedehnter Entwicklung der musicalischen\nGedanken hinneigten und er dieser Neigung manchmal bis\nzum Nachtheil in Bezug auf den Erfolg bei der Menge\nwenigstens in den Opern—nachgab. Dennoch brachte er\nes in Kurzem zu einem grossen Geschick in der vorge-\nschriebenen Form, und es ist während der vierzehn Jahre,\nin welchen er für den Dienst der Capelle schrieb, kein\nMusikstück aus seiner Feder hervorgegangen, das nicht\nvon den Kennern bewundert worden wäre. Die erwähn-\nten Umstände erklären den geringen Umfang und die we-\nniger durchgeführte Ausarbeitung der Motive in den Mes-\nsen Nr. 174, 196, 202, 211 im Kataloge seiner Werke\nund Nr. 8 des Supplements, wenn man sie mit den gros-\nsen Messen in F und in D-moll vergleicht.\nSelten wurde eine vollständige Messe in der Capelle\ndes Königs aufgeführt; die ganze Musik beim Gottesdienste\nbeschränkte sich sehr häufig auf ein Kyrie und ein Mo-\ntetto. Daraus erklärt sich denn auch die beträchtliche An-\nzahl von vereinzelten kirchlichen Gesängen, welche der\nKatalog aufführt. Man findet darin z. B. dreizehn Kyrie\nverzeichnet, die zu keiner Partitur einer Messe gehören;\ndessgleichen zwei Gloria,ein neun zwei\nSandus, zwei Agnus Dei,zwei vollständige Litaneien der\nheiligen Jungfrau, zwei Pater noster, zwei Tantum ergo,\nendlich siebenzehn mehr oder weniger ausgeführte Mo-\ntetten.\nZu dieser grossen Zahl von kirchlichen Compositionen\nkleineren Umfangs, welche übrigens hinreichten, einen\nTonkünstler berühmt zu machen, kamen nun noch die\nzwei grossen Meisterwerke, das erste Requiem, vierstim-\nmig mit vollem Orchester, zur Feier des Todestages Lud-\nwig's XVI., und die Messe zur Krönung Karl's X.\nWenn man auch in dem Requiem das Dies irae etwas zu\ndramatisch oder gar theatralisch und zu geräuschvoll fin-\nden kann, so ist doch der Stil aller übrigen Sätze so er-\nhaben und edel und voll tiefer Andacht, dass man das\nWerk zu den besten Compositionen des Meisters und über-\nhaupt der ganzen neueren Kirchenmusik zählen muss. Der\nletzte Satz drückt namentlich die Auflösung der mensch-\nlichen Lebenskraft und den Uebergang {zur ewigen Ruhe\nmit einer Einfachheit der Mittel und Tiefe der Empfin-\ndung aus, dass es die Seele ergreift und erbeben macht.\nEben so grossartig und, dem Charakter ihrer Bestim-\nmung gemäss, noch weil pomphafter und glänzender ist\ndie Krönungs-Messe. Als sie in einem Saale der Tuilerieen\nprobirt wurde, waren alle Anwesende auf der Stelle von\nS\nBewunderung ergriffen. Und doch war sie die Schöpfung\neines sechsundsechszigjährigen Mannes! Hummel, der in\nder Probe gegenwärtig war, rief ihm begeistert und un-\nwillkürlich zu: »Ihre Messe ist Gold, reines Gold!\"\n\nAus Paris.\n\n[Rössings Charit des Titans]\nDen 28. December 186 J.\nDer Ausschuss des Vereins für ein Denkmal Cheru-\nbini's in seiner Geburtsstadt Florenz hat bekanntlich einen\nAufruf zu Beiträgen für dasselbe erlassen. Die Concert-\nGesellschaft des Conservatoires hielt es für ihre Pflicht,\ndieser Aufforderung zu Ehren des langjährigen Directors\ndes pariser Conservatoires zu entsprechen, und veranstal-\ntete zu dem Zwecke ein grosses Concert, das am Sonntag\nden 22. December d. J. Statt fand. Alles, was Paris an\nKünstlern und Kunstfreunden aufzuweisen hat, strömte\nnach dem Concertsaale, der zu klein war, um den ganzen\nZudrang zu fassen.\nVon Cherubini selbst wurde die Ouvertüre zu\nAnakreon, der bekannte liebliche Frauenchor aus\nBlanche de Provence*)und die Introduction der Oper\n\n*) In Deutschland neuerdings mit Ciavier- oder Orgel-Begleitung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.5", "texte": "Elisa ou le Mont St Bernard gemacht. Dazu Beetho-\nven's C-moll-Sinfonie, eine Nummer aus der Balletmusik\nzum Prometheus und eine neue Composition von Ros-\nsini: Le Chant des Titans.\nDie Sinfonie, welche den Schluss machte, wurde, wie\nimmer, vortrefflich ausgeführt; die Ouvertüre zu Ana-\nkreon liess das Publicum kalt, wogegen es, bei seiner Vor-\nliebe für Virtuosenleistungen, die Nummer aus Prometheus\nmit dem Flöten- und Violoncell-Solo, von Dorus und Fran-\nchomme vorgetragen, da capo rief. Doch zur Hauptsache,\nzu Rossini's neuem, für dieses Concert und dessen Zweck\neigens geschriebenen „Titanen-Gesang\".\nFreilich konnte das Publicum schon aus dem Titel\nschliessen, dass hier keine anmulhige, süsse Tändelei und\nmelodische Verführung zu erwarten sein dürfte; allein der\nName Rossini schien einmal von dergleichen Gedanken\nunzertrennlich, und so wurde denn die Zuhörerschaft durch\nden losgelassenen furchtbaren Lärm und die diabolische\nKraftwirkung des Stückes dermaassen verblüfft, dass es\nvor Erstaunen und Schrecken die Wiederholung verlangte,\num vielleicht beim zweiten Male besser zur Besinnung zu\nkommen.\nDer Text des Unisono-Gesanges war auf dem Pro-\ngramme nicht abgedruckt; zu verstehen war davon kein\nWort, denn die vier „tüchtigen Kerle\", die sich Rossini\nvon der Direction der grossen Oper ausgebeten [vgl. Nr.\n44 vor. Jahrg., S. 350], sangen gratis und frustra, „um-\nsonst\" für Cherubini und für's Publicum, ein ganzer Chor\nvon Bassisten hätte seine Noth gehabt, um durchzudringen.\nDas Gedicht (?), nachher in der Musicalischen Zeitung ver-\nöffentlicht, beginnt gleich mit:\nGuerre! Massacre! Mort! Carnage!\nFils de Titan, que votre rage\nVenge enfin un trop long outrage\nPar le glaive exterminateur!\nHyperion! Coelus! Polypheme! Encelade!\nTous du ciel tentons l'escalade\nPour en chasser l'usurpateur:\nA Jupiter malheurl\nund endigt mit:\nEntassons sur Ossa,\nAtlas sur Etna (!),\nEn guerre!\nA nous le feu, le fer!\nMort k Jupiter!\nNun, Rossini hat sich nicht lumpen lassen, er hat dem\nDichter nichts geschenkt; Richard Wagner ist ein Pygmäe\ngegen den Titanen Rossini, der hier mit wahren Klang-\nExplosionen und wildem Wuthgeschrei, das wie das Ge-\nbrüll des verwundeten Kriegsgottes im Homer das Schlacht-\ngetümmel zweier Heere übertönt, den Himmel stürmt, so\ndass, wenn das Haus davon einstürzte, dies immer nur\neine kleine Wirkung der kolossalen Intention des Compo-\nnisten gegenüber sein würde. Die furchtbaren Accorde,\ndie Schroffheit und Härte der Modulation, der brutale\nCharakter der Figuren in allen Instrumenten, die sich\nhartnäckig wiederholen, weil die Titanen nicht nachlas-\nsen; dabei statt des Gesanges, von dem keine Rede ist,\nein wilder Schrei nach dem anderen, endlich ein chroma-\ntisches Aufklimmen der Sänger bis zu den höchsten Gi-\npfeln der Baritonstimmen, dazu ein Orchester, das auf\njeder Stufe der Leiter mit immer krachenderen Accorden\nauf jedem Halbtone nachrückt und endlich am Schlüsse\nwie aus dem Krater eines Vulcans mit Pauken und gros-\nser Trommel und Becken und Tamtam und Trompeten\nund Posaunen losbricht: kann es ein schreckhafteres\nTonbild der Giganten-Arbeit geben, die Berge aufthürmt?\nTriumph! Rossini, der Hohepriester der Melodie, der be-\nzaubernde Sänger, der sich seit Jahren in Schweigen ge-\nhüllt, „er ist unser!\" rufen die Realisten und Program-\nmatisten, und Verdi und Wagner neigen wohlwollend ihr\nHaupt dem Dritten im Bunde!\nGlücklicher Weise ist das Stück sehr kurz, wirkt aber\ndadurch um so betäubender, weil man nicht Zeit hat, sich\nan den Lärm zu gewöhnen, wie bei den anderen Klang-\nund Schall-Fabricanten. Mit Einem Worte: das Ding ist\nein Tonmeer-Wunder, und von dem Orchester kann man\nsagen:\nLe flot qui l'apporta,\n\n\\\nund deutscher Uebersetzung des Textes herausgegeben vom\nBureau de Musique von C. F. Peters. Berlin und Leipzig.\n11 S. kl. Fol. 12 Ngr. Die drei Stimmen 5 Ngr.\n- * *x ! 1 Die Redaction.\n\nB. P.\n\nAus Stuttgart.\nDen 25. December 1861.\nDie Erwähnung der hiesigen Aufführung von Hän-\nders „Athalia\" am 16. October 1860 in Nr. 49 Ihres\nBlattes (S. 388) veranlasst mich, Ihnen einige Mittheilun-\ngen über die Wirksamkeit des Vereins für classische\nKirchenmusik, der hier unter der Leitung des Herrn\nProfessors Dr. Faisst steht und zu den wenigen Gesang-\nInstituten Deutschlands gehört, die sich auf die Pflege\neiner bestimmten Gattung höherer Musik concentriren, zu\nmachen, wodurch die früheren Nachrichten über diesen\nVerein in Ihrer Zeitung sich ergänzen dürften.\nDie Aufführungen Händel'seher Oratorien durch den-\nselben finden seit dem Jahre 1858 immer mit der ori-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.6", "texte": "ginalen Instrumentirung unter Mitwirkung der Or-\ngel in einer Kirche Statt. In solcher Weise ist bis jetzt\nder „Messias\", der „Saul\" (beide zu wiederholten Malen),\n„Israel in Aegypten\" und „Athalia\" aufgeführt worden.\nMit Ausnahme des Israel, bei welchem die in der Ausgabe\nder Handel Society veröffentlichte Mendelssohn'sche Or-\ngel-Begleitung benutzt wurde, sind die Orgel-Partieen zu\njenen Oratorien, so wie auch zur Johannes-Passion,\nMesse und Weihnachts-Oratorium von J. Seb. Bach und\nzum Stabat Mater von Astorga, welche von dem Ver-\neine ebenfalls mit Orchester und Orgel aufgeführt worden\nsind, von Prof. Faisst bearbeitet worden. Wir haben\n7 /\ndurch die Wirkung dieser Aufführungen die Ansicht, die\nMendelssohn einmal gegen Dr. Faisst aussprach: „Die\nHändel'schen Oratorien sollte man eigentlich gar nicht\nanders als mit der Orgel aufführen, ausgenommen etwa\nden Messias, der von einem Meister wie Mozart instrumen-\ntirt ist\" vollkommen und sogar ohne die bezeichnete\nAusnahme bestätigt gefunden, womit aber natürlich ein\nErsatz der Orgel, wo sie nun einmal nicht zu haben ist,\ndurch andere Instrumente, also eine bis auf einen gewis-\nsen Grad neue Instrumentirung, nicht getadelt werden soll.\nIn diesem Winter ist am 10. September 1861 Hän-\nders „Saul\" in erwähnter Weise aufgeführt worden und am\nз. Dec. 1861 ein gemischtes geistliches Concert (in der\nLconhards-Kirche). Das Programm brachte im ersten\nf heile folgende Nummern: 1. Präludium und Fuge\nmoll) für die Orgel von Joh. Seb. Bach; 2. Motette,\nvierstimmig, Adoramm te,von Pal es Irina; 3. Festlied\nauf Maria Heimsuchung, fünfstimmig, von Johann Ec-\ncard, 1508: „Ueber's Gebirg' Maria geht\"; 4. Choral\n(jetzt auch unter dem Namen: „Mir nach, spricht Christus\"\nи. s. w.), fünfstimmig, von Joh. Herrn. Schein, 1628:\n„Mach's mit mir, Goltt nach Deiner Güt'\" ; 5. Motette,\nfünfstimmig mit Orgel-Begleitung, von Andreas Ham-\nmerschmidt (geb. 1611 zu Brix in Böhmen, gest. 1675\nzu Zittau): „0 Domine Jesu Chrisfe\"; 6. Sanctus, fünf-\nslimmig, ..von Alessandro Scarlatti (geb. 1658 zu\nNeapel, gest. 1725 ebendaselbst). Im zweiten Theile: 7.\nDen VIII. Psalm, für Alt (Solo und Chor) mit Orgel-\nBegleilung, von Benedetto Marcello (geb. 1680 in\nVenedig, gesl. 1739 in Brescia); 8. Cantate für Chor\nund Solostimmen mit Orgel-Begleitung (ursprünglich mit\nOrchester-Begleitung), von Joh. Seb. Bach: „Bleib' bei\nuns, denn es will Abend werden\"*). —6\n*) Es ist eine schöne Sache, wenn eine Kirchengemeinde und ihr\nVorstand es nicht für Vcrunheiligung halten, dass die reli-\ngiöse Tonkunst in ihrer Kirche eine Freistatt findet. Man frage\njeden Menschen, der die höchste Gabe Gottes: Vernunft und\nmenschliches Gefühl, nicht in Blödsinn oder Heuchelei ertödtefc\nhat, ob die gute Ausführung eines Programms, wie das obige,\nnicht trotz aller mangelnden Formen des äusseren Gottesdien-\nstes eine Verehrung Gottes, eine Erhebung der Seele zur An-\ndacht ist? Freilich, um eine solche musicalische Kirchen-\nfeier anzustellen, bedarf es nicht bloss der Orgel, sondern\nhauptsächlich auch eines Organisten, der als ein Musiker\nvon Fach die grossen deutschen Meister versteht und ihnen\nnachzueifern durch Talent, Fähigkeit und Fertigkeit im Stande\nist. Wo sind aber jeUt die Gemeinden, die wirkliche Or-\nganisten anstellen? Haben wir es nicht erlebt und erleben\nes noch täglich, dass fundirte Organisten-Gehälter eingezo-\ngen werden, um dadurch die Seh ullelrrer-Ste lle n zu\nverbessern? Dass die Lehrerstellen so schlecht sind, ist eine\nSchande für den Staat und für die betreffenden Gemeinden;\naber den Mageren dadurch kräftigen wollen, dass man dem\nGesunden die Nahrung entzieht, ucn jenen zu sättigen, das ist\ndie schlechteste Wirthschaft von der Welt. In Köln sind wir\njetzt um eine vortreffliche Orgel reicher: wir meinen die in\nder Trinitatiskirche der evangelischen Gemeinde; hoffentlich\nsteht zu erwarten, dass das schöne Werk nicht ein blosses\nSchaustück bleibt, sondern dass das Presbyterium alle Mittel\nin Anwendung bringt, um demselben eine würdige Behandlung\nEU sichern. Die Redaction.\n\nKarl Proske.\n\n(Nekrolog.)\nt-m ' • - . * ' V\nRegensburg, 26. Deceraber 1861.\nDr. Karl P roske war der Sohn eines Oekonomen\nzu Gröbnig in Schlesien, wo er im Februar 1794 gebo-\nren wurde. Seine bedeutenden Anlagen verschafften sich\ntrotz der hemmenden Verhältnisse, die ihn zum Stande\ndes Vaters drängten, Geltung, und er absolvirte mit acht-\nzehn Jahren zu Wien das Studium der Medicin. Als Feld-,\nspäter Begiments-Arzt machte er die Befreiungskriege mit\nund wurde dann, heimgekehrt, zum Kreisphysikus in Pless\nernannt, eine Stelle, die er eine Reihe von Jahren hin-\ndurch würdig ausfüllte. Die Bekanntschaft mit dem ver-\nstorbenen Bischöfe Sailer von Regensburg steigerte sei-\nnen Trieb zum Priesterstande zur That, so dass er im\nJahre 1826 Priester und im Jahre 1830 Canonicus am\nCollegiatstifle zur alten Capelle wurde, eine Würde, die\ner bis zu seinem Tode, trotz mehrerer, sehr ehrender An-\nerbieten, die ihm Aussicht auf die glänzendste kirchliche\nLaufbahn eröffnet hätten, bekleidete. Nun konnte er sich\nungestört der Erforschung und Wiederbelebung der Jahr-\nhunderte lang vergrabenen alten classischen Tonwerke\nwidmen. Er unternahm eine grosse Kunstreise, die fast alle\nbedeutenden Orte des Continerits, wo er Ausbeute lür sei-\nnen Zweck hoffen konnte, zumeist aber Italien, berührte.\nWas er allein in Rom, unterstützt durch Empfehlungen\nvon allen Seiten, leistete, klingt, beinahe unglaublich, in-\ndem er alles in den dortigen grossen Bibliotheken vorhan-\ndene Bedeutende eigenhändig copirte."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.7", "texte": "So hatte er denn unermessliche Schätze gesammelt,\nund nun stellte er sich zur Aufgabe, die Welt mit den\nFrüchten seines Fleisses zu beglücken. Wer kennt nicht\ndie weltberühmten, bei Pustet in Regensburg erschienenen\nSammelwerke: Musica divina und Selectus novus, wahre\nFundgruben der köstlichsten Producte der Blülhezeit clas-\nsischer Kirchenmusik. Der Umfang dieser Sammelwerke\nbeläuft sich auf mehrere Tausende von Folioseiten. In den\ndie einzelnen Bände begleitenden Vorreden ist eine Fülle\nder reichsten Erfahrungen und der scharfsinnigsten Be-\nobachtungen über Inhalt, Zweck und Aufführung jener\nMeisterwerke enthalten. Ausserdem gab Proske noch Scar-\nlatli's grosse Messe (Regensburg, bei Manz) und Palestrina's\nMissa Papae Marcelli (Mainz, bei Schott) authentisch\nnach den Originalien heraus.\nWie gewissenhaft er bei seinen Editionen verfuhr,\nweiss Referent zu beurtheilen, indem ihm vergönnt war,\nnebst seinem leider zu früh verstorbenen Bruder Georg,\nin näheren Beziehungen zu dem Verewigten zu stehen.\nUnterstützt von einer Bibliothek, deren Reichhaltigkeit im\nGebiete classischer Kirchenmusik keine Nebenbuhlerin\ndulden dürfte, war es ihm ermöglicht, die Kritik seiner\nEditionen durch Vergleichungen und ausschliessliches Be-\nnutzen von Originalien auf die strengste und correcteste\nWeise zu üben. Von seinen Compositionen, deren leider\nwenige sind, bewundern wir insbesondere einen Psalm\nprofundis. ,ganz im Geiste und der Weise der altclassischen\nTonschöpfungen. Dass einem Manne wie Proske auch das\nGebiet der neueren Tonwelt in Theorie und Praxis (er\nwar ausgezeichneter Ciavierspieler) völlig erschlossen da\nlag, brauchen wir kaum beizufügen.\nSein Wirken als Arzt, Priester und edler Menschen-\nfreund wird noch lange in unserer Stadt in gesegnetem\nAndenken bleiben. Sein Charakter war edel und gross,\nseine Liebenswürdigkeit und feingebildete Zuvorkommen-\nheit bezaubernd. Seit länger denn einem Jahre war er\nperiodisch wiederkehrenden schlagartigen Brustkrämpfen\nausgesetzt. Ein solcher raubte denn auch unerwartet schnell\nam 20. December, Abends 10 Uhr, der echt classischen\nKunst einen begeisterten Vorkämpfer, seiner Umgebung\neinen theuren, unvergesslichen Freund und unserer Stadt\neinen ihrer edelsten Männer.\nBei seiner Beerdigung sang der hiesige Liederkranz\ndas wundersam trostvolle Lied, welches der berühmte\nHand! (Gallus) sich selbst nach einem altdeutschen Texte\ndes Corner componirt hatte. Da in der Eile nur die Me-\nlodie zu finden war, ergänzte Referent das Fehlende und\nsetzte es für fünfstimmigen Männerchor, in Form und\nGeist jenes grossen Tonmeisters des Mittelalters, wohl\ndie passendste Nänie für den kunstbegeisterten Todten.\nBeim Gottesdienste wurde das fünfstimmige von\nOrlando di Lasso gesungen.\n\nDr. Mettenleiter.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliolilt In der „Musicalischen Gesellschaft\" haben wir in den\nletzten Versammlungen öfter Gelegenheit gehabt, fremde und einhei-\nmische Künstler in Solo-Vorträgen zu hören, was eine sehr ange-\nnehme Abwechslung in die Programme brachte, die sonst in der\nRegel nur Orchesterwerke bringen. So erregte der meisterhafte Vor-\ntrag des Violin-Concertes Nr. 11 von Spohr durch Herrn Concert-\nmeister Grunwald einen Enthusiasmus, wie er in diesem Verein©\nfast noch nicht erlebt war. ln einer anderen Sitzung (den 21.\nDecember v. J.) trug ein junger Künstler aus Madrid, Herr J. de\nMonasterio, Mitglied der Capelle der Königin und Professor am\ndortigen Conservatorium, Mendelssohn's Violin-Concert und eine mau-\nrische Elegie für die Violine von seiner eigenen Composition mit\ngrossem Beifalle vor. Er wurde für das sechste Gürzenich-Concert\n(den 28. Januar) engagirt. Ausserdem gewährte an demselben Abende\nder vortreffliche Vortrag der grossen Sonate von Mozart und der\nVariationen von Schumann für zwei Flügel durch die Herren\nSciss und Breunung einen grossen künstlerischen Genuss. ln\nder letzten Sitzung des vorigen Jahres (am 28. December) lernten\nwir in Herrn Giese, Professor am Conservatorium im Haag, einen\nsehr tüchtigen Violoncellspieler kennen. Er spielte den ersten Sata\neines Violoncell-Conccrtes von Moli quo und das Finale aus dem\nConcert militaire von Scrvais, beides mit ausgezeichneter Fertig-\nkeit und grossem Tone; jedoch ist seinem Vortrage etwas mehr\nFarbe und Wärme des Ausdrucks zu wünschen.\n-J- Unsere musicalischen Zustände haben sich seit der\nAnstellung des Herrn Brambach als städtischen Musik-Directors\nauf die erfreulichste Weise neu belebt und gehoben. Ueber die\nAbonnements-Concerte werde ich mir erlauben, Ihnen nächstens aus-\nführlicher zu berichten. Ausser denselben haben wir aber durch den\nzeitweiligen Aufenthalt des Herrn August Kömpel, der für den\nWinter sein Domicil bei uns gewählt hat und von hier aus seine\nKunstreisen macht, auch einen ausgezeichneten Cirkel für Kam-\nmermusik gewonnen, welchen mit diesem berühmten Violinisten\ndie Herren Brambach, W a 1 d b r ü 1, Reimers und Gerhards\nbilden. Die erste, sehr gut besuchte Soiree fand im Saale des gol-\ndenen Sterns am 5. December v. J. Statt und brachte zu Gehör: L\nViolin-Quartett von Mozart Nr. 10, D-dur. 2. Sextett für Piano-\nforte, zwei Violinen, Violen und Bass von C. J. Brambach, Op. 5.\n3. Violin-Quartett von Beethoven, Op. 95, F-moll. Das Zusam-\nmenspiel war vorzüglich ; man fühlte allgemein, dass sich lauter\ntüchtige Musiker brüderlich zu wahrhaft künstlerischer Leistung\nvereinigt hatten. Die Zuhörerschaft lohnte die Ausführung mit leb-\nhaftem Beifall und bis zum Schlüsse steigender Theilnahme; na-\nmentlich wurde auch der schönen, gediegenen Composition Bram-\nbachs der wohlverdiente rauschendste Applaus zu Theil.\n** Barmen. Das dritte Abonnements-Concert fand\nam 28. December v. J. Statt und bewies von Neuem durch die Wahl\nder Musikstücke und die Ausführung, dass unrer Concert-lnstitut\nim Fortschritt begriffen ist. Das Programm enthielt zur Eröffnung\ndie Sinfonie Nr. 8, F-dur, von Beethoven. Hierauf sang Herr\nKarl Schneider aus Wiesbaden den „Liederkreis an die ferne\nGeliebte\" von Beethoven mit Pianoforte-Begleitung. Den aweiten\nTheil füllte die Messe in C-dur, ebenfalls von Beethoven. E*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620104-01.1.8", "texte": "war also, wie Sie sehen, ein Beethoven-Concert zu Ehren des am\n17. desselben Monats geborenen Meisters. Die Auffassung der Sin-\nfonio im Allgemeinen und der Tempi im Besonderen durch Herrn\nMusik-Director Krause waren dem Geiste der Composition ent-\nsprechend; in der Leitung selbst hätte vielleicht etwas mehr Feuer\nnnd Leben sein können. Der sonst wackeren Capelle müssen wir\naber den Wunsch zu erkennen geben, sich den Ausdruckszeichen,\ndie ja bei Beethoven sehr zahlreich bestimmt sind und von aufmerk-\nsamen Musikern gar nicht übersehen werden können, etwas mehr\nau fügen, als dies besonders von den Blas-Instrumenten geschah.\nDie Trompeten machen im Orchester eine schöne Wirkung, wenn\nsie sich bewusst bleiben, dass sie Orchester-Trompeten sind, nicht\naber Militär-Signal-Instrumente!\nHerr Schneider trug den Kranz Beetboven'scher Lieder vor-\ntrefflich vor; doch dürfte die Composition schon durch ihre Länge\nmehr für einen engeren musicalischen Kreis, als für ein grosses\nConcert-Publicum passend sein.\nDie schöne Messe in C-dur gewährte einen rechten Genuss.\nDie Chöre waren sehr gut, und die Mitwirkung der Orgel (gespielt\nvon Herrn Gustav Ewald von hier) blieb in einem schönen Ver-\nhältnisse zum Klange des Ganzen. Viele Menschen haben freilich\nüber die Orgel bei kirchlichen Werken eine ganz verkehrte Mei-\nnung, indem sie an den Gemeindegesang in der Kirche denken und\ndemnach auch in der Messe oder dem Oratorium die Orgel durch-\ntönen oder vor schreien hören wollen. Das würde aber im Concert-\nsaale die Wirkung des Ensembles ganz und gar aufheben. Darin\nim Gegentheil, dass sich die Klangfarbe der Orgeltöne dermaassen\nmit don Chorstimmen und den Bass-Instrumenten vermählt, dass der\nLaie sie kaum unterscheiden kann, liegt eben das Schöne ihrer\nWirkung. Dio Solo-Partieen wurden von Fräulein Mann von hier,\nFräulein Niethon aus Köln, Herrn Karl Schneider aus Wies-\nbaden und Herrn Bergstein aus Aachen gesungen, wobei die So-\npranstimme durch ihre musicalische Sicherheit im Zusammenwirken\nersetzte, was ihr an Klangfülle gegen die übrigen zum Theil abging.\nAm folgenden Tage, einem Sonntage, hatten wir den grossen Ge-\nnuss, das Orgelspiel des Herrn Ferdinand Breunung aus Köln\nin der Kirche zu bewundern, wo dieser treffliche Künstler durch\nden Vortrag des Präludiums und der Fuge in C-moll von J. Seb.\nBach und einer Orgel-Sonate von Mendelssohn wahrhaft in Er-\nstaunen setzte.\nA OTaiinßaeiiM, 26. Deceiuber 1861. Gestern fand hier von\nden drei musicalischen Akademieen, welche unser Opern-\nOrohester unter V. Lachner's Leitung auf Abonnement im grossen\nSaale des Theaters veranstaltet hat, die zweite Statt. Das Orchester\nspielte eine interessante Suite von Franz Lachner für Orche-\nster, welche, wenn ich nicht irre, beim letzten Musikfeste in Aa-\nchen aufgeführt worden ist, und am Schlüsse Mende ls so h n's\nOuverturo zu Ruy Blas. An Gesangsachen hörten wir dio Solo-Vor-\nträge von Fräulein Anna Reiss (Mirjam's Siegsgesang von K.\nReine ckc und eine Arie aus Rossini's Semiramis) und drei Chöre\nvon Palestrina, Heinrich Schütz und Arcadelt. Eine ganz\nbesondere Zierde des Abends waren die Vorträge des Herrn Au-\ngust Kömpel, der Beethoven's Violin-Concert und ein Solo-\nstück mit ausserordentlichem Beifall spielte, so dass er allgemein\naufgefordert wurde, ein besonderes Concert zu geben, wozu ihm Ca-\npellmeistcr Lachner und das Orchester, von seinem Spiel entbusias-\nmiit, ihre unentgeltliche Mitwirkung zur Verfügung stellten. Für\njeUt haben ihn aber die in Holland eingegangenen Verbindlichkeiten\nwieder dorthin zurückgerufen. Wir erwarten aber, ihn Ende Januar\nwieder tu sehen.\n** im December 1861. Die auch in weiteren\nKreisen oft besprochene Differenz zwischen den Herren Niemann\nund Scholz ist dieser Tage in ein neues Stadium getreten und\ndamit hoffentlich beendet. Bekanntlich ist Herr Niemann vor IV?\nJahre wegen Beleidigung des Capellmeisters Scholz zu vier Wochen\nGefängniss verurtheilt worden und hat drei Wochen davon wirklich\nabgebüsst, während ihm die letzte Woche auf Fürbitte seines Geg-\nners im Wege der Gnade erlassen wurde. Nun wollte Herr Niemanu\nnicht mehr unter der Direction des Capellmeisters Scholz auftreten,\nund dieser erklärte dagegen, falls Herrn Niemann diese Forderung\nbewilligt werde, von der k. Hofbühno abgehen zu wollen. Se. Ma-\njestät der König entschied, Herr Niemann solle nach wie vor unter\nLeitung des Herrn Scholz singen, Herr Niemann blieb jedoch gegen\nden Befehl des Königs renitent, und es wäre voraussichtlich zu\nneuen Conflicten gekommen, wenn nicht Capellmeister Scholz, nach-\ndem sein gutes Recht Allerhöchsten Orts bestätigt war, darauf hin\nselbst beantragt hätte, man möge ihn von der Direction der Opern,\nin welchen Herr Niemann beschäftigt sei, dispensiren. Die Intendan»\nhat diesem Wunsche entsprochen und Herrn Scholz für die abgetre-\ntenen Opern eine Anzahl anderer zur Direction überwiesen. Se. Ma-\njestät der König hat dieses Arrangement der Angelegenheit geneh-\nmigt, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass dadurch an\nden dienstlichen Verpflichtungen der Herren Niemann und Scholz\nnichts geändert sei, und dass erforderlichen Falls Herr Scholz auch\ndiejenigen Opern zu dirigiren habe, in denen Herr Niemann singen\nmüsse. Es ist sehr zu wünschen, dass damit diese Angelegenheit,\nunter deren Einfluss das Repertoire der Oper bisher sehr gelitten\nhat, definitiv erledigt sei.\nAlfred Jaell hat in den letzten acht Wochen einen siegrei-\nchen Virtuosen-Feldzug durch die Schweiz gemacht und ist in\nden bedeutenderen Städten der deutschen und namentlich der fran-\nzösischen Cantone mit Beifall und Auszeichnungen aller Art über»\nhäuft worden ; auch an Serenaden und Deputationen der musicali-\nschen Vereine hat es nicht gefehlt. Der eminente Pianist hat über\ndreissig Concerte in Genf, Lausanne, Vevay, Neufchatel,\nBiel, Bern, Solothurn, Zürich, Zofingen, Chur, St.\nGallen, Schaffhausen, Winterthur u. a. w. gegeben. Er ist\nEnde des Jahres nach Deutschland zurückgekehrt, wird über Mainz\nnach Hannover gehen und nach einigem Aufenthalte daselbst in\nHamburg (im philharmonischen Concerte den 14. Februar), Leip-\nzig, Berlin, Braunsch weig} Breslau u. s. w. spielen."}]}