{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_sha256": "61c354491c57cad607e5682acdcd0d792ff85849de24d8f241f9cf0ad8353624", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/01/11_01/bmtnabi_1862-01-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 425, "texte": "Inhalt.\nLobe's „vereinfachte Harmonielehre\". Aus Frankfurt am Main. Ein altes Lied mit neuem Text. Von A. Schind-\nler. Aus Dresden (Musik-Productionen, Oper). Von Louise Nitzsche, geb. Kindscher. Aus Mainz (Concert). Tages- und\nUnte rh al tun gs b latt (Köln, Dritte Soiree für Kammermusik, Gürzemcb-Concert, Kölner Sängerbund Wiesbaden, Hillens Oper ..Die\nKatakomben\" Amsterdam, Concert, Musikfest, August Kömpel, Davidoff)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "11", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.2.2", "titre_corps": "Lobe’s „vereinfachte Harmonielehre“.", "titre_sommaire": "Lobe’s „vereinfachte Harmonielehre“.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.1", "debut_caractere": 427, "fin_caractere_exclue": 4196, "texte": "Lobe’s „vereinfachte Harmonielehre“.\nDie Bemühungen Lobe's, die Tonsatzlehre in seinen\nSchriften möglichst einfach und praktisch hinzustellen, sind\nim Allgemeinen gewiss sehr dankenswerth. Man darf ihm\nauch keineswegs gram darüber sein, wenn er in diesem\nBestreben alte Regeln, welche sich durch Vergleichung\nmit anerkannter Praxis oder durch unbefangenere und\ngründlichere theoretische Untersuchung als unberechtigt\noder doch als nicht absolut gültig erweisen, über Bord\nwirft oder auf ihr berechtigtes Maass zurückführt. Wie\nes aber bei solchem Aufräumen zu kommen pflegt, dass\ndas gehörige Maass in der Polemik und Negation über-\nschritten wird, so ergeht es auch dem genannten Tonleh-\nrer nicht selten und ganz besonders in der kürzlich unter\nobigem Titel veröffentlichten Schrift.\nOhne mich auf eine vollständige Kritik derselben ein-\nzulassen, kann ich mir doch nicht versagen, einige Haupt-\nbedenken gegen die darin vorgebrachten Theoreme hier\ndarzulegen Bedenken, nicht vom Standpunkte vorurtheils-\nvoller Theorie, sondern rein vom Standpunkte der Praxis\naus.\nDie Schrift ist ursprünglich „für Dilettanten\" be-\nstimmt; für diese wird im ersten Theile „die Lehre in\npositiver Form so kurz und verständlich als möglich vor-\ngetragen\" (Vorrede, S. VI.). Ein zweiter Theil ist sodann\n„dem Versuche gewidmet, die bisher positiv vorgetrage-\nnen Lehren, sofern sie neu sind, zu rechtfertigen, sofern\nsie noch in der alten Form dargestellt wurden, freier zu\nfassen, um die heutige Theorie mit der heutigen Praxis in\nbessere Uebereinstimmung zu bringen, als es bis jetzt der\nFall gewesen\" (S. 112). Dieses Neue, beziehungsweise\ndie freiere Fassung der alten Theorie, läuft der Haupt-\nsache nach auf Folgendes hinaus:\nAlle zwei-, drei- und vierstimmigen (soll heissen:\n„vierfachen\") Terzenbaue sind Stamm-Accorde (S. 112).\nSomit hat auf jeder Stufe sowohl der Dur- als der Moll-\nTonart ein leitereigener Dreiklang, Septimen- und Nonen-\nAccord seinen Sitz, wozu noch mehrfache alterirte Accorde\naller drei Gattungen kommen. So steht insbesondere auch\nauf der ersten Stufe der J/os-Tonart (welche mit Recht\nmit permanenter Erhöhung der siebenten Stufe angenom-\nmen wird) ein Septimen-Accord {a c e gis), und Nonen-\nAccorde, wie auf allen anderen Stufen, so insbesondere in\nDur auch auf der siebenten (h d f a c), in Moll auch auf\nder ersten (a c e gis h), sechsten {face gis) und sieben-\nten (gis h d f a)\\\nUnter diesen Accorden finden sich allerdings solche,\n„die nach dem bisher geltenden Begriffe von Grund-\nharmonieen nicht zu gebrauchen sind, und es gibt ferner\nwelche darunter, die bis heute noch gar nicht in der Form\nvon Stamm-Accorden (nach den bisherigen Begrif-\nfen) in der Praxis ausgeübt worden sind\" (S. 114). Aber\ndiese bisherigen Begriffe sind eben falsch, indem sie auf\ndem Vorurtheile beruhen, als ob viele dissonirende Har-\nmonieen nur mit Vorbereitung erscheinen dürften, und\nnoch viel mehr auf dem Vorurtheile, als ob jeder dissoni-\nrende Accord die Fähigkeit zu einer regelmässigen „Auf-\nlösung\" haben müsste während in der That „alle Ac-\ncorde frei eintreten können\" (S. 119) und „nicht der Be-\ngriff „„Auflösung\"\", welcher nur ein beschränktes\nMerkmal der dissonirenden Accorde ist, sondern der Be-\ngriff „„selbstständige Fortschreitung\"\", welcher\nalle Phänomene selbstständiger dissonirender Jauch conso-\nnirender) Harmonieen umfasst, das Wesen der Stamm-\nAccorde bestimmt\" (S. 124). Der „einfache Hauptbegriff\"\nvon dem Wesen der Accorde ist daher nach Lobe, dass\njeder Zusammenklang, der, einzeln vorgestellt, sich als ein\nAccord seines Harmonie-Systems erweis't, „auch ein wirk-\nlicher Accord ist, es mag ihm eine Harmonie vorhergehen\nund folgen, welche wolle\" (S. 130, 133). Natürlich gilt\ndies auch bezüglich der Zusammenklänge, welche sich als"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3596, "texte": "Umkehrungen auf einen von Lobe's Stamm-Accorden zu-\nrückführen lassen,— wie denn der Verfasser S. 125 vom\nHaupt-Nonen-Accord in Dur alle vier Umkehrungen auf-\nstellt und durch seine Erklärung des Zusammenklangs fis\ngis h d eis im dreizehnten Tacte der H-moll-V aus\ndem wohltemperirten Ciavier (Vk-Taot) als vierter Um-\nkehrung des Nonen-Accords der siebenten Stufe von Fis-\nmoll(S. 209) beweis't, dass er allen seinen Nonen-Accor-\nden ihre vier Umkehrungen zuerkennt.\nSobald wir uns nun, heisst es weiter, zu jenem „ein-\nfachen Hauptbegriffe erheben und bekennen, sind auch\neine Menge Mehrdeutigkeiten und Zweifel sogleich besei-\ntigt, und es ist ein grosser Schritt zur Vereinfachung und\nErleichterung der ganzen Harmonielehre gethan\" (S. 130);\nzugleich „vermehren sich dann auch die Harmonie-Ver-\nbindungen bedeutend\" (S. 133), sofern wir mit Zusam-\nmenklängen, welche die alte Theorie durch Annahme von\nVorhalten, VVechselnoten, Durchgangs- oder Schein-Ac-\ncorden oder von Orgelpunkten erklärt, welche aber nach\nLobe's System wirkliche Accorde sind, „wohl auch noch\nandere freie Fortschreitungen versuchen und zulässig fin-\nden\" können, als die, welche nach jener Erklärungsweise\nallein gerechtfertigt wären (S. 148). Die Lobe'sche Ver-\neinfachung besteht also darin, dass, wie S. 134 —l5O\naus einander gesetzt wird, kein Zusammenklang als auf\nVorhalten, Wechsel- und Durchgangsnoten oder einem\nOrgelpunkte beruhend anzusehen ist, wenn sich seine Töne\nirgend auf einen drei-, vier- oder fünfstimmigen Terzen-\nbau zurückführen lassen. Es gibt hiernach wohl Gestal-\ntungen „in der Form von Vorhalten, die aber keine wirk-\nlichen Vorhalte sind, wenn keine harmoniefremden\nTöne darin zu sehen und zu hören sind\" (S. 141); es\nkönnen Accorde „in einer Form erscheinen, welche der\nWechselnote unserer gewohnten Ansicht nach ähnelt, aber\nkeineswegs gleicht, wofern ihr das wesentliche Kennzei-\nchen der Wechselnote, harmoniefremd, fehlt\" (5.143)\nu. s. w. Um über diese fast unglaubliche Lehre gar kei-\nnen Zweifel übrig zu lassen, mögen hier noch einige Citate\nstehen. „Jeder harmonische Zusammenklang, der wie ein\nAccord aussieht, d. h. auf einen Bau von zwei, drei oder\nvier Terzen zurückgeführt werden kann, ist ein Accord,\nmag er von der kürzesten oder längsten Dauer sein\" (S.\n147), und (wie es S. 164 bei Gelegenheit eines speciellen\nAccords heisst): „wie alle Accorde, kann auch der über-\nmässige Dreiklang auf die verschiedensten Weisen, in den\nmannigfaltigsten Folgen und Verbindungen, leitereigen\nund ausweichend, in den längsten und kürzesten Noten-\ngeltungen und Tempo-Arten gebraucht werden, Gestalten\nannehmen, die einem Durchgang u. s. w. ähneln, aber er\nbleibt doch überall, was er ist, der übermässige Dreiklang,\nder seinen legitimen Sitz auf der dritten Stufe der\nTonart hat\".\nNun gut! Zur Veranschaulichung von Lobe's Auffas-\nsung der verschiedenartigsten Zusammenklänge und, wie\nich glaube, zugleich als kurzen und schlagenden Beweis\nvon deren Unhaltbarkeit setze ich ein einziges Beispiel her.\nEs ist auf ein Linien-System, das obere, zusammenge-\ndrängt; auf dem unteren System ist dasselbe nach unseres\nVerfassers Theorie und Darstellungsweise auf seine „Grund-\nharmonieen\" zurückgeführt (ohne Rücksicht auf Stimm-\nführung), und darunter sind, ebenfalls nach Lobe's Weise,\ndiese Harmonieen nach ihrer Gattung und ihrem Sitz in\neiner bestimmten Tonart bezeichnet (wobei z. B. 5 den\nDreiklang, 5 den Septimen-Accord, s—etwas5—etwas verschieden\nvon der Bezeichnung des Verfassers den Nonen-Accord\nder fünften Stufe, ein -j- hinter der Ziffer aber einen alte-\nrirten Accord bedeutet."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2331, "texte": "Ob wohl Herr Professor Lobe, wenn er dies lies't,\nnicht selbst vor einer solchen Auffassung sich entsetzt?\nUnd doch kann er nicht läugnen, dass sie ganz seiner\nTheorie und den im zweiten Theile seines Buches dazu\ngegebenen Beispielen mit deren Erklärungen entspricht.\nEs ist hier keine einzige Note, auch die Neben- und Nach-\nschlagsnoten der Triller nicht ausgenommen, welche nach\ndieser Theorie als Orgelpunkts-, Vorhalts-, Wechselton-\noder Durchgangs-Gestaltung gelten dürfte, denn jeder Zu-\nsammenklang lässt sich auf einen Dreiklang, Septimen-\nAccord oder Nonen-Accord, und zwar auf einen der im\nBuche aufgestellten, zurückführen, also Alles rein harmo-\nnisch, lauter wirkliche Accorde! Wer noch eines Beweises\nbedarf, wie monströs unsinnig eine solche Auffassung ist,\nmöge sich nur einmal die beiläufig zwanzig Zusammen-\nklänge genauer ansehen, welche ich zwischen den Noten-\nSystemen mit Buchstaben bezeichnet habe, weil sich bei\nihnen die accordmässige Erklärung so ziemlich am tollsten\nausnimmt. Die Wechselnoten (nach Lobe's Benennung S.\n68) bei a und b werden als Grundton, beziehungsweise\nNone eines Nonen-Accords, betrachtet, der Grundton der\nVorhalts-Gestaltung c als Septime, die Wechselnoten d,\ne, f, i, k, 1 wieder als harmonische Intervalle von Nonen-\nAccorden, und zwar fast alle als Grundton oder None, die\nbei g als Septime eines Septimen-Accords, so dass wir also\nbei g einen Secunden-Accord, bei f und k je die letzte\nUmkehrung eines Nonen-Accords haben; bei m wird der\nVorhaltston zum Grundtone eines Nonen-Ac-\ncords gestempelt, der wahre Grundton aber zur Quinte\nund die Quinte zur None; bei n— q werden wieder die\nVorhalts- nnd Durchgangs- oder Wechselnoten (o und p\nliessen sich auch als Orgelpunkts-Gestaltung auflassen) zu\nGrundtönen von Septimen- und Noiien-Accorden, der\nBasston aber zum dissonirenden Intervall; bei s und v wird\ngar der Grundton des schlussbildenden tonischen Drei-\nklangs, weil dieser mit Vorhalten versehen ist, als None\neines Nonen-Accords der siebenten Stufe und als Quinte\neines solchen der vierten Stufe, die Vorhalt-Töne eis und\ng aber als Grundtöne dieser Accorde ausgegeben! Kurz,\nes zeigt sich hier an diesem kurzen und doch gewiss auch\nnicht übermässig complicirten Beispiele oft genug eine\nganz widersinnige Verkehrung aller harmonischen Ver-\nhältnisse.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "13", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.3", "debut_caractere": 2333, "fin_caractere_exclue": 3525, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nEin altes Lied mit neuem Text.\nVon A. Schindler.\nI.\nWer den von der Kritik oft und oft gerügten Irrthü-\nmern auf dem praktischen Gebiete der Musik theilnehmend\nfolgt, und zwar in der Hoffnung, es werde vielleicht bei\nder Mehrzahl die Irrenden zu einer Sinnesänderung und\nbesseren Erkenntniss führen, der gibt sich arger Täuschung\nhin, ja, er darf gefasst sein, von der Menge der Befange-\nnen den eigensinnigen und verbitterten Kritikern zuge-\nzählt zu werden, deren Ermahnungen keiner Beachtung\nwerth seien. Im Allgemeinen gleichen die Kesultate der\nKunstkritik heutzutage den von der Kanzel ausgehenden,\nan die Gemeinde gerichteten Sittenlehren. Hören wir, wie\nder in seinem heiligen Berufe emsig strebende Seelsorger\nsich nach den Resultaten seiner dreissigjährigen Bemühun-\ngen umsieht und sich gestehen muss, dass die sittlichen\nZustände der ihm anvertrauten Herde von Jahr zu Jahr\naus mancherlei Gründen sich verschlimmert haben, auch\ndarum noch, weil die hohe Landes-Regierung durch Con-\ncessionirung einer Menge von Bier- und Branntweinschen-\nken diesen Zuständen Vorschub leistet, so lassen sich auf\nunserem Gebiete nicht wenig Gründe für die sich darauf\n~\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5382, "texte": "kundgebenden Erscheinungen auffinden, die mit jenem dort\neine Parallele aushalten. Immer, wenn ich mich in letz-\nter Zeit einer kritischen Danaiden-Arbeit unterzog, ist es\nmit dem Vorsatze geschehen, dass es die letzte sein solle,\num die Summe von Täuschungen nicht noch zu vergrössern.\nAllein die fortan in fast ungeschwächter Kraft in mir\nwirkende Liebe zur Kunst machte alle diese Vorsätze zu\nnichte und trieb mich immer wieder in ihrem Interesse\nin die Arena. So heute dessgleichen, und soll das Vorlie-\ngende den in den Cäcilien-Vereins- und Museums-Concer-\nten allhier zu Frankfurt sich offenbarenden Irrthümern\nvorzugsweise gewidmet sein.\nVoraus mag bemerkt werden, dass mein bisheriges\nSchweigen zu diesen Dingen keineswegs auf ein Einver-\nstandensein damit schliessen lassen darf, wie Verschiedene\nglauben wollen; der Grund dieses Schweigens ist kein an-\nderer, als Wahrung der Gemüthsruhe, darum ich für ge-\nrathsam fand, den Auflührungen im vorigen Winter mög-\nlichst auszuweichen, da ich schon bei Anhörung der bei-\nden ersten Museums-Concerte im November 1860 die\nUeberzeugung gewonnen hatte, dass die Auffassungsweise\nclassischer Instrumental-Musik bei dem jetzigen Dirigen-\nten dieselbe geblieben, wie sie mir aus den Vereins-Con-\ncerten in den Jahren 1847 und 48 IU Münster bereits\nbekannt geworden war.\nHätte Herr Müller wohlgemeinte Winke hinsichtlich\nseiner Verfahrungsweise beachten wollen, so müsste diese\nlängst eine andere sein, daher weiteres Berühren über-\nflüssig machen. Gleich bei Beginn seiner öffentlichen\nWirksamkeit im Museum äusserte ein Referent im Feuil-\nleton der N. Frankfurter Zeitung (Nr. 168): „Der Diri-\ngent habe mit einem ganz neuen Tempo, genannt „„Ue-\nberstürzung\"\", oder auch „ „Jagen\"\", überrascht.\" Aehn-\nlich lautende Bemerkungen waren im Verlauf der Dinge\nin demselben Blatte wiederholt zu lesen. Insbesonders soll\neiner nach Aufführung der Bach'schen e am\nCharfreitag gleichfalls in jenem Blatte befindlichen Kritik\n(die auch in Nr. 16 dieser Musik-Zeitung Aufnahme ge-\nfunden) hier Erwähnung geschehen, weil sie offenbar aus\nkundiger Feder geflossen und der Leistung im Allgemei-\nnen und Speciellen, so durch Lob wie Tadel, gerecht zu\nsein bestrebt war. Auch darin fanden sich mehrere Sätze\nder Messe, als in der Bewegung zu geschwinde, dem kirch-\nlichen Charakter somit nicht angemessen, bezeichnet. Diese\nbeachtenswerthe Kritik schloss mit nachstehenden Wor-\nten: „Es ist eine längst bekannte Thatsache, und jeder Di\nrigent weiss es, dass, je grösser der sich bewegende Kör-\nper ist, desto langsamer die Bewegung sein muss; aber\nnicht jeder Dirigent ist dessen immer eingedenk, nicht je-\nder hat immer die erforderliche Ruhe und Selbstbeherr-\nschung .. . Wir hoffen aber auch, dass die Zeiten bei\nuns nicht mehr wiederkehren werden, wo der Director ei-\nnes Vereins die wohlgemeintesten Winke verschmäht.\"\nNoch eine andere, nicht weniger beachtenswerthe\nStelle soll aus jener Kritik hier Platz finden; diese lautet:\n„Die Aufführungen (derU-moll-Messe) unter Schelble las-\nsen wir hier ausser Betracht, denn zwischen dem Cäcilien-\nVerein, der Kunst-Anstalt von damals und dem jetzigen,\nliegt eine Kluft, die sich immer mehr zu erweitern scheint.\"\nWahrlich, ein betrübendes Geständniss! Es besagt zu\ndeutlich, dass der von Schelble seiner Schöpfung aufge-\nprägte Charakter nicht mehr besteht, dass folglich die von\nihm herrührenden Traditionen in jeder Beziehung bereits\nverschwunden sind. Wen sollte dies nicht zum Nachden-\nken bewegen?\nHat nicht etwa der verstorbene Messer zu dieser\nAenderung der Dinge schon den Grund gelegt? Möglich.\nAchtungswerthe Männer, die dem Gründer dieses Vereins\nbis an sein Lebensende zur Seite gewesen und noch mit\nuns wandeln, wollen dies behaupten. Sollte aber Messer\nden unmittelbar von Schelble überkommenen Traditio-\nnen, sowohl in Bezug auf angemessene Tempi wie auf\nSchattirung des Vortrags, bis zu einem gewissen Grade\nwirklich ungetreu geworden sein, so war dies nur vorüber-\ngehend und lag zunächst in äusseren Veranlassungen. Man\nerinnert sich, wie nachtheilig die politischen Ereignisse der\nJahre 1848 und 49 auf alle Kunst-Anstalten rückgewirkt\nhaben. Was sich davon im Weichbilde dieser Mainstadt\nbegeben, konnte nicht anders denn lähmend auf die Be-\nstrebungen des Cäcilien-Vereins und seines Dirigenten ein-\nwirken. Jeder Andere an Messer's Stelle würde gleich ihm\nlässig geworden sein, wenn er häufig kaum ein Drittel der\nMitglieder in den Proben und die Gesammtzahl derselben\nmehr und mehr im Abnehmen begriffen hätte sehen müs-\nsen. Solchem in Wahrheit eingetretenen lethargischen\nZustande des Vereins kam das Entstehen des Rühl'schen\nVereins Anfangs 1853 zu Hülfe. Messer und der von\nihm geleitete Verein ermannten sich plötzlich, denn in dem\njungen Vereine hatte sich zu offenbar ein mit allen erfor-\nderlichen Eigenschaften ausgerüsteter Nebenbuhler gezeigt,\nder gleich beim Beginn seines Auftretens zu Vergleichen\nmit dem alten herausgefordert hat, die dessen Ehre und\nRuhm gefährlich zu werden drohten.\nIn welchem Grade dieser neuerstandene Verein auf\nden alten und dessen Dirigenten förderlich eingewirkt,\nbezeugte schon die nächste Aufführung des Händel'schen\nJosua im November desselben Jahres. Zur Constatirung\ndieser plötzlichen Wendung mag eine Stelle aus meinem\nBerichte über diese Aufführung in Nr. 23 dieser Musik-\nZeitung von 1853 in Erinnerung gebracht werden, des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5058, "texte": "Wortlauts'. „... Die Aufführung des Josua muss fast in\nallen Theilen ganz ausgezeichnet, musterhaft genannt wer-\nden. Von der bestehenden Gewohnheit, die Soli von meist\nganz Unfähigen vortragen zu lassen, war diesmal abgegan-\ngen. Es standen fünf ihrer Aufgabe gewachsene Sänger,\ndarunter Hr. Ca spari und die geschätzte, im declamato-\nrischen Vortrage meisterlich bewanderte Fräulein Diehl\n(in der Partie des Othniel) den aufs sorgfälligste ausgefeil-\nten Chören zur Seite und gewährten den Zuhörern einen\nIlochgenuss, wie er dort in so schönem Einklänge ziemlich\nlange nicht geboten worden.\"\nWill man gerecht sein, so muss zugestanden werden,\ndass die Leistungen dieses Vereins sich bis zu Messer's Ab-\ntreten im Januar 1860 im Ganzen auf der Höhe vor dem\nJahre 1848 erhalten haben. Was seinen Nebenbuhler\nbetrifft, so hatte sich dieser schon 1855 mit einer vortreff-\nlichen Aufführung von Beethoven's worüber\ndiese Blätter zu sagen wussten, dem anderen vollkommen\nebenbürtig bewiesen. Es war überhaupt eine Lust, den\nBestrebungen beider Gesangskörper zu folgen, zumal jede\nAufführung dem Kenner deutliche Beweise von vorhande-\nner Gesangskunde bei beiden Dirigenten geliefert hat, die\nbekanntlich mehr denn andere Eigenschaften vor Irrthü-\nmern zu schützen vermag. Und dieses Schutzmittel schien\nin erhöhterem Grade bei Messer, als bei Hühl, auf Maass-\nhalten bei Allegro-Sätzen eingewirkt zu haben. Dass übri-\ngens der Erstere seit seinem Knabenalter den Gesang cul-\ntivirt hat, ist ja bekannt.\nEin wesentlich Anderer war Franz Messer der Instru-\nmental-Musik gegenüber. Bei Berührung dieses Punktes\nmuss ich es mir zur Stelle versagen, die theils positiven,\ntheils nur muthmasslichen Gründe anzuführen, die bewir-\nken, dass nicht jeder Dirigent in richtiger Auffassung und\ngeschickter Leitung von Vocal- und Instrumental-Musik\ngleich glücklich ist, wie dies die Erfahrung lehrt. Solche\nAuseinandersetzung würde, da sie die meist nur geringe\nBefähigung der Opernmusik-Dirigenten bei Oratorien- und\nInstrumental-Werken hinzuziehen müsste, diesen Aufsatz\nzu weit ausdehnen. *) Ueber Messer in dieser Beziehung\nHeisst es schon in Nr. 45 dieser Musik-Zeitung von 1854\nu. A.: „Es passirt diesem Orchester-Director selten, dass\ner im Eingänge eines Allegro-Satzes das entsprechende\nTempo vergriffe; aber was wird daraus, oft schon, bevor\ndas zweite Hauptmotiv eingetreten? Das einfache Allegro\nist schon in ein Molto ausgeartet und wird von Periode\nzu Periode immer schneller, so dass es als Presto endigt.\nIm Gleichen widerfährt es jedem Andante, es endigt in\nder Regel als Allegretto\" u. s. f.\nDiese Anführung zeigt, wie wenig Messer dem eilen-\nden Orchester zu widerstehen vermochte, mit dem er durch\nDick und Dünn zu laufen ptlegte, ohne an die fast in je-\ndem Satze sich darbietenden Momente, die zu schnell ge-\nwordene Bewegung in etwas zu ermässigen, nur zu den-\nken. Die Maschine war einmal im Laufen, lief daher ohne\nBecollection bis zum letzten Tacte lort. Dieses den Ton-\nwerken Unheil bringende Verfahren hatte sich in den letz-\nten Lebensjahren Messer's, theils in Folge zunehmender\nNervosität, theils aus anderen Gründen, auf einen so hohen\nGrad gesteigert, dass ich in Nr. 2 dieser Zeitung von 1859\nzu erklären veranlasst wurde, dass derjenige, der einstens\nnach Messerden Platz am Dirigentenpulte im Museum\neinzunehmen berufen sein werde, falls er ein umsichtiger, in\nden Geist der Werke eingehender, aber auch fühlender\nOrchester-Führer ist, neun Zehntel aller classischen In-\nstrumental-Musik von Grund auf mit dem Orchester ein-\nstudiren müsse. Nur zu bald ist jener Platz mit einem\nNachfolger besetzt worden. Seit dessen Amtsantritte ist\nmehr als ein Jahr vergangen, ein viel längerer Zeitraum,\nals nöthig, um nach allen Seiten Umschau zu halten, wie\nsich denn die Dinge seitdem gestellt, ob sie nicht gar aus\ndem Regen unter die Traufe gerathen seien, ob das Maass\nder Irrthümer das frühere nicht noch überschreite.\n\n) Diese Aeusserung darf zu keiner Missdeutung Anlass geben.\nTheater- und Kirchen-Musik sind ihrem Wesen nach weit ab-\nstehende Zweige der Tonkunst, deren jede den ganzen Mann\nin Anspruch nimmt» Es kann daher nicht verkannt\ndass eine andauernde Beschäftigung mit Opern-Musik den Sinn\nfür den anderen Zweig abschwächt; aber auch umgekehrt.\nDass das gegenwärtige Opern-Repertoire zu Dreiviertheilen aus\nentschieden schlechten Producten besteht und verderblich auf\nkünslerische Gesinnung und guten Geschmack aller damit Be-\nschäftigten einwirken und sie mehr oder minder zu Handwer-\nkern machen muss, das unterliegt keiner Frage mehr. Es kann\nsomit auch keiner Untersuchung unterliegen, wie leider so viele\nOpern-Dirigenten den zwischen den genannten zwei Haupt-\nzweigen in der Mitte liegenden dritten, die Instrumental-\nMusik, gemeinhin zu behandeln pflegen. Sogar alte Capell-\nmeister, deren künstlerischer Bildungsgang aus der früheren\nEpoche her datirt, stehen jetzt im Rufe, die Fortschritts-Theo-\nrieen unserer Zeit nach Kräften in Praxi auszuüben und aus-\nüben zu lassen. Man thue nur die Augen auf, und man wird\nsehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "15", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.2.4", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "Louise Nitzsche", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.5", "debut_caractere": 5060, "fin_caractere_exclue": 5655, "texte": "Aus Dresden.\n\nIn Dresden floriren auch diesen Winter, wie immer, die Musik-\nProductionen ; das liegt an dem gebunden Kern, an dem Central-\nund Glanzpunkte derselben, genannt die königliche Capelle. In der\nThat, es ist erhebend, wahrzunehmen, wie dieses Kunst-Institut sei-\nner Bestimmung treu bleibt, dabei jede hinzutretende Kraft dem\nGanzen bald assimilirt oder etwaige Störungen nach und nach ra-\ndical ausscheidet. Das ist ein normaler Organismus, vom Geiste der\nKunst-Verbrüderung durchströmt. Wenn auch hier der Geschmack\nbisweilen nach Vorführungen modernster Tongebilde ausgreift, leitet"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8050, "texte": "ihn doch zugleich eine praktische Kritik, welche Alles prüft, das\nBeste behält, und die Liebe zum Classischen ist dabei so vorherr-\nschend, ja, traditionel, dass ihr Stempel sich wohl bewahrt. In\nso fern gibt die Capelle für jede öffentliche Musik-Aufführung ge-\nwisser Maassen einen geistigen Kammerton an, nach welchem Alles,\nselbst das populäre Garten- und Local-Concert, sich zu stimmen be-\nmüht ist. Capellmeister Rietz, welcher den geschätzten C. Krebs\nzur Seite hat, wusste die von Reissiger überkommenen Zügel ener-\ngisch zu ergreifen, und versteht es, dieselben eben so consequent\nwie fein zu gebrauchen. So bildet sich denn unter fortwährend sorg-\nfältiger Ueberwachung und tactvoller Gegenseitigkeit jener edle Ton\nim Vortrage aus, der, verbunden mit einer wahrhaft lauteren Tech-\nnik, Alles zur schönsten Geltung bringt. Indem wir vor mehreren\nJahren beklagten, unser erstes Orchester nur als Fundament und\nTräger der Oper und der Kirchenmusik bewundern zu können, hat-\nten sich inzwischen regelmässig wiederkehrende Aufführungen durch\nden Tonkünstler-Verein und die Quartett-Soireen abgezweigt, welche\nsich der wärmsten Aufnahme erfreuten. Da nun hierzu noch ein\nCyklus von je sechs Sinfonie-Concerten getreten ist, worin die Lei-\nstungen der Capelle so zu sagen culminiren, so sind in dieser Hin-\nsicht wohl alle Wünsche befriedigt.\nNachdem unser berühmter, unvergesslicher Lipinsky sich aus\nRücksicht für seine Gesundheit zurückgezogen hatte, wurde Herr\nLauterbach als Concertmeister hieher berufen. Derselbe führte\nsich dem Publicum in einem eigenen Concerte vor und gab sich\ndarin als Virtuose von echtem Schrot und Korn zu erkennen. Sein\nTon ist edel und gehaltvoll, die Technik glänzend, der ganze Vor-\ntrag gediegen und voll künstlerischer Ruhe, Mit dem schon mehr-\nmals rühmlich erwähnten Kammermusicus Hüll weck, der, unter-\nstützt von gleich strebsamen Kunstgenossen, die oben bezeichneten\nQuartett-Soireen veranstaltete, hat sich Concertmeister Lauterbach\nvereinigt, um seine Wirksamkeit in der Kammermusik auch ausser\nDresden zu verbreiten. Die Quartett-Akademieen von Concertmeister\nSchubert bieten Vorträge gewähltester Art. Die übrigen namhaf-\nten Kräfte der Capelle sind uns geblieben, und zu erwähnen bleibt\nder Hinzutritt einer neuen in der Person des Kammermusicus\nGrützmacher, der von Leipzig nach hier übersiedelte; auch die-\nser Künstler hat sich schon längst durch ein meisterliches Cello-\nspiel bekannt gemacht. Ausser ihm ist noch in Herrn Bruns ein\nVirtuose für Posaune verschrieben worden.\nWas die dresdener Oper betrifft, so stehen ihr fast für jedes\nFach die brauchbarsten Mittel zu Gebote, und sie ist im Ganzen\nvorzüglich ausgestattet. Leider aber war das Repertoire in der er-\nsten Hälfte dieses Winter-Halbjahres nur wenig genügend, wofür\nvielleicht der Hauptgrund in den wiederholten Indispositionen man-\ncher Sängerinnen und Sänger zu suchen ist; erst jetzt fängt es an,\nsich zu erholen, und wir hoffen eine Aulerstehung gewisser Errun-\ngenschaften vergangener Jahre, weiche der dresdener Oper zum\nTriumph gereichten : Armide, Cosl fan tutte, Euryanthe u. s. w.\nDie Zauberflöte und Iphigenie auf Tauris sind, von Rietz sorgfäl-\ntigst einstudirt, in Scene gegangen, und muthmaasslich würde uns\nauch die Entführung aus dem Serail in derselben Weise entgegen\ngekommen sein, wenn nicht die genannten Hindernisse eingetreten\nwären. Mit Nachdruck heben wir hervor, dass vor Kurzem die Zau-\nberflöte unter Rietz und Idomeneo unter Krebs in tieferer Or-\nchesterstimmung gegeben worden sind, und dass man ernste\nVorbereitungen trifft, welche diese rationelle Umkehr für die Oper\nüberhaupt festhalten sollen. (Wir behalten uns vor, ausführlichere,\nhierauf bezügliche Notizen und spätere Resultate in diesem Blatte\nmitzutheilen ) Für die Operette hat man allerliebste Sachen, wie:\n„Die rothe Kappe\", „Die Dorfsängerinnen\" (Fioravanti), „Der Schau-\nspiel-Director\", „Die schöne Müllerin\" u. s. w. angeworben, welche\nsämmtlich äusserst gelungen dargestellt worden sind. Verdi war\nnur vereinzelt durch den Troubadour vertreten, und Gounod's\n„Faust\" erlangte auch hier keinen nachhaltigen Beifall.\nFrau Bürde-Ney, die bekanntlich über siegesgewohnte Stimm-\nmittel zu verfügen hat, ist im Laufe ihrer Wirksamkeit am dresde-\nner Hoftheater mehr und mehr einem hohen Ziele der Kunst zu-\ngeschritten. Während wir anfänglich an ihrem Gesänge nur den\nherrlichen Timbre und eine eminente technische Fertigkeit bewun-\ndern konnten, wurde ihre Manier immer geschmackvoller, ihr Vor-\ntrag geläuterter und geistiger, so dass der geschlossene Kreis der\nAuserwählten und Priesterinnen für die Kunst jetzt ihrem Beitritte\noffen steht Ein köstliches Thermometer für die Steigerung ihrer\nLeistungen gibt z. B. Donna Anna, welche Partie sich bei ihr im-\nmer hochdramatischer und begeisternder gestaltet. Frau Bürde-Ney\nhält das Gro.ssartige stets maassvoll, der kühnste Wurf gelingt in\nihrer Ausführung; auch weiss sie von dem Reichthume ihrer Ver-\nzierungen dermaassen passend zu wählen und charakteristisch anzu-\nwenden, dass dieselben ihrem Gesänge alsdann wirklich zum Schmucke\ndienen und sie auch hiermit Entzückendes und Imposantes erreicht.\nFrau Jauner-Krall hat sich im lyrischen und naiven Genre\nbedeutenden Ruf erworben. Anmuth, Grazie und Zierlichkeit sind\nbeneidenswerthe Gaben, um sich schnell in Gunst zu setzen, und\nFrau Jauner fesselt damit um so dauernder, als sich diese Eigen-\nschaften bei ihr in .natürlicher Frische bewähren und der Schminke\noder Coquetterie nicht bedürfen. Desshalb gehören ihre Susanne,\nZerline, Despina, Margarethe (Gounod's Faust) zu den Lieblings-Ge-\nstalten, welche das Publicum mit der lebhaftesten Freude begrüsst.\nAuch Fräulein Weber, die dem eigentlichen Soubrettenfach an-\ngehört, ist sehr tüchtig und ganz besonders in den Pagenrollen (Fi-\ngaro, Hugenotten), aber auch für das Komische und die Operette\nam Platz. Frau Krebs-Michalesi (Mezzo-Sopran) gebietet\nnach wie vor über alle jene Charakter-Figuren, welche wir gewohnt\nsind, durch sie mit Effect und in edler Fassung vorgeführt zu se-\nhen. Die Herren Tichatscheck und Mitterwurzer sind\nGrosswürdenträger der Oper geblieben, obgleich der Erstgenannte\nsich in dasselbe Verhältniss zur Function an hiesiger Bühne bege-\nben hat, wie Emil Devrient, welcher, zum Ehren-Mitgliede für das\ndresdener Hoftheater ernannt, nur während festgesetzter Zeit-Ab-\nschnitte hier auftritt. Auch Herr Mitterwurzer theilt sich in Vorfüh-\nrung gewisser Partieen mit dem neuerlich hinzugetretenen Opern-\nMitgliede Herrn Degele, dessen wohltönende Baritonstimme sehr\ngut zu verwenden ist. Die Herren Rudolph, Eich berger,\nFreny, Weiss und Andere haben durch die Zeit bewiesen, welche\ntüchtige musicalische Kräfte wir an ihnen besitzen. Herr Schnorr\nvon Karolsfeld, seit wenigen Jahren hier engagirt, nahm bald\neine ausgezeichnete Stellung ein, welche er auch fernerhin behaup-\nten wird. Er ist wirklich dramatisch gebildet, wie alle Opernsänger\nes sein sollten, und sein Streben geht dahin, Gesang und Darstel-\nlung in edler Weise zu vereinbaren. Sein stummes Spiel ist ausge-\nzeichnet, und die meisten Stellungen oder Bewegungen, nach besten\nMustern studirt, sind geschickt und natürlich angebracht. Seine\nStimme hat etwas von dem Mark der Tichatscheck'schen in sich,\nohne der unverwüstlichen Heldenkraft derselben völlig gleich zu\nkommen; es ist ein kerniger, fester Ton, für den Tenor um so kost-\nbarer, je seltener er jetzt in dieser Stimmlage zu finden. Im Vor-\ntrage zeigt sich immer hohes Verständniss, Geschmack, Maasshalten\nbei Gefühlstiefe, und zwar nicht allein im dramatischen, sondern\nauch im kirchlichen Stile und im engeren Bereiche des Concertge-\nsanges. Gewiss dürfte es diesem gefeierten, muthig strebenden Künst-\nler auch noch gelingen, der manchmal zu dunklen Färbung einiger\nVocale und dem zu hörbaren Schärfen des Consonanten „ch\" seiner\nübrigens deutlichen und angenehmen Aussprache abzuhelfen. Die\nnämliche Tendenz, welche Schnorr von Karolsfeld für seine Kunst\nverfolgt, beseelt auch eine Sängerin, die, in Dresden ansässig, bis-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4398, "texte": "her in Kirchenmusik und Concert verdienstvoll gewirkt und sich\nvor Kurzem der Bühne gewidmet hat: Frau Sophie Förster.\nDieselbe war durchaus berechtigt, diese Bahn zu betreten, da ein\nunverkennbarer Drang zur Darstellung ihrem Gesänge innewohnt\nund demselben oft entschieden dramatisches Gepräge verlieh. Refe-\nrentin ist Augen- und Ohrenzeuge der Stadien gewesen, denen Frau\nFörster sich für die Bühne unterzogen, und nahm mit Freuden\nwahr, wie Declamation, Pantomime und Gesticulation eigentlich\nschon vollständig vorbereitet, nur der planmässigen Anleitung be-\ndurften, um sich wie von selbst zu lösen und als bedeutend hervor-\nzutreten, Eine geschärfte feine Beobachtung, welche diese Künst-\nlerin an eigene, wie an die Leistungen Anderer legt, hat sie dabei\nwesentlich unterstützt, so dass in verhältnissinässig kurzer Zeit ein\nRepertoire wichtiger Partieen für sie hergestellt war. Ihr Engagement\nin Meiningen begann sie im verflossenen November mit Norma,\nwonach Donna Anna, Agathe, Lucrezia folgten und woran sich Ro-\nsine, Susanne, Isabella (Robert) und andere schliessen werden. Für\ndie lyrische Gattung und das Coloraturfach scheint sie am geeignet-\nsten, obwohl sie vermöge einer mehrseitigen Darstellungsfähigkeit\ndiejenigen von den grossen Partieen mit umfassen kann, welche\nihrem Genre am nächsten liegen.\nDie Einseitigkeit vieler Operndarsteller, welche nur den Gesang\nim Auge haben, und die übrige Action wenig oder gar nicht culti-\nviren, gehört mit unter die Uebelstände, welche Wagner mit vollem\nRechte gegeisselt und grell beleuchtet hat. Obwohl dieser genannte\nVorwurf nicht erst jetzt laut geworden, sondern schon lange vor\nWagner ausgesprochen war, ist es um so bedauerlicher, dass die\nNotwendigkeit einer solchen künstlerischen Anforderung trotz der\nleuchtenden Vorbilder Einzelner und des kritischen Raisonnements\nVieler die Mehrzahl noch so wenig durchdrungen hat.\nMöchten doch alle besonders junge Kräfte, welche sich\nfür die Oper bestimmen, eben so technisch im Spiel wie im Gesänge\ngeübt werden; möchten die Lehrmethoden für Dramatik den musi-\ncalischen Ausdruck und dessen Uebereinstimmung mit der ganzen\nDarstellung heranbilden! Dass fortgesetzte Selbsterziehung hierin\nwie überall erst zur Vollendung führen kann, ist natürlich, und so\nwollen wir nicht unterlassen, mit diesem Hinweis zugleich zweier\njugendlicher Sängerinnen zu gedenken, welche vor einiger Zeit un-\nserer Oper beigetreten sind, hräulein Alv sieben besitzt eine hohe\nSöpranstimme von ätherisch reinem, hell schimmerndem Klange, de-\nren Ton in jeder Beziehung wohlgebildet, ausfüllend, wenn auch\nnicht eigentlich stark zu nennen ist. Im Vortrage zeigt sich Ge-\nschmack, im ganzen Erscheinen natürlicher Anstand. Besonderes Ge-\nwicht ist auf die fundamental musicalische Ausbildung zu legen,\nwelche Genannte durch eigenes Talent und Unterricht (Dresdener\nConservatorium, Gesang: Herr Kammermusicus Thiele) erwarb, und\nvermöge welcher sie in den Stand gesetzt worden, schon mehrmals\nplötzlich während der Vorstellung oder kurz vor Beginn derselben\nfür eine andere Sängerin einzutreten. Zu wünschen ist, dass eine\nhöhere Begeisterung sich ihrer Empfindungen bemächtige, dass Man-\nches belebter, dramatischer sich kund gebe. Da aber Fräulein Alvs-\nleben mit ihren oben erwähnten Vorzügen auch noch die persönli-\nchen Eigenschaften der Bescheidenheit und Klugheit vereinigt, welche\nsie z. B. dadurch an den Tag legt, dass sie heute Margaretha von\nValois, Irene (Rienzi) oder Bertha (Prophet) und morgen eben so\nwillig eine Brautjungfer oder das Bärbchen singt, ist zu erwarten,\ndass sie ohne Selbstüberschätzung überall um so sicherer Fuss fas-\nsen und ihr Ruf sich um so schneller ausbreiten werde. Fräulein\nBald amus hat uns als Pamina und Gräfin Rosine mit einer schö-\nnen Stimme bekannt gemacht, welche dem Umfange, dem Timbre\nund der gleichmässigen Kraft nach eine grosse genannt werden\nmuss und eigentlich das Ton-Material für hochdramatische Partieen\nmit sich führt. Jedoch lässt schon die technische Ausbildung am\nGesänge zu wünschen übrig (harter Ansatz in den Mitteltönen), und\nder an sich weiche, volle Stimmenklang sowohl, als auch die bril-\nlante I igur sprechen zu wenig aus. Wie wir erfahren, bemüht sich\ndiese junge Dame, durch fortgesetzte Studien vorzuschreiten, und\nmöge dieses lobensvverthe Streben mit Erfolg belohnt werden!\nDresden, im Januar 18(2.\n\nLouise Nitzsche, geb. Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-11_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.2.5", "titre_corps": "Aus Mainz.", "titre_sommaire": "Aus Mainz.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.7", "debut_caractere": 4400, "fin_caractere_exclue": 7681, "texte": "Aus Mainz.\nDen 6. Januar 1862.\nIch habe Ihnen von einem Concerte zu berichten, welches am\n3. d. von Herrn Capellmeister Lux veranstaltet wurde, und aus\ndoppeltem (irunde verdient durch Ihre geschätzte Zeitung zur Kennte\nniss weiterer Kreise zu gelangen. Denn erstens wurde dasselbe durch\ndie grosse Zahl der mitwirkenden Kräfte zu einem aussergewöhnli-\nchen gestempelt, indem das Orchester allein über 70 Stimmen zählte\nzusammengesetzt aus den für Streichmusik brauchbaren Kräften\nder hiesigen drei preussischen Militär-Musikcorps und mehreren\nMitgliedern des darmstädter, Wiesbadener und des hiesigen Theater-\nOrchesters. Zweitens galt es die Aufführung des preisgekrönten\nKrönuDgs -Marsches von Fr. Lux, dessen Partitur mit der De-\ndication an Se. Maj den König von Preussen vor Kurzem bei Bock\nund Bote in Berlin erschienen ist. Obwohl es schwer hält, nach ein-\nmaligem Anhören über diese Compositum ein umfassendes Urtheil zu\nfällen, so wurde doch von allen anwesenden Musikverständigen an-\nerkannt, dass diese im grossen symphonischeu Stile angelegte Ton-\nschöpfung mit voller Wahrheit ein' Meisterwerk zu neDnen ist, und\nvon hinreissender Wirkung sein muss, wenn die Besetzung der Gei-\ngen-Instrumente so stark genommen wird, wie wir sie bei unseren\nMusikfesten gewohnt sind; wenn ferner statt einer Harfe deren\nvier ihre bedeutende Partie ausführen, und endlich, wrenn eine\nwirkliche Orgel (statt, wie hier, Blasharmonie) in der zweiten Hälfte\nder Composition ihre e hab nen Klänge mit dem Orchester verbindet.\nEntsprechend dem Motto: „Der Herr hat ihn beschirmt, Er gebe ihm\nechten deutschen Muth, dann wird der Sieg nicht fehlen\" —, sind\ndie Hauptmotive der Composition in wahrhaft genialer Weise ver-\nwebt mit dem Chorale: „Nun danket Alle Gott\", dann mit jener rei-\nzenden Stelle aus dem Arndt-Reiehardt'sihen Vaterlandsliede: .So\nTi\nweit die deutsche Zunge klingt\" u. s. w. und endlich mit dem\n„Heil Dir im Siegerkranz\", welches die Harfen anstimmen und in\nprachtvollen Figuren durchführen, während das Orchester die ju-\nbelnden Klänge des Marsch-'] hema's weiter führt, und die Orgel\njetzt die feierlichen Acorde des obigen Choials in das Ganze hinein-\nbrausen lässt. Die Aufnahme der Composition Seitens des Publicums\nwar eine enthusiastische und sind schon Stimmen laut geworden,\nwelche eine Wiederholung in unserem Theater wünschen, weil eines-\ntheils die Räume des Frankfurter Hofes, obschon mit etwa 150 H\nPersonen angefüllt, nicht hinreichten, das herbeigeströmte Publicum\nzu fassen, und dann auch von Allen eingesehen wurde, dass bei die-\nsem grossartigen Tonwerke ein mehrmaliges Anhören durchaus noth-\nwendig ist.\nVon anderen Sachen wurden aufgeführt der auf dem nürnberger\nGesangfeste bereits zur Geltung gekommene Germania-Marsch von\nF* Lux, welcher hier, nicht wie in Nürnberg, von Blas-Instrumenten,\nsondern seiner ursprünglichen Bestimmung gemäss, vom vollständi-\ngen Orchester ausgeführt wurde. Die Wirkung war daher eine grössere\nund rief einen lange anhaltenden Beifallssturm hervor. Dann hörten\nwir ferner Gluck's unvergleichliche Iphigenien-Ouverture, zwei ita-\nlienische Coloratur-Arien von der vortrefflichen Sängerin Fräulein\nTipka aus Wiesbaden, und von einem angehenden Tenoristen, Hrn.\nLorenz Riese (%chüler des Kammersängers Koch in Köln) die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 949, "texte": "Scene aus dem Freischütz, und die Romanze aus der Euryanthe,\nwodurch er hier in seiner Vaterstadt mit seiner vielversprechenden\nStimme unter grossem Beifall sein erstes öffentliches Auftreten\nfeierte.\nHerr Capellmeister Marpurg wird, wie uns mitgetheilt wird,\nam 15. Januar die Capellmeisterstelle am hiesigen Stadttheater nie-\nderlegen und sich auf Reisen begeben. An seine stelle tritt mit dem\nangegebenen Zeitpunkte Herr Gustav Schmidt, der langjährige\nCapellmeister des Stadttheaters in Frankfurt a. M. Wir brauchen\nkaum zu sagen, dass die Nachricht von dem Weggange Marpurg's\nbei allen Gesang und Musik-Freunden in unserer ttadt allgemeines\nBedauern erregt, denn was er als musicalischer Leiter des I amen-\ngesang-Vereins und der Liedertafel, namentlich zuletzt noch als Di-\nrigent des grossartigen vierten mittelrheinischen Musikfestes geleistet,\nwird hier nicht in Vergessenheit kommen, eben so wenig wie seine\nVerdienste um die hiesige Oper."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-11_01#c008", "volume": "bmtnabi_1862-01-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.8", "debut_caractere": 951, "fin_caractere_exclue": 7013, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* Am 7. d. Mts. hörten wir in der dritten Soiree\nfür Kammermusik zwei schöne Violin-Quartette: von Mozart\ndas in F-dur mit dem prächtig lebendigen Schlusssatze, und von\nBeethoven das in D-dur, Op. 18, jenes liebliche, so recht echt\ndeutsch-melodische Tongebilde, das sich, wie seine fünf Schwester-\nbilder desselben Werkes, jetzt so oft in den Hintergrund gestellt\nsieht, weil es Mode ist, die Peiiodc der unserer Zeit würdigen\nQuartette erst mit Beethoven's Op. 59 oder gar erst mit Op. 95 zu\nbeginnen, oder noch besser erst mit Schumann. Damit wir nun auch\ndiesen Abend nicht leer ausgehen sollten an moderner „Inhaltsmu-\nsik\", so war zwischen die zwei anmuthigen, durch melodischen Ge-\nsang, tiefes Gemiith und hohe wissenschaftliche Bildung bezaubern-\nden Schönen ein Ungethüm eingeschoben, genannt Clavier-Trio\nin B-moll von Robert Volk mann, ein total formloses Geschöpf,\ndas auf dunkeln, düsteren Wegen wandelt und sich zur Veränderung\nein paar Mal über Felsen und Erdschlipfe kopfüber stürzt, dass\nman glaubt, „es liege da mit viel Tausenden\", wie Egmont sagt,\nim Abgrund; aber nein, es stöhnt und klagt von Neuem von unten\nherauf und hält uns noch eine lange Weile nieder in derselben\nangstvollen Spannung, die es von vorn herein hervorrief. Diese war\nim Anfange noch allenfalls zu ertragen, weil man da etwas erwar-\ntete; am Schlüsse aber, wo man nach halbstündigem Harren über-\nzeugt war, dass nichts komme, wurde sie unerträglich und schlug\nin grässliche Langeweile um. Sollte das Publicum etwa durch den\nVortrag dieses Werkes (d-n* übrigens in den Händen der Herren\nHill er, Grunwald und Schmitt ein durchaus vollendeter war)\neinen Vorgeschmack von dem neuesten Fortschritte der Kammer-\nmusik bekommen, so ist der Zweck vollkommen erreicht worden.\nDas Publicum ist sich jetzt ganz klar darüber. Uebrigens wäre es\nzur Ehrenrettung Volkmann's, des gewiss begabten, aber seine Ga-\nben missbrauchenden Tondichters, wünschenswerth, dass in einer der\nfolgenden Sitzungen eines von seinen Violin-Quartetten vorge-\nführt würde, vielleicht das in E-moll, Op. 35, das wir gerade dess-\nwegen vorschlagen möchten, weil dem sonst so düsteren Compo-\nnisten über dieses Quartett der Vorwurf einer zu grossen Klarheit\nund Weichheit gemacht wird, wie wir irgendwo gelesen haben.\nAngenehme Abwechslung brachten die Gesang-Vorträge des Fräu-\nleins Genast; nur können wir es nicht wohl begreifen, dass eine\nso gebildete Sängerin eine so dilettantische Wahl trifft, wie die Te-\nnorlieder „Am Meere\" und „Mein\" von Schubert bewiesen; es ist\ndoch gar zu spasshaft, wenn ein Mädchen entzückt in die Welt\nsingt; „Die geliebte Müllerin ist mein!\" Von J. Raff hörten wir\ndurch sie ein allerliebstes „Lied im Volkstone\", das auch allgemein\nansprach.\nIn dem nächsten Gürzenich-Concerte, Dinstag, den 14.\nd. Mts., werden Hob. Schumann's Corapositionen: rScenen\naus Göthe's Faust\" für Solostimmen, Chor und Orchester, voll-\nständig aufgeführt. Von den Solostimmen (deren zwölf bis fünfzehn\nsind) wird die Partie des Faust durch Herrn Stockhausen ge-\nsungen werden\nAm 5. d. Mts. hatte der kölner Sängerbund eine öffent-\nliche Liedertafel im zweiten Saale des Gürzenich veranstaltet,\nan welcher über 200 Personen fröhlichen Antheil nahmen. Der Bund\nbekundete unter seinem gegenwärtigen Dirigenten Herrn Bitter\nbedeutende Fortschritte durch den Vortrag besonders der drei ersten\nLieder von Abt. Bertelsmann und einer schönen Volks-Melodie: „Des\nReiters Abschied'*. Ausserdem fehlte es nicht an heiteren musicali-\nschen Vorträgen, welche, mit dem eigentümlich kölnischen Humor\nausgeführt, die Gesellschaft ergötzten. Doch dürfte dabei auf die\nnahe liegende Gefahr, etwas zu weit von dem künstlerischen Zwecke\ndes Sängerbundes abzukommen, aufmerksam zu machen sein.\n7. Januar. Die Proben zu F. Hillens Oper:\n„Die Katakomben\", Text von M. Hartmann, sind in vollem\nGange. Die erste Aufführung auf dem hiesigen Hoftheater ist auf\nden 2. Februar festgesetzt.\nf Amsterdam, 5. Januar. Das erste Concert der „Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst\" fand am 21. December v. J.\nim Parksaale unter Leitung Rieh. Hol's Statt. Es wurden Men-\ndelssohn's „Walpurgisnacht\", eine Arie mit Chor aus Beetho-\nven's Maccabäern („Christus am Oelberge\") und „Das Lied von der\nGlocke\", jene veraltete Composition von A. Romberg, aufgeführt\nein Programm, dem sich R. Hol, der hier als ein eifriger Pro-\npagandist der Schule von Liszt, Wagner & Comp, auftritt, nur un-\ngern gefügt haben mag. Die Arie von Beethoven wurde von unse-\nrer so beliebten Frau Offermanns van Hove sehr schön gesun-\ngen, aber die Ausführung der grösseren Cantaten war in jeder Hin-\nsicht mangelhaft; das Orchester war schwach, der Chor sang nicht\nrein, die Tempi wurden namentlich in der „Glocke\" entstellt, mit\nEinem Worte: der Dirigent blieb hinter seiner freilich lästigen\nund schwierigen Aufgabe zurück, und die ganze Aufführung ent-\nsprach den Erwartungen nicht, die man von einem so bedeutenden\nVereine hegt. Nächstens werden wir das alljährliche Musikfest\ndes Vereins des heiligen Vincenz von Paula unter der Direction des\nHerrn Heinze feiern, worüber wir seiner Zeit berichten werden,\nwährend derweilen die Concerte in Felix Meritis und im Parksaale\nauf einander folgen und einander gleichen werden, die manchmal In-\nteresse erregen, öfter aber langweilig und von nicht eben ernstlich\ngemeinter künstlerischer Tendenz sind. Die italiänische Oper hat\nsich aufgelöst. August Kömpel ist zu uns zurückgekehrt;\ner spielte am 4. Jan. hier zum dritten Male, und zwar in dem Con-\ncerte der Liedertafel „Euterpe\", mit ganz ausserordentlichem Erfolg\nSpohr's Gesangscene, ein Air varie von Vieuxtemps und eine\nanmuthig melodische Reverie pour le Violon von Ed. de Hartog.\nNach jedem Stücke wurde er zwei Mal stürmisch gerufen. Er spielt\nden 8. d. Mts. in Dordrecht und den 18. in Utrecht. Seit Wie-\nniawski hat kein Violinist in Holland einen solchen Erfolg gehabt,\nwie er. Der Violoncellist Davidoff aus Leipzig bat hier in\nFelix Meritis und im Haag gespielt und eine günstige Aufnahme\ngefunden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nLobe's „vereinfachte Harmonielehre\". Aus Frankfurt am Main. Ein altes Lied mit neuem Text. Von A. Schind-\nler. Aus Dresden (Musik-Productionen, Oper). Von Louise Nitzsche, geb. Kindscher. Aus Mainz (Concert). Tages- und\nUnte rh al tun gs b latt (Köln, Dritte Soiree für Kammermusik, Gürzemcb-Concert, Kölner Sängerbund Wiesbaden, Hillens Oper ..Die\nKatakomben\" Amsterdam, Concert, Musikfest, August Kömpel, Davidoff).\n\nLobe’s „vereinfachte Harmonielehre“.\nDie Bemühungen Lobe's, die Tonsatzlehre in seinen\nSchriften möglichst einfach und praktisch hinzustellen, sind\nim Allgemeinen gewiss sehr dankenswerth. Man darf ihm\nauch keineswegs gram darüber sein, wenn er in diesem\nBestreben alte Regeln, welche sich durch Vergleichung\nmit anerkannter Praxis oder durch unbefangenere und\ngründlichere theoretische Untersuchung als unberechtigt\noder doch als nicht absolut gültig erweisen, über Bord\nwirft oder auf ihr berechtigtes Maass zurückführt. Wie\nes aber bei solchem Aufräumen zu kommen pflegt, dass\ndas gehörige Maass in der Polemik und Negation über-\nschritten wird, so ergeht es auch dem genannten Tonleh-\nrer nicht selten und ganz besonders in der kürzlich unter\nobigem Titel veröffentlichten Schrift.\nOhne mich auf eine vollständige Kritik derselben ein-\nzulassen, kann ich mir doch nicht versagen, einige Haupt-\nbedenken gegen die darin vorgebrachten Theoreme hier\ndarzulegen Bedenken, nicht vom Standpunkte vorurtheils-\nvoller Theorie, sondern rein vom Standpunkte der Praxis\naus.\nDie Schrift ist ursprünglich „für Dilettanten\" be-\nstimmt; für diese wird im ersten Theile „die Lehre in\npositiver Form so kurz und verständlich als möglich vor-\ngetragen\" (Vorrede, S. VI.). Ein zweiter Theil ist sodann\n„dem Versuche gewidmet, die bisher positiv vorgetrage-\nnen Lehren, sofern sie neu sind, zu rechtfertigen, sofern\nsie noch in der alten Form dargestellt wurden, freier zu\nfassen, um die heutige Theorie mit der heutigen Praxis in\nbessere Uebereinstimmung zu bringen, als es bis jetzt der\nFall gewesen\" (S. 112). Dieses Neue, beziehungsweise\ndie freiere Fassung der alten Theorie, läuft der Haupt-\nsache nach auf Folgendes hinaus:\nAlle zwei-, drei- und vierstimmigen (soll heissen:\n„vierfachen\") Terzenbaue sind Stamm-Accorde (S. 112).\nSomit hat auf jeder Stufe sowohl der Dur- als der Moll-\nTonart ein leitereigener Dreiklang, Septimen- und Nonen-\nAccord seinen Sitz, wozu noch mehrfache alterirte Accorde\naller drei Gattungen kommen. So steht insbesondere auch\nauf der ersten Stufe der J/os-Tonart (welche mit Recht\nmit permanenter Erhöhung der siebenten Stufe angenom-\nmen wird) ein Septimen-Accord {a c e gis), und Nonen-\nAccorde, wie auf allen anderen Stufen, so insbesondere in\nDur auch auf der siebenten (h d f a c), in Moll auch auf\nder ersten (a c e gis h), sechsten {face gis) und sieben-\nten (gis h d f a)\\\nUnter diesen Accorden finden sich allerdings solche,\n„die nach dem bisher geltenden Begriffe von Grund-\nharmonieen nicht zu gebrauchen sind, und es gibt ferner\nwelche darunter, die bis heute noch gar nicht in der Form\nvon Stamm-Accorden (nach den bisherigen Begrif-\nfen) in der Praxis ausgeübt worden sind\" (S. 114). Aber\ndiese bisherigen Begriffe sind eben falsch, indem sie auf\ndem Vorurtheile beruhen, als ob viele dissonirende Har-\nmonieen nur mit Vorbereitung erscheinen dürften, und\nnoch viel mehr auf dem Vorurtheile, als ob jeder dissoni-\nrende Accord die Fähigkeit zu einer regelmässigen „Auf-\nlösung\" haben müsste während in der That „alle Ac-\ncorde frei eintreten können\" (S. 119) und „nicht der Be-\ngriff „„Auflösung\"\", welcher nur ein beschränktes\nMerkmal der dissonirenden Accorde ist, sondern der Be-\ngriff „„selbstständige Fortschreitung\"\", welcher\nalle Phänomene selbstständiger dissonirender Jauch conso-\nnirender) Harmonieen umfasst, das Wesen der Stamm-\nAccorde bestimmt\" (S. 124). Der „einfache Hauptbegriff\"\nvon dem Wesen der Accorde ist daher nach Lobe, dass\njeder Zusammenklang, der, einzeln vorgestellt, sich als ein\nAccord seines Harmonie-Systems erweis't, „auch ein wirk-\nlicher Accord ist, es mag ihm eine Harmonie vorhergehen\nund folgen, welche wolle\" (S. 130, 133). Natürlich gilt\ndies auch bezüglich der Zusammenklänge, welche sich als"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.2", "texte": "Umkehrungen auf einen von Lobe's Stamm-Accorden zu-\nrückführen lassen,— wie denn der Verfasser S. 125 vom\nHaupt-Nonen-Accord in Dur alle vier Umkehrungen auf-\nstellt und durch seine Erklärung des Zusammenklangs fis\ngis h d eis im dreizehnten Tacte der H-moll-V aus\ndem wohltemperirten Ciavier (Vk-Taot) als vierter Um-\nkehrung des Nonen-Accords der siebenten Stufe von Fis-\nmoll(S. 209) beweis't, dass er allen seinen Nonen-Accor-\nden ihre vier Umkehrungen zuerkennt.\nSobald wir uns nun, heisst es weiter, zu jenem „ein-\nfachen Hauptbegriffe erheben und bekennen, sind auch\neine Menge Mehrdeutigkeiten und Zweifel sogleich besei-\ntigt, und es ist ein grosser Schritt zur Vereinfachung und\nErleichterung der ganzen Harmonielehre gethan\" (S. 130);\nzugleich „vermehren sich dann auch die Harmonie-Ver-\nbindungen bedeutend\" (S. 133), sofern wir mit Zusam-\nmenklängen, welche die alte Theorie durch Annahme von\nVorhalten, VVechselnoten, Durchgangs- oder Schein-Ac-\ncorden oder von Orgelpunkten erklärt, welche aber nach\nLobe's System wirkliche Accorde sind, „wohl auch noch\nandere freie Fortschreitungen versuchen und zulässig fin-\nden\" können, als die, welche nach jener Erklärungsweise\nallein gerechtfertigt wären (S. 148). Die Lobe'sche Ver-\neinfachung besteht also darin, dass, wie S. 134 —l5O\naus einander gesetzt wird, kein Zusammenklang als auf\nVorhalten, Wechsel- und Durchgangsnoten oder einem\nOrgelpunkte beruhend anzusehen ist, wenn sich seine Töne\nirgend auf einen drei-, vier- oder fünfstimmigen Terzen-\nbau zurückführen lassen. Es gibt hiernach wohl Gestal-\ntungen „in der Form von Vorhalten, die aber keine wirk-\nlichen Vorhalte sind, wenn keine harmoniefremden\nTöne darin zu sehen und zu hören sind\" (S. 141); es\nkönnen Accorde „in einer Form erscheinen, welche der\nWechselnote unserer gewohnten Ansicht nach ähnelt, aber\nkeineswegs gleicht, wofern ihr das wesentliche Kennzei-\nchen der Wechselnote, harmoniefremd, fehlt\" (5.143)\nu. s. w. Um über diese fast unglaubliche Lehre gar kei-\nnen Zweifel übrig zu lassen, mögen hier noch einige Citate\nstehen. „Jeder harmonische Zusammenklang, der wie ein\nAccord aussieht, d. h. auf einen Bau von zwei, drei oder\nvier Terzen zurückgeführt werden kann, ist ein Accord,\nmag er von der kürzesten oder längsten Dauer sein\" (S.\n147), und (wie es S. 164 bei Gelegenheit eines speciellen\nAccords heisst): „wie alle Accorde, kann auch der über-\nmässige Dreiklang auf die verschiedensten Weisen, in den\nmannigfaltigsten Folgen und Verbindungen, leitereigen\nund ausweichend, in den längsten und kürzesten Noten-\ngeltungen und Tempo-Arten gebraucht werden, Gestalten\nannehmen, die einem Durchgang u. s. w. ähneln, aber er\nbleibt doch überall, was er ist, der übermässige Dreiklang,\nder seinen legitimen Sitz auf der dritten Stufe der\nTonart hat\".\nNun gut! Zur Veranschaulichung von Lobe's Auffas-\nsung der verschiedenartigsten Zusammenklänge und, wie\nich glaube, zugleich als kurzen und schlagenden Beweis\nvon deren Unhaltbarkeit setze ich ein einziges Beispiel her.\nEs ist auf ein Linien-System, das obere, zusammenge-\ndrängt; auf dem unteren System ist dasselbe nach unseres\nVerfassers Theorie und Darstellungsweise auf seine „Grund-\nharmonieen\" zurückgeführt (ohne Rücksicht auf Stimm-\nführung), und darunter sind, ebenfalls nach Lobe's Weise,\ndiese Harmonieen nach ihrer Gattung und ihrem Sitz in\neiner bestimmten Tonart bezeichnet (wobei z. B. 5 den\nDreiklang, 5 den Septimen-Accord, s—etwas5—etwas verschieden\nvon der Bezeichnung des Verfassers den Nonen-Accord\nder fünften Stufe, ein -j- hinter der Ziffer aber einen alte-\nrirten Accord bedeutet."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.3", "texte": "Ob wohl Herr Professor Lobe, wenn er dies lies't,\nnicht selbst vor einer solchen Auffassung sich entsetzt?\nUnd doch kann er nicht läugnen, dass sie ganz seiner\nTheorie und den im zweiten Theile seines Buches dazu\ngegebenen Beispielen mit deren Erklärungen entspricht.\nEs ist hier keine einzige Note, auch die Neben- und Nach-\nschlagsnoten der Triller nicht ausgenommen, welche nach\ndieser Theorie als Orgelpunkts-, Vorhalts-, Wechselton-\noder Durchgangs-Gestaltung gelten dürfte, denn jeder Zu-\nsammenklang lässt sich auf einen Dreiklang, Septimen-\nAccord oder Nonen-Accord, und zwar auf einen der im\nBuche aufgestellten, zurückführen, also Alles rein harmo-\nnisch, lauter wirkliche Accorde! Wer noch eines Beweises\nbedarf, wie monströs unsinnig eine solche Auffassung ist,\nmöge sich nur einmal die beiläufig zwanzig Zusammen-\nklänge genauer ansehen, welche ich zwischen den Noten-\nSystemen mit Buchstaben bezeichnet habe, weil sich bei\nihnen die accordmässige Erklärung so ziemlich am tollsten\nausnimmt. Die Wechselnoten (nach Lobe's Benennung S.\n68) bei a und b werden als Grundton, beziehungsweise\nNone eines Nonen-Accords, betrachtet, der Grundton der\nVorhalts-Gestaltung c als Septime, die Wechselnoten d,\ne, f, i, k, 1 wieder als harmonische Intervalle von Nonen-\nAccorden, und zwar fast alle als Grundton oder None, die\nbei g als Septime eines Septimen-Accords, so dass wir also\nbei g einen Secunden-Accord, bei f und k je die letzte\nUmkehrung eines Nonen-Accords haben; bei m wird der\nVorhaltston zum Grundtone eines Nonen-Ac-\ncords gestempelt, der wahre Grundton aber zur Quinte\nund die Quinte zur None; bei n— q werden wieder die\nVorhalts- nnd Durchgangs- oder Wechselnoten (o und p\nliessen sich auch als Orgelpunkts-Gestaltung auflassen) zu\nGrundtönen von Septimen- und Noiien-Accorden, der\nBasston aber zum dissonirenden Intervall; bei s und v wird\ngar der Grundton des schlussbildenden tonischen Drei-\nklangs, weil dieser mit Vorhalten versehen ist, als None\neines Nonen-Accords der siebenten Stufe und als Quinte\neines solchen der vierten Stufe, die Vorhalt-Töne eis und\ng aber als Grundtöne dieser Accorde ausgegeben! Kurz,\nes zeigt sich hier an diesem kurzen und doch gewiss auch\nnicht übermässig complicirten Beispiele oft genug eine\nganz widersinnige Verkehrung aller harmonischen Ver-\nhältnisse.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Frankfurt am Main.\nEin altes Lied mit neuem Text.\nVon A. Schindler.\nI.\nWer den von der Kritik oft und oft gerügten Irrthü-\nmern auf dem praktischen Gebiete der Musik theilnehmend\nfolgt, und zwar in der Hoffnung, es werde vielleicht bei\nder Mehrzahl die Irrenden zu einer Sinnesänderung und\nbesseren Erkenntniss führen, der gibt sich arger Täuschung\nhin, ja, er darf gefasst sein, von der Menge der Befange-\nnen den eigensinnigen und verbitterten Kritikern zuge-\nzählt zu werden, deren Ermahnungen keiner Beachtung\nwerth seien. Im Allgemeinen gleichen die Kesultate der\nKunstkritik heutzutage den von der Kanzel ausgehenden,\nan die Gemeinde gerichteten Sittenlehren. Hören wir, wie\nder in seinem heiligen Berufe emsig strebende Seelsorger\nsich nach den Resultaten seiner dreissigjährigen Bemühun-\ngen umsieht und sich gestehen muss, dass die sittlichen\nZustände der ihm anvertrauten Herde von Jahr zu Jahr\naus mancherlei Gründen sich verschlimmert haben, auch\ndarum noch, weil die hohe Landes-Regierung durch Con-\ncessionirung einer Menge von Bier- und Branntweinschen-\nken diesen Zuständen Vorschub leistet, so lassen sich auf\nunserem Gebiete nicht wenig Gründe für die sich darauf\n~\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.4", "texte": "kundgebenden Erscheinungen auffinden, die mit jenem dort\neine Parallele aushalten. Immer, wenn ich mich in letz-\nter Zeit einer kritischen Danaiden-Arbeit unterzog, ist es\nmit dem Vorsatze geschehen, dass es die letzte sein solle,\num die Summe von Täuschungen nicht noch zu vergrössern.\nAllein die fortan in fast ungeschwächter Kraft in mir\nwirkende Liebe zur Kunst machte alle diese Vorsätze zu\nnichte und trieb mich immer wieder in ihrem Interesse\nin die Arena. So heute dessgleichen, und soll das Vorlie-\ngende den in den Cäcilien-Vereins- und Museums-Concer-\nten allhier zu Frankfurt sich offenbarenden Irrthümern\nvorzugsweise gewidmet sein.\nVoraus mag bemerkt werden, dass mein bisheriges\nSchweigen zu diesen Dingen keineswegs auf ein Einver-\nstandensein damit schliessen lassen darf, wie Verschiedene\nglauben wollen; der Grund dieses Schweigens ist kein an-\nderer, als Wahrung der Gemüthsruhe, darum ich für ge-\nrathsam fand, den Auflührungen im vorigen Winter mög-\nlichst auszuweichen, da ich schon bei Anhörung der bei-\nden ersten Museums-Concerte im November 1860 die\nUeberzeugung gewonnen hatte, dass die Auffassungsweise\nclassischer Instrumental-Musik bei dem jetzigen Dirigen-\nten dieselbe geblieben, wie sie mir aus den Vereins-Con-\ncerten in den Jahren 1847 und 48 IU Münster bereits\nbekannt geworden war.\nHätte Herr Müller wohlgemeinte Winke hinsichtlich\nseiner Verfahrungsweise beachten wollen, so müsste diese\nlängst eine andere sein, daher weiteres Berühren über-\nflüssig machen. Gleich bei Beginn seiner öffentlichen\nWirksamkeit im Museum äusserte ein Referent im Feuil-\nleton der N. Frankfurter Zeitung (Nr. 168): „Der Diri-\ngent habe mit einem ganz neuen Tempo, genannt „„Ue-\nberstürzung\"\", oder auch „ „Jagen\"\", überrascht.\" Aehn-\nlich lautende Bemerkungen waren im Verlauf der Dinge\nin demselben Blatte wiederholt zu lesen. Insbesonders soll\neiner nach Aufführung der Bach'schen e am\nCharfreitag gleichfalls in jenem Blatte befindlichen Kritik\n(die auch in Nr. 16 dieser Musik-Zeitung Aufnahme ge-\nfunden) hier Erwähnung geschehen, weil sie offenbar aus\nkundiger Feder geflossen und der Leistung im Allgemei-\nnen und Speciellen, so durch Lob wie Tadel, gerecht zu\nsein bestrebt war. Auch darin fanden sich mehrere Sätze\nder Messe, als in der Bewegung zu geschwinde, dem kirch-\nlichen Charakter somit nicht angemessen, bezeichnet. Diese\nbeachtenswerthe Kritik schloss mit nachstehenden Wor-\nten: „Es ist eine längst bekannte Thatsache, und jeder Di\nrigent weiss es, dass, je grösser der sich bewegende Kör-\nper ist, desto langsamer die Bewegung sein muss; aber\nnicht jeder Dirigent ist dessen immer eingedenk, nicht je-\nder hat immer die erforderliche Ruhe und Selbstbeherr-\nschung .. . Wir hoffen aber auch, dass die Zeiten bei\nuns nicht mehr wiederkehren werden, wo der Director ei-\nnes Vereins die wohlgemeintesten Winke verschmäht.\"\nNoch eine andere, nicht weniger beachtenswerthe\nStelle soll aus jener Kritik hier Platz finden; diese lautet:\n„Die Aufführungen (derU-moll-Messe) unter Schelble las-\nsen wir hier ausser Betracht, denn zwischen dem Cäcilien-\nVerein, der Kunst-Anstalt von damals und dem jetzigen,\nliegt eine Kluft, die sich immer mehr zu erweitern scheint.\"\nWahrlich, ein betrübendes Geständniss! Es besagt zu\ndeutlich, dass der von Schelble seiner Schöpfung aufge-\nprägte Charakter nicht mehr besteht, dass folglich die von\nihm herrührenden Traditionen in jeder Beziehung bereits\nverschwunden sind. Wen sollte dies nicht zum Nachden-\nken bewegen?\nHat nicht etwa der verstorbene Messer zu dieser\nAenderung der Dinge schon den Grund gelegt? Möglich.\nAchtungswerthe Männer, die dem Gründer dieses Vereins\nbis an sein Lebensende zur Seite gewesen und noch mit\nuns wandeln, wollen dies behaupten. Sollte aber Messer\nden unmittelbar von Schelble überkommenen Traditio-\nnen, sowohl in Bezug auf angemessene Tempi wie auf\nSchattirung des Vortrags, bis zu einem gewissen Grade\nwirklich ungetreu geworden sein, so war dies nur vorüber-\ngehend und lag zunächst in äusseren Veranlassungen. Man\nerinnert sich, wie nachtheilig die politischen Ereignisse der\nJahre 1848 und 49 auf alle Kunst-Anstalten rückgewirkt\nhaben. Was sich davon im Weichbilde dieser Mainstadt\nbegeben, konnte nicht anders denn lähmend auf die Be-\nstrebungen des Cäcilien-Vereins und seines Dirigenten ein-\nwirken. Jeder Andere an Messer's Stelle würde gleich ihm\nlässig geworden sein, wenn er häufig kaum ein Drittel der\nMitglieder in den Proben und die Gesammtzahl derselben\nmehr und mehr im Abnehmen begriffen hätte sehen müs-\nsen. Solchem in Wahrheit eingetretenen lethargischen\nZustande des Vereins kam das Entstehen des Rühl'schen\nVereins Anfangs 1853 zu Hülfe. Messer und der von\nihm geleitete Verein ermannten sich plötzlich, denn in dem\njungen Vereine hatte sich zu offenbar ein mit allen erfor-\nderlichen Eigenschaften ausgerüsteter Nebenbuhler gezeigt,\nder gleich beim Beginn seines Auftretens zu Vergleichen\nmit dem alten herausgefordert hat, die dessen Ehre und\nRuhm gefährlich zu werden drohten.\nIn welchem Grade dieser neuerstandene Verein auf\nden alten und dessen Dirigenten förderlich eingewirkt,\nbezeugte schon die nächste Aufführung des Händel'schen\nJosua im November desselben Jahres. Zur Constatirung\ndieser plötzlichen Wendung mag eine Stelle aus meinem\nBerichte über diese Aufführung in Nr. 23 dieser Musik-\nZeitung von 1853 in Erinnerung gebracht werden, des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.5", "texte": "Wortlauts'. „... Die Aufführung des Josua muss fast in\nallen Theilen ganz ausgezeichnet, musterhaft genannt wer-\nden. Von der bestehenden Gewohnheit, die Soli von meist\nganz Unfähigen vortragen zu lassen, war diesmal abgegan-\ngen. Es standen fünf ihrer Aufgabe gewachsene Sänger,\ndarunter Hr. Ca spari und die geschätzte, im declamato-\nrischen Vortrage meisterlich bewanderte Fräulein Diehl\n(in der Partie des Othniel) den aufs sorgfälligste ausgefeil-\nten Chören zur Seite und gewährten den Zuhörern einen\nIlochgenuss, wie er dort in so schönem Einklänge ziemlich\nlange nicht geboten worden.\"\nWill man gerecht sein, so muss zugestanden werden,\ndass die Leistungen dieses Vereins sich bis zu Messer's Ab-\ntreten im Januar 1860 im Ganzen auf der Höhe vor dem\nJahre 1848 erhalten haben. Was seinen Nebenbuhler\nbetrifft, so hatte sich dieser schon 1855 mit einer vortreff-\nlichen Aufführung von Beethoven's worüber\ndiese Blätter zu sagen wussten, dem anderen vollkommen\nebenbürtig bewiesen. Es war überhaupt eine Lust, den\nBestrebungen beider Gesangskörper zu folgen, zumal jede\nAufführung dem Kenner deutliche Beweise von vorhande-\nner Gesangskunde bei beiden Dirigenten geliefert hat, die\nbekanntlich mehr denn andere Eigenschaften vor Irrthü-\nmern zu schützen vermag. Und dieses Schutzmittel schien\nin erhöhterem Grade bei Messer, als bei Hühl, auf Maass-\nhalten bei Allegro-Sätzen eingewirkt zu haben. Dass übri-\ngens der Erstere seit seinem Knabenalter den Gesang cul-\ntivirt hat, ist ja bekannt.\nEin wesentlich Anderer war Franz Messer der Instru-\nmental-Musik gegenüber. Bei Berührung dieses Punktes\nmuss ich es mir zur Stelle versagen, die theils positiven,\ntheils nur muthmasslichen Gründe anzuführen, die bewir-\nken, dass nicht jeder Dirigent in richtiger Auffassung und\ngeschickter Leitung von Vocal- und Instrumental-Musik\ngleich glücklich ist, wie dies die Erfahrung lehrt. Solche\nAuseinandersetzung würde, da sie die meist nur geringe\nBefähigung der Opernmusik-Dirigenten bei Oratorien- und\nInstrumental-Werken hinzuziehen müsste, diesen Aufsatz\nzu weit ausdehnen. *) Ueber Messer in dieser Beziehung\nHeisst es schon in Nr. 45 dieser Musik-Zeitung von 1854\nu. A.: „Es passirt diesem Orchester-Director selten, dass\ner im Eingänge eines Allegro-Satzes das entsprechende\nTempo vergriffe; aber was wird daraus, oft schon, bevor\ndas zweite Hauptmotiv eingetreten? Das einfache Allegro\nist schon in ein Molto ausgeartet und wird von Periode\nzu Periode immer schneller, so dass es als Presto endigt.\nIm Gleichen widerfährt es jedem Andante, es endigt in\nder Regel als Allegretto\" u. s. f.\nDiese Anführung zeigt, wie wenig Messer dem eilen-\nden Orchester zu widerstehen vermochte, mit dem er durch\nDick und Dünn zu laufen ptlegte, ohne an die fast in je-\ndem Satze sich darbietenden Momente, die zu schnell ge-\nwordene Bewegung in etwas zu ermässigen, nur zu den-\nken. Die Maschine war einmal im Laufen, lief daher ohne\nBecollection bis zum letzten Tacte lort. Dieses den Ton-\nwerken Unheil bringende Verfahren hatte sich in den letz-\nten Lebensjahren Messer's, theils in Folge zunehmender\nNervosität, theils aus anderen Gründen, auf einen so hohen\nGrad gesteigert, dass ich in Nr. 2 dieser Zeitung von 1859\nzu erklären veranlasst wurde, dass derjenige, der einstens\nnach Messerden Platz am Dirigentenpulte im Museum\neinzunehmen berufen sein werde, falls er ein umsichtiger, in\nden Geist der Werke eingehender, aber auch fühlender\nOrchester-Führer ist, neun Zehntel aller classischen In-\nstrumental-Musik von Grund auf mit dem Orchester ein-\nstudiren müsse. Nur zu bald ist jener Platz mit einem\nNachfolger besetzt worden. Seit dessen Amtsantritte ist\nmehr als ein Jahr vergangen, ein viel längerer Zeitraum,\nals nöthig, um nach allen Seiten Umschau zu halten, wie\nsich denn die Dinge seitdem gestellt, ob sie nicht gar aus\ndem Regen unter die Traufe gerathen seien, ob das Maass\nder Irrthümer das frühere nicht noch überschreite.\n\n) Diese Aeusserung darf zu keiner Missdeutung Anlass geben.\nTheater- und Kirchen-Musik sind ihrem Wesen nach weit ab-\nstehende Zweige der Tonkunst, deren jede den ganzen Mann\nin Anspruch nimmt» Es kann daher nicht verkannt\ndass eine andauernde Beschäftigung mit Opern-Musik den Sinn\nfür den anderen Zweig abschwächt; aber auch umgekehrt.\nDass das gegenwärtige Opern-Repertoire zu Dreiviertheilen aus\nentschieden schlechten Producten besteht und verderblich auf\nkünslerische Gesinnung und guten Geschmack aller damit Be-\nschäftigten einwirken und sie mehr oder minder zu Handwer-\nkern machen muss, das unterliegt keiner Frage mehr. Es kann\nsomit auch keiner Untersuchung unterliegen, wie leider so viele\nOpern-Dirigenten den zwischen den genannten zwei Haupt-\nzweigen in der Mitte liegenden dritten, die Instrumental-\nMusik, gemeinhin zu behandeln pflegen. Sogar alte Capell-\nmeister, deren künstlerischer Bildungsgang aus der früheren\nEpoche her datirt, stehen jetzt im Rufe, die Fortschritts-Theo-\nrieen unserer Zeit nach Kräften in Praxi auszuüben und aus-\nüben zu lassen. Man thue nur die Augen auf, und man wird\nsehen.\n\nAus Dresden.\n\nIn Dresden floriren auch diesen Winter, wie immer, die Musik-\nProductionen ; das liegt an dem gebunden Kern, an dem Central-\nund Glanzpunkte derselben, genannt die königliche Capelle. In der\nThat, es ist erhebend, wahrzunehmen, wie dieses Kunst-Institut sei-\nner Bestimmung treu bleibt, dabei jede hinzutretende Kraft dem\nGanzen bald assimilirt oder etwaige Störungen nach und nach ra-\ndical ausscheidet. Das ist ein normaler Organismus, vom Geiste der\nKunst-Verbrüderung durchströmt. Wenn auch hier der Geschmack\nbisweilen nach Vorführungen modernster Tongebilde ausgreift, leitet"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.6", "texte": "ihn doch zugleich eine praktische Kritik, welche Alles prüft, das\nBeste behält, und die Liebe zum Classischen ist dabei so vorherr-\nschend, ja, traditionel, dass ihr Stempel sich wohl bewahrt. In\nso fern gibt die Capelle für jede öffentliche Musik-Aufführung ge-\nwisser Maassen einen geistigen Kammerton an, nach welchem Alles,\nselbst das populäre Garten- und Local-Concert, sich zu stimmen be-\nmüht ist. Capellmeister Rietz, welcher den geschätzten C. Krebs\nzur Seite hat, wusste die von Reissiger überkommenen Zügel ener-\ngisch zu ergreifen, und versteht es, dieselben eben so consequent\nwie fein zu gebrauchen. So bildet sich denn unter fortwährend sorg-\nfältiger Ueberwachung und tactvoller Gegenseitigkeit jener edle Ton\nim Vortrage aus, der, verbunden mit einer wahrhaft lauteren Tech-\nnik, Alles zur schönsten Geltung bringt. Indem wir vor mehreren\nJahren beklagten, unser erstes Orchester nur als Fundament und\nTräger der Oper und der Kirchenmusik bewundern zu können, hat-\nten sich inzwischen regelmässig wiederkehrende Aufführungen durch\nden Tonkünstler-Verein und die Quartett-Soireen abgezweigt, welche\nsich der wärmsten Aufnahme erfreuten. Da nun hierzu noch ein\nCyklus von je sechs Sinfonie-Concerten getreten ist, worin die Lei-\nstungen der Capelle so zu sagen culminiren, so sind in dieser Hin-\nsicht wohl alle Wünsche befriedigt.\nNachdem unser berühmter, unvergesslicher Lipinsky sich aus\nRücksicht für seine Gesundheit zurückgezogen hatte, wurde Herr\nLauterbach als Concertmeister hieher berufen. Derselbe führte\nsich dem Publicum in einem eigenen Concerte vor und gab sich\ndarin als Virtuose von echtem Schrot und Korn zu erkennen. Sein\nTon ist edel und gehaltvoll, die Technik glänzend, der ganze Vor-\ntrag gediegen und voll künstlerischer Ruhe, Mit dem schon mehr-\nmals rühmlich erwähnten Kammermusicus Hüll weck, der, unter-\nstützt von gleich strebsamen Kunstgenossen, die oben bezeichneten\nQuartett-Soireen veranstaltete, hat sich Concertmeister Lauterbach\nvereinigt, um seine Wirksamkeit in der Kammermusik auch ausser\nDresden zu verbreiten. Die Quartett-Akademieen von Concertmeister\nSchubert bieten Vorträge gewähltester Art. Die übrigen namhaf-\nten Kräfte der Capelle sind uns geblieben, und zu erwähnen bleibt\nder Hinzutritt einer neuen in der Person des Kammermusicus\nGrützmacher, der von Leipzig nach hier übersiedelte; auch die-\nser Künstler hat sich schon längst durch ein meisterliches Cello-\nspiel bekannt gemacht. Ausser ihm ist noch in Herrn Bruns ein\nVirtuose für Posaune verschrieben worden.\nWas die dresdener Oper betrifft, so stehen ihr fast für jedes\nFach die brauchbarsten Mittel zu Gebote, und sie ist im Ganzen\nvorzüglich ausgestattet. Leider aber war das Repertoire in der er-\nsten Hälfte dieses Winter-Halbjahres nur wenig genügend, wofür\nvielleicht der Hauptgrund in den wiederholten Indispositionen man-\ncher Sängerinnen und Sänger zu suchen ist; erst jetzt fängt es an,\nsich zu erholen, und wir hoffen eine Aulerstehung gewisser Errun-\ngenschaften vergangener Jahre, weiche der dresdener Oper zum\nTriumph gereichten : Armide, Cosl fan tutte, Euryanthe u. s. w.\nDie Zauberflöte und Iphigenie auf Tauris sind, von Rietz sorgfäl-\ntigst einstudirt, in Scene gegangen, und muthmaasslich würde uns\nauch die Entführung aus dem Serail in derselben Weise entgegen\ngekommen sein, wenn nicht die genannten Hindernisse eingetreten\nwären. Mit Nachdruck heben wir hervor, dass vor Kurzem die Zau-\nberflöte unter Rietz und Idomeneo unter Krebs in tieferer Or-\nchesterstimmung gegeben worden sind, und dass man ernste\nVorbereitungen trifft, welche diese rationelle Umkehr für die Oper\nüberhaupt festhalten sollen. (Wir behalten uns vor, ausführlichere,\nhierauf bezügliche Notizen und spätere Resultate in diesem Blatte\nmitzutheilen ) Für die Operette hat man allerliebste Sachen, wie:\n„Die rothe Kappe\", „Die Dorfsängerinnen\" (Fioravanti), „Der Schau-\nspiel-Director\", „Die schöne Müllerin\" u. s. w. angeworben, welche\nsämmtlich äusserst gelungen dargestellt worden sind. Verdi war\nnur vereinzelt durch den Troubadour vertreten, und Gounod's\n„Faust\" erlangte auch hier keinen nachhaltigen Beifall.\nFrau Bürde-Ney, die bekanntlich über siegesgewohnte Stimm-\nmittel zu verfügen hat, ist im Laufe ihrer Wirksamkeit am dresde-\nner Hoftheater mehr und mehr einem hohen Ziele der Kunst zu-\ngeschritten. Während wir anfänglich an ihrem Gesänge nur den\nherrlichen Timbre und eine eminente technische Fertigkeit bewun-\ndern konnten, wurde ihre Manier immer geschmackvoller, ihr Vor-\ntrag geläuterter und geistiger, so dass der geschlossene Kreis der\nAuserwählten und Priesterinnen für die Kunst jetzt ihrem Beitritte\noffen steht Ein köstliches Thermometer für die Steigerung ihrer\nLeistungen gibt z. B. Donna Anna, welche Partie sich bei ihr im-\nmer hochdramatischer und begeisternder gestaltet. Frau Bürde-Ney\nhält das Gro.ssartige stets maassvoll, der kühnste Wurf gelingt in\nihrer Ausführung; auch weiss sie von dem Reichthume ihrer Ver-\nzierungen dermaassen passend zu wählen und charakteristisch anzu-\nwenden, dass dieselben ihrem Gesänge alsdann wirklich zum Schmucke\ndienen und sie auch hiermit Entzückendes und Imposantes erreicht.\nFrau Jauner-Krall hat sich im lyrischen und naiven Genre\nbedeutenden Ruf erworben. Anmuth, Grazie und Zierlichkeit sind\nbeneidenswerthe Gaben, um sich schnell in Gunst zu setzen, und\nFrau Jauner fesselt damit um so dauernder, als sich diese Eigen-\nschaften bei ihr in .natürlicher Frische bewähren und der Schminke\noder Coquetterie nicht bedürfen. Desshalb gehören ihre Susanne,\nZerline, Despina, Margarethe (Gounod's Faust) zu den Lieblings-Ge-\nstalten, welche das Publicum mit der lebhaftesten Freude begrüsst.\nAuch Fräulein Weber, die dem eigentlichen Soubrettenfach an-\ngehört, ist sehr tüchtig und ganz besonders in den Pagenrollen (Fi-\ngaro, Hugenotten), aber auch für das Komische und die Operette\nam Platz. Frau Krebs-Michalesi (Mezzo-Sopran) gebietet\nnach wie vor über alle jene Charakter-Figuren, welche wir gewohnt\nsind, durch sie mit Effect und in edler Fassung vorgeführt zu se-\nhen. Die Herren Tichatscheck und Mitterwurzer sind\nGrosswürdenträger der Oper geblieben, obgleich der Erstgenannte\nsich in dasselbe Verhältniss zur Function an hiesiger Bühne bege-\nben hat, wie Emil Devrient, welcher, zum Ehren-Mitgliede für das\ndresdener Hoftheater ernannt, nur während festgesetzter Zeit-Ab-\nschnitte hier auftritt. Auch Herr Mitterwurzer theilt sich in Vorfüh-\nrung gewisser Partieen mit dem neuerlich hinzugetretenen Opern-\nMitgliede Herrn Degele, dessen wohltönende Baritonstimme sehr\ngut zu verwenden ist. Die Herren Rudolph, Eich berger,\nFreny, Weiss und Andere haben durch die Zeit bewiesen, welche\ntüchtige musicalische Kräfte wir an ihnen besitzen. Herr Schnorr\nvon Karolsfeld, seit wenigen Jahren hier engagirt, nahm bald\neine ausgezeichnete Stellung ein, welche er auch fernerhin behaup-\nten wird. Er ist wirklich dramatisch gebildet, wie alle Opernsänger\nes sein sollten, und sein Streben geht dahin, Gesang und Darstel-\nlung in edler Weise zu vereinbaren. Sein stummes Spiel ist ausge-\nzeichnet, und die meisten Stellungen oder Bewegungen, nach besten\nMustern studirt, sind geschickt und natürlich angebracht. Seine\nStimme hat etwas von dem Mark der Tichatscheck'schen in sich,\nohne der unverwüstlichen Heldenkraft derselben völlig gleich zu\nkommen; es ist ein kerniger, fester Ton, für den Tenor um so kost-\nbarer, je seltener er jetzt in dieser Stimmlage zu finden. Im Vor-\ntrage zeigt sich immer hohes Verständniss, Geschmack, Maasshalten\nbei Gefühlstiefe, und zwar nicht allein im dramatischen, sondern\nauch im kirchlichen Stile und im engeren Bereiche des Concertge-\nsanges. Gewiss dürfte es diesem gefeierten, muthig strebenden Künst-\nler auch noch gelingen, der manchmal zu dunklen Färbung einiger\nVocale und dem zu hörbaren Schärfen des Consonanten „ch\" seiner\nübrigens deutlichen und angenehmen Aussprache abzuhelfen. Die\nnämliche Tendenz, welche Schnorr von Karolsfeld für seine Kunst\nverfolgt, beseelt auch eine Sängerin, die, in Dresden ansässig, bis-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.7", "texte": "her in Kirchenmusik und Concert verdienstvoll gewirkt und sich\nvor Kurzem der Bühne gewidmet hat: Frau Sophie Förster.\nDieselbe war durchaus berechtigt, diese Bahn zu betreten, da ein\nunverkennbarer Drang zur Darstellung ihrem Gesänge innewohnt\nund demselben oft entschieden dramatisches Gepräge verlieh. Refe-\nrentin ist Augen- und Ohrenzeuge der Stadien gewesen, denen Frau\nFörster sich für die Bühne unterzogen, und nahm mit Freuden\nwahr, wie Declamation, Pantomime und Gesticulation eigentlich\nschon vollständig vorbereitet, nur der planmässigen Anleitung be-\ndurften, um sich wie von selbst zu lösen und als bedeutend hervor-\nzutreten, Eine geschärfte feine Beobachtung, welche diese Künst-\nlerin an eigene, wie an die Leistungen Anderer legt, hat sie dabei\nwesentlich unterstützt, so dass in verhältnissinässig kurzer Zeit ein\nRepertoire wichtiger Partieen für sie hergestellt war. Ihr Engagement\nin Meiningen begann sie im verflossenen November mit Norma,\nwonach Donna Anna, Agathe, Lucrezia folgten und woran sich Ro-\nsine, Susanne, Isabella (Robert) und andere schliessen werden. Für\ndie lyrische Gattung und das Coloraturfach scheint sie am geeignet-\nsten, obwohl sie vermöge einer mehrseitigen Darstellungsfähigkeit\ndiejenigen von den grossen Partieen mit umfassen kann, welche\nihrem Genre am nächsten liegen.\nDie Einseitigkeit vieler Operndarsteller, welche nur den Gesang\nim Auge haben, und die übrige Action wenig oder gar nicht culti-\nviren, gehört mit unter die Uebelstände, welche Wagner mit vollem\nRechte gegeisselt und grell beleuchtet hat. Obwohl dieser genannte\nVorwurf nicht erst jetzt laut geworden, sondern schon lange vor\nWagner ausgesprochen war, ist es um so bedauerlicher, dass die\nNotwendigkeit einer solchen künstlerischen Anforderung trotz der\nleuchtenden Vorbilder Einzelner und des kritischen Raisonnements\nVieler die Mehrzahl noch so wenig durchdrungen hat.\nMöchten doch alle besonders junge Kräfte, welche sich\nfür die Oper bestimmen, eben so technisch im Spiel wie im Gesänge\ngeübt werden; möchten die Lehrmethoden für Dramatik den musi-\ncalischen Ausdruck und dessen Uebereinstimmung mit der ganzen\nDarstellung heranbilden! Dass fortgesetzte Selbsterziehung hierin\nwie überall erst zur Vollendung führen kann, ist natürlich, und so\nwollen wir nicht unterlassen, mit diesem Hinweis zugleich zweier\njugendlicher Sängerinnen zu gedenken, welche vor einiger Zeit un-\nserer Oper beigetreten sind, hräulein Alv sieben besitzt eine hohe\nSöpranstimme von ätherisch reinem, hell schimmerndem Klange, de-\nren Ton in jeder Beziehung wohlgebildet, ausfüllend, wenn auch\nnicht eigentlich stark zu nennen ist. Im Vortrage zeigt sich Ge-\nschmack, im ganzen Erscheinen natürlicher Anstand. Besonderes Ge-\nwicht ist auf die fundamental musicalische Ausbildung zu legen,\nwelche Genannte durch eigenes Talent und Unterricht (Dresdener\nConservatorium, Gesang: Herr Kammermusicus Thiele) erwarb, und\nvermöge welcher sie in den Stand gesetzt worden, schon mehrmals\nplötzlich während der Vorstellung oder kurz vor Beginn derselben\nfür eine andere Sängerin einzutreten. Zu wünschen ist, dass eine\nhöhere Begeisterung sich ihrer Empfindungen bemächtige, dass Man-\nches belebter, dramatischer sich kund gebe. Da aber Fräulein Alvs-\nleben mit ihren oben erwähnten Vorzügen auch noch die persönli-\nchen Eigenschaften der Bescheidenheit und Klugheit vereinigt, welche\nsie z. B. dadurch an den Tag legt, dass sie heute Margaretha von\nValois, Irene (Rienzi) oder Bertha (Prophet) und morgen eben so\nwillig eine Brautjungfer oder das Bärbchen singt, ist zu erwarten,\ndass sie ohne Selbstüberschätzung überall um so sicherer Fuss fas-\nsen und ihr Ruf sich um so schneller ausbreiten werde. Fräulein\nBald amus hat uns als Pamina und Gräfin Rosine mit einer schö-\nnen Stimme bekannt gemacht, welche dem Umfange, dem Timbre\nund der gleichmässigen Kraft nach eine grosse genannt werden\nmuss und eigentlich das Ton-Material für hochdramatische Partieen\nmit sich führt. Jedoch lässt schon die technische Ausbildung am\nGesänge zu wünschen übrig (harter Ansatz in den Mitteltönen), und\nder an sich weiche, volle Stimmenklang sowohl, als auch die bril-\nlante I igur sprechen zu wenig aus. Wie wir erfahren, bemüht sich\ndiese junge Dame, durch fortgesetzte Studien vorzuschreiten, und\nmöge dieses lobensvverthe Streben mit Erfolg belohnt werden!\nDresden, im Januar 18(2.\n\nLouise Nitzsche, geb. Kindscher.\n\nAus Mainz.\nDen 6. Januar 1862.\nIch habe Ihnen von einem Concerte zu berichten, welches am\n3. d. von Herrn Capellmeister Lux veranstaltet wurde, und aus\ndoppeltem (irunde verdient durch Ihre geschätzte Zeitung zur Kennte\nniss weiterer Kreise zu gelangen. Denn erstens wurde dasselbe durch\ndie grosse Zahl der mitwirkenden Kräfte zu einem aussergewöhnli-\nchen gestempelt, indem das Orchester allein über 70 Stimmen zählte\nzusammengesetzt aus den für Streichmusik brauchbaren Kräften\nder hiesigen drei preussischen Militär-Musikcorps und mehreren\nMitgliedern des darmstädter, Wiesbadener und des hiesigen Theater-\nOrchesters. Zweitens galt es die Aufführung des preisgekrönten\nKrönuDgs -Marsches von Fr. Lux, dessen Partitur mit der De-\ndication an Se. Maj den König von Preussen vor Kurzem bei Bock\nund Bote in Berlin erschienen ist. Obwohl es schwer hält, nach ein-\nmaligem Anhören über diese Compositum ein umfassendes Urtheil zu\nfällen, so wurde doch von allen anwesenden Musikverständigen an-\nerkannt, dass diese im grossen symphonischeu Stile angelegte Ton-\nschöpfung mit voller Wahrheit ein' Meisterwerk zu neDnen ist, und\nvon hinreissender Wirkung sein muss, wenn die Besetzung der Gei-\ngen-Instrumente so stark genommen wird, wie wir sie bei unseren\nMusikfesten gewohnt sind; wenn ferner statt einer Harfe deren\nvier ihre bedeutende Partie ausführen, und endlich, wrenn eine\nwirkliche Orgel (statt, wie hier, Blasharmonie) in der zweiten Hälfte\nder Composition ihre e hab nen Klänge mit dem Orchester verbindet.\nEntsprechend dem Motto: „Der Herr hat ihn beschirmt, Er gebe ihm\nechten deutschen Muth, dann wird der Sieg nicht fehlen\" —, sind\ndie Hauptmotive der Composition in wahrhaft genialer Weise ver-\nwebt mit dem Chorale: „Nun danket Alle Gott\", dann mit jener rei-\nzenden Stelle aus dem Arndt-Reiehardt'sihen Vaterlandsliede: .So\nTi\nweit die deutsche Zunge klingt\" u. s. w. und endlich mit dem\n„Heil Dir im Siegerkranz\", welches die Harfen anstimmen und in\nprachtvollen Figuren durchführen, während das Orchester die ju-\nbelnden Klänge des Marsch-'] hema's weiter führt, und die Orgel\njetzt die feierlichen Acorde des obigen Choials in das Ganze hinein-\nbrausen lässt. Die Aufnahme der Composition Seitens des Publicums\nwar eine enthusiastische und sind schon Stimmen laut geworden,\nwelche eine Wiederholung in unserem Theater wünschen, weil eines-\ntheils die Räume des Frankfurter Hofes, obschon mit etwa 150 H\nPersonen angefüllt, nicht hinreichten, das herbeigeströmte Publicum\nzu fassen, und dann auch von Allen eingesehen wurde, dass bei die-\nsem grossartigen Tonwerke ein mehrmaliges Anhören durchaus noth-\nwendig ist.\nVon anderen Sachen wurden aufgeführt der auf dem nürnberger\nGesangfeste bereits zur Geltung gekommene Germania-Marsch von\nF* Lux, welcher hier, nicht wie in Nürnberg, von Blas-Instrumenten,\nsondern seiner ursprünglichen Bestimmung gemäss, vom vollständi-\ngen Orchester ausgeführt wurde. Die Wirkung war daher eine grössere\nund rief einen lange anhaltenden Beifallssturm hervor. Dann hörten\nwir ferner Gluck's unvergleichliche Iphigenien-Ouverture, zwei ita-\nlienische Coloratur-Arien von der vortrefflichen Sängerin Fräulein\nTipka aus Wiesbaden, und von einem angehenden Tenoristen, Hrn.\nLorenz Riese (%chüler des Kammersängers Koch in Köln) die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620111-01.1.8", "texte": "Scene aus dem Freischütz, und die Romanze aus der Euryanthe,\nwodurch er hier in seiner Vaterstadt mit seiner vielversprechenden\nStimme unter grossem Beifall sein erstes öffentliches Auftreten\nfeierte.\nHerr Capellmeister Marpurg wird, wie uns mitgetheilt wird,\nam 15. Januar die Capellmeisterstelle am hiesigen Stadttheater nie-\nderlegen und sich auf Reisen begeben. An seine stelle tritt mit dem\nangegebenen Zeitpunkte Herr Gustav Schmidt, der langjährige\nCapellmeister des Stadttheaters in Frankfurt a. M. Wir brauchen\nkaum zu sagen, dass die Nachricht von dem Weggange Marpurg's\nbei allen Gesang und Musik-Freunden in unserer ttadt allgemeines\nBedauern erregt, denn was er als musicalischer Leiter des I amen-\ngesang-Vereins und der Liedertafel, namentlich zuletzt noch als Di-\nrigent des grossartigen vierten mittelrheinischen Musikfestes geleistet,\nwird hier nicht in Vergessenheit kommen, eben so wenig wie seine\nVerdienste um die hiesige Oper.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* Am 7. d. Mts. hörten wir in der dritten Soiree\nfür Kammermusik zwei schöne Violin-Quartette: von Mozart\ndas in F-dur mit dem prächtig lebendigen Schlusssatze, und von\nBeethoven das in D-dur, Op. 18, jenes liebliche, so recht echt\ndeutsch-melodische Tongebilde, das sich, wie seine fünf Schwester-\nbilder desselben Werkes, jetzt so oft in den Hintergrund gestellt\nsieht, weil es Mode ist, die Peiiodc der unserer Zeit würdigen\nQuartette erst mit Beethoven's Op. 59 oder gar erst mit Op. 95 zu\nbeginnen, oder noch besser erst mit Schumann. Damit wir nun auch\ndiesen Abend nicht leer ausgehen sollten an moderner „Inhaltsmu-\nsik\", so war zwischen die zwei anmuthigen, durch melodischen Ge-\nsang, tiefes Gemiith und hohe wissenschaftliche Bildung bezaubern-\nden Schönen ein Ungethüm eingeschoben, genannt Clavier-Trio\nin B-moll von Robert Volk mann, ein total formloses Geschöpf,\ndas auf dunkeln, düsteren Wegen wandelt und sich zur Veränderung\nein paar Mal über Felsen und Erdschlipfe kopfüber stürzt, dass\nman glaubt, „es liege da mit viel Tausenden\", wie Egmont sagt,\nim Abgrund; aber nein, es stöhnt und klagt von Neuem von unten\nherauf und hält uns noch eine lange Weile nieder in derselben\nangstvollen Spannung, die es von vorn herein hervorrief. Diese war\nim Anfange noch allenfalls zu ertragen, weil man da etwas erwar-\ntete; am Schlüsse aber, wo man nach halbstündigem Harren über-\nzeugt war, dass nichts komme, wurde sie unerträglich und schlug\nin grässliche Langeweile um. Sollte das Publicum etwa durch den\nVortrag dieses Werkes (d-n* übrigens in den Händen der Herren\nHill er, Grunwald und Schmitt ein durchaus vollendeter war)\neinen Vorgeschmack von dem neuesten Fortschritte der Kammer-\nmusik bekommen, so ist der Zweck vollkommen erreicht worden.\nDas Publicum ist sich jetzt ganz klar darüber. Uebrigens wäre es\nzur Ehrenrettung Volkmann's, des gewiss begabten, aber seine Ga-\nben missbrauchenden Tondichters, wünschenswerth, dass in einer der\nfolgenden Sitzungen eines von seinen Violin-Quartetten vorge-\nführt würde, vielleicht das in E-moll, Op. 35, das wir gerade dess-\nwegen vorschlagen möchten, weil dem sonst so düsteren Compo-\nnisten über dieses Quartett der Vorwurf einer zu grossen Klarheit\nund Weichheit gemacht wird, wie wir irgendwo gelesen haben.\nAngenehme Abwechslung brachten die Gesang-Vorträge des Fräu-\nleins Genast; nur können wir es nicht wohl begreifen, dass eine\nso gebildete Sängerin eine so dilettantische Wahl trifft, wie die Te-\nnorlieder „Am Meere\" und „Mein\" von Schubert bewiesen; es ist\ndoch gar zu spasshaft, wenn ein Mädchen entzückt in die Welt\nsingt; „Die geliebte Müllerin ist mein!\" Von J. Raff hörten wir\ndurch sie ein allerliebstes „Lied im Volkstone\", das auch allgemein\nansprach.\nIn dem nächsten Gürzenich-Concerte, Dinstag, den 14.\nd. Mts., werden Hob. Schumann's Corapositionen: rScenen\naus Göthe's Faust\" für Solostimmen, Chor und Orchester, voll-\nständig aufgeführt. Von den Solostimmen (deren zwölf bis fünfzehn\nsind) wird die Partie des Faust durch Herrn Stockhausen ge-\nsungen werden\nAm 5. d. Mts. hatte der kölner Sängerbund eine öffent-\nliche Liedertafel im zweiten Saale des Gürzenich veranstaltet,\nan welcher über 200 Personen fröhlichen Antheil nahmen. Der Bund\nbekundete unter seinem gegenwärtigen Dirigenten Herrn Bitter\nbedeutende Fortschritte durch den Vortrag besonders der drei ersten\nLieder von Abt. Bertelsmann und einer schönen Volks-Melodie: „Des\nReiters Abschied'*. Ausserdem fehlte es nicht an heiteren musicali-\nschen Vorträgen, welche, mit dem eigentümlich kölnischen Humor\nausgeführt, die Gesellschaft ergötzten. Doch dürfte dabei auf die\nnahe liegende Gefahr, etwas zu weit von dem künstlerischen Zwecke\ndes Sängerbundes abzukommen, aufmerksam zu machen sein.\n7. Januar. Die Proben zu F. Hillens Oper:\n„Die Katakomben\", Text von M. Hartmann, sind in vollem\nGange. Die erste Aufführung auf dem hiesigen Hoftheater ist auf\nden 2. Februar festgesetzt.\nf Amsterdam, 5. Januar. Das erste Concert der „Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst\" fand am 21. December v. J.\nim Parksaale unter Leitung Rieh. Hol's Statt. Es wurden Men-\ndelssohn's „Walpurgisnacht\", eine Arie mit Chor aus Beetho-\nven's Maccabäern („Christus am Oelberge\") und „Das Lied von der\nGlocke\", jene veraltete Composition von A. Romberg, aufgeführt\nein Programm, dem sich R. Hol, der hier als ein eifriger Pro-\npagandist der Schule von Liszt, Wagner & Comp, auftritt, nur un-\ngern gefügt haben mag. Die Arie von Beethoven wurde von unse-\nrer so beliebten Frau Offermanns van Hove sehr schön gesun-\ngen, aber die Ausführung der grösseren Cantaten war in jeder Hin-\nsicht mangelhaft; das Orchester war schwach, der Chor sang nicht\nrein, die Tempi wurden namentlich in der „Glocke\" entstellt, mit\nEinem Worte: der Dirigent blieb hinter seiner freilich lästigen\nund schwierigen Aufgabe zurück, und die ganze Aufführung ent-\nsprach den Erwartungen nicht, die man von einem so bedeutenden\nVereine hegt. Nächstens werden wir das alljährliche Musikfest\ndes Vereins des heiligen Vincenz von Paula unter der Direction des\nHerrn Heinze feiern, worüber wir seiner Zeit berichten werden,\nwährend derweilen die Concerte in Felix Meritis und im Parksaale\nauf einander folgen und einander gleichen werden, die manchmal In-\nteresse erregen, öfter aber langweilig und von nicht eben ernstlich\ngemeinter künstlerischer Tendenz sind. Die italiänische Oper hat\nsich aufgelöst. August Kömpel ist zu uns zurückgekehrt;\ner spielte am 4. Jan. hier zum dritten Male, und zwar in dem Con-\ncerte der Liedertafel „Euterpe\", mit ganz ausserordentlichem Erfolg\nSpohr's Gesangscene, ein Air varie von Vieuxtemps und eine\nanmuthig melodische Reverie pour le Violon von Ed. de Hartog.\nNach jedem Stücke wurde er zwei Mal stürmisch gerufen. Er spielt\nden 8. d. Mts. in Dordrecht und den 18. in Utrecht. Seit Wie-\nniawski hat kein Violinist in Holland einen solchen Erfolg gehabt,\nwie er. Der Violoncellist Davidoff aus Leipzig bat hier in\nFelix Meritis und im Haag gespielt und eine günstige Aufnahme\ngefunden."}]}