{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_sha256": "c49a6e07d90ea39e96f0831ec8e1f0080ddcb34542329a833ac8762637607b6b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/01/25_01/bmtnabi_1862-01-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 464, "texte": "Inhalt.\nCherubini IV. Aus Frankfurt am Main. Ein altes Lied mit neuem Text. Von A. Schindler. 111. —Fünftes\nGosellschafts-Concert in Köln im Gürzenich (Rob. Schumann's Musik zu Scenen aus Göthe's Faust). 11. Aus Bonn (Städtischer Ge-\nsangverein, Concert). Aus Wien (Zustände der Kritik). Von Veritas. Aufruf zu Beiträgen für ein Marschner-Denkmal in Han-\nnover. Tages- und Unte r h a 1 tun gsb] a 11 (Köln, Soiree von Frau Clara Schumann, Soiree von E. 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J., Nr. 1 d. J.)\nMan hat den Deutschen so oft den Vorwurf gemacht,\ndass sie ihre grossen Tonkünstler im Leben hätten ver-\nkümmern lassen, und es ist auch etwas Wahres daran,\nwenn auch nicht in dem Maasse, als das Gerede der Menge\nes annimmt, welches sich an einzelne Fälle anzuklammern\npflegt und die hundert widersprechenden ignorirt. Dass\naber auch das Ausland, namentlich das gepriesene Frank-\nreich, ähnliche Beispiele der Vernachlässigung seiner gröss-\nten Künstler liefert, zeigt Cherubini, der bis in seine sechs-\nziger Jahre, also den bei Weitem grössten Theil seines\nLebens hindurch, mit Sorgen für sein Hauswesen zu käm-\npfen hatte.\nCherubini hatte kein Vermögen von Hause; er war\nder zehnte von zwölf Geschwistern, die er alle überlebt\nhat*). Im Jahre 1792 starb sein Vater. Zu dieser Zeit\nlebte Cherubini auf der Carthause Gaillon, welche der\nArchitekt Louis, einer seiner vertrautesten Freunde, zu\neinem Landhause für sich umgeschaffen hatte. Hier brachte\nder Meister die Jahre 1792 und 1793 zu, da er Paris\nund die dortigen Revolutionsstürme aus Grundsatz mied.\nWenngleich wir oben (11., Nr. 52, S. 409) behauptet ha-\nben, dass der Umschwung der Ideen durch die Revolution\neinen grossen Einfluss auf seinen musicalischen Stil gehabt\nhabe, so ist es doch charakteristisch, dass jene patriotische\nBegeisterung, welche damals auch die Tonkünstler ergriff\nund sie zur Composition von Revolutionsgesängen u. s. w.\nantrieb, ihn kalt liess. Er hat nichts der Art geschrieben,\nwährend nach Rouget de l'lsle's Chant de l'armee du Rhin\n{la Marseillaise) Mehul den Chant du derart, Chant de\nVictoire, Chant de retour,Gossec die\ndie Hymne an die Vernunft, die Hymne zum Feste des\nhöchsten Wesens, Gaveaux Le Reveil du peuple u. s. w.\ncomponirten.\nDer Oper Elisa ou le Mo kann man\nauch kein patriotisches oder politisches Motiv bei dem Com-\nponisten unterlegen, wenngleich der Uebergang der Fran-\nzosen über den St. Bernhard darin mitspielt. Die schöne\nMusik, namentlich des ersten Actes, spiegelt ein ganz an-\nderes Gefühl wieder, als Krieg und Freiheit, das Gefühl\nder Liebe, die sich des Herzens des Tondichters bemäch-\ntigt hatte. Im Jahre 1794 vermählte er sich mit Cäcilie\nJ ourette, der Tochter eines Musikers der königlichen\nCapelle; ihre vorzüglichen Eigenschaften des Geistes und\nHerzens, musicalische Bildung und treue Anhänglichkeit\ndurch das ganze Leben hindurch waren für ihn eine Stütze\nund Erhebung in allen Verhältnissen. Als Denkmal seiner\nLiebe ist aus dem Jahre 1792 ein Lied, L'Amitie betitelt,\nvorhanden.\nFreilich mehrte die Verheirathung die Sorgen für die\nErhaltung der Familie. Die Compositionen für die Opern-\nTheater trugen damals auch in Paris wenig ein; man war\nnoch himmelweit von den grossen Honorarzahlungen und\ndem nachhaltigen Ertrage der Einnahme-Antheile entfernt,\nwelches alles jetzt die Compositeurs de succes zu reichen\nLeuten macht. Eine öffentliche Anstellung erhielt Cheru-\nbini erst bei der Gründung des Conservatoires. Sarrette,\nder eigentliche Begründer der nachmals so berühmten An-\nstalt, hatte im Geiste der Zeit das Interesse der herrschen-\nden Partei für die Musik der INationalgarde! zu erregen\ngewusst, bei welcher er Capitain im Generalstabe war.\nZunächst brachte er ein Musikcorps von 45 Musikern zu-\nsammen und dann eine Ecole gratuite de musique de la\ngar de nationale (9. Juni 1790), die 70 Musiker zählte.\nDaraus entwickelte sich durch seine Bemühungen ein In-\n\n*) Die verschiedene Angabe seines Geburtstages s. Ar.t. I. in\nNr. 48 des vor. Jahrg. wird uns von Paris aus jetzt dahin\naufgeklärt, dass er am 8. September 1760 geboren, aber\nerst am 14. September getauft worden ist."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5434, "texte": "stitut national demusique (Beschluss des Convents vom 8.\nNovember 1793), bestehend unter seiner Leitung aus 115\nKünstlern und 600 Zöglingen, mit der Bestimmung, „die\nNationalfeste musicalisch zu verherrlichen\"! Endlich ge-\nstaltete sich daraus die Organisation des\nmusique durch Decret vom 25. October 1795. Die Gas-\nsen wurden den 30. October 1796 eröffnet. Die Direction\nerhielt Sarrette, und neben ihm wurden fünf Inspec-\ntoren ernannt: Gossec, Gretry, Mehul, Lesueur und\nCherubini.\nNun hatte Cherubini eine Anstellung, aber das Ge-\nhalt, das mit ihr verbunden war, war sehr klein und reichte\nnicht einmal für die nothwendigsten Bedürfnisse aus. Na-\npoleon that, wie schon des Weiteren erzählt, nichts, um\ndie Lage des berühmten Tonsetzers zu erleichtern; erst\nwährend der hundert Tage ernannte er ihn wenigstens\nzum Mitgliede der Ehrenlegion.\nDie Restauration vernachlässigte das Conservatoire als\neine Schöpfung der Repuhlik*). Doch verdankte Cheru-\nbini ihr eine Verbesserung seiner Lage, indem er zum\nLehrer der Composition ernannt wurde und nun (seit\n1816—also erst in seinem sechsundfünfzigsten Jahre!)\nein Gehalt von 3000 Francs erhielt. Auch wurde er, da\nLudwig XVIII. die Zahl der musicalischen Akademiker von\ndrei auf sechs erhöhte; Mitglied der Akademie.\nDie Leitung des Conservatoriums erhielt Perne unter\ndem Titel eines Inspecteur general. Die Regierung that\naber nichts für die Anstalt und Hess sie förmlich verkom-\nmen. Die im Jahre 1860 in Paris erschienene Ilistoire\ndu Conservatoire de musique von Lassa bat hie* enthält\nmerkwürdige und fast unglaubliche Beweise dafür. Es gab\nmehrere Lehrer, die nicht mehr als 500 Francs Besoldung\nhatten. Das gesammte Material war in einem erbärmlichen\nZustande; viele Classen hatten gar keine Instrumente, ja,\nim ersten Jahre fehlte es sogar an Holz zur Heizung, und\nman verbrannte alte Möbel und alte Claviere. Perne war\nein tüchtiger Musiker und dabei Gelehrter und Schrift-\nsteller. Er that sein Möglichstes, um bessere Gehälter für\ndie Lehrer zu erringen und Ordnung in das Ganze zu\nbringen; aber vergebens. Er nahm im Jahre 1821 oder\nAnfang 1822 seine Entlassung.\nNun endlich waren die Mängel des Conservatoriums\nzu schreiend geworden. Der Marquis von Lauriston, Mini-\nster des königlichen Hauses, nahm sich der Sache mit\nErnst an; er sah ein, dass nur eine beträchtlichere Ver-\nbesserung der Fonds der Anstalt und eine energische Lei-\ntung im Innern das Conservatorium wieder zu heben ver-\nmöge. Zu dieser glaubte er in Cherubini den rechten Mann\ngefunden zu haben, und er hat sich nicht getäuscht. Er\nernannte ihn den 1. April 1822 (nicht 1821, wie in Nr.\n1, S. 3, durch einen Druckfehler steht) nicht zum Gene-\nral-Inspector, sondern zum wirklichen Director der\nAnstalt.\nJetzt erst erhielt Cherubini durch das Gehalt von 8000\nFrancs und 1500 Francs Mieth-Entschädigung eine sor-\ngenfreie Existenz. Aber es war Zeit! denn er war schon\ninmitten seines zweiundsechszigsten Lebensjahres. Später\nwurde das Gehalt auf 10,000 Francs im Ganzen erhöht.\nBis dahin hatte der in ganz Europa berühmte Meister\nein bescheidenes Quartier im dritten Stock des Hauses Nr.\n19 in der Strasse Faubourg-Poissonniere bewohnt. In sei-\nnem Schlafzimmer stand dem Kamin gegenüber ein schma-\nles Ciavier von fünf und einer halben Octave, das ihm seit\nJahren zum Componiren diente. An dem einen Ende des-\nselben vor einem Fenster stand sein kleiner Arbeitstisch.\nDas Instrument war aus der Fabrik des alten Sebastian\nErard, und Cherubini hielt es ausserordentlich werth; er\nliess es sogar, wenn er bei einem seiner Freunde ausser-\nhalb Paris wohnte, z. B. in Chimay, Chartres, Gaillon\nu. s. w., jedes Mal dorthin bringen. Seine Gattin schenkte\ndas Instrument nach seinem Tode an Pierre Erard, den\nNeffen und Nachfolger Sebastian's, für dessen, Sammlung\nvon historisch merkwürdigen Instrumenten, und in dieser\nbefindet es sich noch jetzt neben den Ciavieren von Gluck\nund Piccini.\nSobald Cherubini die Zügel der Anstalt ergriffen hatte,\nlenkte er sehr bald Alles in festere Bahnen. Er entwickelte,\nsobald er Herr war, ein bedeutendes Einrichtungs- und\nVerwaltungs-Talent, während ihm bei der Anordnung des\nUnterrichts in den verschiedenen Classen und der Vervoll-\nkommnung der Methode die langjährige praktische Erfah-\nrung zur Seite stand. Allerdings wurde er dabei durch ein\ntreffliches Lehrer-Personal unterstützt, welches Männer\nwie Lesueur, Berton, Boieldieu, Reicha, Fetis, Daussoigne\nfür die Compositionslehre, Lays, Garat, Plantade, Pon-\nchard, Biangini, Bordogni, Garaude für den Gesangunter-\nricht, Benoist, Pradher, Zimmermann, L.Adam, Rudolph,\nKreutzer, Baillot, Habeneck, Baudiot, Levasseur, Lefebvre,\n\n*) Sarrette wurde den 28. December 18J4 ohne Weiteres ab-\ngesetzt, erhielt zwar während der hundert Tage seine Stelle\nwieder, verlor sie aber nochmals im Jahre 1815. Zwar sah\nLudwig XVIII. das Unrecht ein, das man dem um die Anstalt\nso verdienten Manne angethan, und ernannte ihn 1817 zum\nRitter der Ehrenlegion mit Patent vom 7. »December 1814;\nallein eine Anstellung erhielt er nicht wieder. Eine vollstän-\ndige Ehren-Genugthuung ist ihm erst in neuester Zeit, einige\nWochen vor seinem Tode (den 11. April 1858) geworden, als\ndie Aufstellung seiner Büste von Marmor in dem Hauptsaa*le\ndes Conservatoriums beschlossen wurde, wo sie sich jetzt, von\nPoitevin gemeisselt, befindet. Jener Beschluss erheiterte für\neinen Augenblick die letzten Tage des dreiundneunzigjährigen\nGreises."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 946, "texte": "Delcambre, Vogt u. s. w. für die Instrumente aufweisen\nkonnte. Die Verwaltung der Bibliothek, worauf von Be-\nginn der Anstalt an grosse Sorgfalt gewandt worden war,\nhatte Perne auch noch ein Jahr lang unter Cherubini's\nüireclion behalten. Dann zog er sich auf eine kleine länd-\nliche Besitzung bei Laon zurück, wo er im Jahre 1832\nim Alter von sechszig Jahren starb. Seine Schriften über\ndas Noten-System der Griechen und über die Musik des\nMittelalters hatten ihm Ruf verschafft.\nSchon im August 1822 wurde auf Cherubini's An-\ntrag das Pensionat auf dem Conservatorium, welches ab-\ngeschafft worden war, wieder hergestellt; bald darauf auch\ndie öffentlichen Uebungen der Zöglinge in Orchester- und\nGesang-Aufführungen, zu denen auch alle diejenigen ge-\nzogen wurden, welche seit 1816 den ersten Preis erhalten\nhatten. Diese Uebungen waren das Vorspiel zu der Con-\ncert-Gesellschaft des Conservatoires, deren Stifter später\nHabeneck wurde (1828)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "29", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.3", "debut_caractere": 948, "fin_caractere_exclue": 5573, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nEin altes Lied mit neuem Text.\nVon A. Schindler.\nIII.\nIm dritten Museums-Concerte (20. December) kam\nBeelhoven's achte Sinfonie in F zur Aufführung. Ein die-\nser Aufführung unmittelbar vorausgegangener Vorfall im\nOrchester hatte auf die Mehrzahl der Mitglieder verstim-\nmend eingewirkt, was das Auditorium mit zu fühlen be-\nkam. Da wir es jedoch hauptsächlich mit der geistigen\nAuffassungsweise der Werke Seitens des Dirigenten zu\nthun haben und wie diese auf die Ausführung zurück-\nwirkt, so können wir an den Gründen dieser Verstimmung\nvorübergehen.—Das Tempo des ersten Satzes, Allegro vi-\nvace e con brio,ward mit so lobenswerther Mässigung er-\ngriffen, dass die Bewegung nur einem einfach lautenden\nAllegro entsprochen hat. Herr Müller that recht, von je-\nnen Beiwörtern abzusehen, die, im modernen Sinne ver-\nstanden, zur Abhetzung verleiten und den Satz in die hoch-\nberühmte Kunst-Epoche „Johann Strauss\" zu versetzen\nAnlass geben können. Was das folgende Allegretto be-\ntrifft, so ist leider schon Mendelssohn mit so verführeri-\nschem Beispiele vorgegangen, dass wohl jede Anmerkung\nhierüber nutzlos erscheint; man müsste nur die Herren\nDirigenten behufs besseren Verständnisses ins pariser Con-\nservatoire schicken können. Vergeblich wäre es also, zu\nzeigen, wie bei der gewöhnlich rohen Behandlung sogar\nder gemeine Begriff von Scherzando zerstört werden würde,\nnun vollends die superfeine, stellenweise die höchste Zart-\nheit erfordernde, neckische und neckende Conversation in\ndiesem Beelhoven'scben Scherzando, aus dem in der Kegel\nein Leierkastenstück gemacht wird. In Leipzig war es ein-\ngeführt, die Walze laufen zu lassen, bis das Stück zwei\nMal abgespielt war. Vielleicht wird dies bis heute noch\nproducirt.\nGanz entsprechend war die Ausführung des dritten\nSalzes dem Charakter der Menuette, im Trio aber blieben\ndie sechs Violoncelle mit der hervortreten sollenden Trio-\nlen-Begleitung, die sich um die Cantilene rankt, hinter der\nAufgabe zurück. Die Wirkung war etwa wie von nur zwei\nSpielern ausgehend. Der Grund wird in der zweckwidri-\ngen Stellung des Dirigenten zum Orchester zu suchen sein.\nGleichwie der Commandant in wohlberechneter Entfernung\nvon seiner Truppe Stellung nimmt, um diese sowohl in\nihrer Geschlossenheit, wie auch in der entstehenden Glie-\nderung in Folge der Manövrirung übersehen zu können,\neben so soll der Dirigent immer, wenigstens in den Pro-\nben, in einer gewissen Distanz sich dem Orchester gegen-\nüber stellen, um die Wirkung der verschiedenen Tonschat-\ntirungen über den ganzen Saal berechnen zu können. Steht\ner aber dicht am Orchester, wie es hier der Fall, vor\nsich die erste Violine, hinter sich die zweite Violine mit\nViola, zur Rechten Violoncelle mit den Contrabässen ha-\nbend, so wird ihm die sichere Berechnung der Klangfär-\nbungen ganz unmöglich, und es meist vom Zufall abhan-\ngen, wenn diese die richtigen sind*).\n\n*) Man streitet sich in frankfurter Blättern über die Stellung an\nund für sieh, die Herr Müller im Orchester einnimmt. Es\nist die oben bezeichnete. In Wien macht das Orchester in\nlangen Reihen Front gegen das Auditorium, dessgleichen der\nChor. Niemals sieht man einen oder den anderen Körper kreis-\nförmig aufgestellt. Niemals wird das Orchester zwischen die\nChormassen eingekeilt, wodurch diese zuweilen weit von ein-\nander abstehen; immer erscheint das Orchester hinter dem Chor\nterrassenförmig aufgestellt. Der Dirigent hat sein Pult vor\nden Chormassen und steht mit dem Gesichte allzeit zum Audi-\ntorium gewandt. Da in den Proben bereits Alles geordnet und\ngeebnet, wie auch den Mitwirkenden der ihnen zufallende An-\ntheil zum Gelingen des Ganzen schon bekannt geworden, so\nwird eine Drehscheibe für den Dirigenten überflüssig. Oftma-\nliges Hin- und Herwenden, Zuwinken und Kopfnicken wirken\nstörend auf die Zuhörer. Anders sehen wir diese Dinge\nin Paris [und London]. Der Dirigent steht dort mit dem Ge-\nsicht zu Chor und Orchester gewandt, zeigt mithin dem Publi-\ncum den Rücken. Im Westen und Norden Deutschlands\nscheint aller Orten die auch hier übliche Seiten-Stellang des\nDirigenten beliebt zu sein. Capellmeister Guhr und auch\nMendelssohn beobachteten sie als Regel. Es kann jedoch kei-\nner Frage unterliegen, dass solche Stellung offenbar unvorteil-\nhaft ist. [?] Dies, dann die getrennten Chormassen einander\ngegenüber, die Violinen und Violen gleichfalls einander gegen-\nüber gestellt, der Dirigent von dem Damenchor und den Saiten-\nInstrumenten umrungen das zusammen ergibt eine ent-\nschieden zweckwidrige Aufstellung, in Folge welcher die Schall-\nwellen, statt nach akustischen Gesetzen an die dem Or-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5637, "texte": "Die Bewegung des vierten Satzes anlangend, so war\ndiese im Beginn die entsprechende, bald aber kam das\nOrchester ins Eilen, worin die Contrabässe in altgewohn-\nter Weise sich hervorthaten, und um deutliche Sonderung\nder in den Violinen und Violen fortlaufenden Triolen war's\ngeschehen; in möglichster Tonverdünnung schwamm Alles\nin einander.\nDem Schlüsse dieses fast schon zu langen, dennoch in\nmehreren Theilen noch zu kurz gehaltenen Aufsatzes sich\nnähernd, soll noch einer Erinnerung an die Wirksamkeit\ndes verstorbenen Capellmeisters Guhr Raum gegeben wer-\nden, der bei allen älteren Musikern und Musikfreunden\nFrankfurts im besten Andenken steht; denn eine grosse\nSumme wichtiger Erlebnisse für alle Theile knüpft sich\nan den Namen dieses wahrhaft ausgezeichneten Künstlers.\nDie kunstgeschichtlich festgestellte Thatsache, dass Guhr\neiner der befähigtsten, umsichtigsten Dirigenten seiner Zeit\ngewesen, soll nur berührt werden; aber gesagt soll weiter\nwerden, dass sein richtiges Verständniss von dem inneren\nKern in aller Musik, die auf seinem Pulte gelegen, ein so\nausserordentliches war, wie dies selbst in jener Zeil zu den\nSeltenheiten gezählt werden konnte. Dessen war ich selber\noft Zeuge. Frisch wie vom gestrigen Tage lebt heute noch\nin mir die Erinnerung an einige der Mozart'schen Opern,\nderen traditionelle Auffassung er bei Capellmeister Jo-\nseph Weigl in Wien sich geholt hatte*). Auf Guhr pass-\nten die sinnvollen Worte von viel Wissen, aber we-\nnig Verstehen keineswegs; sein gesammtes künstleri-\nsches Thun und Lassen ward von diesen beiden Errungen-\nschaften im besten Einklänge geleitet. Hat es der Mann\nmit Ausfeilung der Tonwerke eben nicht immer strenge\ngenommen, so lag der Grund in der üblichen Praxis der\nEpoche, in der er seine Ausbildung gewonnen hatte, die\nim Allgemeinen weniger auf feine Nuancirung des Details,\nvielmehr aber auf Darlegung der Charakterpräge im Gros-\nsen und Ganzen geachtet hat. Diese Praxis war ferner\nnoch bedacht, allen Mittelstimmen das gebührende Recht\nwiderfahren zu lassen, wo hingegen heutzutage dieselben\nraeist nur zur Vermehrung des harmonischen Lärms die-\nnen und darin aufgehen. Weil die Dirigenten der früheren\nEpoche im Theater und im Concertsaale zumeist nur ge-\nhaltvolle Musik vor sich gehabt, deren Zurgeltungbringen\nausgeklügelter Schaltirungen immerhin nicht bedarf,\nso findet jene Praxis auch aus diesem Grunde ihre Recht-\nfertigung. Der militärische Gamaschendienst ward erst in\nneuester Zeit in die Musik gebracht, deren Erzeugnisse\nüberraschender Effecte und Schwenkungen nicht entbeh-\nren können. Kurz, hören wir alte Mitglieder des frankfur-\nter Orchesters aussagen: „Unter Guhr's Leitung haben\nwir Alles mit Leichtigkeit gespielt, unter Messer mussten\nwir uns schon anstrengen, um nicht zurück zu bleiben,\njetzt aber machen wir oft Bogen-Exercitien in moderner\nVirtuosen-Art und arbeiten im Schweisse des Angesichtes\",\nso liegen auch in diesem Geständnisse Kriterien zur Wür-\ndigung der Gegenwart zu Tage.\nMöge sich Herr Musik-Director Müller bemühen, sich\nvon der langgeübten Gewohnheit möglichst frei zu ma-\nchen, um jeglicher Charakteristik gerecht werden zu kön-\nnen; denn darin besteht eine der Hauptverpflichtungen des\nDirigenten. Wohin längeres Verharren in den gerügten\nIrrthümern hierorts unausbleiblich führen würde, soll zum\nBeschlüsse in Mittheilung eines persönlichen Erlebnisses\n1843 zu Leipzig gezeigt werden, dessen ich vor vielen\nJahren bereits vorübergehend gedachte, das aber heute\neine treffende Application findet. Auf einer Rückreise im\nMonat December von Berlin nach Aachen begriffen, machte\nich einen längeren Aufenthalt in Leipzig, um einige Ge-\nwandhaus-Concerte anzuhören; Ferdinand Hil ler hatte\nals unmittelbarer Nachfolger Mendelssohn's eben deren\nLeitung übernommen. Gleich bei der ersten Begegnung\nmit dortigen Musikern bekam ich bittere Klagen über den\nneuen Dirigenten zu hören, dahin lautend, er verschleppe\nalle Tempo's, sei überhaupt eine „Schlafmütze\" und der-\ngleichen mehr. Da ich Herrn Ililler noch niemals am Di-\nrigentenpulte gesehen hatte, so mussten derlei Urtheile\nüber seine Wirksamkeit Spannung in mir erregen. Schon\ndas nächste Concert brachte die J.-Jwr-Sinfonie von Beet-\nhoven, diesen Prüfstein für die Befähigung eines Dirigen-\nten. Gleich bei der Introduction und dem folgenden Haupt-\nsatze ward mir so heimatlich zu Muthe, als befinde ich\nmich in einem Concert spiritueim alten Wien. Der\nzweite Satz, nicht in dem vorgezeichneten Ällegrctto, son-\ndern in Tempo andante wahrhaft weihevoll ausgeführt,\ndrängte mich zu freudigen Ausrufungen, die von meinen\nnächsten Nachbarn, Herrn Professor Wentzel aus dem\nConservatorium und Herrn Hermann Hirschbach,\ndem bekannten strengen Kunstrichter, nicht mit Beifall\naufgenommen wurden. Die beiden folgenden Sätze aber\n\nehester gegenüber befindliche Querwand des länglichen Saal-\nbaues anschlagen zu sollen, sich über einander aufthürmen\nund an den Langseiten brechen. [Eine solche Aufstellung ist\naber Frankfurt allein eigentümlich; soust überall steht der\nChor u. s. w. mit dem Gesicht nach dem Publicum. Die Stel-\n\\\nlung des Dirigenten, ob er die linke Seite oder das Gesicht\nden Zuhörern zukehrt, ändert dabei nichts] Welch eine aku-\nstische Curiosität zeigt sich aber erst in der hierorts belieb-\nten Orchester-Aufstellung im Theater! Jedoch, Gewohnheit\nheiligt jedwede Gesetz- und Regelwidrigkeit.\n*) Bekanntlich hat Guhr das hiesige Opernwesen von 1821 bis\nzu seinem Ableben 1848, demnach 27 Jahre hindurch, geleitet\noder bezeichnender: gehegt und gepflegt. Was würde er wohl\nzu dem gegenwärtig bestehenden Opern-Jammer sagen? Das\nfragen sich nicht Wenige."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1020, "texte": "hatten meinen Enthusiasmus erst vollends zum Ausbruch\ngebracht, weil Alles so zu Gehör gekommen, wie ich das\nWerk mit Hülfe des grossen Meisters in Wien kennen\ngelernt und selber oft zur Ausführung gebracht hatte. Da\näusserte Hirschbach: „Wenn Beethoven selber sagte, dies\nseien die rechten Tempo's, so würde ich ihm erwidern,\ndass er sein eigenes Werk nicht versteht.\" Hiedurch, wie\ndurch die schnöden Urtheile Anderer über Hiller's Direc-\ntionsweise waren mir deutliche Beweise gegeben, wie sehr\nMendelssohn den Sinn selbst kunstgebildeter Hörer ver-\nrückt hatte, dass die Anerkennung des Rechten und Wah-\nren sogar in jenem Kreise bereits ausser Möglichkeit ge-\nsetzt worden *). Mögen wohl die genannten Kunstmänner\njetzt, nach hundertfachen, Mendelssohn weit überbietenden\nAusschreitungen, die unter ihren Augen seitdem vorgefal-\nlen und vielleicht noch immer vorfallen**), auch noch so\ndenken, wie im Jahre 1843?\nVideant Consules damit das Rechte und Wahre\nin den beiden Conservatorien zu Frankfurt erhalten bleibe!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "30", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.4", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.5", "debut_caractere": 1022, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.\nRob. Schumann’s Musik zu Scenen aus Göthe’s Faust.\nKöln, den 14. Januar 18G2.\nII.\n(L s. Nr. 3.)\nDie Concert-Gesellschaft hat dadurch, dass sie zum\nersten Male in Deutschland das bedeutendste Werk eines\nder grössten Tondichter unseres Jahrhunderts zur Auffüh-\nrung brachte, eine heilige Pflicht erfüllt, die sie dem An-\ndenken Robert Schumann's und ihrer eigenen Stellung\nunter den Kunst-Instituten im deutschen Vaterlande schul-\ndig war. Indess war die Aufführung immerhin ein Wag-\nniss nicht weil die erforderlichen Kräfte dazu ungenü-\ngend vorhanden gewesen wären, sondern weil gerade hier\nin Köln Schumann'sche Musik überhaupt keineswegs bei\ndem Publicum in Gunst steht, da dessen vorherrschende\nNeigung nicht aus hergebrachter Mode oder Nachspreche-\nrei, sondern mit gebildetem Geschmack und durch vieles\nHören sicher gewordenem Bewusstsein des Urlheils sich\nden Werken der classischen Meister fast ausschliesslich\nzuwendet. Trotzdem können wir uns auf den bei Weitem\nGrössten Theil der Zuhörerschaft stützen, wenn wir sagen,\ndass der Eindruck im Allgemeinen ein mächtig aufregen-\nder und erwärmender war, der über die erkältenden Ein-\nflüsse einiger allerdings fühlbarer Mängel den Sieg davon\ntrug. Aul uns war dieser Eindruck im Ganzen und Gros-\nsen ein so entschiedener, dass wir dieser Schöpfung des\nVerewigten, die in den letzten zehn Jahren seiner unge-\ntrübten Geisteskraft entstanden, unbedingt den Preis unter\nseinen Vocalwerken, ja, in einigen Abtheilungen derselben\nunter allen seinen Compositionen zuerkennen.\nWohl können und müssen sich gegen die Auswahl\nder Scenen und gegen die Art der Auflassung des Einzel-\nnen wie selbst ganzer Theile gewichtige ästhetische Zweifel\nund Bedenken regen; allein wenn wir uns auf den Stand-\npunkt des Componisten stellen und seine individuelie\nAuflassung einmal gelten lassen, so reisst uns die musica-\nlische Durchführung dieser Auffassung in der That über\njene Bedenken hinweg, weil sie in ihren meisten Pha-\nsen eine melodische Erfindung und einen harmonischen\nReichthum, und in beider Verbindung eine Kraft und einen\nSchwung der Phantasie offenbart, wie sie nur einem mu-\nsicalischen Genie gegeben ist, und das ist es, was\nSchumann von Richard Wagner unterscheidet oder viel-\nmehr unendlich hoch über ihn stellt. Denn nehmen wir\nauch bei Letzterem seinen Standpunkt an, lassen wir\nselbst mit gänzlicher Ergebung sein System für den Au-\ngenblick gelten, so stösst uns dennoch, wenn wir die Re-\nsultate dieser besonderen Kunst-Theorie hören, die mu-\nsica I i seh e Leere, die Abwesenheit aller musicalisch-schö-\nnen Gedanken zurück, und die blendende Folie starker\nund neuer Klangfarben vermag nicht, das Glas, dem sie\nuntergelegt ist, in echte Steine zu verwandeln. Wohl ist\nes wahr, dass auch bei Schumann der musicalische Strom\nnicht immer ungetrübt und unaufgehalten iiiesst, dass er\nselber ihm oft, wie absichtlich, Steine und Felsstücke in\nden Weg legt, dass man in vielen Stücken mehr studirte\nCombination als frischquellende Melodie findet, dass da\noder dort Rhythmus den Schwung der Gedanken ersetzen\nsoll und die Neuheit seltsamer Harmonieen um den Preis\ndes Wohllautes erkauft wird: allein in dieser Faust-Musik\nweht ein Geist, der in den meisten Nummern dies alles\nüberwunden hat und der in den grösseren Tonbildern, wie\nin der Scene im Dom, in der Eröffnungsscene der zweiten\nAbtheilung (Ariel und die Elfen) und vor allen in der gan-\nzen dritten Abtheilung, der Verklärung Faust's, die mit\ndem Chor: „Waldung, sie schwankt heran\", beginnt, fer-\nner das grosse Prachtstück: „Gerettet ist das edle Glied\nder Geisterwelt\" (Nr. 4), und die süssen Melodieen des\nBariton-Solo's: „Herrscherin der Welt\", und: „Dir, der\nUnberührbaren\" (mit Harfenbegleitung und Chor Nr.\n\n*) Es gereicht Herrn Capellmeister Hiller zu nicht geringem\nRuhme, in dieser Zeit von Begriffsverwirrung unter den Diri-\ngenten seiner damaligen Yerfahrungsweise am Palte bis zu\ndiesem Tage treu geblieben zu sein und Energie mit Be-\nsonnenheit stets im Einklang zu erhalten.\n**) Nein: denn auch Herrn C, Reinecke hat man jetzt dort den\nVorwurf der schleppenden Tempo's gemacht !\nAnmerkung der Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4117, "texte": "5 und 6) enthält, endlich in dem gewaltigen Schlusschor:\nAlles Vergängliche ist nur ein Gleichniss\" ein Geist\nweht in diesen Tongebilden, sagen wir, der in wunderba-\nrer Bewegung die Erinnerung an Beethoven's letzte grös-\nsere Compositionen für Chor und Orchester in unserem\nGemüthe weckt; es wird uns bei vielen Stellen so zu\nMuthe, als müssten wir Schumann's „Unsterblichem\", wie\nes Göthe nennt, zurufen: „Ja, du hattest ein Recht dazu,\ndich Beethoven anzuschliessen!\"\nVielleicht wird die hier ausgesprochene Ansicht gerade\num desswillen, weil man unserem Urtheile über manche\nvon Schumann's anderen Werken eher zu grosse Strenge,\nals Milde vorgeworfen hat, die Concert-Institute Deutsch-\nlands bewegen, sich die Aufführung einer der schönsten\nCompositionen unserer Zeit angelegen sein zu lassen. Die\nSchwierigkeiten sind nicht so gross, wie sie beim ersten\nAnlauf scheinen. Der Solostimmen sind allerdings viele, sie\nverlangen aber nicht so sehr Virtuosität, als fleissiges Stu-\ndium, richtige Auffassung und Ausdruck. In dieser Be-\nziehung leisteten hier auch die angehenden Sängerinnen\nvom Conservatorium, z. B. Fräulein von Conraths (So-\npran) und Fräulein Asm an n (Alt) recht Lobenswerthes,\nbesonders in der dritten Abtheilung, da sich Herr Prof.\nBöhme mit seiner bekannten Hingabe an die Kunst der\nEinübung aller mehrstimmigen Solosätze unterzogen und\nsich dadurch ein grosses Verdienst um die Ausführung\nerworben hatte. Die obige Bemerkung gilt eben so von\nder Partie Gretchen's und des Solo-Tenors, welche\nbeide, die erste durch Fräulein Genast, die zweite durch\nHerrn A. Pütz, sehr gut vertreten waren. Die Partie des\nMephistopheles erfordert im Dom und in der Todes-\nscene schon einen schwieriger zu treffenden charakteristi-\nschen Vortrag, der Herrn Bergstein, welcher übrigens\nnicht ganz gut disponirt war, nur theilweise gelang. Schei-\ntern doch auch die geschicktesten Schauspieler an der\nDarstellung des „Geist's, der stets verneint!\"\nDer meist rein declamatorische, zuweilen tragische\nGesang in den Monologen Faust's verlangt freilich einen\nMeister, wie ihn die Partie hier in Stock hausen fand.\nNicht bloss die tiefste Durchdringung seiner Aufgabe, son-\ndern auch eine innige Liebe zu dieser Partie trat in sei-\nnem Vortrag zu Tage, den überall nicht nur das volle\nVerständniss erleuchtete, sondern auch eine Wärme des\nAusdrucks durchglühte, wie sie der jedesmaligen Empfin-\ndung angemessen war. Dabei kommt nun dem trefflichen\nSänger die seltene Kunst der verschiedenartigen Färbung\ndes Tones, die er in hohem Maasse besitzt, gar sehr zu\nStatten; mit dieser erzielt er Wirkungen, welche auch\ndie sorgfältigste dynamische Nuancirung in piano und\nforte, crescendo und decrescendo allein nicht erreichen\nwürde. Diese wunderbaren Verwandlungen des Stimm-\nklanges traten oft und stets so natürlich hervor, dass der\nZuhörer sich kaum des Mittels bewusst werden konnte,\nwodurch der Sänger so magisch wirkte. Man erstaunt\nüber die Natur eines so biegsamen Organs und über die\nKunst des Sängers, der diese Stimme wie ein Instrument\nmit verschiedenen Saiten bezogen zu behandeln versteht.\nWie viel würden aber alle diese einzelnen Schönhei-\nten des grossen Tongemäldes verloren haben, wenn sie\nnicht auf dem prächtigen Goldgrunde des Chors und des\nOrchesters vor uns erschienen wären! Wir müssen allen\nMitwirkenden den wärmsten Dank sagen; für Ferdinand\nHiller wird dieser Concert-Abend eine der schönsten Er-\ninnerungen sein und sein befriedigendster Lohn in dem\nBewusstsein liegen, das grösste Werk seines Freundes\nund Kunst- und Geistesverwandten zur ersten vollständi-\ngen und gelungenen Aufführung gebracht zu haben.\nEine Menge von Fremden, Musiker und Musikfreunde,\nwar herbeigekommen, selbst aus so fernen Gegenden wie\nWinterthur in der Schweiz, von wo Musik-Director Kirch-\nner mit zwei Freunden die Reise bloss des Concertes we-\ngen hieher gemacht halte. Die grösste Theilnahme erregte\naber die Anwesenheit von Clara Schumann; möge die\nhochbegabte Frau in der kölner Aufführung der höchsten\nTondichtung ihres so früh dahingeschiedenen Gatten eine\nwürdige Feier des Andenkens an ihn gefunden haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.5", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.6", "debut_caractere": 4119, "fin_caractere_exclue": 5738, "texte": "Aus Bonn.\nWenn ich Ihnen neulich schrieb (Nr. 1, S. 7), dass sich unsere\nmusicalischen Zustände neu belebt haben, so muss ich als einen\nHaupt-Factor dieses Aufschwungs die Gründung des städtischen\nGesangvereins hervorheben. Sie wissen freilich, dass Bonn seit\nlangen Jahren einen „Singverein\" besass; allein Sie haben vielleicht\nnicht erfahren, dass er in der letzten Zeit theils an Mitgliedern ab-\ngenommen hatte, theils gar nicht mehr als dauerndes Institut be-\nstand, sondern nur, umgekehrt wie die Nachtigallen, im Winter sang\nund im Frühling und Sommer pausirte. Herrn Musik-Director Bram-\nbach ist es nun in Verbindung mit mehreren Musikfreunden ge-\nlungen, eine neue Organisation des Vereins ins Werk zu setzen,\nund man hat beschlossen, ihn „städtischen Gesangverein\" zu nennen,\nein Name, welcher die besonderen Interessen und Zwecke aus-\nschliesst und hoffentlich das Panier wird, um welches sich alle\nGesangfreunde versammeln, um ein dauerndes Gesang-Institut, das\ndem Allgemeinen dient, zu gründen. Diese Hoffnung ist durch\ndie vermehrte Theilnahme, wie sie sich in dem Chor der bisher ge-\ngebenen beiden ersten Abonnements-Concerte gezeigt hat, bereits zu\nerfreulicher Gewissheit geworden.\nDas erste Concert (den 14. November) begann mit Gluck's\nOuvertüre zur Iphigenie-, darauf folgten das Laudate Dominum für\nSopran-Solo, Chor und Orchester von Mozart, Beethove n's C-\nfür das Pianoforte (vortrefflich aufgefasst und wieder-\ngegeben von Herrn Brambach) und Mendelssohn's 42. Psalm:\n„Wie der Hirsch schreit\" u. s. w. Den zweiten Theil des Con-\ncertes füllte Beethoven' s Sinfonie Nr. 8 in F. Die Chöre waren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1070, "texte": "besonders frisch und kräftig. Die Orchesterstücke gingen recht gut,\ndie Tempi waren weder zu schleppend (wie wir das früher wohl\nhier und da erlebt haben), noch zu schnell. Zu bedauern ist nur,\ndass die Stadt Bonn es noch nicht so weit gebracht hat, ein eigenes\nOrchester zu besitzen, so dass wir immer die Hülfe aus der Nach-\nbarstadt Köln in Anspruch nehmen müssen.\nDen vollsten Beweis dessen, was ich oben gesagt habe, und zu-\ngleich der rühmenswerthen Thätigkeit, Einsicht und Tüchtigkeit des\nDirigenten gab das zweite C onc er t - durch die Aufführung von\nHaydn's „Jahreszeiten\", welche durch Inhalt und Ausführung das\nPublicum, das den Saal bis zu den letzten Plätzen füllte, begeisterte.\nDie Chöre wurden mit Liebe zur Sache und mit Feuer gesungen;\ndie drei Solo-Partieen: Sopran Fräulein Rothenberger aus\nKöln, Tenor Herr A. Pütz ebendaher, Bass Herr Hill aus\nFrankfurt am Main, trugen durch ihre schönen Stimmen und den\nausdrucksvollen Vortrag sehr viel zum Gelingen des Ganzen bei,\ndessen energische und präcise Leitung Herrn Brambach zu grosser\nEhre gereicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.6", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "Veritas", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.7", "debut_caractere": 1072, "fin_caractere_exclue": 4488, "texte": "Aus Wien.\nVeritas.\nIn unserer guten Kaiserstadt tragen sich gegenwärtig Dinge zu,\ndie im ausserösterreichisehen Deutschland schwerlich irgendwo mög-\nlich wären, die aber entschieden veröffentlicht werden müssen, ob-\nwohl sie eigentlich mit der Kunst selber nichts zu thun haben, son-\ndern nur in das Capitel „Zustände\" gehören. Ueber das Privatleben\nder Künstler hat sich die Zeitungs-Presse natürlich aller Betrach-\ntungen zu enthalten, aber die Handlungsweise derselben kann, wie\nes diesmal wirklich der Fall ist, jede gesunde Basis des Musiklebens\naufheben oder verrücken, und dann wäre es Pflichtverletzung, länger\nzu verschweigen, was von Mund zu Mund geht und bei allen ehr-\nlichen Leuten tiefste Entrüstung erregt.\nSie haben gewiss von den scandalösen Geschichten gehört, die\nkürzlich und seit Jahren durch ein Individuum veranlasst werden,\nwelches, obwohl bei allen, die die Verhältnisse kennen, längst ge-\nrichtet, dennoch das hohe Ross der Kritik herumtummelt und sein\nLeben damit fristet, dass es alle, die seine Feder treffen kann, brief-\nlich, zwar indirect durch eine ihm sehr nahe stehende Dame, um\n„Anlehen\" angeht und im Verweigerungsfalle die Betreffenden so-\nfort seinen giftigen Stachel fühlen lässt. Was Sie noch nicht wissen,\nwas aber ebenfalls verbürgt ist, ist, dass derselbe Kritiker nicht bloss\nKünstler, sondern auch alle irgend hervorragenden Instrumentenma-\ncher in den Kreis seiner Industrie zieht, und zwar der Art, dass\ndie Sache über kurz oder lang Anlass zu Processen geben wird. Die-\nses früher der Liszt'schen Musik dienstbare Individuum hatte kürz-\nlich einen argen moralischen Schlag erlitten durch Veröffentlichungen\ndes Herrn Dustmann, des Gemahls unserer Hof-Opernsängerin, und\ndie öffentliche Meinung war so gut wie vollständig über ihn einig.\nHeute aber hat sich Unglaublichstes ereignet. An den Strassen-\necken war ein grosser Anschlagzettel zu sehen, worauf zu lesen\nstand, dass ein hiesiger Kritiker ein „historisches Concert\" veran-\nstaltet und dass in demselben, staunen Sie, die ersten Künstler\nWiens, darunter der artistische Director des Conservatoriums, Herr\nHellmesberger und seine Genossen, mitwirken werden, ja, dass\nsogar die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde ihre Zustim-\nmung gegeben hat, dass einige Schülerinnen des Conservatoriums\nsich dabei betheiligen. Man sagt also dadurch der erstaunten Welt\nungefähr: „Glaubt den bösen Zungen nicht; er ist unschuldig, sonst\nwürden wir anstehen, ihn zu unterstützen/' Ich frage Sie, kann bei\nsolcher Handlungsweise die ehrliche Kritik bestehen? wird sie nicht\nan den Pranger gestellt?\nWas die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde betrifft, so\nwill ich einstweilen annehmen, dass ihre Zustimmung auf den Zettel\ngesetzt worden sein mag, ohne dass sie ihre positive Einwilligung\ngegeben. Aber der Director des Conservatoriums? Freilich sind iu\neiner gewissen Zeitung die Kritiken über dessen Quartett-Productio-\nnen seit einiger Zeit in überschwänglichem Tone gehalten!\nIn welchem Lichte nach solchen Vorgängen* ein Theil der hiesi-\ngen Künstler erscheinen muss, das zu bedenken überlasse ich Ihnen\nund Ihren Lesern. Die hiesige Kritik aber wird hoffentlich das Herz\nauf dem 1 echten Ileck haben und den hingeworfenen Handschuh\naufnehmen, um einmal Beide, die Künstler und den ihre Schwächen\nund ihre Eitelkeit ausbeutenden Kritiker gehörig aufs Korn zu\nnehmen. Ihre ergebene\nWien, den 19. Januar 1862."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.7", "titre_corps": "Aufruf zu Beiträgen für ein Marschner-Denkmal in Hannover.", "titre_sommaire": "Aufruf zu Beiträgen für ein Marschner-Denkmal in Hannover.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.7", "debut_caractere": 4490, "fin_caractere_exclue": 6923, "texte": "Aufruf zu Beiträgen für ein Marschner-Denkmal\nin Hannover.\nDer am 13. d. Mts. erfolgte Tod Heinrich Marschner's hat\ndie Gemüther aller Deutschen, welche der Entwicklung ihrer natio--\nnalen Kunst mit Theilnahme folgen, in schmerzliche Trauer versetzt.\nWohin die Kunde gedrungen ist, da sind auch die Stimmen dank-\nbarer Anerkennung laut geworden, dass das Vaterland in dem Ge-\nschiedenen einen Mann verloren hat, hoher Ehren werth, einen gott-\ngesegneten Geist, dessen Schöpferkraft eine Quelle edelsten Genusses\nwar für die Mitlebenden, und es bleiben wird für die kommenden\nGeschlechter. Wo in unserem grossen Deutschland der Pflege der\nKunst eine Stätte bereitet ist, da hat auch das gesangesfrohe Volk\nan den Tönen des Meisters sich erquickt, hat mitgetrunken aus dem\nBorn der Harmonieen, in denen er, mitfühlend mit dem Volke in\nLeid und Freude, das Empfindungsleben der Nation gespiegelt hat.\nin Weisen ihres eigensten Charakters demselben künstlerisch Gestalt\nverleihend. Solche Schöpferkraft auf dem Gebiete des Schönen soll\nder Deutsche feiern mit Stolz als eine Ehre seines Namens; über\ndas flüchtige Wort hinaus soll dauerndes Erz den Ruhm des Mei-\nsters und mit ihm der Nation verherrlichen. An welchen Theil, an\nwelchen Ort des grossen Vaterlandes könnte die Mahnung hierzu\ndringender herantreten, als an Land und Stadt Hannover, die zweite\nHeimat des edlen Todten, wo er die Tage seiner höchsten Kraft,\nseines segensreichsten Wirkens lebte! An die Hannoveraner zunächst\ndesshalb wenden sich die Unterzeichneten, nachdem sie sich ver-\neinigt haben, um den Plan, Heinrich Marschner in der Residenzstadt\nHannover ein Denkmal zu errichten, zur Ausführung zn bringen.\nAber auch an die Freunde des Geschiedenen im weitern Valerlande\nrichten die Unterzeichneten die Bitte, dem zu schaffenden Werke\ndurch freundliche Gaben ihre Unterstützung angedeihen zu lassen.\nDem ganzen Deutschland hat Marschner's Herz geschlagen,\ndem ganzen Deutschland hat seine Muse gesungen, das g>anzc\nDeutschland hat sich seiner Muse gefreut. So werde denn auch\ndas Denkmal Marschner's ein neues redendes Zeugniss von dem\neinigen Geiste, der alle Glieder der Nation beseelt!\nHannover, den 30. December 1861.\nGraf v. Bennigsen (Präsident). Dr. E. Frederich.\nJoseph Joachim u. s. w.\nDie Expedition der Nieder rheinischen Musik-Zeitung\n(M. DuMont-Sehauberg'sche Buchhandlung, Hohestrasse\nNr. 133) nimmt Beiträge aus Köln und der Rheinprovinz in\nEmpfang."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-01-25-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-01-25_01#c008", "volume": "bmtnabi_1862-01-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "E. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.7", "debut_caractere": 6925, "fin_caractere_exclue": 7075, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nÜlSlba* Am Dinstag den 21. d. Mts. gab Frau Clara Schu-\nmann eine Soiree im Hotel Disch, welche ganz ausserordentlich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3663, "texte": "zahlreich besucht war. Herr Stockhausen unterstützte die Künst-\nlerin durch den herrlichen Vortrag von vier Liedern („Harold\" von\nHiller, ..An die Leier\" und „Aufenthalt\" von Schubert, „Sonntags\nam Rhein\" von Schumann), deren letzteres er auf stürmisches Ver-\nlangen so gefällig war, zu wiederholen. Frau Schumann spielte das\nQuintett von Rob. Schumann, das Capriccio Op. 88 von Hil-\nler, zwei Lieder ohne Worte von Mendelssohn, Beethoven's\nZ>-??io£/-Sonate, Op. 31, Sarabande und Gavotte (G-moll) von J. S.\nBach, Andante und Presto von Dom. Scarlatti. Das meister-\nhafte Spiel der grossen Künstlerin glänzte in sämmtliehen Musik-\nstücken, am meisten in dem Capriccio, den Liedern von Mendelssohn\nund dem Presto von Scarlatti. Der Vortrag des letzteren dürfte im\nTechnischen und Anmuthigen, und das Quintett in allem Künstle-\nrischen, d. h. in Auffassung und Ausführung, das Vollendetste ge-\nwesen sein, was man hören kann. Auch die Sonate von Beethoven,\nein Lieblingsstück der Künstlerin, riss das Publicum zum lebhafte-\nsten Beifall hin, womit wir in Bezug auf das erste Allegro, wiewohl\nauch dieses theilweise schon zu schnell gespielt wurde, einstimmen,\naber keineswegs das Presto und zuweilen Prestissimo billigen kön-\nnen, wozu sie das AI legre tto des letzten Satzes machte; abge-\nsehen von der Nichtachtung der Intention des Componisten, schadet\neine solche Uebertreibung des Tempo's auch bei den besten Meistern\ndem reinlichen Spiel, da bei den jetzigen Concert-Flügeln die Klang-\nfülle namentlich im Bass die Deutlichkeit der Figuren alsdann gera-\ndezu unmöglich macht.\nAn demselben Abende gab Herr Kammersänger E. Koch seine\njährliche Soiree im mittleren Saale des Gürzenich. Auch dort war\nder Saal überfüllt, und sämmtliche Gesang-Vorträge (Arien, Lieder\nund Ensemblestücke von Mozart, Spohr, Beethoven, Hauptmann,\nHille, Rossini, Reissiger, Händel, Righini, C. M. von Weber) erhiel-\nten einstimmigen Beifall. Die Ausführenden waren die Damen Julie\nRothenberger von hier, Francisea Barn aus Hamburg, Sara Oppen-\nheimer aus Ostfriesland, Anna Igel aus Coblenz und die Herren\nRiese aus Mainz und *** von hier sämmtlich durch Herrn Koch\ngebildete Kunst-Jüngerinnen und Jünger, von denen Fräulein Ro-\nthenberger sich bereits durch ihre Concert-Vorträge in der Rhein-\nprovinz einen wohlverdienten Ruf als Sängerin erworben hat.\nWien. Die hier erscheinenden „Recensionen über Thea-\nter und Musik\", welche sich durch gediegene und unparteiische\nKritik einen grossen Leserkreis erworben haben, werden vom Jahr-\ngange 1862 an, ohne die Vertretung des Auslandes und der Provin-\nzen zu vernachlässigen, ein besonderes Augenmerk auf die wiener\nKunstzustände richten und desshalb auch eine Monats-Bei-\nlage für bildende Kunst bringen (ohne Preis-Erhöhung\\ ein\nFachblatt, das bisher im österreichischen Kaiserstaate mangelte. Als\nverantwortlicher Redacteur erscheint von jetzt an Prof. Julius\nSchwenda. Verlag von J. Löwenthal (Hohe Markt 541).\nBerichtigung.\nIn der Anzeige über „Holle's Verlag\" in Nr. 52 der vorig-\njährigen Niederrheinischen Musik-Zeitung hat sich ein Irrthum ein-\ngeschlichen, welchen zu berichtigen die Pflicht drängt. Es heisst\ndort S. 4i2, Holle sei „als Nachdrucker bestraft\" u. s. w. Aus der\nglaubhaftesten Quelle erfahre ich jetzt, dass diese einem Gerüchte\nnacbgesprochene Behauptung unbegründet ist. Der wahre Sach-\nverhalt, Anfang und Ausgang des Processes u, s. w. soll sobald wie\nmöglich veröffentlicht werden*).\n*) In Preussen ist allerdings der Vertrieb einiger Drucke von\nHolle (z. B. von Werken von C. M. v. Weber) als unge-\nsetzlich verurtheilt und zu Gunsten des Original-Verlegers\nnamhaft bestraft worden. Die Redaction,\n\nE. K."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCherubini IV. Aus Frankfurt am Main. Ein altes Lied mit neuem Text. Von A. Schindler. 111. —Fünftes\nGosellschafts-Concert in Köln im Gürzenich (Rob. Schumann's Musik zu Scenen aus Göthe's Faust). 11. Aus Bonn (Städtischer Ge-\nsangverein, Concert). Aus Wien (Zustände der Kritik). Von Veritas. Aufruf zu Beiträgen für ein Marschner-Denkmal in Han-\nnover. Tages- und Unte r h a 1 tun gsb] a 11 (Köln, Soiree von Frau Clara Schumann, Soiree von E. Koch Wien).\n\nCherubini.\nIV.\n(S. Nr, 48 und 52 v. J., Nr. 1 d. J.)\nMan hat den Deutschen so oft den Vorwurf gemacht,\ndass sie ihre grossen Tonkünstler im Leben hätten ver-\nkümmern lassen, und es ist auch etwas Wahres daran,\nwenn auch nicht in dem Maasse, als das Gerede der Menge\nes annimmt, welches sich an einzelne Fälle anzuklammern\npflegt und die hundert widersprechenden ignorirt. Dass\naber auch das Ausland, namentlich das gepriesene Frank-\nreich, ähnliche Beispiele der Vernachlässigung seiner gröss-\nten Künstler liefert, zeigt Cherubini, der bis in seine sechs-\nziger Jahre, also den bei Weitem grössten Theil seines\nLebens hindurch, mit Sorgen für sein Hauswesen zu käm-\npfen hatte.\nCherubini hatte kein Vermögen von Hause; er war\nder zehnte von zwölf Geschwistern, die er alle überlebt\nhat*). Im Jahre 1792 starb sein Vater. Zu dieser Zeit\nlebte Cherubini auf der Carthause Gaillon, welche der\nArchitekt Louis, einer seiner vertrautesten Freunde, zu\neinem Landhause für sich umgeschaffen hatte. Hier brachte\nder Meister die Jahre 1792 und 1793 zu, da er Paris\nund die dortigen Revolutionsstürme aus Grundsatz mied.\nWenngleich wir oben (11., Nr. 52, S. 409) behauptet ha-\nben, dass der Umschwung der Ideen durch die Revolution\neinen grossen Einfluss auf seinen musicalischen Stil gehabt\nhabe, so ist es doch charakteristisch, dass jene patriotische\nBegeisterung, welche damals auch die Tonkünstler ergriff\nund sie zur Composition von Revolutionsgesängen u. s. w.\nantrieb, ihn kalt liess. Er hat nichts der Art geschrieben,\nwährend nach Rouget de l'lsle's Chant de l'armee du Rhin\n{la Marseillaise) Mehul den Chant du derart, Chant de\nVictoire, Chant de retour,Gossec die\ndie Hymne an die Vernunft, die Hymne zum Feste des\nhöchsten Wesens, Gaveaux Le Reveil du peuple u. s. w.\ncomponirten.\nDer Oper Elisa ou le Mo kann man\nauch kein patriotisches oder politisches Motiv bei dem Com-\nponisten unterlegen, wenngleich der Uebergang der Fran-\nzosen über den St. Bernhard darin mitspielt. Die schöne\nMusik, namentlich des ersten Actes, spiegelt ein ganz an-\nderes Gefühl wieder, als Krieg und Freiheit, das Gefühl\nder Liebe, die sich des Herzens des Tondichters bemäch-\ntigt hatte. Im Jahre 1794 vermählte er sich mit Cäcilie\nJ ourette, der Tochter eines Musikers der königlichen\nCapelle; ihre vorzüglichen Eigenschaften des Geistes und\nHerzens, musicalische Bildung und treue Anhänglichkeit\ndurch das ganze Leben hindurch waren für ihn eine Stütze\nund Erhebung in allen Verhältnissen. Als Denkmal seiner\nLiebe ist aus dem Jahre 1792 ein Lied, L'Amitie betitelt,\nvorhanden.\nFreilich mehrte die Verheirathung die Sorgen für die\nErhaltung der Familie. Die Compositionen für die Opern-\nTheater trugen damals auch in Paris wenig ein; man war\nnoch himmelweit von den grossen Honorarzahlungen und\ndem nachhaltigen Ertrage der Einnahme-Antheile entfernt,\nwelches alles jetzt die Compositeurs de succes zu reichen\nLeuten macht. Eine öffentliche Anstellung erhielt Cheru-\nbini erst bei der Gründung des Conservatoires. Sarrette,\nder eigentliche Begründer der nachmals so berühmten An-\nstalt, hatte im Geiste der Zeit das Interesse der herrschen-\nden Partei für die Musik der INationalgarde! zu erregen\ngewusst, bei welcher er Capitain im Generalstabe war.\nZunächst brachte er ein Musikcorps von 45 Musikern zu-\nsammen und dann eine Ecole gratuite de musique de la\ngar de nationale (9. Juni 1790), die 70 Musiker zählte.\nDaraus entwickelte sich durch seine Bemühungen ein In-\n\n*) Die verschiedene Angabe seines Geburtstages s. Ar.t. I. in\nNr. 48 des vor. Jahrg. wird uns von Paris aus jetzt dahin\naufgeklärt, dass er am 8. September 1760 geboren, aber\nerst am 14. September getauft worden ist."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.2", "texte": "stitut national demusique (Beschluss des Convents vom 8.\nNovember 1793), bestehend unter seiner Leitung aus 115\nKünstlern und 600 Zöglingen, mit der Bestimmung, „die\nNationalfeste musicalisch zu verherrlichen\"! Endlich ge-\nstaltete sich daraus die Organisation des\nmusique durch Decret vom 25. October 1795. Die Gas-\nsen wurden den 30. October 1796 eröffnet. Die Direction\nerhielt Sarrette, und neben ihm wurden fünf Inspec-\ntoren ernannt: Gossec, Gretry, Mehul, Lesueur und\nCherubini.\nNun hatte Cherubini eine Anstellung, aber das Ge-\nhalt, das mit ihr verbunden war, war sehr klein und reichte\nnicht einmal für die nothwendigsten Bedürfnisse aus. Na-\npoleon that, wie schon des Weiteren erzählt, nichts, um\ndie Lage des berühmten Tonsetzers zu erleichtern; erst\nwährend der hundert Tage ernannte er ihn wenigstens\nzum Mitgliede der Ehrenlegion.\nDie Restauration vernachlässigte das Conservatoire als\neine Schöpfung der Repuhlik*). Doch verdankte Cheru-\nbini ihr eine Verbesserung seiner Lage, indem er zum\nLehrer der Composition ernannt wurde und nun (seit\n1816—also erst in seinem sechsundfünfzigsten Jahre!)\nein Gehalt von 3000 Francs erhielt. Auch wurde er, da\nLudwig XVIII. die Zahl der musicalischen Akademiker von\ndrei auf sechs erhöhte; Mitglied der Akademie.\nDie Leitung des Conservatoriums erhielt Perne unter\ndem Titel eines Inspecteur general. Die Regierung that\naber nichts für die Anstalt und Hess sie förmlich verkom-\nmen. Die im Jahre 1860 in Paris erschienene Ilistoire\ndu Conservatoire de musique von Lassa bat hie* enthält\nmerkwürdige und fast unglaubliche Beweise dafür. Es gab\nmehrere Lehrer, die nicht mehr als 500 Francs Besoldung\nhatten. Das gesammte Material war in einem erbärmlichen\nZustande; viele Classen hatten gar keine Instrumente, ja,\nim ersten Jahre fehlte es sogar an Holz zur Heizung, und\nman verbrannte alte Möbel und alte Claviere. Perne war\nein tüchtiger Musiker und dabei Gelehrter und Schrift-\nsteller. Er that sein Möglichstes, um bessere Gehälter für\ndie Lehrer zu erringen und Ordnung in das Ganze zu\nbringen; aber vergebens. Er nahm im Jahre 1821 oder\nAnfang 1822 seine Entlassung.\nNun endlich waren die Mängel des Conservatoriums\nzu schreiend geworden. Der Marquis von Lauriston, Mini-\nster des königlichen Hauses, nahm sich der Sache mit\nErnst an; er sah ein, dass nur eine beträchtlichere Ver-\nbesserung der Fonds der Anstalt und eine energische Lei-\ntung im Innern das Conservatorium wieder zu heben ver-\nmöge. Zu dieser glaubte er in Cherubini den rechten Mann\ngefunden zu haben, und er hat sich nicht getäuscht. Er\nernannte ihn den 1. April 1822 (nicht 1821, wie in Nr.\n1, S. 3, durch einen Druckfehler steht) nicht zum Gene-\nral-Inspector, sondern zum wirklichen Director der\nAnstalt.\nJetzt erst erhielt Cherubini durch das Gehalt von 8000\nFrancs und 1500 Francs Mieth-Entschädigung eine sor-\ngenfreie Existenz. Aber es war Zeit! denn er war schon\ninmitten seines zweiundsechszigsten Lebensjahres. Später\nwurde das Gehalt auf 10,000 Francs im Ganzen erhöht.\nBis dahin hatte der in ganz Europa berühmte Meister\nein bescheidenes Quartier im dritten Stock des Hauses Nr.\n19 in der Strasse Faubourg-Poissonniere bewohnt. In sei-\nnem Schlafzimmer stand dem Kamin gegenüber ein schma-\nles Ciavier von fünf und einer halben Octave, das ihm seit\nJahren zum Componiren diente. An dem einen Ende des-\nselben vor einem Fenster stand sein kleiner Arbeitstisch.\nDas Instrument war aus der Fabrik des alten Sebastian\nErard, und Cherubini hielt es ausserordentlich werth; er\nliess es sogar, wenn er bei einem seiner Freunde ausser-\nhalb Paris wohnte, z. B. in Chimay, Chartres, Gaillon\nu. s. w., jedes Mal dorthin bringen. Seine Gattin schenkte\ndas Instrument nach seinem Tode an Pierre Erard, den\nNeffen und Nachfolger Sebastian's, für dessen, Sammlung\nvon historisch merkwürdigen Instrumenten, und in dieser\nbefindet es sich noch jetzt neben den Ciavieren von Gluck\nund Piccini.\nSobald Cherubini die Zügel der Anstalt ergriffen hatte,\nlenkte er sehr bald Alles in festere Bahnen. Er entwickelte,\nsobald er Herr war, ein bedeutendes Einrichtungs- und\nVerwaltungs-Talent, während ihm bei der Anordnung des\nUnterrichts in den verschiedenen Classen und der Vervoll-\nkommnung der Methode die langjährige praktische Erfah-\nrung zur Seite stand. Allerdings wurde er dabei durch ein\ntreffliches Lehrer-Personal unterstützt, welches Männer\nwie Lesueur, Berton, Boieldieu, Reicha, Fetis, Daussoigne\nfür die Compositionslehre, Lays, Garat, Plantade, Pon-\nchard, Biangini, Bordogni, Garaude für den Gesangunter-\nricht, Benoist, Pradher, Zimmermann, L.Adam, Rudolph,\nKreutzer, Baillot, Habeneck, Baudiot, Levasseur, Lefebvre,\n\n*) Sarrette wurde den 28. December 18J4 ohne Weiteres ab-\ngesetzt, erhielt zwar während der hundert Tage seine Stelle\nwieder, verlor sie aber nochmals im Jahre 1815. Zwar sah\nLudwig XVIII. das Unrecht ein, das man dem um die Anstalt\nso verdienten Manne angethan, und ernannte ihn 1817 zum\nRitter der Ehrenlegion mit Patent vom 7. »December 1814;\nallein eine Anstellung erhielt er nicht wieder. Eine vollstän-\ndige Ehren-Genugthuung ist ihm erst in neuester Zeit, einige\nWochen vor seinem Tode (den 11. April 1858) geworden, als\ndie Aufstellung seiner Büste von Marmor in dem Hauptsaa*le\ndes Conservatoriums beschlossen wurde, wo sie sich jetzt, von\nPoitevin gemeisselt, befindet. Jener Beschluss erheiterte für\neinen Augenblick die letzten Tage des dreiundneunzigjährigen\nGreises."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.3", "texte": "Delcambre, Vogt u. s. w. für die Instrumente aufweisen\nkonnte. Die Verwaltung der Bibliothek, worauf von Be-\nginn der Anstalt an grosse Sorgfalt gewandt worden war,\nhatte Perne auch noch ein Jahr lang unter Cherubini's\nüireclion behalten. Dann zog er sich auf eine kleine länd-\nliche Besitzung bei Laon zurück, wo er im Jahre 1832\nim Alter von sechszig Jahren starb. Seine Schriften über\ndas Noten-System der Griechen und über die Musik des\nMittelalters hatten ihm Ruf verschafft.\nSchon im August 1822 wurde auf Cherubini's An-\ntrag das Pensionat auf dem Conservatorium, welches ab-\ngeschafft worden war, wieder hergestellt; bald darauf auch\ndie öffentlichen Uebungen der Zöglinge in Orchester- und\nGesang-Aufführungen, zu denen auch alle diejenigen ge-\nzogen wurden, welche seit 1816 den ersten Preis erhalten\nhatten. Diese Uebungen waren das Vorspiel zu der Con-\ncert-Gesellschaft des Conservatoires, deren Stifter später\nHabeneck wurde (1828).\n\nAus Frankfurt am Main.\nEin altes Lied mit neuem Text.\nVon A. Schindler.\nIII.\nIm dritten Museums-Concerte (20. December) kam\nBeelhoven's achte Sinfonie in F zur Aufführung. Ein die-\nser Aufführung unmittelbar vorausgegangener Vorfall im\nOrchester hatte auf die Mehrzahl der Mitglieder verstim-\nmend eingewirkt, was das Auditorium mit zu fühlen be-\nkam. Da wir es jedoch hauptsächlich mit der geistigen\nAuffassungsweise der Werke Seitens des Dirigenten zu\nthun haben und wie diese auf die Ausführung zurück-\nwirkt, so können wir an den Gründen dieser Verstimmung\nvorübergehen.—Das Tempo des ersten Satzes, Allegro vi-\nvace e con brio,ward mit so lobenswerther Mässigung er-\ngriffen, dass die Bewegung nur einem einfach lautenden\nAllegro entsprochen hat. Herr Müller that recht, von je-\nnen Beiwörtern abzusehen, die, im modernen Sinne ver-\nstanden, zur Abhetzung verleiten und den Satz in die hoch-\nberühmte Kunst-Epoche „Johann Strauss\" zu versetzen\nAnlass geben können. Was das folgende Allegretto be-\ntrifft, so ist leider schon Mendelssohn mit so verführeri-\nschem Beispiele vorgegangen, dass wohl jede Anmerkung\nhierüber nutzlos erscheint; man müsste nur die Herren\nDirigenten behufs besseren Verständnisses ins pariser Con-\nservatoire schicken können. Vergeblich wäre es also, zu\nzeigen, wie bei der gewöhnlich rohen Behandlung sogar\nder gemeine Begriff von Scherzando zerstört werden würde,\nnun vollends die superfeine, stellenweise die höchste Zart-\nheit erfordernde, neckische und neckende Conversation in\ndiesem Beelhoven'scben Scherzando, aus dem in der Kegel\nein Leierkastenstück gemacht wird. In Leipzig war es ein-\ngeführt, die Walze laufen zu lassen, bis das Stück zwei\nMal abgespielt war. Vielleicht wird dies bis heute noch\nproducirt.\nGanz entsprechend war die Ausführung des dritten\nSalzes dem Charakter der Menuette, im Trio aber blieben\ndie sechs Violoncelle mit der hervortreten sollenden Trio-\nlen-Begleitung, die sich um die Cantilene rankt, hinter der\nAufgabe zurück. Die Wirkung war etwa wie von nur zwei\nSpielern ausgehend. Der Grund wird in der zweckwidri-\ngen Stellung des Dirigenten zum Orchester zu suchen sein.\nGleichwie der Commandant in wohlberechneter Entfernung\nvon seiner Truppe Stellung nimmt, um diese sowohl in\nihrer Geschlossenheit, wie auch in der entstehenden Glie-\nderung in Folge der Manövrirung übersehen zu können,\neben so soll der Dirigent immer, wenigstens in den Pro-\nben, in einer gewissen Distanz sich dem Orchester gegen-\nüber stellen, um die Wirkung der verschiedenen Tonschat-\ntirungen über den ganzen Saal berechnen zu können. Steht\ner aber dicht am Orchester, wie es hier der Fall, vor\nsich die erste Violine, hinter sich die zweite Violine mit\nViola, zur Rechten Violoncelle mit den Contrabässen ha-\nbend, so wird ihm die sichere Berechnung der Klangfär-\nbungen ganz unmöglich, und es meist vom Zufall abhan-\ngen, wenn diese die richtigen sind*).\n\n*) Man streitet sich in frankfurter Blättern über die Stellung an\nund für sieh, die Herr Müller im Orchester einnimmt. Es\nist die oben bezeichnete. In Wien macht das Orchester in\nlangen Reihen Front gegen das Auditorium, dessgleichen der\nChor. Niemals sieht man einen oder den anderen Körper kreis-\nförmig aufgestellt. Niemals wird das Orchester zwischen die\nChormassen eingekeilt, wodurch diese zuweilen weit von ein-\nander abstehen; immer erscheint das Orchester hinter dem Chor\nterrassenförmig aufgestellt. Der Dirigent hat sein Pult vor\nden Chormassen und steht mit dem Gesichte allzeit zum Audi-\ntorium gewandt. Da in den Proben bereits Alles geordnet und\ngeebnet, wie auch den Mitwirkenden der ihnen zufallende An-\ntheil zum Gelingen des Ganzen schon bekannt geworden, so\nwird eine Drehscheibe für den Dirigenten überflüssig. Oftma-\nliges Hin- und Herwenden, Zuwinken und Kopfnicken wirken\nstörend auf die Zuhörer. Anders sehen wir diese Dinge\nin Paris [und London]. Der Dirigent steht dort mit dem Ge-\nsicht zu Chor und Orchester gewandt, zeigt mithin dem Publi-\ncum den Rücken. Im Westen und Norden Deutschlands\nscheint aller Orten die auch hier übliche Seiten-Stellang des\nDirigenten beliebt zu sein. Capellmeister Guhr und auch\nMendelssohn beobachteten sie als Regel. Es kann jedoch kei-\nner Frage unterliegen, dass solche Stellung offenbar unvorteil-\nhaft ist. [?] Dies, dann die getrennten Chormassen einander\ngegenüber, die Violinen und Violen gleichfalls einander gegen-\nüber gestellt, der Dirigent von dem Damenchor und den Saiten-\nInstrumenten umrungen das zusammen ergibt eine ent-\nschieden zweckwidrige Aufstellung, in Folge welcher die Schall-\nwellen, statt nach akustischen Gesetzen an die dem Or-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.4", "texte": "Die Bewegung des vierten Satzes anlangend, so war\ndiese im Beginn die entsprechende, bald aber kam das\nOrchester ins Eilen, worin die Contrabässe in altgewohn-\nter Weise sich hervorthaten, und um deutliche Sonderung\nder in den Violinen und Violen fortlaufenden Triolen war's\ngeschehen; in möglichster Tonverdünnung schwamm Alles\nin einander.\nDem Schlüsse dieses fast schon zu langen, dennoch in\nmehreren Theilen noch zu kurz gehaltenen Aufsatzes sich\nnähernd, soll noch einer Erinnerung an die Wirksamkeit\ndes verstorbenen Capellmeisters Guhr Raum gegeben wer-\nden, der bei allen älteren Musikern und Musikfreunden\nFrankfurts im besten Andenken steht; denn eine grosse\nSumme wichtiger Erlebnisse für alle Theile knüpft sich\nan den Namen dieses wahrhaft ausgezeichneten Künstlers.\nDie kunstgeschichtlich festgestellte Thatsache, dass Guhr\neiner der befähigtsten, umsichtigsten Dirigenten seiner Zeit\ngewesen, soll nur berührt werden; aber gesagt soll weiter\nwerden, dass sein richtiges Verständniss von dem inneren\nKern in aller Musik, die auf seinem Pulte gelegen, ein so\nausserordentliches war, wie dies selbst in jener Zeil zu den\nSeltenheiten gezählt werden konnte. Dessen war ich selber\noft Zeuge. Frisch wie vom gestrigen Tage lebt heute noch\nin mir die Erinnerung an einige der Mozart'schen Opern,\nderen traditionelle Auffassung er bei Capellmeister Jo-\nseph Weigl in Wien sich geholt hatte*). Auf Guhr pass-\nten die sinnvollen Worte von viel Wissen, aber we-\nnig Verstehen keineswegs; sein gesammtes künstleri-\nsches Thun und Lassen ward von diesen beiden Errungen-\nschaften im besten Einklänge geleitet. Hat es der Mann\nmit Ausfeilung der Tonwerke eben nicht immer strenge\ngenommen, so lag der Grund in der üblichen Praxis der\nEpoche, in der er seine Ausbildung gewonnen hatte, die\nim Allgemeinen weniger auf feine Nuancirung des Details,\nvielmehr aber auf Darlegung der Charakterpräge im Gros-\nsen und Ganzen geachtet hat. Diese Praxis war ferner\nnoch bedacht, allen Mittelstimmen das gebührende Recht\nwiderfahren zu lassen, wo hingegen heutzutage dieselben\nraeist nur zur Vermehrung des harmonischen Lärms die-\nnen und darin aufgehen. Weil die Dirigenten der früheren\nEpoche im Theater und im Concertsaale zumeist nur ge-\nhaltvolle Musik vor sich gehabt, deren Zurgeltungbringen\nausgeklügelter Schaltirungen immerhin nicht bedarf,\nso findet jene Praxis auch aus diesem Grunde ihre Recht-\nfertigung. Der militärische Gamaschendienst ward erst in\nneuester Zeit in die Musik gebracht, deren Erzeugnisse\nüberraschender Effecte und Schwenkungen nicht entbeh-\nren können. Kurz, hören wir alte Mitglieder des frankfur-\nter Orchesters aussagen: „Unter Guhr's Leitung haben\nwir Alles mit Leichtigkeit gespielt, unter Messer mussten\nwir uns schon anstrengen, um nicht zurück zu bleiben,\njetzt aber machen wir oft Bogen-Exercitien in moderner\nVirtuosen-Art und arbeiten im Schweisse des Angesichtes\",\nso liegen auch in diesem Geständnisse Kriterien zur Wür-\ndigung der Gegenwart zu Tage.\nMöge sich Herr Musik-Director Müller bemühen, sich\nvon der langgeübten Gewohnheit möglichst frei zu ma-\nchen, um jeglicher Charakteristik gerecht werden zu kön-\nnen; denn darin besteht eine der Hauptverpflichtungen des\nDirigenten. Wohin längeres Verharren in den gerügten\nIrrthümern hierorts unausbleiblich führen würde, soll zum\nBeschlüsse in Mittheilung eines persönlichen Erlebnisses\n1843 zu Leipzig gezeigt werden, dessen ich vor vielen\nJahren bereits vorübergehend gedachte, das aber heute\neine treffende Application findet. Auf einer Rückreise im\nMonat December von Berlin nach Aachen begriffen, machte\nich einen längeren Aufenthalt in Leipzig, um einige Ge-\nwandhaus-Concerte anzuhören; Ferdinand Hil ler hatte\nals unmittelbarer Nachfolger Mendelssohn's eben deren\nLeitung übernommen. Gleich bei der ersten Begegnung\nmit dortigen Musikern bekam ich bittere Klagen über den\nneuen Dirigenten zu hören, dahin lautend, er verschleppe\nalle Tempo's, sei überhaupt eine „Schlafmütze\" und der-\ngleichen mehr. Da ich Herrn Ililler noch niemals am Di-\nrigentenpulte gesehen hatte, so mussten derlei Urtheile\nüber seine Wirksamkeit Spannung in mir erregen. Schon\ndas nächste Concert brachte die J.-Jwr-Sinfonie von Beet-\nhoven, diesen Prüfstein für die Befähigung eines Dirigen-\nten. Gleich bei der Introduction und dem folgenden Haupt-\nsatze ward mir so heimatlich zu Muthe, als befinde ich\nmich in einem Concert spiritueim alten Wien. Der\nzweite Satz, nicht in dem vorgezeichneten Ällegrctto, son-\ndern in Tempo andante wahrhaft weihevoll ausgeführt,\ndrängte mich zu freudigen Ausrufungen, die von meinen\nnächsten Nachbarn, Herrn Professor Wentzel aus dem\nConservatorium und Herrn Hermann Hirschbach,\ndem bekannten strengen Kunstrichter, nicht mit Beifall\naufgenommen wurden. Die beiden folgenden Sätze aber\n\nehester gegenüber befindliche Querwand des länglichen Saal-\nbaues anschlagen zu sollen, sich über einander aufthürmen\nund an den Langseiten brechen. [Eine solche Aufstellung ist\naber Frankfurt allein eigentümlich; soust überall steht der\nChor u. s. w. mit dem Gesicht nach dem Publicum. Die Stel-\n\\\nlung des Dirigenten, ob er die linke Seite oder das Gesicht\nden Zuhörern zukehrt, ändert dabei nichts] Welch eine aku-\nstische Curiosität zeigt sich aber erst in der hierorts belieb-\nten Orchester-Aufstellung im Theater! Jedoch, Gewohnheit\nheiligt jedwede Gesetz- und Regelwidrigkeit.\n*) Bekanntlich hat Guhr das hiesige Opernwesen von 1821 bis\nzu seinem Ableben 1848, demnach 27 Jahre hindurch, geleitet\noder bezeichnender: gehegt und gepflegt. Was würde er wohl\nzu dem gegenwärtig bestehenden Opern-Jammer sagen? Das\nfragen sich nicht Wenige."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.5", "texte": "hatten meinen Enthusiasmus erst vollends zum Ausbruch\ngebracht, weil Alles so zu Gehör gekommen, wie ich das\nWerk mit Hülfe des grossen Meisters in Wien kennen\ngelernt und selber oft zur Ausführung gebracht hatte. Da\näusserte Hirschbach: „Wenn Beethoven selber sagte, dies\nseien die rechten Tempo's, so würde ich ihm erwidern,\ndass er sein eigenes Werk nicht versteht.\" Hiedurch, wie\ndurch die schnöden Urtheile Anderer über Hiller's Direc-\ntionsweise waren mir deutliche Beweise gegeben, wie sehr\nMendelssohn den Sinn selbst kunstgebildeter Hörer ver-\nrückt hatte, dass die Anerkennung des Rechten und Wah-\nren sogar in jenem Kreise bereits ausser Möglichkeit ge-\nsetzt worden *). Mögen wohl die genannten Kunstmänner\njetzt, nach hundertfachen, Mendelssohn weit überbietenden\nAusschreitungen, die unter ihren Augen seitdem vorgefal-\nlen und vielleicht noch immer vorfallen**), auch noch so\ndenken, wie im Jahre 1843?\nVideant Consules damit das Rechte und Wahre\nin den beiden Conservatorien zu Frankfurt erhalten bleibe!\n\nFünftes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.\nRob. Schumann’s Musik zu Scenen aus Göthe’s Faust.\nKöln, den 14. Januar 18G2.\nII.\n(L s. Nr. 3.)\nDie Concert-Gesellschaft hat dadurch, dass sie zum\nersten Male in Deutschland das bedeutendste Werk eines\nder grössten Tondichter unseres Jahrhunderts zur Auffüh-\nrung brachte, eine heilige Pflicht erfüllt, die sie dem An-\ndenken Robert Schumann's und ihrer eigenen Stellung\nunter den Kunst-Instituten im deutschen Vaterlande schul-\ndig war. Indess war die Aufführung immerhin ein Wag-\nniss nicht weil die erforderlichen Kräfte dazu ungenü-\ngend vorhanden gewesen wären, sondern weil gerade hier\nin Köln Schumann'sche Musik überhaupt keineswegs bei\ndem Publicum in Gunst steht, da dessen vorherrschende\nNeigung nicht aus hergebrachter Mode oder Nachspreche-\nrei, sondern mit gebildetem Geschmack und durch vieles\nHören sicher gewordenem Bewusstsein des Urlheils sich\nden Werken der classischen Meister fast ausschliesslich\nzuwendet. Trotzdem können wir uns auf den bei Weitem\nGrössten Theil der Zuhörerschaft stützen, wenn wir sagen,\ndass der Eindruck im Allgemeinen ein mächtig aufregen-\nder und erwärmender war, der über die erkältenden Ein-\nflüsse einiger allerdings fühlbarer Mängel den Sieg davon\ntrug. Aul uns war dieser Eindruck im Ganzen und Gros-\nsen ein so entschiedener, dass wir dieser Schöpfung des\nVerewigten, die in den letzten zehn Jahren seiner unge-\ntrübten Geisteskraft entstanden, unbedingt den Preis unter\nseinen Vocalwerken, ja, in einigen Abtheilungen derselben\nunter allen seinen Compositionen zuerkennen.\nWohl können und müssen sich gegen die Auswahl\nder Scenen und gegen die Art der Auflassung des Einzel-\nnen wie selbst ganzer Theile gewichtige ästhetische Zweifel\nund Bedenken regen; allein wenn wir uns auf den Stand-\npunkt des Componisten stellen und seine individuelie\nAuflassung einmal gelten lassen, so reisst uns die musica-\nlische Durchführung dieser Auffassung in der That über\njene Bedenken hinweg, weil sie in ihren meisten Pha-\nsen eine melodische Erfindung und einen harmonischen\nReichthum, und in beider Verbindung eine Kraft und einen\nSchwung der Phantasie offenbart, wie sie nur einem mu-\nsicalischen Genie gegeben ist, und das ist es, was\nSchumann von Richard Wagner unterscheidet oder viel-\nmehr unendlich hoch über ihn stellt. Denn nehmen wir\nauch bei Letzterem seinen Standpunkt an, lassen wir\nselbst mit gänzlicher Ergebung sein System für den Au-\ngenblick gelten, so stösst uns dennoch, wenn wir die Re-\nsultate dieser besonderen Kunst-Theorie hören, die mu-\nsica I i seh e Leere, die Abwesenheit aller musicalisch-schö-\nnen Gedanken zurück, und die blendende Folie starker\nund neuer Klangfarben vermag nicht, das Glas, dem sie\nuntergelegt ist, in echte Steine zu verwandeln. Wohl ist\nes wahr, dass auch bei Schumann der musicalische Strom\nnicht immer ungetrübt und unaufgehalten iiiesst, dass er\nselber ihm oft, wie absichtlich, Steine und Felsstücke in\nden Weg legt, dass man in vielen Stücken mehr studirte\nCombination als frischquellende Melodie findet, dass da\noder dort Rhythmus den Schwung der Gedanken ersetzen\nsoll und die Neuheit seltsamer Harmonieen um den Preis\ndes Wohllautes erkauft wird: allein in dieser Faust-Musik\nweht ein Geist, der in den meisten Nummern dies alles\nüberwunden hat und der in den grösseren Tonbildern, wie\nin der Scene im Dom, in der Eröffnungsscene der zweiten\nAbtheilung (Ariel und die Elfen) und vor allen in der gan-\nzen dritten Abtheilung, der Verklärung Faust's, die mit\ndem Chor: „Waldung, sie schwankt heran\", beginnt, fer-\nner das grosse Prachtstück: „Gerettet ist das edle Glied\nder Geisterwelt\" (Nr. 4), und die süssen Melodieen des\nBariton-Solo's: „Herrscherin der Welt\", und: „Dir, der\nUnberührbaren\" (mit Harfenbegleitung und Chor Nr.\n\n*) Es gereicht Herrn Capellmeister Hiller zu nicht geringem\nRuhme, in dieser Zeit von Begriffsverwirrung unter den Diri-\ngenten seiner damaligen Yerfahrungsweise am Palte bis zu\ndiesem Tage treu geblieben zu sein und Energie mit Be-\nsonnenheit stets im Einklang zu erhalten.\n**) Nein: denn auch Herrn C, Reinecke hat man jetzt dort den\nVorwurf der schleppenden Tempo's gemacht !\nAnmerkung der Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.6", "texte": "5 und 6) enthält, endlich in dem gewaltigen Schlusschor:\nAlles Vergängliche ist nur ein Gleichniss\" ein Geist\nweht in diesen Tongebilden, sagen wir, der in wunderba-\nrer Bewegung die Erinnerung an Beethoven's letzte grös-\nsere Compositionen für Chor und Orchester in unserem\nGemüthe weckt; es wird uns bei vielen Stellen so zu\nMuthe, als müssten wir Schumann's „Unsterblichem\", wie\nes Göthe nennt, zurufen: „Ja, du hattest ein Recht dazu,\ndich Beethoven anzuschliessen!\"\nVielleicht wird die hier ausgesprochene Ansicht gerade\num desswillen, weil man unserem Urtheile über manche\nvon Schumann's anderen Werken eher zu grosse Strenge,\nals Milde vorgeworfen hat, die Concert-Institute Deutsch-\nlands bewegen, sich die Aufführung einer der schönsten\nCompositionen unserer Zeit angelegen sein zu lassen. Die\nSchwierigkeiten sind nicht so gross, wie sie beim ersten\nAnlauf scheinen. Der Solostimmen sind allerdings viele, sie\nverlangen aber nicht so sehr Virtuosität, als fleissiges Stu-\ndium, richtige Auffassung und Ausdruck. In dieser Be-\nziehung leisteten hier auch die angehenden Sängerinnen\nvom Conservatorium, z. B. Fräulein von Conraths (So-\npran) und Fräulein Asm an n (Alt) recht Lobenswerthes,\nbesonders in der dritten Abtheilung, da sich Herr Prof.\nBöhme mit seiner bekannten Hingabe an die Kunst der\nEinübung aller mehrstimmigen Solosätze unterzogen und\nsich dadurch ein grosses Verdienst um die Ausführung\nerworben hatte. Die obige Bemerkung gilt eben so von\nder Partie Gretchen's und des Solo-Tenors, welche\nbeide, die erste durch Fräulein Genast, die zweite durch\nHerrn A. Pütz, sehr gut vertreten waren. Die Partie des\nMephistopheles erfordert im Dom und in der Todes-\nscene schon einen schwieriger zu treffenden charakteristi-\nschen Vortrag, der Herrn Bergstein, welcher übrigens\nnicht ganz gut disponirt war, nur theilweise gelang. Schei-\ntern doch auch die geschicktesten Schauspieler an der\nDarstellung des „Geist's, der stets verneint!\"\nDer meist rein declamatorische, zuweilen tragische\nGesang in den Monologen Faust's verlangt freilich einen\nMeister, wie ihn die Partie hier in Stock hausen fand.\nNicht bloss die tiefste Durchdringung seiner Aufgabe, son-\ndern auch eine innige Liebe zu dieser Partie trat in sei-\nnem Vortrag zu Tage, den überall nicht nur das volle\nVerständniss erleuchtete, sondern auch eine Wärme des\nAusdrucks durchglühte, wie sie der jedesmaligen Empfin-\ndung angemessen war. Dabei kommt nun dem trefflichen\nSänger die seltene Kunst der verschiedenartigen Färbung\ndes Tones, die er in hohem Maasse besitzt, gar sehr zu\nStatten; mit dieser erzielt er Wirkungen, welche auch\ndie sorgfältigste dynamische Nuancirung in piano und\nforte, crescendo und decrescendo allein nicht erreichen\nwürde. Diese wunderbaren Verwandlungen des Stimm-\nklanges traten oft und stets so natürlich hervor, dass der\nZuhörer sich kaum des Mittels bewusst werden konnte,\nwodurch der Sänger so magisch wirkte. Man erstaunt\nüber die Natur eines so biegsamen Organs und über die\nKunst des Sängers, der diese Stimme wie ein Instrument\nmit verschiedenen Saiten bezogen zu behandeln versteht.\nWie viel würden aber alle diese einzelnen Schönhei-\nten des grossen Tongemäldes verloren haben, wenn sie\nnicht auf dem prächtigen Goldgrunde des Chors und des\nOrchesters vor uns erschienen wären! Wir müssen allen\nMitwirkenden den wärmsten Dank sagen; für Ferdinand\nHiller wird dieser Concert-Abend eine der schönsten Er-\ninnerungen sein und sein befriedigendster Lohn in dem\nBewusstsein liegen, das grösste Werk seines Freundes\nund Kunst- und Geistesverwandten zur ersten vollständi-\ngen und gelungenen Aufführung gebracht zu haben.\nEine Menge von Fremden, Musiker und Musikfreunde,\nwar herbeigekommen, selbst aus so fernen Gegenden wie\nWinterthur in der Schweiz, von wo Musik-Director Kirch-\nner mit zwei Freunden die Reise bloss des Concertes we-\ngen hieher gemacht halte. Die grösste Theilnahme erregte\naber die Anwesenheit von Clara Schumann; möge die\nhochbegabte Frau in der kölner Aufführung der höchsten\nTondichtung ihres so früh dahingeschiedenen Gatten eine\nwürdige Feier des Andenkens an ihn gefunden haben.\n\nAus Bonn.\nWenn ich Ihnen neulich schrieb (Nr. 1, S. 7), dass sich unsere\nmusicalischen Zustände neu belebt haben, so muss ich als einen\nHaupt-Factor dieses Aufschwungs die Gründung des städtischen\nGesangvereins hervorheben. Sie wissen freilich, dass Bonn seit\nlangen Jahren einen „Singverein\" besass; allein Sie haben vielleicht\nnicht erfahren, dass er in der letzten Zeit theils an Mitgliedern ab-\ngenommen hatte, theils gar nicht mehr als dauerndes Institut be-\nstand, sondern nur, umgekehrt wie die Nachtigallen, im Winter sang\nund im Frühling und Sommer pausirte. Herrn Musik-Director Bram-\nbach ist es nun in Verbindung mit mehreren Musikfreunden ge-\nlungen, eine neue Organisation des Vereins ins Werk zu setzen,\nund man hat beschlossen, ihn „städtischen Gesangverein\" zu nennen,\nein Name, welcher die besonderen Interessen und Zwecke aus-\nschliesst und hoffentlich das Panier wird, um welches sich alle\nGesangfreunde versammeln, um ein dauerndes Gesang-Institut, das\ndem Allgemeinen dient, zu gründen. Diese Hoffnung ist durch\ndie vermehrte Theilnahme, wie sie sich in dem Chor der bisher ge-\ngebenen beiden ersten Abonnements-Concerte gezeigt hat, bereits zu\nerfreulicher Gewissheit geworden.\nDas erste Concert (den 14. November) begann mit Gluck's\nOuvertüre zur Iphigenie-, darauf folgten das Laudate Dominum für\nSopran-Solo, Chor und Orchester von Mozart, Beethove n's C-\nfür das Pianoforte (vortrefflich aufgefasst und wieder-\ngegeben von Herrn Brambach) und Mendelssohn's 42. Psalm:\n„Wie der Hirsch schreit\" u. s. w. Den zweiten Theil des Con-\ncertes füllte Beethoven' s Sinfonie Nr. 8 in F. Die Chöre waren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.7", "texte": "besonders frisch und kräftig. Die Orchesterstücke gingen recht gut,\ndie Tempi waren weder zu schleppend (wie wir das früher wohl\nhier und da erlebt haben), noch zu schnell. Zu bedauern ist nur,\ndass die Stadt Bonn es noch nicht so weit gebracht hat, ein eigenes\nOrchester zu besitzen, so dass wir immer die Hülfe aus der Nach-\nbarstadt Köln in Anspruch nehmen müssen.\nDen vollsten Beweis dessen, was ich oben gesagt habe, und zu-\ngleich der rühmenswerthen Thätigkeit, Einsicht und Tüchtigkeit des\nDirigenten gab das zweite C onc er t - durch die Aufführung von\nHaydn's „Jahreszeiten\", welche durch Inhalt und Ausführung das\nPublicum, das den Saal bis zu den letzten Plätzen füllte, begeisterte.\nDie Chöre wurden mit Liebe zur Sache und mit Feuer gesungen;\ndie drei Solo-Partieen: Sopran Fräulein Rothenberger aus\nKöln, Tenor Herr A. Pütz ebendaher, Bass Herr Hill aus\nFrankfurt am Main, trugen durch ihre schönen Stimmen und den\nausdrucksvollen Vortrag sehr viel zum Gelingen des Ganzen bei,\ndessen energische und präcise Leitung Herrn Brambach zu grosser\nEhre gereicht.\n\nAus Wien.\nVeritas.\nIn unserer guten Kaiserstadt tragen sich gegenwärtig Dinge zu,\ndie im ausserösterreichisehen Deutschland schwerlich irgendwo mög-\nlich wären, die aber entschieden veröffentlicht werden müssen, ob-\nwohl sie eigentlich mit der Kunst selber nichts zu thun haben, son-\ndern nur in das Capitel „Zustände\" gehören. Ueber das Privatleben\nder Künstler hat sich die Zeitungs-Presse natürlich aller Betrach-\ntungen zu enthalten, aber die Handlungsweise derselben kann, wie\nes diesmal wirklich der Fall ist, jede gesunde Basis des Musiklebens\naufheben oder verrücken, und dann wäre es Pflichtverletzung, länger\nzu verschweigen, was von Mund zu Mund geht und bei allen ehr-\nlichen Leuten tiefste Entrüstung erregt.\nSie haben gewiss von den scandalösen Geschichten gehört, die\nkürzlich und seit Jahren durch ein Individuum veranlasst werden,\nwelches, obwohl bei allen, die die Verhältnisse kennen, längst ge-\nrichtet, dennoch das hohe Ross der Kritik herumtummelt und sein\nLeben damit fristet, dass es alle, die seine Feder treffen kann, brief-\nlich, zwar indirect durch eine ihm sehr nahe stehende Dame, um\n„Anlehen\" angeht und im Verweigerungsfalle die Betreffenden so-\nfort seinen giftigen Stachel fühlen lässt. Was Sie noch nicht wissen,\nwas aber ebenfalls verbürgt ist, ist, dass derselbe Kritiker nicht bloss\nKünstler, sondern auch alle irgend hervorragenden Instrumentenma-\ncher in den Kreis seiner Industrie zieht, und zwar der Art, dass\ndie Sache über kurz oder lang Anlass zu Processen geben wird. Die-\nses früher der Liszt'schen Musik dienstbare Individuum hatte kürz-\nlich einen argen moralischen Schlag erlitten durch Veröffentlichungen\ndes Herrn Dustmann, des Gemahls unserer Hof-Opernsängerin, und\ndie öffentliche Meinung war so gut wie vollständig über ihn einig.\nHeute aber hat sich Unglaublichstes ereignet. An den Strassen-\necken war ein grosser Anschlagzettel zu sehen, worauf zu lesen\nstand, dass ein hiesiger Kritiker ein „historisches Concert\" veran-\nstaltet und dass in demselben, staunen Sie, die ersten Künstler\nWiens, darunter der artistische Director des Conservatoriums, Herr\nHellmesberger und seine Genossen, mitwirken werden, ja, dass\nsogar die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde ihre Zustim-\nmung gegeben hat, dass einige Schülerinnen des Conservatoriums\nsich dabei betheiligen. Man sagt also dadurch der erstaunten Welt\nungefähr: „Glaubt den bösen Zungen nicht; er ist unschuldig, sonst\nwürden wir anstehen, ihn zu unterstützen/' Ich frage Sie, kann bei\nsolcher Handlungsweise die ehrliche Kritik bestehen? wird sie nicht\nan den Pranger gestellt?\nWas die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde betrifft, so\nwill ich einstweilen annehmen, dass ihre Zustimmung auf den Zettel\ngesetzt worden sein mag, ohne dass sie ihre positive Einwilligung\ngegeben. Aber der Director des Conservatoriums? Freilich sind iu\neiner gewissen Zeitung die Kritiken über dessen Quartett-Productio-\nnen seit einiger Zeit in überschwänglichem Tone gehalten!\nIn welchem Lichte nach solchen Vorgängen* ein Theil der hiesi-\ngen Künstler erscheinen muss, das zu bedenken überlasse ich Ihnen\nund Ihren Lesern. Die hiesige Kritik aber wird hoffentlich das Herz\nauf dem 1 echten Ileck haben und den hingeworfenen Handschuh\naufnehmen, um einmal Beide, die Künstler und den ihre Schwächen\nund ihre Eitelkeit ausbeutenden Kritiker gehörig aufs Korn zu\nnehmen. Ihre ergebene\nWien, den 19. Januar 1862.\n\nAufruf zu Beiträgen für ein Marschner-Denkmal\nin Hannover.\nDer am 13. d. Mts. erfolgte Tod Heinrich Marschner's hat\ndie Gemüther aller Deutschen, welche der Entwicklung ihrer natio--\nnalen Kunst mit Theilnahme folgen, in schmerzliche Trauer versetzt.\nWohin die Kunde gedrungen ist, da sind auch die Stimmen dank-\nbarer Anerkennung laut geworden, dass das Vaterland in dem Ge-\nschiedenen einen Mann verloren hat, hoher Ehren werth, einen gott-\ngesegneten Geist, dessen Schöpferkraft eine Quelle edelsten Genusses\nwar für die Mitlebenden, und es bleiben wird für die kommenden\nGeschlechter. Wo in unserem grossen Deutschland der Pflege der\nKunst eine Stätte bereitet ist, da hat auch das gesangesfrohe Volk\nan den Tönen des Meisters sich erquickt, hat mitgetrunken aus dem\nBorn der Harmonieen, in denen er, mitfühlend mit dem Volke in\nLeid und Freude, das Empfindungsleben der Nation gespiegelt hat.\nin Weisen ihres eigensten Charakters demselben künstlerisch Gestalt\nverleihend. Solche Schöpferkraft auf dem Gebiete des Schönen soll\nder Deutsche feiern mit Stolz als eine Ehre seines Namens; über\ndas flüchtige Wort hinaus soll dauerndes Erz den Ruhm des Mei-\nsters und mit ihm der Nation verherrlichen. An welchen Theil, an\nwelchen Ort des grossen Vaterlandes könnte die Mahnung hierzu\ndringender herantreten, als an Land und Stadt Hannover, die zweite\nHeimat des edlen Todten, wo er die Tage seiner höchsten Kraft,\nseines segensreichsten Wirkens lebte! An die Hannoveraner zunächst\ndesshalb wenden sich die Unterzeichneten, nachdem sie sich ver-\neinigt haben, um den Plan, Heinrich Marschner in der Residenzstadt\nHannover ein Denkmal zu errichten, zur Ausführung zn bringen.\nAber auch an die Freunde des Geschiedenen im weitern Valerlande\nrichten die Unterzeichneten die Bitte, dem zu schaffenden Werke\ndurch freundliche Gaben ihre Unterstützung angedeihen zu lassen.\nDem ganzen Deutschland hat Marschner's Herz geschlagen,\ndem ganzen Deutschland hat seine Muse gesungen, das g>anzc\nDeutschland hat sich seiner Muse gefreut. So werde denn auch\ndas Denkmal Marschner's ein neues redendes Zeugniss von dem\neinigen Geiste, der alle Glieder der Nation beseelt!\nHannover, den 30. December 1861.\nGraf v. Bennigsen (Präsident). Dr. E. Frederich.\nJoseph Joachim u. s. w.\nDie Expedition der Nieder rheinischen Musik-Zeitung\n(M. DuMont-Sehauberg'sche Buchhandlung, Hohestrasse\nNr. 133) nimmt Beiträge aus Köln und der Rheinprovinz in\nEmpfang.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nÜlSlba* Am Dinstag den 21. d. Mts. gab Frau Clara Schu-\nmann eine Soiree im Hotel Disch, welche ganz ausserordentlich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620125-01.1.8", "texte": "zahlreich besucht war. Herr Stockhausen unterstützte die Künst-\nlerin durch den herrlichen Vortrag von vier Liedern („Harold\" von\nHiller, ..An die Leier\" und „Aufenthalt\" von Schubert, „Sonntags\nam Rhein\" von Schumann), deren letzteres er auf stürmisches Ver-\nlangen so gefällig war, zu wiederholen. Frau Schumann spielte das\nQuintett von Rob. Schumann, das Capriccio Op. 88 von Hil-\nler, zwei Lieder ohne Worte von Mendelssohn, Beethoven's\nZ>-??io£/-Sonate, Op. 31, Sarabande und Gavotte (G-moll) von J. S.\nBach, Andante und Presto von Dom. Scarlatti. Das meister-\nhafte Spiel der grossen Künstlerin glänzte in sämmtliehen Musik-\nstücken, am meisten in dem Capriccio, den Liedern von Mendelssohn\nund dem Presto von Scarlatti. Der Vortrag des letzteren dürfte im\nTechnischen und Anmuthigen, und das Quintett in allem Künstle-\nrischen, d. h. in Auffassung und Ausführung, das Vollendetste ge-\nwesen sein, was man hören kann. Auch die Sonate von Beethoven,\nein Lieblingsstück der Künstlerin, riss das Publicum zum lebhafte-\nsten Beifall hin, womit wir in Bezug auf das erste Allegro, wiewohl\nauch dieses theilweise schon zu schnell gespielt wurde, einstimmen,\naber keineswegs das Presto und zuweilen Prestissimo billigen kön-\nnen, wozu sie das AI legre tto des letzten Satzes machte; abge-\nsehen von der Nichtachtung der Intention des Componisten, schadet\neine solche Uebertreibung des Tempo's auch bei den besten Meistern\ndem reinlichen Spiel, da bei den jetzigen Concert-Flügeln die Klang-\nfülle namentlich im Bass die Deutlichkeit der Figuren alsdann gera-\ndezu unmöglich macht.\nAn demselben Abende gab Herr Kammersänger E. Koch seine\njährliche Soiree im mittleren Saale des Gürzenich. Auch dort war\nder Saal überfüllt, und sämmtliche Gesang-Vorträge (Arien, Lieder\nund Ensemblestücke von Mozart, Spohr, Beethoven, Hauptmann,\nHille, Rossini, Reissiger, Händel, Righini, C. M. von Weber) erhiel-\nten einstimmigen Beifall. Die Ausführenden waren die Damen Julie\nRothenberger von hier, Francisea Barn aus Hamburg, Sara Oppen-\nheimer aus Ostfriesland, Anna Igel aus Coblenz und die Herren\nRiese aus Mainz und *** von hier sämmtlich durch Herrn Koch\ngebildete Kunst-Jüngerinnen und Jünger, von denen Fräulein Ro-\nthenberger sich bereits durch ihre Concert-Vorträge in der Rhein-\nprovinz einen wohlverdienten Ruf als Sängerin erworben hat.\nWien. Die hier erscheinenden „Recensionen über Thea-\nter und Musik\", welche sich durch gediegene und unparteiische\nKritik einen grossen Leserkreis erworben haben, werden vom Jahr-\ngange 1862 an, ohne die Vertretung des Auslandes und der Provin-\nzen zu vernachlässigen, ein besonderes Augenmerk auf die wiener\nKunstzustände richten und desshalb auch eine Monats-Bei-\nlage für bildende Kunst bringen (ohne Preis-Erhöhung\\ ein\nFachblatt, das bisher im österreichischen Kaiserstaate mangelte. Als\nverantwortlicher Redacteur erscheint von jetzt an Prof. Julius\nSchwenda. Verlag von J. Löwenthal (Hohe Markt 541).\nBerichtigung.\nIn der Anzeige über „Holle's Verlag\" in Nr. 52 der vorig-\njährigen Niederrheinischen Musik-Zeitung hat sich ein Irrthum ein-\ngeschlichen, welchen zu berichtigen die Pflicht drängt. Es heisst\ndort S. 4i2, Holle sei „als Nachdrucker bestraft\" u. s. w. Aus der\nglaubhaftesten Quelle erfahre ich jetzt, dass diese einem Gerüchte\nnacbgesprochene Behauptung unbegründet ist. Der wahre Sach-\nverhalt, Anfang und Ausgang des Processes u, s. w. soll sobald wie\nmöglich veröffentlicht werden*).\n*) In Preussen ist allerdings der Vertrieb einiger Drucke von\nHolle (z. B. von Werken von C. M. v. Weber) als unge-\nsetzlich verurtheilt und zu Gunsten des Original-Verlegers\nnamhaft bestraft worden. Die Redaction,\n\nE. K."}]}